Wer ist Jack Ketchum?

Dezember 29, 2011

Als ich für meine Besprechung von „The Woman“ (toller Film, aber nicht für jeden) auf YouTube den Filmtrailer suchte, habe ich auch einige schöne Clips mit und über Jack Ketchum gefunden. Ketchum schrieb zusammen mit Regisseur Lucky McKee das Drehbuch für den Horrorthriller und den Roman „Beutezeit“ (tolles Buch, aber…).

Also: Wer ist Jack Ketchum?

Jack Ketchum spricht bei den Garden State Horror Writers am 12. Februar 2011 über das Schreiben

Die Dankesrede von Jack Ketchum bei der World Horror Convention 2011 für den Grand Master Award

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Jack Ketchums „Beuterausch“ und Lucky McKees “The Woman“ oder Die dünne Firnis der Zivilisation

Dezember 28, 2011

Beuterausch“. Fans von Jack Ketchum ahnen schon beim Titel, dass er in seinem neuesten Roman wieder die Welt von „Beutezeit“ (Off Season, 1980) und „Beutegier“ (Offspring, 1991), in der es um einen in der Wildnis von Maine lebenden Kannibalenclan und dessen Begegnungen mit der Zivilisation geht, betritt und dass die Geschichte nichts für zartbesaitete Seelen ist. Immerhin hielt die Zeitschrift „Village Voice“ „Beutezeit“ für „violent pornography“ (das muss ich wohl nicht übersetzen, oder?), der Kultstatus folgte schnell und heute hat der Horrorroman Buch durchaus Klassikerstatus.

The Woman“ heißt die Verfilmung von „Beuterausch“. Wobei Verfilmung etwas ungenau in. Denn Jack Ketchum schrieb zusammen mit Regisseur Lucky McKee (von dem die grandiose Ketchum-Verfilmung „Red“ ist) das Drehbuch, das zeitgleich mit dem Roman entstand. Belesene Filmfans werden sich jetzt an Graham Greenes „Der dritte Mann“ erinnern, bei dem der Romanautor parallel zu seinem Drehbuch, um seine Charaktere besser kennenzulernen, eine Romanfassung schrieb.

Insofern unterscheidet sich die Geschichte von „Beuterausch“ und „The Woman“ nur in Nuancen. Beide Male wird erzählt, wie der Familienvater und Kleinstadtanwalt Chris Cleek auf einem Jagdausflug eine in der Wildnis lebende Frau entdeckt, sie gefangen nimmt, im Keller seines einsam gelegenen Hauses einsperrt und zivilisieren will. Seine Familie soll ihm dabei helfen. Widerspruch duldet der Hausherr bei seinem Vorhaben nicht.

Dank der Unterschiede zwischen Buch und Film gibt es dann doch einige sehr interessante Verschiebungen.

So erzählt Ketchum die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven; auch aus der Sicht der Gefangenen. In McKees Film muss Pollyanna McIntosh, die die Gefangene spielt, das alles mit ihrer Mimik und, weil sie die meiste Zeit des Films gefesselt in einem Keller ist, mit eingeschränkter Gestik erledigen. Bis auf einige gutturale Geräusche sagt sie nichts. Für den Hausherrn ist sie vor allem die bedrohliche Wilde, die nur an ihrem Überleben interessiert ist, und zivilisiert werden muss. Für die restliche Familie ist sie, wie für uns Zuschauer, in verschiedenen Abstufungen, die edle Wilde, auf die wir unsere Fantasien von einem freien Leben in der Natur projezieren können. Jedenfalls wenn wir die Bücher von Jack Ketchum nicht kennen und daher nicht wissen, dass sie sich auch von Menschenfleisch ernährt.

Im Film ist die Wandlung des Biedermanns und geachteten Anwalts Chris Cleek zum Monster erschreckender. Denn auch wenn er am Anfang vielleicht etwas merkwürdig wirkt, ist er doch der nette Nachbar, der der Wilden helfen will. Immerhin ist doch nichts dagegen einzuwenden, wenn man versucht, jemand zu zivilisieren. Die Lebensgeschichten von Kaspar Hauser und Victor de l’Aveyron (die Francois Truffaut in dem wundervollen Film „Der Wolfsjunge“ verfilmte) sind Beispiele dafür.

Nur dass Cleeks Familie immer etwas zu traurig und zu ängstlich durch das einsam gelegene Haus schleicht, könnte einem in der ersten Hälfte des Films zu Denken geben. Denn bis auf die kleinste Tochter ist kein Funken Lebensfreude in der Familie. Warum versteht man spätestens im Finale, wenn all die schmutzigen Geheimnisse der Cleek-Familie bekannt werden.

Gerade wie sehr die Verhältnisse der einzelnen Charaktere von Gewalt, sexuellem Verlangen und Angst bestimmt sind, wird im Buch von der ersten Seite an noch deutlicher als im Film. Denn in „The Woman“ geht es vor allem um Gewalt. In „Beuterausch“ um Gewalt und Sex in seinen verschiedenen Konnotationen und Formen. Damit wirkt der Roman noch düsterer als der Film.

Wenn am Ende, nachdem die Gefangene sich befreien kann, dann die dünne Schicht der Zivilisation endgültig aufbricht und die aufgestauten Gefühle sich in einem wahren Schlachtfest entladen, spritzt das Blut über die Leinwand, die Gedärme werden auf der Farm großflächig verteilt und die FSK-18-Freigabe wird verständlich. Bei der Premiere während des Sundance Filmfest sollen etliche Zuschauer und Kritiker den Saal verlassen haben bei dieser deftigen und kompromisslosen Zivilisationskritik.

Dabei ist „The Woman“ noch die entschärfte Version des Romans. Denn in einem Roman kann man Dinge schreiben, die man so nicht zeigen kann.

 

Das Bonusmaterial

 

Für einen kleinen Film ist das Bonusmaterial erfreulich umfangreich ausgefallen. Im Zentrum stehen dabei das „Making of“ und „Behind the Scenes“, die in einer kurzweiligen, fast halbstündigen Mischung aus Blick hinter die Kulissen der Produktion und informativen Statements der Beteiligten (wozu auch Jack Ketchum gehört) gefällt. Die „Entfallenen Szenen“ wurden wahrscheinlich nur herausgeschnitten, um den Film etwas kürzer zu machen. Denn keine dieser Szenen wäre im Film unangenehm aufgefallen.

Auch im Buch gibt es Bonusmaterial. Nämlich die Kurzgeschichte „Das Vieh“, die erzählt, was nach dem Ende von „The Woman“ geschieht.

Jack Ketchum/Lucky McKee: Beuterausch

(übersetzt von Marcel Häußler)

Heyne, 2012

288 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

The Woman

Dorchester Publishing, New York 2011

Verfilmung

The Woman (The Woman, USA 2011)

Regie: Lucky McKee

Drehbuch: Jack Ketchum, Lucky McKee

mit Pollyanna McIntosh, Sean Bridgers, Angela Bettis, Lauren Ashley Carter, Carlee Baker, Alexa Marcigliano, Zach Rand, Shyla Molhusen

DVD

Capelight

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Making of, Behind the Scenes, Entfallene Szenen, Kinotrailer, Kurzfilm „Burro Boy“ von Zach Passero (produziert von Lucky McKee), Wendecover

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „The Woman“

Rotten Tomatoes über „The Woman“

 Horror Pilot: Interview mit Lucky McKee zu „The Woman“

Horror Pilot: Interview mit Jack Ketchum zu „The Woman“

Dark Scribe Magazine: Interview mit Jack Ketchum (Teil 1, Teil 2, August 2008)

Homepage von Jack Ketchum

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums „The Lost“ (The Lost, 2001)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

Jack Ketchum in der Kriminalakte

Und hier gibt es die bemerkenswert gut dokumentierte Sundance-Kontroverse

 

 


Jack Ketchum ist nicht „Lost“

Januar 19, 2011

Bei Hollywood-Filmen werden wir schon länger von der Unsitte belästigt, die Originaltitel nicht mehr ins Deutsche zu übersetzen. Der Grund dafür ist, dass die klugen Köpfe in den Hollywood-Marketingabteilungen festgestellt haben, dass in einigen Ländern falsche oder sinnentstellende Titel verwandt wurden. Deshalb bleibt es jetzt bei dem Originaltitel, auch wenn er von niemand verstanden wird. Ich meine, wer weiß schon, was „The Dark Knight“, „Cop Out“, „Fair Game“ und „True Grit“ auf deutsch bedeuten? Und „The American“, „The Road“ und „The Tourist“ kann man zwar verstehen, ohne englisch zu können, aber „Der Amerikaner“, „Die Straße“ (so ist auch der Titel der deutschen Ausgabe von Cormac McCarthys Roman) und „Der Tourist“ (oder „Der Urlauber“) wären sicher auch okay gewesen.

Jetzt beginnen auch die Verlage mit dem Unfug. Denn Jack Ketchums Klassiker „The Lost“ ist jetzt bei Heyne Hardcore als „The Lost“ mit einem nichtssagendem Cover in einer, jedenfalls bei kursorischer Prüfung, guten Übersetzung erschienen.

Naja, da ist immerhin die Suche nach dem Filmtitel einfach.

Und ich kann mal einen auf „Fauler Mann“ machen und einen Teil meiner Besprechung des Films wieder posten:

In „The Lost“ erzählt Jack Ketchum die Geschichte eines Psychopathen und mehrerer, ihn wie Satelliten umkreisender, seelisch verlorener Menschen während des für sie nicht existierenden Summer of Love.

1965 ermordet der Teenager Ray Pye nachts am See Lisa Steiner. Elise Hanlon kann schwerverletzt flüchten. Pyes Freunde Tim Bess und Jennifer Fitch haben die Tat beobachtet und ihm geholfen die Spuren zu verwischen.

Vier Jahre später stirbt Elise Hanlon, die nie aus dem Koma erwachte. und der Kleinstadt-Detective Charlie Schilling möchte den Fall immer noch lösen. Doch anstatt den Krimiplot energisch voranzutreiben, entwirft Jack Ketchum ein pessimistisches Porträt einiger Bewohner der Kleinstadt Sparta, New Jersey, bei dem die Zahl der Sympathieträger an den Fingern einer abgehackten Hand abgezählt werden kann. Neben dem an Minderwertigkeitskomplexen leidenden Psychopathen Ray Pye, der bevorzugt jüngere Frauen vögelt und als kleiner Drogenhändler der ungekrönte König der Kleinstadtjugendlichen ist, den ihm hörigen Freunden Tim Bess und Jennifer Fitch, die nichts gegen Rays zahlreiche Seitensprünge hat, sind das vor allem die beiden 1965 ermittelnden Polizisten und ein gerade aus San Francisco zugezogenes Mädchen.

Detective Charlie Schilling ist ein geschiedener Alkoholiker, der seine Abende nach dem Besuch in der Bar, allein vor dem Fernseher mit einer Dose Bier verbringt. Sein Kollege Ed Anderson ist inzwischen Frührentner und hat eine Beziehung zur gerade volljährig gewordenen Sally Richmond. Katherine Wallace, das neuen Mädchen in der Stadt, findet Ray Pye interessant, hat eine in der Irrenanstalt sitzende, todkranke Mutter und stiftet Ray zu mehreren kleinen Verbrechen an. Keiner von ihnen taugt als Vorbild.

