TV-Tipp für den 19. Februar: Körper und Seele

Februar 18, 2020

Arte, 22.05

Körper und Seele (Teströl és lélekröl, Ungarn 2017)

Regie: Ildikó Enyedi

Drehbuch: Ildikó Enyedi

TV-Premiere des Berlinale-Gewinners von 2017: die behutsam erzählte Annäherung zweier einsamer Seelen, die sich in ihren Träumen müheloser näherkommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Géza Morcsányi, Alexandra Borbély, Réka Tenki, Zoltán Schneider, Ervin Nagy, Tamás Jordán, Itala Békés

Hinweise

Moviepilot über „Körper und Seele“

Metacritic über „Körper und Seele“

Rotten Tomatoes über „Körper und Seele“

Wikipedia über „Körper und Seele“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Körper und Seele“

Meine Besprechung von Ildikó Enyedis „Körper und Seele“ (Teströl és lélekröl, Ungarn 2017)


Cover der Woche

Februar 18, 2020


TV-Tipp für den 18. Februar: Victoria

Februar 17, 2020

WDR, 22.10

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Roads“ (Deutschland/Frankreich 2019)


Ex-Mafiosi Michael Franzese über Mafiafilme

Februar 17, 2020

Die Bewertung der Glaubwürdigkeit der einzelnen Szenen aus Mafiafilmklassikern (Der Pate, Donnie Brasco, Die Unbestechlichen, viel Scorsese), den Sopranos und einer Animationsserie verstehe ich nicht.

Aber die Erklärungen von Michael Franzese sind sehr interessant. Er war in New York Capo der Colombo-Mafiafamilie. 1995, nach einer Haftstrafe, verabschiedete er sich vom Verbrecherleben. Seitdem publiziert er Bücher und hält Reden.


„Mein Name ist Robicheaux“ und ich mache jetzt viel Lärm um; – ja, was eigentlich?

Februar 17, 2020

Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ steht auf dem Cover. Robicheaux hat als Ich-Erzähler unbestritten die Hauptrolle. Ein Krimi ist der sechshundertseitige Wälzer allerdings nur, wenn man die breitestmögliche Definition von ‚Krimi‘ nimmt, nach der im Mittelpunkt eines Krimis Verbrechen stehen. Wer allerdings eine etwas engere Definition nimmt, wie in einem Krimi stehe die Aufklärung eines Verbrechens im Mittelpunkt, wird schon viele Probleme mit James Lee Burkes neuem und inzwischen 21. Robicheaux-Romans haben.

Nach dem Klappentext wird T. J. Dartez eines Nachts ermordet. Dartez überfuhr Molly, die Frau von Dave Robicheaux. Robicheaux, ein Detective der Polizei von New Iberia, Louisiana, und trockener Alkoholiker, kann sich nicht an die Tatnacht erinnern, weil er betrunken war. Er hat auch keine Ahnung, woher die Wunden an seinen Händen kommen. Damit wird Robicheaux zu einem Tatverdächtigen mit einem überzeugendem Motiv. Robicheaux selbst glaubt, dass ihm jemand den Mord anhängen will. Auch wenn er es nicht für vollkommen ausgeschlossen hält, dass er Dartez getötet hat.

In einem normalen Kriminalroman würde der Ermittler auf den folgen Seiten versuchen, seine Unschuld zu beweisen und, immerhin ist es ein US-amerikanischer Roman und langjährige Robicheaux-Fans wissen, wie wenig Robicheaux sich letztendlich um (Dienst)vorschriften kümmert, der Ermittler würde bei der Mörderjagd über Leichen gehen.

Aber in „Mein Name ist Robicheaux“ lässt Robicheaux einen von ihm verachteten neuen Kollegen mit zweifelhafter Vergangenheit in dem Fall ermitteln, während er selbst Dienst nach Vorschrift verrichtet.

Dazwischen hilft er seinem cholerischen Kumpel Clete Purcel, der sich gerade bei den falschen Leuten extrem verschuldet hat. Er bringt einen vermögenden Großgrundbesitzer mit dem Autor eines im 19. Jahrhundert in Louisiana spielenden Romans zwecks einer Verfilmung zusammen. Er ermittelt in einem merkwürdigem Vergewaltigungsfall und er startet einen Kleinkrieg mit einem in einem Trailer lebenden, gewalttätigen Meth-Dealer über das Sorgerecht für seinen Sohn. Währenddessen beginnt Robicheaux‘ Tochter Alafair einen Drehbuchentwurf zu schreiben. Später ist sie als Autorin in die Dreharbeiten involviert und kurz vor der Mitte des Romans macht sich ein skrupelloser Killer auf den Weg nach New Iberia.

Damit sind, bis auf die Geister, die dieses Mal überhaupt nicht erscheinen, alle Elemente vorhanden, die man aus den vorherigen Robicheaux-Romanen kennt. Die Handlung wird, wieder einmal, in unendlich viele Szenen aufgelöst, die die Handlung kaum bis überhaupt nicht voranbringen. Stattdessen entwickelt sich ein schon aufgrund der vielen beteiligten Personen verwirrendes Netz von Beziehungen. Erst am Ende fügt sich alles halbwegs zu einem Bild. Doch in dem Moment hat Burke, so wirkt es angesichts der lustlosen und arg kryptischen Auflösung, entweder den Überblick oder das Interesse an seinen Figuren und ihren Verbrechen verloren. Bis dahin wurden etliche der Fälle in Nebensätzen aufgelöst. Das gilt auch für den Mörder von Dartez. Dieser Fall ist bereits deutlich vor der Mitte des Romans geklärt.

