Neu im Kino/Filmkritik: Richard Starks Parker heißt jetzt auch im Kino „Parker“

Februar 7, 2013

Parker war Lee Marvin, Anna Karina, Michel Constantine, Jim Brown, Robert Duvall, Peter Coyote und, zuletzt, Mel Gibson, aber er hieß, obwohl die Filme auf den grandiosen Hardboiled-Gangsterthrillern von Richard Stark basierten, niemals Parker. Richard Stark (also eigentlich Donald E. Westlake) meinte, dass Parker erst dann in einem Film Parker heißen dürfe, wenn die Produzenten mehrere Parker-Filme machen wollten.

Keine Ahnung ob Dortmunder-Erfinder Donald E. Westlake das wirklich so meinte oder er nur witzelte. Jedenfalls darf in einem Film Parker jetzt zum ersten Mal Parker heißen und die Macher freuten sich so sehr darüber, dass sie den Film gleich „Parker“ nannten. Naja, warum auch nicht.

Und mit Jason Statham als Parker wurde eine gute Wahl getroffen. Denn er kann einen so rücksichtslosen Charakter glaubhaft verkörpern.

Dafür wurden dann einige, hm, Details an der Vorlage, dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire) geändert. Aber die große Story bleibt erhalten: nach einem Diebeszug wird Parker von Melanders Gang um seinen Anteil betrogen. Melander und sein Team benötigen das Geld als Startkapital für einen größeren Coup in Palm Beach. Parker lässt diesen Betrug nicht auf sich sitzen. Er macht sich auf den Weg nach Palm Beach.

Außerdem nahmen die früheren Parker-Verfilmungen sich auch, mit unterschiedlichen Ergebnissen, Freiheiten bei der Geschichte.

Insofern ist „Parker“ eine mit Action aufgepumpte Variante der Vorlage, bei der es sogar einen Fenstersturz aus einem Hotelzimmer gibt (Erinnert ihr euch an „Sie nannten ihn Stick“?). Parker ist, was vor allem am Ende des Films auffällt, etwas weicher als in den Büchern gezeichnet. Und, das wird langjährige Parker-Fans am meisten nerven: Parker betont und rezitiert immer wieder seine Regeln. Das hatte der Buch-Parker nicht nötig. Er tat einfach, was getan werden musste.

Im Film sind Parkers Betonungen seiner Regeln und dass Regeln ein Abgleiten in das Chaos verhindern ein Gegenentwurf zum derzeitigen US-Kapitalismus, den Zockereien von Bankern die zu einer Wirtschaftskrise führten, und, wenn wir den Blick etwas weiten, dem „War on Terror“. Auch dass die US-Flagge öfter im Bild ist und der Film auf der Ohio State Fair, dem größten Jahrmarkt der USA, beginnt, tragen zu dieser kritischen Lesart bei, in der traditionelle amerikanische Werte konträr zur aktuellen Realität positioniert werden. Taylor Hackford, der ja in den Achtzigern mit Filmen wie „Ein Offizier und Gentleman“, „Gegen jede Chance“ und „White Nights“, immer inszeniert in einer gelackten Werbeästhetik, bekannt wurde, drehte seinen neuesten Film vor Ort und er zeigt durchgehend ein ungeschöntes Bild der USA und ihrer Verwerfungen.

Eine solche Allegorie im Gewand des Gangsterfilms wollte vor kurzem auch Andrew Dominik in seiner gründlich missglückten George-V.-Higgins-Verfilmung „Killing them Softly“ zeichnen. Weil Dominik während des gesamten Films einem seine Botschaft aber so penetrant und entsprechend einfältig um die Ohren schlug, langweilt sein Gangsterthriller schnell.

Hackford geht, unterstützt von einem klugen Drehbuch von „Black Swan„- und „Hitchcock“-Autor John McLaughlin, bei seiner Systemkritik viel subtiler vor und bei ihnen treiben die Dialoge die Handlung voran. Denn der gnadenlos effektive, auf sein Ziel fokussierte Profi Parker ist kein Mensch für Small-Talk.

Abgesehen von diesem politischen Hintergrund ist „Parker“ ein angenehm altmodischer, schnörkelloser, hochkarätig besetzter Gangsterthriller mit einer ordentlichen Portion bodenständiger Action. Im Zentrum stehen allerdings die Charaktere, wie sie versuchen, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen und die Atmosphäre des amerikanischen Hinterlandes und von Palm Beach.

Taylor Hackfords „Parker“ gehört defintiv zu den gelungenen Parker-Verfilmungen. Er muss sich wahrlich nicht vor „Point Blank“ (mit Lee Marvin) und „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit, mit Robert Duvall) verstecken.

Parker - Plakat

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

LV: Richard Stark: Flashfire, 2000 (Irgendwann gibt jeder auf)

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte, Patti LuPone

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Stark - Irgendwann gibt jeder auf2

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Parker“

Metacritic über „Parker“

Rotten Tomatoes über „Parker“

Wikipedia über „Parker“

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „Safe“ (Safe, USA 2012) (Kino, DVD)

Meine Besprechung des Jason-Statham-Films „The Expendables 2″ (The Expendables 2, USA 2012)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

Und noch ein Interview mit Taylor Hackford

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Verlosung: Wer will Richard Starks „Irgendwann gibt jeder auf“?

Januar 18, 2013

Stark - Irgendwann gibt jeder auf4

Bis zum Kinostart von „Parker“ am 7. Februar sind es noch einige Tage, die man zum Beispiel mit der Lektüre von Richard Starks Parker-Gangsterthriller „Irgendwann gibt jeder auf“, der Vorlage für Taylor Hackfords Film mit Jason Statham in der Hauptrolle, verbringen kann.

In dieser Parker-Geschichte begibt der coole Profiverbrecher sich nach Palm Beach, Florida. Er will sich von einigen Verbrechern, die ihn betrogen haben, seinen Anteil an der Beute zurückholen. Dass er dafür ihren neuesten Coup sabotiert und es etliche nicht vorhersehbare Probleme gibt, erstaunt den langjährigen Fan von Richard Starks Parker-Romanen nicht. „Irgendwann gibt jeder auf“ reiht sich nahtlos in die grandiose Reihe der anderen Parker-Romane ein.

 

Dank der netten dtv-Presseabteilung kann ich drei (!) Exemplare von „Irgendwann gibt jeder auf“ verlosen.

Die Verlosung läuft in den gewohnten Bahnen ab:

Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de

Die Verlosung endet am kommenden Freitag, den 25. Januar, um Mitternacht.

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000 (Hardcover)

Verfilmung

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte

Kinostart: 7. Februar 2013

Hinweise (ein gewisses Fantum ist unübersehbar)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

 


TV-Tipp für den 16. April: Point Blank

April 16, 2018

Arte, 22.20

Point Blank (Point Blank, USA 1967)

Regie: John Boorman

Drehbuch: Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse

LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“; in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“ verlegt)

Walker ist stinkig. Zuerst versuchen seine Frau und sein Kumpel ihn umzubringen. Dann hauen beide gemeinsame mit der Beute ab. Kaum kann der Profiverbrecher sich wieder bewegen, begibt er sich auf einen Rachefeldzug.

Endlich ist Boormans Gangsterfilmklassiker wieder im Puschenkino. „Point Blank“ ist immer noch eine der besten Westlake/Stark-Verfilmungen.

Point Blank“ war der erste Film, der auf Alcatraz gedreht wurde. Hauptbedingung für die Drehgenehmigung war, dass der Film keine Glorifizierung von Verbrechen enthalten dürfe.

Ähem,….

