Über Ian Rankins „Rebus – Alle Inspector-Rebus-Stories“

Februar 21, 2017

REBUS von Ian Rankin

Da war wohl auch Ian Rankin überrascht, als er für „Rebus – Alle Inspector-Rebus-Stories“ die in den vergangenen Jahrzehnten, seit dem ersten Rebus-Roman „Verborgene Muster“ (Knots and Crosses, 1987), von ihm geschriebenen Kurzgeschichten mit dem kantigen Inspector zusammenfasste. Denn im Zentrum von Rankins schriftstellerischem Schaffen standen und stehen die Rebus-Romane. Kurzgeschichten schrieb er, wenn er für einen Sammelband oder eine Zeitungsbeilage angefragt wurde. Die Fans, vor allem natürlich die englischsprachigen Fans, nahmen sie dankbar als kleinen Zwischenhappen auf. Preise, wie den Dagger und Edward Award, erhielt er für seine Romane.

Vor neun Jahren erschien mit „Eindeutig Mord“ schon einmal ein Sammelband mit Rebus-Geschichten. Er enthielt zwölf Geschichten, hatte 320 Seiten und war ein richtiges Taschenbuch.

Warum schreibe ich das?

Weil „Rebus“ 31 Geschichten enthält und 768 Seiten umfasst. Oder zwei Rebus-Romane; was dann höchstens in eine große Jackentasche passt.

Zehn der Geschichten des Sammelbandes sind erstmals auf Deutsch erhältlich. Die anderen Kurzgeschichten erschienen in den nicht mehr erhältlichen Sammelbänden „Eindeutig Mord“ und „Der Tod ist erst der Anfang“ (dort sind auch mehrere Nicht-Rebus-Geschichten enthalten). „Schöne Bescherung“ erschien nur als E-Book.

Im Original erschienen die Geschichten über die vergangenen Jahrzehnte an den verschiedenen Orten.

Für „Rebus“ ergänzte Ian Rankin die Geschichten um ein 22-seitges Nachwort, in dem er von seinen schriftstellerischen Anfängen, dem ersten, als Einzelroman geplantem Rebus-Roman (der ihm heute nicht mehr so gefällt, weil John Rebus einfach zu belesen ist), wie er schnell wieder zu Rebus zurückkehrte und wie er mit der Pensionierung von Rebus umging. Rebus erreichte 2007 mit sechzig Jahren die damals für Polizisten geltende Pensionsgrenze und weil Ian Rankin seinen Charakter in Echtzeit altern ließ, musste er ihn in den Ruhestand schicken, der dann doch nicht so endgültig war. Über die Kurzgeschichten schreibt er leider nichts.

Aber das muss er auch nicht: sie sind die kleinen, süchtig machenden „Einer geht noch“-Happen für Zwischendurch, in denen Rebus schnell einen Fall aufklären kann, der nicht unbedingt ein Mord sein muss. Und, auch wenn so ein Sammelband immer gerne als Einstieg in das Werk eines Autors bezeichnet wird, ist es eher die Ergänzung für den Fan, der die Romane schon gelesen hat.

Seitdem – die Originalausgabe erschien bereits 2014 – hat Ian Rankin weitere Geschichten mit John Rebus geschrieben, zum Beispiel „Im allerletzten Augenblick“, zusammen mit Peter James (der Erfinder von Roy Grace) für den Sammelband „FaceOff – Doppeltes Spiel“.

Ian Rankin: Rebus – Alle Inspector-Rebus-Stories

(übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini und Conny Lösch)

Goldmann, 2017

768 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

The Beat goes on – The complete Rebus Short Stories

Orion Books, London 2014

Hinweise

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Ein reines Gewissen“ (The Complaints, 2009)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

 Meine Besprechung von Ian Rankins „Mädchengrab“ (Standing in another Man’s Grave, 2012)

Meine Besprechung von Ian Rankins Geschichte „The Lie Factory“ für Rory Gallaghers „Kickback City“

Ian Rankin in der Kriminalakte

 

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Ian Rankin besucht Rory Gallagher in der „Kickback City“

November 4, 2013

Dass Ian Rankin ein großer Rockfan ist, wissen die Fans des Krimiautors. Nicht nur, dass er in seinen John-Rebus-Romanen den Polizisten exzessiv gute Musik hören lässt, auch die Originaltitel, wie „Let it bleed“, spielen deutlich auf mehr oder weniger bekannte Songs an.

Da war ein gemeinsames Projekt zwischen dem irischen Bluesrocker Rory Gallagher und ihm nur eine Frage der Zeit. Dass Gallagher seit fast zwanzig Jahren tot ist, lassen wir mal beiseite. Seine Musik, sein Erbe, ist höchst lebendig. Außerdem war Gallagher selbst ein Hardboiled-Fan und zitierte diese Welt öfter in seinen Songs. Einige dieser Songs sind auf „Kickback City“ zusammengestellt. Aber die CD ist keine banale, um eine Lobhuddelei von Ian Rankin ergänzte, Compilation für das Weihnachtsgeschäft.

Denn für das von Rorys Bruder Dónal initiierte und jetzt auf CD erschienene Projekt „Kickback City“ schrieb Ian Rankin die Kurzgeschichte „The Lie Factory“, in der er Charaktere aus Songs von Rory Gallagher verwendet und tief in das Raymond-Chandler-Territorium vorstößt. .

Privatdetektiv Regan (solo, daher kein „Continental Op“) will herausfinden, warum seine Klientin Agatha Dempsey ermordet wurde und warum der Boxer Kid Gloves neben ihrer Leiche gefunden wurde. In der „Lie Factory“, wie Regan seine Stadt nennt, geht dabei das Gerücht um, dass der letzte Kampf von Kid Gloves manipuliert war. Außerdem ist eine geheimnisvolle Schönheit verschwunden und Agathas Schwester Elinor ist ebenfalls eine wahre Sexbombe.

Die Lösung von Rankins Geschichte könnte fast aus Raymond Chandlers Klassiker „Der große Schlaf“ (The big sleep) übernommen sein und genau wie Chandler die Stimmung wichtiger als die lückenlose Aufklärung der Verbrechen war, ist auch Rankin in seiner gelungenen Hommage schon vom ersten Satz an die liebevolle Rekreation der seit den Tagen von Dashiell Hammett und Raymond Chandler wohlvertrauten Noir-Hardboiled-Stimmung wichtiger als die Logik.

Aidan Quinn (derzeit in der TV-Serie „Elementary“) las die Hörbuchfassung atmosphärisch ein. Timothy Truman, der lange Zeit CD-Covers und Merchandise für die Rockband „Grateful Dead“ entwarf und Comics wie „Jonah Hex“ (nach Geschichten von Joe R. Lansdale) zeichnete, illustrierte Rankins Geschichte stimmungsvoll im Stil der Schwarzen Serie. Und dann gibt es noch zwei CDs mit der Musik von Rory Gallagher. Die eine ist eine mit Rankins Geschichte zusammenhängende Zusammenstellung von Songs, wie „Kickback City“, „Continental Op“, „Big Guns“, „Loanshark Blues“ und „Kid Gloves“. Die andere CD dokumentiert, nach der Presseinformation, Ausschnitte aus dem „Live in Cork“-Auftritt von Rory Gallagher, der bislang nur als DVD erhältlich war.

Dummerweise sind die discographischen Angaben bei der insgesamt unglaublich liebevollen Ausgabe, arg dünn ausgefallen. So erfährt man nicht, wer mit Gallagher spielt, von wann die Aufnahmen sind und wo sie schon einmal veröffentlicht wurden.

Ärgerlich, jedenfalls für alle, die Englisch nicht so gut können, ist, dass Ian Rankins Geschichte nur im Original abgedruckt ist. Da hätte man – bei anderen CDs geht es ja auch – wenigstens für den deutschsprachigen Markt eine Übersetzung spendieren können.

Davon abgesehen: ein heißer Geschenktipp für Weihnachten.

Rory Gallagher - Kickback City

Rory Gallagher: Kickback City

Strange Music/Sony Music/Legacy

Es gibt auch ein Deluxe Digital Package, das neben den drei CDs (Studio, Live, Hörbuch), 4 Postkarten mit „Lie Factory“-Motiven und der illustrierten Kurzgeschichte (44 Seiten) die digitale Fassung der Kurzgeschichte, ein Making of und ein Promo-Video enthält.

Let’s Rock

Hinweise

Homepage von Rory Gallagher 

All Music über Rory Gallagher (warum gibt es bei uns nicht so eine informative Musikseite?)

Wikipedia über Rory Gallagher (deutsch, englisch)

Homepage von Timoty Truman

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Ein reines Gewissen“ (The Complaints, 2009)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

 Meine Besprechung von Ian Rankins „Mädchengrab“ (Standing in another Man’s Grave, 2012)

Ian Rankin in der Kriminalakte


Ian Rankin lässt John Rebus ein „Mädchengrab“ suchen

Mai 29, 2013

 

Rankin - Mädchengrab - 2

John Rebus ist nach einer sechsjährigen Pause zurück. Damals musste Ian Rankin seinen allseits beliebten Detective Inspector mit „Ein Rest von Schuld“ (Exit Music) in Rente schickten, weil er die Pensionsgrenze erreichte. Rankin hatte Rebus in seinen ersten Romanen vor über zwanzig Jahren ein präzises Alter verpasst und ihn in Echtzeit altern gelassen. Anfangs war das noch kein Problem, aber als die Romane Bestseller wurden und Rankin ein Buch nach dem nächsten schrieb, wurde aus dem vierzigjährigen ein sechzigjähriger Mann. Nach „Ein Rest von Schuld“ schrieb er den Einzelroman „Der Mackenzie-Coup“ (Doors Open), einen netten Heist-Roman, und die Romane „Ein reines Gewissen“ (The Complaints) und „Die Sünden der Gerechten“ (The Impossible Dead) mit dem internen Ermittler Malcolm Fox, den er als Gegenteil von John Rebus entwarf und die nicht wirklich überzeugten.

 

Währenddessen konnten in der Wirklichkeit – und die Rebus-Romane leben gerade von ihrem Bezug zur Realität – pensionierte Polizisten in Cold Case Units alte Fälle noch einmal bearbeiten und es gibt auch, weil das Rentenalter geändert wurde, die Möglichkeit einer Wiedereinstellung. So hat Rebus jetzt einen Antrag auf Wiedereinstellung gestellt und Malcolm Fox, der in „Mädchengrab“ noch mehr als humorloser Paragraphenreiter erscheint als in den Fox-Romanen, überprüft John Rebus, der sich inzwischen alle zwei Wochen auf ein Bier mit dem stadtbekannten Gangsterboss Big Ger Cafferty, seinem alten Intimfeind, trifft.

 

Außerdem arbeitet Rebus in der Serious Crime Review Unit (SCRU), die sich alte Fälle noch einmal vornimmt. Als die fünfzehnjährige Annette McKie an der A 9 verschwindet kommt Nina Hazlitt zu ihm. Ihre Tochter Sally verschwand Silvester 1999 fast an der gleichen Stelle und seitdem verschwanden in dieser Gegend, immer an der A 9, mehrere Mädchen. Sie glaubt, dass ein Serientäter am Werk ist – und Rebus glaubt ihr. Er kann seine alte Partnerin Shioban Clarke, die in dem neuen Fall ermittelt, überzeugen, dass die Fälle miteinander zusammen hängen.

