Neu im Kino/Filmkritik: David Cronenberg präsentiert die „Maps to the Stars“ mit vielen Stars

September 11, 2014

Natürlich muss in einem Film nicht alles logisch sein. Manchmal muss man halt die Logik links liegen lassen und wenn der Rest stimmt, habe ich als alter Alfred-Hitchcock-Fan kein Problem damit. Auch eine Abfolge absurder Zufälle kann ich akzeptieren. Wenn der Rest stimmt.
In David Cronenbergs neuem Film „Maps to the Stars“ gibt es eine überschaubare Zahl absurder Zufälle, aber viel zu viele vollkommen unlogische Momente; sowohl in der Realität als auch in der Fantasie und wie beide Welten miteinander zusammenhängen. Denn „Maps to the Stars“ spielt in Hollywood. Die Traumfabrik ist natürlich Thema des Films und fast alle Charaktere haben Probleme mit der Realität. Sie haben immer wieder Visionen und Geister hängen überall herum in der Stadt der Engel. Insofern zeigt Cronenberg wieder einmal eine dystopische Welt, in der Schauspieler von ihren Alpträumen verfolgt werden und sie ein gestörtes Verhältnis zu sich und ihrem Körper haben.
So will Havanna Segrand (Julianne Moore), deren Karriere vor sich hin dümpelt, in einem Biopic unbedingt ihre Mutter, zu der sie keine gute Beziehung hatte, spielen. In ihren Tagträumen wird sie von ihrem Geist verfolgt.
Auch der dreizehnjährige Jungstar Benji Weiss (Evan Bird) sieht Geister. Denn der drogensüchtige, frisch aus der Therapie entlassene Kotzbrocken glaubt, dass alle jüngeren Schauspieler ihm die Show stehlen wollen.
Seine Eltern kümmern sich, abgesehen von seiner Karriere, nicht um ihn. Sie pflegen die Fassade des heilen Familienlebens. Benjis Mutter Cristina (Olivia Williams) managt seine Karriere und damit ihr Einkommen. Sein Vater Stafford (John Cusack) ist ein gut verdienender Selbsthilfeguru mit einer TV-Show, der seine Hollywood-Patienten mit einer Gaga-Therapie therapiert, die – immerhin sind wir in einem Cronenberg-Film – an eine Vergewaltigung, bei der das Opfer Geld dafür bezahlt, erinnert.
Ihre Tochter verleugnen sie so gut, dass anscheinend niemand etwas über sie weiß. Sie wurde einfach vor einigen Jahren aus der Familie ausradiert.
Agatha (Mia Wasikowska), die diese Tochter ist, was wir allerdings erst relativ spät im Film erfahren (bis dahin ist sie nur eine junge, schüchterne Frau mit Verbrennungen), kehrt am Filmanfang aus einer geschlossenen Anstalt (auch das erfahren wir erst sehr spät und noch später erfahren wir, warum sie dort war) vom anderen Ende des Landes in einem Greyhound-Bus nach Hollywood zurück, lässt sich von einem Chaffeur (Robert Pattinson), der natürlich in Hollywood Karriere machen möchte, in einer Nobellimousine wie ein Landei, das zum ersten Mal in Hollywood ist, durch die Stadt kutschieren, steigt dann in einem billigem Motel ab und erhält zufällig eine Arbeit bei Havanna Segrand.
Bei ihren Eltern meldet sie sich nicht. Die erfahren auch nur zufällig, dass ihre Tochter wieder zurück ist.
Gerade am Anfang sieht „Maps to the Stars“ wie eine weitere Satire auf Hollywood auf, die gelungen und mit offensichtlichen Anspielungen an Meisterwerke wie Billy Wilders „Sunset Boulevard – Boulevard der Dämmerung“, Robert Altmans „The Player“ oder David Lynchs „Mulholland Drive“ anknüpft. Schon früh bewegt Cronenberg sich allerdings von der Hollywood-Satire weg zu einem Geisterfilm. Plötzlich hängen überall Geister herum und sie erscheinen auch jedem; oft ohne dass ein direkter und konkreter Bezug zu den Taten, Wünschen und Ängsten der Person, die sie sieht, erkennbar ist. Eben diese Beliebigkeit, die eine gute Szene mehr schätzt als eine sinnvolle Gesamtkonstruktion der Geschichte, lässt das Interesse schnell erlahmen. Denn ein irgendwie nachvollziehbarer Ursache-Wirkungszusammenhang ist nicht mehr zu erkennen.
Aber das ist noch nicht die letzte Drehung in dieser Geschichte, die zunächst wie ein Ensemblefilm angelegt ist. Die verschiedenen Plots laufen, ziemlich gewollt, zu einem Porträt einer dysfunktionalen und vollkommen verkorksten Familie zusammen, das allerdings wenig interessiert, weil in dem Moment nur noch ein Anything-goes-Gefühl herrscht. Entsprechend wenig schockierend fallen dann die letzten Enthüllungen der Geheimnisse der Familie Weiss aus.
Sie bestätigen nur den Eindruck, dass Regisseur David Cronenberg und Autor Bruce Wagner („Wild Palms“) nicht wussten, was sie letztendlich erzählen wollten.
Wenn man den Film allerdings als einen surrealen Traum sieht, bei dem nichts wirklich zusammenpasst, bei dem jede Erklärung von dem nächsten Bild sabotiert wird, bei dem man sich nur auf den Augenblick konzentriert, dann entwickelt er sicher ungeahnte Qualitäten.

Maps to the Stars - Plakat - 4

Maps to the Stars (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
mit Julianne Moore, Robert Pattinson, Mia Wasikowska, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Sarah Gadon, Carrie Fisher
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Maps to the Stars“
Moviepilot über „Maps to the Stars“
Metacritic über „Maps to the Stars“
Rotten Tomatoes über „Maps to the Stars“
Wikipedia über „Maps to the Stars“ 

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Die brandaktuelle Pressekonferenz vom Toronto International Film Festival (TIFF)

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Neu im Kino/Filmkritik: Über David Cronenbergs Don-DeLillo-Verfilmung „Cosmopolis“ mit Robert Pattinson in der Hauptrolle

Juli 5, 2012

Nachdem David Cronenbergs „Eine dunkle Begierde“ (A dangerous Method, 2011) schnell als Nebenwerk abgetan wurde, waren die Erwartungen für „Cosmopolis“ hoch. Immerhin schrieb Cronenberg nach „eXistenZ“ (1999) wieder das Drehbuch für einen Spielfilm und im Cronenberg-Kanon werden die Filme, die er nach eigenen Büchern inszenierte, als die für ihn wichtigeren, persönlicheren, angesehen.

Als Vorlage nahm er ein Buch von Don DeLillo. DeLillo ist ein seit Jahrzehnten abgefeierter US-amerikanischer Autor, der mit „Unterwelt (Underworld, 1997) auch zum Bestsellerautor wurde. „Unterwelt“ ist, nach der Seitenzahl, sein Opus Magnum, das noch einmal alle seine Themen und Obsessionen auf gut tausend Seiten bündelt und, aufgrund der Länge, auch einen zerfaserten Eindruck hinterlässt.

In „Cosmopolis“ erzählt Don DeLillo auf knapp zweihundert Seiten von einem 28-jährigem Börsenspekulanten, der im April 2000 in seiner Limousine durch Manhattan fährt. Er will einen Haarschnitt bei seinem Frisör haben. Dass gleichzeitig alle Straßen wegen des Besuches des Präsidenten und einem Trauermarsch für einen Sufi-Rap-Star gesperrt sind, ist ihm egal. Auch dass der Komplex vor einem Anschlag warnt und daher die Sicherheitsmaßnahmen für Packer erhöhen will, ist im egal. Immerhin wird er von Bodyguards beschützt und seine Limousine ist sein von der Außenwelt abgeschottetes Büro, in dem er, nach Belieben, Leute empfangen kann. Für Geschäfte. Für philosophische Diskurse. Für Sex. Für seine tägliche ärztliche Untersuchung. Gerne auch gleichzeitig.

Die Fahrt ist auch eine Reise zu Eric Packers innersten Ängsten, ein Porträt von New York, vor allem der von Packers Limousine abgefahrenen 47. Straße und der Finanzindustrie – vor 9/11 und vor dem großen Finanzcrash. Gleichzeitig entwirft Don DeLillo eine Vision einer Welt, die mehr an die Cyberspace-Welten von William Gibson, als an die Realität erinnert. Jedenfalls die damalige.

Denn Packer verliert an diesem Tag sein ganzes Vermögen an der Börse. Doch dieser Verlust bleibt abstrakt. Es sind nur Zahlen auf einem Bildschirm.

Für den Film nahm David Cronenberg dann Don DeLillos Roman und verfilmte ihn mit minimalen Veränderungen. Er ließ ein, zwei Szenen weg, die sich im Film nicht realisieren ließen. Er stellte einige Kleinigkeiten um. Die größte Änderung ist, dass im Film Benno Levin (gespielt von Paul Giamatti) erst am Ende auftaucht. Davor hat Levin im Film nur einen Cameoauftritt im Hintergrund, als er, mit einer Perücke minimal verkleidet, zu einem Geldautomat geht. Im Buch gibt es dagegen 14 Seiten mit „Benno Levins Bekenntnissen“. Das Ende, der lange Dialog von Levin, der Packer umbringen will, und Eric Packer (gespielt von Robert Pattinson [mein Interview mit ihm]), ist dann wieder gleich. Im Drehbuch hatte diese Szene 22 Seiten und Cronenberg inszenierte sie fast ohne Schnitte.

