Ken Bruen, Inspector Brant, „Kaliber“ und die Sache mit den Manieren

Juli 28, 2015

Über seinen Privatdetektiv Jack Taylor sagte Ken Bruen, die Fälle würden nicht wegen, sondern trotz ihm gelöst. Das gleiche hätte er über die Romane mit Inspector Brant, einer aus sieben, zwischen 1998 und 2007 erschienenen Romanen bestehende Serie von in London spielenden Polizeiromanen, sagen können. Denn Brant und seine Kollegen lösen die Fälle auch nicht aufgrund guter Polizeiarbeit. Die meiste Zeit sind sie mit Drogen, Alkohol, persönlichen Problemen und internen Feindseligkeiten beschäftigt, während die Ermittlungen sich meist als eine persönliche Vendetta gestalten, in der Recht und Gesetz manchmal benutzte Leitplanken sind, um ihre Aggressionen abzubauen. Das ist zwar formal immer noch von Ed McBain und seiner Serie um das 87. Polizeirevier beeinflusst, aber bei Ken Bruen liest sich das wie McBain auf Speed und mit einer Punkattitüde.
Jetzt, nachdem seine bekanntere Serie mit dem Galway-Privatdetektiv Jack Taylor seit einigen Jahren kontinuierlich übersetzt wird (wobei die Übersetzungen von Harry Rowohlt nicht unumstritten sind), und die Brant-Verfilmung „Blitz“ (mit Jason Statham) regelmäßig im Fernsehen läuft und auf DVD gut erhältlich ist, hat der Polar-Verlag einen ersten Brant-Roman veröffentlicht. Mit „Kaliber“ ist es der sechste Brant-Roman, in dem ein selbsternannter Manierenkiller die Londoner zu einem höflicheren Umgang miteinander erziehen will. Deshalb wendet er sich mit seiner Mission an die Öffentlichkeit. Er hat allerdings nicht mit Southeast-Sergeant Brant gerechnet. Der bittet eine Kollegin, der er vor kurzem geholfen hat (es war natürlich ein nicht ganz legaler Gefallen), darum, sich in der Öffentlichkeit möglichst unhöflich zu Benehmen. Sein ebenso einfacher wie bestechender Plan sieht vor, dass der Manierenkiller auf den Lockvogel hereinfällt und er ihn dann umbringen kann.
Daneben versucht Brant sich jetzt als Krimiautor. Sein Vorbild ist Ed McBain, von dem er alle Bücher hat. Seine Muse ist ein Kollege, den er unter Drogen setzt. Der Manierenkiller nennt sich – Ken Bruen geizt nie mit literarischen Verweisen – Ford. Nach Lou Ford, dem Ich-Erzähler in Jim Thompsons Noir-Klassiker „Der Mörder in mir“ (The Killer inside me, 1952 – Lesebefehl!). Aber er liest auch, wie er in seinem Tagebuch schreibt, die Herren Charles Willeford und Cornell Woolrich.
Langjährige Ken-Bruen-Fans werden „Kaliber“, wie seine anderen Romane an einem Abend lesen. Bruen verknappt seine Erzählung – in seinen Polizeiromanen jongliert er mit mehreren parallelen Plots – so sehr, dass fast nur noch die Pointe, die präzise Beobachtung, die sarkastische Bemerkung und die düstere, gegen alles und jeden austeilende Weltsicht übrigbleibt. Das verlangt einen aufmerksamen Leser, macht Spaß und steht in der Tradition von G. F. Newmans zwischen 1970 und 1974 im Original publizierter Bastard-Trilogie über den skrupellosen Scotland-Yard-Inspector Terry Sneed, der für seinen Aufstieg in einem korrupten System über Leichen geht und jede Dienstregel bricht. Diese umfassende Entmystifizierung des edlen britischen Polizisten erschienen erst in den Achtzigern auf Deusch bei Ullstein. James Ellroy ist ein aktuellerer und bekannterer Einfluss. Aber gegenüber Bruen erscheint Ellroy als verquast pompöser Erzähler. Während Ellroy hunderte Seiten braucht, um die Polizisten als Schweine zu zeigen, genügen Bruen – großzügig gelayoutet – knapp zweihundert Seiten um seine korrupten, rassistischen, homophoben und frauenfeindliche Beamte auf das Podest zu heben sie, die selbst all das sind, was sie ablehnen, herunterstoßen. Zum Vorbild taugt keiner und im wirklichen Leben möchte man ihnen auch nicht begegnen. Aber für einen Noir sind sie grandioser Stoff.
Uh, und noch eine erfreuliche Meldung: Max Fisher und Angela Petrakos erleben weitere Abenteuer. Ken Bruen und Jason Starr haben einen weiteren Noir mit ihnen geschrieben. „Pimp“ ist für März 2016 bei Hard Case Crime angekündigt. Wann und ob die deutsche Übersetzung erscheint ist unklar.

Bruen - Kaliber

Ken Bruen: Kaliber
(übersetzt von Karen Witthuhn)
Polar, 2015
184 Seiten
12,90 Euro

Originalausgabe
Calibre
St. Martin’s Minotaur, 2006

Die Inspector-Brant-Ermittlungen
1. A White Arrest (1998)
2. Taming the Alien (1999)
3. The McDead (2000)
4. Blitz: or Brant Hits the Blues (2002)
5. Vixen (2003)
6. Calibre (2006)
7. Ammunition (2007)

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans „Tower“ (Tower, 2009)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

Werbeanzeigen

„Jack Taylor liegt falsch“, aber die Leser von Ken Bruens Noir liegen goldrichtig

Juni 9, 2012

He is the world’s worst detective. Cases get solved not because of him but despite him.

Ken Bruen über Jack Taylor

In Irland gibt es keine Privatdetektive. Also erfindet Ken Bruen einen Privatdetektiv. Inzwischen gibt es auch in Galway Privatdetektive.

Hoffentlich arbeiten sie anders als der von Ken Bruen erfundene Jack Taylor.

Denn Jack Taylor ist nicht der normale Privatdetektiv, der sich Hals über Kopf in seine Fälle stürzt. Nein. Sogar der von Lawrence Block erfundene Privatdetektiv Matt Scudder wirkt gegen Jack Taylor wie ein blindwütiges Arbeitstier. Und der verbrachte einen guten Teil seiner ersten Aufträge als Detektiv im Alkoholrausch. Danach besuchte er in New York exzessiv Sitzungen der Anonymen Alkoholiker.

Taylor ist auch Alkoholiker. Oder irisch trinkfreudig.

Seit seinem Aufenthalt in London, der zwischen dem ersten und dem zweiten Jack-Taylor-Roman lag, ist er auch kokainsüchtig.

In „Jack Taylor liegt falsch“, dem zweiten Jack-Taylor-Romana, der den Macavity Award als Bester Roman erhielt und für den Anthony und Barry Award nominiert war, ist er wieder zurück in seiner alten Heimat Galway und er hat auch gleich zwei Fälle.

Jemand bringt die von allen geliebten, fast nationalheiligen Schwäne um und die Polizei kümmert sich nicht darum.

Aber die Schwan-Morde sind für Jack Taylor nur der kleinere Fall. Denn er soll herausfinden, wer mehrere Tinker (also irische Landfahrer, die dort ungefähr so beliebt sind, wie bei uns die Sinti und Roma) ermordete. Auch diese Morde interessieren die Polizei nicht.

Und Jack Taylors Ermittlungsmethoden sind definitiv nicht nach dem Lehrbuch für angehende Privatdetektive.

Dafür liest er etliche gute Bücher, die man locker in die eigene Lektüreliste aufnehmen sollte und wir erfahren einiges über den alltäglichen Rassismus in Irland.

