Eine „Fatale“ Begegnung, erdacht von Jean-Patrick Manchette, gezeichnet von Max Cabanes

April 7, 2015

Bis dahin
Plakat Fete Manchette
kann man
Cabanes - Manchette - Fatale - 4
lesen.

Aimée ist vielleicht nicht die erste literarische Killerin, aber sicher immer noch eine der ungewöhnlichsten und die von Neopolar-Autor Jean-Patrick Manchette erfundene Männermörderin ist untrennbar mit den Siebzigern und dem damaligen revolutionärem Geist verbunden. Dabei ist Aimée keine Systemgegnerin. Sie bringt halt nur in verschiedenen typisch französischen Orten Mitglieder der Oberschicht um. Denn überall gibt es ein Arschloch, das den Tod verdient hat. Nachdem sie in der Provinz einen Jagdunfall inszenierte („Die anderen Jäger vernahmen das fröhliche Knallen von drei Schüssen.“), reist sie weiter in das Hafenstädtchen Bléville und beginnt ihr nächstes Opfer zu suchen.
Als Jean-Patrick Manchette die erste Idee für „Fatale“ hatte, sprach er mit Regisseur Claude Chabrol darüber und Chabrol ermutigte ihn, ein Drehbuch zu schreiben, das er verfilmen wollte. Bereits 1974 verfilmte Chabrol „Nada“ und diese fast unbekannte Manchette-Verfilmung wird von den Manchette-Fans geschätzt. Aus dem Film wurde nichts, aber mit seinen Inspecteur-Lavardin-Filmen drehte er einige Filme über einen Polizisten, der ähnlich nachhaltig und rücksichtslos wie Aimée in der Provinz aufräumt.
Denn in seinem 1977 erschienen Noir „Fatale“ lässt Manchette eine Killerin auf das Provinz-Bürgertum los, während ein Baron etwas revolutionäre Kapitalismuskritik äußern darf, und Aimée die dunklen Geschäfte und Geheimnisse der Honoratioren erfährt. Dabei überlegt sie, wer von ihnen für seine Schandtaten den Tod verdient hat. Allein das macht schon Spaß. Dass Aimée auch noch eine gutaussehende junge Frau ist, vergrößert das Lesevergnügen nur noch.
Jetzt übertrugen Manchette-Sohn Doug Headline und Comiczeichner Max Cabanes, nachdem sie bereits Manchettes posthum erschienenen Roman „Blutprinzessin“ als Comic adaptierten, Manchettes neunten Roman (von elf) in ein neues Medium und folgen dabei der Vorlage genau. Allerdings kommt die Wandlung der eiskalten Killerin zur zögernden Frau etwas zu überraschend. Aimées wenigstens teilweise Läuterung ist dann auch weniger in der Geschichte, sondern in den damaligen Konventionen begründet ist. Denn wohin kämen wir, wenn Femme Fatale ohne jedes Schuldbewusstsein und mit einem Koffer voller Geld einfach entkommen könnte?
Cabanes‘ Bilder erinnern dabei an die bekannt-beliebten klassischen französischen Kriminalfilme aus den sechziger und siebziger Jahren,

Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headline: Fatale
(übersetzt von Resel Rebiersch)
schreiber & leser, 2014
136 Seiten
24,80 Euro

Originalausgabe
Fatale
Dupuis, 2014

Die Vorlage

Manchette - Fatale

Jean-Patrick Manchette: Fatale
(übersetzt von Christina Mansfeld)
Distel Literaturverlag, 2001
152 Seiten

Deutsche Distel-Erstausgabe unter dem Titel „Fatal“.

Originalausgabe
Fatale
Éditions Gallimard, 1977

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes “Portrait in Noir” (2014)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte

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Jean-Patrick Manchette spielt Wilder Westen in „Der Mann mit der roten Kugel“

August 5, 2011

Jean-Patrick-Manchette-Fans haben lange auf die schon lange, mehr oder weniger laut angekündigte Übersetzung von „Der Mann mit der roten Kugel“ gewartet. Denn bis jetzt war diese zusammen mit Barth Jules Sussman geschriebene Geschichte des Doyen des Néo-Polar nicht ins Deutsche übersetzt worden. Weder bei Ullstein, noch bei Bastei-Lübbe, die in den Achtzigern und Neunzigern, fast alle Werke des am 3. Januar 1995 verstorbenen Autors veröffentlichten. Erst jetzt hat der Distel Literaturverlag das im Rahmen seiner Manchette-Werkausgabe erledigt und es ist auch offensichtlich, warum das Werk nicht früher übersetzt wurde. Denn „Der Mann mit der roten Kugel“ ist ein Western – und Western passen nun mal nicht in eine Krimireihe. Außerdem hatte der Western, wie ein Blick auf die wenigen damals existierenden und inzwischen eingestellten Western-Reihen in den Verlagen zeigt, in Deutschland nie einen leichten Stand.

Dass dieser Western dann noch die Romanfassung eines Films war, erhöhte das Interesse der Verlage nicht. Denn ein Roman zum Film erscheint zum Filmstart und hat, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, eine sehr kurze Halbwertzeit.

Aber es kommt noch schlimmer: „Der Mann mit der roten Kugel“ ist der Roman zu einem nicht existierendem Film. Denn Drehbuchautor Barth Jules Sussman hatte damals die Romanrechte an die Éditions Gallimard verkauft. Er hoffte, dass nach dem Erscheinen des Romans auch ein Film gedreht werden würde.

Robert Soulat, der stellvertretende Leiter der Série Noire, fragte Jean-Patrick Manchette, der damals gerade „Die Affäre N’Gustro“ und „Lasst die Kadaver bräunen!“ (mit Jean-Pierre Bastid) veröffentlicht hatte, ob er eine Romanfassung des Drehbuchs, das damals bald verfilmt werden sollte, schreiben wolle. Immerhin hatte Manchette als Pierre Duchesne bereits Romanfassungen von Filmen wie „Sacco & Vanzetti“ geschrieben. Der Western-Fan Manchette sagte zu und, auch wenn er von dem Drehbuch nicht begeistert war („Es ist ziemlich unbefriedigend, alles ist Maskerade, die Brutalität, die Grobheit – der Einfluss des italienischen Westerns ist deutlich spürbar. Aber es ist dennoch gut verwendbar.“), schrieb er zwischen Januar und März 1972 die Romanfassung. Dabei hielt er sich selbstverständlich an die von Sussman im Drehbuch erfundene Geschichte, die sich kaum von den meisten, damals populären Italo-Western unterschied.

Der Häftling Greene soll mit anderen Häftlingen 1871 in Texas auf der Plantage von Potts Baumwolle pflücken. Greene überzeugt den Oberaufseher Pruitt, dass er an 3.000 Dollar, die er bei einem Banküberfall erbeutet hat, kommen kann. Pruitt hilft Greene bei der Flucht. Aber als er dann die Beute haben will, sagt Greene, dass er ihn belogen habe, schießt ihm in den Fuß und haut ab.

Später wird er, nach einem Besuch bei einer Prostituierten, wieder festgenommen und zurück zur Farm gebracht – und mehr soll nicht verraten werden.

Der Mann mit der roten Kugel“ ist eher ein Nebenwerk von Jean-Patrick Manchette, aber für Komplettisten und Western-Fans, den so groß ist bei uns die Auswahl an neuen Western ja nicht und da erfreut dann auch ein durchwachsenes Werk, natürlich essentiell. Wer Jean-Patrick Manchette noch nicht kennt, sollte allerdings besser mit seinen Kriminalromanen anfangen.

Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussman: Der Mann mit der roten Kugel

(mit einem Vorwort von seinem Sohn Doug Headline und einem Nachwort von Barth Jules Sussman)

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2011

204 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

L’homme au boulet rouge

Éditions Gallimard, Paris 1972

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


Tito Topin meint „Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter“

Mai 15, 2019

In naher Zukunft wurde Frankreich zu einem Gottesstaat, weil – und diese unglaubwürdige Prämisse muss man einfach akzeptieren – die monotheistischen Religionen sich gegen die Ungläubigen zusammenschlossen. Zuerst gab es Umerziehungslager. Aber als auch in ihnen nicht alle Gottlosen bekehrt werden konnten, begannen die religiösen Regierungen die Atheisten zu verfolgen. Inzwischen gibt es nur noch wenige Zufluchtsorte.

Der Journalist Boris hat es sich mit den neuen Machthabern gründlich verscherzt, weil er in einer Reportage einen Bischof der Pädophilie beschuldigt hat. Auf seiner Flucht von Frankreich nach Spanien nimmt er, zur Tarnung, die schwangere Anissa mit.

Später stoßen noch seine Ex-Freundin Soledad, bei der sie kurz untertauchen konnten, und der alte Bankräuber Pablo, dessen Auto sie klauen, zu ihnen.

Dieses Quartett wird von der Polizistin Gladys Le Querrec, einer anderen Ex-Freundin von Boris, und Abdelmalec Chaambi, einem von den religiösen Oberhäuptern beauftragten Killer, nach Lissabon verfolgt.

Mit Fluchtgeschichten hat Tito Topin seine Erfahrung. Er wurde 1932 in Casablanca geboren, emigrierte nach Brasilien, kehrte 1962 zurück und zog 1966 nach Paris. Dort arbeitete er als Illustrator und Autor. Sein erster Kriminalroman erschien 1982 bei Gallimard in der Série Noire. Damit dürfte schon klar sein, wo seine literarischen Vorbilder zu suchen sind. Er schrieb auch Drehbücher, vor allem für TV-Filme und Serien, und er erfand die TV-Serie „Navarro“ (Kommissar Navarro). In Frankreich ein langlebiger Hit. In Deutschland wurden in den Neunzigern einige Folgen von ProSieben gezeigt und von kabel eins wiederholt.

Er schrieb auch den Noir „Exodus aus Libyen“ (Libyan Exodus, 2013) über eine während des Bürgerkriegs auf ihrer Flucht aus dem nordafrikanischen Staat zusammengewürfelte Gruppe.

Sein neuester Roman „Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter“ variiert auf den ersten Blick diese Geschichte. Mit einem anderen Ziel der Flucht. Seine Figuren stammen aus der gut etablierten Welt des Polar, der französischen Version des US-amerikanischen Hardboiled-Krimis und des Film Noir. Sie wirken daher auch etwas aus der Zeit gefallen. Das ist nämlich näher bei Ross Thomas und Jean-Patrick Manchette, als bei der Gegenwart.

Und die Idee eines katholischen Gottesstaates ist angesichts der rapide schwindenden Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen doch etwas utopisch.

