Neu im Kino/Filmkritik: „Vox Lux“ – irgendwie die Geschichte einer Pop-Sängerin

2000 wird Celeste (Raffey Cassidy) mit einem kitschigen Lied bekannt, in dem die Dreizehnjährige ihre Gefühle nach einem Amoklauf an ihrer Schule, den sie schwer verletzt überlebte, verarbeitet. Weil das Lied zu einer überall gesungenen Hymne wird, erhält Celeste einen Plattenvertrag. Sie wird zu einem Star aufgebaut. Ihre Schwester, die Songwriterin Eleanor (Stacy Martin), ist immer bei ihr. Ihr Manager (Jude Law) und die Pressesprecherin Josie (Jennifer Ehle) kümmern sich um alles. Vor allem um die perfekte, massentaugliche Pop-Produktion.

Dieser Aufstieg nimmt die erste Hälfte von Brady Corbets zweitem Spielfilm ein. Und es ist die bessere Hälfte von „Vox Lux“.

Nach einem mehrjährigem Zeitsprung spielt die zweite Hälfte des Films 2017. Es werden die Stunden vor einem Konzert von Celeste geschildert. Sie ist ein großer Popstar und das Konzert in ihrem Heimatort ist der Abschluss ihrer Tour. Auf der Bühne ist sie ein in Science-Fiction-Outfits auftretender Star. Hinter der Bühne kämpft sie mit ihrer Drogensucht, ihren Stimmungsschwankungen und ihren Selbstzweifeln. Sie ist, wie man es aus der Regenbogenpresse kennt, ein Bündel von Allüren, das davon ausgeht, dass sich der gesamte Kosmos um sie dreht. Die Beziehung zu ihrer Tochter ist verkorkst.

Diese Hälfte ist eine zerfaserte Abfolge elend lang und ohne großen Erkenntnisgewinn vor sich hin mäandernder Dialoge, garniert mit einigen bedeutungsschwangeren Bildern.

In dieser Hälfte wird Celeste von Natalie Portman gespielt. Raffey Cassidy, die zuerst Celeste spielte, spielt jetzt ihre Tochter Albertine. Stacy Martin, Jennifer Ehle und Jude Law (der immerhin seinen Bart abrasierte) spielen, optisch unverändert, die Rollen, die sie in der ersten Filmhälfte spielten, weiter. Ein Grund für diese idiotische Entscheidung, eine Schauspielerin durch eine andere zu ersetzen und die ersetzte Schauspielerin eine andere Rolle spielen zu lassen, ohne ihr Aussehen zu verändern (was dann ja als Hinweis auf den Rollenwechsel verstanden werden könnte), ist nicht ersichtlich. Außer dass es einen irritiert.

Nach einer guten Stunde langweiligem Seelenstriptease gibt es dann den aus der Werbung bekannten Auftritt von Natalie Portman als Celeste in einer Spektakel-Pop-Show, die auch Madonna gefiele. Und Celestes Überleben während des Amoklaufs wird mit einer Geschichte erklärt, die Musikfans schon bei Robert Johnson besser gehört haben.

Vox Lux“ zerfällt in eine interessante erste und eine hoffnungslos zerfaserte zweite Hälfte. In der ersten Stunde, wenn Corbet den Weg eines Mädchens zu einem internationalen Popstar nachzeichnet, findet er immer wieder ungewohnte Wege, um seine Geschichte zu erzählen. Und diese Geschichte hat auch einen eindeutigen Fokus. Der fehlt in der zweiten Hälfte. Den Abschluss bildet dann das Popkonzert, das einem nur gefällt, wenn man diese Disco-Stampfmusik mag, zu der futuristisch gekleidete Männer und Frauen synchronisierte Tanzbewegungen abliefern.

Im Original ist Willem Dafoe der Erzähler, der immer wieder bedeutungsschwanger Celestes Leben mit weltpolitischen Ereignissen verknüpft. Dafoes Stimme ist ein eindeutiger Pluspunkt in einem Film, bei dem unklar ist, was er erzählen möchte.

Die Filmmusik ist von Scott Walker. Die Songs sind von Sia.

Vox Lux (Vox Lux, USA 2018)

Regie: Brady Corbet

Drehbuch: Brady Corbet

mit Natalie Portman, Jude Law, Stacy Martin, Jennifer Ehle, Raffey Cassidy, Christopher Abbott, Willem Dafoe (Erzähler im Original)

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Vox Lux“

Metacritic über „Vox Lux“

Rotten Tomatoes über „Vox Lux“

Wikipedia über „Vox Lux“ (deutsch, englisch)

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