Herzlichen Glückwunsch zum siebzigsten Geburtstag, James Ellroy!

März 4, 2018

James Ellroy, geboren am 4. März 1948 in Los Angeles, ist unbestritten einer der großen amerikanischen Krimiautoren und Chronisten seiner Heimatstadt Los Angeles in Hollywoods goldener Ära und, seit zwanzig Jahren, auch der USA und seines Lebens.

2015 ernannten die Mystery Writers of America (MWA) ihn zum Grand Master.

Seine ersten Romane, die Einzelkrimis „Browns Grabgesang“ (Brown’s Requiem, 1981), „Heimlich“ (Clandestine, 1982) und „Stiller Schrecken“ (Silent Terror/Killer on the Road, 1986) und die drei Lloyd-Hopkins-Krimis „Blut auf dem Mond“ (Blood on the Moon, 1984), „In der Tiefe der Nacht“ (Because the Night, 1984) und „Hügel der Selbstmörder“ (Suicide Hill, 1986) sind noch ziemlich normale Hardboiled-Krimis.

Seinen Durchbruch hatte er mit „Die schwarze Dahlie“ (The Black Dahlia, 1987), in dem er den bis heute nicht aufgeklärten bestialischen Mord an Elizabeth Short im Januar 1947 fiktional verarbeitete. „Die schwarze Dahlie“ ist auch der Auftakt seines „L. A.-Quarett“, einer faktengesättigten fiktionalen Gegenerzählung seiner Heimatstadt Los Angeles in den späten vierziger und fünfziger Jahren. Auch die nächsten drei Romane des „L. A.-Quartett“ – „Blutschatten“ (The Big Nowhere, 1988), „Stadt der Teufel“ (L. A. Confidential, 1990; grandios verfilmt) und „White Jazz“ (White Jazz, 1992) – gehören zum festen Kanon der Kriminalliteratur.

In der anschließenden „Underworld USA“-Trilogie „Ein amerikanischer Thriller“ (American Tabloid, 1995), „Ein amerikanischer Albtraum“ (The Cold Six Thousand, 2001) und „Blut will fließen“ (Blood’s a Rover, 2009) erzählt er eine mehrere Länder umspannende Gegenschichte der USA und der US-Politik zwischen dem Mord an John F. Kennedy und Watergate.

Seine schon immer dicken Romane wurden länger. Die zahlreichen Handlungsstränge in der „Underworld USA“-Trilogie sind sehr unübersichtlich und Ellroys Sprachexperimente, vor allem die Kaskade kürzester Sätze und Lautmalereien, machen die mit Fakten und Verschwörungstheorien vollgestopften Romane zunehmend unlesbar.

Mit seinem bislang letzten Roman „Perfidia“ (Perfidia, 2014), der der Auftakt zu einem zweiten „L. A. Quartett“ sein soll, kehrt er wieder in die Welt des L. A.-Quartetts zurück und erzählt die Vorgeschichte davon. Daher tauchen in der im Dezember 1941 spielenden Geschichte aus dem L. A.-Quartett bekannte Charaktere auf. Auch sprachlich kehrt Ellroy wieder mehr zu den Konventionen zurück. Lesbarer ist der fast tausendseitige Roman dadurch nicht geworden.

Der zweite Band des zweiten L. A. Quartetts, „This Storm“, ist für September 2018 in den USA angekündigt.

Neben seinen immer hart an der Realität vorbeischrammenden Romanen, veröffentlichte er auch mehrere Bücher mit Kriminalreportagen und autobiographische Werke. Hier ist vor allem „Die Rothaarige“ (My Dark Places, 1997) wichtig. In dem Buch erzählt er von der erfolglosen Suche nach dem Mörder seiner Mutter Geneva ‚Jean‘ Ellroy. Sie wurde 1958 in einem Vorort von L. A. vergewaltigt und ermordet. Seine Beziehung zu ihr, auch und vor allem über ihren Tod hinaus, begründete eine seiner Obsessionen, die in seinem gesamten Werk spürbar ist.

Der Ullstein Verlag, Ellroys deutscher Verlag, veröffentlichte zu seinem Geburtstag „Die Rothaarige“ und das „L. A. Quarett“ in Neuausgaben – und, wer noch nichts von James Ellroy gelesen hat, hat mit diesen Büchern einen guten Einstieg in die Welt des „Demon dog of American crime fiction“.

James Ellroy: Die Rothaarige – Die Suche nach dem Mörder meiner Mutter

(übersetzt von Tina Hohl und Heinrich Anders)

Ullstein, 2018

528 Seiten

25 Euro

Hinweise

Homepage von James Ellroy

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy in der Kriminalakte (oft mit Videos, in denen der nicht an Selbstüberschätzung leidende Ellroy persönlich auftritt)

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TV-Tipp für den 27. Oktober: James Ellroy: „American Dog“

Oktober 27, 2015

Arte, 01.20

James Ellroy: „American Dog” (Frankreich 2005, Regie: Clara Kuperberg, Robert Kuperberg)

Drehbuch: Clara Kuperberg, Robert Kuperberg

Okaye Doku über den Thrillerautor. Im Mittelpunkt stehen seine Nachforschungen zum Mord an seiner Mutter, die er später auch in dem Roman „Die Rothaarige“ (1997) verarbeitete, und dem Mord an der „Schwarzen Dahlie“ Betty Short. Das aktuellere Schaffen von Ellroy und sein Werk neben diesen beiden Büchern werden in der Doku sträflich ignoriert.

Hinweise

Homepage von James Ellroy

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy in der Kriminalakte


„Perfidia“ – James Ellroy beehrt Deutschland

März 13, 2015

Nächste Woche tourt James Ellroy mit seinem neuen Roman „Perfidia“ durch einige deutsche Städte:
KÖLN
Montag, 16. März, 19:30 Uhr
Lit.COLOGNE, Schauspiel Köln Depot 1 (Schanzenstraße 6-20, 51063 Köln)

HAMBURG
Dienstag, 17. März, 19:30 Uhr
Literaturhaus (Schwanenwik 38, 22087 Hamburg)

HANNOVER
Mittwoch, 18. März, 20:00 Uhr
Literarischer Salon Hannover (Königsworther Platz 1, 30167 Hannover)

BERLIN
Donnerstag, 19. März, 19:00 Uhr
Dussmann – Das KulturKaufhaus (Friedrichstr.90, 10117 Berlin) (das bei seiner letzten Lesung übervoll war)

MÜNCHEN
Freitag, 29. Januar, 19:00 Uhr
Krimifestival, Amerika-Haus (Waldstraße 9, 82211 Herrsching am Ammersee