Mit Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, John Vernon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Point Blank“

TCM über „Point Blank“

Wikipedia über „Point Blank“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Point Blank“

Thrilling Detective über Parker

Meine Besprechung von Darwyn Cookes „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009; – yep, der tolle Comic zum Buch)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)


TV-Tipp für den 14. März: Die Axt

März 14, 2018

Arte, 22.45

Die Axt (Le Couperet, Frankreich/Belgien/Spanien 2005)

Regie: Constantin Costa-Gavras

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras, Jean-Claude Grumberg

LV: Donald E. Westlake: The Ax, 1997 (Der Freisteller)

Der nicht mehr ganz junge Chemiker Bruno hat nach zwei Jahren erfolgloser Jobsuche die Faxen dicke. Er gibt eine Stellenanzeige auf und bringt seine Jobkonkurrenten um.

Bitterböse Satire auf den Kapitalismus, die von Jobsuchenden hoffentlich nicht als Vorbild genommen wird.

Stellvertretend für die vielen positiven Besprechungen: „Im Zeichen von Massenarbeitslosigkeit, Chancenlosigkeit und Globalisierungsdruck drehte Costa-Gavras … eine rabenschwarze Farce, die die Gegenwart nicht gerade in freundliches Licht taucht, und bei der das Lachen mehr als einmal ihm Halse stecken bleibt. Erschreckend an dieser Moritat auf der Folie einer durch und durch sexistisch aufgeladenen Gesellschaft ist vor allem, dass hier ein wohlsituierter Kleinbürger unter dem Druck der Umstände nicht nur zum Verbrecher und Mörder wird, sondern unter dem scheinbaren Zwang, seine Familie schützen zu müssen, ohne weiteres faschistoides Gedankengut produziert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit José Garcia, Karin Viard, Geordy Monfils, Christa Theret, Ulrich Tukur, – in Nebenrollen einige Autoren und Regisseure – Jean-Claude Grumberg, John Landis, Julie Gavras (Tochter von Constantin Costa-Gavras), Donald E. Westlake (Cameo als alter Mann im Arbeitsamt)

Auch bekannt als “Jobkiller – Eine mörderische Karriere”

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Axt“

Wikipedia über „Dia Axt“ (deutsch, englisch)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung “Parker” (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Adaption „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Nur Gott kann mich richten“ und das wird er auch tun

Januar 26, 2018

Vor fünf Jahren bejubelten etliche Filmkritiker die „Lust am Genre“ im deutschen Film. Damals kamen parallel mehrere Kriminalfilme in unsere Kinos, die gelungen waren. Danach erlosch die Lust am Genre schneller als ein Strohfeuer. Der letzte deutsch(sprachig)e Kriminalfilm im Kino, der nicht Totalgrütze war, ist schon eine Weile her.

Özgür Yildirims „Chiko“ fällt einem ein. Inzwischen inszenierte er auch drei „Tatorte“ mit Wotan Wilke Möhring als Kommissar Thorsten Falke (Der Dritte wird dieses Jahr ausgestrahlt.). Bei seinem ersten „Tatort“ „Feuerteufel“ begann er auch an der Idee für seinen neuen Film „Nur Gott kann mich richten“ zu arbeiten. Es handelt sich dabei um ein waschechtes Gangsterdrama das Frankfurt am Main von einer sehr unglamourösen Seite zeigt. Es ist das Milieu der Klein- und Berufsverbrecher, die Stammgast im Knast sind, weil ihre Pläne größer als ihr Intellekt sind.

Ricky (Moritz Bleibtreu) ist so einer. Er wird nach fünf Jahren aus dem Knast entlassen. Bei einem grandios an der eigenen Unfähigkeit gescheitertem Überfall mit seinem Kumpel Latif (Kida Khord Ramadan) und seinem Bruder Rafael (Edin Hasanovic) nahm er die Hauptschuld auf sich. Jetzt will er ein ehrliches Leben führen. Er braucht dazu nur eine kleine Anschubfinanzierung für seinen Traum von einer Bar auf Cabrera.

Sein alter Kumpel Latif, inzwischen Besitzer einer schlecht gehenden Bar, vermittelt ihm einen Job. Er soll, mit einem zweiten Mann, die Albaner Branko und Fuad bei einem Drogendeal überfallen. Branko möchte nämlich die Drogen haben, ohne dafür zu bezahlen. Das ist ihm 50.000 Euro wert.

Vor dem fingierten Überfall wird Latif allerdings von der Polizei verhaftet. Ricky muss seinen nicht gerade zuverlässigen Bruder Rafael, der nichts mehr mit ihm zu tun haben will, um Hilfe bitten. Weil Rafael den ihn in Aussicht gestellten Teil des Geldes gut gebrauche kann, ist er einverdanden.

Der Überfall geht glatt über die Bühne, aber als Ricky und Rafael danach von der Polizei kontrolliert werden, gerät Rafael in Panik und es kommt zu einer Verfolgungsjagd durch Frankfurts Hinterhöfe, bei der Rafael die Beute verliert.

Die Tasche wird – wenn’s schon schiefgeht, dann geht alles schief – von einer Polizistin entdeckt, die die mit dem Heroin gefüllte Tasche nicht abgibt, sondern gewinnbringend verkaufen will. Sie könnte das Geld gut für ihre todkranke Tochter gebrauchen.

Weil der Albaner die spurlos verschwundenen Drogen haben will, erpresst er Ricky und Latif, der das Geschäft vermittelte. Also müssen sie die Drogen finden oder das nächste Verbrechen begehen, das nach Murphys Law nicht funktionieren kann.

Natürlich erfindet „Nur Gott kann mich richten“ das Genre nicht neu. Das will Özgür Yildirim auch nicht. Er will nur eine tief im Milieu verwurzelte Geschichte erzählen, in der ein Malheur dem nächsten folgt und alles etwas größer als das Leben ist. Natürlich mit den bekannten Klischees, Dialogen, Überhöhungen und wenigen Brechungen. So kümmert sich Ricky um seinen zunehmend dementen Vater (Peter Simonischek), der Rickys Bruder vergöttert.

Sowieso ist Ricky zwar der Vernünftigste unter den im Film agierenden Verbrechern. Aber Parkers Fußstapfen (der von Richard Stark erfundene eiskalte Profigangster) sind für ihn mehrere Nummern zu groß. Entsprechend wenig Illusionen hat man als Zuschauer über sein Schicksal. Das ist schon von der ersten Minute an vorgezeichnet.

Für Genrejunkies ist „Nur Gott kann mich richten“, trotz kleiner Schwächen, ein feiner Film.

Nur Gott kann mich richten (Deutschland 2017)

Regie: Özgür Yildirim

Drehbuch: Özgür Yildirim

mit Moritz Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Edin Hasanovic, Kida Khodr Ramadan, Franziska Wulf, Peter Simonischek, Lilly Wagner, Cem Öztabakci, Blerim Destani, Marie-Lou Sellem, Alexandra Maria Lara

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur Gott kann mich richten“

Moviepilot über „Nur Gott kann mich richten“

Rotten Tomatoes über „Nur Gott kann mich richten“

Wikipedia über „Nur Gott kann mich richten“

Meine Besprechung von Özgür Yildirims „Boy 7“ (Deutschland 2015)


Kurzkritik: Wallace Stroby: Geld ist nicht genug

April 26, 2017

Am 11. Dezember 1978 klaute die Mafia auf dem John F. Kennedy Airport aus dem Frachtterminal der Lufthansa gebrauchte Dollarscheine im Wert von 10 Millionen D-Mark (bzw., nach heutigem Wert, 20 Millionen Euro). Das war viel mehr, als die Diebe, die über Insider-Informationen verfügten, erwartet hatten. Und während der Überfall unblutig abging, wurde es danach blutig.

