DVD-Kritik: „In the electric mist“ with James Lee Burke, Bertrand Tavernier und Tommy Lee Jones (als Dave Robicheaux)

Juni 23, 2010

Vor vierzehn Jahren hatte Dave Robicheaux seine ersten Kinoauftritt in der zwiespältigen Verfilmung „Mississippi Delta“. Alex Baldwin spielte den trockenen Alkoholiker und Kleinstadtpolizisten. Die Musik war gut. Die Bilder auch. Aber dem Drehbuch fehlte der letzte Schliff.

Jetzt spielt, nein, verkörpert Tommy Lee Jones den von Krimiautor James Lee Burke erfundenen Charakter, der ihm nach langen Jahren als erfolgloser Autor (erfolgreich war er nur im Sammeln von Ablehnungen) in den späten achtziger Jahren den Durchbruch verschaffte. Inzwischen ist der 1936 geborene Texaner ein Bestsellerautor, er erhielt zahlreiche Preise und er wird von Autoren, Kritikern und Lesern als einer der einflussreichen und wichtigen zeitgenössischen Krimiautoren bezeichnet. In Deutschland wurden seine Bücher bei Ullstein und Goldmann veröffentlicht. „Wurden“ weil er schon seit sechs Jahren keinen deutschen Verleger mehr hat.

Der französische Regisseur Bertrand Tavernier, dem wir schon die Jim-Thompson-Verfilmung „Der Saustall“ und den Jazz-Film „Um Mitternacht“ verdanken, wählte den sechsten Dave-Robicheaux-Roman „Im Schatten der Mangroven“ (In the Electric Mist with Confederate Dead) als Vorlage für seinen ersten amerikanischen Film. Dabei wurde die Geschichte des 1993 erschienenen Noirs in die Gegenwart verlegt.

Tommy Lee Jones spielt den in New Iberia, Louisiana, arbeitenden Detective Dave Robicheaux. Er jagt den Mörder einer neunzehnjährigen Prostituierten. Gleichzeitig wird er mit der Südstaatenvergangenheit konfrontiert: eine Filmcrew dreht einen historischen Film und der Star des Films erzählt Robicheaux, dass er in den Sümpfen die verweste Leiche eines Mannes in Ketten gesehen habe. Das löst bei dem trockenen Alkoholiker Robicheaux Erinnerungen an die eigene Vergangenheit aus – und dann trifft er immer wieder den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.

Schnell legt Robicheaux sich bei seinen Ermittlungen mit dem lokalen Paten und alten Kumpel Julie ‚Baby Feet‘ Balboni, der auch Geld in den Film investiert hat, an. Dabei ist nicht immer erkennbar, wie sehr Robicheaux einen persönlichen Rachefeldzug veranstaltet oder wirklich eine Spur verfolgt.

Der bei wiederholtem Sehen immer besser werdende Film ist, wie Burkes Romane, kein konventioneller Krimi. Er ist vor allem das Porträt eines von den Dämonen der Vergangenheit, der eigenen Schuld, Selbsthass und der Suche nach Erlösung getriebenen Charakters, einer korrupten Gesellschaft, in der sich anscheinend alle Charaktere seit Ewigkeiten kennen und oft eine komplexe Mischung aus Freundschaft, Feindschaft, Achtung und Verachtung pflegen, und einer tropisch-schwülen Landschaft, in der die Vergangenheit noch sehr lebendig ist. So tauchen in Burkes Romanen immer wieder Geister auf. Im Film unterhält Robicheaux sich mit Hood, als wären sie alte Freunde – und auch der Hollywood-Schauspieler hat sich mit Hood unterhalten. Die Bilder des immer noch vom 2005er Hurrikan Katrina zerstörten New Orleans verstärken den Eindruck, dass in den Südstaaten die Vergangenheit noch sehr lebendig ist und dass die Zeit stehengeblieben ist. Denn obwohl der Tote in den Sümpfen erst 1965 erschossen wurde, sieht er wie ein Kettensträfling aus einer noch früheren Zeit aus.

Die Besetzung ist eine hochkarätige Versammlung bekannter Namen, Gesichter und Schauspieler, die man immer wieder gern sieht. Neben Tommy Lee Jones spielen John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince, Levon Helm und Blues-Musiker Buddy Guy mit. Guy spielt mit „Nathan & the Zydeco Cha Chas“ auf einem großen Fest von Balboni einige Songs, die den größten Teil der geschnittenen Szenen ausmachen. Im Film sind sie nur einige Sekunden im Hintergrund zu hören.

In the electric mist“ lief bereits erfolgreich auf der Berlinale und dem Fantasy Filmfest. Aber für einen Kinostart hat es nicht gereicht. In den USA erschien der Film, mit Taverniers Einverständnis, in einer anderen Schnittfassung direkt auf DVD. Für den internationalen Markt wurde dann Taverniers auch auf der Berlinale gezeigte Fassung verwandt. Auch bei uns fand sich letztendlich kein Verleiher und so erlebt ein weiterer Film, der sich nicht an ein jugendliches Multiplex-Publikum und nicht an ein distinguiertes Arthaus-Publikum richtet, seine Premiere auf DVD. Weil inzwischen der Umsatz auf dem DVD-Markt höher als im Kino ist und immer mehr Menschen sich ein kleines Heimkino leisten, wird diese ursprüngliche Zweitverwertung auch für eingefleischte Kinogänger, wie ein Blick auf die DVD-Premieren zeigt, immer interessanter.

Als Bonusmaterial gibt es 16 Minuten „Entfallene Szenen“, elf davon Musik, und ein informatives halbstündiges Making-of. Es gibt sehr entspannte Impressionen vom Dreh, etwas Lobhuddelei, vor allem für Tommy Lee Jones, die dieses Mal sogar ehrlich klingt und sehr viele Statements von Regisseur Bertrand Tavernier. Er erzählt, was ihn an der Vorlage faszinierte, wie er arbeitet und wie er die verschiedenen Arbeitsmethoden der Franzosen und der Amerikaner wahrnimmt.

In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski (nach dem Roman von James Lee Burke)

mit Tommy Lee Jones, John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince, Levon Helm, Buddy Guy, John Sayles

DVD

Koch Media

Bild: 1,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Vorlage

James Lee Burke: Im Schatten der Mangroven

(übersetzt von Oliver Huzly)

Goldmann, 1996

416 Seiten

(nur noch antiquarisch)

Originalausgabe

In the Electric Mist with Confederate Dead

Hyperion, New York 1993

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Berlinale: Pressekonferenz zu „In the Electric Mist“

Film-Zeit über „In the Electric Mist“

Homepage von James Lee Burke

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

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Wer hat „In the Electric Mist“ gewonnen?

Juni 18, 2010

87 Menschen wollten eines der beiden Verlosungs-Exemplare der DVD „In the Electric Mist“ (dem grandiosen, auf einem Roman von James Lee Burke basierendem Südstaaten-Krimi mit Tommy Lee Jones) haben.

Die zufällig ausgelosten Gewinner sind

Jennifer R. aus Ahlen

Markus P. aus Stuttgart-Bad Cannstatt

Die DVDs sind schon unterwegs.


Achtung! Verlosung von „In the electric mist“ läuft noch

Juni 14, 2010

Feiner Film – und hier in der Kriminalakte so zu gewinnen:

Ihr schickt eine E-Mail an info[@]axelbussmer.de und schreibt in den Betreff „Ich will ‘In the electric mist’“.

