Sascha Mamczak macht sich Gedanken über „Die Zukunft“

Juni 11, 2014

Mamczak - Die Zukunft - 2

Wer in Büchern das Kleingedruckte liest und wer Vorworte liest, dem sagt Sascha Mamczak etwas. Er ist nämlich seit über zehn Jahren der Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, die es jetzt schon über ein halbes Jahrhundert gibt; was deutlich länger ist, als die Krimireihen bei verschiedenen Verlagen. Dabei gelingt der Heyne-Science-Fiction-Reihe immer noch der Spagat zwischen Klassikern, literarischer Science-Fiction (also den Romanen, die auch die minimale Chance auf eine Besprechung im Feuilleton haben), Weltraumopern und aktuellen Trends (wie Zombies und Genre-Mischformen), zwischen bekannten Namen und Neuentdeckungen. Als Liebhaberprojekt erscheint dort seit fast dreißig Jahren das Jahrbuch „Das Science-Fiction-Jahr“. Die nächste Ausgabe ist für August angekündigt und wird, wie die vorherigen Bände, von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, dem legendären und langjährigen Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, herausgegeben.
Vor dem Jahrbuch machte Sascha Mamczak sich in dem schmalen Band „Die Zukunft – Eine Einführung“, der auch als Begleitband zu der Jubiläumsausgabe von fünf Neuauflagen von Science-Fiction-Klassikern, dient, Gedanken über die Zukunft. Also nicht seine persönliche Zukunft, sondern darüber was der Begriff „Zukunft“ im Gegensatz zu „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ bedeutet. In dem Essay versucht er den Begriff zu klären und stellt dabei verschiedene wissenschaftliche und literarische Konzepte vor. Er leitet den Begriff historisch her, von Gesellschaften, die noch keine Vorstellung von Zukunft hatten, hin zu Gesellschaften, die die Zukunft gestalten wollen. Es gibt auch einen sehr kurzten Ritt durch die Geschichte der Science-Fiction-Literatur und einige Bemerkungen zur Zukunftsforschung.
Das ist vor allem in der ersten Hälfte, wenn Mamczak versucht, den Begriff zu klären, mühsam zu lesen. Denn wie soll man etwas erklären, das man nicht wirklich erklären kann? Dass in diesen Momenten der Gedanke und die Argumentation nicht besonders klar ist und dass Mamczak in schönster deutscher Tradition Bandwurmsätze schreibt (wie ich jetzt), hilft in diesen Kapiteln nicht. In der zweiten Hälfte, wenn er auch eine kleine Literaturgeschichte schreibt und chronologisch voranschreitet, wird es besser. Hier gibt es zahllose, den Fans bekannte Beispiele aus der Literatur und wie diese mit der Wirklichkeit zusammenhängen. Vor allem natürlich als Utopien, die mal eine „Brave New World“, mal „1984“ zeichneten, auch mal hoffnungsvoll utopisch waren und die alle irgendwie die Zukunft vorhersahen. Jedenfalls Teile davon. Trotzdem irrten Science-Fiction-Autoren und Zukunftsforscher sich auch oft. Wobei manche Irrtümer auch erfolgreiche Warnrufe gewesen sein können, wie der legendäre Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums.
Dank der Kürze ist „Die Zukunft – Eine Einführung“ eine schnelle und auch inspirierende Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Es ist allerdings kein Begleitbuch zu den fünf „Bücher, die Zukunft machen“, die gleichzeitig als Jubiläumsausgaben erschienen. Mamczak erwähnt sie – außer William Gibsons „Neuromancer“ (enthalten in „Die Neuromancer-Trilogie“) – überhaupt nicht. Es ist ein Essay, das sich schreibend seinem Begriff nähert und versucht diesen schreibend zu erfassen. Das ist allerdings ein philosphischer Stil, der mir nicht sonderlich gefällt, weil er zum mäandern einladt.
Wie dieser Text.

Sascha Mamczak: Die Zukunft – Eine Einführung
Heyne, 2014
112 Seiten
8,99 Euro

Die „Bücher, die Zukunft machen“
Zum fünfzigjährigem Bestehen der Heyne-Science-Fiction-Reihe gibt es einige Science-Fiction-Klassiker mit einem neuen Umschlag. Science-Fiction-Fans dürften die Romane schon in mindestens einer Ausgabe in ihrem Regal stehen haben. Etliche erschienen auch 2000 zum vierzigjährigem Bestehen der Reihe, damals noch mit Vorworten von bekannten Science-Fiction-Autoren, wie Stephen Baxter, Jack Womack, Kim Stanley Robinson, Ben Bova, Davd Brin und Norman Spinrad.
In der Edition „50 Jahre Science Fiction bei Heyne“ (wie der Sticker verrät) sind jetzt erschienen:

Le Guin - Die linke Hand der Dunkelheit - 2014 - 2Haldeman - Der ewige Krieg - 2014 - 2
Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit
Joe Haldeman: Der ewige Krieg

Gibson - Die Neuromancer-Trilogie - 2014 - 2Banks - Bedenke Phlebas - 2014 - 2
William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie
Iain Banks: Bedenke Phlebas

Glukhovsky - Metro 2033 - Metro 2034 - 2014 - 2
Dmitry Glukhovsky: Metro 2033/Metro 2034
Eine feine Auswahl und ein guter Einstieg in die Welt der Zukunftsliteratur.

Hinweise

„Die Zukunft“ bloggt bei Heyne

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2013“

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Buch- und DVD-Kritik: Die China-Miéville-Verfilmung „The City & The City“

März 6, 2019

Die Idee ist gleichzeitig faszinierend und idiotisch und innerhalb des Romans und der Verfilmung als vierteilige TV-BBC-Miniserie funktioniert sie ausgezeichnet. Denn die Städte Beszel und Ul Qoma sind zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Sie sind miteinander verfeindet. Die Bewohner der einen Stadt dürfen die Bewohner der anderen Stadt nicht sehen. Ihr ganzes Leben üben und praktizieren sie dieses Nicht-Sehen. Selbstverständlich dürfen sie auch keine Beziehungen zu einem Bewohner der anderen Stadt haben und sie dürfen die andere Stadt auch nicht betreten (Okay, hier gibt es einige wenige Ausnahmen).

Und dann gibt es noch eine alte Legende, dass neben Beszel und Ul Qoma noch eine dritte Stadt, genannt Orciny, auf dem gleichen Gebiet läge, aber die Bewohner von Beszel und Ul Ooma die Bewohner von Orciny nicht sähen.

In dem Moment fragte ich mich nicht mehr, wie es den Bewohner von Beszel und Ul Qoma gelingt, nicht ständig ineinander zu laufen und Autounfälle zu verursachen, sondern wie überbevölkert die Stadt sein muss, wenn gleichzeitig die Bewohner von drei Städten sich nicht wahrnehmen dürfen.

Aber man kann Beszel und Ul Qoma auch einfach als interpretationsoffene Metapher sehen. Schließlich übersehen und ignorieren wir täglich Menschen und Dinge.

Außerdem ist „Die Stadt & Die Stadt“ ein von China Miéville geschriebener Science-Fiction-Roman. Dass er sein Gedankenexperiment in der Gegenwart spielen lässt und die beiden Städte mehr oder weniger unpräzise nach Osteuropa verlegt (im Roman schreibt er nie, wo die Städte genau liegen, aber durch die verschiedenen Wege, wie man die Städte besuchen kann, ist das ungefähr die Lage der Städte), ändert daran nichts.

Die in schönster Hardboiled-Tradition von Kommissar Tyador Borlú (David Morrissey) erzählte Geschichte beginnt mit einer toten Frau, deren Name und Wohnort zunächst unbekannt sind. Seine Ermittlungen ergeben, dass sie Mahalia Geary heißt und in Ul Qoma als Doktorandin an einer historischen Forschungsstätte arbeitete. Die vierundzwanzigjährige, amerikanische Doktorandin glaubte an die Theorie, dass es noch die dritte Stadt Orciny gebe. Und sie versuchte sie zu beweisen. Diese Theorie verfocht Professor David Bowden in seinem im Roman weniger, im Film mehr verbotenem Buch „Zwischen der Stadt und der Stadt“. Inzwischen distanziert er sich von seinem Buch.

Aufgrund der strengen Regeln, die das Leben zwischen Beszel und Ul Qoma regeln, hätte Geary niemals, weder tot noch lebendig, in Beszel sein dürfen. Es ist ein Grenzbruch, der damit in die Zuständigkeit von Ahndung fällt. Ahndung ist eine mächtige, niemals von den Bewohnern von Beszel und Ul Qoma gesehene Polizeieinheit, die sich in und zwischen den beiden Städten bewegen darf. Ihre Aufgabe ist es Menschen, die ohne Erlaubnis die Grenze ignorieren, zu verhaften und zu bestrafen.

Aber Ahndung will den Fall nicht übernehmen. Stattdessen erhält Borlú die Erlaubnis, in Ul Qoma zu ermitteln.

Spätestens in dem Moment wissen gestandene Krimifans, dass Borlú nicht in einem einfachen Mordfall ermittelt.

Miévilles SF-Krimi räumte nach seinem Erscheinen 2009 bei den wichtigen Science-Fiction-Preisen groß ab. Er wurde mit dem Arthur C. Clarke Award, dem Hugo Award als Bester Roman, dem Locus Award als Best Fantasy Novel, dem World Fantasy Award, dem BSFA Award (der British Science Fiction Association), dem Kitschies Red Tentacle und dem deutschen Kurd-Laßwitz-Preis als bester ausländischer SF-Roman ausgezeichnet. Außerdem war er für den Nebula Award und den John W. Campbell Memorial Award nominiert.

Tom Shankland, der für „Dirk Gently“, „Ripper Street“, „The Missing“, „House of Cards“, „The Punisher“ und, aktuell, die Miniserie „Les Misérables“ Regie führte, verfilmte Miévilles Roman jetzt als vierstündige Miniserie.

Drehbuchautor Tony Grisoni schrieb bereits die Bücher für die „Red Riding“-Trilogie (basierend auf den unverfilmbaren Romanen von David Peace) und, zusammen mit Terry Gilliam, „Fear and Loathing in Las Vegas“, „Tideland“ und „The Man Who Killed Don Quixote“.

Kameramann Stephan Pehrsson hatte die Aufgabe, Miévilles Vision in Bilder zu übersetzen, die eben dieses Nicht-Sehen illustrieren. Das gelingt ihm, indem er mit der Schärfe spielt. Außerdem unterscheiden sich in beiden Orten die Farben, Architektur und Kleider. Immer wieder in einem Bild. Optisch orientiert sich die Miniserie an „Blade Runner“ und Bildern, die man aus ebenso beklemmenden Kalter-Kriegs-Filmen kennt. Die aus allen Nähten platzende Filmstadt sieht wie eine nicht genau spezifizierbare osteuropäisch-asiatische Metropole aus, in der zu viele Menschen in einem zu engem Raum miteinander auskommen müssen. Eine Außenwelt gibt es, im Gegensatz zum Roman, nicht mehr. Dass die Miniserie in Manchester und Liverpool gedreht, will man angesichts dieser Bilder nicht glauben.

Zugunsten dieser rundum überzeugenden Inszenierung wurde die Story, die gegenüber dem Roman durchaus eigene Wege beschreitet, vernachlässigt. So verfolgt man, emotional involviert wie ein Insektenforscher, die Ermittlungen und die persönliche Reise von Borlú, der auf dem Papier genug Probleme und Konflikte für mindestens zwei Serien hat. Dabei unterscheiden sich im Roman und im Film Borlús Probleme.

Am Ende ist die Miniserie „The City & The City“ ist optisch überzeugendes, emotional nie wirklich packendes SF-TV-Kino.

P. S.: in „Das Science Fiction Jahr 2010“ (herausgegeben von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke) gibt es ein von Uwe Kramm mit China Miéville geführtes Interview zu seinem Roman „Die Stadt & Die Stadt“. Wer das Buch in die Finger bekommt, sollte das Interview lesen.

The City & The City (The City & The City, Großbritannien 2018)

Regie: Tom Shankland

Drehbuch: Tony Grisoni

LV: China Miéville: The City & The City, 2009 (Die Stadt & Die Stadt)

mit David Morrissey, Mandeep Dhillon, Maria Schrader, Lara Pulver, Christian Camargo, Ron Cook, Danny Webb, Morfyod Clark, Andrea Deck, Paprika Steen, Corey Johnson

DVD

Pandastorm

Bild: 2,66:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch/Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: –

Länge: 240 Minuten (4 Folgen à 60 Minuten) (2 DVD)

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

China Miéville: Die Stadt & Die Stadt

(übersetzt von Eva Bauche-Eppers)

Bastei-Lübbe, 2010

432 Seiten

7,99 Euro (E-Book)

Taschenbuch nur noch antiquarisch erhältlich.

