DVD-Kritik (+ Lesehinweise): „No second Chance“ für Harlan Coben?

Mai 3, 2019

Als Dr. Alice Lambert im Krankenhaus auf der Intensivstation erwacht, ist ihr Leben zerstört. Sie wurde von einem Unbekannten in ihrem Vorstadthaus angeschossen. Ihr Mann ist tot und ihre kleine Tochter Tara verschwunden. Kurz darauf erhält sie eine Lösegeldforderung mit den üblichen Bedingungen. Ihre Schwiegereltern, die ein nobles Landhotel betreiben, können das Lösegeld beschaffen. Aber die Übergabe – bei der dann doch die Polizei dabei ist – geht schief.

Zwei Jahre später erhält Lambert eine Nachricht von den Entführern. Ihre Tochter lebt noch.

Spätestens in diesem Moment weiß der geübte Thrillerfan, dass es sich um keine normale Entführung handelt.

Die französische sechsteilige Miniserie „No second Chance“, die in Frankreich ein Hit war, basiert auf Harlan Cobens Bestseller „Keine zweite Chance“ (No second chance, 2003).

Der Roman war, nach mehreren hochgelobten und ausgezeichneten Myron-Bolitar-Privatdetekivromanen, ein weiterer Einzelroman. Mit ihnen gelang Cobens der Durchbruch beim breiten Publikum. Diese Thriller sind im Kern alle ähnlich aufgebaut. Immer geht es um Verbrechen und Geheimnisse in der Vorstadt. Immer stehen ganz normale (naja, mehr oder weniger normale) Menschen im Mittelpunkt der Geschichte. Und immer erfährt der Protagonist dass er sich einige tiefgreifende Illusionen über sein Leben gemacht hat.

Selbstverständlich interessierte Hollywood sich schnell für diese Bestseller. Jeder von Cobens Romanen hat das Potential für einen spannenden Thriller. Aber bis jetzt gibt es keine Hollywood-Verfilmung eines Coben-Romans. Dafür gibt es mehrere französische Verfilmungen, in denen die Geschichten von den USA nach Frankreich verlegt werden und erstaunlich gut funktionieren. Bei „No second Chance“ wurde auch, mit Cobens Einverständnis, das Geschlecht der Hauptperson geändert. Aus Marc Seidman wurde Alice Lambert. Es gibt noch einige weitere Änderungen, die so gelungen sind, dass sie jederzeit wirken, als stünden sie genau so im Roman.

Die Macher der Miniserie jonglieren über sechs Stunden gelungen zwischen verschiedenen Handlungssträngen. Vor allem aus dem Wechsel zwischen Lamberts Versuchen, ihre Tochter wiederzubekommen, während sie sich fragt, wem sie überhaupt vertrauen kann, und den Ermittlungen der Polizei, entsteht eine beträchtliche Spannung. Die Ermittler versuchen einerseits, die Entführer zu finden, verdächtigen dabei auch Lambert (Warum wurde sie in den Rücken geschossen, wenn die Einbrecher doch die Haustür gewaltsam aufbrachen?) und sie haben Ärger mit anderen Abteilungen und Anweisungen, die ihre Ermittlungen immer wieder behindern. Vor allem die Rolle von Richard Millot ist unklar. Er ist Lamberts Jugendfreund. Jetzt, nachdem er jahrelang keinen Kontakt zu ihr hatte, hilft er ihr anscheinend selbstlos und er ist ein Agent mit unklarer Zuständigkeit und Auftrag.

Alle Figuren sind knapp und präzise gezeichnet. Die Story bewegt sich mit zahlreichen überraschenden Wendungen und Cliffhangern ständig vorwärts.

Die Schauspieler, Ausstattung und Locations überzeugen. Damit ist alles vorhanden für sechs spannende Stunden oder eine schlaflose Nacht. Aber daran sind Coben-Fans von seinen Romanen gewohnt.

Die Miniserie „No second Chance“ ist auch deutlich gelungener als „Just one Look“, die zweite TV-Miniserie, die ebenfalls auf einem Roman von Harlan Coben basiert und ebenfalls von Sydney Gallonde für das Fernsehen bearbeitet wurde.

Für Coben-Fans und Thrillerfans ist „No second Chance“ daher eine klare Empfehlung. Außerdem hat Harlan Coben in der letzten Folge einen längeren Auftritt.

No second Chance (Une chance de trop, Frankreich 2015)

Regie: François Velle

Drehbuch: Delinda Jacobs, Patrick Renault, Emilie Clamart-Marsollat, Frédéric Chansel, Olivier Kohn, Kristel Mudry, Mehdi Ouahab, Sébastien Vitoux

Erfinder: Sydney Gallonde

LV: Harlan Coben: No second Chance, 2003 (Keine zweite Chance)

mit Alexandra Lamy, Pascal Elbé, Lionel Abelanski, Hippolyte Girardot, Charlotte Des Georges, Lionnel Astier, Samira Lachhab, Francis Renaud, Arielle Sémenoff, Geoffroy Thiébaut, Yoli Fuller, Jean-François Vlerick, Dana Delany, Harlan Coben

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 336 Minuten (6 Folgen auf 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Harlan Coben: Keine zweite Chance

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2005

448 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

No Second Chance

Dutton, 2003

Neu von Harlan Coben

Bei einem Überfall wird Maya Burketts Mann Joe ermordet. Kurz nach seiner Beerdigung sieht sie ihn auf neuen Aufnahmen ihrer Nanny-Cam mit ihrer Tochter spielen. Maya, eine Ex-Soldatin mit Kampferfahrung, fragt sich, ob sie ihren Augen trauen kann. Sie will herausfinden, was hinter den Bildern steckt. Sie muss sich dafür auch mit Joes vermögender Familie anlegen.

In ewiger Schuld“ ist ein weiterer Einzelroman von Harlan Coben und, nun, eine Lösung können wir schon jetzt ausschließen.

Harlan Coben: In ewiger Schuld

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2019

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Fool me once

Dutton, 2016

Hinweise

AlloCiné über „No second Chance“

Wikipedia über „No second Chance“

Homepage von Harlan Coben

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Meine Besprechung von Ludovic Colbeau-Justin Harlan-Coben-Verfilmung „Just one Look“ (Juste un regard, Frankreich 2017)

Harlan Coben in der Kriminalakte

 


“Abgeblockt” von Myron Bolitar, assistiert von Harlan Coben

Juli 19, 2017

Seit einigen Monaten veröffentlicht der Goldmann Verlag die noch ausstehenden Myron-Bolitar-Romane. Im Dezember erschien „Preisgeld“ (Back Spin), der vierte Bolitar-Roman. Für September ist „Böses Spiel“ (The final detail), der sechste Bolitar-Roman, und für Januar 2018 „Seine dunkelste Stunde“ (The darkest fear), der siebte Bolitar-Roman, angekündigt.

Myron Bolitar ist der erste Seriencharakter von Harlan Coben. Zwischen 1995 und 2000 veröffentlichte er in den USA sieben Kriminalromane mit dem Sportagenten, der auch, zum Schutz seiner Klienten, als Privatdetektiv arbeitet. Vor allem sein Freund Windsor Horne Lockwood III, kurz Win, gutaussehend, sehr vermögend und sehr kompetent (in jeder denkbaren Beziehung), hilft ihm dabei.

Mit diesen flotten PI-Romanen erschrieb Coben sich in der Krimi-Szene schnell einen guten Namen, bevor er mit seinen Standalone-Romanen zum Bestseller-Autor wurde. Sein erstes, auch verfilmtes Einzelwerk „Kein Sterbenswort“ stand unter anderem auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Seitdem schrieb er zahlreiche Einzelromane und vier weitere Bolitar-Romane, die auch schnell übersetzt wurden. Aber einige seiner alten Bolitar-Romane, wie „Abgeblockt“, wurden nicht übersetzt. Im Original erschien der Krimi 1998 als „One false move“ und er ist, aus heutiger Sicht, eine Reise in die Vergangenheit, als es noch kein Google und Facebook gab, das Internet in den Kinderschuhen steckte (falls überhaupt) und Ermittlungen mit Telefonen, Archivbesuchen und, wie es sich für einen richtigen Hardboiled-Roman gehört, Schlägereien erledigt wurden.

Myron soll die junge, gutaussehende und sehr talentierte Basketballspielerin Brenda Slaughter beschützen. Sie erhält anonyme Anrufe und ihr Vater, ein ehemaliger Spieler, Trainer (auch von Myron) und ihr Manager, ist spurlos verschwunden.

Er hat zwar keine Erfahrung als Bodyguard, aber er hofft, Brenda, die gerade keinen Agenten hat, als neue Kundin zu gewinnen. Also nimmt er den Auftrag an.

Er vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Brendas Vater und den Anrufen gibt und dass die Lösung in der Vergangenheit liegt.

Abgeblockt“ ist ein typischer Bolitar- und Coben-Roman: flott geschrieben, witzig, unterhaltsam und mit einer Lösung, die man hätte erraten können, wenn man die Puzzleteile richtig zusammengefügt hätte. Ein echter Pageturner und die ideale Lektüre für den Sommerurlaub. Egal wo er verbracht wird.

Weil bei Serien ja immer wieder die Frage aufkommt. „Abgeblockt“ kann vollkommen unabhängig von den anderen Bolitar-Romanen gelesen werden. Auch wenn Bolitar-Fans alten Bekannten wieder begegnen und, was erst bei den vier nach 2000 erschienenen Bolitar-Romanen auffällt, Coben seine Charaktere in Echtzeit altern lässt.

Harlan Coben: Abgeblockt

(übersetzt von Gunnar Kwisinski und Friedo Leschke)

Goldmann, 2017

384 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

One false move

Delacorte Press, 1998

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte


Harlan Coben verspricht „Ich finde dich“

März 26, 2014

Harlan Cobens neuer Thriller „Ich finde dich“ beginnt mit einer typischen Harlan-Coben-Situation: der Ich-Erzähler Jake Fisher ist ein beliebter College-Lehrer und immer noch Single. Vor sechs Jahren heiratete seine große Liebe Natalie den etwas älteren Todd Sanderson und Jake versprach ihr, sie in Ruhe zu lassen.
Als er auf der Universitätsseite die Todesanzeige von Todd entdeckt, bricht er sein Versprechen. Er fährt zur Beerdigung – und entdeckt sie nicht. Todds Frau ist eine ganz andere und niemand kennt Natalie. Denn der Tote war schon seit Ewigkeiten glücklich verheiratet und hat fast erwachsene Kinder.
Jake fragt sich, was da los ist und beginnt sie zu suchen. Aber Natalie ist nach der Hochzeit spurlos verschwunden. Schon bei einer ersten Recherche im Internet findet er keine neuen Informationen über die Künstlerin. Auch Shanta Newlin, eine Arbeitskollegin, die vorher für das FBI und die CIA gearbeitet hat, findet keine Informationen über Natalie.
In der Kirche gibt es noch nicht einmal einen Hinweis auf die Hochzeit und das Künstlerrefugium, in dem sie sich kennen lernten, existiert nicht mehr. Die Einheimischen behaupten sogar, es habe nie eines gegeben.
Langjährige Harlan-Coben-Fans werden, wie ich, einige Teile der Lösung schnell erahnen. Denn natürlich ist Jake nicht verrückt. Es gibt einen guten Grund, weshalb Natalie nach der Hochzeit spurlos verschwand und sie heute von halbseidenen, bewaffneten Typen gejagt wird, die auch Jake zu Hause besuchen. Außerdem raten alle Jake, nicht weiter nach Natalie zu suchen. Dabei wissen einige mehr über Natalies verschwinden, als sie ihm sagen. Und sie schickt ihm sogar eine E-Mail, in der sie ihn an sein Versprechen erinnert.
„Ich finde dich“ ist ein spannender Thriller, der alles das bietet, was man von einem Harlan-Coben-Pageturner erwartet: flotte Unterhaltung und dieses unangenehme Gefühl, nicht aufhören zu können, obwohl man eigentlich gerade keine Zeit hat, noch ein Kapitel zu lesen. Schlaflose Nächte und, wenn man das Buch mit zur Arbeit nimmt, lange Toilettensitzungen sind die Folge.
Coben - Ich finde dich - 2
Harlan Coben: Ich finde dich
(übersetzt von Gunnar Kwisinski)
Page & Turner, 2014
416 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Six Years
Dutton, 2013

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Nur zu deinem Schutz” (Shelter, 2011)

Harlan Coben in der Kriminalakte


Harlan Coben und das lauschige Vorstadtleben mit pubertierenden Kindern

März 17, 2011

Wahrscheinlich muss man Amerikaner sein oder die dortige Kultur und Psychosen gut kennen, um die Geschichte von Harlan Cobens neuem Roman „In seinen Händen“ wirklich genießen zu können. Denn im Mittelpunkt des Thrillers steht, wieder einmal, das Vorstadtleben und die Mühen und Sorgen von liebevollen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern, die einerseits Alkohol trinken wollen, andererseits dies vor dem Gesetz noch nicht dürfen. Denn in den USA darf man zwar mit 16 Jahren ein Auto fahren, aber erst mit 21 Jahren Alkohol trinken. Eine Regel, die bei uns immer wieder für Kopfschütteln sorgt.

Eine andere große Sorge amerikanischer Eltern und ihrer Kinder ist, dass sie auf die richtige Universität kommen. „Richtig“ bedeutet vor allem eine Elite-Universität. Jede Universität hat ein Auswahlverfahren und, neben den Noten, spielen auch bestimmte Quoten (wie dass eine bestimmte Zahl Afroamerikaner oder sozial Schwacher aufgenommen werden sollen) und das Verhalten der Bewerber eine Rolle. Da kann einem schon eine Strafe wegen Alkoholkonsum die Traumuni vermasseln.

In Deutschland sind die Unterschiede zwischen den Universitäten nicht so groß und es gibt keine großartigen Auswahlverfahren.

Und dann gibt es in den USA noch eine gewaltige, teils schon hysterische Jagd auf Pädophile und Sexualstraftäter. Das dafür wichtigste Gesetz ist „Megan’s Law“. Danach können die Namen von Sexualstraftätern, die sich an Minderjährigen vergangen haben, veröffentlicht werden. Das gilt auch, wenn der Geschlechtsverkehr einvernehmlich war und der Altersunterschied zwischen beiden nur einige Monate beträgt. Minderjährig ist Minderjährig.

All diese Regeln und Konventionen sind für uns eher fremd, aber sie bestimmen noch mehr als in den vorherigen Thrillern des vierfachen Vaters Harlan Coben seinen neuesten Roman „In seinen Händen“, der mit der Bloßstellung des pädophilen, enorm beliebten und engagierten Sozialarbeiters Dan Mercer durch die TV-Journalistin Wendy Tynes beginnt.

Während der Gerichtsverhandlung beginnt sie an Mercers Schuld zu zweifeln. Denn außer einigen Bildern in seiner Wohnung und vier Jugendlichen hat sich keines seiner Opfer gemeldet. Aber normalerweise ist ein Pädophiler ein Serientäter mit vielen Opfern. Außerdem steht seine Ex-Frau zu ihm. Kurz nachdem die Klage vom Gericht abgewiesen wird, ruft Mercer bei der Journalistin an. Er will sich mit ihr Treffen und sagt, dass nichts so sei, wie es aussehe.

Sie willigt ein und während des Treffens wird Mercer vor ihren Augen erschossen. Sie glaubt, dass Ex-U.-S.-Marshal Ed Grayson, dessen Sohn zu Mercers Opfern gehört, der Täter ist. Aber es gibt keine Beweise gegen Grayson und eigentlich will ihn auch niemand anklagen.

Als dann in Mercers Hotelzimmer das iPhone der vor einigen Monaten verschwundenen siebzehnjährigen Musterschülerin Haley McWaid gefunden wird, scheint der Fall klar.

Nur Wendy Tynes zweifelt weiter. Vor allem, als sie entdeckt, dass in letzter Zeit mit halbseidenen Anschuldigungen das Leben von Mercers Studentenfreunde zerstört wurde. Sie fragt sich, ob sich jemand an ihnen für irgendetwas, das sie während des Studiums taten, rächen will.

Dieser Hauptplot entwickelt sich allerdings arg zäh und verschwindet immer wieder unter verschiedenen Nebengeschichten, die die Hauptgeschichte nicht wirklich voranbringen, aber dafür das Vorstadtleben ausmalen. Außerdem geschehen einige Plotwendungen arg plötzlich und das Verhalten einiger Charaktere ist arg rätselhaft. So hat Wendy keinen Grund, Mercers Collegefreunden zu vertrauen. Vor allem nachdem sie annehmen muss, dass sie in der Vergangenheit irgendetwas ausgefressen haben, das sie ihr nicht verraten wollen. Trotzdem suchen sie gemeinsam den Täter.

Und wenn dann am Ende der Haupttäter der taffen Reporterin freiwillig seine Taten gesteht, zeigt sich, dass Coben ein gewaltiges Problem mit dem Ende hatte. Auch die anderen Verbrecher gestehen freiwillig ihre Taten. Aber warum sollte jemand freiwillig ein Verbrechen gestehen?

Außerdem deutet Harlan Coben dieses Mal schon sehr früh und sehr deutlich die Lösung an. Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil er in seinen anderen Thrillern am Ende immer einige absolut überraschende, aber schlüssige Twists bot.

In seinen Händen“ ist, nach dem enttäuschendem Myron-Bolitar-Pulp „Von meinem Blut“ (denn Terrorismus und weltumspannende Verschwörungen gehören nicht in die Welt eines Sportagenten), wieder ein flott geschriebenes, letztendlich aber enttäuschendes Werk von Harlan Coben. Vielleicht sollte er mal – persönliche Betroffenheit hin, persönliche Betroffenheit her – die Sorgen der Eltern über die Schulabschlüsse ihrer Kinder und die Wunschuniversität links liegen lassen und einen ordentlichen Thriller schreiben.

Sein neuestes Buch „Live Wire“, dem zehnten Myron-Bolitar-Roman, der die Tage in den USA erscheint, könnte ein solches Buch sein.

Harlan Coben: In seinen Händen

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Page & Turner, 2011

448 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Caught

Dutton, 2010

Lesereise (naja, eher Stippvisite)

Freitag, 18. März, 20.00 Uhr, Köln, MS RheinEnerngie/Literaturschiff (im Rahmen der lit.cologne)

Samstag, 19. März, 20.30 Uhr, München, Hugendubel Fünf Höfe (im Rahmen des Krimifestival München)

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Bonusmaterial

Ein ausführliches Interview mit Harlan Coben

 


Einige Interviews mit Harlan Coben

November 24, 2010

Ohne weitere Worte:

Den ersten Teil finde ich nicht, aber dafür den Rest:

Zuletzt erschien bei uns von Harlan Coben der neue Myron-Bolitar-Krimi „Von meinem Blut“ (Long lost).


Kleinkram: Interviews mit Andreas Steinhöfel, Elmore Leonard und Harlan Coben, Neuigkeiten zu „Killshot“, Filmbesprechungen von „Das Fenster zum Hof“ und „Gewagtes Alibi“

Mai 18, 2009

Bei Planet Interview beantwortet Jugendkrimibuchautor Andreas Steinhöfel viele Fragen:

Nur aus Konflikten entsteht eine Bewegung, sowohl im Kopf als auch nach außen. Entwicklung findet immer unter Gegensätzen, die aufeinander prallen, statt. Nichts passiert von allein.

Warum er Krimis schreibt:

Mit Kriminalgeschichten hält man Kinder mit am besten bei der Stange. Es ist ein probates Mittel, um Inhalte zu transportieren, sozusagen die ideale Art, Unterhaltung mit Anspruch zu paaren. (…) Wenn am Schluss nur die Unterhaltung für den kindlichen Leser übrig bleibt, ist das in Ordnung für mich. Wenn die sagen: Das war eine spannende Abenteuergeschichte, ein cooler Krimi, super. Aber es sind dann immer welche da, die tiefer sehen, die erkennen, dass Rico nicht der gängige Held aus dem Kinderbuch ist.

Und was er selbst liest:

Wenn ich dann wirklich Zeit zu lesen habe, dann sind es letztendlich immer die Engländer oder Amerikaner, die ich lese. Ich mag, wie sie Unterhaltung mit Anspruch kombinieren. Deutsche Literatur ist mir fast immer zu kopflastig.

Ach, lest das ganze Interview.

In den USA ist Elmore Leonards neuer Roman „Road Dogs“ erschienen.  Bei Amazon.com gibt’s ein Interview. Duane Swierczynski hat ihn getroffen und er hat auch gleich noch ein schon etwas älteres Interview gepostet:

I’m always making it up as I go along. The first 100 pages seem to work, because I’m introducing characters, and we find out what their angle is. But then from 100–and I always think of it that way, in three parts—but from 100 to 200 is when I have to do a little plotting. And I don’t want the plot to be obvious. I want the reader to wonder what’s going to happen and be surprised at what develops. Because now in that second act some of the secondary characters will get into action. And then, of course, the third act, in the past my manuscripts all run around 350-360 pages, around in there. So once I approach page 300, I have to start thinking of the ending. And there are always several different ways you can end it. I choose one that I like and just go for it.

Bleiben wir bei Elmore Leonard. In den USA erscheint die, nach den Kritiken durchaus gelungene, hochkarätig besetzte Leonard-Verfilmung „Killshot“ jetzt Ende Mai direkt auf DVD. Hier eine DVD-Kritik, hier die Besprechung der New York Times:

‘Killshot’’ is a tough, uncompromising picture that has much more in common with the no-hope noirs of the ‘40s and ‘50s than with the test-marketed pap no one is ashamed to release today. Hossein Amini’s screenplay misses Mr. Leonard’s dark humor, but that’s a small price to pay for preserving his hardnosed tone. Caleb Deschanel’s photography puts a wintry sheen on the frozen industrial Midwest. And Mr. Madden, whose career has stumbled since ‘‘Shakespeare in Love,’’ directs with tight control and an obvious love for actors.

Die da wären: Diane Lane, Mickey Rourke, Thomas Jane, Hal Holbrook, Rosario Dawson, Joseph Gordon-Levitt.

Eigentlich sollte „Killshot“ bereits 2007 starten und es war auch ein deutscher Kinostart geplant. In der IMDB steht, dass „Killshot“ am 16. Juli in Deutschland starten soll. Dann hoffe ich mal, dass das stimmt. Ansonsten wird sich die DVD besorgt.

Vor einigen Tagen erschien bei Bertz + Fischer das knapp achtstündige Hörbuch „Killshot“. Rider Strong (Das Leben und ich, Cbin Fever) liest das gesamte Buch ungekürzt vor.

Die Übersetzung von „Killshot“ erschien vor Jahren bei Heyne als „Beruf: Killer“ und wenn Sie es in einem Antiquariat finden, schlagen sie zu.

Harlan Coben hat einen neuen Myron-Bolitar-Roman veröffentlicht. The Rap Sheet fragt ihn zu „Long Lost„, der Verfilmung von „Tell no one“ (Kein Sterbenswort), seiner Beziehung zu Frankreich und dem ganzen Rest:

I’m not a big researcher; most of the stuff I already knew about, or I made up. One of the things I’ve always said is that “Hey, I don’t need to do much research, as I don’t write the big international thrillers, with big conspiracies.” But now I’ve done it! Again, it’s about trying to do new things. You see, for Long Lost I had this idea: a small-scale tragedy with one of Myron’s old girlfriends, Terese Collins, whose story I never finished anyway; and then [in Long Lost] I watched it blossom into something much bigger.

Drehbuchautor William Martell schreibt über seinen Lieblingsfilm „Rear Window“ (Das Fenster zum Hof, USA 1954, Regie: Alfred Hitchcock, Drehbuch: John Michael Hayes, nach einer Kurzgeschichte von Cornell Woolrich) eine ausführlich, kundige Analyse.

Ach, da krieg ich doch glatt  Lust, den Film wieder zu sehen.

Und der Noir of the Week ist „Criss Cross“ (Gewagtes Alibi, USA 1948). Regie führte Robert Siodmak. Das Drehbuch ist von Daniel Fuchs und basiert auf dem Roman von Don Tracy. Burt Lancaster, Yvonne De Carlo und Dan Duryea spielen mit.

Auch ein sehr sehenswerter Film (ich habe ihn erst vor kurzem gesehen), der seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief. Aber die DVD ist günstig erhältich.


Hinweise: Harlan Coben, Larry Beinhart, Michael Dibdin, Robert B. Parker

September 24, 2008

Harlan Coben schreibt einen neuen Myron-Bolitar-Roman. „Long Lost“ heißt das für den 31. März 2009 angekündigte Werk. Kurzentschlossene Hardcore-Fans können Coben am 30. September in New York erleben. Dann liest er einige Ausschnitte aus dem erstmals in der ersten Person erzählten Bolitar-Roman.

Bei uns wird 2009 sein jüngstes Einzelwerk „Hold Tight“ erscheinen.

Larry Beinhart („Wag the Dog“) beantwortet einige Fragen zu seinem neuen Krimi „Salvation Boulevard“:

To date, what moment in your career has made you happiest?
Publication of my first book. I felt like my ticket to park in the parking lot of life had finally been stamped.

What question do you get asked about your writing most often?
Did I get to meet Dustin Hoffman and Robert DeNiro [during the making of Wag the Dog.] The answer is no.

Scott Timberg schreibt in der Los Angeles Times über Michael Dibdin:

Despite their prevailing noirish tone, the books are anything but joyless. Indeed, they range from the deeply grim to the comic.

Robert B. Parker schreibt über den nach seinem gleichnamigen Western entstandenen Film „Appaloosa“:

I had no part in the movie other than to sell them my book. But I promise you, you will like it. It is a magnificent film. Check the court room scene for Daniel T. Parker, as the lawyer. If you liked the book you will love the movie. If you hated the book. . . why the hell are you reading my blog?

Die New York Times (A. O. Scott) schreibt über den Western:

There is no shortage of killing — it’s a large part of how Virgil Cole, Mr. Harris’s character, makes his living — but “Appaloosa” works best as a cunning, understated sex comedy. (…) The movie’s tolerant, good-humored view of its characters drains it of some dramatic intensity, but Mr. Harris seems more interested in piquant, offhand moments than in big, straining confrontations. (…) It’s not a great western, and, as I’ve suggested, it doesn’t really try to be. Some potentially interesting political themes — about what it means for a polity to privatize its apparatus of justice and security, about the relationship between righteousness and force — are left for other, more earnest pictures to explore. This one shows a square jaw and a steely gaze, but also a smile and a wink.

Der Trailer sieht gut aus – und ich würde den Film, der angenehm altmodische Unterhaltung mit guten Dialogen zu sein scheint, gerne auf der großen Leinwand sehen.


Harlan Coben begräbt eine gute Idee

August 1, 2008

In seinem neuesten Roman „Das Grab im Wald“ verarbeitet Harlan Coben viele bekannte Themen und bekannte Charaktere wie Chefermittlerin Loren Muse und Privatdetektivin Cingle Shaker treten auf. Auch die Ausgangslage ist Coben-klassisch.

Paul Copeland ist in New Jersey ein vom Schicksal gebeutelter Bezirksstaatsanwalt vor dem Sprung in die Politik. Vor zwanzig Jahren wurden Copelands Schwester und drei weitere Jugendliche in einem Wald bei einem Ferienlager von einem Serienkiller umgebracht. Seine Frau starb vor fünf Jahren und jetzt zieht er seine Tochter alleine groß. Gerade bereitet er sich auf seinen bislang größten Fall, eine Klage wegen Vergewaltigung gegen die reichen Söhne Barry Marantz und Edward Jenrette, vor.

Da bitten ihn die Detectives Tucker York und Don Dillon, sich die Leiche des in Manhattan ermordeten Manolo Santiago anzusehen. Copeland sagt der Name nichts. Als er die Leiche sieht, ist er fassungslos. Denn Santiago ist der vor zwanzig Jahren mit seiner Schwester Camille und zwei weiteren Alterskameraden im Wald ermordete Gil Perez. Copeland fragt sich, was damals wirklich vorgefallen ist, warum die Mutter von Gil Perez bei der Leichenschau lügt und ob seine Schwester, schließlich wurde auch ihre Leiche niemals gefunden, noch am Leben ist.

Das klingt nach einem klassischen Coben-Pageturner, von denen ich bereits einige abgefeiert habe. Auch in seinen anderen Einzelwerken wird ein ganz normaler Mensch (meistens ein Mann) mit Ereignissen konfrontiert, die sein bisheriges Leben als auf einer Lüge aufgebaut erscheinen lassen und er die Wahrheit herausfinden will. Aber im Gegensatz zu seinen anderen Werken ist Harlan Cobens neuer Thriller „Das Grab im Wald“ letztendlich nur ein Langweiler.

Denn während Harlan Coben in seinen vorherigen Romanen aus ähnlichen Prämissen spannende Thriller schuf, verkrätzt er hier bereits auf Seite 30 mit einem Bruch der Perspektive. Bis dahin erzählte Paul Copeland die Geschichte. Im zweiten Kapitel wechselt Coben in die dritte Person und beginnt einen sich gleichzeitig ereignenden Subplot mit der Uniprofessorin Lucy Gold, die herausfinden möchte, welcher ihrer Studenten einen Text über einen Geschlechtsverkehr in einem Ferienlager (Ja, Sie vermuten richtig.) geschrieben hat. Später, besonders gegen Ende, wechselt Coben immer häufiger die Erzählperspektive. Solche Perspektivenwechsel stören wahrscheinlich Autoren und Kritiker, die sich darüber seeehr lange unterhalten können, mehr, als die meisten Leser.

Aber außerdem funktioniert in „Das Grab im Wald“ der Wechsel zwischen Haupt- und Nebenplots, die bis zum Ende weitgehend unverbunden nebeneinander herlaufen, überhaupt nicht. Denn mit zunehmender Zahl der Seiten beginnt Coben neben dem Hauptplot (der zwanzig Jahre zurückliegende Mord und die vielleicht noch lebende Schwester) und dem Subplot (die Gerichtsverhandlung) einen weiteren Subplot, der auf den ersten Blick nichts mit den beiden anderen Plots zu tun hat. Jemand versucht die Existenz von Copeland zu vernichten. Schnell findet Copeland heraus, dass Edward Jenrettes Vater die große Detektei MVD beauftragt hat, über ihn und die anderen am Verfahren beteiligten Personen Dinge herauszufinden, mit denen Jenrette sie erpressen kann. So möchte er vor allem den politisch ambitionierten Copeland zur Aufgabe der Anklage bewegen. Und dann trifft Copeland wieder seine Jugendliebe.

Dazu kommen immer wieder Coben-untypische Szenen, die entweder den Protagonisten als Idioten erscheinen lassen (so muss Cingle Shaker ihm über mehrere Seiten erklären, wie Treuetesterinnen arbeiten) oder den Fortgang der Geschichte unnötig verzögern (gegen Ende des Buches muss Muse wegen einem frauenfeindlichen Wärter an einer Schranke warten).

Dass die Lösung letztendlich nur in ihrer Vorhersehbarkeit überrascht, hat dann fast schon wieder etwas.

Sagen wir es zum Abschluss noch einmal ganz deutlich: Gemessen an Cobens Standard ist „Das Grab im Wald“ ein Desaster.

Harlan Coben: Das Grab im Wald

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2008

480 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The Woods

Dutton, 2007

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)


Ein Gespräch mit Harlan Coben

Mai 22, 2007

Vor wenigen Wochen war Harlan Coben in Deutschland. Er promotete seinen neuesten Myron Bolitar-Roman „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise me). Bevor er am Abend einige Teile aus dem Roman vorlas, unterhielt er sich mit mir.

Anschließend schrieb ich ein längeres Porträt über Harlan Coben und seinen bislang einzigen Seriencharakter Myron Bolitar. Sie können „Wir leben im goldenen Zeitalter des Kriminalromans“ hier lesen.


Die Krimibestenliste Juli 2019

Juli 7, 2019

Mitten in der Hochsommerpause präsentieren die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur ihre monatliche Krimibestenliste mit Vorschlägen für lange Nachmittage auf der Couch:

1. Johannes Groschupf – Berlin Prepper (Plazierung im Vormonat: 1)

Suhrkamp, 236 Seiten, 14,95 Euro.

2. Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer (Plazierung im Vormonat: /)

Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.

3. Liza Cody – Ballade einer vergessenen Toten (Plazierung im Vormonat: 2)

Aus dem Englischen von Martin Grundmann. Ariadne im Argument-Verlag, 416 Seiten, 22 Euro.

4. Kate Atkinson – Deckname Flamingo (Plazierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Anette Grube. Droemer 336 Seiten, 19,99 Euro.

5. Mike Nicol – Sleeper (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Mechthild Barth. btb, 512 Seiten, 10 Euro.

6. Alan Carter – Marlborough Man (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Suhrkamp, 383 Seiten, 14,95 Euro.

7. Georges Simenon – Maigret im Haus der Unruhe (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Thomas Bodmer. Kampa, 220 Seiten, 16,90 Euro.

8. Ivy Pochoda – Wonder Valley (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Sabine Roth und Rudolf Hermstein, Ars Vivendi, 400 Seiten, 18 Euro.

9. Harry Bingham – Fiona – Wo die Toten leben (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Kristof Kurz und Andrea O’Brien. Rowohlt, 526 Seiten, 10 Euro.

10. Jim Nisbet – Welt ohne Skrupel (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller. Pulp Master, 233 Seiten, 14,80 Euro.

Bei dem Simenon handelt es sich um die erste Übersetzung des Maigret-Romans. Sonst hätte er nach den Krimibestenliste-Regeln nicht gewählt werden können.

Anis „All die unbewohnbaren Zimmer“ ist einer seiner längsten Romane. Er ist ein Zusammentreffen von seinen Ermittlern Tabor Süden, Jakob Franck, Polonius Fischer und Fariza Nasri (die ebenfalls zu Fischer ‚zwölf Apostel‘-Kommissariat gehört). Mal lesen, wie das endet.

Aktuell lese ich John Steeles fantastischen Nordirland-Kriminalroman „Ravenhill“ (polar). Adrian McKintys ebenfalls in Nordirland spielender Thriller „Cold Water“ (Suhrkamp) liegt auf meinem Zu-lesen-Stapel.

Da liegen auch, frisch eingetroffen, George Pelecanos‘ „Prisoners“ (Ars Vivendi), Estelle Surbranches „Nimm mich mit ins Paradies“ (polar), Harlan Cobens „Suche mich nicht“ (Goldmann) und Lee Childs Jack-Reacher-Roman „Keine Kompromisse“ (Blanvalet).

Das dürften genug Ausreden für die Biergarten-Absage sein.


DVD-Kritik (+ Buchtipps): Die Harlan-Coben-Verfilmung „Just one look“

Februar 6, 2019

Eva Beaufils entdeckt unter den Schnappschüssen von ihrem letzten Familienausflug ein ihr vollkommen unbekanntes Foto. Auf dem sind ihr Mann und einige andere Menschen. Sie kennt niemand von ihnen und als sie Bastien danach fragt, reagiert er seltsam auf das gut zwanzig Jahre alte Bild.

Kurz darauf verschwindet er spurlos.

Eva beginnt ihn zu suchen. Denn, das erfahren wir schon in der ersten Folge der sechsteiligen Miniserie „Just one look“, Bastien wurde entführt. Und, das ahnen wir dank der zahlreichen Rückblenden schnell, sein Verschwinden hängt mit einem Rockkonzert, das ebenfalls vor gut zwanzig Jahren in den Katakomben von Paris stattfand, zusammen. Damals brach während des Konzerts eine Panik aus. Menschen starben – und auch Eva war dort. Sie kann sich nur nicht daran erinnern.

In den USA ist Harlan Coben schon seit Ewigkeiten ein Bestsellerautor. In der Krimiszene wurde er mit seinen Myron-Bolitar-Romanen, von denen der erste 1995 erschien, bekannt. Mit seinen Einzelromanen, beginnend mit „Kein Sterbenswort“ (Tell no one, 2001) (die zwei vor seinen Bolitar-Romanen erschienenen Bücher können wir als Frühwerk links liegen lassen), hatte er dann auch beim breiten Publikum seinen Durchbruch. Auch in Deutschland war das so.

Und obwohl Hollywood immer wieder an Cobens Tür klopft und er nichts gegen Verfilmungen seiner Thriller einzuwenden hat, hatte bei den Verfilmungen bis jetzt Frankreich die Nase vorn. Es begann 2006 mit Guillaume Canets gleichnamiger Verfilmung von „Kein Sterbenswort“ (Tell no one, 2001). 2015 folgte die Miniserie „No Second Chance – Keine zweite Chance“ (Une chance de trop), nach seinem Roman „Keine zweite Chance“ (No Second Chance, 2003). Sie ist für den 29. März 2019 angekündigt. Jetzt erschien, ebenfalls bei Polyband, die Miniserie „Just one look“.

Und, wegen der Vollständigkeit, 2017 gab es, als Zweiteiler, eine deutsche Verfilmung von „Keine zweite Chance“.

Doch zurück zu „Just one look“. Als ich den Roman „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004) vor über zwölf Jahren las, war ich begeistert. Das war ein richtiger Pageturner, der einen zuverlässig durch die Nacht bringt. Auf den letzten Seiten hat Harlan Coben dann noch einige überraschende und ziemlich atemberaubende Enthüllungen.

Ludovic Colbeau-Justins Verfilmung verlegt die Geschichte aus den Vororten New Yorks nach Paris und dem Umland. Selbstverständlich wurde sie auch etwas aktualisiert. Das bemerkt man hauptsächlich an den benutzten Telefonen.

Dummerweise wurde irgendwo auf dem Weg über den Atlantik die Spannung vergessen. Denn, im Stil skandinavischer Krimiserien, plätschert die Geschichte zwischen verschiedenen Handlungssträngen und Rückblenden zum Konzert. Spannung und das drängende Bedürfnis, erfahren zu wollen, warum Bastien entführt wurde, entsteht so nicht. Dafür passiert in den einzelnen Episoden zu wenig, während die Geschichte auf über dreihundert Minuten gestreckt und immer wieder die Glaubwürdigkeit strapaziert wird. Zum Beispiel wenn Bastiens Entführer ihn ausgerechnet in einem Vorstadthaus versteckt oder Evas Tochter mit einer simplen Internetrecherche viele Fragen beantwortet oder die Kommissarin immer zwei Schritte hinter den Bösewichtern ist.

Insgesamt ist „Just one look“ eine erstaunlich spannungsfreie Coben-Verfilmung.

Just one look (Juste un regard, Frankreich 2017)

Regie: Ludovic Colbeau-Justin

Drehbuch: Patrick Renault, Mehdi Ouahab, Sophie Hiet, Aude Marcle, Kristel Mudry, Sébastien Vitoux

LV: Harlan Coben: Just one look, 2004 (Kein böser Traum)

mit Virginie Ledoyen, Thierry Neuvic, Thierry Frémont, Jimmy Jean-Louis, Joseph Malerba, Stanislas Merhar, Anne Girouard, Mathilde Bisson, Michaël Abiteboul, Carole Richert, Sophie-Charlotte Husson, Arthur Jugnot, Julie Gayet, Joséphine Hélin, Jean-Baptiste Blanc, Harlan Coben (Cameo am Ende der Serie)

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (2,00:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 319 Minuten (6 Folgen auf 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

(die ich damals spannender als jetzt die TV-Serie fand)

Harlan Coben: Kein böser Traum

(übersetzt von Christine Frauendorf-Mössel)

Goldmann, 2006

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Just one look

Dutton 2004

Zuletzt erschienen:

der elfte Myron-Bolitar-Roman. Dieses Mal will Myron Bolitar herausfinden, was mit zwei Kindern wohlhabender US-Familien geschah. Nach zehn Jahren taucht nämlich einer der beiden entführten Jungs in London auf. Der andere bleibt verschwunden und es ist unklar, was in den zehn Jahren geschah.

Harlan Coben: Der Preis der Lüge

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2018

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Home

Dutton, 2016

Hinweise

AlloCiné über „Just one look“

Wikipedia über „Just one look“

Homepage von Harlan Coben

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte


Privatdetektive: „Raues Wetter“ für Spenser

Januar 2, 2019

Heute wirken die neuen Spenser-Privatdetektivromane mit ihrer vertrauten Formel wie aus einer anderen Zeit. Der am 18. Januar 2010 überraschend verstorbene Robert B. Parker bemühte sich in seinen letzten Jahren nicht, irgendeinem Trend hinterherzuhecheln. Serienkiller kommen bei ihm nicht vor. Das Frauenbild ist, nach all den weiblichen Privatdetektiven und Actionheldinnen, inzwischen doch etwas anachronistisch. Rassen- und Geschlechterfragen werden seit Jahren entlang altbekannter Argumente geführt, die in den Siebzigern neu und in einem Kriminalroman revolutionär waren. Die Romane können, wie man es aus den klassischen Privatdetektiv-Krimiserien (wie Hercule Poirot, Nero Wolfe, Lew Archer,…) kennt, in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden. Die Spenser-Romane sind inzwischen das literarische Äquivalent zu einer TV-Serie, in der es nur den Fall der Woche gibt, der Hauptcast ein gut funktionierendes Ensemble ist und Gaststars selten einen zweiten Auftritt haben.

Und seine Romane wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht länger. In den US-Ausgaben werden sie deshalb seit Ewigkeiten mit allerlei Layout-Tricks auf über dreihundert Seiten gepimpt. In Deutschland erscheinen die Spenser-Romane seit Jahren im Pendragon-Verlag und dort haben sie alle um die 220 Seiten. Das ist die Länge, die in den siebziger Jahren ein Krimi hatte. Und 1973 erschien mit „The Godwulf Manuscript“ der erste Spenser-Roman. Seitdem veröffentlichte Robert B. Parker ungefähr jedes Jahr einen weiteren Spenser-Roman. Ein Jahr nach seinem Tod erschien mit „Sixkill“ sein vierzigster Spenser-Roman. Seitdem schrieb Ace Atkins sieben weitere von der Kritik und Spenser-Fans gelobte Spenser-Romane.

Rough Weather“, der jetzt als „Raues Wetter“ erstmals auf Deutsch erschien, ist der 36. Spenser-Roman und es ist alles wie immer. Das gilt auch und vor allem für die Elemente, mit denen Robert B. Parker in den Siebzigern den Privatdetektiv-Roman erneuerte und seitdem alle Autoren von Privatdetektiv-Krimis beeinflusste. Bis dahin war der Privatdetektiv ein einsamer Wolf.

Parker spaltete das Wesen des Ermittlers auf. Aus einem Mike Hammer, der Ermittler, Richter und Henker war, wurden Spenser, der Privatdetektiv, und sein Freund Hawk. Er ist als großer, schwarzer Mann, der skrupellos tötet und unendlich viele Sexabenteuer mit wunderschönen Frauen hat, Spenser dunkle Seite. Spenser und Hawk unterscheiden sich nicht in ihren Werten und Ansichten, sondern in der Wahl ihrer Mittel. Während Spenser noch versucht, die Sache friedlich zu lösen, hat Hawk die bösen Buben schon ermordet. Und während frühere Privatdetektive entweder sexuell inaktiv oder überaktiv waren, ist Spenser fest mit Susan Silverman liiert. Alle sexuellen Angebote von Frauen lehnt er standhaft ab. Sie ist Psychotherapeutin und damit, wenn wir im Freudschen Schema bleiben, sein Gewissen, mit dem er endlos diskutieren kann. Mit Silverman öffnete Parker den Privatdetektiv-Krimi auch hin zur Psychologie. Thematisch beschäftigte sich Spenser in seinen ersten Fällen mit all den Themen, die damals, in den siebziger und frühen achtziger Jahren in den Schlagzeilen standen.

Heute hat sich die von Parker mit Spenser und Hawk vorgenommene Trennung fest etabliert. Aktuelle Beispiele sind die Hap-Collins-Leonard-Pine-Geschichten von Joe R. Lansdale, die Myron-Bolitar-Krimis von Harlan Coben, die Dave-Robicheaux-Krimis von James Lee Burke (auch wenn Robicheaux ein Polizist ist) oder die, aktuell eher nicht übersetzten, Elvis-Cole-Joe-Pike-Romane von Robert Crais (wobei Elvis Cole zunächst allein ermittelte).

Die Spenser-Romane liest man heute, weil man einfach noch einmal einen Abend mit den bekannten Figuren und Parkers Sprache verbringen will. Denn auch wenn das Plotting in seinem Spätwerk nicht so überragend ist, gefällt der Sound immer noch.

In „Raues Wetter“ wird Spenser von Heidi Bradshaw als persönlicher Begleiter engagiert. Er soll bei der Hochzeit ihrer Tochter auf der Insel Tashtego einfach für sie da sein. Spenser nimmt den leichten Auftrag an. Schon vor der Hochzeit weiß er allerdings, dass irgendetwas nicht stimmt. Denn zu den Hochzeitsgästen gehört Rugar, der wegen seiner Kleidung auch ‚der graue Mann‘ genannt wird. Er ist wie Spenser und Hawk. Nur ohne deren moralischen Kompass.

Unmittelbar nach der Trauung entführen Rugar und seine Männer die Braut. Dabei töten sie den Bräutigam, den Priester und vier Sicherheitsleute.

Nachdem schon die Entführung seltsam spektakulär war, geht es seltsam weiter. Denn die Entführer melden sich nicht.

Der tief in seiner Ehre gekränkte Spenser beginnt Rugar und die entführte Braut zu suchen. Wobei Spenser, ohne eine vielversprechende Spur, solange im Nebel herumstochert, bis er genug Verdächtige genervt hat, von denen einer etwas gegen ihn unternimmt.

Raues Wetter“ ist ein typischer später Spenser-Roman: sehr unterhaltsam zu lesen, mit vielen alten Bekannten und vertrauten Gesprächen und eher lausig geplottet. In diesem Fall ist die Lösung schon relativ schnell erahnbar. Am Ende, das kann gesagt werden, ohne irgendetwas zu verraten, erreicht die Beziehung zwischen Spenser, Hawk (selbstverständlich ist er dabei) und Rugar ein neues Level.

Treue Spenser-Fans werden mit „Raues Wetter“ erfreut einige Stunden verbringen. Neulinge sollten mit den deutlich gelungeneren Spenser-Romanen aus den siebziger Jahren beginnen. Auch die sind bei Pendragon erhältlich.

Robert B. Parker: Raues Wetter – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Marcel Keller)

Pendragon, 2018

216 Seiten

13 Euro

Originalausgabe

Rough Weather

G. P. Putnam’s Sons, New York 2008

Spensers frühere Begegnungen mit dem grauen Mann

Robert B. Parker: Spenser und der graue Mann

(übersetzt von Heidi Zerning)

Pendragon, 2015

256 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Small Vices

G. P. Putnam’s Sons, New York 1997

Neuauflage von „Der graue Mann“ (rororo thriller 1998)

Robert B. Parker: Drei Kugeln für Hawk

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Pendragon, 2015

224 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Cold Service

G. P. Putnam’s Sons, New York, 2005

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Thrilling Detective über Spenser

Wikipedia über Robert B. Parker (deutsch, englisch) und Spenser

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Mord im Showbiz“ (High Profile, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der Killer kehrt zurück“ (Stranger in Paradise, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Brimstone“ (Brimstone, 2009)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juli: Kein Sterbenswort

Juli 3, 2018

Tele 5, 20.15

Kein Sterbenswort (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Regie: Guillaume Canet

Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre

LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)

Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.

Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.

Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.

mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)

Bonushinweis

Harlan Coben ist ja ein emsiger Autor, der jedes Jahr einen Thriller veröffentlicht, und seine älteren Myron-Bolitar-Romane müssen auch übersetzt werden. Denn der Goldmann-Verlag begann (nachdem die ersten beiden Bolitar-Romane sich nicht so toll verkauften und dann keine weiteren Romane übersetzt wurden) mit Cobens Einzelromanen, die sich gut verkauften, und flocht, mit Pausen, seine älteren Romane ein. Mit „Seine dunkelste Stunde“ (Darkest Fear, 2000) liegt jetzt die spannende, witzige und mit dem Edgar-, Shamus- und Anthony-Preis ausgezeichnete Bolitar-Serie vollständig auf Deutsch vor. Myron Bolitar ist ein Sportagent, der immer wieder auch als Privatdetektiv arbeitet. Meistens weil seine Schützlinge in Schwierigkeiten geraten.

In „Seine dunkelste Stunde“ taucht Bolitars große Liebe wieder auf. Sie bittet ihn, ihr bei der Suche nach einem Knochenmarkspender für ihren Sohn zu helfen. Die Suche wird schnell sehr gefährlich.

Nach dem siebten Bolitar-Roman „Seine dunkelste Stunde“ legte Coben eine sechsjährige Bolitar-Pause ein, die er 2006 mit „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise Me) beendete. Seitdem schiebt er zwischen seine Einzelromane immer wieder eine Bolitar-Geschichte.

Vor einigen Tagen erschien sein neuester Einzelroman „In deinem Namen“ (Don’t let go, 2017), der bei mir noch nicht eingetroffen ist, auf Deutsch.

Harlan Coben: Seine dunkelste Stunde

(übersetzt von Gunnar Kwisinski und Friedo Leschke)

Goldmann, 2018

384 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Darkest Fear

Delacorte Press, 2000

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Guillaume Canets „Blood Ties“ (Blood Ties, Frankreich/USA 2013)


TV-Tipp für den 5. Dezember: Keine zweite Chance – Teil 1

Dezember 5, 2017

Sat.1, 20.15

Keine zweite Chance – Teil 1 (Deutschland 2017)

Regie: Alexander Dierbach

Drehbuch: Hannah Hollinger

LV: Harlan Coben: No second Chance, 2003 (Keine zweite Chance)

Nachdem sie angeschossen wurde, erwacht Dr. Nora Schwarz (im Roman Marc Seidman) aus dem Koma: ihr Mann ist tot, ihre einjährige Tochter verschwunden. Als sie eine Lösegeldforderung erhält, schöpft sie neue Hoffnung. Aber die Lösegeldübergabe geht schief und Kommissar Leyen fragt sich, ob nicht Nora hinter der Entführung steckt.

Tja, das klingt doch nach einer waschechten Coben-Geschichte, die hier als Zweiteiler verfilmt wurde. Ob gelungen, wissen wir nach dem zweiten Teil, der am kommenden Dienstag, den 12. Dezember, ebenfalls um 20.15 Uhr, gezeigt wird.

Dierbach inszenierte „Tannbach“ und mehrere „Helen Dorn“-Krimis. Hollinger schrieb das Buch zu „Brandnächte“ (lief vor einigen Tagen im ZDF und ist in der Mediathek) und mehrere Bücher für Filme von Matti Geschonneck.

mit Petra Schmidt-Schaller, Murathan Muslu, Sebastian Bezzel, Josefine Preuß, Hanns Zischler, André Szymanski

Hinweise

Sat.1 über „Keine zweite Chance“

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Abgeblockt“ (One false move, 1998)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Harlan Coben in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Dezember: Kein Sterbenswort

Dezember 2, 2016

3sat, 22.35

Kein Sterbenswort (Frankreich 2006, Regie: Guillaume Canet)

Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre

LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)

Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.

Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.

Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.

mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Guillaume Canets „Blood Ties“ (Blood Ties, Frankreich/USA 2013)


Jason Starr hat „Phantasien“ in der „Savage Lane“ und liest sie vor

Oktober 27, 2015

Die Savage Lane ist eine Straße in Bedford Hills, einem Vorort von New York. Die Millionenstadt ist für die wohlhabenden Vorort-Bewohner nur der Arbeitsort, während sie in dem Ort ihre eigene Hölle haben. So imaginiert der Mittvierziger Mark Berman sich eine Beziehung mit der gutaussehenden gleichaltrigen, alleine ihre beiden Kinder großziehenden Nachbarin Karen Daily. Bis jetzt sind sie nur gute Freunde.
Marks Frau Deb, mit der er seit 22 Jahren zusammen ist (17 davon verheiratet) und zwei pubertierende Kinder hat, glaubt, dass er sie mit Karen betrügt. Sie will die Scheidung. Dass sie selbst fremd geht, ignoriert sie gefließentlich. Auch dass ihr Liebhaber der achtzehnjährige Owen Harrison ist und diese Beziehung schon länger geht, hält sie nicht davon ab, ihrem Mann Vorwürfe zu machen.
Owen, der noch bei seinen Eltern lebt und regelmäßig von seinem Stiefvater verprügelt wird, hat auch eine Beziehung zu Karens Tochter Elana NAME. Er liebt sie zwar nicht. Er liebt Milfs. Deshalb ist Elana für seinen Geschmack noch viel zu jung, aber sie liebt ihn und sieht gut aus.
Dieses Beziehungsrondell, in das noch einige weitere Vorstädter involviert sind, könnte ewig so weitergehen, wenn nicht Deb auf die Idee käme, die Beziehung zu Owen beenden zu wollen. Dieser verliert die Nerven. Kurz darauf ist Deb tot und Detective Larry Walsh vom Bedford Police Department beginnt mit seinen Ermittlungen. Zunächst in einem Vermisstenfall.
Das klingt jetzt vielleicht nach einem gewöhnlichen Krimi, aber Jason Starr interessiert sich viel mehr für die ganz normale Vorstadthölle, in der ganz normale Mittvierziger sich gegenseitig betrügen und ihren Phantasien hingeben. Und weil Starr immer wieder die Perspektive wechselt, ergibt sich ein hübsch sarkastisches Bild des gegenseitigen Betrugs und Selbstbetrugs.
Jason Starr, der mit bitterbösen Noirs über Zwanzig-/Dreißigjährige New Yorker, die ihre Träume nicht verwirklichen können, begann, ist älter geworden. Und mit ihm sind auch seine Figuren älter geworden. Sie haben es von der hektischen Großstadt in die ruhige Vorstadt geschafft. Die Gegend, die in den vergangenen Jahren von Harlan Coben mit seinen Pageturner-Thrillern literarisch bearbeitet wurde. Aber während bei Coben die Geheimnisse größer sind und am Ende der Protagonist aus dem Alptraum erwacht, sind bei Starr die Geheimnisse kleiner (eigentlich geht es nur um reale und imaginierte Bettgeschichten) und der Alptraum Vorstadt endet nicht. Vor allem nicht für den grundanständigen Mark.
„Phantasien“ ist ein langsam erzählter Noir ohne große Überraschungen im Plot, aber einem präzisen Blick auf das Leben der Bewohner und Besucher der Savage Lane. Da ist es schade, dass der Höhepunkt etwas plötzlich kommt und gar nicht so zu der vorherigen hundsgemeinen Stimmung passt. Aber dann kommt der Epilog.

Demnächst und zuletzt von Jason Starr

Mitte März 2016 erscheint bei Hard Case Crime „Pimp“, das vierte Abenteuer von Max Fisher und Angela Petrakos, wieder geschrieben von Ken Bruen und Jason Starr und sicher mindestens so brüllend komisch wie die vorherigen Abenteuer des verbrecherischen Duos. Eine deutsche Übersetzung ist noch nicht angekündigt.
Ebenfalls noch nicht übersetzt sind die beiden Werwolfromane „The Pack“ und „The Craving“, die Jason Starr 2011 und 2012, nach „Panik“ (Panic Attack, 2009), schrieb.
Und er schrieb, pünktlich zum Filmstart vor wenigen Wochen, „Ant-Man: Natural Enemy Prose Novel“. Auch dieser Roman wird wahrscheinlich nie auf Deutsch erscheinen; – obwohl seine Comics ja bei Panini erscheinen, es ein Marvel-Roman ist und Panini viel von Marvel veröffentlicht.
Starr - Phantasien
Jason Starr: Phantasien
(übersetzt von Hans M. Herzog)
Diogenes, 2015
400 Seiten
16 Euro

Originalausgabe
Savage Lane
Polis Books, New York, 2015


Jason Starr liest

in Berlin, am Dienstag, den 27. Oktober 2015, um 20.00 Uhr in der Dorotheenstädtische Buchhandlung (Turmstr. 5, 10559 Berlin)
Deutscher Part: Daniel Kraus

in Freiburg im Breisgau, am Samstag, den 31. Oktober 2015, um 20.00 Uhr in der Buchhandlung Konstantin Klingberg (Hildastr. 2a, 79102 Freiburg)
Deutscher Part: Jana Bührer
Moderation: Konstantin Klingberg

in Freising, am Montag, den 2. November 2015, um 20.00 Uhr bei Bücher Pustet (Obere Hauptstrasse 45, 85354 Freising)
Deutscher Part: Oliver Bürgin

in Berlin, am Dienstag, den 3. November 2015, um 20.00 Uhr im DTK-Wasserturm (Kopischstr. 7, 10965 Berlin-Kreuzberg)
Veranstalter: Hammett-Krimibuchhandlung (wegen Karten)
Deutscher Part: Joachim Paul Assboeck

in Hamburg, am Mittwoch, den 4. November 2015, um 19.30 Uhr im Kampnagel (Jarrestraße 20, 22303 Hamburg) im Rahmen des Krimifestival Hamburg 2015 und Thirller-Autorin Jilliane Hoffman sitzt neben ihm auf der Bühne.
Deutscher Part: Tim Grobe
Moderation: Birgit Hasselbusch

Hinweise

Homepage von Jason Starr (sogar mit einigen Worten an seine deutschen Leser)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Brooklyn Brothers” (Lights Out, 2006)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Panik“ (Panic Attack, 2009)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Wolverine MAX: Der Beschützer” (Wolverine MAX – Volume Two, 2013)

Meine Besprechung von Jason Starr/Felix Ruiz/Roland Boschis „Wolverine MAX: Logan Extrem“ (Wolverine MAX 11 – 15: Extreme Logan, Chapter 1 – 5, 2013/2014)

Jason Starr in der Kriminalakte

 


Die Agatha-Preise 2015

Mai 4, 2015

Bei der inzwischen schon 27. Malice Domestic Conference wurden die Agatha-Awards verliehen. Der Preis geht an traditionelle Kriminalromane (also ohne expliziten Sex und ohne überflüssige Gewalt; vulgo Cozys oder Werke in der Tradition von Agatha Christie), die normalerweise nicht mein Bier sind.
Ausgezeichnet wurden:
Best Contemporary
Truth Be Told, von Hank Phillippi Ryan (Forge)
nominiert
The Good, the Bad, and the Emus, von Donna Andrews (Minotaur)
A Demon Summer, von G.M. Malliet (Minotaur)
The Long Way Home, von Louise Penny (Minotaur)
Designated Daughters, von Margaret Maron (Grand Central)

Best Historical Novel
Queen of Hearts, von Rhys Bowen (Berkley)
nominiert
Hunting Shadows, von Charles Todd (Morrow)
An Unwilling Accomplice, von Charles Todd (Morrow)
Wouldn’t It Be Deadly, von D.E. Ireland (Minotaur)
Murder in Murray Hill, von Victoria Thompson (Berkley)

Best First Novel
Well Read, Then Dead, von Terrie Farley Moran (Berkley)
nominiert
Circle of Influence, von Annette Dashofy (Henery Press)
Tagged for Death, von Sherry Harris (Kensington)
Finding Sky, von Susan O’Brien (Henery Press)
Murder Strikes a Pose, von Tracy Weber (Midnight Ink)

Best Non-fiction
Writes of Passage: Adventures on the Writer’s Journey, herausgegeben von Hank Phillippi Ryan (Henery Press)
nominiert
400 Things Cops Know: Street-Smart Lessons from a Veteran Patrolman, von Adam Plantinga (Quill Driver)
Death Dealer: How Cops and Cadaver Dogs Brought a Killer to Justice, von Kate Flora (New Horizon Press)
The Art of the English Murder, von Lucy Worsley (Pegasus)
The Poisoner: The Life and Crimes of Victorian England’s Most Notorious Doctor, von Stephen Bates (Overlook)

Best Short Story
The Odds Are Against Us, von Art Taylor (Ellery Queen Mystery Magazine, November 2014)
nominiert
Premonition, von Art Taylor (aus Chesapeake Crimes: Homicidal Holidays, herausgegeben von Barb Goffman und Marcia Talley; Wildside Press)
The Shadow Knows, von Barb Goffman (aus Chesapeake Crimes: Homicidal Holidays)
Just Desserts for Johnny, von Edith Maxwell (Kings River Life Magazine, January 4, 2014)
The Blessing Witch, von Kathy Lynn Emerson (aus Best New England Crime Stories 2015: Rogue Wave, herausgegeben von Mark Ammons, Katherine Fast, Barbara Ross und Leslie Wheeler; Level Best)

Best Children’s/Young Adult
The Code Buster’s Club, Case #4, The Mummy’s Curse, von Penny Warner (Egmont USA)
nominiert
Andi Under Pressure, von Amanda Flower (ZonderKidz)
Greenglass House, von Kate Milford (Clarion)
Uncertain Glory, von Lea Wait (Islandport Press)
Found, von Harlan Coben (Putnam Juvenile)

Lifetime Achievement Award
Sara Paretsky

(via The Rap Sheet)


Die Daggers 2013

Oktober 28, 2013

 

Die British Crime Writers’ Association (CWA) haben die restlichen Dagger-Gewinner (es geht inzwischen ja in mehreren Gängen) vergeben und die diesjährigen Specsavers Crime Thriller Awards wurden auch vergeben.

Die glücklichen Gewinner sind:

CWA Goldsboro Gold Dagger

Dead Lions, von Mick Herron (Soho Crime)

nominiert

Rubbernecker, von Belinda Bauer (Bantam/Transworld)

The Shining Girls, von Lauren Beukes (HarperCollins)

Rage Against the Dying, von Becky Masterman (Orion)

CWA John Creasey Dagger

Norwegian by Night, von Derek B. Miller (Faber and Faber)

nominiert

Something You Are, von Hanna Jameson (Head of Zeus)

The Necessary Death of Lewis Winter, von Malcolm Mackay (Mantle)

Shadow of the Rock, von Thomas Mogford (Bloomsbury)

CWA Ian Fleming Steel Dagger

Ghostman (Ghostman), von Roger Hobbs (Transworld)

nominiert

Ratlines, von Stuart Neville (Random House)

The Sentinel, von Mark Oldfield (Head of Zeus)

Capital Punishment, von Robert Wilson (Orion)

The Film Dagger

Skyfall

nominiert

Jack Reacher

Killing Them Softly

Looper

Seven Psychopaths (7 Psychos)

The TV Dagger

Broadchurch

nominiert

Luther (obwohl die Nominierung für die dritte „Luther“-Staffel ist)

Top of the Lake

The Fall

Bletchley Circle

The International TV Dagger

The Killing 3 (Kommissarin Lund – Das Verbrechen: Staffel 3)

nominiert

Homeland

Boardwalk Empire

Arne Dahl

The Best Supporting Actor Dagger

Andrew Buchan für Broadchurch

nominiert

Paul McGann für A Mother’s Son

Mandy Patinkin für Homeland

Warren Brown für Luther

Roger Allam für Endeavour

The Best Supporting Actress Dagger

Amelia Bullmore für Scott & Bailey

nominiert

Pauline Quirke für Broadchurch

Holly Hunter für Top of the Lake

Jodie Whittaker für Broadchurch

Ruth Wilson für Luther

The Best Actor Dagger

David Tennant für Broadchurch

nominiert

Damien Lewis für Homeland

Idris Elba für Luther

Jason Isaacs für Case Histories

Paddy Considine für The Suspicions of Mr. Whicher: The Murder in Angel Lane

The Best Actress Dagger

Olivia Colman für Broadchurch

nominiert

Sofie Grabol für The Killing 3 (Kommissarin Lund – Das Verbrechen: Staffel 3)

Claire Danes für Homeland

Gillian Anderson für The Fall

Lesley Sharp für Scott & Bailey

CWA Hall of Fame – “Living Legends”

Martina Cole und Wilbur Smith

nominiert

Nicci French

Harlan Coben

Patricia Cornwell

Frederick Forsyth

Crime Thriller Book Club

The Necessary Death of Lewis Winter, von Malcolm Mackay (Pan Books)

nominiert

Trust Your Eyes, von Linwood Barclay (Orion)

Dare Me, von Megan Abbott (Picador)

Bryant and May and the Invisible Code, von Christopher Fowler (Transworld)

City of Devils, von Diana Bretherick (Orion)

The Scent of Death, von Andrew Taylor (Harper Collins)

(via The Rap Sheet)


Ist „Der Professor“ John Katzenbach auch „Der Wolf“? Oder umgekehrt?

März 20, 2013

Im Gespräch gibt der zweimal für den Edgar nominierte Bestsellerautor John Katzenbach freimütig zu, dass er keinen Überblick darüber habe, welche seiner Romane gerade wo erhältlich sind und dass er auch nicht verstehe, nach welchen Kriterien die Verlage seine neuen Bücher veröffentlichten. Denn als wir uns unterhielten, waren – zu seiner Verwunderung – seine ersten Romane in den USA nicht erhältlich und sein neues Buch „Der Wolf“ in den USA noch gar nicht erschienen.

Sein deutscher Verlag Droemer (der durch die einheitliche Covergestaltung, die Titelwahl und sicher auch einen ordentlich Griff in die Werbekasse John Katzenbach beim deutschen Publikum etablierte) war von den ersten Kapiteln von „Der Wolf“ so begeistert, dass er es gleich übersetzen ließ.

Die Story ist auch nicht schlecht und knüpft an Grimms Märchen an.

Ein älterer Krimischriftsteller mit einer Mega-Schreibblockade beschließt, sich mit seinem letzten Werk in die Geschichte einzuschreiben: er will an einem Tag drei rothaarige Frauen, die außer ihrer Haarfarbe keine Gemeinsamkeiten haben, umbringen. Er schreibt ihnen als „Böser Wolf“ einen Brief, in dem er ihren baldigen Tod ankündigt.

Die drei Frauen reagieren zunächst verschieden, aber alle sind sie ziemlich verstört von der Botschaft und panisch. Als sie sich aber zusammentun (was durch geschickte Nutzung des Internets gelingt) und beschließen, gegen den „Bösen Wolf“ zu kämpfen, gerät sein minutiös ausgedachter Plan in Gefahr.

Die eine Inspiration für die Geschichte ist natürlich das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf und die Frage, wie verschiedene Frauen auf eine anonyme Bedrohung reagieren. Katzenbach nimmt an – und hier musste ich einen großen „Suspension of Disbelief“ machen -, dass die drei Rothaarigen den Brief sofort ernst nehmen.

Später, wenn er ihnen Links zu YouTube-Videos mit heimlichen Aufnahmen von ihnen zusendet, wird die Bedrohung glaubhafter und natürlich ist der „Böse Wolf“ ein herrlicher Bösewicht: ein Schriftsteller, der in einer Kleinstadt lebt, verheiratet mit einer ihm treu ergebenen Frau ist und seit Ewigkeiten kein Buch mehr veröffentlichte. Seit fünfzehn Jahren hat er nichts Druckreifes mehr geschrieben, weil ihm die mörderische Inspiration fehlte und der jetzt zum Serienmörder werden will, um wieder schreiben zu können. Das hat was.

Außerdem hat der Böse Wolf einen guten Geschmack. Wenig überraschend nutzte John Katzenbach die Gelegenheit, einige seiner Lieblingsautoren (wie James W. Hall [den könnte ein Verlag mal wieder übersetzen]) zu nennen.

In seinem vorherigen Roman „Der Professor“ beobachtet ein pensionierter Psychologieprofessor, der Demenz im Anfangsstadium hat, wie auf offener Straße ein sechzehnjähriges Mädchen entführt wird. Er will sie finden. Gleichzeitig fragt er sich, ob er wirklich eine Entführung beobachtet hat.

Er hat. Denn das Mädchen wird in einem Keller gefangen gehalten und dort von einem Ehepaar gequält, das ihre Folter via Internet an ein weltweites, zahlungswilliges Publikum überträgt.

Interessant an dem Thriller ist, wie Katzenbach die zunehmende Demenz des Professor literarisch verarbeitet. Für ihn erscheinen seine Erinnerungen und Fantasien zunehmend real, während ihm gleichzeitig die Realität entgleitet. Die Geisel, die während ihrer Gefangenschaft eine undurchsichtige Kapuze auf hat, ist mit einem ähnlichen Problem konfrontiert und die Geschichte benutzt das Internet nicht als einen Gimmick oder eine Bedrohung, sondern als eine Technik, die die Taten der Entführer ermöglicht.

Davon abgesehen sind „Der Wolf“ und „Der Professor“ ziemlich geradlinige Thriller die, souverän zwischen mehreren Handlungssträngen wechselnd, auf die finale Konfrontation zwischen Held und Bösewicht zusteuern,

In dem Gespräch sagte Katzenbach auch, dass er beim Schreiben keine detaillierte Outline habe und intuitiv zwischen den verschiedenen Handlungssträngen wechsle. Allerdings kennt er von Anfang an das Ende seiner Geschichte und was seine Charaktere erleben und erleiden.

Vielleicht sind deshalb beide Romane für meinen Geschmack einen Tick zu lang. Immerhin kennt John Katzenbach das Ziel der Reise sehr genau und er hat deshalb auch keine besondere Eile, dorthin zu gelangen, aber es gibt bei ihm auch nicht, wie bei Harlan Coben oder Jeffery Deaver, am Ende die große Überraschung, die den halben Roman auf den Kopf stellt.

Katzenbach - Der Wolf

John Katzenbach: Der Wolf

(übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer)

Droemer, 2012

512 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Red 123

Mysterious Press, New York, noch nicht erschienen (angekündigt für Frühling 2013)

Katzenbach - Der Professor - TB

John Katzenbach: Der Professor

(übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer)

Knaur, 2011

560 Seiten

10,99 Euro

Originalausgabe

What Comes Next

Mysterious Press, 2012

(Yeah, die undurchsichtige Verlagsplanung, die auch John Katzenbach in einem globalen Markt nicht versteht.)

Deutsche Erstausgabe

Droemer, 2010

(nicht mehr erhältlich)

Hinweise

Homepage von John Katzenbach

Deutsche Homepage von John Katzenbach

Wikipedia über John Katzenbach (deutsch, englisch)


Kleinkram

März 5, 2013

Leistungsschutzrecht: Während in den Qualitätszeitungen noch überlegt wird, was am im Bundestag beschlossen wurde und das schlechte Gesetz bejammert wird, hat Netzwertig sich mal umgehört:

Genau die Unsicherheit, die sich nun über das digitale Deutschland ausbreitet, gehört zu den entscheidenden Kritikpunkten am Leistungsschutzrecht. Eine Gruppe, die ganz besonders unter der neuen Rechtslage leiden wird, sind junge Internetdienste, die sich direkt oder indirekt mit der automatisierten Aufbereitung von Onlineinhalten befassen und dabei zumindest gelegentlich auch Verlagscontent berücksichtigen. Die ersten Reaktionen diverser Startups und Webdienste illustrieren die Probleme, die nun auf die hiesige Onlinebranche zukommen.

Freischreiber, die Vereinigung der freien Journalisten, die das Gesetz von Anfang an ablehnte, weist auf ein spezielles, aber gar nicht so unwichtiges Problem hin:

Weil wir nicht glaubten und bis heute nicht glauben, dass sich dadurch das Problem der Finanzierung von Qualitätsjournalismus im Internet lösen lässt. Und weil wir befürchteten, dass so ein neues Recht für Verlage das strukturelle Ungleichgewicht zwischen freien Journalisten und Verlegern weiter vergrößern würde. (…)

Wirklich innovative Ideen, wie sich Online-Qualitätsjournalismus künftig rechnen kann, stehen dagegen weiter aus.

Viel schlimmer für freie Journalisten aber ist, dass das neue Gesetz die Zweitverwertung von Texten unmöglich machen könnte.

Denn der erstveröffentlichende Verlag hat in Zukunft durch das Leistungsschutzrecht für ein Jahr das ausschließliche Recht, das Presseerzeugnis – also den Text – zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen. Potenzielle Zweitkunden eines solchen Textes könnten deshalb aus Angst, das Leistungsschutzrecht des Verlags zu verletzen, vor einer Zweitnutzung zurückschrecken.

Oh, und einzelne Redakteure und Zeitungen, sagen jetzt, dass sie keine Anwendung des Leistungsschutzrechtes auf ihre Zeitungen und Artikel wünschen. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob ein Journalist das sagen darf, oder man nicht doch auf die Zeitung, bei der die Rechte für den Artikel liegen, hören soll.

Bei Criminal Element hat Brian Greene einen Lost Classic of Noir gefunden: David Goodis: The Blonde on the Street Corner (Ach, allein schon das Cover!).

Die März-Ausgabe von „The Big Thrill“ ist online. Unter anderem mit einem Interview mit Harlan Coben, einem mit Thomas Perry und vielem mehr.

Und der Wortvogel hat mir mit seiner ausführlichen Kommentierung eines „Zeit“-Artikels von Kerstin Kohlenberg über den Kampf gegen Raubkopierer anhand von „Cloud Atlas“ viel Arbeit abgenommen. Denn eine so lange und so einseitige Reportage, die sich nur den Nöten des Filmproduzenten widmet und keine anderen Sicht zulässt (Hey, vielleicht wollte das Publikum den Film einfach nicht sehen. Vielleicht war die Werbung schlecht. Vielleicht ist auch einfach der Film schlecht.) habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Und, bei aller Sympathie für „Cloud Atlas“ (ein gut dreistündiger, milde philosphischer Science-Fiction-Film), dürfte das Zielpublikum für diesen Film nicht das Teenager-Multiplex-Publikum, sondern fünfzigjährige Bildungsbürger sein und ob die wirklich die Kundschaft für verwackelte Bilder sind, bezweifele ich stark.

Ach ja, hier geht’s zum „Zeit“-Artikel.


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