Das gesagt, ist „Tanzt! Sing!“ ein flott zu lesender Polar, der wohlige Erinnerungen an die Zeiten weckt, als harte Männer böse Dinge taten, lässig noch bösere Bösewichter besiegten und selbstverständlich jede Frau bekamen. Es sind die flott geschriebenen pulpigen Abenteuergeschichten der sechziger, siebziger und auch noch achtziger Jahre, die man heute noch vereinzelt in Antiquariaten findet und die eine wunderschön-entspannte Retro-Lektüre sind.

Außerdem ist Tito Topin inzwischen in dem Alter, in dem von einem Künstler nicht mehr jugendliche Revolten, sondern ein gesittetes Alterswerk erwartet wird. Ein Buch halt, das noch einmal alle Themen der vorherigen Werke quasi archivarisch bündelt, während der Held an Altersgebrechen leidet und sich an seine Vergangenheit erinnert. So ein sentimentaler Schmonz interessiert Topin nicht. Sein Roman ist wie ein Punksong; auch von der Länge. Sein Held ist Mitte Dreißig. Sein Kampfgeist ist ungebrochen. Denn sein Leben liegt noch vor ihm. Und das will er nicht in einem Gottesstaat verbringen.

Tito Topin: Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2018

192 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

L’exil des mécréants

SL Publications, Paris, 2017

Hinweise

Homepage von Tito Topin

Distel Literaturverlag über Tito Topin

Wikipedia über Tito Topin

Perlentaucher über Tito Topin

Meine Besprechung von Tito Topins „Exodus aus Libyen“ (Libyan Exodus, 2013)

Meine Besprechung von Tito Topins „Fieber in Casablanca“ (55 de fièvre, 1983)


TV-Tipp für den 18. März: Killer stellen sich nicht vor

März 18, 2018

Arte, 21.45

Killer stellen sich nicht vor (Trois hommes à abattre, Frankreich 1980)

Regie: Jacques Deray

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Als Spieler Gerfaut einen der schwer verletzten Angestellten an einer Straße entdeckt, bringt er ihn in ein Krankenhaus und setzt sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Wiederholung: Freitag, 30. März, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Killer stellen sich nicht vor“ (deutsch, englisch, französisch) und Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Distel Literaturverlag über Jean-Patrick Manchette

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes “Portrait in Noir” (2014)

Meine Besprechung von Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headlines “Fatale” (Fatale, 2014)

Meine Besprechung von Piere Morels Jean-Patrick-Manchette-Verfilmung „The Gunman“ (The Gunman, Großbritannien/Frankreich/Spanien 2015)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 22. Februar: Rette deine Haut, Killer/Der Schocker – Der Preis für ein Leben

Februar 22, 2016

Arte, 20.15
Rette deine Haut, Killer (Frankreich 1981, Regie: Alain Delon)
Drehbuch: Alain Delon, Christopher Frank
LV: Jean-Patrick Manchette: Que d´os, 1976 (Knüppeldick)
Bei der Suche nach einem vermissten blinden Mädchen stößt ein Privatdetektiv in ein Wespennest.
Mit stark reduzierten Erwartungen gerade noch genießbarer Film. Delon folgt in seinem Regiedebüt fast sklavisch genau Manchettes Handlung. Aber die Handlung war bei Manchette nie das wichtigste.
Heute wird anscheinend die Originalfassung gezeigt. Die deutsche Fassung ist um mindestens zehn Minuten gekürzt (hier der Schnittbericht).
Mit Alain Delon, Anne Parillaud, Michel Auclair, Daniel Ceccaldi, Jean-Pierre Darras

Wiederholung: Freitag, 4. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über“Rette eine Haut, Killer“ (deutsch, englisch, französisch) und  Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes “Portrait in Noir” (2014)

Meine Besprechung von Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headlines “Fatale” (Fatale, 2014)

Meine Besprechung von Piere Morels Jean-Patrick-Manchette-Verfilmung „The Gunman“ (The Gunman, Großbritannien/Frankreich/Spanien 2015)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


Arte, 22.00
Der Schocker – Der Preis für ein Leben (Frankreich/Italien 1972, Regie: Alain Jessua)
Drehbuch: Alain Jessua
Hélène Masson (Annie Girardot) begibt sich zur Verjüngungskur in die Privatklinik von Dr. Devilers (Alain Delon). Sie verliebt sich in ihn, entdeckt das Geheimnis seiner Verjüngungskur und gerät in Lebensgefahr.
Einer der wenigen bemerkenswerten Filme in Delons Spätwerk (also dem gesamten Post-Jean-Pierre-Melville-Werk), der heute endlich wieder (?) einmal (?) im TV läuft und bei uns nicht auf DVD veröffentlicht ist.
„Der ungemein spannende Film erhielt ausschließlich positive Kritiken, auch wenn Alain Delon in der Rolle des verrückten Wissenschaftlers manchen Rezensenten zu ‚playboyhaft‘ erschien.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms, 1985/1989)
mit Alain Delon, Annie Girardot, Michel Duchaussoy, Robert Hirsch, Jean-Francois Calvé

Wiederholungen
Freitag, 26. Februar, 16.05 Uhr (VPS 15.55)
Donnerstag, 3. März, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die kleine Alain-Delon-Reihe

Wikipedia über „Der Schocker“ (englisch, französisch)

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „The Gunman“ Sean Penn tötet Bösewichter

April 30, 2015

Die Fans von Noir-Autor Jean-Patrick Manchette, der in den Siebzigern einer der Erneuerer des französischen Kriminalromans war und dessen Néo-Polars sich immer noch verkaufen, sind in punkto Verfilmungen einiges an emotionalen Schmerzen gewohnt. Daher werden sie auch von der neuesten Manchette-Verfilmung „The Gunman“, trotz der guten Besetzung (Pierre Morel, Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Idris Elba) nichts erwarten. Was soll schon herauskommen, wenn ein über dreißig Jahre alter Kriminalroman in die Gegenwart verlegt wird und das Ganze auf den ersten Blick von der Luc-Besson-Fabrik produziert wird?
Nun, ausgehend von dieser Null-Erwartung haben die Macher von „The Gunman“ erstaunlich viel aus Jean-Patrick Manchettes Roman „Position: Anschlag liegend“ übernommen. Der Held heißt im Roman Martin Terrier, im Film Jim Terrier. Er arbeitet als Killer für eine „Firma“. Sein Vorgesetzer heißt im Buch und im Film Cox. Er will ihn beide Male umbringen; allerdings aus verschiedenen Motiven und zu verschiedenen Zeitpunkten. Terriers Freundin heißt im Buch und Film Annie. In sie ist er, beide Male, verliebt ist und er hat sie, beide Male, vor Jahren verlassen. Wobei die Gründe in Buch und Film verschieden sind. Jetzt treffen sie sich, im Buch und Film, wieder. Kurz darauf ist ihr Ehemann tot und sie sind, verfolgt von einer Horde mordgieriger Killer, auf der Flucht. Das sind schon einige Gemeinsamkeiten, die aber nichts daran ändern, dass die Filmemacher den über dreißig Jahre alten Thriller nicht gebraucht hätten. Denn es sind auch einige vollkommen austauschbare Thriller-Bausteine, die einfach zur „der Chef will seinen besten Mann umbringen“-Geschichte gehören. „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel verbindet sie hier zu einem in der Gegenwart spielendem touristischen Reisefilm der in Afrika beginnt und durch halb Europa führt.
Im Film verübt Jim Terrier (Sean Penn mit mehr Muskeln als Arnold Schwarzenegger und mehr Oben-ohne-Aufnahmen als ein Pornostar) im Kongo einen Anschlag auf einen wichtigen Minister. Danach taucht er unter. Sein Anschlag führt zu einem Bürgerkrieg, über den auch die westlichen Medien ausführlich berichten.
Acht Jahre später arbeitet Terrier, wieder in Afrika, als Wiedergutmachung für sein früheres Leben, für eine NGO. Als ein Anschlag auf den Killer im Ruhestand verübt wird, erfährt er, dass jemand ihn und das damalige Team wegen diesem acht Jahre zurückliegendem Auftrag umbringen will. Er macht sich auf den Weg nach Europa. Seine erste Station ist London. Dort trifft er seinen ehemaligen Vorgesetzten Mr. Cox (Mark Rylance), der ihm versichert, dass nur die damals Beteiligten wissen, wer in den Auftrag involviert war, dass auch er den Auftraggeber und dessen Motive nicht kenne und er ihm selbstverständlich helfen werde. Terrier will sich mit seinen alten Kameraden treffen, um sie zu warnen und um herauszufinden, wer sie jetzt umbringen will.
In Barcelona trifft er Felix (Javier Bardem), der damals der Verbindungsmann zwischen dem Mordkommando und dem Auftraggeber war. Felix ist inzwischen ein gut verdienender Geschäftsmann, der mit irgendwelchen lobenswerten Projekten den Afrikanern helfen will. Außerdem ist er mit Terriers damaliger Freundin Annie (Jasmine Trinca) verheiratet.
Kurz darauf ist Felix tot, sein Anwesen auf dem Land nach einem Schusswechsel ziemlich zerstört und Terrier ist mit seiner großen Liebe Annie auf der Flucht, die auch einen Abstecher nach Gibraltar beinhaltet.
Das Drehbuch ist von Don MacPherson („Mein Name ist Fleming, Ian Fleming“, das Spielfilm-Desaster „Mit Schirm, Charme und Melone“ und einer von mehreren Autoren bei dem Musical „Absolute Beginners“ [yeah, von 1986, mit David Bowie]), Pete Travis (der wahrscheinlich irgendwann auch die Regie übernehmen sollte. Denn es ist sein erstes Drehbuch. Er inszenierte „8 Blickwinkel“ und „Dredd“.) und Sean Penn, der auch einer der Produzenten ist.
Es gibt eine dick aufgetragene politische Botschaft, die hier als an die Geschichte angeklebte Message allerdings eher nervt und konträr zu Manchettes literarischem Programm steht. In seinen Romanen verband er nämlich immer gelungen einen linken, gesellschaftskritischen Politikansatz mit einer spannenden Geschichte.
In dem Film sind die politischen Hintergründe beliebige Versatzstücke, die man aus besseren Filmen kennt. Teilweise auch mit Sean Penn. Ich sage nur „Die Dolmetscherin“ und „Fair Game“, die eine klare Position hatten. Auch Sylvester Stallones „Rambo“-Filme, um ein konservatives Beispiel zu nennen, hatten eine klare politische Agenda, über die man sich streiten konnte. In „The Gunman“ sind dagegen einfach linke, liberale und konservative Botschaften und Analysen in der Hoffnung, dass es schon irgendwie sinnvoll ist, aneinandergeklatscht worden. Ist es nicht. Es ist einfach nur konfus.
Es gibt Söldner mit Gewissensbissen, angedeutete Komplotte und wirtschaftliche Interessen, die sogar in „Die Wildgänse kommen“ sinnvoller behandelt wurden. Herrje, verglichen mit „The Gunman“ erscheint der Söldnerwerbefilm „Die Wildgänse kommen“ sogar als tiefsinnige politische Analyse.
Genau so konfus wie die politische Botschaft ist die Story. Sie ist unnötig kompliziert und nebulös. Fast so, als habe man einfach aus mehreren Drehbüchern die besten Szenen zusammengefügt und sie dann dem aus der Luc-Besson-Filmschmiede kommendem Pierre Morel mit dem Auftrag, sie möglichst schön zu bebildern, gegeben. Er inszenierte „The Gunman“ für Silver Pictures (jau, es ist keine Besson-Produktion) ruhig, fast schon im Stil eines Siebziger-Jahre-Krimis, mit einigen Actionszenen, die sich auf Faustkämpfe und Schusswechsel konzentrieren.
„The Gunman“ ist eine weitere enttäuschende Manchette-Verfilmungen. Das austauschbare Killer-on-the-run-B-Picture punktet zwar mit einer hochkarätigen, aber auch hoffnungslos unterforderten Besetzung und schönen Landschaftsaufnahmen.

