DVD-Kritik: Sean Connery in John Boormans Science-Fiction-Dystopie „Zardoz“

Mai 29, 2012

Nachdem Sean Connery für eine damals unglaublich hohe Summe, die er sofort an den Scottish International Educational Trust spendete, 1971 in „Diamantenfieber“ wieder James Bond spielte, versuchte er einen Imagewandel. Schon in den sechziger Jahren hatte er versucht, sich neben den James-Bond-Filmen als Charakterdarsteller zu profilieren. Aber damals wollte man ihn nur als Geheimagenten sehen.

Jetzt sollte es anders werden und John Boorman schien, neben Sidney Lumet, mit dem Connery mehrmals zusammen arbeitete, der ideale Regisseur zu sein. Boorman hatte sich mit „Point Blank“, „Die Hölle sind wir“ und, zuletzt, „Beim Sterben ist jeder der erste“ einen exzellenten Ruf erarbeitet. „Zardoz“ war sein neuestes Projekt: eine Science-Fiction-Dystopie, die locker auf der Geschichte des Zauberers von Oz (Wizardof Oz – Zardoz) basiert.

In der Zukunft ist die Welt geteilt in das perfekte Utopia Vortex, in dem Unsterbliche leben, und den verarmten Außenländern, in denen Sklaven für die Nahrung der Unsterblichen sorgen und von dem über ihnen schwebendem Gott Zardoz beherrscht werden. Eines Tages gelingt es Zed (Sean Connery) von den Außenländern in das Reich der Unsterblichen einzudringen. Er wird als Kuriosität bewundert, erforscht und löst einige Prozesse unter den Unsterblichen, deren Welt gar nicht so perfekt ist, aus. Denn letztendlich sehnen sich die Unsterblichen nach der Sterblichkeit.

Zardoz“ ist kein perfekter Film und es ist auch schade, dass Sean Connery gerade in einem der schwächeren Filme von John Boorman (sein nächster Film, „Exorzist II – Der Ketzer“ dürfte dagegen sein schlechtester Film sein) die Hauptrolle spielte. Aber er ist definitiv einen Blick wert. Allein schon wegen Sean Connerys Kostüm.

Auch als Zeitdokument ist „Zardoz“ immer noch faszinierend und, nach „Matrix“, „Minority Report“ und „Inception“ sind war auch daran gewöhnt, dass bildgewaltige Science-Fiction-Filme auch Hirnfutter liefern können.

Denn damals war „Zardoz“ als intellektueller Science-Fiction-Film ein Unikat. Es ist ein nicht immer überzeugender, aber zum Nachdenken inspirierender, bildgewaltiger Mischmasch aus philosophischen Gedanken und literarischen Anspielungen, garniert mit einer Siebziger-Jahre-Filmästhetik und einigen technischen Spielereien, die man eher in aktuellen Filmen erwarten würde. Sowieso beeindrucken die Special Effects, die alle ohne die Hilfe von Computern erledigt wurden. Denn John Boorman und sein Team mussten vor vierzig Jahren alle Tricks von Hand machen.

‚Zardoz‘ gehört sicher zu den verrücktesten Filmen in Connerys bunter Karriere, prätentiös, exotisch, voll futuristisch-visueller Fantasie. (…) Die Kritik hatte Probleme mit dem schwer zugänglichem Film, der mit ungewöhnlichen Stilmitteln experimentierte: Spiegelungen, schrillen Farben und schrägen Projektionen. (…) Unter den Liebhabern des Genres avancierte ‚Zardoz‘ inzwischen zum Kultfilm.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery, 2001)

In seinem durchwachsenen Audiokommentar erzählt John Boorman, wie sie einige der Tricks machten und von den Schwierigkeiten beim Dreh, der in Irland in den Wicklow Mountains in der Nähe seines Hauses stattfand. Das geringe Budget machten sie dabei durch Einfallsreichtum und den Enthusiasmus der Schauspieler wett.

Das Problem bei dem Audiokommentar ist, dass John Boorman viel zu oft und zu lange schweigt. Mit einem Gesprächspartner, der ihn mit den richtigen Fragen zum Reden animiert hätte, wäre der Audiokommentar sicher deutlich besser geworden.

Die Bildergalerie lohnt sich. Die Teaser und Trailer sind, nun, Teaser und Trailer.

Zardoz (Zardoz, USA 1973)

Regie: John Boorman

Buch: John Boorman

mit Sean Connery, Charlotte Rampling, Sara Kestelman, John Alderton, Sally Ann Newton, Niall Buggy

DVD

Koch Media

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0/5.0)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Bonusmaterial: Zwei deutsche und ein englischer Kinotrailer, Radiospots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Audiokommentar von John Boorman, Wendecover

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Zardoz“ (deutsch, englisch)

John Boorman in der Kriminalakte

Sean Connery in der Kriminalakte

Gelungener Spaß mit „Zardoz“


TV-Tipp für den 25. Februar: Hoffnung und Ruhm (aka Hope and Glory)

Februar 25, 2019

Arte zeigt „Hope and Glory“ als „Hoffnung und Ruhm“

Arte, 20.15

Hope and Glory (Hope and Glory, Großbritannien 1987)

Regie: John Boorman

Drehbuch: John Boorman

Buch zum Film: Rolf Giesen: John Boorman – Hope and Glory, 1987

Als Bill neun Jahre alt ist, beginnt der zweite Weltkrieg. Während für seinen Vater an der Front und die Mutter in einer Londoner Vorstadt die nächsten Jahre ein ständiger Überlebenskampf sind, erlebt Bill diese Zeit anders.