Die Beute wurde nie gefunden.

Das ist der wahre Hintergrund des zweiten Crissa-Stone-Romans. In „Geld ist nicht genug“ erhält die Profi-Verbrecherin (kurz gesagt: die weibliche Version von Richard Starks Parker) das Angebot, zusammen mit Benny Roth einen Teil der Beute zu bergen. Benny war damals mittelbar an dem Diebstahl beteiligt. Als immer mehr Männer, die mehr oder weniger an dem Diebstahl beteiligt waren, ermordet wurden, ging er in ein Zeugenschutzprogramm. Jetzt, nachdem Joey Dio gestorben ist, findet ihn der psychopathische Gangster Danny Taliferro in der Provinz.

Benny kann ihn und seine Männer überwältigen. Mit seiner deutlich jüngeren Freundin kehrt er nach Jahrzehnten nach New York zurück. Denn er glaubt zu wissen, wo Dio seinen Anteil von dem Raub versteckt hat. Dummerweise ist er nicht der einzige.

Geld ist nicht genug“ ist, wie Wallace Strobys erster Crissa-Stone-Roman „Kalter Schuss ins Herz“, ein klassischer Hardboiled-Gangsterroman, der sich freudig in die Tradition stellt. Das zeigt sich schon an der schlanken 200-Seiten-Länge. Auch wenn Pendragon den Pulp-Roman layouttechnisch auf 336 Seiten hochpimpte. Stroby erzählt lakonisch, mit einigen kleinen Modernisierungen, eine Geschichte von mehr oder weniger ehrbaren Berufsverbrechern, die sich das Leben schwer machen.

Dabei weht, wie in den späteren Parker-Romanen von Richard Stark oder den Wyatt-Romanen von Garry Disher, ein Hauch von Nostalgie durch die Geschichte. Denn die Zeit der allein, nach einem Ehrenkodex, arbeitenden Berufseinbrecher ist vorbei. Die Technik macht ihnen in jeder Beziehung das Leben schwer. Ebenso die Entwicklungen in der Kriminaltechnik. Und dann findet sich in Geldschränken immer weniger Bargeld.

Bis jetzt hat Wallace Stroby noch zwei weitere Crissa-Stone-Romane geschrieben, die hoffentlich schnell ins Deutsche übersetzt werden.

Wallace Stroby: Geld ist nicht genug

(übersetzt von Alf Mayer)

Pendragon, 2017

336 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

King of Midnight

Minotaur Books/St. Martin’s Press, 2012

Hinweise

Homepage von Wallace Stroby

Blog von Wallace Stroby

Wikipedia über Wallace Stroby

Meine Besprechung von Wallace Strobys „Kalter Schuss ins Herz“ (Cold Shot to the Heart, 2011)


„Lady Killer“ – Hausfrau, Mutter und Profikillerin

August 19, 2016

Jones - Rich - Lady Killer - 4

Josie Schuller ist die perfekte Hausfrau. Sie schmeißt den Haushalt, erzieht die Kinder, erträgt klaglos die biestige Mutter von ihrem Gatten und, als I-Tüpfelchen in dieser perfekten Sechziger-Jahre-US-Vorstadtidylle, ist sie Avon-Vertreterin. Wobei; – – – das ist sie nur, um sich bei Mrs. Roman einzuschleichen und sie für ein erkleckliches Honorar umzubringen. Denn Josie ist auch eine Killerin.

Autor Jamie S. Rich und Zeichnerin Joëlle Jones, die schon „12 Gründe, dich zu lieben“ und „You have killed me“ gemeinsam erschufen, haben jetzt eine Killerin erfunden, die in einer Zeit arbeitet, als anständige Frauen als Hausfrauen für ihre Männer das Abendessen kochten und nicht an Emanzipation dachten. Es ist die heile Wirtschaftswunderwelt von „Bettgeflüster“ und „Ein Pyjama für zwei“. Es ist aber auch die Welt, in der Richard Starks Profigangster Parker seinen ersten Auftritt hatte und das National Crime Syndicate die kriminelle Welt bestens organisiert hatte. Rich und Jones verschmelzen in ihrem neuen Werk „Lady Killer“ beide Welten und garnieren sie, wenn Josie Schuller einen ihrer Aufträge ausführt, mit einer ordentlichen Portion Action, die eher an einen modernen Actionfilm irgendwo zwischen „Lara Croft: Tomb Raider“ und einem Auftritt von Black Widow in einem Marvel-Blockbuster erinnert. Denn zimperlich ist Josie Schuller nicht, wenn sich das Opfer wehrt und dann sieht eine Wohnung nach erledigter Arbeit auch einmal aus wie nach einer Umdekoration von „Kill Bill“-Braut Beatrix Kiddo.

Aus diesen Elementen entsteht in diesem Fall ein Lesevergnügen, das in jeder Beziehung wunderschön zwischen Heile-Welt-Kitsch und eiskaltem Gangsterdrama schwankt.

In dem jetzt erschienenem „Lady Killer“-Sammelband sind die ersten fünf Hefte des Comics enthalten, der den Broken Frontier Award 2015 als beste Miniserie des Jahres erhielt.

Nach dem Mord an Mrs. Roman erzählen Rich und Jones, wie Schuller sich gegen ihren Boss wehren muss, der glaubt, dass sie als Mutter nicht mehr in der Lage sei ihre Arbeit mit der nötigen Konsequenz auszuüben.

Diese Geschichte erzählen Rich und Jones, mit weiteren Mordaufträgen garniert, in „Lady Killer – Volume 1“ etwas unschön zwischen einer abgeschlossenen Geschichte, einer rein episodischen Erzählweise (so in Richtung „ein Auftrag pro Heft“) und dem Auftakt zu einer größeren, auf kein konkretes Ende hin angelegten Geschichte schwankend. Denn für eine abgeschlossene Geschichte gibt es zu viele lose Fäden, die bis jetzt noch nicht wieder aufgenommen wurden.

Jamie S. Rich kündigt zwar auf seiner Homepage für dieses Jahr eine Fortsetzung an. Aber ein genauerer Termin wird nicht genannt. Und dabei erschienen die fünf Hefte in den USA zwischen Januar und Mai 2015.

