Wem gehört „Der Schatz der Black Swan“?

Als Kind hat man begeistert Geschichten von gefährlichen Schatzsuchen gelesen. Die Schätze lagen in Höhlen oder auf dem Meeresgrund. Und natürlich starben bei diesen Schatzsuchen einige der Schatzsucher.

Wer eine solche Geschichte erwartet, wenn er den von Guillermo Corral und Paco Roca erzählten Comic „Der Schatz der Black Swan“ aufschlägt, kann das Buch gleich wieder zuklappen. Schon auf den ersten Seiten entdeckt die Besatzung der „Explorer“ 2007 in der Straße von Gibraltar den Schatz und bringt ihn wohlbehalten nach Florida. Kurz darauf präsentiert die Bergungsfirma Ithaca ihn stolz der Weltöffentlichkeit.

In dem Moment ist die Geschichte vorbei. Wenn nicht die spanische Regierung annähme, dass die Silber- und Goldmünzen, deren Wert sich auf 500 Millionen Dollar beläuft, nicht in internationalen, sondern in spanischen Gewässern gefunden wurden. Damit wäre Spanien der Eigentümer der Münzen. Um sie von der Bergungsfirma zu bekommen, müssen sie nachweisen, wo der Schatz im Meer lag und von welchem vor Jahrhunderten gesunkenem Schiff er stammt.

Álex Ventura, ein junger Beamter im Ministerkabinett des Kulturministeriums, und Elsa, die Leiterin und einzige Beschäftigte des Amt zum Schutz des Unterwassererbes, sollen die nötigen Beweise beschaffen.

Diese Suche in alten Unterlagen und die juristischen und politischen Winkelzüge zwischen Spanien, den USA und der halbseidenen, gut vernetzten, vermögenden und skrupellosen Firma, die den Schatz der Black Swan gefunden hat, entfaltet schnell beträchtliche Pageturner-Qualitäten.

Guillermo Corral, der Autor der Geschichte, war Diplomat, Generaldirektor für Kulturpolitik und -wirtschaft und Kulturattaché der spanischen Botschaften in Washington, D. C., und Havanna. Die Geschichte vom Schatz der Black Swan beruht auf persönlichen Erfahrungen Corrals und wahren Begebenheiten, dem „Black Swan Project“. Wie nah jetzt der Comic an der Realität ist, kann ich nicht sagen, aber Corrals Fachwissen bei der Darstellung der Arbeit einer Verwaltung und den Abwägungen vor Entscheidungen ist spürbar. Und das Ende erinnert in seiner bürokratischen Absurdität an „Jäger des verlorenen Schatzes“.

Paco Roca (u. a. „Kopf in den Wolken“) setzte die Geschichte in oft monochromen und wie ausgewaschen aussehenden Bildern um, die auf jedes überflüssige Detail verzichten.

Guillermo Corral/Paco Roca: Der Schatz der Black Swan

(übersetzt von André Höchemer)

Reprodukt, 2019

216 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

El Tesoro del Cisne Negro

Astiberri Ediciones, Bilbao, 2018

Hinweise

Reprodukt über „Der Schatz der Black Swan“

Perlentaucher über „Der Schatz der Black Swan“

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