Neu im Kino/Filmkritik: „Grace of Monaco“, Fürst Rainer und ein Angebot von Alfred Hitchcock

Mai 15, 2014

Wenige Tage bevor das Biopic „Grace of Monaco“ die Filmfestspiele von Cannes am 14. Mai eröffnete, betonte die Fürstenfamilie von Monaco, dass sie nicht zur Premiere kommen werde und auch mit dem Film nicht einverstanden sei. Er sei unnötig glamourös und einige Szenen seinen pure Fiktion.
Nach dem Film fragte ich mich, ob die Fürstenfamilie den Film wirklich gesehen hat. Denn selbstverständlich nimmt er sich zahlreiche Freiheiten, er betont das sogar in einer Texttafel am Filmanfang, aber es ist ein Spielfilm, der als Film funktionieren muss, und kein Dokumentarfilm. Außerdem wird das Königshaus in einem sehr positiven Licht gezeigt. Dagegen sollen die Grimaldis wirklich etwas haben?
Auch bei dem quasi im Zentrum des Films stehendem Konflikt zwischen Frankreich und Monaco sind die Sympathien eindeutig verteilt. Die bösen Franzosen wollen den guten Fürst Rainer erpressen, Steuern zu erheben und diese nach Frankreich zu überweisen. – Nein, auch bei einer Auftragsarbeit hätte das Fürstenhaus, das als Steueroase und Ort der Geldwäsche bekannt ist, nicht besser wegkommen können.
Auch als Spielfilm ist „Grace of Monaco“ gar nicht so schlecht. Verglichen mit „Diana“ und „Yves Saint Laurent“ ist der bieder inszenierte Film sogar ein Meisterwerk. Und der Kitschanteil bewegt sich auf einem erträglichem Maß. Immerhin wird hier ein Märchen, in der Tradition von Filmen wie „Sissi“, bei denen auch niemand mit dem Metermaß die historische Genauigkeit abmisst, erzählt.
Als Grace Kelly im Mai 1955 während der Filmfestspiele von Cannes Fürst Rainer III kennenlernte, verliebte sie sich in den Traumprinzen, heiratete ihn und als Fürstin war ihre Hollywood-Karriere vorbei.
Im Dezember 1961 besucht Alfred Hitchcock sie. Er bietet ihr die Hauptrolle in seinem neuen Film „Marnie“ an. Grace, die zunehmend gelangweilt vom höfischen Protokoll ist und immer noch mit den Monegassen und ihrer Rolle als Landesmutter fremdelt, würde gerne wieder spielen.
Zur gleichen Zeit befindet Monaco sich in einem Wirtschaftskrieg mit Frankreich. Präsident Charles de Gaulle möchte, dass Monaco nicht mehr länger ein Fluchtort für französische Firmen ist, die ihr Geschäft in Monaco anmelden und keine Steuern mehr bezahlen. Fürst Rainer lehnt das ab.
„Grace of Monaco“ konzentriert sich auf das Jahr 1962 in dem sie mit ihrer neuen Rolle als Landesmutter ihren Frieden schließt und den Steuerstreit zwischen Monaco und Frankreich. Dabei nimmt dieser Konflikt und damit verbundene Palastintrigen und Eheprobleme einen erstaunlich großen Raum ein.
Regisseur Olivier Dahan („La vie en rose“) und Drehbuchautor Arash Amel („Die Logan Verschwörung“) zeigen schön – und in schönen Bildern – in welchem Dilemma Grace Kelly steckte. Sie musste sich endgültig zwischen verschiedenen Lebensplänen entscheiden, ihre Rolle als Fürstin finden und auch das Verhältnis zu ihrem Ehemann klären. Dieses Drama spielt sich vor einer prächtigen Kulissen zwischen Palästen und Mittelmeeransichten ab und wird umrahmt von einem höfischen Protokoll, das eine Scheidung nicht vorsah, das schon damals anachronistisch war und heute nach der guten alten Zeit, die so gerne verklärt wird, klingt.
Mit Nicole Kidman als Grace Kelly, Tim Roth als Fürst Rainer und Frank Langella als ihr geistlicher Beistand, Hofkaplan Francis Tucker (der die katholische Kirche in einem sehr positiven Licht erstrahlen lässt) in den Hauptrollen und Parker Posey und Derek Jacobi in wichtigen Nebenrollen ist der Film auch prominent besetzt für den internationalen Markt, weshalb in der Originalversion, bis auf wenige Sätze, nur englisch gesprochen wird.
Mit der Wirklichkeit hat „Grace of Monaco“ sicherlich eher wenig zu tun. So wird der Konflikt mit Frankreich nur aus einer Perspektive geschildert. Dass Grace Kelly in ihm plötzlich eine entscheidende Rolle einnimmt und mit einer Rede beim jährlichen Rotkreuz-Ball den Konflikt besiegelt, ist (auch ohne Wissen der Hintergründe) unglaubwürdig und dass Alfred Hitchcock so verständnisvoll auf die Absage der ultimativen Hitchcock-Blondine reagierte, ist historisch nicht belegt. Im Gegenteil. Er war ziemlich verärgert.
Außerdem sind Nicole Kidman und Tim Roth einige Jahre älter als Grace Kelly und Fürst Rainer.
Aber als Märchen und von wahren Ereignissen inspiriertes Melodrama, das mögliche Untiefen der Geschichte erfolgreich vermeidet, funktioniert „Grace of Monaco“.

Grace of Monaco - Plakat

Grace of Monaco (Grace of Monaco, Frankreich/USA/Belgien/Italien 2014)
Regie: Olivier Dahan
Drehbuch: Arash Amel
mit Nicole Kidman, Tim Roth, Frank Langella, Paz Vega, Parker Posey, Milo Ventimiglia, Derek Jakobi, Robert Lindsay, Roger Ashton-Griffiths
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Grace of Monaco“
Moviepilot über „Grace of Monaco“
Metacritic über „Grace of Monaco“
Rotten Tomatoes über „Grace of Monaco“
Wikipedia über „Grace of Manaco“ (deutsch, englisch, französisch)

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Happy Birthday, Alfred Hitchcock!

August 13, 2012

Alfred Hitchcock (13. August 1899, London – 29. April 1980, Los Angeles)

Und anstatt uns wieder einmal einen oder zwei seiner Klassiker anzusehen, könnten wir auch mal einen Blick auf sein Frühwerk (nicht immer unbedingt Krimis) werfen:

Downhill (GB 1927, Bergab)

The Ring (GB 1927, Der Ring)

The Manxman (GB 1929, Der Mann von der Insel Man)

Die drei Stummfilme werden von YouTube leider ohne Ton präsentiert. Denn ein Stummfilm war niemals stumm.

Mary (GB 1929, Alfred Hitchcock drehte die deutschsprachige Version von „Murder“/“Sir John greift ein“ parallel zum englischen Original. Einer seiner ersten Tonfilme.)

Die Filme sind Teil des neuen YouTube-Kanals „Movies“ (englisch, deutsch). Die Auswahl ist noch nicht so toll, aber mit etwas Findigkeit findet man auf YouTube auch viele weitere Filme.

Nachtrag: Im Internet Archive gibt es natürlich auch einige Filme von Alfred Hitchcock.

Ach, es wäre schon schön, wenn es auch ein deutsches Internet-Archiv gäbe…


DVD-Kritik: Alfred Hitchcocks Screwball-Comedy „Mr. und Mrs. Smith“

Juli 12, 2011

Bereits als Stummfilm-Regisseur fand Alfred Hitchcock sein Genre: den Spannungsfilm. Die Auftragsarbeiten, die er während dieser Jahre drehte sind, wie viele Stummfilme, verschollen oder nur für die fanatischen Hitchcock-Fans von Interesse. Schließlich will der devote Fan jeden Film des Meisters gesehen haben.

Später drehte Hitchcock, bis auf wenige Ausnahmen, wie „Riff-Piraten“ (Jamaica Inn; sein letzter englischer Film) und „Sklavin des Herzens“ (Under Capricorn), nur noch Thriller. Meistens war er von der Idee bis zur Premiere in die Produktion involviert und spätestens seitdem er 1955 im TV zehn Jahre Gastgeber der erfolgreichen und langlebigen Reihe „Alfred Hitchcock präsentiert“ (später „Alfred Hitchcock zeigt“) war, kannte jedes Kind den dicklichen englischen Gentleman mit dem schwarzen Humor, der immer korrekt gekleidet war und sich nicht scheute Witze über sich und die Geldgeber zu machen.

Mr. und Mrs. Smith“ ist da im Hitchcockschen Ouevre eine Ausnahme. Als er den Film drehte, war er auch in den USA nach „Rebecca“ und „Mord“ (Foreign Correspondent) bereits ein bekannter Name, und er übernahm die Regie nur als Gefallen an Hauptdarstellerin Carole Lombard, mit der er befreundet war.

Ich habe mich mehr oder weniger an das Drehbuch von Norman Krasna gehalten. Da ich die Art von Leuten nicht verstand, die in dem Film gezeigt wurden, habe ich die Szenen fotografiert, wie sie geschrieben waren“, sagt Hitchcock in dem legendären Gespräch mit Francois Truffaut in dem ihm eigenen Understatement über den immer noch fast unbekannten Film, der in Deutschland erstmals am 27. August 1970 im ARD gezeigt wurde. Denn für Hichtcock-Fans hat der Film als Nebenwerk nichts Hitchcock-typisches zu bieten. Es gab auch nichts, was Hitchcock erkennbar an dem Film gereizt hatte. So wollte er in „Das Rettungsboot“ (Lifeboat) die ganze Geschichte in einem Rettungsboot spielen lassen. In „Fenster zum Hof“ (Rear Window) ist der Held an seinen Rollstuhl gefesselt und er verbringt seine Zeit, indem er die Menschen im Hinterhof studiert. In „Cocktail für eine Leiche“ (Rope) spielt die Geschichte in Echtzeit und es wurde ohne einen erkennbaren Schnitt gedreht.

Aber in „Mr. und Mrs. Smith“ gibt es solche Herausforderungen nicht. Denn der Film ist eine waschechte Screwball-Comedy, die vor allem die Erfordernisse des Genres mit einer handelsüblich dünnen Geschichte bedient.

Nach einem Ehestreit erfährt Mr. Smith, dass er, weil er seine überaus temperamentvolle Frau auf dem falschen Standesamt heiratete, überhaupt nicht verheiratet ist. Er freut sich auf einen Abend in wilder Ehe. Sie dagegen erwartet einen Heiratsantrag und nachdem dieser nicht kommt, wirft sie ihren Mann aus der gemeinsamen Wohnung. Er setzt jetzt Himmel und Hölle in Bewegung, um sie wieder zu erobern. Sie beginnt dagegen eine Affäre mit seinem Sozietätspartner Jeff Custer, einem rechten Langweiler vor dem Herrn. Und wir können uns an den Fingern einer abgehakten Hand abzählen, wie die Geschichte nach einigen Wortgefechten und tief fliegenden Gegenständen ausgeht.

Und das hat Hitchcock schön auf den Punkt hin inszeniert. Immerhin hat er, auch wenn er von Screwball-Comedy keine Ahnung hat, viel Humor und ein gutes Timing. Für das Drehbuch kann er dieses Mal nichts. Allein schon die Einführung der beiden von finanziellen Problemen unbelasteten Hauptcharaktere ist ein Kabinettsstück: immer wenn Ann und David Smith sich streiten, sperren sie sich in ihrem Schlafzimmer ein und verlassen den Raum erst, wenn sie sich wieder vertragen. Das kann, wie ihr Personal und Smiths Kanzlei aus leidvoller Erfahrung wissen, Tage dauern. Der Rekord liegt bei acht Tagen. In dem Zimmer schleichen sie wie Katz und Maus umeinander herum und versuchen sich möglichst gut zu ignorieren. Was gar nicht so einfach ist. Oder das Abendessen bei „Mama Lucy“, das unter dem neuen Besitzer zu einem heruntergekommenem Imbiss, in dem die Katzen reihenweise an dem Essen sterben, verkommen ist. Aber die beiden Smiths benehmen sich, als ob sie in einem Nobelrestaurant wären. Oder der erste gemeinsame Abend von Ann Smith und Jeff Custer. Zuerst muss sie in einem Tanzlokal David beobachten, der sich anscheinend glänzend mit anderen Frauen vergnügt. Dann müssen Ann und Jeff stundenlang, im Regen in einer Gondel ausharren. Zum krönenden Abschluss gibt sie Jeff einen Schnaps zum Aufwärmen und Jeff, der noch nie Alkohol getrunken hat, ist ganz schnell stockbesoffen.