Jamie S. Rich/Joëlle Jones: Lady Killer – Volume 1

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Panini, 2016

140 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

Lady Killer

Dark Horse, 2015

enthält

Lady Killer # 1 – 5

Dark Horse, Januar – Mai 2015

Hinweise

Homepage von Jamie S. Rich

Homepage von Joëlle Jones


Ein „Kalter Schuss ins Herz“ von Wallace Stroby

November 11, 2015

Stroby - Kalter Schuss ins Herz

Crissa Stone ist nur auf dem Papier eine Frau. Ihre Tochter wird von ihrer Cousine in Texas groß gezogen. Sie hat keinen Mann; jedenfalls keinen Mann an ihrer Seite. Denn ihre große Liebe sitzt seit einigen Jahren im Gefängnis und all die anderen Männern in „Kalter Schuss ins Herz“ nehmen sie nur als Kollegin oder als Teil eines Auftrages wahr. Auch Wallace Stroby verschwendet in seinem Roman keine Zeit darauf, ihre Äußerlichkeiten zu beschreiben. Denn Crissa Stone ist Profi-Einbrecherin und damit steht sie in der Tradition von Parker (erfunden von Richard Stark, der damit die Blaupause für alle Profi-Verbrecher schuf) und Wyatt (erfunden von Garry Disher).
Gemeinsam mit Stimmer und Chance überfällt sie in Broward, Florida, in einem Hotelzimmer ein illegales Kartenspiel. Statt der versprochenen Million erbeuten sie nur eine halbe Million Dollar, was für einige Minuten Arbeit kein schlechter Stundenlohn ist. Dummerweise wird Stimmer nervös und er tötet einen der Spieler. Wie Stone später erfährt, ist es Louis Letteri und sein Schwiegervater, der Mafiosi Tino Conte, engagiert Eddie den Heiligen, einen gerade aus dem Knast entlassenen Psychopathen und skrupellosen Mörder. Eddie soll eigentlich nur Stimmer töten. Aber Eddie will auch die gesamte Beute haben.
Wallace Stroby, der vor „Kalter Schuss ins Herz“ bereits drei hochgelobte, nicht ins Deutsche übersetzte Krimis schrieb, stellt sich mit seinem ersten Crissa-Stone-Roman in die ehrenwerte Tradition des Hardboiled-Gangsterkrimis, der seine Geschichte schnörkellos, ohne Sentimentalitäten oder überflüssige Beschreibungen auf wenigen Seiten erzählt. Das ist, zwischen den dicken Serienkillerthrillern, den braven Ermittlerkrimis, den verschieden gelagerten Romantic Thrillern und den überdrehten, oft nur pseudo-witzigen Post-Tarantino-Gangstergrotesken, angenehm altmodisch. Auch wenn die Welt, in der Stone lebt, aufgrund der zunehmenden Totalüberwachung, immer mehr verschwindet,
„Kalter Schuss ins Herz“ ist ein guter Gangsterkrimi. Auch wenn Stone am Ende für einen Profi einen vollkommen dämlichen Fehler begeht. Sie stellt dem Killer Eddie eine Falle und denkt nicht daran, dass er diese Falle ahnt, sie umgeht und sie so überraschen kann. Das wäre Parker nicht passiert.
Nach „Kalter Schuss ins Herz“ schrieb Wallace Stroby bis jetzt drei weitere Abenteuer mit Crissa Stone, die hoffentlich bald auf Deutsch erscheinen.
Anmerkung 1: Das Cover führt ziemlich in die Irre. Denn die Geschichte spielt im Winter, um Weihnachten (obwohl sich niemand für das Fest interessiert) in und um New York herum, garniert mit einem kurzen Ausflug in den Süden.
Anmerkung 2: Im Nachwort hat sich auf Seite 344 ein ärgerlicher Fehler eingeschlichen. Denn natürlich ist mit „Peter Rave“ der bei uns fast vollkommen unbekannte Noir-Autor „Peter Rabe“ gemeint.

Wallace Stroby: Kalter Schuss ins Herz
(übersetzt von Alf Mayer)
Pendragon, 2015
352 Seiten
15,99 Euro

Originaltitel
Cold Shot to the Heart
St. Martin’s Press, 2011

Hinweise
Homepage von Wallace Stroby

Blog von Wallace Stroby


TV-Tipp für den 9. August: Schlimmer geht’s immer

August 8, 2015

Tele 5, 20.15
Schlimmer geht’s immer (USA 2001, Regie: Sam Weisman)
Drehbuch: Matthew Chapman
LV: Donald E. Westlake: What’s the worst that could happen, 1996
Bei einem Einbruch erwischt zu werden ist schlimm. Als der Hausbesitzer, der unglaublich reiche Medienzar Fairbanks, von Cafferty auch noch einen eigentlich wertlosen Freundschaftsring zurückfordert, sieht der ertappte Einbrecher rot. Denn der Ring war ein Geschenk seiner Freundin. Cafferty beginnt Fairbanks auszurauben.
Hollywood hat’s mal wieder vermasselt: „Irgendwann einmal muss dieser Stoff ein gewisses Quantum an Originalität besessen haben, immerhin überzeugte er einen Verleger, der ihn als Roman veröffentlichte. Und die Produzenten versichern, dass sie sich schon vorher die Rechte an einer Verfilmung gesichert hätten. Dann aber muss etwas schief gelaufen sein, denn Sam Weisman, bisher mehr oder weniger erfolgreich im Inszenieren von sinnfreiem Entertainment, liefert hier nicht mehr als öden Leerlauf ab.“ (Kistner, AZ, 13. 12. 2001 – der offensichtlich Westlake nicht kennt).
„What’s the worst thing that could happen“ ist der neunte Dortmunder-Krimi von Donald E. Westlake und selbstverständlich ein pures Lesevergnügen. Auch die erste Fassung des Drehbuchs von Matthew Chapman soll gut gewesen sein.
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, der Film wäre in deutschen Kinos gelaufen; unter dem Titel „Schlimmer geht´s nimmer“.
Davon abgesehen ist „Schlimmer geht’s immer“ natürlich als Startpunkt für einen Donald-Westlake/Richard-Stark-Lesemarathon geeignet.
Denn „What’s the Worst that could happen?“ ist einer von Donald Westlakes grandiosen, witzigen John-Dortmunder-Einbrecherromanen.
Mit Martin Lawrence, Danny DeVito, John Leguizamo, William Fichter, Glenne Headley, Richard Schiff, Bernie Mac
Wiederholung: Montag, 10. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Schlimmer geht’s immer“
Wikipedia über „Schlimmer geht’s immer“ (deutsch, englisch)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung “Parker” (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Adaption „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)


TV-Tipp für den 4. Februar: Im Schatten

Februar 4, 2014

ZDFkultur, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Peter Kurth, David Scheller

Wiederholung: Mittwoch, 5. Februar, 04.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans “Im Schatten”


Wyatt ist zurück im „Dirty Old Town“

Januar 2, 2014

Disher - Dirty Old Town

Wyatt, der eiskalte Profi-Gangster ist zurück und in den gut fünfzehn Jahren seiner literarischen Abwesenheit veränderte er sich überhaupt nicht. Gleich auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ begeht er einen Überfall, der schiefgeht. Er flüchtet indem er in der Menge untertaucht, dabei seine .32er entsorgt, seine Kleider wechselt und ein Auto klaut. Danach plant er den nächsten Coup.

Der Hehler Eddie Oberin nennt ihm einen Juwelier, der mit gestohlenen Waren aus Europa Geld verdient und jetzt wieder eine größere Lieferung bekommt. Oberin will dabei sein. Ebenso seine Ex-Frau Lydia Stark, von der der Tipp stammt.

Wyatt ist skeptisch. Denn als Profi arbeitet er lieber allein. Aber er braucht das Geld und ist einverstanden. Allerdings weiß er nicht, dass der aus Europa kommende Kurier Alain Le Page ein veritabler und skrupelloser Gegner ist, er keinen Schmuck, sondern Wertpapiere (die sehr wertvoll sind) schmuggelt und Oberin eine ziemlich durchgeknallte Freundin hat.

Oh, und dann ist da noch Tyler, der Neffe von Ma Gadd (einer Blumenhändlerin und Waffenverkäuferin), der Wyatt bewundert und eine Karriere als Verbrecher anstrebt.

Natürlich ist Wyatt die australische Ausgabe von Richard Starks Parker und Garry Disher will das auch überhaupt nicht verleugnen. Im Gegenteil. Wenn er auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ Wyatt und sein Berufsethos vorstellt, könnte dort genausogut „Parker“ stehen. Und das ist gut so. Denn es gibt inzwischen einfach zu wenige geradlinige Gangsterkrimis.

„Dirty Old Town“ erhielt, verdient, den Ned-Kelly-Preis als bester Kriminalroman des Jahres.

