DVD-Kritik: Ziemlich Noir – „Outrage Beyond“, „Casbah – Verbotene Gassen“ und „Der gläserne Schlüssel“

Juni 17, 2016

 

Schon Takeshi Kitanos ultrabrutales Yakuza-Epos „Outrage“ erlebte seine Premiere bei uns nur auf DVD und bis die Fortsetzung „Outrage Beyond“ bei uns erschien, dauerte es vier Jahre. Denn Kitano drehte die fünf Jahre nach den Ereignissen von „Outrage“ spielende Fortsetzung bereits 2012 und viele bekannte Gesichter sind wieder dabei. Sofern sie das Blutbad des ersten Teils überlebten. Die Fortsetzung kann daher vollkommen unabhängig von „Outrage“ gesehen werden.

Gangsterboss Kato will, mit seiner rechten Hand Ishihara, das Sanno-kai-Syndikat, das inzwischen zum mächtigsten Yakuza-Clan wurde, mehr in Richtung legaler Geschäfte lenken und auch die Politik beeinflussen. Da gibt es Gerüchte, dass Kato unehrenhaft an die Macht kam. Einige ihm untergebene Yakuza wollen die Macht im Clan übernehmen.

Und der korrupte Polizist Kataoka, der in „Outrage“ eine Nebenfigur war, spielt, wenn nötig alle Dienstvorschriften ignorierend, die einzelnen Yakuzas und Yakuza-Clans gegeneinander aus.

Er beschützte auch seinen Jugendfreund Otomo (Takeshi Kitano), der das Ende von „Outrage“ doch überlebte und seitdem gut geschützt und unerkannt inhaftiert war. Jetzt wird Otomo wird vorzeitig entlassen und eigentlich erwarten alle, dass er sich jetzt in einem blutigen Rachefeldzug an allen, die ihn damals ins Gefängnis brachten, rächen wird. Aber Otomo will zunächst nur seine Ruhe haben.

Nachdem Kitano am Anfang von „Outrage Beyond“ zeigt, wie Organisiertes Verbrechen und legale Wirtschaft miteinander verschmelzen, wird der Gangsterfilm nach der Wiederauferstehung von Otomo zunehmend zu einem blutigen Racheepos, in dem die Yakuza-Clans sich äußerst bleihaltig bekämpfen und Loyalität gerade bis zur nächsten Kugel reicht.

Sehenswert! Wie auch die anderen Yakuza-Filme von Kitano.

Outrage Beyond - DVD-Cover

Outrage Beyond (Autoreiji: Biyondo, Japan 2012)

Regie: Takeshi Kitano

Drehbuch: Takeshi Kitano

mit Takeshi Kitano, Toshiyuki Nishida, Tomokazu Miura, Ryô Kase, Hideo Nakano, Yutaka Matsushige, Fumiyo Kohinata

DVD

Capelight

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Japanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Teaser, Wendecover

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Capelight veröffentlichte den Film als Single-DVD und 3-Disc Limited Collector’s Edition.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Outrage Beyond“

Wikipedia über „Outrage Beyond“ 

Mit „Casbah – Verbotene Gassen“ von John Berry und „Der gläserne Schlüssel“ von Stuart Heisler setzt Koch Media seine in jeder Beziehung lobenswerte „Film Noir Collection“ fort.

Casbah – Verbotene Gassen“ ist dabei eine kleine Entdeckung, ein Remake, ein interessanter Gangsterfilm und Noir, der allerdings nicht das Niveau der erste Verfilmung erreicht und mit seinen zahlreichen Gesangseinlagen – auch von dem Gangster Pepe Le Moko – nervt.