Oder wenn David am Filmende einen letzten Versuch unternimmt, sie wieder zurückzugewinnen und er sich in einer einsam gelegenen Skihütte neben Ann und Jeff einquartiert. Er spielt ihnen vor, dass er todkrank, im Delirium und kurz vor dem Erfrieren ist. Sie spielt ihm vor, dass Jeff sich zu einem stürmischem Liebhaber entwickelt hat. Dieses Versteckspiel gehorcht, wie der gesamte Film, keiner rationalen Logik mehr, sondern nur noch der emotionalen Logik eines Liebesfilms und es ist, auch wenn der Film eher zum Schmunzeln als zum Lachen animiert, immer auf die Pointe hin inszeniert.

Natürlich ist „Mr. und Mrs. Smith“ vor allem viel heiße Luft. Aber der Film macht auf eine richtig altmodische Art Spaß; – ganz im Gegensatz zu dem gleichnamigen Film von 2005 mit Angelina Jolie und Brad Pitt, der außer dem Titel nichts mit Hitchcocks Film zu tun hat.

Mr. und Mrs. Smith (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Norman Krasna

mit Carole Lombard, Robert Montgomery, Gene Raymond, Jack Carson, Philip Merivale

DVD

Arthaus/Kinowelt

Bild: 1,33:1 (4:3 Vollbild)

Ton: Deutsch, Englisch (Mono DD)

Untertitel: Deutsch

Extras: Wendecover

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Mr. und Mrs. Smith (deutsch, englisch)

Hitchcockwiki über „Mr. und Mrs. Smith“

Turner Classic Movies über „Mr. und Mrs. Smith“

Hitchcock and Me über „Mr. und Mrs. Smith“

Sex in a Submarine über „Mr. und Mrs. Smith“

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

 


Francois Truffaut interviewt Alfred Hitchcock

Mai 16, 2010

„Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“, die Niederschrift des Gesprächs zwischen Alfred Hitchcock und seinem Bewunderer Francois Truffaut, hat wahrscheinlich jeder Hitchcock-, Krimi- und Filmfan in seinem Regal stehen.

Bei „If Charlie Parker was a gunslinger, there’d be a whole lot of dead copycats“ kann das gesamte Gespräch auch angehört werden. Gute fünfzig Stunden Filmgeschichte. Der Ton ist okay (jeder hatte ein Krawattenmikrophon und ein Toningeniuer nahm im Nebenzimmer das Gespräch auf); die Simultanübersetzung von Helen Scott.

Hier geht’s zu den Mitschnitten (die erste Hälfte, die zweite Hälfte – immer in überschaubaren Portionen und mit einigen schönen Bildern).

Damit dürfte der Sonntag (und einige weitere Tage) gerettet sein.

(Dank an Go into the Story, der mich auf die zwischen 2006 und 2008 online gestellten Mitschnitte hinwies.)


„Alfred Hitchcock präsentiert“ ganz viel Hitchcock

November 13, 2009

Alfred Hitchcock wagte in seinen Filmen immer wieder Experimente. Ein Film, der in einem Rettungsboot spielt. Ein Film, der in Echtzeit spielt und ohne Schnitt inszeniert wurde. Ein Film, der aus der Perspektive eines an seinen Rollstuhl in seinem Zimmer gefesselten Mannes inszeniert wurde.

In der Episode „Scheintot“, die Alfred Hitchcock für „Alfred Hitchcock präsentiert“ inszenierte, treibt er dieses Spiel weiter. Joseph Cotten spielt einen hartherzigen Unternehmer, der auf einer Autofahrt verunglückt. Er liegt so unglücklich, dass er sich überhaupt nicht mehr bewegen kann. Der halbe Film sieht wie ein Standbild aus. Denn die Kamera beobachtet Cotten, der nicht mit der Wimper zuckt und im Voiceover erzählt, was er fühlt und wie er sich (erfolglos) bemerkbar machen will.

In „Die Schlange im Bett“ erzählte Hitchcock eine ähnliche Geschichte. Dieses Mal behauptet Harry Pope, dass in seinem Bett eine Giftschlange ist. Sein Kumpel beschließt, leicht amüsiert, ihm zu glauben. Denn Pope ist ein Trinker.

Die meisten anderen Geschichten, die auf der DVD „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ versammelt sind, beschränken sich nicht nur auf einen Raum und einen so kurzen Zeitraum. Aber spannend sind sie alle und die Pointe ist auch immer gelungen, oft schwarzhumorig und meistens überraschend. Denn einige Endtwists sind heute doch schon zu bekannt oder, wie in „Der Kristallgraben“, arg vorhersehbar. Einige Geschichten, wie „Der geheimnisvolle Nachbar“ enden auch überraschend harmlos (Nein, ich werde jetzt keine Enden verraten!).

In der sehr Hitchcock-typischen Episode „Nasser Samstag“ zeigt ein Familienoberhaupt auf einem noblen Landsitz, was er alles zum Schutz seiner Familie unternimmt.

In vielen Geschichten soll allerdings nicht der gute Ruf der Familie geschützt werden, sondern ein Ehepartner will den anderen umbringen. Mal geht es um die persönliche Freiheit, aber oft auch nur um den schnöden Mammon, und am Ende macht immer wieder um einen kleinen Fehler, der den schönen Plan zunichte. In „Das zweite Inserat“ zerstört dagegen ein von einem älteren Arbeiter (Oskar Homolka) gefundener, prall gefüllter Geldbeutel seine glückliche Ehe.

Und wenn die Geschichte mal nicht so toll ist, gibt es immer noch die Möglichkeit für einen schauspielerischen Glanzauftritt, wie in „…und so starb Riabouchinska“. In dieser Episode, nach einer Geschichte von Ray Bradbury, spielt Claude Rains einen in seine Puppe verliebten Bauchredner. In „Draußen in der Dunkelheit“ hat Bette Davis als ältliche, allein mit ihrem Pudel in einem Apartment lebende Witwe diesen Auftritt. Es ist, wie viele Geschichten in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ auch die Geschichte eines Irrtums mit fatalen Folgen.

Als Bonusmaterial gibt es eine informative, kurze Doku über die Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“ und zwei weitere TV-Arbeiten von Alfred Hitchcock, die er für andere Reihen inszenierte. „Zwischenfall an der Straße“ ist eine harmlose, etwas längliche Geschichte mit einem interessanten Anfang (der Zwischenfall wird aus mehreren Perspektiven gezeigt) über falsche Anschuldigungen und das Einstehen für sein Recht. Harmlos ist die Geschichte allerdings nur, weil niemand ermordet wird. Denn üble Nachrede (ein alter Mann, der als Schülerlotse arbeitet, wird anonym beschuldigt, ein Kind unsittlich berührt zu haben) und die Angst des Betroffenen und seiner Familie, sich dagegen zu wehren, sind für eine Gemeinschaft letztendlich viel zerstörerischer.

Die Bombe im Keller“ ist, nach einer Geschichte von Cornell Woolrich, Suspense pur. Ein Mann will mit einer Bombe, die um vier Uhr losgeht, seine Frau umbringen. Er wird im Keller eingesperrt und versucht nun verzweifelt vor der Explosion aus dem Haus zu entkommen.

Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ enthält mit den beiden Bonusfilmen 27 spannende Krimis, die öfters auch ohne einen Mord auskommen und heute immer noch gut unterhalten können. Denn die Charaktere sind genau gezeichnet, die Geschichten stringent zur finalen Überraschung hin entwickelt, die Kamera angenehm zurückhaltend und die Schauspieler spielen gut. Wie schon bei den vorherigen Episoden von „Alfred Hitchcock präsentiert“ und „Alfred Hitchcock zeigt“ gefallen mir die älteren Schauspielerinnen und Schauspieler etwas besser als die damals noch jungen Stars. So bleibt Roger Moore als Ermittler sehr blass und Charles Bronson hat noch nicht seine spätere stoische Form gefunden. Wie bei den vorherigen Hitchcock-Boxen sind auch in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ etliche Episoden enthalten, die bislang im deutschen Fernsehen noch nicht gezeigt wurden. Die gibt es dann als Original mit Untertitel.

Außerdem sind jetzt alle Fernseharbeiten von Alfred Hitchcock auf DVD erhältlich.

Alfred Hitchcock präsentiert - Teil 2

Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2

Koch Media, 2009

Laufzeit: 732 Minuten

Bild: 1,33:1 (4:3)

Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner), Die Bombe im Keller (Four O’Clock), Alfred Hitchcock präsentiert: Ein Blick zurück, deutsche Intros, Booklet

FSK: ab 12 Jahre

 

enthält

Rache (Revenge, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: Samuel Blas

mit Ralph Meeker, Vera Miles, Frances Bavier, Ray Montgomery

Scheintot (Breakdown, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell, Louis Pollock (auch Geschichte)

mit Joseph Cotten, Aaron Spelling (einer der wenigen Leinwandauftritte des später erfolgreichen TV-Produzenten, hier als Straßenarbeiter)

Massarbeit (Back for Christmas, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: John Collier

mit John Williams, Isobel Elsom

Nasser Samstag (Wet Saturday, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Marian B. Cockrell

LV: John Collier

mit Cedric Hardwicke, John Williams, Tita Purdom

Der geheimnisvolle Nachbar (Mr. Blanchard’s Secret, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: Emily Neff

mit Robert Horton, Meg Mundy, Mary Scott

Das perfekte Verbrechen (The perfect crime, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Ben Ray Redman

mit Vincent Price, James Gregory, Gavin Gordon

Post Mortem (Post Mortem, USA 1958)

Regie: Arthur Hiller

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Cornell Woolrich

mit Steve Forrest, Joanna Moore, James Gregory

Ein riskanter Sprung (A dip in the pool, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Roald Dahl

mit Keenan Wynn, Fay Wray, Philip Bourneuf

Die Schlange im Bett (Poison, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Casey Robinson

LV: Roald Dahl

mit Wendell Corey, James Donald, Arnold Moss

Draußen in der Dunkelheit (Out there, darkness, USA 1959)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Bernard C. Schoenfeld

LV: William O’Farrell

mit Bette Davis, Frank Albertson, James Congdon, Arthur Marshall

Der Schmuck der Lady Avon (The Avon Emeralds, USA 1959)

Regie: Bretaigne Windust

Drehbuch: William Fay

LV: Joe Piddock

mit Roger Moore, Hazel Court

Der Kristallgraben (The Crystal Trench, USA 1959)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Sterling Silliphant

LV: A. E. W. Mason

mit James Donald, Patrick Owens, Werner Klemperer, Patrick Macnee

Mama, darf ich schwimmen gehen? (Mother, May I go out to swim?, USA 1960)

Regie: Herschel Daugherty

Drehbuch: James P. Cavanagh

LV: Q. Patrick

mit William Shatner, Gia Scala, Jessie Royce Landis

Die Wette (The Horse player, USA 1961)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Henry Slesar

LV: Henry Slesar

mit Claude Rains, Ed Gardner

Die richtige Medizin (The right kind of medicine, USA 1961)

Regie: Alan Crosland Jr.

Drehbuch: Henry Slesar

mit Robert Redford

Ohne jede Spur (Into thin air, USA 1955)

Regie: Don Medford

Drehbuch: Marian B. Cockrell

mit Patricia Hitchcock, Geoffrey Toone, Alan Napier

…und so starb Riabouchinska (And so died Riabouchinska, USA 1956)

Regie: Robert Stevenson

Drehbuch: Mel Dinelli

LV: Ray Bradbury

mit Claude Rains, Charles Bronson, Claire Carleton

Tödliches Rezept (The perfect murder, USA 1956)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Victor Wolfson

LV: Stacy Aumonier

mit Mildred Natwick, Hurd Hatfield, Philip Coolidge

Ein Portrait von Jacqueline (Portrait of Jocelyn, USA 1956)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Harold Swanton

LV: Edgar Marvin

mit Philip Abbott, Nancy Gates, John Baragrey

Das zweite Inserat (Reward to finder, USA 1957)

Regie: James Neilson

Drehbuch: Frank Gabrielson

LV: F. J. Smith

mit Oskar Homolka, Jo Van Fleet, Claude Akins

Die ganz Zarte (The young one, USA 1957)

Regie: Robert Altman

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: Phillip S. Goodman, Sandy Sax

mit Vince Edward, Carol Lynley, Stephen Joyce, Jeanette Nolan

Der Unwiderstehliche (The Deadly, USA 1957)

Regie: Don Taylor

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Lawrence Treat

mit Phyllis Thaxter, Lee Philips, Craig Stevens

Das ideale Haus (The right kind of house, USA 1958)

Regie: Don Taylor

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Henry Slesar

mit Robert Emhardt, Jeanette Nolan, James Drury

Treue um Treue (Mrs. Bixby and the Colonel’s Coat, USA 1960)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Halsted Welles

LV: Roald Dahl

mit Audrey Meadows, Les Tremayne, Sally Hughes

Mrs. Chistel – das ist keine Lösung (You can’t trust a man, USA 1961)

Regie:Paul Henreid

Drehbuch: Helen Nielsen

LV: Helen Nielsen

mit Polly Bergen, Frank Albertson, Joe Maross

Bonusfilme

Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner, USA 1960)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Charlotte Armstrong

LV: Charlotte Armstrong

mit George Peppard, Vera Miles

Die Bombe im Keller (Four O’Clock, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: Cornell Woolrich

mit E. G. Marshall, Harry Dean Stanton

Hinweise

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

 


Die Cameos von Alfred Hitchcock

August 24, 2009

TV-Tipp für den 10. August: Legenden: Alfred Hitchcock; Die 39 Stufen

August 10, 2009

In den kommenden Tagen laufen, anlässlich des Geburtstages von Alfred Hitchcock auch einige selten gezeigte Hitchcock-Filme im Fernsehen. Los geht’s heute mit:

ARD, 21.00

Legenden: Alfred Hitchcock (D 2009, R.: Michael Strauven)

Drehbuch: Michael Strauven

45-minütige Doku über den am 13. August 1899 geborenen “Master of Suspense”.

