TV-Tipp für den 19. März: Kind 44

März 19, 2018

ZDF, 22.15

Kind 44 (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)

Regie: Daniel Espinosa

Drehbuch: Richard Price

LV: Tom Rob Smith: Child 44, 2008 (Kind 44)

Russland, 1953, zu Stalins Lebzeiten: der Geheimdienstler Leo Demidow wird in die tiefste Provinz verbannt. Dort stolpert er über einen Mordfall, der einem Mordfall in Moskau ähnelt. Soll es im Arbeiter- und Bauernstaat einen Serienmörder geben?

Letztendlich und gerade wegen der beteiligten Personen enttäuschende Verfilmung von Tom Rob Smiths mit mehreren Preisen ausgezeichnetem Thriller, die in Teilen besser (vor allem an Anfang) und in Teilen (vor allem am Ende) schlechter als der Roman ist. Dabei war ich von dem Roman auch nicht so wahnsinnig begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Paddy Considine, Jason Clarke, Vincent Cassel, Fares Fares, Charles Dance, Josef Altin

Die Vorlage

Smith - Kind 44 - TB 2Smith - Kind 44 - Movie-Tie-In - 2
Tom Rob Smith: Kind 44
(übersetzt von Armin Gontermann)
Goldmann, 2015 (Movie Tie-In)
512 Seiten
9,99 Euro

Taschenbuchausgabe
Goldmann, 2010

Deutsche Erstausgabe
Dumont, 2008

Originalausgabe
Child 44
Simon & Schster UK Ltd., 2008

Hinweise

Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kind 44“

Moviepilot über „Kind 44“

Metacritic über „Kind 44“

Rotten Tomatoes über „Kind 44“

Wikipedia über „Kind 44“ (deutsch, englisch) und Tom Rob Smith (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Rob Smiths „Kind 44“ (Child 44, 2008)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Kind 44“ (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Life“ (Life, USA 2017)

Richard Price in der Kriminalakte

 

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Die KrimiZeit-Bestenliste Februar 2016

Februar 6, 2016

Dank etwas Planungskuddelmuddel legt die Kriminalakte die aktuelle KrimiZeit-Bestenliste (von Die Zeit und Nordwest Radio) etwas später und mit viel Alaf und Helau („Möge es nützen!“) zu den Akten. Aktenkundig sind:
1) (5) Malla Nunn: Tal des Schweigens
2) (2) Richard Price: Die Unantastbaren
3) (6) Tito Topin: Exodus aus Libyen
4) (-) Ryan Gattis: In den Straßen der Wut
5) (1) Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil
6) (4) Oliver Bottini: Im weißen Kreis
7) (7) Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht
8) (9) Paul Mendelsohn: Die Unschuld stirbt, das Böse lebt
9) (-) Joseph Kanon: Leaving Berlin
10) (3) Adrian McKinty: Gun Street Girl

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Tja, nun, wie gewohnt sind viele Nicht-Deutsche dabei und dass Joseph Kanon es doch noch auf die Liste gepackt hat, freut mich.
Ich bin gerade beim Lesen von Mattias Boströms Sachbuch „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (interessantes Buch über Sir Arthur Conan Doyle, seine Nachkommen und all die Menschen, die als Autoren, Schauspieler und Fans Sherlock Holmes am Leben erhielten; sollte die Tage abgefeiert werden) und Robert Karjels Thriller „Der Schwede“ (den ich wahrscheinlich nicht fertig lese, weil er mich nicht packt). Und „True Detective – Staffel 2“ habe ich auch schon gesehen und fand es, angesichts der katastrophalen Kritiken, gar nicht so schlecht. Wird die Tage, irgendwie zwischen Deadpool, mit einigen anderen Krimiserien besprochen.


Deutscher Krimi Preis 2016 verliehen

Januar 20, 2016

Zum 32. Mal wurde der DKP, also der Deutsche Krimi Preis (Was habt ihr denn gedacht? Und, ja, das ist die offizielle Schreibweise.) verliehen. Wie gewohnt ohne großes Tamtam und in zwei Kategorien:
National
1. Platz: Friedrich Ani: Der namenlose Tag (Suhrkamp)
2. Platz: Merle Kröger: Havarie (Ariadne bei Argument)
3. Platz: Zoë Beck: Schwarzblende (Heyne)

International
1.Platz: Richard Price: Die Unantastbaren (The Whites, Deutsch von Miriam Mandelkow) (S.Fischer)
2. Platz: Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil (Temps Glaciaires, Deutsch von Waltraud Schwarze) (Limes-Verlag)
3. Platz: Sara Gran: Dope (Dope, Deutsch von Eva Bonné) (Droemer)

Herzlichen Glückwunsch den Gewinnerinnen! Immerhin tragen sie die meisten Preise nach Hause.