 

Es ist schön, dass John Rebus wieder zurück ist, auch wenn der Fall eher schwach ist und der Subplot mit Malcolm Fox nervt. Denn Fox wird hier von Ian Rankin als biederer Paragraphenreiter porträtiert, für den ein Leben nur innerhalb der Paragraphen existiert, die er buchstabengetreu und ohne Gefühle anwendet, und der Rebus manisch verfolgt, weil dieser einem Verbrecher die Tür aufhält. Das liest sich dann schon wie eine Parodie auf den Biedermann, der in jedem System seine Arbeit verrichtet, aber nicht wie ein Charakter aus einer anderen Serie; – wobei die Fox-Romane daran leiden, dass Fox zu sehr ein Anti-Rebus sein soll.

 

Das lässt für den nächsten Rebus-Roman „Saints of the Shadow Bible“, der im November in England erscheint, das Schlimmste befürchten. Denn dann ist – so die Ankündigung – Rebus wieder zurück im Polizeidienst und Malcolm Fox will ihn wegen eines alten Falles zur Rechenschaft ziehen; vulgo als korrupten Polizisten überführen. Das könnte ein spannender Ausflug in die Vergangenheit von Rebus und ein Sittenbild der Polizei werden, der einem durch Fox versalzen wird.

 

Der Fall selbst in „Mädchengrab“, das spurlose Verschwinden von mehreren Mädchen, leidet daran, dass es um die Suche nach einem Einzeltäter geht, der eigentlich nur zufällig oder durch langwierige, kleinteilige Ermittlerarbeit gefunden werden kann. Das ist für die Rebus-Methode, die gerne für Unruhe bei den Verdächtigen sorgt und dann abwartet, was geschieht, denkbar ungünstig.

 

Aber am Ende fügen sich die verschiedenen Teile der Ermittlungen und die Nebenstränge mit den Edinburgher Gangsterclans fein zusammen und „Mädchengrab“ ist eine mehr als willkommene Rückkehr von John Rebus. 

 

 

Ian Rankin: Mädchengrab

 

(übersetzt von Conny Lösch)

 

Manhattan, 2013

 

512 Seiten

 

19,99 Euro

 

 

Originaltitel

 

Standing in another Man’s Grave

 

Orion Books, 2012

 

 

Hinweise

 

 

 

Homepage von Ian Rankin

 

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

 

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Ein reines Gewissen“ (The Complaints, 2009)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

 

Ian Rankin in der Kriminalakte

 

 

 

 

 

 


Hat Ian Rankin „Ein reines Gewissen“?

August 9, 2010

Ein Fall für Malcolm Fox“ steht groß auf dem Cover von Ian Rankins neuem Roman „Ein reines Gewissen“ und damit ist die Botschaft eindeutig: Malcolm Fox soll der neue Seriencharakter von Ian Rankin werden. Seinen vorherigen, sehr erfolgreichen Inspector John Rebus musste er altersbedingt in Pension schicken. Danach probierte Ian Rankin einiges aus: eine Oper, ein Comic, ein Kurzromane und einen Fortsetzungskrimi für die New York Times. Diese Geschichte überarbeitete er für die Buchveröffentlichung gründlich. Der so entstandene Heist-Krimi „Der Mackenzie-Coup“ war eine unterhaltsame Geschichte über den großen Coup. Es war allerdings auch eindeutig ein Zwischenwerk. Ein tiefes Durchatmen vor neuen, großen Taten.

Mit „Ein reines Gewissen“ soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. DI Malcolm Fox ist jünger. Er arbeitet bei den Internen Ermittlern. Er ist ein Teamspieler. Er lebt zwar auch allein, aber er hat eine Schwester, die er öfters sieht und einen Vater, der in einem Altersheim lebt und den er noch öfters sieht. Er ist ein Ex-Alkoholiker. Und, sicher auch weil Ian Rankin Malcolm Fox zu einem Gegenentwurf von John Rebus machen wollte, hat er einen ziemlichen Langweiler entworfen. Denn auch nach fünfhundert Seiten ist einem dieser nette Malcolm Fox immer noch ziemlich egal.

Auch der Fall verläuft in den gewohnten Bahnen. Malcolm Fox soll der Abteilung für Kinderschutz helfen. Sie glauben, dass DS Jamie Breck sich Kinderpornos auf seinen Computer runtergeladen und mit seiner Kreditkarte bezahlt hat. Fox und sein Team sollen ihnen die nötigen Informationen beschaffen. Schnell findet Fox Breck sympathisch und, je mehr er über ihn erfährt, umso weniger glaubt er, dass der Verdacht richtig ist.

Parallel erzählt Ian Rankin wie Malcolm Fox seinen Vater Mitch in einem Altersheim besucht und wie er sich über Vince Faulkner, den neuen Freund seiner Schwester Jude, ärgert. Denn Faulkner schlägt sie und sie ist nicht bereit ihn zu verlassen. Was auch daran liegt, dass sie selbst, nun, keine unproblematische Person ist.

Als Faulkner ermordet wird, Fox in Verdacht gerät und suspendiert (Gähn!) wird, verbündet er sich mit Breck. Sie wollen den Mörder fangen und herausfinden, wer Breck wegen Kinderpornographie anschwärzen will. Tja, und irgendwann verschwindet der Bauunternehmer Charlie Brogan, der Chef von Faulkner war und verheiratet mit der Tochter von einem Gangsterboss ist, spurlos während eines Segeltörns. Ein Unfall, Selbstmord (denn auch in Edinburgh sind die Immobilienpreise im Keller) oder Mord?

Spätestens ab diesem Moment erzählt Ian Rankin „Ein reines Gewissen“ wie auf Autopilot fertig.

Denn „Ein reines Gewissen“ beginnt unglaublich holprig. Man hat den Eindruck, dass Rankin nachdem er im ersten Viertel des Buches mit viel zu viel Privatgedöns langweilt, irgendwann feststellte, dass er einen Abgabetermin hat und bis dahin eben fünfhundert Seiten gefüllt haben muss.

Das macht „Ein reines Gewissen“ noch nicht zu einem wirklich schlechtem Buch. Es ist aber ein enttäuschendes Ian-Rankin-Werk, das den eher schwachen „Mackenzie-Coup“ (es ist, weil die Genrekonventionen so stark sind, einfach schwer, einen guten Heist-Roman zu schreiben) zu einem besseren Roman macht. Rankin scheint immer noch keinen Plan für seine nächsten Romane zu haben.

Vielleicht sollte er sich in seinem nächsten Malcolm-Fox-Roman wirklich auf die internen Ermittlungen der Polizei konzentrieren oder einfach die Seiten wechseln und einige Gangsterromane schreiben. Da würde dann auch der Vergleich mit dem übermächtigen John Rebus wegfallen. Immerhin sind in England die Rebus-Romane, wie bei uns, Bestseller und zwei Schauspieler verliehen John Rebus für das Fernsehen ihr Gesicht.

À propos Fernsehen: Die Verfilmungen von „Der Mackenzie-Coup“ und „Ein reines Gewissen“ sind für 2011 von ITV und BBC geplant und Rankin darf bei der Besetzung mitreden.

Ian Rankin: Ein reines Gewissen

(übersetzt von Juliane Gräbener-Müller)

Manhattan, 2010

512 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

The Complaints

Orion Books, London 2009

Hinweise

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

Ian Rankin in der Kriminalakte


Ian Rankins Version von „Ocean’s Eleven“

April 21, 2009

rankin-der-mackenzie-coup

Nach der Pensionierung von Inspector John Rebus hat sein Erfinder Ian Rankin Zeit, andere Dinge auszuprobieren. Er schrieb ein Serial für die New York Times, eine Oper, Comics, eine kurze Geschichte für ein Leseförderprojekt und man hörte immer wieder etwas von Filmprojekten. Außerdem schrieb Rankin 2008 für die Buchveröffentlichung einen stark erweiterte Version seiner „New York Times“-Fortsetzungsgeschichte „Doors Open“. Die deutsche Ausgabe erschien jetzt, wenige Monate nach der Originalausgabe, als „Der Mackenzie Coup“ bei uns.

Mike Mackenzie ist ein gelangweilter siebenunddreißigjähriger Millionär, der sich für Gemälde interessiert. Zusammen mit seinem Bankberater Allan Cruikshank von der First Caledonian Bank und dem kurz vor der Pensionierung stehenden Kunstprofessor Robert Gissing beschließen sie, einige Bilder zu befreien. Denn die First Caledonian Bank und die National Gallery von Schottland haben viele ihrer Bilder in von vor der breiten Öffentlichkeit verschlossenen Bankräumen und in Lagerhallen. Eine Bilderbefreiung aus der Bank ist zu schwierig, aber Gissing hat einen todsicheren Plan (der natürlich schief geht), wie sie am „Tag der offenen Tür“ aus einer Lagerhalle der National Gallery einige Bilder klauen können.

Selbstverständlich ist so ein Diebstahl nichts für drei Amateure. Sie benötigen professionelle Hilfe, die in Gestalt des lokalen Gangsterbosses Chib Calloway kommt. Mackenzie kennt ihn von der Schule und Calloway beginnt sich gerade für Gemälde zu interessieren. Dass er gleichzeitig Ärger mit einem Chapter der skandinavischen Hell’s Angels hat, die von ihm das immer noch ausstehende Geld für eine Drogenlieferung wollen, und einige Gemälde sehr wertvolle Tauschobjekte sind, erhöht seine Lust, sich an dem Coup zu beteiligen.

Allerdings werden sie von Anfang an von Detective Inspector Ransome, der Calloway hinter Gitter bringen will, beobachtet.

„Der Mackenzie Coup“ ist ein Caper-Krimi und selbstverständlich sind die bekannten Genreversatzstücken von schwieriger Planung, plötzlichen Komplikationen bei der Durchführung, anschließenden Verwicklungen, inclusive Gewalttätigkeiten und Verrat, und überraschender Schlusspointe vorhanden. Aber im Gegensatz zu Donald Westlake, der unter seinem Namen die Dortmunder-Serie und als Richard Stark die Parker-Serie schrieb, platziert Ian Rankin sich in seinem neuen Roman etwas unglücklich zwischen Comedy-Crime und Hardboiled. Denn gerade im direkten Vergleich mit Donald Westlake fallen die Schwächen von „Der Mackenzie Coup“ eklatant auf. Für ein Comedy-Crime-Werk ist „Der Mackenzie Coup“ viel zu ernst, fast schon humorlos, erzählt. Aber für eine richtige Hardboiled-Geschichte ist der Roman dann letztendlich doch zu soft und vorhersehbar. Außerdem sind die Motive der Kunstdiebe für Rankins ernsten Tonfall zu dünn. Mackenzie, zum Beispiel, macht mit, weil er von seinem Leben als Frührentner gelangweilt ist. Seine beiden Freunde, ebenfalls ehrbare Bürger, tun’s, weil sie denken, dass die Öffentlichkeit die Gemälde sehen sollte. Dass sie nach dem Diebstahl die Bilder nur bei sich zu Hause bewundern können und damit eigentlich ihre Aktion ad absurdum führen, stört sie nicht. Für keinen von den dreien ist Geld das Motiv.

In „Der Mackenzie Coup“ ist nach dem jedenfalls vorläufigem Ende der Rebus-Serie vor allem eine Lockerungsübung. Ian Rankin wechselt die Seiten und erzählt eine Gangstergeschichte, die ohne große Änderungen auch vor einigen Jahrzehnten hätte spielen können. Es ist ein Nebenwerk, das nichts über Ian Rankins nächsten Roman sagt.

