Dashiell Hammett (27. Mai 1894 – 10. Januar 1961)

Januar 10, 2011

Heute ist sein fünfzigster Todestag:

Die vollständige, einstündige Diskussion gibt es hier.

2009 schrieb Joe Gores „Spade & Archer – The Prequel to Dashiell Hammett’s ‚The Maltese Falcon'“ (keine deutsche Übersetzung). In einem ausführlichem Gespräch sprach Joe Gores (ebenfalls ein ehemaliger Privatdetektiv und dreimaliger Edgar-Preisträger) über das Buch und Dashiell Hammett.

Ein schöner Trailer

Auch schön

Und um 20.00 Uhr gibt’s im Eiszeit-Kino einen Hammett-Abend.

 

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Mr. Joe Gores speaking about Dashiell Hammett and „The Maltese Falcon“

August 10, 2010

TV-Tipp für den 15. Februar: Last Man Standing

Februar 15, 2017

Kabel 1, 22.35

Last Man Standing (USA 1996, Regie: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)

USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.

Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.

Davor, um 20.15 Uhr, und danach, um 00.35 Uhr, läuft „Road to Perditon„. Auch schön.

mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg

Wiederholung: Donnerstag, 16. Februar, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Last Man Standing” 

Wikipedia über „Last Man Standing“ (deutsch, englisch) und Walter Hill (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Ziemlich Noir – „Outrage Beyond“, „Casbah – Verbotene Gassen“ und „Der gläserne Schlüssel“

Juni 17, 2016

 

Schon Takeshi Kitanos ultrabrutales Yakuza-Epos „Outrage“ erlebte seine Premiere bei uns nur auf DVD und bis die Fortsetzung „Outrage Beyond“ bei uns erschien, dauerte es vier Jahre. Denn Kitano drehte die fünf Jahre nach den Ereignissen von „Outrage“ spielende Fortsetzung bereits 2012 und viele bekannte Gesichter sind wieder dabei. Sofern sie das Blutbad des ersten Teils überlebten. Die Fortsetzung kann daher vollkommen unabhängig von „Outrage“ gesehen werden.

Gangsterboss Kato will, mit seiner rechten Hand Ishihara, das Sanno-kai-Syndikat, das inzwischen zum mächtigsten Yakuza-Clan wurde, mehr in Richtung legaler Geschäfte lenken und auch die Politik beeinflussen. Da gibt es Gerüchte, dass Kato unehrenhaft an die Macht kam. Einige ihm untergebene Yakuza wollen die Macht im Clan übernehmen.

Und der korrupte Polizist Kataoka, der in „Outrage“ eine Nebenfigur war, spielt, wenn nötig alle Dienstvorschriften ignorierend, die einzelnen Yakuzas und Yakuza-Clans gegeneinander aus.

Er beschützte auch seinen Jugendfreund Otomo (Takeshi Kitano), der das Ende von „Outrage“ doch überlebte und seitdem gut geschützt und unerkannt inhaftiert war. Jetzt wird Otomo wird vorzeitig entlassen und eigentlich erwarten alle, dass er sich jetzt in einem blutigen Rachefeldzug an allen, die ihn damals ins Gefängnis brachten, rächen wird. Aber Otomo will zunächst nur seine Ruhe haben.

Nachdem Kitano am Anfang von „Outrage Beyond“ zeigt, wie Organisiertes Verbrechen und legale Wirtschaft miteinander verschmelzen, wird der Gangsterfilm nach der Wiederauferstehung von Otomo zunehmend zu einem blutigen Racheepos, in dem die Yakuza-Clans sich äußerst bleihaltig bekämpfen und Loyalität gerade bis zur nächsten Kugel reicht.

Sehenswert! Wie auch die anderen Yakuza-Filme von Kitano.

Outrage Beyond - DVD-Cover

Outrage Beyond (Autoreiji: Biyondo, Japan 2012)

Regie: Takeshi Kitano

Drehbuch: Takeshi Kitano

mit Takeshi Kitano, Toshiyuki Nishida, Tomokazu Miura, Ryô Kase, Hideo Nakano, Yutaka Matsushige, Fumiyo Kohinata

DVD

Capelight

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Japanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Teaser, Wendecover

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Capelight veröffentlichte den Film als Single-DVD und 3-Disc Limited Collector’s Edition.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Outrage Beyond“

Wikipedia über „Outrage Beyond“ 

Mit „Casbah – Verbotene Gassen“ von John Berry und „Der gläserne Schlüssel“ von Stuart Heisler setzt Koch Media seine in jeder Beziehung lobenswerte „Film Noir Collection“ fort.

Casbah – Verbotene Gassen“ ist dabei eine kleine Entdeckung, ein Remake, ein interessanter Gangsterfilm und Noir, der allerdings nicht das Niveau der erste Verfilmung erreicht und mit seinen zahlreichen Gesangseinlagen – auch von dem Gangster Pepe Le Moko – nervt.

Pepe Le Moko (Tony Martin) ist ein aus Frankreich nach Algiers geflohener Juwelendieb, der sich in den Gassen der titelgebenden Casbah versteckt, von den Einheimischen beschützt wird und Raubzüge orchestriert. Die Polizei kann ihn in der Casbah nicht schnappen. Aber der schlaue Inspektor Slimane (Peter Lorre – gewohnt großartig) kann warten. Als die schöne Gaby (Marta Toren), die als Touristin auf der Durchreise ist, auftaucht, wittert Slimane seine Chance. Kaltblütig stellt er eine Falle auf, in die der Juwelendieb tappen soll.

John Berry inszeniert die Gassen der Casbah hübsch verwinkelt, die Frauen sind schön und sexy, die Verbrecher und Spitzel ein schönes Typenarsenal der Verschlagenheit, es gibt etwas Humor und viel zu viel Gesang.

Casbah – Verbotene Gassen“ ist ein Remake von „Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier“ (Pépé le Moko, Frankreich 1937, Regie: Julien Duvivier, mit Jean Gabin), der in jeder Beziehung der bessere Film ist und auch das konsequentere Noir-Ende hat.

Dagegen ist das Ende von Pepe Le Moko in „Casbah“ höchstens lustlos erfüllter Dienst nach Vorschrift.

Casbah - Cover 4

Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, USA 1948)

Regie: John Berry

Drehbuch: L. Bush-Fekete, Arnold Manoff

LV: Henri La Barthe (als Détective Ashelbé): Pépé le Moko, 1931

mit Yvonne DeCarlo, Tony Martin, Peter Lorre, Marta Toren, Hugo Haas, Thomas Gomez, Douglas Dick

DVD

Koch Media

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Casbah – Verbotene Gassen“ (deutsch, englisch)

TCM über „Casbah – Verbotene Gassen“

Ein Klassiker ist „Der gläserne Schlüssel“ und jetzt liegt die bekannteste der wenigen Verfilmungen von Dashiell Hammetts Klassiker auf DVD vor. Es ist auch einer der wenigen explizit politischen Noirs.

Paul Madvig, ein eher dubioser Geschäftsmann, giert nach gesellschaftlicher Anerkennung. Deshalb engagiert er sich im Wahlkampf für die Wiederwahl von Senator Henry. Außerdem ist er in dessen Tochter Janet, die er heiraten will, verliebt. Die findet allerdings Madvigs rechte Hand, Ed Beaumont, attraktiv.

Als Beaumont die Leiche von Taylor, dem Sohn des Senators entdeckt, befürchtet er, dass sein Boss und Freund verdächtigt werden könnte. Denn Madvigs Schwester ist in Taylor verliebt und Taylor und Madvig stritten sich vorher. Wenn das bekannt wird, kann Madvig seine politischen Ambitionen vergessen. Also sucht Beaumont den Mörder.

Seine Suche nach dem Mörder gestaltet sich wegen konkurrierender Gangsterbanden, der innigen Verflechtung von legaler und illegaler Wirtschaft, dem Wahlkampf und den damit verbundenen politischen Interessen und einer letztendlich die gesamte Stadt beherrschenden und akzeptierten Korruption schwierig. Mit diesem düsteren Bild der kommunalen Politik schuf Hammett die Blaupause für die Beschreibung US-amerikanischer Politik im Thrillerformat, die noch heute in Romane und Filmen nachwirkt.

In dem Film wurde dann die Liebesgeschichte zwischen Beaumont und Janet stärker betont. Denn Alan Ladd und Veronica Lake hatten kurz vorher in „Die Narbenhand“ (This Gun for hire, 1942) ihre Leinwandchemie als Noir-Traumpaar bewiesen.