Dieses Mal gefällt mir die Übersetzung von Harry Rowohlt besser als sein erster Versuch, Ken Bruen zu übersetzen. Obwohl mir Ken Bruens schnörkellose, harsch-poetische Prosa in den anderen Übersetzungen oder im Original immer noch besser gefällt. Denn da ist ein Junge ein „boy“ und kein „Bub“ und die Thin-Lizzie-Referenz augenfällig. Ein „career crash“ ist auch deutlicher als ein euphemistischer „Karriereknick“; – vor allem weil dieser Karriereknick für Jack Taylor bedeutet, dass die Polizei ihn vor die Tür setzte, nachdem er am Anfang von „Jack Taylor fliegt raus“, einem hohen Beamten im Dienst die Fresse polierte.

Im dritten Jack-Taylor-Roman „Jack Taylor fährt zur Hölle“ (The Magdalen Martyrs) gräbt Ken Bruen, der mit den Jack-Taylor-Romanen den Durchbruch hatte und mit Preisen überhäuft wurde, dann tief in der katholischen Geschichte des Landes. Auch in den späteren Jack-Taylor-Krimis gerät er mit der Kirche in Konflikt.

Seine volle Wirkung entfaltet der PI-Noir, wegen der vielen kurzen Rückblicke auf Ereignisse aus den vorherigen Romanen, wenn man vorher die ersten beiden Jack-Taylor-Romane „Jack Taylor fliegt raus“ und „Jack Taylor liegt falsch“ gelesen hat.

Hinweis: Die Verlosung von Ken Bruens „Jack Taylor liegt falsch“ endet morgen um Mitternacht.

Ken Bruen: Jack Taylor liegt falsch

(übersetzt von Harry Rowohlt)

dtv, 2012

240 Seiten

8,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Atrium Verlag, 2010

Originalausgabe

The Killing of the Tinkers

Brandon, 2002

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Verlosung: Wer will Ken Bruens saugeilen „Jack Taylor liegt falsch“?

Juni 3, 2012

So, jetzt haben auch die Pornofans auf diese Seite geklickt und sie werden wahnsinnig enttäuscht sein, dass „Jack Taylor liegt falsch“ ein Hardboiled-Privatdetektivkrimi mit einem unorthodoxen Ermittler ist.

Denn auch in seinem zweiten Jack-Taylor-Roman, der jetzt als Taschenbuch erschien, wird der Fall am Ende nicht wegen, sondern trotz des Ermittlers gelöst und gerade das macht die herrlich knappen und pointiert geschriebenen Taylor-Romane so faszinierend. Denn sie sind tiefschwarze Noirs voller Einzeiler und literarischer Anspielungen.

Mit dem in Galway ermittelndem Privatdetektiv Jack Taylor hatte Ken Bruen endlich den großen Durchbruch beim Publikum. Oder wie Krimiautor Mark Billingham (die Thorne-Thriller) sagte: „For years, those of us in the known, have read Ken Bruen. Now the rest of the world is catching up.“

In „Jack Taylor liegt falsch“ soll Jack Taylor, gerade aus London in sein heimatliches Galway zurückgekehrt und jetzt nicht nur Alkoholiker, sondern auch Junkie (etwas muss man ja aus London mitbringen), im Auftrag des Tinker-Anführers Sweeper herausfinden, wer in den vergangenen sechs Monaten vier Tinker, wie dort die Landfahrer und Kesselflicker heißen, tötete. Außerdem bringt jemand Schwäne um. Genug Arbeit für den schlechtesten Detektiv der Welt, der dafür einen erlesen Buchgeschmack hat und immer wieder verprügelt wird.

Dank dem netten Presseteam kann ich ein Exemplar von Ken Bruens PI-Noir „Jack Taylor fliegt raus“ verlosen. Die Teilnahmebedingungen sind:

Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de

Einsendeschluss ist Sonntag, der 10. Juni, um Mitternacht.

Ken Bruen: Jack Taylor liegt falsch

(übersetzt von Harry Rowohlt)

dtv, 2012

240 Seiten

8,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Atrium Verlag, 2010

Originalausgabe

The killing of the Tinkers

Brandon, 2002

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung „London Boulevard“ (London Boulevard, USA/GB 2010)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Ein Abend mit Ken Bruen und Jason Starr – Einige Abende mit Jason Starr

September 15, 2010

Mit „Attica“ beenden Ken Bruen und Jason Starr furios die Trilogie über die beiden Genies Max Fisher und Angela Petrakos. In „Flop“ versuchte er seine Frau ermorden zu lassen, um mit seiner großbusigen Sekretärin abzuhauen. Der Plan ging schief und in „Crack“ versuchten Max und Angela allein über die Runden zu kommen. Auch in „Attica“ gehen sie die meiste Zeit getrennte Wege. Denn Max Fisher sitzt in Attica und arbeitet sich, gut präpariert mit einigen Knastfilmen und Büchern, in der Knasthierarchie nach oben. Das gelingt ihm mit seinem angeborenen Talent, jede Situation konsequent falsch einzuschätzen und sich selbst, als Nabel der Welt, konsequent zu überschätzen. Seine ehemalige Sekretärin Angela Petrakos steckt dagegen in einer ausgewachsenen Midlife-Crisis (so nach der Art: „Ich bin dreißig, habe große Titten und mein Leben versaut.“) und gerät in Griechenland in eine wirklich üble Mordgeschichte, die sie über den Umweg griechischer Knast zurück in die USA verschlägt. Denn Max soll ihr helfen. Dass er im Knast sitzt, weiß sie allerdings nicht..

„Attica“ ist die konsequente, schwarzhumorig-durchgeknallte Fortsetzung von „Flop“ und „Crack“. Wieder garnieren Ken Bruen und Jason Starr die Story mit vielen Zitaten und Anspielungen, bevorzugt natürlich auf Noirs, Krimis und Kollegen. Das macht Spaß und bringt einen höchst kurzweilig durch einen verregneten Nachmittag. Bei all dem Wahnsinn und Chaos, das die beiden Herren anrichten, ist zu hoffen, dass sie sich bald für ein weiteres Gemeinschaftswerk zusammensetzen.

Bis dahin kann man, wenn man auf schwarzhumorige Noirs steht, mit Ken Bruens grandioser Jack-Taylor-Reihe trösten.

Denn Jason Starr hat sich in seinen Solowerken inzwischen vom Noir verabschiedet. Seine letzten Bücher haben über fünfhundert Seiten und sind deutlich mainstreamiger. „Panik“ hat über 560 Seiten und im Mittelpunkt steht keine gescheiterte Existenz, sondern der geachtete, glücklich verheiratete, knapp fünfzigjährige Psychologe und Vater Adam Bloom. Eines Abends dringen zwei Einbrecher in sein gut gesichertes Vorstadthaus ein. Er erschießt in Panik den einen. Der andere kann flüchten und er will sich an Adam Bloom rächen. Er macht sich an Blooms 22-jährige Tochter Marissa heran.

Schon in seinem vorherigen Roman „Stalking“ setzte Jason Starr weniger auf hohes Erzähltempo und überraschende Plotwendungen, als auf die genaue psychologische Zeichnung seiner Charaktere. In „Panik“ experimentiert er zunehmend mit wechselnden Perspektiven, die er nicht parallel, sondern hintereinander abarbeitet. So wird der Einbruch und das anschließende Verhör zuerst aus der Sicht des Vaters erzählt. Anschließend springt Starr zurück und erzählt diese Ereignisse aus der Sicht der Tochter.

