Friedrich Ani, Tabor Süden, „M“ und die Detektei Liebergesell

Dezember 11, 2013

 

Ani - M - 2

Inzwischen arbeitet Tabor Süden, der lange Jahre im Vermisstendezernat der Polizei arbeitete, bei der Detektei Liebergesell und er sucht immer noch vermisste Personen. Dieses Mal den Taxifahrer Siegfried Denning, von dem seine Freundin Mia Bischof kein Bild hat, fast nichts weiß und die daher den Ermittlern kaum helfen kann.

Noch rätselhafter wird der Auftrag, nachdem Süden herausfindet, dass sie – obwohl sie das ihm gegenüber behauptete – bei der Polizei keine Vermisstenanzeige aufgab und die Polizei ein seltsames Interesse an dem Taxifahrer hat. Süden vermutet, dass Denning ein verdeckter Ermittler ist und dass er in rechtsradikalen Kreisen ermittelte. Nur was Bischof, die geachtete „Tagesanzeiger“-Lokalredakteurin und die sich, obwohl kinderlos, in der Nachbarschaft in einer Krabbelgruppe und als ehrenamtliche Schwimmtrainerin engagiert, mit den Rechtsradikalen zu tun hat, bleibt rätselhaft. Jedenfalls bis Süden gegen Ende des Romans, in ihre Wohnung einbricht.

Davor wird Süden von seinen ehemaligen Kollegen emsig behindert und eine Spur führt ihn zum Starnberger See in das Hotel von Bischofs Vater, in dem sich früher einmal rechte Organisationen trafen. Aber das war vor langer Zeit.

Außerdem verüben Unbekannte Anschläge auf die Mitarbeiter der Detektei – und wir erfahren jetzt auch endlich mehr über Edith Liebergesell, Leonhard Kreutzer und Patricia Ross, die Kollegen von Tabor Süden.

Darunter leidet in „M“ allerdings – wobei bei Ani der Krimiplot traditioneller Machart nie im Mittelpunkt steht – der Kriminalfall. Denn die rechtsradikalen Verstrickungen von Mia Bischof, Siegfried Denning, dem Landeskriminalamt und, als Randfigur, des Verfassungsschutzes, ergänzt um etwas NSU-Folklore, werden auf einer klischeehaften Ebene ziemlich schnell deutlich, ohne tiefer zu gehen. Die Nazis bleiben letztendlich einfach nur böse Bösewichter, die ein funktionierendes Untergrundnetzwerk aufgebaut haben. Dabei wäre gerade eine Analyse der Verbindungen zwischen rechtsradikalen Denken und dem Denken der kleinen Leute, den typischen Ani-Charakteren, spannend gewesen.

Also die Frage des alltäglichen Faschismus und des Extremismus der Mitte.

Auch die Verknüpfung von Edith Liebergesells Trauer über den Verlust ihres vor zehn Jahren verstorbenen Sohnes mit dem Fall ist, in der Auflösung (die sehr plötzlich kommt und weit hergeholt ist) nicht befriedigend.

M“ ist getragen von einer gerechten Empörung um die Umtriebe von Rechtsradikalen, dem Wunsch nach mehreren Romanen, in denen Südens neue Kollegen austauschbare Arbeitskollegen ohne psychologische Vertiefungen waren, diesen Kollegen ein Gesicht zu verleihen. Aber darunter leidet die Erkundung des liebgewonnenen Ani-Eckkneipen-Milieus.

Ach ja: warum der Roman „M“ heißt und damit sofort an Fritz Langs Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ erinnert, weiß ich auch nach der Lektüre nicht.

Friedrich Ani: M – Ein Tabor-Süden-Roman

Droemer, 2013

368 Seiten

19,99 Euro

Hinweise

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

 

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Friedrich Anis „Verzeihen“ ist jetzt „Süden und die Stimme der Angst“

August 14, 2013

Ani - Süden und die Stimme der Angst - 2

Für einen „Süden und“-Roman ist „Süden und die Stimme der Angst“ mit 352 Seiten erstaunlich umfangreich. Immerhin ist die Standardlänge für einen „Süden und“-Roman 208 Seiten. Daran änderte sich auch nichts, als Friedrich Anis Held Tabor Süden von der Vermisstenstelle der Polizei zur Detektei Liebergesell wechselte. Immer noch gräbt er sich in kurzen Geschichten in das unspektakuläre Leben der kleinen Leute, die man in München in der U-Bahn oder der Kneipe nicht weiter beachtet.

Aber neben den „Süden und“-Büchern schrieb Ani auch einige längere Romane mit Tabor Süden, seinem ersten, erfolgreichsten und beliebtesten Ermittler.

So entstanden vor der zehnbändigen „Süden und“-Serie drei Einzelromane, in denen andere Charaktere im Mittelpunkt standen und nach dem Ende der ursprünglichen „Süden und“-Serie, die zwischen 2001 und 2005 erschien, 2011 „Süden“ und zwei weitere „Süden und“-Romane und für den 1. Oktober ist „M“, ein weiterer Roman mit Tabor Süden, bei Droemer als Hardcover angekündigt.

Süden und die Stimme der Angst“ gehört zu diesen älteren Werken. Der Roman erschien 2001 als Hardcover unter dem Titel „Verzeihen“ und wurde bis jetzt noch nicht als Taschenbuch veröffentlicht.

Im Mittelpunkt stehen Ariane Jennerfurt, eine HIV-infizierte Ex-Prostituierte, und Niklas Schilff, ein Ex-Starjournalist (es ging um Fake-Interviews mit US-Promis), der sie vergewaltigt, von ihrer Infektion erfährt und sie entführt. Tabor Süden und seine aus den „Süden und“-Büchern bekannten Kollegen von der Vermisstenstelle der Münchner Kripo suchen die „Frau, der die Liebe abhandengekommen ist“ (Klappentext).

Damals kam das Buch bei der Kritik gut an und ebnete mit den „Süden und“-Romanen Friedrich Anis Weg in die Herzen der Krimifans und der Literaturkritiker.

Friedrich Ani: Süden und die Stimme der Angst

Knaur, 2013

352 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Verzeihen

Droemer Verlag, 2001

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und das heimliche Leben“ (2012)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Kurzkritik: Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben

Januar 8, 2013

Ani - Süden und das heimliche Leben

Obwohl Tabor Süden schon seit „Süden“ als Privatdetektiv arbeitetet, hat sich wenig geändert. Schon in der Vermisstenabteilung der Polizei suchte und fand er die Vermissten nicht mit Hilfe der Technik, sondern indem er ihren Leben nachlauschte und die Leute, die die Vermissten kannten, reden ließ. Gerne in einer Wirtschaft beim Bier. Als Privatdetektiv erledigt er seine Arbeit genau so.

Deshalb sitzt er am Anfang von „Süden und das heimliche Leben“ in der Wirtschaft von Dieter ‚Dieda‘ und Charlotte Nickl und hört den Stammkunden von „Charly’s Tante“ zu. Sie alle wollen, dass er ihre verschwundene Bedienung Ilka Senner findet. Alle haben sie gemocht und sie hätte demnächst sogar die Wirtschaft übernehmen sollen. Allerdings wusste auch niemand viel über die allein lebende Sechsundvierzigjährige.

Tabor Süden versucht herauszufinden, warum die unscheinbare Ilka verschwand. In ihrer Wohnung kommt er zur Überzeugung, dass sie ihr Verschwinden plante.

