DVD-Kritik: Robert Enricos „Die Abenteurer“ mit Alain Delon und Lino Ventura

April 4, 2011

Solche Filme werden heute nicht mehr gemacht.

Aber liegt das an der nostalgischen Brille – immerhin sind Lino Ventura, Robert Enrico und José Giovanni tot und Alain Delon hat sich in den vergangenen dreißig Jahren ziemlich aus dem Geschäft zurückgezogen – oder wirklich an dem Film?

 

Die Story

 

In „Die Abenteurer“ wird ein Hohelied auf die Freundschaft gesungen, die mit dem gewaltsamen Tod von zwei der drei Freunde endet. Es beginnt mit einem Besuch von Laetitia (Joanna Shimkus) auf dem Schrottplatz von Roland (Lino Ventura). Er hat keine Zeit, fertigt sie barsch ab, aber als sie sagt, sie habe Zeit und werde auf ihn warten, nimmt er sie mit zu einem Feld. Dort bauen sie einige Stangen auf und Manu (Alain Delon) fliegt mit einem Doppeldecker durch sie hindurch. Sie alle freuen sich, dass der Stunt gelingt. Denn die Stangen sind nur die Probe für einen Flug durch den Triumphbogen in Paris.

Bereits in diesen ersten, fast wortlosen Minuten, wird die Freundschaft zwischen den Dreien etabliert. Denn Roland und Manu nehmen Laetitia schnell in ihren Männerbund und in ihre bedingungslose Freundschaft auf. Sie sind Träumer, die sich auch durch Rückschläge nicht von ihren Zielen abbringen lassen. Denn Manu gelingt der Flug durch den Triumphbogen nicht und er verliert seine Pilotenlizenz. Roland will einen neuen Motor entwickeln, aber seine Experimente mit einem besonders schnellem Dragster enden erfolglos. Auch bei einem Besuch in einem Casino, wo sie nach System spielen, verlieren sie ihr Geld. Trotzdem verlieren sie nicht ihren Optimismus.

Erst als Laetitia ihnen enttäuscht die vernichtenden Kritiken für ihre Ausstellung präsentiert, beschließen sie, sie mit nach Afrika zu nehmen. Dort soll vor der Küste das Wrack eines Flugzeugs mit einem Schatz an Bord liegen; – Geld, das sie dringend brauche, um ihre Träume weiter zu verfolgen.

Dieser zweite Teil von „Die Abenteurer“ ist klar von dem ersten, in und um Paris spielendem Teil, getrennt. Die drei verleben glückliche Tage vor der Küste und finden, dank der Hilfe des Piloten (Serge Reggiani) auch das Flugzeug. Kurz nachdem sie den Schatz geborgen und durch vier geteilt haben (eine weitere der vielen wundervollen Szenen des Films: der Pilot will die Beute durch drei teilen; Roland und Manu erklären ihm ohne großen Worte, dass Laetitia ein gleichwertiges Mitglied ihrer Crew ist), geraten sie in eine falsche Polizeikontrolle. Denn Gangster (es wird nie wirklich klar, wer genau das Geld haben will, aber von ihrem ersten Auftreten ist klar, dass sie über Leichen gehen) wollen ihnen die Beute abnehmen. Der Pilot beginnt eine Schießerei, bei der Latitia erschossen wird. Manu und Roland bestatten sie auf hoher See.

Der dritte Teil spielt an der französischen Atlantikküste, in Sichtweite des bekannten Fort Boyard. Denn so selbstverständlich es für Manu und Roland war, Laetitia mit nach Afrika zu nehmen und ihr den gleichen Teil der Beute zu geben, so selbstverständlich ist es für sie, die Verwandten von Laetitia zu suchen und ihnen ihren Teil der Beute zu geben. Dabei erfahren sie zunächst einiges über Laetitias Familiengeschichte und als sie ihre nächsten Verwandten treffen, die ohne zu fragen, jede Verantwortung für die Taten von Laetitia ablehnen und ihr auch nicht helfen wollen, beschließen Manu und Roland (wieder ohne ein Wort darüber zu verlieren), dass sie Laetitias Teil der Beute doch für sich behalten. Denn diese Menschen haben das Geld nicht verdient. Erst als deren Junge, den sie aus dem städtischen Museum kennen, auftaucht, ändern sie ihre Meinung. Sie zeigen Laetitias Verwandten das Geld und Roland sagt, dass sie es für den Jungen anlegen würden.

Doch da sind noch die Gangster. Sie haben den Piloten geschnappt und finden auch eine Spur zu Manu, der sie dann an die Atlantikküste führt.

Inzwischen hat Roland Fort Boyard gekauft. Er will dort, wie er Manu begeistert erzählt, ein Hotel-Restaurant einrichten. Als die Gangster die im Meer gelegene Festung betreten, kommt es zu einem Schusswechsel. Die Gangster sterben und auch Manu wird erschossen.

 

Der Film

 

Die ausführliche Inhaltsangabe zeigt schon, dass es Robert Enrico nicht um eine klassisch erzählte Geschichte ging. Denn dafür sind die drei Geschichten zu scharf voneinander getrennt; fast als ob man sich drei Kurzfilme oder Episoden einer TV-Serie hintereinander ansieht. Gerade so werden die die einzelnen Teile miteinander verbindenden Themen umso deutlicher: Freundschaft, das Leben von gesellschaftlichen Außenseitern, Träumern und Glücksrittern und die Wichtigkeit von Stil, Haltung und Gesten.

Dabei war eine solche bedingungslose Freundschaft, wie die zwischen Roland, Manu und Laetitia, vielleicht immer nur ein Mythos, der vor allem in französischen Kriminalfilmen der fünfziger und sechziger Jahre gerne gepflegt wurde. Aber damals wurde ein solches Idealbild noch formuliert. Heute wird darauf meist vollkommen verzichtet.

Und mit Alain Delon (der wahrscheinlich nie wieder so entspannt spielte) und Lino Ventura hatte Robert Enrico die beiden großen Stars des französischen Kinos, die beide auch immer wieder den Homme Solitaire verkörperten, verpflichtet, um wieder einmal gesellschaftliche Außenseiter, die nur ihren Regeln folgen, zu spielen. Allerdings spielen sie dieses Mal keine Verbrecher, sondern fast normale Menschen.