Ken Bruen/Jason Starr: Attica

(übersetzt von Richard Betzenbichler)

Rotbuch Verlag, 2010

208 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

The MAX

Hard Case Crime, 2008

Jason Starr: Panik

(übersetzt von Ulla Kösters)

Diogenes, 2010

560 Seiten

11,90 Euro

Originalausgabe

Panic Attack

Minotaur Books, 2009

Ken Bruen & Jason Starr lesen

Donnerstag, 16. September, 22.00 Uhr

Admiralspalast, Studio 101 (Friedrichstr. 101, Berlin)

LATE-NIGHT LESUNG präsentiert von Radio eins

Ken Bruen und Jason Starr »Attica«

Moderation: Knut Elstermann

Lesung deutscher Text: David Nathan (deutsche. Stimme von Johnny Depp)

Kartenreservierung unter der Telefonnummer: 47997499 und an allen bekannten VVK-Stellen

Jason Starr liest allein

Hamburg, 15. September 2010, 20.00 Uhr

Berlin, 17. September 2010, 20.00 Uhr, Dorotheenstädtische Buchhandlung (Turmstraße 5)

Unna, 18. September 2010, 19.30 Uhr

Dortmund, 19. September 2010, 18.00 Uhr

Gütersloh, 20. September 2010, 20.00 Uhr

Stuttgart, 21. September 2010, 20.00 Uhr

(alle weiteren Infos bei Diogenes)

Nachtrag (16. September): Da sind mir doch tatsächlich einige Termine durch die Lappen gegangen (Tja, der Horizont eines echten Berliners endet an der Mauer, äh, an der Staadtgrenze):

Freitag, 17. September:

Ken Bruen solo in Bremen bei der Kriminacht

Samstag, 18. September

Ken Bruen und Jason Starr zusammen in Unna,

Crime Night, Eröffnungsgala des Krimifestivals „Mord am Hellweg“

Sonntag, 19. September

Ken Bruen und Jason Starr in Dortmund als „Blutiges Doppel“

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Homepage von Jason Starr

Meine Besprechung der von Ken Bruen geschriebenen Jack-Taylor-Reihe

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)


Kleinkram: Film-Edition mit Drehbüchern, „The Shield“-Machern und Ken Bruen

November 20, 2009

Collider hat mit Werner Herzog über seinen neuen Film „Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans“ gesprochen.

Collider hat mit Shawn Ryan über „The Shield“ und seine neue Serie „Lie to me“ gesprochen.

Sein „Shield“-Kollege Kurt Sutter erklärt in seinem Blog, was ein Showrunner macht.

In den vergangenen Tagen wurden etliche Drehbücher von meistens brandneuen Filmen (einige sind bei uns noch nicht angelaufen) online gestellt:

demnächst im Kino

Joel & Ethan Coen: A serious man (Undated, unspecified draft script)

Peter Straughan: The Men Who Stare At Goats (October 21, 2008 unpsecified draft script, based on the book by Jon Ronson)

Peter Straughan: The Men Who Stare At Goats (March 20, 2006 first draft script , based on the book my Jon Ronson)

Richard Kelly: The Box (September 30, 2006 draft script, based on the short story “Button, Button” by Richard Matheson)

schon im Kino

Roland Emmerich & Harald Kloser (polished by Matt Charman): 2012 (February 19, 2008 2nd draft)

Scott Z. Burns: The Informant! (undated, ‘as produced’ draft script, based on the book by Kurt Eichenwald)

James Grey: We own the night (Undated, Unspecified draft script)

Steve Kloves: Harry Potter and the Half Blood Prince (August 28, 2007 unspecified draft script, Based on the book my J. K. Rowling)

Henry Selick: Coraline (Undated, unspecified draft script, based on the novel by Neil Gaiman)

Klassiker

Scott Frank: The Lookout (December 31, 1998 Revised Draft)

Joshua and Daniel Goldin, Sam and Ivan Raimi and Chuck Pfarrer: Darkman (February 9, 1989 unspecified draft script, Story by Sam Raimi)

Barry Levinson: Diner (Undated, unspecified draft script)

Robert Bold: Doctor Zhivago (September 1964 shooting script script)

Akira Kurosawa & Shinobu Hashimoto & Hideo Oguni: Seven Samurai (Shichinin no samurai) (Undated, unspecified draft script, Translated by Donald Richie)

Maurice Richlin, Blake Edwards: The Pink Panther (January 30, 1963)

Edward Neumeier, Michael Miner: Robocop (June 10, 1986 Fourth Draft)

Frank Miller: Robocop 2 (Undated first draft)

Und zum Schluss: Ken BRUEN!

Es gibt Bilder von „The Guards“ (hier und hier).

 


Kleinkram über „Public Enemies“, David Carradine, Christopher G. Moore, Phantastik-Couch und (Überraschung!) Ken Bruen

Juli 6, 2009

In den USA ist der neue Film „Public Enemies“ von Michael Mann gestartet. Wir müssen noch bis zum 6. August warten. „Public Enemies“ basiert auf dem Sachbuch von Bryan Burrough, das den eindeutigen Untertitel „Bonnie and Clyde, Machine Gun Kelly Baby Face Nelson, Ma Barker’s Gang und America#s Greatest Crime Wave“ trägt. „Public Enemies“ ist ein knapp 600-seitiger engbedruckter Schmöker. Manns Film hat Überlänge, ist gut besetzt und in verschiedenen Krimi-Blogs wird über „Public Enemies“ diskutiert.

Patti Abbott meint:

If however, you come into the theater expecting an impressionistic look at the thirties, a glimpse at how the FBI discovered itself and developed the tactics it would use, at how the world looked from behind the barrage of gunfire, at how the times of revered gangsters was coming to an end as their violence spilled too much onto public streets, you will be impressed. You have to let yourself climb on the sideboard of the roadster and take the ride. Don’t ask too many questions.

BSC-Eli meint:

Michael Mann is the de facto king of cops and robbers city street shootouts. Public Enemies makes a nice shift to period piece old timey stuff with no loss in crisp edge. (…) Public Enemies delivers the goods, never reaching unattainable Heat greatness, but getting close. What this movie offers in the action department is a demonstration of the true effects of a bullet on the human body.

Beim Rap Sheet gibt’s auch einige Infos und Links. Sex in a Submarine erinnert sich an „Jagd auf Dillinger“ (Dillinger, USA 1973, Regie/Buch: John Milius, mit Warren Oates, Ben Johnson – und wirklich einen Blick wert).

Mehr Kritiken bei Rotten Tomatoes (derzeitiger Frischegrad: 65 %), Metacritics (70 %) und Film-Zeit.

Bei Christopher G. Moore (Guter PI-Autor.) schreibt Forensikerin Kat Sanders über den Tod von David Carradine:

this does seem like a case of attempted sexual pleasure through self bondage and autoerotic asphyxia gone horribly wrong. It could neither be classified as a suicide because there were ropes other than around the neck, nor could it be termed as murder because the hotel’s CC cameras did not show signs of an intruder and also because the ropes did not show signs of a struggle.

(Danke, Pieke, für den Hinweis.)

Ähem, bleiben wir einen Moment bei Christopher G. Moore: Bei The Rap Sheet hat Cameron Hughes ein zweiteiliges Interview mit dem Autor gepostet.

Und die Juli-Ausgabe der Phantastik-Couch ist online. Für uns Krimifans sind Besprechungen von Jim Butchers „Silberlinge“ (ein Harry-Dresden-Buch) und „Die Elemtare von Calderon“ und vielleicht noch Charlaine Harris‘ Ein Vampir für alle Fälle“ dabei.

Zum Abschluss noch Bruen-News: Jason Statham spielt Brant in der Verfilmung von Ken Bruens Roman „Blitz“. Nathan Parker schrieb das Drehbuch. Elliott Lester führt Regie und Drehstart ist am 10. August.