Pepe Le Moko (Tony Martin) ist ein aus Frankreich nach Algiers geflohener Juwelendieb, der sich in den Gassen der titelgebenden Casbah versteckt, von den Einheimischen beschützt wird und Raubzüge orchestriert. Die Polizei kann ihn in der Casbah nicht schnappen. Aber der schlaue Inspektor Slimane (Peter Lorre – gewohnt großartig) kann warten. Als die schöne Gaby (Marta Toren), die als Touristin auf der Durchreise ist, auftaucht, wittert Slimane seine Chance. Kaltblütig stellt er eine Falle auf, in die der Juwelendieb tappen soll.

John Berry inszeniert die Gassen der Casbah hübsch verwinkelt, die Frauen sind schön und sexy, die Verbrecher und Spitzel ein schönes Typenarsenal der Verschlagenheit, es gibt etwas Humor und viel zu viel Gesang.

Casbah – Verbotene Gassen“ ist ein Remake von „Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier“ (Pépé le Moko, Frankreich 1937, Regie: Julien Duvivier, mit Jean Gabin), der in jeder Beziehung der bessere Film ist und auch das konsequentere Noir-Ende hat.

Dagegen ist das Ende von Pepe Le Moko in „Casbah“ höchstens lustlos erfüllter Dienst nach Vorschrift.

Casbah - Cover 4

Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, USA 1948)

Regie: John Berry

Drehbuch: L. Bush-Fekete, Arnold Manoff

LV: Henri La Barthe (als Détective Ashelbé): Pépé le Moko, 1931

mit Yvonne DeCarlo, Tony Martin, Peter Lorre, Marta Toren, Hugo Haas, Thomas Gomez, Douglas Dick

DVD

Koch Media

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Casbah – Verbotene Gassen“ (deutsch, englisch)

TCM über „Casbah – Verbotene Gassen“

Ein Klassiker ist „Der gläserne Schlüssel“ und jetzt liegt die bekannteste der wenigen Verfilmungen von Dashiell Hammetts Klassiker auf DVD vor. Es ist auch einer der wenigen explizit politischen Noirs.

Paul Madvig, ein eher dubioser Geschäftsmann, giert nach gesellschaftlicher Anerkennung. Deshalb engagiert er sich im Wahlkampf für die Wiederwahl von Senator Henry. Außerdem ist er in dessen Tochter Janet, die er heiraten will, verliebt. Die findet allerdings Madvigs rechte Hand, Ed Beaumont, attraktiv.

Als Beaumont die Leiche von Taylor, dem Sohn des Senators entdeckt, befürchtet er, dass sein Boss und Freund verdächtigt werden könnte. Denn Madvigs Schwester ist in Taylor verliebt und Taylor und Madvig stritten sich vorher. Wenn das bekannt wird, kann Madvig seine politischen Ambitionen vergessen. Also sucht Beaumont den Mörder.

Seine Suche nach dem Mörder gestaltet sich wegen konkurrierender Gangsterbanden, der innigen Verflechtung von legaler und illegaler Wirtschaft, dem Wahlkampf und den damit verbundenen politischen Interessen und einer letztendlich die gesamte Stadt beherrschenden und akzeptierten Korruption schwierig. Mit diesem düsteren Bild der kommunalen Politik schuf Hammett die Blaupause für die Beschreibung US-amerikanischer Politik im Thrillerformat, die noch heute in Romane und Filmen nachwirkt.

In dem Film wurde dann die Liebesgeschichte zwischen Beaumont und Janet stärker betont. Denn Alan Ladd und Veronica Lake hatten kurz vorher in „Die Narbenhand“ (This Gun for hire, 1942) ihre Leinwandchemie als Noir-Traumpaar bewiesen.

Jonathan Latimer, der auch einige hochgelobte Kriminalromane schrieb, schrieb das Drehbuch und Stuart Heisler, unter anderem „Des Teufels Pilot“ (mit Humphrey Bogart), inszenierte straff und einfallsreich die überaus komplexe Geschichte in unter neunzig Minuten.