Die Abenteurer“ ist ein feiner Film, ein Kassenhit, ein Klassiker des französischen Kinos und eine zeitlose Liebeserklärung an die Träumer und die Freundschaft.

 

Einige Meinungen zum Film

 

Robert Enrico: „Ich hasse die Leute, die sozusagen zu der ’schweigenden Mehrheit‘ gehören. Die Außenseiter haben schon immer diejenigen fasziniert, die ein banales Leben führen. Der Film destilliert den Traum.“ (Cinéma Francais Nr. 6, November 1976)

 

Alain Delon über „Die Abenteurer“, der einer seiner Lieblingsfilme ist: „Es war ein wunderbarer Film, sehr schön gemacht. Es war eine Story, so wie ich sie gerne mag, ich nenne das eine Freundschafts-Geschichte, über die Beziehung zwischen zwei Männern, in deren Mitte manchmal eine Frau steht. Ich habe die übliche Liebesgeschichte, die Romanze, ein wenig satt.“ (Robin Bean: Reaching for the World, Films and Filming, Februar 1965)

 

Lino Ventura über Robert Enrico und die Themen des Films: „Enrico ist ein Poet, er ist ein wenig surrealistisch, ein Träumer. (…) Es sind Personen, die ganz auf sich selbst angewiesen sind. Für mich sind das richtige Männer. Ich meine damit, dass es sich nicht lohnt, viel zu reden. Ich rede übrigens nie viel im Film.“ (Hans C. Blumenberg/Wilfried Reichert: Interview mit Lino Ventura, 1974)

Ich liebe diesen Typ des einsamen Mannes.“ (Frauke Hanck: Ein eigenwilliger Charakter, Vorwärts, 4. März 1976)

Ich möchte Filme machen, die etwas ausdrücken, Freundschaft zum Beispiel. Freundschaft halte ich für das Wichtigste im Leben.“ (Lotte Holetz: Grüß Gott, Bulle, Münchner Abendzeitung, 19. Februar 1976)

 

1981 schrieben Regisseur Adolf Winkelmann (Die Abfahrer, Nordkurve [sträflich unterschätzt], Contergan) und Drehbuchautor Jost Krüger (die Winkelmann-Filme „Jede Menge Kohle“ und „Super“) zur Wiederaufführung des Films: „Es ist Zeit, endlich mal zuzugeben, dass uns ‚Die Abenteurer‘ damals richtig gut, viel besser gefallen hat als: Es/Mahlzeiten/Die Tätowierung/Wilde Reiter GmbH/Persona/Man lebt nur zweimal/Kuckucksjahre und Fahrenheit 451. (…) Der Film ist stilistisch perfekt (dramaturgisch nicht ganz: erzählt zu viele Geschichten und findet kein Ende). Jede Geste der Schauspieler, jede Einstellungsfolge scheint in der Wirkung auf uns genau kalkuliert. Keine filmischen Experimente, richtiges Kino, effektvolles Kunst-Handwert.“ (tip 21/81)

 

Hans Gerhold schrieb in „Das Abenteuer Leben – Notizen zu den Filmen des Regisseurs Robert Enrico“ über den Film: „Die spannende und humorvolle, mit atemberaubenden lyrischen Passagen durchsetzte Schatzsuche dreier gescheiterter Existenzen – (…) -, an deren Ende der Tod steht, wird zu einem Hymnus auf das Leben in Freiheit und zu einer Meditation über den Abenteurer als metaphysischen Existenz, der seine Erfüllung im zweckentbundenen Handeln findet, stilisiert.“ (film-dienst 2/1982)

 

‚Les Aventuriers‘ ist ein Film über das Scheitern von Träumen. Doch dieses Scheitern stärkt die Freundschaft der Protagonisten. An ihrem Ende bleibt Roland daher nur die Einsamkeit. Es ist ein Film auch über das Scheitern der Individualität an den Normen der Gesellschaft, über die Außenseiterrollen von Einzelgängern. Enrico findet dafür schöne Bilder. “ (Meinolf Zurhorst/Lothar Just: Lino Ventura: Seine Filme – sein Leben,1984)

 

Trotz aller Tragik erzählt ‚Les Aventuriers‘ seine Geschichte mit einer spielerischen Leichtigkeit, in der sich die Aufbruchstimmung der sechziger Jahre widerspiegelt. Sie ist ebenso wunderbar im Soundtrack von François de Roubaix eingefangen, dessen einprägsames Leitmotiv ein Wechselspiel aus heiterem Pfeifen und dramatischen Akkorden kennzeichnet, wie in mehreren musikalischen Einlagen der Akteure.“ (Frank Arnold in Bodo Traber/Hans J. Wulff, Hrsg.: Filmgenres: Abenteuerfilm, 2004)

 

Die DVD

 

Endlich gibt es „Die Abenteurer“ in einer adäquaten Version. Denn in die bisherigen Veröffentlichungen waren gekürzt (dafür mit O-Ton) oder ungekürzt (aber ohne O-Ton) und ohne Extras.

Jetzt gibt die Originalfassung mit deutschem und französischem Ton und einigen interessanten Extras. In einer Bildershow wird ein Text über die Entstehung des Films vorgelesen. Es gibt ein Interview mit Hauptdarstellerin Joanna Shimkus (mit arg störenden Hintergrundgeräuschen) und eine leicht experimentelle Doku über den Filmkomponisten François de Roubaix. In einem Zimmer erzählen de-Roubaix-Fans, wie sie ihn entdeckten und wie seine Musik ihr Leben beeinflusste. Insgesamt eine gute Stunde Bonusmaterial.

Die Abenteurer (Les Aventuriers, Frankreich 1967)

Regie: Robert Enrico

Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri

LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960

mit Lino Ventura, Alain Delon, Joanna Shimkus, Serge Reggiani, Paul Crauchet, Hans Meyer

DVD

Concorde

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 1.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interview mit Joanne Shimkus. Porträt von François de Roubaix, Originaltrailer

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Die Abenteurer“ (deutsch, französisch)

Arte über „Die Abenteurer“

Kriminalakte über José Giovanni, Alain Delon und Lino Ventura

 


Herzlichen Glückwunsch, Alain Delon!