Am kommenden Mittwoch, den 16. Juni, werde ich dann die beiden Gewinner auslosen und die DVDs verschicken.

Einsprüche gegen dieses Verfahren sind zwecklos.

Alle weiteren Informationen zum Film (incl. Trailer) hier.


Zwei Exemplare von „In the electric mist“ zu gewinnen

Juni 8, 2010

Die netten Damen von Koch Media haben mir zwei DVDs der neuesten und sehr gelungenen James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist – Mord in Louisiana“ gegeben. Bertrand Tavernier, dem wir schon die geniale Jim-Thompson-Verfilmung „Der Saustall“ verdanken, führte Regie. Tommy Lee Jones spielt den in New Iberia, Louisiana, arbeitenden Detective Dave Robicheaux. Er jagt den Mörder einer neunzehnjährigen Prostituierten. Gleichzeitig wird er mit der Südstaatenvergangenheit konfrontiert: eine Filmcrew dreht einen historischen Film und der Star des Films erzählt Robicheaux, dass er in den Sümpfen die verweste Leiche eines Mannes in Ketten gesehen habe. Das löst bei dem trockenen Alkoholiker Robicheaux Erinnerungen an die eigene Vergangenheit aus – und dann sieht er in seinem Garten immer wieder den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.

Schnell legt Robicheaux sich bei seinen Ermittlungen mit dem lokalen Paten und alten Kumpel Julie ‚Baby Feet‘ Balboni, der auch Geld in den Film investiert hat, an. Dabei ist nicht immer erkennbar, wie sehr Robicheaux einen persönlichen Rachefeldzug veranstaltet oder wirklich eine Spur verfolgt.

Der Film ist, wie die inzwischen nicht mehr übersetzten Romane des in den USA hochgeschätzten James Lee Burke, kein konventioneller Krimi. Er ist vor allem das Porträt eines von den Dämonen der Vergangenheit, der eigenen Schuld, Selbsthass und der Suche nach Erlösung getriebenen Charakters, einer korrupten Gesellschaft und einer tropisch-schwülen Landschaft, in der die Vergangenheit noch sehr lebendig ist. Die Bilder des immer noch vom 2005er Hurrikan Katrina zerstörten New Orleans verstärken diesen Eindruck.

Die Besetzung ist hochkarätig. Neben Tommy Lee Jones spielen John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince und Levon Helm mit und Blues-Musiker Buddy Guy spielt einige Songs, die den größten Teil der geschnittenen Szenen ausmachen.

Das Drehbuch ist von Jerzy Kromolowski und Mary Olson-Kromolowski, die auch das Drehbuch für Sean Penns grandiose Friedrich-Dürrematt-Verfilmung „Das Versprechen“ (The Pledge) schrieben.

In the electric mist“ lief bereits erfolgreich auf der Berlinale und dem Fantasy Filmfest. Aber für einen Kinostart hat es nicht gereicht.

Nach dem ganzen Gelaber wollt ihr sicher nur eines wissen: Wie komme ich an das Teil?

Ganz einfach. Ihr schickt eine E-Mail an info[@]axelbussmer.de und schreibt in den Betreff „Ich will ‚In the electric mist’“.

Am kommenden Mittwoch, den 16. Juni, werde ich dann die beiden Gewinner auslosen und die DVDs verschicken.

Einsprüche gegen dieses Verfahren sind zwecklos.


„In the electric mist“ auf der Berlinale

Januar 16, 2009

Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (mit Tommy Lee Jones in der Hauptrolle) läuft als Weltpremiere auf der Berlinale im Wettbewerb. Nachdem der Film in den USA direkt auf DVD erscheint, hat er danach in Deutschland noch eine minimale Chance auf eine Kinoauswertung.

Alle weiteren Infos zur Berlinale gibt es hier.

Weitere Infos über den Film entweder über die Suchen-Funktion oder auf der Homepage von James Lee Burke (dort gibt es auch einige Bilder vom Dreh).

Und jetzt gibt es einige Ausschnitte aus dem Film:


TV-Tipp für den 24. März: Die Prinzessin von Montpensier

März 24, 2019

Weil RTL die Free-TV-Premiere von Brian Helgelands Gangster-Biopic „Legend“ (Großbritannien 2015) über die Kray-Zwillinge (Tom Hardy und Tom Hardy) erst um 1.00 Uhr nachts (nach Fußball und einer Datingshow) zeigt:

Arte, 20.15

Die Prinzessin von Montpensier (La princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier

LV: Madame de la Fayette: La Princesse de Montpensier,1662

Während des Glaubenskriegs in Frankreich zwischen Katholiken und Hugenotten wird Marie aus politischen Gründen mit dem Prinzen von Montpensier verheiratet. Aber sie liebt ihren Cousin.

Prächtiger Historienfilm von Bertrand Tavernier.

Diese Geschichte ist für Tavernier der dramaturgische Faden um ein episches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Er zeigt, immer wieder, wie damals Politik mit Heiraten gemacht wurde, der ersten Nacht mit der Braut, von dem Zwiespalt zwischen Aberglaube, Religion und den Naturwissenschaften, welche Konventionen das Leben bestimmten und wie das Leben am Hof, auf dem Land war und auf dem Schlachtfeld war. Dabei erscheint das in dem Film gezeichnete Bild der Vergangenheit realistisch – und gleichzeitig ist es doch, dank der Inszenierung und der Musik von Philippe Sarde, ein sehr zeitgenössischer Film. Außerdem sind die in dem Film angesprochenen Themen heute teils immer noch, teils wieder aktuell. 

mit Mélanie Thierry, Lambert Wilson, Grégoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz

Wiederholung: Dienstag, 26. März, 13.55 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Rotten Tomatoes Zeit über „Die Prinzessin von Montpensier“

Wikipedia über „Die Prinzessin von Montpensier“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


Begibt Dave Robicheaux sich auf die “Flucht nach Mexiko”?

Januar 16, 2019

Welcome back in Burke-County. Dave Robicheaux lebt immer noch in New Iberia, eine Kleinstadt im Südwesten von Louisiana. Sein Geschäft für Anglerbedarf hat er inzwischen an Baptist verkauft. Seine Adoptivtochter Alafair geht aufs College und er lebt das Leben eines allein lebenden Witwers.

Als der im Sterben liegende Troy Bordelon ihm von einem blutbeschmiertem Stuhl erzählt, den er vor Jahrzehnten gesehen hat, erinnert sich Robicheaux an den Sommer von 1958 und die heiße Affäre zwischen seinem Halbbruder Jimmie und der Prostituierten Ida Durbin. Gemeinsam wollten sie nach Mexiko flüchten. Vor ihrer Flucht verschwand sie spurlos.

Jetzt fragt Robicheaux sich, ob sie damals ermordet wurde. Und was die vermögende und einflussreiche Familie Chalon damit zu tun hat.

Gleichzeitig wird er in die Jagd nach dem Baton-Rouge-Serienkiller verwickelt.

In den USA erschien der vierzehnte Dave-Robicheaux-Roman „Flucht nach Mexiko“ bereits 2005 und er hat all die Vor- und Nachteile von James Lee Burkes Spätwerk.

