Garry Disher verbreitet „Kaltes Licht“

Alan Auhl heißt Garry Dishers neuer Ermittler. Er ist ein Polizist, der nach einer fünfjährigen Pause, in der er seinen Ruhestand genoss, wieder in den Polizeidienst zurückkehrte. Jetzt spotten seine Kollegen etwas über den alten Sack und, wie es sich für einen alten Sack gehört, ermittelt er in der Cold-Case-Unit.

Das neueste alte Verbrechen der Einheit wird am Anfang von „Kaltes Licht“ entdeckt: unter einer Betonplatte auf der Blackberry Hill Farm die südöstlich von Melbourne bei Pearcedale liegt, lag seit Jahren eine Skelett. Während Auhl und seine Kollegen noch ermitteln, seit wann es die Betonplatte gibt, ob auf ihr jemals ein Gebäude stand, wer wann in dem sich auf dem gleichen Grundstück, direkt neben der Betonplatte befindendem Haus wohnte und wer der Ermordete sein könnte, lernen wir Auhl und seine anderen Fälle besser kennen. Schließlich bearbeitet ein Polizist nicht nur einen Fall.

Aktuell interessiert Auhl sich vor allem für zwei weitere Fälle. Einmal der Unfalltod von John Elphick, der 2011 möglicherweise doch ermordet wurde, einmal die seltsame Häufung von Todesfällen bei den Ehefrauen von Dr. Alec Neill. Auhl glaubt, dass der Arzt seine Frauen ermordete. Jetzt wendet Neill sich an die Polizei, weil er glaubt, dass seine dritte Ehefrau ihn umbringen will.

Privat, soweit man hier von privat sprechen kann, ist Auhl in einen Sorgerechtsstreit verwickelt. Auhl besitzt in Carlton ein großes Haus. In seinem Chateau Auhl hat er viele Zimmer mehr oder weniger ordnungsgemäß vermietet an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ein Zimmer benötigen. Eine seiner Mieterinnen ist Neve Fanning. Sie möchte, dass ihrem cholerischem Ex-Mann das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter Pia entzogen wird. Während Neve zutiefst verunsichert und traumatisiert ist, tritt Lloyd Fanning vor Gericht mit unerschütterlicher Arroganz und einem guten Anwalt auf.

Und Auhls neue Kollegin Claire Pascal erfährt, dass ihr Freund eine Affäre hat. Sie zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und im Chateau Auhl ein.

Unter Krimifans genießt Garry Disher seit Jahren einen ausgezeichneten Ruf. Er ist Dauergast auf der Krimibestenliste. Mehrmals erhielt er den australischen Krimipreis, den Ned Kelly Award, und den Deutschen Krimipreis. Außerdem verlieh ihm die Australian Crime Writers Association 2018 den unregelmäßig vergebenen Lifetime Achievement Award. Ebenfalls 2018 war „Kaltes Licht“ auf der Shortlist für ihren Ned Kelly Award.

Disher schreibt Einzelwerke, die nicht immer unbedingt Hardboiled-Krimis sind. Meistens allerdings schon. Er schreibt die inzwischen auf neun Bände angewachsene grandiose Serie um den Profieinbrecher Wyatt. Wyatt ist der australische Bruder von Richard Starks (aka Donald E. Westlake) Parker. Auf der anderen Seite des Gesetzes tummelt Disher sich mit seiner Serie um Inspector Hal Challis, die inzwischen auch auf sieben Bände angewachsen ist und auf Deutsch im Unionsverlag erscheint. Mit Constable Paul Hirschhausen, der in „Bitter Wash Road“ (ebenfalls Unionsverlag) seinen ersten Auftritt hatte, könnte er eine zweite Polizeiserie begonnen haben. Schließlich erscheint im November in Australien der zweite Hirschhausen-Roman.

Und „Kaltes Licht“ könnte der Beginn einer weiteren Polizeiserie sein. Denn am Ende des spannenden Romans gibt es einige lose Fäden und Auhl hat mindestens zwei moralisch höchst problematische Entscheidungen getroffen, die in der Zukunft sein Leben entscheidend verändern können.

Bis dahin ist „Kaltes Licht“ ein Roman, der souverän zwischen den verschiedenen Plots wechselt und sie mit einigen überraschenden Wendungen zu Ende führt. Es ist allerdings auch ein Roman, der sich kaum für den Hauptfall, die Leiche unter der Betonplatte, interessiert. Über weite Strecken interessiert Disher sich mehr für Auhls Privatleben und seine Untermieterin Neve Fanning. Da geht es dann mehr um das Verhältnis von Männern zu ihren Frauen (und umgekehrt), als um die Frage, wer der Mörder ist.

Garry Disher: Kaltes Licht

(übersetzt von Peter Torberg)

Unionsverlag, 2019

320 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Under the cold bright lights

The Text Publishing Company, Melbourne, 2017

Noch mehr Disher

Weil ich im Moment nicht weiß, wann ich zum Lesen von Garry Dishers neuem Wyatt-Roman „Hitze“, gibt es jetzt eine blinde Empfehlung des ebenfalls druckfrischen Werkes. Dieses Mal soll Profieinbrecher Wyatt aus dem Haus eines Pädophilen ein altes Gemälde stehlen. Auf den ersten Blick ein vielversprechender und einfacher One-Man-Job. Auf den zweiten Blick dürfte es für Wyatt viel Ärger und für uns viel Lesevergnügen geben.

In Australien erschien 2018 bereits der neunte Wyatt-Roman „Kill Shot“. Er war, wie „Hitze“, auf der Shortlist für den Ned Kelly Award.

Garry Disher: Hitze

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

pulp master, 2019

288 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

The Heat

The Text Publishing Company, Melbourne, 2015

Hinweise

Homepage von Garry Disher

Unionsverlag über Garry Disher

Wikipedia über Garry Disher (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Garry Dishers „Dirty Old Town“ (Wyatt, 2010)

Garry Disher in der Kriminalakte

 

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4 Responses to Garry Disher verbreitet „Kaltes Licht“

  1. Harry sagt:

    Liegt seit einigen Tagen schon hier, muss aber auch irgendwann auf die Leseliste.

    Gruß
    Harry

  2. AxelB sagt:

    „Kaltes Licht“ oder „Hitze“?

  3. Harry sagt:

    „Hitze“ – und es liegt immer noch. „Kaltes Licht“ wäre bisher eher nur ein Fall für „vielleicht“ mal irgendwann.

  4. AxelB sagt:

    Dachte ich mir. Ich werde wohl die Tage mit „Hitze“ anfangen.

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