Neu im Kino/Filmkritik: Michael Mann zieht den „Blackhat“ an

Februar 5, 2015

Wie zeige ich Computercodes, das Internet und den Cyberkrieg? Schwierig, aber in den vergangenen Jahren gab es ja einige interessante Ideen. Michael Mann, einer der stilprägenden und stilistisch überzeugendsten Regisseure der verganenen Jahrzehnte, stand in seinem neuen Thriller „Blackhat“ ebenfalls vor der Frage. Denn in dem Film geht es um den Cyberwar, einen skrupellosen Gangster und zwei Männern, die gegen ihn kämpfen.
Es beginnt mit Angriffen auf das Chai Wan Atomkraftwerk in Hong Kong und die Börse in Chicago. Den ersten Angriff zeigt Michael Mann in einer atemberaubenden Montage, in der die Kamera sich von China durch Datenleitungen und Computer zu einem weit entfernten Ort rast, wo die Kamera sich aus einem Computer heraus in das Zimmer bewegt, in dem der Verbrecher, mit einem Tastendruck seine Schadsoftware losschickt. Beim zweiten und dritten Verwenden dieser Montage fällt dann vor allem die bescheidene Animation auf. Die restliche Zeit lässt Mann, wenn er die Computerspezialisten bei der Arbeit beobachtet, dann Männer angestrengt auf Bildschirme blicken (langweilig!) und zeigt einen mit grünen Buchstaben, Zahlen und Ziffern gefüllten schwarzen Bildschirm. Das ist noch langweiliger (jaja, in der Wirklichkeit ist das so) und erinnert an die Uralt-Cybercrimethriller aus den Achtzigern und Neunzigern, die heute sogar durch die nostalgische Brille betrachtet, nur langweiliger Unfug sind. Und genau das ist „Blackhat“: langweiliger Unfug, der gerade so die Qualität eines passablen, aber verzichtbaren B-Pictures erreicht, das sich mit einer sattsam bekannten Story einfach an ein aktuelles Thema, wie Drogenhandel, Terrorismus oder halt Cybercrime, ranhängt. Da hilft es auch nichts, dass Computerexperten sich über die richtige Verwendung von Fachbegriffen und der richtigen Darstellung von Abläufen freuen.
Denn der Plan des extrem blassen und austauschbaren Bösewichts ist hirnrissig, sichert ihm aber die uneingeschränkte Aufmerksamkeit aller Sicherheitsbehörden von zwei normalerweise miteinander verfeindeter Weltmächte. Als erstes jagt er ein AKW in die Luft. Danach manipuliert er die Börse. Das waren die unauffälligen Testläufe seiner Software. Sein nächstes Ziel bleibt lange im Dunkeln, aber unsere tapferen Helden entdecken es mit einer Sherlock-Holmes-würdigen Deduktion.
Der Held, gespielt von Chris Hemsworth, ist der Super-Supermann: der beste Hacker der Galaxis, sportlich, an allen möglichen und unmöglichen Waffen ausgebildet, philosophisch bewandert und ein echter Frauenheld, der sich in die sexy Schwester von seinem Unifreund verliebt. Der Unifreund, ebenfalls ein begnadeter Hacker, Chinese und jetzt im Staatsdienst, will bei der Jagd nach dem unbekannten Saboteur unbedingt seinen alten Kumpel Nick Hathaway haben. Denn ein Teil der Schadsoftware wurde von Hathaway an der Uni, als kleine Entspannungsübung, geschrieben.
Dieses Dreieck von zwei miteinander befreundeten Männern und einer Frau erinnert an „Miami Vice“. Sowieso wirkt „Blackhat“ oft wie „Miami Vice 2“, der allerdings nie die hypnotische Qualität erreicht, die „Miami Vice“ in seinen besten Momenten hatte. „Miami Vice“ ist allerdings auch ein eher konfuses Remake der TV-Serie mit einem größeren Budget, aber ohne neue Erkenntnisse.
Auch all die anderen vertrauten Michael-Mann-Elemente sind da: die Männerfreundschaften, die dünne Grenze zwischen Gut und Böse, die Beziehungen der Charaktere zueinander, die tollen Bilder (allerdings viel zu wenige; meistens sind es eben Nahaufnahmen von Menschen, die in Räumen an Schreibtischen sitzen), die Musik. Aber immer wirkt es wie eine Pflichtübung.
Die Story ist eine Ansammlung von Klischees, die wir aus besseren Filmen kennen. Denn „Blackhat“ kann sich nie entscheiden, was in welchem Tonfall seine Geschichte erzählt werden soll. So schwankt der Film unentschlossen zwischen einem realistichen Hackerkrimi, einem eskapistischer James-Bond-Film, einem Neo-Noir, der dieses Mal vor exotischer Kulisse spielt, und, gegen Ende, einem Gangsterthriller.
Und diese Filmgeschichte ist – trotz des realen Hintergrundes und den stimmigen Details – unglaubwürdig. Eigentlich verharmlost sie in der Post Snowden-Ära die realen Gefahren des Cyberkriegs, indem die altbekannte Geschichte von dem Einzelgänger, der im Alleingang den Bösewicht (der als Handlanger einige Terroristen und Söldner hat) in einer ganz und gar irdischen Konfrontation besiegt. Sozusagen: Nick Hathaway gegen Doktor Mabuse.
Das ist nicht besonders beeindruckend.

Blackhat - Plakat

Blackhat (Blackhat, USA 2014)
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Morgan Davis Foehl
mit Chris Hemsworth, Wang Leehom, Tang Wei, Viola Davis, Hold McCallany, Andy On, Ritchie Coster, John Ortiz, Yorick van Wageningen
Länge: 133 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Blackhat“
Moviepilot über „Blackhat“
Metacritic über „Blackhat“
Rotten Tomatoes über „Blackhat“
Wikipedia über „Blackhat“
Wired unterhält sich mit Michael Mann über „Blackhat“ und sieht sich mit Experten den Film an

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Michael Mann in der Kriminalakte

Pressekonferenz zum Film mit Michael Mann und einigen der Schauspieler

Nachtrag (6. Februar 2015): In der SZ gibt es einen lesenswerten Artikel von Hakan Tanriverdi, der sich mit den wahren Gefahren des Cyberkriegs als Krieg beschäftigt und der damit auch „Blackhat“ einem Realitätstest unterzieht. Tanriverdi kommt zu einem ernüchterndem Ergebnis: weltweit gibt es ein, zwei Fälle, die man als ‚Krieg‘ bezeichnen kann und die, wie „Stuxnet“, nur über Computer verübt wurden.

Spionage ist ein anderes Thema.

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TV-Tipp für den 2. September: Roter Drache

September 1, 2017

ZDFneo, 22.00

Roter Drache (USA 2002, Regie: Brett Ratner)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: Red Dragon, 1981 (Roter Drache)

FBI-Mann Will Graham jagt einen Serienkiller. Nur Hannibal Lecter kann ihm helfen.