Neben dem üblichen Bonusmaterial der „Noir Collection“ gibt es dieses Mal auch drei kurze, aber sehr informative Featurettes über den Film (genaugenommen eine Einführung in eine US-Noir-Collection) und Noir-Experte Eddie Muller redet über Dashiell Hammetts „The Glass Key“ und das Filmpaar Alan Ladd/Veronica Lake.

Der gläserne Schlüssel - Cover 4

Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, USA 1942)

Regie: Stuart Heisler

Drehbuch: Jonathan Latimer

LV: Dashiell Hammett: The Glass Key, 1930 (Black Mask)/1931 (Romanausgabe) (Der gläserne Schlüssel)

mit Brian Donlevy, Alan Ladd, Veronica Lake, Bonita Granville, Joseph Calleia, Richard Denning, Moroni Olsen, William Bendix

DVD

Koch Media

Bild 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Bildergalerie, Trailer, 3 Featurettes

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Thrilling Detecitve über Ned Beaumont

Noir of the Week über „Der gläserne Schlüssel“

Der Film Noir über „Der gläserne Schlüssel“

Rotten Tomatoes über „Der gläserne Schlüssel“

Turner Classic Movies über „Der gläserne Schlüssel“

Wikipedia über „Der gläserne Schlüssel“ (deutsch, englisch)

Dashiell Hammett und Jonathan Latimer in der Kriminalakte

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TV-Tipp für den 9. März: Der gläserne Schlüssel

März 9, 2015

Arte, 22.20
Der gläserne Schlüssel (USA 1942, Regie: Stuart Heisler)
Drehbuch: Jonathan Latimer
LV: Dashiell Hammett: The Glass Key, 1932 (Der gläserne Schlüssel)
Ist der korrupte Politiker Paul Madvig auch ein Mörder? Sein Assistent Ed Beaumont versucht die Unschuld seines Chefs zu beweisen.
Ein Noir-Klassiker, der zuletzt vor Ewigkeiten im TV lief und an den ich mich nur noch vage erinnere. Aber Buch (Hammett!) und Film (Ladd! Lake!) haben mir damals verdammt gut gefallen.
„Die politischen Bezüge, die enge Verbindung zwischen Verbrechen und Politik sind weniger explizit als in Hammetts Roman (…), werden aber benannt und machen aus ‚Der gläserne Schlüssel‘ eines der wenigen Kriminaldramen des ‚Film noir‘ mit einem konkreten gesellschaftspolitischen Hintergrund.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
„Zwar keine sehr werkgetreu, aber nach ‚The Maltese Falcon‘ die wohl interessanteste Umsetzung einer Hammett-Vorlage.“ (Paul Werner: Film noir)
Nächsten Montag, den 16. März, zeigt Arte zwei weitere, selten gezeigte Noir-Klassiker: um 20.15 Uhr „Die blaue Dahlie“ und um 21.50 Uhr „Unter falschem Verdacht“ – und, wenn man so will, um 00.55 Uhr „Chinatown“.
Alle Filme laufen im Rahmen des Arte-Krimifrühling, der heute beginnt und uns bis Ende März einige Filmperlen zeigt.
Mit Brian Donlevy, Veronica Lake, Alan Ladd, Bonita Granville, Joseph Calleia, Richard Denning, William Bendix

Hinweise

Noir of the Week über „Der gläserne Schlüssel“

Der Film Noir über „Der gläserne Schlüssel“

Rotten Tomatoes über „Der gläserne Schlüssel“

Turner Classic Movies über „Der gläserne Schlüssel“

Wikipedia über „Der gläserne Schlüssel“ (deutsch, englisch)

Dashiell Hammett und Jonathan Latimer in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. April: Columbo: Blumen des Bösen

April 19, 2010

SRTL, 22.15

Columbo: Blumen des Bösen (USA 1972, R.: Boris Sagal)

Drehbuch: Jonathan Latimer

Onkel Jarvis, Orchideenzüchter und Verwalter des Familienvermögens, schlägt dem in finanziellen Nöten steckenden Playboy Goodland eine fingierte Entführung vor. Aber Goodland bleibt für immer verschwunden. Oder wird Columbo ihn finden?