John Boormans Rückblick auf die Kriegsjahre und auch seine Jugend ist eine mit typisch britischem Humor erzählte herzerwärmende Geschichte einer Kindheit. In Deutschland floppte der Film, obwohl er in England und den USA breit abgefeiert wurde und auch deutsche Kritiker die Qualität von „Hope and Glory“ erkannten: „Für uns gehört ‚Hope and Glory’ zu den erfreulichsten Erlebnissen und schönsten Filmen des Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1988)

„Hope and Glory ist so etwas wie Boormans Antwort auf das monumentale Filmwerk Heimat von Edgar Reitz, das ihm, wie er betont, viel gegeben hat.“ (Rolf Giesen: John Boorman – Hope and Glory)

Boormans Film war unter anderem in den Kategorien bestes Drehbuch, beste Regie und bester Film für den BAFTA, Oscar und Golden Globe nominiert. Den Golden Globe für den besten Film erhielt er. Außerdem erhielt „Hope and Glory“ in diesen Kategorien den Los Angeles Film Critics Association Award. Und die Writers Guild of America nominierte das Drehbuch.

Mit Sebastian Rice-Edwards, Geraldine Muir, Sarah Miles, David Hayman, Sammi Davis, Ian Bannen

Wiederholung: Mittwoch, 6. März, 14.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Hope and Glory“

Wikipedia über „Hope and Glory“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “Hope and Glory” von John Boorman (Vierte Fassung, 1986)

 


TV-Tipp für den 16. April: Point Blank

April 16, 2018

Arte, 22.20

Point Blank (Point Blank, USA 1967)

Regie: John Boorman

Drehbuch: Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse

LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“; in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“ verlegt)

Walker ist stinkig. Zuerst versuchen seine Frau und sein Kumpel ihn umzubringen. Dann hauen beide gemeinsame mit der Beute ab. Kaum kann der Profiverbrecher sich wieder bewegen, begibt er sich auf einen Rachefeldzug.

Endlich ist Boormans Gangsterfilmklassiker wieder im Puschenkino. „Point Blank“ ist immer noch eine der besten Westlake/Stark-Verfilmungen.

Point Blank“ war der erste Film, der auf Alcatraz gedreht wurde. Hauptbedingung für die Drehgenehmigung war, dass der Film keine Glorifizierung von Verbrechen enthalten dürfe.

Ähem,….

Mit Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Point Blank“

TCM über „Point Blank“

Wikipedia über „Point Blank“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Point Blank“

Thrilling Detective über Parker

Meine Besprechung von Darwyn Cookes „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009; – yep, der tolle Comic zum Buch)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)


TV-Tipp für den 13. Mai: Der Schneider von Panama

Mai 13, 2017

Sat.1 Gold, 20.15

Der Schneider von Panama (USA/Irland/Großbritannien 2001, Regie: John Boorman)

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schneider von Panama“

Wikipedia über „Der Schneider von Panama“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Bonushinweis

le Carre - Der Taubentunnel - 4

Am 9. September 2016 erschien „Der Taubentunnel“, die Quasi-Memoiren von John le Carré, der am 19. Oktober seinen 85. Geburtstag feierte. Es ist eine Sammlung von Anekdoten, Erinnerungen und Betrachtungen, die vor allem für den le-Carré-Fan sind, der unbedingt noch einige Hintergründe über das Leben und Werk des Autors erfahren möchte. Alle anderen können das Werk getrost ignorieren.

Über „Die Memoiren eines Jahrhundertautors“ schreibt der Verlag:

„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.

In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“

John le Carré: Der Taubentunnel

(aus dem Englischen von Peter Torberg)

Ullstein, 2016

384 Seiten

22,00 Euro


TV-Tipp für den 22. November: Der Smaragdwald

November 22, 2015

Arte, 20.15
Der Smaragdwald (Großbritannien 1985, Regie: John Boorman)
Drehbuch: Rospo Pallenberg
Während der Vater als Ingenieur ein Staudammprojekt im Amazonas überwacht, verschwindet sein siebenjähriger Sohn Tommy spurlos. Bill Markahm sucht ihn und als er ihn nach einer zehnjährige Suche bei einem zurückgezogen lebendem Indiostamm findet, erlebt er eine Überraschung.
Man kann „Der Smaragdwald“ als geglückte und sehr eigenständige Variante von John Fords „Der schwarze Falke“ (mit John Wayne) sehen, oder einfach als ein bildgewaltiges, von einem wahren Fall von 1972 inspiriertes Ökoabenteuer. Während der Dreharbeiten erfuhr Boorman von weiteren ähnlichen Fällen.
In jedem Fall ist „Der Smaragdwald“ ein weiterer lohnenswerter Film von Regisseur John Boorman („Point Blank“, „Beim Sterben ist jeder der erste“, „Der Genera“, „Der Schneider von Panama“). Es ist ein vor Ort gedrehtes, facettenreiches Plädoyer für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner.
„Ein meisterhafter Abenteuerfilm von mitreisender Schönheit ist dabei entstanden – als geglückte Mischung aus Fantasy- und Actionelementen, aus Mythologie und Anthropologie -, der sich nie in einer idyllisch-heilen Scheinwelt verliert, sondern beiläufig und unaufdringlich an die Gefährdung des Dschungels und seiner Bewohner durch Technik und Zivilisation gemahnt.“ (Fischer Film Almanach 1986)
mit Powers Boothe, Meg Foster, Charley Boorman, William Rodriguez, Yara Vaneau, Estee Chandler, Dira Paes, Rui Polonah, Maria Helena Velasco, Tetchie Agbayani, Claudio Moreno