Die Figuren benehmen sich wie dauerpubertierende Teenager, die sich ständig beleidigen und schlagen. Das ist auf die Dauer ziemlich ermüdend und, gerade bei Robicheaux und seinem Freund Clete Purcel, auch zunehmend unglaubwürdig. Schließlich ist Robicheaux, wie im Roman mehrmals betont wird, Vietnam-Veteran, was ihn (wenn er in den frühen Siebzigern, kurz vor dem Abzug der Truppen, in Vietnam gewesen wäre) zu einem Siebzigjährigem macht; wenn man die in den ersten Robicheaux-Romanen genannten biographischen Daten heranzieht, ist der Detective als alter ego von Burke, gut achtzig Jahre alt. In jedem Fall ist es unglaubwürdig, dass er in diesem Alter immer noch als Polizist arbeitet.

Ein noch größeres Problem ist, dass Robicheaux keinerlei körperliche Gebrechen hat. Er klagt nicht über Schmerzen, er hat keinerlei körperliche Beeinträchtigungen und er benimmt sich wie ein Dreißigjähriger, der immer noch in seiner Halbstarkenphase steckt und nach dem Motto „regelmäßige Prügeleien sind gut für mein seelisches Gleichgewicht“ handelt.

Anderen Autoren, wie Lawrence Block (der mit Matt Scudder erstmals einen fiktiven Ermittler in Echtzeit altern ließ), gelingt es wesentlich besser, ihre Figuren altern zu lassen. Und dabei zu zeigen, wie sich das Leben des Serienhelden verändert, weil er aus seinen Erfahrungen lernt und Beziehungen sich verändern.

In seinen vorherigen Romanen konnte Burke mit seiner poetischen Sprache und den dichten Beschreibungen der Landschaft und des Wetters von diesem Stillstand in Robicheaux‘ Entwicklung ablenken. Dieses Sprachgefühl hat ihn hier vollständig verlassen. Am Übersetzer, dem zuverlässigen Jürgen Bürger, der schon einige Romane von Burke übersetzte, kann es nicht liegen.

Mein Name ist Robicheaux“ ist – und das sage ich als langjähriger Robicheaux-Fans, der viele seiner Romane im Original las, weil es über viele Jahre keine Übersetzungen gab – ein Desaster.

In den USA erschien vor wenigen Wochen der 22. Robicheaux-Roman „The New Iberia Blues“.

James Lee Burke: Mein Name ist Robicheaux

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Pendragon, 2019

600 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Robicheaux

Simon & Schuster, 2018

Hinweise

Perlentaucher über „Mein Name ist Robicheaux“

Bookmarks über „Mein Name ist Robicheaux“

Homepage von James Lee Burke

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sumpffieber“ (Sunset Limited, 1998)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Flucht nach Mexiko – Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ (Crusader’s Cross, 2005 )

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

 


TV-Tipp für den 17. Februar: Weißer Terror

Februar 16, 2020

Arte, 21.55

Weißer Terror (The Intruder, USA 1962)

Regie: Roger Corman

Drehbuch: Charles Beaumont

LV: Charles Beaumont: The Intruder, 1959

In der Südstaatenkleinstadt Caxton dürfen per Gesetz Schwarze eine bislang nur Weißen besuchte Schule besuchen. Der Politiker Adam Cramer (William Shatner) stachelt mit Hetzparolen die weiße Bevölkerung zur Gewalt gegen die Schwarzen an.

Ob Roger Corman damals dachte, dass sein Film heute immer noch aktuell ist?

Ein routiniert inszeniertes Melodram, das zwar unterm Strich allzu kompromissbereit ausgefallen sein mag, aber in seiner eindringlichen Problemstellung durchaus fesselt.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit William Shatner, Frank Maxwell, Beverly Lunsford, Robert Emhardt, Charles Beaumont, George Clayton Johnson, William F. Nolan

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Weißer Terror“

Wikipedia über „Weißer Terror“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roger Cormans „Die Folterkammer des Hexenjägers“ (The haunted palace, USA 1963)


TV-Tipp für den 16. Februar: Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses

Februar 15, 2020

Tele 5, 20.15

Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses (Mississippi Burning, USA 1988)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Chris Gerolmo

Südstaaten, 1964: Mitten im Hochsommer verschwinden im ländlichen Jessup County drei Bürgerrechtler spurlos. Ein älterer und ein jüngerer FBI-Agent sollen den Fall aufklären und wenn sie nur auf eine Mauer des Schweigens stoßen würden, wären sie froh.

Packender, auf einem wahren Fall basierender Polizei-Thriller. Zum Filmstart sah der Fischer Film Almanach das anders (wobei damals die Filmkritik auch anders war): „Parker lässt zu, dass ‚Mississippi Burning‘ sich zu einem konventionellen Reißer entwickelt, zu einem Polizeifilm, der mit den fragwürdigen Methoden seiner Protagonisten sympathisiert. Doch damit wird er seinem Thema nicht mehr gerecht. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.“ Dabei wird der erste Teil des Films wegen seiner dokumentarischen Qualitäten gelobt.

„Parkers von gewalttätigen Eruptionen durchsetzter FBI-Thriller ist wegen seiner (historisch unhaltbaren) Glorifizierung des FBI und wegen seiner Tendenz, die Rolle der Bürgerrechtler und der Schwarzen zu verfälschen (sie sind mehr oder weniger Randfiguren des Dramas), heftig kritisiert worden.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale. Der immer überzeugende Gene Hackman erhielt den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller. Und bei den US-Kritikern kam der Film besser an als bei den deutschen Kritikern.

mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince, Tobin Bell (damals noch ein kleiner Nebendarsteller in seinem ersten namentlich genanntem Spielfilmauftritt)

Wiederholung: Mittwoch, 19. Februar, 01.36 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mississippi Burning“

Wikipedia über „Mississippi Burning“ (deutsch, englisch)


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