Jonathan Latimer, der auch einige hochgelobte Kriminalromane schrieb, schrieb das Drehbuch und Stuart Heisler, unter anderem „Des Teufels Pilot“ (mit Humphrey Bogart), inszenierte straff und einfallsreich die überaus komplexe Geschichte in unter neunzig Minuten.

Neben dem üblichen Bonusmaterial der „Noir Collection“ gibt es dieses Mal auch drei kurze, aber sehr informative Featurettes über den Film (genaugenommen eine Einführung in eine US-Noir-Collection) und Noir-Experte Eddie Muller redet über Dashiell Hammetts „The Glass Key“ und das Filmpaar Alan Ladd/Veronica Lake.

Der gläserne Schlüssel - Cover 4

Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, USA 1942)

Regie: Stuart Heisler

Drehbuch: Jonathan Latimer

LV: Dashiell Hammett: The Glass Key, 1930 (Black Mask)/1931 (Romanausgabe) (Der gläserne Schlüssel)

mit Brian Donlevy, Alan Ladd, Veronica Lake, Bonita Granville, Joseph Calleia, Richard Denning, Moroni Olsen, William Bendix

DVD

Koch Media

Bild 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Bildergalerie, Trailer, 3 Featurettes

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Thrilling Detecitve über Ned Beaumont

Noir of the Week über „Der gläserne Schlüssel“

Der Film Noir über „Der gläserne Schlüssel“

Rotten Tomatoes über „Der gläserne Schlüssel“

Turner Classic Movies über „Der gläserne Schlüssel“

Wikipedia über „Der gläserne Schlüssel“ (deutsch, englisch)

Dashiell Hammett und Jonathan Latimer in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Dezember: Last Man Standing

Dezember 10, 2015

Kabel 1, 22.30

Last Man Standing (USA 1996, Regie: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)

USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.

Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.

mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg

Wiederholung: Samstag, 12. Dezember, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Last Man Standing” 

Wikipedia über „Last Man Standing“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


Veronica Mars ermittelt „Mörder bleiben nicht zum Frühstück“

September 23, 2015

Thomas - Graham - Veronica Mars - Mörder bleiben nicht zum Frühstück - 2

Wer „Krimi“ mit „der Kommissar ermittelt den Mörder“ übersetzt, muss nicht weiterlesen. Denn in „Veronica Mars: Mörder bleiben nicht zum Frühstück“ ermittelt eine Privatdetektivin und einen Mordfall gibt es auch nicht. Es gibt nur eine vergewaltigte und fast tot geprügelte Frau, die behauptet, sich mehrere Monate nach der Tat an den Täter zu erinnern. Es ist Miguel Ramirez, der inzwischen von der Immigrationsbehörde nach Mexiko abgeschoben wurde und dort untergetaucht ist. Im Auftrag der Versicherungsgesellschaft des Nobelhotels Neptune Grand soll Veronica herausfinden, ob die Behauptung des Opfers, der neunzehnjährigen Grace Elizabeth Manning, stimmt. Veronica kennt ihre Schwester Meg Manning von früher (und wir aus der ersten und zweiten Staffel von „Veronica Mars“).
Natürlich nimmt Veronica Mars den Auftrag an und ebenso natürlich will sie den Täter finden, der nicht Miguel, sondern wahrscheinlich ein Hotelgast ist. Dummerweise gelang es dem Täter, Meg aus dem Hotel zu schmuggeln, ohne von einer der Überwachungskameras aufgenommen zu werden.
Veronica Mars begegneten wir erstmals in der von Rob Thomas erfundenen TV-Serie „Veronica Mars“ (USA 2004 – 2007), die immer noch eine sehr treue Fanbasis hat, die seit dem Ende der Serie nach weiteren Abenteuern von Veronica Mars verlangte. Deshalb entstand 2014 ein Spielfilm, in dem Kristen Bell wieder Veronica Mars spielte und viele Schauspieler wieder in ihren Serienrollen auftraten. Der Film wurde auch per Crowdfunding finanziert und die äußerst erfolgreiche Kampagne zeigte in harten Zahlen, wie sehr die Serienfans auch Jahre nach dem Ende der Serie mehr von Veronica Mars wollen.
Die von Serienerfinder Rob Thomas und Jennifer Graham geschriebenen Veronica-Mars-Romane spielen nach dem Spielfilm und erzählen die weiteren Abenteuer der in dem südkalifornischen Küstenort Neptune groß gewordenen Privatdetektivin, die nach ihrem Studium zurückkehrte und Partnerin in der Detektei ihres Vaters Keith Mars wurde.
Neptune ist als eine durch und durch korrupte Kleinstadt natürlich eine aktuelle Version von Dashiell Hammetts „Rote Ernte“-Ort Personville/Poisonville (bzw. Pissville in der deutschen Übersetzung) und Veronica Mars war in der TV-Serie die Teenie-Version des Hardboiled-Detektiv. Inzwischen ist sie kein auf die Schule gehender Teenager mehr. Aber Neptune ist immer noch ein Ort des Verbrechens und viele ihrer alten Schulfreunde, die mehr oder weniger große Auftritte in der TV-Serie hatten, leben noch in Neptune.
Diese umfangreiche Serienhistorie führt dann auch dazu, dass „Mörder bleiben nicht zum Frühstück“, der zweite Veronica-Mars-Roman, für meinen Geschmack etwas zu sehr mit Hinweisen auf die TV-Serie gefüttert ist. Natürlich begegnet Veronica ständig alten Bekannten, die auch immer wieder in Verbrechen verwickelt sind. Natürlich erinnert sie sich an ihre mehr oder weniger gemeinsame Vergangenheit und ihre damit zusammenhängenden alten Fälle. Das geschieht eher beiläufig in Nebensätzen und weckt bei allen, die die Serie gesehen haben, wohlige Erinnerungen. Aber Rob Thomas und Jennifer Graham schleppen hier mehr Ballast mit, als wir es von anderen Privatdetektiv-Krimis kennen. Ich rede jetzt nicht von dem Continental Op oder Philip Marlowe, die anscheinend keine Familie, Verwandschaft und Freunde hatten. Auch Spenser oder Matt Scudder haben als Einzelgänger ein überschaubares soziales Umfeld. Veronica hat Familie, Freunde, Freundinnen, Bekannte und, als altbekannten Gegner, Sheriff Lamb. Wobei dieser, weil gerade Wahlkampf ist, plötzlich eine aussichtsreiche Gegenkandidatin hat, die Keith Mars aus seiner Jugend kennt.
Das gesagt, ist „Mörder bleiben nicht zum Frühstück“ ein kurzweiliger PI-Krimi, der auch Krimifans gefallen dürfte, die die Serie nicht kennen.
Den Serienfans dürfte er auch gerade wegen der Referenzen zur Serie gefallen.

Rob Thomas/Jennifer Graham: Veronica Mars: Mörder bleiben nicht zum Frühstück
(übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina)
script5, 2015
368 Seiten
14,95 Euro

Originalausgabe
Mr. Kiss and Tell
Vintage Books, 2015

Hinweise

Homepage von Rob Thomas

Facebook-Seite zu den Veronica-Mars-Romanen

Rob Thomas Book Club

Word & Film: Kurzes Interview mit Jennifer Graham (25. März 2014)

PopBytes: Längeres Interview mit Jennifer Graham (31. März 2014)

Wikipedia über Veronica Mars

Thrilling Detective über Veronica Mars

Englische Veronica-Mars-Fanseite

Meine Besprechung von Rob Thomas’ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014)

Meine Besprechung von Rob Thomas’ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014) (DVD-Besprechung)

Meine Besprechung von Rob Thomas/Jennifer Grahams „Veronica Mars: Zwei Vermisste sind zwei zu viel“ (Veronica Mars: The Thousand Dollar Tan Line, 2014)