Originalausgabe

The City & The City

Macmillan, 2009

Hinweise

BBC über „The City & The City“

Moviepilot über „The City & The City“

Rotten Tomatoes über „The City & The City“

Wikipedia über „The City & The City“ (deutsch, englisch) und China Miéville (deutsch, englisch)

Blog von China Miéville

Meine Besprechung von Tom Shanklands „The Fades“ (The Fades, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Tom Shanklands „Ripper Street – Staffel 1“ (Ripper Street, Großbritannien 2012)


„Das Science Fiction Jahr 2015“ auf dem „Weg zum Mars“

Dezember 2, 2015

Das Science Fiction Jahr 2015 - 2Mamczak - Pirling - Der Weg zum Mars

Dass Science-Fiction oft mehr mit Fiction als mit Science zu tun hat, wissen Science-Fiction-Fans natürlich auch ohne den äußerst beliebten Krieg der Sterne. Dennoch interessiert sie immer auch der wissenschaftliche Teil und zwischen Erfindungen aus Science-Fiction-Welten (wie der grandiosen „Raumschiff Enterprise“-Idee mit dem Beamen) und den wissenschaftlichen Entdeckungen und Erfindungen besteht, wie bei kommunizierenden Röhren, ein Zusammenhang. So tummelten sich früher auf dem Mars viele Lebewesen und es gab sogar Invasionen vom Mars, während wir heute wissen, dass der Mars ein ziemlich toter Planet ist. Dennoch übt er spätestens seit Ridley Scotts erfolgreicher, vor wenigen Wochen in unseren Kinos gestarteter Verfilmung von Andy Weirs Roman „Der Marsianer“, der ebenfalls ein Bestseller ist, eine große Faszination aus, die sich dieses Jahr auch im seit 1986 erscheinendem Jahrbuch „Das Science Fiction Jahr“ und dem populärwissenschaftlichem Sachbuch „Der Weg zum Mars – Aufbruch in eine neue Welt“ niederschlägt.
Dieses Jahr erschien „Das Science Fiction Jahr“ erstmals nicht mehr bei Heyne, sondern bei Golkonda. Aber die Macher, die Herausgeber (jetzt Hannes Riffel und Sascha Mamczak) und die Autoren, veränderten sich kaum und die bewährte Struktur wurde auch in der dreißigsten Ausgabe beibehalten, außer dass dieses Mal die Essays zwischen den Blöcke mit den Rezensionen von Bücher (unter anderem Weirs „Der Marsianer“), Comics, Games, Filmen und Hörspielen sind und dass es in den Rezensionsblöcken neben den Einzelrezensionen auch Sammelbesprechungen gibt. Bei den Essays gibt es den gewohnten Mix aus wissenschaftlichen Artikeln (über die Zukunft des 3-D-Drucks), Essays (unter anderem Kameron Hurleys mit dem Hugo Award ausgezeichnetes Essay über Frauen in SF-Geschichten oder John Clutes Essay über Ruinen und Zukünftigkeit), Hintergrundberichten (unter anderem zu den „Guardians of the Galaxy“, den Anfängen der Space Opera und die Behandlung des Ersten Weltkriegs in SF-Geschichten), längeren Analysen (zu Christopher Nolans „Interstellar“, der hier nicht gut wegkommt) und es gibt ein sehr lesenswertes Interview mit Andy Weir.
Dennoch markiert das diesjährige Jahrbuch den vielleicht größten Einschnitt in der Geschichte des Jahrbuchs. Denn der langjährige Herausgeber und Gründer des Jahrbuchs, Wolfgang Jeschke, starb am 10. Juni 2015. Deshalb entstand der neue Schwerpunkt „In Erinnerung an Wolfgang Jeschke“ mit zahlreichen Nachrufen, die noch einmal eindrücklich seine Bedeutung für die deutsche Science-Fiction-Szene aufzeigen.

Vor einigen Jahren hätte es passieren können, dass der von Sascha Mamczak und Sebastian Pirling (yep, beide sind bekannt als Mit-Herausgeber vom „Science Fiction Jahr“) herausgegebene „Der Weg zum Mars – Aufbruch in eine neue Welt“ in leicht geänderter Form im „Das Science-Fiction-Jahr“ gelandet wäre.
In dem Sachbuch wird anhand einer fiktiven Mars-Mission geschildert, wie eine solche Mission abläufen könnte. Welche Herausforderungen und Probleme es gibt.
In drei Teilen schildern Elisabeth Bösl („Vor dem Start“), Sebastian Pirling („Der Flug“) und Uwe Neuhold („Auf dem Mars“) die einzelnen Abschnitte einer solchen Mission. Dabei ist Bösls Teil, die die Informationen in eine fiktive Pressekonferenz packt, der langweiligste Teil. Bei den beiden anderen Teilen gelingt das Vermitteln von Informationen anhand einer rudimentären Rahmenerzählung deutlich besser. Pirling und Neuhold greifen dabei auch auf Informationen und Erfahrungen von schon stattgefundenen Raumflügen und längeren Isolationsstudien in abgeschlossenen Laboren zurück. Und, auch das lernen wir, bei so einem Flug sind Körpergerüche und die Ausscheidungen ein großes Thema.
Im Anhang finden sich zusätzliche Informationen zum Wahrheitsgehalt von Andy Weirs „Der Marsianer“ (sehr hoch), den zehn besten Mars-Romanen und weiterführenden Informationen.
Insgesamt ist „Der Weg zum Mars“ eine lohnende Lektüre für alle, die nach dem Buch und dem Film noch etwas Marsluft schnuppern wollen. „Das Science Fiction Jahr 2015“ ist, wie die vorherigen Bände, sowieso ein Pflichtkauf für den Science-Fiction-Fan.

Hannes Riffel/Sascha Mamczak (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2015
Golkonda, 2015
648 Seiten
29,90 Euro

Sascha Mamczak/Sebastian Pirling (Hrsg.): Der Weg zum Mars – Aufbruch in eine neue Welt
Heyne, 2015
304 Seiten
9,99 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) “Das Science-Fiction-Jahr 2013”

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes „Das Science Fiction Jahr 2014“

Meine Besprechung von Sascha Mamczaks „Die Zukunft“ (2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“

Oktober 8, 2015

Nachdem die letzten Filme von Ridley Scott aus verschiedenen Gründen nicht überzeugten, obwohl „The Counselor“ einige fanatische Fans hat, kehrt Ridley Scott mit „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ wieder in die Welt zurück, die ihm seine größten Erfolge bescherte: den Weltraum. Dieses Mal mit einem Science-Fiction-Film, der die Betonung auf „Science“ legt.
In naher Zukunft wird die bemannte Mission „Ares III“ auf den Mars geschickt. Am achtzehnten Tag der Mission gibt es einen Sturm (das ist der Fiction-Part des Films). Die sechs Astronauten verlassen Hals über Kopf den Planeten. Mark Watney (Matt Damon) wird dabei verletzt und, weil Captain Melissa Lewis (Jessica Chastain) von ihm keine Lebenszeichen mehr erhält, lässt sie Watneys Leiche zurück.
Aber er ist nicht tot.
Er kehrt in das Habitat zurück und macht dann das, was jeder gute Amerikaner tut: er kämpft. Er rationiert seine Lebensmittel, er beginnt Kartoffeln anzubauen (was gar nicht so einfach ist, aber Watney ist ein Botaniker) und er nimmt Kontakt zur NASA auf. Was auch nicht so einfach ist. Denn es gibt keine Funkverbindung.
„Der Marsianer“ basiert auf dem Überraschungserfolg von Andy Weir. Er veröffentlichte den faktenversessenen Science-Fiction-Roman, vor einer steigenden Leserschar, zuerst als Fortsetzungsroman im Internet. Dann bei Amazon als E-Book und, weil es sich phänomenal verkaufte, bei dem großen Verlag Crown Publishing als gedrucktes Buch. Hollywood kaufte, wie wahrscheinlich bei jedem Bestseller, die Verfilmungsrechte und, über einige im Filmgeschäft normale Umwege, gelangte das Drehbuch in die Hände von Ridley Scott, dem Regisseur von „Alien“ und „Blade Runner“, der mit „Der Marsianer“ eine klassische Abenteuergeschichte erzählt. Robinson Crusoe auf dem Mars, nur ohne Affen und Außerirdische, aber dafür mit vielen Fakten.
Neben Watneys Kampf gegen den lebensfeindlichen Planeten gibt es zwei weitere Erzählstränge. Der eine spielt auf der Erde und erzählt wie die NASA, nachdem sie erfahren hat, dass Watney noch lebt, versucht, ihn zu retten, was angesichts der riesigen Entfernungen und der Zeit, die eine Rettungsmission benötigt, ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen ist. Der andere spielt im Raumschiff und erzählt, wie Lewis und die anderen Astronauten reagieren, als sie erfahren, dass ihr Kamerad Watney noch lebt. Dieser Erzählstrang wird allerdings lange vernachlässigt und er wirkt, weil wir nur erfahren, was Astronauten während des langen Flugs in ihrem Schiff machen, über weite Strecken etwas forciert.
Mit 144 Minuten ist „Der Marsianer“ auch zu lang geraten. Immerhin hat die Geschichte, trotz der zahlreichen Hindernisse, die der zupackende und grundoptimistischen Watney überwinden muss, keine großen Überraschungen oder Wendungen. Scott hätte die Geschichte problemlos in zwei Stunden erzählen können. Trotzdem plant er, wie auch bei einigen seiner anderen Filme, für die DVD-Auswertung eine um zwanzig Minuten längere Fassung.
Das gesagt ist „Der Marsianer“ einer der gelungensten und schönsten Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre. Das liegt an den nur sparsam eingesetzten Spezialeffekte, der glaubwürdigen Geschichte und dem sorgfältigen Umgang mit Fakten. Im Gegensatz zu Christopher Nolans „Interstellar“, der letztes Jahr ja mit seiner Faktentreue hausieren ging und am Ende nur eine verquere Familienzusammenführung aus dem Reich der Phantasie erzählte, bleibt Ridley Scott bis zum Ende bei den Fakten. Die sind ja auch dramatisch genug.

Der Marsianer - Plakat
Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian, USA 2015)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Drew Goddard
LV: Andy Weir: The Martian, 2011/2014 (Der Marsianer)
mit Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wig, Jeff Daniels, Michael Pena, Kate Mara, Sean Bean, Sebastian Stan, Aksel Hennie, Chiwetel Ejiofor, Donald Glover, Benedict Wong, Mackenzie Davis
Länge: 144 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der Marsianer“
Moviepilot über „Der Marsianer“
Metacritic über „Der Marsianer“
Rotten Tomatoes über „Der Marsianer“
Wikipedia über „Der Marsianer“ (deutsch, englisch)
Homepage von Andy Weir

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Ridley Scott in der Kriminalakte

Nachtrag 1 (10. Oktober 2015)

Das Science Fiction Jahr 2015

In „Das Science Fiction Jahr 2015“, herausgegeben von Hannes Riffel (neu dabei) und Sascha Mamczak (schon länger dabei), erstmals im Golkonda Verlag (nachdem es fast dreißig Jahre bei Heyne erschien), ohne große Veränderungen – und, ja, die Tage, wenn ich mehrere Texte gelesen habe, gibt es eine ausführliche Besprechung –, aber schon jetzt will ich auf einen lesenswerten Text hinweisen.
In dem Sammelband ist ein 13-seitiges, interessantes Interview mit Andy Weir, dem Autor von „Der Marsianer“ über seinen Roman und alles, was damit zusammen hängt. Also wie er recherchierte, wie er sein Debüt schrieb, was er von Marsmissionen hält, wie sie möglich sind und welche Herausforderungen und Gefahren es gibt, wer seine schriftstellerischen Vorbilder sind, wer sein Lieblings-Doctor-Who ist und wie er in die Verfilmung involviert war.
Lesenswert!

Hannes Riffel/Sascha Mamczak (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2015
Golkonda, 2015
648 Seiten
29,90 Euro

Nachtrag 2 (10. Oktober 2015)

Weir - Der Marsianer - Movie-Tie-In - 4

Eigentlich wollte ich den für den John W Campbell Memorial Award nominierten Roman ja vor dem Filmstart lesen, aber er ist eben erst bei mir eingetroffen und der dringliche Hauptlesegrund hat sich ja am Donnerstag erledigt.
Für den Filmstart hat Heyne dem Bestseller eine Filmausgabe spendiert, die sich nur durch das Cover von der vorherigen Ausgabe unterscheidet.