Nach Hanlons Tod beginnt Charlie Schilling wieder den Druck auf Pye zu erhöhen. Er will ihn jetzt endlich als Doppelmörder überführen, indem er dessen übergroßes Ego beschädigt. Er sprengt eine Party von Pye, bei der er kostenlos Drogen an Minderjährige verteilte. Gleichzeitig überzeugt er Sally Richmond, die Stelle in dem Motel der Familie Pye, wo auch Ray arbeitet, zu kündigen, und er redet mit Pyes Freunden. Pyes Nerven sind deshalb schon zum Zerreißen gespannt. Verschärfend kommt für den Kleinstadt-Aufreißer hinzu, dass Sally nicht mit ihm ins Bett steigen will, seine große Liebe Katherine die Beziehung zu ihm beendet und Tim, der für ihn Drogen bei sich aufbewahrt und dabei ungefragt einen Teil für sich abzweigt, ihn betrügt.

Das alles wird Pye irgendwann zuviel und er explodiert. Er beginnt sich an all den Menschen, die sich ihm verweigerten, in einem Amoklauf zu rächen.

Jack Ketchums großartiger, aber auch bedrückender und beunruhigender Roman ist die fast klinische Studie eines Amokläufers und seines Umfeldes.

Dabei ist „The Lost“ so sehr mit der Handlungszeit, dem August 1969, verbunden, dass eine andere Handlungszeit unmöglich erscheint. Denn während die Hippiebewegung den Summer of Love und Woodstock feiert, ist in Sparta nichts von der Utopie einer besseren Welt angekommen. Nur die Drogen und die Gewalt, gepaart mit einer kräftigen Portion reaktionärem Denken, sind in der Provinz angekommen; – falls sie nicht schon immer da waren. Pyes erste Sätze im Buch sind, nachdem er sieht, wie die Freundinnen Steiner und Hanlon sich einen unschuldigen, flüchtigen Kuss geben: „Unfassbar. Lesben. Mann, ist das eklig.“

Das und seine Neugier, wie es ist, einen Menschen sterben zu sehen, führen zu den ersten Morden.

Später ist er von dem Morden der Charlie-Manson-Familie, vor allem dem bestialischen an Sharon Tate, fasziniert. Zum wenige Tage später stattfindenden Woodstock-Festival will er allerdings nicht fahren. Denn dort ist alles versammelt, was er verabscheut. Insofern zeigt Jack Ketchum, ähnlich wie die Rockband „Velvet Underground“, die düstere Seite der späten sechziger Jahre.

Jack Ketchum: The Lost

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne Hardcore, 2011

416 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

The Lost

Leisure Books/Cemetery Dance Publications, 2001

Verfilmung

Jack Ketchum’s The Lost – Teenage Serial Killer (The Lost, USA 2005)

Regie: Chris Sivertson

Drehbuch: Chris Sivertson

Mit Marc Senter, Shay Astar, Alex Frost, Megan Henning, Robin Sydney, Dee Wallace-Stone, Michael Bowen, Ed Lauter, Erin Brown

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

 


Kurzkritik: Jack Ketchum „Beutegier“

September 7, 2009

Ketchum - Beutegier

Beutegier“ in drei wenigen Sätzen:

Beutegier“ ist die Fortsetzung von „Beutezeit“. Die Kannibalen sind zurück. Sie bringen in einem einsamen Landhaus in einer Mainacht in Maine mehrere Menschen um und verschleppen einige weitere. Sheriff George Peters, inzwischen pensioniert und passionierter Trinker, wird um Hilfe gebeten. Die Kannibalen werden wieder zu ihrer am Meer gelegene Höhle verfolgt.

Beutegier“ ist ein Remake von „Beutezeit“, bei dem die erfolgreichen Elemente des ersten Buches beibehalten wurden. Denn die Unterschiede sind gering. In „Beutegier“ erfahren wir mehr über die Kannibalen und wie sie zusammenleben. Einer der von den Kannibalen bedrohten Menschen ist ein soziopathischer Mörder. Das führt zu der durchaus interessanten Frage, wer schlimmer ist: die Kannibalen oder der Psychopath. Davon abgesehen ist das Blutzoll in der Frühlingsnacht, wie schon in Ketchums Debütroman „Beutezeit“, sehr hoch.

Aber im Gegensatz zu „Beutezeit“ tauchen in „Beutegier“ verdächtig viele Menschen, die nach menschlichem Ermessen tot sind, einige Seiten später wieder auf und beteiligen sich, wenn auch schwer verwundet, weiter an der Kannibalenjagd.

Also: spannend, blutig und schnell gelesen.

Aber insgesamt zu wenig neues aus der Welt der Kannibalen um vollkommen zu überzeugen.


Sunfilm will die gleichnamige Verfilmung Anfang 2010 auf DVD veröffentlichen. Und wenn der Film das Versprechen des aktuellen Trailers erfüllt, wäre das die vierte Ketchum-Verfilmung (von vier), mit der Ketchum sehr zufrieden sein kann.

Jack Ketchum: Beutegier

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne, 2009

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Offspring

Overlook Connection Press, 1991

Verfilmung

Offspring (USA 2009)

Regie: Andrew van den Houten

Drehbuch: Jack Ketchum

mit Jessica Butler, Leigh Feldpausch, Stephen Grey, Amy Hargreaves, Art Hindle, Erick Kastel, Spencer List, Pollyanna McIntosh, Scott Mellema, Emma Elizabeth Messing, Andrew Elvis Miller, Will Miller, Preston Mulligan, Ed Nelson, Tommy Nelson, Taylor John Piedmonte, Ahna Tessler, Jana Veldheer, Rachel White

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Homepage zur Verfilmung

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)


Die Verlosung von Jack Ketchums „Red“

April 27, 2009

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Am Freitag habe ich „Red“, die sehr werkgetreue Verfilmung von Jack Ketchums Roman „Blutrot“, als besten Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood abgefeiert. Wer sich überzeugen möchte, ob ich damit nicht schamlos übertrieben habe, muss ich an dieser Verlosung beteiligen – und, wenn er die DVD gewinnt, irgendwo (zum Beispiel in einem Blog oder bei Amazon) einige Zeilen über den Thriller schreiben.

Denn dank Koch Media kann ich ein Exemplar der DVD „Red“ verlosen. Wer die DVD möchte, muss bis zum Montag, den 4. Mai, eine E-Mail an info@axelbussmer.de mit dem Betreff „Ich will ‚Red’ haben“ und einer Postanschrift schicken.

Ich werde kommende Woche dann….na, das übliche🙂


Ein Gespräch mit Jack Ketchum

April 3, 2009

jack-ketchum

In den USA ist er vor allem unter Horrorfans schon länger bekannt und beliebt. Bereits sein erster Roman „Beutezeit“ sorgte 1981 wegen der Gewalt für einen Aufschrei bei den Sittenwächtern. Village Voice sprach von Gewaltpornographie. Neben mehreren Nominierungen und Bram-Stoker-Preisen, werden bekannte Kollegen wie Bentley Little, Robert Bloch, Richard Laymon und, vor allem, Stephen King, nicht müde seine Werke in den höchsten Tönen zu preisen. In den vergangenen Jahren erhielt Jack Ketchum in seiner Heimat dank der gelungenen Verfilmungen seiner Werke einen weiteren Popularitätsschub. „Jack Ketchum’s Evil“ und „Jack Ketchum’s The Lost“ gibt es inzwischen auch in Deutschland auf DVD. „Red“ erscheint demnächst und dürfte die einzige Ketchum-Verfilmung sein, die auch von Jugendlichen gesehen werden kann. Seit 2006 hat der Heyne-Verlag vier Ketchum-Romane veröffentlicht. Der fünfte Roman „Beutegier“ ist für Juni angekündigt.

Ende März besuchte Jack Ketchum Frankreich und Deutschland. Dabei ergab sich über seinen deutschen Lektor die Gelegenheit zu einem Interview (das letztendlich in dieser Fassung elektronisch zustande kam).

Spätestens als Jack Ketchum die letzte Frage beantwortete, wusste ich, warum mir seine Bücher gefallen.

AxelB: Für viele bist du ein Horrorschriftsteller. Aber für mich sind „Blutrot“ und „Amoklauf“ gute Kriminalromane. Wie würdest du daher die verschiedenen Genres Horror, Krimi und Thriller voneinander abgrenzen?

Jack Ketchum: Alle meine Bücher haben ein Element von Horror, eines mehr als andere. Aber wie mein Freund (und ein selbst ein guter Autor) Douglas E. Winter sagt ‚Horror ist eine Emotion, kein Genre’. Das trifft sicher auf die Gefühle des alten Mannes in „Blutrot“ zu, wenn sein Hund vor ihm erschossen wird. Oder wenn in „Amokjagd“ meine beiden zur Mitfahrt gezwungenen Passagiere die zufälligen Morde von Wayne beobachten müssen. Ich habe kein Problem damit, ein Horrorautor genannt zu werden, aber ich denke nicht, dass das Schubladendenken in Genres sehr hilfreich ist. Ich denke, das ist etwas, das uns Verleger und Händler vorgeben – eine Art des herunterbrechens der Leserschaft für die einfache Werbung. Wenn ich gezwungen werde, dann sage ich, dass ich meistens Horror- und Spannungsliteratur schreibe. Aber es gibt auch Schwarze Komödien. In meinem Werk ist alles Mögliche drin.

In diesen Büchern gibt es eine großartige Eröffnung, einprägsame Charaktere und eine gute Geschichte mit einem befriedigenden Ende. Aber was ist zuerst da: die Geschichte, das Thema oder die Charaktere?

Ich denke das Thema; also was ich sagen will. Dann eindeutig die Charaktere. Ich würde nie anfangen zu schreiben, bevor ich meine Charaktere habe. Denn ich denke, dass jedes gute Buch vor allem über menschliche Anliegen ist. Der Plot – wie die Charaktere ihr Ziel erreichen – ist für mich am unwichtigsten.

Wie schreibst du deine Geschichten?

Ich mache keine Outlines mehr. Ich finde es zu einschränkend. Ich arbeite mit drei Pinnwänden, auf denen ich Notizen über Setting, Geschichte, Charaktere, undsoweiter, befestigte. Wenn es nötig ist, arrangiere ich die Zettel um. Vor dem Schreiben habe ich eine grobe Idee von meinem Ziel, dem Thema und den Charakteren, aber wenn ich mit dem Schreiben beginne, versuche ich den Charakteren eine ziemlich lange Leine zu lassen. Sie sollen ihre eigenen Entscheidungen fällen. Genau wie im richtigen Leben. Da improvisiere ich dann viel. Wenn ich neue Szenen schreibe, tendiere ich dazu, nach ungefähr vier Stunden todmüde zu sein. Überarbeiten kann ich dagegen bis zu sieben Stunden.

In deiner Bibliographie gibt es neben den Romanen auch viele Kurzgeschichte. Was ist für dich der Unterschied zwischen ihnen?

Der Unterschied ist der zwischen einer Heirat und einem One-Night-Stand, im Wesentlichen. Das schöne beim Schreiben eines Romans ist, dass du für mindestens mehrere Monate weißt, was du jeden Tag tust. Und es ist sehr befriedigend, zu einer Gruppe alter Bekannter in neuen Situationen zurückzukehren. Das Schöne bei Kurzgeschichten ist, dass du in wenigen Tagen fertig bist. Ich denke, sie schaffen untereinander einen schönen Ausgleich.