Die KrimiZeit-Bestenliste Januar 2016

Januar 7, 2016

Neues Jahr, neues Glück für einige Krimis bei der Bestenliste der KrimiZeit, die jeden Monat zehn besonders lesenswerte Kriminalromane empfiehlt. Für den Januar sind es, ohne weitere Kommentare:
1) Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil
2) Richard Price: Die Unantastbaren
3) Adrian McKinty: Gun Street Girl
4) Olivier Bottini: Im weißen Kreis
5) Malla Nunn: Tal des Schweigens
6) Tito Topin: Exodus aus Libyen
7) Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht
8) Karin Slaughter: Cop Town
9) Paul Mendelson: Die Unschuld stirbt, das Böse lebt
10) Deon Meyer: Icarus


Die Krimi-Zeit-Jahresbestenliste 2015

Dezember 21, 2015

Noch rechtzeitig vor dem Panik-Weihnachtsbuchkauf (weil ja niemand ahnen konnte, dass Heiligabend dieses Jahr am 24. Dezember ist) hat die KrimiZeit ihre Jahresbestenliste veröffentlicht:
1 Merle Kröger: Havarie (Ariadne bei Argument, 256 S., 15,00 €)
2 Friedrich Ani: Der namenlose Tag (Suhrkamp, 302 S., 19,95 €)
3 Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil (Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 S., 19,99 €)
4 James Lee Burke: Glut und Asche (Aus dem Englischen von Daniel Müller. Heyne, 696 S., 17,99 €)
5 William McIlvanney: Fremde Treue (Aus dem Englischen von Conny Lösch. Kunstmann, 352 S., 19,95 €)
6 Antonio Ortuño: Die Verbrannten (Aus dem Spanischen von Nora Haller. Kunstmann, 256 S., 19,95 €)
7 Carol O’Connell: Kreidemädchen (Aus dem Englischen von Judith Schwaab. btb, 541 S., 9,99 €)
8 Richard Price: Die Unantastbaren (Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. S. Fischer, 432 S., 24,99 €)
9 Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht (Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel. Unionsverlag, 524 S., 19,95 €)
10 James Ellroy: Perfidia (Aus dem Englischen von Stephen Tree. Ullstein, 956 S., 25,00 €)

Es sind natürlich keine wirklich großen Überraschungen drauf, weil auf die Jahresbestenliste nur Krimis kommen können, die schon auf einer der monatlichen Bestenlisten waren und man sich nach der Beliebtheit in den vergangenen Monaten denken kann, wer in die Jahresbestenliste kommt.

Sollte mich auch an meine Top/Flop-Listen setzen, in denen „Perfidia“ nicht auftauchen wird, weil ich den Tausendseiter nicht fertig gelesen habe.


Die KrimiZeit-Bestenliste Dezember 2015

Dezember 7, 2015

Etwas später als gewohnt: die KrimiZeit-Bestenliste für den Dezember:
1) (1) Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil
2) (-) Richard Price: Die Unantastbaren
3) (7) Oliver Bottini: Im weißen Kreis
4) (3) Antonio Ortuno: Die Verbrannten
5) (-) Fuminori Nakamura: Der Dieb
6) (6) Seamus Smyth: Spielarten der Rache
7) (-) Adrian McKinty: Gun Street Girl
8) (-) Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht
9) (-) Deon Meyer: Icarus
10) (8) Dennis Lehane: Am Ende der Welt

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Irgendwie interessiert mich, außer den üblichen Verdächtigen (die Herren Lehane und McKinty), vieles auf der Empfehlungsliste nicht sonderlich.