Diese natürlich äußerst gelungene Columbo-Folge (Plot gut, Dialoge gut, Schauspieler dito) ist das letzte Drehbuch des Pulp-Autors. Joseph Latimer schrieb auch Drehbücher für die langlebige Perry Mason-Serie mit Raymond Burr.

Mit Peter Falk, Ray Milland

Hinweise:

Krimi-Couch über Jonathan Latimer

Mystery File (John Fraser sehr ausführlich) über John Latimer

Kirjasto über Jonathan Latimer

Thrilling Detective über Jonathan Latimer

Wikipedia über „Columbo“ (deutsch, englisch)

The Museum of Broadcast Communications über “Columbo”

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

April 9, 2010

Meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps sind, mit vielen schönen Bildern (Danke, Alfred!), bei den Alligatorpapieren online:

Nach dem österlichem Trommelfeuer geht’s jetzt geruhsamer durch den April. Zum Auftakt gibt es George Stevens A.-B.-Guthrie-jr.-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“ und die schon länger nicht mehr gezeigte Carl-Hiaasen-Verfilmung „Striptease“ (jaja, viele Razzies). Weiter geht’s mit Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Francois Truffauts Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Geheimnis der falschen Braut“, Norman Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“, Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“, Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“ (und schlaflos ist), Henri-Georges Clouzots Boileau/Narcejac-Verfilmung „Die Teuflischen“, José Giovannis „Der Mann aus Marseille“, den ersten beiden Teile der TV-Version von „Der Pate“ und zweimal Columbo. Einmal mit Mickey Spillane (Schreib oder stirb), einmal von Jonathan Latimer (Blumen des Bösen).


Kleinkram: Jörg Fauser wird 65; Jan Costin Wagners „Das Schweigen“ wird verfilmt; Jürgen Roth wird befragt; „Der gläserne Schlüssel“ wird…

Juni 17, 2009

Wer am kommenden Montag noch nichts geplant hat, in Berlin wohnt und zu den Jörg-Fauser-Fans gehört, sollte in die Volksbühne gehen. Denn der Alexander-Verlag (Herausgeber der Fauser-Werkausgabe) hat eine kleine Party organisiert:

JOERG FAUSER ZUM 65. – »Ich bin kein netter Mensch, sondern Schriftsteller«

Franz Dobler, Jürgen Kuttner und Inka Löwendorf lesen Texte von Jörg Fauser, Steve Binetti macht dazu passende Musik und im Anschluss an die Lesung wird wieder einmal der gelungene Dokumentarfilm »Rohstoff – Der Schriftsteller Jörg Fauser« (ZDF/3sat, D 2006) vom Berliner Filmemacher Christoph Rüter gezeigt.

Hier noch einmal die Daten:

Montag, 22. Juni 2009

20.00 Uhr

Volksbühne im Prater

Kastanienallee 7-9 (10435 Berlin)

Eintritt 8 Euro (ermäßigt 6 Euro)

Kartenreservierung unter: 030 – 24 065 777

Jan Costin Wagner dürfte sich freuen. Denn die Dreharbeiten für „Das Schweigen“ haben gestern begonnen. Es ist die Verfilmung seines mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten, zweiten Kommissar-Kimmo-Joenta-Romans „Das Schweigen“ (2007, die Taschenbuchausgabe ist gerade bei Goldmann erschienen). Allerdings wurde die Handlung und der Handlungsort, wie ein Blick in die Pressemitteilung zeigt, etwas geändert:

Fünf Tage im Sommer 2009, irgendwo am Rand einer deutschen Stadt. Die Hitze liegt wie eine Glasglocke über den idyllischen Einfamilienhäusern, doch hinter den Türen zerbricht die heile Welt. Die 13-jährige Sinikka verschwindet an der gleichen Stelle, an der bereits vor 23 Jahren ein junges Mädchen ermordet wurde. Für die Eltern von Sinikka beginnt das verzweifelte Warten, für die Mutter der damals ermordeten Pia kommt die Vergangenheit wieder hoch. Das Leben ist plötzlich zerbrechlich und unberechenbar – auch für die beiden damaligen Täter und die Ermittler.

