DVD-Kritik: Francis Ford Coppola meldet sich mit „Twixt – Virginias Geheimnis“ zurück

Dezember 7, 2012

Während Steven Spielberg immer noch einen Kassenknüller nach dem nächsten in die Kinos bringt und auch Martin Scorsese fast im Jahrestakt ein neues Meisterwerk nach dem nächsten heraushaut, hat Francis Ford Coppola sich in den vergangenen zwanzig Jahren als Regisseur fast vollkommen vom Filmgeschäft zurückgezogen. Die siebziger Jahre waren seine große Zeit: „Der Pate“, „Der Dialog“, „Der Pate II“ und „Apocalypse Now“. 1982 landete er mit „One from the heart“ einen so großen Flop, dass er die nächsten Jahre mit „Rumble Fish“, „The Outsider“, „Cotton Club“, „Peggy Sue hat geheiratet“, „Der steinerne Garten“, Tucker“ und „Der Pate III“ Schadensbegrenzung betrieb und versuchte, Geld für sein American-Zoetrope-Studio reinzuholen. Künstlerisch war das Jahrzehnt ziemlich durchwachsen, aber im Rückblick sind die Filme nicht so schlecht, wie sie damals von der Kritik gemacht wurden. In den Neunzigern kamen dann nur noch „Bram Stokers Dracula“, „Jack“ (Hat den jemand gesehen?), die biedere John-Grisham-Verfilmung „Der Regenmacher“ und der Science-Fiction-Film „Supernova“ (auch bekannt als der SF-Film, der eine so vermurkste Produktionsgeschichte hatte, dass das Ergebnis zwar Mist, aber erstaunlich ansehbarer Mist ist; vor allem wenn man darüber rätselt, welcher Regisseur für welchen Teil verantwortlich ist). Seitdem drehte er, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, „Jugend ohne Jugend“, „Tetro“ (bislang keine deutsche Veröffentlichung) und jetzt „Twixt“; – und auch „Twixt – Virginias Geheimnis“ würde ohne Coppolas Namen niemand interessieren. Denn der Film ist, optisch durchaus ansprechend inszeniert, kruder, kaum unterhaltsamer Unfug mit einigen bekannten Schauspielern. Es ist wie das verkochte Restemenü in einem Restaurant: da kann der Kellner sich noch so viel Mühe geben, es schmeckt nicht und es macht auch nicht satt. Und dass der Koch früher Mal in einem Sterne-Restaurant der Küchenchef war, mag man gar nicht glauben.

Denn die von Francis Ford Coppola geschriebene Geschichte taugt höchstens für eine ganz schlechte, halbstündige „Twilight Zone“-Episode: der Horrorromanautor Hall Baltimore (Val Kilmer im Straight-to-DVD-Modus) trifft in einer Kleinstadt auf Ortssheriff Bobby LaGrange (Bruce Dern), der ihm von einer geheimnisvollen Mordserie erzählt. Baltimore will zwar zunächst möglichst schnell weg, aber nachdem er einen Blick auf sein Bankkonto geworfen hat, sieht er die Möglichkeit, die Morde, garniert mit einigen Vampiren, als Inspiration für seinen nächsten Roman zu benutzen. Während er enorme Mengen Alkohol konsumiert, fantasiert er sich in seinen Träumen Begegnungen mit dem Geistermädchen V (Elle Fanning), vergangenen Morden und Edgar Allen Poe (Ben Chaplin), der auch mal eine Nacht in dem Kaff verbrachte, zusammen. Nur Vampire erscheinen ihm nicht im Traum.

Und während man während des Ansehens von „Twixt“ noch verzweifelt versucht, einen Sinn und interessante Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen zu finden, muss man am Ende feststellen, dass „Twixt“ hundertprozentig an die Roger-Corman-Schule, abzüglich Sex und Gewalt, anknüpft und damit wäre Francis Ford Coppola wieder bei seinen Anfängen gelandet, als er für Roger Corman für wenig Geld, aber dafür mit Resten aus anderen Filmen, seine ersten Gehversuche im Filmgeschäft machte.

Twixt - DVD-Cover

Twixt – Virginias Geheimnis (Twixt, USA 2011)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Francis Ford Coppola

mit Val Kilmer, Bruce Dern, Elle Fanning, Ben Chaplin, Joanne Whalley, David Paymer, Tom Waits (Erzähler im Original)

DVD

Pandastorm/Studiocanal

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Twixt“

Wikipedia über „Twixt“

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (Apocalypse Now, USA 1979 – die „Full Disclosure“-Blu-ray)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

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DVD-Kritik: „Hammett“, ein Film von Wim Wenders, produziert von Francis Ford Coppola, nach einem Roman von Joe Gores

Dezember 14, 2011

So ganz unrecht haben die nicht, die meinen, ‚Hammett‘ sei Wenders‘ bester Film. Er ist aber zugleich, und so war das erste Urteil nicht ganz falsch, auch sein unpersönlichster“, fasste der Fischer Film Almanach damals, nachdem der Film im Mai 1982 in Cannes und im Oktober 1982 in Hof gezeigt und im Januar 1983 im Kino anlief, salomonisch die Diskussion im deutschen Feuilleton zusammen.

In seinem US-Debüt erzählt Wim Wenders eine erfundene Geschichte mit und über Dashiell Hammett. Der Ex-Privatdetektiv Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy Ryan um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Schnell befindet Hammett sich in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist und das sehr an seine Geschichten, die alle von seiner Arbeit als Privatdetektiv beeinflusst waren, erinnert.

Mit „Hammett“ war Wenders in Hollywood angelangt. Nach „Alice in den Städten“, „Falsche Bewegung“, „Im Lauf der Zeit“ und „Der amerikanische Freund“ war er einer der anerkannten und auch beim Publikum beliebten Regisseure des Neuen Deutschen Films. Er hatte auch immer nach Hollywood geschielt. Am deutlichsten in seiner Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der amerikanische Freund“ mit Dennis Hopper und den „Hollywood“-Regisseuren Nicholas Ray und Samuel Fuller.

Als dann der Ruf aus Hollywood von Francis Ford Coppola, der sein mit den ersten beiden „Paten“-Filmen und mit „Apocalypse Now“ verdientes Geld in seiner Produktionsfirma und Studio American Zoetrope investierte, kam, konnte Wim Wenders nicht absagen.

Denn Coppola schien ein Geistesverwandter zu sein. American Zoetrope war seine Vision eines Künstlerkollektivs, das auch die neuesten Techniken ausprobiert und die visionären Filme macht, die in den Hollywood-Studios nicht produziert wurden.

Das Wenders‘ angebotene Projekt, die Verfilmung eines hochgelobten Krimis von Joe Gores über Dashiell Hammett, der geschickt Fakten mit Fiktion verwebt, schien für Wenders, der auch ein Fan von Hammett und der Schwarzen Serie ist, ein Traumprojekt zu sein. Obwohl ein Noir eine erzählerische Disziplin erfordert, die Wenders sonst nicht hat.

Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung. Denn im Gegensatz zu seinem Status als Autorenfilmer, der das Drehbuch schrieb und den Endschnitt hatte, war er in Hollywood Teil einer Maschinerie. Es gab mehrere verschiedene Drehbücher. Joe Gores schrieb die erste Fassung. Krimi-Autor Ross Thomas schrieb die letzte Fassung. Es gab, anderthalb Jahre nach dem Ende der Dreharbeiten einen exzessiven Nachdreh. Der Film wurde nicht, wie Wenders es gerne getan hätte, wie die Filme der Schwarzen Serie, in Schwarzweiß, sondern in Farbe gedreht. Er musste mit einem fremden Team arbeiten. Es gab mit Coppola Auseinandersetzungen über die Konzeption des Films. Während Wenders an „Hammett“ arbeitete, drehte die Dokumentation „Nick’s Film – Lightning Over Water“ und „Der Stand der Dinge“, seine persönliche Verarbeitung der desillusionierenden Dreharbeiten für „Hammett“. Denn Wenders hatte sich seine Ankunft in Hollywood ganz anders vorgestellt.