Du hast außerdem einige Drehbücher geschrieben. Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

Ich habe es auf dem schweren Weg herausgefunden, dass du bei einem Drehbuch mit viel mehr davonkommen kannst als in einem Buch. Die Tatsache, dass ein Film normalerweise nur zwei Stunden dauert, bedeutet, dass dir einige Ungenauigkeiten, Plotlöcher und sogar widersprüchliche Charakter-Eigenschaften beim Sehen überhaupt nicht auffallen. Ich rede nicht von den „Plotlöchern, durch die ein Truck passt“. Aber die Kleinigkeiten. „Old Flames“, zum Beispiel, begann als Drehbuch – eines das ich damals teilweise nicht mochte, weil es mir zu überflüssig erschien. Außerdem mochte es niemand sonst. Also legte ich es für einige Jahre weg. Dann erhielt ich die Möglichkeit, eine Prosaversion zu schreiben. Ich entfernte das überflüssige Material und schrieb eine neue Fassung, die mir gefiel. Beim Schreiben fand ich einige störende Ungenauigkeiten und Unterlassungssünden und beseitigte sie. Danach schrieb ich das Drehbuch mit den Änderungen neu. Es ist jetzt ein viel besseres Buch. Chris Siverston, der Regisseur von „The Lost“, schnappte es sich sofort

Es gibt noch weitere Unterschiede, die, obwohl ich gerne Drehbücher schreibe, für mich das Schreiben von Prosa befriedigender machen. In einem Film arbeitest du wirklich nur mit zwei Sinnen: Sehen und Hören, obwohl du die anderen implizieren kannst. In Prosa kannst du sie alle vollständig ansprechen. In Filmen kannst du nur die Oberfläche der Gefühle eines Charakters zeigen. Du kannst nicht wirklich so tief in das Bewusstsein von jemand einsteigen, wie in einem Roman. Auf der Haben-Seite ist, dass ein Drehbuch viel schneller als ein Roman oder ein Kurzroman geschrieben ist.

Vor allem “Blutrot” hat eindeutig eine moralische Botschaft. Wie behandelst du moralische Fragen und Themen in deinen Büchern?

Ich interessiere mich dafür, wie wir miteinander umgehen – in dem Fall von „Blutrot“ und einigen anderen Geschichten, habe ich auch Tiere einbezogen. Als Schriftsteller hast du im Rahmen von guten, unterhaltsamen Geschichten die einzigartige Möglichkeit, vor einem ziemlich großen Publikum deine Sorgen zu thematisieren und deinen Interessen nachzugehen, ohne dabei zu predigen.

Ich beginne oft mit etwas, das mir stinkt. Kindesmissbrauch, Missbrauch von Tieren, Vergewaltigung, Soziopathie im Allgemeinen. All diese und noch einige andere Sachen stinken mir. Also schreibe ich darüber. Nicht nur um meinen Ärger und meine Wut zu zeigen, sondern hoffentlich um diese Sachen ein wenig zu erforschen; sie ein wenig zu verstehen; und um einige unserer Reaktionen, wenn wir mit ihnen konfrontiert werden, zu verstehen.

Ein Jack-Ketchum-Interview kann unmöglich beendet werden, ohne eine Frage nach der Gewalt in deinen Büchern und inwiefern sie die amerikanische Kultur reflektiert zu stellen. Also: Wie ist die Verbindung zwischen deinen Charakteren und der Gewalt?

Es gibt Gewalt. So einfach ist das. Und offensichtlich nicht nur in der amerikanischen Kultur, sondern überall. Sollen wir über Josef Fritzl reden? Selbstverständlich kenne ich die Gewalt vor meiner Haustür in der guten alten USA am besten und deshalb schreibe ich vor allem darüber. Aber in „Cover“ schreibe ich über einen Überlebenden des Vietnamkrieges und die Gewalt dort. In „Closing Time“ ist der weltweite Terrorismus der Hintergrund.

Ich hatte nie ein Problem mit Gewalt in Büchern, Filmen oder dem Fernsehen. Im Gegenteil; ich denke es ist vielleicht heilsam und ein sicherer Ort, in dem du dich auf die schlimmsten Dingen, die dir vielleicht passieren können, vorzubereiten. In meiner eigenen Arbeit lehne ich grundlose Gewalt ab. Du sollst an sie glauben und Angst um die Menschen in Gefahr haben. Pappkameraden und Cartoongewalt langweilen mich zu Tode. Aus dem gleichen Grund langweilen mich Silikonbrüste. Ich tendiere dann zum Vorspulen.

Bist du in Minute 01:28 der Gerichtsmediziner in dem Trailer zur neuesten Jack-Ketchum-Verfilmung “Offspring”?

Ja. Du kannst mich außerdem hier sehen:


Würdest du fünf Bücher für den nächsten Urlaub empfehlen?

Gerne!

Charlie Huston’s THE SHOTGUN RULE (Killing Game)

Duane Swierczynski’s THE BLONDE (Blondes Gift)

James Lee Burke’s PEGASUS DESCENDING

Jim Harrison’s THE ENGLISH MAJOR

Stewart O’Nan’s A PRAYER FOR THE DYING (Das Glück der anderen)

Ted Kerasote’s MERLE’S DOOR.

Jetzt habe ich dir sogar ein Six-Pack gegeben.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Bibliographie (nur Romane)

Beutezeit (Off Season, 1980; 1999 ungekürzt als “Off Season: The Unexpurgated Edition”)

Hide and Seek (1984)

Cover (1987)

She Wakes (1989)

Evil (The Girl Next Door, 1989)

Beutegier (Offspring, 1991 – angekündigt für Juni 2009)

Amokjagd (Joyride; auch Road Kill, 1994)

Stranglehold; auch Only Child (1995)

Blutrot (Red, 1995)

Ladies‘ Night (1997)

The Lost (2001)

The Crossings (2004)

Old Flames (2008)

Verfilmungen

Jack Ketchum’s The Lost – Teenage Serial Killer (The Lost, USA 2005, Regie/Drehbuch: Chris Sivertson)

Jack Ketchum’s Evil (The Girl Next Door, USA 2007, Regie: Gregory Wilson, Drehbuch: Daniel Farrands, Philip Nutman)

Red (Red, USA 2008, Regie: Trygve Allister Diesen, Lucky McKee, Drehbuch: Stephen Susco)

Offspring (USA 2010, Regie: Andrew van den Houten, Drehbuch: Jack Ketchum – derzeit Postproduktion)

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Fantastic Fiction über Jack Ketchum (Bibliographie mit den Kurzgeschichten)

Meine Besprechung von „Blutrot“ und „Amokjagd“ (mit weiteren Links)


Blutiges von Jack Ketchum

Februar 4, 2009

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Jack Ketchums „Blutrot“ ist für mich eines der Bücher des vergangenen Jahres. Ketchums zweites 2008 auf Deutsch veröffentlichtes Buch „Amokjagd“ ist dagegen weniger gelungen, aber immer noch eine gute Lektüre. Beide Bücher erschienen in den USA bereits 1995 und sie sind beide nach der gängigen Bestsellerlänge altmodisch kurz. Denn die pompöse Seitenzahl von jeweils 288 Seiten erreichen sie nur dank eines großzügigen Layouts. Sie sind beide ganz traditionell erzählt und bewegen sich, dank ihrer Länge, geradlinig wie eine gut geölte Maschine auf ihr Ende zu. Auch Ketchums Sprache ist entsprechend schnörkellos. Da ist kein Satz zu viel, kein Wort überflüssig. Und, noch eine Gemeinsamkeit, sie spielen in der Provinz.

In „Amokjagd“ beobachtet Wayne Lock, wie Lee Edwards und Carole Gardner ihren gewalttätig-herrsüchtigen Mann Howard im Wald erschlagen und anschließend eine Felsklippe hinunterwerfen. Lock, der seine Gewaltfantasien bis jetzt nicht auslebt, glaubt, endlich zwei Gleichgesinnte gefunden zu haben. Er sucht sie und, als er sie gefunden hat, erpresst er sie mit seinem Wissen zu einer Spritztour. Auf dieser Fahrt flippt Lock aus und hinterlässt eine blutige Spur durch die Provinz. Edwards und Gardner müssen das als machtlose Zeugen mit ansehen. Denn wenn sie flüchten, würde Lock sie an die Polizei verraten.

Außerdem hat inzwischen auch der Revierleiter Lieutenant Joseph Rule die beiden Gattenmörder bereits im Visier.

Auf den ersten Seiten von „Amokjagd“ entwickelt Jack Ketchum den Konflikt zwischen den beiden Mördern und ihrem Bewunderer sehr konsequent und nachvollziehbar. Aber wenn die drei sich auf die gemeinsame Spritztour begeben, schlägt die Geschichte in einen B-Moviehaften Blutrausch, bei dem jeder, der den Weg von Lock kreuzt, umgebracht wird, um. Die Polizei ist währenddessen mit dem Einsammeln der Leichen beschäftigt. Trotz etlicher guter Szenen hat „Amoklauf“, im direkten Vergleich zum grandiosen „Blutrot“, zu viel von einem 08/15-Splattermovie, bei dem sich die Qualität des Films anhand des Blutzolls bemisst.

In „Blutrot“ kommt Jack Ketchum bis zum Ende mit einem toten Hund und den Konflikt zweier Männer über die Frage der richtigen Erziehung aus. Alles beginnt, wie so oft, ganz harmlos. Als Avery Ludlow und sein Hund Red friedlich am Fluss angeln, tauchen drei Jungs auf. Sie ärgern den alten Mann, bedrohen ihn und am Ende erschießt einer der Jungs, Daniel McCormack, den Hund.

Ludlow möchte, dass Daniel die Tat zugibt und sich dafür entschuldigt. Aber er tut es nicht und Daniels Vater, der neureiche Unternehmern Michael McCormack, beschützt seinen Sohn. Doch Ludlow lässt nicht locker. Die Jungs sollen zu ihren Taten stehen. Sie sollen die Wahrheit sagen. Mehr will Ludlow nicht. Aber sie leugnen den Mord an Red und beginnen Ludlow zu bedrohen.

Ludlow wehrt sich. McCormack schützt seine beiden Söhne zunehmend kompromisslos. Denn, so glaubt er, wer das Geld hat, hat die Macht und hat Recht.

Der Kampf zwischen zwei unvereinbaren Wertesystemen, die Fragen von Ehre, Männlichkeit, Verantwortungsbewusstsein für die eigenen Taten und die der Kinder wird wahrscheinlich in jeder Generation ausgefochten. In „Blutrot“, immerhin bedient Jack Ketchum sich ungeniert der bekannten Western-Topoi, läuft die Geschichte konsequent auf das finale Duell zwischen Ludlow, McCormack und seinen Söhnen hinaus.

Das ist, vergessen Sie den marktschreierischen Klappentext, einfach gutes, im besten Sinne altmodisches Erzählhandwerk und deshalb sind etliche bekannte Schriftsteller, wie Robert Bloch, Richard Laymon und Duane Swierczynski, Fans von Jack Ketchum. Der bekannteste und emsigste Lobredner für Ketchum dürfte Stephen King sein: „Hey, want some good advice? Don’t open this book unless you intend to finish it the same night. You may be shocked, even revolted, by Jack Ketchum’s hellish vision of the world, but you won’t be able to dismiss it or forget it.“

Kings Ratschlag gilt für beide Romane.

„Red“ wurde 2008 verfilmt. Der Trailer verspricht einen Film, der auch von Clint Eastwood hätte sein können. Die Kritiken sind ebenfalls sehr positiv. Aber nachdem „Red“ bei uns schon im Pay-TV läuft, gibt es leider keinen Kinostart, sondern im April die DVD-Veröffentlichung.