Ian Rankin: Der Mackenzie Coup

(übersetzt von Ditte und Giovanni Bandini)

Manhattan, 2009

384 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

Doors Open

Orion Books, 2008

Hinweise

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)



Bonushinweise



Zwei Rebus-Nebenwerke von Ian Rankin

Januar 9, 2009

rankin-eindeutig-mordrankin-rebus-scotland

Nach der Lektüre der inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegenden Rebus-Romane von Ian Rankin gibt es für den Fan nur noch die kurzen Auftritte des Detective Inspector aus Edinburgh. Vor allem für ihn ist Ian Rankins „Rebus’s Scotland“ ein inspirierendes Buch. Bei der Kurzgeschichtensammlung „Eindeutig Mord“ können auch Rebus-Novizen und Fans spannender Kurzgeschichten bedenkenlos zuschlagen. Denn in diesen zwölf, in den frühen Neunzigern entstandenen, Geschichten löst Rebus mehrere Morde und wird auch in einige andere Fälle verwickelt. Insofern ist der deutsche Titel etwas irreführend.

Nach den ersten beiden Rebus-Romanen probierte Rankin in den im Original bereits 1992 publizierten Kurzgeschichten seinen Charakter in verschiedenen Situationen aus. So erleben wir einen nicht ganz typischen, arbeitsfreien „Sonntag“ mit John Rebus. Er verfolgt in „Not Provan“ den Schläger Willie Provan, der dank eines falschen Alibis wahrscheinlich wieder freigesprochen wird. In „Frank und frei“ hilft ihm ein verrückter Obdachloser dank seiner Beobachtungen einige Verbrecher zu verhaften. In „Monströse Trompete“ soll er dem französischen Kollegen Cluzeau die Stadt zeigen. Vor der Stadtführung klären sie den Diebstahl einer Bronzeplastik auf. Bei den Mordermittlungen ist John Rebus dann auf vertrautem Gelände. In „Playback“ kann er nachweisen, wie der Mörder mit damals moderner Technik (wir reden hier von der Vor-Handy-Zeit) sein Alibi fälschte. In „Gut gehängt“ bietet das jährliche Fringe-Festspiel den Hintergrund für einen Mord im Theatermilieu. In „Auld Lang Syne“ ist es die Silvesternacht auf der Tron. „Der Fluch des Hauses Dean“ erzählt von einer ähnlich verfluchten Familie wie die Dain-Familie bei Dashiell Hammett. Sowieso sind die meisten Titel bei Ian Rankin literarische und popkulturelle Anspielungen. Bei den Rebus-Romanen nahm er oft Liedtitel.

„Eindeutig Mord“ ist ein feines Buch mit zwölf spannenden Kurzgeschichten, die das kriminalliterarische Feld vom Rätselkrimi über komödienhafte Stücke bis hin zu Thrillern beschreitet. Öfters sogar innerhalb einer Geschichte.

Ebenfalls ein feines Buch ist „Rebus’s Scotland – A Personal Journey“. In ihm erzählt Ian Rankin von sich, wie er Rebus erfand, wie viel von ihm in John Rebus steckt und wie die Rebus-Romane zu einer Chronologie von Edinburgh und Schottland wurden. Ergänzt wird der Text durch die atmosphärischen Schwarz-Weiß-Bilder von Tricia Malley und Ross Gillespie, deren Aufnahmen inzwischen auch auf den englischen Ausgaben der Rankin-Romane sind. „Rebus’s Scotland“ ist vor allem ein Buch für langjährige Ian-Rankin-Leser, die jetzt mehr über den Autor und seinen Seriencharakter John Rebus erfahren wollen.

Ian Rankin: Rebus’s Scotland – A Personal Journey

(Photographed by Tricia Malley and Ross Gillespie)

Orion, 2005

160 Seiten (+ 64 Seiten Fotografien)

20,00 Pfund (gebundene Ausgabe)

7,99 Pfund (Taschenbuch-Ausgabe)

Ian Rankin: Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus

(übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini)

Goldmann, 2008

320 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

A Good Hanging

Century, London, 1992

Enthält

Playback (Playback)

Der Fluch des Hauses Dean (The Dean Curse)

Frank und frei (Being Frank)

Eine Leiche im Keller (Concrete Evidence)

Ansichtssachen (Seeing Things)

Gut gehängt (A good Hanging)

Von Meisen und Menschen (Tit for Tat)

Not Provan (Not Provan)

Sonntag (Sunday)

Auld Lang Syne (Auld Lang Syne)

Der Gentlemen’s Club (The Gentlemen’s Club)

Monströse Trompete (Montrous Trumpet)

Hinweise

Homepage von Tricia Malley und Ross Gillespie

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)


Kurzmeldungen: Ken Bruen, Stephen King, John Carpenter, Ian Rankin

September 26, 2008

Ken Bruen hat den vierten Roman der Serie um Detective Sergeant Brant, „Blitz“ (2002), nach Hollywood verkauft. Hoffentlich verlegen die die Handlung nicht von London nach L. A. (obwohl es bei Sjöwall/Wahlöö auch geklappt hat).

Ein Ratschlag von Stephen King:

Ein Ratschlag von John Carpenter:

Und, zum Abschluss, als Vorbereitung für die deutsche Veröffentlichung von „Exit Music“ (Ein Rest von Schuld), lassen wir Ian Rankin zu Wort kommen:


Ian Rankin redet, Theakstons Crime Novel of the Year, Dennis Lehanes neues Buch

Juli 23, 2008

Bei „In For Questining“ ist ein Interview mit Ian Rankin online. Schon etwas älter sind die Gespräche mit Stuart MacBride und dem noch nicht ins Deutsche übersetzten Ray Banks (noch ein Schotte).

Es hat einige Tage gedauert, aber jetzt steht die Gewinnerin des diesjährigen Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year auch auf der offiziellen Homepage. Es ist Stef Penny mit The Tenderness of Wolves. Dort finden Sie auch die Shortlist; die Longlist gibt es hier.

In den USA erscheint am 23. September das lange angekündigte historische Epos „The given day“ (720 Seiten!) über den Streik der Polizei von Boston 1919 von Krimi-Autor Dennis Lehane (unter anderem „Gone, Baby, Gone“, „Mystic River“ und „Shutter Island“). In der Seattle Times erschien jetzt ein informativer Artikel über Lehane und sein neuestes Buch. Eine deutsche Veröffentlichung ist noch nicht angekündigt.


Jackie Leven singt

Februar 25, 2019

Ein schönes Konzert von Jackie Leven, der auch mal eine Platte mit Ian Rankin aufnehmen durfte. Bevor Rankin seinen nächsten Rebus-Roman schrieb.


Begibt Dave Robicheaux sich auf die “Flucht nach Mexiko”?

Januar 16, 2019

Welcome back in Burke-County. Dave Robicheaux lebt immer noch in New Iberia, eine Kleinstadt im Südwesten von Louisiana. Sein Geschäft für Anglerbedarf hat er inzwischen an Baptist verkauft. Seine Adoptivtochter Alafair geht aufs College und er lebt das Leben eines allein lebenden Witwers.

Als der im Sterben liegende Troy Bordelon ihm von einem blutbeschmiertem Stuhl erzählt, den er vor Jahrzehnten gesehen hat, erinnert sich Robicheaux an den Sommer von 1958 und die heiße Affäre zwischen seinem Halbbruder Jimmie und der Prostituierten Ida Durbin. Gemeinsam wollten sie nach Mexiko flüchten. Vor ihrer Flucht verschwand sie spurlos.

Jetzt fragt Robicheaux sich, ob sie damals ermordet wurde. Und was die vermögende und einflussreiche Familie Chalon damit zu tun hat.

Gleichzeitig wird er in die Jagd nach dem Baton-Rouge-Serienkiller verwickelt.

In den USA erschien der vierzehnte Dave-Robicheaux-Roman „Flucht nach Mexiko“ bereits 2005 und er hat all die Vor- und Nachteile von James Lee Burkes Spätwerk.

Der trockene Alkoholiker Robicheaux benimmt sich oft wie ein Halbstarker. Sein Kumpel Clete Purcel, ein ehemaliger Kollege beim New Orleans Police Department und Privatdetektiv, ist noch schlimmer. Er hat einen „Hang, stets das reinste Chaos zu hinterlassen“ (Robicheaux). Trotzdem, oder gerade deswegen, sind sie ein nicht zu stoppendes Team. Während Purcel keine Regeln beachten muss und daher ständig Ärger mit dem Gesetz hat, ignoriert Detective Robicheaux bei seinen Alleingängen das Gesetz und alle Dienstvorschriften immer wieder.

Mit zunehmendem Alter wirkt dieses halbstarke, stets Gewalt provozierende und ausübende Verhalten der beiden Männer doch etwas pubertär. Denn, wenn wir die Mathematik machen, war Dave Robicheaux 1958 ungefähr zwanzig Jahre (plus/minus und das macht ihn zum alter ego von seinem Erfinder, dem 1936 geborenen James Lee Burke). 2005, als der in der Gegenwart spielende Roman erschien, war Robicheaux also Mitte Sechzig und damit im pensionsfähigen Alter. In den seitdem erschienenen Robicheaux-Romanen wird das Problem noch offensichtlicher. Denn ein Robicheaux-Roman ist ohne Ausflüge in die Vergangenheit von Louisiana und die von Dave Robicheaux nicht denkbar. Das gibt ihm eine Biographie, die kaum verändert werden kann. Und, im Lauf der Serie, viele alte Bekannte, Freundinnen und reiche, einflussreiche Familien, mit denen er sich anlegt.

Aber während andere Autoren, deren Charaktere in Echtzeit alterten, wie Lawrence Blocks Matt Scudder (er war der erste Autor, der das machte) oder Ian Rankins John Rebus, sie in jeder Beziehung altern ließen und Rankin Rebus in Pension schickte, ignoriert James Lee Burke das Problem weitgehend. Sie spielen immer in der Gegenwart und Robicheaux arbeitet immer noch als Polizist,

Ein anderes Problem ist, dass in „Flucht nach Mexiko“, wie in anderen neueren Romanen von James Lee Burke, die verschiedenen Plots vor sich hin mäandern, bis nach fünfhundert Seiten alles eher hastig beendet wird.

Gleichzeitig, und das macht „Flucht nach Mexiko“ trotz allem lesenswert, gibt es immer wieder eindrucksvolle Schilderungen von Stimmungen, Landschaften, Ereignissen und Menschen. Schon die ersten Zeilen ziehen einen in den Roman hinein: „Es war das Ende einer Epoche, von der ich vermute, dass Historiker sie womöglich als das letzte Jahrzehnt der Amerikanischen Unschuld ansehen. Es war eine Zeit, an die wir uns weniger wegen bestimmter historischer Ereignisse als vielmehr in Bildern und Tönen erinnern – rosafarbene Cadillacs, Autokinos, stilisierte Straßenkriminelle, Rock ’n‘ Roll, in der Musikbox Hank und Lefty, der dirty bop, Baseballspiele am helllichten Tag, ausgeschlachtete ’32er Fords mit Mercury Maschinen, die mit einem Höllenlärm an Drive-in-Lokalen vorbei Rennen veranstalteten, das Ganze vor einer Kulisse aus Palmen, einer sich kräuselnden Brandung und einem violetten Himmel, den Gott ganz offensichtlich als filmisches Tribut an unsere Jugend erschaffen hat.“

Wer will da nicht weiterlesen?

James Lee Burke: Flucht nach Mexiko – Ein Dave-Robicheaux-Krimi

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Pendragon, 2018

480 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Crusader’s Cross

Simon & Schuster, Inc., 2005

Hinweise

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)


Rainer Wittkamp stimmt den „Hyänengesang“ an

August 9, 2017

In einem alten „Tatort“ aus den Siebzigern verabschiedet sich der Kommissar, kurz nachdem die Leiche entdeckt wird, aus dem Kriminalfall in seinen lange geplanten Urlaub. Sein Assistent muss den Fall ohne die Hilfe seines Vorgesetzten aufklären.