Ich bin gerade beim Lesen des Romans, der mit gut eintausend Seiten volumös geraten ist. Es dürfte, unabhängig vom Drucksatz (dafür ein Lob: er sieht sehr lesefreundlich aus), sein umfangreichster Roman sein. Also noch länger als die jeweils achthundertseitigen „Ein amerikanischer Thriller“, „Ein amerikanischer Albtraum“ und „Blut will fließen“. Die waren, weil Ellroy in seiner „Underworld USA“-Trilogie die Marotte hatte, seitenlang aus Zeitungsberichten, Aktennotizen und Protokollen zu zitieren und seine Sätze auf möglichst wenige Worte einzudampfen, fast unlesbar. Dass er gleichzeitig das Bild einer großen Verschwörung, in der alle irgendwie beteiligt sind und alles miteinander zusammenhängt, entwarf, half nicht. Stattdessen hatte ich oft den Eindruck, dass er eine Best-of populärer Agententhriller, Privatdetektiv- und Polizeiromane, versetzt mit populären Verschwörungstheorien und exzessivem Name-Dropping, schrieb, in der, weil die Handlung sich über mehrere Jahre quer über den Globus bewegte (halt überall, wo die CIA mitmischte) und keinen erzählerischen Fokus mehr hatte. Jedenfalls keinen Fokus, der auf eine nachvollziehbare Geschichte gerichtet war. Stattdessen ging es ihm eher um das Bild und das Gefühl einer allumfassenden Verschwörung.
Dagegen ist der erste Eindruck von seinem neuen Roman „Perfidia“ schon einmal positiv. James Ellroy kehrt zurück nach Los Angeles. Der Roman spielt in einer begrenzten Zeit (6. – 29. Dezember 1941) und James Ellroy schreibt, endlich wieder ganze Sätze. Ja! James ELLROY schreibt! Gaaaanze Sätze!!!
Er verzichtet auch, wie ein kurzes Blättern im Buch zeigt, auf Zeitungsberichte und Aktennotizen. Es gibt nur viele Ausschnitte aus dem Tagebuch von Kay Lake.
Auch die Geschichte beginnt gut: Eine japanische Familie wird tot aufgefunden. Anfangs ist unklar, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Der japanischstämmige, extrem intelligente Hideo Ashida findet schon am Tatort genug Hinweise für einen Mord, um Ermittlungen zu initieren. Als die Japaner Pearl Harbor überfallen, wird aus dem banalen Mordfall ein politisch wichtiger Mordfall, der unbedingt mit der Überführung des richtigen Täters (vulgo eines Japaners) aufgeklärt werden soll.

Aber dann – ich bin jetzt auf Seite 379 und meine Leselust ist inzwischen nicht mehr besonders groß – beginnt James Ellroy ein breites, ungeheuer detailreiches Panorama von Los Angeles nach Pearl Harbor zu entwerfen. Die Mordermittlung bewegt sich nicht mehr wirklich voran. Stattdessen geht es, in einem Gestrüpp von kaum miteinander zusammenhängenden Handlungssträngen, um Korruption in der Polizei. Politische Intrigen. Den Kampf gegen die Kommunisten. Die Angst vor den Japanern. Und natürlich alle möglichen fünften Kolonnen, die als Kämpfer versuchten, möglichst unerkannt im Feindesland zu leben und Sabotage zu betreiben.
Und ungefähr jede zweite Seite werden ein, zwei Knochen gebrochen, was uns – immerhin sind die Knochenbrecher immer Polizisten – sicher einiges über Polizeibrutalität verraten soll, aber nach dem ersten Dutzend gebrochener Arme nur noch langweilt.
Das liest sich immer mehr wie eine Neuauflage von „L. A. Confidential“. Nur schlechter und länger.
Insofern ist die Ankündigung von James Ellroy, dass „Perfidia“ der Auftakt zu einem zweiten „L. A. Quartett“ werden soll, das zeitlich vor dem bekannten „L. A. Quartett“ („Die schwarze Dahlie“, „Blutschatten“, „L. A. Confidential“ und „White Jazz“) spielt und in dem viele aus diesen Romanen bekannte Charaktere wieder auftauchen, fast wie eine Drohung.
Aber vielleicht braucht Ellroy auch nur einen guten Lektor, der beherzt dicke Schneisen in das erzählerische Gestrüpp schlägt und den Roman auf fünfhundert Seiten eindampft.

Ellroy - Perfidia - 4

James Ellroy: Perfidia
(übersetzt von Stephen Tree)
Ullstein, 2015
960 Seiten
25 Euro

Originalausgabe
Perfidia
Alfred A. Knopf, 2014

Hinweise

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

James Ellroy in der Kriminalakte


Kurzkritik: James Ellroy: Der Hilliker-Fluch

Februar 15, 2013

Ellroy - Der Hilliker-Fluch - 292

Dass „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ eine normale Biographie ist, kann man dem Buch nicht vorwerfen. Immerhin ist es von James Ellroy und er kann sich inszenieren. Außerdem lebte er in seinen düsteren Kriminalromanen voller Sex und Gewalt seine Obsessionen schon breit aus. In Interviews verhehlte er nie, wie wichtig für ihn der Tod seiner Mutter Jean Hilliker war. Sie wurde 1958 ermordet. Der Mord wurde nie aufgeklärt und auch als James Ellroy sich Jahrzehnte später auf die Suche nach dem Täter machte, fand er ihn nicht. Er schrieb darüber „Die Rothaarige – Die Suche nach dem Mörder meiner Mutter“ (My dark places, 1996).

In „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ erzählt er von seiner Jugend, seinem dysfunktionalem Elternhaus, wie er als kleiner Spanner durch die Vorgärten schlich und wie er später in jeder Frau seine Mutter, die Wahre und Eine, suchte.

Ich habe fünf Jahrzehnte mit der Suche nach einer bestimmten Frau zugebracht, um einen Mythos zu zerstören. Der Mythos war selbstgeschaffen und willkürlich definiert. Ich habe ihm eine Geschichte aufgezwungen, um mein eigenes Überleben zu sicher. Sie erforderte Schuld, um den Kummer zu unterdrücken und meine verrückte Leidenschaft zu rechtfertigen. Der Fluch war ein halber Segen. Ich habe ganz gut damit gelebt.

Damit mich die Frauen lieben.

Dabei entsteht, anhand seiner teilweise langjährigen Beziehungen zu verschiedenen Frauen, so etwas wie ein Biographie, die, gerade weil James Ellroy dabei am allerschlechtesten wegkommt, durchaus ungeschönt und nah an der Wahrheit sein dürfte.

Der Hilliker-Fluch“ ist natürlich in erster Linie ein Buch für den James-Ellroy-Fan und nachdem er in seinen letzten Büchern immer knapper und unlesbarer schrieb, kehrt er jetzt wieder zu einem normalen Satzbau zurück und demontiert sich zuerst gründlich, nur um sich als „der größte Krimiautor, der je gelebt hat“ (Ellroy in seiner üblichen Bescheidenheit) doch wieder aufzubauen. Denn natürlich ist Ellroy auch als von Selbstzweifeln geplagter Spanner und Schürzenjäger der Größte.

Gerade dieser Zwiespalt, verbunden mit einem wohldosiertem Blick hinter die Kulissen, macht den „Hilliker-Fluch“ allerdings auch so lesenswert.

James Ellroy: Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2012

256 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

The Hilliker Curse – My Pursuit of Women

Alfred A. Knopf Inc., New York 2010

Hinweise

James Ellroy stellt „Der Hilliker-Fluch“ vor (Teil 1, Teil 2, Teil 3 – die normale Verlinkung klappt im Moment nicht)

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung „Rampart – Cop außer Kontrolle“ (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Unterwelt-Trilogie

James Ellroy in der Kriminalakte

Dieses Cover ist noch retroer und gefällt mir daher entsprechend gut

Ellroy - The Hilliker Curse


DVD-Kritik: „Rampart“ – mit Woody Harrelson und nach einem Drehbuch von James Ellroy

August 15, 2012

Für „Rampart“ hat Oren Moverman, der Regisseur des allgemein abgefeierten Dramas „The Messenger – Die letzte Nachricht“ (unter anderem der Silberner Bär für das Drehbuch auf der Berlinale, eine Golden-Globe- und zwei Oscar-Nominierungen), neben den „The Messenger“-Hauptdarstellern Woody Harrelson und Ben Foster, eine beeindruckende Schauspielerriege versammelt: Sigourney Weaver, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon (ähem „Sex & the City“), Steve Buscemi (leider nur in einer Szene), Ice Cube, Ned Beatty (zuletzt „In the electric Mist“ und „The Killer inside me“) und, eher unbekannter, Jon Bernthal („The Walking Dead“) und sie heben mit ihrem Spiel das Drama über einen selbstgerechten Streifenpolizisten als Charakterstudie eines Mannes am Abgrund auf ein sehr hohes Level.

Die 1999 in Los Angeles, kurz nach dem titelgebenden Rampart-Skandal, bei dem polizeiinterne Korruption und andere Verbrechen von Polizisten bekannt und anschließend kräftig im Los Angeles Police Department aufgeräumt wurde, spielende, kaum vorhandene Geschichte zerflettert dagegen in unzähligen Subplots aus dem Leben des Streifenpolizisten Dave Brown (Woody Harrelson), in denen es um einen gewalttätigen, auf Video dokumentierten Einsatz von ihm, seine seltsame Beziehung zu seinen beiden Ex-Frauen, die auch Schwestern sind, und zu seinen Kindern, sein unermüdlicher Sextrieb, sein überbordender Drogenkonsum, den Mord an einem Dieb, seine Freundschaft zu seinem mit allen Wassern gewaschenen Mentor und die Ermittlungen eines internen Ermittlers gegen ihn geht. Nach gut zwei Stunden endet der Film so offen, dass er wie eine Skizze über einen Mann, der sich immer mehr in Schuld und Paranoia verstrickt, wirkt.

Woody Harrelson hält diesen Film zusammen und als erstklassig besetzte Charakterstudie überzeugt „Rampart“, der eindeutig vom US-amerikanischen New Hollywood der siebziger Jahre, als der „Taxi Driver“ und „Der Pate“ das Publikum mit komplexen und wenig vorbildlichen Charakteren konfrontierte, und dem europäischen Kino inspiriert ist.

Weil Moverman in seinem Film die Geschichte eines selbstverschuldeten Abstiegs erzählt, der von Harrelson gespielte Officer Dave Brown keinen eindeutigen Antagonisten hat (eher schon eine Handvoll Antagonisten, die sich gegenseitig neutralisieren und teilweise auch keine klassischen Antagonisten sind) und Polizeikorruption und Polizeigewalt nur nebenbei gestreift werden, ist dieses Cop-Drama auch ungleich schwächer als die Cop-Thriller „Dark Blue“ und „Street Kings“, die letztendlich auch vor dem Hintergrund des Rampart-Skandals spielten, bei denen James Ellroy als Ideenlieferant und Drehbuchautor involviert war und in denen im Film (vor allem wenn man die Vorgeschichte in der Entwicklungshölle kennt) erstaunlich viel von Ellroys Themen und Obsessionen enthalten ist. In „Rampart“ ist dagegen eher wenig James Ellroy enthalten, was auch daran liegen kann, dass während der Dreharbeiten der Fokus stärker auf Officer Dave Brown gelegt wurde, während Ellroys ursprüngliches Skript einen stärkeren Fokus auf den Rampart-Skandal hatte.

Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“, in dem James Ellroy sich dennoch sehr zufrieden mit der Verfilmung zeigt, es gibt Interviewschnipsel mit Woody Harrelson, Ben Foster, Robin Wright, Brie Larson und Oren Moverman und einen kleinen Zusammenschnitt der besten Sprüche des von Woody Harrelson gespielten Officer Dave Brown. Das ist ein informativ unauffälliges Paket, in dem immer wieder Hauptdarsteller Woody Harrelson, das Drehbuch von James Ellroy und Oren Moverman und Regisseur Oren Moverman, der seinen Schauspielern viel Raum für Improvisationen gibt, gelobt wird.

Rampart – Cop außer Kontrolle (Rampart, USA 2011)

Regie: Oren Moverman

Drehbuch: James Ellroy, Oren Moverman

mit Woody Harrelson, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon, Steve Buscemi, Ice Cube, Sigourney Weaver, Ben Foster, Ned Beatty, Jon Bernthal, Brie Larson

DVD

Ascot Elite

Bild: 1:,35 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Sh*t Dave Brown says, Interviews mit Cast und Crew, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Wendecover

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Metacritic über „Rampart“

Rotten Tomatoes über „Rampart“

Wikipedia über „Rampart“

Meine Besprechung von James Ellroys Unterwelt-Trilogie

James Ellroy in der Kriminalakte

Einige Worte von Oren Moverman und Woody Harrelson

 


Zehn Fragen an James Ellroy

März 14, 2011

James Ellroy beantwortet zehn Fragen von Time-Lesern.


James Ellroys Herr der Ringe: die „Underworld USA“-Trilogie

März 25, 2010

Erschöpfung.

Und Erleichterung.

Das sind die Gefühle, die sich nach der kompletten Lektüre von James Ellroys Unterwelt-Trilogie einstellen. Denn die Lektüre von „Ein amerikanischer Thriller“, „Ein amerikanischer Alptraum“ und „Blut will fließen“ in einem Rutsch ist weniger eine aufregende Reise durch fünfzehn Jahre US-amerikanischer Geschichte, als viel mehr ein ermüdender Boxkampf der irgendwann in ein stupides Catchen ausartet, bei dem man nur noch auf den erlösenden Gong wartet.

Aber James Ellroys Underworld-Trilogie sollte wahrscheinlich nicht als Roman gelesen werden. Vor allem nicht als Roman, der sich an die normalen Konventionen mit unterscheidbaren Haupt- und Subplots und unterscheidbaren Haupt- und Nebencharakteren hält. Sie sollte eher wie eine TV-Serie, die zwischen 1958 und 1972 spielt, genossen werden, in der viele Handlungsstränge, mehr oder weniger gleichzeitig, mehr oder weniger miteinander verknüpft, parallel ablaufen und am Ende des Buches, wie am Ende einer Staffel, ein Cliffhanger ist. Denn die nächste Staffel soll auch gesehen, der nächste Roman gelesen, werden.

So endet „Ein amerikanischer Thriller“ wenige Minuten vor der Ermordung von John F. Kennedy und „Ein amerikanischer Alptraum“ beginnt wenige Minuten nach der Ermordung von John F. Kennedy. Der Roman endet mit dem Tod von Martin Luther King und Bobby Kennedy.

Blut will fließen“ endet mit dem Tod von J. Edgar Hoover; – einem der ganz wenigen Charaktere, die in allen drei Büchern mitspielen. Insofern ist die Trilogie auch eine Chronik der letzten fünfzehn Jahre von Hoover, seiner zunehmenden Paranoia, seinem körperlichem Verfall und dem Verfall seiner Welt.

Ellroy lässt, neben Hoover, viele Personen der Zeitgeschichte auftreten und erzählt die Geschichte dieser Jahre in zahlreichen Episoden aus der Perspektive von einigen Troubleshootern, die zwischen den Fronten hin- und herspringen, Doppel-Doppelspiele (manchmal auch Doppel-Doppel-Doppelspiele) treiben und anscheinend in jedes wichtige Ereignis dieser Jahre irgendwie involviert sind. Auf die immerwährende Solidarität eines Charakters ist kein Verlass und letztendlich ist jeder Charakter ersetzbar.

Außerdem, auch das erinnert an TV-Serien mit einer folgenüberspannenden Geschichte (wie „24“ „The Shield“ und „The Sopranos“), entwickelt sich der Hauptplot teilweise im Hintergrund, während einzelne Episoden (die man manchmal auch ohne Verlust für die gesamte Erzählung in den Papierkorb hätte werfen können) die Aufmerksamkeit wachhalten.

In „Ein amerikanischer Thriller“ ist der Hauptplot der Aufstieg von John F. Kennedy als beliebter Senator und Kandidat für die Präsidentschaft bis zu zu seiner Ermordung.

In „Ein amerikanischer Alptraum“ ist der rote Faden der Wunsch von Howard Hughes die Casinos von Las Vegas zu kaufen.

In „Blut will fließen“ ist die sehr lose erzählerische Klammer die Jagd nach den Räubern, die bei einem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter mehrere Millionen Dollar und wertvolle Smaragde erbeuteten.

Abgesehen von diesem „Hauptplot“ (Ja, auch darüber kann gestritten werden.) sind alle drei Bände ähnlich aufgebaut. Es gibt mehrere Handlungsstränge, viele Episoden, die die wichtigen Charaktere zu allen wichtigen und weniger wichtigen Orten der US-amerikanischen Politik führen, unglaublich kleinteilige Schilderungen von bestimmten Komplotten und im letzten Drittel (fast so, als sei Ellroy der Gedanke kommen, dass er jetzt langsam zum Schluss kommen müsse und er dafür die verschiedenen losen Fäden irgendwie miteinander verknüpfen muss [aber das kann nicht stimmen, weil Ellroy sagt, er plane seine Romane genau und er erstelle unglaublich detaillierte Exposés, in die er später vor allem die Dialoge einfüge) gibt es dann plötzlich den Plan, eine wichtige Person zu ermorden (John F. Kennedy, Bobby Kennedy, Martin Luther King, J. Edgar Hoover).

Und immer wieder werden wichtige Charaktere sehr lieblos in einem Halbsatz oder zwischen zwei Kapiteln ermordet.

Im ersten Band der Trilogie ermüdet, wie auch in den beiden Folgebänden, die oft unglaubliche kleinteilige Erzählweise, die immer wieder von Schlagzeilen und zusammenfassenden Berichten unterbrochen wird. Denn bei vielen Szenen ist ihre mögliche Bedeutung für die weitere Handlung unklar.

Der zweite Band ist mit seinen Stummelsätzen und den ständigen Zeitsprüngen einfach unlesbar. Denn alle zwei Zeilen stockt der Lesefluss, aber dafür steigt die Bewunderung für den Übersetzer, der zwischen dem ständigen „sagte“ und „sagt“ nicht den Überblick verlor.

Im dritten Band hat Ellroy diesen „Fehler“ (O-Ton Ellroy) berichtigt. Die Sätze sind jetzt wieder länger und es wird, wie schon „Ein amerikanischer Thriller“, wieder fast durchgängig im Imperfekt erzählt.

Aber ein richtiger Lesefluss entsteht immer noch nicht. Denn man muss ja immer noch die verschiedenen Handlungsstränge verfolgen und sich öfters durch ein halbes Kapitel lesen, bis endlich deutlich wird, welche Charaktere in der Szene auftreten. Denn Ellroys Hauptcharaktere unterscheiden sich bis auf ihr Alter kaum voneinander und er beginnt ein Kapitel gerne, indem er die Namen der in der Szene auftretenden Charaktere zunächst verschweigt und einfach mit einem unpersönlichen „er“ beginnt, bei dem nur sicher ist, dass dieser „er“ nicht der „er“ des vorherigen Kapitels ist.

Bei „Blut will fließen“ wäre, noch stärker als in den ersten beiden Bänden, ein Beschränken auf ein, zwei Hauptplots besser gewesen. Denn neben dem Überfall auf den Geldtransporter, der „Operation Bööööser Bruder“, der aufstrebenden Hippie-Bewegung, den Hinterhöfen der US-amerikanischen Politik, dem Plan der Mafia, in der Dominikanischen Republik Kasinos zu bauen, gibt es auf den gut achthundert Seiten noch einige Plots, die die Aufmerksamkeit beanspruchen und den Wunsch wecken, sich während des Lesens eine Grafik, mit den auftretenden Personen und ihren möglichen Beziehungen zueinander, zu erstellen.

So ist die Unterwelt-Trilogie ein Epos mit vielen Charakteren, die etwas besinnungslos durch die auf den ersten Blick labyrinthische, auf den zweiten Blick sehr banale Geschichte stolpern.

Dabei kann James Ellroy es, wie er in „L. A. Confidential“ zeigte, besser.

Underworld USA

James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 1998

768 Seiten

10,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Hoffmann und Campe, 1996

Originalausgabe

James Ellroy: American Tabloid

Alfred A. Knopf, New York 1995


James Ellroy: Ein amerikanischer Alptraum

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2003

848 Seiten

10,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2001

Originalausgabe

The Cold Six Thousand

Alfred A. Knopf, New York 2001


James Ellroy: Blut will fließen

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2010

784 Seiten

24,90 Euro

Originalausgabe

Blood’s a rover

Alfred A. Knopf, New York 2009

Hinweise

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über James Ellroy

Englische James-Ellroy-Fanseite

Noch eine James-Ellroy-Fanseite

James Ellroy in der Kriminalakte


Kleinkram mit Stieg Larsson, Sue Grafton, Peter Straub, Stefan Arndt, Walton Goggins, Robert Rodriguez, James Ellroy und einem Rückblick auf die TV-Serien des Jahrzehnts

Dezember 22, 2009

Stieg Larsson

Die Verfilmung seines zweiten Romans „Verdammnis“ startet am 4. Februar 2010. Die Besprechung gibt’s zum Filmstart. Den Trailer jetzt:

Ali Karim sich in London die erste Larsson-Verfilmung „Verblendung“ angesehen:

You can put me down right now as saying, the Swedish film version of The Girl with the Dragon Tattoo is going to be a “sleeper hit” in 2010. Even at 2.5 hours in length, the movie seemed to jet by. Afterward, the buzz was overwhelmingly enthusiastic. The only thing we all agreed upon was that the level of violence in this picture was disturbing.

Die Filmrechte für eine amerikanische Version der Romane von Stieg Larsson sind an Sony verkauft. Scott Rudin soll produzieren und Steve Zaillian das Drehbuch schreiben. Ich bin zwar skeptisch, ob Larssons Geschichte auch in den USA funktioniert (jedenfalls gehe ich davon aus, dass die Story in die USA verlegt wird), aber bei der Sjöwall/Wahlöö-Verfilmung „Massenmord in San Fanzisco“ (nach ihrem Roman „Endstation für neun“), mit Walter Matthau in der Hauptrolle, hat es ja prächtig funktioniert.

Sarah Weinman porträtiert Sue Grafton (A is for Alibi, B is for Burglar, C is for…).

Tom Piccirilli unterhält sich mit Peter Straub.

Die Süddeutsche unterhält sich mit X-Filme-Gründer Stefan Arndt (zuletzt Michael Hanekes „Das weiße Band“).

Peter Mühlbauer blickt bei Telepolis auf das Jahrzehnt der Serien zurück. Im ersten Teil „The Wire“, „Rome“, „The Shield“, „House MD“ und „Jericho“; im zweiten „Dexter“, „Drawn Together“, „American Dad“, „24“ und „Aqua Teen Hunger Force“.

Apropos „The Shield“: Walton Goggins (er spielte Detective Shane Vendrell und war Mitglied in Vic Mackeys Strike Team) erzählt Steve Weintraub (Collider), was er vom Ende der grandiosen Cop-Show hält und was seine künftigen Pläne sind.

Robert Rodriguez verrät Steve Weintraub (Collider) einiges über „Sin City 2“ und „Machete“.

Im neuen „Rolling Stone“ gibt es ein vierseitiges Interview von Sean Wood mit James Ellroy. Lesenswert, aber leider nur offline.


James Ellroy besucht Deutschland

November 4, 2009

Zum Erscheinen der deutschen Ausgabe von seinem neuen Roman „Blood's A Rover“ (Blut will fließen) besucht James Ellroy Deutschland. Bis jetzt stehen diese Lesungen fest: 
München
Montag, 25. Januar, 20.00 Uhr 
Literaturhaus
Salvatorplatz 1, 80333 München
- 
Hamburg
Dienstag, 26. Januar, 20.00 Uhr 
Literaturhaus
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
-
Köln
Mittwoch , 27. Januar, 20.00 Uhr 
Literaturhaus
Schönhauser Str. 8, 50968 Köln
-
Stuttgart
Donnerstag, 28. Januar, 20.00 Uhr 
Literaturhaus
Breitscheidstr. 4, 70174 Stuttgart
-
Matthias Brandt wird aus der Übersetzung vorlesen und Claudius Seidl wird durch den Abend führen. Soweit das bei James Ellroy möglich ist.
-
Ich hoffe ja noch auf einen Termin in Berlin. Sonst...
-Blood's A Rover“ ist der langerwartete Abschluss seiner „Underworld U. S. A.“-Trilogie. Die vorherigen Teile waren „Ein amerikanischer Thriller“ (American Tabloid, 1995) und „Ein amerikanischer Albtraum“ (Cold Six Thousand, 2001) – und wenn die Meldungen aus den Staaten stimmen, dann ist „Blood's A Rover“ erstens verdammt gut und zweitens sollten „Ein amerikanischer Thriller“ und „Ein amerikanischer Albtraum“ unbedingt vorher (zum Beispiel über die Weihnachtstage) gelesen werden. 

Kleinkram: James Ellroy, Colin Harrison und Jerome Charyn reden; Charlie Huston und Stuart MacBride schreiben; Pelham 123: Original oder Remake?; Level 26

Juni 15, 2009

Sarah Weinmann unterhält sich mit Colin Harrison und James Ellroy.

Ist zwar ein etwas seltsames Gespräch, weil sie die Beiden abwechselnd fragt/fragen muss. Aber Ellroy ist schon eine Type – und das halbstündige Video wird nur kurze Zeit kostenlos online sein.

Dieses Problem gibt es bei diesem Clip nicht. James Ellroy erzählt The Bat Segundo Show von seiner Facebook-Seite:

Jerome Charyn erzählt…

Ebenfalls sehenswert!

Charlie Huston meldet: der letzte Joe-Pitt-Roman ist geschrieben und er sagt, an welchen Projekten er im Moment arbeitet.

Stuart MacBride denkt über die Vor- und Nachteile eines Seriencharakters nach.

Bei Slashfilm vergleicht David Chen die alte und die neue Version von „The Taking of Pelham 123“. Nach seiner Meinung ist das Original besser

Level 26: Wer möchte, kann sich für die erste Lieferung von Anthony E. Zuikers („C. S. I.“-Franchise) neuem Projekt „Level 26“ eintragen. Es ist „the first ever interactive digi-novel“. Mal sehen/hören/lesen, wie es ist. Denn erst ab dem 23. Juli geht’s wirklich los.


Charlie Stross über Ideen; Allison Brennan übers Verkaufen, James Ellroy über den ganzen Rest

April 30, 2009

S-F-Autor Charlie Stross beantwortet die 100.000-Dollar-Frage „Wie kommst du zu deinen Ideen?“:

Generating ideas isn’t some mystical talent that you have to be born with: it’s a skill you can develop. The first step is to throw your net far and wide, and see what comes back to you. I spend a couple of hours every day skimming news sources (most of them on the web, this century) (…)

But grabbing tidbits from the zeitgeist is only the first step. The second step is to try to fit them together in new and interesting patterns. This is free-form brainstorming, and it’s something I tend to do at the pub, when I’m not busy drinking beer.

Dann erzählt er uns von einer neuen Idee, die er kürzlich hatte und wie sie weiterentwickelt werden könnte und schließt mit der für alle, die Angst vor Ideenklau haben, desillusionierenden Bemerkung:

Ideas, hah. The real challenge in this line of work is being able to weed the productive ones from the chaff, to decide which you’re going to spend the next six to nine months turning into something that people will pay for.

Krimiautorin Allison Brennan hat sich eine Gedanken über das Verkaufen von Büchern und wie wichtig die schriftstellerische Qualität dabei ist, gemacht:

The story has to resonate in some way for readers to pick up the next book and the next book. The story has to deliver on the story promise.

If it’s a romance, it has to have a happily ever after.

If it’s a mystery, the crime has to be solved.

If it’s horror, it has to be scary.

If it’s comedy, it has to be funny.

James Ellroy hat hier anscheinend einen grandiosen Auftritt hingelegt.  Die schlechte Nachricht ist, dass er noch (?) nicht online zum Beispiel bei YouTube ist. die gute Nachricht ist, dass sein neues Buch „Blood’s a rover“ für den 22. September angekündigt ist.


TV-Tipp für den 19. März: Durch die Nacht mit James Ellroy und Bruce Wagner; James Ellroy: „American Dog“

März 19, 2009

Arte, 00.00 (VPS 00.05)

Durch die Nacht mit… (USA 2008, R.: Hasko Baumann)

Drehbuch: Hasko Baumann

James Ellroy und Bruce Wagner (einige Romane, Regie und die Drehbücher zu „A Nightmare on Elm Street 3“ und „Wild Palms“) zeigen sich gegenseitig ihre Stadt Los Angeles.

Über James Ellroy muss hier ja nichts gesagt werden. Außer, dass – endlich! – für den 22. September sein neuer Roman „Blood’s a Rover“ angekündigt ist.

Wiederholungen

Sonntag, 29. März, 05.00 Uhr (Taggenau!

Samstag, 4. April, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Arte, 00.50 (VPS 01.00)

James Ellroy: „American Dog” (F 2005, R.: Clara Kuperberg, Robert Kuperberg)

Drehbuch: Clara Kuperberg, Robert Kuperberg

Okaye Doku über den Thrillerautor. Im Mittelpunkt stehen seine Nachforschungen zum Mord an seiner Mutter, die er später auch in dem Roman „Die Rothaarige“ (1997) verarbeitete, und dem Mord an der „Schwarzen Dahlie“ Betty Short. Das aktuelle Schaffen von Ellroy und sein Werk neben diesen beiden Büchern werden in der Doku sträflich ignoriert.

Wiederholungen

Samstag, 21. März, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Sonntag, 5. April, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die Sendungen

Wikipedia über James Ellroy

James-Ellroy-Fanseite

Wikipedia über Bruce Wagner


Mark Millars neue Werke „Jupiter’s Circle“ und „The Magic Order“

September 11, 2019

Im August 2017 kaufte Netflix Mark Millars Comiclabel Millarworld. Seitdem darf Netflix die meisten bei Millarworld bereits veröffentlichten Geschichten verfilmen und auch anderweitig weiterverwenden. Bis auf „Kick-Ass“ und „Kingsman“. Außerdem präsentiert Millar seine künftigen Ideen zuerst Netflix. Einige dieser Ideen darf er zuerst als Comic veröffentlichen.

The Magic Order“ ist das erste Werk, das er unter dem neuen Vertrag veröffentlichte und die Absicht, die Geschichte als Vorlage für eine TV-Serie zu nehmen, ist ihm überdeutlich anzusehen. Auch wenn Millar bei den Werken, über die er die kreative Kontrolle hat, schon immer, und ziemlich oft erfolgreich, auf eine Verfilmung spekulierte.

Im Mittelpunkt von „The Magic Order“ steht die Familie Moonstone. Sie sind Zauberer, die mit ihren magischen Kräften unsere Welt vor Monstern und sonstigem Unheil beschützen. Wie jede Familie hat sie Ärger mit ihren Kindern, die nicht das Familienerbe übernehmen wollen. Eine Tochter ist drogensüchtig. Ein Sohn hat die Zauberei zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Trotzdem sind die Moonstones die Vorsitzenden des Magischen Ordens.

Aber jetzt hat Madame Albany, die die Macht über den Orden übernehmen will, einen Zaubererkiller entfesselt, der auch die besten Magier tötet.

Doch bevor dieser Kampf wirklich beginnt, vergeht viel Zeit, in der Millar die Moonstone-Großfamilie und die anderen Zauberer und ihre fantastische, neben und in der uns bekannten Welt existierenden Welt, vorstellt.

Das liest sich, dank Millars Humor und Ideenreichtum beim Ausmalen der Welt des magischen Ordens, vergnüglich, aber auch immer wie die Pilotfolge einer TV-Serie, in der uns erst einmal alle Charaktere vorgestellt werden. Diese Serie soll es auch geben und James Wan soll die Pilotfolge inszenieren.

Im Januar 2019 kündigte Millar bereits eine Comicfortsetzung von „The Magic Order“ an.

Jupiter’s Circle“ erschien bereits 2015/2016. Panini veröffentliche jetzt die gesamte Vorgeschichte zu „Jupiter’s Legacy“ in einem eigenständig zu lesendem Band. Bereits 2016 wurde mit der Entwicklung einer Verfilmung der Saga begonnen. 2018 sagte Netflix, es habe eine Verfilmung von „Jupiter’s Legacy“ in Auftrag gegeben.

In „Jupiter’s Circle“ erzählen Millar und die Zeichner Wilfedo Torres, Davide Gianfelice (bei einigen Heften) und Chris Sprouse (ein Heft), wie die Superhelden Utopian (Sheldon Sampson), Lady Liberty (seine Frau Grace), Brainwave (sein Bruder Sampson), Skyfox (George Hutchence), Blue-Bolt (Richard Conrad) und Flare (Familienvater Fitz), die 1932 auf einer Insel erstaunliche Kräfte erhielten, als Union of Justice für eine bessere Welt kämpften. Ihre wahre Identität kennt die Öffentlichkeit, wie es sich für Superhelden gehört, nicht.

Millars epische Neuerzählung der US-Nachkriegsgeschichte beginnt 1959 und erstreckt sich über die nächsten Jahre. Die Superhelden stehen dabei auch vor der Frage, wofür sie ihre Kräfte einsetzen und wie sehr sie dabei mit der US-Regierung zusammenarbeiten. Immerhin sind die USA die Guten.

FBI-Chef J. Edgar Hoover will allerdings ihre Identität wissen und schreckt dabei auch vor Erpressung nicht zurück.

Und die Alternativkultur stellt das Selbstbild der USA in Frage.

Damit stehen die Mitglieder der Union of Justice, individuell und als Kollektiv, vor der Frage, für welche Weltanschauung sie ihre Kräfte einsetzen. Diese Frage, die zuletzt auch in den „Avengers“-Filmen behandelt wurde, behandelt Millar vor dem Hintergrund der sechziger Jahre, als in Superheldencomics darüber noch nicht gesprochen wurde.

Wie „The Magic Order“ ist „Jupiter’s Circle“ nicht schlecht, aber die gut dreihundert Seiten umfassende Geschichte kann nie verleugnen, dass sie mit ihren vielen Charakteren und damit verbundenen Plots und Subplots primär eine Ideensammlung für eine künftige Serien ist. Millar konzentriert sich in beiden Büchern mehr auf einzelne Episoden, die Beziehung der Familienmitglieder und ihres nahen Umfelds zueinander und das Ornamentale. Da ist dann eine einzelne Episode wichtiger als das große ganze und gerade bei „Jupiter’s Circle“ wird von Episode zu Episode gesprungen, ohne dass ersichtlich wird, was der zentrale Konflikt ist und auf welches Finale das alles zusteuert. Das hat dann schon fast James Ellroysche Dimensionen, der in seinen umfangreichen Romanen die Geschichte der USA neu erzählt. Ohne Superhelden, aber mit vielen Verschwörungen und einer Melange aus erfundenen und realen Charakteren.

Mark Millar/Olivier Coipel: The Magic Order

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

180 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

The Magic Order # 1 – 6

Millarworld/Image, 2018/2019

Mark Millar/Wilfredo Torres: Jupiter’s Circle

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

300 Seiten

29 Euro

Originalausgabe

Jupiter’s Circle # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015

Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015/2016

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)


TV-Tipp für den 3. August: Dark Blue

August 2, 2019

Servus TV, 22.15

Dark Blue (Dark Blue, USA 2002)

Regie: Ron Shelton

Drehbuch: David Ayer

LV: James Ellroy (Originalstory)

April 1992: Während Los Angeles sich in den letzten Tagen vor dem Urteil im Rodney-King-Prozess langsam zu einem Pulverfass entwickelt, muss der korrupte Polizist Eldon Perry mit seinem jungen Partner Bobby Keough einen Vierfach-Mord in einem koreanischen Geschäft aufklären.

„Dark Blue“ ist einer der besten Cop-Thriller der nuller Jahre. Das Buch stellt Fragen nach Schuld und Sühne, individueller Verantwortung und wie Verbrechen bekämpft werden sollen. Die Schauspieler agieren fantastisch. Die Kamera ist immer bei ihnen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen.

James Ellroys Anteil war dabei relativ klein. Er schrieb in den frühen Neunzigern das Drehbuch „The Plague Season“, das vor dem Hintergrund der 1965er Watts-Unruhen spielte. In den folgenden Jahren wurde es entwickelt (So nennen Filmproduzenten ein ständiges Herumschreiben an einem Buch. Nicht immer unbedingt zum Vorteil des Buches.) und letztendlich von „Training Day“-Autor David Ayer umgeschrieben. Anscheinend überlebte wenig bis nichts von Ellroys ursprünglichem, nicht veröffentlichtem Skript. Trotzdem enthält „Dark Blue“ etliche Ellroy-Themen und der Polizeithriller ist ein extrem düsterer Spielfilm.

Das Los Angeles Police Department hat eine lange Geschichte von Polizeiskandalen. Nach dem Rodney-King-Skandal kam es in den späten Neunzigern zum Rampart-Skandal. Im Bezirk Rampart wurden Polizisten der Elite-Einheit CRASH, um Drogenhändler zu bekämpfen, selbst zu Verbrechern. Der Rampart-Skandal löste eine große Umgestaltung des LAPD aus.

Filmischen Widerhall fand Rampart unter anderem in „Training Day“ und der grandiosen Polizeiserie „The Shield“ (bei uns vor allem grandios gefloppt).

Mit Kurt Russell, Scott Speedman, Ving Rhames, Brendan Gleeson, Lolita Davidovich

Wiederholung: Sonntag, 4. August, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dark Blue“

Wikipedia über „Dark Blue“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy zum siebzigsten Geburtstag

James Ellroy in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Was ist „Under the Silver Lake“?

Dezember 10, 2018

Sam ist ein archetypischer Slacker: er schlurft durch Los Angeles, verbringt viel Zeit in seinem Apartment, aus dem er demnächst wegen ausstehender Mietzahlungen fliegen könnte, und er beobachtet seine Nachbarn. Zum Beispiel die vollbusige Hippie-Braut, die gerne unbekleidet durch ihre Wohnung streift. Sam ist zwar schon über Dreißig, aber er lebt das Leben eines zwanzigjährigen College-Studenten.

Eines Tages lädt ihn die neue Nachbarin Sarah in ihr Apartment ein. Sie haben Sex. Sam verliebt sich in die gutaussehende Nachbarin. Am nächsten Tag ist sie spurlos verschwunden. In der leergeräumten Wohnung findet Sam ein Zeichen und einen Schuhkarton mit Erinnerungsstücken. Er vermutet ein großes Verbrechen und eine noch größere Verschwörung. Er beginnt sie zu suchen und taucht dabei tief in die Mythologie von Los Angeles und unzählige Verschwörungstheorien, die auch in dem titelgebenden Comic angesprochen werden, ein. Er will herausfinden, was „Under the Silver Lake“ ist und, wie jeder gutsortierte Verschwörungstheoretiker hat er die obskursten Comics, Werbung, Karten und jahrzehntealte Cornflakes-Packungen in seinem Apartment.

Under the Silver Lake“ ist der neue Film von David Robert Mitchell. Sein vorheriger Film, der ungewöhnliche Horrorfilm „It follows“, wurde von der Horrorfilmgemeinde und Kritikern euphorisch aufgenommen. Aktuell schwankt seine Bewertung zwischen Kultfilm und künftigem Klassiker. Nach dem auch kommerziellem Erfolg des Horrorfilms ließen die Produzenten Mitchell bei seinem neuen Werk anscheinend freie Hand. Mitchell nutzte sie, um als Filmfan einen Film für andere Filmfans zu inszenieren, die sich gegenseitig erklären können, welche Filme in welcher Sekunde zitiert werden. Es dürfte schwer fallen, mehr als fünf zusammenhängende Filmminuten zu finden, in denen es keinen Verweis auf andere Filme gibt.

Der Neo-Noir ist allerdings auch ein Film, der mit hundertvierzig Minuten deutlich zu lang geraten ist und dem die ordnende Hand eines Produzenten fehlt. „Under the Silver Lake“ wirkt wie ein im jugendlichen Überschwang geschriebenes Drehbuch, in das einfach alles hineingestopft wurde, was einem wichtig ist. Gleichzeitig wirkt der in der Gegenwart spielende Film (bzw. nach den im Film gezeigten TV-Nachrichten 2011) wie ein Drehbuch aus den neunziger Jahren, das mit einigen Handys, Drohnen und Laptops aktualisiert wurde. Damit positioniert sich Mitchells Werk zwischen Slacker-Komödien, „The Big Lebowski“, „Lost Highway“, „Mulholland Drive“, „Maps to the Stars“ (Cronenbergs Hollywood-Portrait mit Geistern) und, obwohl in den siebziger Jahren spielend, „Inherent Vice – Natürliche Mängel“. Alle diese Komödien und Noirs sind deutlich gelungener, weil sie immer etwas über die Entstehungszeit des Films und, wenn der Film in einer anderen Zeit (oder einer anderen Welt) spielt, über diese Zeit und wie wir sie heute sehen, aussagen.

Mitchels sehr stilbewusste Neo-Noir-Komödie erzählt nichts über die Gegenwart, sondern er wirkt wie ein Film aus den Neunzigern, den damals niemand im Kino sah. Das gesamte System an Referenzen verweist noch weiter in die Vergangenheit: ein wenig siebziger Jahre Freizügigkeit (für einen US-Film gibt es viel nackte Haut) und die vierziger und fünfziger Jahre, mit Anspielungen auf den Film Noir, Alfred Hitchcock und Marilyn Monroe. Und wer will, kann mühelos noch etwas „L. A. Confidential“ James Ellroy entdecken, ehe der Film eine Abbiegung zur Underground-Comickultur nimmt.

Under the Silver Lake“ ist eine Zitatsammlung, die letztendlich nie über die Form eines durchaus sympathischen zwanzig Jahre alten Zettelkastens hinauskommt.

Under the Silver Lake (Under the Silver Lake, USA 2018)

Regie: David Robert Mitchell

Drehbuch: David Robert Mitchell

mit Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace, Callie Hernandez, Don McMandus, Jeremy Bobb, Riki Lindholme Zosia Mamet, Jimmi Simpson, Grace van Patten

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Under the Silver Lake“

Metacritic über „Under the Silver Lake“

Rotten Tomatoes über „Under the Silver Lake“

Wikipedia über „Under the Silver Lake“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Robert Mitchells „It Follows“ (It Follows, USA 2014)


TV-Tipp für den 21. Juni: Street Kings

Juni 20, 2018

Kabel 1, 23.10

Street Kings (Street Kings, USA 2008)

Regie: David Ayer

Drehbuch: James Ellroy, Kurt Wimmer, Jamie Moss

LV: James Ellroy: Watchman/The night Watchman (Originalgeschichte)

Die Story klingt nach einem typischen Ellroy – oder dem typischen Cop-Thriller der Marke „Korrupter Cop sitzt in der Scheiße; entdeckt, (Überraschung!) dass die Polizei korrupt ist und stellt sich auf die Seite der Guten“. Denken Sie nur an die Ellroy-Verfilmung „Dark Blue“ (für die Ayer das Drehbuch schrieb), ersetzen Kurt Russell durch Keanu Reeves, lassen den Rookie Scott Speedman weg und wir haben den nächsten düsteren, bleihaltigen LA-Copthriller.

Ellroys Story ist eine nicht veröffentlichte Originalgeschichte und sollte bereits vor Jahren als „Watchman“ oder auch „The night Watchman“ verfilmt werden. David Fincher, Spike Lee und Oliver Stone waren als Regisseure im Gespräch. Für den Film wurde Ellroys Drehbuch dann von mehreren Autoren (zwei schafften es in die Credits, aber Ayer soll und John Ridley hat vor Jahren an dem Drehbuch gearbeitet) bearbeitet.

Mit Keanu Reeves, Forest Whitaker, Hugh Laurie, Chris Evans, Martha Higareda, Cedric the Entertainer, Amaury Nolasco

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Street Kings“

Wikipedia über „Street Kings“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy zum siebzigsten Geburtstag

James Ellroy in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Ayers „End of Watch“ (End of Watch, USA 2012)

Meine Besprechung von David Ayers “Sabotage” (Sabotage, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Herz aus Stahl“ (Fury, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Suicide Squad“ (Suicide Squad, USA 2016)


Cover der Woche

Februar 27, 2018

Weil James Ellroy am Sonntag einen runden Geburtstag feiert.


TV-Tipp für den 12. März: L. A. Confidential

März 11, 2017

Arte, 20.15

L.A. Confidential (USA 1997, Regie: Curtis Hanson)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)

Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.

Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.

Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe. Den Edgar gab es natürlich ebenfalls.

mit Kevin Spacey, Russell Crowe, Guy Pearce, James Cromwell, Kim Basinger, Danny DeVito, David Strathairn, Ron Rifkin, Paul Guilfoyle, Simon Baker

Wiederholung: Dienstag, 14. März, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „L. A. Confidential“

Wikipedia über „L. A. Confidential“ (deutsch, englisch)

SPLICEDwire: Interview mit James Ellroy zu “L. A. Confidential” (1997)

Drehbuch „L. A. Confidential“ von Brian Helgeland

Homepage von James Ellroy

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. März: L. A. Confidential

März 9, 2016

Kabel 1, 22.40

L.A. Confidential (USA 1997, Regie: Curtis Hanson)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)

Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.

Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.

Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe. Den Edgar gab es natürlich ebenfalls.

mit Kevin Spacey, Russell Crowe, Guy Pearce, James Cromwell, Kim Basinger, Danny DeVito, David Strathairn, Ron Rifkin, Paul Guilfoyle, Simon Baker

Wiederholung: Freitag, 11. März, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

SPLICEDwire: Interview mit James Ellroy zu “L. A. Confidential” (1997)

Drehbuch „L. A. Confidential“ von Brian Helgeland

Homepage von James Ellroy

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy in der Kriminalakte


Die Krimi-Zeit-Jahresbestenliste 2015

Dezember 21, 2015

Noch rechtzeitig vor dem Panik-Weihnachtsbuchkauf (weil ja niemand ahnen konnte, dass Heiligabend dieses Jahr am 24. Dezember ist) hat die KrimiZeit ihre Jahresbestenliste veröffentlicht:
1 Merle Kröger: Havarie (Ariadne bei Argument, 256 S., 15,00 €)
2 Friedrich Ani: Der namenlose Tag (Suhrkamp, 302 S., 19,95 €)
3 Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil (Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 S., 19,99 €)
4 James Lee Burke: Glut und Asche (Aus dem Englischen von Daniel Müller. Heyne, 696 S., 17,99 €)
5 William McIlvanney: Fremde Treue (Aus dem Englischen von Conny Lösch. Kunstmann, 352 S., 19,95 €)
6 Antonio Ortuño: Die Verbrannten (Aus dem Spanischen von Nora Haller. Kunstmann, 256 S., 19,95 €)
7 Carol O’Connell: Kreidemädchen (Aus dem Englischen von Judith Schwaab. btb, 541 S., 9,99 €)
8 Richard Price: Die Unantastbaren (Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. S. Fischer, 432 S., 24,99 €)
9 Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht (Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel. Unionsverlag, 524 S., 19,95 €)
10 James Ellroy: Perfidia (Aus dem Englischen von Stephen Tree. Ullstein, 956 S., 25,00 €)

Es sind natürlich keine wirklich großen Überraschungen drauf, weil auf die Jahresbestenliste nur Krimis kommen können, die schon auf einer der monatlichen Bestenlisten waren und man sich nach der Beliebtheit in den vergangenen Monaten denken kann, wer in die Jahresbestenliste kommt.

Sollte mich auch an meine Top/Flop-Listen setzen, in denen „Perfidia“ nicht auftauchen wird, weil ich den Tausendseiter nicht fertig gelesen habe.


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