Andy Weir: Der Marsianer – Rettet Mark Watney
(übersetzt von Jürgen Langowski)
Heyne, 2015
512 Seiten
999 Euro

Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2014

Originalausgabe
The Martian
2011 (online)
(gedruckt 2014 bei Crown und Del Rey)

Nachtrag 3 (15. Oktober 2015)

DP/30 unterhält sich mit Ridley Scott über „Der Marsianer“ und den ganzen Rest


Bücher, die man nicht lesen kann –

März 23, 2015

– jedenfalls nicht in einem Rutsch. Denn sie sind teils zu umfangreich, teils bestehend aus zu vielen kurzen Texten, die, wenn man zu viele von ihnen hintereinander liest, wie eine Schachtel Pralinen wirken: Übersättigung.


Das kann einem besonders leicht bei den in „Liebling, ich bin im Kino!“ gesammelten Filmkritiken von Michael Althen passieren. Am 12. Mai 2011 starb Althen mit 48 Jahren. Er schrieb für die Süddeutsche Zeitung, Tempo, Die Zeit und, zuletzt, die Frankfurter Allgemeinene Zeitung über Filme, Regisseure, Schauspieler und Schauspielerinnen.
In dem von Claudius Seidl herausgegebenem Buch sind Texte gesammelt, die Michael Althen in den verganenen Jahrzehnten schrieb und die neugierig auf die besprochenen Filme machen; was auch daran liegt, dass für „Liebling, ich bin im Kino!“ vor allem positive Besprechungen von anerkannt guten und bekannten Filmen, wie „Casino“, „Mystic River“, „Robocop“, „Eyes Wide Shut“, „Ben Hur“, „Der Totmacher“ und „Funny Games“, abgedruckt sind. Daher wird ein gestandener Cineast hier kaum Neues entdecken, sondern altes wieder entdecken. Und natürlich kann man einen Vergleich zwischen Althens damaligen Betrachtungen, die normalerweise zum Filmstart entstanden, und der heutigen Bewertung der Filme und Schauspieler, wie Tom Cruise (1989 porträtiert) und Clint Eastwood (1992 porträtiert), ziehen. Denn wer hätte 1989 oder 1992 gedacht, dass Tom Cruise und Clint Eastwood heute immer noch erfolgreich Filme machen und sie seitdem einige veritable Klassiker nachlegten?
Regisseur Tom Tykwer schrieb das Vorwort „Der Mann, der das Kino liebte“.
Althen - Liebling ich bin im Kino - 2
Michael Althen: Liebling, ich bin im Kino! – Texte über Filme, Schauspieler und Schauspielerinnen
(Herausgegeben von Claudius Seidl)
Blessing, 2014
352 Seiten
19,99 Euro

Hinweise
Homepage über Michael Althen (mit Filmkritiken,…)
Wikipedia über Michael Althen


Filmkritiken schrieb auch Jean-Patrick Manchette. Einige von ihnen sind in „Portrait in Noir“ abgedruckt. Neben mehreren Kurzgeschichten, einigen Selbstauskünften und dem Drehbuch „Irrungen und Zerfall der Todestanztruppe“, das sogar als „Les Petits-enfants d’Attila“ verfilmt wurde. Manchette war von dem Ergebnis, das mit seinem Drehbuch wohl nichts mehr zu tun hatte, nicht begeistert. Anscheinend sind auch alle Kopien des Films vernichtet.
Der von Doug Headline herausgegebene Sammelband richtet sich vor allem an die Manchette-Fans, die bereits alle seine Romane (Lesebefehl!) kennen und sich jetzt auch für seine Ausführungen zum Kriminalroman, seine Kurzgeschichten (die weniger als Geschichten, sondern eher als Skizzen für Romane oder formale Übungen funktionieren) und seine Filmkritiken, die er für „Charlie Hebdo“ (eine Zeitung, die man inzwischen bei uns nicht mehr vorstellen muss) schrieb, interessiert.
Manchette-Einsteiger sollten dann doch eher mit einem seiner Romane oder dem unlängst erschienem Comic „Fatale“ (Schreiber & Leser), der auf seinem Roman „Fatal“ (Fatale, 1977) basiert, beginnen.
Manchette - Portrait in Noir - 2
Jean-Patrick Manchette: Portrait in Noir
(Herausgegeben von Doug Headline, mit einem Nachwort von Dominique Manotti)
(übersetzt von Leopold Federmair)
Alexander Verlag, 2014
256 Seiten
28 Euro

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Meine Besprechung von Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussmans „Der Mann mit der roten Kugel“ (L’homme au boulet rouge, 1972)

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte

Bleiben wir beim Film. Das Wiener Filmmuseum veröffentlichte parallel zur Retrospektive, die vom 16. Oktober bis zum 30. November 2014 lief, den Sammelband „John Ford“. Er enthält die Essays „Passage durch Filme von John Ford – Vierter Teil“ (von Hartmut Bitomsky), „Das weiße Tuch am O. K. Corral“ (von Susanne Röckel) und „The Old Masters: John Ford, John Ford and John Ford“ (von Harry Tomicek), die ungefähr die Hälfte des reichhaltig bebilderten Buches ausmachen, und zu vielen seiner 124 Filme informative Textzusammenstellungen aus Interviews mit John Ford und mehr oder weniger neue Kritiken. In dem Buch werden so fast fünfzig Ford-Werke vorgestellt, die auch Teil der Retrospektive waren, und die einen Bogen von seinen Anfängen als Stummfilmregisseur bis zu seinem Alterswerk, von Klassikern bis hin zu unbekannten Filmen, spannen.
John Ford inszenierte, unter anderem, „Stagecoach“ (Ringo, Höllenfahrt nach Santa Fé), „Young Mr. Lincoln“ (Der junge Mr. Lincoln), „Fort Apache“ (Bis zum letzten Mann), „She wore a yellow Ribbon“ (Der Teufelshauptmann), „Rio Grande“ (Rio Grande), „The Searchers“ (Der schwarze Falke), „Two rode together“ (Zwei ritten zusammen), „The Man who shot Liberty Valance“ (Der Mann, der Liberty Valence erschoß) und „Cheyenne Autumn“ (Cheyenne).
Während Althens Kritiken zum Wiedersehen von einigen Filmklassikern einladen, lädt „John Ford“ zu einer persönlichen Werkschau des vor allem für seine Western bekannten Regisseurs ein.
Viennale - Retrospektive John Ford - 2
Österreichisches Filmmuseum/Viennale: John Ford
(herausgegeben von Astrid Johanna Ofner und Hans Hurch)
Schüren, 2014
248 Seiten
19,90 Euro

Hinweise
Rotten Tomatoes über John Ford
Wikipedia über John Ford (deutsch, englisch)


Auch in Berlin gibt es Retrospektiven. Zum Beispiel im Zeughauskino/Deutsches Historisches Museum. Dort lief im letzten Jahr eine Reihe von Filmen von Robert Siodmak (1900 – 1973), der zwar nicht so bekannt wie Fritz Lang (ein anderer deutscher Regisseur, der während der Hitler-Diktatur über Frankreich nach Hollywood flüchtete) ist. Aber auch er hat einige bekannte, sehenswerte und wichtige Filme inszeniert. Zum Beispiel „Menschen am Sonntag“ (1930), „Voruntersuchung“ (1931), „Phantom Lady“ (1944), „The dark Mirror“ (1946), „The Killers“ (1946), „Cry of the City“ (1948), „Criss Cross“ (1949), „The File on Thelma Jordan“ (1950) (ja, er ist einer der großen Noir-Regisseure), „Die Ratten“ (1955), „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957), „Der Schut“ (1964) und, sein letztes Werk, der Zweiteiler „Kampf um Rom“ (1968/1969).
In dem vom Deutschen Historischem Museum herausgegebenem Sammelband „Robert Siodmak“ sind, in überarbeiteter Form, acht Vorträge enthalten, die von Wolfgang Jacobsen, Chris Wahl, Frederik Lang, Karl Prümm, Ralph Eue, Lukas Foerster und Claudia Mehlinger begleitend zur Retrospektive zu einzelnen Filmen gehalten wurden. Deshalb konzentrieren sie sich auf Aspekte, die bei den Filmen wichtig waren. So geht es um die am Anfang des Tonfilms populären Sprachversionsfilme (bei denen für verschiedene Länder im gleichen Set verschiedene Fassungen des Films mit verschiedene Schauspielern gedreht wurden), die in Japan unlängst entdeckte Fassung von „Stürme der Leidenschaft“ (die mit den bekannten Fassungen verglichen wird), Siodmaks musikalische Komödie „La Crise est Finie!“ (Die Krise ist vorbei), „Cobra Woman“ (Die Schlangenpriesterin), „Christmas Holiday“ (Weihnachtsurlaub) und „Die Ratten“.
Und die während der Retrospektive gezeigten Filme werden knapp (jeweils so eine halbe Seite) vorgestellt.
Insgesamt richtet sich „Robert Siodmak“ eher an Cineasten, die gut damit leben können, dass das Buch sich eklektisch auf Nebenaspekte konzentriert. Aber vielleicht ist der lesenswerte Sammelband die Initialzündung für ein umfassendes Buch über Robert Siodmak.
Zeughauskino - Robert Siodmak - 2
Deutsches Historisches Museum (Hrsg.): Robert Siodmak
Schüren Verlag, 2015
112 Seiten
14,90 Euro

Hinweise
Rotten Tomatoes über Robert Siodmak
Wikipedia über Robert Siodmak (deutsch, englisch)
Filmportal über Robert Siodmak
Noir of the Week über Robert Siodmak

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Zeuge gesucht” (Phantom Lady, USA 1943)

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Der schwarze Spiegel” (The dark mirror, USA 1946)

Das Science Fiction Jahr 2014 - 2

Einige Filmkritiken gibt es auch im „Das Science-Fiction-Jahr 2014“. Neben den Filmkritiken gibt es auch Buch-, Comic-, Hörspiel- und Spielekritiken, verschiedene Marktübersichten, Preisträgerlisten, einige kürzere Nachrufe (unter anderem auf James Herbert, Tom Clancy, Doris Lessing, H. R. Giger und Jay Lake) und längere Texte zu verschiedenen Aspekten des Genres in all seinen Facetten. David Brin schreibt über verschiedene Zukunftsentwürfe, Gregory Benford über die intelligente Drahtloswelt von morgen, Ralf Reiter über den viel zu jung verstorbenen Science-Fiction- und Thrillerautor Iain Banks, John Kessel über die fatale Moralkonstruktion in Orson Scott Cards „Enders Spiel“, David Hughes über Pierre Boulles Roman „Planet der Affen“ und wie er zum Grundstein einer unendlichen Filmsaga wurde und David L. Ferro und Eric G. Swedin schreiben über eine Logik namens Internet und wie die 1946 erschienene Kurzgeschichte „A Logic named Joe“ (Ein Logic namens Joe) von Will F. Jenkins die digitalisierte Welt vorhersah. Peter Seyferth macht sich Gedanken über das utopische Gedankengut in neuen Science-Fiction-Werken.
Das ist, wie immer, eine gewohnt inspirierende und in jeder Beziehung grenzüberschreitende Lektüre.
Es ist – das ist die traurige Meldung – das letzte Science-Fiction-Jahrbuch, das im Heyne-Verlag erscheint. 1986 erschien das erste „Das Science Fiction Jahr“ und schon damals war es ein Liebhaberprojekt, das damals für ein Taschenbuch unverschämte 16,80 Deutsche Mark kostete. Im Vorwort des aktuellen Jahrbuch schreiben die Herausgeber Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, dass „Das Science Fiction Jahr 2014“ die letzte Ausgabe ist, die im Heyne-Verlag erscheint. Fast dreißig Jahre blieb der Verlag ihm, gegen alle Wahrscheinlicheit, verbunden. Denn billig oder besonders Hosentaschentauglich war das Buch nie. Und ein Bestseller sicher auch nie.
Die gute Meldung ist, dass schon in diesem Jahr der Golkonda-Verlag das Jahrbuch unter der Federführung von Hannes Riffel herausgeben wird und es beim bewährten Aufbau, also der Mischung aus wisschenschaftlichen Texten, Essays, Interviews, Hintergrundberichten zu Autoren und Filmen und Kritiken bleiben soll.

Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2014
Heyne, 2014
976 Seiten
36,99 Euro

Hinweise

“Die Zukunft” bloggt bei Heyne

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) “Das Science-Fiction-Jahr 2013″

Meine Besprechung von Sascha Mamczaks „Die Zukunft – Die Einführung“ (2014)

Bleiben wir in der zukünftigen Welt, gemischt mit einer ordentlichen Portion Horror: Bei Heyne erschien, zusammengestellt von Sascha Mamczak, der Sammelband „Ich muss schreien und habe keinen Mund“, der zwanzig Geschichten von Harlan Ellison enthält, die er zwischen 1965 und 1993 schrieb. Auch seine bekannteste Geschichte „Ein Junge und sein Hund“ (A Boy and his Dog, 1969) ist dabei. Sie wurde 1975 von L. Q. Jones als „A Boy and his Dog“ (Der Junge mit dem Hund; Der Junge und sein Hund; In der Gewalt der Unterirdischen) mit Don Johnson und Jason Robards verfilmt. Das ziemlich abgedrehte Werk gewann damals einen Hugo und hat Kultstatus.
Und so schön Kurzgeschichten auch sind, wahrscheinlich wird niemand fünf, sechs, sieben Kurzgeschichten hintereinander lesen. Sie sind eher der kleine Zwischenhappen, der in fremde Welten entführt. Mal mehr, mal weniger fantastisch, mal mehr, mal weniger gruselig und nie einem literarischem Experiment abgeneigt, was über die kurze Strecke besser funktioniert als über Romanlänge.
Ellison - Ich muss schreien und habe keinen Mund - 2
Harlan Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund – Erzählungen
(Herausgegeben und mit einem Vorwort von Sascha Mamczak)
Heyne, 2014
672 Seiten
18,99 Euro

Hinweise

Homepage von Harlan Ellison

YouTube-Kanal von Harlan Ellison

Wikipedia über Harlan Ellison (deutsch, englisch)


Natürlich ist auch das neue Buch „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ von Wiglaf Droste nicht in einem Stück lesbar. Auch wenn man die 250 Seiten locker an einem langen Abend lesen könnte. Aber das wäre dann wie das Fressen von einem halben Dutzend edler Pralinenpackungen.
Besser, man liest Drostes zwei- bis dreiseitigen Glossen und Betrachtungen über das moderne Leben in kleinen Dosen. Vielleicht eine pro Tag. Anstelle des Morgengebetes. Dann hat man mit dem Buch bis weit in den Sommer einen zuverlässigen Begleiter durch die Tiefen und Untiefen der deutschen Sprache und den Umgang mit ihr.
Droste - Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv - 2
Wiglaf Droste: Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv – Neue Sprachglossen
Goldmann, 2015
256 Seiten
8,99 Euro

Erstausgabe
Verlag Klaus Bittermann, 2013

Hinweise

Tourmanagement von Wiglaf Droste

Homepage von „Häuptling Eigener Herd“

Homepage von MDR Figaro

Wikipedia über Wiglaf Droste

Meine Besprechung von Wiglaf Drostes „Im Sparadies der Friseure“(2009/2010)

Meine Besprechung von Wiglaf Drostes „Sprichst du schon oder kommunizierst du schon? (2012/2013)


Angelesen und aufgeblättert

Dezember 31, 2013

Das Jahresende ist eine genauso gute Gelegenheit, wie jeder andere Tag, den Schreibtisch aufzuräumen und die ganzen Bücher, die ich in den vergangenen Monaten aus verschiedenen Gründen nicht abfeiern konnte, oder immer noch nicht vollständig gelesen habe (und ich abschätzen kann, dass ich sie die nächsten Tage nicht fertig lesen werde), wenigstens kurz zu besprechen. Immerhin ist mein bisheriger Eindruck von den angelesenen Werken gut.

Droste - Sprichst du noch oder kommuniziert du schon - 2

Apropos „angelesen“. Das ist natürlich, wie Wiglaf Droste in seiner Kolumne „Angedacht“ sagt, die Faulheit etwas selbst zu beenden. Viel lieber überlässt man die Arbeit jemand anderem. In einem Betrieb natürlich den Untergebenen.

Inzwischen habe ich seine neueste Textsammlung „Sprichst du noch oder kommunizierst du schon?“ fast zu Ende gelesen und – natürlich – sind es herrlich pointierte Sprachglossen und treffende Alltagsbeobachtungen.

Sehr empfehlenswert, wobei man die meist zwei- bis dreiseitigen Texte, wohldosiert lesen sollte. Jeden Abend einen. Oder zwei. Oder drei. Ach, einer geht noch.

Wiglaf Droste: Sprichst du schon oder kommunizierst du schon?

Goldmann, 2013

224 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Verlag Klaus Bittermann, 2012

Hinweise

Tourmanagement von Wiglaf Droste

Homepage von „Häuptling Eigener Herd“

Homepage von MDR Figaro

Wikipedia über Wiglaf Droste

Meine Besprechung von Wiglaf Drostes „Im Sparadies der Friseure“(2009/2010)

Jacques - Das kleine Buch der Mafia-Weisheiten - 2

In kleinen Dosen sollte man auch „Das kleine Buch der Mafia-Weisheiten“ von Wesley Jacques lesen. In ihm sind, hübsch thematisch gebündelt, Weisheiten von echten und falschen Mafiosi (also den bekannt-beliebten Filmgangstern), weitgehend eben den üblichen Verdächtigen, enthalten.

Einige Kostproben:

Der Lauteste in einem Raum ist immer auch der Schwächste. (Frank Lucas)

Trag keine Waffe bei dir. Es ist schön, sie in der Nähe zu haben, aber trage sie nicht bei dir. Du könntest verhaftet werden. (John Gotti)

Du kannst kein Geld machen mit einer Waffe in der Hand. (Lucky Luciano – Bonano: A Godfather’s Story, 1999)

Kapitalismus ist die legitime Gaunerei der herrschenden Klasse. (Al Capone, von dem es auch weitere Gedanken zu dem Thema gibt)

Woher wollen Sie wissen, dass Sie kein Schmiergeld mögen, wenn Sie nie welches angenommen haben? Hier. (Fat Tony – Die Simpsons, 1997)

Eine falsche Entscheidung ist besser als keine Entscheidung. (Tony Soprano – Die Sopranos, 1999)

Mehr..

Wesley Jacques: Das kleine Buch der Mafia-Weisheiten

(übersetzt von Wolfdietrich Müller)

Lübbe, 2013

192 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

The little black Book of Mafia Wisdom

Skyhorse Publishing, 2012

Das Science Fiction Jahr 2013 - 2

Gewohnt umfangreich und informativ fällt „Das Science-Fiction-Jahr 2013“ aus: es gibt längere Nachrufe auf Boris Strugatzki, Harry Harrison und Jack Vance, mehrere Texte über das Verhältnis von Science-Fiction zur Realität, zur Wissenschaft und warum Science -Fiction so selten die Zukunft vorhersagen kann und vertiefende Texte über James Triptree jr., Ridley Scott, Frank Herberts „Der Wüstenplanet“ und die Versuche, es zu verfilmen, ein Interview mit Daniel Suarez, Cory Doctorow schreibt über „Digitale Übermütter“ und beschäftigen sich, topaktuell, mit Datensicherheit und dem Verhältnis von Computerbesitzern und -nutzern zueinander.

Es gibt, wie immer, Buch-, Comic-, Hörspiel-, Film- und Game-Kritiken, eine ausführliche Markübersicht, etliche Preisträgerlisten und mehrere kurze Nachrufe.

Gerade die Nachrufe und Autorenporträts haben die unangenehme Nebenwirkung, dass ich ins nächtsgelegene Antiquariat stürmen will. Denn die deutschen Übersetzungen der meisten Werke von Vance, Harrison („Solyent Green“ ist gerade wieder erschienen), und Triptree jr. (obwohl es da eine neue, noch nicht vollständig erschienene Werkausgabe gibt) sind nur noch dort erhältlich. In den USA sieht die Situation besser aus, aber nicht jeder kann und will die Werke im Original lesen.

Kleines Sonderlob: Am Ende der Texte gibt es erstmals kleine Autorenbiographien.

Kleiner Hinweis: Für den Frühling ist „Das Science-Fiction-Jahr 2014“ bereits angekündigt.

Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science-Fiction-Jahr 2013

Heyne, 2013

992 Seiten

36,99 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling, Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

von Seldeneck - 111 Orte in Berlin die man gesehen haben muss - Band 2Kohl - 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit

Den Antiquariatsbesuch kann ich natürlich mit einem kleinen Stadtbummel verbinden und mir einige mir noch unbekannte Ecken von Berlin ansehen, die ich in „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – Band 2“ und „111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit“ entdeckte.

Während Lucia Jay von Seldencek, Carolin Huder und Verena Eidel bei „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – Band 2“ nach dem ersten Band und „111 Orte in Berlin, die Geschichte erzählen“ langsam überlegen müssen, welche Plätze sie noch empfehlen, hatte Paul Kohl, mit Fotografien von Nadia Boegli, für „111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit“ das gegenteilige Problem: welche der vielen Nazi-Orte sollte er nicht hineinnehmen?

Aufgebaut sind die beiden Reiseführer gleich und damit auch wie die anderen Emons-Reiseführer: pro Doppelseite wird ein Ort vorgestellt. Links mit Worten. Rechts mit einem Bild, manchmal auch zwei: ein historisches und ein aktuelles, auf dem wir oft sehen, dass die Orte sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr änderten. Gebäude wurden umgebaut, zerstört, neu gebaut, Brachen verwilderten oder wurden bebaut.

Für mich als Neu-Berliner: feine Lektüre. Die gebürtigen Berliner brauchen das Buch nicht, weil sie nie ihren Kiez verlassen.

Lucia Jay von Seldeneck/Carolin Huder/Verena Eidel: 111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – Band 2

Emons, 2013

240 Seiten

14,95 Euro

Paul Kohl: 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit

Emons, 2013

240 Seiten

14,95 Euro

Seesslen - Filmwissen Thriller - 2

Georg Seeßlen schreibt weiter an der Neuveröffentlichung seiner „Grundlagen des populären Films“. Erstmals erschienen die Filmbücher, die sich kundig und chronologisch mit verschiedenen Filmgenres beschäftigen, in den Siebzigern bei rororo. Seitdem gab es erweiterte Neuauflagen, zuletzt in den Neunzigern.

Damals in den Siebzigern waren die Bücher, die sich kundig mit den Filmgenres beschäftigten, für die Filmfans eine rettende Oase. Heute ist es, nach einer Blüte, wieder ähnlich. Denn Bücher, die sich kundig und analytisch mit dem Film beschäftigen, werden eigentlich nur noch von Kleinverlagen verlegt. Bei den großen Verlagen gibt es ab und an eine Starbiographie.

Als vierten Band der „Grundlagen des populären Films“-Neuveröffentlichung erschien jetzt „Filmwissen: Thriller“ und, im Vergleich zur vorherigen Ausgabe von 1995, hat sich der Umfang ungefähr verdoppelt. Das neue Kapitel „1995 – 2013: Globalisierte Stätten der Angst“ umfasst die Seiten 275 bis 508, in der er sich, weitgehend chronologisch und thematisch leicht sortiert, mit dem Thriller-Geschehen der letzten gut zwanzig Jahre beschäftigt.

Der Vorteil der von Georg Seeßlen gewählten Struktur ist, dass sie – nach dem thematischen Eingangskapitel über die mythologischen Grundlagen des Kinos der Angst – leicht erweitert werden kann. Der Nachteil ist, dass sich die chronologische Abhandlung der einzelnen Filme schnell lexikalisch liest und ein Lexikon lädt nun einmal mehr zum herumblättern als zum chronologischen Durchlesen an. Davon abgesehen: beeindruckend, welche Filmmenge der gute Mann sich ansieht.

Georg Seeßlen: Filmwissen: Thriller

Schüren, 2013

536 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (2009)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Detektive (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Western (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Abenteuer (Grundlagen des populären Films)“ (2011)

Keazor HRSG - Hitchcock und die Künste - 2

Der König des Thrillers war Alfred Hitchcock. In „Hitchcock und die Künste“ sind die während der gleichnamigen Ringvorlesung in Saarbrücken 2011/2012 gehaltenen Vorträge und ein weiterer Text, reichhaltig illustriert, erschienen.

Es geht um Hitchcocks Literaturverfilmungen, das Londoner Theater der zwanziger und dreißiger Jahre, die Architektur in seinen Filmen, die Musik und den Zusammenhang zwischen Essen, Sexualität und Tod in seinen Filmen und aktuelle Auseinandersetzungen von Künstlern mit seinem Werk.

Das ist natürlich etwas speziell und eher für die Hitchcock-Fans, die sich in bestimmte Aspekte von seinem Werk vertiefen wollen. Wie mich, der die fünfte Hitchcock-Biographie nicht so reizvoll findet.