Ken Bruen meint zur Besetzung:

„I think Jason Statham will really step up to the plate for Brant, he’s been looking for a part to make his own and I think this is it.“

Klingt vielversprechend. Immerhin spielte Statham nicht nur in „Crank“ und „Transporter“, sondern auch in „Final Call“, „Bank Job“ und „Collateral“ mit.


Kleinkram mit Joseph Finder, Ken Bruen, Robert Wilson, einer Podiumsdiskussion, Killer Covers, der „Nacht des Jägers“, rätselhaften politischen Zahlenspielen und dem „Last Lullaby“

Juli 1, 2009

Joseph Finders Thriller „Killer Instinct“ (der deutsche Titel ist „Masterplan“) soll verfilmt werden.

Ken Bruen – – – Um das Warten auf  „Jack Taylor fliegt raus“ (Harry Rowohlt übersetzte „The Guards“ und es erscheint am 24. August im Atrium Verlag) zu verkürzen, kann, nein muss, dieses Interview mit Bruen gelesen werden:

The new Jack Taylor is finished and titled… The Devil. And it deals with, yup, the supernatural. Scared the hell outta me. Not going down that road again.

Zum Glück sitzt Harry bereits am zweiten Jack-Taylor-Roman.

Bei Mysterious Musings (Julia Buckley) beantwortet Robert Wilson einige Fragen über seine vier Javier-Falcón-Romane, sein Leben, den ganzen Rest und seine liebsten amerikanischen Autoren:

In terms of crime writing I admire Raymond Chandler and Elmore Leonard. On the literary side of things one of my all time favorite books, as it is of many other readers, is The Great Gatsby.

Bei Stichwort Drehbuch kann irgendwie (bei mir bleibt der Stream alle paar Sekunden hängen; sehr nervig) der erste Teil einer Podiumsdiskussion über Drehbuchautoren und das deutsche Fernsehen angehört werden:

Das Spannungsverhältnis zwischen Drehbuchautoren und Sendervertretern stand im Zentrum einer hitzigen Debatte, in der es darum ging, wie die kreative Freiheit durch Quotendruck und Formalisierung des Programms beschnitten wird. Auf dem Podium diskutierten der Drehbuchautor  Markus Stromiedel, Winka Wulff, Geschäftsführerin der Kölner Produktionsfirma Colonia Media, Gamedesigner Dr. Michael Bhatty, die Drehbuchautorin Ruth Toma und Reinhold Elschot, Leiter der Hauptredaktion Fernsehspiel und stellvertretender Programmdirektor beim ZDF. Moderatorin war Luzia Braun, Redakteurin bei der ZDF-Sendung „Aspekte“.

Killer Covers meint „Summertime, and the Dying is easy“ und sieht verdammt gut aus.

Der Noir of the Week ist ein echter Klassiker: „Die Nacht des Jägers“ (The Night of the Hunter, USA 1955). Es ist die einzige Regiearbeit von Charles Laughton. Das Drehbuch, nach dem Roman von Davis Grubb, schrieb James Agee. Robert Mitchum, Shelley Winters, Lilian Gish und Peter Graves spielten mit.

Das verstehe ich nicht:

Nur rund 160 Staaten hätten überhaupt eine Gesetzgebung gegen die Vergewaltigung von Kindern, die von den Tätern aufgenommen und übers Netz „massenhaft verbreitet wird“, monierte von der Leyen auf der Tagung; 95 Nationen hätten keine Gesetze gegen Kinderpornographie. International müssten sich alle vereinen, die gegen Kindesmissbrauch vorgehen,…

Es gibt 193 UN-Mitglieder (vulgo Staaten). D. h. eine deutliche Mehrheit der Staaten hat eine entsprechende Gesetzgebung. Bei nur denke ich an deutlich weniger als 25 Prozent.

Und ich denke, dass der erste Halbsatz dem zweiten Halbsatz wiederspricht.

Aber ich war in Mathe noch nie so gut, dass es für die hohe Politik gereicht hätte.

Deshalb zu etwas Handfestem: Jeffrey Goodman erzählt, wie er seine Max-Allan-Collins-Verfilmung „The Last Lullaby“ (Die Bilder und Trailer sehen verdammt gut aus. Hoffentlich findet sich ein deutscher Verleih.) promotet.


Kleinkram mit/von/über Michael Connelly, Tom Piccirilli, Ken Bruen, John Harvey – und die Schweiz

Mai 27, 2009

Anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Romans „The Scarecrow“ hat Michael Connelly den dreiteiligen Film „Conflict of Interest“ gemacht:

Michael Connelly has always tried to give his readers bonus material with each new novel. Short stories, lost chapters, and visual adaptations. This time we have something new. A short film called „Conflict of Interest,“ which features the exploits of FBI Agent Rachel Walling leading up to the point she enters the story of THE SCARECROW. Don’t worry, there are no spoilers here. The story runs parallel to THE SCARECROW. The case Rachel is working comes very close to the story Jack McEvoy is chasing. Written by Michael Connelly, the film will be available in three parts.


Tom Piccirilli schreibt über die George-V.-Higgins-Verfilmung „The Friends of Eddie Coyle:

In what may be the finest performances of his long and acclaimed career, Robert Mitchum plays small-fish gunrunner Eddie “Fingers” Coyle in director Peter Yates’s film version of George V. Higgins’s brilliant and highly influential crime novel. (…)

Paul Monash’s faithfully adapted script is compelling, convincing, and razor-wire taut. The dialogue is pitch-perfect poetry of the gutters. The location shooting in Boston and environs along with the semi-documentary style to the film lends an already dark and realistic movie even more gritty authenticity. The deceptively simple story shrugs forward step by step in the finest film noir fashion, advancing to an inevitable, gut-wrenching, yet subdued finale. A true cinematic gem, this is one of the best American crime films of the 70s.

Der Anlass? Die DVD-Veröffentlichung in den USA (was natürlich auf eine deutsche Veröffentlichung in naher Zukunft hoffen lässt. Denn im TV ist er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelaufen.).

Darüber dürfte Ken Bruen sich freuen.

John Harvey (er hat gerade seinen hundertsten Roman veröffentlicht) möchte kürzer treten. Nur noch alle zwei Jahre ein Buch und stattdessen…

Die neue Ausgabe von CrimeScene beschäftigt sich mit der Schweiz. Die Ausgaben zu Frankreich und Niederland gibt es hier.


Kleinkram: Ken Bruen, Louise Ure, Alexandra Sokoloff (alle Murderati), Craig Holden, Noir of the Week, Dr. Who (aka Russell T. Davis)

November 13, 2008

Ken Bruen schreibt bei Murderati:

One of the highlights of 2008 was being part of Murderati.

It is quite unique to have such a disparate crew of writers in nigh perfect synch on one site and the outstanding aspect is the huge affection they have for each other.

You only had to see the crew in Baltimore to see how like family they are.

And between them, they cover just about every aspect of mystery.

Und bei „Moments in Crime“ gibt es mehr von Ken Bruen:

I’ve been asked why the blog entries are short.
Like my novels, I actually write much lengthier entries and then root out all that sounds off.
I read it aloud and if it doesn’t have that jagged tone of real speech, bin it.

Ebenfalls bei Murderati: Louise Ure über den „Dreaded Query Letter“ (dürfte eher die Autoren interessieren) und Alexandra Sokoloff ist langsam mit ihrem exemplarischen Gang durch eine Geschichte durch: „What makes a great climax?„:

I think: above all, in an ending, the reader/audience has to CARE. A good ending has an emotional payoff, and it has to be proportionate to what the character AND the reader/audience has experienced.

