Neu im Kino/Filmkritik: „Abgeschnitten“ – ein Thriller von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos, ein Film von Christian Alvart

Oktober 11, 2018

Die Thriller von Sebastian Fitzek sind echte Pageturner. Es sind Thriller, die man innerhalb weniger Stunden oder einer kurzen Nacht bis zum Morgengrauen durchliest.

Die bisherigen Fitzek-Verfilmungen „Das Kind“ und „Das Joshua-Profil“ waren nicht so gelungen.

Abgeschnitten“ ist daher nicht nur die bislang beste Fitzek-Verfilmung, sondern auch ein ziemlich gelungener Thriller. Wenn man über einige Unwahrscheinlichkeiten und schlechte Dialoge hinwegsieht. Und über den zähen Anfang, in dem die Hauptpersonen in jeder Beziehung arg umständlich und ziemlich verkrampft vorgestellt und einige Plots angedeutet werden, die später vollkommen unwichtig sind. Hier hätte ruhig einiges abgeschnitten werden können.

Letztendlich beginnt die Geschichte in der Gerichtsmedizin in Berlin. Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) entdeckt in einer grausam zugerichteten Leiche in einer kleinen, gut im Körper versteckten Kapsel einen Zettel mit der Telefonnummer seiner Tochter. Durch einen Anruf bei ihr erfährt er, dass sie entführt wurde und er unter keinen Umständen mit der Polizei reden soll.

Er macht sich in sturmumtoster Nacht (mit wunderbar stabiler Handyverbindung) auf den Weg nach Helgoland, um dort eine in einer Leiche eine weitere Spur zur Rettung seiner Tochter zu finden. Weil er nicht schnell genug auf der Insel sein kann, überzeugt er die aus Berlin vor ihrem Stalker nach Helgoland geflohene Comic-Zeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) die Leiche zu obduzieren. Unter seiner telefonischer Anleitung. Diese Szene, die im Buch und im Film durch ihre Detailgenauigkeit beeindruckt, ist im Kino dann auch ein schwarzhumorig-absurder Comic-Höhepunkt.

Für diese Detailgenauigkeit bei den gerichtsmedizinischen Details war im Roman Michael Tsokos zuständig. Er ist der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Die von ihm und Sebastian Fitzek dazu erfundene Geschichte ist dann eine ziemlich vorhersehbare Serienkiller-Geschichte, in der der durchgeknallte Killer den tapferen Helden auf eine Schnitzeljagd schickt. Das kennt man aus unzähligen US-Krimis und will es eigentlich seit Jahren nicht mehr lesen.

Im Film nimmt Christian Alvart sich dann zugunsten einer Thriller-Filmdramaturgie Freiheiten. Es gibt immer noch etliche irrwitzige Wendungen, aber alles erscheint organischer und nicht so formelhaft wie im Roman. Die Schauspieler harmonisieren und schnell entsteht eine ordentliche Thriller-Spannung, die man so in deutschen Filmen selten sieht. Aufgelockert wird sie durch etliche witzige Szenen. Wobei der Witz sich meistens aus der Situation ergibt. Denn die verschiedenen Charaktere müssen immer wieder Dinge tun, die sie unter keinen Umständen tun wollen. Zum Beispiel eine Leiche befördern oder sie aufschneiden.

Das ist spannend, wenn man die zahlreichen Unwahrscheinlichkeiten und Zufälle hinnimmt. Ohne sie würde der Plan des Bösewichts nicht funktionieren. Allein schon, dass Herzfeld die erste Botschaft findet, dass er dann niemand von seinen zahlreichen Polizistenfreunden informiert und dass auf Helgoland jemand ein herrenlos bei einer Leiche herumliegendes Handy findet und gleich die Anrufwiederholung ausprobiert, sind Zufälle, die so unwahrscheinlich sind, dass in der Realität der grandios ausgetüftelte Plan des Bösewichts schon an der ersten Hürde gescheitert wäre. Denn damit sein Plan funktioniert, muss Herzfeld die Kapsel finden und das Telefon bedienen.

Auch die Dialoge, vor allem am Anfang, sind teils peinlich, teils reinstes Schriftdeutsch und die Charaktere sind arg eindimensionale Funktionsträger.

Das kann alles – zu Recht – gegen Christian Alvarts Thriller eingewandt werden. Aber das kann auch gegen die Romane von Sebastian Fitzek gesagt werden. Und die machen Spaß. Wie der Film.

Abgeschnitten (Deutschland 2018)

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Christian Alvart

LV: Sebastian Fitzek/Michael Tskokos: Abgeschnitten, 2012

mit Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer, Lars Eidinger, Fahri Yardim, Enno Hesse, Christian Kuchenbuch, Urs Jucker, Barbara Prakopenka, Michael Tsokos, Sebastian Fitzek (beide, in verschiedenen Szenen, mit einem Cameo, ziemlich am Filmanfang)

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman

zum Filmstart mit einem neuen Cover

Sebastian Fitzek/Michael Tsokos: Abgeschnitten

Knaur, 2018 (Filmausgabe)

400 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Droemer, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Abgeschnitten“

Moviepilot über „Abgeschnitten“

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Steig. Nicht. Aus!“ (Deutschland 2018)

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Michael Tsokos‘ „Dem Tod auf der Spur“ (2009)

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Sebastian Fitzek erstellt „Das Joshua-Profil“, Max Rhode besucht „Die Blutschule“ und das hat etwas miteinander zu tun