Als „Hammett“ in Cannes seine Premiere erlebte, waren die deutschen Kritiker, die von den Problemen gehört hatten, enttäuscht. Denn „Hammett“ ist viel näher an den Filmen der Schwarzen Serie, dem „Malteser Falken“ und „Tote schlafen fest“, als an „Falsche Bewegung“ und „Im Lauf der Zeit“. Von dem feinfühligen Seelenforscher, dem Chronisten von an sich zweifelnden Männern war in dieser Hollywood-Produktion, die auch noch in Kulissen gedreht wurde (obwohl Wenders normalerweise vor Ort dreht und auch „Hammett“ vor Ort drehen wollte) nichts zu spüren. Das Roadmovie „Paris, Texas“ war dann sein Amerika-Film, der die Kritiker zu Jubelstürmen hinriss.

Auch heute, fast dreißig Jahre nach der Premiere, ist „Hammett“ immer noch ein Solitär in Wenders‘ Filmographie. Danach drehte er „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“, die Fortsetzung „In weiter Ferne, so nah!“, das überlange „Bis ans Ende der Welt“, das zwiespältige „Am Ende der Gewalt“, die überraschend gelungene Post-9/11-USA-Bestandsaufnahme „Land of Plenty“, einige Werke, die ich inzwischen aus meinem Gedächtnis gelöscht habe, und zahlreiche, auch kommerziell überaus erfolgreiche Dokumentarfilme, wie „The Buena Vista Social Club“ und „Pina – ein Tanzfilm in 3D“.

Doch in keinem dieser Filme verschwand der Autorenfilmer Wim Wenders so sehr hinter dem Handwerker, der dann doch wieder einige persönliche Themen in einen Genrefilm schmuggelte.

Denn selbstverständlich ist der Privatdetektiv auch ein Alter ego des Künstlers in einer für ihn undurchschaubaren Welt. Das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion und die Frage nach der Integrität Hammetts als Detektiv und Autor sind auch Fragen, mit denen Wim Wenders sich in seinen Filmen immer wieder beschäftigte.

In dem Edgar-nominierten „Hammett“ wird diese Geschichte als deutliche, zitatreiche Hommage an die Schwarze Serie, die vor lauter Stilbewusstsein vielleicht etwas museal daherkommt, erzählt. Aber trotzdem ist „Hammett“ heute ein Neo-Noir-Klassiker, dessen Qualitäten im Blick zurück und nicht nach vorne liegen.

Die DVD-Ausgabe ist arg sparsam ausgefallen. Sogar auf den Trailer wurde verzichtet. Dabei hätten Coppola und Wenders bei „Hammett“ sicher einiges erzählen können.

Hammett (Hammett, USA 1982)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope

LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)

Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Silvia Sydney, Jack Nance, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)

DVD

Arthaus/StudioCanal

Bild: 1,85:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Mono DD), Englisch (Stereo DD)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Vorlage

Joe Gores: Hammett

G. P. Putnam’s Sons, 1975

Deutsche Ausgaben

Dashiell Hammetts letzter Fall (Goldmann Verlag, 1978)

Hammett (Unionsverlag, 2007, überarbeite Übersetzung)

Hinweise

Wikipedia über „Hammett“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Wim Wenders in der Kriminalakte

Wikipedia über Joe Gores

Thrilling Detective über Joe Gores

Joe Gores: Why I write Mysteries

Meine Besprechung von Joe Gores’ „Hammett“ (Hammett, 1975)

Mein Nachruf auf Joe Gores

Joe Gores in der Kriminalakte (mit viel Stoff zu und über Dashiell Hammett)

Dashiell Hammett in der Kriminalakte

Bonus

Wim Wenders beim New York Film Festival 2011

Bei Indiewire schreibt Edward Davis Bericht darüber. Es wurde auch über „Hammett“ gesprochen.

 


DVD-Kritik: Francis Ford Coppola liefert das „Full Disclosure“ für seinen Klassiker „Apocalypse Now“

Oktober 2, 2011

Alles, was Sie schon immer über „Apocalypse Now“ wissen wollte, aber niemals zu fragen wagten, finden Sie in der jetzt erschienenen „Full Disclosure“-Ausgabe des Films. Neben den Extras, die auf früheren US-DVD-Ausgaben des Films enthalten sind, gibt es auch etliche brandneue Extras. In Deutschland sind sie, nachdem in früheren DVD-Ausgaben des Films, die entweder die alte Kino- oder die neuere „Redux“-Fassung im falschen Bildformat und immer ohne nennenswerte Extras, enthielten, alle neu.

Damit gibt es jetzt endlich eine Blu-ray und DVD-Ausgabe (sie ist anscheinend identisch mit der für diese Besprechung angesehenen Blu-ray), die der Bedeutung des Films angemessen ist.

Der Film

Die Filmstory dürfte bekannt sein: Captain Willard (Martin Sheen) soll den durchgeknallten Army-Colonel Kurtz (Marlon Brando) töten. Kurtz hat, abseits aller militärischen Befehle, im Dschungel ein Königtum errichtet. Willard macht sich mit einem kleinen Patrouillenboot auf den Weg in das „Herz der Finsternis“ (so der Titel von Joseph Conrads Novelle, die die Vorlage für den Film war).

Für Coppola stand diese Reise von Willard, die auch so während der Dreharbeiten vom gesamten Filmteam unternommen wurde, für eine Reise immer tiefer in die Geschichte der Menschheit von der Zivilisation zurück zu ihren primitiven Ursprüngen.

Nachdem schon die Dreharbeiten viel länger als geplant gedauert hatten, zog sich auch die Postproduktion endlos hin und in den Zeitungen wurde immer wieder von dem absehbarem finanziellem und künstlerischem Desaster des Regisseurs, der mit „Der Pate“ und „Der Pate 2“ zum Star wurde, geschrieben.

In Cannes zeigte Francis Ford Coppola 1979, als eine Art Vorwärtsverteidigung, eine noch nicht endgültig geschnittene Version des Film. Im Bonusmaterial sagt er, dass sie damals den Film zum ersten Mal vor Publikum zeigten und es weitgehend die auch für die Kinoauswertung geplante Fassung war. Der Film gewann, mit Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, die Goldene Palme.

2001 zeigte Coppola, wieder in Cannes, die fünfzig Minuten längere „Redux“-Version des Films, in der vor allem die Szene mit den französischen Kolonialisten (einige Ausschnitte waren in der 1991 fertiggestellten Dokumentation „Hearts of Darkness“ enthalten), die Szene mit den Playboy-Bunnies in dem vom Sturm verwüsteten Lager, etliche Szenen mit Lt. Col. Kilgore neu und viele kleinere Änderungen enthalten waren.

Diese 200-minütige „Redux“-Version von „Apocalypse Now“ gefällt mir besser als die ursprüngliche Version. „Apocalypse Now Redux“ ist letztendlich kurzweiliger, stringenter und in sich geschlossener als die 150-minütige Version.

Das Bonusmaterial

Von den DVD-Ausgaben neuer Filme wissen wir, dass Masse (sowohl die Länge des Bonusmaterials als auch die anwählbaren Menüpunkte) nichts über die Klasse des Materials aussagen. Bei der „Full Disclosure“-Version von „Apocalypse Now“ stimmt in jedem Fall die Masse. „Über neun Stunden Bonusmaterial“ steht auf dem Cover und das ist sogar tiefgestapelt. Denn die Audiokommentare für den Spielfilm und die spielfilmlange Dokumentation „Hearts of Darkness“ (die hier erstmals in Deutschland auf Blu-ray und DVD veröffentlicht wurde) wurden nicht mitgezählt.

Außerdem stimmt hier auch die Klasse. Denn bis auf ein, zwei kurze Featurettes (von insgesamt unter zehn Minuten Laufzeit) ist das gesamte Bonusmaterial sehr informativ und damit auch sehenswert.

In Deutschland ist, nachdem die vorherigen DVD-Ausgaben letztendlich nur den Film enthielten, wie gesagt, das gesamte Bonusmaterial neu. In den USA erschien einiges schon auf der „Special Edition – The Complete Dossier“-Fassung.