Bei Things I’d rather be doing beantwortet Craig Holden (dessen „Die Unangreifbaren“ [The Jazz Bird, 2002] breit abgefeiert wurde) einige Fragen:

To stay with a story long enough to make a successful novel of it, you have to love where it’s going. At least I do. If not, I couldn’t stay with it. And that means not being bored, not contriving something just to sell books. As for capturing a place and time, it depends on the project really. For The Jazz Bird obviously I had to do loads of research not only into the story itself, but into the period as well. I remember thinking, „How did you turn a light on in 1927? How did a woman dress? What did you eat in a restaurant?“ So I had to go out and find out all those things, either through interviews or book research or something else. I was visiting the Ford Museum in Dearborn, Mich., and found in the gift shop a reprint of a woman’s clothing catalogue from 1924, so I bought it and went shopping.

Der Noir of the Week ist „Tödliche Grenze“ (Border Incident, USA 1949, Regie: Anthony Mann, Drehbuch: John C. Higgins, mit Ricardo Montalban, George Murphy, Howard da Silva). In dem Film infiltrieren zwei Agenten eine Bande von Menschenschmugglern im Grenzland zwischen Mexiko und USA. Ein kleiner und wahrscheinlich nur bei eingefleischten Filmfans bekannter Film. Zu Unrecht, wie Bill Hare bei Noir of the Week zeigt:

Border Incident provides gripping drama, never letting up, never disappointing. It is a film that should not be missed, especially by those who lust for travels by night in the world of film noir.

Als ich den Film vor Ewigkeiten sah, hat er mir auch gefallen.

Fans von „Dr. Who“ (es soll in Deutschland ja einige geben) sollten die Seite „The Writers Tale“ von „Dr. Who“-Drehbuchautor Russell T. Davis (der auch für „Quer as Folk“ verantwortlich ist) und Benjamin Cook ansteuern. Fans von Drehbüchern können direkt auf diese Unterseite steuern. Dort finden sie die Drehbücher zu sechs Episoden aus der vierten Staffel (gerechnet seit dem Relaunch; also ziemlich brandaktuell).

Uups, wir haben etwas verloren.


Kurzmeldungen: Ken Bruen, Stephen King, John Carpenter, Ian Rankin

September 26, 2008

Ken Bruen hat den vierten Roman der Serie um Detective Sergeant Brant, „Blitz“ (2002), nach Hollywood verkauft. Hoffentlich verlegen die die Handlung nicht von London nach L. A. (obwohl es bei Sjöwall/Wahlöö auch geklappt hat).

Ein Ratschlag von Stephen King:

Ein Ratschlag von John Carpenter:

Und, zum Abschluss, als Vorbereitung für die deutsche Veröffentlichung von „Exit Music“ (Ein Rest von Schuld), lassen wir Ian Rankin zu Wort kommen:


Sachdienliche Hinweise: Tatort, Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung, Friedkins Georges-Arnaud-Verfilmug und Ken Bruen

April 14, 2008

Der Spiegel hat die Tatort-Autoren Thorsten Wettcke, Jan Hinter und Stefan Cantz, Peter Probst, Pim Richter, Andreas Pflüger, Felix Huby, Mario Giordano, Fred Breinersdorfer, Jobst Oetzmann und Thomas Bohn nach ihrem Tatort-Ritual, ihrem liebsten nicht-geschriebenen Dialog, woher sie ihre Ideen bekommen (Aus der Zeitung. Hm.), ihrer Arbeit und der Bedeutung vom Tatort gefragt.

Ganz nett.

Mein Favorit ist dieser Dialog von Jan Hinter und Stefan Cantz:

Ballauf: „Wie heißt die Frau noch mal? Bauknecht?“

Schenk: „Nee. Bosch. Mercedes Bosch. Ne Redakteurin vom WDR.“

Ballauf: „Und die lag tot in ihrem Opel?“

Schenk: „Ja. Auf dem Parkplatz in der Nähe von McDonald’s.“

Ballauf: „Hilf mir auf die Sprünge. Bei der Aral-Tankstelle?“

Schenk: „Genau. Gleich neben Blaupunkt. Zwischen dem Aldi und Saturn Hansa.“

Ballauf (niest): „Haste mal nen Tempo?“

Schenk: „Du hast dir ja ne richtige Erkältung eingefangen. Nimm lieber ne Aspirin. Und steck mich nicht an.“

Den werde ich niemals in einem Tatort hören!

Und Fred Breinersdorfer antwortet schön knurrig.

#

Dank Crimespree Cinema bin ich auf diesen Guardian-Artikel aufmerksam geworden: Bertrand Tavernier spricht über die Dreharbeiten zur James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (der Robicheaux-Roman heißt „In the electric mist with confederate dead“/“Im Schatten der Mangroven“). Die waren wohl nicht so erfreulich und der endgültige Schnitt wurde ihm auch aus der Hand genommen. Trotzdem sei er mit der jetzigen Version, die im Lauf des Jahres in den US-Kinos starten soll, nicht unzufrieden.

#

Ebenfalls via Crimespree Cinema: es kann sein, dass Ken Bruens „London Boulevard“ verfilmt wird.

#

Als Das Vierte die Georges-Arnaud-Verfilmung „Atemlos vor Angst“ von William Friedkin zeigte, kürte ich den Film zum „Tipp des Tages“. Jetzt gibt es bei Schnittberichte einen Vergleich der US-Fassung mit der deutschen Fassung und der deutschen Fassung mit der US-Fassung (hier sind die geschnittenen langen Einführungen der Charaktere enthalten). Denn nachdem der Film in den USA floppte, wurde der Film ohne Friedkins Wissen für den europäischen Markt radikal gekürzt und umgeschnitten.

#

Gut, wenn junge Menschen unterschiedliche Professionen ausprobieren. – Nur: warum nicht mit der Dienstwaffe?

#

Außerdem: die April-Ausgabe der Krimi-Couch ist online und das „Krimijahrbuch 2008“ ist draußen. Unter anderem mit einem Text von mir über „The Shield“.


Duncan Lawrie Dagger, Arthur Ellis Preis, Michael Connelly, Ken Bruen

Juni 11, 2007

Die Crime Writers‘ Association hat die Shortlist für den diesjährigen Duncan Lawrie Dagger (benannt nach dem Sponsor) veröffentlicht. Die Liste mit den Kommentaren der Jury gibt bei der CWA. Eine illustrierte Fassung gibt’s in diesem Krimiblog ihres Vertrauens.

Die Crime Writers of Canada haben den Arthur Ellis-Preis verliehen:

Best Novel: Barbara Fradkin, Honour Among Men (RendezVous Press)

Best First Novel: Anne Emery, Sign of the Cross (ECW Press)

Best Short Story: Dennis Richard Murphy, “Fuzzy Wuzzy” in Ellery Queen Mystery Magazine (August 2006)

Best Non-Fiction: Brian O’Dea, High: Confessions of a Pot Smuggler (Random House Canada)

Best Juvenile: Sean Cullen, Hamish X and the Cheese Pirates (Penguin Canada)

Best Crime Writing in French: nicht verliehen, weil zu wenige Bücher eingereicht wurden

Best Unpublished First Crime Novel (the Unhanged Arthur): Phyllis Smallman, Margarita Nights

Michael Connelly beantwortet einige Fragen von Jeff Ayers zu seinem neuesten Harry Bosch-Roman „The Overlook“.

Ken Bruen beantwortet die Fragen von Reed Farrell Coleman. Nachzulesen ist das Gespräch unter Autoren bei Mystery Readers International.  


Neu im Kino/Filmkritik – und ein höllischer Buchtipp: „Hellboy – Call of Darkness“ – bekannter Charakter, neuer Schauspieler, viel rustikaler Spaß

April 11, 2019

Beginnen wir mit der großen Frage: wie schlägt sich der neue Hellboy-Darsteller? Ron Perlman, der Hellboy in zwei kultisch verehrten Filmen wahrlich verkörperte, ist für viele Hellboy. Für sie kann es keinen anderen geben. So wie die ganz alten James-Bond-Fans immer noch Sean Connery für den einzig wahren 007 halten. Die ersten Bilder und Trailer scheinen ihnen recht zu geben.