Dezember 12, 2015

Dass Sebastian Fitzek produktiv ist, wissen wir. Seit seinem Debüt „Die Therapie“ veröffentlichte er jedes Jahr mindestens einen Roman, der sofort zum Bestseller wird.
Dass er einfallsreich ist, wissen wir von seinen Lesungen und Buchpräsentationen, die immer ein Event sind (ich war bei mehreren). Oder er probiert, vor der Veröffentlichung, einmal ein Alternate-Reality-Game aus und ist von der überaus positiven Reaktion überrascht. Auch sein neuer Thriller „Das Joshua-Profil“ hat eine besondere Beigabe.
In „Das Joshua-Profil“ erhält Max Rhode, dessen erster Roman „Die Blutschule“ ein kleiner Bestseller war, einen seltsamen Anruf aus dem Krankenhaus. Er fährt hin und trifft auf einen aufgrund seiner Verbrennungen im Sterben liegenden Unbekannten, der ihm sagt, dass er von Joshua auserwählt sei und sich unter keinen Umständen strafbar machen dürfe.
Zwei Monate später besucht die Frau vom Jugendamt Rhode. Sie will Rhode und seiner Frau Kim ihre von ihm über alles geliebte Pflegetochter Jola wegnehmen, weil Jolas leiblichen Eltern, ein Junkiepärchen, sie wieder haben wollen und deren Antrag nach mehreren vergeblichen Versuchen jetzt bewilligt wurde. Außerdem habe Rhode die letzten Wochen auf keinen ihrer Anrufe und Anschreiben reagiert. Rhode flüchtet mit Jola, wird kurz darauf in einen Unfall verwickelt und wacht im Krankenhaus in einem waschechten Fitzek-Alptraum auf. Denn die Polizei und seine Frau glauben, dass er Jola entführt hat. Da hört er eine Stimme in seinem Kopf (es ist ein Ohrstöpsel), die ihm befiehlt, eine Handgranate aus dem Nachttisch zu holen und aus dem Krankenhaus zu flüchten. Sonst werde Jola sterben. Rhode tut es und fügt seinen bisherigen Straftaten noch eine weitere hinzu.
Es wird nicht die letzte sein. Denn wie man es von Sebastian Fitzek kennt, folgt auch „Das Joshua-Profil“ der Methode, dass die Geschichte für den Protagonisten immer die unglaublichste Wendung nimmt. Und als Leser folgt man ihm, während man durch die Seiten rast, gerne, weil es am Ende eine durchaus plausible Erklärung für den ganzen Wahnsinn gibt. Auch in „Das Joshua-Profil“ gibt es eine rationale Erklärung. Wobei Fitzek sich hier auch mit Predictive Policing beschäftigt. Diese computerbasierten Vorhersage künftiger Verbrechensorte, die bislang noch nicht unabhängig untersucht wurde, ist derzeit bei Sicherheitsfirmen und der Polizei, die diese Computerprogramme schon an einigen Orten ausprobiert, das nächste große Ding und damit ein potentiell großes Geschäft. Denn die Verkäufer versprechen Wunderdinge.
Allerdings beschäftigt Fitzek sich im Rahmen einer Thriller-Geschichte nur sehr oberflächlich mit diesem Thema. Seine Geschichte soll vor allem Pageturner-Qualitäten haben. Die hat sie auch unbestreitbar, auch wenn dieses Mal die Schlußpointe schon früh absehbar ist.

Der erste Roman von Max Rhode hieß „Die Blutschule“ und wer mehr lesen möchte als nur die wenigen Ausschnitte und Andeutungen über den Roman, die in „Das Joshua-Profil“ abgedruckt sind, kann sogar den ganzen Roman, der jetzt ebenfalls bei Lübbe erschien, lesen. Damit ist „Die Blutschule“, der natürlich von Sebastian Fitzek unter einem Pseudonym geschrieben wurde, das mit der Veröffentlichung von „Das Joshua-Profil“ enttarnt wurde, in erster Linie ein kleiner Spaß für Fitzek. Für seine Fans ist es als Buch zum Buch eine nette Ergänzung. So wie es auch in Comic- und Romanform verschiedene Vorgeschichten zu erfolgreichen Filmen gibt und die oft etwas überflüssig sind, weil sie im schlechtesten Fall nur Informationen liefern, die zum Verständnis der eigentlichen Geschichte überflüssig sind. Es gibt Ausnahmen, wie Greg Keyes‘ „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“, der eine eigenständige Geschichte erzählt, die zwischen den beiden neuen „Planet der Affen“-Filmen spielt. Oder die Romane von Richard Castle.
Auch Max Rhode/Sebastian Fitzek erzählt in „Die Blutschule“ eine eigenständige Geschichte, die nichts mit „Das Joshua-Profil“ zu tun hat. Obwohl die Bemerkungen von Rhodes Bruder in „Das Joshua-Profil“ über den Wahrheitsgehalt von „Die Blutschule“ und wie Rhode in dem Roman wahre Ereignisse, die er jahrelang verdrängte, in seinem Roman verarbeitete, spaßig sind.
In „Die Blutschule“ kehrt die Familie Zambrowski im Sommer 1993 von Berlin nach Wendisch Rietz am Storkower See zurück in das halb verfallene elterliche Haus des liebevollen Vaters Vitus. Dessen Baufirma ging vor einem halben Jahr pleite. Der dreizehnjährige Simon, der jetzt in der Psychiatrie in Sicherungsverwahrung sitzende Erzähler der Geschichte, und sein ein Jahr älterer Bruder Mark beginnen durch die Gegend zu streunen. Sie begegnen Stotter-Peter, einem stadtbekanntem Kinderschänder, der sich als eigentlich netter Kerl entpuppt, und den Dorfjugendlichen, die sich als nicht so nett entpuppen. Vor allem Sandy ist ein wahres Luder. Und sie hören die Geschichte vom Storkower Seelenspiegel. Wer in ihn hineinblickt, wird unsterblich und er verändert sich. Aus einem guten Menschen wird ein Biest. Und umgekehrt. Der durch den Spiegel Verfluchte kann nur durch einen Suizid sein leben beenden. Und Simon hat Visionen, die aus einem unappetitlichen Horrorfilm stammen könnten.
Als Sandy einen tödlichen Unfall hat, kann Simons Vater sie wieder beleben. Während Vitus das tut, sieht Simon in einer weiteren Vision, wie ein Schwarm Spinnen aus Sandys Körper in den seines Vaters hinübergeht.
Kurz darauf fordert Vitus seine beiden Söhne auf, mit ihm einen Ausflug auf eine einsame Insel zu unternehmen. In der Blutschule will er ihnen das beibringen, was sie nicht in der Schule lernen, wozu auch das Töten von Menschen gehört.
Die beiden Kinder haben keine Ahnung, wie sie vor ihrem durchgeknallten Vater flüchten können.
Bislang gab es in den Thrillern von Sebastian Fitzek keine übernatürlichen Elemente. Für den Horrorroman „Die Blutschule“ sind sie mit seiner alptraumhaften Stimmung und der Geschichte des Seelenspiegels konstitutiv, weshalb der Roman dann auch eher an die Werke von Stephen King erinnert. Spontan fällt einem Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ ein. In dem Horrorroman können auf einem einsam im Wald gelegenem Friedhof tote Tiere wieder zum Leben erweckt werden. Sie kehrten verändert zurück.
In der zweiten Hälfte der „Blutschule“, wenn Simon und Mark mit ihrem Vater auf der Insel sind, bewegt sich die Geschichte in Richtung Torture Porn, weshalb diese Hälfte dann auch eher spekulativ als spannend ist und nie stellt sich das typische Fitzek-Lesegefühl ein. – Was auch daran liegen kann, dass „Die Blutschule“ von Max Rhode geschrieben wurde und, wie wir aus „Das Joshua-Profil“ wissen, waren die Romane, die Rhode nach seinem Debüt schrieb, keine Bestseller.