Brandneu sind vor allem zwei jeweils gut einstündigen Interviews von Francis Ford Coppola mit Drehbuchautor John Milius und Hauptdarsteller Martin Sheen und das, mit vielen Bildern vom Casting illustrierte, Gespräch mit Casting Director Fred Roos. Mit Milius unterhält Coppola sich über das Drehbuch und die Vorproduktion. Dabei betont Coppola immer wieder, wie wichtig Milius‘ Drehbuch war und dass etliche der bekannten Szenen und Sätze schon im Drehbuch standen. Mit Sheen unterhält er sich über die Dreharbeiten und das Gespräch wird anekdotischer.

Schon etwas älter sind die Featurettes über die Postproduktion, wozu vor allem das Sound-Design und die Musik gehören, Marlon Brandos T.-S.-Elliot-Rezitation mit Bildern von den Dreharbeiten und ein fast vierzigminütiges Gespräch von Filmkritiker Roger Ebert mit Francis Ford Coppola in Cannes 2001 anlässlich der Premiere der „Redux“-Fassung. Sehenswert, auch wegen der vielen Filmaufnahmen von der Vorbereitung und den Dreharbeiten und den vielen Interviewpartnern (oft für aktuelle Interviews), sind sie alle.

Es gibt, in bescheidener Bildqualität, eine gute halbe Stunde, zusätzlicher Szenen und den legendären, aber missverständlichen, von Coppola kommentierten, Abspann zur Ursprungsversion von „Apocalypse Now“. Nach den Dreharbeiten mussten sie das Camp von Kurtz vernichten. Coppola meinte, wenn sie es schon abreißen müssten, könnten sie doch auch einige Bilder davon machen. Sie stellten etliche Kameras (auch Infrarotkameras) auf und jagten das Lager in die Luft. Diese Bilder zeigte er dann im Abspann als psychedelische Erfahrung. Das Publikum verstand die Bilder allerdings als zweites Ende, in dem das Lager zerstört wird. Weil das aber nicht seine Absicht gewesen war, entfernte er die Aufnahmen aus dem Abspann und es entstand nach der Cannes-Premiere das Gerücht von den verschiedenen Enden des Films.

Als Ergänzung zu diesem Bonusmaterial gibt es den mit zwei Emmys ausgezeichneten, spielfilmlangen Dokumentarfilm „Hearts of Darkness – Reise ins Herz der Finsternis“. Der Film dokumentiert chronologisch die Dreharbeiten. Coppola hatte während des Drehs seine Frau beauftragt, ein „Making of“ zu drehen, das dann als fünfminütiger TV-Beitrag zum Filmstart gezeigt werden sollte. Weil er für dieses „Making of“ den Endschnitt hatte, durfte Eleanor Coppola viel, auch die künstlerischen Krisen und Selbstzweifel ihres Mannes, aufnehmen. Aus dem Mini-“Making of“ wurde nichts und die Aufnahmen verschwanden im Archiv, bis Fax Bahr und George Hickenlooper davon erfuhren und daraus einen längeren Film, ergänzt um neue Interviews, machen wollten.

Coppola, der die Rechte an den Aufnahmen besaß, war einverstanden und, auch wenn ihm nicht alles an der Dokumentation „Hearts of Darkness“ gefiel, legte er kein Veto gegen die Ausstrahlung ein. Denn, so dachte er, die Dokumentation werde einige Male im Fernsehen laufen und dann vergessen werden. Aber sie wurde immer wieder gezeigt und lief sogar im Kino. Auch in Deutschland gab es, was damals für Dokumentationen selten und für Dokumentationen über Filme noch seltener war, einen Kinostart. Denn „Hearts of Darkness“ zeigt, durchaus kritisch, die Dreharbeiten und einen Regisseur, der zuerst nur einen kleinen, kommerziellen Kriegsfilm drehen wollte, dann über drei Jahre mit 238 Drehtagen im Dschungel verbrachte und Haus und Hof riskierte.

Zu der spielfilmlangen Dokumentation gibt es noch einen 2007 getrennt aufgenommenen Audiokommentar von Eleanor Coppola und ihrem Mann Francis Ford Coppola, der einige Dinge, die ihm falsch dargestellt erschienen, klarstellen wollte. Es geht dabei vor allem um den Herzanfall von Martin Sheen und seine Reaktion gegenüber den Geldgebern in Hollywood darauf.

Ärgerliche Momente

Letztendlich haben mich bei der Blu-ray nur drei Kleinigkeiten gestört:

Ich musste die Blu-rays mit dem Bonusmaterial öfters komplett neu starten, weil ich nur so das nächste Feature abspielen konnte.

Die deutschen Untertitel enthalten erschreckend viele Schreibfehler.

Und, so löblich es auch ist, dass es einen umfangreichen Ausschnitt aus dem Drehbuch mit handschriftlichen Anmerkungen und das Original-Kinoprogramm von 1979 mit einem Vorwort vom Meister höchstpersönlich gibt, so ärgerlich ist es, dass man die Texte nicht vergrößern kann. D. h. erst wenn der Bildschirm groß genug ist, kann auch das Drehbuch gelesen werden.

Apocalypse Now (Apocalypse Now, USA 1979)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Länge: 152 Minuten (Apocalpyse Now)

202 Minuten (Apocalypse Now Redux)

Bonusfilm

Hearts of Darkness – Reise ins Herz der Finsternis (Hearts of Darkness – A Filmmaker’s Apocalypse, USA 1991)

Regie: Fax Bahr, George Hickenlooper, Eleanor Coppola (Regie des Dokumentarmaterials während der „Apocalypse Now“-Dreharbeiten)

Drehbuch: Fax Bahr, George Hickenlooper

Premiere: 17. Mai 1991 (Internationales Filmfestival Cannes, „Un Certain Regard“)

Deutscher Kinostart: 12. März 1992

Länge: 95 Minuten

Blu-ray

Arthaus/Studio Canal

Bild: 2,35: 1 (1080p)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS 2.0 Surround)

Untertitel Disc 1: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Untertitel Disc 2: Deutsch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Russisch, Japanisch

Untertitel Disc 2: Deutsch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Japanisch, Englisch für Hörgeschädigte

FSK: ab 16 Jahre

(DVD identisch)

Das Bonusmaterial – oder was auf den Blu-rays ist:

Disc 1

Apocalypse Now Kinofassung von 1979

Apocalypse Now Redux

Audiokommentar von Francis Ford Coppola

Disc 2

Ein Gespräch mit John Milius (49:45)

Ein Gespräch mit Martin Sheen (59:26)

Fred Roos: Casting Apocalypse (Der Casting Director spricht über den Test hunderter Schauspieler für die verschiedenen Rollen) (11:43)

Radiosendung „The Mercury Theatre on the Air“, 6. November 1938 (Orson Welles liest Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis“) (36:34)

The Hollow Men“ (Marlon Brando rezitiert T.S. Elliots Gedicht mit Szenen aus dem Film und von den Dreharbeiten) (16:56)

Die verlorene Szene aus „Affen auf dem Sampam“ (Eingeborene singen Doors-Song „Light my Fire“) (2:51)

Zusätzliche Szenen (26:08)

Zerstörung des Camps von Kurtz mit Credits und Kommentar von Francis Ford Coppola (6:02)

Die Entstehung des 5.1-Sounds (5:51)

Der Überflug der Geister-Helikopter (Sourround-Design) (3:55)

Apocalypse Now: Der Synthesizer-Soundtrack von Bob Moog (Artikel aus dem Contemporary Keyboard Magazine vom Januar 1980)

Der Schnitt von Apocalypse Now (17:55)

Die Musik von Apocalypse Now (14:44)

Das Sound-Design von Apocalypse Now (15:17)

Die endgültige Mischung (3:07)

Apocalypse damals und heute (Auszug aus einem Interview mit Roger Ebert über beide Versionen des Films) (3:42)

Filmfestival Cannes 2001: Roger Ebert unterhält sich mit Francis Ford Coppola (38:34)