Süden und das heimliche Leben“ bewegt sich von der ersten bis zur letzten Seite auf vertrautem Ani-Terrain: es geht, wie immer, um die kleinen Leute und die Eckkneipen, in denen die Zeit anscheinend stehen geblieben ist. Entsprechend klein und vertraut sind die Gründe, weshalb die Vermissten aus ihrer vertrauten Umgebung verschwinden. Dabei lebten die Vermissten in den Süden-Romanen oft ein so unauffälliges Leben, dass ihr Verschwinden kaum auffällt. So ist Ilka, wie langjährig geschulte Krimileser vermuten könnten, keine untergetauchte Mörderin oder Terroristin oder eine von einem Stalker verfolgte Frau. Sie ist eine unscheinbare Frau, die sich in den vergangenen Jahrzehnten auch bemühte, ein entsprechend unauffälliges Leben zu führen.

Und Friedrich Ani verleiht diesen auf den ersten Blick unscheinbar-unauffälligen Menschen, die man im Linienbus sieht und schnell wieder vergisst, in seinen Geschichten eine Stimme.

Außerdem ist „Süden und das heimliche Leben“ ein handfester Krimi in denen Menschen versuchen, ihre Geheimnisse mit allen Mitteln zu schützen, sie falsche Namen benutzen und am Ende gibt es sogar einen Mord.

Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben

Knaur, 2012

208 Seiten

8,99 Euro

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Die Weihnachtsgeschichte in der Version von Friedrich Ani mit Tabor Süden in der Hauptrolle

November 18, 2011

Warum wollte er verschwinden?“

Damit jemand nach ihm sucht, glaub ich.“

 

2005 verschwand Tabor Süden, Ermittler in der Vermisstenstelle der Münchner Polizei, nach Köln. Sein Erfinder, Friedrich Ani, wandte sich anderen Charakteren zu. Aber keiner kam beim Publikum so gut an, wie Tabor Süden, der seinen Vater nicht finden konnte und der als Polizist vermisste Menschen suchte. In diesen Geschichten interessierte Friedrich Ani sich nie für elaborierte Mordkomplotte, sondern für die kleinen Leute und ihre Geschichten. Menschen, deren Verschwinden keine Schlagzeilen heraufbeschwören.

Im Frühjahr kehrte Tabor Süden in dem tollen Roman „Süden“, in dem er als Privatdetektiv einen verschwundenen Gastwirt sucht, zurück und Friedrich Ani versprach weitere Süden-Geschichten, in denen Süden dann als Privatdetektiv in der Detektei von Edith Liebergesell arbeitet. In den kommenden Romanen will Ani auch ausführlicher über die anderen Angestellten der Detektei schreiben.

Aber in „Süden und die Schlüsselkinder“ steht Tabor Süden im Mittelpunkt. Er soll kurz vor Weihnachten den zehnjährigen Adrian suchen. Der Junge verschwand aus einem Kinderschutzhaus. In einer SMS sagt er, dass er zu seinem Opa gehen will. Aber dieser ist tot. Süden beginnt in seiner unnachahmlichen Art in dem Leben von Adrian und seiner kaputten Familie herumzustochern. Dabei wird er von Fanny, einer ebenfalls im Heim lebenden Freundin von Adrian, begleitet.

Süden und die Schlüsselkinder“ ist natürlich eine gut ausgehende Weihnachtsgeschichte, bei der vor allem durch die Charakterzeichnungen, das Porträt einer erschreckend normal-dysfunktionalen Familie und natürlich Südens Erinnerungen an seinen verstorbenen Freund Martin Heuer gefallen. Die Suche nach dem Jungen ist das literarische Äquivalent zu einer Countryrock-Jamsession, bei der die Musiker sich, weil die Stimmung gerade so gut ist, bei ihrem Instrumentalpart unglaublich viel Zeit lassen. So lässt auch Süden sich viel Zeit bei seinen Ermittlungen. Oft wirkt es, als ob er einfach nicht in seine Junggesellenwohnung zurück will, er aber auch nicht einfach so in einer Gaststätte ein Bier trinken will. Also nimmt er dankbar die Aufgabe an, die ihn unter die Leute bringt, und er sucht den Jungen. Weil sie telefonisch miteinander in Kontakt stehen, macht er sich keine allzu großen Sorgen über Adrian. Vielleicht wusste Süden sogar von Anfang an, wo Adrian sich versteckt hat, aber er wollte von der ersten Minute an auf das kindische Versteckspiel eingehen und ihm zeigen, dass einige Menschen ihn suchen werden. Dass er für jemand wichtig ist.

Parallel zur Veröffentlichung von „Süden und die Schlüsselkinder“ erschien der erste Schwung der „Süden“-Neuveröffentlichungen mit „Süden und die Frau mit dem harten Kleid“, „Süden und der glückliche Winkel“ und „Süden und das verkehrte Kind“. Für die nicht chronologische Neuauflage wurde lediglich das Cover geändert.

Friedrich Ani: Süden und die Schlüsselkinder

Knaur, 2011

192 Seiten

8,99 Euro

Die „Süden“-Neuauflagen, erste Lieferung

Friedrich Ani: Süden und die Frau mit dem harten Kleid

Knaur, 2011

208 Seiten

8,99 Euro

Erstausgabe

Knaur, 2002

Friedrich Ani: Süden und der glückliche Winkel

Knaur, 2011

192 Seiten

8,99 Euro

Erstausgabe

Knaur, 2003


Friedrich Ani: Süden und das verkehrte Kind

Knaur, 2011

192 Seiten

8,99 Euro

Erstausgabe

Knaur, 2004

Die „Süden und“-Romane (denn Tabor Süden ist auch in anderen Romanen von Friedrich Ani dabei)

Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels, 2001

Süden und der Straßenbahntrinker, 2002

Süden und die Frau mit dem harten Kleid, 2002

Süden und das Geheimnis der Königin, 2002

Süden und das Lächeln des Windes, 2003

Süden und der Luftgitarrist, 2003

Süden und der glückliche Winkel, 2003

Süden und das verkehrte Kind, 2004

Süden und das grüne Haar des Todes, 2005

Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel, 2005

Die weiteren Romane mit Tabor Süden

Die Erfindung des Abschieds. Martin Heuer begeht Selbstmord, 1998

German Angst, 2000

Verzeihen, 2001

Gottes Tochter, 2003

Süden, 2011

Dann gab es noch zwei Verfilmungen

Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin (D 2009, R.: Martin Enlen)

Drehbuch: Claus Cornelius Fischer

LV: Friedrich Ani: Süden und das Geheimnis der Königin, 2002

Kommissar Süden und der Luftgitarrist (D 2009, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Friedrich Ani

LV: Friedrich Ani: Süden und der Luftgitarrist, 2003

mit Ulrich Noethen ( Tabor Süden), Martin Feifel (Martin Heuer), Jeanette Hain (Sonja Feyerabend), Johanna Bantzer (Freya Epp), Hubertus Hartmann (Volker Thon)

Und einige kürzere Geschichten und Hörspiele…

Hinweise

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Im Verhörzimmer: Friedrich Ani und die Sache mit dem „Süden“

April 12, 2011

Die Rückkehr von Tabor Süden in sein geliebtes München in dem grandiosen Roman „Süden“ verschaffte mir einen guten Vorwand für ein Gespräch mit Krimiautor Friedrich Ani. Das fast „Tatort“-lange Gespräch fand vor einer Woche ohne Zeugen in einem Nebenzimmer des Hotel Savoy in der Nähe des legendären Bahnhof Zoo statt.