Der Film ist dann auch folgerichtig ausschließlich aus Eric Packers Perspektive erzählt. Die Kamera verlässt nur mit Packer die Limousine.

Auch Don DeLillos Dialoge wurden Eins-zu-Eins übernommen. Dummerweise sind sie als Literatur vielleicht okay (obwohl sie mir schon da zu künstlich sind), aber in einem Film sind sie einfach nur noch gekünstelt.

Die Atmosphäre ist irreal oder, je nach Blickwinkel, hyperreal. Denn alle Charaktere bewegen sich wie Avatare durch eine künstliche Welt, die erst am Ende, wenn Packer sich in einem Frisörsalon, der sogar den Frisörsalon in dem Coen-Film „The Man, who wasn’t there“ modern erscheinen lässt, sich der Alltagsrealität etwas nähert. Aber auch dann inszeniert Cronenberg die Szene, als ob Packer sich in einem Alptraum befindet. Es ist eine Cyberwelt, in der es in der Matrix Hinweise auf kommende Ereignisse gibt (oder auch nicht) und in der, wie im Buch, Ereignisse hart hintereinander geschnitten werden, ohne dass die gewählte Reihenfolge die einzig mögliche oder die logisch sinnvollste ist. Alles steht unverbunden nebeneinander und nur durch Packers Reiseziel hat „Cosmopolis“ eine rudimentäre Geschichte.

Zum Ansehen ist „Cosmopolis“ dann auch hartes Brot. Denn Cronenberg lässt die Kamera meistens statisch die Schauspieler beobachten, die sich kaum bewegen und auch mimisch so wenig tun, dass die Grenze vom Unterspielen zum überhaupt nicht mehr spielen lässig überschritten wird. Einerseits trägt eben diese visuelle Kargheit zur besonderen Atmosphäre des Films bei, andererseits ist es für das Auge ähnlich anregend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. „Cosmopolis“ wirkt wie ein abgefilmtes Hörspiel mit theatralischen Dialogen, das mit Standbildern der Schauspieler illustriert wird. Besonders Eric Packer ist ein Nichts mit der Ausstrahlung eines Besenstiels. Das liegt weniger bis gar nicht an den schauspielerischen Qualitäten von Robert Pattinson, sondern an dem von Cronenberg geschriebenem Drehbuch und dem von ihm gewähltem ästhetischen Konzept, das sogar Weltklasseschauspieler wie Paul Giamatti hilflos zurücklässt. Und dabei dachte ich bis jetzt, dass Giamatti alles glaubwürdig spielen kann.

Wenn man allerdings zuerst Don DeLillos Roman liest, der sich fast wie der Roman-zum-Film liest, und sich dann den Film ansieht, wird man schon einige Hintergründe kennen und genauer verfolgen können, wo das alles hinführt. Daher empfehle ich: zuerst das Buch lesen, dann – wenn man will – den Film sehen.

Cosmopolis“ hat als furchtbar werkgetreue Adaption schon etwas, aber er ist auch furchtbar prätentiös und leblos.

Cosmopolis (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Regie: David Cronenberg

Drehbuch: David Cronenberg

LV: Don De Lillo: Cosmopolis, 2003 (Cosmopolis)

mit Robert Pattinson, Juliette Binoche, Sarah Gadon, Mathieu Amalric, Jay Baruchel, Keven Durand, K’Naan, Emily Hampshire, Samantha Morton, Paul Giamatti

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Vorlage

Don DeLillo: Cosmopolis

(übersetzt von Frank Heibert)

KiWi, 2012 (Film Tie-In)

208 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Cosmopolis

Scribner, 2003

Deutsche Erstausgabe

Kiepenheuer & Witsch, 2003

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Cannes-Presseheft für „Cosmopolis“ (informativ und schön gelayoutet)

Film-Zeit über „Cosmopolis“

Rotten Tomatoes über „Cosmopolis“

Wikipedia über „Cosmopolis“

Perlentaucher über Don DeLillos Roman „Cosmopolis“

Stuttgarter Zeitung: Mein Interview mit Robert Pattinson (5. Juli 2012)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Vorankündigung: Mit David Cronenberg habe ich auch gesprochen. Das „Cosmopolis“-Interview gibt es bald in der Kriminalakte.


Neu im Kino/Filmkritik (und Buchtipp): David Cronenberg hat „Eine dunkle Begierde“

November 10, 2011

Einen solchen Film hätte ich von David Cronenberg nicht erwartet. Nicht wegen des Themas, sondern wegen der Machart. Denn in seinem neuesten Film „Eine dunkle Begierde“ erzählt er eine Dreiecksliebesgeschichte und die Geschichte von einem Bewunderer und seinem Mentor als sei es eine Arte-Auftragsproduktion. Es ist die Geschichte von Sigmund Freud (Viggo Mortensen), Carl Gustav Jung (Michael Fassbender) und Sabina Spielrein (Keira Knightley) und die geht so: C. G. Jung ist ein junger Nervenarzt in einem Züricher Sanatorium, der Sigmund Freud und dessen Theorien bewundert. Bei der unter heftigen Sexualneurosen leidenden russischen Kaufmannstochter Sabina Spielrein probiert er ab 1904 Freuds Thesen aus. Er stößt dabei auf Probleme, die er in Wien mit dem von ihm bewundertem Sigmund Freud, dem er bis dahin noch nicht begegnet ist, besprechen kann. Zwischen beiden entwickelt sich schnell eine Freundschaft, in der jeder auch glaubt, dass er von dem anderen profitieren kann. Denn Freud hat sich zu diesem Zeitpunkt mit einer Schar ihn bedingungslos bewundernder Jünger umgeben, er neigt zur Selbstgefälligkeit und ein Arier wäre, um die Ideen weiter zu verbreiten, eine hochwillkommene Ergänzung in der überwiegend jüdischen psychoanalytischen Bewegung.

Jung ist dagegen ein, auch dank eigener Forschungen, durchaus kritischer Bewunderer. Er möchte die Psychoanalyse bekannter machen und tiefer erforschen. Gleichzeitig glaubt er, im Gegensatz zu Freud, nicht, dass man in der Analyse alles auf den Sexualtrieb reduzieren kann.

Und, obwohl Jung verheiratet ist, beginnt er eine Beziehung mit Spielrein, die von einer Patientin immer mehr zu einer Psychologin wird, 1911 promovierte und in Wien Mitglied von Freuds Mittwoch-Gesellschaft wurde.

Das ist alles historisch verbürgt und wird von David Cronenberg mit der Gediegenheit und erzählerischen Gemächlichkeit inszeniert, die wir aus Literaturverfilmungen, bevorzugt mit Beteiligung öffentlich-rechtlicher Sender, kennen. Da stimmt dann jedes Kostüm und die Innenausstattung erinnert an historische Aufnahmen. Die Schauspieler sind grandios (Fassbender! Mortensen!! Knightley!!!). Das Drehbuch von Christopher Hampton ist eine ökonomisch erzählte, vielschichtige Versuchsanordnung mit einem Touch Uni-Seminar und viel Raum für die Schauspieler. So beobachtet Cronenberg die erste Therapiesitzung von Spielrein (Knightley im totalen Overacting-Modus), die mit ihren inneren Dämonen kämpft, minutenlang und fast ohne Schnitte. Auch später, wenn Freud und Jung sich unterhalten, schneidet Cronenberg äußerst spartanisch. Er vermeidet alles, was von den Dialogen und den Schauspielern ablenken könnte.

Cronenberg verfilmte die Geschichte, ähnlich einer Therapiesitzung, bewusst distanziert. Denn er urteilt nicht über seine Charaktere. Er glorifiziert sie auch nicht und er lässt sie auch nicht als Vorkämpfer erscheinen; was auch dazu führt, dass wir uns heute nicht mehr vorstellen, gegen welche Konventionen sie verstießen.

Für Cronenbergs Verhältnisse ist der Ausstattungsfilm „Eine dunkle Beziehung“ ein seltsam musealer Film.

Eine dunkle Begierde (A dangereous method, Deutschland/Kanada/Großbritannien/Schweiz 2011)

Regie: David Cronenberg

Drehbuch: Christopher Hampton (nach dem Roman „A dangerous method“ und John Kerr und dem Theaterstück „The talking cure“ von Christopher Hampton)

mit Viggo Mortensen, Keira Knightley, Michael Fassbender, Vincent Cassel, Sarah Gadon, André Hennicke, Arndt Schwerin-Sohnrey, Anna Thalbach

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Eine dunkle Begierde“

Wikipedia über „Eine dunkle Begierde“ (deutsch, englisch)

Der ultimative Buchtipp

Auf dieses Buch habe ich eine gefühlte Ewigkeit gewartet. Denn es wurde schon vor Jahren angekündigt. Mit Sicherheit zu „Eastern Promises“, aber vielleicht auch schon zu „A history of violence“.