Neu im Kino/Filmkritik: Die Bestseller-Verfilmung „Kind 44“

Juni 4, 2015

Wer den Roman „Kind 44“ von Tom Rob Smith kennt, ist in den ersten Minuten von „Kind 44“ positiv überrascht. Drehbuchautor Richard Price raffte und veränderte den Anfang so, dass die Geschichte schneller beginnt und, wer den Roman gelesen hat, sieht die ersten Minuten als eine kluge Vorschau auf die kommenden Ereignisse, bis hin zum Motiv des Mörders.
Zuerst erfahren wir einiges über Leo Demidow (Tom Hardy), das später wichtig wird: wie er aus seinem Elternhaus flüchtet, in einem Waisenhaus aufwächst, im Zweiten Weltkrieg kämpft und in Berlin für das bekannte Russischer-Soldat-hält-auf-einem Gebäude-vor-der-zerstörten-Stadt-die-Fahne-hoch-Bild poussieren muss. Seine Kampfgefährten sind Wassili (Joel Kinnaman) und Alexei Andrejew (Fares Fares). Jetzt, acht Jahre nach dem Kriegsende, sind sie seine Kollegen beim Staatssicherheitsdienst,
Auch das fröhliche Abendessen mit seinen Kollegen und ihren Frauen zeigt, dass die Ehe zwischen Leo und Raisa Demidow (Noomi Rapace) nicht glücklich ist. Er unterdrückt sie und sie lächelt notgedrungen schweigend zu seinen Ausführungen über ihre erste Begegnung. Sein Balzen war, und das zeigt diese Szene ohne dass sie es sagen muss, für sie eine Bedrohung ihres Lebens. Sie heiratete ihn, weil sie Angst vor ihm hatte und immer noch hat.
Aber dann scheitert der Film an seiner eigenen Unentschlossenheit und die Bedeutung der ersten Szenen erschließt sich eigentlich nur den Menschen, die den Roman kennen. Für alle anderen ist es vor allem eine okaye und sogar etwas längliche Einführung des Helden. Denn für die sich im folgenden eher nebenbei entwickelnde Serienkillerjagd sind seine Jugendjahre und seine Kriegserlebnisse unwichtig. Da hätte die Verfolgung eines Mannes, der der Spionage verdächtig ist, gereicht, um den Protagonisten, seine Fähigkeiten als Ermittler (sehr groß) und seine Wertesystem (sehr akzeptabel) zu etablieren. Außerdem lernen wir in diesen Minuten auch Wassili kennen. Wassili ist ein Antagonist von Demidow; er ist der Mann, der Demidow aus verschiedenen Gründen, vernichten will, indem er das System für seine Interessen benutzt. Der zweite Gegner von Demidow ist natürlich der Mörder, der fast fünfzig Kinder ermordete. Im Film ist, wie im Buch, allerdings unklar, wer der Hauptgegner von Demidow ist. Im Film führt das dazu, dass die Geschichte nicht mehr funktioniert. Storytechnisch blockieren sich die beiden Gegner. Die Geschichte wird nicht spannender, sondern langweiliger.
Dabei folgen Price, ein geachteter Roman- („The Wanderers“) und Drehbuchautor („Die Farbe des Geldes“, „Clockers“), und Daniel Espinosa („Easy Money“, „Safe House“) weitgehend der Romanhandlung: Geheimdienstoffizier Leo Demidow soll seinen Untergebenen Andrejew und dessen Familie vom Unfalltod ihres Sohnes überzeugen. Demidow erhält zwar Hinweise, dass es, wie Andrejew behauptet, ein Mord war. Er sieht sich sogar die Leiche an. Aber er verfolgt die Spuren nicht weiter. Denn im kommunistischen Paradies gibt es keine Verbrechen und damit auch keine Morde.
Nach diesem Auftakt wird der Serienmörderplot auch im Film erst einmal lange Zeit nicht weiter verfolgt. Stattdessen nimmt Demidows Privatleben einen beträchtlichen Raum ein. Denn er soll herausfinden, ob seine Frau eine feindliche Agentin ist. Als er dies nach umfangreichen Ermittlungen vor seinen Vorgesetzten verneint, werden beide nach Wualsk, einer abgelegenen Industriestadt, versetzt. Dort ist General Nesterow (Gary Oldman) sein Vorgesetzter. Ein guter Polizist, der allerdings bei weitem nicht so brillant wie Demidow ist. Deshalb wird er später auch zu Demidows Dr. Watson.
In Wualsk stößt Demidow auf einen weiteren Mord an einem Kind. Jetzt packt ihn das schlechte Gewissen. Er und Nesterow beginnen mit ihren Ermittlungen, die sie im Geheimen durchführen müssen, weil in der Sowjetunion der totalitären Stalinära reine Willkür herrschte und ihr erste Fehler sie in das nächste Gulag befördern könnte.
Diesen Serienkillerplot schleift der Film, wie der Roman, eher mit, weshalb der gesamte Mittelteil des Films über weite Strecken auf der Stelle tritt.
Anstatt kluger Verdichtungen, Verkürzungen, Dramatisierungen und einer Konzentration auf einen Hauptplot (und damit einen klar konturierten Konflikt) geht der Film in die Breite, ohne dass wir etwas substantiell neues über die Charaktere erfahren oder sich die Handlung erkennbar voranbewegen würde. Es wirkt, als habe Richard Price die Lust an seiner Geschichte verloren und sich nicht mehr darum gekümmert, ob sie in sich schlüssig ist.
Dazu kommt die im Film psychologisch kaum begründete Beziehung zwischen Leo und Raisa Demidowa. Für sie ist es eine Zwangsehe. Das gesteht sie ihm auch während der Zugfahrt nach Wualsk. Er ist natürlich entsetzt darüber, dass sie ihn nicht als galanten Liebhaber, sondern als Monster wahrnimmt. Vor allem, nachdem er jetzt sogar für sie seine Karriere geopfert hat. Aber dann wird sie, weil das Drehbuch es so will, zu seiner Verbündeten, hilft ihm bei der Aufklärung der Mordserie und begibt sich mehrmals freiwillig für ihn, den Mann, den sie hasst, der ihr Leben verpfuschte und der sie unterdrückt, in Lebensgefahr. Die Demidowas sind halt ein echtes Powerpaar.
Daniel Espinosa nimmt sich fast hundertvierzig Minuten Zeit, um seine Geschichte zu erzählen. Und dennoch wirkt der Film in seiner eigentümlichen Mischung aus Plot-Stillstand und kryptischer Erzählweise (Warum hilft Raisa ihrem Ehemann?) doch wie ein auf Kinolänge zusammengeschnittener TV-Mehrteiler, bei dem die falschen Szenen entfernt wurden.
Wenn es am Ende zur Konfrontation zwischen Demidow und dem Serienmörder kommt, wird der Kampf von einem Kellerzimmer in eine Schlammgrube im Wald verlegt; was kein großes Problem wäre, wenn dadurch nicht das Set-Up der ersten Minuten vollkommen verschenkt wäre. Ein Kreis, der sich auch optisch hätte schließen können, schließt sich nicht. Dafür gibt es eine Runde Schlammcatchen zwischen dem Mörder und dem Ehepaar Demidow.
Spontan fällt mir kein anderer hochkarätig besetzter und produzierter Mainstreamfilm ein, der sein Potential so grundlos und umfassend verschenkt.