Fitzek - Das Joshua-Profil - 2Rhode - Die Blutschule - 2

Sebastian Fitzek: Das Joshua-Profil
Lübbe Hardcover, 2015
432 Seiten
19,99 Euro

Max Rhode: Die Blutschule
Lübbe, 2015
256 Seiten
12,99 Euro

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (D 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)


„Der Nachtwandler“ Sebastian Fitzek ist auch „Abgeschnitten“ von dem Langeweile-Gen

April 30, 2013

 

Dass Sebastian Fitzek seine lesehungrigen Fans, wie Dan Brown, darben lässt, kann nicht behauptet werden. Normalerweise erscheinen seine Psychothriller ungefähr im Jahrestakt, aber vor einem halben Jahr erschien sein mit Michael Tsokos geschriebener Thriller „Abgeschnitten“, dann hatte die Verfilmung von „Das Kind“ Premiere und jetzt erschien „Der Nachtwandler“, das, wie schon „Der Seelenbrecher“, nur in einem Haus spielt. Und damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen dem Nachtwandler und dem Seelenbrecher auch schon auf.

 

Fitzek - Der Nachtwandler - 2

 

Denn in „Der Nachtwandler“ fragt sich der 28-jährige Leon, ob er wieder im Schlaf wandelt und dabei auch seine Freundin verprügelte. Nachdem sie ihn, in Tränen aufgelöst, verlässt und er sie nicht für ein klärendes Gespräch erreicht, besorgt Leon sich eine Kamera, die er auf seinem Kopf befestigt und die aufnimmt, was er im Schlaf tut.

 

Am nächsten Tag sieht er auf den Aufnahmen, dass es in seiner Mietwohnung hinter einem Schrank eine Tür gibt, die er vorher noch nicht kannte. Die Tür führt in ein Gewirr von Gängen, durch die er in die anderen Wohnungen gelangen kann.

 

Und viel mehr soll jetzt von der Geschichte nicht verraten werden. Immerhin ist „Der Nachtwandler“ ein typischer Fitzek-Roman, in dem immer wieder unklar ist, wie zurechnungsfähig Leon noch ist und ob er gerade wach ist oder schläft. Ich glaube, dass Fitzek das am Ende nicht ganz sauber aufgelöst hat, aber bis zu dem überraschenden, Fitzek-typischen Ende ist so für ordentlich Spannung in dem verwunschenem Mietshaus mit seinen seltsamen Bewohnern, ihren mysteriösen Warnungen, den geheimen Gängen und Räumen gesorgt. Es ist natürlich auch eine reine, leicht atemlose Oberflächenspannung, weil die Charaktere sich immer der Handlung, vor allem der Schlußpointe, unterordnen müssen und, um des Thrills wegen, es dann doch immer wieder absurde Wendungen gibt. So sind die verborgenen Gänge in dem Haus fast schon größer als das in einer x-beliebigen größeren Stadt stehende Haus.

 

Aber man will schon wissen, wie es ausgeht und so wird man in der Nacht, in der man „Der Nachtwandler“ liest, garantiert nicht zum Nachtwandler.

 

Die Auflösung, auch wenn Sebastian Fitzek auf der Buchvorstellung sagte, er plane keine „Fortsetzung“ von „Der Nachtwandler“, liefert eigentlich die Idee für einen weiteren Roman im „Nachtwandler“-Kosmos. Jedenfalls hätte ich mindestens zwei Ideen.

 

Fitzek - Tsokos - Abgeschnitten

 

Abgeschnitten“, das Gemeinschaftswerk von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos, ist dagegen ein ziemlich vorhersehbarer Thriller über einen in Scheidung lebenden Rechtsmediziner, der seine entführte Tochter, die bei ihrer Mutter lebt und zu der er eigentlich keinen Kontakt mehr hat, retten will und dabei nicht bei Nacht und Nebel, sondern bei Sturm und Schneetreiben von Berlin in Richtung Helgoland hetzt. Denn auf der durch einen Orkan vom Festland abgeschnittenen Insel gibt es in einer Leiche einen weiteren Hinweis, den er innerhalb einer bestimmten Zeit finden und entschlüsseln muss und der ihn zu dem Versteck seiner Tochter oder einer weiteren Leiche führen kann.

 

Weil Paul Herzfeld nicht rechtzeitig auf der Insel sein kann, leitet er die Comiczeichnerin Linda, die sich vor ihrem gewälttätigen, sie stalkenden Freund auf die Insel zurückzog und die die Leiche entdeckte, zu einer fachgerechten Obduktion an. Und dank der Mitwirkung von Michael Tsokos, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin, stimmen auch die Details der Obduktion. Einige Anekdoten aus Herzfelds Leben und einige von Herzfeld erzählten Todesfälle sind auch aus Tsokos‘ Leben.

 

Der Roman selbst leidet daran, dass der Bösewicht sich einen furchtbar komplizierten Plan ausgedacht hat, in dem er in mehreren Leichen sorgfältig versteckte Hinweise platziert und er davon ausgeht, dass Herzfeld sich in einer bestimmten Art und Weise verhält. Dass Herzfeld diesen Anweisungen dann doch nicht bedingungslos folgt, bringt seinen Plan nur geringfügig durcheinander und alles läuft ziemlich geradlinig auf die Konfrontation zwischen Gut und Böse auf der Insel hinaus.

 

Abgeschnitten“ fesselt zwar, hat Pageturner-Qualitäten, aber so richtig packend ist der Roman nie und die den Roman einrahmenden vier Zeitungsartikel über Fälle, in denen Wirtschaftskriminelle eine hohe und Sexualstraftäter eine niedrige Strafe erhielten, und das damit verbundene Motiv des Bösewichts, hinterlassen in ihrer biertischhaften Moral einen reaktionären Nachgeschmack, den ich so bei Sebastian Fitzek und Michael Tsokos nicht vermutet hätte.

 

 

Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler

 

Knaur, 2013

 

320 Seiten

 

9,99 Euro

 

 

Sebastian Fitzek/Michael Tsokos: Abgeschnitten

 

Droemer, 2012

 

400 Seiten

 

19,99 Euro

 

 

 

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (D 2012)

 

Meine Besprechung von Michael Tsokos‘ „Dem Tod auf der Spur“ (2009)


Sebastian Fitzek erzählt von „Augensammlern“ und „Augenjägern“

Oktober 14, 2011

In seinem neuesten Thriller „Der Augenjäger“ warnt Sebastian Fitzek seine Leser gleich auf der ersten Seite, dass dieser Roman eine Fortsetzung von „Der Augensammler“ ist und, auch wenn man den einen Roman nicht gelesen haben muss, um den anderen zu verstehen, er aber wichtige Handlungsdetails aus dem „Augensammler“ verraten werde und es mehr Spaß mache, die Bücher chronologisch zu lesen. Denn, wie bei einem der inzwischen seltenen Zweiteiler einer TV-Serie (bei „Castle“ gab es vor kurzem einen Zweiteiler, bei „CSI“ gibt es manchmal Zweiteiler und öfter Crossover-Folgen), sind beide Folgen nur lose miteinander verknüpft und in der zweiten Folge werden fast alle Gewissheiten des ersten Teils auf den Kopf gestellt.