Henry Keazor (Hrsg.): Hitchcock und die Künste

Schüren, 2013

224 Seiten

19,90 Euro

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Flintrop-Stiglegger HRSG - Dario Argento - 2

Irgendwo zwischen Thriller und Horror steht Dario Argento, der „Profondo Rosso“, „Susperia“, „Tenebrae“ und „Opera – Terror in der Oper“ inszenierte, dessen Werke in Deutschland allerdings kaum im Kino liefen und insgesamt, bis auf sein Debüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ (einer Pseudo-Bryan-Edgar-Wallace-Verfilmung, die öfters im TV läuft), eine beeindruckende Zensurgeschichte hinter sich haben. Einen ersten Eindruck von dieser Geschichte bieten die Fassungsinformationen in Argentos Filmographie am Ende des von Michael Flintrop und Marcus Stiglegger herausgegebenen Buches „Dario Argento – Anatomie der Angst“. Es ist die erste ausführliche Auseinandersetzung mit dem Werk des Giallo- und Gothic-Horror-Regisseurs, der immer wieder ein Händchen für beeindruckende und einprägsame Bilder hatte.

In dem Buch wird, von verschiedenen Autoren (unter anderem Ivo Ritzer, Dominik Graf, Thomas Groh und Oliver Nöding) jeder Argento-Film besprochen. Es gibt vertiefende Artikel zu bestimmten Aspekten von Argentos Werk, wie Argentos Werk im Spiegel des Grand Guignol, die Musik, seine Räume, Genre und Gender, einen Vergleich zwischen Dario Argentos und Brian De Palmas Werk und natürlich sein Werk im Spiegel der deutschen Justiz.

Michael Flintrop/Marcus Stiglegger (Hrsg.): Dario Argento – Anatomie der Angst

Bertz + Fischer, 2013 (Deep Focus 16)

304 Seiten

25 Euro

Hinweise

Wikipedia über Dario Argento (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Brunow - Scenario 7

Von dem jährlichen Drehbuchalmanach „Scenario“ gibt es inzwischen die siebte Ausgabe und bislang wurde am bewährten Aufbau nichts geändert. Für die nächste Ausgabe verspricht Herausgeber Jochen Brunow einige Neuerungen.

In dem aktuellen Band gibt es, wie immer, ein ausführliches Interview mit einem Drehbuchautor (dieses Jahr Stefan Kolditz [„Dresden – Das Inferno“, Unsere Mütter, unsere Väter“], in „Scenario 5“ war es Dominik-Graf-Autor Rolf Basedow [„Hotte im Paradies“, „Im Angesicht des Verbrechens“]), Essays, Blicke in die Geschichte des Films unter besonderer Berücksichtigung des Drehbuchs (dieses Jahr unter anderem über Tonino Guerra), einige Rezensionen und das Drehbuch des Jahres: „Freistatt – Drehbuch für ein historisches Drama“, von Nicole Armbruster und Marc Brummond.

Insgesamt eine feine Lektüre, auch wenn der Fokus auf deutschsprachigen Autoren liegt und oft Neulinge über ihre ersten Werke berichten; – was nicht uninteressant ist, aber ich würde auch gerne die Gedanken von langjährigen Autoren über ihre Arbeit und vielleicht einigen Einblicken in das Leben eines Serien-TV-Autors irgendwo zwischen „Soko“, „Traumschiff“ und „Tatort“ und einem Blick auf die ökonomischen Bedingungen des Schreibens und Produzierens von Filmen und vielleicht auch einmal ein Artikel, über die Qualitäten des deutschen Fernsehens freuen. Immerhin feiert Jochen Brunow die HBO-Serie „Treme“ ab, die bislang bei uns nicht auf DVD veröffentlicht oder im TV ausgestrahlt wurde.

Jochen Brunow (Herausgeber): Scenario 7 – Film- und Drehbuchalmanach

Bertz + Fischer, 2013

336 Seiten

24 Euro

Hinweise

Homepage von Jochen Brunow

Meine Besprechung von Jochen Brunows „Scenario 3 – Film und Drehbuchalmanach“

Meine Besprechung von Jochen Brunows „Scenario 4 – Film und Drehbuchalmanach“


„Eiskalt erwischt“ von Dan Simmons

März 15, 2013

Simmons - Eiskalt erwischt - 2

Am bekanntesten ist Dan Simmons als Science-Fiction-, Horror-, Fantasy- und Thriller-Autor; wobei „Thriller“ ja irgendwie alles und nichts ist und Dan Simmons auch gerne ein spannendes Genre-Crossover macht. Aber auch als waschechter Krimiautor reüssierte er mit den drei Joe-Kurtz-Romanen, in denen er so richtig hardboiled Hardboiled sein wollte und kein Kapitel länger als fünf Seiten sein sollte.

Nun, die Kapitel in „Eiskalt erwischt“ sind verdammt kurz. Die in zwei Monaten geschriebene, sich wendungsreich in einem halsbrecherischem Tempo voranbewegende Geschichte ist ebenfalls kurz. Halt in der idealen Pulp-Länge. Und der Protagonist Joe Kurtz ist mehr Mike Hammer, als Mike Hammer jemals Mike Hammer war.

Im ersten Kapitel wirft er den Mörder seiner Partnerin aus dem Fenster eines Hochhauses auf das Dach eines Polizeiautos. Nach elf Jahren wird er aus Attica auf Bewährung entlassen und, weil er als Sträfling keine Privatdetektiv-Lizenz mehr erhält, eröffnet er im Keller eines Porno-Ladens mit Arlene Demarco als seiner Sekretärin eine Detektei, die sich nicht so nennt, und er besorgt sich seinen ersten Auftrag bei dem alten Mafiaboss Don Farino. Er will den Mord an dem Buchhalter der Familie aufklären. Dabei räumt er gleichzeitig unter den Gangstern von Buffalo, New York auf.

Eiskalt erwischt“ ist ein Fest für die Freunde eines guten, düsteren Privatdetektiv-Thrillers, der gleichzeitig eine äußerst gelungene Hommage an die Pulp-Tradition ist.

Simmons widmete „Eiskalt erwischt“ Richard Stark und dessen Held, der eiskalte Profi-Dieb Parker, diente ihm auch als eine Inspirationsquelle für Joe Kurtz. Beide verfolgen, obwohl sie auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen, ihre Ziele ähnlich kompromisslos.

Und, wie er in einem Interview mit Writers Write sagte, als Leitfaden für schnörkelloses Erzählen und gutes Plotting diente ihm Richard Stark:

Whenever I get poisoned by reading too much pretentious writing, overblown prose carrying too-little freight, and serious, self-conscious lit’ry posturing, I would read a Parker-the-thief novel and remember how lean and mean and clean good prose can be. In creating „Joe Kurtz,“ I imagined that Parker might have sewn a few wild oats back in the late 1960s, and Kurtz might be that illegitimate child of Parker. Kurtz certainly isn’t as realized as Parker as a character, but I hope he shares some of the same unstoppable-machine quality when he’s double-crossed.

Tja, hm, Lesebefehl für „Eiskalt erwischt“ – und schön, dass sich endlich ein deutscher Verleger für die hochgelobte PI-Serie gefunden hat. Schade, dass Dan Simmons nach drei Romanen Joe Kurtz in Rente schickte.

Dan Simmons: Eiskalt erwischt

(übersetzt von Michael Plogmann)

Festa, 2012

336 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Hardcase

St. Martin’s Press, 2001

Die Joe-Kurtz-Trilogie

Hardcase, 2001 (Eiskalt erwischt)

Hard Freeze, 2002 (Bitterkalt [angekündigt für März 2013])

Hard as Nails, 2003 (Kalt wie Stahl [angekündigt für Sommer 2013])

Hinweise

Homepage von Dan Simmons

Thrilling Detective über Joe Kurtz

Writers Write: Ausführliches Interview mit Dan Simmons (September 2001 – und daher über „Eiskalt erwischt)

Evolver: Martin Compart über Dan Simmons

Evolver: Martin Compart spricht mit  Interview mit Verleger Frank Festa über „Festa Crime“

Und noch einige weitere Tipps und Hinweise

Ideal für ein langes Wochenende – ein sehr langes, langes Wochenende – ist die gerade erschienene Ausgabe von „Die Hyperion-Gesänge“, der Science-Fiction-Saga, mit der Dan Simmons bekannt wurde und für die er den Hugo und Locus-Preis erhielt und für den Nebula-Preis nominiert war.

Simmons - Die Hyperion-Gesänge - 2

Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge

(übersetzt von Joachim Körber, mit einem Nachwort von Sascha Mamczak)

Heyne, 2013

1408 Seiten

18,99 Euro

enthält

Hyperion (Hyperion, 1989)

Der Sturz von Hyperion (The Fall of Hyperion, 1990)

Bei Festa sind auch einige andere Bücher einen Blick wert:

Wilson - Die Gruft - 2Wilson - Der Erbe - 2

Fans von Handyman Jack (im Original „Repairman Jack“ und ich habe keine Ahnung, wer auf die Idee kam, aus einem Repairman einen Handyman zu machen) dürfen sich freuen. Er ist, hm, kurz und plakativ gesagt, der ältere Bruder von Jack Reacher, aber mit übernatürlichen Gegnern. Mit „Die Gruft“ und „Der Erbe“ gibt es eine Neuausgabe und ein neueres Abenteuer mit ihm.

Die Gruft“ ist der erste von F. Paul Wilson geschriebene Handyman-Jack-Thriller, ein Teil des Adversary-Zyklus (in diesem Zyklus erschien der Roman ursprünglich und macht damit die Handyman-Jack-Thriller zu einem Spin off) und, so Stephen King: „’Die Gruft‘ ist einer der radikalsten Action-Romane, den ich in den letzten Jahren gelesen habe.“ In dem Thriller sucht Handyman Jack die verschwundene Tante seiner Freundin und eine von einem Inder geraubte Halskette. Dabei stößt er auf einen jahrhundertealten Fluch und eine Brut höllischer Wesen. „Die Gruft“ erschien vor Jahren schon einmal im Goldmann Verlag und, mit einem anderen Cover, bei Festa.

Der Erbe“ erschien im Original bereits 2006. Aber erst jetzt auf Deutsch. Der vorherige Handyman-Jack-Roman „Das Höllenwrack“ (Infernal, 2005) erschien 2007 bei Blanvalet.

In „Der Erbe“ sucht Handyman Jack eine verschwundene Vierzehnjährige. Dabei stößt er auf zwei sich bekämpfende übernatürliche Mächte, für die Menschen in der Nahrungskette ungefähr auf der Stufe von Schmeißfliegen stehen.

Der elfte Handyman-Jack-Thriller „Das Blutbad“ ist für September angekündigt und seitdem sind in den USA weitere Handyman-Jack-Romane erschienen.

F. Paul Wilson: Die Gruft – Der 1. Handyman Jack Thriller

(übersetzt von Michael Plogmann)

464 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

The Tomb

Whispers Press, 1984

F. Paul Wilson: Der Erbe – Der 10. Handyman Jack Thriller

(übersetzt von Michael Plogmann)

480 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Harbingers

Tor/Forge Books, 2006

Hinweise 

Homepage von F. Paul Wilson

Thrilling Detective über Repairman Jack (aka Handyman Jack)

Evolver: Martin Compart über F. Paul Wilson

Phantastik-Couch über F. Paul Wilson

Krimi-Couch über F. Paul Wilson

Meine Besprechung von F. Paul Wilsons „Das Höllenwrack“ (Infernal, 2005)

F. Paul Wilson in der Kriminalakte

Lee - Creekers - 2Lee - Flesh Gothic

Für die härteren Gemüter gibt es die Romane von Edward Lee (der auch einige Male mit Jack Ketchum zusammen arbeitete), die in der „Horror“-Reihe von Festa erscheinen. Richard Laymon sagt: „Edward Lee – das ist literarische Körperverletzung!“ Der Verlag sagt über Lee: „Er gilt als obszöner Provokateur und führender Autor des ‚Extreme Horror‘.“

In „Creekers“ kehrt Ex-Polizist Phil Straker in seinen Geburtsort, das Kaff Crick City, zurück. Dort sucht er ein vermisstes Mädchen und entdeckt im Wald die Creekers, einen Clan, der seit Jahrhunderten fernab jeglicher Zivilisation in Inzucht lebt und über den es schlimme Gerüchte gibt. Aber, so muss Straker erfahren, die Wahrheit ist noch schlimmer.