Kurzkritik: Sebastian Thiel: Sei ganz still

September 9, 2015

Thiel - Sei ganz still - 2

„Ein Noir-Krimi“ steht auf dem Cover von Sebastian Thiels „Sei ganz still“ und natürlich löst das bei mir einen sofortigen, äußerst wohlwollenden Lesereflex aus. Nach der Lektüre empfand ich den Krimi gar nicht als so Noir, sondern eher als ziemlich normalen Hardboiled-Privatdetektiv-Krimi vor einem ungewohnten Hintergrund. Denn die Geschichte spielt 1938 in Deutschland.
Friedrich Wolf sticht seit einigen Wochen in einem Strafgefangenenlager Torf. Er war früher Polizist. Einer von der altmodisch-harten Sorte: ein Trinker, ein Stammgast in den Freudenhäusern, ein Schläger, aber auch einer, der die Bösewichter schnappte. Und, immerhin ist er unser Held, integer. Mit den Nazis, der SS, den Mitläufern und den Hofschranzen hat er nichts zu tun. Deshalb sitzt er auch im Lager, bis Ernst Kampa, ein hochrangiger SS-Arzt, ihn herausholt, neu einkleidet, ihm ein Bündel Geld gibt und beauftragt, seine verschwundene Verlobte Charlotte Rickert, die er demnächst heiraten will, zu finden. Sie ist Wolfs altem Revier, in Düsseldorf, untergetaucht.
Wolf frischt als Privatdetektiv ohne Lizenz zuerst einmal seine alten Kontakte aus dem Milieu auf und schnell hat er eine Spur.
Geübten Krimilesern verrate ich sicher kein Geheimnis, wenn ich sage, dass Kampa mit gezinkten Karten spielt. Immerhin gehört das seit den Tagen von Dashiell Hammett und Raymond Chandler zum festen Inventar einer Privatdetektiv-Geschichte und eine solche Geschichte erzählt Sebastian Thiel in seinem spannenden Krimi, der dank des Handlungsortes und der Handlungszeit mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten kann. Inwiefern er in den Details historisch korrekt ist (Gab es 1938 noch eine so offen agierende Halb- und Unterwelt? Konnte ein Bordell so bekannt sein?), weiß ich nicht. Aber die Aussortierung von lebensunwertem Leben und die medizinischen Versuche an Kindern gab es (und in einem Nachwort hätte Thiel als sinnvolle Zusatzinformation noch etwas genauer auf die historischen Hintergründe eingehen können). Das Klima der Verunsicherung ist, auch wenn es ein eher austauschbarer Hintergrund ist, den wir von in totalitären Gesellschaften spielenden Krimis kennen, gut getroffen und natürlich muss man bei einem deutschen Krimi dankbar sein, wenn der Protagonist ein moralisch ambivalenter Ermittler ohne Familienanhang ist und die Halb- und Unterwelt als das natürliche Umfeld des Ermittlers gezeigt wird.
Das klingt jetzt vielleicht etwas negativ. Dabei hat mir „Sei ganz still“ gut gefallen. Es ist ein flott geschriebener PI-Krimi, der auch wegen des actionhaltigen Endes gut verfilmt werden könnte.

Sebastian Thiel: Sei ganz still
Gmeiner, 2015
288 Seiten
10,99 Euro

Hinweise
Homepage von Sebastian Thiel
Histo-Couch: Interview mit Sebastian Thiel über „Sei ganz still“


TV-Tipp für den 9. März: Der gläserne Schlüssel

März 9, 2015

Arte, 22.20
Der gläserne Schlüssel (USA 1942, Regie: Stuart Heisler)
Drehbuch: Jonathan Latimer
LV: Dashiell Hammett: The Glass Key, 1932 (Der gläserne Schlüssel)
Ist der korrupte Politiker Paul Madvig auch ein Mörder? Sein Assistent Ed Beaumont versucht die Unschuld seines Chefs zu beweisen.
Ein Noir-Klassiker, der zuletzt vor Ewigkeiten im TV lief und an den ich mich nur noch vage erinnere. Aber Buch (Hammett!) und Film (Ladd! Lake!) haben mir damals verdammt gut gefallen.
„Die politischen Bezüge, die enge Verbindung zwischen Verbrechen und Politik sind weniger explizit als in Hammetts Roman (…), werden aber benannt und machen aus ‚Der gläserne Schlüssel‘ eines der wenigen Kriminaldramen des ‚Film noir‘ mit einem konkreten gesellschaftspolitischen Hintergrund.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
„Zwar keine sehr werkgetreu, aber nach ‚The Maltese Falcon‘ die wohl interessanteste Umsetzung einer Hammett-Vorlage.“ (Paul Werner: Film noir)
Nächsten Montag, den 16. März, zeigt Arte zwei weitere, selten gezeigte Noir-Klassiker: um 20.15 Uhr „Die blaue Dahlie“ und um 21.50 Uhr „Unter falschem Verdacht“ – und, wenn man so will, um 00.55 Uhr „Chinatown“.
Alle Filme laufen im Rahmen des Arte-Krimifrühling, der heute beginnt und uns bis Ende März einige Filmperlen zeigt.
Mit Brian Donlevy, Veronica Lake, Alan Ladd, Bonita Granville, Joseph Calleia, Richard Denning, William Bendix

Hinweise

Noir of the Week über „Der gläserne Schlüssel“

Der Film Noir über „Der gläserne Schlüssel“

Rotten Tomatoes über „Der gläserne Schlüssel“

Turner Classic Movies über „Der gläserne Schlüssel“

Wikipedia über „Der gläserne Schlüssel“ (deutsch, englisch)

Dashiell Hammett und Jonathan Latimer in der Kriminalakte


Veronica Mars glaubt „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“

August 12, 2014

Spring Break ist eine für uns esoterische Sitte von US-Studenten, die sich tagelang in Massen betrinken und die Bewohner ihrer Reiseziele mit den üblichen Ausfällen von erhöhtem Drogengebrauch nerven. Aber für die lokale Wirtschaft ist der Spring Break ein gutes Geschäft.

Ein vermisster Teenager ist dagegen sehr schlecht für das Geschäft und weil Dan Lamb, der Sheriff von Neptune, Kalifornien, eine von den lokalen Honoratioren eingesetzte Null ist, beauftragt Petra Landros, Ex-Unterwäschemodell, Nobelhotelbesitzerin und Vorsitzende der Handelskammer von Neptune, Veronica Mars, ebenfalls die während des Spring Breaks verschwundene achtzehnjährige Hayley Dewalt zu suchen.

Veronica Mars erblickte 2004 in der gleichnamigen, von Rob Thomas erfundenen TV-Serie das Licht der Welt. Damals war sie eine 17-jährige Schülerin, die den Tod ihrer besten Freundin aufklären wollte und nebenbei ihrem Vater in der Detektei half. Die Serie, eine gelungene und witzige Verbindung von Highschool-Drama und Hardboiled-Privatdetektiv-Serie mit zahlreichen Anspielungen für den Genre-Junkie, wurde drei Jahre lang ausgestrahlt und hatte viele treue Fans, die später auch den Spielfilm „Veronica Mars“ mit einem Rekord-Crowfunding-Ergebnis ermöglichten.

Mit „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“ erschien jetzt der erste Roman mit Veronica Mars, der zeitlich einige Wochen nach dem Spielfilm spielt und auch für Fans von Privatdetektiv-Romanen eine gelungene Lektüre ist. Dabei hat Veronica, wie die Fans der Serie wissen, für einen Hardboiled-Detektiv erstaunlich viele Freunde und Helfer und eine gute Beziehung zu ihrem Vater, bei dem sie inzwischen wieder lebt. Außerdem ist sie gar nicht so hartgesotten, trink- und schlagfreudig wie ihre zahlreichen männlichen und weiblichen Vorgänger. Sie hat noch nicht einmal eine Waffe. Obwohl ihr Vater Keith Mars ihr in dem Roman einen Revolver schenkt und sie zum Schießtraining schickt. Wenn sie nach ihrem Studium schon Privatdetektivin sein will, so der väterliche Befehl, muss sie auch eine Schusswaffe haben und mit ihr umgehen können.

Veronicas Ermittlungen in dem Fall des vermissten Teenagers führen sie zu einer Nobelvilla, in der täglich eine gut organisierte Spring-Break-Party stattfindet, unter anderem mit kostenlosen Drogen, bewaffneten Bodyguards, die alle kontrollieren, und einem unbekannten Organisator. Auf dieser Party wurde Hayley vor einigen Tagen zuletzt gesehen. Auf ihrer Facebook-Seite postete sie ein Bild, das sie, wie Veronica auf der Party erfährt, mit Rico Gutiérrez Ortega in einer eindeutigen Pose zeigt. Er ist einer der beiden Organisatoren der Partys, die am Hearst College studieren und künftige Erben eines mexikanischen Drogenkartells sind.

Da verschwindet ein zweites Mädchen: Aurora Scott, die sechzehnjährige, am Hearst College studierende Stieftochter von Veronicas Mutter Lianne. Die Alkoholikerin verließ sie vor elf Jahren. Seitdem hatten sie keinen Kontakt mehr zueinander. Jetzt ist Lianne scheinbar glücklich mit einem ebenfalls trockenen Alkoholiker verheiratet.

Aurora wurde zuletzt von Veronica auf der Party von Ortega und Eduardo Gutiérrez Costillo gesehen.