November 8, 2010

Alain Delon, geboren in Sceaux, einem Vorort von Paris, am 8. November 1935 um 5 Uhr 25

Filmdebüt 1957 als Jo in Yves Allégrets „Killer lassen bitten“ (Quand la femme s’en mèle). Ein Film, den man nicht kennen muss, aber dann kamen:

1960 war er Tom Ripley in René Clements Patricia-Highsmith-Verfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ (Plein soleil)

1960 war er Rocco in Luchino Viscontis „Rocco und seine Brüder“ (Rocco e i suoi fratelli)

1962 war er Piero in Michelangelo Antonionis „Liebe 1962“ (L’eclisse)

1962 war er Tancredi in Luchino Viscontis Giuseppe-Tomasi-di-Lampedusa-Verfilmung „Der Leopard“ (Il gattopardo“)

1962 war er Francis in Henri Verneuils „Lautlos wie die Nacht“ (Mélodie en sous-sol)

1964 war er Thomas in Alain Cavaliers „Die Hölle von Algier“ (L’insoumis)

1966 war er Manu in Robert Enricos „Die Abenteurer“ (Les aventuriers)

1997 war er Jeff Costello in Jean-Pierre Melvilles „Der eiskalte Engel“ (Le samourai)

1968 war er Dino Barran in Jean Hermans „Bei Bullen singen Freunde nicht“2Du kannst anfangen zu beten“ (Adieu l’ami)

1968 war er Jean-Paul in Jacques Derays „Der Swimming-Pool“ (La Piscine)
1969 war er Roger Sartet in Henri Verneuils „Der Clan der Sizilianer“ (Le clan des siciliens)

1970 war er Siffredi in Jacques Derays „Borsalino“ (Borsalino)

1970 war er Corey in Jean-Pierre Melvilles „Vier im roten Kreis“ (Le cercle rouge)

1971 war er Jean in Pierre Granier-Deferres „Der Sträfling und die Witwe“ (La veuve Couderc)

1972 war er Edouard Coleman in Jean-Pierre Melvilles „Der Chef“ (Un flic)

1972 war er Jean Laurier in Michael Winners „Scorpio“ (Scorpio)

1973 war er Gino in José Giovannis „Endstation Schafott“ (Deux hommes dans la ville)

1976 war er Robert Klein in Joseph Loseys „Mr. Klein“ (Monsieur Klein)

1977 war er Xavier in Georges Lautners „Der Fall Serrano“ (Mort d’un pourri)

1980 war er Michel Gerfaut in Jacques Derays „Killer stellen sich nicht vor“ (Trois hommes à abattre)

1981 war er Choucas in seinem Regiedebüt „Rette deine Haut, Killer“ (Pour la peau d’un flic, – eine seiner vielen glücklosen Jean-Patrick-Manchette-Verfilmungen)

1984 war er Baron Charlus in Volker Schlöndorffs Marcel-Proust-Verfilmung „Eine Liebe von Swann“ (Un amour de Swann)

1990 war er „Er“ in Jean-Luc Godards „Nouvelle Vague“ (Nouvelle Vague)

2002 war er Fabio Montale in José Pinheiros Verfilmung der Jean-Claude-Izzo-Romane „Total Khéops“, „Chourmo“ und „Solea“ für das Fernsehen.

Seine besten Rollen hatte er in den Sechzigern. In den Siebzigern und Achtzigern verwaltete er sein Image. Mal besser, mal schlechter und danach zog er sich fast vollständig aus dem Filmgeschäft zurück.

Aber gerade seine Gangster- und Polizistenrollen sichern ihm einen festen Platz in den Annalen der Filmgeschichte.


TV-Tipp für den 26. Juni: Du kannst anfangen zu beten

Juni 26, 2016

3sat, 23.55
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“

Hinweise

Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. März: Der Chef

Mai 6, 2016

BR, 23.15

Der Chef (Frankreich/Italien 1972, Regie: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Polizist Coleman jagt den Nachtclubbesitzer Simon, mit dem er befreundet ist und der Überfälle begeht. Zwischen den beiden Männern steht Simons Freund Cathy.

Nach „Der eiskalte Engel“ und „Vier im roten Kreis“ war „Der Chef“ die dritte Zusammenarbeit von Alain Delon und Jean-Pierre Melville und zum ersten Mal spielte Delon einen Polizisten. Aber weil es Melville in „Der Chef“ auch um die Austauschbarkeit von Gangstern und Polizisten ging, unterschied Delons Rolle sich kaum von seinen vorherigen Rollen als Gangster. Denn Melville räumt Coleman und Simon etwa gleich viel Leinwandzeit ein.

„Melvilles letzter Film (…) ist ein würdiger Abschluss im Werk eines seines Metiers und seiner Liebe zum Kino sicheren Ultra-Professionellen, der die düstersten und unheimlichsten, aber auch ästhetisch vollkommendsten und menschlichsten Filme schuf, die in Frankreich je gedreht worden sind.“ (Hans Gerhold: Un Flic in „Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film 27, 1982)

„‘Un Flic’ ist vermutlich der kälteste Film Melvilles, und Alain Delon gelingt als Chef-Fahnder Edouard Coleman der Pariser Kriminalpolizei eine brillante Charakterstudie über die Einsamkeit und Isolation des professionellen Menschenjägers.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michel Conrad

Hinweise

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutschenglischfranzösisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Februar: Der Swimmingpool

Februar 24, 2016

Arte, 20.15

Der Swimmingpool (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jacques Deray)

Drehbuch: Jean-Emmanuel Conil (Pseudonym von Alain Page), Jean-Claude Carrière (Adaption und Dialoge), Jacques Deray (Adaption und Dialoge)

Viel Story hat „Der Swimmingpool“ nicht, aber darum ging es auch nicht. Denn das High Concept hieß: Das ehemalige Liebespaar „Alain Delon und Romy Schneider am Swimmingpool. Und Jane Birkin ist auch dabei.“

Denn der Filmplot ist eine (wenn man mehr als Delon und Schneider leicht bekleidet am Swimmingpool sehen will) arg zähe Dreiecksgeschichte mit Sex und Mord unter der südfranzösischen Sonne. Der Film war ein Kinohit.

mit Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin

Hinweise

Arte über die kleine Alain-Delon-Reihe

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über „Der Swimmingpool“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 22. Februar: Rette deine Haut, Killer/Der Schocker – Der Preis für ein Leben

Februar 22, 2016

Arte, 20.15
Rette deine Haut, Killer (Frankreich 1981, Regie: Alain Delon)
Drehbuch: Alain Delon, Christopher Frank
LV: Jean-Patrick Manchette: Que d´os, 1976 (Knüppeldick)
Bei der Suche nach einem vermissten blinden Mädchen stößt ein Privatdetektiv in ein Wespennest.
Mit stark reduzierten Erwartungen gerade noch genießbarer Film. Delon folgt in seinem Regiedebüt fast sklavisch genau Manchettes Handlung. Aber die Handlung war bei Manchette nie das wichtigste.
Heute wird anscheinend die Originalfassung gezeigt. Die deutsche Fassung ist um mindestens zehn Minuten gekürzt (hier der Schnittbericht).
Mit Alain Delon, Anne Parillaud, Michel Auclair, Daniel Ceccaldi, Jean-Pierre Darras

Wiederholung: Freitag, 4. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über“Rette eine Haut, Killer“ (deutsch, englisch, französisch) und  Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes “Portrait in Noir” (2014)

Meine Besprechung von Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headlines “Fatale” (Fatale, 2014)

Meine Besprechung von Piere Morels Jean-Patrick-Manchette-Verfilmung „The Gunman“ (The Gunman, Großbritannien/Frankreich/Spanien 2015)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


Arte, 22.00
Der Schocker – Der Preis für ein Leben (Frankreich/Italien 1972, Regie: Alain Jessua)
Drehbuch: Alain Jessua
Hélène Masson (Annie Girardot) begibt sich zur Verjüngungskur in die Privatklinik von Dr. Devilers (Alain Delon). Sie verliebt sich in ihn, entdeckt das Geheimnis seiner Verjüngungskur und gerät in Lebensgefahr.
Einer der wenigen bemerkenswerten Filme in Delons Spätwerk (also dem gesamten Post-Jean-Pierre-Melville-Werk), der heute endlich wieder (?) einmal (?) im TV läuft und bei uns nicht auf DVD veröffentlicht ist.
„Der ungemein spannende Film erhielt ausschließlich positive Kritiken, auch wenn Alain Delon in der Rolle des verrückten Wissenschaftlers manchen Rezensenten zu ‚playboyhaft‘ erschien.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms, 1985/1989)
mit Alain Delon, Annie Girardot, Michel Duchaussoy, Robert Hirsch, Jean-Francois Calvé

Wiederholungen
Freitag, 26. Februar, 16.05 Uhr (VPS 15.55)
Donnerstag, 3. März, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die kleine Alain-Delon-Reihe

Wikipedia über „Der Schocker“ (englisch, französisch)

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Februar: Monsieur Klein

Februar 21, 2016

Arte, 21.45

Monsieur Klein (Frankreich/Italien 1976, Regie: Joseph Losey)

Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey

Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.

Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.

Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte die Dokumentation „Alain Delon, persönlich“ und die Tage einige weitere Delon-Filme, im Rahmen eines Schwerpunktes.

mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise

Wiederholung: Dienstag, 23. Februar, 13.50 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Monsieur Klein“ (deutsch, englisch, französisch)


Über Tito Topins Noir „Exodus aus Libyen“

Dezember 28, 2015

Topin - Exodus aus Libyen

Während in Libyen der Bürgerkrieg gerade für höchst unklare Verhältnisse sorgt, bietet Chino einer nur scheinbar zufällig zusammengewürfelten Gruppe an, sie aus Tripolis und über die Grenze zu bringen. An der Stadtgrenze erschießt Chino einen sie kontrollierenden Soldaten. Auf ihrer anschließenden Flucht wird ein Reifen von seinem Auto beschädigt und sie müssen, um ihn zu reparieren, in dem Dorf Ar-Rahibat anhalten. Zu spät bemerken sie, dass das zerstörte und fast menschenleere Dorf wieder in den Händen der Armee ist und, als hätten sie nicht schon genug Pech, sie in der Hotelruine neben dem Kommandanten Hajj Ahmet übernachten.
Tito Topin ist bei uns, trotz einiger seit Ewigkeiten nur noch antiquarisch erhältlicher Übersetzungen und etlicher TV-Arbeiten (er erfand die Krimiserie „Navarro“, die es auf über hundert Folgen brachte und zwischen 1989 und 2007 im französischen Fernsehen lief, und er schrieb für TV-Serien wie „Néo Polar“, „Série noire“ und „Coplan“) ein fast unbekannter Noir-Autor. Leider. Denn sein „Exodus aus Libyen“ ist eine spannende Lektüre, die sich wie die Vorlage für einen harten französischen Thriller liest, der seine Wurzeln und geistige Heimat in den Fünfzigern und Sechzigern hat, als zwischen „Lohn der Angst“ und „100.000 Dollar in der Sonne“ harte, wortkarge Männer Abenteuer in der Ferne erlebten und auch ordentlich getrunken wurde. So ist, um nur die beiden offensichtlichsten namentlichen Anspielungen zu nennen, einer der Passagiere ein übergewichtiger Doktor, der sich ausschließlich flüssig ernährt und der Kenneth Hitchcock heißt. Ein anderer Passagier heißt Henri Ventura. Er ist Pilot der französischen Luftwaffe und ein guter Pistolenschütze. Zu den Ausländern gesellen sich als weitere Passagiere in Chinos Land Cruiser und Gastgeber in dem Dorf mehrere Frauen und Einheimische, die für die Geschichte wichtig sind und die daher eine deutlich größere Rolle haben, als es vor einem halben Jahrhundert möglich war. Damals, und das ist der große Unterschied zwischen Topins Vorbildern und seinem Roman, war es der Blick des weißen Europäers auf eine fremde Welt, in der er Abenteuer erlebte. Heute sind es die Libyer, die in ihrem Land Abenteuer erleben, in die auch einige der mehr oder weniger freiwilligen Gäste, hineingezogen werden.
Das ist, auch weil der 1932 in Casablanca geborene Tito Topin einen angenehm kurzen Roman geschrieben hat, eine flotte Lektüre, die jede Person mit wenigen Worten und einer kurzen Rückblende (die über den Roman verstreut sind) charakterisiert, keine Zeit für langatmige Beschreibungen oder Betroffenheitsgefasel hat und die gerade in der zweiten Hälfte einige überraschende Wendungen nimmt, die man so in einem Film wahrscheinlich nicht erleben dürfte. Jedenfalls nicht, wenn Männer wie Yves Montand, Alain Delon, Jean-Paul Belmondo und Lino Ventura dabei wären.

Tito Topin: Exodus aus Libyen
(übersetzt von Katarina Grän)
Distel Literaturverlag, 2015
240 Seiten
14,80 Euro

Originalausgabe
Libyan Exodus
Éditions Payot & Rivages, 2013

Hinweise
Homepage von Tito Topin
Distel Literaturverlag über Tito Topin
Wikipedia über Tito Topin
Perlentaucher über Tito Topin


TV-Tipp für den 7. November: Vier im roten Kreis/Du kannst anfangen zu beten

November 7, 2015

Während ich meine erste Wintererkältung pflege, können wir gemeinsam mit zwei seiner schönsten Filme in den runden Geburtstag von Alain Delon hineinfeiern:

RBB, 23.50 (auch MDR 00.20)

Vier im roten Kreis (Frankreich 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.

Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.

Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino

mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte

RBB, 02.05
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“

Wiederholung: BR, Mittwoch, 11. November, 23.15 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. August: Der talentierte Mr. Ripley

August 11, 2015

EinsPlus, 22.15

Der talentierte Mr. Ripley (USA 1999, Regie: Anthony Minghella)

Drehbuch: Anthony Minghella

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.

Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.

Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.

Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn

Wiederholung: Donnerstag, 13. August, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Drehbuch “The talented Mr. Ripley” von Anthony Minghella (Fassung 1. November 1999)

Rotten Tomatoes über “Der talentierte Mr. Ripley”

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Mein Nachruf auf Anthony Minghella


Neu im Kino/Filmkritik: „The Gunman“ Sean Penn tötet Bösewichter

April 30, 2015

Die Fans von Noir-Autor Jean-Patrick Manchette, der in den Siebzigern einer der Erneuerer des französischen Kriminalromans war und dessen Néo-Polars sich immer noch verkaufen, sind in punkto Verfilmungen einiges an emotionalen Schmerzen gewohnt. Daher werden sie auch von der neuesten Manchette-Verfilmung „The Gunman“, trotz der guten Besetzung (Pierre Morel, Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Idris Elba) nichts erwarten. Was soll schon herauskommen, wenn ein über dreißig Jahre alter Kriminalroman in die Gegenwart verlegt wird und das Ganze auf den ersten Blick von der Luc-Besson-Fabrik produziert wird?
Nun, ausgehend von dieser Null-Erwartung haben die Macher von „The Gunman“ erstaunlich viel aus Jean-Patrick Manchettes Roman „Position: Anschlag liegend“ übernommen. Der Held heißt im Roman Martin Terrier, im Film Jim Terrier. Er arbeitet als Killer für eine „Firma“. Sein Vorgesetzer heißt im Buch und im Film Cox. Er will ihn beide Male umbringen; allerdings aus verschiedenen Motiven und zu verschiedenen Zeitpunkten. Terriers Freundin heißt im Buch und Film Annie. In sie ist er, beide Male, verliebt ist und er hat sie, beide Male, vor Jahren verlassen. Wobei die Gründe in Buch und Film verschieden sind. Jetzt treffen sie sich, im Buch und Film, wieder. Kurz darauf ist ihr Ehemann tot und sie sind, verfolgt von einer Horde mordgieriger Killer, auf der Flucht. Das sind schon einige Gemeinsamkeiten, die aber nichts daran ändern, dass die Filmemacher den über dreißig Jahre alten Thriller nicht gebraucht hätten. Denn es sind auch einige vollkommen austauschbare Thriller-Bausteine, die einfach zur „der Chef will seinen besten Mann umbringen“-Geschichte gehören. „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel verbindet sie hier zu einem in der Gegenwart spielendem touristischen Reisefilm der in Afrika beginnt und durch halb Europa führt.
Im Film verübt Jim Terrier (Sean Penn mit mehr Muskeln als Arnold Schwarzenegger und mehr Oben-ohne-Aufnahmen als ein Pornostar) im Kongo einen Anschlag auf einen wichtigen Minister. Danach taucht er unter. Sein Anschlag führt zu einem Bürgerkrieg, über den auch die westlichen Medien ausführlich berichten.
Acht Jahre später arbeitet Terrier, wieder in Afrika, als Wiedergutmachung für sein früheres Leben, für eine NGO. Als ein Anschlag auf den Killer im Ruhestand verübt wird, erfährt er, dass jemand ihn und das damalige Team wegen diesem acht Jahre zurückliegendem Auftrag umbringen will. Er macht sich auf den Weg nach Europa. Seine erste Station ist London. Dort trifft er seinen ehemaligen Vorgesetzten Mr. Cox (Mark Rylance), der ihm versichert, dass nur die damals Beteiligten wissen, wer in den Auftrag involviert war, dass auch er den Auftraggeber und dessen Motive nicht kenne und er ihm selbstverständlich helfen werde. Terrier will sich mit seinen alten Kameraden treffen, um sie zu warnen und um herauszufinden, wer sie jetzt umbringen will.
In Barcelona trifft er Felix (Javier Bardem), der damals der Verbindungsmann zwischen dem Mordkommando und dem Auftraggeber war. Felix ist inzwischen ein gut verdienender Geschäftsmann, der mit irgendwelchen lobenswerten Projekten den Afrikanern helfen will. Außerdem ist er mit Terriers damaliger Freundin Annie (Jasmine Trinca) verheiratet.
Kurz darauf ist Felix tot, sein Anwesen auf dem Land nach einem Schusswechsel ziemlich zerstört und Terrier ist mit seiner großen Liebe Annie auf der Flucht, die auch einen Abstecher nach Gibraltar beinhaltet.
Das Drehbuch ist von Don MacPherson („Mein Name ist Fleming, Ian Fleming“, das Spielfilm-Desaster „Mit Schirm, Charme und Melone“ und einer von mehreren Autoren bei dem Musical „Absolute Beginners“ [yeah, von 1986, mit David Bowie]), Pete Travis (der wahrscheinlich irgendwann auch die Regie übernehmen sollte. Denn es ist sein erstes Drehbuch. Er inszenierte „8 Blickwinkel“ und „Dredd“.) und Sean Penn, der auch einer der Produzenten ist.
Es gibt eine dick aufgetragene politische Botschaft, die hier als an die Geschichte angeklebte Message allerdings eher nervt und konträr zu Manchettes literarischem Programm steht. In seinen Romanen verband er nämlich immer gelungen einen linken, gesellschaftskritischen Politikansatz mit einer spannenden Geschichte.
In dem Film sind die politischen Hintergründe beliebige Versatzstücke, die man aus besseren Filmen kennt. Teilweise auch mit Sean Penn. Ich sage nur „Die Dolmetscherin“ und „Fair Game“, die eine klare Position hatten. Auch Sylvester Stallones „Rambo“-Filme, um ein konservatives Beispiel zu nennen, hatten eine klare politische Agenda, über die man sich streiten konnte. In „The Gunman“ sind dagegen einfach linke, liberale und konservative Botschaften und Analysen in der Hoffnung, dass es schon irgendwie sinnvoll ist, aneinandergeklatscht worden. Ist es nicht. Es ist einfach nur konfus.
Es gibt Söldner mit Gewissensbissen, angedeutete Komplotte und wirtschaftliche Interessen, die sogar in „Die Wildgänse kommen“ sinnvoller behandelt wurden. Herrje, verglichen mit „The Gunman“ erscheint der Söldnerwerbefilm „Die Wildgänse kommen“ sogar als tiefsinnige politische Analyse.
Genau so konfus wie die politische Botschaft ist die Story. Sie ist unnötig kompliziert und nebulös. Fast so, als habe man einfach aus mehreren Drehbüchern die besten Szenen zusammengefügt und sie dann dem aus der Luc-Besson-Filmschmiede kommendem Pierre Morel mit dem Auftrag, sie möglichst schön zu bebildern, gegeben. Er inszenierte „The Gunman“ für Silver Pictures (jau, es ist keine Besson-Produktion) ruhig, fast schon im Stil eines Siebziger-Jahre-Krimis, mit einigen Actionszenen, die sich auf Faustkämpfe und Schusswechsel konzentrieren.
„The Gunman“ ist eine weitere enttäuschende Manchette-Verfilmungen. Das austauschbare Killer-on-the-run-B-Picture punktet zwar mit einer hochkarätigen, aber auch hoffnungslos unterforderten Besetzung und schönen Landschaftsaufnahmen.

The Gunman - Plakat

The Gunman (The Gunman, Großbritannien/Frankreich/Spanien 2015)
Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Don MacPherson, Pete Travis, Sean Penn
LV: Jean-Patrick Manchette: La position du tireur couché, 1981 (Die Position des schlafenden Tigers; Position: Anschlag liegend)
mit Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Mark Rylance, Jasmine Trinca, Idris Elba, Melanie Matthews, Blanca Star Olivera, Jorge Leon Martinez
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die lesenswerte Vorlage

Manchette - Position Anschlag liegend

Jean-Patrick Manchette: Position: Anschlag liegend
(übersetzt von Stefan Linster)
Distel Literaturverlag, 2003
192 Seiten
12,80 Euro

Deutsche Erstausgabe
Die Position des schlafenden Tigers
Bastei Lübbe, 1989

Originalausgabe
La position du tireur couché
Éditions Gallimard, 1981

Frühere Verfilmung
Der Schock (Le Choc, Frankreich 1982)
Regie: Robin Davis
Drehbuch: Alain Delon, Robin Davis, Dominique Robelet, Claude Veillot
mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Philippe Léotard, Stéphane Audran

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Gunman“
Moviepilot über „The Gunman“
Metacritic über „The Gunman“
Rotten Tomatoes über „The Gunman“
Wikipedia über „The Gunman“

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes “Portrait in Noir” (2014)

Meine Besprechung von Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headlines „Fatale“ (Fatale, 2014)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. April: Liebe 1962

April 12, 2015

Arte, 21.55

Liebe 1962 (Italien 1962, Regie: Michelangelo Antonioni)

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra, Elio Bartolini (Mitarbeit), Ottiero Ottieri (Mitarbeit)

Die reiche Römerin Vittoria verlässt ihren brutalen Freund. Sie verliebt sich in den Börsenmakler Piero. Aber dieser zögert.

Ein Liebesfilm der von der Unmöglichkeit der Liebe in der modernen Gesellschaft erzählt. Kein leichtverdaulicher Film.

Angekündigt ist die italienische Originalfassung.

mit Alain Delon, Monica Vitti, Fancisco Rabal

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über “Liebe 1962″ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Liebe 1962“

David Saul Rosenfeld über “Liebe 1962″

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


Ohne Manschetten zu Manchette – Eine Lesung, ein Gespräch und einige Filmausschnitte

März 25, 2015

Plakat Fete Manchette

Für Fans und Kenner des französischen Krimanlromans ist Jean-Patrick Manchette (19. Dezember 1942 – 3. Juni 1995) einer der stilprägenden Köpfe des Neopolar, der knapp gesagt, in den Siebzigern den US-amerikanischen Hardboiled-Krimi nach Frankreich übertrug und ihn mit dem sozial- und gesellschaftskritischem Geist der Achtundsechziger verband. In Frankreich waren seine Kriminalromane sehr erfolgreich. Er arbeitete auch als Journalist, unter anderem für „Charlie Hebdo“, und Übersetzer. Unter anderem übersetzte Romane von Donald E. Westlake, Robert Littell, Robert Bloch und Ross Thomas. Er schrieb mehrere Drehbücher und die meisten seiner Romane wurden verfilmt. Oft mit Alain Delon („Killer stellen sich nicht vor“, „Rette deine Haut, Killer“, „Der Schock“) und oft indem das politische und ästhetische Programm von Manchette ignoriert wurde zugunsten von Action, gerne von der reaktionären Sorte.
Auch die nächste Manchette-Verfilmung „The Gunman“ (von „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel, mit Sean Penn), die auf seinem Roman „Die Position des schlafenden Killers/Position: Anschlag liegend“ (La Position du Tireur Couché, 1982) lose basiert und die am 30. April in unseren Kinos startet, scheint sich in die Reihe der vernachlässigbaren Manchette-Verfilmungen einzureihen. (Jedenfalls sind Martin Comparts Überlegungen zum von ihm noch nicht gesehenem Film und zu Jean-Patrick Manchette überaus lesenswert. Und er weiß schon, warum er nichts über die alten Manchette-Verfilmungen sagt.)
In Deutschland sind, dank der umfassenden Neuübersetzung des Distel Literaturverlags vor zehn, fünfzehn Jahren, alle seine Romane auf Deutsch erhältlich und wer sie noch nicht gelesen hat, sollte das möglichst schnell nachholen.
Mit dem Sammelband „Portrait in Noir“ legte der Alexander Verlag letztes Jahr mit einer lesenswerten Zusammenstellung von bislang auf Deutsch nicht erhältlichen kürzeren und weniger kurzen Texten nach.
Und bei Schreiber & Leser erschienen „Blutprinzessin“ und, kürzlich, „Fatale“. Beide Comics basieren auf den gleichnamigen Romanen von Manchette und sie wurden von Manchette-Sohn Doug Headline und Max Cabanes realisiert.
Diese Bücher können als Vorbereitung für die von den deutschen Manchette-Verlagen Alexander Verlag, Distel Literaturverlag, Schreiber & Leser und Edition Moderne (die auch zwei auf Romanen von Manchette basierende Comics veröffentlichte) organisierte „une fête pour manchette“ dienen.
Die Mischung aus Lesung, Gespräch mit Doug Headline und Filmausschnitten ist am Freitag, den 10. April, um 20.00 Uhr im Roten Salon (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin).

Manchette - Portrait in Noir - 2

Jean-Patrick Manchette: Portrait in Noir
(Herausgegeben von Doug Headline, mit einem Nachwort von Dominique Manotti)
(übersetzt von Leopold Federmair)
Alexander Verlag, 2014
256 Seiten
28 Euro

Cabanes - Manchette - Fatale - 2

Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headline: Fatale
(übersetzt von Resel Rebiersch)
Schreiber & Leser, 2014
136 Seiten
24,80 Euro

Originalausgabe
Fatale
Dupuis, 2014

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes „Portrait in Noir“ (2014)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. März: Endstation Schafott

März 1, 2015

Tele5, 00.55

Endstation Schafott (Frankreich/Italien 1973, Regie: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

Starkes Krimidrama über einen Ex-Sträfling, der ein ehrliches Leben führen will, von einem Sozialhelfer unterstützt und einem Polizisten verfolgt wird.

Mit Alain Delon, Jean Gabin, Mimsy Farmer, Michel Bouquet, Bernard Giraudeau, Gérard Depardieu (in einer Nebenrolle als junger Gangster)

Hinweise

Homepage von/über José Giovanni

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni


TV-Tipp für den 17. Dezember: Nur die Sonne war Zeuge/Der talentierte Mr. Ripley

Dezember 17, 2014

Original oder Remake? Vergleichen wir:

HR, 23.30

Nur die Sonne war Zeuge (Frankreich/Italien 1960, Regie: René Clément)

Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?

Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.

Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.

Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.

Mit Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

HR, 01.25

Der talentierte Mr. Ripley (USA 1999, Regie: Anthony Minghella)

Drehbuch: Anthony Minghella

LV: Paricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.

Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.

Mit Matt Damon, Gwynieth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett

Hinweise

Drehbuch “The talented Mr. Ripley” von Anthony Minghella (Fassung 1. November 1999)

Rotten Tomatoes über „Der talentierte Mr. Ripley“


TV-Tipp für den 8. August: Du kannst anfangen zu beten

August 8, 2014

3sat, 22.35
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“
Hinweise
Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Juni: Du kannst anfangen zu beten

Juni 29, 2014

Hessen, 01.10 (VPS 01.05 Uhr)
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“
Hinweise
Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. Juni: Nur die Sonne war Zeuge

Juni 27, 2014

RBB, 22.20

Nur die Sonne war Zeuge (Frankreich/Italien 1960, Regie: René Clément)

Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?

Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.

Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.

Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.

Mit Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung „Die zwei Gesichter des Januars“ (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


Blu-ray-Kritik: Drei Kult-Regisseure erzählen „Außergewöhnliche Geschichten“

Mai 21, 2014

Das ist schon etwas außergewöhnlich: Jane Fonda, Alain Delon, Brigitte Bardot, Terence Stamp und ein vor „Easy Rider“noch unbekannter Peter Fonda in einem Film, der 1968 seine Premiere auf dem Filmfest in Cannes hatte; der von Roger Vadim, Louis Malle und Federico Fellini inszeniert wurde; dessen Geschichten, wie einige damals erfolgreiche Filme von Roger Corman, die heute Kultfilme sind, auf Erzählungen von Edgar Allan Poe basierten, und der Film erscheint erst jetzt in Deutschland.
Das wäre eine außergewöhnliche Geschichte, ein lange vergessener filmischer Missing Link, wenn „Außergewöhnliche Geschichten“ keiner dieser Omnibusfilme wäre, in denen bekannte Regisseure Kurzfilme drehen, die dann hintereinander als ein Film gezeigt werden. In den sechziger Jahren war das ein bei Produzenten seltsamerweise beliebtes Subgenre, das sich meistens kommerziell nicht besonders lohnte und auch künstlerisch höchstens zwiespältige Ergebnisse zustande brachte.
Sowohl als Einzelfilm, bei dem die verschiedenen Herangehensweisen der Regisseure für produktive Reibungen sorgen könnten, als auch im Oeuvre des Regisseurs, wo es oft noch nicht einmal als Nebenwerk oder Experiment interessant ist. Da ist es fast überflüssig zu sagen, dass Omnibusfilme fast nie im Fernsehen gezeigt werden und als Einzelfilm fast unbekannt sind. Manchmal sind einzelne Kurzfilme, die dann auch als Einzelwerk gezeigt werden, beliebter. Auch „Außergewöhnliche Geschichten“ gehört in diese Kategorie der von der Allgemeinheit schnell vergessenen Filme.
Roger Vadim erzählt in „Metzengerstein“ die Geschichte der schönen Contessa Frederique de Metzengerstein (Jane Fonda), die noch nie von einem Mann zurückgewiesen wurde. Als ihr Cousin, mit dessen Familien die Metzengersteins schon seit Generationen verfeindet sind, es doch tut, nimmt das Schicksal, also eine von ihr angestoßene Verkettung unglücklicher Umstände die immer weiter ins Verderben führt, seinen Lauf.
Wer von einem Film mehr als eine durch die Landschaft reitende und alte Gemäuer stolzierende Jane Fonda erwartet, wird enttäuscht werden.
Der zweite Kurzfilm, „William Wilson“ von Louis Malle, ist die beste außergewöhnliche Geschichte. Zum ersten Mal begegnete der Sadist William Wilson (Alain Delon) seinem Doppelgänger in der Schule. Schon damals sabotierte der Doppelgänger Wilsons Stellung. Später begegnet er ihm immer wieder und ihr Kampf findet seinen Höhepunkt, als er, inzwischen ein geachtet-gefürchteter Offizier, gegen eine dunkelhaarige Schönheit (Brigitte Bardot mit schwarzen Haaren) Karten spielt.
„William Wilson“ ist ein schöner, eher kühl inszenierter Abstieg in den Wahnsinn eines arroganten Arschlochs, der von seinen Dämonen gejagt wird. Louis Malle inszenierte die Geschichte in Rückblenden. Der ängstliche Wilson beichtet einem Priester seine Sünden. Er behauptet, von einem Dämon verfolgt zu werden, dem er zum ersten Mal als Jugendlicher begegnete. Durch diese Struktur stehen wir auf der Seite des verfolgten Wilson und wir sind gespannt auf die Auflösung der Geschichte.
Federico Fellinis „Toby Dammit“ ist ein Über-Fellini, der Rom als eine alptraumhafte Dystopie zeichnet und auch eine Satire auf den Kunstbetrieb ist. In diesem Film wird der englische Filmstar Toby Dammit (Terence Stamp), eine Art Über-Richard-Burton-Marlon-Brando-auf-Droge, nach Italien eingeladen, um dort einen Film zu drehen. Doch vor dem Dreh muss er in einer TV-Sendung auftreten und einer Preisverleihung beiwohnen. Gut, dass es überall Drogen und Frauen gibt.
„Toby Dammit“ ist, wie Vadims „Metzengerstein“ eindeutig zu lang geraten, was auch daran liegen kann, dass diese Geschichte, wie die beiden vorherigen, zielstrebig auf den Tod des nicht besonders liebenswerten Protagonisten zusteuert. Aber während man bei William Wilson noch, bedingt durch die Struktur der Geschichte – sie entfaltet sich in Rückblenden während einer Beichte -, sein Leid mitfühlen kann und Contessa Frederique de Metzengerstein als zurückgewiesene Braut immerhin schön anzusehen ist, ist Toby Dammit einfach nur ein seelisches Wrack auf Droge. Immerhin benimmt er sich so schlecht, dass das schon wieder witzig ist.
Im Bonusmaterial besteht die Möglichkeit, die Filme einzeln anzusehen. Und wahrscheinlich sollte man die Filme als Einzelwerke genießen.
Insgesamt ist es schön, dass diese Lücke geschlossen wurde, aber letztendlich ist „Außergewöhnliche Geschichten“ doch nur etwas für Komplettisten, die jeden Film von Louis Malle oder Federico Fellini haben wollen. Bei Roger Vadim genügt wohl „Barbarella“ mit Jane Fonda.

Außergewöhnliche Geschichten - Blu-ray

Außergewöhnliche Geschichten (Histoires Extraordinaires, Frankreich/Italien 1968)
Regie: Roger Vadim, Louis Malle, Federico Fellini
Drehbuch: Roger Vadim, Pascal Cousin, Louis Malle, Daniel Boulanger, Clement Biddle Wood, Federico Fellini, Bernardino Zapponi
LV: Edgar Allan Poe: Metzengerstein (1832), William Wilson (1839), Never bet the Devil your Head (1841)
mit Jane Fonda, Peter Fonda, Philippe Lemaire, Alain Delon, Brigitte Bardot, Katia Cristina, Umberto d’Orsi, Terence Stamp, Vincent Price (Erzähler in der englischen Version)

Blu-ray
Koch Media (Masterpieces of Cinema)
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch, Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Französischer Trailer, Bildergalerie
Länge: 121 Minuten
FSK: frei ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Außergewöhnliche Geschichten“
Wikipedia über „Außergewöhnliche Geschichten“ (deutsch, englisch, französisch)
Die Geschichten „Metzengerstein“ (1832) (deutsch), „William Wilson“ (1839) (deutsch) und „Never bet the Devil your Head“ (1841) von Edgar Allan Poe
Meine Besprechung von Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ (L’Ascenceur pour l’échafaud, Frankreich 1957)


TV-Tipp für den 19. März: Der Chef

März 19, 2014

Jaja, schon wieder, aber die Uhrzeit ist unschlagbar

Arte, 20.15

Der Chef (Fr/I 1972, R.: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Polizist Coleman jagt den Nachtclubbesitzer Simon, mit dem er befreundet ist und der Überfälle begeht. Zwischen den beiden Männern steht Simons Freund Cathy.

Nach „Der eiskalte Engel“ und „Vier im roten Kreis“ war „Der Chef“ die dritte Zusammenarbeit von Alain Delon und Jean-Pierre Melville und zum ersten Mal spielte Delon einen Polizisten. Aber weil es Melville in „Der Chef“ auch um die Austauschbarkeit von Gangstern und Polizisten ging, unterschied Delons Rolle sich kaum von seinen vorherigen Rollen als Gangster. Denn Melville räumt Coleman und Simon etwa gleich viel Leinwandzeit ein.

„Melvilles letzter Film (…) ist ein würdiger Abschluss im Werk eines seines Metiers und seiner Liebe zum Kino sicheren Ultra-Professionellen, der die düstersten und unheimlichsten, aber auch ästhetisch vollkommendsten und menschlichsten Filme schuf, die in Frankreich je gedreht worden sind.“ (Hans Gerhold: Un Flic in „Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film 27, 1982)

„‘Un Flic’ ist vermutlich der kälteste Film Melvilles, und Alain Delon gelingt als Chef-Fahnder Edouard Coleman der Pariser Kriminalpolizei eine brillante Charakterstudie über die Einsamkeit und Isolation des professionellen Menschenjägers.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michel Conrad

Wiederholung: Montag, 31. März, 13.55 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutschenglischfranzösisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


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