Aber jetzt ist „David Cronenberg“ als sechzehnter Band in der uneingeschränkt lobenswerten „film“-Reihe des „Bertz + Fischer“-Verlages erschienen. Marcus Stiglegger fungierte als Herausgeber und als Autoren sind die üblichen Verdächtigen dabei: Stefan Höltgen, Norbert Grob (natürlich über Cronenbergs Noir-Fantasien), Gerhard Midding (über „The Fly“), Sascha Westphal, Fritz Göttler, Frank Arnold, Oliver Nöding, Lars Penning, Ivo Ritzer, Annette Kilzer, Lars-Olaf Beier (ebenfalls über „The Fly“), Frank Schnelle, Thomas Groh, Jan Distelmeyer, Cristina Nord, Rudolf Worschech, Georg Seeßlen, Elisabeth Bronfen, Barbara Schweizerhof (über „A dangerous method“) und Dominik Graf (über „The Dead Zone“). Um nur einige der bekannteren Namen zu nennen.

Am bewährten Aufbau wurde selbstverständlich nichts geändert. Auf den ersten 140 Seiten gibt es umfassendere Analysen von David Cronenbergs Werk und bestimmter Aspekte in seinem Werk, wie sein Körperbild, seine Bilderwelten, seine Noir-Fantasien und sein Verhältnis zur Literatur (immerhin sind „The Dead Zone“, „Dead Ringers“, „Naked Lunch“, „Crash“, „Spider“ und „A dangerous method“ Literaturverfilmungen).

Auf den folgenden gut 120 Seiten wird chronologisch jeder seiner Filme besprochen. Abschließend, auf fast 50 Seiten, gibt es eine umfassende Filmo- und Bibliografie, allerdings ohne Hinweise auf DVD-Ausgaben, die gerade bei Cronenberg, weil viele seiner Filme in verschieden zensierten Fassungen, teils in in bescheidener Bildqualität veröffentlicht wurden, hilfreich gewesen wäre (aber die OFDB hilft). Garniert wird das alles mit über 220 Fotos und Bildsequenzen, die einen guten Eindruck von den Filmen vermitteln.

Da kann ich nur sagen: Kaufen (oder zu Weihnachten schenken lassen) und lesen.

Marcus Stiglegger (Hrsg.): David Cronenberg

Bertz + Fischer, 2011

320 Seiten

19,90 Euro

Hinweise

Bertz + Fischer über „David Cronenberg“ (mit Leseproben)

David Cronenberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Januar: To Die For

Januar 14, 2019

Weil Nicole Kidman gerade so oft, mit sehr unsterschiedlichen Filmen im Kino zu sehen ist. „Aquaman“ läuft noch (und hat schon über eine Milliarde eingespielt), „Der verlorene Sohn“ (Boy Erased, mit Lucas Hedges und Russel Crowe, wahre Geschichte über einen Baptistenprediger, der seinen homosexuellen Sohn heilen will, Kinostart am 21. Februar), „Mein Bester & ich“ (The Upside, mit Bryan Cranston und Kevin Hart, US-Remake von „Ziemlich beste Freunde“, Kinostart am 21. Februar)  und „Destroyer“ (ein insgesamt sehenswerter Noir-Polizeikrimi von „Aeon Flux“-Regisseurin Karyn Kasuma mit Kidman als extrem taffer, von Dämonen aus ihrer Vergangenheit gejagter Polizistin, Kinostart am 14. März).

Arte, 20.15

To Die For (To Die For, USA 1995)

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Buck Henry

LV: Joyce Maynard: To die for, 1992 (To die for)

TV-Wetterfee Suzanne Stone Maretto  lässt für ihre Karriere Männer über die Klinge springen, bis sie an die Mafia gerät.

Bitterböse Mediensatire. Heute war wahrscheinlich noch aktueller und realistischer als damals.

mit Nicole Kidman, Matt Dillon, Joaquin Phoenix, Casey Affleck, Dan Hedaya, Kurtwood Smith, Buck Henry (als Mr. H. Finlaysson), Joyce Maynard (als Suzannes Anwältin), David Cronenberg, George Segal (jeweils Gastauftritte)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „To Die For“

Wikipedia über „To Die For“ (deutsch, englisch)

Homepage von Joyce Maynard

My-Space-Seite von Gus Van Sant

Meine Besprechung von Gus Van Sants „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ (The Sea of Trees, USA 2015)

Meine Besprechungvon Gus Van Sants „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ (Don’t worry, he won’t get far on foot, USA 2018)


DVD-Kritik: Kleine Krimis mit großen Namen: Robert Pattinson hofft auf eine „Good Time“

März 26, 2018

Connie Nikas (Robert Pattinson, kaum zu erkennen) ist nicht gerade eine Geistegröße, aber er ist deutlich intelligenter als sein geistig zurückgebliebener Bruder Nick (Ben Safdie), der schon bei einfachen Fragen an seine Grenzen gerät. Connie sieht sich als großer Bruder als Nicks Beschützer. Deshalb holt er ihn am Anfang des Independent-Gangsterthrillers „Good Time“ aus einer psychiatrischen Klinik und begeht mit ihm einem schlecht geplanten Banküberfall.

Auf der improviserten Flucht wird Nick von der Polizei verhaftet. In der Haft wird er brutal zusammengeschlagen und ins Krankenhaus gebracht.

Währenddessen versucht Connie die Kaution zu beschaffen. Das Geld aus dem Banküberfall kann der Kleingangster, nachdem es von einer Farbbombe verschmutzt wurde, nicht benutzen. Auch seine anderen Versuche scheitern letztendlich. Also hat Connie die geniale Idee, seinen Bruder aus dem Krankenhaus zu entführen. Dummerweise entführt er den falschen Mann – und damit ist seine Pechsträhne in dieser chaotischen Nacht noch lange nicht beendet.

Robert Pattinson ist nach seinem „Harry Potter“- und „Twilight“-Ruhm immer noch in der schauspielerischen Phase, in der er sich ausprobiert und nicht auf kommerzielle Verwertbarkeit achtet. Nicht jeder dieser Filme ist gelungen und nicht jeder dieser Filme ist für ein großes Publikum gedacht, aber jeder dieser Filme zeigt, dass Pattinson mit interessanten Regisseuren zusammenarbeiten will, dass er sich ausprobieren will und sich dabei nicht mit einer weiteren erfolgreichen Serie auf dem Ruhm zweier erfolgreicher Serien ausruhen möchte. Das führt zu Filmen wie „Cosmopolis“ und „Maps to the Stars (beide von David Cronenberg), „Königin der Wüste“ (Werner Herzogs schlechtester Film), Anton Corbijns Dennis-Stock-James-Dean-Biopic „Life“, „Die versunkene Stadt Z“ (James Grays epischster Film) und jetzt „Good Time – Wettlauf gegen die Zeit“. In dem von den Safdie-Brüdern inszenierten New-York-Gangsterfilm stolpert Pattinson hektisch und ziemlich kopflos von einer beschissenen Situation zur nächsten.

Der düstere Thriller ist ein hochenergetischer, in einer Nacht in New York abseits jeglicher Touristenpfade spielender Fiebertrip. Die Brüder Ben und Joshua Safdie inzenierten ihre Geschichte fast ausschließlich in dreckigen Nahaufnahmen, die nie den Wunsch nach einer Kinopräsentation wecken.

Bei all dieser Energie bleiben allerdings die Charaktere auf der Strecke. Und die Geschichte ist eine pausenlose Abfolge hysterischer und chaotischer Situationen, in denen die Kleingangster schnell an ihre Grenzen stoßen.

Good Time – Wettlauf gegen die Zeit (Good Time, USA 2017)

Regie: Ben Safdie, Joshua Safdie

Drehbuch: Ben Safdie, Joshua Safdie, Ronald Bronstein

mit Robert Pattinson, Jennifr Jason Leigh, Ben Safdie, Taliah Webster, Buddy Duress

DVD

Ascot Elite Home Entertainment

Bild: 2.38:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Interviews, Deutscher Trailer, Trailershow

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite des Films 

Moviepilot über „Good Time“

Metacritic über „Good Time“

Rotten Tomatoes über „Good Time“

Wikipedia über „Good Time“ (deutsch, englisch)

DP/30 lässt die Safdie-Brüder und Robert Pattinson über den Film reden

Die Film Society of Lincoln Center unterhält sich mit den Safdie-Brüdern, Co-Drehbuchautor Ronald Bronstein und Robert Pattinson

 


TV-Tipp für den 7. Septemter: Die Brut

September 7, 2017

Arte, 23.35
Die Brut (Kanada 1979, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: David Cronenberg
Während eines Sorgerechtsstreit begibt sich Nola Carveth in die Therapie von Dr. Hal Raglan, der ihr am Somafree Institute seine Therapie, die Psychoplasmatik, empfiehlt. Sie soll ihren Zorn und ihre Traumata nicht mehr in sich hineinzufressen, sondern ihnen in körperlichen Reaktionen eine Form geben. Sie fantasiert schrecklich-eklige Killerkinder herbei.
Zum deutschen Kinostart 1982 schrieb der Fischer Film Almanach: „Die Horrortaube auf dem Dach – darf man, unbescheiden, gar nicht mehr auf sie warten; muß man schon mit diesem Spatzen zufrieden sein?“
2010 war „Die Brut“ einer der zehn Extra-Tipps in Frank Schnelle/Andreas Thiemanns „Die 50 besten Horrorfilme“: „’Die Brut‘ ist David Cronenbergs Replik auf Hollywoods Scheidungsdrama ‚Kramer gegen Kramer‘ und zugleich eine eigenwillige Verarbeitung autobiographischer Erlebnisse. (…) Eine schaurige, beklemmende, verstörende Fantasie.“
Und, das war zwischen „Rabid – Der brüllende Tod“ und „Scanners – Ihre Gedanken können töten“ nicht vorhersehbar, Cronenberg wurde seitdem zu einem anerkannten Regisseur, der auf die wichtigen Filmfestivals eingeladen und abgefeiert wird.