Jack Ketchum: Amokjagd

(übersetzt von Kristof Kurz)

Heyne, 2008

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Joyride

Berkley Books, 1995

(Titel der britischen Ausgabe: Road Kill)

Jack Ketchum: Blutrot

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne, 2008

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Red

Leisure Book/Dorchester Publishing, 1995

Verfilmung

Red (USA 2008)

Regie: Trygve Allister Diesen, Lucky McKee

Drehbuch: Stephen Susco

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Robert Englund

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Evolver porträtiert Jack Ketchum


TV-Tipp für den 21. Juni: The Woman

Juni 21, 2017

Tele 5, 23.55

The Woman (The Woman, USA 2011)

Regie: Lucky McKee

Drehbuch: Jack Ketchum, Lucky McKee

LV/Roman zum Film: Jack Ketchum/Lucky McKee: The Woman, 2011 (Beuterausch)

Kleinstadtanwalt Chris Cleek entdeckt eine im Wald lebende Frau. Er nimmt sie gefangen und sperrt sie im Keller ein. Er will sie, mit der Hilfe seiner Familie, zivilisieren. Er hat allerdings keine Ahnung, wen er gefangen hält.

Düsterer, gewalttätiger, zum Nachdenken anregender Horrorfilm.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und des zeitgleich entstandenen Romans, verschönert mit vielen Clips.

mit Pollyanna McIntosh, Sean Bridgers, Angela Bettis, Lauren Ashley Carter, Carlee Baker, Alexa Marcigliano, Zach Rand, Shyla Molhusen

Wiederholung: Samstag, 24. Juni, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „The Woman“

Rotten Tomatoes über „The Woman“

 Horror Pilot: Interview mit Lucky McKee zu „The Woman“

Horror Pilot: Interview mit Jack Ketchum zu „The Woman“

Dark Scribe Magazine: Interview mit Jack Ketchum (Teil 1, Teil 2, August 2008)

Homepage von Jack Ketchum

Meine Besprechung von Lucky McKee/Trgve Allister Diesen „Red“ (Red, USA 2008)

Meine Besprechung von Chirs Sivertsons „Jack Ketchum’s The Lost“ (The Lost, USA 2005)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums „The Lost“ (The Lost, 2001)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

Meinbe Besprechung von Jack Ketchums/Lucky McKees “Beuterausch” (The Woman, 2011 – und der Verfilmung)

Jack Ketchum in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juni: Blutrot

Juni 8, 2015

Eins Festival, 20.15/22.30

Blutrot (USA 2008, Regie: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)

Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.

Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.

Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums „The Lost“ (The Lost, 2001)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

Meinbe Besprechung von Jack Ketchums/Lucky McKees “Beuterausch” (The Woman, 2011 – und der Verfilmung)

Jack Ketchum in der Kriminalakte

Die Vorlage

ketchum-blutrot

Jack Ketchum: Blutrot

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne, 2008

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Red

Leisure Book/Dorchester Publishing, 1995


TV-Tipp für den 25. August: Blutrot

August 25, 2014

Eins Festival, 20.15/23.45

Blutrot (USA 2008, Regie: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)

Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.

Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.

Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

Wiederholung: Samstag, 30. August, 23.50 Uhr

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums „The Lost“ (The Lost, 2001)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

Meinbe Besprechung von Jack Ketchums/Lucky McKees „Beuterausch“ (The Woman, 2011 – und der Verfilmung)

Jack Ketchum in der Kriminalakte


„Eiskalt erwischt“ von Dan Simmons

März 15, 2013

Simmons - Eiskalt erwischt - 2

Am bekanntesten ist Dan Simmons als Science-Fiction-, Horror-, Fantasy- und Thriller-Autor; wobei „Thriller“ ja irgendwie alles und nichts ist und Dan Simmons auch gerne ein spannendes Genre-Crossover macht. Aber auch als waschechter Krimiautor reüssierte er mit den drei Joe-Kurtz-Romanen, in denen er so richtig hardboiled Hardboiled sein wollte und kein Kapitel länger als fünf Seiten sein sollte.

Nun, die Kapitel in „Eiskalt erwischt“ sind verdammt kurz. Die in zwei Monaten geschriebene, sich wendungsreich in einem halsbrecherischem Tempo voranbewegende Geschichte ist ebenfalls kurz. Halt in der idealen Pulp-Länge. Und der Protagonist Joe Kurtz ist mehr Mike Hammer, als Mike Hammer jemals Mike Hammer war.

Im ersten Kapitel wirft er den Mörder seiner Partnerin aus dem Fenster eines Hochhauses auf das Dach eines Polizeiautos. Nach elf Jahren wird er aus Attica auf Bewährung entlassen und, weil er als Sträfling keine Privatdetektiv-Lizenz mehr erhält, eröffnet er im Keller eines Porno-Ladens mit Arlene Demarco als seiner Sekretärin eine Detektei, die sich nicht so nennt, und er besorgt sich seinen ersten Auftrag bei dem alten Mafiaboss Don Farino. Er will den Mord an dem Buchhalter der Familie aufklären. Dabei räumt er gleichzeitig unter den Gangstern von Buffalo, New York auf.

Eiskalt erwischt“ ist ein Fest für die Freunde eines guten, düsteren Privatdetektiv-Thrillers, der gleichzeitig eine äußerst gelungene Hommage an die Pulp-Tradition ist.

Simmons widmete „Eiskalt erwischt“ Richard Stark und dessen Held, der eiskalte Profi-Dieb Parker, diente ihm auch als eine Inspirationsquelle für Joe Kurtz. Beide verfolgen, obwohl sie auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen, ihre Ziele ähnlich kompromisslos.

Und, wie er in einem Interview mit Writers Write sagte, als Leitfaden für schnörkelloses Erzählen und gutes Plotting diente ihm Richard Stark:

Whenever I get poisoned by reading too much pretentious writing, overblown prose carrying too-little freight, and serious, self-conscious lit’ry posturing, I would read a Parker-the-thief novel and remember how lean and mean and clean good prose can be. In creating „Joe Kurtz,“ I imagined that Parker might have sewn a few wild oats back in the late 1960s, and Kurtz might be that illegitimate child of Parker. Kurtz certainly isn’t as realized as Parker as a character, but I hope he shares some of the same unstoppable-machine quality when he’s double-crossed.

Tja, hm, Lesebefehl für „Eiskalt erwischt“ – und schön, dass sich endlich ein deutscher Verleger für die hochgelobte PI-Serie gefunden hat. Schade, dass Dan Simmons nach drei Romanen Joe Kurtz in Rente schickte.

Dan Simmons: Eiskalt erwischt

(übersetzt von Michael Plogmann)

Festa, 2012

336 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Hardcase

St. Martin’s Press, 2001

Die Joe-Kurtz-Trilogie

Hardcase, 2001 (Eiskalt erwischt)

Hard Freeze, 2002 (Bitterkalt [angekündigt für März 2013])

Hard as Nails, 2003 (Kalt wie Stahl [angekündigt für Sommer 2013])

Hinweise

Homepage von Dan Simmons

Thrilling Detective über Joe Kurtz

Writers Write: Ausführliches Interview mit Dan Simmons (September 2001 – und daher über „Eiskalt erwischt)

Evolver: Martin Compart über Dan Simmons

Evolver: Martin Compart spricht mit  Interview mit Verleger Frank Festa über „Festa Crime“

Und noch einige weitere Tipps und Hinweise

Ideal für ein langes Wochenende – ein sehr langes, langes Wochenende – ist die gerade erschienene Ausgabe von „Die Hyperion-Gesänge“, der Science-Fiction-Saga, mit der Dan Simmons bekannt wurde und für die er den Hugo und Locus-Preis erhielt und für den Nebula-Preis nominiert war.

Simmons - Die Hyperion-Gesänge - 2

Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge

(übersetzt von Joachim Körber, mit einem Nachwort von Sascha Mamczak)

Heyne, 2013

1408 Seiten

18,99 Euro

enthält

Hyperion (Hyperion, 1989)

Der Sturz von Hyperion (The Fall of Hyperion, 1990)

Bei Festa sind auch einige andere Bücher einen Blick wert:

Wilson - Die Gruft - 2Wilson - Der Erbe - 2

Fans von Handyman Jack (im Original „Repairman Jack“ und ich habe keine Ahnung, wer auf die Idee kam, aus einem Repairman einen Handyman zu machen) dürfen sich freuen. Er ist, hm, kurz und plakativ gesagt, der ältere Bruder von Jack Reacher, aber mit übernatürlichen Gegnern. Mit „Die Gruft“ und „Der Erbe“ gibt es eine Neuausgabe und ein neueres Abenteuer mit ihm.

Die Gruft“ ist der erste von F. Paul Wilson geschriebene Handyman-Jack-Thriller, ein Teil des Adversary-Zyklus (in diesem Zyklus erschien der Roman ursprünglich und macht damit die Handyman-Jack-Thriller zu einem Spin off) und, so Stephen King: „’Die Gruft‘ ist einer der radikalsten Action-Romane, den ich in den letzten Jahren gelesen habe.“ In dem Thriller sucht Handyman Jack die verschwundene Tante seiner Freundin und eine von einem Inder geraubte Halskette. Dabei stößt er auf einen jahrhundertealten Fluch und eine Brut höllischer Wesen. „Die Gruft“ erschien vor Jahren schon einmal im Goldmann Verlag und, mit einem anderen Cover, bei Festa.

Der Erbe“ erschien im Original bereits 2006. Aber erst jetzt auf Deutsch. Der vorherige Handyman-Jack-Roman „Das Höllenwrack“ (Infernal, 2005) erschien 2007 bei Blanvalet.

In „Der Erbe“ sucht Handyman Jack eine verschwundene Vierzehnjährige. Dabei stößt er auf zwei sich bekämpfende übernatürliche Mächte, für die Menschen in der Nahrungskette ungefähr auf der Stufe von Schmeißfliegen stehen.

Der elfte Handyman-Jack-Thriller „Das Blutbad“ ist für September angekündigt und seitdem sind in den USA weitere Handyman-Jack-Romane erschienen.

F. Paul Wilson: Die Gruft – Der 1. Handyman Jack Thriller

(übersetzt von Michael Plogmann)

464 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

The Tomb

Whispers Press, 1984

F. Paul Wilson: Der Erbe – Der 10. Handyman Jack Thriller

(übersetzt von Michael Plogmann)

480 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Harbingers

Tor/Forge Books, 2006

Hinweise 

Homepage von F. Paul Wilson

Thrilling Detective über Repairman Jack (aka Handyman Jack)

Evolver: Martin Compart über F. Paul Wilson

Phantastik-Couch über F. Paul Wilson

Krimi-Couch über F. Paul Wilson

Meine Besprechung von F. Paul Wilsons „Das Höllenwrack“ (Infernal, 2005)

F. Paul Wilson in der Kriminalakte

Lee - Creekers - 2Lee - Flesh Gothic

Für die härteren Gemüter gibt es die Romane von Edward Lee (der auch einige Male mit Jack Ketchum zusammen arbeitete), die in der „Horror“-Reihe von Festa erscheinen. Richard Laymon sagt: „Edward Lee – das ist literarische Körperverletzung!“ Der Verlag sagt über Lee: „Er gilt als obszöner Provokateur und führender Autor des ‚Extreme Horror‘.“

In „Creekers“ kehrt Ex-Polizist Phil Straker in seinen Geburtsort, das Kaff Crick City, zurück. Dort sucht er ein vermisstes Mädchen und entdeckt im Wald die Creekers, einen Clan, der seit Jahrhunderten fernab jeglicher Zivilisation in Inzucht lebt und über den es schlimme Gerüchte gibt. Aber, so muss Straker erfahren, die Wahrheit ist noch schlimmer.

In „Flesh Gothic“ besuchen wir das Luxusanwesen von Reginald Hildreth in Florida. Nach einer Dämonenbeschwörung ist der Hausherr spurlos verschwunden und von den 26 Gästen sind nur noch Fleischfetzen vorhanden. Hildreths Frau will mit einer Gruppe übersinnlich begabter Menschen herausfinden, was in dem Haus geschah.