Der trockene Alkoholiker Robicheaux benimmt sich oft wie ein Halbstarker. Sein Kumpel Clete Purcel, ein ehemaliger Kollege beim New Orleans Police Department und Privatdetektiv, ist noch schlimmer. Er hat einen „Hang, stets das reinste Chaos zu hinterlassen“ (Robicheaux). Trotzdem, oder gerade deswegen, sind sie ein nicht zu stoppendes Team. Während Purcel keine Regeln beachten muss und daher ständig Ärger mit dem Gesetz hat, ignoriert Detective Robicheaux bei seinen Alleingängen das Gesetz und alle Dienstvorschriften immer wieder.

Mit zunehmendem Alter wirkt dieses halbstarke, stets Gewalt provozierende und ausübende Verhalten der beiden Männer doch etwas pubertär. Denn, wenn wir die Mathematik machen, war Dave Robicheaux 1958 ungefähr zwanzig Jahre (plus/minus und das macht ihn zum alter ego von seinem Erfinder, dem 1936 geborenen James Lee Burke). 2005, als der in der Gegenwart spielende Roman erschien, war Robicheaux also Mitte Sechzig und damit im pensionsfähigen Alter. In den seitdem erschienenen Robicheaux-Romanen wird das Problem noch offensichtlicher. Denn ein Robicheaux-Roman ist ohne Ausflüge in die Vergangenheit von Louisiana und die von Dave Robicheaux nicht denkbar. Das gibt ihm eine Biographie, die kaum verändert werden kann. Und, im Lauf der Serie, viele alte Bekannte, Freundinnen und reiche, einflussreiche Familien, mit denen er sich anlegt.

Aber während andere Autoren, deren Charaktere in Echtzeit alterten, wie Lawrence Blocks Matt Scudder (er war der erste Autor, der das machte) oder Ian Rankins John Rebus, sie in jeder Beziehung altern ließen und Rankin Rebus in Pension schickte, ignoriert James Lee Burke das Problem weitgehend. Sie spielen immer in der Gegenwart und Robicheaux arbeitet immer noch als Polizist,

Ein anderes Problem ist, dass in „Flucht nach Mexiko“, wie in anderen neueren Romanen von James Lee Burke, die verschiedenen Plots vor sich hin mäandern, bis nach fünfhundert Seiten alles eher hastig beendet wird.

Gleichzeitig, und das macht „Flucht nach Mexiko“ trotz allem lesenswert, gibt es immer wieder eindrucksvolle Schilderungen von Stimmungen, Landschaften, Ereignissen und Menschen. Schon die ersten Zeilen ziehen einen in den Roman hinein: „Es war das Ende einer Epoche, von der ich vermute, dass Historiker sie womöglich als das letzte Jahrzehnt der Amerikanischen Unschuld ansehen. Es war eine Zeit, an die wir uns weniger wegen bestimmter historischer Ereignisse als vielmehr in Bildern und Tönen erinnern – rosafarbene Cadillacs, Autokinos, stilisierte Straßenkriminelle, Rock ’n‘ Roll, in der Musikbox Hank und Lefty, der dirty bop, Baseballspiele am helllichten Tag, ausgeschlachtete ’32er Fords mit Mercury Maschinen, die mit einem Höllenlärm an Drive-in-Lokalen vorbei Rennen veranstalteten, das Ganze vor einer Kulisse aus Palmen, einer sich kräuselnden Brandung und einem violetten Himmel, den Gott ganz offensichtlich als filmisches Tribut an unsere Jugend erschaffen hat.“

Wer will da nicht weiterlesen?

James Lee Burke: Flucht nach Mexiko – Ein Dave-Robicheaux-Krimi

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Pendragon, 2018

480 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Crusader’s Cross

Simon & Schuster, Inc., 2005

Hinweise

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)


TV-Tipp für den 8. März: Der gekaufte Tod

März 8, 2018

Wer den Film vor einigen Tagen verpasste

Arte, 00.10

Der gekaufte Tod (La Mort en Direct, Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: David Rayfiel, Bertrand Tavernier

LV: D. G. Compton: The unsleeping Eye; The continuous Katherine Mortehoe, 1974 (später „Death Watch“) (Schlaflose Augen; Der gekaufte Tod; Tod live)

In naher Zukunft gibt es fast keine tödlichen Kranheiten mehr. Deshalb ist die TV-Show „Death Watch“, die voyeuristisch das Sterben der Todkranken verfolgt, ein Quotenhit. Die junge, tödlich erkrankte Schriftstellerin Kathrine Mortenhoe (Romy Schneider) soll der neue Star der Show werden. Sie ist einverstanden. Als sie mit dem erklecklichen Honorar für ihre Teilnahme an „Death Watch“ untertaucht, setzt der Produzent (Harry Dean Stanton) Roddy (Harvey Keitel) auf sie an. In seine Augen wurde eine Kamera implantiert, die alles was er sieht, in die Zentrale des TV-Senders überträgt.

Extrem selten gezeigter Science-Fiction-Film.

„Ein eher zwiespältiger Film mit schauspielerischen Qualitäten, aber viel fehlgeleiteter Medienkritik.“ (Fischer Film Almanach 1981)

„die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wirtschaftliche und politische Machtveränderungen in der Zukunft Moralbegriffe außer Kraft setzen, lohnt auf jeden Fall.“ (Filmbeobachter)

Was vor Jahrzehnten noch eine in weiter Zukunft liegende Dystopie war, ist heute, abgesehen von den besiegten Krankheiten, gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

mit Romy Schneider, Harvey Keitel, Harry Dean Stanton, Therese Liotard, Max von Sydow, William Russel, Vadim Glowna, Bernhard Wicki, Eva Maria Meineke, Paul Young, Robbie Coltrane, Bill Nighy (beide haben nur Kurzauftritte: Coltrane in seinem Spielfilmdebüt als Limousinenfahrer, Nighy in seinem zweiten Spielfilmauftritt als Mann in der ‚Harriet Szene‘)

auch bekannt als „Death Watch – Der gekaufte Tod“ (Kinotitel)

Hinweise

Arte über „Der gekaufte Tod“

Filmportal über „Der gekaufte Tod“

Die Zukunft über „Der gekaufte Tod“

Rotten Tomatoes über „Der gekaufte Tod“

Wikipediia über „Der gekaufte Tod“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


TV-Tipp für den 23. Februar: Mord in Louisiana

Februar 23, 2018

3sat, 22.35

In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: James Lee Burke: In the Electric Mist with Confederate Dead, 1993 (Im Schatten der Mangroven)

Polizeichef Dave Robicheaux will den Mord an einer neunzehnjährigen Prostituierten aufzuklären. Bei seinen Ermittlungen trifft er auch auf eine Filmcrew, die einen historischen Film dreht, den lokalen Paten, seinen alten Freund Julie ‘Baby Feet’ Balboni, dessen Geld auch in dem Film steckt und den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.