Im Film verschwinden die Bedenken gegen „Stranger Things“-Star David Harbour schnell. Das liegt auch daran, dass die Macher sich keine zwei Sekunden damit aufhalten, den Schauspielerwechsel zu erklären oder zu erzählen, wie Hellboy Hellboy wurde.

Hellboy – Call of Darkness“ beginnt mitten in der Geschichte. In Tijuana soll Hellboy einen vermissten Kollegen finden und zurückholen. Er findet ihn bei einem Wrestling-Kampf und, weil der Kollege nicht freiwilig mitkommen will, muss Hellboy sich mit ihm im Ring kloppen. Die die engen Grenzen des Rings überschreitende, alle Regeln brechende Schlägerei geht viral – und ab da, eigentlich schon ab dem ersten Moment, als Harbour als Hellboy durch eine dunkle Gasse stampft, hatte ich keine Probleme mehr mit dem neuen Hellboy.

Neil Marshall („The Descent“, „Doomsday“) inszenierte seinen „Hellboy“-Film „Call of Darkness“ mit punkiger No-Nonsense-Attitüde mehr down to earth als Guillermo del Toro seine beiden „Hellboy“-Filme. Alles ist düsterer, der Humor robuster und die Schlägereien sind ebenfalls ziemlich robust. „Hellboy – Call of Darkness“ ist wie der Besuch in einem Pub mit viel Bier, Hausmannskost, derben Sprüchen, Abschweifungen und, Gott bewahre, einer Kneipenschlägerei.

Das vermittelt genau den rotzfrechen Spaß, den „Hellboy“-Erfinder Mike Mignola seit 1993 in seinen Comics vermittelt. Und jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu erklären, wer Hellboy ist. Hellboy ist ein im zweiten Weltkrieg von den Nazis mit der Hilfe von Rasputin aus der Hölle zurückgeholtes Wesen. Als er in unsere Welt zurückkehrte, war er ein Baby mit Hörnern. Professor Trevor ‚Broom‘ Bruttenholm (Ian McShane) rettet das kleine Wesen aus der Hölle, während er und seine Kampfgefährten die Nazis und alle anderen höllischen Wesen töten. Anschließend erzieht Broom das Kind aus der Hölle. Hellboy wird, als muskelbepacktes Mannsbild mit Höllenschwanz, aber ohne Hörner (die hat er sich abgeschnitten und rasiert sie fast täglich nach), zu einem Kämpfer gegen andere Wesen aus der Hölle, Dämonen, Hexen und was es sonst noch so gibt an Monstern und unmenschlichen Bösewichtern. Dabei helfen ihm seine Freunde aus der B. U. A. P. (Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, bzw. im Original B. P. R. D. – Bureau for Paranormal Research and Defense). Seine Kampfgefährten verfügen ebenfalls über besondere Fähigkeiten. Ihre Einsätze sollen unter dem Radar der Öffentlichkeit ablaufen. Hellboy gelingt das nicht immer.

In seinem neuen Kinoabenteuer (das lose auf dem neunten „Hellboy“-Sammelband „The Wild Hunt“ [Ruf der Finsternis] basiert) treten einige der aus den vorherigen beiden „Hellboy“-Filmen und den Comics bekannten Nebencharaktere nur kurz auf. Ihre Auftritte sind Cameos, während Hellboy fast im Alleingang gegen die Bluthexe Nimue (Milla Jovovich) kämpfen muss.

Nimue wurde, wie wir im Prolog des Films erfahren, 517 von König Artus getötet. Sie wurde zerstückelt und ihre Leiche in kleinen, versiegelten Truhen über das gesamte Königreich verteilt. Sie sollte auf Ewigkeiten zerstückelt bleiben. Denn wenn jemand ihre Einzelteile wieder zusammenfügt, kann die Hexe ihr Zerstörungswerk fortsetzen.

Noch bevor Nimue ihr Werk fortsetzen kann, wird Hellboy von Professor Broom nach England geschickt. Er soll dem Osiris-Club bei der Jagd nach Riesen helfen. Der Osiris-Club ist, salopp gesagt, das britische Pendant zur B. U. A. P..

Die Einladung zur Jagd ist eine Falle. Hellboy gelingt es, seine Häscher und die im Wald hausenden Riesen zu töten.

In London trifft er auf Alice Monaghan (Sasha Lane [„American Honey“]) und Ben Daimio (Daniel Dae Kim [„Hawaii Five-0“]), die ihm bei der Jagd nach Nimue und ihrem Gehilfen Gruagach helfen. Die übernatürlich begabte Alice lernte er vor Jahren kennen. Als Baby wurde sie von bösen Feen entführt und er sie rettete. Ben, der sich in einen Werjaguar (nicht Werwolf, aber so ähnlich) verwandeln kann, lernt er jetzt kennen.

Zu dritt ziehen sie in den Kampf gegen Nimue, die jetzt ihr vor Jahrhunderten begonnenes Werk beenden will. Und Hellboy erfährt dabei einige Dinge über seine Herkunft und Bestimmung, die ihm nicht gefallen.

So viel zu der nicht sonderlich wichtigen Story von „Call of Darkness“. Denn letztendlich ist der düstere Film eine herrliche mit One-Linern und Abschweifungen gesättigte Klopperei, in der es oft handfest und drastisch zur Sache geht – und David Harbour ist der Hellboy für eine neue Generation. Wie Roger Moore, Pierce Brosnan und Daniel Craig die neuen James Bonds für neue Generationen waren. Die kurzen Gastspiele von George Lazenby und Timothy Dalton (wobei der sich tapfer schlug) lassen wir mal weg.

P. S.: Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, David Harbour. Der war am 10. April.

Hellboy – Call of Darkness (Hellboy, USA 2019)

Regie: Neil Marshall

Drehbuch: Andrew Crosby

LV: „Hellboy“-Comics von Mike Mignola

mit David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Daniel Dae Kim, Sasha Lane, Thomas Haden Church, Brian Gleeson

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Mehr Hellboy? Die brandneue literarische Ergänzung zum Film

Pünktlich zum Filmstart erscheint der dritte von Christopher Golden herausgegebene Sammelband mit Hellboy-Kurzgeschichten. Wieder sparsam illustriert von Hellboy-Erfinder Mike Mignola. Die brandneuen Geschichten (jedenfalls als „Oddest Jobs“ 2008 in den USA erschien) wurden von namhaften Autoren geschrieben:

Joe R. Lansdale: Mit Schatten und Drachen und langen schwarzen Zügen das Tanzbein schwingen

Mark Chadbourn: Pur, ohne alles

John Skipp & Cody Goodfellow: Zweite Flitterwochen

Ken Bruen: Danny Boy

Garth Nix: Merkwürdiger Angelausflug in den westlichen Highlands

Brian Keene: Salamander Blues

Tad Williams: Die Donnerstagsmänner

Amber Benson: Leckerbissen

Barbara Hambly: Rückeroberung

Gary A. Braunbeck: In Geschirrschränken und auf Bücherborden

Rhys Hughes: Die Flüsse des Skiron

Stephen Volk: Monster Boy

Don Winslow: Evolution im Hellhole Canyon

China Miéville: Ein eigenes Zimmer

Muss ich noch mehr sagen?