Edward Lee: Creekers

(übersetzt von Ben Sonntag)

Festa, 2012

416 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Creekers

Zebra Books, 1994

Edward Lee: Flesh Gothic

(übersetzt von Michael Krug)

Festa, 2012

448 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Flesh Gothic

Necro Publications, 2004

Slade - Der Kopfjäger - 2

Die Joe-Kurtz-Romane von Dan Simmons erscheinen bei Festa in deren neuer „Crime“-Reihe, deren erster Band „Der Kopfjäger – Der 1. Special X Thriller“ von Michael Slade ist. In dem, im Original bereits 1984 erschienenem, Thriller werden in Vancouver mehrere Frauen enthauptet. Erst als Superintendent Robert DeClercq und sein Team auf einen alten Indianerfluch und eine Verbindung zu einem Voodoo-Kult in New Orleans stoßen, haben sie eine heiße Spur.

Slade veröffentlichte bis heute 17 Special-X-Romane. Für „Mountie Noir“-Nachschub ist also gesorgt.

Und, damit keiner sagen konnte, er wurde nicht gewarnt: Der zweite vom Goldmann Verlag in den Achtzigern veröffentlichte Roman von Michael Slade landete auf dem Index.

Michael Slade: Der Kopfjäger – Der 1. Special X Thriller

(übersetzt von Heinz Zwack)

Festa, 2012

528 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Headhunter

Signet, 1984

Nachtrag (26. März 2013): Weil der Postbote keine Benachrichtigung in meinen Briefkasten legte, habe ich diese beiden Bücher, die ich natürlich bei der Veröffentlichung dieses Textes erwähnt hätte, erst jetzt erhalten:

Der zweite Joe-Kurtz-Thriller ist draußen

Simmons - Bitterkalt - 2

Dan Simmons: Bitterkalt

(übersetzt von Manfred Sanders)

Festa, 2013

384 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Hard Freeze

St. Martin’s Press, 2002

Der zweite „Special X“-Thriller ist auch draußen

Slade - Der Ghoul - 2

Michael Slade: Der Ghoul

(übersetzt von Heinz Zwack)

Fest, 2013

512 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Ghoul

W. H. Allen, 1987


TV-Tipp für den 21. September: Blutrot

September 21, 2011

SWR/SR, 23.00

Blutrot (USA 2008, R.: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)

Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.

Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.

Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Homepage zur Verfilmung

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums „The Lost“ (The Lost, 2001)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

 


TV-Tipp für den 13. Juli: An American Crime

Juli 13, 2011

Tele 5, 22.05

An American Crime (USA 2007, R.: Tommy O’Haver)

Drehbuch: Tommy O’Haver, Irene Turner

Bedrückender, auf einem wahren Fall basierender Film: 1965 werden die sechzehnjährige Sylvia Likens und ihre jüngere Schwester zu einer Pflegemutter, die selbst sechs Kinder großzieht, ins beschauliche Indiana gegeben. Schnell guckt die Pflegemutter sich Sylvia als Hassobjekt aus und sie animiert ihre und die Nachbarkinder, Sylvia zu quälen.

Damals war Amerika schockiert darüber, dass so etwas in einer anständigen Wohngegend geschehen konnte.

Das Drehbuch war für den WGA Award, Catherine Keener für den Golden Globe und Emmy nominiert.

Jack Ketchums Roman „Evil“ (The girl next door, 1989) und die Romanverfilmung „Jack Ketchum’s Evil“ basieren ebenfalls auf dem Fall Likens.

mit Ellen Page, James Franco, Catherine Keener, Hayley McFarland, Romy Rosemont, Bradley Whitford

Hinweise

Wikipedia über „An American Crime“ (deutsch, englisch)

Moviefone: Kim Voynar über „An American Crime“

TruTV Crime Library: Denise Noe über den Tod von Sylia Likens

Homepage von Tommy O’Haver


TV-Tipp für den 6. März: Blutrot

März 6, 2010

ARD, 23.45

Blutrot (USA 2008, R.: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)

Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.

Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.

Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Homepage zur Verfilmung

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 9: Random Murders, Part Three

Oktober 9, 2009

Heyne Taschenbuch

November

David Benioff: 25 Stunden (die Vorlage für den gleichnamigen Spike-Lee-Film mit Edward Norton)

C. J. Box: Todeszone (Wildhüter Joe Pickett soll im Yellowstone Park das perfekte Verbrechen aufklären.)

Meg Gardiner: Gefürchtet (ein Unbekannter hat die Identität von Evan Delaney gestohlen)

Susanne Graf: Der Bildermacher (Künstler Broski wird ermordet und die Kommissare Carmen Henning und Albert Schneider haben ihren ersten gemeinsamen Fall.)

Jan Guillou: Der Kreuzritter – Rückkehr (ist ein historischer Roman)

Kim Harrison: Blutnacht (Vampirjägerin Rachel Morgan schlägt wieder zu.)

Mary & Caroll Higgins Clark: Der Weihnachtsdieb (ein, ähem, Weihnachtskrimi)

Charlie Huston: Das Clean Team (der neue Roman des Schöpfers von Hank Thompson und Joe Pitt – und vielleicht auch der Beginn einer neuen Serie)

John Niven: Coma (der Autor von „Kill your Friends“ schlägt wieder bei Heyne Hardcore zu)

Anne Perry: Der Weihnachtsfluch (ihr neuer Weihnachtskrimi)

Dezember

Caleb Carr: Das Blut der Schande (Taschenbuch-Ausgabe seines Sherlock-Holmes-Krimis)

Claude Cueni: Gehet hin und tötet (Taschenbuch-Ausgabe)

William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie (Wer’s noch nicht hat oder an gute Freunde verliehen hat.)

Tracy Gilpin: Schatten der Lüge (Privatdetektivin Dunai Marks ermittelt wieder in Kaptstadt. Dieses Mal soll sie zwei verschwundene Kinder finden.)

John Grisham: Berufung (Taschenbuch-Ausgabe)

Michael Katz Krefeld: Die Anatomie des Todes (ist noch ein Krimi aus Norwegen)

Jack Ketchum: Wahnsinn (Liddy hat einen gewalttätigen Sadisten geheiratet. Irgendwann beginnt sie sich zu wehren.)

Manfred H. Krämer: Der Kardinal von Auerbach (Taschenbuch-Ausgabe des zweiten Bergstraßen-Krimis)

Robert Ludlum/Philip Shelby: Der Cassandra-Plan (erster Thriller der Covert-One-Serie)

Jennifer Rardin: Ein Quantum Blut (heißt der dritte Auftritt von CIA-Agentin Jaz Parks. Ist wohl irgendwie „James Bond meets Dracula“)

Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade (Das Bureau für Okkulte Angelegenheiten ermittelt 1909 in Prag)

Christian Schoenborn: Operation Ismael (Islamistische Terroristen toben sich in Deutschland aus. Gut, dass Antiterror-Experte Deek Miller sie jagt. – Die Verfilmung heißt wohl „Gott will es“)

Charles Todd: Kalt wie Stein (Francesca Hatton will wissen, ob ihr Großvater ein Mörder war.)

Jan Costin Wagner (Hrsg.): 13 Morde hat das Jahr (Kurzkrimis von Robert Hültner, Karr & Wehner, Udo Wachtveitl, Robert Brack, dem Herausgeber und anderen)

Januar

Max Bronski: Sister Sox (Taschenbuch-Ausgabe eines Kommissar-Gossec-Krimis)

Mary Higgins Clark: Warte, bis du schläfst (Taschenbuch-Ausgabe)

Richard Laymon: Der Ripper (Laymons Roman über Jack the Ripper)

Nicholas Lessing: Und stehe auf von den Toten (Rom 1701: Ein Mädchen verschwindet. „Wunderdektiv“ Prospero sucht sie.)

James Mollison: Escobar – Der Drogenbaron (Heyne Hardcore, Sachbuch über Pablo Escobar mit über 350 bislang unveröffentlichten Fotos)

Marion Pauw: Blutige Asche (in Amsterdam: Ist Ray ein Mörder? Seine Anwältin glaubt das nicht.)

George D. Shuman: Blinde Angst (Sherry Moore kämpft gegen eine international operierende Menschenhändlerbande.)

Scott Sigler: Virulent (Zweiter Roman des Autors von „Infiziert“.)

Alexandra von Grote: Der letzte Walzer in Paris (Ein Fall für Kommisar LaBréa)

Februar

Massimo Carlotto: Die dunkle Unermesslichkeit des Todes (Taschenbuch-Ausgabe)

Alan Guthrie: Post Mortem (Taschenbuch-Ausgabe – Cover sieht verdammt gut aus.)

Robert Harris: Ghost (ist die Vorlage für den neuen Roman-Polanski-Film mit Pierce Brosnan und Ewan McGregor)

Henrike Heiland: Von wegen Traummann (Nö, kein Krimi, sondern ein humorvoller Roman über den Kampf der Geschlechter)

Matt Hilton: Der Knochensammler (ist ein grausamer Serienmörder. Joe Hunter jagt ihn.)

Simon Kernick: Todesangst (Du wachst in einem Alptraum auf…)

Jonathan Maberry: Patient Null („Die Nacht der lebenden Toten meets Michael Crichton“ verspricht der Verlag. Klingt gut.)

Alexander McCall Smith: Schottische Katzen kennen den Weg (Taschenbuch-Ausgabe eines Miss-Isabel-Krimis)

James McGee: Das Höllenschiff (Historischer Kriminalroman: London, während der napoleonischen Kriege: Sonderermittler Hawkwood jagt eine Verbrecherbande.)

Sergeij Minajew: Seelenkalt (Porträt eines moskauer Topmanagers, der mit Clubbing, Drogen, Alkohol und Sex der Sinnlosigkeit seines Lebens entkommen möchte.)

John Scalzi: Agent der Sterne (Science Fiction und Satire, denn der titelgebende Agent ist ein Hollywood-Agent und er soll den Menschen hässliche Aliens als künftige Mitwohner schmackhaft machen.)

Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen… (Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit, Taschenbuch-Ausgabe)

März

Colin Forbes: Todeskette (Taschenbuch-Ausgabe eines Thrillers mit Spezialagent Tweed)

John Leake: Der Mann aus dem Fegefeuer – Das Doppelleben des Serienkillers Jack Unterweger (Taschenbuch-Ausgabe)

Michael Morley: Viper (Taschenbuch-Ausgabe)

Kathy Reichs: Der Tod kommt wie gerufen (Taschenbuch-Ausgabe)

James Sallis: Deine Augen hat der Tod (Taschenbuch-Ausgabe)

Kevin Wignall: Die letzte Wahrheit (nominiert für den Edgar und Barry)

April

Scott Bakker: Neuropath (Medizinthriller)

Vince Flynn: Der Gegenschlag (Agent Mitch Rapp jagt wieder einmal Terroristen.)

Richard Laymon: Der Pfahl (ein Horrorautor entdeckt eine mumifizierte Leiche mit einem Holzpfahl im Herzen. Er beginnt herumzuexperiementieren.)

Duane Louis: Schnelle Beute (Swierzynskis Roman war für den Gumshoe Award nominiert)

Jeff Povey: Der Club der Serienkiller (ist natürlich eine schwarze Komödie für nette Menschen, die gerade auf Dexter-Entzug sind.)

Jon Ronson: Durch die Wand (Taschenbuch-Ausgabe einer satirischen Abrechnung mit geheimen US-Militärexperimenten.)