Wiederholung: Dienstag, 11. August, 03.50 Uhr (Taggenau!)


MDR, 22.55

Die 39 Stufen (GB 1935, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Charles Bennett, Alma Reville, Ian Hay

LV: John Buchan: The Thirty-Nine Steps, 1915 (Die neundundreißig Stufen)

Richard Hannay wird verdächtigt einen Spion umgebracht zu haben. Die Suche nach dem Mörder führt ihn durch halb England zu einem mordlüsternem Spionagering.

Schon seit Jahren nicht mehr gezeigter Hitchcock-Klassiker. Der “Anlass” ist der 110. Geburtstag des Meisters der Suspense am 13. August. Wenn das als Anlass genommen wird, einige auch selten gezeigte Hitchcock-Filme zu zeigen, ist es mir sehr recht.

Was mir bei The 39 Steps gefiel, waren die jähen Umschwünge und das rapide Springen von einer Situation in die nächste. (…) Sollte ich The 39 Steps noch einmal drehen, dann würde ich wieder nach diesem Rezept vorgehen. Aber das kostet wirklich eine Menge Arbeit. Man muss einen Einfall auf den anderen folgen lassen, und das unheimlich schnell.” (Alfred Hitchcock zu Peter Bogdanovich)

Mit Madeleine Carroll, Robert Donat, Lucie Mannheim, Godfrey Tearle, Peggy Ashcroft, John Laurie

Wiederholung: BR, Sonntag, 16. August, 23.30 Uhr


Kleinkram mit Lee Goldberg/Monk, Leigh Brackett, Lee Marvin, „Whiteout“, Paul Schrader, Alfred Hitchcock und Humphrey Bogart

Juni 24, 2009

Beginnen wir mit Adrian Monk. Bei „Talking with Tim“ beantwortet Lee Goldberg, der Autor der grandiosen Monk-Romane, einige Fragen:

O’Shea: When writing a Monk-related plot, how hard is it to come up with a story that has a unique twist and that does not cover ground already addressed in a previous episode?

Goldberg: It’s very hard. So I try to do things I know aren’t going to be possible creatively or financially for the show. But now that the show is nearly over, that’s going to be a lot easier for me…assuming the post-finale books continue to be successful.

O’Shea: What’s the biggest challenge of being a media tie-in writer?

Goldberg: Creatively, it’s capturing the characters, style and feel of the TV series, game or movie while also providing a deeper, richer experience. Professionally, it’s turning in a tight, clean manuscript on time, since the deadlines are brutal…you often have as little as four to six weeks to write the book.

Dort sagt Goldberg auch, dass es nach „Bonjour, Mr Monk“ (Mr. Monk is miserable, 2008)  noch mindestens vier weitere Monk-Romane geben wird.

Der erste davon, „Mr. Monk and the dirty cop“, ist in den USA gerade erschienen und wird schon von Bill Crider abgefeiert:

Lee Goldberg’s books about Monk never let me down. They’re always good for a some smiles and laughs, but that’s the least of it. I’ve talked before about the themes of loyalty and friendship in books by other writers (…) and Robert B. Parker couldn’t fill up ten pages without writing about them. People take the themes seriously in other books because, well, the books are serious. Goldberg has a lighter touch, but if you don’t think those themes are treated just as seriously in his work, then you should read Mr. Monk and the Dirty Cop.

Filmkritiker Tony Macklin hat undatierte, aber schon ältere Interviews mit Leigh Brackett (Rio Bravo, El Dorado, Rio Lobo, The long goodbye, Star Wars: The Empire strikes back) und Lee Marvin (zuletzt auf DVD veröffentlicht: „Der Tod eines Killers“) gepostet.

Bei Evolver feiert Thomas Fröhlich die beidenWhiteout„-Comics von Greg Rucka und Steve Liebert ab.

Inzwischen ist auch der erste Trailer für die, wegen der scheinbar endlosen Postproduktion, langerwartete Verfilmung von „Whiteout“ (Regie: Dominic Sena, Drehbuch: Jan Hoeber, Erich Hoeber, Chad Hayes, Carey Hayes, mit Kate Beckinsale, Gabriel Macht, Tom Skerritt) online. In den USA soll der Film am 11. September starten.

Ich bin etwas enttäuscht von dem Trailer. Denn er sieht mir zu sehr nach einem Zeichentrickfilm aus.

Im Guardian denkt Drehbuchautor Paul Schrader über „Beyond the Silver Screen“ nach:

Movies were the artform of the 20th century. The traditional concept of movies, a projected image in a dark room of viewers, feels increasingly old. I don’t know what the future of audio-visual entertainment will be, but I don’t think it will be what we used to call movies. Narrative will mutate and endure. Audio-visual entertainment is changing and narrative will change with it.

Sex in a Submarine schreibt über Alfred Hitchcocks „Ich beichte“ (I confess, USA 1953).

Und der Noir of the Week ist „Späte Sühne“ (Dead Reckoning, USA 1946). Regie führte John Cromwell. Das Drehbuch schrieben Oliver H. P. Garrett, Steve Fisher und Allen Rivkin. Die Hauptrolle spielte Humphrey Bogart.



„Alfred Hitchcock präsentiert“ zwanzig mal halbstündige Spannung

April 21, 2009

Alfred Hitchcock erklärte Suspense oft am Beispiel der Männer, die Karten spielen, während unter ihrem Tisch eine Bombe tickt. Sie wissen nichts von der Bombe. Wir wissen, wann die Bombe explodiert und hoffen, dass sie vorher mit ihrem Spiel aufhören, weggehen oder die Bombe entdecken. Alfred Hitchcock hätte Suspense auch anhand fast jeder der jetzt auf DVD erschienenen zwanzig halbstündige Folgen von „Alfred Hitchcock präsentiert“ erklären können.

Wie schon bei den beiden aufwändig gestalteten und absolut empfehlenswerten „Alfred Hitchcock zeigt“-Boxen, die jeweils zehn Folgen der ab 1962 einstündigen Krimiserie enthalten, sind in „Alfred Hitchcock präsentiert“ einige der vom Meister selbst inszenierten Folgen, einige von inzwischen bekannten Regisseuren, die damals noch am Anfang ihrer Karriere standen, einige mit heute bekannten Schauspielern (wie Steve McQueen, Walter Matthau, George Peppard und Burt Reynolds) und, insgesamt, einfach gute Krimis enthalten. Einige Folgen wurden bereits in den Sechzigern, teilweise gekürzt, im deutschen Fernsehen gezeigt. Einige wurden, wozu auch die klassische, für zwei Emmys nominierte Folge „Mordwaffe: Lammkeule“ gehört, erst 1999 im WDR als Originalfassung mit Untertiteln gezeigt und einige, wie Robert Altmans „Auf immer und ewig“ (mit Joseph Cotten), sind DVD-Premieren.

„Mordwaffe: Lammkeule“, vom Meister Alfred Hitchcock selbst nach einem Drehbuch von Roald Dahl inszeniert, ist ein grandioses Beispiel für seinen schwarzen Humor und jeder dürfte die Geschichte kennen: Die schwangere Ehefrau (grandios gespielt von Barbara Bel Geddes) erschlägt, nachdem er ihr sagt, er werde sich von ihr scheiden lassen, mit einer Lammkeule ihren untreuen Ehemann. Anschließend schiebt sie die Lammkeule in den Ofen, verschafft sich ein improvisiertes Alibi und ruft die Polizei an. Während der Detective in der Wohnung ermittelt, hoffen wir, dass sie ungestraft davon kommt. Am Ende serviert sie den ausgehungerten Polizisten das Abendessen. Sie beginnen dankbar zu essen und der Ermittler sagt, während sie genussvoll die Lammkeule verzehren: „Wahrscheinlich haben wir die Mordwaffe direkt vor der Nase.“ Gleichzeitig fährt die Kamera auf die im Nebenzimmer sitzende, lächelnde Mörderin.

Mehr klassische Suspense gibt es in den ebenfalls von Hitchcock inszenierten Folgen „Peng! Du bist tot“ und „Die Leiche im Kofferraum“. In der ersten Geschichte gelangt zufällig ein geladener Revolver in die Hände eines Jungen, der als Cowboy verkleidet durch die Vorstadt läuft und mit dem Revolver immer wieder auf Leute schießt. Die ganze Folge wird von der Frage beherrscht, wann sich ein Schuss löst.

In der zweiten Geschichte versteckt ein Mann seine tote Frau im Kofferraum. Er will ihre Leiche wegbringen. Allerdings ist sein Rücklicht defekt und ein hilfsbereiter Polizist beginnt ihn zu verfolgen.

Robert Altmans „Auf immer und ewig“ ist ein weiteres gutes Beispiel für Suspense. Am Vorabend des langen Weihnachtswochenendes bringt der reich verheiratete Playboy Tony Gould (Joseph Cotten) seine heimliche Geliebte, die ihn unbedingt heiraten will, um. Dummerweise ist er jetzt mit ihr in einem Eckzimmer in einem verlassenen Bürohaus eingesperrt. Er versucht, ohne entdeckt zu werden, aus dem Raum zu entkommen.

Suspense der etwas anderen Art gibt es in „Schweigen ist Silber“. Ein Vater versucht seinen sehr lebhaften Jungen auf einer Zugfahrt für einige Minuten zum Schweigen zu bringen. Die Gelegenheit ergibt sich, als ihnen im auf der Strecke stehen gebliebenen Zug, ein Mitreisender eine Geschichte erzählen will. Der Vater sagt dem Jungen, dass er eine wertvolle Münze nur erhalte, wenn er der Geschichte des Mitreisenden schweigend zuhöre. Während dieser spricht, sieht der Junge, wie jemand von außen an die vereiste Fensterscheibe klopft. Der Junge ist hin und hergerissen, zwischen schweigen oder den anderen von dem draußen Erfrierenden zu erzählen. Dieser Konflikt ist so spannend, dass man der Geschichte des Mitreisenden überhaupt nicht mehr zuhört.

Schwarzhumoriges gibt es nicht nur in den Präsentationen von Alfred Hitchcock. Auch einige Episoden sind schwarzhumorige Kabinettstücke. Da wäre der ultrageizige Gatte in „Wer soll das bezahlen?“. Einerseits möchte er seine plötzlich allzu spendable Frau umbringen. Andererseits sollte das möglichst billig vonstatten gehen.

Oder in „Ein Fressen für die Hühner“. In der von Hitchcock inszenierten Geschichte erzählt Laurence Harvey (Botschafter der Angst) als Chef einer riesigen, modernen Hühnerfarm seelenruhig von dem perfekten Mord.

Besonders „Das gute Geschirr“ ist, wie öfters in „Alfred Hitchcock präsentiert“ und in „Alfred Hitchcock zeigt“, eine (schwarzhumorige) Sternstunde für ältere Schauspielerinnen. In dieser Episode spielen Estelle Winwood (geb. 1883), Elizabeth Patterson (geb. 1875), Ellen Corby (geb. 1911, sie war später die Grandma bei den „Waltons“) und Ida Moore (geb. 1882) noch einmal groß auf. Die Damen verlieben sich in den gegenüber eingezogenen, gut aussehenden Inspektor. Da trifft es sich gut, dass gerade eine von ihnen verschieden ist. Kurz darauf stirbt eine weitere von ihnen und der nette Polizist muss wieder zu ihnen kommen.

Auch „Wohl dem, der lügt“ ist vor allem eine halbe Stunde für Herbert Marshall (geb. 1890), der als alter Schauspieler während eines Abends verzweifelt versucht eine Rolle in einem Theaterstück zu ergattern.