Christopher Golden (Hrsg.): Hellboy: Leckerbissen

(illustriert von Mike Mignola) (übersetzt von Verena Hacker und Aimée de Bruyn Ouboter)

Golkonda, 2019

ca. 360 Seiten

16,90 Euro (gedruckte Ausgabe)

9,99 Euro (E-Book)

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hellboy – Call of Darkness“

Metacritic über „Hellboy – Call of Darkness“

Rotten Tomatoes über „Hellboy – Call of Darkness“

Wikipedia über „Hellboy – Call of Darkness“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mike Mignola

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)


TV-Tipp für den 20. Oktober: London Boulevard

Oktober 20, 2017

3Sat, 22.25
London Boulevard (London Boulevard, USA/GB 2010)
Regie: William Monahan
Drehbuch: William Monahan
LV: Ken Bruen: London Boulevard, 2001 (London Boulevard)
Ex-Knacki Mitchel will jetzt ehrlich leben, wird Bodyguard einer berühmten Schauspielerin und hat dann doch mächtig Ärger mit einem Gangster.
Ken Bruen!
William Monahan!
Colin Farrell!
Keira Knightley!
Ray Winstone!
Und dann sind noch David Thewlis, Eddie Marsan und London dabei.
Die Begründung meiner offensichtlichen und schamlosen Begeisterung gibt es hier.
mit Colin Farrell, Keira Knightley, David Thewlis, Anna Friel, Ben Chaplin, Ray Winstone, Eddie Marsan, Sanjeev Bhaskar, Stephen Graham, Ophelia Lovibon

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „London Boulevard“

Rotten Tomatoes über „London Boulevard“

Wikipedia über „London Boulevard“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit William Monahan (das Erste, das Zweite) und mit William Monahan und Colin Farrell zu “London Boulevard”

Homepage von Ken Bruen

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

Ken Bruen in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Rupert Wyatts „The Gambler“ (The Gambler, USA 2014 – nach einem Drehbuch von William Monahan)


Der Polar-Verlag sucht per Crowdfunding den deutschen Noir

August 14, 2017

In den vergangenen vier Jahren erarbeitete der Polar Verlag sich unter Krimifans mit neuen Autoren (wie Christian Roux, Matthew F. Jones, Benjamin Whitmer, Gene Kerrigan und Ray Banks) und alten Bekannten (wie Ken Bruen, Nathan Larson, Bill Moody und Newton Thornburg) schnell einen sehr guten Namen. Es sind Autoren, die in der Tradition des Polar und des Noirs stehen und ihn fortentwickeln. Es sind Autoren, die Bücher für Leser schreiben, die auf den nächsten lauschigen Landhauskrimi oder formelhaften Serienmörderthriller getrost verzichten können.

Jetzt will der Polar Verlag auch deutschsprachige Autoren herausbringen. Und hoffentlich, denn das Polar-Programm ist doch arg männerlastig, sind dann auch einige Autorinnen dabei. Dafür hat der Verlag jetzt eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Sie endet am 6. September.

 

Dort schreibt der Polar-Verlag über das Projekt:

Ab Herbst 2017 beabsichtigen wir, jedes Jahr vier deutsche Autoren/Innen zu veröffentlichen. Zum Aufbau unserer neuen Reihe «Deutscher Polar» benötigen wir eure Unterstützung. (…)

Die Welt des Polars hat Dreck am Stecken. Lasst uns deutsche Polar-Autoren veröffentlichen.

Wofür wir eure Unterstützung brauchen

Stufe 1 26.000,- Euro: Gerade bei der Einführung deutscher Polar-Autoren/Innen ist es wichtig, ihnen dieselbe intensive Aufmerksamkeit zu widmen, die unsere internationalen Autoren bereits genießen. Dazu müssen wir Kräfte freisetzen, die einen behutsamen Aufbau und eine Betreuung über Jahre hinweg ermöglichen. Dank eurer Unterstützung helft ihr uns, hier eine seriöse Planung zu ermöglichen.

Stufe 2 25.000,- Euro: Mit der Einführung des Deutschen Polars begeben wir uns auf die Suche nach neuen deutschen Autoren/Innen, mit denen wir zusammen an ihren Texten arbeiten wollen. Nicht jeder besitzt genug eigene Mittel, um sich die Teilnahme an unserer Textwerkstatt zu ermöglichen. Mit eurer Unterstützung verschaffen wir diesen Autoren den Zugang zur Polar Masterclass, die als Talentwerkstatt für Geschichten gedacht ist.

Belohnungen

Neben den Autoren und unserer Faszination für gute Geschichten verstehen wir uns als offener Verlag, der seine Leser kennenlernen und sich ihnen stellen will. Deswegen bestehen viele unserer Belohnungen aus der Möglichkeit, uns kennenzulernen. Sei es als Fotoshooting mit Kerstin Petermann, sei es ein Blick hinter die Verlagskulissen, ein Kinobesuch und vieles mehr.


„Brant“ jagt einen Polizistenmörder

Mai 31, 2017

In London fragt ein Mann per Anruf in einer Boulevardzeitung, wie viele Polizisten er ermorden soll. Das könnte ein geschmackloser Scherz sein, wenn er nicht schon einmal zugeschlagen hätte und dieser Mord der Auftakt einer Serie von insgesamt acht Polizistenmorden sein soll.

Detective Sergeant Brant und seine Kollegen von der South East London Police Squad machen sich auf die Jagd nach dem Polizistenmörder.

Brant“ ist der bekannteste Brant-Roman von Ken Bruen. Denn er wurde 2011 von Elliott Lester mit Jason Statham verfilmt. Für einen Kinostart von „Blitz“ in Deutschland reichte es dann doch nicht – düstere Cop-Dramen laufen bei uns halt nicht im Kino -, aber auf DVD erschien der Film, er ist gut erhältlich und läuft auch ziemlich regelmäßig im TV.

Der Roman ist der vierte von sieben Brant-Romanen, die Ken Bruen zwischen 1998 und 2007 schrieb und die seit letztem Jahr in nicht chronologischer Reihenfolge bei polar erscheinen. Das mindert etwas das Lesevergnügen, denn die Charaktere und ihre Beziehungen entwickeln sich von Roman zu Roman weiter und Bruen spielt immer wieder auf Ereignisse aus den vorherigen Romanen an, während er die Handlung immer weiter verknappt. Das gilt für die Haupt- und Nebenhandlungen. Immerhin sind die Brant-Romane Polizeikriminalromane, die sich auf der formalen Ebene an Ed McBains langlebigen, das Genre prägenden Serie über das 87. Polizeirevier orientieren. Bruen unterläuft allerdings die Konventionen des Polizeiromans mit viel Schwarzem Humor, literarischen Anspielungen und einer invertierten Moral. Bei Bruen gibt keine guten Bobbys, sondern nur verschieden schlechte Cops, die alle mehr oder weniger die Arbeit erledigt bekommen. Unter fröhlicher Missachtung der Dienstvorschrift und jedes zivilisierten Verhaltenskodex. Der schlimmste von ihnen ist Brant und in „Brant“ legt er auf den ersten Seiten auch gleich mächtig los. Beim Polizeipsychiater raucht er (entgegen der Verbotsschilder), verpasst ihm eine Kopfnuss, zwingt ihn zum Glenfiddich-Trinken und schwärzt ihn bei den internen Ermittlern als Trinker an. Das geschieht alles auf den ersten fünf Seiten des Romans und, wie auch auf den ersten Seiten seines ersten Jack-Taylor-Privatdetektivromans „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards) (auch verfilmt), weiß man nach diesem Auftakt, ob man für das Buch geeignet ist oder doch lieber einen lauschigen Häkelstrickkrimi mit honorigen Polizisten und Mördern liest.