Kind 44 - Plakat

Kind 44 (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Richard Price
LV: Tom Rob Smith: Child 44, 2008 (Kind 44)
mit Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Paddy Considine, Jason Clarke, Vincent Cassel, Fares Fares, Charles Dance, Josef Altin
Länge: 138 Mnuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Smith - Kind 44 - TB 2Smith - Kind 44 - Movie-Tie-In - 2
Tom Rob Smith: Kind 44
(übersetzt von Armin Gontermann)
Goldmann, 2015 (Movie Tie-In)
512 Seiten
9,99 Euro

Taschenbuchausgabe
Goldmann, 2010

Deutsche Erstausgabe
Dumont, 2008

Originalausgabe
Child 44
Simon & Schster UK Ltd., 2008

Hinweise

Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kind 44“

Moviepilot über „Kind 44“

Metacritic über „Kind 44“

Rotten Tomatoes über „Kind 44“

Wikipedia über „Kind 44“ (deutsch, englisch) und Tom Rob Smith (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Rob Smiths „Kind 44“ (Child 44, 2008)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)

Richard Price in der Kriminalakte

 


Verfilmte Bücher: „Kind 44“ ist „Kind 44“

Juni 1, 2015

Als 2008 Tom Rob Smiths Debütroman „Kind 44“ (Child 44) erschien, war es ein Bestseller, der gleich auf einigen Nominierungslisten landete und Preise, wie den International Thriller Writer Award für Best First Novel, den CWA Ian Fleming Steel Dagger Award und den Barry Award für Best First Novel, erhielt. Es war ein Überraschungserfolg – immerhin war, aus dem Hinterkopf, seit Martin Cruz Smiths „Gorki Park“ (Gorky Park, 1981), kein in der Sowjetunion spielender Thriller mehr international erfolgreich gewesen. Rückblickend verwundert der Erfolg nicht. Immerhin verbindet Tom Rob Smith einen historischen Rückblick (die Geschichte spielt 1953 in den letzten Tagen der Stalin-Ära) mit einer Serienkillergeschichte. Denn das titelgebende „Kind 44“ ist das vierundvierzigste Opfer eines Serienmörders, der in verschiedenen Orten in der Sowjetunion Kinder tötete. Die Verbrechen wurden von der Staatsmacht ignoriert, weil es in der UdSSR keine Morde gibt. Und erst recht keine Serienmörder. Das gibt es nur im Kapitalismus.
Als in Moskau der Sohn seines Kollegen Fjodor Andrejew tot aufgefunden wird, soll Leo Stepanowitsch Demidow, ein Kriegsheld und MGB-Geheimdienstoffizier, die Sache in Ordnung bringen. Denn Andrejew behauptet, dass sein Kind ermordet wurde. Aber im Bericht steht eindeutig, dass es ein Zugunfall, ein bedauerliches Unglück, war.
Kurz darauf soll Demidow herausfinden, ob seine Frau Raisa eine feindliche Agentin ist. Ein von ihm kürzlich verhafteter Tierarzt hat das behauptet. Demidow glaubt hingegen, dass der Tierarzt kein Spion war und dass der Name von seinem Kollegen Wassili auf die Liste geschrieben wurde, weil dieser sich an ihm rächen will. Denn unmittelbar nach der Verhaftung des Tierarztes hinderte er ihn daran, auch die Kinder einer Familie umzubringen, bei der der Arzt kurzzeitig untergetaucht war. Weil Demidow den feigen Mord seines Kollegen an deren Eltern nicht verhindern konnte, fühlt er sich schuldig. Demidow ist halt doch ein Guter. Und selbstverständlich ein guter Polizist. Das bewies er bei der Verfolgung des flüchtigen Arztes und das soll er jetzt bei der Enttarnung seiner Frau als feindliche Agentin beweisen.
Gegenüber seinen Vorgesetzten sagt Demidow am Ende seiner Ermittlungen, dass er keine Beweise für eine Spionagetätigkeit seiner Frau gefunden habe.
Zur Strafe werden beide nach Wualsk versetzt und in ihren Positionen nach unten degradiert. In dieser Industriestadt am Ende der Bahngleise entdeckt Demidow einen weiteren Mord an einem Kind. Jetzt glaubt er, dass Andrejew recht hatte.
Und ihr werdet euch jetzt fragen, warum ich euch so viel von diesem sicher ganz interessantem, aber für die Serienmordgeschichte unwichtigen Plot mit vermeintlichen Agenten und echten Intrigen in der Polizei erzähle.
Nun, weil Tom Rob Smith es genauso macht. Bis zur Buchmitte ist der Serienmörderplot vollkommen unwichtig und auch danach, wenn Demidow und sein neuer Vorgesetzter in Wualsk (der später zu seinem willigen Gehilfen wird) im Geheimen Informationen über die möglichen Kindstötungen zusammen tragen (die natürlich alle fein säuberlich aufgeklärt wurden, indem irgendein Strohmann verurteilt wurde), beschäftigt sich der Roman eher mit den Eheproblemen von Leo Demidow und seiner Frau Raisa, die ihn heiratete, weil sie befürchtete, sonst mit irgendeiner Phantasiebeschuldigung in ein Straflager gesteckt zu werden. Jetzt ist sie in Wualsk, was nicht viel besser ist.
Insgesamt dürfte der Serienmörderplot höchstens ein Fünftel des fünfhundertseitigen Romans ausmachen und es ist, trotz des Motivs des Mörders, das erst im Finale enthüllt wird, der schwache Teil von „Kind 44“.
Die zeitlose, oft ins absurde überhöhte Beschreibung einer totalitären Gesellschaft, in der jeder jedem misstraut und reine Willkür herrscht, ist allerdings gelungen. Denn irgendeine Kontrolle scheint es damals nicht gegeben zu haben. Jeder log und es gab nur eine allumfassende Gewissheit: dass nichts sicher war in diesem auf Lug und Trug aufgebautem Terrorregime.
Seit dem Erscheinen von „Kind 44“ hat Tom Rob Smith mit „Kolyma“ (The Secret Speech, 2009) und „Agent 6“ (Agent 6, 2011) seine Leo-Demidov-Trilogie vollendet und den Einzelroman „Ohne jeden Zweifel“ (The Farm, 2014) veröffentlicht. Alle Romane sind bei Goldmann erhältlich.
Für die am Donnerstag startende Verfilmung boten sich zwei Möglichkeiten an, den Roman gewinnbringend in einen Film zu übertragen: entweder man stärkt den Krimiplot oder man rückt den Konflikt zwischen Leo Demidow und Wassili, der ihn aus reiner Rachsucht vernichten will, in den Mittelpunkt. In jedem Fall müsste dafür die Romangeschichte stark verändert werden. Womit ich kein großes Problem habe. Es wurde sich dann für einen dritten Weg entschieden, der dazu führt, dass im Film andere Fehler gemacht werden, die ich zum Filmstart ausführlicher besprechen werde.

