Neu im Kino/Filmkritik: „Marianne & Leonard: Words of Love“ von Leonard Cohen an Marianne Ihlen

So long, Marianne“ ist ein Songs von Leonard Cohens erster, Ende 1967 erschienener LP „Songs of Leonard Cohen“. Er ist, wie die ebenfalls auf der LP enthaltenen Songs „Suzanne“, „Sisters of Mercy“ und „Hey, that’s no way to say Goodbye“, einer seiner Klassiker.

In seinem neuen Dokumentarfilm „Marianne & Leonard: Words of Love“ zeigt Nick Broomfield die Geschichte hinter dem Lied. Zu seinen bisherigen Arbeiten gehören „Aileen: Life and Death of a Serial Killer“, „Battle for Haditha“ und „Whitney – Can I be me“.

Die von Cohen in seinem Lied angesprochene „Marianne“ ist die Norwegerin Marianne Ihlen. Cohen lernte sie 1960 auf der griechischen Insel Hydra kennen.

Damals lebte sie auf Hydra mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Axel Jensen, und ihrem gemeinsamen Sohn. Sie lernten sich kennen, verbrachten Zeit miteinander und verliebten sich. Sie war eine von Cohens zahlreichen Freundinnen und Musen, die ihn zu mehreren Liedern inspiriert. Das war nie ein Geheimnis. Auch wenn man die von Broomfield in seiner Dokumentation ausführlich geschilderten Liebes- und Beziehungshintergründe und das freizügige Leben der Ausländer in Griechenland zwischen freier Liebe, Drogen und Künstlertum nicht genau kannte.

Diese Beschreibung des Lebens der Bohemien-Künstlergemeinschaft auf der Insel, der Beziehung zwischen Marianne Ihlen und Leonard Cohen, Cohens ersten Schritten als Musiker und ihrer Trennung sind der stärkste Teil von Broomfields Doku.

In der zweiten Hälfte schildert er ihr weiteres Leben und ihre lebenslange Freundschaft bis zu ihrem Tod. Ihlen starb im Juni 2016, Cohen im November 2016. Bei Marianne Ihlen verlief das weitere Leben, abseits des Rampenlichts der Medien, recht ereignislos in ihrer Heimat in bürgerlichen Bahnen. Cohens Leben als Musiker, sein jahrelanger Rückzug als Buddhist ins Mount Baldy Zen Center und seine aufgrund finanzieller Probleme notwendige und sehr erfolgreiche Rückkehr in das Musikgeschäft mit mehreren CDs und umjubelten Tourneen verlief im Rampenlicht der Öffentlichkeit und würde sich problemlos für mindestens eine ausführliche Dokumentation eignen.

Aber wie Broomfield in der dieser zweiten Filmhälfte willkürlich Ereignisse aus Cohens Leben hervorhebt, ist absolut ärgerlich. Da fehlen dann ganze Jahre, Platten und wichtige Songs wie „First we take Manhattan“, während „Hallelujah“ über mehrere Minuten abgefeiert wird. Seine Zeit im Kloster wird mit einigen bizarr anmutenden Bildern von Rōshi Kyozan Joshu Sasaki und Cohen als seinem Diener illustriert. Diese Bilder aus fast fünfzig Jahren wirken, als habe Broomfield verzweifelt Material gesucht, um auf die richtige Länge zu kommen, und als habe er dafür einfach alles genommen, was gerade vorhanden war. Dieses Material ist im Rahmen der Schilderung einer Beziehung denkbar uninteressant.

Für Cohen-Fans ist „Marianne & Leonard: Words of Love“ natürlich sehenswert.

Marianne & Leonard: Words of Love (Marianne & Leonard: Words of Love, USA 2019)

Regie: Nick Broomfield

Drehbuch: Nick Broomfield

mit Nick Broomfield (Erzähler), Marianne Ihlen, Leonard Cohen

Länge: 97 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Metacritic über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Rotten Tomatoes über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Wikipedia über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Meine Besprechung von Nick Broomfield/Rudi Dolezals „Whitney – Can I be me“ (Whitney: Can I be me, USA/Großbritannien 2017)

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