Straßengang auf dem Boot (Vorstellung der Schauspieler von Willards Crew) (4:07)

Die Farbpalette von Apocalypse Now (Doku über den Technicolor-Transfer) (4:05)

Disc Credits

Disc 3

Hearts of Darkness- Reise ins Herz der Finsternis (Dokumentation über die Dreharbeiten)

Audiokommentar von Eleanor und Francis Ford Coppola

Auszug aus dem Drehbuch von John Milius mit Anmerkungen von Francis Ford Coppola

Storyboard-Sammlung (mehr als 200 Zeichnungen) (11:14)

Fotoarchiv (Filmfotos und SW-Fotos von Mary Ellen Mark) (2:37)

Marketing-Archiv (Kinotrailer 1979 [3:54], Radiospots 1979 [2:05], Original-Kinoprogramm von 1979 mit Informationen zur Geschichte des Films und einem Vorwort von Francis Ford Coppola, Kinoplakate und PR-Fotos [3:40], Filmplakate-Galerie [0:27; erstaunlich kurz])

außerdem

24-seitiges Booklet „In the Heart of the Movie“ mit Konzeptzeichnungen, Fotos und einem Vorwort von Francis Ford Coppola zur Full Disclosure Edition (Deutsch und Englisch)

5 SW-Postkarten

Hinweise

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch „Apocalypse Now“ von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)


(Wieder) Neu im Kino/Filmkritik: „Apocalypse Now“, jetzt im „Final Cut“ kurz im Kino

Juli 15, 2019

Vor dem Start des Films sagt der erschreckend schlanke Francis Ford Coppola in einer Videobotschaft, dass der jetzt vorliegende Cut der Final Cut sei. Für die Fassung, die 1979 im Kino lief, schnitt er zu viel heraus. Für die „Redux“-Fassung, die 2001 in Cannes ihre Premiere hatte und anschließend im Kino lief, habe er alles an Material eingefügt, das noch vorhanden war. Das sei zu viel gewesen. Für das vierzigjährige Jubiläum des Films habe er jetzt die richtige Balance zwischen den beiden Fassungen gefunden. Mit etwas über 180 Minuten ist sie fast zwanzig Minuten kürzer als die „Redux“-Fassung (was auch an dem veränderten Abspann liegt) und eine halbe Stunde länger als die Kinofassung.

Wer eine oder beide Fassungen kennt, wird natürlich die Geschichte und ihren Ablauf wieder erkennen.

Captain Willard (Martin Sheen) soll den durchgeknallten Army-Colonel Kurtz (Marlon Brando) töten. Kurtz hat, abseits aller militärischen Befehle, im Dschungel ein Königtum errichtet. Willard macht sich mit einem kleinen Patrouillenboot auf den Weg in das „Herz der Finsternis“. So der Titel von Joseph Conrads Novelle, die die Vorlage für den Film war.

Für Coppola stand diese Reise von Willard, die auch so während der Dreharbeiten vom gesamten Filmteam unternommen wurde, für eine Reise immer tiefer in die Geschichte der Menschheit von der Zivilisation zurück zu ihren primitiven Ursprüngen.

Nachdem schon die Dreharbeiten viel länger und chaotischer als geplant waren, zog sich auch die Postproduktion endlos hin und in den Zeitungen wurde immer wieder von dem absehbarem finanziellem und künstlerischem Desaster des Regisseurs, der mit „Der Pate“ und „Der Pate 2“ zum Star wurde, geschrieben. Das kam mit seinem nächsten Film „Einer mit Herz“ (One from the Heart, USA 1982). Aber das ist eine andere Geschichte.

In Cannes zeigte Francis Ford Coppola 1979, als eine Art Vorwärtsverteidigung, eine noch nicht endgültig geschnittene Version von „Apocalypse Now“. Das war die erste Präsentation des Films vor Publikum. Die Cannes-Fassung war weitgehend die für die Kinoauswertung geplante Fassung. Der Film gewann, mit Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, die Goldene Palme.

2001 zeigte Coppola, wieder in Cannes, die fünfzig Minuten längere „Redux“-Version des Films, in der vor allem die sehr lange Szene mit den französischen Kolonialisten (einige Ausschnitte waren in der 1991 fertiggestellten Dokumentation „Hearts of Darkness“ enthalten), eine Szene mit den Playboy-Bunnies in einem von einem Sturm verwüsteten Lager, etliche Szenen mit Lt. Col. Kilgore neu und viele kleinere Änderungen enthalten waren. Die Kritiken waren euphorisch.

Diese 200-minütige „Redux“-Version von „Apocalypse Now“ ist letztendlich kurzweiliger, stringenter und in sich geschlossener als die 150-minütige ursprüngliche Kinoversion.

Zum vierzigjährigen Jubiläum des Films präsentierte Coppola, dieses Mal auf dem Tribeca Film Festival, seinen „Final Cut“ des Films. Für diese Fassung wurde vom Originalnegativ ein 4K-Scan erstellt, über dreihunderttausend Einzelbilder bereinigt, die Tonspur restauriert und in Dolby Atmos abgemischt. Jetzt höre man, so Coppola, Details, die man vorher nicht hörte. Und er kürzte seinen Film um gut zwanzig Minuten.

Die schon in der ursprünglichen Kinofassung ikonischen Szenen – die Anfangsmontage mit dem Doors-Song „The End“, der Auftritt von Lieutenant Colonel Kilgore (Robert Duvall) und seinem Napalm-Spruch, der Truppenbelustigungsauftritt der Playboy-Bunnies, Dennis Hoppers drogengeschwängerte Reden und Marlon Brandos legendäre Monologe – sind vorhanden. Auch die aus der Redux-Fassung bekannte Begegnung mit den französischen Plantagenbesitzern ist vorhanden.

Im „Final Cut“ haben die Playboy-Bunnies wieder nur einen Auftritt. Für die weiteren Änderungen wird es demnächst bei Schnittberichte.com einen detaillierten Schnittbericht geben.

Die Stimmung des „Final Cut“ erinnert jetzt an Terrence Malicks „Der schmale Grat“ (The thin red line, USA 1998). Martin Sheens Gedanken als Captain Willard begleiten im Voice-Over die psychedelischen Bilder, die nichts von ihrer Faszination verloren haben. Es ist eine Meditation über den Krieg, die den Wahnsinn zeigt, ohne ihn zu verurteilen. Sie macht ihn sogar in einem gewissen Rahmen begehrenswert als einen Raum, in dem die konventionellen Regeln und Moral nicht mehr gelten.

Die 4K-restaurierten überarbeiteten Bilder zeigen auf der großen Leinwand die Grenzen des Ausgangsmaterials. Nach „Apollo 11“ mit seinen brillanten und bis ins letzte Detail scharfen Bildern fällt auf, wo die Detailschärfe nachlässt und wo die Farben etwas blass sind.

Erstaunlicherweise – immerhin gehört „Apocalypse Now“ zu meinen Lieblingsfilmen und ich freute mich auf die Begegnung mit dem Film auf der großen Leinwand – sprach mich diese Fassung am wenigsten an. Ich fand sie zu lang und zu monoton. Auch die Farben hatte ich kräftiger in Erinnerung.

Für mich bleibt nach den drei Stunden des „Final Cut“ die Redux-Fassung, die ich nach der Kinofassung sah, immer noch die stimmigste und kurzweiligste Fassung des Meisterwerks. Und dabei handelt es sich um die längste Fassung.

Trotzdem sollte die Gelegenheit, einen der großen und auch heute noch die Sinne überwältigenden Film auf der Kinoleinwand zu sehen, unbedingt genutzt werden. Auch wenn es der „Final Cut“ und nicht die „Redux“- oder die ursprüngliche Kinofassung ist.

Der „Final Cut“ wird als Kinoevent am Montag, den 15. Juli, gezeigt. Weitere Aufführungen sind nicht ausgeschlossen.

Studiocanal veröffentlicht den „Final Cut“ am 29. August als 4K Ultra HD, Blu-ray und DVD, teils mit umfangreichem Bonusmaterial, teils in limitierten Ausgaben.

