Neu im Kino/Filmkritik: „Das Leben meiner Tochter“ und das dringend benötigte Spenderherz

Während eines Urlaubs in den Bergen bricht die achtjährige Jana zusammen. Im Krankenhaus stellen die Ärzte fest, dass sie eine akute Herzmuskelentzündung hat und dringend ein neues Herz benötigt. Im Schnitt dauert es acht Monate, bis ein passendes Spenderherz gefunden wird. Nach einem Jahr ist Jana immer noch im Krankenhaus. Ihre Chancen zu überleben, schwinden täglich.

Da entdeckt Janas Vater Micha Faber im Internet ein Angebot. In Osteuropa sind die Gesetze laxer. Ein passendes Organ kann schneller besorgt werden. Es kostet nur die Kleinigkeit von 250.000 Euro. Janas Ärztin Dr. Andrea Benesch und Janas Mutter Natalie raten ab. Aber Micha lässt sich mit den illegalen Organhändlern ein.

So ein spannendes Thema, so eine schön zugespitztes moralisches Dilemma und dann ist „Das Leben meiner Tochter“ ein erschreckend leb- und auch spannungsloser Film. Dem Drehbuch gelingt es nämlich nie, die Fabers Dilemma in eine spannende Erzählung zu übertragen. Strukturell ist der strikt chronologisch erzählte Film wie ein Thriller aufgebaut. Aber in den einzelnen Szenen zeigt sich das nicht. Das liegt vor allem an den Dialogen. Sie hören sich durchgängig wie eine erste Fassung an. Das ist bestenfalls Bürokratendeutsch, das in einer Überarbeitung in gesprochene Dialoge hätte übersetzt werden müssen. Aus einem „Hat Janas Zustand sich verbessert?“ wäre ein „Geht es Jana besser?“ oder „Wie geht es Jana?“ geworden. Es sind Sätze, die man aufschreiben, aber nicht sagen kann. Entsprechend emotionslos und distanziert tragen die Schauspieler die Drehbuchsätze dann vor.

Auch die Bilder und die ruhige Inszenierung zielen auf den TV-Bildschirm. Die Ausstattung wirkt durchgehend unpassend. Oder haben in den Alpen die Chefärzte Büros, in denen sie locker ganze Betriebsversammlungen und Partys abhalten können?

Dabei ist das Thema Organspende und illegaler Organhandel wichtig und verdient eine ernsthafte Behandlung. Nur werden in Steffen Weinerts Drama „Das Leben meiner Tochter“ diese Fragen zu oberflächlich behandelt. Wichtige Informationen über den Ablauf von Organspenden und dem Problem des illegalen Organhandels werden kaum geliefert. So warnt Janas Ärztin die Fabers zwar, vor der illegalen Transplantationen und den möglichen strafrechtlichen Folgen. Aber das ist nur eine Szene im Film. Ein späteres Gespräch, das Natalie mit Dr. Benesch führt, wird nur in einem späteren Gespräch mit ihrem Mann in einem Satz erwähnt.

Das Leben meiner Tochter“ ist ein ambitioniertes Fernsehspiel, das deutlich unter den Möglichkeiten des Themas bleibt.

Das Leben meiner Tochter (Deutschland 2019)

Regie: Steffen Weinert

Drehbuch: Steffen Weinert

mit Christoph Bach, Maggie Valentina Salomon, Alwara Höfels, Barbara Philipp, André M. Hennicke, Marc Zwinz, Erik Madsen, Birge Schade

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Leben meiner Tochter“

Moviepilot über „Das Leben meiner Tochter“

 

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