Die zweite Verfilmung von „Red Dragon“, dem ersten Roman mit Menschenfresser Hannibal Lecter, ist meilenweit von der Qualität von „Manhunter“ (USA 1986, Regie/Buch: Michael Mann) entfernt. Optisch hält Ratner sich in seinem langatmig-langweiligen Starkino an den von Jonathan Demme in seiner Thomas-Harris-Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“ etablierten Look. Von der Story wiederholt Ratner nur Michael Manns eiskalten „Manhunter“, garniert mit überflüssigen Verweisen auf „Das Schweigen der Lämmer“.Und Anthony Hopkins in der Rolle seines Lebens.

Die andere Meinung: „Roter Drache ist ein erstklassiger Thriller.“ (Rheinische Post, 31. Oktober 2002)

Mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Lalo Schifrin (als Dirigent, sein bislang einziger Filmauftritt)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Roter Drache“

Wikipedia über „Roter Drache“ (deutsch, englisch)

Homepage von Thomas Harris

Krimi-Couch über Thomas Harris

Meine Besprechung von Brett Ratners „Aushilfsgangster“ (Tower Heist, USA 2011)

Meine Besprechung von Brett Ratners „Hercules“ (Hercules, USA 2014)


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2017

ZDFneo, 23.10

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Der grandiose Neo-Western „Hell or High Water“

Januar 14, 2017

Es beginnt mit einem Banküberfall in West-Texas und ehe die Polizei auftaucht, haben Toby Howard (Chris Pine) und sein gerade aus dem Knast entlassener, impulsiver Bruder Tanner (Ben Foster) schon die nächste Bank überfallen. Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) und sein Partner Alberto Parker (Gil Birmingham) vermuten schnell, dass die Bankräuber es auf die Filialen einer bestimmten Banken abgesehen, einen Grund dafür und ein Ziel haben. Die Howards überfallen nämlich Filialen der Texas Midlands Bank und, wie wir etwas später erfahren, hat diese Bank ihrer Mutter einen kleinen Kredit auf das Grundstück gegeben und die Howards, während ihre Mutter im Sterben lag, immer weiter in eine Verschuldungsspirale getrieben hat. Jetzt will die Bank das Grundstück, auf dem Öl gefunden wurde, haben.

Mit den Banküberfällen wollen die Howard-Brüder genug Geld erbeuten, um ihre Schulden zu bezahlen.

David Mackenzie („Young Adam“, „Hallam Foe“) inszenierte nach einem Drehbuch von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan, mit der Musik von Nick Cave und Warren Ellis (was schon eine Empfehlung an sich ist), einen schnörkellosen Neo-Western, der gleichzeitig ein Porträt des ländlichen Texas ist. Die weit auseinanderliegenden Städte sind klein, vom Verfall geprägt und immer wieder tauchen am Straßenrand oft schon ältere Schilder von Banken auf, die etwas verkaufen wollen. Schnell entsteht das bedrückende Bild eines ökonomisch darnieder liegenden Landes.

Es ist auch ein Land, in dem zu viele Leute zu viele Waffen haben. So müssen die beiden Bankräuber schon während ihres zweiten Banküberfalls vor einem schießwütigem Bankkunden weglaufen. Später hat auch Texas Ranger Hamilton immer wieder Probleme mit schießgeneigten Texanern. Denn natürlich hat jeder Texaner mindestens eine Waffe in seinem Auto liegen. Oft auch zwei, drei oder noch mehr, die er auch gerne und ohne erkennbare Gewissenskonflikte gegen Menschen einsetzt.

Der Schotte Mackenzies hat bei seinem Neo-Western immer auch einen europäischen Blick auf die USA. Er sieht Dinge, die einem US-Amerikaner nicht auffallen, weil er sie für selbstverständlich hält. Er hat, das ist in jedem Bild spürbar, eine große Liebe und Faszination für den Western und den Gangsterfilm. Er badet, auch dank der Musik der Australier Cave und Ellis, förmlich im Americana-Feeling. Allerdings ohne Verklärungen u d mit dem skeptisch-staunendem Blick eines Außenseiters. Die Bilder der dünn besiedelten Landschaft, der Sonnenauf- und -untergänge, der Häuser, der Diner, die in Texas noch die Patina der fünfziger Jahre verströmen (McDonalds kam nie dorthin, weil er dort keine Geschäfte hätte machen können) und der Menschen, die alle nicht wie die typischen Hollywood-Schauspieler aussehen. In der Originalfassung suhlen sie förmlich im texanischen Dialekt, der kaum verständlich ist und auch Kenner der englischen Sprache nach Untertiteln rufen lässt.

Mackenzie ist, trotz einiger Längen, ein feiner Film gelungen, der auf jegliche aufgesetzte Sozialkritik verzichtet. Die Längen des Neo-Westerns liegen an der seit Ewigkeiten bekannten Geschichte von Bankräubern, die sich gegen die Banken und ihre Macht auflehnen, und Gesetzeshütern, die sie gnadenlos verfolgen, und Taylor Sheridans Konzentration auf wenige Charaktere, über die wir wenig mehr erfahren, als ihre aktuellen Taten. Letztendlich kämpfen zwei Polizisten gegen zwei Bankräuber, die sich während der Filmgeschichte eigentlich nicht begegnen. Diese für Filme prinzipiell schwierige Erzählkonstruktion kennen wir aus Michael Manns Gangsterfilmklassiker „Heat“ und auch in „High or High Water“ funktioniert sie vorzüglich.

Alles in „Hell or High Water“ ist Handlung, die sich ohne eine einzig Rückblende oder lange Erklär-Dialoge chronologisch und ohne Umwege bis hin zu seinem durchaus positiven, aber moralisch zwiespältigem Ende bewegt. Damit besteht „Hell or High Water“ zwar nicht den 100-%-Noir-Test, aber niemand würde das düstere Drama für einen Feelgood-Film oder einen 08/15-Actionfilm halten.

hell-or-high-water-plakat

Hell or High Water (Hell or High Water, USA 2016)

Regie: David Mackenzie

Drehbuch: Taylor Sheridan

mit Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham, Marin Ireland, Katy Mixon, Dale Dickey

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hell or High Water“

Metacritic über „Hell or High Water“

Rotten Tomatoes über „Hell or High Water“

Wikipedia über „Hell or High Water“ (deutsch, englisch)

Und hier, zum Tonvergleich, der Originaltrailer

DP/30 versammelt die drei Hauptdarsteller zu einem gesitteten Gespräch

Mit Taylor Sheridan führte DP/30 ein Einzelgespräch


Neu im Kino/Filmkritik: „The Infiltrator“ – eine wahre Geschichte aus dem Kampf gegen Drogenhändler und Geldwäscher

September 30, 2016

Florida, achtziger Jahre: Drogen aus Südamerika überfluten das Land. Brian De Palma in „Scarface“ und Michael Mann in der TV-Serie „Miami Vice“ zeichneten, neben etlichen Krimiautoren, in Echtzeit ein Sittengemälde dieses Krieges.