P. S. (17. Juli 2019): Über 12.000 Besucher haben sich am Montag in 166 Kinos den Film angesehen. Mit durchschnittlich 72 Besuchern pro Kino hatte der Klassiker den höchsten Besucherschnitt des Tages. In den nächsten Tagen wird der Film weiter im Kino gezeigt werden. Einfach den persönlich bevorzugten Kinofinder konsultieren.

Apocalypse Now (Apocalypse Now, USA 1979)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Länge

152 Minuten (Apocalpyse Now)

202 Minuten (Apocalypse Now Redux)

187 Minuten (Apocalypse Now – Final Cut; bei 24 fps)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Studiocanal über den Final Cut (hier die Blu-ray)

Rotten Tomatoes über „Apocalypse Now“, „Apocalypse Now Redux“ und „Apocalypse Now – Final Cut“

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch „Apocalypse Now“ von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

Ein Ausschnitt aus Francis Ford Coppolas Gespräch über „Apocalypse Now – Final Cut“ (Mehr gibt es im Moment nicht.)


TV-Tipp für den 12. April: Apocalypse Now Redux

April 11, 2019

3sat, 22.00

Apocalypse Now Redux (USA 1979, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.

Klassiker, heute in der längeren und besseren Redux-Fassung.

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Apocalypse Now Redux”

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch “Apocalypse Now” von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. März: Bram Stoker’s Dracula

März 10, 2019

Tele5, 20.15

Bram Stoker’s Dracula (Bram Stoker’s Dracula, USA 1992)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: James V. Hart

LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)

Francis Ford Coppolas Interpretation der bekannten Geschichte von Graf Dracula. Nicht schlecht und allein schon wegen der Besetzung einen Blick wert.

Anschließend, um 22.45 Uhr, zeigt Tele5 mit „Der Exorzist“ (USA 1973) einen weitern Horrorfilmklassiker.

mit Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, Richard E. Grant, Cary Elwes, Bill Campbell, Sadie Frost, Tom Waits, Monica Bellucci

Wiederholung: Dienstag, 12. März, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatos über „Bram Stoker’s Dracula“

Wikipedia über „Bram Stoker’s Dracula“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 27. Dezember: Rumble Fish

Dezember 27, 2018

Arte, 22.25

Rumble Fish (Rumble Fish, USA 1983)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: S. E. Hinton, Francis Ford Coppola

LV: S. E. Hinton: Rumble Fish, 1975 (Kampffische – In den Slums einer amerikanischen Großstadt)

Der Halbstarke Rusty James bewundert seinen älteren Bruder, den vor Jahren spurlos verschwundenen, legendären Motorcycle Boy. Eines Tages kehrt er zurück.

Grandioses, experimentelles Jugenddrama. Coppola nannte seinen Film einen „Kunstfilm für Kinder“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Dillon, Mickey Rourke, Diane Lane, Dennis Hopper, Diana Scarwid, Vincent Spano, Nicolas Cage, Christopher Penn, Laurence Fishburne, William Smith, Tom Waits, Domino (eigentlich Sofia Coppola), S. E. Hinton

auch bekannt als „Rumblefish“ (auch diese Schreibweise wird benutzt)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rumble Fish“

Metacritic über „Rumble Fish“

Turner Classic Movies über „Rumble Fish“

Wikipedia über „Rumble Fish“ (deutsch, englisch)

Homepage von S. E. Hinton

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 2. März: Apocalypse Now Redux

März 2, 2018

3sat, 22.35

Apocalypse Now Redux (USA 1979, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.

Klassiker, heute in der längeren und besseren Redux-Fassung.

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Apocalypse Now Redux”

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch “Apocalypse Now” von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Oh, Schreck! Wissenschaftler examinieren „Horror-Kultfilme“

Januar 29, 2018

Der Titel „Horror-Kultfilme“ ist ein durchaus verständlicher Etikettenschwindel. Denn in dem von Angela Fabris, Jörg Helbig und Arno Rußegger herausgegebenen Sammelband sind nicht unbedingt Horror-Kultfilme versammelt. Außerdem beschwört der Titel sofort die Diskussion herauf, was ein Kultfilm ist und damit auch die Diskussion, warum so viele Kultfilme nicht besprochen werden (zum Beispiel George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ [Night of the Living Dead]) und warum in dem Sammelband bei den zahlreichen „Dracula“- und „Frankenstein“-Filmen ausgerechnet Francis Ford Coppolas „Bram Stoker’s Dracula“ und Mel Brooks „Young Frankenstein“ einer eingehenden Analyse unterzogen werden.

Analyse ist das Stichwort. Denn „Horror-Kultfilme“ ist die Dokumentation einer unlängst vom „Arbeitskreis Visuelle Kultur“ organisierte Ringvorlesung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Eine solche Vorlesungsreihe ist immer ein Kompromiss zwischen dem Gewünschten und dem Machbaren. An Referenten und Themen. Und aus unterschiedlichen analytischen Perspektiven.

Das hat am Ende immer etwas von einer Wundertüte, die, neben den schon erwähnten Aufsätzen (Susanne Bach über „Bram Stoker’s Dracula“, Arno Rußegger über „Young Frankenstein“), gefüllt ist mit Ausführungen über den Giallo – Marcus Stiglegger über Dario Argentos „Susperia“, Angela Fabris über Dario Argentos „Profondo Rosso“ (und seine intertextuellen Bezüge zu Mario Bavas Filmen) -, Musik im zeitgenössischen Horrorfilm (Frank Hentschel; – nach meiner Meinung ist die Musik meistens viel zu laut; Hentschel geht es wissenschaftlicher und kleinteiliger mit interessanten Ergebnissen an), den US-amerikanischen Tierhorrorfilm (Michael Fuchs über „Jurassic Park“, „Mimic“ und „Shark Night“; eine ziemlich seltsame Auswahl), den ‚drastischen Horrorfilm‘, verstanden als den Horrorfilm, in dem das Grauen, der Terror, aus heiterem Himmel und grundlos in unseren Alltag, unsere heile Welt, hereinbricht (Benjamin Moldenhauer über Filme wie und vor allem den stilbildenden „The Texas Chainsaw Massacre“) und, hier schlägt die Universität gnadenlos zu, Meta-Horror. Jörg Helbig beschäftigt sich mit der fast unbekannten, prominent besetzten Hammer-Hommage und Horrorkomödie „House of the long shadows“ (Das Haus der langen Schatten, Großbritannien 1983) und Sabrina Gärtner mit Jessica Hausners „Hotel“ (gleichzeitig das Titelbild des Sammelbandes).

Auch Coppolas Dracula-Film und Brooks Frankenstein-Komödie passen in dieses Raster, weil sie als Horrorfilme bereits eine distanzierte, analytische Haltung zum Genre haben, die dann von den Wissenschaftlern analysiert wird, die ebenfalls die Tradition und Formen des Genres kennen, die beispielsweise Mel Brooks in seinem Film zitiert und variiert.

Insgesamt ist „Horror-Kultfilme“ ein lesenswerter und informativer Sammelband für Horror- und Filmfans, die kritisch-distanziert gerne etwas tiefer in die Welt eines vor allem bei Jugendlichen populären Genres einsteigen wollen.

Angela Fabris/Jörg Helbig/Arno Rußegger (Hrsg): Horror-Kultfilme

Schüren, 2017

200 Seiten

24,90 Euro

Hinweis

Schüren über das Buch


Geboxt: Die Spielfilme des Herrn Sorrentino

November 28, 2017

Il Divo“, „Cheyenne“, „La grande Bellezza“ und „Ewige Jugend“ – vier von der Kritik hochgelobte Filme, die auch bei uns im Kino liefen und Paolo Sorrentino weltbekannt machten. So erhielt „Ewige Jugend“ den Europäischen Filmpreis in den Kategorien Bester Film, Regie und Schauspieler (Michael Caine). „La grande Bellezza“ erhielt den Oscar als bester fremdsprachiger Film. „Cheyenne“ erhielt in Cannes den Preis der ökumenischen Jury. Und „Il Divo“ erhielt in Cannes den Preis der Jury. Um nur einige der zahlreichen Preise zu nennen, die diese vier Filme erhielten, die jetzt als „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“ erschienenen.