DAS SCHWEIGEN ist ein hochspannendes Drama um Schuld und Sühne, das sich unaufhaltsam den brüchigen Seelenzuständen seiner Figuren nähert. Die moralischen Abgründe inmitten der scheinbar so geordneten Kleinstadtidylle erschüttern die Gesellschaft und lassen tiefe Wunden abgrundtiefer Verzweiflung zurück.

Die Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans von Jan Costin Wagner ist hochkarätig besetzt mit Sebastian Blomberg (Kriminalkommissar David Jahn), Wotan Wilke Möhring (Architekt Timo Friedrich), Katrin Sass (Mutter der vor 23 Jahren verschwundenen Pia), Burghart Klaußner (Kriminalkommissar in Rente), Karoline Eichhorn und Roeland Wiesnekker (Eltern von Sinikka) und Ulrich Thomsen (Peer Sommer) u.v.a.

DAS SCHWEIGEN ist eine Produktion der cine plus Filmproduktion GmbH in Koproduktion mit luethje&schneider Film. Produzenten sind Frank Evers und Jörg Schulze (cine plus) und Maren Lüthje und Florian Schneider (luethje&schneider Film). Baran bo Odar schrieb das Buch und führt Regie. Regie-Nachwuchstalent Baran bo Odar, Absolvent der HFF München, sammelte erste Erfahrungen bei Doris Dörries Kinofilm „Nackt“ und wurde für sein fulminantes Debüt „Unter der Sonne“ u.a. mit dem Studio Hamburg Nachwuchspreis für „Beste Regie“ ausgezeichnet. Für die Kamera ist Nikolaus Summerer verantwortlich, der mit „Unter der Sonne“ für den Deutschen Kamerapreis nominiert war.

DAS SCHWEIGEN ist gefördert von FFF FilmFernsehFond Bayern, der Mitteldeutschen Medienförderung, Medienboard Berlin-Brandenburg, FFA und dem DFFF in Zusammenarbeit mit ZDF und ARTE.

DAS SCHWEIGEN basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Costin Wagner (2007, Eichborn Verlag), der 2008 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde, und wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 im Verleih der NFP marketing & distribution* im Kino starten.

Sehr sympathisch ist, dass es bereits jetzt eine Homepage (mit einem Statement von Jan Costin Wagner) gibt und parallel zum Dreh ein Filmtagebuch (Könnt ihr den Namen des Schreibers veröffentlichen?) entstehen soll.

Bei Planet-Interview beantwortet OK-Experte Jürgen Roth einige Fragen über die Mafia und Ostdeutschland.

Der Noir of the Week ist „Der gläserne Schlüssel“ (The Glass Key, USA 1942). Regie führte Stuart Heisler, das Drehbuch schrieb Jonathan Latimer und die Vorlage stammt (natürlich) von Dashiell Hammett. Alan Ladd und Veronica Lake hatten die Hauptrollen und William Bendix läuft auch durchs Bild.

Ahh, den Film würde ich gerne wieder sehen.


Film Noir Collection 2: Spiel mit dem Tode

Mai 30, 2008

George Stroud (Ray Milland) sitzt gewaltig in der Patsche. Er wird in einem riesigen, leeren Bürohaus von den Wachleuten gesucht. Dabei war er vor 36 Stunden noch ein glücklich verheirateter Mann, der in wenigen Stunden in die verspäteten Flitterwochen aufbrechen wollte, und der Leiter des respektierten Magazins „Crimeways“. Sein Chef, der Zeitungsmogul Earl Janoth (Charles Laughton), schätzt ihn als Mitarbeiter, der sein Geld wert ist. Gerade hat er wieder einen flüchtigen Verbrecher ausfindig gemacht und so die Grundlage für massive Verkaufszuwächse der nächsten Ausgaben von „Crimeways“ geschaffen. Janoth möchte, dass Stroud sich weiter um die Berichte über den gefundenen Verbrecher kümmert. Aber Stroud lehnt ab. Er hat seiner Frau Georgette (Maureen O’Sullivan) die Reise versprochen. Der Konflikt zwischen Janoth und Stroud eskaliert – und Stroud kündigt.