Garry Disher: Dirty Old Town

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

Pulp Master, 2013

336 Seiten

13,80 Euro

Originalausgabe

Wyatt

2010

(Disher wollte den Roman, so meine Erinnerung, ursprünglich „Dirty Old Town“ nennen)

Wyatts frühere, sehr empfehlenswerte Raubzüge

1. Gier (Kickback, 1991)

2. Dreck (Paydirt, 1993)

3. Hinterhalt (Deathdeal, 1993)

4. Willkür (Crosskill, 1994)

5. Port Vila Blues/Vergeltung (Port Vila Blues, 1995)

6. Niederschlag (The Fallout, 1997)

7. Dirty Old Town (Dirty Old Town, Wyatt, 2010)

Hinweise

Homepage von Garry Disher

Wikipedia über Garry Disher (deutsch, englisch)

Garry Disher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Juli: Im Schatten

Juli 18, 2013

ZDFkultur, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Peter Kurth, David Scheller

Wiederholung: Freitag, 19. Juli, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans “Im Schatten”


„Before Watchmen“ stöbert im „Watchmen“-Universum

Juli 8, 2013

 

Azzarello - Before Watchmen - Rorschach - HCAzzarello - Before Watchmen - Rorschach - SC

Cooke - Before Watchmen - Minutemen - HCCooke - Before Watchmen - Minutemen - SC

In den Achtzigern schrieb Alan Moore die Comicserie „Watchmen“, die eigentlich von Anfang an ein riesiger backsteingroßes Epos war, das so gut war, dass es als erster und bislang einziger Comic den Hugo-Award (der heilige Gral der Science-Fiction-Gemeinde) erhielt und vom Time Magazine in die Liste der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde. Eine Bildergeschichte als Teil des Literaturkanons. Wow. Aber auch nachvollziehbar. Denn Alan Moore entwarf ein Paralleluniversum, das ganz klar eine Kritik an der damaligen Politik war, er spielte mit Querverweisen und Anspielungen, die sich nicht vor der „Großen Literatur“ zu verstecken brauchte und er gehörte mit zu den Autoren, die mit ihren Werken Comics als ernstzunehmende Literatur etablierten. Denn „Watchmen“ hat mit Donald Duck, Fix und Foxi und den normalen Superheldengeschichten (wir reden von den Achtzigern!) nichts gemein.

Die lange geplante Verfilmung kam 2009 in die Kinos und sie ist, zwar gut besetzt und mit atemberaubenden Bildern, gerade wegen ihrer sklavischen Werktreue gescheitert. Regisseur Zack Snyder gelingt nie ein eigenständiger Zugriff auf Moores Geschichte.

Das gelingt den jetzt auch bei uns veröffentlichten „Before Watchmen“-Comics viel besser. Bislang liegen „Rorschach“ (geschrieben von Brian Azzarello, gezeichnet von Lee Bermejo) und „Minutemen“ (von Darwyn Cooke) auf Deutsch vor und sie überzeugen als spannende Vorgeschichten zu Moores „Watchmen“, ohne den politischen Ballast, der als ätzende Zeitkritik heute doch etwas veraltet und ohne Erklärungen wahrscheinlich kaum nachvollziehbar ist.

Rorschach“ spielt 1977 vor und während des legendären Stromausfalls in New York, als die Stadt zunehmend unbewohnbarer wurde und Vigilanten wie Paul Kersey („Ein Mann sieht rot“) und „Taxi Driver“ Travis Bickle, unter den Augen einer jubelnden Bevölkerung, kaltblütig Verbrecher erschossen. Der Taxi Driver hat auch einen kurzen Auftritt in Brian Azzarellos Geschichte, in der Rorschach den „Barden“, einen Frauenmörder, jagt, der ein überraschend zäher Gegner für den Rächer mit der Maske ist.

Die spannende Vigilantengeschichte wurde von Lee Bermejo hübsch düster gezeichnet wurde und im Krimibereich ist „100 Bullets“- und „Jonny Double“-Autor Brian Azzarello eine verlässliche Noir-Größe.

Das komplette Gegenprogramm ist „Minutemen“, geschrieben und gezeichnet von Darwyn Cooke, der schon in seinen „The Spirit“-Geschichten gelungen die Vergangenheit aufleben ließ. „Minutemen“ erzählt, in poppig bunten Panels, über mehrere Jahrzehnte, die Geschichte der Minutemen, einer Gruppe von normalen Menschen, die sich ab 1939 als Superhelden verkleideten, gegen Verbrecher kämpften und den New Yorkern die nötige Hoffnung auf eine bessere Welt gaben. Auch wenn die über sie erzählten Geschichten mehr Fabeln als Reportagen waren.

In der Öffentlichkeit traten sie immer als Team auf, das sie in Wirklichkeit nie waren.

Und Darwyn Cooke kann über die Diskrepanz zwischen Realität und Wunsch und, weil er die Biographie der Minutemen anhand einer von Minutemen-Mitglied Hollis T. Mason, der ersten Nite Owl, 1962 geschriebenen Biographie über ihre gemeinsame Zeit erzählt, auch über die Bewahrung ihres Erbes nachdenken. Wie sehr soll der Mythos erhalten bleiben oder die Minutemen als ein sehr gewöhnlicher, eher chaotischer Haufen von Aufschneidern entmystifiziert werden? Ein Frage, die schon den „Mann, der Liberty Valance erschoss“ beschäftigte.

Das ist auch, wenn auch vielleicht nicht so deutlich, ein Thema von „Rorschach“ und von „Watchmen“. Insofern sind die von Brian Azzarello und Darwyn Cooke geschriebenen Geschichten gelungen Ergänzungen zu Alan Moore und Dave Gibbons‘ „Watchmen“.

Darwyn Cooke: Before Watchmen: Minutemen

(übersetzt von Peter Thannisch)

Panini, 2013

176 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Minutemen (Chapter One – Six)

DC Comics, August 2012 – März 2013

Brian Azzarello/Lee Bermejo: Before Watchmen: Rorschach

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

104 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four)

DC Comics, Oktober 2012 – April 2013

Die „Before Watchmen“-Geschichten

Rorschach (von Brain Azzarello und Lee Bermejo)

Minutemen (von Darwyn Cooke)

Comedian (von Brian Azzarello und J. G. Jones) (erscheint im Juli)

Nite Owl (von J. Michael Straczynski, Andy Kubert und Joe Kubert) (erscheint im August)

Ozymandias (von Len Wein und Joe Lee) (erscheint im September)

Silk Spectre (von Darwyn Cooke und Amanda Conner) (erscheint im Oktober)

Dr. Manhattan (von J. Michael Straczynski und Adam Hughes) (erscheint im November)

Crimson Corsair (von Len Wein und John Higgins) (erscheint im Dezember)

Hinweise

DC über „Before Watchmen“

Panini über „Before Watchmen“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos „Wonder Woman: Blut (Band 1)“ (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Comic „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)


TV-Tipp für den 31. Mai: Payback – Zahltag

Mai 31, 2013

RTL II, 22.40

 

Payback – Zahltag (USA 1999, R.: Brian Helgeland)

 

Drehbuch: Brian Helgeland, Terry Hayes

 

LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

 

Porter will seine 70 Riesen zurückhaben. Nur sein Kumpel Val, der ihn einige Kugeln in den Rücken verpasste und mit Porters Frau verschwand, und die Mafia haben etwas dagegen.

 

Ziemlich missratene, zwischen allen Stühlen sitzende, brutale Neuverfilmung von Richard Starks (ein Pseudonym von Donald Westlake) erstem Parker-Roman, die nie auch nur annähernd die Qualität von John Boormans „Point Blank“ (mit Lee Marvin) erreicht. Die Gründe sind u. a. verschiedene Auffassungen über die Hauptrolle zwischen Helgeland und Gibson (der deshalb Teile neu drehen lies), die Scherze sind nicht witzig und der Action-Overkill ist für einen einen kleinen, düsteren Gangsterfilm zu viel, aber für einen Action-Film zu wenig.