Grandios besetzte, sehr atmosphärische und sehr gelungene Verfilmung eines Robicheaux-Krimis. Feiner Stoff für Krimifans.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tommy Lee Jones, John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince, Levon Helm, Buddy Guy, John Sayles

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Berlinale: Pressekonferenz zu „In the Electric Mist“

Film-Zeit über „In the Electric Mist“

Homepage von James Lee Burke

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


TV-Tipp für den 12. Februar: Der gekaufte Tod

Februar 12, 2018

Arte, 22.20

Der gekaufte Tod (La Mort en Direct, Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: David Rayfiel, Bertrand Tavernier

LV: D. G. Compton: The unsleeping Eye; The continuous Katherine Mortehoe, 1974 (später „Death Watch“) (Schlaflose Augen; Der gekaufte Tod; Tod live)

In naher Zukunft gibt es fast keine tödlichen Kranheiten mehr. Deshalb ist die TV-Show „Death Watch“, die voyeuristisch das Sterben der Todkranken verfolgt, ein Quotenhit. Die junge, tödlich erkrankte Schriftstellerin Kathrine Mortenhoe (Romy Schneider) soll der neue Star der Show werden. Sie ist einverstanden. Als sie mit dem erklecklichen Honorar für ihre Teilnahme an „Death Watch“ untertaucht, setzt der Produzent (Harry Dean Stanton) Roddy (Harvey Keitel) auf sie an. In seine Augen wurde eine Kamera implantiert, die alles was er sieht, in die Zentrale des TV-Senders überträgt.

Der extrem selten gezeigte Science-Fiction-Film ist der gelungene Abschluss eines Bertrand-Tavernier-Abends, der um 20.15 Uhr mit seiner grandiosen Jim-Thompson-Verfilmung „Der Saustall“ beginnt.

Ein eher zwiespältiger Film mit schauspielerischen Qualitäten, aber viel fehlgeleiteter Medienkritik.“ (Fischer Film Almanach 1981)

die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wirtschaftliche und politische Machtveränderungen in der Zukunft Moralbegriffe außer Kraft setzen, lohnt auf jeden Fall.“ (Filmbeobachter)

Was vor Jahrzehnten noch eine in weiter Zukunft liegende Dystopie war, ist heute, abgesehen von den besiegten Krankheiten, gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

mit Romy Schneider, Harvey Keitel, Harry Dean Stanton, Therese Liotard, Max von Sydow, William Russel, Vadim Glowna, Bernhard Wicki, Eva Maria Meineke, Paul Young, Robbie Coltrane, Bill Nighy (beide haben nur Kurzauftritte: Coltrane in seinem Spielfilmdebüt als Limousinenfahrer, Nighy in seinem zweiten Spielfilmauftritt als Mann in der ‚Harriet Szene‘)

auch bekannt als „Death Watch – Der gekaufte Tod“ (Kinotitel)

Hinweise

Arte über „Der gekaufte Tod“

Filmportal über „Der gekaufte Tod“

Die Zukunft über „Der gekaufte Tod“

Rotten Tomatoes über „Der gekaufte Tod“

Wikipediia über „Der gekaufte Tod“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


James Lee Burke sieht auf der “Straße der Gewalt” „Blut in den Bayous“ und Dave Robicheaux

Februar 20, 2017

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Es hat lange gedauert, aber seitdem die Romane von James Lee Burke in Deutschland wieder veröffentlicht werden, können alte Burke-Fans teilweise große Leselücken schließen (wenn sie die Romane nicht schon im Original gelesen haben) und junge Burke-Fans auch das Frühwerk entdecken. Denn der Pendragon-Verlag veröffentlicht auch die alten Robicheaux-Romane wieder. Doch dazu später mehr.

Mit „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003) liegt der dreizehnten von zwanzig Robicheaux-Romanen erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Dave Robicheaux, der erste, bekannteste und erfolgreichste Seriencharakter von James Lee Burke, ist ein trockener Alkoholiker, war Kriminalpolizist in New Orleans und ist jetzt Sheriff in New Iberia.

Weil Jimmie Dolan, ein mit ihm befreundeter, umstrittener katholischer Pater in New Orleans, brutal zusammengeschlagen wird, kehrt Robicheaux auf der Suche nach den Tätern zurück in den Big Easy.

Gleichzeitig muss er sich in New Iberia um die Folgen eines Autounfalls, bei dem drei Teenagerinnen starben, kümmern. Denn der Tod der Mädchen setzt eine Spirale von Rache und Mord in Gang.

Und ein Erlösung suchender IRA-Killer treibt sich in Louisiana herum.

Straße der Gewalt“ gehört zu den späteren Robicheaux-Romanen, in denen die Atmosphäre, die Landschaftsbeschreibungen, einzelne Szenen und ihre Wirkung wichtiger als ein auch nur halbwegs stringent entwickelter Plot sind. Der Anfang ist, wie immer bei James Lee Burke, äußerst gelungen. Aber dann schleppen sich die verschiedenen Plots labyrinthisch über hunderte von Seiten vor sich hin bis sie, im Fall von „Straße der Gewalt“, in einem hastigen Ende münden.

Das war bei seinen ersten Robicheaux-Romanen anders. „Blut in den Bayous“, der zweite Robicheaux-Roman, erschien jetzt wieder in einer Neuauflage.

Robicheaux betreibt in New Iberia einen Bootsverleih und Laden für Fischköder. Bei einem Angelausflug mit seiner Frau Annie stürzt vor ihnen ein kleines Flugzeug ab. Robicheaux kann einen Passagier, ein kleines Mädchen, aus dem in den Bayous versinkendem Flugzeug retten. Die anderen Passagiere, Flüchtlinge aus El Salvador, sind tot. Als die Behörden eine falsche Opferzahl veröffentlichen, weiß Robicheaux, dass etwas faul ist. Vor allem weil die im Bericht nicht erwähnte Tote als Muli für den Rauschgiftbaron Bubba Rocque, den er seit seiner Kindheit kennt, arbeitete.

Robicheaux hört sich in New Orleans bei seinen alten Freunden um und sticht in ein Wespennest aus Organisierter Kriminalität und Geheimdiensten.

Vielleicht weil „Blut in den Bayous“ zu den ersten Romanen gehört, die ich von James Lee Burke gelesen habe und die mich zu einem Burke-Fan machten, gehört für mich der zweite Robicheaux-Roman zu den besten Romanen der seit dreißig Jahren bestehenden Serie.

In seinem Nachwort beschäftigt sich Alf Mayer vor allem mit „Mississippi Delta“, der Verfilmung des Romans von Phil Joanou, nach einem Drehbuch von Scott Frank mit Alec Baldwin (damals Dave Robicheaux, heute…), Kelly Lynch, Mary Stuart Masterson, Teri Hatcher, Eric Robert, Vondie Curtis Hall und Paul Guilfoyle (vor seiner Beschäftigung bei der Las-Vegas-Ausgabe von „C. S. I.“). Er geht dabei auch detailliert auf die schwierige Produktion ein. Sehenswert ist der Film trotz seiner Mängel. Und ich kann Alf Mayers Frage nach dem deutschen Kinostart klären. Ja, er lief in den Kinos. Ich sah ihn damals im Kino. In einer ganz normalen Vorführung in einem ganz normalen Kino. Jahre später besorgte ich mir eine DVD-Ausgabe des Films und wenn es eine schöne Blu-ray-Ausgabe gäbe, würde ich meine DVD gerne dagegen eintauschen.

James Lee Burke: Straße der Gewalt

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Pendragon, 2017

520 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Last Car to Elysian Fields

Simon & Schuster, 2003

James Lee Burke: Blut in den Bayous

(übersetzt von Jürgen Behrens, mit einem Nachwort von Alf Mayer)

Pendragon, 2016

456 Seiten

17 Euro

Deutsche Erstausgabe 1991 als „Blut in den Bayous“ bei Ullstein.