Anschließend, um 01.05 Uhr, zeigt Arte mit „Scanners – Ihre Gedanken können töten“ (Kanada 1981) einen weiteres Cronenberg-Frühwerk.

Mit Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Cindy Hinds, Nuala Fitzgerald, Henry Beckman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Brut“

Wikipedia über „Die Brut“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014) (und die DVD-Kritik)

David Cronenberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. September: Kopfüber in die Nacht

August 31, 2017

ZDFneo, 23.30

Kopfüber in die Nacht (USA 1985, Regie: John Landis)

Drehbuch: Ron Koslow

Ed Okin kann einfach nicht einschlafen. Also fährt er ins Flughafenparkhaus, eine Frau springt zuerst auf seine Motorhaube, dann auf seinen Beifahrersitz und fordert ihn auf, möglichst schnell abzuhauen. Denn sie wird von einigen Killern verfolgt. Ed gibt Gas und erlebt eine aufregende Nacht.

Grandiose Komödie mit einer gehörigen Portion Slapstick, viel Schwarzer Serie und einem beeindruckendem Aufgebot von Stars, die niemand kennt, weil sie als Kollegen von „Blues Brothers“-Regisseur John Landis hauptsächlich hinter der Kamera stehen (und standen).

„Landis (…) ist wieder ein amüsantes Vexierspiel aus ironisch montierten Versatzstücken unterschiedlicher Genres gelungen, das häufig augenzwinkernd mit Zitaten spielt.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Eine sträflich unterschätzte, selten gezeigte Filmperle

Mit Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, Stacey Pickren, David Bowie, Dan Aykroyd, David Cronenberg, John Landis, Waldo Salt, Bruce McGill, Rick Baker, Colin Higgins, Daniel Petrie, Paul Mazursky, Jonathan Lynn, Paul Bartel, Carl Perkins, Don Siegel, Jim Henson, Jack Arnold, Amy Heckerling, Roger Vadim, Lawrence Kasdan, Richard Farnsworth, Vera Miles, Irene Papas, Clu Gulager, Jonathan Demme, Carl Gottlieb

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kopfüber in die Nacht“

Wikipedia über „Kopfüber in die Nacht“ (deutsch, englisch)

New York Times: Vincent Canby über “Into the Night” (22. Februar 1985)

Fast Rewind über “Into the Night”

Strange Conversation über “Into the Night” (16. Mai 2007)

Blog über “Into the Night”


TV-Tipp für den 31. August: Scanners – Ihre Gedanken können töten

August 31, 2017

Arte, 23.25

Scanners – Ihre Gedanken können töten (Kanada 1981, Regie: David Cronenberg)

Drehbuch: David Cronenberg

Das Frühwerk von David Cronenberg (geb. 15. März 1943) ist vielleicht nicht sein bester Film (er schrieb während des Drehs das Drehbuch), aber mit der Idee der durch Gedankenkraft explodierenden Köpfe hat er ein Bild geschaffen, das sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Auch wenn man niemals den Film gesehen hat.

Die Story selbst ist eine ziemlich verwirrende Geschichte um sich bekämpfende Gruppen von telepathisch besonders begabten Menschen, Scanner genannt, wie sie ihre Fähigkeiten einsetzen und einem bösen Konzern, der die Scanners für ihre Interessen ausnutzen will.

mit Jennifer O’Neill, Stephen Lack, Patrick McGoohan, Lawrence Dane, Michale Ironside, Robert A. Silverman

Wiederholung: Freitag, 8. September, 01.05 Uhr (Taggenau!; davor, um 23.35 Uhr zeigt Arte den Cronenberg-Film „Die Brut“)

Hinweise

 Turner Classic Movies über „Scanners“

Rotten Tomatoes über „Scanners“

Wikipedia über „Scanners“ (deutsch, englisch) 

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014) (und die DVD-Kritik)

David Cronenberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Januar: Eine dunkle Begierde

Januar 7, 2017

3sat, 23.30
Eine dunkle Begierde (A dangereous method, Deutschland/Kanada/Großbritannien/Schweiz 2011)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Christopher Hampton (nach dem Roman „A dangerous method“ von John Kerr und dem Theaterstück „The talking cure“ von Christopher Hampton)
Auf Tatsachen basierender Film über die Beziehung zwischen C. G. Jung, seiner Patientin Sabina Spielrein (die später eine geachtete Psychologin wird) und Sigmund Freud.
Ein toller Schauspielerfilm, der aber mehr wie eine besonders gute Arte-Produktion und weniger wie ein David-Cronenberg-Film wirkt.
mit Viggo Mortensen, Keira Knightley, Michael Fassbender, Vincent Cassel, Sarah Gadon, André Hennicke, Arndt Schwerin-Sohnrey, Anna Thalbach
Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Eine dunkle Begierde“

Rotten Tomatoes über „Eine dunkle Begierde“

Wikipedia über „Eine dunkle Begierde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014) (und die DVD-Kritik)

David Cronenberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Tom Fords „Nocturnal Animals“

Dezember 22, 2016

Susan Morrow (Amy Addams) erhält von ihrem Ex-Mann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal), von dem sie seit Jahren nichts gehört hatte, ein Exemplar seines noch nicht veröffentlichten Debütromans „Nocturnal Animals“. Während die Kunsthändlerin den Kriminalroman liest, erinnert sie sich an ihre Beziehung zu Edward.

Der zweite Spielfilm des bekannten Modedesigners und „A single Man“-Regisseurs Tom Ford „Nocturnal Animals“ ist ein durchgehend elegantes Werk, das sich formschön und funktionell zwischen den verschiedenen Ebenen bewegt ohne jemals zu verunsichern. Alles, jeder Erzählstrang, jede Szene, jedes Bild, ist sauber voneinander getrennt, eindeutig in jeder Beziehung und es überfordert niemanden. Auch wenn Jake Gyllenhaal eine Doppelrolle spielt. Er ist Susans Ex-Mann und der Protagonist des Romans, was verdeutlicht, dass der Roman aus Susans Sicht (aber auch aus Edwards und der Sicht des Zuschauers) eine literarische Verarbeitung ihrer Beziehung ist.

Edward erzählt in seinem Roman letztendlich eine simple Rachegeschichte, für die Stephen King an einem schlechten Tag zwanzig Seiten benötigt hätte. Während einer nächtlichen Autofahrt durch West-Texas werden Tony Hastings und seine Familie von Ray Marcus (Aaron Taylor-Johnson) und seinen Kumpels bedrängt und zu einem Unfall provoziert. Anschließend entführt Marcus Tonys Familie. Als er sie wieder sieht, sind sie tot und Tony möchte sich rächen.

Dass in der Gegenwart Susans Ehemann fremdgeht und damit ihre Vergangenheit und die Fiktion gespiegelt werden, überrascht dann nicht mehr, bringt aber auch keine neuen Erkenntnisse.

Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen. Im Gegensatz zu den Horrorfilmen von David Cronenberg, zum Beispiel „Crash“ oder sein Hollywood-Film „Maps to the Stars“, und zahlreichen anderen Horrorfilmen, in denen die Protagonisten sich mit ihren Ängsten herumschlagen müssen (Hat Susan überhaupt vor etwas Angst? Will sie überhaupt ihr Leben ändern? Verändert die Lektüre des Romans sie irgendwie?). Man fragt sich auch nie, wie bei Olivier Assayas „Die Wolken von Sils Maria“, wo die Grenzen zwischen den verschiedenen Ebenen verlaufen. In „Nocturnal Animals“ sind Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion sauber voneinander getrennte Schubladen.

Dabei ruft Tom Ford in den ersten Filmminuten mit betont ästhetischen Bildern von in Zeitlupe tanzenden, übergewichtigen nackten Frauen beim Zuschauer genau die Verunsicherung hervor, die er später erfolgreich vermeidet.