In „Der Augensammler“ bringt ein Unbekannter Mütter um, entführt ihre Kinder und gibt dem Vater 45 Stunden und 7 Minuten, sein Kind zu retten. Bis jetzt wurden alle entführten Kinder tot aufgefunden. Immer fehlte das linke Auge. Deshalb nennt ihn die Presse den „Augensammler“.

Da kommt die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev zu dem Ex-Polizisten und Sensationsreporter Alexander Zorbach. Sie sagt, sie habe, als sie einen ihrer Patienten berührte, eine Vision gehabt, die sie zu dem Augensammler führen könnte. Zorbach hält diese Vision zwar für ausgemachten Quatsch, aber weil seine ehemaligen Kollegen ihn im Moment für den Augensammler halten, beschließt Zorbach, diese Chance, seine Unschuld zu beweisen, wahrzunehmen. Mit ungeahnten Folgen.

Der Augenjäger“ schließt unmittelbar an den „Augensammler“ an, Denn jetzt wird irgendwie (Oh heilige Spoilervermeidung!) die Jagd nach dem „Augensammler“ abgeschlossen.

Einige Monate später bittet die Polizei Alina Gregoriev ihnen bei einem anderen Fall zu helfen. Der begnadete Augenchirurg Dr. Zarin Suker soll Frauen entführen und ihnen die Augenlider entfernen. Eines seiner Opfer überlebte, ist aber verschwunden und wenn Gregoriev mit ihrer Gabe nichts herausfindet, wird Suker aus der Untersuchungshaft entlassen. Gregoriev sieht bei der Behandlung zwar etwas, aber solange sie von der Polizei keine Informationen über Zorbach erhalten hat, will sie nichts sagen.

Kurz darauf wird Suker freigelassen und er entführt Gregoriev. Er will sie operieren. Zuerst will er ihr dabei die Sehfähigkeit zurückgeben.

Und das ist nur eine von vielen überraschenden Wendungen, die den „Augensammler“ und den „Augenjäger“ wie einen Edgar-Wallace-Film wirken lassen. Denn es passiert unglaublich viel, es ist ziemlich unterhaltsam und am Ende sollte man wirklich nicht zu viele Gedanken an die Wahrscheinlichkeit des Gelesenen verschwenden.

Beide Bücher, die auch unabhängig voneinander gelesen werden können, sind eine feine lange Geister- und Achterbahnfahrt, die genau das Richtige für einen langen Sonntagnachmittag oder eine dröge Zugfahrt ist.

Sebastian Fitzek: Der Augenjäger

Droemer, 2011

432 Seiten

19,99 Euro

Sebastian Fitzek: Der Augensammler

Droemer, 2010

448 Seiten

16,95 Euro (Hardcover)

9,99 Euro (Taschenbuch)

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

 


Enttäuschendes Werk von Sebastian Fitzek

Juni 12, 2009

Fitzek - Splitter

Milde Spoilerwarnung: Ich verrate zwar nicht das Ende von „Splitter“, aber ganz ohne Spoiler geht es nicht.

Nachdem ich die vorherigen Romane von Sebastian Fitzek verschlungen habe, ist „Splitter“ eine herbe Enttäuschung. Die Geschichte ist während des Lesens und auch im Rückblick einfach zu unglaubwürdig.

Dabei ist der Anfang Fitzek-typisch verheißungsvoll. Marc Lucas geht zu dem abgeschieden lebenden Professor Niclas Haberland (bekannt aus „Der Seelenbrecher“). Er ist schwer verletzt und zweifelt, ob er wirklich lebt. Der Professor sagt ihm, er sei leider zu spät gekommen, aber er werde ihm jetzt erzählen, warum er in diesem bemitleidenswertem Zustand sei.

Fast die gesamte folgende Erzählung ist dann eine Rückblende. Vor elf Tagen wurde Lucas eingeladen an einem Experiment teilzunehmen. Lucas hat vor sechs Wochen bei einem von ihm verschuldeten Autounfall seine schwangere Frau verloren und er möchte dieses Ereignis gerne vergessen. Forschungsleiter Professor Bleibtreu erklärt ihm, er forsche an gezielten Amnesien und Marc Lucas sei ein geeigneter Teilnehmer.

Lucas zögert noch. Er weiß nicht, ob er wirklich Teile seines Gedächtnisses verlieren will.

Als er in seine Wohnung zurückkehren will, ist das Türschild und das Schloss ausgetauscht und seine totgeglaubte Frau öffnet die Tür. Sie erkennt ihn aber nicht. Lucas ist verunsichert. Er will herausfinden, was los ist und geht zurück zur Klinik. Aber statt vor der Klinik, steht er vor einer Baugrube. Er wird verfolgt. Er zweifelt, ob er nicht wahnsinnig wird. Eine offensichtlich paranoide Frau erzählt ihm etwas von einer Verschwörung.

Klingt spannend? Immerhin ist die Geschichte des Mannes, der glaubt seinen Verstand zu verlieren, ein gut etabliertes Subgenre. Mal wird er wirklich wahnsinnig. Mal erkennt er so die Wirklichkeit. Mal ist es ein Komplott. Am effektivsten wird die Geschichte in der ersten Person erzählt. Dann erleben wir alles aus der Perspektive des Erzählers, der an seinem Verstand zweifelt. Es ist nicht möglich zu unterschieden, ob der Erzähler die objektive oder nur eine subjektive Wahrheit erzählt. Denn wenn der Ich-Erzähler glaubt, dass ein sprechender Hase auf seiner Couch sitzt, dann sitzt dort ein sprechender Hase (und innerhalb der Realität einer Geschichte kann dort wirklich ein sprechender Hase sitzen).

Wenn die Geschichte in der dritten Person erzählt wird, wie Fitzek es tut, dann gibt es auch immer die objektive Perspektive, die uns sagt, dass auf der Couch kein Hase sitzt. Außerdem schreibt Fitzek keine Fantasy- oder Horror-Romane (in denen das Übernatürliche einen festen Platz hat), sondern Thriller.

Durch die gewählte Perspektive ist klar, dass irgendjemand möchte, dass Lucas sein Gedächtnis auf die eine oder anderen Art verliert. Allerdings soll er nicht sterben. Und, das ergibt sich aus der Größe der Verschwörung, muss der Hintermann sehr einflussreich sein und Lucas etwas sehr wichtiges Besitzen.

Jedenfalls müsste natürlich versuchen, herauszufinden, wer ihn warum in den Wahnsinn treiben will. Die meiste Zeit wird er, wie ein Flipperkugel, von dem einen Ende der Stadt zum anderen gestoßen. Bei der ganzen Lauferei erfährt er allerdings nichts, was ihn näher an die Lösung des Rätsels bringt.