Detlef Tiegel: Achtung Abzocke! (Wie Callcenter mit unseren Daten Millionen verdienen – Bericht eines Insiders)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)


„Make my day, Spoiler!“

Juli 7, 2009

Einige unsortierte Anmerkungen zu Spoilern anlässlich der lesenswerten Gedanken von Jason Henninger: „Luke, I am your spoiler warning!“

Spoiler haben in den vergangenen Jahren eine seltsame Karriere gemacht. Früher, in den guten alten Tagen des gedruckten Wortes schrieb ein Kritiker einfach seine Besprechung und das war’s. Es gab auch damals schon Regeln, aber niemals stand vor einer Besprechung (oder irgendwo in der Besprechung) „Spoilerwarnung“ und natürlich änderte sich das Schriftbild nicht (oder es gab eine Stelle zum Freirubbeln). Inzwischen versehen Kritiker im Netz Besprechungen oft mit mehr oder deutlichen Spoilerwarnungen. Einige sind dabei eindeutig ironisch gemeint (so wurde bei „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ vor dem Ende, nämlich dass das Attentat scheitert, eine Spoilerwarnung geschrieben), aber nachdem einige Leser wirklich nichts über die Handlung wissen wollen (Dann lies gefälligst keine Kritiken! Und keine Vorbesprechungen! Und keine Werbung! Geh einfach in irgendein Kino oder schnapp dir im Buchladen mit verbundenen Augen ein Buch und werf keinen Blick auf das Titelbild, den Titel oder den Klappentext!) und schon empört „Spoiler“ brüllen, wenn verraten wird, wer in der nächsten Staffel bei einer Serie mitspielt, sind sie nicht grundlos.

Ich selbst bin ziemlich unempfindlich gegenüber Spoilern. Denn ich denke, wenn eine Geschichte nur wegen des Endes angesehen werden soll, ist es keine gute Geschichte.

Bei einigen Serien, wie „24“, „Prison Break“ und „The Shield“, verzichte ich fast vollkommen auf das Lesen von Texten zu den noch nicht gesehenen Staffeln, weil ich von möglichst vielen Plotwendungen überrascht werden möchte. Allerdings ist es bei diesen Serien (und auch Buchserien wie der Hank-Thompson-Trilogie von Charlie Huston), wenn über die neue Staffel/Buch geschrieben wird, unmöglich nicht wichtige Teile der Handlung zu verraten. Wenn ich zum Beispiel sage, dass die zweite Staffel von „Prison Break“ nach der Flucht aus dem Gefängnis spielt und wer vor der Polizei flüchtet, dann verrate ich natürlich, wem am Ende der ersten Staffel die Flucht aus dem Gefängnis geglückt ist.

Bei einigen Filmen und Büchern ist das Ende offensichtlich. „Blutrot/Red“ von Jack Ketchum gehört in die Kategorie. Wenn ich sage, „Red“ ist ein Western, dann ist klar, dass es am Ende ein Duell zwischen dem Guten und den Bösen geben wird. Wenn ich, Jack Ketchum zitierend, sage, die Jungs erschießen den Hund von Clint Eastwood, dann ist auch ziemlich klar, wer am Ende überlebt. Und trotzdem macht die Geschichte Spaß.

Auch bei einem James-Bond-Film ist von Anfang an klar, wie die Geschichte endet.

Und selbstverständlich ist es eine gute Sitte, bei einem Rätselkrimi, den Täter nicht zu verraten (Bei einem Film ist das dann manchmal schwieriger. Wenn in einem „Tatort“ Klaus Maria Brandauer mitspielt und er in den ersten Szenen nur der unscheinbare Nachbar ist, wird er am Ende der Mörder sein. Denn Brandauer hätte sonst die Rolle nicht angenommen.).

Trotzdem habe ich in der Vergangenheit bei einigen Posts eine Spoilerwarnung vorangestellt. Zuletzt bei „Splitter“.

Das geschah, weil mir die Geschichte nicht gefallen hat und ein wichtiger Grund dafür auch das Ende ist. Ich muss also das Ende verraten (oder sehr deutliche Hinweise auf den finalen Plottwist geben), um zu begründen, warum ich von dem Werk enttäuscht war.

Wenn für mich zum Beispiel Agatha Christies „Alibi“, „The sixth Sense“ oder „Die üblichen Verdächtigen“ gerade wegen des Endes nicht funktioniert, dann will ich das auch begründen und ein einfaches „das Ende enttäuscht, deshalb lassen Sie’s bleiben“ ist dann doch arg allgemein.

Insofern sind Spoilerwarnungen, wenn sie richtig eingesetzt werden, einfach nur ein Hinweis darauf, dass in der Besprechung wichtige Teile der Handlung (vor allem der zweiten Hälfte der Handlung) und des Endes verraten werden.


KrimiWelt-Bestenliste Juni 2009

Mai 30, 2009

Die Bestenliste der KrimiWelt für den Sommermonat Juni sieht so aus:

1          (-)        Fred Vargas: Der verbotene Ort

2          (-)        Leif GW Persson: Sühne

3          (-)        Don Winslow: Pacific Private

4          (-)        Nick Stone: Der Totenmeister

5          (1)       Roger Smith: Kap der Finsternis

6          (-)        Thomas Ross: Der Tod des Kandidaten

7          (9)       Robert Hültner: Inspektor Kajetan kehrt zurück

8          (-)        Stefan Slupetzky: Lemmings Zorn

9          (-)        William Gay: Nächtliche Vorkommnisse

10       (5)       Oliver Bottini: Jäger in der Nacht

Ja, richtig. Nur drei Krimis von der Mai-Liste haben’s in den Juni geschafft und, nachdem die letzte Bestenliste mit sechs deutschen Krimis doch übertrieben deutschlastig war, sind jetzt nur noch drei Deutsche dabei und, bis auf Fred Vargas, ist es eine reine Jungenliste. Ob das die Rache der Kritiker für den Glauser ist?

Hmhm.

Jedenfalls bin ich gerade beim Roger-Smith-Lesen. Ist bis jetzt ganz okay. Don Winslow, Nick Stone (Über 600 Seiten!), Thomas Ross und Robert Hültner liegen auf meinem Zu-Lesen-Stapel, neben Jack Ketchum, Garry Disher (Uh, warum ist der noch nicht auf der Liste?), Greg Rucka, Alex Berenson C. J. Box und Jason Starr, um nur einige zu nennen.

Rausgeflogen sind Jörg Juretzka (Alles total groovy hier), John Farrow (Eishauch), Monika Geier (Die Herzen aller Mädchen), Gianrico Carofiglio (Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land), Uta-Maria Heim (Wespennest), Richard Stark (Keiner rennt für immer) und Jan Costin Wagner (Im Winter der Löwe).


„Red“: Avery Ludlow will Gerechtigkeit

April 23, 2009

„Blutrot“ von Jack Ketchum war für mich eines der besten Bücher des letzten Jahres. Entsprechend gespannt war ich auf die Verfilmung, die jetzt unter dem Originaltitel „Red“ als DVD erschienen ist.

Red heißt der Hund des Vietnam-Veterans, Witwers und Gemischtwarenladenbesitzers Avery Ludlow. Heute hat er den Laden seinem Personal überlassen und sitzt friedlich angelnd mit Red an einem einsam gelegenen Flussufer. Als drei Jungen kommen, ihn ärgern und ausrauben wollen, bleibt er ruhig. Weil er kein Geld dabei hat, erschießt Danny McCormack Ludlows betagten Hund.

Das war ein Fehler. Denn Ludlow möchte Gerechtigkeit für seinen Hund. Er möchte, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen und bereuen. Er findet heraus, dass zwei der drei Jungs Söhne des neureichen Unternehmers Michael McCormack sind. Ludlow geht zu ihm. Nach einem Gespräch glaubt McCormack seinem Sohn.

Ludlow bleibt hartnäckig und der Konflikt zwischen ihnen eskaliert.

Das sind die ersten Minuten des beeindruckenden Dramas „Red“. Lucky McKee und Trygve Allister Diesen erzählen, basierend auf Ketchums Roman und Stephen Suscos der Vorlage sehr verpflichtetem Drehbuch, schnörkellos eine klassische Geschichte, die einfach als der Kampf eines Mannes um Gerechtigkeit für seinen ermordeten besten Freund gesehen werden kann. Aber es geht, wie immer in einer guten Geschichte, um viel mehr.

Es geht um den Kampf zwischen zwei Wertesystemen. Ludlows altmodischer Ethos, dass man zu seinen Taten stehen soll, prallt gegen McCormacks ebenso verständlichen Wunsch, seine Kinder zu beschützen.

Es geht um unsere Beziehung zu Tieren. Für McCormack ist es nur ein Hund. Für das Gesetz ein Bagatellvergehen. Für Ludlow wurde sein bester Freund kaltblütig und vollkommen sinnlos ermordet.

Es geht um die Frage, wie weit wir für unsere Überzeugungen gehen. Gerade weil beide Seiten hartnäckig für ihre Position kämpfen, eskaliert der Konflikt immer weiter.

Es geht um unseren Umgang mit Gewalt und den Folgen von Gewalt.

Es geht auch um den Kampf zwischen einem lokal verwurzelten Kleinunternehmer und einem zugezogenem, skrupellosem Aufkäufer. Diese Konfrontation wird in der erweiterten Szene des ersten Gesprächs zwischen Ludlow und McCormack im Bonusmaterial und in Ketchums Roman deutlicher. Denn McCormack empfängt den unangemeldet bei ihm auftauchenden Ludlow nur, weil er gerne dessen Geschäft kaufen würde.

Und natürlich ist „Red“ ein in der Gegenwart spielender Western.

Gleichzeitig ist „Red“ ein Schauspielerfilm. Die Regisseure Lucky McKee und Trygve Allister Diesen (es kam während des Drehs aufgrund interner Probleme zu dem im Film nicht auffallenden Wechsel) wissen das. Die Schauspieler dürfen spielen und, weil die Geschichte so gut ist, muss nicht mit irgendwelchen Mätzchen von einer mangelnden Substanz abgelenkt werden.

Zu den besten Szenen gehören Ludlows Monolog wie er seine beiden Söhne und seine Frau verlor und Red versuchte die Katastrophe zu verhindern. Über mehrere Minuten bleibt die Kamera, fast ohne einen Schnitt, bei Brian Cox, der diese traurige Geschichte regungslos erzählt. Jeder der wenigen Schnitte weg von ihm stört. Diese Kraft des Minimalismus haben, wie im Bonusmaterial eine anders geschnittene Version dieser Szene zeigt, auch die Filmemacher erkannt. Die im Film enthaltene Version lässt zwar einen Subplot fallen, gewinnt aber dank der Reduktion an erzählerischer Kraft.

Auch die erste Konfrontation zwischen Ludlow und McCormack wird durch die Präsenz der beiden Schauspieler-Schwergewichte Brian Cox und Tom Sizemore getragen.

Ebenso eindrucksvoll in ihrer Einfachheit ist die Szene, in der Ludlow den Namen des jugendlichen Schützen herausfindet. In einem Waffenladen fragt er den Verkäufer. Dieser verweigert die Auskunft. Ludlow sieht einen Hund auf dem Boden liegen. Er sagt, dass der Junge kaltblütig seinen alten Hund erschossen habe. Der Besitzer (Delaney Williams) schickt seinen Verkäufer das Verkaufsbuch holen. Während der Verkäufer weg ist, erzählt er Ludlow, wie der Hund ihm das Leben rettete. Diese Erzählung ist im Roman nicht enthalten, aber Jack Ketchum hätte sie gut schreiben können. Ansonsten übernahm Susco viele Dialoge direkt aus dem Roman.