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Nocturnal Animals (Nocturnal Animals, USA 2016)

Regie: Tom Ford

Drehbuch: Tom Ford

LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)

mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Nocturnal Animals“

Metacritic über „Nocturnal Animals“

Rotten Tomatoes über „Nocturnal Animals“

Wikipedia über „Nocturnal Animals“ (deutsch, englisch)

DP/30 unterhält sich mit Tom Ford

Im AOL Building wird Tom Ford von Amy Addams, Michael Shannon und Aaron Taylor-Johnson unterstützt


Buch- und DVD-Kritik: Ben Wheatleys J.-G.-Ballard-Verfilmung „High-Rise“

November 21, 2016

Die DVD-Veröffentlichung von „High-Rise“ ist eine gute Gelegenheit, sich den Film wieder anzusehen und mit der Vorlage, die zum Filmstart wieder veröffentlicht wurde, zu vergleichen.

Damals schrieb ich über den Film:

Wer sich „High-Rise“ ansieht, ohne irgendetwas über den Film zu wissen, wird glauben, das es sich um einen Film aus den Siebzigern handelt, der bislang von Filmenthusiasten schmählich ignoriert wurde. Denn Ben Wheatley hat seine J.-G.-Ballard-Verfilmung nicht nur, wie den Roman, 1975 angesiedelt, sondern auch die gesamte Optik, die Erzählweise und die Sozialkritik auf diese Zeit fokussiert.

Der Junggeselle Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in ein neues Apartmenthaus ein, in dem es für die Bewohner alles gibt, was sie zum Leben brauchen (Lebensmittelladen) und brauchen könnten (Schwimmbad). Es ist ein mitten im Nirgendwo liegender brutalistischer Betonklotz, den die anzugtragenden Bewohner im Gleichschritt verlassen und betreten. Zurückgezogen auf dem Dach des riesigen, autonomen Gebäudes lebt Royal (Jeremy Irons), der Architekt. Laing lernt einige Bewohner des Komplexes kennen und er wird von Royal in seinen Bekanntenkreis, die vermögenden Bewohner, eingeführt. Währenddessen verfällt die dekadente Hausgesellschaft, garniert mit Sex und Orgien jeglicher Couleur, immer mehr.

High-Rise“ ist ein Sittengemälde einer dekadenten Gesellschaft, die sich selbst feiert. Niemand will die zunehmend aus dem Ruder laufende Party verlassen; auch wenn jeder der Bewohner jederzeit den Komplex verlassen könnte. Aber sie bleiben über Tage und Wochen, immer weiter degenerierend, in einem zunehmend funktionsunfähigem Haus, ohne dass es dafür im Film eine plausible Erklärung gibt. In David Cronenbergs 1975 entstandenem Horrorfilm „Shivers“ (Parasiten-Mörder; Shivers – Der Parasitenmörder), der ebenfalls in einem neuen, hochmodernem und autonomen Wohnkomplex spielt, gibt es eine Erklärung. Der Film spielt innerhalb einer Nacht und das Grauen verbreitet sich rapide. Auch andere grandiose Satiren aus den Siebzigern, wie „Das große Fressen“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“, fallen ein. „Zardoz“, obwohl er als Science-Fiction-Film nicht ganz in diese Reihe passt, kann auch als lose Inspiration genannt werden. Immerhin ist Ben Wheatley ein Fan des Films und der im Film geschilderte Klassenkampf passt dann doch wieder zu dem gesellschaftskritischen Anliegen der vorher genannten Filme. Diese Filme beschreiben auch das Problem von „High-Rise“. Die alten Filme waren, trotz aller Übertreibungen, Fiktionalisierungen und Surrealismen, immer Porträts der Gegenwart. Ihr wurde ein Zerrspiegel vorgehalten. Sie waren Abrechnungen mit der Bourgeoisie, Standesdünkel und der Klassengesellschaft. Sie hatten einen konkreten Gegner. In „High-Rise“ ist dieser Gegner das Großbritannien von 1975, das es Heute nicht mehr gibt. Damit richtet sich Wheatleys Kritik, gerade weil er in jeder Beziehung auf Aktualisierungen verzichtet, an die Vergangenheit, obwohl die im Film angesprochenen Probleme heute nicht nur aktuell, sondern aktueller als damals sind. Genau dieser Punkt macht aus „High-Rise“ eine hoffnungslos veraltet wirkende Stilübung, die die damaligen Filme perfekt imitiert.

Deshalb ist „High-Rise“ eine durchaus in jedem Punkt gelungene, sehr stylische, aber seltsam überholt wirkende Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft mit einer aus heutiger Sicht schnell erkennbaren und eher platten Botschaft, die 1975 vielleicht noch revolutionär war.

Da war David Cronenberg 1996 mit seiner J.-G.-Ballard-Verfilmung „Crash“ schon weiter.

Hm, vielleicht verkläre ich „Crash“ etwas zu sehr. Jedenfalls konnte James Graham Ballard die Verfilmung seines Romans „High-Rise“ nicht mehr sehen. Er starb bereits 2009. Aber wahrscheinlich hätte ihm gefallen, wie Buch und Film in einem seltsamen und produktivem Spannungsverhältnis stehen.

Der Roman ist eindeutig ein Kind seiner Zeit und dass das Hochhaus eine Metapher für die englische Klassengesellschaft ist, wird von Ballard so oft im Roman betont, dass auch der letzte Trottel es versteht. In dem Roman ignorieren die Hochhausbewohner von der ersten Seite an die Regeln der Zivilisation; fast so, als seien sie vom Haus in seinen Bann gezogen. Im Gegensatz zum Film gibt es daher im Roman keine wirkliche Verfallsgeschichte (auch wenn es auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht immer schlimmer wird), sondern primär eine Zustandsbeschreibung. Ballard erzählt die Romangeschichte zwar chronologisch, aber mehr wie eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten und Impressionen mit verschiedenen, wiederkehrenden Hauptcharaktere. Deshalb verschwinden der neu zugezogene Dr. Robert Laing, der Fernsehjournalist Richard Wilder und der Architekt Anthony Royal immer wieder für ganze Kapitel aus dem Roman. In dem Roman ist auch nachvollziehbarer als im Film, wo wir immer wieder sehen, dass die Bewohner einfach flüchten könnten, warum sie im Hochhaus bleiben. Einerseits, weil das Haus eine seltsame Faszination auf sie ausübt, weil es die Welt der Bewohner ist und weil das Hochhaus eine Metapher für die Klassengesellschaft ist, aus der man auch nicht flüchten kann. Aber die unteren Schichten können gegen die oberen Schichten (vulgo Stockwerke) revolutionieren. Insofern ist der Roman zeitloser als der Film, der, wegen seiner Bilder, immer wie ein Relikt aus der Vergangenheit, als man noch stilvoll dekadent sein konnte, wirkt.

Aber verdammt edel, suggestiv und sehr stilbewusst zelebriert Ben Wheatley den Verfall der Zivilisation.

Dabei kann man schnell vergessen, dass die Weltsicht, die Botschaft und die Gesellschaftsanalyse heute immer noch gültig sind.

Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde zwar üppig ausgefallen. Aber in diesem Fall schlägt Quantität Qualität. Es gibt ein kurzes, angesichts der literarischen Bedeutung von Ballard und der Schwierigkeiten der Verfilmung ein erschreckend belangloses Featurette „Vom Roman zum Film“ (3:38 Minuten) und etliche während der Dreharbeiten für die Werbung erstellte Interviews mit Tom Hiddleston (9:32 Minuten), Jeremy Irons (9:54 Minuten, der etwas unkonzentriert wirkt), Luke Evans (10:05 Minuten, begeistert im Oliver-Reed-Look), Sienna Miller (4:33 Minuten), Elisabeth Moss (3:47 Minuten), Regisseur Ben Wheatley (13:05 Minuten, der etliche Hintergründe zur Produktion und zum Film erklärt) und Set-Designer Mark Tildesley (4:59 Minuten), die alle begeistert vom Drehbuch sind, Fans von Ben Wheatley sind und die tolle Stimmung am Set loben, nachdem sie den von ihnen gespielten Charakter vorgestellt haben.

high-rise-dvd-cover

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

DVD

DCM World

Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro

Es handelt sich um die revidierte Fassung der 1992 im Suhrkamp Verlag als „Hochhaus“ erschienenen Übersetzung.

Im Heyne Verlag erschien 1982 als „Der Block“ eine Übersetzung des Romans von Walter Brumm.

Originalausgabe

High-Rise

Jonathan Cape, 1975

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015)

Im AOL Building stehen Tom Hiddleston, Sienna Miller, Luke Evans und Ben Wheatley Rede und Antwort

„Film Night“ Paul Jensen unterhält sich mit Ben Wheatley über sein neuestes Werk


Neu im Kino/Filmkritik: „High-Rise“ – eine Wohnung in der Paradies/Hölle

Juni 30, 2016

Wer sich „High-Rise“ ansieht, ohne irgendetwas über den Film zu wissen, wird glauben, das es sich um einen Film aus den Siebzigern handelt, der bislang von Filmenthusiasten schmählich ignoriert wurde. Denn Ben Wheatley hat seine J.-G.-Ballard-Verfilmung nicht nur, wie den Roman, 1975 angesiedelt, sondern auch die gesamte Optik, die Erzählweise und die Sozialkritik auf diese Zeit fokussiert.