Neuausgabe 1996 zum Filmstart als „Mississippi Delta – Blut in den Bayous“ bei Ullstein.

Originalausgabe

Heaven’s Prisoners

Holt, New York, 1988

Erster Bonushinweis

Vater und Sohn von James Lee Burke

Vor einigen Wocheen erschien „Vater und Sohn“ bei Heyne Hardcore und weil ich den seitenstarken Roman noch nicht gelesen habe, beschränke ich mich auf die Fakten. Burke erzählt von Texas Ranger Hackberry Holland, der seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn Ishmael hat. Er sucht ihn und will sich mit ihm aussöhnen. Der Roman spielt zwischen 1891 und 1918. Es ist also ein historischer Roman.

James Lee Burke: Vater und Sohn

(übersetzt von Daniel Müller)

Heyne, 2016

640 Seiten

17,99 Euro

Originalausgabe

House of the Rising Sun

Simon & Schuster, New York, 2015

Zweiter Bonushinweis

Sturm ueber New Orleans von James Lee Burke

Der Dave-Robicheaux-Krimi Sturm über New Orleans“ erschien vor wenigen Tagen als Taschenbuch bei Heyne. Das Buch kostet 10,99 Euro.

Hinweise

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

 


TV-Tipp für den 19. Dezember: Die Prinzessin von Montpensier

Dezember 19, 2016

One, 20.15

Die Prinzessin von Montpensier (Frankreich 2010, Regie: Bertrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier

LV: Madame de la Fayette: La Princesse de Montpensier,1662

Während des Glaubenskriegs in Frankreich zwischen Katholiken und Hugenotten wird Marie aus politischen Gründen mit dem Prinzen von Montpensier verheiratet. Aber sie liebt ihren Cousin.

Prächtiger Historienfilm von Bertrand Tavernier.

Diese Geschichte ist für Tavernier der dramaturgische Faden um ein episches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Er zeigt, immer wieder, wie damals Politik mit Heiraten gemacht wurde, der ersten Nacht mit der Braut, von dem Zwiespalt zwischen Aberglaube, Religion und den Naturwissenschaften, welche Konventionen das Leben bestimmten und wie das Leben am Hof, auf dem Land war und auf dem Schlachtfeld war. Dabei erscheint das in dem Film gezeichnete Bild der Vergangenheit realistisch – und gleichzeitig ist es doch, dank der Inszenierung und der Musik von Philippe Sarde, ein sehr zeitgenössischer Film. Außerdem sind die in dem Film angesprochenen Themen heute teils immer noch, teils wieder aktuell. 

mit Mélanie Thierry, Lambert Wilson, Grégoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz

Wiederholung: Dienstag, 20. Dezember, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Prinzessin von Montpensier“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


TV-Tipp für den 16. September: Mord in Louisiana

September 16, 2016

3sat, 22.35

In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: James Lee Burke: In the Electric Mist with Confederate Dead, 1993 (Im Schatten der Mangroven)

Polizeichef Dave Robicheaux will den Mord an einer neunzehnjährigen Prostituierten aufzuklären. Bei seinen Ermittlungen trifft er auch auf eine Filmcrew, die einen historischen Film dreht, den lokalen Paten, seinen alten Freund Julie ‘Baby Feet’ Balboni, dessen Geld auch in dem Film steckt und den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.

Grandios besetzte, sehr atmosphärische und sehr gelungene Verfilmung eines Robicheaux-Krimis. Feiner Stoff für Krimifans.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tommy Lee Jones, John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince, Levon Helm, Buddy Guy, John Sayles

Wiederholung: Sonntag, 18. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Berlinale: Pressekonferenz zu „In the Electric Mist“

Film-Zeit über „In the Electric Mist“

Homepage von James Lee Burke

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)


Wieder erhältlich: James Lee Burkes erster Dave-Robicheaux-Krimi „Neonregen“

Juli 20, 2016

Burke - Neonregen - Pendragon 2016 - 2

Als 1987 „Neonregen“ in den USA erschien, war James Lee Burke schon lange kein Jungspund mehr und seine literarische Karriere war, nach durchaus erfolgversprechenden Anfängen in den Sechzigern, von Absagen gepflastert. Egal in welchem Genre er sich versuchte. Sein Freund Charles Willeford, selbst ein gefeierter Noir-Autor, riet ihm, es doch einmal mit einem Kriminalroman zu versuchen und der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte. Gleich drei New Yorker Verlage wollten „Neonregen“ veröffentlichen. Der Krimi war in den USA bei Kritik und Publikum ein Erfolg. Burke war mit diesem und den folgenden Dave-Robicheaux-Romanen einer der Erneuerer des Hardboiled-Romans und er erhielt, teilweise mehrmals, alle wichtigen Krimipreise. Sein Held Dave Robicheaux wurde zu einem der beliebtesten Charaktere des Genres. Seitdem veröffentlichte der 1936 geborene James Lee Burke, neben mehreren anderen Romanen, zwanzig Robicheaux-Krimis.

In „Neonregen“ ist Dave Robicheaux noch Lieutenant beim New Orleans Police Department, Trinker und, so sagt ihm ein Mafia-Killer kurz vor seiner Hinrichtung, er soll ermordet werden. Die Kolumbianer wollen ihn umbringen, weil er sie bei ihren kriminellen Geschäften störte.

Robicheaux hat keine Ahnung, welche Geschäfte er von wem störte. Aber er vermutet, dass der Mordauftrag etwas mit der Farbigen zu tun haben könnte, deren Leiche er vor zwei Wochen bei einem Angelausflug im Wasser entdeckte.

Mit der mehr als überfälligen Neuveröffentlichung von dem lange nicht mehr erhältlichen Kriminalroman „Neonregen“ können jetzt, nachdem die über zehnjährige Übersetzungspause vor knapp zwei Jahren beendet wurde, auch all die seitdem neu hinzugekommenen James-Lee-Burke-Fans den enorm kraftvollen Auftakt der Robicheaux-Serie lesen. Er ist eines seiner besten Bücher.

Robicheaux ist nämlich ein interessanter Protagonist, der in diesem und den nächsten Romanen versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen. „Neonregen“ erzählt eine spannende Geschichte mit politischen Anspielungen an einem unverbrauchtem Handlungsort in einer Sprache, die einen förmlich die schwüle Louisianas spüren lässt.

In den kommenden Jahren will der Pendragon-Verlag weitere Robicheaux-Romane veröffentlichen und das ist für den Krimifan eine gute Nachricht. Denn gerade die ersten Robicheaux-Romane gehören zum Besten, was es im Genre gibt und die neueren Robicheaux-Romane sind, bis auf „Sturm über New Orleans“, noch nicht übersetzt.

James Lee Burke: Neonregen

(überarbeitete Neuausgabe)

(mit einem Vorwort von James Lee Burke und einem Nachwort von Alf Mayer)

(übersetzt von Hans H. Harbort)

Pendragon, 2016

432 Seiten

17 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 1990

Originalausgabe

The Neon Rain

Henry Holt & Co., New York, 1987

Hinweise

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)


Mit James Lee Burke und Dave Robicheaux im “Mississippi Jam”

April 7, 2016

Burke - Mississippi Jam - 2

Als die Romane von James Lee Burke noch regelmäßig übersetzt wurden, wurde “Dixie City Jam”, der siebte Dave-Robicheaux-Roman, der zwischen “Im Schatten der Mangroven” (In the Electric Mist with Confederate Dead) und “Im Dunkel des Deltas” (Burning Angel) erschien, galant ignoriert. An der Qualität des im Original 1994 erschienen Romans kann es nicht gelegen haben. Denn er unterscheidet sich nicht sonderlich von Burkes vorherigen und späteren Robicheaux-Romanen. Dass es um ein vor der Küste von Louisiana gesunkenes Nazi-U-Boot geht, schon eher. Obwohl das auch eher nach einem Stellvertreter-Argument klingt.