Wiederholungen

Montag, 23. November, 14.00 Uhr

Freitag, 11. Dezember, 14.00 Uhr

Hinweise
Arte über „Der Smaragdwald“
Rotten Tomatoes über „Der Smaragdwald“
Wikipedia über „Der Smaragdwald“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)
John Boorman in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. September: Der Schneider von Panama

September 3, 2013

Sixx, 22.25

Der Schneider von Panama (USA/Irl./GB 2001, R.: John Boorman)

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter

Wiederholung: Mittwoch, 4. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973)


TV-Tipp für den 31. Mai: Payback – Zahltag

Mai 31, 2013

RTL II, 22.40

 

Payback – Zahltag (USA 1999, R.: Brian Helgeland)

 

Drehbuch: Brian Helgeland, Terry Hayes

 

LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

 

Porter will seine 70 Riesen zurückhaben. Nur sein Kumpel Val, der ihn einige Kugeln in den Rücken verpasste und mit Porters Frau verschwand, und die Mafia haben etwas dagegen.

 

Ziemlich missratene, zwischen allen Stühlen sitzende, brutale Neuverfilmung von Richard Starks (ein Pseudonym von Donald Westlake) erstem Parker-Roman, die nie auch nur annähernd die Qualität von John Boormans „Point Blank“ (mit Lee Marvin) erreicht. Die Gründe sind u. a. verschiedene Auffassungen über die Hauptrolle zwischen Helgeland und Gibson (der deshalb Teile neu drehen lies), die Scherze sind nicht witzig und der Action-Overkill ist für einen einen kleinen, düsteren Gangsterfilm zu viel, aber für einen Action-Film zu wenig.

 

Jahre später gab es den “Director’s Cut”, der sich sehr vom Kinofilm unterscheidet.

 

Mit Mel Gibson, Gregg Henry, Lucy Liu, Kris Kristofferson, William Devane, Deborah Kara Unger

 

Wiederholung: Samstag, 1. Juni, 00.30 Uhr (Taggenau!)

 

Hinweise

 

Homepage von Donald E. Westlake

 

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

 

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

 

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

 

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

 

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

 

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

 

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)


Endlich auf Deutsch: „Parker“ – Darwyn Cookes erster Parker-Comic

März 27, 2013

Cooke - Parker - 2

Jetzt wird’s langsam etwas unübersichtlich. Denn die jetzt auf Deutsch veröffentlichte Graphic Novel „Parker“ von Darwyn Cooke hat, außer dem Helden, nichts mit der gerade im Kino gestarteten Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ zu tun. Taylor Hackfords gelungener Film basiert nämlich auf dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire, 2000) von Richard Stark. Darwyn Cookes Comic auf „Jetzt sind wir quitt“ (The Hunter, 1962) von Richard Stark.

In „The Hunter“ trat Parker vor über fünfzig Jahren zum ersten Mal auf und im Manuskript starb der Held auch, entsprechend den damaligen Konventionen, dass Verbrechen sich nicht lohne, am Ende. Der Verleger fragte Donald Westlake, der den Roman unter einem Pseudonym schrieb, ob am Ende Parker überleben könne. Westlake sagte „ja“ und niemand konnte damals ahnen, dass damit eine der langlebigen Serien, mit etlichen Verfilmungen, begann. „The Hunter“ wurde zweimal verfilmt: einmal grandios von John Boorman als „Point Blank“ mit Lee Marvin; einmal nicht so grandios von Brian Helgeland als „Payback – Zahltag“ mit Mel Gibson. Denn Parker ist wirklich kein liebenswerter Zeitgenosse. Er ist ein Profiverbrecher, der seine Jobs cool und effizient durchzieht. Für seine Ziele geht er skrupellos über Leichen und Darwyn Cooke zeigt auch das in seinem Comic, der dem Roman (aus der Erinnerung) sehr genau folgt.

Es beginnt mit einer doppelseitigen Ansicht von Manhattan 1962. Danach beobachten wir, wie Parker ziemlich stinkig über die George-Washington-Bridge nach Manhattan marschiert und sich einen Grundstock an Geld und Papieren zusammenklaut. Erst auf Seite 20 sehen wir zum ersten Mal sein Gesicht in einem Spiegel. Er ähnelt Jack Palance, einem heute fast vergessenem Tough-Guy-Schauspieler, der dreimal für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert war. Und bis er einige Seiten später Lynn ohrfeigt, erzählen die Schwarz-Weiß-Blauen, fast schon abstrakten Zeichnungen von Darwyn Cooke die Geschichte mit archaischer Wucht. Erst jetzt erfahren wir auch, was Parker nach Manhattan getrieben hat und warum er so stinkig ist: er wurde von Mal nach einem Überfall hereingelegt, um seinen Anteil an der Beute betrogen und Lynn sollte ihn, erpresst von Mal, erschießen. Fast hätte sie Erfolg gehabt.