Der Junggeselle Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in ein neues Apartmenthaus ein, in dem es für die Bewohner alles gibt, was sie zum Leben brauchen (Lebensmittelladen) und brauchen könnten (Schwimmbad). Es ist ein mitten im Nirgendwo liegender brutalistischer Betonklotz, den die anzugtragenden Bewohner im Gleichschritt verlassen und betreten. Zurückgezogen auf dem Dach des riesigen, autonomen Gebäudes lebt Royal (Jeremy Irons), der Architekt. Laing lernt einige Bewohner des Komplexes kennen und er wird von Royal in seinen Bekanntenkreis, die vermögenden Bewohner, eingeführt. Währenddessen verfällt die dekadente Hausgesellschaft, garniert mit Sex und Orgien jeglicher Couleur, immer mehr.

High-Rise“ ist ein Sittengemälde einer dekadenten Gesellschaft, die sich selbst feiert. Niemand will die zunehmend aus dem Ruder laufende Party verlassen; auch wenn jeder der Bewohner jederzeit den Komplex verlassen könnte. Aber sie bleiben über Tage und Wochen, immer weiter degenerierend, in einem zunehmend funktionsunfähigem Haus, ohne dass es dafür im Film eine plausible Erklärung gibt. In David Cronenbergs 1975 entstandenem Horrorfilm „Shivers“ (Parasiten-Mörder; Shivers – Der Parasitenmörder), der ebenfalls in einem neuen, hochmodernem und autonomen Wohnkomplex spielt, gibt es eine Erklärung. Der Film spielt innerhalb einer Nacht und das Grauen verbreitet sich rapide. Auch andere grandiose Satiren aus den Siebzigern, wie „Das große Fressen“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“, fallen ein. „Zardoz“, obwohl er als Science-Fiction-Film nicht ganz in diese Reihe passt, kann auch als lose Inspiration genannt werden. Immerhin ist Ben Wheatley ein Fan des Films und der im Film geschilderte Klassenkampf passt dann doch wieder zu dem gesellschaftskritischen Anliegen der vorher genannten Filme. Diese Filme beschreiben auch das Problem von „High-Rise“. Die alten Filme waren, trotz aller Übertreibungen, Fiktionalisierungen und Surrealismen, immer Porträts der Gegenwart. Ihr wurde ein Zerrspiegel vorgehalten. Sie waren Abrechnungen mit der Bourgeoisie, Standesdünkel und der Klassengesellschaft. Sie hatten einen konkreten Gegner. In „High-Rise“ ist dieser Gegner das Großbritannien von 1975, das es Heute nicht mehr gibt. Damit richtet sich Wheatleys Kritik, gerade weil er in jeder Beziehung auf Aktualisierungen verzichtet, an die Vergangenheit, obwohl die im Film angesprochenen Probleme heute nicht nur aktuell, sondern aktueller als damals sind. Genau dieser Punkt macht aus „High-Rise“ eine hoffnungslos veraltet wirkende Stilübung, die die damaligen Filme perfekt imitiert.

Deshalb ist „High-Rise“ eine durchaus in jedem Punkt gelungene, sehr stylische, aber seltsam überholt wirkende Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft mit einer aus heutiger Sicht schnell erkennbaren und eher platten Botschaft, die 1975 vielleicht noch revolutionär war.

Da war David Cronenberg 1996 mit seiner J.-G.-Ballard-Verfilmung „Crash“ schon weiter.

High Rise - Plakat

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Pünktlich zum Filmstart erscheint „High-Rise“ in einer neuen deutschen Ausgabe

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: Über Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“

Juni 23, 2016

Schöne Menschen, schöne Bilder, schöne Musik, schön langweilig ist im Fall von „The Neon Demon“ das Ergebnis. In seinem neuen Film erzählt Nicolas Winding Refn von der jungen Jesse (Elle Fanning) die nach Los Angeles kommt. Die Sechzehnjährige (behauptet sie) aus Georgia will ein Model werden und gerät in eine albtraumhaft-surreale Welt.

Das erste, was in einem Alptraum ignoriert wird, ist die Logik. Das nächste eine stringent aufgebaute Geschichte. Auch in „The Neon Demon“ reihen sich die Episoden beliebig aneinander, lose aufgehängt an Jesses Geschichte von ihrem ersten Shooting zum nächsten Shooting. Es ist eine Welt, in der sich alles um Schönheit dreht und die Verfallszeit von Schönheit enorm kurz ist, wie ihr einige etwas ältere Models verraten.

Die Episoden aus Jesses Leben könnten auch, wie Szenen in einer Kunstinstallation, in irgendeiner anderen Reihenfolge gesehen werden. Sie bleiben abstrakte Stimmungsbilder, die ständig Signale aussenden, die im Film nicht weiterverfolgt werden. Die Modewelt! Hollywood! Die dunkle Seite von Hollywood, die in zahlreichen Krimis porträtiert wurde. Es ist die Welt, die David Lynch in „Mulholland Drive“ und „Lost Highway“ oder David Cronenberg in „Maps to the Stars“ ungleich pointierter, gelungener, stringenter, mitreisender, vielschichtiger, ambivalenter, abstrakter und dennoch konkreter zeigen.

Bei Refn ist sie nur eine Welt von zusammenhanglosen Zeichen, Signalen für beliebige Interpretationen und Szenen, die mal mehr, mal weniger als Tableau angeordnet sind, die ihr Leben eher auf einer Doppelseite eines Modemagazins entfalten. Es ist eine tote Welt. Hinter der Oberfläche lauert hier einfach nur die von keinem tieferem Gedanken getrübte Leere. Denn die Erkenntnis, dass die Modewelt oberflächlich ist, ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Falls das überhaupt die Erkenntnis ist, die Refn uns mitgeben will.

Denn am Ende von „The Neon Deom“ bleibt nur das Gefühl, dass Refn einem etwas wirklich wichtiges mitteilen wollte. Aber er will seine Botschaft – sofern er überhaupt irgendeine hat – nicht mehr in eine Geschichte packen. So sagt er im Presseheft, er habe einen Film über die Schönheit machen wollen. Er habe einen Horrorfilm machen wollen, in dem alle wichtigen Horrorfilmelemente enthalten seien, aber nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge. Er habe sich gefragt, ob es möglich sei, einen Horrorfilm ohne den Horror zu machen.

Nun, letzteres ist ihm gelungen; wobei sich natürlich die Frage stellt, warum man einen Horrorfilm ohne Horror machen will oder man Horrorfilmelemente in der falschen Reihenfolge präsentieren will.

The Neon Demon“ ist als Symphonie von Bildern und Tönen, die man an sich vorbeiziehen lässt, nicht ohne Reiz. Wenn man sich nicht darauf einlassen will oder kann, wenn man versucht über das Werk nachzudenken, ist es prätentiöser, Wichtigkeit behauptender Quark, optisch gelungen präsentiert.

The Neon Demon - Plakat

The Neon Demon (The Neon Demon, USA/Frankreich/Dänemark 2016)

Regie: Nicolas Winding Refn

Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Mary Laws, Polly Stenham (nach einer Geschichte von Nicolas Winding Refn)

mit Elle Fanning, Jena Malone, Bella Heathcote, Abbey Lee, Karl Glusman, Chrstina Hendricks, Keanu Reeves, Allessandro Nivola

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Neon Demon“

Metacritic über „The Neon Demon“

Rotten Tomatoes über „The Neon Demon“

Wikipedia über „The Neon Demon“

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)


TV-Tipp für den 5. Dezember: Tödliche Versprechen – Eastern Promises

Dezember 5, 2015

Bevor Steven Knight „Im Rausch der Sterne“ war, gab er

Eins Festival, 22.00

Tödliche Versprechen – Eastern Promises (Großbritannien/USA/Kanada 2007, Regie: David Cronenberg)

Drehbuch: Steven Knight

Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.

Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.

Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).

„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.

mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel

Wiederholung: Donnerstag, 9. Dezember, Eins Plus, 22.15 Uhr

Hinweise

Steven Knight: Eastern Promises (Drehbuch)

Englische Homepage zum Film (umfangreich; mit Hintergrundtexten und Filmausschnitten)

Deutsche Homepage zum Film (die Readers Digest-Version; dafür mit einem Cronenberg-Interview)

Film-Zeit über den Film

Die „taz“ redet mit David Cronenberg über „Tödliche Versprechen“

Wikipedia über „Tödliche Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)


TV-Tipp für den 13. Juli: Kopfüber in die Nacht

Juli 12, 2015

Arte, 20.15

Kopfüber in die Nacht (USA 1985, Regie: John Landis)

Drehbuch: Ron Koslow

Ed Okin kann einfach nicht einschlafen. Also fährt er ins Flughafenparkhaus, eine Frau springt zuerst auf seine Motorhaube, dann auf seinen Beifahrersitz und fordert ihn auf, möglichst schnell abzuhauen. Denn sie wird von einigen Killern verfolgt. Ed gibt Gas und erlebt eine aufregende Nacht.

Grandiose Komödie mit einer gehörigen Portion Slapstick, viel Schwarzer Serie und einem beeindruckendem Aufgebot von Stars, die niemand kennt, weil sie als Kollegen von „Blues Brothers“-Regisseur John Landis hauptsächlich hinter der Kamera stehen (und standen).