Smith - Kind 44 - Movie-Tie-In - 2Smith - Kind 44 - TB 2

Tom Rob Smith: Kind 44
(übersetzt von Armin Gontermann)
Goldmann, 2015 (Movie Tie-In)
512 Seiten
9,99 Euro

Taschenbuchausgabe
Goldmann, 2010

Deutsche Erstausgabe
Dumont, 2008

Originalausgabe
Child 44
Simon & Schster UK Ltd., 2008

Verfilmung

Kind 44 (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Richard Price
LV: Tom Rob Smith: Child 44, 2008 (Kind 44)
mit Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Paddy Considine, Jason Clarke, Vincent Cassel, Fares Fares, Charles Dance, Josef Altin
Länge: 138 Mnuten
FSK: ab 16 Jahre
Kinostart: 4. Juni 2015

Hinweise

Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kind 44“

Moviepilot über „Kind 44“

Metacritic über „Kind 44“

Rotten Tomatoes über „Kind 44“

Wikipedia über „Kind 44“ (deutsch, englisch) und Tom Rob Smith (deutsch, englisch)

Und zwei Interviews mit Tom Rob Smith zu seinem neuesten Roman „Ohne jeden Zweifel“ (The Farm, 2014)


TV-Tipp für den 4. Mai: Kopfgeld

Mai 4, 2014

 

RTL II, 20.15

Kopfgeld – Einer wird bezahlen (USA 1996, Regie: Ron Howard)

Drehbuch: Richard Price, Alexander Ignon (nach einer Geschichte von Cyril Hume und Richard Maibaum)

Als der Sohn von Selfmade-Millionär Tom Mullen entführt wird, setzt er das geforderte Lösegeld als Kopfgeld für die Entüfhrer ein. Eine Idee mit Folgen.

Spannender Thriller, der seine Idee von dem ebenso spannenden Thriller „Menschenraub“ (USA 1956, Regie: Alex Segal, mit Glenn Ford, Donna Reed und Leslie Nielsen) hat. Während das Remake ungefähr im Jahresturnus im TV läuft, wurde das ebenso spannende Original seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigt.

mit Mel Gibson, René Russo, Gary Sinise, Brawley Nolte, Delroy Lindo, Lili Taylor, Liev Schreiber, Donnie Wahlberg, Evan Handler, Paul Guilfoyle, Dan Hedaya, Richard Price

Wiederholung: Montag, 5. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kopfgeld“

Wikipedia über „Kopfgeld“ (deutsch, englisch)

Richard Price in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles auf Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

 


TV-Tipp für den 23. Januar: Easy Money

Januar 23, 2014

Arte, 21.45

Easy Money (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009, R.: Daniel Espinosa)

Drehbuch: Maria Karlsson

LV: Jens Lapidus: Snabba Cash – Hatet Drivet Jakten, 2006 (Spur der Angst)

Einige Männer wollen mit Drogendeals das große Geld verdienen. Dummerweise durchkreuzen sich ihre Pläne und aus dem „Easy Money“ wird ein blutiger Bandenkrieg in Stockholms Unterwelt.

Souverän und spannend inszenierter düsterer Thriller. (…) überzeugt (…) als moderne ‚Film Noir‘-Variante über den Preis des Geldes.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Roman war ein Bestseller, der Film ein Erfolg, ein US-Remake ist geplant und Daniel Espinosa drehte seinen nächsten Film „Safe House“ (mit Denzel Washington und Ryan Reynolds) mit Hollywood-Geld in Südafrika. Derzeit ist er in der Postproduktion seiner Tom-Rob-Smith-Verfilmung „Child 44“ (nach einem Drehbuch von Richard Price). Auch Hauptdarsteller Joel Kinnamann verschlug es nach Hollywood. Er ist der neue „Robocop“.

mit Joel Kinnamann, Matias Padin Varela, Dragomir Mrsic, Mahmut Suvakci, Jones Danko, Lisa Henni, Fares Fares

Hinweise

Film-Zeit über „Easy Money“

Moviepilot über „Easy Money“

Metacritic über „Easy Money“

Rotten Tomatoes über „Easy Money“

Wikipedia über „Easy Money“ (deutsch, englisch)

Homepage von Jens Lapidus

Krimi-Couch über Jens Lapidus

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)


TV-Tipp für den 16. Juni: Freedomland – Das Gesicht der Wahrheit

Juni 16, 2012

Pro 7, 22.00

Freedomland – Das Gesicht der Wahrheit (USA 2006, R.: Joe Roth)

Drehbuch: Richard Price

LV: Richard Price: Freedomland, 1998 (Das Gesicht der Wahrheit)

Brenda Martin sagt, ihr vierjähriger Sohn sei von Schwarzen entführt worden. Eine fieberhafte Suche beginnt. Aber schnell fragt der ermittelnde Polizist Lorenzo Council sich, ob die Mutter die Wahrheit sagt.