Die Ray-Bradbury-Verfilmung „Eine Marionetten-Bescherung“ ist eigentlich eine Science-Fiction-Geschichte. In ihr ersetzt ein Mann sich durch einen Roboter, der seine Frau abends unterhält, während er in die Kneipe geht. Aber der Roboter entwickelt einen eigenen Willen.

Auch Fredric Browns „Geschichten, die das Leben schreibt“ mit dem jungen Steve McQueen als Zeitungsreporter spielt mit der Wirklichkeit. Denn er soll sich mit einem Mann unterhalten, der behauptet, ein Marsmensch zu sein.

Es gibt sogar einer einen fast klassischen Whodunit in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“. In „Das Geständnis“, einer weiteren von Hitchcock inszenierten Episode, will ein Inspektor bei einem Abendessen den Mörder überführen, indem er den Geist der Toten wiederauferstehen lässt.

Für Albert Pelham ist in der ebenfalls von Alfred Hitchcock inszenierten Episode „Der Doppelgänger“ dagegen sein Leben der nackte Horror. Denn er glaubt, dass ein Anderer ihm sein Leben stehlen will, indem er sich als Albert Pelham ausgibt. Aber niemand scheint Pelham glauben zu wollen, dass es erstens den Doppelgänger gibt und zweitens er der echte Mr. Pelham ist. Das gewohnt überraschende Ende zeigt dann eine ungeahnte Dimension des Horrors.

Gerne erzählen die Macher von „Alfred Hitchcock präsentiert“ Geschichten aus der Sicht des Täters oder des Opfers; – wobei am Ende oft der Täter das Opfer ist, und umgekehrt. Das gilt für „Vorteil Rückschläger“. In dieser von Arthur Hiller inszenierten Episode soll ein in einem Wettbüro Angestellter herausfinden, warum einer ihrer guten Kunden seit drei Monaten nicht mehr wettete. Er trifft dessen schöne Frau, die ihm sagt, ihr Mann sei vor sechs Monaten gestorben. Er will das Rätsel lösen.

In der von Henry Slesar geschriebenen Folge „Perlen, Perlen“ versucht ein Schmuckhändler an eine zweite Perle, die er teuer verkaufen will, zu gelangen. Aber wer betrügt hier wen? Der distinguierte Händler den Kunden, einen stinkreichen, in eine junge Frau verliebten Gockel? Der Verkäufer, ein heruntergekommener, trinkfreudiger Seefahrer, den Händler? Oder die junge Frau die Männer?

Ebenfalls von Henry Slesar ist die geradlinige Gangstergeschichte „Davie hat keine Nerven“ mit Walter Matthau als Profigangster. Nach einem Überfall muss er mit seinem jungen, nervösem Komplizen untertauchen. Als sie erfahren, dass es eine von der Polizei bewachte Zeugin gibt, will der Ältere herausfinden, was sie genau gesehen hat. Als falscher Polizist, in einer schmucken Uniform, geht er zu ihr.

In „Scheidung auf amerikanisch“, dem Regiedebüt von Gordon Hessler, bereitet ein von seiner herrischen Frau gequälter Mann (Martin Balsam) alles für einen baldigen Todesfall vor. Wie so oft gehören auch hier die Sympathien dem Täter.

„Galgenfrist“ ist dagegen eine handfeste Abenteuergeschichte. In Mexiko versucht ein Bauleiter, trotz unrealistischem Zeitplan, fristgerecht einen Tunnel durch einen Berg zu graben. Mit einem neuen Assistenten könnte das Unternehmen gelingen. Aber der Bauleiter glaubt, dass der ein flüchtiger Mörder ist und alles tun wird, um nicht der Justiz ausgeliefert zu werden.

Flüchtige Verbrecher spielen auch in „Flucht nach Sonoita“ eine Rolle. Die von Stuart Rosenberg inszenierte Folge hat mit Burt Reynolds und Harry Dean Stanton gleich zwei bekannte Namen. Zwei Verbrecher klauen in der Wüste, nach einem Unfall, einen Tanklaster und lassen den alten Fahrer, der die Gegend wie seine Westentasche kennt, seinen Beifahrer und ihre Geisel ohne Wasser zurück. Aber der Fahrer hat noch ein Ass im Ärmel.

Etwas weiter südlich, in Mexiko, hat ein junges amerikanisches Ehepaar in „Eine wertvolle Leiche“ mit ihrer plötzlich verstorbenen Schwiegermutter Probleme. Denn die Engländerin ist illegal mit ihnen nach Mexiko eingereist und das unauffällige zurückbringen der Leiche ist schwieriger als gedacht. George Peppard spielt den netten Schwiegersohn. Peter Lorre den schmierigen, aber dafür gegen Geld umso hilfsbereiteren Privatdetektiv, der, wie alle, mit der Toten seinen Schnitt machen will.

Für ungefähr fünfzig Jahre alte Fernsehsendungen sind das Bild und der Ton, auch verglichen mit den etwa zeitgleich entstandenen deutschen Francis-Durbridge-Verfilmungen, erstaunlich gut. Die Trailer zu vier Hitchcock-Filmen dürften in der Originalfassung bereits bekannt sein. Die deutsche Synchronisation ist dagegen unbekannter und daher sind sie eine nette Beigabe. Sehr lobenswert ist, wie bereits bei „Alfred Hitchcock zeigt“, das informative Booklet.

Und in den zwanzig halbstündigen Episoden werden auch für heutige Sehgewohnheiten noch sehr spannende und effizient erzählte Geschichten mit überraschenden Schlusspointen präsentiert.

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Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1

(Alfred Hitchcock presents)

Koch Media, 2009

Laufzeit: ca. 495 Minuten (3 DVDs)

Bildformat: 1,33:1 (4:3)

Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet mit Episodenguite, Deutsche Kinotrailer für „Psycho“, „Die Vögel“, „Marnie“ und „Frenzy“

FSK: ab 16 Jahre

Enthält

Das gute Geschirr (Bull in a China Shop, USA 1958)

Regie: James Neilson

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: C. B. Gilford: Bull in a China Shop (in “Ellery Queen’s Mystery Magazine”, September 1957; Elefant im Porzellanladen)

Vorteil Rückschläger (Disappearing Trick, USA 1958)

Regie: Arthur Hiller

Drehbuch: Kathleen Hite

LV: Victor Canning: Disappearing Trick (in “Argosy”, 1955; Der Trick zu verschwinden)

Wohl dem, der lügt (Little White Frock, USA 1958)

Regie: Herschel Daugherty

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Stacey Aumonier: Little White Frock (in „The Love-a-duck and other stories, 1921)

Schweigen ist Silber (Don’t interrupt, USA 1958)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Sidney Carroll

Eine Marionetten-Bescherung (Design for loving, USA 1958)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Ray Bradbury

LV: Ray Bradbury: Marionettes, Inc. (in „Startling Stories“, März 1949, und „The illustrated man“, 1951; Marionetten, e. V.)

Galgenfrist (A personal Matter, USA 1959)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Joel Murcott

LV: Brett Halliday: Human Interest Stuff (in “Ellery Queen’s Mystery Magazine”, September 1946)

Das Geständnis (Banquo’s Chair, USA 1959)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis Cockrell

LV: Rupert Croft-Cooke: Banquo’s Chair (in „Pharoah and his Waggons and other stories”, 1937)

Wer soll das bezahlen? (Cheap is Cheap, USA 1959)

Regie: Bretaigne Windust

Drehbuch: Albert E. Lewin, Burt Styler

Scheidung auf Amerikanisch (Final Arrangements, USA 1961)

Regie: Gordon Hessler

Drehbuch: Robert Arthur

LV: Lawrence A. Page: Final Arrangements (in “Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine”, September 1957)

Perlen, Perlen (The matched Pearl, USA 1962)

Regie: Bernard Girard

Drehbuch: Henry Slesar

Davie hat keine Nerven (Cop for a Day, USA 1961)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Henry Slesar

LV: Henry Slesar: Cop for a Day (in „Manhunt“, Januar 1957, und „A crime for mothers and others”, 1962)

Geschichten, die das Leben schreibt (Human Interest Story, USA 1959)

Regie: Norman Lloyd

Drehbuch: Fredric Brown

LV: Fredric Brown: The last Martian (in „Galaxy Science Fiction Magazine“, Oktober 1950, und „Honeymoon in Hell“, 1958)

Flucht nach Sonoita (Escape to Sonoita, USA 1960)

Regie: Stuart Rosenberg

Drehbuch: James A. Howard, Bill S. Ballinger

LV: James A. Howard: Escape to Sonoita (in “Suspense”, Oktober 1959; Flucht nach Sonoita)

Eine wertvolle Leiche (The diplomatic Corpse, USA 1957)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Robert C. Dennis (nach einer Geschichte von Alec Coppel)

Der Doppelgänger (The Case of Mr. Pelham, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis Cockrell

LV: Anthony Armstrong: The Case of Mr. Pelham (in “Esquire”, 1940)

Die Leiche im Kofferraum (One more Mile to go, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: James P. Cavanagh

LV: George F. J. Smith: One more Mile to go (in „Manhunt“, Juni 1956, und „Best Detective Stories of the Year, 1957)

Peng! Du bist tot (Bang! You’re dead, USA 1961)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Harold Swanton

LV: Margery B. Vosper: Bang, You’re dead (Hörspiel)

Mordwaffe: Lammkeule (Lamb to the Slaughter, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Roald Dahl

LV: Roald Dahl: Lamb to the Slaughter (in „Harper’s Magazine“, September 1953, und „Someone like you“, 1953; Lammkeule)

Ein Fressen für die Hühner (Arthur, USA 1959)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: James P. Cavanagh

LV: Arthur Williams: Being a Murderer myself (in „Ellery Queen’s Mystery Magazine“, August 1948, und „The Queen’s Awards“, 1949)

Auf immer und ewig (Together, USA 1958)

Regie: Robert Altman

Drehbuch: Robert C. Dennis (nach einer Idee von Alec Coppel)

Hinweise

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“


Alfred Hitchcock zeigt weitere Beispiele für schlechtes Benehmen

Oktober 9, 2008

In den Sechzigern gehörte die „Alfred Hitchcock Hour“ nach „Alfred Hitchcock presents“ zu den langlebigen und beliebten Programmen des US-amerikanischen Fernsehens. Hitchcock selbst gab seinen Namen und sprach die Zwischentexte. Seine Popularität erreichte ungeahnte Ausmaße. In Deutschland zeigte das Erste nur zwölf von dreiundneunzig Folgen, die jetzt, zusammen mit dem ersten Teil der DVD-Kollektion „Alfred Hitchcock zeigt“, alle auf DVD veröffentlicht sind. Außerdem sind im zweiten Teil der DVD-Ausgabe von „Alfred Hitchcock zeigt“ wieder mehrere bis heute in Deutschland noch nie gezeigte, verdammt gute Episoden enthalten. Ergänzt werden die zehn, jeweils knapp einstündigen Episoden, wie schon im ersten Teil von „Alfred Hitchcock zeigt“, durch die deutschen Originalvorspänne und ein 48-seitiges informatives Booklet, das allerdings erst nach dem Genuss der Filme gelesen werden sollte, weil manchmal die Schlusspointe verraten wird. Und diese ist fast immer sehr gelungen.

Manchmal, wie in „Murder Case“ (Alte Liebe rostet nicht), ist sie heute nicht mehr so überraschend. Gena Rowlands und John Cassavetes spielen ein Liebespaar. Cassavetes will den Ehemann von Rowlands umbringen. Dass sein perfekter Mordplan schief geht, ist keine Überraschung. Das wie schon – wenn Sie lange keinen Krimi mehr gesehen haben. Aber dafür entschädigen natürlich die Schauspieler und die ökonomisch erzählte Geschichte. Immerhin stammt das Drehbuch von James Bridges, einem Stammautor der „Alfred Hitchcock Hour“, und dem damals jungen Team William Link/Richard Levinson, die vor allem als Erfinder von „Columbo“, „Mannix“ und „Murder, She Wrote“ (Immer wenn Sie Krimi schrieb…, Mord ist ihr Hobby) bekannt sind.