Allerdings ist auch unklar, welche Ziele der oder die Bösewichte haben. Alles ist zufällig und willkürlich. Seine Frau ist mal in seiner Wohnung. Dann wieder nicht. Der Schwiegervater verschwindet plötzlich spurlos aus der Wohnung. Jemand hilft ihm, der sich eine Szene später als Bösewicht herausstellt. Und umgekehrt. Krankenpfleger jagen durch die Stadt. Eine Verrückte hilft ihm. Oder ist diese Verrückte gar nicht verrückt, sondern, wie sie behauptet, einem großen Komplott auf der Spur? Das wird von Fitzek genauso konfus erzählt, wie es sich jetzt hier liest.

Denn Lucas agiert in dieser Nacht nicht auf ein Ziel hin. Seine Handlungen sind ein meist intuitives agieren auf plötzlich auftauchende neue Situationen. Wie in einer Geisterbahn wird er passiv (Schreien ist natürlich erlaubt.) durch eine Parcours geführt. Dabei kommt er der Antwort auf die Frage, warum eine Organisation den ganzen Aufwand betreibt, um einen unbedeutenden Sozialarbeiter in den Wahnsinn zu treiben, keinen Schritt näher. Obwohl viel passiert, passiert letztendlich doch nichts.

Gestreckt wird die Geschichte von Lucas durch eine zweite Geschichte. In ihr soll sein gerade aus der Psychiatrie entlassener Bruder Benny, im Auftrag eines Gangsters, einen investigativen Journalisten umbringen und danach sofort aus Berlin verschwinden. Einerseits hat dieser Subplot offensichtlich nichts mit der Hauptgeschichte zu tun. Aber andererseits muss Bennys Geschichte, so die Vermutung beim Lesen, irgendwie mit Lucas‘ Geschichte zusammenhängen. Weil diese Vermutung falsch ist, könnte Bennys Geschichte umstandslos gestrichen werden. Dann würde zwar eine, nie überzeugende, falsche Fährte wegfallen, aber die Geschichte von Lucas würde an Kraft gewinnen und uns würde mindestens eine idiotische Situation (Ich sage nur: Leiche im Badezimmer.) erspart.

Am Ende präsentiert Fitzek zwar eine Erklärung für das Spiel mit der geistigen Gesundheit von Lucas. Eigentlich gibt es sogar zwei Erklärungen. Aber die erste ist nicht logisch. Denn der Bösewicht hätte sein Ziel auch viel einfacher erreichen können. Die zweite Erklärung hat zwar einen netten Aha-Effekt, aber sie verstößt gegen die innere Logik der Geschichte.

Gerade weil Sebastian Fitzek schon bessere Schmöker geschrieben hat, ist „Splitter“ so enttäuschend.

Anmerkung: Die hoffnungslos überfüllte Buchvorstellung im Oskar-Helene-Heim war gewohnt gut. Für die VIPs gab’s Häppchen in der Pathologie (Spätes Mittagessen war eine doofe Idee.), eine Führung durch die Klinik (Schwester Mildred Ratched hätte die Einrichtung gefallen.) und sogar noch einen Sitzplatz (Nein, es war kein reservierter Platz.). Fitzek erzählte locker-flockig von Erlebnissen, die er gerne vergessen würde (Falls er sie nicht erfunden hat. Aber dafür wird ein Autor bezahlt.). Simon Jäger, der Sprecher des Hörbuchs, las einige Passagen aus „Splitter“ vor.

Sebastian Fitzek: Splitter

Droemer, 2009

384 Seiten

16,95 Euro

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)


Premiere von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ in Berlin

August 15, 2008

Während Sebastian Fitzek die letzten Korrekturen an seinem neuen Thriller „Der Seelbrecher“ bestätigt, plant der Verlag bereits die Buchpremiere am Donnerstag, den 18. September, um 20.00 Uhr in der Thalia-Buchhandlung „Das Schloss“ (Schlossstraße 34, Berlin-Steglitz).

Nach dem Schmöker „Das Kind“ bin ich auf Fitzeks neuen Roman gespannt. Denn die Prämisse klingt vielversprechend:

Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den ›Seelenbrecher‹ nennt, genügt: Als man die Frauen wieder aufgreift, sind sie verwahrlost, psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem eigenen Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Verzweifelt versuchen die Eingeschlossenen einander zu schützen – doch in der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt…

Wenn das die Beschreibung für einen Fantasy-Filmfest-Film wäre,…


TV-Tipp für den 13. Dezember (+ Buchkritik): Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See

Dezember 13, 2018

RTL, 20.15

Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See (Deutschland 2018)

Regie: Alexander Dierbach

Drehbuch: Miriam Rechel

LV: Sebastian Fitzek: Passagier 23, 2014

Wenn jemand auf einer Kreuzfahrt spurlos verschwindet, ist es meistens Suizid oder Suff. Aber was ist, wenn eine solche verschwundene Person wieder auftaucht? Mit diesem Problem müssen sich auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ einige Menschen beschäftigen. Denn die vor acht Wochen verschwundene und für tot erklärte elfjährige Anouk Lamar ist schwer traumatisiert wieder aufgetaucht. Von ihrer Mutter fehlt immer noch jede Spur. Bei sich hatte Anouk den Teddybär des fast gleichaltrigen Timmy Schwartz. Timmy und seine Mutter gingen vor fünf Jahren auf der „Sultan of the Seas“ über Bord.

Jetzt kehrt der Berliner Polizeipsychologe Martin Schwartz auf das Kreuzfahrtschiff zurück. Er will das Rätsel um den Tod seiner Frau und seines Sohns und das rätselhafte Auftauchen von Anouk lösen. Auf dem Schiff trifft er Daniel Bonhoeffer, der damals und heute der Kapitän des Schiffes ist.

(Zwischenbemerkung: diese Inhaltsangabe folgt dem Roman. Für den Film wurde der Schiffsname und die Dauer von Anouks Verschwinden geändert.)

Unterm Strich sind die 120 Minuten zwar spannend, aber „Passagier 23“ hätte ein noch besserer Film werden können.“ (tittelbach.tv)

mit Lucas Gregorowicz, Oliver Mommsen, Judy Winter, Kim Riedle, Mercedes Müller, André Röhner, Picco von Groote, Martin Lindow

Wiederholung: Freitag, 14. Dezember, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Was für ein Filmjahr für Sebastian Fitzek. Nachdem zunächst alle Produzenten abwinkten, gab es dieses Jahr mit den TV-Filmen „Das Joshua-Profil“, „Amokspiel“ (noch nicht gesehen), „Passagier 23“ (dito) und dem Kinofilm „Abgeschnitten“ wahre Fitzek-Festspiele mit zwiespältigem Ergebnis. Immerhin gelang es Christian Alvart in „Abgeschnitten“ aus dem Serienkiller-Pageturner einen Serienkiller-Thriller zu machen, der mir sogar besser als der Roman gefiel.