„Landis (…) ist wieder ein amüsantes Vexierspiel aus ironisch montierten Versatzstücken unterschiedlicher Genres gelungen, das häufig augenzwinkernd mit Zitaten spielt.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Eine sträflich unterschätzte, selten gezeigte Filmperle

Mit Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, Stacey Pickren, David Bowie, Dan Aykroyd, David Cronenberg, John Landis, Waldo Salt, Bruce McGill, Rick Baker, Colin Higgins, Daniel Petrie, Paul Mazursky, Jonathan Lynn, Paul Bartel, Carl Perkins, Don Siegel, Jim Henson, Jack Arnold, Amy Heckerling, Roger Vadim, Lawrence Kasdan, Richard Farnsworth, Vera Miles, Irene Papas, Clu Gulager, Jonathan Demme, Carl Gottlieb

Wiederholung: Freitag, 17. Juli, 01.25 Uhr (Taggenau! – Für Eds Leidensgenossen)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kopfüber in die Nacht“

Wikipedia über „Kopfüber in die Nacht“ (deutsch, englisch)

New York Times: Vincent Canby über “Into the Night” (22. Februar 1985)

Fast Rewind über “Into the Night”

Strange Conversation über “Into the Night” (16. Mai 2007)

Blog über “Into the Night”


DVD-Kritik: Julianne Moore sucht die „Maps to the Stars“

März 9, 2015

Während in den USA David Cronenbergs neuer Film gerade in den Kinos anläuft, erscheint er bei uns schon auf DVD – und ich nehme die Gelegenheit wahr, mir den Film wieder ansehen und meine erste Meinung zu überprüfen.
Zum Kinostart schrieb ich:

Natürlich muss in einem Film nicht alles logisch sein. Manchmal muss man halt die Logik links liegen lassen und wenn der Rest stimmt, habe ich als alter Alfred-Hitchcock-Fan kein Problem damit. Auch eine Abfolge absurder Zufälle kann ich akzeptieren. Wenn der Rest stimmt.
In David Cronenbergs neuem Film „Maps to the Stars“ gibt es eine überschaubare Zahl absurder Zufälle, aber viel zu viele vollkommen unlogische Momente; sowohl in der Realität als auch in der Fantasie und wie beide Welten miteinander zusammenhängen. Denn „Maps to the Stars“ spielt in Hollywood. Die Traumfabrik ist natürlich Thema des Films und fast alle Charaktere haben Probleme mit der Realität. Sie haben immer wieder Visionen und Geister hängen überall herum in der Stadt der Engel. Insofern zeigt Cronenberg wieder einmal eine dystopische Welt, in der Schauspieler von ihren Alpträumen verfolgt werden und sie ein gestörtes Verhältnis zu sich und ihrem Körper haben.
So will Havanna Segrand (Julianne Moore), deren Karriere vor sich hin dümpelt, in einem Biopic unbedingt ihre Mutter, zu der sie keine gute Beziehung hatte, spielen. In ihren Tagträumen wird sie von ihrem Geist verfolgt.
Auch der dreizehnjährige Jungstar Benji Weiss (Evan Bird) sieht Geister. Denn der drogensüchtige, frisch aus der Therapie entlassene Kotzbrocken glaubt, dass alle jüngeren Schauspieler ihm die Show stehlen wollen.
Seine Eltern kümmern sich, abgesehen von seiner Karriere, nicht um ihn. Sie pflegen die Fassade des heilen Familienlebens. Benjis Mutter Cristina (Olivia Williams) managt seine Karriere und damit ihr Einkommen. Sein Vater Stafford (John Cusack) ist ein gut verdienender Selbsthilfeguru mit einer TV-Show, der seine Hollywood-Patienten mit einer Gaga-Therapie therapiert, die – immerhin sind wir in einem Cronenberg-Film – an eine Vergewaltigung, bei der das Opfer Geld dafür bezahlt, erinnert.
Ihre Tochter verleugnen sie so gut, dass anscheinend niemand etwas über sie weiß. Sie wurde einfach vor einigen Jahren aus der Familie ausradiert.
Agatha (Mia Wasikowska), die diese Tochter ist, was wir allerdings erst relativ spät im Film erfahren (bis dahin ist sie nur eine junge, schüchterne Frau mit Verbrennungen), kehrt am Filmanfang aus einer geschlossenen Anstalt (auch das erfahren wir erst sehr spät und noch später erfahren wir, warum sie dort war) vom anderen Ende des Landes in einem Greyhound-Bus nach Hollywood zurück, lässt sich von einem Chaffeur (Robert Pattinson), der natürlich in Hollywood Karriere machen möchte, in einer Nobellimousine wie ein Landei, das zum ersten Mal in Hollywood ist, durch die Stadt kutschieren, steigt dann in einem billigem Motel ab und erhält zufällig eine Arbeit bei Havanna Segrand.
Bei ihren Eltern meldet sie sich nicht. Die erfahren auch nur zufällig, dass ihre Tochter wieder zurück ist.
Gerade am Anfang sieht „Maps to the Stars“ wie eine weitere Satire auf Hollywood auf, die gelungen und mit offensichtlichen Anspielungen an Meisterwerke wie Billy Wilders „Sunset Boulevard – Boulevard der Dämmerung“, Robert Altmans „The Player“ oder David Lynchs „Mulholland Drive“ anknüpft. Schon früh bewegt Cronenberg sich allerdings von der Hollywood-Satire weg zu einem Geisterfilm. Plötzlich hängen überall Geister herum und sie erscheinen auch jedem; oft ohne dass ein direkter und konkreter Bezug zu den Taten, Wünschen und Ängsten der Person, die sie sieht, erkennbar ist. Eben diese Beliebigkeit, die eine gute Szene mehr schätzt als eine sinnvolle Gesamtkonstruktion der Geschichte, lässt das Interesse schnell erlahmen. Denn ein irgendwie nachvollziehbarer Ursache-Wirkungszusammenhang ist nicht mehr zu erkennen.
Aber das ist noch nicht die letzte Drehung in dieser Geschichte, die zunächst wie ein Ensemblefilm angelegt ist. Die verschiedenen Plots laufen, ziemlich gewollt, zu einem Porträt einer dysfunktionalen und vollkommen verkorksten Familie zusammen, das allerdings wenig interessiert, weil in dem Moment nur noch ein Anything-goes-Gefühl herrscht. Entsprechend wenig schockierend fallen dann die letzten Enthüllungen der Geheimnisse der Familie Weiss aus.
Sie bestätigen nur den Eindruck, dass Regisseur David Cronenberg und Autor Bruce Wagner („Wild Palms“) nicht wussten, was sie letztendlich erzählen wollten.
Wenn man den Film allerdings als einen surrealen Traum sieht, bei dem nichts wirklich zusammenpasst, bei dem jede Erklärung von dem nächsten Bild sabotiert wird, bei dem man sich nur auf den Augenblick konzentriert, dann entwickelt er sicher ungeahnte Qualitäten.

Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch an Julianne Moore, die vor wenigen Tagen für ihre Rolle in „Still Alice“ den schon lange verdienten Oscar gewonnen hat. Für „Maps to the Stars“ hätte sie ihn, wenn der Film nicht erst vor einigen Tagen regulär in den US-Kinos angelaufen wäre, auch bekommen können. Für die nächste Oscar-Preisverleihung dürfte Cronenbergs Film dann schon etwas zu alt sein.
Und jetzt zu David Cronenbergs „Sunset Boulevard“ (Boulevard der Dämmerung). Auch beim zweiten Sehen ist erschreckend, wie sehr „Maps to the Stars“ in der zweiten Hälfte in sich zusammenfällt. Denn anstatt bei der Hollywood-Satire zu bleiben, wird „Maps to the Stars“ über weite Strecken zu einem Familiendrama, das nicht sonderlich interessiert. Dafür sind die Charaktere zu eindimensional und zu sehr auf Satire getrimmt. Die Enthüllungen aus der Familie Weiss, die uns schockieren sollen, sind in diesen Momenten zu beliebig. Anstatt zu schockieren, lösen sie höchstens das Da-will-aber-jemand-unbedingt-ein-Tabu-brechen-Achselzucken aus. Denn im Gegensatz zu „Chinatown“, wo am Ende Privatdetektiv J. J. Gittes (Jack Nicholson) mit der Fassung ringt, gibt es in „Maps to the Stars“ nur gähnende Langeweile. In diesen Momenten wird die Filmgeschichte nicht mehr von den Charakteren, sondern nur noch vom Willen des Drehbuchautors nach einer einer weiteren Plotwendung vorangetrieben. Also gibt es eine Enttarnung (Inzest!), ein, zwei Morde, Tote und einen erschossenen Hund, dessen Tod von seinem Besitzer wirklich betrauert wird. Im Gegensatz zu all den anderen Toten.
Das ist schade. Denn gerade in der ersten Hälfte gelingen Cronenberg herrlich verdichtete Szenen aus einer sonnigen Vorhölle, in denen alles stimmt.
Das Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus Interviews mit den Beteiligten, die vor dem Filmstart für das EPK (Eletronic Press Kit) gemacht wurden. Deshalb konzentriert es sich weniger auf das Informative, sondern mehr auf das Werbliche. Aber gerade die insgesamt gut 33 Minuten Interviewschnipsel geben auch einige Einblick in die Filmgeschichte, ohne etwas Grundlegendes zu verraten. Immerhin sollen die Interviewclips ja in Berichten über den Film verwandt werden und da wäre es blöd, wenn das Ende verraten würde.
Die beiden Featurettes sind in knapp vier Minuten angesehen und die dreizehn Minuten B-Roll sind halt B-Roll.