„Night Caller“ (Der letzte Anruf), „Ten Minutes from now“, „Body in the Barn“ (Wer andern eine Grube gräbt), „An unlocked Window“, „The Trap“ (Die Falle), „Power of Attorney“ (Generalvollmacht) und „Off Season“ sind spannende Kriminalfilme. „The Sign of Satan“ und „The Life Work of Juan Diaz“ gehen dagegen in Richtung Horrorfilm. Und „Sign of Satan“ ist mit Christopher Lee, bei seinem ersten Hollywood-Ausflug, auch grandios besetzt. Er spielt den österreichischen Schauspieler Karl Jorda, der in einem nur in elitären Kreisen gezeigtem Horrorfilm als Führer eines satanischen Kultes einen Hollywood-Produzenten überzeugte, der ihn für eine ähnliche Rolle engagiert. Jorda nimmt an. Aber am Filmset verhält er sich seltsam. Außerdem behauptet er, dass er von den Satansjüngern verfolgt werde. Die Originalfassung ist für uns Deutsche wegen der vielen deutschsprachigen Dialogpassagen ein Genuss.

„The Life Work of Juan Diaz“ ist eine längliche Episode um den Mexikaner Juan Diaz, der für seine Familie sorgen möchte, sich ein Grab auf dem Friedhof kauft und nach seinem Tod von dem Totengräber um seine Ruhestätte betrogen wird. Seine Frau und sein Sohn wollen sich das nicht gefallen lassen. Außer zwei spannenden Szenen in einer unterirdischen Halle auf dem Friedhof, in der die mumifizierten Leichen an den Wänden aufgebahrt sind, und einen als trunksüchtigen Totengräber lustvoll aufspielenden Frank Silvera, hat diese Folge wenig zu bieten.

Krimifans werden deshalb zu Recht diese beiden Episoden, trotz der bekannten Ideengeber, ignorieren und sich auf die restlichen Episoden freuen. „Night Caller“ (Der letzte Anruf) erzählt von dem jungen Roy Bullock, der einer schönen, mannstollen Ehefrau nachstellt. Sie erwischt ihn zuerst, als er sie heimlich im Garten beobachtet. Als sie später von anonymen Anrufen verängstigt wird und Bullock sich immer mehr in das Leben ihrer Familie einschleicht, wird eine tödliche Dynamik in Gang gesetzt. Denn Bullock ist viel zu höflich und verständnisvoll, um keine Hintergedanken zu haben.

Bruce Dern liefert mit diesem Peeping-Tom-Charakter (so wird er im Film immer wieder genannt, heute würde man ihn Stalker nennen) eine frühe Glanzleistung seines Könnens ab.

In „Ten Minutes from Now“ treibt der Künstler James Bellington (Donnelly Rhodes [unter anderem die neue „Kampfstern Galactica“-Serie]) eine Kleinstadt in den Wahnsinn. Denn nachdem ein Unbekannter mehrere Anschläge auf ein Museum androhte, spaziert er mit einem Karton in das Museum. Selbstverständlich glaubt die Polizei, dass Bellington der Unbekannte ist und in dem Karton eine Bombe ist. Und ebenso selbstverständlich ist keine drin. Aber jetzt ist Bellington für die Polizei der Hauptverdächtige und ein Psychiater analysiert während eines Besuchs in Bellingtons Atelier, dass der Maler äußert gefährlich ist und demnächst wahrscheinlich jemand umbringen werde. Kurz darauf spaziert Bellington wieder in das Museum.

„Body in the Barn“ (Wer andern eine Grube gräbt) ist auf den ersten Blick eine auf dem Land spielende „Fenster zum Hof“-Variante. Die alte Bessie Canby ist eine Mischung aus charmanter, neugieriger alter Dame und Giftzwerg. Als der gutmütige Ehemann ihrer herrsüchtigen Nachbarin spurlos verschwindet, hat Bessie Canby nur noch ein Ziel: die Nachbarin für den Mord hinter Gitter zu bringen.

Auf den zweiten Blick ist „Body in the Barn“ (Wer anderen eine Grube gräbt) eine Sternstunde für die Hauptdarstellerin Lilian Gish. Sie begann ihre Filmkarriere in Stummfilmen, spielte in den D.-W.-Griffith-Klassikern „Geburt einer Nation“ und „Intolerance“ und den Tonfilmen „Duell in der Sonne“, „Die Nacht des Jägers“, „Die Stunde der Komödianten“, „Eine Hochzeit“ und „Wale im August“, ihrem letzten Film 1987, mit und starb 1993 fast hundertjährig. Inszeniert wurde die Folge von Joseph Newman, der auch den S-F-Klassiker „Metaluna IV antwortet nicht“ drehte.

Newman inszenierte auch den Schocker „An unlocked Window“. In ihm sind während einer Gewitternacht zwei Krankenschwestern, eine trunksüchtige Haushälterin und ein krank an sein Bett gefesselter Hausherr in einem abgelegenen Haus eingeschlossen. Draußen geht ein Serienkiller um, der Krankenschwestern umbringt. Dana Wynter (Die Invasion der Körperfresser/Die Dämonischen, Airport) und Louise Latham (Marnie, Sugarland Express) sind die bekannten Damen in Lebensgefahr und das einsam auf einem Hügel stehende Haus kennen Filmfans aus „Psycho“.

„The Trap“ (Die Falle) erzählt, wie schon „Murder Case“, die altbekannte Geschichte von einem älteren Mann (Robert Strauss), seiner jungen Frau (Anne Francis) und dem jungen Nebenbuhler (Donnelly Rhodes). Denn irgendwann verlieben sich die beiden jüngeren ineinander und der Alte soll sterben. Dass dabei die Witwe auch das Vermögen erbt, erhöht nur die kriminelle Energie.

Hier trifft der Titel in mehr als einer Beziehung zu und Robert Strauss als kindisch aufgedrehter Spielehersteller mit einem Sinn für derb-platten Humor überzeugt restlos.

„Power of Attorney“ (Generalvollmacht) bietet wieder einmal einer älteren Schauspielerin die Gelegenheit zu einem großen Auftritt. Fay Bainter spielt eine ältere, vermögende, vertrauensselige Dame, auf die es ein Trickbetrüger abgesehen hat. Richard Johnson (Bis das Blut gefriert, Scoop – Der Knüller) spielt ihn mit dem öligen Charme eines Gebrauchtwagenverkäufers. Und Geraldine Fitzgerald (Die Wacht am Rhein) spielt die skeptische Hausdame, die irgendwann auch von dem Charme des Betrügers eingewickelt wird.

Fay Bainter war, eine Seltenheit in der Oscar-Geschichte, 1938 als beste Hauptdarstellerin und beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert und erhielt ihn in der zweiten Kategorie für ihre Rolle in „Jezebel – die boshafte Lady“. Einen späten Erfolg hatte sie mit „Infam“. „Power of Attorney“ war ihre letzte Filmrolle.

„Off Season“ ist, nach einigen Dokumentationen, der erste fiktionale Film von William Friedkin. Einige Jahre später inszenierte er „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“, „Der Exorzist“, „Atemlos vor Angst“, „Leben und sterben in L. A.“ und „Die Stunde des Jägers“.

In „Off Season“ erzählt er die Geschichte des hitzköpfigen Polizisten Johnny Kendall (John Gavin [Psycho, Spartacus]). Er erschießt nachts einen Obdachlosen und, um einer Entlassung zuvorzukommen, kündigt er den Dienst. Zusammen mit seiner Freundin zieht er in eine Kleinstadt. Kurz darauf arbeitet er wieder als Polizist und als Milt Woodman (Richard Jaeckel [Zähl bis drei und bete, Flammender Stern, Das dreckige Dutzend, Pat Garrett jagt Billy the Kid, Revolte in der Unterwelt, Unter Wasser stirbt man nicht, und die TV-Serien „Spenser“ und „Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu“]) mit seiner Freundin flirtet, brennen bei dem eifersüchtigem Kendall die Sicherungen durch.

„Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“ knüpft nahtlos mit zehn weiteren auch heute noch sehr ansehbaren Episoden an den ersten Teil an. Die meisten Geschichten können, abgesehen von einigen technischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte, locker neben neuen Kriminalfilmen bestehen. Und technisch gibt es, für im Schnitt 45 Jahre alte TV-Folgen, nichts zu meckern.

Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

(The Alfred Hitchcock Hour)

Koch Media

Laufzeit: 482 Minuten (10 Episoden auf 3 DVDs)

Bildformat: 1,33:1 (4:3)

Tonformat: Dolby Digital 2.0

Sprachen: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Bonus: Deutsche Originalvorspänne, 48-seitiges Booklet mit Episodenguide

Freigegeben ab 12 Jahren

Enthält:

Night Caller (Der letzte Anruf, USA 1964)

Regie: Alf Kjellin

Drehbuch: Robert Westerby, Gabrielle Upton (nach einer Idee von Gabrielle Upton)

Murder Case (Alte Liebe rostet nicht, USA 1964)

Regie: John Brahm

Drehbuch: James Bridges, William Link, Richard Levinson

LV: Max Marquis: Murder Case (London Mystery Magazine, September 1955)

Ten Minutes from now (USA 1964)

Regie: Alf Kjellin

Drehbuch: Arthur Ross

LV: Jack Ritchie: Ten Minutes from now (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, Oktober 1963, deutsch „Noch zehn Minuten“)

The Sign of Satan (USA 1964)

Regie: Robert Douglas

Drehbuch: Barré Lyndon

LV: Robert Bloch: Return to the Sabbath (Weird Tales, Juli 1938, deutsch „Der Star aus dem Grab“)

Body in the Barn (Wer andern eine Grube gräbt, USA 1963)

Regie: Joseph Newman

Drehbuch: Harold Swanton

LV: Margaret Manners: Body in the Barn (Argosy 1945)

The Life Work of Juan Diaz (USA 1964)

Regie: Norman Lloyd

Drehbuch: Ray Bradbury

LV: Ray Bradbury: The Life Work of Juan Diaz (Playboy, September 1963, deutsch “Das Lebenswerk von Juan Diaz”)

An unlocked Window (USA 1965)

Regie: Joseph Newman

Drehbuch: James Bridges

LV: Ethel Lina White: An unlocked Window (My best Mystery Story, 1939, deutsch “Ein unverschlossenes Fenster”/”Das unverriegelte Fenster”)

The Trap (Die Falle, USA 1965)

Regie: John Brahm

Drehbuch: Lee Kalcheim

LV: Stanley Abbott: The Trap (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, November 1964, deutsch „Die Todesfalle“)

Power of Attorney (Generalvollmacht, USA 1965)

Regie: Harvey Hart

Drehbuch: James Bridges

LV: Selwyn Jepson: Letter of the Law (The Evening Standard 1950er – The Evening Standard Detective Book, deutsch „Nach den Buchstaben des Gesetzes“)

Off Season (USA 1965)

Regie: William Friedkin

Drehbuch: Robert Bloch

LV: Edward D. Hoch: Winter Run (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, Januar 1965, deutsch „Schüsse um Mitternacht“/“Flucht im Schnee“/“Schneetreiben“)

Hinweis

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“ (mit weiterführenden Links)


DVD-Kritik: „Nur ein kleiner Gefallen“, etwas penetrante Neugier und einige Verbrechen in der Vorstadt

Mai 1, 2019

Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert über diesen „Suburban Noir“ (Feig über den Film):

Einen solchen Film hätte man von Paul Feig nicht erwartet. Er ist vor allem als Regisseur von enorm erfolgreichen Komödien bekannt. „Brautalarm“, „Taffe Mädels“ (The Heat) „Spy: Susan Cooper Undercover“ und „Ghostbusters“. Immer mit Frauen in den Hauptrollen, immer mit Melissa McCarthy und immer mehr als nur einen Tick über dem Klamauk der meisten improvisationsfreudigen US-Komödien, die Infantilität als Humor verkaufen.

Da ist „Nur ein kleiner Gefallen“ eine Überraschung. Denn obwohl es einiges zu Lachen gibt, ist der Film mehr ein Neo-Noir als eine Komödie.

Im Mittelpunkt steht Stephanie Smothers (Anna Kendrick). Die allein erziehende Witwe ist eine typische Soccer-Mum, die Kuchen für alle backt, hilfsbereit bis zur Selbstaufgabe ist und einen Vlog hat, in dem sie Küchentipps gibt und vor laufender Kamera, vor sich hin plappernd, Essen kocht.

Da trifft sie Emily Nelson (Blake Lively, kälter als eiskalt). Ihr Sohn Nicky geht in die gleiche Klasse wie Stephanies Sohn Miles. Emily ist eine für die Vorstadt mehr als mondäne, in New York arbeitende Mode-PR-Chefin, die mit einem erfolgreichen englischen Autor verheiratet ist. Wobei Sean Townsend (Henry Golding) nach seinem gefeierten Debüt kein weiteres Buch mehr schrieb. Inzwischen bestreitet Emily das Familieneinkommen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund findet Emily die unbeholfene und arg naive Stephanie sympathisch. Sie schüttet ihr ihr Herz aus. Auch dass ihr Mann gar nicht so nett sei, wie er auf den ersten Blick erscheine. Die beiden ungleichen Frauen werden beste Freundinnen. Der gewiefte Krimifan vermutet bei dieser Freundschaft selbstverständlich sehr unschöne Hintergedanken von Emily und auch die anderen Schuleltern trauen dieser Freundschaft nicht.