Auch die Verfilmung von „Passagier 23“ dürfte schwierig sein. Denn der Pageturner ist ein typischer Fitzek-Roman. Es beginnt mit einem Rätsel (Warum kehrte die vor acht Wochen über Bord gegangene Anouk zurück? Wo war sie die ganze Zeit?) und schnell wird aus dem Ermittlerkrimi ein Thriller, in dem ständig etwas passiert. Die Figuren bleiben dabei immer spärlich charakterisierte Erfüllungsgehilfen der sich rasend schnell entwickelnden Ereignisse. In einem Roman funktioniert das. Für einen Film muss die Romangeschichte verändert werden. Charaktere müssen eingeführt werden. Beziehungen müssen etabliert werden und auch die falschen Fährten müssen anders ausgelegt oder vollkommen aus der Filmgeschichte gestrichen werden. Die Aufgabe des Drehbuchautors ist es, die Essenz des Romans und warum der Roman gelesen wurde, in ein anderes Medium zu übertragen. Dafür kann und muss die Vorlage verändert werden.

Passagier 23“ ist ein ziemlich abstruser Thriller, der bis zur überraschenden Auflösung das Prinzip des Cliffhangers perfektioniert hat. Ehe man lange darüber nachdenken kann, ob das alles besonders wahrscheinlich ist, hat man das Buch zu Ende gelesen. Gleich danach streicht man die Idee mit der Kreuzfahrt von der nächsten Urlaubswunschliste. Gibt ja noch andere Orte, an denen es schön ist. Vielleicht ist da einer dabei, an dem keine Verbrechen geschehen.

Sebastian Fitzek: Passagier 23

Droemer, 2014

432 Seiten

19,99 Euro (gebundene Ausgabe)

Knaur 2015

9,99 Euro (Taschenbuch)

Hinweise

RTL über „Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See“

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Zsolt Bács‘ Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Christian Alvarts Sebastian-Fitzek-Michael-Tsokos-Verfilmung „Abgeschnitten“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 27. November: Amokspiel

November 27, 2018

Sat.1, 20.15

Amokspiel (Deutschland 2018)

Regie: Oliver Schmitz

Drehbuch: Christian Busche

LV: Sebastian Fitzek: Amokspiel, 2007

Berlin: ein Geiselnehmer kapert die Radiomitmachshow „Cash Call“. Seine Forderung: er will mit seiner Verlobten sprechen. Dummerweise starb sie bei einem Autounfall. Kriminalpsychologin Ira Samin fragt sich, was für ein Spiel der Geiselnehmer treibt, während dieser fröhlich Menschen anruft und, wenn die Angerufenen die Parole nicht kennen, Geisel tötet.

Vor Jahren beschwerte Sebastian Fitzek sich, dass seine Thriller zwar Bestseller seien, aber niemand sie verfilmen wolle. Inzwischen hat sich das geändert. „Abgeschnitten“ läuft noch im Kino und jetzt läuft „Amokspiel“, mit Werbepausen, im Puschenkino. Mal sehen, ob’s ein spannender Thriller oder ein Desaster wird.

Tittelbach.tv ist jedenfalls zufrieden: „Als Spannungsspektakel funktioniert der weitgehend als Kammerspiel inszenierte Film…gut.“

P. S.: die Buchvorstellung in einem Radiosender in Berlin war jedenfalls ziemlich denkwürdig mit allem, was zu einem SEK-Einsatz gehört.

mit Franziska Weisz, Kai Schumann, Eko Fresh, Manuel Mairhofer, Christian Tramitz, Johann von Bülow

Wiederholung: Sonntag, 2. Dezember, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Sebastian Fitzek: Amokspiel

Knaur, 2007

448 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Sat.1 über den Film

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts Sebastian-Fitzek-Michael-Tsokos-Verfilmung „Abgeschnitten“ (Deutschland 2018)


Ja, wo laufen sie denn beim „9. Krimimarathon Berlin-Brandenburg“?

November 4, 2018

Da soll noch jemand sagen, Krimifans seien unsportlich. Am 5. November beginnt der „9. Krimimarathon Berlin-Brandenburg“ und der Lauf endet am 18. November.

Krimifans sind allerdings auch gewitzt. Denn die meiste Zeit verbringen sie den Marathon nicht schwitzend auf asphaltierten Straßen, sondern sitzend in klimatisierten Räumen und lauschen unter anderem Sebastian Fitzek, Michael Tsokos (von denen läuft noch „Abgeschnitten“ in den Kinos), Elisabeth Herrmann, Arne Dahl, Klaus-Peter Wolf, Bernhard Aichner, Max Bentow, Andreas Pflüger, Max Annas, Axel Petermann, Marc Raabe. Mario Giordano, D. B. Blettenburg, Rainer Wittkamp, Matthias Wittekindt und Die mörderischen Schwestern sind auch dabei.

Die Lesungen sind in Berlin, Potsdam und um die beiden Hauptstädte herum.

Alle sachdienlichen Hinweise und das Programm gibt es hier (oder gleich zum Programm). Einige Lesungen sind bereits ausverkauft (Fitzek), einige sind kostenlos und einige richtig teuer. Dafür gibt es dann auch etwas zu essen.