The Gunman - Plakat

The Gunman (The Gunman, Großbritannien/Frankreich/Spanien 2015)
Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Don MacPherson, Pete Travis, Sean Penn
LV: Jean-Patrick Manchette: La position du tireur couché, 1981 (Die Position des schlafenden Tigers; Position: Anschlag liegend)
mit Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Mark Rylance, Jasmine Trinca, Idris Elba, Melanie Matthews, Blanca Star Olivera, Jorge Leon Martinez
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die lesenswerte Vorlage

Manchette - Position Anschlag liegend

Jean-Patrick Manchette: Position: Anschlag liegend
(übersetzt von Stefan Linster)
Distel Literaturverlag, 2003
192 Seiten
12,80 Euro

Deutsche Erstausgabe
Die Position des schlafenden Tigers
Bastei Lübbe, 1989

Originalausgabe
La position du tireur couché
Éditions Gallimard, 1981

Frühere Verfilmung
Der Schock (Le Choc, Frankreich 1982)
Regie: Robin Davis
Drehbuch: Alain Delon, Robin Davis, Dominique Robelet, Claude Veillot
mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Philippe Léotard, Stéphane Audran

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Gunman“
Moviepilot über „The Gunman“
Metacritic über „The Gunman“
Rotten Tomatoes über „The Gunman“
Wikipedia über „The Gunman“

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes “Portrait in Noir” (2014)

Meine Besprechung von Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headlines „Fatale“ (Fatale, 2014)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


Ohne Manschetten zu Manchette – Eine Lesung, ein Gespräch und einige Filmausschnitte

März 25, 2015

Plakat Fete Manchette

Für Fans und Kenner des französischen Krimanlromans ist Jean-Patrick Manchette (19. Dezember 1942 – 3. Juni 1995) einer der stilprägenden Köpfe des Neopolar, der knapp gesagt, in den Siebzigern den US-amerikanischen Hardboiled-Krimi nach Frankreich übertrug und ihn mit dem sozial- und gesellschaftskritischem Geist der Achtundsechziger verband. In Frankreich waren seine Kriminalromane sehr erfolgreich. Er arbeitete auch als Journalist, unter anderem für „Charlie Hebdo“, und Übersetzer. Unter anderem übersetzte Romane von Donald E. Westlake, Robert Littell, Robert Bloch und Ross Thomas. Er schrieb mehrere Drehbücher und die meisten seiner Romane wurden verfilmt. Oft mit Alain Delon („Killer stellen sich nicht vor“, „Rette deine Haut, Killer“, „Der Schock“) und oft indem das politische und ästhetische Programm von Manchette ignoriert wurde zugunsten von Action, gerne von der reaktionären Sorte.
Auch die nächste Manchette-Verfilmung „The Gunman“ (von „96 Hours“-Regisseur Pierre Morel, mit Sean Penn), die auf seinem Roman „Die Position des schlafenden Killers/Position: Anschlag liegend“ (La Position du Tireur Couché, 1982) lose basiert und die am 30. April in unseren Kinos startet, scheint sich in die Reihe der vernachlässigbaren Manchette-Verfilmungen einzureihen. (Jedenfalls sind Martin Comparts Überlegungen zum von ihm noch nicht gesehenem Film und zu Jean-Patrick Manchette überaus lesenswert. Und er weiß schon, warum er nichts über die alten Manchette-Verfilmungen sagt.)
In Deutschland sind, dank der umfassenden Neuübersetzung des Distel Literaturverlags vor zehn, fünfzehn Jahren, alle seine Romane auf Deutsch erhältlich und wer sie noch nicht gelesen hat, sollte das möglichst schnell nachholen.
Mit dem Sammelband „Portrait in Noir“ legte der Alexander Verlag letztes Jahr mit einer lesenswerten Zusammenstellung von bislang auf Deutsch nicht erhältlichen kürzeren und weniger kurzen Texten nach.
Und bei Schreiber & Leser erschienen „Blutprinzessin“ und, kürzlich, „Fatale“. Beide Comics basieren auf den gleichnamigen Romanen von Manchette und sie wurden von Manchette-Sohn Doug Headline und Max Cabanes realisiert.
Diese Bücher können als Vorbereitung für die von den deutschen Manchette-Verlagen Alexander Verlag, Distel Literaturverlag, Schreiber & Leser und Edition Moderne (die auch zwei auf Romanen von Manchette basierende Comics veröffentlichte) organisierte „une fête pour manchette“ dienen.
Die Mischung aus Lesung, Gespräch mit Doug Headline und Filmausschnitten ist am Freitag, den 10. April, um 20.00 Uhr im Roten Salon (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin).

Manchette - Portrait in Noir - 2

Jean-Patrick Manchette: Portrait in Noir
(Herausgegeben von Doug Headline, mit einem Nachwort von Dominique Manotti)
(übersetzt von Leopold Federmair)
Alexander Verlag, 2014
256 Seiten
28 Euro

Cabanes - Manchette - Fatale - 2

Max Cabanes/Jean-Patrick Manchette/Doug Headline: Fatale
(übersetzt von Resel Rebiersch)
Schreiber & Leser, 2014
136 Seiten
24,80 Euro

Originalausgabe
Fatale
Dupuis, 2014

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans “Der Mann mit der roten Kugel” (L’homme au boulet rouge, 1972)

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchettes „Portrait in Noir“ (2014)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


Bücher, die man nicht lesen kann –

März 23, 2015

– jedenfalls nicht in einem Rutsch. Denn sie sind teils zu umfangreich, teils bestehend aus zu vielen kurzen Texten, die, wenn man zu viele von ihnen hintereinander liest, wie eine Schachtel Pralinen wirken: Übersättigung.


Das kann einem besonders leicht bei den in „Liebling, ich bin im Kino!“ gesammelten Filmkritiken von Michael Althen passieren. Am 12. Mai 2011 starb Althen mit 48 Jahren. Er schrieb für die Süddeutsche Zeitung, Tempo, Die Zeit und, zuletzt, die Frankfurter Allgemeinene Zeitung über Filme, Regisseure, Schauspieler und Schauspielerinnen.
In dem von Claudius Seidl herausgegebenem Buch sind Texte gesammelt, die Michael Althen in den verganenen Jahrzehnten schrieb und die neugierig auf die besprochenen Filme machen; was auch daran liegt, dass für „Liebling, ich bin im Kino!“ vor allem positive Besprechungen von anerkannt guten und bekannten Filmen, wie „Casino“, „Mystic River“, „Robocop“, „Eyes Wide Shut“, „Ben Hur“, „Der Totmacher“ und „Funny Games“, abgedruckt sind. Daher wird ein gestandener Cineast hier kaum Neues entdecken, sondern altes wieder entdecken. Und natürlich kann man einen Vergleich zwischen Althens damaligen Betrachtungen, die normalerweise zum Filmstart entstanden, und der heutigen Bewertung der Filme und Schauspieler, wie Tom Cruise (1989 porträtiert) und Clint Eastwood (1992 porträtiert), ziehen. Denn wer hätte 1989 oder 1992 gedacht, dass Tom Cruise und Clint Eastwood heute immer noch erfolgreich Filme machen und sie seitdem einige veritable Klassiker nachlegten?
Regisseur Tom Tykwer schrieb das Vorwort „Der Mann, der das Kino liebte“.
Althen - Liebling ich bin im Kino - 2
Michael Althen: Liebling, ich bin im Kino! – Texte über Filme, Schauspieler und Schauspielerinnen
(Herausgegeben von Claudius Seidl)
Blessing, 2014
352 Seiten
19,99 Euro

Hinweise
Homepage über Michael Althen (mit Filmkritiken,…)
Wikipedia über Michael Althen


Filmkritiken schrieb auch Jean-Patrick Manchette. Einige von ihnen sind in „Portrait in Noir“ abgedruckt. Neben mehreren Kurzgeschichten, einigen Selbstauskünften und dem Drehbuch „Irrungen und Zerfall der Todestanztruppe“, das sogar als „Les Petits-enfants d’Attila“ verfilmt wurde. Manchette war von dem Ergebnis, das mit seinem Drehbuch wohl nichts mehr zu tun hatte, nicht begeistert. Anscheinend sind auch alle Kopien des Films vernichtet.
Der von Doug Headline herausgegebene Sammelband richtet sich vor allem an die Manchette-Fans, die bereits alle seine Romane (Lesebefehl!) kennen und sich jetzt auch für seine Ausführungen zum Kriminalroman, seine Kurzgeschichten (die weniger als Geschichten, sondern eher als Skizzen für Romane oder formale Übungen funktionieren) und seine Filmkritiken, die er für „Charlie Hebdo“ (eine Zeitung, die man inzwischen bei uns nicht mehr vorstellen muss) schrieb, interessiert.
Manchette-Einsteiger sollten dann doch eher mit einem seiner Romane oder dem unlängst erschienem Comic „Fatale“ (Schreiber & Leser), der auf seinem Roman „Fatal“ (Fatale, 1977) basiert, beginnen.
Manchette - Portrait in Noir - 2
Jean-Patrick Manchette: Portrait in Noir
(Herausgegeben von Doug Headline, mit einem Nachwort von Dominique Manotti)
(übersetzt von Leopold Federmair)
Alexander Verlag, 2014
256 Seiten
28 Euro

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans „Der Mann mit der roten Kugel“ (L’homme au boulet rouge, 1972)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte

Bleiben wir beim Film. Das Wiener Filmmuseum veröffentlichte parallel zur Retrospektive, die vom 16. Oktober bis zum 30. November 2014 lief, den Sammelband „John Ford“. Er enthält die Essays „Passage durch Filme von John Ford – Vierter Teil“ (von Hartmut Bitomsky), „Das weiße Tuch am O. K. Corral“ (von Susanne Röckel) und „The Old Masters: John Ford, John Ford and John Ford“ (von Harry Tomicek), die ungefähr die Hälfte des reichhaltig bebilderten Buches ausmachen, und zu vielen seiner 124 Filme informative Textzusammenstellungen aus Interviews mit John Ford und mehr oder weniger neue Kritiken. In dem Buch werden so fast fünfzig Ford-Werke vorgestellt, die auch Teil der Retrospektive waren, und die einen Bogen von seinen Anfängen als Stummfilmregisseur bis zu seinem Alterswerk, von Klassikern bis hin zu unbekannten Filmen, spannen.
John Ford inszenierte, unter anderem, „Stagecoach“ (Ringo, Höllenfahrt nach Santa Fé), „Young Mr. Lincoln“ (Der junge Mr. Lincoln), „Fort Apache“ (Bis zum letzten Mann), „She wore a yellow Ribbon“ (Der Teufelshauptmann), „Rio Grande“ (Rio Grande), „The Searchers“ (Der schwarze Falke), „Two rode together“ (Zwei ritten zusammen), „The Man who shot Liberty Valance“ (Der Mann, der Liberty Valence erschoß) und „Cheyenne Autumn“ (Cheyenne).
Während Althens Kritiken zum Wiedersehen von einigen Filmklassikern einladen, lädt „John Ford“ zu einer persönlichen Werkschau des vor allem für seine Western bekannten Regisseurs ein.
Viennale - Retrospektive John Ford - 2
Österreichisches Filmmuseum/Viennale: John Ford
(herausgegeben von Astrid Johanna Ofner und Hans Hurch)
Schüren, 2014
248 Seiten
19,90 Euro

Hinweise
Rotten Tomatoes über John Ford
Wikipedia über John Ford (deutsch, englisch)


Auch in Berlin gibt es Retrospektiven. Zum Beispiel im Zeughauskino/Deutsches Historisches Museum. Dort lief im letzten Jahr eine Reihe von Filmen von Robert Siodmak (1900 – 1973), der zwar nicht so bekannt wie Fritz Lang (ein anderer deutscher Regisseur, der während der Hitler-Diktatur über Frankreich nach Hollywood flüchtete) ist. Aber auch er hat einige bekannte, sehenswerte und wichtige Filme inszeniert. Zum Beispiel „Menschen am Sonntag“ (1930), „Voruntersuchung“ (1931), „Phantom Lady“ (1944), „The dark Mirror“ (1946), „The Killers“ (1946), „Cry of the City“ (1948), „Criss Cross“ (1949), „The File on Thelma Jordan“ (1950) (ja, er ist einer der großen Noir-Regisseure), „Die Ratten“ (1955), „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957), „Der Schut“ (1964) und, sein letztes Werk, der Zweiteiler „Kampf um Rom“ (1968/1969).
In dem vom Deutschen Historischem Museum herausgegebenem Sammelband „Robert Siodmak“ sind, in überarbeiteter Form, acht Vorträge enthalten, die von Wolfgang Jacobsen, Chris Wahl, Frederik Lang, Karl Prümm, Ralph Eue, Lukas Foerster und Claudia Mehlinger begleitend zur Retrospektive zu einzelnen Filmen gehalten wurden. Deshalb konzentrieren sie sich auf Aspekte, die bei den Filmen wichtig waren. So geht es um die am Anfang des Tonfilms populären Sprachversionsfilme (bei denen für verschiedene Länder im gleichen Set verschiedene Fassungen des Films mit verschiedene Schauspielern gedreht wurden), die in Japan unlängst entdeckte Fassung von „Stürme der Leidenschaft“ (die mit den bekannten Fassungen verglichen wird), Siodmaks musikalische Komödie „La Crise est Finie!“ (Die Krise ist vorbei), „Cobra Woman“ (Die Schlangenpriesterin), „Christmas Holiday“ (Weihnachtsurlaub) und „Die Ratten“.
Und die während der Retrospektive gezeigten Filme werden knapp (jeweils so eine halbe Seite) vorgestellt.
Insgesamt richtet sich „Robert Siodmak“ eher an Cineasten, die gut damit leben können, dass das Buch sich eklektisch auf Nebenaspekte konzentriert. Aber vielleicht ist der lesenswerte Sammelband die Initialzündung für ein umfassendes Buch über Robert Siodmak.
Zeughauskino - Robert Siodmak - 2
Deutsches Historisches Museum (Hrsg.): Robert Siodmak
Schüren Verlag, 2015
112 Seiten
14,90 Euro

Hinweise
Rotten Tomatoes über Robert Siodmak
Wikipedia über Robert Siodmak (deutsch, englisch)
Filmportal über Robert Siodmak
Noir of the Week über Robert Siodmak

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Zeuge gesucht” (Phantom Lady, USA 1943)

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Der schwarze Spiegel” (The dark mirror, USA 1946)

Das Science Fiction Jahr 2014 - 2

Einige Filmkritiken gibt es auch im „Das Science-Fiction-Jahr 2014“. Neben den Filmkritiken gibt es auch Buch-, Comic-, Hörspiel- und Spielekritiken, verschiedene Marktübersichten, Preisträgerlisten, einige kürzere Nachrufe (unter anderem auf James Herbert, Tom Clancy, Doris Lessing, H. R. Giger und Jay Lake) und längere Texte zu verschiedenen Aspekten des Genres in all seinen Facetten. David Brin schreibt über verschiedene Zukunftsentwürfe, Gregory Benford über die intelligente Drahtloswelt von morgen, Ralf Reiter über den viel zu jung verstorbenen Science-Fiction- und Thrillerautor Iain Banks, John Kessel über die fatale Moralkonstruktion in Orson Scott Cards „Enders Spiel“, David Hughes über Pierre Boulles Roman „Planet der Affen“ und wie er zum Grundstein einer unendlichen Filmsaga wurde und David L. Ferro und Eric G. Swedin schreiben über eine Logik namens Internet und wie die 1946 erschienene Kurzgeschichte „A Logic named Joe“ (Ein Logic namens Joe) von Will F. Jenkins die digitalisierte Welt vorhersah. Peter Seyferth macht sich Gedanken über das utopische Gedankengut in neuen Science-Fiction-Werken.
Das ist, wie immer, eine gewohnt inspirierende und in jeder Beziehung grenzüberschreitende Lektüre.
Es ist – das ist die traurige Meldung – das letzte Science-Fiction-Jahrbuch, das im Heyne-Verlag erscheint. 1986 erschien das erste „Das Science Fiction Jahr“ und schon damals war es ein Liebhaberprojekt, das damals für ein Taschenbuch unverschämte 16,80 Deutsche Mark kostete. Im Vorwort des aktuellen Jahrbuch schreiben die Herausgeber Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, dass „Das Science Fiction Jahr 2014“ die letzte Ausgabe ist, die im Heyne-Verlag erscheint. Fast dreißig Jahre blieb der Verlag ihm, gegen alle Wahrscheinlicheit, verbunden. Denn billig oder besonders Hosentaschentauglich war das Buch nie. Und ein Bestseller sicher auch nie.
Die gute Meldung ist, dass schon in diesem Jahr der Golkonda-Verlag das Jahrbuch unter der Federführung von Hannes Riffel herausgeben wird und es beim bewährten Aufbau, also der Mischung aus wisschenschaftlichen Texten, Essays, Interviews, Hintergrundberichten zu Autoren und Filmen und Kritiken bleiben soll.

Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2014
Heyne, 2014
976 Seiten
36,99 Euro

Hinweise

“Die Zukunft” bloggt bei Heyne

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) “Das Science-Fiction-Jahr 2013″

Meine Besprechung von Sascha Mamczaks „Die Zukunft – Die Einführung“ (2014)

Bleiben wir in der zukünftigen Welt, gemischt mit einer ordentlichen Portion Horror: Bei Heyne erschien, zusammengestellt von Sascha Mamczak, der Sammelband „Ich muss schreien und habe keinen Mund“, der zwanzig Geschichten von Harlan Ellison enthält, die er zwischen 1965 und 1993 schrieb. Auch seine bekannteste Geschichte „Ein Junge und sein Hund“ (A Boy and his Dog, 1969) ist dabei. Sie wurde 1975 von L. Q. Jones als „A Boy and his Dog“ (Der Junge mit dem Hund; Der Junge und sein Hund; In der Gewalt der Unterirdischen) mit Don Johnson und Jason Robards verfilmt. Das ziemlich abgedrehte Werk gewann damals einen Hugo und hat Kultstatus.
Und so schön Kurzgeschichten auch sind, wahrscheinlich wird niemand fünf, sechs, sieben Kurzgeschichten hintereinander lesen. Sie sind eher der kleine Zwischenhappen, der in fremde Welten entführt. Mal mehr, mal weniger fantastisch, mal mehr, mal weniger gruselig und nie einem literarischem Experiment abgeneigt, was über die kurze Strecke besser funktioniert als über Romanlänge.
Ellison - Ich muss schreien und habe keinen Mund - 2
Harlan Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund – Erzählungen
(Herausgegeben und mit einem Vorwort von Sascha Mamczak)
Heyne, 2014
672 Seiten
18,99 Euro

Hinweise

Homepage von Harlan Ellison

YouTube-Kanal von Harlan Ellison

Wikipedia über Harlan Ellison (deutsch, englisch)


Natürlich ist auch das neue Buch „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ von Wiglaf Droste nicht in einem Stück lesbar. Auch wenn man die 250 Seiten locker an einem langen Abend lesen könnte. Aber das wäre dann wie das Fressen von einem halben Dutzend edler Pralinenpackungen.
Besser, man liest Drostes zwei- bis dreiseitigen Glossen und Betrachtungen über das moderne Leben in kleinen Dosen. Vielleicht eine pro Tag. Anstelle des Morgengebetes. Dann hat man mit dem Buch bis weit in den Sommer einen zuverlässigen Begleiter durch die Tiefen und Untiefen der deutschen Sprache und den Umgang mit ihr.
Droste - Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv - 2
Wiglaf Droste: Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv – Neue Sprachglossen
Goldmann, 2015
256 Seiten
8,99 Euro

Erstausgabe
Verlag Klaus Bittermann, 2013

Hinweise

Tourmanagement von Wiglaf Droste

Homepage von „Häuptling Eigener Herd“

Homepage von MDR Figaro

Wikipedia über Wiglaf Droste

Meine Besprechung von Wiglaf Drostes „Im Sparadies der Friseure“(2009/2010)

Meine Besprechung von Wiglaf Drostes „Sprichst du schon oder kommunizierst du schon? (2012/2013)


Lesefestival „Stadt Land Buch“ mit Krimimarathon

November 17, 2014

Beim alljährlichen Lesefestival „Stadt Land Buch“, das in Berlin und Brandenburg stattfindet, gab es in den vergangenen Jahren auch immer einige Lesungen für den geneigten Krimifans. Dieses Jahr, mit dem „Krimimarathon“ sind es mehr, viel mehr mörderische Lesungen, von denen einige auch schon ausverkauft sind.
Werfen wir also einen flüchtigen Blick in das mörderische Programm:

Dienstag, 18. November
Der 5. Krimimarathon Berlin-Brandenburg startet in der Hessischen Landesvertretung um 18.30 Uhr mit einer Lese-Show mit Dietrich Faber, der in die Rolle seines Romanermittlers Henning Bröhmann schlüpft. Teilnahme nur mit Voranmeldung bei info@krimimarathon.de
Um 20.00 Uhr liest Dietmar Bär im Berliner Kriminaltheater (Palisadenstraße 48, Friedrichshain) aus Walter Kirns „Blut will reden“ (C. H. Beck) über den falschen Rockefeller Clark Rockefeller, der in Wirklichkeit der Deutsche Christian Gerhartsreiter, ein Kidnapper und Mörder, war.