 

Süden“

 

Am Ende von „Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel“ quittierte Tabor Süden („Ich arbeite auf der Vermisstenstelle der Kripo und kann meinen eigenen Vater nicht finden.“) seinen Dienst bei der Kripo und, bis auf das kurze Gastspiel „Der verschwundene Gast“ 2008 in der „Kaliber.64“-Reihe (wobei Süden in der Geschichte noch Polizist ist), gab es in den vergangenen Jahren kein Lebenszeichen von ihm. Er war verschwunden. In Köln hieß es. Mit „Süden“ kehrt Tabor Süden jetzt nach sechs Jahren wieder in ein verändertes München zurück. Er hat einen Anruf von seinem Vater erhalten. Und weil der Mensch auch etwas zum Beißen braucht (wobei Tabor Süden sich in „Süden“ vor allem flüssig ernährt), nimmt er einen Job in der Detektei von Edith Liebergesell an. Sein erster Auftrag: er soll einen vermissten Wirt finden.

Für Süden-Erfinder Friedrich Ani war Tabor Süden in den vergangenen Jahren allerdings sehr präsent. Es gab die schon erwähnte „Kaliber.64“-Geschichte. Es gab die beiden im April 2009 ausgestrahlten, hochkarätig besetzte, sehenswerte TV-Filme „Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin“ (Regie: Martin Enlen) und „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ (Regie: Dominik Graf), für die Ani die Drehbücher schrieb und auch einen Grimme-Preis erhielt. Ursprünglich war eine Tabor-Süden-TV-Serie mit Ulrich Noethen als Tabor Süden geplant, aber irgendein ZDF-interner Kuddelmuddell (auch Ani weiß immer noch nicht, was genau zur Einstellung nach nur zwei Filmen führte, aber er ist darüber immer noch verärgert) beendete die Serie, bevor sie ihr Publikum finden konnte. Wiederholungen gab es bislang keine und auch auf DVD wurden die beiden „Kommissar Süden“-Filme nicht veröffentlicht. Und dabei waren die Quoten gar nicht so schlecht.

Damals bekam Ani wieder Lust auf Tabor Süden.

Für den dritten, 2009 erschienenen Polonius-Fischer-Roman „Totsein verjährt nicht“ hatte er ursprünglich ein Treffen von Fischer und Süden geplant. Der Verlag war von der Idee nicht begeistert und so musste Fischer das verschwundene Mädchen suchen.

Und dann schrieb Ani den neuen Süden-Roman und gleichzeitig drei halbstündige Hörspiele für den SWR, die im Juni und Juli gesendet werden. In diesen kurzen Vermisstengeschichten ist Tabor Süden ein Privatdetektiv. Das ist nur der Beginn einer Süden-Offensive.

Im November gibt es als Taschenbuch die Weihnachtsgeschichte „Süden und die Schlüsselkinder“. Der Knaur-Verlag plant parallel dazu eine Wiederveröffentlichung der ersten drei Süden-Bücher mit einem neuen Cover. Im Frühjahr 2012 wird es einen zweiten, kürzeren Süden-Roman geben und die zweite, wieder aus drei Süden-Büchern bestehende Lieferung und im Herbst 2012 die letzten vier Süden-Romane des zehnbändigen Zykluses; parallel zur Taschenbuch-Ausgabe von „Süden“. Im Frühjahr 2013 gibt es einen weiteren Süden-Roman als Hardcover, für den es auch schon erste Ideen gebe. Denn Ani will ihn weiter als Detektiv ermitteln lassen und dann auch mehr von der Detektei erzählen.

Dieser Wechsel von der Polizei in eine Detektei war von Ani gewollt. Dennoch stellt sich die Frage, ob Ani mit dem Wechsel seine Charakters von einem an Recht und Gesetz gebundenen Polizisten zu einem Privatdetektiv, der über keine besondere Rechte verfügt, aber auch nicht mehr gezwungen ist, einen Verbrecher zu verhaften, eine Verschiebung in seinem erzählerischem Kosmos plant.

Es war schon eine extrem bewusste Entscheidung, jetzt mal jemand zu haben, der nicht eine Polizeibelobigungsfunktion hat. Ich wollte, dass er seine Arbeit weitermachen kann. Das Suchen von vermissten Personen geht auch in einer Detektei sehr gut. Das ist relativ realistisch und passt auch gut zum Süden. So ein Freelancer, der Geld verdienen muss, und seine Arbeit machen kann. Der Süden ist in dem Sinn ja kein Anarcho. Er ist vielleicht ein bisschen viel im Gasthaus oder er trinkt gelegentlich Bier, aber er ist von seiner Haltung kein anarchistischer Mensch. Er ist ein gewissenhafter Mensch. Er ist gern unter Leuten. Er ist gern dabei. Deshalb braucht er einen Beruf, wo er nicht versandelt. Die Gefahr bei Tabor Süden ist, dass er vereinsamt, wenn er nichts zu tun hat. Das spürt er. Deshalb braucht er einen Job – und den hat er jetzt. Ich bin schon froh, dass ich den Polizeiapparat jetzt nicht mehr beschreiben muss. Das fand ich auch immer ein bisschen einengend.

Manchmal bin ich da etwas mürrisch. Weil ich finde, wir schreiben genug Polizeibelobigungskrimis und irgendwann ist auch mal gut“, sagt Ani.

Von Anfang an war „Süden“ als längeres Werk geplant. Die Romane „Die Erfindung des Abschieds“, „German Angst“ und „Verzeihen“ mit Tabor Süden waren zwar auch länger, aber am bekanntesten ist die aus zehn Bänden bestehende, zwischen 2001 und 2005 erschienene Süden-Serie, deren Titel mit „Süden und…“ beginnen. Diese Bücher hatten immer zweihundert Seiten. „Süden“ ist ungefähr doppelt so lang. Dafür erzählt Ani auch drei Geschichten: die lange Geschichte vom verschwundenen Wirt, die private Geschichte von Südens Suche nach seinem Vater und eine kurze Geschichte von einer verschwundenen Mutter. Diese Struktur habe er von den TV-Filmen übernommen. Trotzdem sieht er seinen Stil als konträr zur TV-Dramaturgie an.

Der Roman ist meine Art zu schreiben“, betont er. Dort könne er auch Nebenfiguren ihren Raum geben und er müsse sich nicht an feste Vorgaben, wozu inzwischen die streng festgelegte Länge eines TV-Films und, bei einer Reihe wie „Tatort“, die Wünsche der Stammschauspieler gehören, halten.

Denn er nimmt sich lieber Zeit und, auch wenn am Ende von „Süden“ eine Thriller-Spannung aufkommt, ist es in einem gewissen Rahmen egal, ob Süden den Wirt tot oder lebendig findet.

(Kurzer Einschub: ich würde jetzt gerne unsere Diskussion über das Ende einfügen, aber das wäre ein Mega-Spoiler. Deshalb lasse ich es heute bleiben, aber ich will einige Ausschnitte aus dem Interview transkribieren. Dann erfahrt ihr auch Friedrich Anis Meinung zu dem Ende von „Süden“, warum der „Süden“ die viereinhalbte Fassung ist und ihr könnt einiges über die von uns während des Interviews beschrittenen Irrwege lesen. Doch jetzt weiter im Text.)

Das liegt auch daran, dass in „Süden“ die einzelnen Geschichten sich zu einem kunstvollem Ganzen fügen, das von Tabor Süden der wieder einmal im Milieu der kleinen Leute und Wirte ermittelt, zusammengehalten.

