Neu im Kino/Filmkritik: „Rambo: Last Blood“ – Das Ende, hoffentlich

Der Vietnam-Veteran John Rambo, der in den vergangenen Jahrzehnten durch die Welt reiste und Bösewichter ins Jenseits beförderte, lebt inzwischen auf einer Ranch in Arizona. Er schluckt Tabletten, wie andere Erdnüsse essen. Gabrielle, die Enkelin seiner Haushälterin, ist seine über alles geliebte Ziehtochter, die demnächst auf die Universität geht.

Eines Tages fährt sie nach Mexiko. Sie will dort ihren Vater, der sie vor Ewigkeiten verlassen hat, fragen, warum er sie verlassen hat. Kurz darauf ist sie in den Händen der Martinez-Brüder, die ihr Geld unter anderem mit Frauenhandel und Zwangsprostitution verdienen.

Als Rambo das erfährt, packt er sein Auto voll mit den Waffen, die man halt so in Mexiko benötigt, und fährt los.

Adrian Grunberg, der die kurzweilige Mel-Gibson-Actionkomödie „Get the Gringo“ inszenierte, ist hier ein reiner Erfüllungsgehilfe für Sylvester Stallone. Ohne erkennbare Ambitionen wird der Star ins rechte Licht gerückt, während aus allen Ritzen konservative und reaktionäre Ideologie tropft. Alle Mexikaner sind Verbrecher, Drogenhändler, Frauenhändler, Vergewaltiger oder treulose Familienväter. Halt menschlicher Abschaum, der nur auftritt, um von Rambo getötet zu werden. Dafür latschen sie bereitwillig in seine Fallen und leisten in direkten Konfrontationen keine Gegenwehr. Denn Sylvester Stallone ist nicht mehr der Jüngste. Sein Schauspiel beschränkt sich auf grimmige Blicke und grummelige Satzfragmente.

Alle Figuren in diesem Film verhalten sich dumm. Wenn sie die Wahl zwischen zwei dummen Alternativen haben, wählen sie zuverlässig die dümmste Option und sie entscheiden sich konsequent für die die gewalttätige Option. Es gibt nur „Gewalt“ und „noch mehr Gewalt“.

Bis es zu den Gewaltausbrüchen und den damit verbundenen wenigen, dafür sehr blutig-brutalen Actionszenen kommt, vergeht ziemlich viel Filmzeit mit peinlichen Erklärdialogen und Sonnenuntergängen. Spätestens wenn Rambo nach Mexiko aufbricht, verbindet der Film vollkommen ironie- und überraschungsfrei, die Dummheiten der Jugend mit der Sturheit des Alters. Der John Rambo in „Last Blood“ unterscheidet sich nicht von dem deutlich jüngeren John Rambo in „Rambo II – Der Auftrag“ oder in „Rambo III“. Er ist eine Ein-Mann-Kampfmaschine, die die gerade populären Gegner reaktionärer US-Amerikaner abschlachtet.

Das ist genau die strunzdumme Law&Order-Ideologie, die Stallone in den achtziger Jahren zu einem der größten Actionstars machte, die damals schon unbekömmlich war und die hier unverändert wieder präsentiert wird.

Rambo: Last Blood“ ist noch nicht einmal ärgerlich, weil alles genau so kommt, wie man es erwartet, wenn Stallone nicht nur die Hauptrolle übernimmt, sondern auch das Drehbuch schreibt. Der fünfte Rambo-Film ist einfach nur noch ein weiterer vergessenswerter Film mit John Rambo. Auch wenn dieser mit dem Titel „Last Blood“ und, im Abspann, Bildern aus den vorherigen Rambo-Filmen einen Bogen zu „First Blood“, dem Originaltitel des ersten Rambo-Films, schlagen soll.

In Grunbergs Film gibt es nirgendwo den Versuch, den Charakter John Rambo einer Neubetrachtung zu unterziehen oder einen Abschluss zu liefern. Das ist kein letztes Gefecht, sondern einfach nur das nächste Gefecht und, auch wenn Stallone in Interviews zum Filmstart nur von einem weiteren Rocky-Film mit ihm als Rocky redet, ist der nächste Rambo-Film schon am Horizont sichtbar.

Eine unbestrittene Qualität hat der vollkommen ironie- und humorfreie Actionfilm allerdings. „Rambo: Last Blood“ hat unzählige Momente, die sich für Parodien eigenen. Schon beim Ansehen des Films fielen mir mögliche Fake-Trailer und Memes (wie „John Rambo, Herzchirurg“) ein.

Rambo: Last Blood (Rambo: Last Blood, USA 2019)

Regie: Adrian Grunberg

Drehbuch: Matthew Cirulnick, Sylvester Stallone (nach einer Geschichte von Dan Gordon und Sylvester Stallone) (basierend auf der von David Morrell erfundenen Figur)

mit Sylvester Stallone, Paz Vega, Sergio Peris-Mencheta, Adriana Barraza, Yvette Monreal, Oscar Jaenada

Länge: 101 Minuten (der Abspann ist sehr lang)

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Rambo: Last Blood“

Metacritic über „Rambo: Last Blood“

Rotten Tomatoes über „Rambo: Last Blood“

Wikipedia über „Rambo: Last Blood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Adrian Grunbergs „Get the Gringo“ (Get the Gringo, USA 2012)

Homepage von David Morrell (mit Informationen zu Rambo)

The Big Thrill: Porträt von David Morrell (August 2019)

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2 Responses to Neu im Kino/Filmkritik: „Rambo: Last Blood“ – Das Ende, hoffentlich

  1. Verfasser sagt:

    Wir haben uns den Film heute angesehen und nachdem wir unseren Artikel fertig hatten, wurden wir neugierig: hat irgendwer etwas positives über den Film geschrieben?
    Wir sind nicht fündig geworden. Der Film scheint überall durchzufallen.

    Völlig zu Recht natürlich.

  2. AxelB sagt:

    Die Die-hard-Rambo-Fans scheinen begeistert zu sein, weil der Film so richtig brutal ist. Was jetzt kein besonders hoher Anspruch ist.
    Sonst habe ich auch keine wirklich positiven Besprechungen gesehen.

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