Mittwoch, 19. November
Um 19.00 Uhr gibt es in den Verlagsräumen des Alexander Verlages (Fredericastraße 8, Charlottenburg; Anmeldung unter presse@alexander-verlag.de) einen Empfang, bei dem Bücher aus dem Herbstprogramm vorgestellt werden. Wie die Essaysammlung „Portrait in Noir“ von Jean-Patrick Manchette.
Ebenfalls um 19.00 Uhr liest Ella Danz aus ihrem kulinarischen Kriminalroman „Unglückskeks“ (Gmeiner Verlag) im Club Culinaire (Otto-Suhr-Alle 94). Weil es gleichzeitig ein 3-Gänge-Menü vom Chefkoch des Le Piaf gibt, kostet dieser Abend 36 Euro pro Person.
Um 19.30 Uhr liest Vincent Klisch aus seinem Krimi „Bis in den Tod hinein“ (Blanvalet) in der Villa Kult (Hindenburgdamm 12, Lichterfelde).
Ebenfalls um 19.30 Uhr liest Thomas Knauf aus seinem Privatdetektiv-Krimi „Der Golem vom Prenzlauer Berg“ (be.bra.verlag) im Myer’s Hotel (Mether Straße 26, Prenzlauer Berg).
Zur gleichen Zeit liest Carlos Zanón im Instituto Cervantes (Rosenstraße 18, Mitte) aus seinem Kriminalroman „Die Hälfte von Allem“ (Nagel & Kimche).
Um 20.00 Uhr ruft Maxim Leo „Waidmannstod“ (Kiepenheuer & Witsch) in seinem Krimidebüt, in dem ein Kommissar im Brandenburgischen ermittelt und seine Mutter pflegt – im Buchladen Anagramm (Mehringdamm 50, Kreuzberg).

Donnerstag, 20. November
Um 19.00 Uhr liest Thomas Knauf aus seinem Privatdetektiv-Krimi „Mord hält jung“ (be.bra.verlag) in der Anna-Seghers-Bibliothek Lichtenberg (Prerower Platz 2, Neu-Hohenschönhausen). Es geht um eine Mordserie im Altersheim am Weinbergwerg.
Ebenfalls um 19.00 Uhr liest Connie Roters im Kulturring in Berlin/Kulturbund Treptow (Ernststraße 14/16, Treptow) aus „Tod in der Hasenheide“ (Emons Verlag) über das mörderische Neukölln und den Mord an einem Bundeswehrausbilder vor. Tja, das Soldatenhandwert ist halt mörderisch.
Mord und Essen scheint eine überzeugende Kombination zu sein. Denn wer nicht mit Gisa Pauly und ihrem „Strandläufer“ (Piper Verlag) auf den Fernsehturm will (kostet mit zwei Freigetränken 33,50 Euro), kann, ebenfalls um 19.00 Uhr, mit Jochen Senf und Angela Eßer Kurzkrimis genießen und im Hotel Savoy (Fasanenstraße 9 – 10, Charlottenburg) für 39 Euro ein 3-Gänge-Menü und einen Aperitif genießen. Beides nur mit Voranmeldung.
Um 19.30 präsentiert Horst Eckert seinen neuen Krimi „Schwarzlicht“ (Rowohlt) in der Vertretung des Landes NRW beim Bund (Hiroshimastraße 12, Tiergarten). Aber die Lesung vom Westwind e. V. war, glaube ich, ausverkauft (jedenfalls habe ich keine Zeit, aber man kann es ja in jedem Fall versuchen).
Zur gleichen Zeit können in der Bruno-Lösche-Bibliothek (Perleberger Straße 33, Tiergarten) Rainer Wittkamps „Kalter Hund“ (grafit Verlag) und Petra Gabriels „Kaltfront“ (Jaron Verlag) über das mörderische Berlin in der Gegenwart und den Fünfzigern genossen werden.
Ebenfalls historisch ist Volker Kutschers „Märzgefallen (Kiepenheuer & Witsch), der nach dem Reichstagsbrand von 1933 spielt. Die Lesung ist um 20.00 Uhr im Kino Babylon (Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte).
Gegenwartisch sind Frank Goyke mit „Mörder im Chat“ (Hinstorff-Verlag) und Jonas Winners „Das Gedankenexperiment“ (Droemer Knaur). Die Doppellesung ist um 20.00 Uhr im Café Tasso (Frankfurter Alee 11, Friedrichshain).
Um 20.00 Uhr sucht in Oliver Bottinis Polit-Thriller „Ein paar Tage Licht“ (DuMont) ein BKA-Mann einen in Algerien verschwundenen deutschen Rüstungsmanager. Die Suche kann in der Vagantenbühne (Kantstraße 12 a, Charlottenburg) verfolgt werden.
Um 20.15 Uhr liest Daniel Holbe in der Thalia-Buchhandlung Hallen am Borsigturm (Reinickendorf) aus seinem Serienkiller-Krimi „Die Hyäne“ (Droemer Knaur) vor.
Es gibt natürlich auch eine E-Book-Diskussion. Bereits um 19.00 Uhr treffen sich Prof. Dr. Horst Bredekamp (HU Berlin), Prof. Dr. Andreas Degkwitz (HU Berlin), Dr. Sven Fund (De Gruyter), Prof. Dr. Gerd Graßhoff (HU Berlin), Prof. Dr. Michael Seadle (HU Berlin) und Prof. Dr. Günter M. Ziegler (FU Berlin) im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humbold-Universität (Geschwister-Scholl-Straße 1/3, Mitte) und diskutieren über E-Books in der Wissenschaft.

Freitag, 21. November
Um 19.00 Uhr stellt Veit Etzold in der Anton-Saefkow-Bibliothek Lichtenberg (Anton-Saefkow-Platz 14, Lichtenberg) seinen Thriller „Todeswächter“ (Bastei Lübbe) vor. Und am Samstag, den 22. November, tritt er, mit Eva Lirot und Manfred Rebhandl, um 20.00 Uhr im Freudenhaus Hase (Hochstraße 45, Wedding) in einer „frei ab 18 Jahre“-Lesung auf.
Ebenfalls um 19.00 Uhr liest Gunnar Kunz aus seinem historischen Krimi „Zeppelin 126“ (Sutton Verlag) in der Bristol Bar im Kempinski Hotel Bristol (Kurfürstendamm 27, Charlottenburg).
Um 19.30 Uhr beschäftigt der überall abgefeierte Rob Alef in „Immer schön gierig bleiben“ (Rotbuch Verlag) sich mit der Yuppisierung – bei Murderbooks Inc. (Barbarossastraße 3, Schöneberg).
Ebenfalls um 19.30 Uhr taucht Martin Keune mit „Die Blender“ (berlin.krimi.verlag) in das Berlin der dreißiger Jahre ein. Mit Nazis und Okkultisten. In Walters Buchladen (Bismarkstraße 71, Steglitz).
Um 20.00 Uhr lässt Stephan Hähnel in seinem Debütroman „Gefundenes Fressen“ (Jaron Verlag) einen mordenden Hundehasser los. In der Thalia-Buchhandlung im Gesundbrunnencenter (Badstraße 4, Wedding).

Samstag, 22. November
Um 20.00 Uhr erzählt Bernie Mayer über „Der große Mandel“ (Heyne Verlag) und Musik gibt es auch in der Z-Bar (Bergstraße 2, Mitte).

Sonntag, 23. November
Um 16.00 Uhr kann man, zwischen den Exponaten der Polizeihistorischen Sammlung (Polizeipräsidium, Platz der Luftbrücke 6, Tempelhof. Nur mit Voranmeldung) einiges über wahre Kriminalfälle erfahren. Regina Stürickow liest aus „Mörderische Metropole Berlin“ (Militzke Verlag) und Ernst Reuß liest aus „Mord? Totschlag? Oder was?“ (Militzke Verlag).
Um 17.00 Uhr beantwortet Petra Hammesfahr im TAK Theater im Aufbau Haus (Prinzenstraße 85 F, Kreuzberg) Fragen zu ihrem neuen Krimi „An einem Tag im November“ (Diana Verlag). Das ist auch die offizielle Abschlußveranstaltung des Krimimarathons.
Zur gleichen Zeit lesen Kathrin Lange aus ihrem Berlin-Krimi „40 Stunden“ (Blanvalet) und Marvin Entholt aus „Friesisch Roulette“ (Emons Verlag) im Stadtbad Steglitz (Bergstraße 90, Steglitz) vor.
Und um 20.00 Uhr gibt es noch ein echtes Schmankerl im Kriminaltheater (Palisadenstraße 48, Friedrichshain). Zwei der diesjährigen Preisträger des Deutschen Krimipreieses, Matthias Wittekindt („Ein Licht im Zimmer“, Edition Nautilus) und Robert Hültner („Tödliches Bayern“, btb) lesen aus ihren neuen Werken. Als Damenbegleitung haben sie Zoe Beck, die in „Brixton Hill“ (Heyne Verlag) mordet.

Im Umland wird auf auch fröhlich gemordet und gespeist:
Am Samstag, den 22. November, präsentiert Richard Hagen seinen Krimi „Bluthatz“ (Blanvalet) im Kaiserbahnhof Joachimsthal (Am Bahnhof Werbellinsee).
Daniel Holbe stellt seinen Roman „Die Hyäne“ (Knaur) auch in Potsdam vor. Am Freitag, den 21. November, um 18.30 Uhr im Dorint Sansscouci Berlin/Potsdam (Jägerallee 20) mit einem Begrüßungsgetränk und einem Buffet, weshalb die Lesung 19 Euro kostet.
Die nächste Essensgelegenheit gibt es – nur mit Voranmeldung – für 19,50 Euro um 19.30 Uhr im Kleinen Schloss im Park Babelsberg. Das Begleitprogramm besteht aus Jonas Winners „Das Gedankenexperiment“ (Droemer Knaur).
Am Sonntag, den 23. November, präsentiert Martin Krist seinen Berlin-Thriller „Drecksspiel“ (Ullstein Verlag) in der P&B Buchhandlung im Hauptbahnhof (Friedrich-Engels-Straße 99, Potsdam).

Das komplette „Stadt Land Buch“-Programm gibt es hier.
Und der Krimimarathon startet hier.


Kurzkritik: Massimo Carlotto/Mama Sabot „Tödlicher Staub“

Mai 30, 2012

Massimo Carlotto hat wieder zugeschlagen und nicht nur die angenehme Länge von 160 Seiten erinnert an die guten alten Tage, als man einen Kriminalroman locker an einem Abend lesen konnte. Es ist auch, erzählt im wunderbar lakonischen Hardboiled-Stil, die Verbindung aus gerechter Empörung über die schmutzigen Geschäfte der Mächtigen und den honorigen, aber von Anfang an zum Scheitern verurteilten Versuchen der Machtlosen, etwas dagegen zu tun, das an Jean-Patrick Manchette und die bei uns unbekannteren Vertreter des Neo-Polar erinnert. Aber auch, schließlich ist Carlotto Italiener, an die knappen Romane von Leonardo Sciascia, die gut recherchierte Gesellschaftsporträts und Anklagen gegen die Verbindung von Mafia und Staat sind. Und natürlich erinnert „Tödlicher Staub“ an die grandiosen italienischen und französischen Polit-Thriller und Gangsterfilme aus den sechziger und siebziger Jahren.

Auch Carlotto recherchierte für seinen neuen Roman „Tödlicher Staub“ ausführlich über Uranmunition, die beim Verschießen entstehenden Nanopartikel und das militärische Sperrgebiet Salto di Quirra – Capo San Lorenzo. Dabei half ihm das neunköpfige sardische Journalistenkollektiv Mama Sabot.

In der Nähe des Sperrgebiets Salto di Quirra sammelt die junge Tierärztin Nina Tola die Kadaver von verunstalteten Schafen und Ziegen ein. Sie will herausfinden, wie die im Sperrgebiet verschossene Uranmunition wirkt.

Zur gleichen Zeit wird der untergetauchte Deserteur Pierre Nazzari von zwei Polizisten erpresst. Er soll bei ihr einbrechen und sich, als Barkeeper, mit ihr befreunden. Er tut beides – und beginnt ihr, nachdem sie gemeinsam ermordet werden sollten, zu helfen.

Tödlicher Staub“ ist ein herrlich verschachtelter, noirischer Polit-Thriller, in dem jeder nur versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Dummerweise hat niemand von ihnen mit den Faktoren Dummheit, Gier und Zufall gerechnet. Und wenn dann, in der zweiten Hälfte des Krimis, die verschiedenen Parteien sich gegenseitig erpressen, belügen und betrügen, wird es teilweise etwas unübersichtlich. Aber so ist das Leben.

Tödlicher Staub“ ist ein feiner Krimi.

Massimo Carlotto/Mama Sabot: Tödlicher Staub

(übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel)

Tropen, 2012

160 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Perdas de fogu

Edizioni E/O, 2008

Hinweise

Homepage von Massimo Carlotto

Krimi-Couch über Massimo Carlotto

Wikipedia über Massimo Carlotto

Meine Besprechung von Massimo Carlottos „Der Flüchtling“ (Il Fuggiasco, 1994)


Kleinkram – mit den besten Thrillern des Jahres (so die ITW) und dem Ned Kelly Award

September 6, 2011

Aargh, das hatte ich vollkommen verdrängt: die Autorenvereinigung International Thriller Writers (ITW) hat bereits im Juli ihre Thriller Awards verliehen. Die glücklichen Gewinner sind:

Best Hard Cover Novel:
BAD BLOOD, John Sandford

Best Paperback Original Novel:
THE COLD ROOM, J.T. Ellison

Best First Novel:
STILL MISSING, Chevy Stevens

Best Short Story:
THE GODS FOR VENGEANCE CRY, Richard Helms

Also receiving special recognition during the ThrillerFest VI Awards Banquet:

R.L. Stine, ThrillerMaster
in recognition of his legendary career and outstanding contributions to the thriller genre

Joe McGinniss, True Thriller Award

Karin Slaughter, Silver Bullet Award

Die Longlist gibt es hier. Und hier gibt es einige Berichte vom ThrillerFest.

In dem ITW-Magazin „The Big Thrill“ gibt es in der aktuellen Ausgabe Interviews mit und Vorstellungen der neuen Bücher von Kathy Reichs, Raymond Benson (der hat mal James-Bond-Bücher geschrieben), Jamie Freviletti, Lawrence Block (ein altes Buch, aber neu unter seinem Namen), Simon Wood, Dave Zeltserman Laurie R. King,Paul Levine (der für „JAG“ etliche Drehbücher schrieb), Rick Mofina und Harry Dolan.

Declan Burke hat sich mit Val McDermid unterhalten.

Der Ned Kelly Award 2011 der Crime Writers‘ Associaton of Australia ging an

Best Fiction: The Diggers Rest Hotel, by Geoffrey McGeachin (Penguin)

Best First Fiction: Prime Cut, by Alan Carter (Fremantle Press)

True Crime: Abandoned: The Sad Death of Dianne Brimble, by Geesche Jacobson (Allen & Unwin)

S.D. Harvey Short Story: “Hemisphere Travel Guides: Las Vegas for Vegans,” by A.S. Patric

(via The Rap Sheet)

Die neueste Ausgabe des Literaturkritik ist online. Der Schwerpunkt ist „Zehn Jahre 11. September“. Aber es gibt auch einige Krimibesprechungen, unter anderem über die neuen Bücher von Jean-Patrick Manchette (Der Mann mit der roten Kugel) und Walter Mosley (Manhattan Karma).

Weil im Verlag Antje Kunstmann jetzt David Simons bereits vor zwanzig Jahren in den USA erschienenes. mit dem Edgar ausgezeichnetes Sachbuch „Homicide – Ein Jahr auf mörderischen Straßen“ (er begleitete in Baltimore ein Jahr die Mordermittler) erschien, kann man, als vorbereitende Lektüre, wieder Pieke Biermanns Lobgesang auf das Buch lesen.

Das Buch inspirierte die Krimiserie „Homicide“. Simon war danach auch für „The Wire“ und „Treme“ verantwortlich.

Zum Abschluss noch einige  TV-Serien-Tipps:

Wochentäglich zeigt Arte um 17.00 Uhr die kultige englische Krimiserie „Simon Templar“ (mit Roger Moore) und JEDERZEIT ONLINE. Wer also die gestrige Auftaktfolge verpasst, hat nichts verpasst, weil er ja in die Mediathek gehen kann.

Montags zeigt ZDFneo um 22.35 Uhr die englische Krimiserie „Luther„. Die BBC hat gerade die dritte Staffel bestellt. Da sieht’s allerdings mit dem Nachsehen der ersten Folge dumm aus.

Mittwochs zeigt RTL II um 22.00 Uhr die Mysteriekrimiserie „Haven“, die sehr lose auf dem Buch „The Colorado Kid“ von Stephen King basiert.

Mittwochs zeigt ZDFneo die zweite Staffel von „Mad Men„, die ich gar nicht so toll finde.

Freitags gibt es bei Kabel 1 endlich neue Folgen von „Castle“ (doch dazu später mehr)

 


TV-Tipp für den 12. November: Killer stellen sich nicht vor; Der Sträfling und die Witwe

November 12, 2010

ARD, 01.20

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Als Spieler Gerfaut einen der schwer verletzten Angestellten an einer Straße entdeckt, bringt er ihn in ein Krankenhaus und setzt sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

ARD, 03.00

Der Sträfling und die Witwe (F/I 1971, R.: Pierre Granier-Deferre)

Drehbuch: Pierr Granier-Deferre, Pascal Jardin

LV: Georges Simenon: La Veuve Couderc, 1940 (Die Witwe Couderc)

1934 auf einem abgelegenen Hof spielende Liebesgeschichte zwischen einem entflohenen Sträfling und einer Witwe.

Krimidrama mit Alain Delon und Simone Signoret

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über “Liebe 1962″ (deutsch, englisch)

David Saul Rosenfeld über “Liebe 1962″

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 9. November: Mr. Klein/Der Schock

November 9, 2010

Zweimal Delon. Einmal Top, jedenfalls künstlerisch, einmal Flop.

ARD, 00.35

Monsieur Klein (F/I 1976, R.: Joseph Losey)

Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey

Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.

Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.

Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.

mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise

Hinweise

Wikipedia über „Monsieur Klein“ (deutsch, englisch, französisch)

ARD, 02.35

Der Schock (F 1982, R.: Robin Davis)

Drehbuch: Alain Delon, Robin Davis, Dominique Robelet, Claude Veillot

LV: Jean-Patrick Manchette: La position du tireur couché, 1981 (Die Position des schlafenden Killers, Position: Anschlag liegend)

Profikiller Martin Terrier hat genug Geld und will aussteigen. Das gefällt seinen Chefs nicht.

Eine weitere hochkarätig besetzte, misslungene Manchette-Verfilmung, die für das deutsche Publikum um 15 Minuten gekürzt. Die Originallänge beträgt 100 Minuten.

Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Philippe Léotard, Stéphane Audran

Wiederholung: RBB, Samstag, 13. November, 23.45 Uhr

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


Monsieur Raynal besucht die „Suite Noire“

Juli 1, 2010

Die Idee ist einfach genial. Mit der Betonung auf „einfach“ und auf „genial“.

Jean-Bernard Pouy, ein in Frankreich bekannt-beliebter, einfallsreicher Noir-Autor, der auch die langlebige „Pulp“-Serie initiierte (einige Bücher wurden auch übersetzt) und dem bei uns trotz etlicher Übersetzungen der große Durchbruch versagt blieb, fungierte als Herausgeber für die „Suite Noire“.

In dieser Serie erscheinen kurze Krimis von Noir-Autoren wie Colin Thibert, Chantal Pelletier, Patrick Raynal und Didier Daeninckx. Jede Geschichte ist eine Hommage an einen bereits erschienenen Krimi. Acht Geschichten wurden anschließend als einstündige TV-Krimis verfilmt. Die DVD mit den „Suite Noir“-Filmen ist für Herbst bei edel angekündigt. Die Vorlagen erscheinen davor im Distel Literaturverlag.

Zur ersten, aus vier „Suite Noire“-Krimis bestehenden, Lieferung gehört Patrick Raynals Privatdetektiv-Geschichte „Landungsbrücke für Engel“, die eine Hommage an den mir unbekannten Pulp-Autor Verne Chute und seinen 1946 bei Dell erschienenen Krimi „Flight of an Angel“ ist.

Raynal, der wie Pouy und Jean-Patrick Manchette in der Tradition des politisch links stehenden, sich US-amerikanischer Vorbilder bedienenden und die Gesellschaft radikal kritisierenden Néo-Polar steht und der von 1991 bis 2005 Herausgeber der „Série Noire“ bei Gallimard war, schickt in „Landungsbrücke für Engel“ Privatdetektiv Giuseppe Corbucci in seinem ersten Auftrag los, den Tod einer kerngesunden Frau zu überprüfen. Die Tochter Florence Pelletier „mit Kurven wie Ava Gardner“ glaubt an einen Mord und, nachdem Corbucci sich mit einem Einbruch die Krankenakte der Toten besorgt und dabei eine beachtliche Menge an Spuren hinterlassen hat, wird der Verdacht der Tochter erhärtet. Corbuccis Ermittlungen führen geradewegs in die sehr mächtige, gut vernetzte und sehr skrupellose High Society von Nizza.

Auf knapp hundert kurzweiligen Seiten wühlt sich Patrick Raynal höchst vergnüglich durch den reichhaltigen Fundus des Privatdetektivkrimis und kredenzt dem Popkulturaficionado eine Vielzahl von Anspielungen. So hießen die Macher des bahnbrechenden Italo-Western „Django“ (mit Franco Nero) Sergio und Bruno Corbucci. Der nicht-existierende Docteur Pouy spielt auf den sehr existierenden Herausgeber Pouy an. Eine Freundin erinnert Ich-Erzähler Corbucci an Thelma Ritter und dass er erzählt, er habe nach seiner Entlassung bei einer Zeitung den Beruf des Privatdetektivs gewählt, weil „ich durch meine hervorragenden Kenntnis von Chandler eindeutig prädestiniert war“ sagt einiges über seine Prinzipien aus.

Corbucci macht dabei auf Chandlers Spuren eine ziemlich gute Figur, obwohl die Gesellschaft noch korrupter als zu Phil Marlowes Tagen ist und er öfters verprügelt wird. Denn niemals hat ein Doktor Marlowe gesagt, er brauche ein halbes Jahr um sich von einer Tracht Prügel zu erholen.

Landungsbrücke für Engel“ ist, auch wenn das Ende etwas überstürzt kommt, ein feiner Quickie für die Freunde eines zitatreichen französischen Noir.

Patrick Raynal: Landungsbrücke für Engel

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2010

108 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Le débarcadère des anges

Èditions La Brance, Paris 2007

Verfilmung

Schönheit muss sterben (Le débarcadère des anges, F 2009)

Regie: Brigitte Roüan

Drehbuch: Brigitte Roüan, Santiago Amigorena (Adaption)

Hinweise

Krimi-Couch über Patrick Raynal

Wikipedia über Patrick Raynal

Homepage der „Suite Noire“ (englische Version)

Seite der Éditions La Branche über die „Suite Noire“


TV-Tipp für den 6. Juni: Killer stellen sich nicht vor

Juni 5, 2010

3sat, 01.15

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Als Spieler Gerfaut einen der schwer verletzten Angestellten an einer Straße entdeckt, bringt er ihn in ein Krankenhaus und setzt sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Distel Literaturverlag über Jean-Patrick Manchette

Französische Seite über Jean-Patrick Manchette


Die Spinetingler-Nominierungen 2010

April 4, 2010

Der Spinetingler-Preis wird dieses Mal nach einem leicht anderen Verfahren (keine Angst, es ist immer noch ein Publikumspreis, aber die Stimmabgabe ist etwas anders) vergeben. Das geht bis Ende April und am 1. Mai werden die Sieger veröffentlicht.

Die Kategorien blieben gleich:

New Voice (eins bis drei Romane)

A Bad Day For Sorry, von Sophie Littlefield

Balzac of the Badlands, von Steve Finbow

Dope Thief, von Dennis Tafoya

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville

I-5, von Summer Brenner

In Their Blood, von Sharon Potts

The Lost Sister, von Russel D. McLean

Mixed Blood (Kap der Finsternis), von Roger Smith

Ravens, von George Dawes Green

The Weight of Silence, von Heather Gudenkauf

Rising Star (vier bis acht Romane)

50 Grand, von Adrian McKinty

Await Your Reply, von Dan Chaon

The Devil’s Staircase, von Helen Fitzgerald

Finch, von Jeff VanderMeer

Last Days, von Brian Evenson

Safer, von Sean Doolittle

Legend (mindestens neun Romane)

The Complaints (Ein reines Gewissen), von Ian Rankin

The Midnight Room, von Ed Gorman

The Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team), von Charlie Huston

The Scarecrow, von Michael Connelly

Shadow Season, von Tom Piccirilli

Tower, von Reed Farrel Coleman und Ken Bruen

Best Short Story on the Web

M-N-S (n) murder-necrophilia-suicide, von Anonymous 9 aus Plots with Guns

Flesh Rule, von Frank Bill aus Plots with Guns

Blurred Lines, von Michael Moreci aus A Twist of Noir

Survival Instincts, von Sandra Seamans aus Pulp Pusher

At Least I felt Something, von Sophie Littlefield aus The Drowning Machine

My Father’s Son, von Alan Griffiths aus A Twist of Noir

The Present, von Mark Joseph Kiewlak aus A Twist Of Noir

Insatiable, von Hillary Davidson aus Beat to a Pulp

A Wild and Crazy Night, von John Kenyon aus Beat to a Pulp

The Tut, von Paul D Brazill aus Beat to a Pulp

Best Mystery or Crime Comic/Graphic Novel

Back to Brooklyn, von Garth Ennis, Jimmy Palmiotti und Mihailo Vukelic (Image)

Britten and Brulightly, von Hannah Berry (Metropolitan Books)

Chew, von John Layman und Rob Guillory (Image)

Leo Pulp, von Claudo Nizzi und Massimo Bonfatti (IDW)

Low Moon, von Jason (Fantagraphics Books)

Noir, von verschiedenen Autoren (Dark Horse)

Parker: The Hunter, von Darwyn Cooke (IDW)

Scalped, von Jason Aaron und R. M. Guéra (Vertigo)

West Coast Blues, von Jacques Tardi und Jean-Patrick Manchette (Fantagraphic Books)

You Have Killed Me, von Jamie Rich und Joelle Jones (Oni Press)

Best Mystery/Crime Fiction Press, Publisher or Imprint

Bitter Lemon Press

Busted Flush Press

New Pulp Press

Serpent’s Tail

Soho Press Books

Switchblade

Special Services to the Industry & Community

The Big Adios

Bookgasm

Crimeculture

Friday’s Forgotten Books

My Little Corner

Best Reviewer

Jen Forbus

Lesa Holstine

The Nerd of Nor

Peter Rozovsky

Cory Wilde

Best Cover

Ja, nee, das müsst ihr euch ansehen. Da hilft nichts.


Lesenswerte Essays für langjährige Krimifans

Dezember 30, 2008

wortche-das-morderische-neben-dem-leben

„Das Mörderische neben dem Leben“ ist die von Krimifans, die sich auch theoretisch mit dem Genre beschäftigen, langerwartete Sammlung von in den vergangenen fünfzehn Jahren verstreut in verschiedenen Zeitungen, Büchern und im Internet veröffentlichten Kritiken, Vorträgen und Essays von „Krimipapst“ Thomas Wörtche. Ergänzt werden die bekannten Texte durch einige bislang unveröffentlichte Texte, wozu vor allem das lesenswerte Vorwort, Wörtches Rückblick auf seine Zeit als Herausgeber der Krimireihe „metro“ des Unionsverlages und ein Text über Eric Ambler gehören. Wegen des langen Zeitraums, über den sich die Texte erstrecken, werden Konstanten in Wörtches Denken und seinem ästhetischem Programm, seiner Unterscheidung zwischen „Krimi“ (manchmal auch „Grimmi“) und „Kriminalliteratur“, deutlich. „Es ist also nur plausibel, Kriminalliteratur da zu vermuten, wo auch ästhetisch etwas bemerkenswert ist, wo also die verwendeten literarischen Mittel zum ‚Sinn’ oder der ‚Bedeutung’ eines Romans wesentlich beitragen. (…) Die beiden Komponenten Sprache und Wirklichkeit stehen in einem prekären Verhältnis: Die Sprache kann noch so kunstvoll sein, noch so raffiniert, ausgekocht und mit allen Wassern von Romantheorien gewaschen – wenn mit ihr etwas erzählt wird, was aus Gründen des Nicht-genau-Hinschauens, des Nicht-Wissens, des Falsch-Verstehens, des Nicht-Kennens von Sachverhalten, Topographien, Fakten etc. nicht hinreicht, dann zerplatzt die schöne Kunst wie eine Seifenblase, die bestenfalls noch hübsch schillert, normalerweise aber nur einen seifigen Nachgeschmack hinterlässt. Dann werden Texte plötzlich entsetzlich prätentiös.“ Und „Kriminalliteratur wird zum belanglosen oder auch bedenklichen ‚Grimmi’ dort, wo sie prätendiert, dass das Gute siegt, wo die Ordnung wieder hergestellt wird, die Monster ‚Serialkiller’ heißen, ‚das Böse’ psychopathisch ist, das Morden eine künstlerische Tätigkeit und das Aufklären ein Puzzlespiel.“

Es werden, allerdings eher beiläufig, einige Entwicklungen im Genre in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich. Die wichtigsten sind dabei das Ende der seit Jahrzehnten bekannten Krimireihen in den Neunzigern, der Aufstieg des Regiokrimis, der Sieg von Donna Leon und Henning Mankell an der Kasse und der Aufbau der metro-Reihe, die vor allem Autoren außerhalb der bekannten Regionen Deutschland-Skandinavien-USA präsentierte.