Zwei Vermisste sind zwei zu viel“ (wobei mir der Retro-Originaltitel „The Thousand Dollar Tan Line“ besser gefällt) ist die von Rob Thomas und Jennifer Graham (die wahrscheinlich die gesamte Schreibarbeit übernahm) geschriebene spannende Fortführung der vertrauten „Veronica Mars“-Serienwelt in Buchform, bei der die bekannten Charaktere aus der Serie gleich im Dutzend auftreten, was den Fan erfreut, den Neuling wegen der vielen Charaktere etwas verwirrt. Immerhin sind hier mehr Charaktere dabei, als andere Detektive in ihrem gesamten Leben treffen.

Der Fall selbst ist sauber geplottet mit etlichen Überraschungen bei der Aufklärung und, verglichen mit den vielen blutgetränkten Serienkillerthrillern, angenehm unblutig und realistisch. Lange Zeit ist sogar unklar, ob die vermissten Teenager tot sind.

Es gibt, wie schon in der TV-Serie und dem Film, ein bitterböses Porträt einer Dashiell Hammettschen „Red Harvest“-Stadt und sobald wir mehr über Hayley und Aurora erfahren, gibt es, wie bei Ross Macdonalds ebenfalls in Kalifornien ermittelnden Privatdetektiv Lew Archer, einen Blick in verkorkste Familien und ihre Vergangenheit. Das bewegt sich immer gelungen und kurzweilig in den vertrauten Hardboiled-Privatdetektivkrimipfaden, wobei Veronica gar nicht so hartgesotten wie der Continental Op, Sam Spade, Philip Marlowe oder Lew Archer ist.

Der zweite „Veronica Mars“-Roman „Mr. Kiss and Tell“ (wieder ein schöner Originaltitel) erscheint in den USA am 28. Oktober. Wenn die Verkaufszahlen gut sind, wird es sicher weitere Romane mit der smarten Privatdetektivin gegen – und das ist gut so.

Thomas - Veronica Mars - 4

Rob Thomas/Jennifer Graham: Veronica Mars: Zwei Vermisste sind zwei zu viel

(übersetzt von Silvia Kinkel)

script 5, 2014

336 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Veronica Mars: The Thousand Dollar Tan Line

Alloy Entertainment, 2014

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Veronica Mars“

Moviepilot über „Veronica Mars“

Metacritic über „Veronica Mars“

Rotten Tomatoes über „Veronica Mars“

Wikipedia über „Veronica Mars“

Thrilling Detective über Veronica Mars

Meine Besprechung von Rob Thomas’ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014)

Meine Besprechung von Rob Thomas‘ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014) (DVD-Besprechung)


Nathan Larson erzählt von „2/14“

März 20, 2014

Larson - 2-14

Wenn die äußeren Umstände nicht so mies wären, würde ich, wie jede Leseratte, sofort mit Dewey Decimal tauschen. Denn der Mann lebt in einer Bibliothek. Genaugenommen der New York Public Library und er kann dort ohne störenden Publikumsverkehr in aller Seelenruhe die Bücher lesen und sortieren. Das kann er, weil vor einigen Jahren im Umfeld von 2/14, dem Valentinstag, mehrere Dinge geschahen, die in Nathan Larsons Debütroman nur nebenbei angesprochen werden. Jedenfalls gab es Anschläge, drei Börsencrashs folgten und jetzt leben in New York nur noch 800.000 Menschen. Die restliche Welt scheint ähnlich menschenleer zu sein. In diesem dystopischen New York mit einer leidlich funktionierenden Verwaltung und einer funktionierenden U-Bahn übernimmt Dewey Decimal, der sich nicht an seine Vergangenheit erinnert, immer wieder Aufträge für Daniel Rosenblatt, den nicht gewählten District Attorney von New York.

Jetzt möchte Rosenblatt, dass der ukrainischen Mafiosi Yakiv Shapsko verschwindet und Dewey soll das erledigen.

Weil Shapsko sich nicht versteckt, findet Dewey ihn schnell. Aber Shasko weigert sich, ihn zu begleiten. Also versucht er über Shapskos Frau Iveta Druck auf den Gangster auszuüben. Doch der Plan geht schief. Sie schießt Dewey mit einem präzisen Schuss ins Bein und verschwindet. Rosenblatt lässt Dewey verarzten. Er will sogar, dass Dewey nach dieser sehr teuren Schlappe den Auftrag weiter verfolgt. Allerdings darf er sich nicht mehr Iveta nähern.

Nun, Dewey hält sich nicht an den Befehl. Er will, wie es sich für einen gestandenen Hardboiled-Detektiv der alten Schule gehört, die Wahrheit herausfinden.

2/14“, der erste von drei geplanten Dewey-Decimal-Romanen, ist ein gelungener Mix aus Dystopie und Dashiell Hammetts „Der Malteser-Falke“, erzählt von einem unzuverlässigem Erzähler. Denn der dunkelhäutige Dewey ist ein Mann ohne Erinnerung. Er kennt seinen echten Namen nicht. Er kommt, wie seine ihm implantierten Erinnerungen, die allerdings auch seine echten sein könnten, ihm verraten, aus der Bronx. Er war Soldat oder hat eine ähnliche Ausbildung. Er hat gute Verbindungen, aber er weiß nicht warum, und er hat einige irritierende Angewohnheiten und Abneigungen. So braucht er regelmäßig seine Tabletten, die er von Rosenblatt erhält. Er reagiert phobisch auf Schmutz, desinfiziert sich ständig die Hände, trägt am liebsten Einmal-Handschuhe, achtet penibel auf seine saubere Kleidung und bewegt sich nach einem bestimmten System durch die Stadt.

Ungefähr nachdem Dewey zum dritten Mal seinen Anzug wegen eines Schmutzflecks tauschen muss, fragt man sich, ob diese Spleens nicht nur Spleens, sondern Zeichen einer viel tiefer liegenden geistigen Desorientierung sind. Kurz: Ist der Terminator Dewey vielleicht wahnsinnig?

In „2/14“ gibt es noch keine endgültige Antwort.

Nathan Larson: 2/14 – Ein Dewey-Decimal-Roman

(übersetzt von Andrea Stumpf)

Diaphanes, 2014 (Penser Pulp)

256 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

The Dewey Decimal System

Akashic Books, 2011

Hinweise

Homepage von Nathan Larson

Wikipedia über Nathan Larson (deutsch, englisch)

The Nervous Breakdown hat 21 Fragen an Nathan Larson, die er auch alle beantwortete (10. Juli 2012)


Ian Rankin besucht Rory Gallagher in der „Kickback City“

November 4, 2013

Dass Ian Rankin ein großer Rockfan ist, wissen die Fans des Krimiautors. Nicht nur, dass er in seinen John-Rebus-Romanen den Polizisten exzessiv gute Musik hören lässt, auch die Originaltitel, wie „Let it bleed“, spielen deutlich auf mehr oder weniger bekannte Songs an.

Da war ein gemeinsames Projekt zwischen dem irischen Bluesrocker Rory Gallagher und ihm nur eine Frage der Zeit. Dass Gallagher seit fast zwanzig Jahren tot ist, lassen wir mal beiseite. Seine Musik, sein Erbe, ist höchst lebendig. Außerdem war Gallagher selbst ein Hardboiled-Fan und zitierte diese Welt öfter in seinen Songs. Einige dieser Songs sind auf „Kickback City“ zusammengestellt. Aber die CD ist keine banale, um eine Lobhuddelei von Ian Rankin ergänzte, Compilation für das Weihnachtsgeschäft.

Denn für das von Rorys Bruder Dónal initiierte und jetzt auf CD erschienene Projekt „Kickback City“ schrieb Ian Rankin die Kurzgeschichte „The Lie Factory“, in der er Charaktere aus Songs von Rory Gallagher verwendet und tief in das Raymond-Chandler-Territorium vorstößt. .

Privatdetektiv Regan (solo, daher kein „Continental Op“) will herausfinden, warum seine Klientin Agatha Dempsey ermordet wurde und warum der Boxer Kid Gloves neben ihrer Leiche gefunden wurde. In der „Lie Factory“, wie Regan seine Stadt nennt, geht dabei das Gerücht um, dass der letzte Kampf von Kid Gloves manipuliert war. Außerdem ist eine geheimnisvolle Schönheit verschwunden und Agathas Schwester Elinor ist ebenfalls eine wahre Sexbombe.

Die Lösung von Rankins Geschichte könnte fast aus Raymond Chandlers Klassiker „Der große Schlaf“ (The big sleep) übernommen sein und genau wie Chandler die Stimmung wichtiger als die lückenlose Aufklärung der Verbrechen war, ist auch Rankin in seiner gelungenen Hommage schon vom ersten Satz an die liebevolle Rekreation der seit den Tagen von Dashiell Hammett und Raymond Chandler wohlvertrauten Noir-Hardboiled-Stimmung wichtiger als die Logik.