In „Flesh Gothic“ besuchen wir das Luxusanwesen von Reginald Hildreth in Florida. Nach einer Dämonenbeschwörung ist der Hausherr spurlos verschwunden und von den 26 Gästen sind nur noch Fleischfetzen vorhanden. Hildreths Frau will mit einer Gruppe übersinnlich begabter Menschen herausfinden, was in dem Haus geschah.

Edward Lee: Creekers

(übersetzt von Ben Sonntag)

Festa, 2012

416 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Creekers

Zebra Books, 1994

Edward Lee: Flesh Gothic

(übersetzt von Michael Krug)

Festa, 2012

448 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Flesh Gothic

Necro Publications, 2004

Slade - Der Kopfjäger - 2

Die Joe-Kurtz-Romane von Dan Simmons erscheinen bei Festa in deren neuer „Crime“-Reihe, deren erster Band „Der Kopfjäger – Der 1. Special X Thriller“ von Michael Slade ist. In dem, im Original bereits 1984 erschienenem, Thriller werden in Vancouver mehrere Frauen enthauptet. Erst als Superintendent Robert DeClercq und sein Team auf einen alten Indianerfluch und eine Verbindung zu einem Voodoo-Kult in New Orleans stoßen, haben sie eine heiße Spur.

Slade veröffentlichte bis heute 17 Special-X-Romane. Für „Mountie Noir“-Nachschub ist also gesorgt.

Und, damit keiner sagen konnte, er wurde nicht gewarnt: Der zweite vom Goldmann Verlag in den Achtzigern veröffentlichte Roman von Michael Slade landete auf dem Index.

Michael Slade: Der Kopfjäger – Der 1. Special X Thriller

(übersetzt von Heinz Zwack)

Festa, 2012

528 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Headhunter

Signet, 1984

Nachtrag (26. März 2013): Weil der Postbote keine Benachrichtigung in meinen Briefkasten legte, habe ich diese beiden Bücher, die ich natürlich bei der Veröffentlichung dieses Textes erwähnt hätte, erst jetzt erhalten:

Der zweite Joe-Kurtz-Thriller ist draußen

Simmons - Bitterkalt - 2

Dan Simmons: Bitterkalt

(übersetzt von Manfred Sanders)

Festa, 2013

384 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Hard Freeze

St. Martin’s Press, 2002

Der zweite „Special X“-Thriller ist auch draußen

Slade - Der Ghoul - 2

Michael Slade: Der Ghoul

(übersetzt von Heinz Zwack)

Fest, 2013

512 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Ghoul

W. H. Allen, 1987


„Das Science-Fiction-Jahr 2012“ ist gewohnt informativ

Oktober 24, 2012

Das kommt jetzt vielleicht für einige wie ein Schock: die Macher des Jahrbuchs „Das Science-Fiction-Jahr“ haben den Aufbau des Buches geändert.

Aber keine Panik: das bedeutet nur eine kleine Umstellung. Früher gab es einen großen Schwerpunkt und dann einzelne Rubriken, wie Interviews, Kunst und „Science & Speculation“, viele Besprechungen von Büchern, Filmen, Hörspielen und Computerspielen, immer auch mit längeren Aufsätzen, Marktberichte aus der deutschen, amerikanischen und britischen Science-Fiction-Szene und Listen der wichtigen Preisen.

Jetzt gibt es am Anfang einen großen Teil, in dem alle diese Aufsätze gesammelt sind („Feature“ genannt) und danach die Rezensionen und die Marktberichte.

In den längeren Aufsätzen schreibt Rainer Eisfeld über den am 5. Juni 2012 verstorbenen Ray Bradbury („Fahrenheit 451“), Gary K. Wolfe schreibt über Science-Fiction als Frontierliteratur, Margaret Atwood (eigentlich Ernste Literatur, aber auch die Dystopie „Der Report der Magd“) über ihre Kindheitserinnerungen an Science-Fiction-Geschichten, David Hughes über Edgar Rice Burroughs‘ John Carter und seinen langen Weg ins Kino, Dietmar Dath über Philip K. Dick, Peter M Gaschler über Rainer Werner Fassbinders Science-Fiction-Film „Welt am Draht“, Hartmut Kasper unterhält sich mit Heinrich Steinfest, Sascha Mamczak und Sebastian Pirling mit Cory Doctorow, Uwe Neuhold mit Professor Klaus Mainzer über Künstliche Intelligenz und Christian Enders schreibt über die Crowd-Funding-Finanzierung von „Iron Sky“.

Nach diesen dreihundert Seiten gibt es vierhundertfünzig Seiten mit Besprechungen von Büchern, Comics, Hörspielen, Filmen und Computerspielen.

Es gibt den Marktbericht im gewohnten Umfang aus den bekannten Ländern, einige Nachrufe und die Preisträgerlisten.

Und es gibt eine beruhigende Meldung: die Herausgeber Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke wollen „Das Science-Fiction-Jahr“ auch in den kommenden Jahren als Wundertüte für den Science-Fiction-Fan veröffentlichen. In gedruckter Form.

Sascha Mamczak, Sebastian Pirling, Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science-Fiction-Jahr 2012

Heyne, 2012

992 Seiten

32,99 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“


Einige kurze sachdienliche Hinweise auf Sachbücher

Dezember 24, 2011

Ob das wirklich „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss“ sind, wie Autorin Lucia Jay von Seideneck, Rechercheurin Carolin Huder und Fotografin Verena Eidel behaupten, weiß ich nicht. Aber in jedem Fall ist es eine interessante Auswahl abseits der breit ausgelatschten touristischen Pfade, für die es ja schon Myriaden von Reiseführern gibt. Denn in welchem Reiseführer wird die Hafenkirche im Westhafen erwähnt? Dabei geht es bei der Vorstellung nicht um die Kirche. Denn die ist inzwischen in einem kleinen Mehrzweckraum. Es geht um Fedor Pfister, Berlins letzten Schifferpfarrer, der inzwischen evangelischer Studentenpfarrer ist, aber trotzdem auch auf dem Wasser (natürlich in einem Boot) seine Mission fortführt.

Unter Wasser ist der Spreetunnel („Erbaut und versenkt 1926“), der am Müggelsee Friedrichshagen mit der Kämmereiheide verbindet und wohl vor allem für Technikbegeisterte interessant ist.

Auch die Lilienthal-Burg in Steglitz, die Lohmühle in Treptow, der Paternoster im Rathaus Schöneberg oder der Madenautomat im Wedding, in dem es für Angler Maden gibt, dürften nicht in jedem Reiseführer erwähnt werden.

Und jetzt weiß ich, wo das letzte Stündlein der „Kommune 1“ schlug. Nämlich in der Stephanstraße in Moabit – und, weil es ein Privatgelände ist, aber die Wohnungen in dem Gebäude vermietet werden, ist sie nach vorheriger Anmeldung ansehbar.

Zu jedem Ort gibt es einen einseitigen, informativen Text und ein Farbfoto, selten zwei, das eher künstlerisch als dokumentarisch ist.

111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss“ ist empfehlenswert für Berliner und Berlin-Besucher, die die touristischen Highlights (Kleiner Tipp: eine Fahrt mit dem 100er Bus, eine mit dem 200er, kräftig knipsen und schon hat man die meisten touristischen Highlights für das private Fotoalbum verewigt.) schon kennen.

Lucia Jay von Seldeneck/Carolin Huder/Verena Eidel: 111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss

Emons, 2011

240 Seiten

12,90 Euro

Kurz vor Weihnachten stapeln sich im Briefkasten die Spendenbitten für die gute Sache. Auch auf dem Marktplatz oder im Fernsehen wird man höflich um einen kleinen Obolus für die armen Kinder in irgendeinem Land, von dem man oft noch nie gehört hat, gebeten. Dass dabei nicht alle Spendenorganisationen koscher sind, ist auch bekannt. Trotzdem haben sie ein gutes Image und oft wird auch gar nicht so genau gefragt, was mit dem Geld geschieht.

Der Wirtschaftsjournalist Stefan Loipfinger blickt seit drei Jahren mit Charity Watch.de hinter die Kulissen der Spendenorganisationen. Er nennt Namen, er recherchiert emsig und er wird dafür gerade von diesen Organisationen angefeindet. Teilweise, wie Loipfinger im Vorwort erzählt, erschreckend tief unter der Gürtellinie.

Jetzt hat er in „Die Spendenmafia – Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid“ zusammengefasst, was er in den vergangenen Jahren herausgefunden hat. Das ist honorig, aber das Buch liest sich wie ein Griff in den Zettelkasten. Denn er reiht, zunehmend ermüdend, Beispiel an Beispiel. In diesem Wust von Einzelfällen fehlt dann der große argumentative Bogen. Stattdessen entsteht ein dumpfes Gefühl des Unwohlseins. Und weil ein Register mit den im Buch behandelten Personen und Organisationen fehlt, weiß man nachher auch nicht mehr, wo was gestanden hat.

So ist „Die Spendenmafia“ zwar lobenswert, aber nicht empfehlenswert. Ein Blick auf Loipfingers Homepage ist wesentlich gewinnbringender. Denn dort kann man einfach herausfinden, ob man bestimmten Organisationen besser kein Geld geben sollte.

Die Verbraucherzentrale hat auch einige Tipps.

Stefan Loipfinger: Die Spendenmafia – Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid

Knaur, 2011

272 Seiten

8,99 Euro

Das Science Fiction Jahr 2011“ bietet, wie die vorherigen Jahresbände, einen umfassenden Rückblick auf das letzte Jahr und was dort im Science-Fiction-Bereich geschah. Es gibt Buchkritiken (nicht allzu viele, aber dafür ausführlich), viele Film- (gut 150 Seiten), Hörspiel- und Spielekritiken, die auch immer wieder durch einzelne längere Besprechungen ergänzt werden. Zum Beispiel „Wie aus dem Science-Fiction-Meisterwerk ‚Alien‘ ein Franchise wurde“, über Fritz Langs „Metropolis“, die britische Sixties-Kultserie „The Prisoner“ (Nummer 6). Zwei Streifzüge durch die Welt der DC-Comics-Superhelden. Dave Stevens‘ „The Rocketeer“ und John Layman/Rob Guillorys „Chew“ werden abgefeiert. Es gibt viel zu viele Nachrufe; unter anderem einen ausführlichen auf den sehr umtriebigen Hans Joachim Alpers. Interviews mit den Autoren Peter Watts und Adam Roberts und Professor Harald Lesch (genaugenommen und weil’s so schön lang ist „Professor für Theoretische Physik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universitätssternwarte der Ludwig-Maximilian-Universität München“) und, als großes Schwerpunktthema, „Future History“ mit Beiträgen der SF-Autoren Stephen Baxter und John Clute, vertiefenden Essays über die Geschichten von Olaf Stapleton, Robert A. Heinlein, Issac Asimov, den Brüder Stugatzki und über Perry Rhodan, und Sascha Mamczak hält ein Plädoyer für die Future History ab. Gary K. Wolfes Essay über den „Weltuntergang in der Science Fiction…und was danach geschieht“ wurde seltsamerweise nicht dem Schwerpunktthema zugeschlagen.

Das ist, allein schon wegen der Masse an Informationen und Einsichten (auch wenn einen nicht alle Artikel interessieren) empfehlenswert. Und dank der Gebrauchsanweisung zum Selbermachen, nach der Betrachtung der Rubrik Bild.de/Mystery sogar von erhöhtem Nutzwert; – wobei ich mich dann lieber in die „Soundwelten der Science-Fiction-Filme“ vertiefe.

Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2011

Heyne, 2011

1312 Seiten

29,99 Euro

Hinweise

Heyne über „Das Science Fiction Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Langsam aber sicher gräbt Georg Seeßlen sich durch die Neuausgabe seines bereits mehrfach erweiterten, mehrbändigen Standardwerkes „Grundlagen des populären Films“. In diesen Grundlagen schreibt er über die verschiedenen Filmgenres und wie sie sich im Lauf der Zeit entwickelten. Beim Abenteuerfilm sind das vor allem der Antikfilm (vulgo Sandalenfilm), der Ritterfilm, der Piratenfilm und der Mantel-und-Degen-Film (halt die Musketiere in ihrer ganzen Pracht).

Weil er diese Entwicklungen weitgehend chronologisch erzählt, dabei die Filme knapp vorstellt und in ihrem filmhistorischen und gesellschaftlichen Kontext einordnet, sind Neuausgaben auch einfach möglich. Seeßlen schreibt einfach in weiteren Kapiteln, was seit der letzten Auflage in dem Genre geschah.

In dem neuesten Band „Filmwissen: Abenteuer“ sind das fast einhundert Seiten, die die Zeit zwischen 1995 und 2012 abdecken und für Seeßlen „Abenteuer im Irrealis“ sind. Er schreibt in diesem Kapitel über Blockbuster, wie „Indiana Jones und das Königreich des Himmels“, die „Piraten der Karibik“-Filme mit Johnny Depp, Ridley Scotts „Gladiator“ und „Robin Hood“, etliche historische Epen aus Fernost und viele, viele Filme, die viele Menschen nicht kennen.

Im nächsten Band der Filmwissen-Reihe beschäftigt Georg Seeßlen sich mit dem „Thriller“. Das klingt doch spannend. Bis dahin muss es aber das „Abenteuer“ tun.

Der Band ist, auch wenn, wieder einmal, die Schrift arg klein ausgefallen ist und auf Bilder verzichtet wurde, empfehlenswert. Weil die Ergänzung bei diesem Band überraschend umfangreich ausgefallen ist, lohnt sich der Kauf definitiv auch für die Menschen, die schon die älteren Auflagen besitzen.

Georg Seeßlen: Filmwissen: Abenteuer (Grundlagen des populären Films)

Schüren, 2011

368 Seiten

22,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (2009)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Detektive“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Western“ (2010)

Vordak, der Unsägliche – Das einzig wahre Handbuch für den Schurken von morgen“ ist eine klassische Klolektüre. Denn Scott Seegert lässt den von sich selbst überzeugten, anscheinend ziemlich glücklosen (Ich meine: Wer hat jemals von Vordak gehört?) Vordak darüber reden, was einen Schurken ausmacht und was er dafür tun muss. Das ist, in kleinen Dosen genossen, eine witzige Lektüre (allerdings eher auf Kalauer-Niveau), die auch nebenbei hübsch erklärt, warum bestimmte Schurken in Buch und Film funktionieren und andere nicht.

Selbstverständlich ist „Vordak, der Unsägliche“ sehr empfehlenswert (will ja keinen Ärger mit dem unsäglichen Vordak bekommen). Aber wahrscheinlich ist das anvisierte Zielpublikum noch in der Pubertät. Oder etwas jünger.

Scott Seegert: Vordak, der Unsägliche – Das einzig wahre Handbuch für den Schurken von morgen

Goldmann, 2011

224 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Vordak the Incomprehensible: How to Grow Up and Rule the World

Egmont USA, New York, 2010

Glanz und Elend der deutschen Kriminalreportagen zeigt sich in „Gnadenlos – Warum Menschen morden“, in dem der renommierte Journalist Jürgen Schreiber zwanzig seiner in den vergangenen Jahren im „Tagesspiegel“, dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“ und dem „ZEIT-Magazin“ (jeweils zwei) erschienenen Reportagen sammelte. Die Hälfte der Reportagen ist um die zehn Jahre alt. „Der perfekte Mord“ über den Mord an Detlev Rohwedder erschien bereits 1997 und die Neueste, „Der Türspion“ über einen Stasi-IM, der Türschlüssel besorgte, ist von 2010. Oft geht es, entsprechend des Buchtitels, um Mordfälle, die Ermittlungen der Polizei, die Täter, deren Familien, die Opfer und die Hinterbliebenen.

Dabei wird, auch von Schreiber, exzessiv aus den Akten der Polizei zitiert und die Gerichtsverfahren besucht und das alles in einem distanziert-sprödem Tonfall erzählt, aber eine eigene Recherche in dem Maß, wie es von US-amerikanischen Journalisten getan wird, ist nicht erkennbar.

Ich verlange ja nicht, dass ein deutscher Journalist, wie David Simon für „Homicide – Ein Jahr auf mörderischen Straßen“ (jetzt, nach zwanzig Jahren, bei Kunstmann auf Deutsch erschienen), ein Jahr in Baltimore Mordermittlern bei ihrer Arbeit und in ihrer Freizeit begleitet. Aber eine stärker andere Perspektiven einbeziehende Recherche, eine Suche nach neuen und überraschenden Anknüpfungspunkten für eine Reportage wären schon gut. Einen Einblick in das, was Journalisten auch auf wenigen Seiten leisten können, liefern dabei die seit 2002 jährlich erscheinenden Reportagensammlungen „Best American Crime Writing – The Year’s Best True Crime Reporting“ (herausgegeben von Otto Penzler und Thomas H. Cook).

Dagegen kommen die in „Gnadenlos“ gesammelten Reportagen etwas bieder daher. Gut geschrieben, ordentlich durchrecherchiert, aber auch irgendwie immer wieder das gleiche. Da ist Jürgen Schreiber dann nicht besser und auch nicht schlechter als viele Seite-3-Reportagen aus der Tageszeitung ihres Vertrauens.

Jürgen Schreiber: Gnadenlos – Warum Menschen morden

C. Bertelsmann, 2011

224 Seiten

16,99 Euro

(Taschenbuchausgabe ist für Mai 2012 angekündigt)


Erster Eindruck: Das Science Fiction Jahr 2010

Juli 11, 2010

Dünn.

.

Im Vergleich zu „Das Science Fiction Jahr 2009“ ist die neueste Ausgabe des Science-Fiction-Jahrbuchs mit 1152 Seiten dünn ausgefallen. Die vorherige Ausgabe hatte 1600 Seiten und lag wie ein überdimensionierter Wackelpudding in den Händen.

Dagegen hat man bei der neuesten Ausgabe wieder das Gefühl, ein vom Handling her lesbares Buch in den Händen zu halten. Der Schwerpunkt beschränkt sich dieses Jahr auf den 150-seitigen Text: „Wenn gestern morgen ist – Zeitmaschinen, Zeitreisen und Zeitparadoxien in Science und Fiction“ von Rüdiger Vaas. In den vorherigen Jahren waren es mehrere Texte; zuletzt über 400 Seiten über Superhelden.

Der Rest des Science-Fiction-Jahrbuchs bewegt sich im gewohnten Umfang und in den bekannten Kategorien. Es gibt Interviews mit Stephen Baxter und China Miéville, Porträts über J. G. Ballard, Frank Schätzing, Walter Jon Williams und David Foster Wallace.

Es gibt Essays zu James Camerons „Avatar“, „Star Trek“, „Terminator“ und „Battlestar Galactica“ von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Es wird über „25 Jahre Detroit-Techno“ geschrieben und über die „Weltfabrik der Theoretiker – Wie Annäherungen zur wissenschaftlichen Weltanschauung werden“ nachgedacht.

Es gibt Nachrufe, Buchbesprechungen, Film-, Hörspiel und Computerspielkritiken, Marktberichte und eine Auflistung im letzten Jahr preisgekrönter Science-Fiction-Werke.

Es gibt, auch wenn einen nicht alles interessiert, viel zu lesen.

Damit ist das von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke herausgegebene Jahrbuch auch im fünfundzwanzigsten (!) Jahr wieder eine Fundgrube für alle an Science-Fiction Interessierte. Denn in keinem anderen Buch wird so intensiv der Austausch über alle Spielarten von Science-Fiction gepflegt. Es ist allerdings auch immer noch das einzige Kompendium dieser Art. Und das obwohl im Kino die erfolgreichsten Filme Science-Fiction- und Fantasy-Filme sind. Zuletzt „Avatar“. Auch einige Science-Fiction-Bücher verkaufen sich ausgesprochen gut. Zuletzt Frank Schätzing mit „Limit“. Science-Fiction-Serien, wie „Raumschiff Enterprise“, „Stargate“ (jeweils mehrere Serien), „Lost“, „Battlestar Galactica“ und „Fringe“, sind im TV und auf DVD erfolgreich.

Daher: Herzlichen Glückwunsch zur 25. Ausgabe des Jahrbuchs. Vor einem viertel Jahrhundert hätte wahrscheinlich niemand vermutet, dass das Science-Fiction-Jahrbuch auch „2010“ erscheint.

Sascha Mamczak/Wolgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2010

Heyne, 2010

1152 Seiten

29,95 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“


Erster Eindruck: Das Science Fiction Jahr 2009

August 4, 2009

Das Science Fiction Jahr 2009

Wie ein Rundum-Glücklich-Jahrbuch aussehen kann, zeigt die vierundzwanzigste Ausgabe des von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke herausgegebenen Jahrbuchs „Das Science Fiction Jahr“. Die Struktur, mit einem Schwerpunktthema, Interviews, Porträts, Nachrufen, Texten zur Science in der Fiction, zur Kunst in der Science Fiction, Überblicken zu neuen Filmen, Hörspielen, Comics, Computerspielen und Büchern, Listen von Preisträgern, Marktberichten über die deutsche, amerikanische und britische SF-Szene (inclusive Hinweisen auf die neuen Werke wichtiger Autoren) und den im Heyne Verlag erschienenen SF-Büchern (naja, soviel Eigenwerbung darf sein), wurde beibehalten. Ebenso die üppigen Illustrationen, die es leider nur in SW gibt.

Der Umfang der einzelnen Rubriken ist, ebenfalls wie gewohnt, erschlagend. Dem Schwerpunktthema „Quo vadis, Superhelden?“ sind über vierhundert Seiten gewidmet und, nach dem Erfolg von Superhelden-Comics und den vielen aktuellen Superhelden-Kinofilmen, wie „Watchmen“, „Ironman“, „Hellboy“ und „Hancock“ (Batman, Superman und Spiderman lasse ich mal links liegen) hat sich das Thema förmlich aufgedrängt. Im „Science Fiction Jahr 2009“ wird dabei der Rundumschlag vom Grafen von Monte Christo über die klassischen Superhelden-Comics hin zu den Dekonstruktionen des Superhelden gemacht. Auf über hundert Seiten geht’s auch um die Frage, ob Superhelden eine reine Ausgeburt der Fantasie sind, ober ob sie und ihre Fähigkeiten naturwissenschaftlich irgendwie möglich sind. Es wird über den schwierigen Weg zum „Watchmen“-Film, über die moralische Verantwortung von Superhelden und über „Superhelden – Helden wie du und ich“ geschrieben.

Es gibt einen über vierzigseitigen Artikel über die „Stahlfront“-Romane von Torn Chaines. Dierk Spreen erklärt, inwiefern der Vorwurf, dass die Romane rechtsextrem seien, zu recht besteht. Christopher Ecker schreibt einen über fünfzigseitigen Nachruf über den SF-Autor Thomas M. Disch, der sich am 4. Juli 2008 umbrachte. Dagegen sind die elf Seiten für Philip José Farmer und die fünf Seiten für Michael Crichton wahrlich bescheiden. Es gibt Interviews mit Greg Bear und John Scalzi. Es gibt eine wirklich kurze Geschichte des österreichischen Science-Fiction-Films und, mehr oder wenig kurze, Kritiken von Büchern, Computerspielen, Filmen und Hörspielen.

Das ist eine volle Ladung Informationen, die mich die kommenden Tage und Wochen (denn mit 1600 Seiten ist das Werk zu dick für die Hosentasche) beschäftigen wird. Ich weiß zwar, dass dreißig Euro eine stattliche Investition sind, aber es lohnt sich. Denn „Das Science Fiction Jahr 2009“ ist, mal wieder, ein gutes halbes Dutzend verschiedener Bücher in einem.

Und in einem Jahr gibt’s die fünfundzwanzigste Ausgabe von „Das Science Fiction Jahr“.

Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2009

Heyne, 2009

1600 Seiten

29,95 Euro

Hinweis

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2008


Blicke in die Vergangenheit in die Zukunft

Oktober 29, 2008

Dieses Buch ist eine Frechheit! Jedes Jahr wirft Wolfgang Jeschke, inzwischen zusammen mit Sascha Mamczak, auf’s schäbigste unterstützt vom Heyne Verlag ein über tausendseitiges Werk auf den Markt. Dieses Jahr hat „Das Science Fiction Jahr 2008“ 1504 Seiten. Als Taschenbuch! Es kann kaum in der Hand gehalten werden. Es passt in keine Hosentasche. Auch nicht in die großen Taschen einer dieser modischen Cargo-Hosen oder einer Jacke. Es kann nur zu Hause gelesen werden. Und dann scheint den Autoren auf die Frage „Wie lang soll mein Text sein?“ immer „Ist egal. Wir haben Platz.“ gesagt worden zu sein. Immerhin schreibt Uwe Neuhold 100 Seiten über den Klimawandel: „Science oder Fiction?“. Für den Besuch im Museum des neuen Menschen benötigt er nur knappe 80 Seiten.