Mei, ich find halt; – ich hab halt immer gedacht, man sollte über das schreiben, was man kennt, was man liebt, was einen aufregt, was einem nahe ist. Ich glaub schon, dass ich mich auch in andere Milieus hineindenken könnte oder kann. Aber die kleinen Leute, die Unscheinbaren, sind mir halt die liebsten und einer muss es machen. Es ist halt meine Welt. Das bin halt ich. Und – und ich find, das gibt immer noch einen Menge her. Das erschöpft sich nicht. Der Simenon hat auch hunderte von Büchern über sehr unscheinbare Leute geschrieben. Das geht. Man muss halt nur die Augen aufhalten. Ich versuch das auch oft im Drehbuch. Dass ich Leute habe, die auch ganz normale Berufe haben. Und die Redakteure sind dann immer wieder ganz erstaunt, dass das auch mal wieder vorkommt.

Es gibt auch Leute, die das gar nicht mögen. Die sagen dann, das ist so sozialkritisch.

Aber Sozialkritik interessiert mich nicht. Ist eigentlich auch Quatsch.“

Für mich ist das Buch zeitlos. Es gibt keine plakative Hartz-IV-Kritik und Handys und Computer kommen eigentlich nicht vor“, werfe ich ein. So besitzt Tabor Süden erst am Ende des Romans ein Handy.

Ja, vieles ist vielleicht doch spürbar, wenn man es will.

Aber mir gefällt das eigentlich. Ich mag das, dass die alle etwas wie aus der Zeit gefallen sind. Das war auch in den zwei Verfilmungen so. Vor allem im „Luftgitarristen“ vom Dominik Graf. Dass man das Gefühl hat, die sind alle etwas neben der Gegenwart. Das ist mir da so bewusst geworden.

Das ist eine schöne Vorstellung. – Dabei bleib ich.“

Und diese Vorstellung hat Friedrich Ani in „Süden“ kongenial umgesetzt. Denn in „Süden“ ist Tabor Süden ganz bei sich – und Friedrich Ani ist auch ganz bei sich. Ein feines Buch.

Friedrich Ani: Süden

Droemer, 2011

368 Seiten

19,99 Euro

Lesungen

Dienstag, 12. April 2011, 19 Uhr

Café Weiß, Geißstraße 16, Stuttgart (Krimi & Hörbuch Undercover)

Mittwoch, 13. April 2011, 20 Uhr

Der Monarch, Skalitzer Straße 134, Berlin (Krimibuchhandlung Hammett)

Donnerstag, 14. April 2011, 20 Uhr

Goldener Löwe, Kellergewölbe, Am Markt 6, Olpe (Buchhandlung Dreimann)

Freitag, 15. April 2011, 20 Uhr

Die Fabrik, Mittlerer Hasenpfad 5, Frankfurt (Buchhandlung Schutt)

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Planet-Interview: Interview mit Friedrich Ani (18. Dezember 2008)


„Der Seher“ wird blind in Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“

Juni 5, 2007

Stellen Sie sich vor, Sie sehen eine Shakespeare-Aufführung. Aber nicht mit einem hochkarätigen Ensemble, sondern mit einer Grundschulklasse. Es ist zwar alles da, aber letztendlich ist es schlecht. Genau dieses Gefühl stellt sich bei Friedrich Anis neuestem Werk „Er lebt, stirbt“ ein. Es gibt einen Mordfall, eine Entführung, mehrere Verdächtige, dunkle Geschäfte in der Politik, ein Vater-Sohn-Ermittlergespann, problematische Familienverhältnisse, schockierende Entwicklungen und am Ende wird der Täter überführt. Es ist also alles da, was zu einem guten Krimi gehört. Die Länge von 224 Seiten ist angenehm kurz. Und dass „Wer lebt, stirbt“ der Auftakt zur sechsteiligen „Der Seher“-Reihe ist, ist ebenfalls ein positives Signal. Immerhin eroberte Friedrich Ani mit seiner Süden-Reihe im Sturm die Herzen der Krimifans.

Aber beim Auftakt der Seher-Reihe stimmt nichts. Denn dafür sind die beiden Fälle viel zu dünn, zu oft bestimmen Zufälle den Gang der Ermittlungen, vieles wirkt sehr unrealistisch und die Charaktere bleiben blass. Hauptfigur der Serie ist Jonas Vogel, der von Kollegen „Der Seher“ genannt wird und im Laufe des Buches erblindet. Nicht langsam, sondern weil er von einem Bagger überrollt wird. Ein dummer Unfall, der nichts mit dem Fall zu tun hat. Dabei wird Vogels Sehnerv durchtrennt und er ist blind. Sonst ist ihm nichts passiert. Keine Knochenbrüche. Keine Quetschungen. Nichts. Was bei der Lage der Sehnerven ein ziemliches Wunder ist.

Trotz des Unfalls beschließt Jonas Vogel weiter in der Mordkommission zu arbeiten. Damit endet „Wer lebt, stirbt“.

Der Roman beginnt mit einem Mord. Wachmann Falk Sieger wird erstochen in seiner Wohnung gefunden. In Verdacht gerät sein Kollege Jens Schulte. Schulte wird von dem Promianwalt und Stadtrat Hilmar Opitz vertreten. Opitz will Bürgermeister von München werden. Doch mehr als seine politischen Ambitionen beschäftigt ihn im Moment die Entführung seiner Sekretärin und Geliebten. Die Entführer fordern von ihm eine halbe Million Euro Lösegeld. Auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick haben der Mord und die Entführung nichts miteinander zu tun. Aber Kommissar Jonas Vogel weiß von der ersten Sekunde an, dass beide Fälle miteinander zusammenhängen. Er und sein Sohn Max stoßen bei ihren Ermittlungen auf zahlreiche Ungereimtheiten und auf ein von Opitz betriebenes Obdachlosenheim.

Dieses Heim ist wahrscheinlich Anis idiotischste Idee. Auch wenn es solche Käfige, in denen Obdachlose übernachten, ihr Eigentum einsperren und sich etwas Privatsphäre schaffen können, in Hongkong gibt. Dort ist der Wohnraum aber, auch für Gutverdienende. denkbar knapp. In München geht diese Idee, trotz der dortigen hohen Mieten, vollkommen an jeder Realität vorbei. Aber es kommt noch besser. Opitz betreibt diese Unterkunft nicht irgendwo in Münchens kriminalitätsbelasteten Sozialvierteln, sondern mitten in einem Nobelviertel. Weil der Hausmeister darauf achtet, dass die Obdachlosen sich benehmen, fällt auch keinem der Oberen Zehntausend, die vorher einen Kindergarten in ihrer Nachbarschaft verhinderten, das Obdachlosenheim auf. Als Berliner kann ich mir das nur so erklären, dass der Münchner Penner sich weder äußerlich noch von seinem Verhalten von einem Vorstandsvorsitzenden unterscheidet.

Trotzdem hat Opitz genug politischen Weitblick, das Haus geheim zu betreiben, weil auch in München niemals ein Politiker Bürgermeister wird, der Menschen in Käfigen unterbringt. Warum der noble Herr Opitz dann dieses Projekt durchzieht, obwohl es seine Ambitionen vernichten kann, das weiß nur das Hirn des Dichters.