Robert ‚Bob‘ Mazur war als U.S. Customs Special Agent an vorderster Front dabei. 2009 veröffentlichte er unter dem Titel „The Infiltrator“ seine Erinnerungen.

Jetzt verfilmte Brad Furman („The Lincoln Lawyer“) Mazurs Biographie, die unbestritten das Potential für einen spannenden Kinoabend hat, in dem alles drin ist, was man von einem sich für sonniger Kulisse entfaltendem Drogenthriller erwartet. Vor allem wenn es um einen langjährigen Undercover-Einsatz geht, in dem Robert Mazur als Geldwäscher Robert Musella die Spur des Drogengeldes verfolgt. Dabei geraten neben den Kartellbuchhaltern auch mehrere Repräsentanten der global tätige Bank of Credit and Commerce International (BCCI) in den Fokus der Ermittlungen des Zollfahnders.

Und trotzdem enttäuscht „The Infiltrator“.

Das liegt nicht daran, dass Furman sich einige dramaturgische Freiheiten nimmt. Das ist immer so und fällt nur denen auf, die Mazurs Buch kennen oder sich vor dem Kinobesuch ausführlich mit den wahren Ereignissen beschäftigen.

Ein großes Problem ist allerdings, auch ohne die Fakten zu kennen, das Alter der beiden Hauptdarsteller Bryan Cranston und Diane Kruger. Sie sind zu alt für ihre Rollen. So spielt der sechzigjährige Cranston den damals 36- bis 38-jährigen Mazur. Die vierzigjährige Kruger spielt eine unerfahrene Polizistin, die während ihres ersten Undercover-Einsatzes Mazurs Verlobte spielen soll.

Aber auch darüber – immerhin überzeugen sie schauspielerisch – könnte man hinwegsehen, wenn Furman wenigstens konsequent die offensichtlichen Themen eines Gangsterthrillers behandeln würde.

Denn selbstverständlich geht es um Vertrauen,Misstrauen und auch die Faszination der Gefahr und des großen Geldes für den kleinen Polizisten. Lässt Mazur sich korrumpieren? Verrät er seine Gangsterfreunde? Was empfindet er dabei? Wie geht er mit Vertrauens- und Loyalitätskonflikten um? Und, im Fall von Mazur, der glücklich verheirateter Vater zweier Kinder ist, geht es natürlich auch um die Frage, wie seine Arbeit sein Familienleben beeinflusst.

Das alles wird in „The Infiltrator“ angesprochen. Auch weil man eine solche Geschichte nicht erzählen kann, ohne diese Themen anzusprechen. Aber Furman gelingt es nie, auch nur einen Funken Spannung oder Interesse an den Charakteren zu wecken. Mazur (der den Film mitproduzierte) wird als glücklicher und zufriedener Familienmensch porträtiert, der als ehrlicher, vertrauenswürdiger und zuverlässiger Beamter seine Arbeit erledigt. Und ob er als Beamter jetzt ohne irgendeinen Gewissenskonflikt Akten sortiert oder etwas anderes tut, ist egal. Auch weil er sich auf die finanzielle Seite des Drogengeschäfts konzentriert. Er fliegt nicht nach Südamerika, um Drogen einzukaufen, sondern er erschleicht die Freundschaft von Bankern und Buchhaltern. Bei den zahlreichen Transaktionen geht es um Geld und Bankkonten. Das gekaufte und verkaufte Produkt ist nebensächlich. Die Gefahr einer Enttarnung von Mazur und seiner Kollegin Kathy Ertz eher behauptet, als wirklich spürbar.

Gleichzeitig wird in dem Film vieles in Nebensätzen angesprochen, aber nicht weiter verfolgt. Dabei würde man, weil es angesprochen wird, gerne mehr über die Geschäfte des Geheimdienstes in Südamerika (siehe die Iran-Contra-Affäre) und das Medellin-Kartell erfahren. Aber Pablo Escobar, der in den ersten Minuten auf einer Schautafel als Kopf der Drogenmafia gezeigt wird (was für den kundigen Zuschauer heißt: der Mann wird die nächsten neunzig Minuten gejagt und am Ende zur Strecke gebracht), wird während des Films immer wieder erwähnt, aber persönlich taucht er nur einmal für den Bruchteil einer Sekunde am Bildrand auf. Escobar ist in „The Infiltrator“ nur der anonym bleibende Kopf einer Firma, während die Ermittlungen sich auf einen seiner mehr oder weniger wichtigen Angestellten konzentrieren.

Denn in dem Film und der in ihm gezeigten Operation C-Chase (wird der Name überhaupt vor dem Abspann erwähnt?) geht es, ausgehend von dem Kampf gegen die Drogenimporteure und das Medellin-Kartel, um die Geldwäscher der Drogenkartelle und um die darin involvierte Bank of Credit and Commerce International (BCCI), die neben Drogenhändlern auch andere nicht weniger unseriöse Kunden hatte.

Letztendlich erfährt man in „The Infiltrator“ nichts, was man nicht schon in der Noir-Serie „Miami Vice“ gesehen hat. Oder zuletzt, wesentlich vergnüglicher, in der Siebziger-Jahre-Gaunerkomödie „American Hustle“.

the-infiltrator-plakat

The Infiltrator (The Infiltrator, Großbritannien 2016)

Regie: Brad Furman

Drehbuch: Ellen Brown Furman

LV: Robert Mazur: The Infiltrator, 2009

mit Bryan Cranston, Diane Kruger, John Leguizamo, Benjamin Bratt, Yul Vazquez, Juliet Aubrey, Elena Anaya, Amy Ryan, Olympia Dukakis, Rubén Ochandiano, Simón Andreu, Joseph Gilgun, Daniel Mays

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Infiltrator“

Metacritic über „The Infiltrator“

Rotten Tomatoes über „The Infiltrator“

Wikipedia über „The Infiltrator“

History vs. Hollywood über „The Infiltrator“

Meine Besprechung von Brad Furmans „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Furmans „Runner Runner“ (Runner Runner, USA 2013)

Buchtipp

Narconomics von Tom Wainwright

Einerseits hat das gerade erschienene Buch nichts mit „The Infiltrator“ zu tun.

Andererseits erscheint es mir eine sehr gute Ergänzung zu dem Film zu sein. In „Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen“ zeichnet „Economist“-Korrespondent Tom Wainwright die gesamte Wertschöpfungskette des illegalen Kokainhandels vom Anbau in den Anden bis zum Verkauf in westlichen Großstädten nach. Dabei betrachtet er den Drogenhandel als einen Markt – der dann auch mit entsprechenden Mitteln bekämpft werden kann.