Parker will jetzt seinen Anteil an der Beute wieder haben – und dafür legt er sich auch mit der Mafia an. Denn Mal bezahlte mit dem Geld seine Schulden bei der Mafia.

Als vor vier Jahren vertrauenswürdige Noir-Comicautoren wie Ed Brubaker „The Hunter“ in den höchsten Tönen lobten und die ersten Bilder aus dem Comic im Netz auftauchten, war ich gespannt. Immerhin schrieb und zeichnete Darwyn Cooke unmittelbar davor einige fantastische, poppig-bunte „The Spirit“-Geschichten, die absolut keine Ähnlichkeit mit dem komplett vergurkten Film haben, und die ersten Seiten sahen fantastisch aus.

Die gesamte, erst jetzt übersetzte Geschichte (sie war schon für 2011 angekündigt) hält dem Versprechen der ersten Seiten, mit ihrer vorantreibenden und sehr stimmigen Mischung aus Bild und Text, stand. „Parker“ ist ein grandioser, stilbewusster Noir-Comic, in dem Darwyn Cooke Parker so grimmig zeichnet, wie Richard Stark ihn geschrieben hat und der in dieser Geschichte skrupellos mehrere Menschen umbringt.

Darwyn Cooke schrieb bis jetzt insgesamt fünf Parker-Comics – und ich freue mich schon auf die weiteren Auftritte von dem „Mistkerl“ (Stark über Parker).

Darwyn Cooke: Parker

(übersetzt von Stephanie Grimm)

Eichborn, 2013

144 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Richard Stark’s Parker – The Hunter

IDW Publishing, 2009

Vorlage

Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

Hinweise

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

 


TV-Tipp für den 23. November: Payback – Zahltag

November 23, 2012

RTL II, 22.50

Payback – Zahltag (USA 1999, R.: Brian Helgeland)

Drehbuch: Brian Helgeland, Terry Hayes

LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

Porter will seine 70 Riesen zurückhaben. Nur sein Kumpel Val, der ihn einige Kugeln in den Rücken verpasste und mit Porters Frau verschwand, und die Mafia haben etwas dagegen.

Ziemlich missratene, zwischen allen Stühlen sitzende, brutale Neuverfilmung von Richard Starks (ein Pseudonym von Donald Westlake) erstem Parker-Roman, die nie auch nur annähernd die Qualität von John Boormans „Point Blank“ (mit Lee Marvin) erreicht. Die Gründe sind u. a. verschiedene Auffassungen über die Hauptrolle zwischen Helgeland und Gibson (der deshalb Teile neu drehen lies), die Scherze sind nicht witzig und der Action-Overkill ist für einen einen kleinen, düsteren Gangsterfilm zu viel, aber für einen Action-Film zu wenig.

Jahre später gab es den „Director’s Cut“, der sich sehr vom Kinofilm unterscheidet.

Mit Mel Gibson, Gregg Henry, Lucy Liu, Kris Kristofferson, William Devane, Deborah Kara Unger

Wiederholung: Samstag, 24. November, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

 


Happy Birthday, Sean Connery!

August 25, 2010

Den großen Durchbruch hatte der am 25. August 1930 in ärmlichen Verhältnissen in Edinburgh geborene Sean Connery nach einigen unbedeutenden Nebenrollen als James Bond in „007 jagt Dr. No“ (1962). Bereits während seiner Bond-Jahre probierte er, allerdings mäßig erfolgreich, andere Rollen aus und arbeitete mit bekannten Regisseuren, wie Alfred Hitchcock („Marnie“, 1964), Sidney Lumet („Ein Haufen toller Hunde“, 1965, „Der Anderson-Clan“, 1971, „Sein Leben in meiner Gewalt“, 1972, „Mord im Orient-Express“, 1974, „Family Business“, 1990), Edward Dmytryk („Shalako“, 1968) und Martin Ritt („Verflucht bis zum jüngsten Tag“, 1969) zusammen. Auch danach versuchte er immer wieder, mit wechselndem Erfolg, sein Repertoire zu erweitern. Dazu gehören vor allem John Boormans Science-Fiction-Film „Zardoz“ (1974), John Milius‘ Abenteuerfilm „Der Wind und der Löwe“ (1975), John Hustons Rudyard-Kipling-Verfilmung „Der Mann, der König sein wollte“ (1975), Richard Lesters Robin-Hood-Abgesang „Robin und Marian“ (1976) und sein Politthriller „Explosion in Cuba“ (1979), Michael Crichtons Gangsterfilm „Der erste große Eisenbahnraub“ (1978), Peter Hyams High-Noon-im-Weltraum-Thriller „Outland – Planet der Verdammten“ (Einer der ersten Connery-Filme, die ich im Kino sah. Denn damals gab es in meinem Provinzkino auch eine Wiederholung der Connery-Bond-Filme.), Terry Gilliams Fantasyfilm „Time Bandits“ (hier hatte Connery nur eine Nebenrolle), Richard Brooks prophetische Satire „Flammen am Horizont“ (1982) und Fred Zinnemanns in den Bergen spielendes Eifersuchtsdrama „Am Rande des Abgrunds“ (1982; es war Zinnemanns letzter Film). Dann spielte er für viel Geld noch einmal James Bond: „Sag niemals nie“ (1983).

In Russel Mulcahys „Highlander – Es kann nur einen geben“ (1985) spielte er erstmals die Rolle des väterlichen Freundes und Vorbildes für einen jüngeren Charakter. In Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“ (1986) hatte er dann damit einen überwältigenden Erfolg und seine zweite Karriere als Schauspieler, in der er nicht mehr nur an James Bond gemessen wurde, begann. Brian De Palmas Prohibitions-Krimi „The Untouchables – Die Unbestechlichen“ (1986, wofür er einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt), Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989), John McTiernans Tom-Clancy-Verfilmung „Jagd auf Roter Oktober“ (1990), Fred Schepisis John-Le-Carré-Verfilmung „Das Russland-Haus“ (1990), ein Kurzauftritt in Kevin Reynolds „Robin Hood – König der Diebe“ (1991, Heute kann sich wahrscheinlich niemand mehr vorstellen, welche Wirkung Connerys Cameo am Filmende hatte.), Philip Kaufmans Michael-Crichton-Verfilmung „Die Wiege der Sonne“ (1993), Bruce Beresfords dank Sean Connery halbwegs sehenswerter Satire „A Good Man in Africa“ (1994), Arne Glimchers okaye John-Katzenbach-Verfilmung „Im Sumpf des Verbrechens“ (1995), Michael Bays „The Rock – Fels der Entscheidung“ (1996, laut, lauter, am lautesten, Jerry Bruckheimer), Jeremiah Chechiks Desaster „Mit Schirm, Charme und Melone“ (1998), Willard Carrolls hochkarätig besetzter Ensemblefilm „Leben und Lieben in L. A.“ (1998), Jon Amiels Caper „Verlockende Falle“ (1999, gleichzeitig eine Abkehr von seinen Väter-Rollen), Gus van Sants „Forrester – Gefunden“ (2000) und, sein bislang letzter Film, Stephen Norringtons desaströse Alan-Moore-Verfilmung „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003).

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Mr. Connery!

Hinweise

Homepage von Sean Connery

Wikipedia über Sean Connery (deutsch, englisch)

Sean Connery in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. Mai: Hope and Glory

Mai 6, 2009

SWR, 23.00

Hope and Glory (GB 1987, R.: John Boorman)

Drehbuch: John Boorman

Buch zum Film: Rolf Giesen: John Boorman – Hope and Glory, 1987

Als Bill neun Jahre alt ist, beginnt der zweite Weltkrieg. Während für seinen Vater an der Front und die Mutter in einer Londoner Vorstadt die nächsten Jahre ein ständiger Überlebenskampf sind, erlebt Bill diese Zeit anders.

John Boormans Rückblick auf die Kriegsjahre und auch seine Jugend ist eine mit typisch britischem Humor erzählte herzerwärmende Geschichte einer Kindheit. In Deutschland floppte der Film, obwohl er in England und den USA breit abgefeiert wurde und auch deutsche Kritiker die Qualität von „Hope and Glory“ erkannten: „Für uns gehört ‚Hope and Glory’ zu den erfreulichsten Erlebnissen und schönsten Filmen des Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1988)

„Hope and Glory ist so etwas wie Boormans Antwort auf das monumentale Filmwerk Heimat von Edgar Reitz, das ihm, wie er betont, viel gegeben hat.“ (Rolf Giesen: John Boorman – Hope and Glory)

Boormans Film war unter anderem in den Kategorien bestes Drehbuch, beste Regie und bester Film für den BAFTA, Oscar und Golden Globe nominiert. Den Golden Globe für den besten Film erhielt er. Außerdem erhielt „Hope and Glory“ in diesen Kategorien den Los Angeles Film Critics Association Award. Und die Writers Guild of America nominierte das Drehbuch.

Mit Sebastian Rice-Edwards, Geraldine Muir, Sarah Miles, David Hayman, Sammi Davis, Ian Bannen

Hinweise

Wikipedia über „Hope and Glory“

Drehbuch “Hope and Glory” von John Boorman (Vierte Fassung, 1986)

Drehbuch „Hope and Glory“ von John Boorman (Vierte Fassung als  PDF)


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 17, 2009

Der Alligator kehrt zurück, es wird kalt und die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps sind online:

Neben der üblichen Portion Bond, Brunetti und Poirot sind in den kommenden Tagen vor allem John Boormans John-le-Carré-Verfilmung „Der Schneider von Panama“, Joseph Sargents John-Godey-Verfilmung „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (Tony Scott dreht gerade mit Denzel Washington und John Travolta ein Remake), Frank Millers „Sin City“ (Robert Rodriguez, Frank Miller und Quentin Tarantino saßen abwechselnd im Regiestuhl), Jean Renoirs Emile-Zola-Verfilmung „Bestie Mensch“, Lee Tamahoris Pete-Dexter-Verfilmung „Nach eigenen Regeln“, Boris Sagals Jonathan-Latimer-Verfilmung „Columbo: Blumen des Bösen“, Detlev Bucks Gregor-Toressnow-Verfilmung „Knallhart“ und Lars Becker meint in einer TV-Premiere „Schade um das schöne Geld“.


TV-Tipp für den 14. Februar: Der Schneider von Panama

Februar 14, 2009

Sat.1, 00.15

Der Schneider von Panama (USA/Irl./GB 2001, R.: John Boorman)

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter

Wiederholung: Sonntag, 14. Februar, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Marionetten“ (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)


TV-Tipp für den 9. August

August 9, 2008

Kabel 1, 20.15

Der Schneider von Panama (USA/Irl./GB 2001, R.: John Boorman)

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Das neue Buch „A most wanted Man“ von John le Carré erscheint am 23. September 2008 in seiner Heimat. Eine deutsche Veröffentlichung ist noch nicht angekündigt.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter

Hinweise

Homepage von John le Carré

Wikipedia über John le Carré (deutsch/englisch)

Krimi-Couch über John le Carré

Kirjasto über John le Carré

The Salon Interview mit John le Carré (1996)

Charlie Rose redet mit John le Carré (1996)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Ein Buch über John le Carré


Parker besucht Neu-England

August 6, 2008

Endlich wird Richard Stark wieder ins Deutsche übersetzt. Denn Donald E. Westlake schreibt bereits seit 1997 unter dem Pseudonym Richard Stark neue Parker-Romane. Parker, für die, die ihn noch nicht kennen, ist ein eiskalter Profigangster. Seinen ersten Auftritt hatte er 1962 in „The Hunter“ (Jetzt sind wir quitt; Payback). Der Roman wurde, für die Älteren 1967 von John Boorman mit Lee Marvin als „Point Blank“ (Klassiker), für die Jüngeren 1999 von Brian Helgeland mit Mel Gibson als „Payback“ (Schrottfilm), verfilmt. Bis 1974 schrieb Richard Stark fünfzehn weitere Parker-Geschichten. Etliche wurden, mehr oder weniger erfolgreich, mit verschiedenen, oft bekannten Schauspielern, die alle wegen der von Stark abgeschlossenen Verträge nie „Parker“ hießen, verfilmt. Dann schrieb er über zwanzig Jahre keine weiteren Parker-Abenteuer und auch keine weiteren Bücher als „Richard Stark“. Seit der Rückkehr 1997, ganz unspektakulär „Comeback“ betitelt, erschienen acht weitere Parker-Abenteuer, die sich nur in der Länge von den früheren Parker-Geschichten unterscheiden. Sie sind etwas länger, aber nach heutigem Standard immer noch unglaublich kurz und gefüllt mit mehr Handlung als ein halbes Dutzend Bestseller.

Zsolnay veröffentlichte jetzt – und das ist der kleine Wermutstropfen bei seinem neuen Auftritt in Deutschland – mit „Fragen Sie den Papagei“ den vorletzten Parker-Roman. Der bislang letzte, „Dirty Money“, erschien in den USA im April. Zusammen mit „Nobody runs forever“ bilden die drei Romane eine kleine Trilogie. Denn „Fragen Sie den Papagei“ schließt sich unmittelbar an „Nobody runs forever“ an.

Parker flüchtet nach einem teilweise fehlgeschlagenen Überfall vor den Polizeihunden in die Berge. Er trifft den Einzelgänger Tom Lindahl, der einen todsicheren Plan zum Stehlen der Rennbahn-Wettgelder bei seinem früheren Arbeitgeber hat. Parker ist nicht sonderlich begeistert, während die Polizei ihn jagt, zusammen mit einem Amateur einen Diebstahl zu begehen. Doch Lindahl erpresst ihn und in dem kleinen, beschaulichen Ort, in dem Lindahl lebt und die Bewohner als Höhepunkt ihrer kriminellen Karriere eine Ampel bei Rot überfahren, geraten die Dinge schnell außer Kontrolle, es gibt Tote und Parker wünscht sich wieder zurück in die Gesellschaft von Gangstern. Denn diese sind immerhin berechenbar.

„Dirty Money“ spielt wenige Tage nach „Fragen Sie den Papagei“. Parker kehrt gerade zu seiner Freundin Claire zurück, als er erfährt, dass Nick Dalesia einen U. S. Marshal ermordete und flüchtig ist. Dalesia hatte in „Nobody runs forever“ zusammen mit Parker und Nelson McWhitney den Geldtransporter der Bank überfallen. Während McWhitney entkommen konnte, wurde Dalesia, als er einen Teil der Beute ausgab, verhaftet.

Parker weiß, dass er jetzt die in einer verlassenen Kirche versteckte Beute holen muss. Denn Nick Dalesia wird sie wahrscheinlich für sich hohlen und – was noch wahrscheinlicher ist, weil er an der Ostküste niemanden kennt – vorher von der Polizei geschnappt werden und dann, für eine geringere Strafe, seine Mitverbrecher und das Versteck der Beute verraten.

Parker, Claire, Nelson McWhitney und die ebenfalls bereits aus „Nobody runs forever“ bekannte Kopfgeldjägerin Sandra Loscalzo machen sich auf den Weg in das beschaulich-herbstliche Neu England. Offiziell wollen sie sich als „leaf peepers“ (Laubbeobachter) unter die Touristen mischen. Doch überall hängen Fahndungsplakate mit Parkers Bild herum und Detective Gwen Reversa sucht immer noch das gestohlene Geld und die Diebe.

„Dirty Money“ ist, wie auch alle vorherigen Parker-Romane, ein schneller, amoralischer, schwarzhumoriger Hardboiled-Gangsterkrimi, der eine überragende Serie spannend fortsetzt.

Und, für Neueinsteiger, das Gute bei den Parker-Romanen ist, dass sie vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden können. Die letzten drei sind (wie die ersten Parker-Romane) nur deshalb eine Trilogie, weil der Verleger das für verkaufsfördernder hält und Richard Stark einige Charaktere und lose Fäden aus den vorherigen Büchern wieder aufgenommen hat. Ansonsten ist, für die Deutschen, „Fragen Sie den Papagei“ einfach der neue Parker-Roman.

Deshalb ist der Wermutstropfen nur für die Kenner der Originale erkennbar. Und Zsolnay will mit weiteren Parker-Romanen Abhilfe schaffen (natürlich nur, wenn die Zahlen stimmen).

Nachtrag, 8. 8. 08: Im Frühjahr 2009 erscheint die deutsche Ausgabe von „Nobody runs forever“. Der deutsche Titel steht noch nicht fest.

Richard Stark: Fragen Sie den Papagei

(übersetzt von Dirk van Gunsteren)

Zsolnay, 2008

256 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Ask the Parrot

Mysterious Press, 2006

Richard Stark: Dirty Money

Grand Central Publishing, 2008

288 Seiten

17 Euro (circa)

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Meine ausführliche Vorstellung von Parker und seinen Erben in der Spurensuche

Meine Besprechung von Richard Starks „Ask the Parrot“

Richard-Stark-Seite des Zsolnay Verlages


TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 2, 2008

Wer den Sommer nicht in der Strandbar mit einem guten Buch und einigen anderen Dingen verbringen möchte, kann natürlich vorm Fernseher einige ruhige Stunden mit diesen Verfilmungen von Krimis verbringen. Alligator Alfred hat sich die lange Version geschnappt, aber ein kleiner Teil konnte in der Kriminalakte archiviert werden:

passend zu den sommerlichen Temperaturen bieten die TV-Sender mit Brunetti, Wallander, van Veeteren und Jerry Cotton filmische Schonkost an.
Empfehlenswert sind dagegen Franklin J. Schaffners Henri-Charrière-Verfilmung „Papillon“, Lars Beckers drittem Nachtschicht-Film „Tod im Supermarkt“, Henri Verneuils Claude-Veillot-Verfilmung „100.000 Dollar in der Sonne“ (ein Film mit Jean-Paul Belmondo und Lino Ventura kann nicht ganz schlecht sein), John Boormans John-le-Carré-Verfilmung „Der Schneider von Panama“, Robert Aldrichs Mickey-Spillane-Verfilmung „Rattennest“, John Frankenheimers Richard-Condon-Verfilmung „Botschafter der Angst“, Raoul Walshs Western-Verfilmung von W.-R.-Burnetts „High Sierra“, Patrick Lecontes über zehn Jahre nicht mehr gezeigte Georges-Simenon-Verfilmung „Die Verlobung des Monsieur Hire“, Claude Sautets Claude-Néron-Verfilmung „Das Mädchen und der Kommissar“, „Shaft“ sorgt weiterhin in seinem Revier für Ordnung, „Arabeske“ wird weiterhin entschlüsselt, für die Westernfreunde gibt es „Mein großer Freund Shane“ und „Django“, und, als TV-Premiere, die Jan-Guillou-Verfilmung „Evil“.


TV-Tipp für den 8. Februar

Februar 8, 2008

RBB, 02.35

Berlinale Pressekonferenzen

Während der Berlinale zeigt der RBB jede Nacht, nach Mitternacht, vom Blitzlichtgewitter der Fotografen bis zur letzten Frage die Berlinale-Pressekonferenzen. Das ist dann jedes Mal ein Stück surreales Fernsehen. In den Pressekonferenzen sitzen Journalisten aus der ganzen Welt. Allein das führt schon zu einem lustigen Sprachwirrwarr, weil fast jeder in irgendeiner Fremdsprache herumdilettiert und Fragen und Antworten immer simultan übersetzt werden müssen. Verschärft wird die Situation durch die höchst ungleich verteilte filmische Kompetenz der Fragenden. Profis stehen neben seltsamen Gestalten, deren Filmwissen irgendwo zwischen ‚nicht vorhanden’ und ‚obskurstem Fantum’ angesiedelt ist. Das daraus entstehende Potpourri von Fragen ist entsprechend bunt. Die einen stellen informative Fragen zum Film. Die anderen sind an reinen Klatschgeschichten interessiert. Die letzten wollen einfach nur sagen: „Miss XXX (Name nach Belieben einfüllen), ich finde Sie wundervoll. Und ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns diesen Film geschenkt haben.“ Die Angesprochene nimmt, irritiert lächelnd, das Kompliment entgegen. Die neben ihr sitzende Regielegende (David Cronenberg? John Boorman? Claude Chabrol? Sidney Lumet? Martin Scorsese???) langweilt sich. Und wenn ihm dann nach gefühlten Stunden die erste Frage gestellt wird, wird nach seinem vor Jahrzehnten gedrehten Meisterwerk gefragt. Der Angesprochene versucht höflich auf seinen neuen Film hinzuweisen. Der Produzent (niemand kennt ihn) kämpft energisch mit einer Wasserflasche – und der Drehbuchautor wurde eh draußen gelassen.