Bei einer Serie sind natürlich die Hauptcharaktere, ihre Interaktionen und besonderen Fähigkeiten letztendlich wichtiger als der Fall. Doch in „Wer lebt, stirbt“ bleiben sie blass. Das fällt besonders bei Jonas Vogel auf. Denn wenn ein Autor einen Charakter mit einem körperlichen Defekt entwirft, muss dieser auch für die Geschichte eine besondere Bedeutung haben. Letztendlich muss Jonas Vogel den Fall aufklären können weil er blind ist. Er muss etwas sehen können, was kein Sehender sehen kann. In „Wer lebt, stirbt“ hat Vogel die Idee, dass der Mörder am Todestag zum Ort der Tat, was hier das Grab des Toten ist, zurückkehrt. Diese Idee ist nicht sonderlich brillant und jeder könnte sie haben oder auch einfach mal ausprobieren. Jedenfalls, der Mörder tut’s und beichtet Vogel ohne zu zögern seine Taten.

Das ist die unbefriedigende Auflösung eines unbefriedigenden Buches.

Friedrich Ani: Wer lebt, stirbt

dtv, 2007

224 Seiten

7,95 Euro

Homepage des Autors: http://www.friedrich-ani.de/ (eigentlich die Seite von dtv zur Seher-Serie)


TV-Tipp für den 24. September: Tatort: A gmahde Wiesn (+ ein Lektürehinweis)

September 23, 2019

Pünktlich zu dem bekannten Münchner Volksfest zeigt der BR den „Tatort“ dazu:

BR, 20.15

Tatort: A gmahde Wiesn (Deutschland 2007)

Regie: Martin Enlen

Drehbuch: Friedrich Ani

Buch zum Film: Martin Schüller: A gmahde Wiesen, 2009

Kurz vor dem Oktoberfest wird der einflussreiche Stadtrat Hubert Serner umgebracht. Die Kommissare Leitmayr, Batic und Menzinger können sich vor Verdächtigen kaum retten. Denn ohne Serner ging nichts bei der Vergabe der Wies’n-Standplätze und die Zahl seiner Ehemaligen ist immens.

Guter Tatort mit dem zuverlässigen Münchner Team, das uns dieses Mal in die schmutzigen Hinterhöfe des Oktoberfestes entführt.

Mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Michael Fitz, Monika Baumgartner, Franziska Schlattner

Lesehinweis

Zuletzt erschien von Friedrich Ani „All die unbewohnten Zimmer“. In dem Krimialroman treffen seine aus bislang vollkommen eigenständigen Serien bekannte Ermittler Tabor Süden (Ex-Kommissar, inzwischen Privatdetektiv und immer auf der Suche nach verschwundenen Menschen), Jakob Franck (Ex-Kommissar und Überbringer schlimmer Nachrichten) und Polonius Fischer (Ex-Mönch, Kommissar und Leiter des „Die zwölf Apostel“ genannten Kommissariats) aufeinander. Zusammen mit Fariza Nasri (syrichstämmige Kommissarin und neu bei den „zwölf Aposteln) wollen sie zwei rätselhafte Mordfälle – die Ermordung einer Frau und die Erschlagung eines Streifenpolizisten – aufklären, während die öffentliche Debatte sich auf die unfähige Polizei einschießt.

Mit gut fünfhundert Seiten ist „All die unbewohnten Zimmer“ einer der umfangreichsten Romane von Friedrich Ani. Aber das passiert halt, wenn all die guten Ermittler gemeinsam einen Fall lösen und dabei ihre individuellen Ermittlungsstile pflegen müssen.

Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer

Suhrkamp, 2019

496 Seiten

22 Euro

Hinweise

Wikipedia über „Tatort: A gmahde Wiesn“

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „M – Ein Tabor-Süden-Roman“ (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der Narr und seine Maschine“ (2018)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

Homepage von Martin Schüller

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tatort: Die Blume des Bösen“ (Buch zum Film, 2009)

Meine Besprechung von Martin Schüllers “Tatort: A gmahde Wiesn” (Buch zum Film, 2009)

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tatort: Moltke“ (Buch zum Film, 2010)

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tatort: Tempelräuber“ (Buch zum Film, 2010)

Meine Besprechung von Martin Schüllers “111 Tipps und Tricks wie man einen verdammt guten Krimi schreibt“ (2018)

 


Die Krimibestenliste September 2019

September 2, 2019

Die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur empfehlen in ihrer September-Krimibestenliste für die länger werdenden Nächte unter der Leselampe etwas kultivierten Mord und Totschlag:

1. Garry Disher – Kaltes Licht (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 314 Seiten, 22 Euro.

2. Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen (Plazierung im Vormonat: 8)

Aus dem Englischen von Daisy Dunkel.Ariadne im Argument-Verlag, 350 Seiten, 21 Euro.

3. Denise Mina – Klare Sache (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Zoë Beck. Ariadne im Argument-Verlag, 352 Seiten, 21 Euro.

4. Max Annas – Morduntersuchungskommission (Plazierung im Vormonat: 3)

Rowohlt, 346 Seiten, 20 Euro.

5. Dror Mishani – Drei (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro.

6. Selim Özdogan – Der die Träume hört (Plazierung im Vormonat: /)

Edition Nautilus, 288 Seiten, 18 Euro.

7. Adrian McKinty – Cold Water (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Peter Torberg.Suhrkamp Nova, 378 Seiten, 15,95 Euro.

8. Garry Disher – Hitze (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller.Pulp Master, 278 Seiten, 14,80 Euro.

9. George Pelecanos – Prisoners (Plazierung im Vormonat: 10)

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn.Ars Vivendi, 230 Seiten, 18 Euro

10. Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer (Plazierung im Vormonat: 2)

Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.


Die Krimibestenliste August 2019

August 5, 2019

Zwischen Ende der Sommerferien (in Berlin) und Sommerferien präsentieren die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur eiskalt ihre Krimibestenliste für den August:

1. Garry Disher – Kaltes Licht (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 314 Seiten, 22 Euro

2. Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer (Plazierung im Vormonat: 2)

Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.

3. Max Annas – Morduntersuchungskommission (Plazierung im Vormonat: /)

Rowohlt, 346 Seiten, 20 Euro.

4. Nicholas Searle – Der Sprengsatz (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Jan Schönherr. Kindler, 304 Seiten, 20 Euro.

5. Liza Cody – Ballade einer vergessenen Toten (Plazierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Martin Grundmann. Ariadne im Argument-Verlag, 416 Seiten, 22 Euro.

6. Georges Simenon: Maigret im Haus der Unruhe (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Französischen von Thomas Bodmer. Kampa, 220 Seiten, 16,90 Euro.

7. Adrian McKinty – Cold Water (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Suhrkamp Nova, 378 Seiten, 15,95 Euro.

8. Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Daisy Dunkel. Ariadne im Argument-Verlag, 350 Seiten, 21 Euro

9. Mike Nicol – Sleeper (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Mechthild Barth. btb, 512 Seiten, 10 Euro.

10. George Pelecanos – Prisoners (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Ars Vivendi, 230 Seiten, 18 Euro.

Wenn ich mir die Liste ansehen, fällt mir ad hoc (auf meinen Schreibtisch blickend) auf, dass Lee Childs neuer Jack-Reacher-Roman „Keine Kompromisse“ und John Steeles Nordirland-Noir „Ravenhill“ fehlen.

Ansonsten warten Disher, Ani, Nicol und Pelecanos, – alles altbekannte Krimiautoren -, auch bei mir auf eine Lektüre. Ein, zwei, drei andere Bücher sollten noch auf dem Zu-Lesen-Stapel landen. Und McKintys „Cold Water“ wird die Tage abgefeiert.