Tom Wainwright: Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen

(übersetzt von Henning Dedekind)

Blessing, 2016

352 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

How to run a Drug Cartel

PublicAffairs, Perseus Book Group, New York, 2016


TV-Tipp für den 26. August: Public Enemies

August 26, 2016

3sat, 22.35

Public Enemies (USA 2009: Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Ronan Bennett, Ann Biderman, Michael Mann

LV: Bryan Burrough: Public Enemies, 2004

Melvin Purvis (Christian Bale) jagt John Dillinger (Johnny Depp).

Die Version von Michael Mann.

Da waren meine Erwartungen entsprechend hoch – und sie wurden enttäuscht. Denn im Vergleich zu „Dillinger“ von John Milius mit Warren Oates als John Dillinger und Ben Johnson als Melvin Purvis ist Manns Version doch ein eher laues Lüftchen mit Starpower und einer die Atmosphäre zerstörenden Digitalkamera (wobei das allerdings auch am Kino gelegen haben kann. Denn ein Kumpel meinte, er hätte eine Vorführung gesehen, bei der Mann die Technik überwachte und die Bilder seien grandios gewesen).

„spannende Genre-Bricolage“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy Crudup, Stephen Dorff, James Russo, Rory Cochrane, Channing Tatum, Diana Krall

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Public Enemies“

Vanity Fair: Bryan Burrough beim Dreh von „Public Enemies“ (9. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough sieht Johnny Depp sterben (4. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über die geplante Verfilmung von „Public Enemies“ (7. März 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über den Drehstart von „Public Enemies“ (6. März 2008)

„Public Enemies“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2016

Vox, 22.00

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Wiederholung: Freitag, 20. Mai, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Triple 9“ – Movie down

Mai 7, 2016

Atlanta, USA: ein am helllichten Tag durchgeführter Banküberfall gerät zu einer veritablen Straßenschlacht, die bei Krimifans wohlige Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ weckt. Nur wird hier eine dreckige Version präsentiert. Von John Hillcoat, der zuletzt das während der Prohibition spielende Gangsterdrama „Lawless – Die Gesetzlosen“ inszenierte

Kurz darauf erfahren wir, dass die Bankräuber Polizisten sind, die zu einer Sondereinheit gehören, die auch den Fall aufklären sollen. Zu ihnen stößt als neues Mitglied der Sondereinheit Chris Allen (Casey Affleck). Bei dem Neuling ist unklar, wie unehrlich er ist. Sein ihn beschützender Onkel, Sergeant Detective Jeffrey Allen (Woody Harrelson) von der Major-Crimes-Abteilung, soll ebenfalls den Fall aufklären.

Weil Irina Vlaslow (Kate Winslet), die Chefin der örtlichen Russen-Mafia, mit der Beute von dem Überfall nicht zufrieden ist, erpresst sie Chris Allens Vorgesetzten Michael Belmont (Chiwetel Ejiofor) zu einem weiteren, noch riskanteren Raubzug. Die von ihm angeführten verbrecherischen Polizisten glauben, – und damit ist der Titel erklärt -, mit einem Triple-9-Notruf können sie die Polizisten von ihrem eigentlichen Ziel ablenken. 999 sei, so erklären uns die Verbrecher, der Polizeicode für einen erschossenen Polizisten.

John Hillcoat, der mit seinen vorherigen Spielfilmen „The Proposition“, „The Road“ und dem schon erwähnten „Lawless“ immer sehenswerte, nie leichte Kost ablieferte, hat mit „Triple 9“ seinen enttäuschendensten Film vorgelegt. Da hilft auch die hochkarätige Besetzung nicht weiter. Neben den schon erwähnten Casey Affleck (unterfordert), Woody Harrelson (chargierend), Kate Winslet (böse, sehr böse) und Chiwetel Ejiofor sind Anthony Mackie, Norman Reedus, Aaron Paul, Michael Kenneth Williams, Teresa Palmer und Gal Gadot in dem testosterongeschwängertem, nihilistischem Männerfilm dabei, der seine Klischees über Verbrecher und korrupte Cops in einer drögen Geschichte, garniert mit viel Gewalt, kredenzt. Mit vielen langweilenden Nebenstränge, die die Hauptgeschichte nicht voranbringen. Bei der Hauptgeschichte, wobei man locker über den zentralen Konflikt streiten kann, ist kein Zentrum und damit auch kein Protagonist, kein Antagonist und keine sinnvolle Struktur von Haupt- und Nebengeschichten erkennbar. Erzählt wird das in durchgehend viel zu dunklen Bilder, weil Schwarz ja Noir bedeutet und je dunkler die Bilder sind, umso mehr Noir ist der Film. Nur ist Noir eine Haltung und kein Farbton. Das hatte vor wenigen Wochen auch Zack Snyder in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ verwechselt.

Und, auch wenn man einen konsequent nihilistischen Kosmos zeichnet, ist es keine gute Idee diesen Kosmos nur mit unsympathischen und, was noch schlimmer ist, gänzlich uninteressanten Gestalten zu bevölkern. Jedes Problem, das sie haben, wirkt wie eine Drehbuchidee. Kein Charakter interessiert – und damit ist es einem herzlich egal, wer warum überlebt. Mit zunehmender Laufzeit hofft man sogar, dass sie sich möglichst schnell gegenseitig erschießen, damit das Elend schnell vorbei ist.

Das ist, wenn man den Regisseur und die beteiligten Schauspieler mag, ein äußerst ernüchterndes Fazit. „Triple 9“ ist ein zerfahrener Möchtegern-Noir-B-Movie-Gangsterfilm, der Schein mit Sein verwechselt; was bei Hillcoat erstaunt.

Triple 9 - Plakat

Triple 9 (Triple 9, USA 2016)

Regie: John Hillcoat

Drehbuch: Matt Cook

mit Casey Affleck, Woody Harrelson, Kate Winslet, Anthony Mackie, Chiwetel Ejiofor, Norman Reedus, Aaron Paul, Clifton Collins Jr., Teresa Palmer, Gal Gadot, Michael Kenneth Williams

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Triple 9“

Metacritic über „Triple 9“

Rotten Tomatoes über „Triple 9“

Wikipedia über „Triple 9“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)

Meine Besprechung von John Hillcoats „Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)


TV-Tipp für den 15. März: Collateral

März 15, 2016

Pro7 Maxx, 20.15

Collateral (USA 2004, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Mittwoch, 16. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Wikipidia (englisch) über „Collateral“

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. November: The Town – Stadt ohne Gnade

November 5, 2015

RTL II, 20.15

The Town – Stadt ohne Gnade (USA 2010, Regie: Ben Affleck)

Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard

LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)

Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.

Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.

Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen fünfzehn Jahren gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da die anderen Bankräuber.

Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.