Aidan Quinn (derzeit in der TV-Serie „Elementary“) las die Hörbuchfassung atmosphärisch ein. Timothy Truman, der lange Zeit CD-Covers und Merchandise für die Rockband „Grateful Dead“ entwarf und Comics wie „Jonah Hex“ (nach Geschichten von Joe R. Lansdale) zeichnete, illustrierte Rankins Geschichte stimmungsvoll im Stil der Schwarzen Serie. Und dann gibt es noch zwei CDs mit der Musik von Rory Gallagher. Die eine ist eine mit Rankins Geschichte zusammenhängende Zusammenstellung von Songs, wie „Kickback City“, „Continental Op“, „Big Guns“, „Loanshark Blues“ und „Kid Gloves“. Die andere CD dokumentiert, nach der Presseinformation, Ausschnitte aus dem „Live in Cork“-Auftritt von Rory Gallagher, der bislang nur als DVD erhältlich war.

Dummerweise sind die discographischen Angaben bei der insgesamt unglaublich liebevollen Ausgabe, arg dünn ausgefallen. So erfährt man nicht, wer mit Gallagher spielt, von wann die Aufnahmen sind und wo sie schon einmal veröffentlicht wurden.

Ärgerlich, jedenfalls für alle, die Englisch nicht so gut können, ist, dass Ian Rankins Geschichte nur im Original abgedruckt ist. Da hätte man – bei anderen CDs geht es ja auch – wenigstens für den deutschsprachigen Markt eine Übersetzung spendieren können.

Davon abgesehen: ein heißer Geschenktipp für Weihnachten.

Rory Gallagher - Kickback City

Rory Gallagher: Kickback City

Strange Music/Sony Music/Legacy

Es gibt auch ein Deluxe Digital Package, das neben den drei CDs (Studio, Live, Hörbuch), 4 Postkarten mit „Lie Factory“-Motiven und der illustrierten Kurzgeschichte (44 Seiten) die digitale Fassung der Kurzgeschichte, ein Making of und ein Promo-Video enthält.

Let’s Rock

Hinweise

Homepage von Rory Gallagher 

All Music über Rory Gallagher (warum gibt es bei uns nicht so eine informative Musikseite?)

Wikipedia über Rory Gallagher (deutsch, englisch)

Homepage von Timoty Truman

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Ein reines Gewissen“ (The Complaints, 2009)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

 Meine Besprechung von Ian Rankins „Mädchengrab“ (Standing in another Man’s Grave, 2012)

Ian Rankin in der Kriminalakte


Weil für Gordon Ferris „Mord ist nur ein Spiel“ ist, gewährt er eine „Galgenfrist für einen Toten“

August 21, 2013

 

Ferris - Mord ist nur ein Spiel - 2Ferris - Galgenfrist für einen Toten - 2

Auf der Insel wird der Schotte Gordon Ferris mit Ian Rankin verglichen. Das ist ein billiger Vergleich, weil ungefähr jeder zweite Kriminalromanautor mit dem bekannt-beliebten Ian Rankin verglichen wird, genauso wie derzeit jeder Fantasy-Autor einen J.-K.-Rowling-Vergleich und jeder Horror-Schriftsteller einen Stephen-King-Vergleich ertragen muss. Einerseits ist der Vergleich in diesem Fall ziemlich treffend, weil die Romane von Gordon Ferris sich in England seit Jahren gut verkaufen. Von seinem Privatdetektivroman „Galgenfrist für einen Toten“ wurden bei Amazon bis November 2012 170.000 E-Books und in den sechs Monaten vor der regulären Buchpublikation 200.000 E-Books verkauft. Er ist dieses Jahr für den Dagger in the Library von der CWA nominiert. Der Preis würdigt Autoren, die den Benutzern von Bibliotheken, vulgo den Lesern, am Besten gefielen. Außerdem laufen beide Autoren unter dem Label „Tartan Noir“, unter dem Noirs, die in Schottland spielen, verkauft werden.

Andererseits ist der Vergleich Mumpitz. Denn Ian Rankins Romane spielen in der Gegenwart, oft spricht Rankin in seinen Romanen Ereignisse, die gerade die Schlagzeilen beherrschen und die Bevölkerung von Edinburgh bewegen, direkt an und Inspector John Rebus, sein bekanntester Charakter, ist ein Polizist.

Die Romane von Gordon Ferris spielen unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und seine Protagonisten sind noch traumatisiert vom Krieg. Außerdem sind seine beiden Seriencharaktere Danny McRae und Douglas Brodie Privatdetektive. Wobei Brodie ein Journalist ist, der in „Galgenfrist für einen Toten“ in Glasgow der Verteidigerin Samantha Campbell (abgekürzt Sam) helfen soll, Beweise für die Unschuld des zum Tode verurteilten Hugh „Shug“ Donovan zu finden. Donovan hat seine Anwältin ausdrücklich darum gebeten, dass sein Jugendfreund, mit dem er sich vor siebzehn Jahren wegen Fiona zerstritt, diese Beweise finden soll. Donovan soll Fionas Sohn Rory und vier weitere Kinder ermordet haben. Die Beweise für seine Schuld sind allerdings zweifelhaft.

Galgenfrist für einen Toten“ ist der gelungene Auftakt von Gordon Ferris‘ zweiter Serie. In England erschien inzwischen der dritte, für den Ellis-Peters-Award nominierte Douglas-Brodie-Roman „Pilgrim Soul“.

Sein Debüt „Mord ist nur ein Spiel“, das bereits 2007 erschien und erst jetzt übersetzt wurde (und was eine weitere Gemeinsamkeit mit Ian Rankin ist: als die erste deutsche Übersetzung erschien, war Rankin in seiner Heimat bereits ein Bestsellerautor), spielt in London.

Dort hat Danny McRae eine Detektei eröffnet. Im Auftrag von Kate Graveney soll er herausfinden, ob sie den spurlos verschwundenen Major Philip Anthony Caldwell ermordet hat. Der ist McRaes ehemaliger Vorgesetzter vom Nachrichtendienst, den er wegen seiner Kriegserlebnisse sprechen möchte.

Gleichzeitig werden in London Prostituierte ermordet. McRae, der nach dem Krieg an periodischem Gedächtnisverlust leidet und der aus ihm unerklärlichen Gründen von der Mordserie fasziniert ist, glaubt, als Soldat in Frankreich während einer Geheimdienstoperation eine Widerstandskämpferin getötet zu haben. Er befürchtet, dass er der Prostituiertenmörder ist.

Eingefleischte Krimifans werden die Täter und die Hintergründe für die Morde in „Mord ist nur ein Spiel“ und „Galgenfrist für einen Toten“, auch wenn es einige Überraschungen gibt, schnell erahnen.

Trotzdem bleibt man dabei. Denn Ferris zeichnet ein lebendiges Bild der damaligen Zeit und es macht Spaß, seinem unprätentiösen, leicht melancholischen Erzähler – beide Romane sind als klassische Privatdetektivromane natürlich aus der Sicht des Detektivs geschrieben – zuzuhören.

Deshalb sollten Freunde von Privatdetektiv-Romanen, vor allem der US-Hardboiled-Schule à la Dashiell Hammett und Raymond Chandler, den Ferris öfter erwähnt, unbedingt zugreifen.

Gordon Ferris: Mord ist nur ein Spiel

(übersetzt von Manfred Sanders)

Festa, 2013

352 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Truth Dare Kill

Créme de la Crime, 2007

Gordon Ferris: Galgenfrist für einen Toten

(übersetzt von Usch Kiausch)

Festa, 2013

448 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

The Hanging Shed

Atlantic Books, 2010

Hinweise

Homepage von Gordon Ferris

Shotsmag: Interview mit Gordon Ferris (2012)

The Scotsman: Interview mit Gordon Ferris über seine Douglas-Brodie-Serie (30. März 2013)


TV-Tipp für den 18. August: Last Man Standing

August 18, 2013

RTL II, 22.55

Last Man Standing (USA 1996, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)

USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.

Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.

mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Last Man Standing“ 

Wikipedia über „Last Man Standing“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills „Shoutout – Keine Gnade“ (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


Überraschung! Es gibt „Schwarze Schafe in Venedig“

April 27, 2012

Krimiautor Charlie Howard schreibt in Venedig gerade seinen neuesten Michael-Faulks-Krimi, als bei ihm eingebrochen wird und ein Dieb, – naja, genaugenommen eine verdammt gutaussehende Diebin und Fassadenkletterin -, seine Erstausgabe von Dashiell Hammetts „Der Malteser-Falke“ klaut. Für Charlie ist das Buch unersetzbar, denn ohne das Buch auf seinem Schreibtisch, so glaubt er, kann er keine Kriminalromane schreiben.