 


Die Krimibestenliste Juli 2019

Juli 7, 2019

Mitten in der Hochsommerpause präsentieren die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur ihre monatliche Krimibestenliste mit Vorschlägen für lange Nachmittage auf der Couch:

1. Johannes Groschupf – Berlin Prepper (Plazierung im Vormonat: 1)

Suhrkamp, 236 Seiten, 14,95 Euro.

2. Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer (Plazierung im Vormonat: /)

Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.

3. Liza Cody – Ballade einer vergessenen Toten (Plazierung im Vormonat: 2)

Aus dem Englischen von Martin Grundmann. Ariadne im Argument-Verlag, 416 Seiten, 22 Euro.

4. Kate Atkinson – Deckname Flamingo (Plazierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Anette Grube. Droemer 336 Seiten, 19,99 Euro.

5. Mike Nicol – Sleeper (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Mechthild Barth. btb, 512 Seiten, 10 Euro.

6. Alan Carter – Marlborough Man (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Suhrkamp, 383 Seiten, 14,95 Euro.

7. Georges Simenon – Maigret im Haus der Unruhe (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Thomas Bodmer. Kampa, 220 Seiten, 16,90 Euro.

8. Ivy Pochoda – Wonder Valley (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Sabine Roth und Rudolf Hermstein, Ars Vivendi, 400 Seiten, 18 Euro.

9. Harry Bingham – Fiona – Wo die Toten leben (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Kristof Kurz und Andrea O’Brien. Rowohlt, 526 Seiten, 10 Euro.

10. Jim Nisbet – Welt ohne Skrupel (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller. Pulp Master, 233 Seiten, 14,80 Euro.

Bei dem Simenon handelt es sich um die erste Übersetzung des Maigret-Romans. Sonst hätte er nach den Krimibestenliste-Regeln nicht gewählt werden können.

Anis „All die unbewohnbaren Zimmer“ ist einer seiner längsten Romane. Er ist ein Zusammentreffen von seinen Ermittlern Tabor Süden, Jakob Franck, Polonius Fischer und Fariza Nasri (die ebenfalls zu Fischer ‚zwölf Apostel‘-Kommissariat gehört). Mal lesen, wie das endet.

Aktuell lese ich John Steeles fantastischen Nordirland-Kriminalroman „Ravenhill“ (polar). Adrian McKintys ebenfalls in Nordirland spielender Thriller „Cold Water“ (Suhrkamp) liegt auf meinem Zu-lesen-Stapel.

Da liegen auch, frisch eingetroffen, George Pelecanos‘ „Prisoners“ (Ars Vivendi), Estelle Surbranches „Nimm mich mit ins Paradies“ (polar), Harlan Cobens „Suche mich nicht“ (Goldmann) und Lee Childs Jack-Reacher-Roman „Keine Kompromisse“ (Blanvalet).

Das dürften genug Ausreden für die Biergarten-Absage sein.


Privatdetektive: Tabor Süden und „Der Narr und seine Maschine“

Januar 28, 2019

Tabor Süden ist zurück und auf der ersten Seite von „Der Narr und seine Maschine“ steht er auf dem Bahnhof und will wegfahren. Einfach nur weg.

Aber Edith Liebergesell, seine frühere Arbeitgeberin, hält ihn davon ab. Ihre Detektei hat einen neuen Auftrag. Josef Ried, der Besitzer des Hotel Prinz Ludwig, hat sie beauftragt Cornelius Hallig zu finden. Der 64-jährige Hallig schrieb als Georg Ulrich erfolgreiche Kriminalromane. Er ist Alkoholiker, schwerer Raucher und gesundheitlich schwer angeschlagen. Seit über dreißig Jahren lebt er extrem zurückgezogen mit seiner inzwischen verstorbenen Mutter im Prinz Ludwig. Seit vier Tagen ist der Stammgast spurlos verschwunden. Weil Süden vor Jahren einige Romane von Hallig gelesen hat und sie ihm gefielen, nimmt er den Auftrag an.

Während Süden im Hotel seine Arbeit beginnt, stolpert Hallig mit einer Pistole durch München.

Tabor Süden ist erst seit einigen Jahren als Privatdetektiv unterwegs. Davor – und in den meisten Süden-Romanen von Friedrich Ani – war er Polizist in der Vermisstenabteilung der Münchner Polizei. Aber auch schon als Polizist war er ein Exot. Immerhin suchte der Eigenbrötler verschwundene Personen und seine Arbeitsmethode bestand aus dem Eintauchen ins Milieu und dem endlosen Zuhören. Meistens in Lokalen und mit viel Bier. Die Leute die er sucht, sind meistens die kleinen Leute, die man in jeder Eckkneipe trifft. Oft sind sie auch sozial vereinsamt. Ihr Verschwinden ist nicht der Stoff für Zeitungsschlagzeilen und groß angelegte Suchaktionen der Polizei. Falls jemand überhaupt ihr Verschwinden bemerkt und möchte, dass sie gefunden werden.

Als Privatdetektiv setzte Tabor Süden seine Arbeit nahtlos fort.

Friedrich Ani hatte mit diesem Ermittler seinen Durchbruch. In schneller Folge schreib er zwischen 2001 und 2005 zehn jeweils etwa zweihunderseitige Romane, in denen Tabor Süden als Polizist vermisste Personen sucht. Die Romane wurden von der Kritik abgefeiert. Die Leser liebten Tabor Süden. Danach legte Ani eine mehrjährige Süden-Pause ein, in der er erfolglos versuchte andere Ermittler zu etablieren. 2011 kehrte er mit „Süden“ zu Tabor Süden zurück. Seitdem schrieb er mehrere Süden-Romane, in denen Tabor Süden in der Detektei Liebergesell eine neue Heimat und Familie fand.

Vor elf Jahren wurden zwei Süden-Romane verfilmt: „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ von Dominik Graf und „Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin“ von Martin Enlen. Ulich Noethen spielt Tabor Süden. Das ZDF stellte die potentielle Serie noch vor der Ausstrahlung des ersten TV-Films ein. Soweit ich mich erinnere, zeigte das ZDF die sehenswerten Filme seitdem nicht mehr.

Der Narr und seine Maschine“ ist das 21. Süden-Buch. Es ist in dem unverkennbaren Ani-Tonfall geschrieben mit den typischen Ani-Figuren, die man abseits der lauten Szene-Lokale sieht und denen er seit Jahren eine Stimme verleiht. Und selbstverständlich interessiert sich Ani auch dieses Mal nicht für den perfekt durchkonstruierten Krimiplot. Aber das ist egal. Die traurig-melancholische Stimmung überzeugt wieder einmal.

Friedrich Ani: Der Narr und seine Maschine

Suhrkamp, 2018

144 Seiten

18 Euro

Die Romanauftritte von Tabor Süden

Die Erfindung des Abschieds, 1998

German Angst, 2000

Verzeihen, 2001 (Neuauflage unter dem Titel Süden und die Stimme der Angst)

Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels, 2001

Süden und der Straßenbahntrinker, 2002

Süden und die Frau mit dem harten Kleid, 2002

Süden und das Geheimnis der Königin, 2002

Süden und das Lächeln des Windes, 2003

Gottes Tochter, 2003

Süden und der Luftgitarrist, 2003

Süden und der glückliche Winkel, 2003

Süden und das verkehrte Kind, 2004

Süden und das grüne Haar des Todes, 2005

Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel, 2005

Der verschwundene Gast, 2008

Süden, 2011

Süden und die Schlüsselkinder, 2011

Süden und das heimliche Leben, 2012

M, 2013

Der einsame Engel, 2016

Der Narr und seine Maschine, 2018

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und das heimliche Leben“ (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “M” (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. Januar: Tatort: Das Glockenbachgeheimnis

Januar 22, 2019

BR, 20.15

Tatort: Das Glockenbachgeheimnis (Deutschland 1999)

Regie: Martin Enlen

Drehbuch: Friedrich Ani

Wer ermordete Hauserbe Martens? Und was ist das Geheimnis des Glockenbaches?