Eines Tages bittet Emily Stephanie um einen Gefallen: sie soll einige Stunden auf ihren Sohn aufpassen. Aber Emily holt Nicky nie ab. Sie verschwindet spurlos.

Stephanie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um Emily zu finden. Sie schnüffelt herum, sie ruft ihre Follower auf, ihr bei der Suche nach Emily zu helfen. Sie fragt sich, ob Emily verschwunden ist oder von ihrem Mann Sean umgebracht wurde.

Wir fragen uns, ob Stephanie wirklich so unschuldig ist, wie sie tut. Schließlich ist auch sie immer so nervig überdreht naiv und freundlich, dass sie schon dadurch verdächtig wirkt. Und natürlich wäre Sean ein gut aussehender und vermögender Ehemann, der mit einer liebevollen Ehefrau sicher wieder Bücher schreiben würde.

Weil Feig in „Nur ein kleiner Gefallen“ herrlich unbekümmert zwischen Neo-Noir und banaler Krimikomödie pendelt, ist auch lange unklar, wie die Geschichte endet. Denn während in einem Noir alles in schönster Verzweiflung endet und alle Pläne scheitern, endet in einer Krimikomödie alles viel optimistischer. Vor allem in erfolgreichen Serien wie „Monk“, „Psych“ (beides TV, aber auch einige Buchfälle) und den Stephanie-Plum-Krimis von Janet Evanovich (Romane, aber auch ein Kinofilm, der wie der Auftakt zu einer TV-Serie aussieht) endet alles immer harmonisch, bis der Ermittler nächste Woche einen neuen Fall hat. Stephanie Smothers gehört in diesen Krimikosmos. Sie hätte als eine Wiedergängerin von Miss Marple und all den anderen, die Polizei nervenden Ermittler, das Potential für eine nette, beschauliche Krimiserie. So in Richtung „Mord mit Aussicht“ oder flauschigem Regiokrimi, in denen nie etwas wirklich Schlimmes passiert und am Ende die Welt in Ordnung ist.

Aber schon bevor Emily verschwindet, ist klar, dass in „Nur ein kleiner Gefallen“ jeder jeden betrügt, man jedem mühelos die schlimmsten Absichten unterstellen kann und irgendwo vor unseren Augen ein ziemlich gemeiner Betrug oder Mord verborgen ist. Das ist dann, in schönster Neo-Noir-Tradition, ziemlich nah an „Wild Things“. Wenn da nicht die ach so tölpelhafte Stephanie wäre, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.

Nur ein kleiner Gefallen“ ist als Drahtseilakt zwischen harmloser Krimikomödie und fiesem Neo-Noir ein ziemlicher Spaß, der gerade weil er so unvereinbare Stile miteinander kombiniert, bis zum Schluss spannend bleibt.

 

Jetzt ist die auch von Alfred Hitchcock inspirierte Komödie auf DVD (und Blu-ray) mit einer satten Portion Bonusmaterial erschienen. Während, so mein Eindruck, die Zahl von DVDs, die über keinerlei nennenswertes Bonusmaterial verfügen, steigt, gibt es bei „Nur ein kleiner Gefallen“ einen sehr lebhaften, entsprechend kurzweiligen und sehr informativen, deutsch untertitelten Audiokommentar mit Regisseur Paul Feig, Drehbuchautorin Jessica Sharzer, Kameramann John Schwartzman, Kostümbildnerin Renee Ehrlich Kalfus und Produzentin Jessie Henderson und, wenn man den Trailer und den dreiminütigen Gag Reel dazu zählt, über neunzig Minuten Bonusmaterial,

Es gibt mehrere ausführliche Featurettes, ein alternatives Ende (eine Tanznummer wurde gedreht, aber dann als unpassend verworfen) und zehn geschnittene Szenen.

Das sich auf die Dreharbeiten konzentrierende Bonusmaterial ist durchgehend unterhaltsam. Der Informationswert ist allerdings überschaubar. So werden die Interviews zu kurzen Schnipseln zerstückelt. Mit Paul Feig hätte man ruhig ein ausführliches ungeschnittenes Interview führen können. Es gibt auch viele Bilder von den Dreharbeiten, bei denen Paul Feig immer heraussticht. Denn er trägt immer einen Anzug. Für ihn ist das einfach die normaler Arbeitskleidung, in der er sich wohlfühlt.

Und die Noir-Komödie ist natürlich immer noch sehenswert. Inzwischen hat sie auch einige, wenige Preise gewonnen. Besonders gut gefällt mir der Preis der Gay and Lesbian Entertainment Critics Association (GALECA). „Nur ein kleiner Gefallen“ erhielt den Dorian Award als „Campy Flick of the Year“. Das klingt doch nach einer gut abgeschmeckten Empfehlung.

Nur ein kleiner Gefallen (A simple Favor, USA 2018)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Jessica Sharzer

LV: Darcey Bell: A simple Favor, 2017 (Nur ein kleiner Gefallen – A simple Favor)

mit Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding, Andrew Rannells, Jean Smart, Bashir Salahuddin, Joshua Satine, Ian Ho, Rupert Friend

DVD

Studiocanal

Bild: 2,0:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar, Featurettes: „Gravestone Martinis“, „Suburban Noir: der visuelle Stil von ‚Nur ein kleiner Gefallen‘“, „Tagebuch eines modebewussten Regisseurs“, „Dreiecksbeziehungen“, „Style by Paul“, „Dennis Nylon“, „Nur so ein kleines Playdate“, „Flash Mob: das Making Of“; Alternatives Ende; Geschnittene Szenen; Gag Reel; Trailer; Wendecover

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Blu-ray identisch.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Nur ein kleiner Gefallen“

Metacritic über „Nur ein kleiner Gefallen“

Rotten Tomatoes über „Nur ein kleiner Gefallen“

Wikipedia über „Nur ein kleiner Gefallen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018)


Die Edgars 2019

April 26, 2019

In New York City verlieh die Mystery Writers of America (MWA) den prestigeträchtigen Edgar-Allan-Poe-Preis, kurz Egar, an:

Best Novel

Down the River Unto the Sea, von Walter Mosley (Mulholland)

nominiert

The Liar’s Girl, von Catherine Ryan Howard (Blackstone)

House Witness, von Mike Lawson (Atlantic Monthly Press)

A Gambler’s Jury, von Victor Methos (Thomas & Mercer)

Only to Sleep, von Lawrence Osborne (Hogarth)

A Treacherous Curse, von Deanna Raybourn (Berkley)

Best First Novel by an American Author

Bearskin, von James A. McLaughlin (Ecco)

nominiert

A Knife in the Fog, von Bradley Harper (Seventh Street)

The Captives, von Debra Jo Immergut (Ecco)

The Last Equation of Isaac Severy, von Nova Jacobs (Touchstone)

Where the Crawdads Sing, von Delia Owens (Putnam)

Best Paperback Original

If I Die Tonight, von Alison Gaylin (Morrow)

nominiert

Hiroshima Boy, von Naomi Hirahara (Prospect Park)

Under a Dark Sky, von Lori Rader-Day (Morrow)

The Perfect Nanny, von Leila Slimani (Penguin)

Under My Skin, von Lisa Unger (Park Row)

Best Fact Crime

Tinderbox: The Untold Story of the Up Stairs Lounge First and the Rise of Gay Liberation, von Robert W. Fieseler (Liveright)

nominiert

Sex Money Murder: A Story of Crack, Blood, and Betrayal, von Jonathan Green (Norton)

The Last Wild Men of Borneo: A True Story of Death and Treasure, von Carl Hoffman (Morrow)

The Feather Thief: Beauty, Obsession, and the Natural History Heist of the Century, von Kirk Wallace Johnson (Viking)

I’ll Be Gone in the Dark: One Woman’s Obsessive Search for the Golden State Killer, von Michelle McNamara (Harper)

The Good Mothers: The True Story of the Women Who Took on the World’s Most Powerful Mafia, von Alex Perry (Morrow)

Best Critical/Biographical

Classic American Crime Fiction of the 1920s, kommentiert von Leslie S. Klinger (Pegasus Books)

nominiert

The Metaphysical Mysteries of G.K. Chesterton: A Critical Study of the Father Brown Stories and Other Detective Fiction, von Laird R. Blackwell (McFarland)

Dead Girls: Essays on Surviving an American Obsession, von Alice Bolin (Morrow)

Mark X: Who Killed Huck Finn’s Father? von Yasuhiro Takeuchi (Routledge)

Agatha Christie: A Mysterious Life, von Laura Thompson (Pegasus)

Best Short Story

English 398: Fiction Workshop,” von Art Taylor (Ellery Queen Mystery Magazine, July/August 2018)

nominiert

Rabid,“ von Paul Doiron (Minotaur e-book)

Paranoid Enough for Two,” von John Lutz (in The Havana Game; Kensington)

Ancient and Modern,” von Val McDermid (in Bloody Scotland, herausgegeben von James Crawford; Pegasus)

The Sleep Tight Motel,” von Lisa Unger (Amazon e-book)

Best Juvenile

Otherwood, von Pete Hautman (Candlewick Press)

nominiert

Denis Ever After, von Tony Abbott (Katherine Tegen)

Zap! von Martha Freeman (Paula Wiseman)

Ra the Mighty: Cat Detective, von A.B. Greenfield (Holiday House)

Winterhouse, von Ben Guterson (Henry Holt)

Charlie & Frog, von Karen Kane (Disney Hyperion)

Zora & Me: The Cursed Ground, von T.R. Simon (Candlewick Press)

Best Young Adult

Sadie, von Courtney Summers (Wednesday)

nominiert

Contagion, von Erin Bowman (HarperCollins)

Blink, von Sasha Dawn (Carolrhoda Lab)

After the Fire, von Will Hill (Sourcebooks Fire)

A Room Away from the Wolves, von Nova Ren Suma (Algonquin)

Best Television Episode Teleplay

The One That Holds Everything,” The Romanoffs, Drehbuch von Matthew Weiner und Donald Joh (Amazon Prime Video)

nominiert

The Box,” Brooklyn Nine-Nine, Drehbuch von Luke Del Tredici (NBC/Universal TV)

Season 2, Episode 1,” Jack Irish, Drehbuch von Andrew Knight (Acorn TV)

Episode 1,” Mystery Road, Drehbuch von Michaeley O’Brien (Acorn TV)

My Aim Is True,” Blue Bloods, Drehbuch von Kevin Wade (CBS Eye Productions)

Robert L. Fish Memorial Award

How Does He Die This Time?” von Nancy Novick (Ellery Queen Mystery Magazine, September/October 2018)

The Simon & Schuster Mary Higgins Clark Award

The Widows of Malabar Hill, von Sujata Massey (Soho Crime)

nominiert

A Death of No Importance, von Mariah Fredericks (Minotaur)

A Lady’s Guide to Etiquette and Murder, von Dianne Freeman (Kensington)

Bone on Bone, von Julia Keller (Minotaur)

A Borrowing of Bones, von Paula Munier (Minotaur)

The G.P. Putnam’s Sons Sue Grafton Memorial Award

Shell Game, von Sara Paretsky (Morrow)

nominiert

Perish, von Lisa Black (Kensington)

City of Secrets, von Victoria Thompson (Berkley)

A Forgotten Place, von Charles Todd (Morrow)

To Die But Once, von Jacqueline Winspear (Harper)

Grand Master Award

Martin Cruz Smith

Raven Award (for outstanding achievement in the mystery field outside the realm of creative writing)

Marilyn Stasio („The New York Times“-Krimikritikerin)

Ellery Queen Award (for outstanding writing teams and outstanding people in the mystery-publishing industry)

Linda Landigan (Herausgeberin des Alfred Hitchcock Mystery Magazine)

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner! Schön, dass einige altbekannte Namen wieder dabei sind.

 

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 18. Februar: Der Schlachter/Vor Einbruch der Nacht

Februar 18, 2019

Heute: Ein Claude-Chabrol-Double-Feature

Arte, 20.15

Der Schlachter (Le boucher, Frankreich/Italien 1969)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

In der Provinz verliebt sich eine Lehrerin in einen Schlachter. Dieser ist allerdings auch der in der Gegend gesuchte Kindermörder.

Ein Chabrol-Klassiker über zwei beschädigte Menschen, die nicht zueinander finden können.