Irgendetwas ging da völlig schief. “Freedomland” erlebte, trotz seiner Besetzung und dem Renommee von Price als Roman- und Drehbuchautor (The Wanderers, Clockers, Die Farbe des Geldes, Kiss of death, Kopfgeld, Shaft – und die in den USA erfolgreiche Cop-Serie “The Wire”) seine Deutschlandpremiere als DVD. Die Kritiker und die Zuschauer waren – zu recht – enttäuscht. Stellvertretend:

Der thematisch wichtige, gut gespielte Film demonstriert, wie aus einem Funken ein Flächenbrand entstehen kann. Dabei bekommt er das Thema des unter der Oberfläche schlummernden Rassismus nur ungenügend in den Griff.” (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2006)

For fans of Richard Price’s phenomenal 1998 novel Freedomland, sitting through Joe Roth’s incompetent big-screen translation will feel like you’re watching helplessly as an old friend gets kicked to death by a pack of drooling imbeciles. It’s the kind of literary adaptation that makes you wonder if anyone on the set had even a passing familiarity with the original text. Given that the credited screenwriter turns out to be the novelist himself … well, that’s saying something.” (Sean Burns, Philadelpia Weekly, 22. Februar 2006)

mit Samuel L. Jackson, Julianne Moore, Edie Falco, Ron Eldard, William Forsythe, Philip Bosco

Wiederholung: Sonntag, 17. Juni, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Freedomland“ (deutsch, englisch) und Richard Price (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Freedomland“

Bonushinweis

Richard Price spricht über seinen Roman „Lush Life“ (deutscher Titel ist „Cash“) und beantwortet Fragen

 

 


Von Superhelden, Polizisten und einer Revolutionärin: „Powers“ und „Scarlet“

Mai 14, 2012

Obwohl Autor Brian Michael Bendis und Zeichner Michael Avon Oeming bereits vor über zehn Jahren mit „Wer ermordete Retro Girl?“ die erste längere Geschichte aus der „Powers“-Welt vorlegten und dafür den Eisner Award als Beste Neue Serie erhielten, wirkt sie erstaunlich aktuell. Denn zwischen all den anderen neuen Comics, Verfilmungen und TV-Serien, in denen Superhelden ein Teil des alltäglichen Lebens sind und sie sich an mehr oder weniger viele Regeln halten müssen, fällt diese Hardboiled-Geschichte, die in einer Welt, in der es Superhelden gibt, nicht weiter auf.

In einer Großstadt muss Detective Christian Walker den Mord an Retro Girl, einer enorm beliebten Superheldin aufklären. Aber Walker hat auch seine Geheimnisse und er ist ein echter Hardboiled-Cop.

Diese Mischung aus Noir, Hardboiled und Superhelden-Comic ist durchaus ansprechend. Aber die Marotte, die Bendis damals wahrscheinlich für cool hielt, in die Dialoge immer wieder Wiederholungen einzubauen, ist arg störend. Damals sagte Bendis, dass er den Stil von David Mamet, Richard Price und Aaron Sorkin bewundere. Trotzdem wäre hier etwas weniger Mamet-Kopie und mehr Hardboiled-Lakonie gut gewesen.

Neben der Geschichte „Wer ermordete Retro Girl?“ gibt es in dem ersten „Powers“-Sammelband auch eine satte Portion Bonusmaterial: die „Powers“-Strips, die vor dem ersten „Powers“-Heft in den „Comic Shop News“ erschienen, eine Cover-Galerie mit den Original- und verworfenen Titelbildern, das Sketchbook und es wird enthüllt, welche Zeichner die vielen neuen Superhelden für die Superhelden-Befragungen von Walker während seiner Ermittlungen in dem Comic „Wer ermordete Retro Girl?“ entwarfen. Auch Ed Brubaker steuerte einen Schurken bei.

Zehn Jahre später, erfand Brian Michael Bendis, zusammen mit Zeichner Alex Maleev, mit „Scarlett“ eine Serie, die mit „Kinder der Revolution“, einer Sammlung der ersten fünf „Scarlett“-Hefte (mehr gibt es bislang noch nicht), einen vielversprechenden Start hinlegt.

Scarlett Rue ist in Portland, Oregon, in einem leicht in die Zukunft verlegten Polizeistaat eine junge Punkerin. Ihr Freund Gabriel wird von einem Polizisten ermordet und anschließend für die Öffentlichkeit zum gefährlichen Drogenhändler gemacht. Gabriels Mörder wird vor Gericht freigesprochen.

Sie beschließt, sich zu rächen. Ihre erste Taten machen sie schnell zur Volksheldin gegen das repressive Regime. Sie wird zur Anführerin einer Revolution.

Während bei „Powers“ die sich in repetitiven Passagen ergehenden Dialoge immer wieder störten, auch weil der Held so pseudocool und eher blöd wirkte, verzichtet Bendis in „Scarlett“, zum Glück, auf dieses Stilmittel. Und dass Scarlett öfters die Leser direkt anspricht, stört nicht, sondern bereichert die Geschichte um eine zusätzliche Dimension.

Politisch ist „Scarlett“ weitgehend eine Revolutionssaga für die Globalisierungskritiker und die Occupy-Bewegung; – wenn sie denn endlich ihren Stuhlkreis verlassen und wirklich die Machtfrage stellen würde.