Heute undenkbar.

Denkbarer und normaler ist in neueren Krimis, dass der Kommissar seinen Urlaub verschiebt, um den Fall aufzuklären. Meist aus eigenem Antrieb, seltener weil sein Vorgesetzter ihn darum bittet. So geschieht es auch in Rainer Wittkamps neuem Kriminalroman „Hyänengesang“.

Kommissar Martin Nettelbecks Vorgesetzte, Kriminalrätin Koschke, befiehlt ihm, seinen seit langem mit seiner Patchwork-Familie geplanten Ghana-Urlaub um einige Tage zu verschieben. Im Hotel de Rome wurde in einer Suite eine Frauenleiche gefunden. Das Zimmer war von Saif Mohamed Zekri, einem Attaché der Botschaft von Oman, gemietet worden und in punkto Diplomatie kennt Nettelbeck sich aus.

Zur gleichen Zeit will der eher unintelligente, sein Comeback planende Schlagersänger Roman Weiden sich an Maximilian Hollweg rächen. Weiden hat finanzielle Probleme. Er hat in den letzten Jahre Schulden abgestottert, während Hollweg, der ihm zu den Investitionen riet, sich eine goldene Nase verdiente. Jetzt, so glaubt der Sänger, hat Hollweg ihn beim Finanzamt wegen verschwiegener Vermögenswerte angeschwärzt. Weiden will ihn jetzt endgültig umbringen. Dafür bastelt er, nach einer im Internet gefundenen Anleitung eine Bombe.

Hollweg sitzt seit einem von Weiden verursachtem Unfall im Rollstuhl. Aktuell wird er von Jens Todsen gepflegt. Der will sich seine Rastalocken erst abschneiden, wenn er ein sich selbst gegebenes Versprechen erfüllt hat.

Hollweg verhandelt gerade mit dem Botschafter von Oman über eine große Investition, die er bedenkenlos mit Schmiergeldzahlungen in die richtigen Bahnen lanciert.

Und wie Rainer Wittkamp in seinem neuesten Roman „Hyänengesang“ diese verschiedenen Handlungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, auf wenigen Seiten miteinander verknüpft, ist ein großer Spaß. Nach etwas über zweihundert Seiten ist der Fall gelöst und der Kommissar darf Berlin in Richtung Urlaub verlassen.

Wie in seinen vorherigen Romanen garniert Wittkamp die Geschichte mit vielen Anmerkungen zum Jazz. Denn Nettelbeck ist Jazzfan und spielt Posaune. Das schöne bei Wittkamps Jazz-Namedropping ist, dass er sich nicht auf die allseits bekannten, seit Jahrzehnten toten Jazzheroen beschränkt, sondern die gesamte Avantgarde und moderne Entwicklungen mitnimmt. Ray Anderson, Robin Eubanks und Nils Wogram werden erwähnt und wer sie nicht kennt, sollte sich unbedingt eine Aufnahme von ihnen anhören.

Eigentlich könnte Wittkamp, wie Ian Rankin, George Pelecanos und Michael Connelly, mal eine Playlist für seine Leser erstellen. Dann könnte man sich vorm Lesen den Soundtrack zum Buch zusammenstellen.

Rainer Wittkamp: Hyänengesang

grafit, 2017

224 Seiten

11 Euro

Hinweise

Homepage von Rainer Wittkamp

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Schneckenkönig“ (2013)

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Frettchenland“ (2015)

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Stumme Hechte“ (2016)


Die KrimiZeit-Bestenliste August 2016

August 8, 2016

Sommerferien und eine neue Bestenliste der KrimiZeit-Jury von Zeit und Nordwestradio mit Empfehlungen für die Strandbar:

1 (1) Max Annas: Die Mauer

2 (6) Denise Mina: Die tote Stunde

3 (9) James Grady: Die letzten Tage des Condor

4 (2) Mike Nicol: Power Play

5 (7) Candice Fox: Hades

6 (-) Jesper Stein: Bedrängnis

7 (-) Patricia Melo: Trügerisches Licht

8 (5) Olen Steinhauer: Der Anruf

9 (10) Ian Rankin: Gesetz des Sterbens

10 (-) Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Da fällt mir jetzt nur ein, dass 3sat am Freitag, den 19. August, um 22.10 Uhr die grandiose James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“ zeigt.

Die aktuelle Entschuldigung dafür ist der achtzigste Geburtstag von Hauptdarsteller Robert Redford am 18. August.


Die KrimiZeit-Bestenliste Juli 2016

Juli 7, 2016

Die Fußballmeisterschaft ist ja bald um. Da kann man einen Blick auf die aktuelle KrimiZeit-Bestenliste der KrimiZeit-Jury von Die Zeit und Nordwestradio werfen:

1 (-) Max Annas: Die Mauer

2 (-) Mike Nicol: Power Play

3 (2) Dominique Manotti: Schwarzes Gold

4 (1) Simone Buchholz: Blaue Nacht

5 (3) Olen Steinhauer: Der Anruf

6 (-) Denise Mina: Die tote Stunde

7 (-) Candice Fox: Hades

8 (8) Andrea Fischer Schulthess: Motel Terminal

9 (-) James Grady: Die letzten Tage des Condor

10 (-) Ian Rankin: Gesetz des Sterbens

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Sechs Neueinsteiger und eigentlich immer mit dem Hang zum dicken Buch. Immerhin benötigt Max Annas nur etwas über zweihundert Seiten für seine Geschichte. Nicol, Manotti, Fox, Grady und Rankin stehen auch auf meiner Leseliste. Mina kam nicht an, aber der neue Lee Child, der vielleicht im August auf die Bestenliste kommt, kann da als mehr als vollwertiger Ersatz fungieren. Wenn ich die Tage zum Lesen komme.


R. i. P. William McIlvanney

Dezember 7, 2015

R. i. P. William McIlvanney (25. November 1936 – 5. Dezember 2015)

Eben via Mail vom Kunstmann Verlag (seinem deutschen Verlag) erfahren: William McIlvanney starb in seinem Haus am Samstag nach einer kurzen Krankheit.
Er schrieb die hochgelobte Laidlaw-Trilogie („Laidlaw“ [1977], „Die Suche nach Tony Veitch“ [1983], „Fremde Treue“ [1991]). Mit diesen Kriminalromanen war der nicht sonderlich produktive Autor (gemessen an seinen wenigen, aber glänzend geschriebenen Romane) der Erfinder des Tartan Noir (so der Pressesprech). Jedenfalls war er für etliche Autoren ein Vorbild. Ian Rankin machte nie ein Geheimnis aus seiner Bewunderung für McIlvanney.
In einem ausführlichen Nachruf des „Guardian“ werden auch einige Schriftstellerkollegen von McIlvanney zitiert. Neben dem schon erwähnten Ian Rankin schrieb Val McDermid: „I’ve just heard the heartbreaking news that Willie McIlvanney has died. He showed so many of us Scottish writers what was possible.”
Weitere ausführliche Nachrufe gibt es im Guardian (ausführlicher Nachruf; Kevin McKenna über McIlvanney), BBC, Telegraph, The Herald (Scotland), Daily Mail, The Scotsman, The Bookseller, The Spectator, Stuttgarter Zeitung, Detectives beyond Borders und The Rap Sheet.


„Secret Service – Jahrbuch 2015“ und das „Krimimagazin: Crime & Sex“ informieren über die Krimiwelt

Mai 21, 2015

Krimimagazin - Crime & SexSyndikat - Secret Service Jahrbuch 2015 - 2

Nachdem der alljährliche „Der deutsche Krimi ist schlecht und der Regionalkrimi ist noch schlechter“-Artikel dieses Jahr von Lisa Kuppler, die es eigentlich besser wissen müsste, in der FAZ erschien und es gleich einige geharnischte Kommentare gab (unter anderem Der Schneeman, CrimeNoir, Crimemag und Polar), erspare ich mir jede weitere Kommentierung (aber man könnte die bekannte „Der Regionalkrimi ist doof“-Melodie doch wenigstens mal etwas variieren) und wende mich den Sammelbänden „Secret Service – Jahrbuch 2015“ von der deutschsprachigen Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und dem Sammelband „Krimimagazin: Crime & Sex“ von Tobias Gohlis und Thomas Wörtche zu.

Im „Krimimagazin: Crime & Sex“ versammeln die beiden Krimikritiker neun Texte von Krimiautoren. Drei Frauen, sechs Männer. Drei Deutsche, sechs, hm, Ausländer.

Und auch nach der Lektüre kann ich immer noch nicht sagen, wer es kaufen soll und was die Absicht des Sammelbandes ist. Das heißt jetzt nicht, dass die Texte vollkommen uninteressant sind. Es sind Ergänzungen zu den von den Autoren geschriebenen Romanen, die teilweise schon etwas älter sind. Es handelt sich um Hintergrundmaterial und damit klassisches Material für ein Nachwort.

So schreibt Gary Dexter („Der Marodeur von Oxford“, Penser Pulp 2013) in „Kriminalliteratur und Sexologie: Bettgenossen des 19. Jahrhunderts“ über Krimis (viel Sherlock Holmes) und Sexologen im 19. Jahrhundert. Das liest sich eher wie ein Lexikonartikel.

Auch Wolfgang Kaes‘ Ausführungen über Stalking und die nicht mehr aktuelle Gesetzeslage in Deutschland lesen sich wie ein Lexikonartikel. Kaes (zuletzt „Spur 24“, rororo 2014) schrieb darüber in „Herbstjagd“ (2006).

Mechtild Borrmann schreibt über Zwangsprostitution am Beispiel einer Prostituierten. Das Porträt basiert auf ihren Recherchen für „Die andere Hälfte der Hoffnung“ (Droemer Verlag, 2014) und verrät einem informiertem Zeitungsleser nichts Neues.

María Inés Krimer („Sangre Kosher: Ruth Epelbaum und die Zwi Migdal“, Penser Pulp 2014) schreibt über Prostitution in Argentinien, gestern (viel und interessant) und heute.

Andrew Brown (zuletzt „Trost“, btb 2014) erzählt eine Episode aus seinem Alltag als Polizist mit einer Straßenprostituierten.

Carlo Lucarelli (zuletzt „Bestie“, Folio 2014) redet über den italienischen Mann und das Verbrechen in Italien, also vor allem die Mafia. Das Interview ist ein netter Einblick in die italienische Seele.

Liza Cody liefert einige Hintergründe zu ihrem letzten Roman „Lady Bag“ (ariadne, 2014). Sie porträtiert vier obdachlose Frauen, die sie zu dem Roman inspirierten und dieser gut geschriebene Text macht wirklich neugierig auf „Lady Bag“.

Howard Linskey schreibt über das Geschäft mit der Prostitution in England, das auch in seinen Romanen „Crime Machine“ (Knaur 2012), „Gangland“ (Knaur 2014) und „Killer Instinct“ (Knaur, angekündigt für August 2015) eine Rolle spielt.

Und Frank Göhre begibt sich wieder auf die sündige Meile St. Pauli. Darüber hat er mehrere Romane geschrieben und in diversen Nachworten und Essays auch über die wahren Hintergründe seiner Geschichten geschrieben. Trotzdem gelingt es ihm in „Palais d’Amour“ einige Aspekte anzusprechen, die auch für einen Göhre-Fan noch neu sind.