Diese Szenen fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und machen „Red“ zu einem beeindruckenden, effizient erzählten Thriller über die Suche nach Gerechtigkeit. Das ist gutes altmodisches Hollywood-Erzählkino. Daher ist „Red“ der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood. Aber Brian Cox, der für seine Rolle auf dem renommierten Sitges-Filmfestival als bester Darsteller ausgezeichnet wurde, ist auch nicht schlecht.

Das Bonusmaterial der DVD besteht im Wesentlichen aus zwei längeren Szenen, die in einer leicht anderen Schnittfassung im Film enthalten sind, und einigen kürzeren Szenen. Insgesamt handelt es sich daher nur um wenige Minuten, die es nicht in den endgültigen Schnitt geschafft haben. Diese Szenen wurden aus unverständlichen Gründen in Geschnittene Szenen und Outtakes aufgeteilt. Außerdem gibt es den Trailer zum Film.

red

Red (Red, USA 2008)

Regie: Lucky McKee, Trygve Allister Diesen

Drehbuch: Stephen Susco

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

DVD

Koch-Media

Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,85:1 (16:9)

Extras: Originaltrailer, Outtakes (ca. 12. Minuten), Deleted Scenes (ca. 18. Minuten), Wendecover

FSK: ab 16 Jahren

Vorlage

Jack Ketchum: Blutrot

Heyne, 2008

Originaltitel

Red

Leisure Book, 1995

Hinweise

Coming Soon: Interview mit Brian Cox zu „Red“ (11. August 2008)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)


„Es war einmal ein Junge namens Ray Pye,…“

April 17, 2009

Es dauerte 25 Jahre, bis der Knoten platze und Hollywood begann, die Romane von Jack Ketchum zu verfilmen. Dabei genoss bereits sein erstes Werk „Off Season“ (Beutezeit) unter Horrorfans schnell Kultstatus. Stephen King, um nur seinen bekanntesten Fan zu nennen, preist seit Jahren unermüdlich seine Werke. Aber Hollywood schwieg.

2005 war mit der Verfilmung des für den Bram-Stoker-Preis nominierten „The Lost“ dann anscheinend der Bann gebrochen. Schnell folgten „The Girl next Door“ und „Red“ (Filmbesprechung folgt). „Offspring“ befindet sich gerade in der Postproduktion. Und was, wenn wir an die vielen misslungenen Stephen-King-, Elmore-Leonard- und Donald-Westlake-Verfilmungen denken, am erstaunlichsten ist, ist die Tatsache, dass die Jack-Ketchum-Verfilmungen bis jetzt wirklich den Tonfall der Vorlagen treffen.

Jack Ketchums Roman „The Lost“

In „The Lost“ erzählt Jack Ketchum die Geschichte eines Psychopathen und mehrerer, ihn wie Satelliten umkreisender, seelisch verlorener Menschen während des für sie nicht existierenden Summer of Love.

1965 ermordet der Teenager Ray Pye nachts am See Lisa Steiner. Elise Hanlon kann schwerverletzt flüchten. Pyes Freunde Tim Bess und Jennifer Fitch haben die Tat beobachtet und ihm geholfen die Spuren zu verwischen.

Vier Jahre später stirbt Elise Hanlon, die nie aus dem Koma erwachte. und der Kleinstadt-Detective Charlie Schilling möchte den Fall immer noch lösen. Doch anstatt den Krimiplot energisch voranzutreiben, entwirft Jack Ketchum ein pessimistisches Porträt einiger Bewohner der Kleinstadt Sparta, New Jersey, bei dem die Zahl der Sympathieträger an den Fingern einer abgehackten Hand abgezählt werden kann. Neben dem an Minderwertigkeitskomplexen leidenden Psychopathen Ray Pye, der bevorzugt jüngere Frauen vögelt und als kleiner Drogenhändler der ungekrönte König der Kleinstadtjugendlichen ist, den ihm hörigen Freunden Tim Bess und Jennifer Fitch, die nichts gegen Rays zahlreiche Seitensprünge hat, sind das vor allem die beiden 1965 ermittelnden Polizisten und ein gerade aus San Francisco zugezogenes Mädchen.

Detective Charlie Schilling ist ein geschiedener Alkoholiker, der seine Abende nach dem Besuch in der Bar, allein vor dem Fernseher mit einer Dose Bier verbringt. Sein Kollege Ed Anderson ist inzwischen Frührentner und hat eine Beziehung zur gerade volljährig gewordenen Sally Richmond. Katherine Wallace, das neuen Mädchen in der Stadt, findet Ray Pye interessant, hat eine in der Irrenanstalt sitzende, todkranke Mutter und stiftet Ray zu mehreren kleinen Verbrechen an. Keiner von ihnen taugt als Vorbild. .

Nach Hanlons Tod beginnt Charlie Schilling wieder den Druck auf Pye zu erhöhen. Er will ihn jetzt endlich als Doppelmörder überführen, indem er dessen übergroßes Ego beschädigt. Er sprengt eine Party von Pye, bei der er kostenlos Drogen an Minderjährige verteilte. Gleichzeitig überzeugt er Sally Richmond, die Stelle in dem Motel der Familie Pye, wo auch Ray arbeitet, zu kündigen, und er redet mit Pyes Freunden. Pyes Nerven sind deshalb schon zum Zerreißen gespannt. Verschärfend kommt für den Kleinstadt-Aufreißer hinzu, dass Sally nicht mit ihm ins Bett steigen will, seine große Liebe Katherine die Beziehung zu ihm beendet und Tim, der für ihn Drogen bei sich aufbewahrt und dabei ungefragt einen Teil für sich abzweigt, ihn betrügt.

Das alles wird Pye irgendwann zuviel und er explodiert. Er beginnt sich an all den Menschen, die sich ihm verweigerten, in einem Amoklauf zu rächen.

Jack Ketchums großartiger, aber auch bedrückender und beunruhigender Roman ist die fast klinische Studie eines Amokläufers und seines Umfeldes.

Dabei ist „The Lost“ so sehr mit der Handlungszeit, dem August 1969, verbunden, dass eine andere Handlungszeit unmöglich erscheint. Denn während die Hippiebewegung den Summer of Love und Woodstock feiert, ist in Sparta nichts von der Utopie einer besseren Welt angekommen. Nur die Drogen und die Gewalt, gepaart mit einer kräftigen Portion reaktionärem Denken, sind in der Provinz angekommen; – falls sie nicht schon immer da waren. Pyes erste Sätze im Buch und im Film sind, nachdem er sieht, wie die Freundinnen Steiner und Hanlon sich einen unschuldigen Kuss geben: „Ach du Scheiße. Lesben. Mann, das ist echt widerlich.“

Das und seine Neugier, wie es ist, einen Menschen sterben zu sehen, führen zu den ersten Morden.

Später ist er von dem Morden der Charlie-Manson-Familie, vor allem dem bestialischen an Sharon Tate, fasziniert. Zum wenige Tage später stattfindenden Woodstock-Festival will er allerdings nicht fahren. Denn dort ist alles versammelt, was er verabscheut. Insofern zeigt Jack Ketchum, ähnlich wie die Rockband „Velvet Underground“, die düstere Seite der späten sechziger Jahre.

Chris Sivertsons Film „The Lost“

Chris Sivertson, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, verlegte die Geschichte in eine seltsam zeitlose Gegenwart, indem er alle direkten Hinweise auf die Sechziger tilgte. Aber die Gegenwart mit Computern, Flachbildschirmen, Handys und HipHop ist in Sivertsons Kleinstadt-Amerika noch lange nicht angekommen. Davon abgesehen folgt er fast schon sklavisch Ketchums Geschichte und dessen düsterer Vision der menschlichen Gemeinschaft von kaputten und dysfunktionalen Beziehungen. Die einzige intakte Beziehung im Buch und im Film, die Liebe von Ed Anderson und Sally Richmond, wird von ihnen vor der Öffentlichkeit verschwiegen. Damals, wir erinnern uns an Vladimir Nabokovs 1955 zuerst in Frankreich erschienes Meisterwerk „Lolita“, war eine Beziehung zwischen einer gerade gesetzlich volljährigen Frau und einem sechzigjährigen Mann nicht viel weniger skandalös als heute.

Die oft aus zahlreichen Nebenrollen bekannten Schauspieler sind großartig: Michael Bowen (Jackie Brown, Magnolia, Kill Bill) als fanatischer Alki-Polizist. Ed Lauter (Die Kampfmaschine/Die härteste Meile, French Connection II, Nevada-Pass, Familiengrab, Cujo) als sein Ex-Kollege und Tony Carreiro (Lethal Weapon 2, Ensemblemitglied der bei uns nie gezeigten Comedy-Serie „Doctor, Doctor“ und zahlreiche Gastauftritte in TV-Serien) als Katherines Vater. Eine besondere Erwähnung verdient Dee Wallace-Stone (E. T., Cujo). Sie tritt nur in einer einzigen Szene als Mutter von Elise Hanlon auf. Aber ihr Gespräch an der Haustür mit Polizist Schilling als von Schmerzen geplagte, betrunkene, von zuviel Alkohol und Drogen aufgequollene und verlebte Mutter bleibt nachhaltig im Gedächtnis.

Auch die noch unbekannten jugendlichen Darsteller, die teilweise aus einschlägigen Filmen und Gastauftritten in TV-Serien bekannt sind, überzeugen: Marc Senter als Ray Pye, Shay Astar als Jennifer Fitch, Alex Frost als Tim Bess, Megan Henning als Sally Richmond und Robin Sydney als Katherine Wallace.

„Jack Ketchum’s The Lost“ ist eine gelungene Romanverfilmung und ein präzises Porträt einer Gruppe Jugendlicher und wie ein Verbrechen ihr Leben beeinflusst. Es ist allerdings auch kein angenehmer Film. Gerade wegen des Mangels an potentiellen Sympathieträgern und seinen präzisen Beobachtungen ist es kein Film für einen entspannt-vergnügten Samstagabend. Denn entgegen dem Hollywood-Trend heischt Sivertson in seiner Independent-Produktion nicht um falsche Sympathie für seine Charaktere. Diese Haltung erinnert an Larry Clarks illusionslosem Blick auf die New Yorker Jugendlichen im New York der Neunziger in seinem semidokumentarischen Debüt „Kids“.

Sivertson, der mit „Jack Ketchum’s The Lost“ sein Debüt als alleiniger Regisseur gab und später den Razzie-Liebling „I know who killed me“ (Ich weiß, wer mich getötet hat) drehte, ist hier ein erstaunlich souveräner Regisseur. Schon seine präzise Einführung des Psychopathen Ray Pye als letztendlich und trotz aller Coolness ziemlich armen Wicht verrät alles wirklich Wissenswerte über ihn. Der Film beginnt mit dem Textinsert „Es war einmal ein Junge namens Ray Pye, der steckte zerdrückte Bierdosen in seine Stiefel um größer zu sein.“ Erst danach sehen wir von hinten den zu einem im Wald liegenden Klo stacksenden Pye und seine verklemmt-witzige Reaktion, als er das nackte Mädchen, das er später umbringen wird, sieht. Dazu ertönt „The Pied Piper“, gesungen von Crispian St. Peters und wir wissen, dass wir mehr über diesen Typen im ärmellosen, schwarzen T-Shirt erfahren wollen.

Die Charaktere, ihre Beziehungen und die sich zwischen ihnen entwickelnde Dynamik stehen in „Jack Ketchum’s The Lost“ eindeutig im Mittelpunkt. Denn trotz der FSK-18-Freigabe, die aufgrund des durchweg pessimistisch-nihilistischen Tonfalls in Ordnung geht, ist bis auf den Doppelmord an den Teenagern am Anfang und Ray Pyes Amoklauf am Ende des Films wenig körperliche Gewalt zu sehen.