Das Namedropping in den Essays löst immer wieder ein beifälliges Nicken aus. Joseph Wambaugh (die Werke aus dem letzten Jahrhundert), Chester Himes, Jerry Oster, Jerome Charyn, Pieke Biermann, Jean-Patrick Manchette, Ross Thomas, Eric Ambler, Lawrence Block und George Simenon. Auch seine „15 begründete Vorlieben, international, in Büchern…“ erfreut die langjährigen Krimifans:

Thomas Adcock (geb. 1947): Hell’s Kitchen (Sea of Green, 1989 – nicht mehr erhältlich)

Robert W. Campbell (1927 – 2000): Asche (Juice, 1988 – nicht mehr erhältlich)

Liza Cody (geb. 1944): Schwesternkrieg (Monkey Wrench, 1994 – nicht mehr erhältlich)

Didier Daeninckx (geb. 1949)/Jacques Tardi (geb. 1946): Den Letzten beißen die Hunde Le Der des ders, 1997 – nicht mehr erhältlich)

Pablo de Santis (geb. 1963): Voltaires Kalligraph (El caligrafo de Voltaire, 2001 – Unionsverlag)

Garry Disher (geb. 1949): Drachenmann (The Dragon Man, 1999 – Unionsverlag)

Joe Gores (geb. 1931): 32 Cadillacs (32 Cadillacs, 1992 – nicht mehr erhältlich)

Imre Kertész (geb. 1929): Detektivgeschichte (Detektivtörténet, 1977/2001 – Rowohlt)

Robert Littell (geb. 1935): Die kalte Legende (Legends, 2005 – Fischer Verlag)

William Marshall (geb. 1944): Manila Bay (Manila Bay, 1986 – Unionsverlag, nicht mehr erhältlich)

Andreu Martin (geb. 1949): Die Stadt, das Messer und der Tod (El Hombre de la Navaja, 1993 – nicht mehr erhältlich)

James Sallis (geb. 1944): Driver (Drive, 2005 – Liebeskind)

Paco Ignacio Taibo II (geb. 1949): Vier Hände (Cuatro Manos, 1990 – Unionsverlag)

Luis Ferdinand Verissimo: Der Club der Engel (O Clube dos Anjos, 1998 – nicht mehr erhältlich)

Donald E. Westlake (geb. 1933): Der Freisteller (The Ax, 1997 – nicht mehr erhätlich)

Gerade jüngere Krimifans dürften spätestens jetzt ins Grübeln geraten. Von diesen fünfzehn Werken sind neun Werke nicht mehr erhältlich, andere Bücher der genannten Autoren oft ebenfalls nicht, das Durchschnittsalter ist deutlich über Sechzig, es ist nur eine Frau dabei und der Unionsverlag erhält bei den erhältlichen Büchern die meisten Nennungen. Diese Liste zeigt exemplarisch den Grund für das zunehmende Unwohlsein während der Lektüre von „Das Mörderische neben dem Leben“.

Insgesamt entsteht nämlich der Eindruck, dass in den vergangenen zehn Jahren, bis auf wenige Ausnahmen, nur Mist veröffentlicht wurde und dass alle jüngeren Autoren (sagen wir mal: unter sechzig Jahren) nur Mist schreiben oder nicht erwähnenswert sind. Kein Ian Rankin, kein Michael Connelly, kein George Pelecanos (den Wörtche nicht mag), kein Joe R. Lansdale, kein Jason Starr, kein Ken Bruen, kein John Harvey, keine Sara Paretsky, kein Thomas C. Cook, kein Peter Temple, kein Dennis Lehane, kein Charlie Huston, kein Mark Billingham, kein Jonathan Lethem – um nur einige Autoren (unabhängig von ihrem ästhetischem Programm, also ob Kriminalliteratur oder Grimmi) zu nennen, die in den vergangenen Jahren in der Krimiszene bei Lesern und Autoren sehr beliebt waren. Lee Child wird im Vorwort mit einem Satz erwähnt. Donna Leon, Ingrid Noll, die Skandinavier und die Serienkillerthriller werden immer mal wieder in einem Halbsatz abgewatscht.

Diese massive Schlagseite zugunsten nicht mehr erhältlicher Romane und Autoren kann, weil sie sich durch das gesamte Buch zieht, nicht damit erklärt werden, dass halt in einem Text aus dem Jahr 1995 auf 1995 erhältliche Autoren hingewiesen wird und es in erster Linie um die Argumentation des Autors gehe. Denn Wörtche wählte die Texte aus und, weil die meisten Bücher und Autoren nicht mehr erhältlich sind, müssen die Urteile von Wörtche einfach geglaubt werden. Eine schnelle Überprüfung ist meistens nicht möglich (Ein Stöbern in verschiedenen Antiquariaten ist dagegen eine langwierige Aufgabe und das Bestellen über Amazon-Marketplace und Abebooks immer etwas gefährlich.). Diese vom Autor aufgerichtete Barriere erschwert Interessierten unnötig die Lektüre. Da hilft auch Wörtches in dem Vorwort bescheiden formulierter Anspruch, dass „Das Mörderische neben dem Leben“ sich den Luxus gönne, „Kriminalliteratur und das Nachdenken über sie als zunächst einmal (allgemein-)konsensfreie Zone zu betreiben“, nicht. Denn dieser Luxus führt dazu, dass „Das Mörderische neben dem Leben“ vor allem ein Buch für bereits bekehrte Krimifans ist.

Neulinge dürften dagegen besser mit den „Krimijahrbüchern“ oder Barry Forshaws „The Rough Guide to Crime Fiction“ bedient sein. Denn für sie dürfte „Das Mörderische neben dem Leben“ ein obskurer Closed-Shop sein.

Thomas Wörtche: Das Mörderische neben dem Leben – Ein Wegbegleiter durch die Welt der Kriminalliteratur

Libelle, 2008

208 Seiten

19,90 Euro

Enthält

Kriminalliteratur tanzt, schwimmt und rudert auf vielerlei Grenzlinien – Ein Vorwort

TWs seltsame Rankings

Sprengfallen – Eric Ambler und die Poetik des Pragmatischen

Das Versagen der Kategorien – Über Georges Simenon

It Does Make Sense! Chester Himes und sein 20. Jahrhundert in den USA und Europa

Rätsel Ripley oder Ripley, revisted

Das Mörderische und das Komische

Kriminalliteratur, weltweit

The making of metro…

Krimis und Kriminalliteratur

Desaster as usual – Science-Fiction, Kriminalliteratur und eine ungeklärte Nachbarschaft

Die Verweigerung von Eindeutigkeit – Der argentinische Zeichner Albert Breccia und sein Beitrag zur Ästhetik des 20. Jahrhunderts

Gewalt im Reich der Töne – Ein unbequemes Radiofeuilleton mit Musik


Hinweis

Thomas Wörtche im Netz: Kaliber .38 und Titel-Magazin


TV-Tipp für den 27. November: Killer stellen sich nicht vor

November 27, 2008

ARD, 01.05

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Spieler Gerfaut bringt einen von ihnen schwer verletzt in ein Krankenhaus und sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette

Manchette-Seite des Distel-Literaturverlages

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Europolar: Elfriede Müller über Jean-Patrick Manchette

James Sallis über Jean-Patrick Manchette



TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 1, 2008

Ihr kennt das Spiel. Hier der textlastige Anfang; den wünderschön bebilderten Rest gibt es bei den Alligatorpapieren:

In den kommenden beiden Wochen gibt es eine James-Bond-Filmnacht, endlich wieder Erroll Morris‘ Tony-Hillerman-Verfilmung „Canyon Cop – Der Wind und der Löwe“, Joseph Sargents John-Godey-Verfilmung „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“, die unterschätzte Georges-Arnaud-Verfilmung „Atemlos vor Angst“ von William Friedkin, Claude Pinoteaus Francis-Ryck-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“ (mit Lino Ventura), Damian Harris‘ „Bad Company“ (nach einem Drehbuch von Ross Thomas), Dominik Grafs „Eine Stadt wird erpresst“ (nach einem Drehbuch von Rolf Basedow), Michael Manns Frank-Hohimer-Verfilmung „Der Einzelgänger“, Sidney Lumets Lawrence-Sanders-Verfilmung „Der Anderson-Clan“ (mit Sean Connery), Jean Beckers Sébastien-Japrisot-Verfilmung „Ein mörderischer Sommer“, Stanley Kubricks Lionel-White-Verfilmung „Die Rechnung ging nicht auf“ und die sehenswerte Doku „Denn sie kennen kein Erbarmen“ über den Italo-Western.
Für die Freunde des schlechten Films gibt es diese zweifelhaften Vergnügen: „Der Schakal“ (soll auf dem Frederick-Forsyth-Roman basieren), „Sanders und das Schiff des Todes“ (Edgar Wallace hat nichts mit diesem Film zu tun), „Rette deine Haut, Killer“ (Jean-Patrick Manchette nahm das Geld und rannte weg), „Be Cool“ (Elmore Leonard tat das gleiche) und „Tatort: Aus der Traum“ (nicht alles von Fred Breinersdorfer ist gut).


KrimiWelt-Bestenliste Februar 2008

Januar 26, 2008

Die KrimiWelt-Bestenliste für den Februar 2008 empfiehlt diese Werke:

 

1          (1)       Martin Cruz Smith: Stalins Geist

2          (7)       Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre

3          (2)       Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid: Lasst die Kadaver bräunen!

4          (-)        Tom Rob Smith: Kind 44

5          (6)       Charles Todd: Zeit der Raben

6          (-)        Arimasa Osawa: Der Hai von Shinjuku – Rache auf Chinesisch

7          (5)       Arne Dahl: Ungeschoren

8          (-)        Iain McDowall: Zwei Tote im Fluss

9          (-)        Peter Temple: Vergessene Schuld

9          (8)       Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter

 

In den Klammern ist die Platzierung des Vormonats.

Weitere Informationen zu den Büchern gibt es bei Arte.

 

Martin Cruz Smith und Peter Temple habe ich bereits abgefeiert. Gianrico Carofiglio demnächst. Sein „Gesetz der Ehre“ (doofer deutscher Titel) ist ein spannender Gerichtsthriller über einen kleinen Drogenschmuggelfall.

Der Rest – hmhm.

Aber ich kann jetzt schnell einige Bücher empfehlen, die es immer noch nicht (naja, wahrscheinlich ‚die es nicht’) auf die KrimiWelt-Bestenliste geschafft haben:

Thomas H. Cook: Das Gift des Zweifels

Marcus Sakey: Der Blutzeuge

Nick Stone: Voodoo 

Duane Louis (Swierczynski): Blondes Gift

Ross Thomas: Kälter als der Kalte Krieg

Ein Movie-Tie-In wird wahrscheinlich niemals auf die Liste kommen. Dabei sind die Monk-Bücher von Lee Goldberg und die CSI:NY-Romane von Stuart M. Kaminsky ziemlich gute Krimis.


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