Guter Münchner „Tatort“ mit den Kommissaren Batic (Miroslav Nemec), Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Menzinger (Michael Fitz). Iris Berben spielt eine dubiose Caféhaus-Besitzerin.

Hinweise

Tatort-Fundus über die Kommissare Batic und Leitmayr

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und das heimliche Leben“ (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “M” (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

P. S.: In Arbeit: Meine Besprechung von Friedrich Anis neuem Süden-Roman “ Der Narr und seine Maschine“ (Suhrkamp)


Die Krimibestenliste Januar 2019

Januar 7, 2019

Neues Jahr, neue Krimibestenliste der F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur:

1. Sara Paretsky – Kritische Masse (Platzierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski. Ariadne im Argument-Verlag, 540 Seiten, 24 Euro.

2. Un-Su Kim – Die Plotter (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Rainer Schmidt. Europa, 360 Seiten, 24 Euro.

3. Patrícia Melo – Der Nachbar (Platzierung im Vormonat: 5)

Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita. Tropen, 160 Seiten, 18 Euro.

4. Fred Vargas – Der Zorn der Einsiedlerin (Platzierung im Vormonat: 3)

Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 Seiten, 23 Euro.

5. Louise Penny – Hinter den drei Kiefern (Platzierung im Vormonat: 2)

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Kampa, 496 Seiten, 16,90 Euro.

6. Tana French – Der dunkle Garten (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Scherz, 656 Seiten, 16,99 Euro.

7. Christoph Peters – Das Jahr der Katze (Platzierung im Vormonat: 9)

Luchterhand, 352 Seiten, 22 Euro.

8. Anne Goldmann – Das größere Verbrechen (Platzierung im Vormonat: 6)

Ariadne im Argument-Verlag, 240 Seiten, 13 Euro.

9. Cloé Mehdi – Nichts ist verloren (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Cornelia Wend. Polar, 312 Seiten, 18 Euro.

10. James Anderson – Desert Moon (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Harriet Fricke. Polar, 344 Seiten, 18 Euro

Von mir kommen die Tage einige Worte zu den bei uns neuen (im Original teils schon vor Jahren erschienenen) Werken von Joe R. Lansdale, James Lee Burke, George Pelecanos, Friedrich Ani und Sara Paretsky. Damit dürfte dann meine kritische Masse erreicht sein.


Die Krimibestenliste Dezember 2018

Dezember 3, 2018

Die aktuelle Krimibestenliste der F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur kann auch als weihnachtliche Einkaufsliste dienen:

1. Sara Paretsky – Kritische Masse (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski. Ariadne im Argument-Verlag, 540 Seiten, 24 Euro

2. Louise Penny – Hinter den drei Kiefern (Platzierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Kampa, 496 Seiten, 16,90 Euro

3. Fred Vargas – Der Zorn der Einsiedlerin (Platzierung im Vormonat: 2)

Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 Seiten, 23 Euro

4. Mick Herron – Slow Horses. Ein Fall für Jackson Lamb (Platzierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. Diogenes, 480 Seiten, 24 Euro

5. Patrícia Melo – Der Nachbar (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita. Tropen, 160 Seiten, 18 Euro

6. Anne Goldmann – Das größere Verbrechen (Platzierung im Vormonat: /)

Ariadne im Argument-Verlag, 240 Seiten, 13 Euro

7. Simone Buchholz – Mexikoring (Platzierung im Vormonat: 4)

Suhrkamp, 248 Seiten, 14,95 Euro

8. Carol O’Connell – Blind Sight (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Judith Schwaab. btb, 512 Seiten, 10 Euro

9. Christoph Peters – Das Jahr der Katze (Platzierung im Vormonat: 9)

Luchterhand, 352 Seiten, 22 Euro

10. Mechtild Borrmann – Grenzgänger (Platzierung im Vormonat: /)

Droemer, 286 Seiten, 20 Euro

Mit 8 Frauen dürfte das die frauenlastigste Krimibestenliste aller Zeiten sein.

Da muss sich Friedrich Ani mit seinem neuen Süden-Roman „Der Narr und seine Maschine“ (Suhrkamp, 144 Seiten, 18 Euro) wohl noch einen Monat gedulden.

Und Joe R. Lansdale sollte mit seinem neuen Krimi „Bissige Biester“ (Golkonda, 272 Seiten, 16,90 Euro), wieder mit dem Duo Hap Collins und Leonard Pine, ebenfalls kommenden Monat eine lobende Erwähnung erhalten.

Damit wären wir, für den Moment, beim Dreckigen Dutzend.


TV-Tipp für den 5. Februar: Der namenlose Tag

Februar 5, 2018

ZDF, 20.15

Der namenlose Tag (Deutschland 2018)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff

LV: Friedrich Ani: Der namenlose Tag,2015

Als Doris Winther sich erhängt, rollt der pensionerte Kommissar Jakob Franck einen alten Fall wieder auf: vor Jahren hatte Doris Winthers Tochter Esther Suizid begangen. Franck fragt sich jetzt, ob er damals etwas übersehen hatte und Esther ermordet wurde.

TV-Premiere: Schlöndorff verfilmt Ani. Was kann da schief gehen?

Mit Thomas Thieme, Devid Striesow, Ursina Lardi, Jan Messutat, Stephanie Amarell, Ursina Lardi

Die Vorlage, als Taschenbuch

Friedrich Ani: Der namenlose Tag

Suhrkamp, 2016

304 Seiten

10,99 Euro

Der zweite Fall für Jakob Franck; jetzt sucht er den Mörder eines elfjährigen Jungen

Friedrich Ani: Ermordung des Glücks

Suhrkamp, 2017

320 Seiten

20 Euro

Hinweise

ZDF über „Der namenlose Tag“

Filmportal über „Der namenlose Tag“

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “M” (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Die Krimibestenliste Dezember 2017

Dezember 4, 2017

Die letzte Krimibestenliste der F.A.S. und des Deutschlandfunk Kultur vor der Jahresbestenliste enthält folgende Krimis, die sich damit für die Jahresbestenliste qualifiziert haben. Wenn die Jahresbestenliste wie in den vergangenen Jahren aus den Krimis ausgemendelt wird, die auf den monatlichen Krimibestenlisten erwähnt wurden:

1. Jan Costin Wagner – Sakari lernt, durch Wände zu gehen (Platzierung im Vormonat: /)

2. John le Carré – Das Vermächtnis der Spione (Platzierung im Vormonat: 1)

3. Oliver Bottini – Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens (Platzierung im Vormonat: /)

4. Norbert Horst – Kaltes Land (Platzierung im Vormonat: 5)

5. Tom Franklin – Smonk (Platzierung im Vormonat: /)

6. Iori Fujiwara – Der Sonnenschirm des Terroristen (Platzierung im Vormonat: 4)

7. Andreas Pflüger – Niemals (Platzierung im Vormonat: 7)

8. Dave Zeltserman – Small Crimes (Platzierung im Vormonat: 6)

9. Liza Cody – Krokodile und edle Ziele (Platzierung im Vormonat: 10)

10. Friedrich Ani – Ermordung des Glücks (Platzierung im Vormonat: 3)

Liza Cody – da kann ich schnell Marcie Rendons ebenfalls bei Ariadne im Argumentverlag erschienen Indianerkrimi „Am roten Fluss“ empfehlen. Die Geschichte spielt 1970 in der Gegend um Fargo. Die 19-jährige indianische Landarbeiterin Cash will herausfinden, wer einen anderen Landarbeiter ermordete.