Unbedingt einschalten!


TV-Tipp für den 16. Januar

Januar 16, 2008

Das Vierte, 22.20

Die Hölle sind wir (USA 1968, R.: John Boorman)

Drehbuch: Alexander Jacobs, Eric Bercovici

Zweiter Weltkrieg: Auf einer Pazifikinsel treffen ein amerikanischer und ein japanischer Soldat aufeinander. Sie bekriegen sich weiter.

„Die Hölle sind wir“ ist ein schon lange nicht mehr gezeigtes, fast stummes Zweipersonenstück von John Boorman (geb. 18. Januar 1933). Nach dem düsteren Gangsterfilm „Point Blank“ wollten er und Lee Marvin die amerikanische Seele wieter ausloten. „Wenn am Ende Marvin von Gott spricht, erkennen wir die ganze Heuchelei des amerikanischen Systems, das auf christlichen Glauben gegründet ist, auf den Glauben an Gott. Da ist Bestandteil der Verfassung. Aber in Wirklichkeit ist es ein entchristlichliches Land, ein gottloses Land.“ (John Boorman)

„John Boorman inszenierte mit seinem Film eine eindrucksvolle Parabel auf menschliches Fehlverhalten, das natürliche Gefühle durch falsch verstandenes soldatisches Pflichtgefühl und sinnlose Obrigkeitshörigkeit pervertiert.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Mit Lee Marvin, Toshiro Mifune


TV-Tipp für den 21. Dezember

Dezember 20, 2007

3sat, 20.15

Rangoon – Im Herzen der Hölle (USA 1995, R.: John Boorman)

Drehbuch: Alex Lasker, Bill Rubenstein

Nach der Ermordung von ihrem Mann und ihrem Kind versucht Laura Bowman in Rangoon, Myanmar (Birma), bei ihrer Schwester das Trauma zu verarbeiten. Schnell gerät sie, weil sie in dem totalitären Staat für die Demokratiebewegung ist, in politische Wirren.

Leider immer noch aktuelles, geradliniges Politdrama von John Boorman, der hier nicht an seine besten Werke anknüpfen kann, aber 1995 von der Kritik viel zu schlecht behandelt wurde. Deshalb: ein unterschätzter Film.

Eine der wenigen positiven Stimmen zum Kinostart: „Befreiungskampf und Bewusstwerdung, politische und private Katastrophe in einem gelungenen Abenteuerfilm und Politthriller, wie man ihn von John Boorman erwartet; spannend und mit Bildern, die überzeugen.“ (Fischer Film Almanach 1996)

Mit Patricia Arquette, U Aung Ko, Frances McDormand, Spaulding Grey

3sat über den Film


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juli 20, 2007

Welche verfilmten Kriminalromane laufen die kommenden zwei Wochen im Fernsehen? Die gewohnt liebevoll bebilderte Auflistung gibt es hier.

Als Appetitanreger das Intro:

Hallo liebe Krimifreunde,
herzlich willkommen zu zwei bluttriefenden Wochen mit Edgar Wallace, Henning Mankell und Dashiell Hammett. Von letzterem gib es den abschließenden Teil des „Fluches des Hauses Dain“ und den auch in der x-ten Wiederholung vergnüglichen „Dünnen Mann“. Zu den empfehlenswerten Filmen der kommenden Tage gehören Brian De Palmas Edwin Torres-Verfilmung „Carlito’s Way“ (mit Al Pacino), Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“-Serie, Don Siegels Glendon Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ (auch der letzte John Wayne-Film), Wim Wenders Patricia Highsmith-Verfilmung „Der amerikanische Freund“, René Clements Highsmith-Verfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“, Paul Schrades viel zu unbekannte Elmore Leonard-Verfilmung „Touch – Der Typ mit den magischen Händen“, Alfred Hitchcocks Victor Canning-Verfilmung „Familiengrab“ (der letzte Film des Meisters), John Boormans John le Carré-Verfilmung „Der Schneider von Panama“, Philip Noyces Graham Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Bertrand Taverniers Georges Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“ (Arte wiederholt) und seine grandiose Jim Thompson-Verfilmung „Der Saustall“.
Für die Filmenthusiasten gibt es bei 3sat einen kleinen Edgar G. Ulmer Abend mit der Doku „Edgar G. Ulmer – der Mann im Off“ und seinem bekanntesten Film „Die schwarze Katze“.
 


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