Dieser Text ist ein Teil des über 300-seitigen Schwerpunkts „Utopia mon amour“, in dem es – und das ist die nächste Frechheit des Werkes – zu viele lesenswerte Texte zu den Vorstellungen von Zukunft im Wandel der Zeit gibt: von den großen Zukunftsentwürfen der vergangenen Jahrhunderte über das ambivalente Verhältnis von positiver und negativer Utopie (Betrachten Sie einmal die positiven Utopien und fragen sich dann, ob Sie, erstens, wirklich in dieser Welt leben wollen und, zweitens, zu welchem Preis dieses Paradies erkauft wurde.), wie wir die großen Utopien des vergangenen Jahrhunderts, wie die Besiedlung des Weltalls, in den letzten Jahrzehnten immer stärker ad acta legten und welche Utopien es heute gibt.

Es gibt selbstverständlich auch lesenswerte Texte von bekannten S-F-Autoren. Thomas M. Disch fragt: „Was wird aus der Science Fiction, wenn wir alle intelligenter und gleichzeitig dümmer werden?“. Die Rede von John Clute vor dem „Centre for the Future“ vom September 2007 ist abgedruckt. Es gibt Interviews mit Ursula K. Le Guin, Charles Stross und Andreas Brandhorst.

Auf über 200 Seiten werden die S-F-Filme und S-F-Serien des Jahres 2007 Revue passieren gelassen. Auch dies geschieht, wie in den vergangenen Jahren, mit einem Gesamtüberblick, Schwerpunktartikeln (hier über Hollywoods Hang zu nicht immer geglückten Remakes) und Nachrufen auf Michelangelo Antonioni (eine eher ungewöhnliche Wahl, aber einige Seiten vorher wurde Christian Petzolds „Yella“ mit fünf von sechs möglichen Sternen gewürdigt), Freddie Francis und Curtis Harrington, zwei in Fankreisen anerkannte Regisseure. Die Nachrufe auf die unlängst verstorbenen Autoren, wie Arthur C. Clarke, Kurt Vonnegut, Ira Levin, Marc Behm und John Gardner (die auch Krimis schrieben), gibt es einige hundert Seiten früher.

Es gibt Kapitel über „Kunst“ (unter anderem über Michael Moorcocks Beziehung zu den Rockbands „Hawkwind“, „Blue Öyster Cult“ und „The Deep Fix“), „Hörspiel“ (die S-F-Hörspiele des vergangenen Jahres), „Comic“ (aufgeteilt wie die „Film“-Kategorie), „Computer“, „Rezensionen“ (knappe 100 Seiten mit oft mehrere Seiten langen Buchbesprechungen) und die „Marktberichte“ aus Deutschland, USA und England. Oh, und die 2007 vergebenen S-F-Preise werden ebenfalls aufgelistet.

Den Abschluss bildet, wie gewohnt und soviel Eigenwerbung darf sein, die Bibliographie der 2007 bei Heyne erschienenen phantastischen Literatur.

Damit wurde das seit dem ersten „Science Fiction Jahr“-Buch 1986 erprobte Konzept kein Jota geändert. Und das ist gut so. Denn einen besseren Überblick (in jeder Hinsicht) über das Science-Fiction-Jahr gibt es in Deutschland nicht. Deshalb ist es erfreulich, dass der Heyne Verlag jedes Jahr einen neuen Band vorlegt. Denn ein Verkaufsschlager kann das voluminöse Werk nicht sein. Aber für S-F-Fans und an dem S-F-Genre Interessierte ist es unverzichtbar.

Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2008

Heyne Verlag, 2008

1504 Seiten

22 Euro

Hinweis

Das vollständige Inhaltsverzeichnis


Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: Viele Thriller und etwas Hardcore

März 12, 2008

Über den Heyne-Verlag muss eigentlich nichts gesagt werden; – außer dass die Freunde des traditionellen britischen Krimis mit diesen Taschenbüchern wenig Freude haben werden. Horror-Fans, Thriller-Aficionados und Freunde der härteren Gangart werden dagegen nicht nur in der Hardcore-Reihe glänzend bedient.

 

April

Meg Gardiner: Schmerzlos (Ein Klassentreffen endet in einem Blutbad. Denn ein unbekannter will den Jahrgang auslöschen. Evan Delaney will wenigstens einige retten.)

Hugh Laurie: Bockmist (wenn ich’s richtig im erkenne, ist das die im Original 1996 erschienene Krimikomödie „The Gun Seller“ von „Dr. House“-Laurie.)

Ben Mezrich: 21 (eine wahre, jetzt verfilmte Geschichte über sechs Studenten, die in Las Vegas die Bank sprengen)

David Peace: 1980 (Habe ich bereits abgefeiert)

Charles Todd: Auf dünnem Eis (günstige Ausgabe zum Welttag des Buches)

 

Mai

Thomas Harris: Hannibal Rising

Thomas Harris: Die Hannibal-Lecter-Romane (Sammelband mit den ersten drei Hannibal-Romanen für einen Zehner. Wer sie noch nicht hat, sollte jetzt zuschlagen. „Roter Drache“ und „Das Schweigen der Lämmer“ sind wirklich gut.)

Charlie Huston: Blutrausch – Ein Joe-Pitt-Roman (Privatdetektiv Joe Pitt kloppt sich in New York mit rivalisierenden Vampirclans)

Daniel Kalla: Rage – Die Therapie (Diese Werbung hat etwas: „Für die Leser von John Katzenbach und Sebastian Fitzek.“ Mag stimmen, mag nicht stimmen. Aber dass Heyne in seinem Katalog auf Knaur-Autoren verweist, gehört wohl in die Kategorie „dumm gelaufen“)

Sascha Mamczak (Hrsg.): Das Science-Fiction-Jahr 2008 (Erstaunlich-erfreulich, dass der Heyne-Verlag jedes Jahr eine neue Ausgabe des Science-Fiction-Jahrbuchs mit Interviews, Hintergrundartikeln, wissenschaftlichen Artikeln, Buch-, Film- und Hörspielkritiken, druckt.)

Kyle Mills: Die letzte Mission (Die US-amerikanische Regierung ließ ihn im Stich. Jetzt soll er für sie wieder einmal die Kastanien aus dem Feuer holen. Aber er hat andere Pläne. – Tja, mit Jack Bauer wäre das nicht passiert. – Ansonsten: Lee Child, Vince Flynn und Gayle Lynds blurben.)

Tom Piccirilli: Killzone (Der viermalige Bram-Stoker-Preisträger stößt in Thriller-Gefilde vor. Weil „Killzone“ in der Hardcore-Reihe erscheint, ist es nichts für sensible Geister.)

 

Juni

Max Barry: Logoland (Satirischer Thriller über die Globalisierung.)

David Ellis: In Gottes Namen (soll ein intelligenter Serienkillerroman in der Tradition von Se7en sein. Ellis erhielt für „Line of Vision“ 2002 einen Edgar.)

Baden Kenney: Skalpell Nr. 5 (Eine Anwältin und ein Rechtsmediziner jagen einen Mörder)

Frédéric Molay: Die siebte Frau (Ein Pariser Kommissar jagt einen Serienkiller, der jeden Tag eine bestialisch ermordete Frau abliefert. – In Frankreich stand der Thriller für die Fans von Karin Slaughter monatelang auf den Bestsellerlisten.)

Patrick Robinson: Jagd in der Tiefe (oder: das Militär rettet die Welt.)

 

Juli

Paul Cleave: Die Stunde des Todes (Deutsche Erstausgabe von „The Killing Hour“. Der erste Roman des Neuseeländers war für den Ned-Kelly-Award nominiert. In seinem zweiten Roman erzählt er die Geschichte von Charly. Die Polizei hält ihn für einen zweifachen Frauenmörder. Charly behauptet, die Morde habe Cyris begangen. Aber niemand kennt Cyris.)

Meg Gardiner: Vermisst (Evan Delaney will die Wahrheit über den angeblichen Selbstmord seines Vaters herausfinden. Denn es gibt keine Leiche.)

Sebastian Junger: Tod in Belmont (Hochgelobtes True-Crime-Buch über einen brutalen Frauenmord 1963 in einem Vorort von Boston. Junger schrieb auch „Der Sturm“.)

Jack Ketchum: Amokjagd (Der Krimi über einen Gattenmord mit ungeahnten Konsequenzen erscheint in der Hardcore-Reihe und deshalb für sensible Geister nicht geeignet.)

Robert Ludlum/Patrick Larkin: Das Moskau-Virus

Matt Richtel: Süchtig (Ein Journalist entgeht knapp einem Bombenanschlag. Auf der Jagd nach den Tätern führt ihn die Spur nach Silicon Valley.)

Jed Rubenfeld: Morddeutung (Sigmund Freud jagt 1909 in New York einen diabolischen Killer. Ausgezeichnet mit dem Britisch Book Award)

 

August

Massimo Carlotto: Arrivederci Amore, Ciao (wurde im vergangenen Jahr ziemlich abgefeiert.)

James Conan: Die Stadt der dunklen Herzen (Mörderjagd in Chicago 1893 kurz vor der Weltausstellung)

Dean Koontz: Todesregen (klingt nach einem Invastionsthriller: Silbriger Regen. Strom fällt aus. Die Sloans suchen ihre Freunde in einer Welt, die sich in ein geisterhaftes Labyrinth verwandelt hat.)

Richard Laymon: Der Keller (Horrorthriller)

Guillermo Martinez: Die Pythagoras-Morde (mit Elijah Wood und John Hurt verfilmter Rätselkrimi über die Jagd nach einem Serienkiller in Oxford. Er soll mit mathematischer Logik zur Strecke gebracht werden.)

Joshua Spanogle: Makellos (Medizinthriller)

Charles Todd: Der Schatten des Teufels (Inspector Rutledge ermittelt)

Kim Young-ha: Im Reich der Lichter (Nach zwanzig Jahren wird der Spion Gi-yeong Kim reaktiviert. Er soll nach Pjöngjang zurückkommen.)

 

September

Martina Cole: Die Tochter (Der gefürchtetste Mann Londons will seine Tochter rächen. Eine Polizistin versucht das schlimmste zu verhindern. Aber als Mutter kann sie den Rächer verstehen und sie fühlt sich zu ihm hingezogen.)

Vince Flynn: Der Verrat (Mitch Rapp soll herausfinden, wer den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten umbringen will. – Eine kurze Meldung zu Flynn und seiner Rapp-Serie: die Filmrechte sind verkauft, es ist eine Spielfilmserie geplant und Autor und Produzenten blicken sehr optimistisch in die Zukunft.)

Chuck Hogan: Endspiele („Pulp Fiction als Literatur“ sagt Jeffery Deaver. Das klingt doch gut. Außerdem wurde der Thriller mit dem Hammett-Preis ausgezeichnet.)

Stieg Larsson: Verdamnis (Taschenbuch-Ausgabe des zweiten Bandes seiner Milkenium-Trilogie)

Alexander McCall Smith: Das Herz des fremden Toten (Miss Isabel Dalhousie will einem Psychologen helfen. Dieser leidet mit seinem neuen Herzen an seltsamen Visionen. – Ein Krimi mit Humor.)

 

Oktober

Paul Christopher: Das Rembrandt-Erbe (Zwei Erben finden auf einem gefälschten Rembrandt einen Hinweis auf einen verborgenen Schatz. Sie begeben sich auf Schatzsuche nach Borneo. Dummerweise haben sie noch einige Konkurrenten.)

Michael Connelly: Kalter Tod (Harry Bosch ermittelt wieder. „The Overlook“ war ursprünglich ein Fortsetzungsroman im New York Times Sunday Magazine und wurde von Connelly für die Buchausgabe erweitert.)

Joe Hill: Blind (Taschenbuch-Ausgabe des im vergangenen Jahr abgefeierten Debüts des Sohns von Stephen King.)

Dean Koontz: Intensity (Oregon: Ein psychopathischer Mörder wütet. Chyna wehrt sich und verwickelt ihn in ein mörderisches Spiel.)

Richard Laymon: Die Show (Heyne Hardcore: Drei Jugendliche wollen im Sommer 1963 eine Vampirshow sehen und erleben ihr blaues Wunder)

John Lescroart: Dünnes Eis (Justiz-Thriller)

Stephen Woodworth: Die Sprache des Blutes (Ein Mystery-Thriller aus dem Reich von CSI und Ghost Whisperer.)

 

 

Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue.

 

Und hier geht’s zu den vorherigen Teilen:

Blanvalet Hardcover, Heyne Hardcover, Manhattan, Page & Turner, Rotbuch

Blanvalet, Goldmann Taschenbuch

Alexander Verlag, Edition Nautilus, Pendragon, Unionsverlag, Pulp Master, vgs

Emons, Gmeiner, Grafit


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