Jedenfalls erschien jetzt bei Pendragon als „Mississippi Jam“ die deutsche Ausgabe von “Dixie City Jam”.

In dem Roman wollen mehrere Menschen das 1942 von der US-Navy zum Versinken gebrachte Nazi-U-Boot haben und weil Dave Robicheaux es schon während seiner College-Zeit bei einem Tauchgang entdeckte, steht er im Zentrum ihres Interesses. Dave, Detective von der Polizei von New Iberia, will dem mächtigen jüdischen Aktivisten und Geschäftsmann Hipp Bimstine für 25.000 Dollar den Fundort verraten. Das Geld braucht er, um einem Freund zu helfen.

Will Buchalter, ein durchgeknallter Nazi, der bei seinen zahlreichen Verbrechen keine Spuren hinterlässt und, zusammen mit seiner Schwester, schon in jedem Nazi-Netzwerk war, will das U-Boot vor Bimstine haben und er schreckt vor nichts zurück.

Damit ist das Fundament für einen typischen Robicheaux-Roman gelegt, in dem der menschliche Abschaum von halb Amerika und die New-Orleans-Mafia sich in dem kleinen Ort New Iberia versammelen und schnell eine tödliche Dynamik in Gang gesetzt wird, in der man – wie auch die handelnden Charaktere – ebenso schnell den Überblick verliert, bis der in jedem der inzwischen zwanzig Robicheaux-Roman auftauchende psychopathische Killer Dave Robicheaux, seine Familie und seine Freunde belästigt, bis er erkennt, dass er sich mit dem falschen Südstaatler angelegt hat. So undurchschaubar und auch kaum noch nacherzählbar die Handlung dann oft ist (und in seinen späteren Romanen wurde es noch undurchschaubarer), so stark sind die einzelnen Szenen.

In „Mississippi Jam“ gelingt James Lee Burke noch die Balance zwischen den verschiedenen Elementen, die sich später zu oft zuungunsten der Geschichte verschob.

James Lee Burke: Mississippi Jam

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Pendragon, 2016

592 Seiten

17,99 Euro

Originalausgabe

Dixie City Jam

Orion, 1994

Hinweise

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)


James Lee Burke, Dave Robicheaux und der „Sturm über New Orleans“

Juni 1, 2015

Burke - Sturm über New Orleans - 2

Ein bisschen unheimlich ist die derzeitige kollektive Begeisterung für James Lee Burke schon. Da wurde, nachdem seine Bücher bei Ullstein und Goldmann erschienen waren, zwölf Jahre kein neues Buch von ihm übersetzt. Einige Burke-Fans jammerten darüber, wiesen darauf hin, wie großartig er sei, welche wichtigen Preise er gewann, was für grandiose Romane er schrieb und wünschten sich zu Weihnachten, dass endlich seine neuen Romane übersetzt würden. Denn in seiner Heimat veröffentlichte Burke ungefähr im Jahrestakt einen neuen Bestseller. In Deutschland wurde dagegen jeder Skandinavier zum Schreiben von Kriminalromane verpflichtet.

Jetzt, nachdem James Lee Burkes Hackberry-Holland-Roman „Regengötter“ im Herbst 2014 bei Heyne Hardcore veröffentlicht wurde und der Pendragon Verlag den sechzehnten David-Robicheaux-Roman „Sturm über New Orleans“ veröffentlichte, ist die Begeisterung groß. Derzeit ist „Sturm über New Orleans“ auf dem ersten Platz der KrimiZeit-Bestenliste und bis auf wenige Ausnahmen gibt es nur begeisterte Kritiken, denen ich nicht ganz folgen kann. Denn „Sturm über New Orleans“ ist nicht so gut wie sein Frühwerk.

Das liegt an einigen Burke-Manierismen, die er seit Jahren liebevoll pflegt. So mischt er munter die Ich-Perspektive (Dave Robicheaux ist der Erzähler) mit einer auktorialen Perspektive, die den größten Teil des Romans mit Episoden füllt, in denen Robicheaux nicht dabei ist und von denen er auch nie etwas erfährt. Robicheaux wird also zum Nebencharakter in seinem eigenen Roman. Mich stört diese Schlampigkeit gewaltig. Den meisten Kritikern scheint dieser Perspektivenwechsel egal zu sein.

Dann wechselt Burke einfach so das Tempus. Die ersten vierundvierzig Seiten sind im Präsens (das in Erzählungen fast nie funktioniert) geschrieben. Danach wechselt er ins Präteritum. Einen erkennbaren Grund für diesen Wechsel gibt es nicht. Es ist eher so, als habe er in der Überarbeitung vergessen, die ganze Geschichte in einer grammatikalischen Zeitform zu schreiben.

Und dann gibt es immer wieder mehr oder weniger große Zeitsprünge, die eher verwirren, weil sie wirken, als ob ihm während des Schreibens eingefallen sei, dass er zwar eine Information (z. B. ein Charakter ist tot) geliefert hat, aber noch nicht erzählt hat, wie dieser Charakter gestorben ist. Diese Szene fügt er dann ein, nachdem die Leiche gerade abtransportiert wird. Diese unmotivierten Rückblenden nerven mich ungemein, weil die Szene am falschen Ort steht. Man hätte die Szene mit Ermordung des Charakters einige Seiten früher präsentieren sollen. So entsteht das Gefühl, dass man eine Information zweimal erhält. Denn wir wissen ja bereits, dass der Charakter tot ist.

Eine Zeitlang tauchten in Burkes Romanen auch Geister auf, die einfach so in der Geschichte herumhingen, weil Burke Gespenster wohl irgendwie sympathisch fand. In „Sturm über New Orleans“ fehlen sie, obwohl der Hurrikan Katrina und die damit verbundene Zerstörung von New Orleans dazu eingeladen hätten.

Die Story selbst ist, wieder einmal, eher chaotisch als komplex und, angesichts des realen Hintergrunds und der Aussage von Burke, dass „Sturm über New Orleans“ sein wütendstes Buch sei, ist die Kriminalgeschichte erschreckend beliebig. Denn der Hurrikan ist nur ein für die eigentliche Kriminalgeschichte weitgehend austauschbares Vorspiel, das bis Seite 126 dauert. In dem Moment wird Dave Robicheaux von New Orleans wieder zurück nach New Iberia, seinem Heimatort, versetzt. So dicht die Beschreibungen der Plünderungen und des Chaos bei den Aufräumarbeiten auch sind, so sehr erinnern sie an umformulierte, von einer gerechten Empörung getragene, nicht-analytische Zeitungsberichte und so vernachlässigbar sind sie für die beiden Kriminalfälle.