Zum Glück bietet die Diebin ihm ein Geschäft an: wenn er für sie einen Einbruch begeht, wird sie es ihm zurück geben.

Denn, wie die Leser der vorherigen Charlie-Howard-Krimis von Chris Ewan wissen, ist Charlie nicht nur ein Krimiautor, der für das Schreiben von jedem neuen Roman eine andere Stadt besucht, sondern auch ein Einbrecher und eben diese Einbrechertätigkeit hat ihn in der Vergangenheit auch immer wieder in Teufels Küche gebracht. Aber jetzt will Charlie ein ehrliches Leben führen und sich nur noch von seinen Buchtantiemen ernähren. Entsprechend wenig begeistert ist er von Graziellas Angebot. Vor allem nachdem er erfährt, dass er nichts klauen, sondern einen Koffer, den er nicht öffnen darf, zurückbringen soll und sie ihm einen Zettel mit detaillierten Anweisungen gibt. Trotz aller Bedenken, die er hat, tut er es. Immerhin will er seinen „Malteser-Falken“ zurück haben.

Allerdings öffnet er, während des Einbruchs den Koffer, und die in dem Koffer befindliche Bombe geht hoch. Er kann sich retten, aber er will jetzt auch wissen, in welches Komplott er hineingeraten ist.

Dieses Komplott hat höchstens die Komplexität einer Kurzgeschichte von Dashiell Hammett, die von Chris Ewan auf vierhundert Seiten aufgeplustert wurde und bei dem Graziella den wahrscheinlich allerumständlichsten Weg wählt, ihr Ziel zu erreichen. Das beginnt schon bei ihrem ersten Einbruch, wenn sie absichtlich so viel Lärm macht, dass Charlie sie bemerken muss, er sich aber so dusselig anstellt, dass sie entwischen kann. Danach arrangiert sie arg umständlich ein Treffen mit ihm, um ihm zu sagen, wie er wieder an sein Buch gelangt. Warum sie das alles so kompliziert macht, wird von Chris Ewan nie erklärt. Wahrscheinlich glaubte er, dass einige Rätsel am Anfang die Aufmerksamkeit des Lesers wachhalten.

Wer dagegen einen richtig guten Einbrecherroman lesen will, muss sich einen Bernie-Rhodenbarr-Krimi von Lawrence Block besorgen. In ihnen begeht ein Antiquar und leidenschaftlicher Dieb Einbrüche und wenn er bei einem Einbruch eine Leiche entdeckt, muss er auch die Arbeit der Polizei übernehmen. Die ersten fünf Bernie-Rhodenbarr-Krimis wurden eher solala übersetzt und sind antiquarisch erhältlich. Die letzten fünf „Burglar“-Romane wurden nicht übersetzt, aber es ist offensichtlich, dass die beliebt-bekannten Bernie-Rhodenbarr-Krimis das Vorbild für die Charlie-Howard-Krimis sind. Allerdings spielt Charlie, verglichen mit Bernie, irgendwo zwischen Kreis- und Bezirksklasse.

Chris Ewan: Schwarze Schafe in Venedig

(übersetzt von Stefanie Retterbusch)

Bastei-Lübbe, 2012

400 Seiten

7,99 Euro

Originalausgabe

The Good Thief’s Guide to Venice

Simon & Schuster, London 2011

Charlie Howard auf Städtetour

Amsterdam – Ein Meisterdieb jagt seinen Schatten (The Good Thief’s Guide to Amsterdam, 2007)

Kleine Morde in Paris (The Good Thief’s Guide to Paris, 2009)

Vendetta in Las Vegas (The Good Thief’s Guide to Vegas, 2010)

Schwarze Schafe in Venedig (The Good Thief’s Guide to Venice, 2011)

The Good Thief’s Guide to Berlin, 2012 (angekündigt)

Hinweise

Homepage von Chris Ewan

Blog von Chris Ewan

Criminal-E: Interview mit Chris Ewan

Guilty Conscience: Interview mit Chris Ewan

The Crime of it All: Interview mit Chris Ewan


TV-Tipp für den 23. Januar: Die Killer/Hammett

Januar 23, 2012

Die „Film Noir“-Reihe von Arte geht weiter

Arte, 20.15
Die Killer (USA 1946, R.: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Rächer der Unterwelt“
Wiederholung: Dienstag, 24. Januar, 14.40 Uhr

Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „The Killers“

Noir of the Week: Bill Hare über „The Killers“

Meine Besprechung von Don Siegels Remake „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964)


Arte, 21.55
Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)
Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope
LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)
Ex-Privatdetektiv Dashiell Hammett, der inzwischen Pulp-Autor ist, wird von einem alten Freund gebeten um einen Gefallen gebeten – und der Rest ist eine Geschichte, die Dashiell Hammett erfunden haben könnte, wenn es nicht Hammett-Kenner Joe Gores einige Jahrzehnte später gemacht hätte.
Ein feiner Film, einer von Wenders‘ besten Filmen, aber auch sein unpersönlichster Film, der aber gleichzeitig viele seiner bekannten Themen bearbeitet und rückblickend immer besser wird. Denn jetzt muss „Hammett“ nicht mehr mit den damaligen Kinohits konkurrieren.
Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Silvia Sydney, Jack Nance, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)
Wiederholung: Samstag, 28. Januar, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Hammett“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Wim Wenders in der Kriminalakte

Wikipedia über Joe Gores

Thrilling Detective über Joe Gores

Joe Gores: Why I write Mysteries

Meine Besprechung von Joe Gores’ „Hammett“ (Hammett, 1975)

Mein Nachruf auf Joe Gores

Joe Gores in der Kriminalakte (mit viel Stoff zu und über Dashiell Hammett)

Dashiell Hammett in der Kriminalakte
Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Hammett“ (Hammett, USA 1982)


DVD-Kritik: „Hammett“, ein Film von Wim Wenders, produziert von Francis Ford Coppola, nach einem Roman von Joe Gores

Dezember 14, 2011

So ganz unrecht haben die nicht, die meinen, ‚Hammett‘ sei Wenders‘ bester Film. Er ist aber zugleich, und so war das erste Urteil nicht ganz falsch, auch sein unpersönlichster“, fasste der Fischer Film Almanach damals, nachdem der Film im Mai 1982 in Cannes und im Oktober 1982 in Hof gezeigt und im Januar 1983 im Kino anlief, salomonisch die Diskussion im deutschen Feuilleton zusammen.

In seinem US-Debüt erzählt Wim Wenders eine erfundene Geschichte mit und über Dashiell Hammett. Der Ex-Privatdetektiv Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy Ryan um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Schnell befindet Hammett sich in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist und das sehr an seine Geschichten, die alle von seiner Arbeit als Privatdetektiv beeinflusst waren, erinnert.

Mit „Hammett“ war Wenders in Hollywood angelangt. Nach „Alice in den Städten“, „Falsche Bewegung“, „Im Lauf der Zeit“ und „Der amerikanische Freund“ war er einer der anerkannten und auch beim Publikum beliebten Regisseure des Neuen Deutschen Films. Er hatte auch immer nach Hollywood geschielt. Am deutlichsten in seiner Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der amerikanische Freund“ mit Dennis Hopper und den „Hollywood“-Regisseuren Nicholas Ray und Samuel Fuller.

Als dann der Ruf aus Hollywood von Francis Ford Coppola, der sein mit den ersten beiden „Paten“-Filmen und mit „Apocalypse Now“ verdientes Geld in seiner Produktionsfirma und Studio American Zoetrope investierte, kam, konnte Wim Wenders nicht absagen.

Denn Coppola schien ein Geistesverwandter zu sein. American Zoetrope war seine Vision eines Künstlerkollektivs, das auch die neuesten Techniken ausprobiert und die visionären Filme macht, die in den Hollywood-Studios nicht produziert wurden.

Das Wenders‘ angebotene Projekt, die Verfilmung eines hochgelobten Krimis von Joe Gores über Dashiell Hammett, der geschickt Fakten mit Fiktion verwebt, schien für Wenders, der auch ein Fan von Hammett und der Schwarzen Serie ist, ein Traumprojekt zu sein. Obwohl ein Noir eine erzählerische Disziplin erfordert, die Wenders sonst nicht hat.

Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung. Denn im Gegensatz zu seinem Status als Autorenfilmer, der das Drehbuch schrieb und den Endschnitt hatte, war er in Hollywood Teil einer Maschinerie. Es gab mehrere verschiedene Drehbücher. Joe Gores schrieb die erste Fassung. Krimi-Autor Ross Thomas schrieb die letzte Fassung. Es gab, anderthalb Jahre nach dem Ende der Dreharbeiten einen exzessiven Nachdreh. Der Film wurde nicht, wie Wenders es gerne getan hätte, wie die Filme der Schwarzen Serie, in Schwarzweiß, sondern in Farbe gedreht. Er musste mit einem fremden Team arbeiten. Es gab mit Coppola Auseinandersetzungen über die Konzeption des Films. Während Wenders an „Hammett“ arbeitete, drehte die Dokumentation „Nick’s Film – Lightning Over Water“ und „Der Stand der Dinge“, seine persönliche Verarbeitung der desillusionierenden Dreharbeiten für „Hammett“. Denn Wenders hatte sich seine Ankunft in Hollywood ganz anders vorgestellt.

Als „Hammett“ in Cannes seine Premiere erlebte, waren die deutschen Kritiker, die von den Problemen gehört hatten, enttäuscht. Denn „Hammett“ ist viel näher an den Filmen der Schwarzen Serie, dem „Malteser Falken“ und „Tote schlafen fest“, als an „Falsche Bewegung“ und „Im Lauf der Zeit“. Von dem feinfühligen Seelenforscher, dem Chronisten von an sich zweifelnden Männern war in dieser Hollywood-Produktion, die auch noch in Kulissen gedreht wurde (obwohl Wenders normalerweise vor Ort dreht und auch „Hammett“ vor Ort drehen wollte) nichts zu spüren. Das Roadmovie „Paris, Texas“ war dann sein Amerika-Film, der die Kritiker zu Jubelstürmen hinriss.

Auch heute, fast dreißig Jahre nach der Premiere, ist „Hammett“ immer noch ein Solitär in Wenders‘ Filmographie. Danach drehte er „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“, die Fortsetzung „In weiter Ferne, so nah!“, das überlange „Bis ans Ende der Welt“, das zwiespältige „Am Ende der Gewalt“, die überraschend gelungene Post-9/11-USA-Bestandsaufnahme „Land of Plenty“, einige Werke, die ich inzwischen aus meinem Gedächtnis gelöscht habe, und zahlreiche, auch kommerziell überaus erfolgreiche Dokumentarfilme, wie „The Buena Vista Social Club“ und „Pina – ein Tanzfilm in 3D“.

Doch in keinem dieser Filme verschwand der Autorenfilmer Wim Wenders so sehr hinter dem Handwerker, der dann doch wieder einige persönliche Themen in einen Genrefilm schmuggelte.

Denn selbstverständlich ist der Privatdetektiv auch ein Alter ego des Künstlers in einer für ihn undurchschaubaren Welt. Das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion und die Frage nach der Integrität Hammetts als Detektiv und Autor sind auch Fragen, mit denen Wim Wenders sich in seinen Filmen immer wieder beschäftigte.

In dem Edgar-nominierten „Hammett“ wird diese Geschichte als deutliche, zitatreiche Hommage an die Schwarze Serie, die vor lauter Stilbewusstsein vielleicht etwas museal daherkommt, erzählt. Aber trotzdem ist „Hammett“ heute ein Neo-Noir-Klassiker, dessen Qualitäten im Blick zurück und nicht nach vorne liegen.

Die DVD-Ausgabe ist arg sparsam ausgefallen. Sogar auf den Trailer wurde verzichtet. Dabei hätten Coppola und Wenders bei „Hammett“ sicher einiges erzählen können.

Hammett (Hammett, USA 1982)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope

LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)

Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Silvia Sydney, Jack Nance, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)

DVD

Arthaus/StudioCanal

Bild: 1,85:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Mono DD), Englisch (Stereo DD)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Vorlage

Joe Gores: Hammett

G. P. Putnam’s Sons, 1975

Deutsche Ausgaben

Dashiell Hammetts letzter Fall (Goldmann Verlag, 1978)

Hammett (Unionsverlag, 2007, überarbeite Übersetzung)

Hinweise

Wikipedia über „Hammett“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Wim Wenders in der Kriminalakte

Wikipedia über Joe Gores

Thrilling Detective über Joe Gores

Joe Gores: Why I write Mysteries

Meine Besprechung von Joe Gores’ „Hammett“ (Hammett, 1975)

Mein Nachruf auf Joe Gores

Joe Gores in der Kriminalakte (mit viel Stoff zu und über Dashiell Hammett)

Dashiell Hammett in der Kriminalakte

Bonus

Wim Wenders beim New York Film Festival 2011

Bei Indiewire schreibt Edward Davis Bericht darüber. Es wurde auch über „Hammett“ gesprochen.

 


TV-Tipp für den 20. November: Der dünne Mann

November 20, 2011

SWR, 23.35

Der dünne Mann (USA 1934, R.: W. S. Van Dyke II)

Drehbuch: Albert Hackett, Frances Goodrich

LV: Dashiell Hammett: The thin man, 1933 (Der dünne Mann)

Eigentlich wollte Privatdetektiv Nick Charles nach der Hochzeit mit Nora nur noch sein Leben genießen. Aber Nora überzeugt ihn, das Verschwinden des Fabrikanten und Erfinders Wynant aufzuklären. Und mit der Hilfe von Nora, ihrem Terrier Asta, einigen Schnäpsen und Witzen findet er den Täter.

Herrlicher Krimispaß mit William Powell und Myrna Loy – dem Traumpaar der Dreißiger. Tja, damals konnte das Leben noch als einzige Schnapslaune genossen werden.

The thin man“, Hammetts letzter Roman, ist die komödiantische Variante seines Hardboiled-Kosmos.

Früher wurde der Film auch als „Der Unauffindbare“ und „Mordsache Dünner Mann“ gezeigt.

Hinweise

Wikipedia über „Der dünne Mann“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Nick und Nora Charles

Dashiell Hammett in der Kriminalakte

Bonusmaterial


Lesebefehl: Frank Göhres „Die Kiez-Trilogie“ ist wieder erhältlich

August 22, 2011

Die Kiez-Trilogie“.

Das klingt verdammt nach Regiokrimi.

Aber das ging damals, als Frank Göhre im Frühjahr 1984 mit Richard K. Flesch, dem legendären Herausgeber der rororo-Thriller-Reihe, über seine neue Romanidee sprach, gar nicht. Damals meinte Flesch auf einen Romanvorschlag von Göhre: „Soweit kommt’s noch, dass Rowohlt kriminelle Heimatschmonzetten veröffentlicht.“

Tja, das war damals, als der Soziokrimi noch lebendig war. Heute veröffentlicht Rowohlt auch Regiokrimis. Damals änderte Göhre sein Konzept. Von der Lüneburger Heide ging’s nach Hamburg. Regisseur Carl Schenkel, mit dem Göhre damals an dem Fahrstuhlthriller „Abwärts“ arbeitete, gab ihm einen „Spiegel“-Artikel über die unglückliche Liebe eines Rentners zu einer Peep-Show-Tänzerin (Hm, klingt irgendwie nach „Professor Unrat“). Göhre begann sich auf der Reeperbahn umzusehen und im Juli 1986 erschien „Der Schrei des Schmetterlings“. Mit „Der Tod des Samurai“ und „Der Tanz des Skorpions“ erzählte er 1989 und 1991 die Geschichte der Polizisten und Verbrecher auf St. Pauli fort. Mit „St. Pauli Nacht“ gab es 1993 einen kleinen Nachschlag und 2006 mit „Zappas letzter Hit“ den vierten St.-Pauli-Roman.

In „Die Kiez-Trilogie“ sind jetzt die ersten drei, eng miteinander verknüpften Romane erschienen und sie sind wahrlich keine Heimatschmonzetten oder Regiokrimis. Sie sind intime Milieustudien von der Hamburger Reeperbahn und der hamburger Melange von Polizei, Verbrechern und Politik. Dabei mischt Göhre Fakten mit Fiktion zu einem Gebräu, in dem immer unklarer wird, wer die Guten und wer die Bösen sind – und mit dem Überführen und Bestrafen der Verbrecher am Ende des Romans funktioniert es auch nicht so gut.

Ich war damals, als die jetzt in der „Kiez-Trilogie“ versammelten Romane vor über zwanzig Jahren erschienen, mächtig begeistert. Das war wirklich mehr Raymond Chandler, Dashiell Hammett, James M. Cain, Jim Thompson, Mickey Spillane und Ross Thomas (um nur einige zu nennen), als der biedere bundesdeutsche Krimi zwischen -ky, Hansjörg Martin, Christine Grän und Felix Huby (obwohl mir die ersten Bienzles gut gefielen).