 

Jahre später gab es den “Director’s Cut”, der sich sehr vom Kinofilm unterscheidet.

 

Mit Mel Gibson, Gregg Henry, Lucy Liu, Kris Kristofferson, William Devane, Deborah Kara Unger

 

Wiederholung: Samstag, 1. Juni, 00.30 Uhr (Taggenau!)

 

Hinweise

 

Homepage von Donald E. Westlake

 

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

 

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

 

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

 

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

 

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

 

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

 

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

 

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)


Endlich auf Deutsch: „Parker“ – Darwyn Cookes erster Parker-Comic

März 27, 2013

Cooke - Parker - 2

Jetzt wird’s langsam etwas unübersichtlich. Denn die jetzt auf Deutsch veröffentlichte Graphic Novel „Parker“ von Darwyn Cooke hat, außer dem Helden, nichts mit der gerade im Kino gestarteten Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ zu tun. Taylor Hackfords gelungener Film basiert nämlich auf dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire, 2000) von Richard Stark. Darwyn Cookes Comic auf „Jetzt sind wir quitt“ (The Hunter, 1962) von Richard Stark.

In „The Hunter“ trat Parker vor über fünfzig Jahren zum ersten Mal auf und im Manuskript starb der Held auch, entsprechend den damaligen Konventionen, dass Verbrechen sich nicht lohne, am Ende. Der Verleger fragte Donald Westlake, der den Roman unter einem Pseudonym schrieb, ob am Ende Parker überleben könne. Westlake sagte „ja“ und niemand konnte damals ahnen, dass damit eine der langlebigen Serien, mit etlichen Verfilmungen, begann. „The Hunter“ wurde zweimal verfilmt: einmal grandios von John Boorman als „Point Blank“ mit Lee Marvin; einmal nicht so grandios von Brian Helgeland als „Payback – Zahltag“ mit Mel Gibson. Denn Parker ist wirklich kein liebenswerter Zeitgenosse. Er ist ein Profiverbrecher, der seine Jobs cool und effizient durchzieht. Für seine Ziele geht er skrupellos über Leichen und Darwyn Cooke zeigt auch das in seinem Comic, der dem Roman (aus der Erinnerung) sehr genau folgt.

Es beginnt mit einer doppelseitigen Ansicht von Manhattan 1962. Danach beobachten wir, wie Parker ziemlich stinkig über die George-Washington-Bridge nach Manhattan marschiert und sich einen Grundstock an Geld und Papieren zusammenklaut. Erst auf Seite 20 sehen wir zum ersten Mal sein Gesicht in einem Spiegel. Er ähnelt Jack Palance, einem heute fast vergessenem Tough-Guy-Schauspieler, der dreimal für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert war. Und bis er einige Seiten später Lynn ohrfeigt, erzählen die Schwarz-Weiß-Blauen, fast schon abstrakten Zeichnungen von Darwyn Cooke die Geschichte mit archaischer Wucht. Erst jetzt erfahren wir auch, was Parker nach Manhattan getrieben hat und warum er so stinkig ist: er wurde von Mal nach einem Überfall hereingelegt, um seinen Anteil an der Beute betrogen und Lynn sollte ihn, erpresst von Mal, erschießen. Fast hätte sie Erfolg gehabt.

Parker will jetzt seinen Anteil an der Beute wieder haben – und dafür legt er sich auch mit der Mafia an. Denn Mal bezahlte mit dem Geld seine Schulden bei der Mafia.

Als vor vier Jahren vertrauenswürdige Noir-Comicautoren wie Ed Brubaker „The Hunter“ in den höchsten Tönen lobten und die ersten Bilder aus dem Comic im Netz auftauchten, war ich gespannt. Immerhin schrieb und zeichnete Darwyn Cooke unmittelbar davor einige fantastische, poppig-bunte „The Spirit“-Geschichten, die absolut keine Ähnlichkeit mit dem komplett vergurkten Film haben, und die ersten Seiten sahen fantastisch aus.

Die gesamte, erst jetzt übersetzte Geschichte (sie war schon für 2011 angekündigt) hält dem Versprechen der ersten Seiten, mit ihrer vorantreibenden und sehr stimmigen Mischung aus Bild und Text, stand. „Parker“ ist ein grandioser, stilbewusster Noir-Comic, in dem Darwyn Cooke Parker so grimmig zeichnet, wie Richard Stark ihn geschrieben hat und der in dieser Geschichte skrupellos mehrere Menschen umbringt.

Darwyn Cooke schrieb bis jetzt insgesamt fünf Parker-Comics – und ich freue mich schon auf die weiteren Auftritte von dem „Mistkerl“ (Stark über Parker).

Darwyn Cooke: Parker

(übersetzt von Stephanie Grimm)

Eichborn, 2013

144 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Richard Stark’s Parker – The Hunter

IDW Publishing, 2009

Vorlage

Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

Hinweise

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

 


„Eiskalt erwischt“ von Dan Simmons

März 15, 2013

Simmons - Eiskalt erwischt - 2

Am bekanntesten ist Dan Simmons als Science-Fiction-, Horror-, Fantasy- und Thriller-Autor; wobei „Thriller“ ja irgendwie alles und nichts ist und Dan Simmons auch gerne ein spannendes Genre-Crossover macht. Aber auch als waschechter Krimiautor reüssierte er mit den drei Joe-Kurtz-Romanen, in denen er so richtig hardboiled Hardboiled sein wollte und kein Kapitel länger als fünf Seiten sein sollte.

Nun, die Kapitel in „Eiskalt erwischt“ sind verdammt kurz. Die in zwei Monaten geschriebene, sich wendungsreich in einem halsbrecherischem Tempo voranbewegende Geschichte ist ebenfalls kurz. Halt in der idealen Pulp-Länge. Und der Protagonist Joe Kurtz ist mehr Mike Hammer, als Mike Hammer jemals Mike Hammer war.

Im ersten Kapitel wirft er den Mörder seiner Partnerin aus dem Fenster eines Hochhauses auf das Dach eines Polizeiautos. Nach elf Jahren wird er aus Attica auf Bewährung entlassen und, weil er als Sträfling keine Privatdetektiv-Lizenz mehr erhält, eröffnet er im Keller eines Porno-Ladens mit Arlene Demarco als seiner Sekretärin eine Detektei, die sich nicht so nennt, und er besorgt sich seinen ersten Auftrag bei dem alten Mafiaboss Don Farino. Er will den Mord an dem Buchhalter der Familie aufklären. Dabei räumt er gleichzeitig unter den Gangstern von Buffalo, New York auf.

Eiskalt erwischt“ ist ein Fest für die Freunde eines guten, düsteren Privatdetektiv-Thrillers, der gleichzeitig eine äußerst gelungene Hommage an die Pulp-Tradition ist.

Simmons widmete „Eiskalt erwischt“ Richard Stark und dessen Held, der eiskalte Profi-Dieb Parker, diente ihm auch als eine Inspirationsquelle für Joe Kurtz. Beide verfolgen, obwohl sie auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen, ihre Ziele ähnlich kompromisslos.

Und, wie er in einem Interview mit Writers Write sagte, als Leitfaden für schnörkelloses Erzählen und gutes Plotting diente ihm Richard Stark:

Whenever I get poisoned by reading too much pretentious writing, overblown prose carrying too-little freight, and serious, self-conscious lit’ry posturing, I would read a Parker-the-thief novel and remember how lean and mean and clean good prose can be. In creating „Joe Kurtz,“ I imagined that Parker might have sewn a few wild oats back in the late 1960s, and Kurtz might be that illegitimate child of Parker. Kurtz certainly isn’t as realized as Parker as a character, but I hope he shares some of the same unstoppable-machine quality when he’s double-crossed.