In dem einen Fall steht Otis Baylor im Verdacht, einen der Vergewaltiger seiner Tochter erschossen zu haben. Der Tote war mit einigen Freunden auf einer Plünderungstour, bei der sie auch in die Villa von Sidney Kovick einbrachen und dort beträchtliche Wertgegenstände entdeckten, die der Eigentümer ohne die Hilfe der Polizei zurückhaben will.

Gleichzeitig sucht Robicheaux, in einem mitgeschleiften Nebenplot, nach dem spurlos verschwundenem, drogenabhängigem Priester Jude LeBlanc.

Langjährige Burke- und Robicheaux-Leser finden in „Sturm über New Orleans“ viele bekannte Elemente wieder, die eben weil man sie zum wiederholten Mal ohne große Variation liest, langweilt. Wie oft muss man noch die gewalt- und alkoholgeschwängerten Halbstarken-Eskapaden von Robicheauxs Freund Clete Purcel, das Auftauchen von durchgeknallten Killern und Mafiosi vor Robicheaux‘ Haustür, die Macho-Sprüche, die inzwischen nur noch anachronistisch sind, die Anschläge auf Robicheaux (so als müsste mindestens einmal pro Roman der Killer versuchen Robicheaux und seine Familie zu töten) lesen?

Das alles hat nicht mehr den Esprit und die Innovation der ersten Robicheaux-Romane, sondern ist inzwischen eine Mischung aus Stillstand und auch Rückschritt. Seine früheren Robicheaux-Romanen sind einfach besser. Und dennoch habe ich die ganzen gut sechshundert Seiten gelesen und, trotz aller Kritik, empfehle ich die Lektüre von James Lee Burke. Er ist einer der großen der US-Kriminalliteratur und mit „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987), dem ersten Robicheaux-Roman, und den folgenden Robicheaux-Romanen trug er zu einer Neuausrichtung des Polizeiromans bei.

Nächstes Jahr will Pendragon einen weiteren Roman von James Lee Burke veröffentlichen. Bereits im September erscheint bei Heyne Hardcore „Glut und Asche“ (Feat Day of Fools, 2011), ein weiterer Hackberry-Holland-Roman.

James Lee Burke: Sturm über New Orleans

(übersetzt von Georg Schmidt)

Pendragon, 2015

576 Seiten

17,99 Euro

Originalausgabe

The Tin Roof Blowdown

Simn & Schuster, 2007

Hinweise

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)


TV-Tipp für den 11. April: Auf offener Straße

April 10, 2015

Arte, 00.40
Auf offener Straße (Frankreich 1992, Regie: Bertrand Tavernier)
Drehbuch: Michel Alexandre, Bertrand Tavernier
Grandioser Polizeithriller über eine Einheit von Drogenfahndern, die vor allem durch mangelhafte Ausrüstung und fehlende Rückendeckung von der Arbeit abgehalten werden und vor allem gegen die kleinen Fische ermitteln müssen.
„Der Linke Tavernier zieht hier ein desaströses Fazit der Sozialpolitik nach zehn Jahren sozialistischer Regierung. Er beleuchtet die Gründe der Attraktivität rechtsradikaler Scharlatane à la Le Pen in den Köpfen allzuvieler Franzosen. Er verdeutlicht, wie die Berührungsangst staatlicher Stellen gegenüber nord- und zentralafrikanischen Dealern den täglichen Rassismus verstärkt und den Fremdenhaß unter Einheimischen eher schürt, weil eine partielle, gern verschwiegene Wahrheit als Makel auf alle Farbigen und Immigranten übertragen wird.
Tavernier hat (…) einen eminent politischen Film gedreht.“ (Fischer Film Almanach 1993), der heute, angesichts der Wahlergebnisse in Frankreich und der Diskussionen in Deutschland (googelt mal „Görlitzer Park“) immer noch brennend aktuell ist.
Co-Autor Michel Alexandre war damals selbst bei der Pariser Drogenfahndung.
„Auf offener Straße“ war als bester Film des Jahres für den César nominiert.
In Deutschland lief er als „Original mit Untertitel“ und wenn der Film nicht so unbekannt wäre, wäre er ein potentieller Klassiker. Insofern: eine lohnende Entdeckung!
mit Didier Bezace, Jean Paul Comart, Charlotte Kady, Jean-Roger Milo, Nils Tavernier, Philippe Torreton
Hinweise
Arte über „Auf offener Straße“ (und ein Essay von Olivier Père)
AlloCiné über „Auf offener Straße“
Moviepilot über „Auf offener Straße“ (noch keine Bewertung)
Wikipedia über „Auf offener Straße“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung “Der Uhrmacher von St. Paul” (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Tavernier James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (In the electric mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


TV-Tipp für den 25. März: Auf offener Straße

März 25, 2015

Arte, 20.15
Auf offener Straße (Frankreich 1992, Regie: Bertrand Tavernier)
Drehbuch: Michel Alexandre, Bertrand Tavernier
Grandioser Polizeithriller über eine Einheit von Drogenfahndern, die vor allem durch mangelhafte Ausrüstung und fehlende Rückendeckung von der Arbeit abgehalten werden und vor allem gegen die kleinen Fische ermitteln müssen.
„Der Linke Tavernier zieht hier ein desaströses Fazit der Sozialpolitik nach zehn Jahren sozialistischer Regierung. Er beleuchtet die Gründe der Attraktivität rechtsradikaler Scharlatane à la Le Pen n den Köpfen allzuvieler Franzosen. Er verdeutlicht, wie die Berührungsangst staatlicher Stellen gegenüber nord- und zentralafrikanischen Dealern den täglichen Rassismus verstärkt und den Fremdenhaß unter Einheimischen eher schürt, weil eine partielle, gern verschwiegene Wahrheit als Makel auf alle Farbigen und Immigranten übertragen wird.
Tavernier hat (…) einen eminent politischen Film gedreht.“ (Fischer Film Almanach 1993), der heute, angesichts der Wahlergebnisse in Frankreich und der Diskussionen in Deutschland (googelt mal „Görlitzer Park“) immer noch brennend aktuell ist.
Co-Autor Michel Alexandre war damals selbst bei der Pariser Drogenfahndung.
„Auf offener Straße“ war als bester Film des Jahres für den César nominiert.
In Deutschland lief er als „Original mit Untertitel“ und wenn der Film nicht so unbekannt wäre, wäre er ein potentieller Klassiker. Insofern: eine lohnende Entdeckung!
mit Didier Bezace, Jean Paul Comart, Charlotte Kady, Jean-Roger Milo, Nils Tavernier, Philippe Torreton
Wiederholung: Donnerstag, 26. März, 23.35 Uhr
Hinweise
Arte über „Auf offener Straße“ (und ein Essay von Olivier Père)
AlloCiné über „Auf offener Straße“
Moviepilot über „Auf offener Straße“ (noch keine Bewertung)
Wikipedia über „Auf offener Straße“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung “Der Uhrmacher von St. Paul” (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Tavernier James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (In the electric mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