Bei den Filmen fällt auf, wie sehr sie sich, trotz vollkommen verschiedener Geschichten und Genres, ähneln. Alle vier Filme sind geprägt von einem zutiefst melancholischen Blick auf das Leben. Alle Protagonisten verkörpern eine große Ennui, die sich auch durch den gesamten Film zieht. Sie haben schon alles gesehen. Sie wollen nichts mehr erreichen. Sie sind von ihrem Leben und den Menschen gelangweilt. Sie sind milde desinteressiert am Leben. Immer wieder flanieren sie ziellos durch die Stadt. Sie sind, auch wenn sie noch jung sind, alte Männer, die in einer Welt leben, die nur noch für Abgesänge taugt.

Mit „Il Divo“ wurde der 1970 in Neapel geborene Paolo Sorrentino international bekannt. In diesem satirischen Mix aus Polit-Thriller und Biopic porträtiert er den „Democrazia Cristiana“-Politiker Giulio Andreotti (1919 – 2013). Er war zwischen 1947 und 1992 an 33 Regierungen beteiligt, davon sieben Mal als Ministerpräsident. 1992 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Er wurde immer wieder beschuldigt, Verbindungen zur Mafia zu haben.

In dem vor allem in den frühen Neunziger spielenden Film ist Andreotti bereits ein alter Mann, der keine Miene verzieht und der sich durch ein Panoptikum ebenso versteinerter Gestalten bewegt. Formal knüpft „Il Divo“ sehr gekonnt an die Tradition des italienischen Polit-Thrillers an. Vor allem den Filmen von Francesco Rosi. Beide scheuen sich nicht, den Zuschauer in jeder Beziehungen zu fordern und das italienische politische System bis in seine feinsten Verästelungen zu analysieren.

Cheyenne – This must be the Place“ ist Sorrentinos Ausflug in die USA. Im Mittelpunkt steht der sich im finanziell gut gepolsterten Ruhestand befindende Gothic-Sänger Cheyenne, den anscheinend nichts aus seiner Lethargie reißen kann. Und das will schon etwas heißen bei einem Musikstil, in dem schon pubertierende Musiker eine Weltmüdigkeit und Todessehnsucht verkörpern, die auch Hundertjährige kaum erreichen. Durch die Nachricht vom nahenden Tod seines Vaters, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, wird er aus seiner Lethargie gerissen. Er reist zurück in die USA und beginnt nach der Beerdigung seines Vaters einen Roadtrip durch das Land. Er sucht den Mann, der seinen Vater im KZ folterte.

Mit „La grande Bellezza“ kehrt Sorrentino zurück nach Rom. Er porträtiert den von seinem Leben zu Tode gelangweilten Klatschkolumnisten Jep Gambardella, der seinen 65. Geburtstag feiert und sich fragt, was er aus seinem Leben gemacht hat.

In der Box erscheint der Film auf DVD (bzw. Blu-ray) in der nur hier erhältlichen dreißig Minuten längeren166-minütigen „Extended Version“ mit „neuen Szenen, Figuren, Orten und neuem Schnitt“ (Covertext). Sorrentino meint zur neuen Fassung: „Bei meiner ersten Fassung war es noch notwendig, Kompromisse einzugehen und einige Szenen zu opfern. Diese erweiterte Version liefert den Film nun aber in seiner ursprünglichen Gesamtheit, so dass alle Figuren voll zur Geltung kommen.“

Vor allem badet diese Version noch länger in Jep Gambardellas Ennui, den anscheinend nichts mehr begeistern kann, weil er schon alles gesehen hat und das rauschhafte Leben der High Society nur eine Flucht vor der eigenen Bedeutungslosigkeit ist. Die meisten Änderungen sind – wenn ich mich noch richtig an die fabelhafte Kinoversion erinnere – Verlängerungen von Szenen und eine nächtliche Begegnung von Gambardella mit Fanny Ardant, die sich selbst spielt. Das ist schön anzusehen und überzeugt auch in der längeren Fassung, aber im Gegensatz zu Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now Redux“ sind die Veränderungen nicht so gravierend und auffällig, dass man ad hoc, eindeutig eine Fassung gegenüber der anderen bevorzugt.

Diese überbordende Liebeserklärung an Rom und Federico Fellinis Werk dürfte Sorrentinos populärster Film sein.

In seinem letzten, mal wieder top besetztem Spielfilm „Ewige Jugend“ sind die Protagonisten, deren besten Jahre schon einige Jahrzehnte zurückliegen, nicht mehr vom Leben gelangweilt. Sie verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Sie genießen die Ereignislosigkeit. Wobei gerade der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle wehmütig auf ihre früheren Jahre zurückblicken und milde desinteressiert die anderen Hotelgäste beobachten und sich auch manchmal mit ihnen unterhalten. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt wird, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.

In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen Reiz. Wenn man für gepflegte Langeweile und Schönheit empfänglich ist.

Die jetzt von DCM veröffentlichte 4-DVD/Blue-ray-Box enthält die Filme von Sorrentino, die bei uns im Kino liefen. Seine vor „Il Divo“ inszenierten Filme wurden bislang offiziell in Deutschland noch nicht gezeigt. Insgesamt ist die Box eine gelungene Werkschau und ein tolles Weihnachtsgeschenk für Filmfans.

Hinweis für Berliner und Berlin-Besucher: Im Rahmen einer „Hommage an Toni Servillo“ wird der Director’s Cut von „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ am Mittwoch, den 20. Dezember, um 20.00 Uhr im Lichtblick Kino, am Freitag, den 22. Dezember, um 17.30 Uhr im Bundesplatz Kino und am Sonntag, den 24. Dezember, um 16.00 Uhr im Il Kino als OmU gezeigt.

Paolo Sorrentino – Director’s Collection

DCM

Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit Paolo Sorrentino, Interviews mit Cast & Crew, Making-of, Trailer

Länge: 513 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Blu-ray identisch)

enthält

Il Divo – Der Göttliche (Il Divo, Italien/Frankreich 2008)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

mit Toni Servillo, Anna Bonaiuto, Piera Degli Espositi, Paolo Graziosi, Giulio Bosetti, Flavio Bucci

Cheyenne – This must be the Place (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Umberto Contarello, Paolo Sorrentino

mit Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch, Eve Hewson, Harry Dean Stanton, David Byrne, Kerry Condon, Joyce van Patten, Heinz Lieven

La grande Bellezza – Die große Schönheit (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino, Umberto Contarello

mit Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Buccirosso, Iaia Forte, Pamela Villoresi, Fanny Ardant

Ewige Jugend (Youth, Italien/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2015)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen

Hinweise

Rotten Tomatoes über Paolo Sorrentino

Wikipedia über Paolo Sorrentino (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)


TV-Tipp für den 17. September: Apocalypse Now Redux

September 17, 2017

Arte, 21.00

Apocalypse Now Redux (USA 1979, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.

Klassiker, heute in der längeren und besseren Redux-Fassung.

Anschließend, um 00.15 Uhr, zeigt Arte die spielfilmlange, sehenswerte Doku „Im Herz der Finsternis: Apokalypse eines Filmregisseurs“ (USA 1991) über die Dreharbeiten.

Am Montag, den 25. September, zeigt Arte um 21.55 Uhr, als TV-Premiere, Francis Ford Coppolas „Jugend ohne Jugend“ (USA/D/F/I/Rumänien 2007).

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Wiederholung: Donnerstag, 28. September, 23.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Apocalypse Now Redux”

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch “Apocalypse Now” von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Juni: Cotton Club

Juni 1, 2017

RBB, 00.30

Cotton Club (USA 1983, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: William Kennedy, Francis Ford Coppola (nach einer Geschichte von William Kennedy, Francis Ford Coppola und Mario Puzo)

Coppolas Liebeserklärung an den Cotton Club. Nicht schlecht, wie er hier Gangsterfilm mit Liebesfilm mit Tanzfilm mit einem halben Dutzend weiterer Genres verbindet. Aber auch weit von der Qualität seiner ersten beiden Paten-Filme entfernt.