Am Abend betrinkt er sich in einer Bar und gerät mit der schönen Blondine Pauline York (Rita Johnson) ins Gespräch. Sie betrinken sich, ziehen durch die Kneipen und landen schließlich in ihrer Wohnung. Als Stroud sie am nächsten Tag verlässt, um zu seiner Frau zu gehen, bewegt sich der Fahrstuhl nach oben. Stroud geht zur Treppe und beobachtet, wie sein ehemaliger Chef Earl Janoth den Fahrstuhl verlässt und Paulines Apartment betritt.

Stroud fährt zu seiner Frau in die Flitterwochen. Währenddessen bringt Janoth in einem Anfall von Eifersucht seine Geliebte um und beichtet seinem Assistenten Steve Hagen (George Macready) die Tat und dass er beim Betreten des Apartments von einem Nebenbuhler beobachtet wurde. Hagen, der in Janoths Imperium weiter aufsteigen will, schlägt vor, George Stroud aus den Flitterwochen zurückzuholen und mit der Jagd nach dem Unbekannten zu beauftragen.

Stroud ist einverstanden – und beginnt, während er versucht den Mörder zu überführen, sich selbst zu jagen.

Von Kenneth Fearing ist die Idee, des Unschuldigen, der sich selbst jagt. Jonathan Latimer, selbst ein erfolgreicher Noir-Autor, verarbeitete Fearings Roman „The Big Clock“ zu einem Noir-Klassiker, der in den hellen Gängen und Büros eines riesigen Pressehauses spielt, und 1949 für den Edgar als bester Kriminalfilm des Jahres nominiert war. „Kennwort 777“ erhielt den Preis.

Latimer hatte in Hollywood als Drehbuchautor fast vierzig Jahren lang mehr Erfolg als die ungleich bekannteren Hardboiled-Autoren Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Er schrieb die Bücher zur Hammett-Verfilmung „Der gläserne Schlüssel“ (mit Alan Ladd und Veronika Lake), der Cornell-Woolrich-Verfilmung „Die Nacht hat tausend Augen“ (mit Edward G. Robinson), der David-Dodge-Verfilmung „Das geheimnisvolle Testament“ (mit Glenn Ford, bei beiden führte John Farrow Regie), für zwanzig Perry-Mason-Folgen (mit Raymond Burr) und, als letzte Arbeit, für den Columbo-Krimi „Die Blumen des Bösen“ (mit Ray Milland). Auch „Spiel mit dem Tode“ lebt von dem durchdachten Drehbuch, das den guten Schauspielern die Möglichkeit für große Auftritte gibt und Regisseur John Farrow unterstützt das mit seiner fast schwerelosen Kameraführung. Immer wieder gleitet sie, als ob es keine Wände gäbe, von einem Raum in den nächsten. So ist Laughtons erster Auftritt eine eindrückliche Demonstration seiner Macht. Er kommt später zu einer Besprechung seiner Chefredakteure, staucht sie wie kleine Kinder zusammen, lässt sich von vorne bis hinten bedienen und die Kamera verfolgt ihn mit dem gleichen bewundernd-demütigenden Blick, den auch die am Tisch sitzenden Journalisten haben. Sowieso ist Charles Laughton als geckenhafter, über scheinbar unbegrenzte Macht und eine unbegrenzte Armee williger Angestellter verfügender Zeitungsmogul, der immer die träge Freundlichkeit einer Kobra kurz vorm Zubeißen ausstrahlt, ein grandioser Bösewicht (Dagegen ist Gene Hackman im Remake „No way out – Es gibt kein zurück“ als verbrecherischer Verteidigungsminister zwar formal mächtiger, aber weniger furchteinflößend.).