Und danach, um 22.35 Uhr, gleich zu 3sat umschalten. Dort läuft „Lawless – Die Gesetzlosen“.

mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper

Wiederholung: Sonntag, 8. November, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Town“

Metacritic über “The Town”

Rotten Tomatoes über “The Town”

Wikipedia über “The Town” (deutsch, englisch)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (24. August 2010)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Phoenix: Eugenia Williamson trifft Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Globe: Billy Baker über das heutige Charlestown (18. September 2010)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung “Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel” (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks “Argo” (Argo, USA 2012)


TV-Tipp für den 23. September: Insider

September 23, 2015

BR, 23.10

Insider (USA 1999, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Eric Roth, Michael Mann

LV: Marie Brenner: The Man who know too much, 1996 (Artikel Vanity Fair)

TV-Journalist Lowell Bergman will eine Story über die miesen Geschäfte der Zigarettenindustrie landesweit ausstrahlen. Sein Kronzeuge ist Jeffrey Wigand, ehemaliger Chef der Forschungsabteilung eines Zigarettenkonzerns. Dummerweise wollen die Senderbosse und die Zigarettenindustrie die Story verhindern.

Hochspannender 157-minütiger Thriller, der einen gelungen Einblick in die Medienwelt und die Wirtschaft und ihre Strukturen liefert, getragen von einem fantastischen Ensemble.

mit Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Lindsay Crouse, Debi Mazar

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Insider“

Wikipedia über „Insider“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Mai: Thief – Der Einzelgänger

Mai 9, 2015

Servus TV, 22.20

Thief – Der Einzelgänger (USA 1981, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

LV: Frank Hohimer: The home invaders: Confessions of a Cat Burglar, 1975

Musik: Tangerine Dream

Ganove Frank will mit dem letzten, großen Coup seine Verbrecherlaufbahn beenden. Dafür lässt sich Frank auch mit einem Gangstersyndikat ein. Und das hätte er nicht tun sollen.

Das Kino-Debüt des „Miami Vice“-Machers ist ein perfekt durchgestylter Gangsterthriller.

„Anstelle des Einbruchs rückt die melodramatische Komponente des Plots in den Mittelpunkt, was ‚Thief’ gemeinsam mit der von Mann kultivierten Neon-Ästhetik zu einem prägenden Vertreter des Noir der frühen 1980er Jahre macht.“ (Andreas Rauscher in „Filmgenres: Film noir“, 2008)

Mit James Caan, Tuesday Weld, Willie Nelson, James Belushi, Dennis Farina, Chuck Adamson, William Petersen

Auch bekannt als “Der Einzelgänger”

Wiederholung: Sonntag, 10. Mai, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Senses of Cinema über Michael Mann

Drehbuch “Thief” von Michael Mann (Final Draft, März 1980)

Wikipedia über „Thief – Der Einzelgänger“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns „Blackhat“ (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über den feinen New-York-Gangsterthriller „Run all Night“

April 16, 2015

Vergessen wir einfach „96 Hours – Taken 3“ und wenden uns „Run all Night“ zu. Mit Liam Neeson als Mafiakiller, der in einer Dezembernacht in New York seinen Sohn, der zufällig Zeuge eines Mordes wurde, vor Gangstern und der Polizei beschützen will.
Jaa, das klingt jetzt nach „Taken 4“. Aber „Run all Night“ ist ein äußerst sehenswerter Gangsterthriller, der die Tradition und die Genreregeln kennt, sie gelungen variiert und mit einer ordentlichen Portion Action abschmeckt. Die Story erinnert Einige an „Road to Perdition“. Das stimmt. Aber „Road to Perdition“ ist mir auch viel zu prätentiös. „Run all Night“ will dagegen nur ein spannender Thriller sein, der nebenbei noch einige ernste Themen behandelt. Die nächtlichen Bilder von den weniger bekannten Ecken New Yorks und weil die Jagd quer durch die Millionenstadt geht, erinnern mich an Michael Manns „Collateral“, das ursprünglich ebenfalls in New York spielen sollte. Mann verlegte die Geschichte nach Los Angeles und genau wie „Collateral“ ein Porträt von Los Angeles ist, ist „Run all Night“ ein Porträt von Manhattan.
Weil Liam Neeson den irischen Mobkiller Jimmy Conlon spielt, porträtiert Jaume Collet-Serra in seinem Film auch den irischen Mob, der auch als „Westies“ bekannt ist. Wer will, kann als echtes Vorbild für Conlon den Mafiakiller Richard Kuklinski erkennen, der für Gambino-Familie mordete und der auch das entfernte Vorbild für den Erzähler in Dave Zeltsermans „Killer“ ist.
Auch die restliche Besetzung ist gut. Ed Harris spielt den irischen Mob-Boss, dessen Sohn von Conlon/Neeson erschossen wird, um seinen Sohn zu beschützen. Harris und Neeson haben euch einige tolle gemeinsame Szenen, in denen aus besten Freunden innerhalb weniger Stunden Todfeinde werden. Joel Kinnaman und Boyd Holbrook spielen die Söhne. Vincent D’Onofrio einen Polizisten, der seit Jahren Conlon verfolgt. Common einen eiskalten Killer, der nur an einer effektiven Erledigung seines Auftrages interessiert ist. Nick Nolte hat einen kurzen Auftritt als Neesons Bruder. Und Bruce McGill ist immer gut.
Brad Ingelsby („Auge um Auge – Out of the Furnace“ und, demnächst, das „The Raid“-Remake) schrieb das Drehbuch, in dem die Action die Handlung vorantreibt und auch einige ernste Themen fast schon nebenbei behandelt werden. Ich sage nur Familienbande, Freundschaft, Loyalität und die unterschiedlichen Lebensentwürfe von Vätern und Söhnen. Dabei gibt „Run all Night“ dann keine einfachen Antworten, sondern lässt alles, wie „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“, in einem wunderschönen Graubereich verschwinden. Das unterscheidet „Run all Night“, mit seinem durchaus sympathischen Siebziger-Jahre-Gefühl, dann auch von schlechteren Thrillern.
Insgesamt knüpft „Run all Night“ an „Unknown Identity“ und „Non-Stop“, die beiden vorherigen Filme des Teams Collet-Serra/Neeson, an.
Das war jetzt schon ziemlich lang, aber eigentlich sind das nur einige Ergänzungen zu meiner Filmbesprechung, die in der Stuttgarter Zeitung erschien.

Run all Night - Plakat

Run all Night (Run all Night, USA 2015)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Brad Ingelsby
mit Liam Neeson, Ed Harris, Joel Kinnaman, Boyd Holbrook, Bruce McGill, Genesis Rodriguez, Vincent D’Onofrio, Lois Smith, Common, Beau Knapp, Patricia Kalember, Nick Nolte
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Run all Night“
Moviepilot über „Run all Night“
Metacritic über „Run all Night“
Rotten Tomatoes über „Run all Night“
Wikipedia über „Run all Night“
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013)


TV-Tipp für den 23. Dezember: Collateral

Dezember 23, 2014

Pro7 Maxx, 20.15

Collateral (USA 2004, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Mittwoch, 24. Dezember, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Wikipidia (englisch) über „Collateral“

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Michael Mann in der Kriminalakte


Kleinkram

Dezember 12, 2014

Ein kleiner Blick in meinen Briefkasten:

Ab heute, nein, HEUTE könnt ihr Karten für „das Kinohighlight 2015“ kaufen, das am 12. Februar 2015 in unseren Kinos anläuft.