Aber in den Sammelband fehlt jede kritische Betrachtung oder Einordnung von ihren Romanen (was auch nicht die Aufgabe des Autors ist) oder des Themas „Sex und Verbrechen“ in die Geschichte der Kriminalliteratur. Es gibt, was man bei den beiden Herausgebern eigentlich hätte erwarten können, keinen einzigen Text, der sich mit der Darstellung von Kriminalität und Sexualität im Kriminalroman beschäftigt und was die Behandlung von Sex und Verbrechen in der Literatur über die Wirklichkeit aussagt.

In den Essays geht es fast immer nur um Prostitution in der Wirklichkeit in verschiedenen Ländern in der Vergangenheit und der Gegenwart, mal mit mehr, mal mit weniger Informationen über die Verbindung vom Sexgewerbe zum Verbrechen. Man erfährt auch etwas über den dortigen Sittenwandel. Aber ohne die Kenntnis der Romane hängen die Texte fast alle im luftleeren Raum, oft sind sie nicht sonderlich spannend geschrieben und allzu neugierig wurde ich nicht auf die meisten Romane.

Immerhin gelingt es Liza Cody, Howard Linskey und Frank Göhre, die alle auch sagen, wie die Wirklichkeit ihre Romane inspirierte, neugierig auf ihre Romane zu machen. Und das wäre nach „drei Frauen“ und „drei Deutsche“ das dritte Trio.

Für Februar 2016 ist mit „Crime & Money“ das zweite Krimimagazin angekündigt, das dann hoffentlich mehr als ein schlechter „True Crime“-Sammelband ist.

Das Zielpublikum von „Secret Service – Jahrbuch 2015“ des Syndikats ist dagegen ganz klar umrissen: die Mitglieder des Syndikats und deutschsprachige Krimiautoren. Für sie gibt es die bewährte Mischung aus Klatsch und Tratsch, vulgo Vereinsmeierei. Es gibt einige Kurzkrimis, die ungefähr die Länge eines Witzes haben, Veranstaltungsberichte (über die Wiener Kriminacht, die Criminale und das Forum Criminale; beides lesenswert), Hintergrundinformationen (über E-Books und Lesungen), Ratschläge und, von Thomas Przybilka (der auch wichtige Sekundärliteratur auflistet), die immer interessanten Befragungen der Glauser-Preisträger. Dieses Jahr sind es die 2014er Preisträger Judith W. Taschler (für „Die Deutschlehrerin“ als bester Roman), Harald Gilbers (für „Germania“ als bestes Debüt), Verleger Herman-Josef ‚Hejo‘ Emons (Ehrenglauser für besondere Verdienste), Alexander Pfeiffer (für „Auf deine Lider senk ich Schlummer“ als bester Kurzkrimi) und Alice Gabathuler (für „NO_WAY_OUT“ als bester Kinder- und Jugendkrimi).

Und dann gibt es, immer wieder, Texte, die mich kopfschüttelnd zurücklassen, wie Renate Klöppels „Lampenfieber bei Lesungen: Ein Übel, mit dem man sich abfinden muss?“. Anstatt wirklich sinnvolle Hinweise zu geben oder zu erzählen, wie eine Lesung funktioniert, plaudert sie ein wenig und die Tipps sind höchstens für Schüler, die zum ersten Mal ein Referat halten sollen, tauglich. Denn – und hier kommen meine Tipps für Lesungen – als Autor hat man im Gegensatz zu allen anderen Menschen, die etwas präsentieren, einige Vorteile: die Leute sind wegen einem gekommen, sie sind höflich und interessiert und sie wollen den Autor umschmeicheln. Sie werden also keine unhöflichen Fragen stellen oder einen kritisieren. Man hat schon einen Text, den man einfach nur vorlesen muss. Niemand erwartet, dass ein Autor ein guter Vorleser ist. Er sollte einfach seinen Text langsam und laut (wenn es kein Mikrophon gibt) vorlesen und danach einfach schon einmal die offensichtlichen Fragen (Woher haben Sie ihre Ideen? Warum haben Sie diesen Roman geschrieben? Wie sieht ihr Arbeitstag aus? Hat Hollywood schon wegen der Verfilmung angefragt?) beantworten. Dabei kann er sich viel Zeit lassen. Denn die Leute wollen ihm zuhören. Sie werden ihn nicht unterbrechen. Und, wie gesagt, sie sind höflich. Sie klatschen. Sie lachen. Sie freuen sich, dass der Autor sie beehrt. Am Ende signiert man die Bücher.

Außerdem sollte jeder Autor vor seiner ersten Romanveröffentlichung – immerhin haben sie fast alle studiert – schon einige Vorträge vor Publikum gehalten haben. In der Schule (die blöden Referate), in der Universität (die blöden Referate) und im Beruf (die blöden Referate).

Über Horst-Dieter Radkes Behauptung „Die Protagonisten der meisten aktuellen Romane haben keine Biographie.“ in „Über das Grab hinaus… – Von Krimiklassikern lernen“ lohnt es sich kaum zu streiten. Er nennt dann Dorothy L. Sayers‘ Lord Peter Wimsey, Agatha Christies Miss Marple und Hercule Poirot und George Simenons Kommissar Maigret als Charaktere mit einer ausgefeilten Biographie.

Der Leser aktueller Romane denkt an Lawrence Blocks Matt Scudder, James Lee Burkes Dave Robicheaux, Michael Connellys Harry Bosch, Ian Rankins John Rebus, Robert B. Parkers Jesse Stone, Ken Bruens Jack Tayler, und ehe ihm weitere Ermittler mit einer ausgewachsenen Biographie, die sich über mehrere Romane entwickelt, einfallen, beschließt er, den Text zu vergessen.

In „Großleinwandthriller oder: Warum machst du eigentlich kein Kino?“ schreibt Matthias Herbert über seine Erfahrungen bei der (Nicht-)Realisierung eines Spielfilms. Das ist amüsant geschrieben und bietet einen ernüchternden Einblick in die deutsche Filmszene.

Insgesamt zeigt „Secret Service – Jahrbuch 2013“, wie die vorherigen Ausgaben, warum der deutsche Krimi ist, wie er ist.

Tobias Gohlis/Thomas Wörtche (Herausgeber): Krimimagazin: Crime & Sex

Droemer, 2015

240 Seiten

9,99 Euro

Syndikat: Secret Service – Jahrbuch 2015

Gmeiner, 2015

256 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage vom Syndikat

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2012“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2013“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2014“


Die Edgars 2015

Mai 5, 2015

In New York City (die Stadt, nie niemals aufsteht, weil sie niemals schläft. Oder so.) verliehen die Mystery Writers of America die diesjährigen Edgar-Allan-Poe-Preise:
Best Novel
Mr. Mercedes (Mr. Mercedes), von Stephen King (Scribner)
nominiert
This Dark Road to Mercy, von Wiley Cash (Morrow)
Wolf, von Mo Hayder (Atlantic Monthly Press)
The Final Silence, von Stuart Neville (Soho Press)
Saints of the Shadow Bible (Schlafende Hunde), by Ian Rankin (Little, Brown)
Coptown, von Karin Slaughter (Ballantine)

Best First Novel by an American Author
Dry Bones in the Valley, von Tom Bouman (Norton)
nominiert
Invisible City, von Julia Dahl (Minotaur)
The Life We Bury, von Allen Eskens (Seventh Street)
Bad Country, von C.B. McKenzie (Minotaur/Thomas Dunne)
Shovel Ready, von Adam Sternbergh (Crown)
Murder at the Brightwell, von Ashley Weaver (Minotaur/Thomas Dunne)

Best Paperback Original
The Secret History of Las Vegas, von Chris Albani (Penguin)
nominiert
Stay With Me, von Alison Gaylin (Morrow)
The Barkeep, von William Lashner (Thomas & Mercer)
The Day She Died, von Catriona McPherson (Midnight Ink)
The Gone Dead Train, von Lisa Turner (Morrow)
World of Trouble, von Ben H. Winters (Quirk)

Best Fact Crime
Tinseltown: Murder, Morphine, and Madness at the Dawn of Hollywood, von William Mann (Harper)
nominiert
Kitty Genovese: The Murder, the Bystanders, the Crime that Changed America, von Kevin Cook (Norton)
The Savage Harvest: A Tale of Cannibals, Colonialism, and Michael Rockefeller’s Tragic Quest for Primitive Art, von Carl Hoffman (Morrow)
The Other Side, von Lacy M. Johnson (Tin House)
The Mad Sculptor: The Maniac, the Model, and the Murder that Shook the Nation, von Harold Schechter (New Harvest)

Best Critical/Biographical
Poe-Land: The Hallowed Haunts of Edgar Allan Poe, von J.W. Ocker (Countryman Press)
nominiert
The Figure of the Detective: A Literary History and Analysis, von Charles Brownson (McFarland & Company)
James Ellroy: A Companion to the Mystery Fiction, von Jim Mancall (McFarland & Company)
Kiss the Blood Off My Hands: Classic Film Noir, von Robert Miklitsch (University of Illinois Press)
Judges & Justice & Lawyers & Law: Exploring the Legal Dimensions of Fiction and Film, von Francis M. Nevins (Perfect Crime)

Best Short Story
What Do You Do?, von Gillian Flynn (aus Rogues, herausgegeben von George R.R. Martin und Gardner Dozois; Ballantine)
nominiert
The Snow Angel, von Doug Allyn (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], January 2014)
200 Feet, von John Floyd (The Strand Magazine, February-May 2014)
Red Eye, von Dennis Lehane vs. Michael Connelly (aus FaceOff [FaceOff – Doppeltes Spiel], herausgegeben von David Baldacci; Simon & Schuster)
Teddy, von Brian Tobin (EQMM, May 2014)

Best Juvenile
Greenglass House, von Kate Milford (Houghton Mifflin Harcourt Books for Young Readers)
nominiert
Absolutely Truly, von Heather Vogel Frederick (Simon & Schuster Books for Young Readers)
Space Case, von Stuart Gibbs (Simon & Schuster Books for Young Readers)
Nick and Tesla’s Super-Cyborg Gadget Glove, von “Science Bob” Pflugfelder and Steve Hockensmith Quirk)
Saving Kabul Corner, von N.H. Senzai (Paula Wiseman)
Eddie Red, Undercover: Mystery on Museum Mile, von Marcia Wells (Houghton Mifflin Harcourt Books for Young Readers)

Best Young Adult
The Art of Secrets, von James Klise (Algonquin Young Readers)
nominiert
The Doubt Factory, von Paolo Bacigalupi (Little, Brown Books for Young Readers)
Nearly Gone, von Elle Cosimano (Penguin Young Readers Group/Kathy Dawson)
Fake ID, von Lamar Giles (HarperCollins Children’s Books/Amistad)
The Prince of Venice Beach, von Blake Nelson (Little, Brown Books for Young Readers)

Best Television Episode Teleplay
Episode 1, Happy Valley, Drehbuch von Sally Wainwright (Netflix)
nominiert
The Empty Hearse (Der leere Sarg), Sherlock, Drehbuch von Mark Gatiss (Hartswood Films/Masterpiece)
Unfinished Business, Blue Bloods, Drehbuch von Siobhan Byrne O’Connor (CBS)
Dream Baby Dream, The Killing, Drehbuch von Sean Whitesell (Netflix)
Episode 6, The Game, Drehbuch von Toby Whithouse (BBC America)

The Simon & Schuster/Mary Higgins Clark Award
The Stranger You Know, von Jane Casey (Minotaur)
nominiert
A Dark and Twisted Tide, von Sharon Bolton (Minotaur)
Invisible City, von Julia Dahl (Minotaur)
Summer of the Dead, von Julia Keller (Minotaur)
The Black Hour, von Lori Rader-Day (Seventh Street)