Neu im Kino/Filmkritik: „Harms“ – Gangsterfilm, German Style

Juni 12, 2014

Im Presseheft wird ausführlich auf die Finanzierung von „Harms“ eingegangen. Denn der Gangsterfilm entstand ohne Fördergelder. Das ist mutig, aber wenn man weiß, welche Filme normalerweise gefördert werden, auch konsequent. Denn Genregeschichten haben es schwer. So erzählte Sebastian Fitzek über die Produktion von „Das Kind“, dass das Projekt, obwohl es sich um eine Bestsellerverfilmung handelt (was für gute kommerzielle Aussichten spricht), sofort abgelehnt wurde, weil es sich um eine Genregeschichte handelt.
Nun, „Harms“ erzählt ebenfalls eine Genregeschichte, die wohl nicht nur Genrefans gut kennen: nach sechzehn Jahren, davon dreizehn Jahre für ein Ehrenwort, wird Harms, ein harter Knacki mit dem Herz am rechten Fleck, aus dem Gefängnis entlassen. Er besucht seine alten Freunde und fragt sich, was er mit seiner Zeit anstellen soll. Immerhin ist er nicht der mehr der Jüngste und die Job-Perspektiven sind mau. Rente gibt es auch nicht. Entsprechend trist und ohne Perspektive ist sein Leben zwischen Knacki-Männerwohngemeinschaft, einsam auf einer Wiese vor sich hin gammelnder Imbissbude und Eckkneipe. Er erträgt sein Schicksal stoisch, schweigsam und mit starrem Blick. Endstation eben.
Da wird er in einer noblen Hotelbar von einem älteren, wohlhabendem Mann angesprochen, der selbstverständlich ein doppeltes Spiel spielt. Er macht Harms ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: den Überfall auf die Bundesbank, wo an einem bestimmten Tag 100 Millionen Euro in alten Scheinen sind, die vernichtet werden sollen. Einen helfenden Insider gibt es auch. Harms stellt eine Gang zusammen – und, ich verrate jetzt sicher nichts wirklich überraschendes, der Überfall geht schief.
Die Vorbilder und auch die Richtung, in die Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Nikolai Müllerschön („Der rote Baron“) und Hauptdarsteller und Produzent Heiner Lauterbach gehen wollen, ist klar: das klassische Gangsterfilmkino, in dem Berufsverbrecher eiskalt ihr Ding durchziehen, gemeinsam einen Überfall oder Einbruch planen und, spätestens nach der Straftat gegeneinander kämpfen. „Rififi“ und seine Parodie „Topkapi“ sind die Marksteine des Genres, in denen die Vorbereitungen und der Einbruch minutiös gezeigt werden und eine beträchtliche Spannung entwickeln.
Aber gerade die Vorbereitungen des Überfalls enttäuschen. Denn in „Harms“ finden sie kaum statt. Stattdessen sehen wir schweigsame Männer, vor allem Heiner Lauterbach, tiefgründig in die Luft starren, was nicht besonders spannend ist. Auch die Anti-Hartz-IV-Tiraden von Familienvater Menges (Axel Prahl) und die schofelig rassistischen Tiraden von Eckkneipenwirt Timm (Martin Brambach) vertreiben nur mühsam die Zeit. Wobei gerade Timm eine echte Type ist, während Menges doch zu sehr im gut geübten TV-Klischee erstarrt
In „Harms“ findet der Überfall auf die Bank erst im dritten Akt statt und er ist erstaunlich schlecht geplant. Schon während des Überfalls sterben die ersten Männer. Danach geht es lustig mit dem Morden weiter. Schließlich ist das gegenseitige Erschießen unter harten Männern eine bewährte Methode. Dabei wäre es nett gewesen, wenn hier nicht dumpfe Gewalt, die doch arg unvermittelt hereinbricht, sondern etwas mehr Cleverness herrschen würden. Schließlich müssen die Verbrecher der Polizei nicht die gesamte Arbeit abnehmen.
Als Gangsterfilm ist „Harms“ ziemlich schwach, weil er zu lange in erster Linie eine zu statische Milieustudie mit höchst unsympathischen Männern und Proleten ist und bei dem viel zu lieblos inszeniertem Überfall kommt auch nie Spannung auf.
„Harms“ erreicht nie die Qualität von Thomas Arslans „Im Schatten“, dem es sehr gut gelang, die vor allem US-amerikanischen Vorbilder in die deutsche Metropole zu übertragen. Dennoch hätte es, das muss angesichts von etlichen vollkommen misslungen bundesdeutschen Genreübungen auch gesagt werden, viel schlimmer kommen können.

Harms - Plakat

Harms (Deutschland 2014)
Regie: Nikolai Müllerschön
Drehbuch: Nikolai Müllerschön
mit Heiner Lauterbach, Friedrich von Thun, Axel Prahl, Martin Brambach, Blerim Destani, André Hennicke, Benedikct Blaskovic, Valentina Sauca, Helmut Lohner
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Harms“
Moviepilot über „Harms“

Ein Making of zum Film, mit Statements der Macher

 

 


Kleine Fitzek-mania

April 4, 2013

Fitzek - Der Nachtwandler - 3

Sebastian Fitzek hat einen neuen Psychothriller veröffentlicht.

„Der Nachtwandler“ heißt das Werk – und es ist ein typischer Pageturner-Fitzek mit einem überraschendem Ende.

Die Story: Der Schlafwandler Leon glaubt, dass er im Schlaf seine Freundin geschlagen hat. Er will herausfinden, was er im Schlaf tut und schnallt sich eine Kamera um. Als er am nächsten Tag die nächtlichen Aufnahmen ansieht, entdeckt er hinter einem Schrank eine Tür – und das ist nicht das einzige Geheimnis, das das noble Mietshaus beherbergt.

Zur Buchveröffentlichung unternimmt Sebastian Fitzek eine Unplugged-Lesetour. Denn dieses Mal gibt es nur den Mann, das Buch und ein Mikrofon. In einer Buchhandlung.

Am Dienstag war der Tourauftakt hier in Berlin in der SoSch-Buchhandlung (in den Gropius-Passagen) vor über zweihundert Fans. Fitzek las während der über neunzigminütigen Lesung mehrere Ausschnitte aus dem Roman (mehr als bei seinen vorherigen Lesungen), erzählte gewohnt kurzweilig Geschichten aus seinem Leben, beantwortete Fragen aus dem Publikum und signierte Bücher. Kurz gesagt: eine Lesung, die, bis auf die Sache mit dem Bücher signieren, auch einem Nicht-Fitzek-Fan gefallen kann.

Die weiteren Tourdaten (wobei etliche Lesungen bereits ausverkauft sein dürften) sind (schamlos kopiert von Sebastian-Fitzeks-Homepage):

04. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Delmenhorst
05. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Dülmen
08. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Kleinmachnow
11. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Erlangen
12. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Pforzheim
15. April 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Berlin
20. April 2013 Theaterstück Leverkusen
02. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Lübeck
03. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Hannover
06. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Schwerin
07. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Haldensleben
08. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Erfurt
10. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Neuenhagen bei Berlin
13. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Wunstorf
14. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Gescher
15. Mai 2013 Der Nachtwandler – Unplugged Dortmund
25. Mai 2013 Theaterstück München

Während der Lesung war auch das ZDF anwesend und nahm einige Bilder für ein kurzes Porträt auf, das am Freitag (also Morgen) im ZDF Morgenmagazin ausgestrahlt wird und danach in der Mediathek zu finden ist.

Bis dahin kann man sich diese einstündige Vorstellung von „Abgeschnitten“, dem Gemeinschaftswerk von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos ansehen (ja, die Macher hätten einen kleineren Bildausschnitt wählen können und sie hätten die Autoren nicht auf eine Couch setzen müssen):

Sebastian Fitzek: Der Nachtwandler

Knaur, 2013

320 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung „Das Kind“ (D 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Sebastian-Fitzek-Verfilmung „Das Kind“

Oktober 18, 2012

So schlecht wie man nach dem Lesen von einigen Kritiken über den deutschen Thriller „Das Kind“ vermuten könnte, ist Zsolt Bács‘ Verfilmung des Bestsellers von Sebastian Fitzek nicht. In den USA wäre der Film einer dieser unzähligen Direct-to-DVD-Filme, die mit etlichen bekannten Namen aufwarten (oft zweite oder dritte Garde oder zuverlässige Nebendarsteller oder Stars auf dem absteigenden Ast), eine okaye Geschichte halbwegs zügig erzählen, mit Kameraschnickschnack einen höherwertigen Eindruck erzielen wollen und durchwachsene Besprechungen erhalten.