Tja, hm, Lesebefehl für „Eiskalt erwischt“ – und schön, dass sich endlich ein deutscher Verleger für die hochgelobte PI-Serie gefunden hat. Schade, dass Dan Simmons nach drei Romanen Joe Kurtz in Rente schickte.

Dan Simmons: Eiskalt erwischt

(übersetzt von Michael Plogmann)

Festa, 2012

336 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Hardcase

St. Martin’s Press, 2001

Die Joe-Kurtz-Trilogie

Hardcase, 2001 (Eiskalt erwischt)

Hard Freeze, 2002 (Bitterkalt [angekündigt für März 2013])

Hard as Nails, 2003 (Kalt wie Stahl [angekündigt für Sommer 2013])

Hinweise

Homepage von Dan Simmons

Thrilling Detective über Joe Kurtz

Writers Write: Ausführliches Interview mit Dan Simmons (September 2001 – und daher über „Eiskalt erwischt)

Evolver: Martin Compart über Dan Simmons

Evolver: Martin Compart spricht mit  Interview mit Verleger Frank Festa über „Festa Crime“

Und noch einige weitere Tipps und Hinweise

Ideal für ein langes Wochenende – ein sehr langes, langes Wochenende – ist die gerade erschienene Ausgabe von „Die Hyperion-Gesänge“, der Science-Fiction-Saga, mit der Dan Simmons bekannt wurde und für die er den Hugo und Locus-Preis erhielt und für den Nebula-Preis nominiert war.

Simmons - Die Hyperion-Gesänge - 2

Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge

(übersetzt von Joachim Körber, mit einem Nachwort von Sascha Mamczak)

Heyne, 2013

1408 Seiten

18,99 Euro

enthält

Hyperion (Hyperion, 1989)

Der Sturz von Hyperion (The Fall of Hyperion, 1990)

Bei Festa sind auch einige andere Bücher einen Blick wert:

Wilson - Die Gruft - 2Wilson - Der Erbe - 2

Fans von Handyman Jack (im Original „Repairman Jack“ und ich habe keine Ahnung, wer auf die Idee kam, aus einem Repairman einen Handyman zu machen) dürfen sich freuen. Er ist, hm, kurz und plakativ gesagt, der ältere Bruder von Jack Reacher, aber mit übernatürlichen Gegnern. Mit „Die Gruft“ und „Der Erbe“ gibt es eine Neuausgabe und ein neueres Abenteuer mit ihm.

Die Gruft“ ist der erste von F. Paul Wilson geschriebene Handyman-Jack-Thriller, ein Teil des Adversary-Zyklus (in diesem Zyklus erschien der Roman ursprünglich und macht damit die Handyman-Jack-Thriller zu einem Spin off) und, so Stephen King: „’Die Gruft‘ ist einer der radikalsten Action-Romane, den ich in den letzten Jahren gelesen habe.“ In dem Thriller sucht Handyman Jack die verschwundene Tante seiner Freundin und eine von einem Inder geraubte Halskette. Dabei stößt er auf einen jahrhundertealten Fluch und eine Brut höllischer Wesen. „Die Gruft“ erschien vor Jahren schon einmal im Goldmann Verlag und, mit einem anderen Cover, bei Festa.

Der Erbe“ erschien im Original bereits 2006. Aber erst jetzt auf Deutsch. Der vorherige Handyman-Jack-Roman „Das Höllenwrack“ (Infernal, 2005) erschien 2007 bei Blanvalet.

In „Der Erbe“ sucht Handyman Jack eine verschwundene Vierzehnjährige. Dabei stößt er auf zwei sich bekämpfende übernatürliche Mächte, für die Menschen in der Nahrungskette ungefähr auf der Stufe von Schmeißfliegen stehen.

Der elfte Handyman-Jack-Thriller „Das Blutbad“ ist für September angekündigt und seitdem sind in den USA weitere Handyman-Jack-Romane erschienen.

F. Paul Wilson: Die Gruft – Der 1. Handyman Jack Thriller

(übersetzt von Michael Plogmann)

464 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

The Tomb

Whispers Press, 1984

F. Paul Wilson: Der Erbe – Der 10. Handyman Jack Thriller

(übersetzt von Michael Plogmann)

480 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Harbingers

Tor/Forge Books, 2006

Hinweise 

Homepage von F. Paul Wilson

Thrilling Detective über Repairman Jack (aka Handyman Jack)

Evolver: Martin Compart über F. Paul Wilson

Phantastik-Couch über F. Paul Wilson

Krimi-Couch über F. Paul Wilson

Meine Besprechung von F. Paul Wilsons „Das Höllenwrack“ (Infernal, 2005)

F. Paul Wilson in der Kriminalakte

Lee - Creekers - 2Lee - Flesh Gothic

Für die härteren Gemüter gibt es die Romane von Edward Lee (der auch einige Male mit Jack Ketchum zusammen arbeitete), die in der „Horror“-Reihe von Festa erscheinen. Richard Laymon sagt: „Edward Lee – das ist literarische Körperverletzung!“ Der Verlag sagt über Lee: „Er gilt als obszöner Provokateur und führender Autor des ‚Extreme Horror‘.“

In „Creekers“ kehrt Ex-Polizist Phil Straker in seinen Geburtsort, das Kaff Crick City, zurück. Dort sucht er ein vermisstes Mädchen und entdeckt im Wald die Creekers, einen Clan, der seit Jahrhunderten fernab jeglicher Zivilisation in Inzucht lebt und über den es schlimme Gerüchte gibt. Aber, so muss Straker erfahren, die Wahrheit ist noch schlimmer.

In „Flesh Gothic“ besuchen wir das Luxusanwesen von Reginald Hildreth in Florida. Nach einer Dämonenbeschwörung ist der Hausherr spurlos verschwunden und von den 26 Gästen sind nur noch Fleischfetzen vorhanden. Hildreths Frau will mit einer Gruppe übersinnlich begabter Menschen herausfinden, was in dem Haus geschah.

Edward Lee: Creekers

(übersetzt von Ben Sonntag)

Festa, 2012

416 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Creekers

Zebra Books, 1994

Edward Lee: Flesh Gothic

(übersetzt von Michael Krug)

Festa, 2012

448 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Flesh Gothic

Necro Publications, 2004

Slade - Der Kopfjäger - 2

Die Joe-Kurtz-Romane von Dan Simmons erscheinen bei Festa in deren neuer „Crime“-Reihe, deren erster Band „Der Kopfjäger – Der 1. Special X Thriller“ von Michael Slade ist. In dem, im Original bereits 1984 erschienenem, Thriller werden in Vancouver mehrere Frauen enthauptet. Erst als Superintendent Robert DeClercq und sein Team auf einen alten Indianerfluch und eine Verbindung zu einem Voodoo-Kult in New Orleans stoßen, haben sie eine heiße Spur.

Slade veröffentlichte bis heute 17 Special-X-Romane. Für „Mountie Noir“-Nachschub ist also gesorgt.

Und, damit keiner sagen konnte, er wurde nicht gewarnt: Der zweite vom Goldmann Verlag in den Achtzigern veröffentlichte Roman von Michael Slade landete auf dem Index.