Die DVD

Das Bonusmaterial ist sehr überschaubar, weil der interessanteste Teil der Verleihfassung, der Audiokommentar, nicht übernommen wurde. Der Grund dafür ist ganz einfach: Für die Kaufversion musste New KSM die Schere ansetzen. Dabei wurde, wie der Schnittbericht zeigt, das Ende um über zwei Minuten gekürzt.

Ich halte das für eine Unverschämtheit.

Nicht dass New KSM die Schere ansetzte. Das ist aus ökonomischen Gründen nachvollziehbar. Sondern dass wegen der FSK Erwachsene einen Film nur verstümmelt sehen dürfen. Denn wenn ich mir das Originalende ansehe, muss ich sagen, dass ich in anderen Filmen, wie „Saw“, schon schlimmeres gesehen habe und hier die Gewalt die konsequente und aus der Geschichte begründete Eruption einer lange aufgestauten Wut von Pye und Schilling ist. Das ist schmerzhaft anzusehen, aber Erwachsene sollten so etwas sehen dürfen.

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Jack Ketchum’s The Lost – Teenage Serial Killer (The Lost, USA 2005)

Regie: Chris Sivertson

Drehbuch: Chris Sivertson

Mit Marc Senter, Shay Astar, Alex Frost, Megan Henning, Robin Sydney, Dee Wallace-Stone, Michael Bowen, Ed Lauter, Erin Brown

DVD

New KSM

Bild: 16:9, 2,35:1

Ton: Deutsch/Englisch (Dolby Digital 5.1)

Bonus: Trailer, Biographien, Bildergalerie, Wendecover

Laufzeit: ca. 113 Minuten

Freigabe: 18 Jahre (FSK)

Vorlage

Jack Ketchum: The Lost

Cemetery Dance Publications, 2001

(Eine deutsche Übersetzung ist im Heyne Verlag in Arbeit.)

Hinweise

MySpace-Seite zum Film

Horror Fanatics: Interview mit Chris Sivertson zu „The Lost“

eFilmCritic: Interview mit Chris Sivertson zu „The Lost“

Schnittberichte mit einem genauen Schnittbericht

DVD-Forum: Schnittbericht

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)


Mörderischer Herbst XII – Heyne Taschenbuch

Juli 28, 2008

Auch der Heyne-Verlag hat einige Perlen und zwei Klassiker des New Journalism in seinem Herbstprogramm:

November

Ian Banks: Die Sphären (ist ein weiterer S-F-Roman des schottischen Auch-Thriller-Autors. Denn Banks wechselt ständig die Genres.)

Mary Higgins Clark: Stille Nacht (ein modernes Weihnachtsmärchen)

Meg Gardiner: Gottesdienst (Der Bruder von Anwältin Evan Delaney wird beschuldigt, den Anführer einer fundamentalistisch-christlichen Sekte umgebracht zu haben. Delaney will die Wahrheit herausfinden.)

John Grisham: Das Fest (Das Weihnachtsbuch von Grisham in neuer Ausstattung.)

Charlie Huston: Killing Game (The Shotgun Rule – In seinem ersten Einzelwerk erzählt Charlie Huston von vier Teenagern, die nach etwas Aufregung suchen und, als sie auf ein Drogenlabor stoßen, mehr Ärger bekommen, als sie verdauen können.)

Dean Koontz: Todeszeit (Der mittellose Gärtner Mitch muss innerhalb weniger Tage zwei Millionen Dollar beschaffen. Sonst bringen die Entführer seine Frau um.)

Scott Sigler: Infiziert (Ein unbekannter Erreger verwandelt normale Menschen in mordgierige Psychopathen. CIA-Epidemologin Margaret Montoya will den Erreger finden. – Für das Buch ist eine große Werbekampagne geplant. Mal sehen, ob der Inhalt dann hält, was die Verpackung verspricht.)

Hunter S. Thompson: Angst und Schrecken im Wahlkampf (oder die einzig wahre Wahrheit über den US-amerikanischen Präsidentenwahlkampf 1972. Deutsche Erstausgabe.)

Dezember

Jürgen Alberts/Eckard Mordhorst: Leiche über Bord (Tatsachenroman in dem der heutige Polizeipräsident von Bremen Mordhorst erzählt, wie er in Afrika den Mord an einem Offizier eines Bremer Frachtschiffes aufklärte. Denn das Schiff gehörte zum deutschen Hoheitsgebiet.)

Catherine Coulter: Hass (Julia wird bei einem nächtlichen Spaziergang ins Meer gestoßen. FBI-Agent Cheney Stone glaubt an einen Mordanschlag.)

Colin Forbes: Komplott (Taschenbuch-Ausgabe eines Thrillers mit Spezialagend Tweed.)

Robert Harris: Ghost (oder der beste Thriller des Jahres; – sagt jedenfalls die ITW)

Corine Hartman: Der letzte Atem (Eine Läuferin wird mit einem Golfschläger erschlagen. Nelleke de Winter ermittelt in einem Roman, der wohl in erster Linie die Fans von Elizabeth George anspricht.)

Jack Ketchum: Blutrot (erscheint in der Hardcore-Reihe: einige reiche Bengel erschießen im Wald den Hund eines alten Mannes. Dieser sieht rot.)

Manfred H. Krämer: Tod im Saukopftunnel (Taschenbuch-Ausgabe: Erster Band der Bergstraßen-Trilogie mit den Ermittlern Solo und Tarzan.)

Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge („Die Wiederentdeckung eines Klassikers – komplett überarbeit und mit sechs unveröffentlichten Geschichten, Vorwort von Dean Koontz“ schreibt der Verlag zur Neuveröffentlichung von „The Nightrunners“. Und ich sage nur: Danke!)

Kyle Mills: Global Warning (Mark Beamon, Leiter der Energieabteilung gegen Ökoterrorismus, jagt Terroristen, die mit einer Rohölfressenden Bakterie die weltweiten Ölreserven vernichten wollen. – Da stellt sich eine Frage: Noch nie etwas von alternativen Energiequellen gehört?)

George D. Shuman: Die Hand des Totes („Die Fortsetzung des Bestsellers 18 Sekunden“ schreibt der Verlag – und schließt damit alle Menschen, die den ersten Teil nicht gelesen haben, von der Lektüre aus. Aus meiner Sicht ist das nicht gerade die beste Werbestrategie.)

Rebecca Stott: Und Blut soll dich verfolgen (Taschenbuch-Ausgabe)

Januar

Gary Braver: Die Maske (In Boston wütet ein Serienkiller unter den schönen Frauen der Stadt. Detective Steve Markarian jagt ihn. Der Killer – Überraschung! – will Markarians Frau umbringen.)

Mary Higgins Clark: Und hinter Dir die Finsternis (Taschenbuch-Ausgabe)

William Landay: Strangler (Der Boston Strangler hat bereits dreizehn Frauen umgebracht. Da entschließen sich die verfeindeten Daley-Brüder dem Treiben ein Ende zu setzen. Denn der Boston Strangler hat schon zu viele ihrer Frauen umgebracht.)

Alexander McCall Smith: Gute Nachbarn in der 44 Scotland Street (ist wohl nicht gerade ein Krimi.)

Michael Morley: Spider (Taschenbuch-Ausgabe)

Alexandra von Grote: Mord in der Rue St. Lazare (Kommissar Maurice LaBréa sucht den Mörder eines bekannten Filmproduzenten.)

Alexandra von Grote: Tod an der Bastille (Kommissar Maurice LaBréa jagt einen Serienmörder. – Pünktlich zur Publikation strahlt das Erste die Verfilmungen aus.)

Februar

Jacques Berndorf: Bruderdienst (Taschenbuch-Ausgabe)

Andreas Brandhort: Äon (Journalist Vogler soll eine Reportage über einen Jungen, der Wunderheilungen vollbringt, schreiben. Als Vogler die Hintergründe recherchiert, stößt er auf eine Verschwörung, die – na, den Rest kennen wir.)

Andrew Britton: Der Agent (CIA-Agent Ryan Kealey muss mal wieder die Kohlen aus dem Feuer holen. Denn einer der gefährlichsten Terroristen der Welt hat in Pakistan die amerikanische Außenministerin entführt.)

Brent Ghelfi: Im Schatten des Kreml (Volkow soll im Auftrag des ‚General’ in Tschetschenien ein belastendes Video beschaffen. Weil das Buch in der Hardcore-Reihe erscheint, dürfte es für zartbesaitete Gemüter nichts sein.)

Duane Louis (Swierczynski): Letzte Order (Außerplanmäßige Dienstbesprechung. Der Chef sagt: „Wir sind eine Tarnfirma des CI-6, eines Geheimdienstes der Regierung. Und der Laden hier wird heute dichtgemacht. Ich werde euch nicht feuern. Ich werde euch töten.“ Tja, und dann geht’s in dem neuen Thriller des Autors von „Blondes Gift“ rund.)

Robert Ludlum: Die Bancroft-Strategie (Taschenbuch-Ausgabe)

Tom Wolfe: The Electric Kool-Aid Acid Test (hieß früher „Unter Strom“ und schildert den Ausflug von Tom Wolfe in die Welt der Hippies. Zusammen mit Ken Kesey und der Band „Merry Prankster“ reisten sie durch die USA und andere Sphären. Der aktuelle Anlass für die Wiederveröffentlichung dieses Klassikers des New Journalism ist die geplante Verfilmung des Buches von Gus Van Sant.)

März

Gilbert Adair: Ein stilvoller Mord in Elstree (Taschenbuch-Ausgabe)

Michael Connelly: Der Mandant (Taschenbuch-Ausgabe)

Vince Flynn: Die Bedrohung (Terroristen entführen die CIA-Chefin. Antiterror-Agent Mitch Rapp muss sie befreien.)

Daniel Kalla: Blutlüge (Die Polizei glaubt, dass der junge Arzt Ben Dafoe seine ehemalige Verlobte umgebracht hat. Dafoe muss den wahren Täter finden. Er glaubt, dass es sein tot geglaubter Zwillingsbruder ist.)

Stephen King (schreibt als Richard Bachman): Qual (Taschenbuch-Ausgabe)

Richard Laymon: Die Jagd (erzählt von der sechzehnjährigen Jody, die von einer Bande jugendlicher Killer gejagt wird.)

Zdral: Tartufo (Taschenbuch-Ausgabe)

April

Alex Berenson: Netzwerk des Todes (Zweites Werk des Edgar-Preisträgers: CIA-Agent Wells soll in Afghanistan herausfinden, wer die Taliban von außen unterstützt. Er entdeckt das titelgebende Netzwerk des Todes.)

Tom Clancy/Steve Pieczenik: Tom Clancys Net Force – Die Attacke (Terroristen besetzen hoch gesicherte Militärbasen. Die Net Force muss ran.)

John Grisham: Touchdown (Taschenbuch-Ausgabe)

James Sallis: Driver (Taschenbuch-Ausgabe)

Fett Kursiv: auf diese Werke freue ich mich am Meisten.

Bereits erschienen

Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag

Mörderischer Herbst II – Gmeiner, Grafit

Mörderischer Herbst III – Edition Köln, Emons

Mörderischer Herbst IV – btb Hardcover, Alexander Verlag, Heyne Hardcover, Liebeskind, Manhattan, Page & Turner, Rotbuch, vgs

Mörderischer Herbst V – dtv

Mörderischer Herbst VI – btb Taschenbuch

Mörderischer Herbst VII – Goldmann Taschenbuch

Mörderischer Herbst VIII – Blanvalet Taschenbuch

Mörderischer Herbst IX – Ullstein Taschenbuch

Mörderischer Herbst X – Knaur Taschenbuch

Mörderischer Herbst XI – rororo Taschenbuch


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