Während der Dreharbeiten unterhielten die verschiedensten Skandalmeldungen (Drehbuch, Budget, künstlerische Auseinandersetzungen, um nur einige zu nennen) die Öffentlichkeit.

Mit Richard Gere, Gregory Hines, Diane Lane, Bob Hoskins, James Remar, Nicolas Cage, Larry Fishburne, Tom Waits, Joe Dallesandro, Woody Strode

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cotton Club“

Wikipedia über „Cotton Club“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Kong: Skull Island“ ist nur der Anfang

März 9, 2017

Nachdem vor drei Jahren Godzilla in die Kinos zurückkehrte, ist jetzt King Kong an der Reihe. Auch wenn der Riesenaffe in „Kong: Skull Island“ nur Kong heißt. Und das Godzilla-Kong-Produzententeam, was die peinliche Post-Credit-Szene und alle bekannten Statements verraten, ein Aufeinandertreffen der beiden Riesentiere in einem Film plant. Dem können, abhängig vom Einspielergebnis, weitere Filme folgen.

Bis dahin ist Kong der Herrscher auf Skull Island, einer bislang unentdeckten Insel im Südpazifik.

1973 begibt sich eine Forschungsmission mit viel militärischer Unterstützung auf die Insel. Als erstes werfen die US-Soldaten aus ihren Hubschraubern einige Bomben ab. Um, so wird uns gesagt, die Insel zu vermessen. Danach werden sie von Kong vom Himmel geholt. Die Überlebenden machen sich, mehr oder weniger getrennt, auf den Weg zum vorher festgelegten Ort am anderen Ende der Insel, an dem sie in einigen Tagen abgeholt werden sollen.

Die Überlebenden sind eine kleine Schar Soldaten und Zivilisten, die von einem kleinen Who’s Who der aktuellen Stars gespielt werden. Tom Hiddleston als freischaffender Ex-SAS-Soldat, Samuel L. Jackson als hochdekorierter Lt. Colonel, John Goodman als ziviler Leiter der Expedition mit Kindheitstrauma und Hintergedanken, Brie Larson als taffe Kriegsfotografin im Janis-Joplin-Look und John C. Reilly als seit Jahrzehnten auf der Insel lebender Weltkrieg-II-Veteran, der für den Humor zuständig ist. Sie und die zahlreichen unbekannteren Schauspieler, die vor allem US-Soldaten mit niederen militärischen Rängen spielen (vulgo Kanonenfutter), sind alle blasse Pappfiguren, die nur austauschbares Kongfutter sind.

Der Weg zum Ziel ist mit vielen gefährlichen Ur- und Riesenviechern und stummen Einheimischen gepflastert und weil „Kong: Skull Island“ sich auf seine einfache Geschichte verlässt, werden wir nicht mit einem hyperkomplexen Plot gelangweilt, der nicht nacherzählbar und vollkommen unlogisch ist. In diesem Umfeld ist die größte Überraschung, dass Kong letztendlich der Beschützer der Insel und seiner Bewohner ist. Deshalb schließt er auch die Eindringlinge, solange sie ihn nicht umbringen wollen, in sein riesiges Herz. Vor allem natürlich die hübsche Fotojournalistin. Bei den anderen Monstern bleibt der Konflikt zwischen ihnen und den Menschen dann auf dem seit „Predator“ bekanntem „Wenn es blutet, kann es sterben“-Landserniveau; – was auch eine Form des Kulturaustausches ist. Der Schlusskampf gehört dann Kong, der die Menschen beschützt.

Auf der visuellen Ebene wird vor allem Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ so lange zitiert, bis man glaubt, eine Neufassung des Films mit Kong und einer Affenliebe zur Zeitlupe zu sehen. Das sieht gut aus, belässt es aber beim Zitat, garniert mit dem entsprechenden Soundtrack. In „Kong: Skull Island“ haben die Soldaten immer einen tragbaren Plattenspieler mit den angesagten LPs von Band wie Creedence Clearwater Revival dabei. Das erfreut das Ohr des Rockmusikfans, ist aber komplett sinnfrei. In Momenten, in denen die Soldaten in gefährlichen Umgebung auf mögliche Feinde achten sollten, beschallen sie den Urwald mit „Bad Moon Rising“, ehe es in Richtung „Run through the Jungle“ geht.

Als nur auf Überwältigung zielendes, weitgehend strunzdummes Kriegspektakel voller Siebziger-Jahre-Zitate und computergenerierter Spezialeffekte funktioniert „Kong: Skull Island“ leidlich.

Aber bei all dem Talent wäre mehr als ein „Apocalypse Now“-Monsterfilm-Mashup mit Zitaten aus den allerersten King-Kong-Film drin gewesen.

P. S.: Ich habe den Film in 2D mit 3D-Sound gesehen und er sah gut aus. Es gibt ihn auch in 3D (dann hätte er mir wahrscheinlich weniger gefallen) und im IMAX-Format (was sicher ein Gewinn ist; – wobei er dort auch in 3D läuft).

Kong: Skull Island (Kong: Skull Island, USA 2017)

Regie: Jordan Vogt-Roberts

Drehbuch: Dan Gilroy, Max Borenstein, Derek Connolly (nach einer Geschichte von John Gatins)

mit Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman, Brie Larson, John C. Reilly, Jing Tian, Toby Kebbell, John Ortiz, Corey Hawkins, Jason Mitchell, Shea Whigham, Thomas Mann, Terry Notary, Marc Evan Jackson, Eugene Cordero

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Kong: Skull Island“

Metacritic über „Kong: Skull Island“

Rotten Tomatoes über „Kong: Skull Island“

Wikipedia über „Kong: Skull Island“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Februar: Der Pate III

Februar 5, 2017

Arte, 20.15

Der Pate III (USA 1990, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola

1979: Michael Corleone kriegt Ärger mit der katholischen Kirche.

Im Vergleich zu den ersten beiden Paten-Filmen ist der dritte eine langatmige Enttäuschung.

Mit Al Pacino, Diane Keaton, Talia Shire, Andy Garcia, Joe Mantegna, Sofia Coppola, Bridget Fonda, Eli Wallach, George Hamilton, Helmut Berger, John Savage

Wiederholung: Freitag, 10. Februar, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) “Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)” (2011)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Januar: Der Pate II

Januar 29, 2017

Arte, 20.15
Der Pate II (USA 1974, Regie: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello

Wiederholung: Freitag, 3. Februar, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) “Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)” (2011)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. Januar: Der Pate

Januar 22, 2017

Arte, 20.15

Der Pate (USA 1972, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola

LV: Mario Puzo: The Godfather, 1969 (Der Pate)

Die Mafia als gepflegter Familienbetrieb. Ein immer wieder gern gesehener Klassiker.

An den nächsten beiden Sonntagen zeigt Arte die beiden Fortsetzungen.

Mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, John Cazale, Robert Duvall, Diane Keaton, Sterling Hayden, Al Lettieri, Talia Shire

Wiederholung: Samstag 28. Januar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Pate“

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) „Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)“ (2011)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Über Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“

August 16, 2016

Moldawien, frühes siebzehntes Jahrhundert: Prinzessin Asa Vajda und ihr Liebhaber werden von ihrem Bruder auf einem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie eine Hexe und er ein Vampir, vielleicht sogar Dracula höchstselbst, sein sollen.

Zweihundert Jahre später entdecken Professor Krubajan und sein Assistent Gorobec während ihrer Fahrt zu einem Ärztekongress das Grab von Asa und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände erwecken sie sie zum Leben. Sie und ihr damaliger, ebenfalls von den Toten zurückkehrender Liebhaber Javutich wollen sich jetzt an Asas Nachfahren rächen.

Dracula, um gleich ein Missverständnis auszuräumen, das es nur in der deutschen Fassung von Mario Bavas Regiedebüt gibt, ist der aus kommerziellen Erwägungen gewählte Quasi-Name von Javutich – und, zugegeben, der Titel „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ klingt verdammt gut. Auch wenn „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ auf der Geschichte „Wij“ von Nikolai Gogol basiert. Aber auch mit dieser Geschichte hat der Film wenig zu tun. Bava, ein Fan der Geschichte, übernahm nur einige Elemente aus ihr.