Bis dahin, in den Worten der rothaarigen Heldin: „Ich bin Scarlett. Und falls diese Welt bis auf die Grundfesten niederbrennen muss, bevor diese ganzen Arschlöcher lernen, sich nicht mehr wie Arschlöcher aufzuführen, dann funktioniert das genau so.“

Brian Michael Bendis (Autor)/Michael Avon Oeming (Zeichner): Powers: Wer ermordete Retro Girl? (Band 1)

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2012

196 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Powers: Who killed Retro Girl?

Jinxworld, 2000/2012

Brian Michael Bendis (Autor)/Alex Maleev (Zeichner): Scarlet: Kinder der Revolution (Band 1)

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Panini, 2011

164 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Scarlet 1 – 5

Jinxworld, Juli 2010 – März 2011

Hinweise

Wikipedia über Brian Michael Bendis

Jinxworld/Homepage von Brian Michael Bendis


Die zehn besten Krimis von 2010?

Januar 29, 2011

Die Jahresbestenliste 2010 der KrimiWelt-Juroren bietet, weil die besten Krimis des Jahres aus den Krimis ausgewählt werden, die bereits auf einer der monatlichen Bestenlisten waren, keine großen Überraschungen:

1 Don Winslow: Tage der Toten

2 Richard Price: Cash

3 Dominique Manotti: Letzte Schicht

4 Pete Dexter: God’s Pocket

5 James Ellroy: Blut will fließen

6 Josh Bazell: Schneller als der Tod

7 David Peace: Tokio, besetzte Stadt

8 Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers

9 Roger Smith: Blutiges Erwachen

10 Thomas Willmann: Das finstere Tal

Hm, das erinnert mich daran, dass einige Bücher noch auf meinem Zu-lesen-Stapel liegen – und ich meine Abendplanung (weniger Filme, weniger Außer-Haus-Termine, mehr Couch- und Lesesesselsitzungen bei abgestelltem Telefon) dringend überdenken sollte.


Die KrimiWelt-Bestenliste November 2010

Oktober 30, 2010

Die Bestenliste der KrimiWelt für den ungemütlichen November:

1 (1) Don Winslow: Tage der Toten

2 (-) Zoran Drvenkar: DU

3 (5) David Peace: Tokio, besetzte Stadt

4 (4) Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers

5 (-) Heinrich Steinfest: Batmans Schönheit

6 (9) Thomas Willmann: Das finstere Tal

7 (-) Anne Holt: Gotteszahl

8 (3) Jenny Siler: Verschärftes Verhör

9 (-) Oliver Bottini: Das verborgene Netz

10 (-) Martin Booth: The American

In ( ) ist die Platzierung des Vormonats.

Also wieder fünf Neueinsteiger. Richard Price, Frank Göhre und Garry Disher sind draußen, aber immer noch lesenswert. Bei den Neueinsteigern ist Zoran Drvenkar sicher einen Blick wert und Martin Booth hat es dank der gleichnamigen Verfilmung (mit George Clooney als Killer) in die deutschen Buchhandlungen und auf die Liste geschafft.


KrimiWelt-Bestenliste Oktober 2010

September 25, 2010

Die Bestenliste der KrimiWelt für den Oktober sieht so aus:

1 (-) Don Winslow: Tage der Toten

2 (1) Richard Price: Cash

3 (3) Jenny Siler: Verschärftes Verhör

4 (-) Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers

5 (-) David Peace: Tokio, besetzte Stadt

6 (9) Frank Göhre: Der Auserwählte

7 (8) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

8 (5) Garry Disher: Rostmond

9 (-) Thomas Willmann: Das finstere Tal

10 (5) Jo Nesbø: Headhunter

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Nachdem im letzten Monat sechs Romane neu auf die Liste kamen, geht’s diesen Monat mit vier Neueinsteigern vergleichsweise gemütlich zu. Aber Don Winslows „Tage der Toten“ und David Peaces „Tokio, besetzte Stadt“ sind ziemlich wuchtige Bücher.


KrimiWelt-Bestenliste September 2010

August 28, 2010

Die Bestenliste der KrimiWelt für den September:

1 (1) Richard Price: Cash

2 (4) Dominique Manotti: Letzte Schicht

3 (-) Jenny Siler: Verschärftes Verhör

4 (8) Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

5 (-) Garry Disher: Rostmond

5 (-) Jo Nesbø: Headhunter

6 (-) Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

7 (-) Jussi Adler-Olsen: Schändung

8 (3) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

9 (-) Frank Göhre: Der Auserwählte

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Tja, sechs Neueinsteiger (drei davon hab ich letzten Monat schon angekündigt). Davon sind fünf auf meinem Zu-Lesen-Stapel; der Parker von Richard Stark steht im Original schon lange im Regal.

Aber zuerst wird die die Vorlage für die am 7. Oktober startende, tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ gelesen.

Draußen sind leider Pete Dexter, D.B. Blettenberg und Don Winslow, der am 14. September in Berlin ist.


KrimiWelt-Bestenliste August 2010

August 2, 2010

Die Damen und Herren der KrimiWelt haben die verschlossenen Umschläge abgeliefert, an einem geheimen Ort wurden sie miteinander verglichen und der Zeremonienmeister verkündete die Bestenliste für den August 2010:

1 (4) Richard Price: Cash

2 (1) Pete Dexter: God’s Pocket

3 (-) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

4 (2) Dominique Manotti: Letzte Schicht

5 (9) Jiří Kratochvil: Das Versprechen des Architekten

6 (-) John Farrow: Treibeis

7 (-) D.B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis (Interview zum Buch)

7 (-) Don Winslow: Pacific Paradise

8 (-) Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

9 (10) John Hart: Das letzte Kind

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Schon wieder fünf Neueinsteiger.