Ray Milland als brav-bürgerlicher Journalist, der zwischen Beruf und Familie, zwischen Schuld (immerhin hat er seine fünfte Hochzeitsnacht bei einer anderen Frau verbracht) und Unschuld immer verzweifelter versucht, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu überführen, ist dagegen der Jedermann, der nach einem kleinen Schritt vom Pfad der Tugend immer tiefer in den Schlamassel gerät. Denn je besser er seine Arbeit macht und den unerwünschten Zeugen sucht (der dann der Justiz als Mörder präsentiert werden soll), umso mehr bringt er sein eigenes Leben in Gefahr.

Zwischen diesen beiden Männern stehen eine Armada von Vorzimmerdamen, eifrigen Journalisten und Lakaien, wie Steve Hagen. In dieser durchkapitalisierten Männerwelt hat Maureen O’Sullivan als brave Ehefrau nur die Rolle des schmückenden Beiwerks. Die Staatsmacht taucht hier nur noch als Witzfigur, gespielt von einem Schauspieler, auf.

Spiel mit dem Tode (The Big Clock, USA 1947)

Regie: John Farrow

Drehbuch: Jonathan Latimer

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1945

Mit Ray Milland, Charles Laughton, Maureen O’Sullivan, George Macready, Rita Johnson, Elsa Lanchester, Harold Vermilyea

Koch Media – Film Noir 2 (90 Minuten, Deutsch/Englisch, Untertitel. Englisch)

DVD-Bonus: Bildergalerie, Original Kinotrailer, 12-seitiges Booklet, alte und neue deutsche Synchronisation

Hinweise

Noir of the Week über „The Big Clock“

Modern American Poetry: Kenneth Fearing

Mystery File: John Fraser über Jonathan Latimer

Thrilling Detective über Jonathan Latimer

Kirjasto über Jonathan Latimer

Krimi-Couch über Jonathan Latimer

Mordlust über Jonathan Latimer


TV-Tipp für den 17. Februar

Februar 17, 2008

SRTL, 22.15

Columbo: Blumen des Bösen (USA 1972, R.: Boris Sagal)

Drehbuch: Jonathan Latimer

Onkel Jarvis, Orchideenzüchter und Verwalter des Familienvermögens, schlägt dem in finanziellen Nöten steckenden Playboy Goodland eine fingierte Entführung vor. Aber Goodland bleibt für immer verschwunden. Oder wird Columbo ihn finden?

Diese natürlich äußerst gelungene Columbo-Folge (Plot gut, Dialoge gut, Schauspieler dito) ist das letzte Drehbuch des Pulp-Autors. Joseph Latimer schrieb auch Drehbücher für die langlebige Perry Mason-Serie mit Raymond Burr.

Mit Peter Falk, Ray Milland

Hinweise:

Krimi-Couch über Jonathan Latimer

Mystery File (John Fraser sehr ausführlich) über John Latimer

Kirjasto über Jonathan Latimer

Thrilling Detective über Jonathan Latimer


Gute Remakes

August 2, 2007

Es gibt aber auch gute Remakes. Teilweise, weil die erste Verfilmung des Stoffes grottenschlecht war (Denken Sie an „Der Satan und die Lady“ [Satan met a lady], die Verfilmung von „Der Malteser-Falke“) oder weil die Macher dem Stoff neue Facetten abgewonnen haben.