Robert L. Fish Memorial Award
Getaway Girl, von Zoë Z. Dean (EQMM)

Grand Master
Lois Duncan
James Ellroy

Raven Awards
Ruth und Jon Jordan, Crimespree Magazine
Kathryn Kennison, Magna Cum Murder

Ellery Queen Award
Charles Ardai, Herausgeber und Gründer von Hard Case Crime

Herzliche Glückwunsch an alle nominierten und ausgezeichneten Autoren.
(via The Rap Sheet)


Erste Runde für Old Peculier Crime Novel of the Year Award 2015

Mai 4, 2015

Die Longlist für den diesjährigen „Old Peculier Crime Novel of the Year Award“ ist draußen. Es konnten Krimis nominiert werden, die zwischen dem 1. Mai 2014 und dem 30. April 2015 auf der Insel erschienen sind und die britische und irische Krimiautoren und ihre Werke auszeichnet. Die Liste empfehlenswerter Kriminalromane (jaja, eine Vermutung. Aber eine auf Erfahrung gestützte Vermutung) besteht aus:
• Eeny Meeny, von M.J. Arlidge (Michael Joseph)
• The Facts of Life and Death (Mädchenbeute), von Belinda Bauer (Black Swan)
• The Ghost Runner, von Parker Bilal (Bloomsbury)
• The Strangler Vine, von M.J. Carter (Fig Tree)
• The Axeman’s Jazz, von Ray Celestin (Mantle)
• Personal, von Lee Child (Bantam)
• The Killing Season (Der Rushhour-Killer), von Mason Cross (Orion)
• Bryant & May: The Bleeding Heart, von Christopher Fowler (Bantam)
• The Outcast Dead, von Elly Griffiths (Quercus)
• The Telling Error, von Sophie Hannah (Hodder & Stoughton)
• Darkness, Darkness, von John Harvey (Arrow)
• Someone Else’s Skin, von Sarah Hilary (Headline)
• The Devil in the Marshalsea, von Antonia Hodgson (Hodder & Stoughton)
• Entry Island, von Peter May (Quercus)
• Disappeared, von Anthony Quinn (Head of Zeus)
• Saints of the Shadow Bible (Schlafende Hunde), von Ian Rankin (Orion)
• The Farm (Ohne jeden Zweifel), von Tom Rob Smith (Simon & Schuster)
• A Lovely Way to Burn, von Louise Welsh (John Murray)

Am 15. Juni wird dann eine Shortlist mit sechs Romanen veröffentlicht und am 16. Juli wird der Gewinner auf dem Theakstons Old Peculier Crime Writing Festival in Harrogate bekannt gegeben.
Wer mitmachen will, sollte hier klicken.
(via The Rap Sheet)


Empfehlenswerte Kriminal- und Science-Fiction-Romane – wieder aufgelegt, meist in neuen Übersetzungen

Februar 11, 2015

Jetzt, wo Don Winslows neuer Roman auf meinem Schreibtisch liegt, will ich schnell auf einige empfehlenswerte Kriminal- und Science-Fiction-Romane hinweisen, die ältere Semester vielleicht schon in ihrem Bücherregal stehen haben. Trotzdem lohnt sich auch für sie ein Blick in die Neuausgaben. Denn oft wurde vom Verlag nicht nur ein neues Cover, sondern fast immer auch eine neue Übersetzung spendiert.

Winslow - London Undercover

Zum Beispiel bei Don Winslows neuem Roman, der eine Neuausgabe von seinem ersten Roman ist. Damals erschien „A Cool Breeze on the Underground“ (1991) als „Ein kalter Hauch im Untergrund“ bei Piper, der auch die nächsten beiden Neal-Carey-Romane veröffentlichte, aber beim vierten und fünften Carey-Roman ausstieg.
Don Winslow begann, was natürlich alles Winslowianer wissen, seine Schriftstellerkarriere mit einer Privatdetektiv-Serie. Neal Carey ist ein Waise, der sich in New York als Taschendieb durchschlug, bis er von Joe Graham erwischt, adoptiert und ein Teil der „Freunde der Familie“, einer geheimen Abteilung einer kleinen Privatbank, die ihren Kunden unauffällig aus der Klemme hilft, wurde.
Zwischen 1991 und 1996 erschienen fünf Carey-Krimis, in den Carey den halben Globus bereist. Danach ließ Don Winslow Weltreisen und Neal Carey links liegen. Schriftstellerisch versteifte er sich auf Kalifornien und er wurde zuerst in den USA und, mit jahrelanger Verspätung, auch in Deutschland, nachdem Winslow bei Piper und Goldmann kein Glück hatte, bei Suhrkamp zu einem abgefeierten Krimi-Autor. Inzwischen erscheinen Winslows neue Thriller bei Knaur, aber Suhrkamp hat noch die Rechte an seiner Backlist, die jetzt mit „London Undercover“ (so der neue deutsche Titel von „A Cool Breeze on the Underground“) bei uns veröffentlicht wird. Sogar mit einer neuen Übersetzung von Conny Lösch.
In seinem ersten Fall soll der 23-jährige Student, Bücherwurm und Manchmal-Privatdetektiv Neal Carey in London die spurlos verschwundene Tochter eines US-Senators finden – und wir dürfen eine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit, als Männer noch täglich mehrere Tageszeitungen lasen, unternehmen. Oh, und Punk noch nicht tot war, sondern gerade gegen den bombastischen Prog-Rock und alles andere rebellierte.
Die nächsten Neal-Carey-Neuübersetzungen sind schon angekündigt. Im April erscheint bei Suhrkamp „China Girl“, im Juni „Holy Nevada“ und im August „Lady Las Vegas“ (der bislang noch nicht auf Deutsch erschienene vierte Neal-Carey-Roman). Die deutsche Publikation von seinem letzten Auftritt „While Drowning in the Desert“ ist noch nicht angekündigt. Aber ich tippe auf Oktober.

Don Winslow: London Undercover – Neal Careys erster Fall
(übersetzt von Conny Lösch)
Suhrkamp, 2015
384 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
A Cool Breeze on the Underground
St. Martin’s Press, 1991

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Ulrich Anders)
Ein kalter Hauch im Untergrund
Piper, 1997

Hinweise

Thrilling Detective über Neal Carey

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte

Trevanian - Der Experte - 2

Bleiben wir gerade in England, in London, in den Siebzigern, als in den Pubs noch ungehemmt geraucht wurde. Jonathan Hemlock hat sich in „Der Experte“ (The Loo Sanction“, 1973) nach London zurückgezogen. Hier will er ein ruhiges Leben ohne Straftaten und Geheimdienstkomplotte leben.
Als in der Kathedrale St.-Martin’s-In-The-Fields ein wichtiges Mitglied der Oberschicht ermordet wird, bittet eine Geheimorganisation Jonathan Hemlock um Hilfe. Hemlock kann das Angebot nicht ablehnen. Seine Ermittlungen führen ihn zu Maximilian Strange, einem Clubbesitzer, der heimlich seine hochstehenden Gäste belauscht und filmt. Strange will sein Wissen versilbern.
Als Teenager hat mir der zweite Hemlock-Thriller gefallen.
Es ist schön, dass die drei Hemlock-Thriller „Im Auftrag des Drachen“, „Der Experte“ und „Shibumi“ wieder erhältlich sind. Ergänzend kann man Don Winslows Hemlock-Thriller „Satori“ lesen, der in die abenteuerliche Vergangenheit von Hemlock führt.
Nach Angaben des Heyne-Verlages handelt es sich um eine „vollständig überarbeitete Neuausgabe“ von „Der Experte“.

Trevanian: Der Experte
(übersetzt von Werner Peterich)
Heyne, 2014
448 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Loo Sanction
Crown Publishers, 1973

Zahlreiche frühere deutschsprachige Ausgaben.

Hinweise

Homepage von Trevanian

Wikipedia über Trevanian

L. A. Times: Nachruf auf Rod Whitaker (19. Dezember 2005)

Meine Besprechung von Trevanians „Im Auftrag des Drachen“ (The Eiger Sanction, 1972)

Meine Besprechung von Trevanians “Shibumi” (Shibumi, 1979)

McIlvanney - Laidlaw
Bleiben wir weiterhin in den Siebzigern, gehen aber etwas weiter in den Norden. Nach Glasgow, wo Detective Inspector Jack Laidlaw arbeitet.
Er wurde von William McIlvanney erfunden, der nicht sonderlich produktiv, aber einflußreich ist. Er gilt als Begründer des Tartan Noir, Rebus-Erfinder Ian Rankin bekennt, dass er ohne die Laidlaw-Romane kein Krimischriftsteller geworden wäre, und Martin Compart schreibt im Nachwort zur DuMont-Ausgabe von „Laidlaw“ über William McIlvanney: „Seine stilistische Brillanz, sein Gespür für Charaktere und Atmosphäre und die moralische Dimension seiner Kriminalromane, die weit über den Standards des Genres liegen, haben ihm nicht nur Vergleich mit Chandler und Ross Macdonald eingebracht, sondern ihn auch zum Geheimtip als einem der besten lebenden Kriminalliteraten werden lassen. Allein seine geringe Produktivität im Genre hat ihn nach Ansicht der Spezialisten daran gehindert, als führender britischer Autor des Genres weltweit Anerkennung und Bestsellererfolg einzuheimsen. Es gibt wenige zeitgenössische Noir-Autoren, die ihr Material so vielschichtig anlegen und so souverän handhaben.“
Im ersten Laidlaw-Roman, der auch einfach „Laidlaw“ heißt, jagt Detective Inspector Jack Laidlaw von dr Glasgower Polizei den Zwanzigjährigen Tommy Bryson, der ein junges Mädchen ermordetete, weil er beweisen wolle, dass er nicht homosexuell ist. Jetzt ist Tommy nicht nur vor der Polizei auf der Flucht.
Als ich damals, als „Laidlaw“ in der kurzlebigen DuMont-Noir-Reihe erschien und ich den Roman begeistert verschlungen hatte, freute ich mich schon auf die nächsten Laidlaw-Romane, die dann doch nicht übersetzt wurden und irgendwie kam ich nicht dazu, mir die Originale (Waren die damals überhaupt erhältlich?) zu besorgen.
Jedenfalls, nachdem Laidlaws erster Fall bereits in zwei verschiedenen Verlagen in der Übersetzung von Ute Tanner erschien, gibt es dieses Mal eine sehr erfreuliche Meldung. Der Kunstmann-Verlag hat die Tage „Die Suche nach Tony Veitch“ veröffentlicht und will im Herbst „Falsche Treue“, den dritten und bislang letzten Laidlaw-Roman, veröffentlichen.