Die ersten Seiten lesen sich verdammt gut.


Die Krimibestenliste November 2017

November 7, 2017

Die Zeit, die man auf der Kuschelcouch unter dem Licht einer Lampe mit einem dicken Buch verbringen kann, wird länger und die November-Krimibestenliste (präsentiert von F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur) hat da einige Lesetipps:

1. (-) John le Carré – Das Vermächtnis der Spione

2. (3) Lisa Sandlin: Ein Job für Delpha

3. (2) Friedrich Ani – Ermordung des Glücks

4. (-) Iori Fujiwara – Der Sonnenschirm des Terroristen

5. (-) Norbert Horst – Kaltes Land

6. (-) Dave Zeltserman – Small Crimes

7. (-) Andreas Pflüger – Niemals

8. (9) David Whish-Wilson – Die Ratten von Perth

9. (-) Tanguy Viel – Selbstjustiz

10. (-) Liza Cody – Krokodile und edle Ziele

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Einiges, vor allem aus dem Hardboiled-Bereich, wie Lisa Sandlin und Dave Zeltserman, liegen bei mir rum. Iori Fujiwara in Japan bereits 1998 erschienener Roman über einen japanischen Terroristen, der nach zwei Jahrzehnten im Untergrund in einen Terroranschlag in Tokio verwickelt wird und seine Unschuld beweisen will, liegt auch auf meinem Zu-lesen-Stapel.

Zuletzt habe ich Tom Franklins wüstes Werk „Smonk“ (pulp master) gelesen. Besprechung demnächst. Craig Johnsons Neowestern „Longmire: Bittere Wahrheiten“ lese ich gerade. Die „Longmire“-TV-Serie basiert auf Johnsons Romanen.

Und dazwischen werden die Kurzgeschichten aus „Paris Noir“ (unter anderem von Didier Daeninckx, Jérôme Leroy, Chantal Pelletier und Jean-Bernard Pouy) genossen. Auch dazu demnächst mehr begeisterte Worte. Wenn’s klappt in einer Doppelbesprechung mit „Nighthawks: Stories nach Gemälden von Edgar Hopper“ (von, u. a., Lee Child, Michael Connelly, Jeffery Deaver, Stephen King, Joyce Carol Oates, Joe R. Lansdale und Lawrence Block – herrje, das Buch kann gar nicht schlecht sein).


Die Krimibestenliste Oktober 2017

Oktober 1, 2017

Erntedankfest überstanden und die Oktober-Krimibestenliste (präsentiert von F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur) studiert:

1 (1) Simone Buchholz: Beton Rouge

2 (-) Friedrich Ani: Ermordung des Glücks

3 (7) Lisa Sandlin: Ein Job für Delpha

4 (5) Sven Heuchert: Dunkels Gesetz

5 (-) Viet Thanh Nguyen: Der Sympathisant

6 (2) Ottessa Moshfegh: Eileen

7 (8) Robert Hültner: Lazare und der tote Mann am Strand

8 (10) Christian v. Ditfurth: Giftflut

9 (-) David Whish-Wilson: Die Ratten von Perth

10 (-) Xiao Bai: Die Verschwörung von Shanghai

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


Deutscher Krimi Preis 2017 vergeben

Januar 21, 2017

Wie in den vergangenen Jahren hat eine 24-köpfige Jury (davon sieben Frauen) aus Krimi-Kritikern, Literaturwissenschaftlern und Krimi-Buchhändlern, den inzwischen 33. Deutschen Krimipreis (kurz DKP) ohne großes Tamtam in zwei Kategorien vergeben:

National

1. Platz: Max Annas: Die Mauer (Rowohlt)

2. Platz: Simone Buchholz: Blaue Nacht (Suhrkamp)

3. Platz: Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht (Tropen)

International

1. Platz: Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel (The Heavenly Table) (Liebeskind)

2. Platz: Liza Cody: Miss Terry (Miss Terry) (Ariadne bei Argument)

3. Platz: Garry Disher: Bitter Wash Road (Bitter Wash Road) (Unionsverlag)

Wie immer: einen herzlichen Glückwunsch an die vier Gewinner und die zwei Gewinnerinnen.

Wer in den letzten Monaten die KrimiZeit-Bestenliste und die Besprechungen verfolgte, dürfte nicht überrascht sein. Auch wenn einige alte Lieblinge (wie Friedrich Ani, Ken Bruen, James Lee Burke, Joe R. Lansdale, Philip Kerr, Lee Child, Don Winslow [okay, sein letzter neuer Roman war auch nicht preiswürdig] und Horst Eckert [der bei den Krimi-Kritikern eh einen seltsam schweren Stand hat]), trotz neuer Romane, nicht erwähnt werden.


Die KrimiZeit-Jahresbestenliste 2016

Dezember 19, 2016

Zum Jahresende gibt es immer die Jahresbestenliste der KrimiZeit-Jury von Zeit und Nordwestradio. Auf diese Liste können nur Kriminalromane gelangen, die in den vergangenen Monaten auf einer der Monatslisten waren, was dann das Ergebnis doch etwas vorhersehbar macht:

1 Garry Disher: Bitter Wash Road (Unionsverlag)

2 Simone Buchholz: Blaue Nacht (Suhrkamp)

3 Max Annas: Die Mauer (Rowohlt)

4 Liza Cody: Miss Terry (Ariadne im Argumentverlag)

5 Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht (Tropen)

6 Giancarlo De Cataldo/Carlo Bonini: Die Nacht von Rom (Folio)

7 Andreas Pflüger: Endgültig (Suhrkamp)

8 James Grady: Die letzten Tage des Condor (Suhrkamp)

9 Dominique Manotti: Schwarzes Gold (Ariadne im Argumentverlag)

10 Malla Nunn: Tal des Schweigens (Ariadne im Argumentverlag)

Zehn Romane, drei von Suhrkamp, drei von Ariadne. Da scheint es starke biotopische Tendenzen zu geben. Auch weil viele Autoren sattsam bekannt sein. Einige fehlen. Spontan fällt mir Friedrich Ani ein (der ja auf den letzten Monatslisten war). Auch James Lee Burke fehlt. Er wurde letztes Jahr wie der wiederkehrte Heiland in den Himmel hochgejubelt und von dem, neben Neuauflagen (zuletzt „Blut in den Bayous“, Pendragon) auch neue Romane übersetzt wurden. Oder Joe R. Lansdale. Ebenso, sofern die Bücher auf den Monatslisten waren, alles von Pendragon, Polar, pulp master und Golkonda. Von den kleinen Verlagen. Bei den großen Publikumsverlagen, wie Heyne und Goldmann, sieht es nicht viel besser aus.

Trotzdem ist es eine schöne Liste, die mich daran erinnert, endlich mal die hier erwähnten Romane von Garry Disher, James Grady (gerne in Verbindung mit dem ersten Condor-Roman) und Dominique Manotti zu lesen. Bei einigen Werken, vor allem denen von Simone Buchholz und Franz Dobler, spricht mich dagegen schon der Klappentext absolut nicht an.

Liza Codys „Miss Terry“ lese ich gerade und bis jetzt hält sich meine Begeisterung in Grenzen.


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