Michael Slade: Der Kopfjäger – Der 1. Special X Thriller

(übersetzt von Heinz Zwack)

Festa, 2012

528 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Headhunter

Signet, 1984

Nachtrag (26. März 2013): Weil der Postbote keine Benachrichtigung in meinen Briefkasten legte, habe ich diese beiden Bücher, die ich natürlich bei der Veröffentlichung dieses Textes erwähnt hätte, erst jetzt erhalten:

Der zweite Joe-Kurtz-Thriller ist draußen

Simmons - Bitterkalt - 2

Dan Simmons: Bitterkalt

(übersetzt von Manfred Sanders)

Festa, 2013

384 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Hard Freeze

St. Martin’s Press, 2002

Der zweite „Special X“-Thriller ist auch draußen

Slade - Der Ghoul - 2

Michael Slade: Der Ghoul

(übersetzt von Heinz Zwack)

Fest, 2013

512 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Ghoul

W. H. Allen, 1987


TV-Tipp für den 12. Februar: Im Schatten

Februar 12, 2013

3sat, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Petr Kurth, David Scheller

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans “Im Schatten”


Verfilmte Bücher: „Irgendwann gibt jeder auf“ ist „Parker“

Februar 6, 2013

Stark - Irgendwann gibt jeder auf2

Parker, kein Vorname, ist eigentlich kein richtiger Charakter, kein Mensch, sondern ein Prinzip. Deshalb konnte Richard Stark, der Erfinder von Parker, seinen skrupellosen Dieb, den er nach sechzehn Romanen, die zwischen 1962 und 1974 erschienen, in den Tiefschlaf schickte, nach einer dreiundzwanzigjährigen Pause 1997 mit „Comeback“ (Verbrechen ist Vertrauenssache) wieder an dem Punkt weitermachen lassen, an dem er 1974 die Welt verließ. Er zog einfach einen neuen Coup durch, es gab Probleme, Parker löste sie mit mehr oder weniger viel Gewalt und am Ende konnte er, wie früher, mehr oder weniger unverletzt, mal mit, mal ohne Beute entkommen.

Seit dem „Comeback“ erschienen bis zu Starks Tod am 31. Dezember 2008 insgesamt acht weitere Parker-Bände, die immer spannende, kurzweilige Hardboiled-Literatur sind.

In „Irgendwann gibt jeder auf“, das 2000 als „Flashfire“ im Original als dritter neuer Parker-Band erschien, hat Parker Ärger mit Melander, Carlson und Ross. Nach einem Banküberfall wollen sie Parker überreden, bei ihrem nächsten großen Ding, einem Juwelenraub von 12 Millionen Dollar, Minimum!, in Palm Beach, mitzumachen. Parker lehnt ab: „Polizei, Sicherheitsdienste, Wachmänner, Posten, wahrscheinlich Hunde, mit Sicherheit Hubschrauber, Metalldetektoren, die ganze Latte. Und das dann noch in Palm Beach, wo es mehr Polizei pro Quadratkilometer gibt als irgendwo sonst auf der Welt. Die sind alle reich in Palm Beach, und sie wollen reich bleiben. Außerdem ist es eine Insel, mit drei schmalen Brücken; den Ort kann man absolut dichtmachen, wie in Folie eingeschweißt.“ Er will nur seinen Anteil. Ein paar Tausend Dollar. Weil die anderen das Geld allerdings als Startkapital benötigen, nehmen sie es sich von Parker und lassen ihn in einem Motelzimmer zurück.

Parker kann diesen Vertragsbruch nicht akzeptieren. Er macht sich auf den Weg nach Palm Beach.

Irgendwann gibt jeder auf“ ist ein klassischer Parker-Roman und weil Richard Stark (ein Pseudonym von Donald E. Westlake), bis auf wenige, vernachlässigbare Ausnahmen und Details, ganz altmodisch seinen Helden einfach nur verschiedene Abenteuer erleben lässt, kann man die Romane auch unabhängig voneinander lesen und sich daran erfreuen, wie in einer durchkapitalisierten, utilitaristischen Welt ein Verbrecher, der seinem Moralcodex gehorcht, versucht zu überleben.

Dabei unterscheidet sich Parkers Kodex kaum von dem der anderen Verbrecher, außer dass er als Profi zu seinem Wort steht und Gewalt nur als ein rationales Mittel einsetzt, um seine Ziele zu erreichen. Wenn er ohne Gewalt seine Ziele erreichen kann, tut er es. Denn er will, als kleiner Unternehmer, als Einzelner, der bei Bedarf mit anderen Verbrechern zusammen arbeitet, vor allem möglichst unauffällig sein Geld in einer Welt, die zunehmend von großen Gruppen dominiert wird, verdienen. Und in diesen Momenten werden die auf den ersten Blick kleinen Gaunergeschichten, die man locker an ein, zwei Abenden lesen kann, zu tiefschwarzen Allegorien auf die US-amerikanische Gesellschaft und den Überlebenskampf des Einzelnen, der noch an Werte glaubt, während die großen Konzerne (einerlei ob Bank, Mafia oder Multinationaler Konzern) gewissenlos alle Schlupflöcher ausnutzen.

Und genau diesen Punkt nimmt Taylor Hackfords Verfilmung von „Irgendwann gibt jeder auf“, die ab Donnerstag als „Parker“ im Kino läuft, auf. „Parker“ ist letztendlich ein feiner Genrefilm, der sich, was für Parker-Fans nicht überraschend kommt, einige Freiheiten nimmt.

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000

Verfilmung

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte

Kinostart: 7. Februar 2013

Hinweise (ein gewisses Fantum ist unübersehbar)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)


Wer hat „Irgendwann gibt jeder auf“ gewonnen?

Januar 28, 2013

Stark - Irgendwann gibt jeder auf4

Die Verlosung ist rum, die Gewinner sind benachrichtigt und die Pakete sind bei der Post.

Rolf W. aus Erlangen

Mechthild H. aus Ingolsstadt

Tanja H. aus Wernberg-Köblitz

dürfen sich über ein Exemplar von Richard Starks tollem Parker-Gangsterthriller „Irgendwann gibt jeder auf“ freuen.

Die anderen müssen den Buchhändler ihres Vertrauens besuchen.

Der Kinostart der gelungenen Verfilmung „Parker“ von Taylor Hackford mit Jason Statham in der Hauptrolle ist am 7. Februar.

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000 (Hardcover)

Verfilmung

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte

Kinostart: 7. Februar 2013

Hinweise (ein gewisses Fantum ist unübersehbar)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

 


TV-Tipp für den 23. November: Payback – Zahltag

November 23, 2012

RTL II, 22.50

Payback – Zahltag (USA 1999, R.: Brian Helgeland)

Drehbuch: Brian Helgeland, Terry Hayes

LV: Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

Porter will seine 70 Riesen zurückhaben. Nur sein Kumpel Val, der ihn einige Kugeln in den Rücken verpasste und mit Porters Frau verschwand, und die Mafia haben etwas dagegen.

Ziemlich missratene, zwischen allen Stühlen sitzende, brutale Neuverfilmung von Richard Starks (ein Pseudonym von Donald Westlake) erstem Parker-Roman, die nie auch nur annähernd die Qualität von John Boormans „Point Blank“ (mit Lee Marvin) erreicht. Die Gründe sind u. a. verschiedene Auffassungen über die Hauptrolle zwischen Helgeland und Gibson (der deshalb Teile neu drehen lies), die Scherze sind nicht witzig und der Action-Overkill ist für einen einen kleinen, düsteren Gangsterfilm zu viel, aber für einen Action-Film zu wenig.

Jahre später gab es den „Director’s Cut“, der sich sehr vom Kinofilm unterscheidet.

Mit Mel Gibson, Gregg Henry, Lucy Liu, Kris Kristofferson, William Devane, Deborah Kara Unger

Wiederholung: Samstag, 24. November, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

 


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