Ken Bruen: Brant

(übersetzt von Len Wanner)

polar Verlag, 2017

256 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Blitz – or… Brant hits the Blues

Do Not Press, 2002

Verfilmung

Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop (Blitz, Großbritannien 2011)

Regie: Elliott Lester

Drehbuch: Nathan Parker

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, Zawe Ashton, David Morrissey, Ned Dennehy, Mark Rylance, Luke Evans

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Deutscher Krimi Preis 2017 vergeben

Januar 21, 2017

Wie in den vergangenen Jahren hat eine 24-köpfige Jury (davon sieben Frauen) aus Krimi-Kritikern, Literaturwissenschaftlern und Krimi-Buchhändlern, den inzwischen 33. Deutschen Krimipreis (kurz DKP) ohne großes Tamtam in zwei Kategorien vergeben:

National

1. Platz: Max Annas: Die Mauer (Rowohlt)

2. Platz: Simone Buchholz: Blaue Nacht (Suhrkamp)

3. Platz: Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht (Tropen)

International

1. Platz: Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel (The Heavenly Table) (Liebeskind)

2. Platz: Liza Cody: Miss Terry (Miss Terry) (Ariadne bei Argument)

3. Platz: Garry Disher: Bitter Wash Road (Bitter Wash Road) (Unionsverlag)

Wie immer: einen herzlichen Glückwunsch an die vier Gewinner und die zwei Gewinnerinnen.

Wer in den letzten Monaten die KrimiZeit-Bestenliste und die Besprechungen verfolgte, dürfte nicht überrascht sein. Auch wenn einige alte Lieblinge (wie Friedrich Ani, Ken Bruen, James Lee Burke, Joe R. Lansdale, Philip Kerr, Lee Child, Don Winslow [okay, sein letzter neuer Roman war auch nicht preiswürdig] und Horst Eckert [der bei den Krimi-Kritikern eh einen seltsam schweren Stand hat]), trotz neuer Romane, nicht erwähnt werden.


TV-Tipp für den 4. Juli: Jack Taylor: Der Ex-Bulle

Juli 4, 2016

ZDFneo, 23.15

Jack Taylor: Der Ex-Bulle (Irland 2010, Regie: Stewart Orme)

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Galway, Irland: Nachdem Jack Taylor wegen eines gezielten Fausthiebs aus der Polizei fliegt, beginnt er als Detektiv zu arbeiten. Obwohl es in Irland keine Privatdetektive gibt. Jetzt soll er Anne Hendersons verschwundene Tochter suchen – und er wühlt dabei, wenn er nicht gerade trinkt oder zusammengeschlagen wird – ziemlich viel Schmutz auf.

Jack Taylor ist der bekannteste Charakter von Noir-Autor Ken Bruen. Die grandiosen Bücher bestechen vor allem durch Ken Bruens lyrische Sprache, die sich kaum übersetzen lässt. Die Plots sind dagegen eher krude und nebensächlich. Immerhin ist Taylor der erfolgloseste Privatdetektiv, den es gibt und er löst seine Fälle eher zufällig und trotz seiner Ermittlungen.

„The Guards“ war für den Edgar- und Macavity-Preis nominiert und erhielt den Shamus-Preis als bester Roman.

Der erste Jack-Taylor-Film bietet zwar etliche Jack-Taylor-Weisheiten, die bekannten Privatdetektiv-Klischees (die im Buch nicht so sehr auffallen) und ist insgesamt eher fahrig inszeniert. Also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit, die nicht die Qualität der Vorlage erreicht, aber mit Iain Glen einen überzeugend kaputten Jack Taylor hat.

Mit Iain Glen, Nora-Jane Noone, Ralph Brown, Tara Breathnach, Frank O’Sullivan

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juni: Blitz

Juni 3, 2016

Pro7, 22.25

Blitz (Großbritannien 2011, Regie: Elliott Lester)

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Von seinen sieben „Inspector Brant“-Romane sind inzwischen, endlich!, zwei Romane auf Deutsch veröffentlicht und in der Kriminalakte gebührend abgefeiert worden.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Sonntag, 5. Juni, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Detective Sergeant Brant und die „Füchsin“

Mai 18, 2016

Bruen - Füchsin - 2

Wer seine Kriminalromane gerne schön heimelig, gerne mit etwas Schmunzelhumor, hat, für den ist „Füchsin“ ungefähr so genießbar wie ein mit Tabasco kräftig gewürztes, angebranntes Gericht. Spätestens nach einer Seite, wird er den Roman von Ken Bruen entsetzt weglegen.

Der Roman beginnt mit einem Erpresseranruf bei der Polizei. Noch während der Erpresser vor der Bombe warnt, explodiert sie. In der Toilette des Paradise Cinema, während der Vorführung eines Tom-Cruise-Films. Der Erpresser fordert bis zum nächsten Tag dreihunderttausend Pfund. Sonst explodiert die nächste Bombe.

Und dann stellt Ken Bruen, bevor die Londoner Polizisten mit ihrer Arbeit beginnen, in seinem fünften Brant-Roman schnell das Personal des Polizeireviers und einige ihrer Taten vor, die in den vorherigen, bislang nicht ins Deutsche übersetzten Romanen geschildert wurden. Es sind Detective Sergeant Brant, „das tiefschwarze Schaf Südost-Londons. Verbrecher und Cops waren in Furcht vor ihm vereint. (…) Der Unfalltod des Clapham-Vergewaltigers wurde ihm zugeschrieben.“ Aufgrund seiner rabiaten Methoden, die Dirty Harry wie ein Weichei erscheinen lassen, soll er sich aus dem Fall heraushalten. Was selbstverständlich nicht funktioniert.

Eine seiner Kollegen ist Woman Police Constable Falls, eine Schwarze, „der feuchte Traum des Reviers (…) Trotz ihres hübschen Gesichts und der guten Figur mieden die Jungs sie. Es ging das Gerücht um, sie hätte möglicherweise einen Polizistenmörder umgebracht.“

Dann gibt es noch Detective Inspector Porter Nash, der in diesem Fall nicht als Mörder in Betracht kommt, weil er „in Kensington persönliche Rache an einem Pädophilen genommen hatte.“

Und das sind nur einige der Gesetzeshüter, denen man nicht unbedingt, egal zu welcher Uhrzeit, begegnen möchte.

Der Bombenanschläge werden von der achtundzwanzigjährigen Angie James, die gerade mit zwei kleinkriminellen Brüdern zusammen ist, orchestriert. Angie „war ernsthaft gestört. (…) Ihr Radar nahm nur auf, ob sie sich gut oder betrogen fühlte. (…) Der Versuch, ihre Familie abzufackeln, hatte ihr als Teenager zwei Jahre in der Klapse eingebracht. Die besten zwei Jahre ihres Lebens, denn dort hatte sie gelernt, durch Sex Macht auszuüben. Eine atemberaubende Fähigkeit.“

Und ebenso atemberaubend schnell mit grotesken Verwicklungen zwischen verschiedenen Handlungssträngen wechselnd, erzählt Ken Bruen in seiner bekannt knappen Prosa seine Geschichte. In den Brant-Romanen kondensiert er dabei die einzelnen Plots auf ihr nacktes Handlungsgerüst und die Pointen. Das liest sich wie die Readers-Digest-Version von Ed McBains „87. Polizeirevier“, bereinigt um alle Vorstellungen von ehrlichen und uneigennützigen Polizisten. Wie auch in seinen anderen Romanen braucht Ken Bruen nicht viele Seiten, um seine Geschichte zu erzählen. Auf Seite 173 ist der schwarzhumorige Alptraum vorbei und Angie fragt: „Und, hast du noch mehr perfekte Verbrechen auf Lager?“

Ken Bruen: Füchsin

(übersetzt von Karen Witthuhn)

Polar, 2016

182 Seiten

12,90 Euro

Originalausgabe

Vixen

The Do Not Press, 2003

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans „Tower“ (Tower, 2009)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

 


%d Bloggern gefällt das: