Neu im Kino/Filmkritik: Zwei Schwestern in der Mongolei in „Schwarze Milch“

Die gebürtige Mongolin Wessi lebt seit Ewigkeiten in Deutschland. Ihre frühere Heimat ist ihr inzwischen so fern, dass ihr dominanter Mann Franz sogar glaubt, dass Wessis Gerede von ihrer Schwester nur Gerede sei. Aber eines Tages hat Wessi genug von Franz. Sie packt ihre Tasche und fliegt in die Mongolei zu ihrer Schwester Ossi.

Ossi lebt noch das traditionelle, harte Mongolenleben mitten in der menschenleeren Steppe, in der es deutlich mehr Tiere als Menschen gibt.

Es ist ein Leben, zu dem Wessi keine Verbindung mehr hat. Auch ihre Schwester kennt sie eigentlich nur aus Erinnerungen.

Das Selbstfindungsdrama „Schwarze Milch“ wird vom Verleih „semibiographisch“ genannt. Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Uisenma Borchu (sie spielt Wessi) kam als Kind aus der Mongolei in die damals noch existierende DDR. „Ich bin mongolisch und bin in den Jahren auch deutsch geworden. Damit beginnt für mich eine wahnsinnig interessante Kollision zweier Kulturen. Ob ich es wollte oder nicht, diese Kollision hat bisher mein Leben bestimmt“, sagt Borchu.

Gut dreißig Tage drehte sie in der Mongolei in der Wüste Gobi und einige Tage in der Hauptstadt Ulaanbaatar mit vielen Laiendarstellern, die sie teilweise schon länger kennt.

Es gibt viele semidokumentarische Aufnahmen vom harten Leben der Mongolen, inclusive einer Schlachtung (Keine Panik. Es war eine professionelle Schlachtung.). Es gibt etwas Sex in der Jurte. Es gibt Bilder, die auch in einem Softporno nicht weiter auffielen. Es gibt, selbstverständlich, etwas Streit zwischen den beiden Schwestern, die sich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Und Wessi verstößt, unwissentlich, gegen hehre Traditionen.

Nur fehlt die leitende, die Szenen und Ereignisse zusammenhaltende Frage und die damit verbundene emotionale Reise. Die Szenen reihen sich aneinander, ohne dass erkennbar ist, warum sie in dieser und nicht in irgendeiner anderen Abfolge gezeigt werden und wie sie Wessis in irgendeiner Weise näher an ihr Ziel bringen. Auch weil unklar ist, was sie sich genau von ihrer Reise zu ihrer Schwester erhofft.

Es ist halt einfach unklar, worum es in diesem weiblichen Selbstfindungsdrama gehen soll.

Aber vielleicht fehlt mir im Moment einfach die Sensibilität für weibliche Selbstfindungsdramen und ich bin mit harmlos-herzigen Komödien wie „Master Cheng in Pohjanjoki“ (läuft nächsten Donnerstag an) besser bedient.

Schwarze Milch (Khar Suu, Deutschland 2020)

Regie: Uisenma Borchu

Drehbuch: Uisenma Borchu

mit Uisenma Borchu, Gunsmaa Tsogzol, Terbish Demberel, Franz Rogowski, Borchu Bawaa, Bud-Ochir Tegshee, Bayarsaikhan Renchinjugder

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Schwarze Milch“

Moviepilot über „Schwarze Milch“

Rotten Tomatoes über „Schwarze Milch“

Berlinale über „Schwarze Milch“

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