Jetzt sind die drei St.-Pauli-Romane bei Pendragon wieder veröffentlicht worden. Frank Göhre schrieb das gut dreißigseitige Nachwort „Hamburger Verhältnisse – Hintergründe und Materialien zur Kiez-Trilogie“, in dem er anhand zahlreicher Zitate aus alten Zeitungen zeigt, wie sehr er sich bei seinen Romanen von der Wirklichkeit inspirieren ließ. Außerdem kannte er auch etliche Szenegrößen und recherchierte viel auf St. Pauli, das mit dem heutigen St. Pauli nichts mehr zu tun hat.

Insofern ist „Die Kiez-Trilogie“ auch ein Teil der alternativen deutschen Geschichtsschreibung und die Antithese zum Regiokrimi.

Frank Göhre: Die Kiez-Trilogie

Pendragon, 2011

736 Seiten

16,95 Euro

enthält

Der Schrei des Schmetterlings

rororo, 1986

Der Tod des Samurai

rororo, 1989

Der Tanz des Skorpions

rororo, 1991

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Frank Göhre in der Kriminalakte


Kleinkram

Juli 4, 2011

In der „Zeit“ erinnert Wim Wenders sich an Peter Falk.

Bei Mystery Fanfare schreibt Lawrence Block über „A pen name? Really? After all these years?“

Noch mehr Lawrence Block gibt es bei Mulholland Books: „Canarsie and Westlake: Parker and Stark (and Me)“

John Lutz (Uh, kennt den noch jemand? Gibt es noch Alo-Nudger-Fans? Ansonsten „Weiblich, ledig, jung, sucht…“) schreibt über „Noir in the Sunshine“.

Charlie Huston schreibt über den „Paranoia Man“. (Hm, was mich daran erinnert, dass sein neuester Roman noch auf meinem Zu-Lesen-Stapel liegt.)

Michael Koryta ist „In the Morgue“.

Duane Swierczynski (aka Duane Louis) unterhält sich mit Josh Bazell über seinen neuen Roman „Fun & Games“ (Teil 1, Teil 2). Mit Ed Brubaker hat er sich auch über „Fun & Games“ unterhalten (Teil 1, Teil 2).

Und dann hat er noch eine Liste von 15 Büchern, die ihm halfen L. A. zu verstehen, erstellt. Dabei hat er die üblichen Verdächtigen links liegen gelassen.

Jason Starr war Gastblogger in Duane Swierczynskis Secret Dead Blog – und er durfte nichts über Ken Bruen schreiben.

Ken Bruen.

Da gibt es doch den deutschen Trailer der Ken-Bruen-Verfilmung „Blitz“:

Bei Spinetingler gibt es die Reden von SJ Rozan und T. Jefferson Parker, die sie auf der California Crime Writers Conference gehalten haben.

In der „Welt“ ist eine Reportage über Winfried Hörning, den Lektor der Suhrkamp Krimis, erschienen.

In der F. A. Z. macht man sich Gedanken über die Mafia, oder „Die Ökonomie der kriminellen Dienstleistung“.

Die Juli-Ausgabe von „The Big Thrill“ (der E-Zeitung der International Thriller Writers [ITW]) ist online. Dieses Mal unter anderem Porträts von und Interviews mit Brad Thor, Gregg Hurwitz und Heather Graham. 

Buchkultur hat die allsommerliche Liste der Besten Krimis der Saison veröffentlicht. Platz 1 gebührt Don Winslows „Tage der Toten“. Wen interessieren da die nächsten neun Krimis?

Und Thomas Wörtche schreibt über politische Kriminalromane:

Politische Krimis meinen ganz einfach solche, in denen Weltsachverhalte vorkommen, die nicht läppisch, nicht nur die dumme Umsetzung von pubertärem oder stammtischhaften Schenkelklopfens sind. Letzteres ergibt, wenn auch keine politischen Krimis in unserem Sinn, dennoch politisch lesbare, textidentische Gebilde. Wie die mit Realitäten umgehen, wie sie die Möglichkeiten literarischer Kommunikation verlottern lassen – das hat in der Tat etwas sehr unangenehm Politisches. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

Im Bayerischen Fernsehen (BR) gibt es einen neuen Kinotalk, der wohl versucht, das Konzept des „Literarischen Quartetts“ wiederzubeleben. Aber noch ist im „FilmFight – Der ‚Kino Kino‘ Talk“ (wasfüreintitel) seeeehr viel Luft nach oben:

Zur Erholung und geistigen Erbauung empfehle ich einen Besuch im „Weekly Lizard“:

Justin Peacock empfiehlt George V. Higgins,

Alex Klava schreibt über verschiedene Standards für Männer und Frauen, wenn sie Thriller schreiben,

Scott Montgomery schreibt über Dashiell Hammett und

es gibt einige Worte über die Hauptdarsteller von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung.

Ach ja, hier ist der Trailer:

 

 

 

 

 


Georg Seeßlen über Cowboys und Detektive

Februar 10, 2011

Als „Filmwissen Detektive“ und „Filmwissen Western“ sind jetzt die zuletzt 1995 („Western“) und 1998 („Detektive“) im Schüren Verlag erschienen Bände der mehrbändigen Reihe „Grundlagen des populären Films“ von Georg Seeßlen in einer überarbeiteten Neuauflage erschienen. 1995 und 1998 erschienen die Bücher im festen, blauen Einband und der Untertitel „Geschichte und Mythologie des XY-Films“ erinnerte an die alte rororo-Ausgabe der mehrbändigen Filmbuchreihe, in der Georg Seeßlen die verschiedensten Genres für das deutsche Publikum erstmals ausführlich und kundig vorstellte. Auch für die Neuausgabe wurde die einfache und bewährte Struktur beibehalten.

Filmwissen Detektive“ und „Filmwissen Western“ beginnen mit einer fast fünfzigseitigen Einführung in die Mythologie des Detektivfilms (vor allem über die historischen Ursprünge bis zu Dashiell Hammett und Raymond Chandler) oder auf zwölf Seiten in die des Western. Diese Ursprungsmythen bilden die Folie auf der sich die Entwicklungen des Genres vom Stummfilm bis zur Gegenwart abbilden und chronologisch nachgezeichnet werden.

Die neuen Entwicklungen im Kino- und TV-Film (wobei TV-Serien kaum beachtet werden) wurden dann von Seeßlen einfach an den alten Text angehängt. Bei „Filmwissen Western“ sind das, obwohl schon seit Jahrzehnten immer wieder gesagt wird, der Western sei tot, fast fünfzig Seiten. Aber andererseits hat der Western „True Grit“ der Coen-Brüder in den USA bis jetzt über 155 Millionen Dollar eingespielt.

Bei „Filmwissen Detektive“ sind etwas über dreißig Seiten neu. Denn in den vergangenen Jahren verschwand der Privatdetektiv aus der populären Mythologie zugunsten des Polizisten, der zum Helden der meisten Kriminalfilme und -serien wurde; – und wenn es doch Detektive gibt, arbeiten sie, wie Adrian Monk oder der Mentalist Patrick Jane als Berater für die Polizei. Der Grund für diesen Wandel ist für Seeßlen „die Umkehrung der Verhältnisse, die den Privatdetektiv so nostalgisch und den Cop so zeitgemäß macht. (…) Der Detektiv als Kleinunternehmer dagegen müsste in der Welt des Internet-Verbrechens und der Steuerhinterziehungen nur gegen sich selbst ermitteln. Seine Käuflichkeit steht außer Frage, als moralische Korrektur der Verhältnisse hat er ausgedient, nicht zuletzt auch, weil der Cop als Außenseiter in der eigenen Organisation einige seiner attraktiven Attribute übernommen hat, die innere Tragik und den Zynismus ohnehin.“

Im Gegensatz zur letzten Ausgabe der beiden „Filmwissen“-Bücher verzichtete der Verlag dieses Mal auf Bilder (etwas bedauerlich), wählte eine andere Schrifttype (sie ist ziemlich klein, aber gut lesbar) und für die Bibliographie und das Filmregister wurde eine größere und wesentlich bessere Schriftgröße gewählt. Denn der Anhang war in der vorherigen Ausgabe nur mit einer Lupe lesbar.

Insgesamt sind „Filmwissen Detektive“ und „Filmwissen Western“ eine sehr gute, unterhaltsame Einführung in die Genres. Wer allerdings die alte Ausgabe hat, muss wegen der Ergänzungen nicht unbedingt zuschlagen.

Georg Seeßlen: Filmwissen Detektive (Grundlagen des populären Films)

Schüren Verlag, 2010

288 Seiten

19,90 Euro

Georg Seeßlen: Filmwissen Western (Grundlagen des populären Films)

Schüren Verlag, 2010

292 Seiten

19,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (2009)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“ (2010)


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