Über James Lee Burkes „Regengötter“

Oktober 28, 2014

James Lee Burke gehört zu den US-amerikanischen Krimiautoren, die alle wichtigen Preise gewonnen haben, in ihrer Heimat erfolgreich sind, im Jahrestakt hochgelobte Kriminalromane veröffentlichen und die seit Ewigkeiten nicht mehr ins Deutsche übersetzt werden. Von James Lee Burke, dem Erfinder von Dave Robicheaux, erschien die letzte neue Übersetzung 2002. Danach war für die Fans Englisch lernen angesagt.
Jetzt erschien bei Heyne Hardcore „Regengötter“, eine Übersetzung seines Romans „Rain Gods“ von 2009, bei dem der über siebzigjährige Sheriff Hackberry Holland im Mittelpunkt steht. Einige James-Lee-Burke-Fans kennen ihn aus „Lay down my Sword and Shield“ (1971, nicht übersetzt). Er ist auch verwandt mit Billy Bob Holland, dem Protagonisten in vier Burke-Romanen, die zwischen 1997 und 2004 erschienen und von denen die ersten drei übersetzt wurden.
Im Zentrum von Burkes Werk steht allerdings Dave Robicheaux, der erstmals 1987 in „Neonregen“ (The Neon Rain) auftrat. Damals noch als alkoholabhängiger Mordermittler bei der Polizei von New Orleans. In den folgenden, bis jetzt zwanzig Romanen, ist er, abgesehen von einem kurzen Intermezzo als Privatdetektiv, Sheriff von New Iberia, wo er seinen Job immer wieder unter Mißachtung aller Dienstvorschriften ausübt. Von seiner Attitüde ist Robicheaux nämlich der klassische Hardboiled-Privatdetektiv. „Mississippi Delta – Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988) und „Im Schatten der Mangroven“ (In the electric mist with Confederate Dead, 1993) wurden verfilmt; mit durchwachsenem Ergebnis. Die Vorlagen sind unbedingt lesenswert.
Diese Mißachtung der Dienstvorschriften würde Hackberry Holland nicht einfallen. Der Ex-Trinker, Ex-Bürgerrechtsanwalt und Witwer stößt, nach einem Anruf, bei einer alten Kirche auf neun Frauenleichen. Asiatinnen, die Heroin in ihrem Bäuchen hatten. Er will den Täter finden und dem Anrufer helfen, während er von anderen Behörden, wie dem FBI und der Einwanderungs- und Zollbehörde, vor allem behindert und nicht informiert wird.
Neben diesem Hauptplot erzählt Burke, ziemlich gleichberechtigt, mehrere Geschichten, die mit dem Massenmord zusammenhängen. Es ist die Flucht von Pete Flores, einem psychisch kranken Irakkriegsveteran, der den Anruf tätigte, und jetzt mit seiner Freundin Vikki Gaddis, einer Country-Sängerin und Kellnerin, auf der Flucht ist. Sie flüchten vor Jack Collins, einem durchgeknallten Killer mit sagenhaften Fähigkeiten, der sich für einen Prediger hält und deshalb „Preacher“ genannt wird. Manchmal schickt er auch seine beiden Handlanger mit blutig endenden Suchaufträgen los. Gleichzeitig hat Stripclub-Besitzer Nick Dolan, der für die Morde verantwortlich sein soll, Ärger mit Hugo Cistranos und Arthur Rooney, die gerne an seine Lokale kommen würden.
Und am Rand ist auch noch die Russenmafia involviert.
Oh, und irgendwann tauchen auch einige Biker auf, die den Preacher umbringen sollen und schnell von ihm mit seiner MP niedergemäht werden.
„Regengötter“ reiht sich – und sage ich als Fan – nahtlos in das enttäuschende Spätwerk von James Lee Burke ein, in dem die Geschichte arg chaotisch, ziemlich spannungsfrei und wenig interessant auf ihr Ende zutaumelt. Der Roman liest sich, als hätte Burke nur eine Ausgangsidee und das Ziel, eine bestimmte Menge Seiten zu füllen, gehabt. Dieses nachlässige Plotting ist vor allem bei dem Bösewicht des Buches offensichtlich. Als Bösewicht darf er erst am Ende sterben. Gleichzeitig dürfen einige der Guten, vor allem Hackberry, Pete und Vikki, nicht sterben. Also endet jede der zahlreichen Begegnungen zwischen ihnen, damit, dass Collins freiwillig auf die Chance verzichtet, sie umzubringen. Auch wenn er sich vorher in ihre Wohnung geschlichen hat. Er erfindet dann schnell einen weit hergeholten Grund, der mit seinem Preacher-Sein etwas zu tun hat. Und trotz der menschenleeren texanischen Landschaft laufen die Guten und die Bösen sich ständig, zufällig über den Weg.
Das größte Problem bei „Regengötter“ ist aber, dass er sich wie eine Nacherzählung von „No Country for Old Men“, dem Roman von Cormac McCarthy (2005) und dem Film der Coen-Brüder (2007), liest. Die Story von „Regengötter“ hat so viele offensichtliche Ähnlichkeiten mit „No Country for Old Men“, dass ich mich fragte, ob Cormac McCarthy sich schon beschwerte.
Während der gesamten Lektüre sah ich vor meinem geistigen Auge Tommy Lee Jones als Hackberry Holland, Javier Bardem als Preacher, Josh Brolin als Pete Flores, der nach einem missglückten Drogendeal mit seiner Freundin vor dem Killer flüchtet.
Mit gut 660 Seiten ist der Roman auch viel zu lang geraten. Er ist ungefähr doppelt so lang wie James Lee Burkes früheren Romane, die alle wesentlich eindrucksvoller und gelungener sind.

Burke - Regengötter - 2

James Lee Burke: Regengötter
(übersetzt von Daniel Müller)
Heyne Hardcorre, 2014
672 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Rain Gods
Simon & Schuster, 2009

Hinweise

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Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Und damit endet mein Tommy-Lee-Jones-Tag.


Denn heute Morgen konnte ich mir „The Homesman“ (Kinostart 18. Dezember) ansehen und der von Tommy Lee Jones inszenierte Western mit ihm und „Million Dollar Baby“ Hilary Swank in den Hauptrollen ist grandios. Denn, im Werbe- und Empfehlungssprech, wenn Ihnen „Erbarmungslos“ (Unforgiven), „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“, „No Country for Old Men“ und „True Grit“ gefallen haben, werden Sie „The Homesman“ lieben.


TV-Tipp für den 9. Oktober: Die Prinzessin von Montpensier

Oktober 9, 2014

3sat, 22.25

Die Prinzessin von Montpensier (Frankreich 2010, Regie: Bertrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier

LV: Madame de la Fayette: La Princesse de Montpensier,1662

Während des Glaubenskriegs in Frankreich zwischen Katholiken und Hugenotten wird Marie aus politischen Gründen mit dem Prinzen von Montpensier verheiratet. Aber sie liebt ihren Cousin.

Prächtiger Historienfilm von Bertrand Tavernier.

Diese Geschichte ist für Tavernier der dramaturgische Faden um ein episches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Er zeigt, immer wieder, wie damals Politik mit Heiraten gemacht wurde, der ersten Nacht mit der Braut, von dem Zwiespalt zwischen Aberglaube, Religion und den Naturwissenschaften, welche Konventionen das Leben bestimmten und wie das Leben am Hof, auf dem Land war und auf dem Schlachtfeld war. Dabei erscheint das in dem Film gezeichnete Bild der Vergangenheit realistisch – und gleichzeitig ist es doch, dank der Inszenierung und der Musik von Philippe Sarde, ein sehr zeitgenössischer Film. Außerdem sind die in dem Film angesprochenen Themen heute teils immer noch, teils wieder aktuell. 

mit Mélanie Thierry, Lambert Wilson, Grégoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Prinzessin von Montpensier“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


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