Die ersten beiden Plätze sind fest in der Hand großer amerikanischer Literaten, die auch in Hollywood ihre Spuren hinterlassen haben. Gegen Don Winslow kann nichts gesagt werden und der Einstieg von D. B. Blettenberg in die Bestenliste war überfällig.

Nächsten Monat könnten dann Garry Disher, Raúl Argemi, Claudia Pineiro, Jenny Siler, Frank Göhre, Robert Brack, Massimo Carlotto (Zählt eine Biographie?) und R. J. Ellory (obwohl das Buch so unglaublich dick ist) mit ihren neuen Werken auf der Liste sein.

Sebastian Fitzek wird’s dagegen wahrscheinlich nie auf diese Liste packen.


KrimiWelt-Bestenliste Juli 2010

Juni 26, 2010

Die Bestenliste der KrimiWelt für den Sommermonat Juli:

1 (2) Pete Dexter: God’s Pocket

2 (7) Dominique Manotti: Letzte Schicht

3 (1) Josh Bazell: Schneller als der Tod

4 (-) Richard Price: Cash

5 (-) Christopher Cook: Robbers

6 (4) Henning Mankell: Der Feind im Schatten

7 (-) Benjamin Black: Der Lemur

8 (5) Francisco González Ledesma: Der Tod wohnt nebenan

9 (-) Jiří Kratochvil: Das Versprechen des Architekten

10 (-) John Hart: Das letzte Kind

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Hmhm, wahrscheinlich haben die inzwischen eine 50-Prozent-Neueinsteigerquote.

Und nur Übersetzungen.

Ansonsten: „Schneller als der Tod“ fand ich ziemlich langweilig. Die John-Hart-Begeisterung find ich schwer nachvollziehbar. Henning Mankell muss wohl wirklich nicht mehr empfohlen werden. Richard Price, Pete Dexter, Christopher Cook (zwei Bücher, die im Original bereits vor vielen Jahren erschienen sind) und Benjamin Black (angenehm kurze Lektüre) liegen auf meinem Nachttisch.

Charlie Hustons vierter Joe-Pitt-Roman „Bis zum letzten Tropfen“ ist, vor allem nach Sonnenuntergang, mein ständiger Begleiter.


TV-Tipp für den 23. Oktober: Die Nacht von Soho

Oktober 23, 2009

WDR, 23.15

Die Nacht von Soho (USA 1992, R.: Irwin Winkler)

Drehbuch: Richard Price

LV: Gerald Kersh: Night and the city, 1938 (Nachts in der Stadt)

Robert de Niro macht als halbseidener Anwalt im heutigen Manhattan nicht minder halbseidene Box-Geschäfte.

Erst 2002 wurde in der „pulp master“-Reihe Kershs Klassiker ins Deutsche übersetzt und – zu Recht – allgemein gelobt. Das Buch hat auch nach über sechzig Jahren kein Patina angesetzt. Also: Unbedingt lesen!

Night and the City“ ist nach „Die Ratte von Soho“ (USA 1950, R.: Jules Dassin, mit Richard Widmark) die zweite, von der Kritik fast einhellig verrissene Verfilmung des Buches. Denn das im heutigen New York spielende Remake ist nur ein nettes, leicht düsteres Großstadtdrama.

Mit Robert de Niro, Jessica Lange, Jack Warden, Eli Wallach

Auch bekannt als „Night and the City“


Aktuelle TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 14, 2009

Alligator-Alfred hat mal wieder keine Gefahren gescheut und in den gesetzlosen Weiten des Internets viele bunte Bilder gefunden und so meine TV-Krimi-Buch-Tipps aufgehübscht:

Der absolute Höhepunkt der kommenden beiden, sehr französischen Wochen ist die TV-Premiere der ungekürzten Version von Jean-Pierre Melvilles „Der zweite Atem“. Denn vor vierzig Jahren wurde für den deutschen Kinostart eine halbe Stunde aus dem Film geschnitten.
„Der zweite Atem“ basiert auf einem Roman von José Giovanni und Lino Ventura spielt mit. Wer von den Beiden nicht genug bekommen kann, hat nochmal die Gelegenheit „Die Abenteurer“ und „Der Kommissar und sein Lockvogel“ anzusehen.
Außerdem sehenswert sind Richard Brooks Truman-Capote-Verfilmung „Kaltblütig“, Jean-Pierre Jeunets Sébastien-Japrisot-Verfilmung „Mathilde – Eine große Liebe“, Jean Beckers Sébastien-Japrisot-Verfilmung „Ein mörderischer Sommer“, Jean-Jacques Beneixs Delacorta-Verfilmung „Diva“, Claude Berris Alain-Page-Verfilmung „Am Rande der Nacht“, Alvin Rakoffs unterschätzte James-Hadley-Chase-Verfilmung „An einem Freitag um halb zwölf“ und Claude Chabrols Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der Schrei der Eule“. Von Alfred Hitchcock gibt es „Die 39 Stufen“, Eine Dame verschwindet“, „Psycho“, „Familiengrab“ und „Verdacht“. Außerdem laufen die beiden James-Cagney-Gangsterfilmklassiker „Die wilden Zwanziger“ und „Der öffentliche Feind“ wieder.
Einen Blick lohnen auch die beiden TV-Premieren „Freedomland – Das Gesicht der Wahrheit“ (nach dem Roman und Drehbuch von Richard Price) und „The Good German – In den Ruinen von Berlin“ (Steven Soderbergh verfilmte den Roman von Joseph Kanon).


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