Deshalb – ohne eine bestimmte Ordnung – Remakes, die neben dem Original bestehen können oder besser sind:

Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956, R.: Alfred Hitchcock – das Original ist auch von ihm)

Scarface – Das Narbengesicht (USA 1982, R.: Brian de Palma)

Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)

52-Pick-Up (USA 1986, R.: John Frankenheimer – er hält sich an Leonards Roman. Die erste Verfilmung „Der Ambassador“ spielte in Israel.)

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Der stille Amerikaner (USA 2002, R.: Phillip Noyce)

Thomas Crown Affäre (USA 1999, R.: John McTiernan)

The Italian Job (USA 2003, R.: F. Gary Gray – halte ich für viel besser als das ziemlich angestaubte Original)

Diebe wie wir (USA 1973, R.: Robert Altman)

Atemlos vor Angst (USA 1976/1977, R.: William Friedkin – gefiel mir vor Jahren als unterhaltsamer Actioner. Ist unterschätzt.)

The Deep End – Trügerische Stille (USA 2000, R.: Scott McGehee, David Siegel – obwohl ich das Original von Max Ophüls nicht kenne)

Kiss of Death (USA 1995, R.: Barbet Schroeder)

Kopfgeld (USA 1996, R.: Ron Howard)

Kuss vor dem Tode (USA 1991, R.: James Dearden)

No way out – Es gibt kein zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)

Ocean’s Eleven (USA 2001, R.: Steven Soderbergh)

Das Versprechen (USA 2000, R.: Sean Penn – das Original „Es geschah am helllichten Tag“ ist auch gut)

Wenn der Postmann zweimal klingelt (USA 1981, R.: Bob Rafelson – bislang letzte Verfilmung von James M. Cains Klassiker)

Im Netz der Leidenschaften/Die Rechnung ohne den Wirt (USA 1946, R.: Tay Garnett – eine frühere Verfilmung des Buches)

Ossessione – Bessenheit (I 1942, R.: Luchino Visconti – noch eine frühere Verfilmung des Buches; nur die erste Verfilmung von 1939 ist fast unbekannt)

Body Snatcher (USA 1992, R.: Abel Ferrara)

Die Körperfresser kommen (USA 1978, R.: Philip Kaufman – zwei Remakes von Don Siegels „Die Dämonischen“ und beide gelungen)

Die Fliege (USA 1985, R.: David Cronenberg – obwohl das Orginal als Fifties-Schund auch gut ist.)

Katzenmenschen (USA 1982, R.: Paul Schrader)

 

Und:

Remakes, bei denen die Erstverfilmung unglaublich schlecht oder so alt ist, dass sie vollkommen vergessen ist oder das Original, wenn es synchronisiert wurde, so selten gezeigt wird, dass niemand es kennt:

Die Spur des Falken/Der Malteser-Falke (USA 1941, R.: John Huston – Yep, ein Remake. Genaugenommen die dritte Verfilmung von Hammetts Roman. Doch die erste schaffte es nie nach Deutschland und die zweite ist grottig.)

Fahr zur Hölle, Liebling (USA/GB 1975, R.: Dick Richards – dritte Verfilmung von Chandlers „Farewell, my lovely“)

Mord, mein Liebling (USA 1944, R.: Edward Dmytryk – zweite Verfilmung des eben genannten Buches von Chandler)

Das Haus der Lady Alquist (USA 1943, R.: George Cukor)

Infam (USA 1962, R.: William Wyler – das ebenfalls von Wyler inszenierte Original von 1936 ist heute fast unbekannt.)

Nachts unterwegs (USA 1940, R.: Raoul Walsh)

1984 (GB 1984, R.: Michael Radford – das Original ist aus dem Verkehr gezogen)

Sleepy Hollow (USA 1999, R.: Tim Burton – da gibt es einen ziemlich unbekannten Trickfilm von 1949)

Der gläserne Schlüssel (USA 1942, R.: Stuart Heisler – Jonathan Latimer schrieb das Drehbuch. Der Roman ist von Dashiell Hammett)

 

Wahrscheinlich habe ich ein halbes Dutzend guter Remakes vergessen.


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