Letztendlich ist das egal, weil „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ der surrealen Logik eines Alptraums folgt, rudimentär aufgehängt an der bekannten und unzählige Male wiederholten Vampirgeschichte, in der ein Vampir wieder auftaucht, Menschen aussaugt, andere Menschen ihn besiegen wollen und es eine bedrohte Jungfrau gibt.

Dazu fand Bava Bilder, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, wie die Metallmaske, die auf Asas Gesicht gedrückt wird, und der ganze Film hat eine auch heute noch verstörende Atmosphäre von Sex, Sadismus, Gewalt, Angst und Wahnsinn. In einer sich an den schon damals klassischen Hollywood-Horrorfilmen aus den dreißiger und vierziger Jahren orientierenden, allerdings viel opulenteren Ausstattung mit sumpfiger Landschaft zwischen Friedhöfen und alten Gemäuern, klaustrophobisch engen Wegen durch dorniges Gebüsch und kafkaesken, teils verfallenen Gebäuden und Gemächern voller Spinnennetzen und flackernden Kerzen.

Mario Bava, der vor seinem offiziellem Regiedebüt „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ bereits bei Dutzenden Filmen Kameramann war und auch ohne Namensnennung einige Filme zumindest teilweise inszenierte, inszenierte die Horrorgeschichte mit einem deutlichen Blick auf effektive und auch effektheischerische Bilder hin. Dass Javutich und Asa, die langsam von den Toten erwacht, immer wieder aus dem Nichts auftauchen und im Nichts verschwinden, trägt zu dieser alptraumhaften Stimmung bei. Außerdem hat Barbara Steele eine Doppelrolle: sie ist Asa und Katia, die schöne Schlossherrin, in die sich Gorobec bei ihrem ersten, bedrohlich abgehobenem Auftreten, sofort verliebt. Sie ist auch die Jungfrau, die Asa töten will.

1960, als der Film in die italienischen Kinos kam, muss das, neben klinisch reinen Doris-Day- und Heinz-Erhardt-Filmen ein Schock gewesen sein. Alfred Hitchcocks grenzüberschreitender und stilbildender (Horror-)Thriller „Psycho“ (der allerdings auf einer anderen Ebene für Entsetzen sorgte) lief fast gleichzeitig in unseren Kinos an. Denn in Deutschland lief Bavas Film bereits 1961 in einer minimal gekürzten Fassung in den Kinos. In die englischen Kinos kam Bavas Film 1968 in einer stark gekürzten Fassung. Erst 1992 erschien dort eine ungekürzte Fassung.

Und heute?

Über seinen Einfluss gibt es kaum Diskussionen. So orientierte Francis Ford Coppola sich 1992 beim Set-Design von seinem Dracula-Film mehrmals an Bavas Sets. Tim Burton nannte ihn 1998 seinen Lieblingshorrorfilm und in „Sleepy Hollow“ (1999) spielte er auf ihn an. Und in zahlreichen Listen taucht er auf. Beispielsweise in Frank Schnelle/Andreas Thiemans Meta-Liste „Die 50 besten Horrorfilme“ (2010), für die sie fünfzig Bestenlisten und Umfragen der letzten Jahre auswerteten.

Ronald M. Hahn und Volker Jansen vertreten, um auch einige der wenigen negativen Stimmen zu nennen, im „Lexikon des Horrorfilms“ (1985/1989) die Minderheitenmeinung: „hanebüchene Streifen…ein geistloser alter Stinkkäse…Ein völlig überbewerteter Grusler, der den Horror aus abscheulich zugerichteten Gesichtern statt aus unterschwelligem Nervenkitzel bezieht.“

Hanebüchen ist, wenn man versucht die Filmgeschichte nachzuerzählen, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ unbestritten, aber als atmosphärischer Gruselfilm ist er heute noch enorm effektiv, kurzweilig, unterhaltsam, vergnüglich und sexy.

Koch Media veröffentlichte den Horrorfilmklassiker jetzt als Beginn ihrer „Mario Bava Collection“ erstmals auf Blu-ray in einer Blu-ray/DVD-Sammleredition mit umfangreichem Bonusmaterial, unter anderem einem hörenswerten, nicht untertitelten Audiokommentar von Filmhistoriker Tim Lucas, Interviews mit Barbara Steele und Lamberto Bava, einer geschnittenen Szene, einer umfangreichen Bildergalerie und einer alternativen Schnittfassung. Das Bonusmaterial müsste identisch mit der früheren, nicht mehr erhältlichen DVD-Ausgabe von e-m-s sein.

Die Stunde wenn Dracula kommt - DVD-Cover

Die Stunde, wenn Dracula kommt (La Maschera del Demonio, Italien 1960)

Regie: Mario Bava

Drehbuch: Ennio de Concini, Mario Serandrei

LV: Nikolai Gogol: Вий, 1835 (erschienen in „Миргород“) (Wij, Kurzgeschichte)

mit Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi, Ivo Garrani, Arturo Dominici, Enrico Olivieri, Antonio Pierfederici

DVD/Blu-ray

Koch Media (Mario Bava Collection #1 – Collectors Edition)

Bild: 1,66:1 (16:9)

Ton Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital [DVD], DTS-HD Master Audio 2.0 [Blu-ray])

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Trailer, Audiokommentar, Interviews mit Barbara Steele und Lamberto Bava, Alternative Filmfassung, Geschnittene Szene, Bildergalerie

Länge: 84 Minuten (DVD), 87 Minuten (Blu-ray)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Stunde, wenn Dracula kommt“

TCM über „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (Übersichtsseite) und Lang Thompson über den Film

Wikipedia über „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (deutsch, englisch)

Nikolai Gogols Geschichte „Wij“ (englische Fassung)

Das ist eines der bekannten Filmbilder

Barbara Steele in "Die Stunde, wenn Dracula kommt" (Foto: Koch Media)

Barbara Steele in „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (Foto: Koch Media)


TV-Tipp für den 15. Juli: Cotton Club

Juli 15, 2016

BR, 23.15

Cotton Club (USA 1983, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: William Kennedy, Francis Ford Coppola (nach einer Geschichte von William Kennedy, Francis Ford Coppola und Mario Puzo)

Coppolas Liebeserklärung an den Cotton Club. Nicht schlecht, wie er hier Gangsterfilm mit Liebesfilm mit Tanzfilm mit einem halben Dutzend weiterer Genres verbindet. Aber auch weit von der Qualität seiner ersten beiden Paten-Filme entfernt.

Während der Dreharbeiten unterhielten die verschiedensten Skandalmeldungen (Drehbuch, Budget, künstlerische Auseinandersetzungen, um nur einige zu nennen) die Öffentlichkeit.

Mit Richard Gere, Gregory Hines, Diane Lane, Bob Hoskins, James Remar, Nicolas Cage, Larry Fishburne, Tom Waits, Joe Dallesandro, Woody Strode

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cotton Club“

Wikipedia über „Cotton Club“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Januar: Apocalypse Now Redux

Januar 29, 2016

3sat, 22.35

Apocalypse Now Redux (USA 1979, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.

Klassiker, heute in der längeren und besseren Redux-Fassung.

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Wiederholung: Mittwoch, 3. Februar, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Apocalypse Now Redux”

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch “Apocalypse Now” von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Januar: Bram Stoker’s Dracula

Januar 3, 2016

RTL II, 22.30
Bram Stoker’s Dracula (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: James V. Hart
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Francis Ford Coppolas Interpretation der bekannten Geschichte von Graf Dracula. Nicht schlecht und allein schon wegen der Besetzung einen Blick wert.
mit Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, Richard E. Grant, Cary Elwes, Bill Campbell, Sadie Frost, Tom Waits, Monica Bellucci
Hinweise
Rotten Tomatos über „Bram Stoker’s Dracula“
Wikipedia über „Bram Stoker’s Dracula“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


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