Und das wäre „Fifty Shades of Grey“, was kein Film über moderne Malerei oder ein SW-Film über die Graustufen zwischen S und W ist, sondern das:

Sieht für mich wie die jugendfreie Hochglanzversion von „9 1/2 Wochen“ (auch eine Romanverfilmung) aus:

Ein neuer Trailer für den neuen Michael-Mann-Film „Blackhat“ ist draußen:

Darum geht es, laut Verleih: In einer Welt voller globaler Cyberkriminalität jagt in BLACKHAT ein Verurteilter auf Freigang zusammen mit amerikanischen und chinesischen Spezialisten ein hochgefährliches Hackernetzwerk quer über die Welt: Von Chicago über Los Angeles nach Hong Kong und Jakarta.

Und so richtig begeistert bin ich immer noch nicht. Aber, hey, es ist Michael Mann!

Der deutsche Kinostart ist am 5. Februar 2015.

Das nenne ich früh: der erste Trailer für die Antoine-de-Saint-Exupéry-Verfilmung „Der kleine Prinz“ ist draußen:

Der Film startet am 15. Oktober 2015.

Der Grafit-Verlag freut sich:

Schauspieler Francis Fulton-Smith hat sich die Filmrechte an Jan Zweyers historischem Kriminalroman „Eine brillante Masche – Die fast wahre Geschichte eines Lügners“ gesichert.

Damit wäre die erste Hürde für eine Verfilmung genommen.

Am 29. und 30. Dezember läuft um 20.15 Uhr im Ersten die TV-Fassung der überraschend gelungenen Noah-Gordon-Verfilmung „Der Medicus“. Sie soll insgesamt dreißig Minuten länger als die Kinofassung sein, wobei man für Vor- und Abspann sicher wieder einiges abziehen kann. Naja, Schnittberichte wird uns danach über die Unterschiede zwischen TV- und Kinofassung aufklären.

Im Kino sahen sich 3,6 Millionen Menschen den Film an.

Ach ja: die Golden-Globe-Nominierungen.

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ und ihre Verbrechen

November 14, 2014

Schon in den ersten Minuten von „Nightcrawler“ beunruhigt weniger, dass Lou Bloom einen Menschen wegen einer Armbanduhr ermordete, sondern wie er sich um eine kleine Stelle, einen schlecht bezahlten Aushilfsjob auf einem Schrottplatz, bewirbt. Mit starrem Blick rattert er Sätze herunter, die in einem Motivationsseminar gegeben werden und in einem Ratgeber für die Suche nach dem Traumjob und der Erfüllung in der Arbeit als Angestellter stehen. Aber da ist dann nicht der Aufseher eines Schrottplatzes, sondern der Chef eines multinationalen Unternehmens als Adressat der Bewerbungsrede gemeint.
Dan Gilroy von dem man, nach seinen Drehbüchern für „Das schnelle Geld“, „The Fall“, „Real Steel“ und „Das Bourne-Vermächtnis“, so einen bitterbösen Film nicht erwartet hätte, taucht in seinem Regiedebüt „Nightcrawler“ die Szene in ein kränkliches Licht, das sie noch unangenehmer erscheinen lässt. Mit diesem Soziopathen möchte man keine fünf Minuten im gleichen Zimmer verbringen. In diesem Moment hat Bloom seine Bestimmung noch nicht gefunden. Noch sucht er seinen Lebensinhalt.
Kurz darauf beobachtet er, mitten in der Nacht, auf einem Highway in Los Angeles, wie einige TV-Reporter einen Unfall und die Rettungsmaßnahmen aufnehmen. Bloom erfährt, dass man mit diesen Bildern, die im Morgenfernsehen gezeigt werden, Geld verdienen kann. Mit einigen Ratgebern bereitet er sich autodidaktisch auf seinen Traumjob vor. Er lernt den Polizeicode und er fährt, mit einer schlechten Kamera ausgerüstet, zu seinem ersten Unfall, wo er noch weniger Respekt vor den Opfern hat als die anderen Nightcrawler.
Deshalb kann er die blutigen, die Grenzen jeder Journalistenethik auslotenden Bilder an Nina Romina (Rene Russo), der Produzentin einer Frühstücksfernsehsendung bei einem Lokalsender, verkaufen. Von ihr erhält er noch einige weitere Tipps. Vor allem erfährt er, welche Bilder gesucht werden, weshalb er kurz darauf auch keine Skrupel hat, einen Unfallort fotogen zu verändern oder einen Tatort zu betreten und mehrere Leichen zu filmen. Die Bilder über die Verbrechen sind halt wichtiger, als die Aufklärung der Verbrechen. An die Opfer denkt er, abseits von ihrem Nutzen als Bildmotiv, nicht.
Schnell expandiert er – und das erschreckendste an Gilroys messerscharfer Mediensatire ist der von Jake Gyllenhaal grandios gespielte Lou Bloom, der nur die Sprechblasen aus den Selbsthilfe- und Management-Seminaren nachbetet, inbrünstig daran glaubt und sie eins zu eins umsetzt. Einen irgendwie gearteten moralischen Kompass hat er nicht.
In diesem Punkt unterscheidet er sich von Daniel Lugo (Mark Wahlberg), dem Protagonisten in Michael Bays Gangsterkomödie „Pain & Gain“. Er und seine Mitverbrecher waren, ebenfalls von Selbsthilfeseminaren mental gestärkte, an den amerikanischen Traum glaubende Trottel, die ihr Stück vom Kuchen abhaben wollten und auch wussten, dass sie etwas verbotenes taten. Lou Bloom geht dieses Gefühl vollkommen ab. Er tut, was die Gesellschaft will und er bemüht sich, die Erwartungen der Gesellschaft möglichst perfekt zu erfüllen. Damit unterscheidet er sich nicht von irgendwelchen Bankern, die mit windigen Investitionen kleine Anleger ruinieren, weil die Anlagen nicht explizit gegen das Gesetz verstoßen.
Bloom ist ein Geistesverwandter von Vincent (Tom Cruise), dem eiskalten Profikiller in Michael Manns in einer Nacht spielendem L.-A.-Großstadtthriller „Collateral“.
Aber während „Collateral“ einen am Ende mit der Gewissheit entlässt, dass die Guten und die Werte der Menschlichkeit und des Humanismus gegen den nackten Manchester-Kapitalismus gewinnen, verweigert Dan Gilroy am Ende seiner Charakterstudie „Nightcrawler“ diese beruhigende Gewissheit. Denn Lou Bloom ist kein Verbrecher. Auch wenn am Ende einige Menschen tot sind, er etwas damit zu tun hat und er die Ermittlungen der Polizei sabotierte, hat er gegen kein Gesetz verstoßen. Er darf expandieren.