Mit Stéphane Audran, Jean Yanne, Roger Rudel

Hinweise

AlloCiné über „Der Schlachter“

Rotten Tomatoes über „Der Schlachter“

Wikipedia über „Der Schlachter“ (deutsch, englisch, französisch)

Arte, 21.45

Vor Einbruch der Nacht (Juste avant la nuit, Frankreich 1971)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

LV: Edward Atiyah: The thin line, 1951 (später Murder, my Love)

Bei einem SM-Spiel tötet Charles Masson seine Geliebte. Er gesteht die Tat seiner Frau und dem Mann seiner Geliebten. Der ist zugleich sein bester Freund. Beide raten ihm davon ab, zur Polizei zu gehen. Aber kann Masson mit seiner Schuld leben?

Chabrol rechnet mal wieder mit der Moral der Bourgeoisie ab. Ein mehr als selten gezeigter Chabrol-Klassiker.

Masson „ist ein Gefangener seiner eigenen Welt, der er letztlich zum Opfer fällt. Chabrol inszeniert dies mit der analytisch-sezierenden Brillanz eines Chirurgen, er nutzt die Kamera und ihre Bewegungen über ihren ästhetischen Aspekt hinaus zur psychologischen Beweisführung. Darin ist er seinem Vorbild Alfred Hitchcock sehr nahe.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

mit Michel Bouquet, Stéphane Audran, Jean Carmet, Francois Périer, Henri Attal

Hinweise

AlloCiné über „Vor Einbruch der Nacht“

Rotten Tomatoes über „Vor Einbruch der Nacht“

Wikipedia über „Vor Einbruch der Nacht“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 3. Januar: Bei Anruf Mord

Januar 3, 2019

Ein Hinweis vom Meister

Arte, 20.15

Bei Anruf Mord (Dial M for Murder, USA 1954)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Frederick Knott

LV: Frederick Knott: Dial M for Murder, 1952 (Theaterstück)

Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner untreuen Ehefrau Margot. Als sie den Killer umbringt, wird es Zeit für Plan B.

Für Hitchcock war die Verfilmung des Broadway-Stückes eine Verlegenheitsarbeit, bei dem er damals modische 3-D-Effekte einbauen musste. Er tat dies nur in einer Szene: als Margot den Killer mit einer Schere ersticht. Der Rest ist gut abgefilmtes Theater.

Mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Bei Anruf Mord“

Wikipedia über „Bei Anruf Mord“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. Dezember: Der Fremde im Zug – Eine Dame verschwindet – Hitchcock/Truffaut

Dezember 20, 2018

Ein Alfred-Hitchcock-Abend mit zwei selten gezeigten Filmen und einer guten Doku. Das ist wie Weihnachten. Nur schöner.

Arte, 20.15

Der Fremde im Zug (Strangers on a train, USA 1951)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Raymond Chandler, Czenzi Ormonde

LV: Patricia Highsmith: Strangers on a train, 1950 (Alibi für zwei, Zwei Fremde im Zug)

Während einer Bahnfahrt schlägt ein Bruno Anthony dem Tennis-Profi Haines einen vertauschten Mord vor. Haines hält dies für einen schlechten Scherz, bis seine Frau ermordet wird und Bruno den zweiten Mord einfordert.

Nach einigen Misserfolgen war “Der Fremde im Zug” wieder ein Kassenerfolg für Alfred Hitchcock. Die Highsmith-Verfilmung markiert den Beginn von Hitchcocks goldenen fünfziger Jahre. Heute hat „Der Fremde im Zug“ einen festen Platz im Hitchcock-Kanon hat.

Mit Robert Walker, Farley Granger, Patricia Hitchcock, Leo G. Carroll, Ruth Roman, Laura Elliott

Auch bekannt als “Verschwörung im Nordexpress”

Wiederholung: Freitag, 21. Dezember, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Fremde im Zug“

Wikipedia über „Der Fremde im Zug“ (deutsch, englisch) und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Kriminalakte über Patricia Highsmith

Arte, 21.50

Eine Dame verschwindet (The Lady vanishes, Großbritannien 1938)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Sidney Gilliat, Frank Launder, Alma Reville

LV: Ethel Lina White: The wheel spins, 1936 (Eine Dame verschwindet)

Im Balkanexpress verschwindet eine nette, ältere Dame. Eine junge Frau und ein ebenfalls junger Mann suchen sie, obwohl die anderen Passagiere behaupten, die alte Dame habe niemals existiert.

Hitchcocks letzter bedeutender englischer Film. Danach ging’s nach Hollywood und der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte.

“Die hervorragenden Schauspieler tragen das ihre dazu bei, aus der launigen Geschichte ein fesselndes Abenteuer zu machen. Am überzeugendsten aber siegt hier Hitchcocks Genie, den Thrill aus dem kontrapunktischen Spiel von Suspense und Komik zu schöpfen.” (Robert A. Harris/Michael S. Lasky: Alfred Hitchcock und seine Filme)

Mit Margaret Lockwood, Michael Redgrave, Paul Lukas, Dame May Whitty, Googie Withers, Cecil Parker

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eine Dame verschwindet“

Wikipedia über „Eine Dame verschwindet“ (deutsch, englisch)

Arte, 23.25

Hitchcock–Truffaut (Hitchcock/Truffaut, Frankreich 2015)

Regie: Kent Jones

Drehbuch: Kent Jones, Serge Toubiana

Achtzigminütige Doku über das legendäre Gespräch zwischen Alfred Hitchcock und Francois Truffaut und wie dieses als „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ veröffentlichte Gespräch die Arbeit von jüngeren Regisseuren beeinflusste.

Mit Alfred Hitchcock, Francois Truffaut, Wes Anderson, Olivier Assayas, Peter Bogdanovich, Arnaud Desplechin, David Fincher, James Gray, Kiyoshi Kurosawa, Richard Linklater, Paul Schrader, Martin Scorsese

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Hitchcock-Truffaut“

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Was ist „Under the Silver Lake“?

Dezember 10, 2018

Sam ist ein archetypischer Slacker: er schlurft durch Los Angeles, verbringt viel Zeit in seinem Apartment, aus dem er demnächst wegen ausstehender Mietzahlungen fliegen könnte, und er beobachtet seine Nachbarn. Zum Beispiel die vollbusige Hippie-Braut, die gerne unbekleidet durch ihre Wohnung streift. Sam ist zwar schon über Dreißig, aber er lebt das Leben eines zwanzigjährigen College-Studenten.

Eines Tages lädt ihn die neue Nachbarin Sarah in ihr Apartment ein. Sie haben Sex. Sam verliebt sich in die gutaussehende Nachbarin. Am nächsten Tag ist sie spurlos verschwunden. In der leergeräumten Wohnung findet Sam ein Zeichen und einen Schuhkarton mit Erinnerungsstücken. Er vermutet ein großes Verbrechen und eine noch größere Verschwörung. Er beginnt sie zu suchen und taucht dabei tief in die Mythologie von Los Angeles und unzählige Verschwörungstheorien, die auch in dem titelgebenden Comic angesprochen werden, ein. Er will herausfinden, was „Under the Silver Lake“ ist und, wie jeder gutsortierte Verschwörungstheoretiker hat er die obskursten Comics, Werbung, Karten und jahrzehntealte Cornflakes-Packungen in seinem Apartment.

Under the Silver Lake“ ist der neue Film von David Robert Mitchell. Sein vorheriger Film, der ungewöhnliche Horrorfilm „It follows“, wurde von der Horrorfilmgemeinde und Kritikern euphorisch aufgenommen. Aktuell schwankt seine Bewertung zwischen Kultfilm und künftigem Klassiker. Nach dem auch kommerziellem Erfolg des Horrorfilms ließen die Produzenten Mitchell bei seinem neuen Werk anscheinend freie Hand. Mitchell nutzte sie, um als Filmfan einen Film für andere Filmfans zu inszenieren, die sich gegenseitig erklären können, welche Filme in welcher Sekunde zitiert werden. Es dürfte schwer fallen, mehr als fünf zusammenhängende Filmminuten zu finden, in denen es keinen Verweis auf andere Filme gibt.

Der Neo-Noir ist allerdings auch ein Film, der mit hundertvierzig Minuten deutlich zu lang geraten ist und dem die ordnende Hand eines Produzenten fehlt. „Under the Silver Lake“ wirkt wie ein im jugendlichen Überschwang geschriebenes Drehbuch, in das einfach alles hineingestopft wurde, was einem wichtig ist. Gleichzeitig wirkt der in der Gegenwart spielende Film (bzw. nach den im Film gezeigten TV-Nachrichten 2011) wie ein Drehbuch aus den neunziger Jahren, das mit einigen Handys, Drohnen und Laptops aktualisiert wurde. Damit positioniert sich Mitchells Werk zwischen Slacker-Komödien, „The Big Lebowski“, „Lost Highway“, „Mulholland Drive“, „Maps to the Stars“ (Cronenbergs Hollywood-Portrait mit Geistern) und, obwohl in den siebziger Jahren spielend, „Inherent Vice – Natürliche Mängel“. Alle diese Komödien und Noirs sind deutlich gelungener, weil sie immer etwas über die Entstehungszeit des Films und, wenn der Film in einer anderen Zeit (oder einer anderen Welt) spielt, über diese Zeit und wie wir sie heute sehen, aussagen.

Mitchels sehr stilbewusste Neo-Noir-Komödie erzählt nichts über die Gegenwart, sondern er wirkt wie ein Film aus den Neunzigern, den damals niemand im Kino sah. Das gesamte System an Referenzen verweist noch weiter in die Vergangenheit: ein wenig siebziger Jahre Freizügigkeit (für einen US-Film gibt es viel nackte Haut) und die vierziger und fünfziger Jahre, mit Anspielungen auf den Film Noir, Alfred Hitchcock und Marilyn Monroe. Und wer will, kann mühelos noch etwas „L. A. Confidential“ James Ellroy entdecken, ehe der Film eine Abbiegung zur Underground-Comickultur nimmt.

Under the Silver Lake“ ist eine Zitatsammlung, die letztendlich nie über die Form eines durchaus sympathischen zwanzig Jahre alten Zettelkastens hinauskommt.

Under the Silver Lake (Under the Silver Lake, USA 2018)

Regie: David Robert Mitchell

Drehbuch: David Robert Mitchell

mit Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace, Callie Hernandez, Don McMandus, Jeremy Bobb, Riki Lindholme Zosia Mamet, Jimmi Simpson, Grace van Patten

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Under the Silver Lake“

Metacritic über „Under the Silver Lake“

Rotten Tomatoes über „Under the Silver Lake“

Wikipedia über „Under the Silver Lake“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Robert Mitchells „It Follows“ (It Follows, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Filmische Experimente: „Utøya, 22. Juli“

September 20, 2018

Ein Film erzählt über seine Schnitte und die Montage seine Geschichte. Und gerade deshalb probieren Regisseure immer wieder, einen Film ohne einen einzigen Schnitt zu erzählen. Während Alfred Hitchcock beim Dreh von „Cocktail für eine Leiche“ (Rope) aufgrund der damaligen Länge der Filmrollen alle zehn Minuten tricksen musste, können heutige Kameras scheinbar endlos aufnehmen und aufgrund ihrer Größe sind sie auch sehr beweglich. Die Grenze ist die physische Kondition des Kameramanns. Sebastian Schipper inszenierte den 140-minütigen sehr bewegungsintensiven Gangsterfilm „Victoria“. Das Experiment gelang. Es gibt sogar einen von Dani Levy inszenierten „Tatort“, der ohne einen einzigen Schnitt auskommt.

In „Utøya 22 Juli“ erzählt Erik Poppe seine Geschichte ebenfalls ohne einen Schnitt. So will er die Zuschauer in die Situation seiner jugendlichen Protagonisten auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011 bringen. Er will ihre Geschichte erzählen und den Blick vom Täter auf die Opfer seiner Tat bringen.

An dem Tag stürmte der schwerbewaffnete Rechtsterrorist Anders Breivik auf die Insel und schoss wahllos um sich. In dem Moment sind ungefähr fünfhundert Jugendliche auf Utøya in einem Sommercamp der Jugendorganisation AUF der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet. Breivik erschießt 67 Menschen und er verursacht den Tod von zwei weiteren Menschen.

Im gesamten Film, im Abspann und im Pressematerial wird sein Name nicht einmal erwähnt. Auch im Film taucht er nur am Ende kurz als Silhouette am Horizont auf. Es ist das ausdrückliche Programm des Films, ihm kein Forum zu geben.

Während Breivik mordet, begleiten Poppe und sein Kameramann Martin Otterbeck vor allem die 18-jährige Kaja. Sie flüchtet, geht wieder zurück in das Zeltlager, sucht ihre jüngere Schwester und versucht zu helfen. Ohne einen Überblick über die Situation zu haben. Sie und die anderen Jugendlichen, wissen nicht, wer auf sie schießt. Sie wissen nicht, ob es sich um einen Terroranschlag (kurz davor zündete Breivik in Oslo eine Autobombe), eine nicht angekündigte Militärübung oder einen schlechten Scherz handelt. Sie und die anderen Teilnehmer des Sommercamps wissen auch nicht, ob eine oder mehrere Personen auf sie schießen.