William McIlvanney: Laidlaw
(übersetzt von Conny Lösch)
Kunstmann, 2014
304 Seiten
19,95 Euro

Originalausgabe
Laidlaw
Hodder and Stoughton Limited, 1977

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Ute Tanner)
Im Grunde ein ganz armer Hund
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1979

Neuveröffentlichung
Laidlaw
(mit einem Nachwort von Martin Compart; DuMont Noir 15)
DuMont, 1999

Hinweise

Homepage von William McIlvanney

Wikipedia über William McIlvanney (deutsch, englisch)

Katzenbach - Das Tribunal

Verlassen wir die Siebziger, bleiben aber in Europa.
Mit „Das Tribunal“ schrieb John Katzenbach seinen historischen Roman, seinen Weltkrieg-II-Roman und seinen Gerichtsthriller, der auch erfolgreich von Gregory Hoblit mit Bruce Willis und Colin Farrell verfilmt wurde. Weil die Verfilmung öfter im Fernsehen läuft, dürfte die Geschichte bekannt sein: 1943 wird in Deutschland in einem Kriegsgefangenenlager ein Häftling ermordet. Als Täter wird Lincoln Scott angeklagt und weil alles nach Recht und Gesetz vonstatten gehen soll (inclusive einer Selbstinszenierung der Lagerleitung), wird der junge, ebenfalls gefangene Jurastudent Thomas Hart als Verteidiger des angeklagten Afroamerikaners bestellt.
Natürlich ist „Das Tribunal“ ein Planspiel, das wichtige Themen anspricht, und mit siebenhundert Seiten nichts für die schnelle Lektüre in der U-Bahn. Eher schon für die lange Zugfahrt quer durch Deutschland. Oder ein Wochenende ohne Binge-Watching.
Auch hier gibt es eine vollständige Neuübersetzung.

John Katzenbach: Das Tribunal
(übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer)
Knaur, 2015
704 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
Hart’s War
Ballantine Books, 1999

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Bernhard Liesen)
Das Tribunal
Heyne, 2002

Verfilmung
Das Tribunal (Hart’s War, USA 2002, Regie: Gregory Hoblit)
Drehbuch: Billy Ray, Terry George
LV: John Katzenbach: Hart´s war, 1999 (Das Tribunal)
Mit Bruce Willis, Colin Farrell, Rory Cochrane, Terrence Howard, Cole Hauser

Hinweise

Homepage von John Katzenbach

Deutsche Homepage von John Katzenbach

Wikipedia über John Katzenbach (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Professor“ (What comes next, 2012)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Wolf“ (Red 123, 2013)

In der Abteilung „Science-Fiction“ gibt es auch einige erwähnenswerte Neuveröffentlichungen. „Captain Future“ erobert weiter das Weltall und zwei Klassiker von Robert A. Heinlein gibt es erstmals in ungekürzten Übersetzungen, was vor allem bei „Mondspuren“ gut ist.

Heinlein - Mondspuren - 2Heinlein - Raumjäger - 2

„Mondspuren“ ist der aktuelle deutsche Titel von „The Moon is a harsh Mistress“, einem 1967 mit dem Hugo Award ausgezeichneter Roman, der auch – immerhin schrieb Heinlein „Starship Troopers“ – bei der Gegenkultur beliebt war.
In dem Roman ist der Mond besiedelt und er fungiert als Kornkammer für die Erde. Die Farmer sind Sträflinge und ihre Kinder, die noch nie den Mond verlassen haben und deren Körper sich der Schwerkraft auf dem Mond unwiderruflich angepasst haben. Da ergeben Berechnungen, dass der Mondbevölkerung eine Hungersnot droht, wenn sie weiterhin die Erde versorgen. Einige Menschen beginnen eine Revolution gegen ein Erdregime, das man mit der USA verwechseln könnte.
Kein Wunder, dass damals die Hippies und Studenten davon begeistert waren.
Acht Jahre früher schrieb Heinlein mit „Raumjäger“ seinen letzten Jugendroman. In ihm gewinnt Kip Russell bei einem Wettbewerb den zweiten Preis: einen ausrangierten Raumanzug, den er repariert, einmal zur Probe anzieht und ihn ins Weltall katapultiert, wo er fantastische Abenteuer erlebt.
Der Roman war für den Hugo nominiert.

Robert A. Heinlein: Mondspuren
(übersetzt von Wulf H. Bergner und Jürgen Langowski)
Heyne, 2014
464 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Moon is a harsh Mistress
G. P. Putnam’s Sons, 1966

Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Revolte auf Luna“ und „Der Mond ist eine herbe Geliebte“.

Robert A. Heinlein: Raumjäger
(übersetzt von Heinz Nagel)
Heyne, 2014
336 Seiten
8,99 Euro

Originalausgabe
Have Space Suit – Will Travel
Charles Scribner’s Sons, 1958

Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Piraten im Weltraum“, „Kip überlebt auf Pluto“ und „Die Invasion der Wurmgesichter“. Und diese Titel, hintereinander gelesen, verraten doch einiges von der Handlung.

Hinweise

Homepage der Heinlein Society (also eigentlich die Homepage von Robert A. Heinlein)

Wikipedia über Robert A. Heinlein (deutsch, englisch)

Hamilton - Captain Future - Der Triumph - 2

Bei Golkonda darf Captain Future weitere Abenteuer erleben, die in den USA erstmals, mit einigen Nachfolgern, zwischen 1940 und 1944 erschienen. In Deutschland erschienen bei Bastei-Lübbe zwischen 1981 und 1984, im Zusammenhang mit der Ausstrahlung der inzwischen legendären TV-Zeichentrickserie (jedenfalls für uns Jungs, die sie damals im TV sahen), fünfzehn „Captain Future“-Romanen. „Der Triumph“, das vierte Abenteuer von Captain Future, war auch dabei.
Aber bei Golkonda gibt es immer eine Neuübersetzung, die dem Text des Originals folgt, ergänzt um die Zeichnungen und dem Bonusmaterial, das damals im Pulpmagazin „Captain Future – Wizard of Science“ erschien und der Leserbindung diente. Allein schon für diese liebevolle Ausstattung kann der Verlag nicht genug gelobt werden.
Ach ja; die Story. Ein selbsternannter „Lebensherr“ hat ein Mittel gegen das Altern entwickelt, für das Reiche Unsummen bezahlen. Aber sein Versprechen ewiger Jugend ist nur von kurzer Dauer. Captain Future und sein tapferes Team wollen hinter sein Geheimnis kommen.
Reisen wir also in die Vergangenheit, um die Zukunft zu erkunden.

Edmond Hamilton: Captain Future – Der Triumph
(übersetzt von Markus Mäurer)
Golkonda, 2014
208 Seiten
14,90 Euro

Originalausgabe
The Triumph of Captain Future
Captain Future Magazine, Herbst 1940

Deutsche Erstveröffentlichung
Captain Future greift ein
Utopia Großband # 142

Zweite deutsche Veröffentlichung (übersetzt von Marcel Bieger)
Captain Future: Der Lebenslord
Bastei-Lübbe, 1982

Hinweise

Tangent: Interview mit Edmond Hamilton und seiner Frau Leigh Brackett (vom April 1976)

PulpGen über Edmond Hamilton

Fiction Fantasy über Edmond Hamilton

Deutsche “Captain Future”-Fanseite

Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons „Captain Future: Die Herausforderung“ (Captain Future’s Challenge, 1940)


Thriller-Autoren betreiben in „FaceOff – Doppeltes Spiel“

Dezember 9, 2014

Baldacci HRSG - FaceOff - 2

Die Idee für den neuesten Sammelband der International Thriller Writers (ITW), der internationalen Vereinigung von Thriller-Autoren hat etwas: bekannte Autoren lassen in einer Kurzgeschichte ihre bekannten Charaktere aufeinandertreffen. Das sind
Patrick Kenzie trifft Harry Bosch (geschrieben von Dennis Lehane und Michael Connelly)
John Rebus trifft Roy Grace (geschrieben von Ian Rankin und Peter James)
Slappy, der Puppenmann trifft Aloysius Pendergast (geschrieben von R. L. Stine, Douglas Preston und Lincoln Child)
Malachai Samuels trifft D. D. Warren (geschrieben von M. J. Rose und Lisa Gardner)
Paul Madriani trifft Alexandra Cooper (geschrieben von Steve Martini und Linda Fairstein)
Lincoln Rhyme trifft Lucas Davenport (geschrieben von Jeffery Deaver und John Sandford)
Michael Quinn trifft Handyman Jack (geschrieben von Heather Graham und F. Paul Wilson)
Sean Reilly trifft Glen Garber (geschrieben von Raymond Khoury und Linwood Barclay)
Wyatt Hunt trifft Joe Troma (geschrieben von John Lescroat und T. Jefferson Parker)
Cotton Malone trifft Gray Pierce (geschrieben von Steve Berry und James Rollins)
Jack Reacher trifft Nick Heller (geschrieben von Lee Child und Joseph Finder)
Und die Idee, das muss ehrlich gesagt werden, ist auch das beste an „FaceOff – Doppeltes Spiel“. Denn was auf dem Papier wie ein Zusammentreffen von James Bond und George Smiley oder von Georg Wilsberg und Frank Thiel/Karl-Friedrich Börne klingt, hat in der Ausführung mit einigen Problemen zu kämpfen. So sind die Romancharaktere nicht so bekannt wie die eben genannten Filmcharaktere, was dazu führt, dass man nicht alle Charaktere kennt. Außerdem sind die Seriencharaktere in Romanen etwas austauschbarer, weil sie vor allem bestimmte Prinzipien und eine Sicht auf die Welt verkörpern. Sie lösen im Roman die Ereignisse aus oder kanalisieren sie in einer bestimmten Form. Aber ein unverwechselbares und für alle sofort erkennbares Gesicht haben sie nicht. So ist die Aufregung über das Gesicht des neuen James-Bond-Darstellers jedesmal sehr laut, aber wenn ein Autor eine bekannte Serie fortführt, ist die Aufregung geringer und, siehe die verschiedenen Post-Ian-Fleming-James-Bond-Romane, anders. Denn es geht darum, wie sehr der neue Autor den Geist, vulgo den Tonfall, des Erfinders bewahrt.
Eben dieser unverwechselbare Erzählton eines Autors fehlt in „FaceOff“, weil hier immer zwei Autoren ihre Geschichten zusammen geschrieben haben. Es kann auch etwas am Übersetzer liegen. Denn während die Autoren normalerweise verschiedene Übersetzer haben, übersetzte hier Leo Strohm alle Geschichten.
Und normalerweise haben die Autoren einen ganzen Roman von oft deutlich über vierhundert Seiten, um ihre Geschichte zu erzählen. In „FaceOff“ haben sie nur so um die vierzig Seiten, was letztendlich ungefähr die Länge einer Action-Szene ist.
Das gesagt, ist „FaceOff“ natürlich für Thriller-Fans ein sehr interessanter Sammelband, weil hier erstmals bekannte Charaktere zusammen auftreten und bekannte Autoren gemeinsam eine Geschichte erzählen. Einige Autoren, wie Lee Child, schreiben fast nie Kurzgeschichten und natürlich ist der Kneipenabend von Jack Reacher und Nick Heller in „Entgeltliche Gegenleistung“ vergnüglich, wenn sie sich blind verstehen und während eines Baseballspiels schnell und handgreiflich für etwas Gerechtigkeit sorgen. Bei Wyatt Hunt und Joe Trona artet ein Angelausflug in eine Schlacht mit einem Drogenkartell aus. Sean Reilly und Glen Garber beginnen nach einem kurzen Stop in einer Raststätte, nachdem ein Bösewicht Glens Tochter entführt, eine halsbrecherische Autoverfolgungsjagd über die Autobahn. Die Begegnung von John Rebus und Roy Grace bewegt sich dann in den ruhigeren Gewässern einer Polizeiermittlung und Michael Quinn und Handyman Jack erleben eine infernalische Nacht.
Für Thriller-Novizen geben die elf Geschichten mit den kurzen Einführungen und den ziemlich ausführlichen Autorenbiographien einen guten Einblick in die derzeitige Thriller-Szene und zeigen auch ihre Bandbreite von traditionellen Detektivgeschichten (vor allem der fast achtzigseitige Auftritt von Lincoln Rhyme und Lucas Davenport) über halbe Gangstergeschichten bis hin zu Action-Thrillern, von rein rationalen Geschichten mit realistischen Protagonisten bis hin zu Begegnungen mit mehr oder weniger übersinnlichen Charakteren.
Und so ist „FaceOff“ eine unterhaltsame Zusammenstellung, die etwas an ein Benefiz-Konzert erinnert: die Stimmung ist gut, auch wenn die Musiker nicht ihr bestes Konzert geben.