Maps to the Stars - DVD-Cover 4

Maps to the Stars (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
mit Julianne Moore, Robert Pattinson, Mia Wasikowska, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Sarah Gadon, Carrie Fisher
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

DVD
MFA
Bild: 1.85:1 (16:)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1, DTS HD 5.1),
Unertitel: Deutsch, SDH (Untertitel für Hörgeschädigte)
Bonusmaterial: Interviews mit David Cronenberg, Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack; Robert Pattinson, Olivia Williams, Evan Bird, Bruce Wagner, Martin Katz; B-Roll; Zwei Featurettes; Zwei TV-Spots; Trailer
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die „Maps to the Stars“-Pressekonferenz vom Toronto International Film Festival (TIFF)



Bonushinweis

Cronenberg - Verzehrt - 4

Immer noch nicht gelesen, aber David Cronenbergs erster Roman „Verzehrt“ erhielt schon einige lobende Worte und ganz schlecht kann er nicht sein. Er erzählt von einer Journalistin und einem Fotograf, die viel miteinander skypen. Sie recherchiert in Paris einen Mordfall: der berühmte Philosoph Aristide soll seine Frau ermordet haben. Er fotografiert in Budapest eine riskante Operation und verliebt sich in die Patientin.
Er drehte auch, obwohl sie nichts Ungewöhnliches zeigen, einige sehr verstörende Trailer zum Buch:

Oder, länger, diesen Kurzfilm „The Nest“:



David Cronenberg: Verzehrt
(übersetzt von Tobias Schnettler)
S. Fischer Verlag, 2014,
400 Seiten
22,99 Euro

Originalausgabe
Consumed
Hamish Hamilton (Penguin Canada Books Inc.), 2014

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Maps to the Stars“
Moviepilot über „Maps to the Stars“
Metacritic über „Maps to the Stars“
Rotten Tomatoes über „Maps to the Stars“
Wikipedia über „Maps to the Stars“ 

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)

David Cronenberg in der Kriminalakte

Und zum Abschluss einige Worte vom Meister. Alle gesprochen im Umfeld der Veröffentlichung von „Verzehrt“:

Er liest aus seinem Roman vor und spricht über ihn (St. Francis College, 2. Oktober 2014)

Ein Gespräch zum Roman „Verzehrt“; nicht nur über den Roman (aufgenommen Ende September in Toronto bei einer öffentlichen Prösentation; Bild und Ton sind – naja):

Und Wired hat sich ebenfalls mit David Cronenberg über seinen Roman unterhalten:

 


TV-Tipp für den 31. Januar: A History of Violence

Januar 31, 2015

Pro7, 23.00

A History of Violence (USA/Kanada 2005, Regie: David Cronenberg)

Drehbuch: Josh Olson

LV: John Wagner/Vince Locke: A History of Violence, 1997 (Graphic Novel)

Tom Stall ist ein gewöhnlicher Schnellrestaurantbesitzer irgendwo in Indiana. Als zwei Killer sein Restaurant ausrauben wollen, tötet er sie im Affekt. Danach ist er der Held des Tages und zwei Mafiosi aus Philadelphia tauchen auf. Sie behaupten, Tom von früher zu kennen. Damals war er ein Mafiakiller und der Philly-Mob habe noch eine Rechnung mit ihm offen.

Ein eiskaltes, klar strukturiertes Noir-Drama von Cronenberg, der hier eine altbekannte Genregeschichte und gleichzeitig viel mehr erzählt.

Das Drehbuch von Josh Olson war für den Edgar-Allan-Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert. „Syriana“ erhielt die Trophäe.

David Cronenbergs neuester Film „Maps to the Stars“ erscheint am 23. Februar (Verleih) und am 3. März (Kauf) auf DVD und Blu-ray mit, unter anderem, etlichen Interviews mit den Hauptdarstellern, Autor Bruce Wagner und David Cronenberg .

Mit Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt

Wiederholung: Sonntag, 1. Februar, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A History of Violence“

Wikipedia über „A History of Violence“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über “A History of Violence”

About.com: Interview mit David Cronenberg über “A History of Violence”

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)


TV-Tipp für den 28. Januar: Eine dunkle Begierde

Januar 28, 2015

Arte, 20.15
Eine dunkle Begierde (A dangereous method, Deutschland/Kanada/Großbritannien/Schweiz 2011)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Christopher Hampton (nach dem Roman „A dangerous method“ von John Kerr und dem Theaterstück „The talking cure“ von Christopher Hampton)
Auf Tatsachen basierender Film über die Beziehung zwischen C. G. Jung, seiner Patientin Sabina Spielrein (die später eine geachtete Psychologin wird) und Sigmund Freud.
Ein toller Schauspielerfilm, der aber mehr wie eine besonders gute Arte-Produktion und weniger wie ein David-Cronenberg-Film wirkt.
Sein neuester Film „Maps to the Stars“ erscheint am 23. Februar (Verleih) und am 3. März (Verkauf) auf Blu-ray und DVD. Als Bonusmaterial sind Interviews mit David Cronenberg, Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Robert Pattinson, Olivia Williams, Evan Bird, Bruce Wagner, Martin Katz; B-Roll; Trailer; Audiodeskription und Untertitel für Hörgeschädigte angekündigt.
mit Viggo Mortensen, Keira Knightley, Michael Fassbender, Vincent Cassel, Sarah Gadon, André Hennicke, Arndt Schwerin-Sohnrey, Anna Thalbach
Wiederholung: Freitag, 30. Januar, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Eine dunkle Begierde“

Rotten Tomatoes über „Eine dunkle Begierde“

Wikipedia über „Eine dunkle Begierde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)


TV-Tipp für den 26. November: Die Brut

November 26, 2014

Tele 5, 02.30
Die Brut (Kanada 1979, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: David Cronenberg
Während eines Sorgerechtsstreit begibt sich Nola Carveth in die Therapie von Dr. Hal Raglan, der ihr am Somafree Institute seine Therapie, die Psychoplasmatik, empfiehlt. Sie soll ihren Zorn und ihre Traumata nicht mehr in sich hineinzufressen, sondern ihnen in körperlichen Reaktionen eine Form geben. Sie fantasiert schrecklich-eklige Killerkinder herbei.
Heute läuft, hübsch zwischen Mitternacht und Morgengrauen versteckt, David Cronenbergs Frühwerk „Die Brut“ erstmals im TV.
Zum deutschen Kinostart 1982 schrieb der Fischer Film Almanach: „Die Horrortaube auf dem Dach – darf man, unbescheiden, gar nicht mehr auf sie warten; muß man schon mit diesem Spatzen zufrieden sein?“
2010 war „Die Brut“ einer der zehn Extra-Tipps in Frank Schnelle/Andreas Thiemanns „Die 50 besten Horrorfilme“: „’Die Brut‘ ist David Cronenbergs Replik auf Hollywoods Scheidungsdrama ‚Kramer gegen Kramer‘ und zugleich eine eigenwillige Verarbeitung autobiographischer Erlebnisse. (…) Eine schaurige, beklemmende, verstörende Fantasie.“
Und, das war zwischen „Rabid – Der brüllende Tod“ und „Scanners – Ihre Gedanken können töten“ nicht vorhersehbar, Cronenberg wurde seitdem zu einem anerkannten Regisseur, der auf die wichtigen Filmfestivals eingeladen und abgefeiert wird.
Mit Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Cindy Hinds, Nuala Fitzgerald, Henry Beckman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Brut“

Wikipedia über „Die Brut“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Maps to the Stars“ (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)


TV-Tipp für den 10. April: Die Fliege

April 10, 2014

 

Eins Plus, 23.05

Die Fliege (USA 1986, Regie: David Cronenberg)

Drehbuch: David Cronenberg, Charles Edward Pogue

LV: George Langelaan: The Fly, 1957 (Die Fliege und andere Erzählungen aus der phantastischen Wirklichkeit; Kurzgeschichte)

Biologe Seth erforscht den molekularen Transport von Lebewesen (vulgo „beamen“). Bei einem Versuch transportiert er sich selbst und eine Fliege von dem einen Teleporter zum nächsten. Die, von David Cronenberg, liebevoll bis zum letzten Detail ausgemalte Konsequenz, ist, dass Seth und die Fliege immer mehr zu einem Wesen werden.

Grandioses Remake von einem Science-Fiction-Horrorfilmklassiker, der von Cronenberg vom Kopf auf die Füße gestellt wurde.

mit Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz, Jay Boushel, David Cronenberg

Wiederholung: Freitag, 11. April, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Fliege“

Wikipedia über „Die Fliege“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

 


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