Nightcrawler - Plakat
Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (Nightcrawler, USA 2014)
Regie: Dan Gilroy
Drehbuch: Dan Gilroy
mit Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed, Bill Paxton
Länge: 119 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Nightcrawler“
Moviepilot über „Nightcrawler“
Metacritic über „Nightcrawler“
Rotten Tomatoes über „Nightcrawler“
Wikipedia über „Nightcrawler“
Meine Besprechung von Dan Gilroys „Real Steel“ (Real Steel, USA 2011, Regie: Shawn Levy)
Meine Besprechung von Dan Gilroys „Das Bourne-Vermächtnis“ (The Bourne Legacy, USA 2012, Regie: Tony Gilroy)

Jake Gyllenhaal beim TIFF

und bei Q on CBC, beide Male im Gespräch über „Nightcrawler“

Dan Gilroy spricht auch über „Nightcrawler“ und den ganzen Rest

 


Neu im Kino/Filmkritik: Jetzt ist Denzel Washington „The Equalizer“

Oktober 9, 2014

Wie die demnächst startende sehr gelungene Matt-Scudder-Verfilmung „Ruhet in Frieden“ (A walk among the Tombstones) war auch „The Equalizer“ seit gefühlten Ewigkeiten angekündigt. Immer wieder mit Namen, die einen guten Film versprachen. Wobei „The Equalizer“ als Kinoversion einer TV-Serie natürlich das Schicksal von ungefähr jeder erfolgreichen und gefühlt jeder zweiten nicht erfolgreichen TV-Serie teilt, dass es natürlich eine Kinofassung oder eine TV-Neuauflage geben soll, es dann mehr oder weniger lange dauert, bis die Neufassung kommt und sie das Herz des Altfans nicht erfreut, weil auf so ziemlich alles verzichtet wird, was die Originalserie so erfolgreich machte. Bei den TV-Neuauflagen fallen mir spontan „Kojak“ (nach wenigen grottigen Folgen gecancelt) und „Detektiv Rockford“ (da war der Pilotfilm so schlecht, dass er gleich ins Archiv gesteckt wurde) ein. Oh, und „ Hawaii Five-0“. Die ist zwar erfolgreich, aber ich habe nur ungefähr anderthalb Folgen ausgehalten. Immerhin wird solange nicht ernsthaft über eine „Magnum“-Neuauflage nachgedacht. Die ist nämlich auch schon seit Ewigkeiten im Gespräch.
Bei den Kinofassungen von TV-Serien hat der Spielfilm, bis auf einige vernachlässigbare Kleinigkeiten, nichts mit der Serie zu tun. Die Ausnahme ist „Miami Vice“, die so nah an der Serie war, dass ich immer noch nicht weiß, warum Michael Mann diesen Spielfilm drehen musste. Bei „21 Jump Street“, „Starsky & Hutch“, „3 Engel für Charlie“, „Mit Schirm, Charme und Melone“, „Mission: Impossible“ und „The Saint“, um nur einige Beispiele zu nennen, hilft es die Serie nicht zu kennen oder nicht zu mögen.
Auch „The Equalizer“ reiht sich in die Mehrheit der freien Versionen ein. Von der köstlichen, aber schlecht gealterten Serie, wurde der Name des Helden übernommen und dass er in der Vergangheit als Geheimagent arbeitete. Der Rest wird besser, wenn man entweder die Serie nicht kennt oder wenn man den Spielfilm nicht mit der Serie vergleicht. Denn wo der TV-McCall versucht, Konflikte möglichst ohne Gewalt zu lösen und er, aufgrund seiner Vergangenheit, nicht mehr töten will, stapeln sich im Film recht schnell die Leichen, weil der Film-McCall lieber im alttestamentarischem „Auge um Auge“-Modus arbeitet. Gerne mit einer „Auge um Kopf“-Zugabe.
In Antoine Fuquas Film ist Denzel Washington Robert McCall, der in Boston in einem Baumarkt arbeitet, allein lebt, einen Ordnungstick hat und nachts in einem Dinner alte Bücher liest. Die nächtliche Lektüre wird von banalen Gesprächen mit der Hure Teri (Chloë Grace Moretz) unterbrochen. Bei der Arbeit ist er der immer höfliche, immer hilfsbereite, unauffällige Kollege, der die Kassiererin selbstlos tröstet und ebenso selbstlos einem Kollegen, der Wachmann werden möchte, bei den Vorbereitungen, inclusive einem Fitnessprogramm, hilft. Er ist der sprichwörtlich Mister Unauffällig.
Als Teri verschwindet und kurz darauf halb tot im Krankenhaus liegt, beschließt er, ihr zu helfen. Wobei nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum er wegen diesem Mädchen sein mönchisches Leben aufgibt und er den Kampf gegen die gesamte Russen-Mafia, die Teri als ihr Eigentum betrachtet, aufnimmt. McCall bringt, nachdem er dem lokalen Statthalter ein von Anfang an sinnloses finanzielles Angebot machte, einige Mafiosi um. Spätestens ab diesem Moment ist er im „Man on Fire“-Modus, der achselzuckend für sein Ziel über von ihm aufgestapelte Leichenberge geht.
Die Mafia ist natürlich nicht besser. Der russische Oberboss schickt den effektiven Problemlöser Teddy, der den unbekannten Mörder sucht. Dabei hilft ihm die korrupte Polizei.
„The Equalizer“ ist ein okayer bis guter Siebziger-Jahre-Action-Thriller, der sich viel Zeit für seine Charaktere nimmt. Es gibt wenig Action und die wirkt auch immer angenehm realistisch, vor allem wenn McCall gegen Ende an seiner Arbeitsstätte gegen die Bösewichter kämpft und dabei zeigt, was man alles mit handelsüblichem Werkzeug anstellen kann. Einige Action-Szenen, wie ein Kampf in McCalls „Nighthawks“-Diner, finden auch komplett off screen statt.
Allerdings ist der Thriller mit über zwei Stunden auch zu lang geraten, weshalb es nicht gestört hätte, wenn Fuqua die simple Rachegeschichte auf die Siebziger-Jahre-Thriller-Länge, die so um die 100 bis 110 Minuten liegt, gekürzt hätte.
In den USA ist der Film ein Kassenhit und ein zweiter Teil ist bereits in der Planung. Dann auch mit der aus der TV-Serie bekannten Anzeige „Odds against you? Need help? Call the Equalizer. 212 555 4200“ und gerne auch mit weniger Toten.

The Equalizer - Plakat

The Equalizer (The Equalizer, USA 2014)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)
mit Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Haley Bennett, Bill Pullman, Melissa Leo, David Meunier, Johnny Skourtis, Alex Veadov
Länge: 132 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Equalizer“
Moviepilot über „The Equalizer“
Metacritic über „The Equalizer“
Rotten Tomatoes über „The Equalizer“
Wikipedia über „The Equalizer“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von „The Equalizer – Staffel 1“

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)



Wer einen Blick auf den echten Equalizer werfen will, kann inzwischen auch auf Deutsch die ersten beiden, bei Koch Media erschienenen Staffeln kaufen und, mit der Musik von „The Police“-Drummer Stewart Copeland, in das New York der achtziger Jahre eintauchen und sehen wie Edward Woodward als „Schutzengel von New York“ Menschen hilft, denen sonst niemand hilft. Weil vor Ort gedreht wurde, gibt es viele Bilder von damals sehr schmuddeligen New York und etliche Auftritte von Schauspielern, die heute bekannt sind.

The Equalizer - DVD-Cover D-2013

The Equalizer - Staffel 2 - DVD-Cover


Blackhat – Deutscher Trailer für den neuen Michael-Mann-Film online

Oktober 2, 2014

Der deutsche Trailer für den neuen Thriller von Michael Mann ist online:

„Blackhat“ startet am 15. Januar 2015 in unseren Kinos und darum geht es, in den Worten des Verleihs:

In einer Welt voller globaler Cyberkriminalität jagt in BLACKHAT ein Verurteilter auf Freigang zusammen mit amerikanischen und chinesischen Spezialisten ein hochgefährliches Hackernetzwerk quer über die Welt: Von Chicago über Los Angeles nach Hong Kong und Jakarta.

Unter der Regie von Michael Mann brillieren in den Hauptrollen Chris Hemsworth, Viola Davis, Tang Wei und Wang Leehom. Das Drehbuch verfassten Morgan Davis Foehl und Mann.

Ach, eine Facebook-Seite gibt es auch.

Die Bilder sehen, wie man es von Michael Mann kennt (lassen wir mal seinen letzten Film „Public Enemies“ links liegen.), prächtig aus. Es scheint auch viel Action zu geben. Die Besetzung ist gewohnt gut. Die Story wirkt dagegen, soweit erkennbar, eher unglaubwürdig.

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Haus weitergezogen zur „22 Jump Street“

Juli 31, 2014

In „21 Jump Street“ wurden vor zwei Jahren einige Meta-Witze über das ideenlose Recycling von Ideen aus den Achtzigern gemacht und damit war nicht nur gemeint, dass in der Polizei ein Programm aus den Achtzigern wieder aufgelegt wird, sondern auch dass eine alte TV-Serie fit fürs Kino gemacht wird. Aber während die vorherigen Wiederbelebungen von mehr oder weniger kultigen und legendären TV-Serien für das Kino (wie „Starsky & Hutch“, „The A-Team“ und „Miami Vice“ [obwohl da sogar Serienerfinder Michael Mann federführend dabei war]) nicht erfolgreich genug für weitere Filme waren, war „21 Jump Street“ ein Überraschungserfolg, der jetzt zur Fortsetzung „22 Jump Street“ führte, die mit einigen Meta-Witzen über ideenlose Fortsetzungen gepflastert ist.

So wurde einfach der Auftrag aus dem ersten Film wieder genommen, aber dieses Mal suchen der unsportliche, aber schlaue Schmidt (Jonah Hill) und der sportliche, aber dumme Jenko (Channing Tatum) den geheimnisumwitterten Drogendealer nicht mehr an der Schule, sondern an der Universität. Natürlich ein anderer Dealer. Aber sie arbeiten wieder Undercover. Jetzt als Studenten. Es gab auch ein höheres Budget, was natürlich ausgegeben wurde für ein größeres Büro des immer noch sehr schlecht gelaunten Chefs (Ice Cube) und größere Waffen und größere Autos. Und ein Finale in Mexiko in der Küstenstadt Puerto, wo die vergnügungsssüchtigen Studentenmassen ihre Mega-Drogenparty, den Spring Break, feiern und die ordentliche Polizeiarbeit von Schmidt und Jenko effektiv behindern.

Bei soviel Selbstironie kann man dem Buddy-Movie natürlich unmöglich als Ideenlosigkeit vorwerfen, was die Macher gerade vollmundig behaupten: nämlich dass sie das gleich noch einmal machen. Nur größer. – Und wenn ich „21 Jump Street“ besprochen hätte, könnte ich einfach meine Kritik wiederveröffentlichen. Sie würde stimmen. Denn wieder ist die Story, über die man nicht länger als zwei Sekunden nachdenken sollte (die Macher haben es auch nicht getan), nur der Aufhänger für die zahlreichen mehr oder weniger treffenden Witze, in denen sich die Macher teilweise etwas zu sehr auf die Schulter klopfen für ihre Smartness, und die oft, wie bei vielen aktuellen Komödien, zu breit ausgewaltzt werden und immer wieder in Blödeleien ausarten.

So ist „22 Jump Street“, wie „21 Jump Street“, eine durchaus witzige, etwas zu lang geratene und zu selbstgenügsame Buddy-Komödie, die auch zeigt, wie Schmidt und Jenko als eingespieltes Team zusammenarbeiten und sie einige Beziehungsprobleme bearbeiten müssen, weil sie an der Universität aus persönlichen Gründen verschiedene Verdächtige haben.

Im Abspann werden schon die nächsten Fortsetzungen angekündigt – und einige haben wirklich Potential.

22 Jump Street - Plakat

22 Jump Street (22 Jump Street, USA 2014)

Regie: Phil Lord, Christopher Miller

Drehbuch: Michael Bacall, Oren Uziel, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Michael Bacall und Jonah Hill, sehr lose basierend auf der TV-Serie „21 Jump Street“)

mit Jonah Hill, Channing Tatum, Peter Stormare, Ice Cube, Wyatt Russell, Amber Stevens, Jillian Bell, The Lucas Brothers, Nick Offerman, Jimmy Tatro, Rob Riggle, Dave Franco

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „22 Jump Street“

Moviepilot über „22 Jump Street“

Metacritic über „22 Jump Street“

Rotten Tomatoes über „22 Jump Street“

Wikipedia über „22 Jump Street“ 


TV-Tipp für den 24. Mai: Insider

Mai 24, 2014

EinsFestival, 21.45

Insider (USA 1999, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Eric Roth, Michael Mann

LV: Marie Brenner: The Man who know too much, 1996 (Artikel Vanity Fair)

TV-Journalist Lowell Bergman will eine Story über die miesen Geschäfte der Zigarettenindustrie landesweit ausstrahlen. Sein Kronzeuge ist Jeffrey Wigand, ehemaliger Chef der Forschungsabteilung eines Zigarettenkonzerns. Dummerweise wollen die Senderbosse und die Zigarettenindustrie die Story verhindern.

Hochspannender 157-minütiger Thriller, der einen gelungen Einblick in die Medienwelt und die Wirtschaft und ihre Strukturen liefert, getragen von einem fantastischen Ensemble.

mit Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Lindsay Crouse, Debi Mazar

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Insider“

Wikipedia über „Insider“ (deutsch, englisch)

Michael Mann in der Kriminalakte


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