David Baldacci (Herausgeber): FaceOff – Doppeltes Spiel
(übersetzt von Leo Strohm)
Goldmann, 2014
448 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
FaceOff
Simon & Schuster, 2014

Hinweis
Homepage der International Thriller Writers


Die Bouchercon-Preisträger 2014: Die Anthony, Shamus, Macavity und Barry Awards

November 19, 2014

Mit einer kleinen Verspätung kommt die komplette Liste der Bouchercon-Preisträger, die dieses Jahr in Long Beach, Kalifornien, ihre Preise erhielten:
Die Anthony Awards
Best Novel
Ordinary Grace, von William Kent Krueger (Atria)
nominiert
Suspect, von Robert Crais (Putnam)
A Cold and Lonely Place, von Sara J. Henry (Crown)
The Wrong Girl, von Hank Phillippi Ryan (Forge)
Through the Evil Days, von Julia Spencer-Fleming (Minotaur)

Best First Novel
Yesterday’s Echo, von Matt Coyle (Oceanview)
nominiert
Ghostman, von Roger Hobbs (Knopf)
Rage Against the Dying, von Becky Masterman (Minotaur)
Reconstructing Amelia, von Kimberly McCreight (HarperCollins)
The Hard Bounce, von Todd Robinson (Tyrus)

Best Paperback Original Novel
As She Left It, von Catriona McPherson (Midnight Ink)
nominiert
The Big Reap, von Chris F. Holm (Angry Robot)
Purgatory Key, von Darrell James (Midnight Ink)
Joyland, von Stephen King (Hard Case Crime)
The Wicked Girls, von Alex Marwood (Penguin)

Best Short Story
The Caxton Private Lending Library & Book Depository, von John Connolly (The Mysterious Press)
nominiert
Dead End, von Craig Faustus Buck (Untreed Reads)
Annie and the Grateful Dead, von Denise Dietz (aus The Sound and the Furry, herausgegeben von Denise Dietz und Lillian Stewart Carl; Amazon Digital)
Incident on the 405, von Travis Richardson (aus The Malfeasance Occasional: Girl Trouble, herausgegeben von Clare Toohey; St. Martin’s Press)
The Care and Feeding of Houseplants, von Art Taylor (Ellery Queen Mystery Magazine, March/April 2013)

Best Critical or Non-Fiction Work
The Hour of Peril: The Secret Plot to Murder Lincoln Before the Civil War, von Daniel Stashower (Minotaur)
nominiert
Mastermind: How to Think Like Sherlock Holmes, von Maria Konnikova (Viking)
The Secret Rescue: An Untold Story of American Nurses and Medics Behind Nazi Lines, von Cate Lineberry (Little, Brown)
All the Wild Children, von Josh Stallings (Snubnose Press)
Troubled Daughters, Twisted Wives, herausgegeben von Sarah Weinman (Penguin)

Best Children’s or Young Adult Novel
The Testing, von Joelle Charbonneau (Houghton Mifflin)
nominiert
Escape Theory, von Margaux Froley (Soho Teen)
Escape from Mr. Lemoncello’s Library, von Chris Grabenstein (Random House)
Dancer, Daughter, Traitor, Spy, von Elizabeth Kiem (Soho Teen)
The Code Busters Club: Mystery of the Pirate’s Treasure, von Penny Warner (Edgmont USA)

Best Television Episode Drehbuch (First Aired in 2013)
The Blacklist, “Pilot,” Drehbuch von Jon Bokenkamp (Davis Entertainment, NBC)
nominiert
The Fall, “Dark Descent,” Drehbuch von Allan Cubitt (Netflix Original)
Breaking Bad, “Felina,” Drehbuch von Vince Gilligan (AMC)
The Following, “Pilot,” Drehbuch von Kevin Williamson (Fox/Warner Bros. Television)
Justified, “Hole in the Wall,” Drehbuch von Graham Yost (Fox/Warner Bros. Television)

Best Audiobook
The Cuckoo’s Calling, von Robert Galbraith, gelesen von Robert Glenister (Hachette)
nominiert
Crescendo, von Deborah J, Ledford, gelesen von Christina Cox (Audible)
Man in the Empty Suit, von Sean Ferrell, gelesen von Mauro Hantman (AudioGO)
Death and the Lit Chick, von G.M. Malliet, gelesen von Davina Porter (Dreamscape)
Hour of the Rat, von Lisa Brackmann, gelesen von Tracy Sallows (Audible)

Die Shamus Awards
Max Allan Collins und Barbara Collins spielten die Gastgeber bei der diesjährigen Verleihung der Shamus-Preise, die von den Private Eye Writers of America verliehen werden. Die glücklichen Gewinner sind:
Best Hardcover P.I. Novel
The Good Cop, von Brad Parks (Minotaur)
nominiert
Little Elvises, von Timothy Hallinan (Soho Crime)
The Mojito Coast, von Richard Helms (Five Star)
W Is for Wasted, von Sue Grafton (Marian Wood/Putnam)
Nemesis, von Bill Pronzini (Forge)

Best First P.I. Novel
Bear Is Broken, von Lachlan Smith (Mysterious Press)
nominiert
A Good Death, von Christopher R. Cox (Minotaur)
Montana, von Gwen Florio (Permanent Press)
Blood Orange, von Karen Keskinen (Minotaur)
Loyalty, von Ingrid Thoft (Putnam)

Best Original Paperback P.I. Novel
Heart of Ice, von P.J. Parrish (Pocket)
nominiert
Seduction of the Innocent, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)
Into the Dark, von Alison Gaylin (HarperCollins)
Purgatory Key, von Darrell James (Midnight Ink)
The Honky Tonk Big Hoss Boogie, von Robert J. Randisi (Perfect Crime)

Best P.I. Short Story
So Long, Chief, von Max Allan Collins und Mickey Spillane (The Strand Magazine, February-May 2013)
nominiert
The Ace I, von Jack Fredrickson (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], June 2013)
What We Do, von Mick Herron (EQMM, September-October 2013)
Extra Fries, von Michael Z. Lewin (EQMM, May 2013)
The Lethal Leeteg, von Hayford Peirce (EQMM, August 2013)

Best Indie P.I. Novel
Don’t Dare a Dame, von M. Ruth Myers (Tuesday House)
nominiert
Murder Take Three, von April Kelly und Marsha Lyons (Flight Risk)
A Small Sacrifice, von Dana King (Amazon Digital)
No Pat Hands, von J.J. Lamb (Two Black Sheep)
State vs. Lassiter, von Paul Levine (CreateSpace)

Hammer Award
Kinsey Millhone (die Heldin von Sue Graftons alphabetischer Romanserie [im Original)

Private Eye Writers of America/St. Martin’s Press First Novel Award
Grant Bywater: The Red Storm

Die Macavity Awards
(von Mystery Readers International)
Best Mystery Novel
Ordinary Grace, von William Kent Krueger (Atria)
nominiert
Sandrine’s Case, von Thomas H. Cook (Mysterious Press)
Dead Lions, von Mick Herron (Soho Crime)
The Wicked Girls, von Alex Marwood (Penguin)
How the Light Gets In, von Louise Penny (Minotaur)
Standing in Another Man’s Grave (Mädchengrab), von Ian Rankin (Reagan Arthur)

Best First Mystery
A Killing at Cotton Hill, von Terry Shames (Seventh Street)
nominiert
Yesterday’s Echo, von Matt Coyle (Oceanview)
Rage Against the Dying, von Becky Masterman (Minotaur)
Cover of Snow, von Jenny Milchman (Ballantine)
Norwegian by Night, von Derek Miller (Faber and Faber)

Best Mystery Short Story
The Care and Feeding of Houseplants, von Art Taylor (Ellery Queen Mystery Magazine, March/April 2013)
nominiert
The Terminal, von Reed Farrel Coleman (aus Kwik Krimes, herausgegeben von Otto Penzler; Thomas & Mercer)
The Caxton Private Lending Library & Book Depository, von John Connolly (Bibliomysteries: Short Tales About Deadly Books, herausgegeben von Otto Penzler; Bookspan)
The Dragon’s Tail, von Martin Limon (aus Nightmare Range: The Collected Sueno and Bascom Short Stories; Soho Books)
The Hindi Houdini, von Gigi Pandian (aus Fish Nets: The Second Guppy Anthology, herausgegeben von Ramona DeFelice Long; Wildside Press)
Incident on the 405, von Travis Richardson (aus The Malfeasance Occasional: Girl Trouble, herausgegeben von Clare Toohey; Macmillan)

Best Non-fiction
The Hour of Peril: The Secret Plot to Murder Lincoln Before the Civil War, von Daniel Stashower (Minotaur)
nominiert
The Lady and Her Monsters: A Tale of Dissections, Real-Life Dr. Frankensteins, and the Creation of Mary Shelley’s Masterpiece, von Roseanne Montillo (Morrow)
Being Cool: The Work of Elmore Leonard, von Charles J. Rzepka (Johns Hopkins University Press)

Sue Feder Historical Mystery Award
Murder as a Fine Art, von David Morrell (Little, Brown)
nominiert
A Murder at Rosamund’s Gate, von Susanna Calkins (Minotaur)
Saving Lincoln, von Robert Kresge (ABQ Press)
Dandy Gilver and a Bothersome Number of Corpses, von Catriona McPherson (Minotaur)
Ratlines, von Stuart Neville (Soho Crime)

Die Barry Awards
(von Deadly Pleasures Mystery Magazine)
Best Novel
Ordinary Grace, von William Kent Krueger (Atria)
nominiert
A Conspiracy of Faith, von Jussi Adler-Olsen (Dutton)
A Tap on the Window, von Linwood Barclay (New American Library)
Sandrine’s Case, von Thomas H. Cook (Mysterious Press)
Suspect, von Robert Crais (Putnam)
Standing in Another Man’s Grave (Mädchengrab), von Ian Rankin (Reagan Arthur)

Best First Novel
Japantown, von Barry Lancet (Simon & Schuster)
nominiert
Burial Rites, von Hannah Kent (Little, Brown)
The Bookman’s Tale, von Charlie Lovett (Viking)
Rage Against the Dying, von Becky Masterman (Minotaur)
Cover of Snow, von Jenny Milchman (Ballantine)
Norwegian by Night, von Derek B. Miller (Houghton Mifflin Harcourt)

Best Paperback Original
I Hear the Sirens in the Street (Die Sirenen von Belfast), von Adrian McKinty (Seventh Street)
nominiert
Joe Victim, von Paul Cleave (Atria)
Disciple of Las Vegas, von Ian Hamilton (Picador)
The Rage (Die Wut), von Gene Kerrigan (Europa Editions)
Fear in the Sunlight, von Nicola Upson (Harper)
Fixing to Die, von Elaine Viets (Signet)

Best Thriller
The Doll, von Taylor Stevens (Crown)
nominiert
Dead Lions, von Mick Herron (Soho Crime)
Ghostman, von Roger Hobbs (Knopf)
Red Sparrow, von Jason Matthews (Scribner)
The Shanghai Factor, von Charles McCarry (Mysterious Press)
Ratlines, von Stuart Neville (Soho Crime)

The Don Sandstrom Memorial Award for lifetime achievement in mystery fandom
Ted Hertel
(via The Rap Sheet)


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