Es dauert 72 Minuten, bis die Polizei auf die Notrufe reagiert und auf der Insel eintrifft. Poppe erzählt diese Stunde des Grauens, mit einem kurzen Prolog, in Echtzeit. „ Utøya 22. Juli“ dauert 98 Minuten.

Mit seinem Spielfilm will Poppe den Opfern eine Stimme geben. Deshalb zeigt er, bis auf einen kurzen Moment am Filmende nie den Täter. Er kümmert sich, was im Rahmen der von ihm erzählten Filmgeschichte auch unmöglich ist, auch nicht um Breiviks Motivation, Motive und Psyche.

Das ist ein ehrenwertes Anliegen und wenn er mit seinem Film zur Traumabewältigung bei den Betroffenen beiträgt, kann nichts dagegen gesagt werden.

Aber hier geht es um den Film als Film und wie sehr er dem unbeteiligten Zuschauer etwas erzählen kann.

Beginnen wir mit dem Film.

Ja, es ist aus technischer Sicht beeindruckend, wie beweglich die Kamera ist und welche Laufleistungen Kameramann Otterbeck vollbringt. Aber die Filmgeschichte erschöpft sich weitgehend im Wegrennen und im Matsch liegen, während im Hintergrund weitere Jugendliche durch das Bild laufen. Das ist schnell redundant und auch nur von begrenztem Erkenntnisgewinn.

Die Opfer sind willkürlich gewählt. Sie haben nichts getan, was sie zum Opfer prädestiniert. Ihr Tod und ihr Leben, wenn es denn erzählt wird (was „„Utøya 22 Juli“ nicht tut), verrät uns nichts, was die Tat irgendwie erklärt oder erklärbar macht. Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge.

Aufgrund der von Poppe gewählten Filmgeschichte können wir über die Opfer auch nicht mehr erfahren. Es sind Teenager, die Todesangst haben, sich verstecken, schreiend weglaufen und, meistens off screen, erschossen werden und sterben. Sie sind, abseits von dem, was sie innerhalb der wenigen Filmminuten tun, keine Individuen. Sie sind, wie man es aus einem Horrorfilm kennt, Schlachtvieh, das beim Zuschauer im sicheren Kinosessel für wohligen Schauer sorgen soll.

Das ist das Problem, der Filmgeschichte, die letztendlich den gängigen Konventionen des Horrorfilm folgt und Terror verbreiten soll.

Ein anderes Problem des Films ist der Umgang mit der Realität.

Die Geschichte von „Utøya 22. Juli“ entstand aus Gesprächen mit den Überlebenden des Anschlags. Anschließend verdichteten Poppe und die Drehbuchautorinnen Siv Rajendram Eliassen und Anna Bache-Wiig diese Geschichten zu einer auf wahren Ereignissen beruhenden Geschichte mit ausschließlich erfundenen Charakteren.

Aus Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen seien, so die Macher im Presseheft und im Abspann, alle Figuren im Film und ihre Erfahrungen vollständig fiktiv. Damit unterminiert der Film seinen Anspruch, die wahren Ereignisse zu erzählen. Er erzählt nicht die Geschichte der Opfer, sondern Geschichten, die von den Menschen inspiriert sind, die damals auf der Insel waren. Es ist an den entscheidenden Stellen ein fiktives Werk, das uns nichts über die Opfer, die damaligen Ereignisse (Warum dauerte es so lange, bis die Polizei eintraf?) oder den Täter verrät. Jeder dieser Punkte wäre in einer anderen Form besser aufgehoben gewesen. Und die Identifikation mit den Opfern – den Ermordeten und den Überlebenden des Anschlags – wäre in einer konventionellen Dokumentation, in der sie von ihren Erlebnissen und Gefühlen erzählen, eindrucksvoller gewesen.

Utøya 22. Juli“ ist, das muss so hart gesagt werden, ein auf mehreren Ebenen gescheiterter Film, der scheitern musste. Er ist eine ärgerliche Fiktion, voll falscher Entscheidungen. Da hilft auch nicht die Idee, alles in einer Einstellung zu drehen. .

Utøya, 22. Juli (Utøya 22. Juli, Norwegen 2018)

Regie: Erik Poppe

Drehbuch: Siv Rajendram Eliassen, Anna Bache-Wiig

mit Andrea Berntzen, Elli Rhiannon Müller Osborne, Aleksander Holmen, Brede Fristad

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „ Utøya 22. Juli“

Metacritic über „ Utøya 22. Juli“

Rotten Tomatoes über „ Utøya 22. Juli“

Wikipedia über „ Utøya 22. Juli“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „ Utøya 22. Juli“


Neu im Kino/Filmkritik: Margarethe von Trotta ist „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Juli 12, 2018

Ingmar Bergman ist einer der großen Regisseure der Kinogeschichte und etliche renommierte Regisseure bekennen freimütig, wie sehr Bergman sie beeinflusste. Auch Margarethe von Trotta gehört zu seinen Bewunderern. Als Achtzehnjährige sah sie in den frühen sechziger Jahren in Paris „Das siebente Siegel“ und war sofort begeistert. Bergmans Drama unterschied sich vollständig von den Filmen, die normalerweise in deutschen Kinos gezeigt wurden. Sie wurde später wegen diesem Film Schauspielerin und Regisseurin. Ihren Film „Die bleierne Zeit“ nahm Bergman in einer Liste seiner zehn Lieblingsfilme auf.

Heute sind die Filme des am 30. Juli 2007 auf Fårö gestorbene schwedische Regisseur Ingmar Bergman fast unbekannt. Jedenfalls beim breiten Publikum. Im Gegensatz zu den oft im Fernsehen laufenden Filmen von Alfred Hitchcock oder Stanley Kubrick werden Bergmans Filme selten im Fernsehen gezeigt. Auf DVD sind sie zwar erhältlich, aber halt nicht als Stapelware oder Angebot der Woche im nächsten Elektronik-Handel.

Denn Ingmar Bergmans Filme sind schwere Kost. Seine bekanntesten Film – „Das Lächeln einer Sommernacht“ (1956), „Das siebente Siegel“ (1957), „Wilde Erdbeeren“ (1958), „Das Schweigen“ (1963), „Persona“ (1966) und „Die Stunde des Wolfs“ (1968) – entstanden bereits vor über fünfzig Jahren und es sind SW-Filme. „Szenen einer Ehe“ (1973) und „Das Schlangenei“ (1977) waren spätere Erfolge, ehe er mit dem dreistündigen Epos „Fanny und Alexander“ 1982 seinen mit dem Filmstart angekündigten Abschied vom Kino nahm. Er inszenierte danach weitere Filme. Aber für das Kino war er verloren. Es waren TV-Arbeiten, die alle nicht die lange anhaltende Rezeption und Bekanntheit seiner Kinofilme haben.

Seit Mitte der siebziger Jahren inszenierte Bergman vor allem Theaterstücke. Unter anderem arbeitete er viele Jahre am Münchner Residenztheater. Teilweise waren diese Stücke die Grundlage für spätere Filme, wie „Herbstsonate“ (1978) und „Aus dem Leben der Marionetten“ (1980), ein TV-Film mit Robert Atzorn, Rita Russek und Gaby Dohm, die damals zum Ensemble des Residenztheaters gehörten.

Mit Russek und Dohm unterhielt von Trotta sich für ihr Doku-Essay „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“. Ihr erster Dokumentarfilm ist formal mit seiner Mischung aus Filmausschnitten, Archivaufnahmen und sprechenden Köpfen ein konventioneller Dokumentarfilm. Allerdings interessiert sie sich nicht dafür, chronologisch und möglichst umfassend Bergmans Werk vorzustellen. Sie geht auch davon aus, dass man Ingmar Bergmans Werk und seine Bedeutung für die Filmgeschichte wenigstens rudimentär kennt. Sonst hätte sie mehr auf Bergmans Klassiker und weniger auf seine Zeit in Deutschland konzentriert, wohin er 1976 nach einer schnell fallengelassenen Klage wegen Steuerhinterziehung floh und die nächsten Jahre vor allem am Theater arbeitete.

Neben Russek und Dohm unterhielt von Trotta sich für den Film mit anderen Filmschaffenden, wie Jean-Claude Carrière, Olivier Assayas, Carlos Saura und Ruben Östland, Menschen, die mit Bergmann arbeiteten, wie die Schauspielerin Liv Ullmann, seine Assistenten Katinka Faragó und Johannes Kaetzler (am Bayerischen Staatsschauspiel), und Bergmans Kindern Daniel und Ingmar. Insgesamt war Bergman fünfmal verheiratet und er hat neun Kinder. In diesen Gesprächen wird auf Bergmans problematische Persönlichkeit, seine Themen und sein Umgang mit seinen Ehefrauen und Kindern eingegangen. Das eröffnet einen intimen Blick auf Bergman und am Ende des Films will man wieder einen Bergman-Film sehen.

Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Deutschland 2018)

Regie: Margarethe von Trotta, Felix Moeller (Co-Regie), Bettina Böhler (Co-Regie)

Drehbuch: Margarethe von Trotta, Felix Moeller

mit Ingmar Bergman (Archivaufnahmen), Margarethe von Trotta, Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Mia Hansen-Love, Carlos Saura, Olivier Assayas, Stig Björkman, Gunnel Lindblom, Jean-Claude Carriére, Ingmar Bergman Jr., Katinka Faragó, Jan Holmberg, Johannes Kaetzler, Gaby Dohm, Rita Russek, Halfdan Ullman Tøndel, Mia Hansen-Løve, Julia Dufvenius

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Moviepilot über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Rotten Tomatoes über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Wikipedia über Ingmar Bergman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas “Hannah Arendt” (Deutschland 2012; DVD-Besprechung)

Ingmar Bergman im TV

Eigentlich ist ein Geburtstag oder Todestag für die TV-Sender eine willkommene Gelegenheit, noch einmal all die wichtigen und weniger wichtigen Filme des Geehrten zu zeigen. Und wenn das wichtige Datum im Sommer während einer Fußball-WM ist, müssen die Programmplaner sich beim Plündern der Archive auch keine Gedanken mehr über die Quote machen.

Aber bei Ingmar Bergman wird wenig gezeigt und bei einem Sender, von dem man es nicht erwartet hätte, scheint ein fanatischer Ingmar-Bergman-Fan zu sitzen, der sein Wunschprogramm sogar ohne Werbepausen präsentieren darf.

Gezeigt werden

Samstag, 14. Juli

3sat, 20.15: Ingmar Bergman – Herr der Dämonen (Dokumentarfilm, TV-Premiere)

3sat, 21.15: Szenen einer Ehe (Schweden 1973)

Tele 5, 20.15: Das siebente Siegel (Schweden 1956)

Tele 5, 21.45: Wilde Erdbeeren (Schweden 1957)

Tele 5, 23.15: Das Schweigen (Schweden 1963)

Sonntag, 15. Juli

Tele 5, 20.15: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Kinofassung)

Tele 5, 23.10: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Vierteilige TV-Fassung)

Tele 5, 04.10: Das siebente Siegel (Schweden 1956)


TV-Tipp für den 6. Juli: Frenzy

Juli 6, 2018

3sat, 22.25

Frenzy (Frenzy, Großbritannien 1972)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)

Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.

Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“

Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)

Anschließend, um 00.15 Uhr, läuft „Psycho“.

Mit Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Frenzy“

Wikipedia über „Frenzy“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Juli: Über den Dächern von Nizza

Juni 30, 2018

Tele 5, 20.15

Über den Dächern von Nizza (To catch a Thief, USA 1955)

Regie.: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: David Dodge: To catch a thief, 1952

John Robie hat sich zur Ruhe gesetzt. Als ein anderer Einbrecher Robies Stil nachahmt, will er im wohlverstandenen Eigeninteresse den Nachahmer fangen.

Lockere Krimikomödie von Hitchcock, die zur Blaupause für künftige kultivierte Thriller-Romanzen werden sollte. Hitchcock war besonders an dem Aspekt der fetischistischen Liebe (To catch a thief) interessiert und pfiff – wie so oft – auf die Logik.

Mit Cary Grant, Grace Kelly (die danach den Fürst von Monaco heiratete), Charles Vanel, Jessie Royce Landis, Brigitte Auber, René Blancard

Wiederholung: Montag, 2. Juli, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Über den Dächern von Nizza“

Wikipedia über „Über den Dächern von Nizza“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

 


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