Dabei sind die Hauptprobleme von „Das Kind“ gerade im – aus kommerzieller Sicht sicher nicht unklugem – Schielen auf den internationalen Markt zu finden. Die Hauptdarsteller, wobei Eric Roberts der Bekannteste ist, sind aus den USA. Gedreht wurde in Englisch. Berlin wurde komplett anonymisiert. Roland Emmerich machte es in den achtziger Jahren genauso, aber seine Filme spielten in den USA oder im Weltall und nicht in Deutschland.

Und die Bilder wurden so lange nachbearbeitet, bis „Das Kind“ über weite Strecken zu einen Braun-Beige-Film wurde, der bevorzugt Nachts und in schlecht beleuchteten Räumen spielt. Im Presseheft sagt Bács, dass David-Finchers-Noir-Thriller „Sieben“ das stilistische Vorbild gewesen sei. Man sieht es. Leider.

Die Filmstory folgt der Buchstory: der zehnjähriger, todkranke Simon Sachs (Christian Trauemer) sagt dem Staranwalt Robert Stern (Eric Roberts), dass er vor fünfzehn Jahren einen Mann ermordete. In einem verfallenen Lagerhaus finden sie bei einer nächtlichen Erkundung mit Taschenlampen die Leiche. Kurz darauf erhält Stern eine DVD, auf der Bilder von seinem totgeglaubten Sohn und seiner als Geisel genommenen Ex-Frau sind. Der Erpresser will, dass Stern innerhalb von 24 Stunden (Warum so schnell? Keine Ahnung. Im Buch hatte er etwas mehr Zeit.) den Mörder der eben entdeckten Leiche findet.

Und der Junge sagt Stern, dass er noch weitere Morde begangen hat und in wenigen Tagen auf einer Brücke einen weiteren Mord begehen wird.

Während Sterns Suche nach dem Täter entdeckt er, dass die Toten zu einem Pädophilenring gehörten und die Polizei, verkörpert durch die Kommissare Martin Engler (Peter Greene) und seinen austauschbaren Adlatus Brandmann (Clemens Schick), halten ihn für den Serienmörder. Immerhin kennt er die Verstecke der Leichen und er ist auch am Tatort eines weiteren Mordes.

Aber während der Roman ein echter Pageturner ist, erscheint der Film immer wieder zugleich zäh und hastig. Denn nie wird sich die Zeit genommen, die Personen etwas genauer zu charakterisieren. Die Handlung soll es richten. Und die folgt der kalten Mechanik des Plots und dem Prinzip „Überraschung“, unter galanter Missachtung der Logik. Aber so bleiben auch alle Charaktere, eben weil sie viel zu dürftig und oberflächlich charakterisiert sind, austauschbare und blasse Marionetten des Plots. Einige Schauspieler überspielen das mit ihrer Präsenz, wobei die deutschen Schauspieler einen stärkeren und positiveren Eindruck hinterlassen als die amerikanischen Schauspieler.

Das sind Ben Becker als Zuhälter mit dem goldenen Herzen, Dieter Landuris als in einem Wohnwagen lebender, vorbestrafter Pädophiler (Okay, seine Aufgabe bestand darin, sich verprügeln zu lassen), Dieter Hallervorden und Daniela Ziegler als miteinander verheiratete Organisatoren eines Pädophilenrings. Ihnen gefielen offensichtlich ihre Rollen als liebender Onkel und als eiskalte Empfangsdame.Reiner Schöne als gläubiger Krankenhauspatient überzeugt einfach durch seine Präsenz. Er hat auch nur zwei etwas längere und zwei kurze Auftritte.

Eine echte Entdeckung ist Christian Traeumer, der den zehnjährigen Simon spielt.

Aber der Rest des US-Cast (yep, Traeumer ist Amerikaner) bleibt austauschbar.

Sunny Mabrey als Simons Krankenschwester und Peter Greene als angekränkelter Polizist (bis er von einem Unbekannten vor den Augen von Stern erschossen wird) hinterlassen keinen größeren Eindruck.

Und Eric Roberts, der große Star aus den USA, der seine Karriere mit einer Oscar- und Golden-Globe-Nominierung als bester Nebendarsteller in „Runaway Train“ begann, danach als kommender Star gehandelt wurde und seitdem, oft als Bösewicht, ein auskömmliches Leben als Nebendarsteller in A-Filmen und Haupt- und Nebendarsteller in unzähligen B-Pictures (und schlechter) gefunden hat, hat die Hauptrolle übernommen: den des erfolgreichen Anwalts, der ein Kotzbrocken ist und der immer noch seinem vor zehn Jahren als Baby verstorbenem Sohn hinterhertrauert. Doch er taugt – im Gegensatz zum Roman – weder als Identifikationsfigur noch als Sympathieträger. Die meiste Zeit ist er, weil Eric Roberts ihn so furchtbar übertrieben und uneinheitlich spielt, einfach nur unsympathisch und entsprechend egal ist er uns.

Dabei hätte man einige Probleme des Films schon lösen können, in dem man sich gerade am Anfang vom Buch gelöst hätte. Denn der Film und das Buch beginnen mit dem nächtlichen Treffen an der Lagerhalle und der Entdeckung der ersten Leiche. In dem Moment wissen wir noch nichts übe die einzelnen Charaktere, aber Stern, der von dem nächtlichen Treffen und der absurden Geschichte des Jungen genervt ist, kommt im Film gleich als Kotzbrocken, dem seine Mitmenschen egal sind, rüber.

Hier hätte man sich vorher einige Minuten nehmen sollen, um Stern als Charakter einzuführen. Zum Beispiel indem er vor Gericht einen Freispruch für einen Mandanten, vielleicht für den Zuhälter Andy Borchert (Ben Becker), erreicht, indem er Engler (Peter Greene) als unzuverlässigen Zeugen erscheinen lässt. Dann wäre Stern für uns ein brillanter Anwalt gewesen (wir haben ihn bei der Arbeit gesehen), der alles für seine Mandanten tut (aber keine Zeit für Kindereien hat). Wir hätten verstanden, warum Borchert ihm später so bereitwillig hilft (im Film wird irgendwann gesagt, dass sie sich von früheren Gerichtsverfahren kennen) und warum Engler ihn hasst.

Dafür hätte man die atmosphärischen, aber nur den Erzählfluss störenden, Berlin-Impressionen weglassen und ein weniger überhöhtes Berlin-Bild zeichnen können, das irgendwo zwischen Wiederbelebung der Weimarer Jahre (ich sage nur „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“; auch das Polizeirevier scheint sich seit damals nicht geändert zu haben) und Metropolen-Ortlosigkeit schwankt. Denn dieses Berlin soll, obwohl der Film in Berlin spielt, möglichst wenig nach Berlin aussehen.

Da, und auch bei der Wahl der Schauspieler, hätte man ruhig einen Blick nach Frankreich oder Skandinavien werfen können, die derzeit mit ihren Thrillern ein weltweites Publikum begeistern.

So erscheint „Das Kind“, mit Amerikanern, die Deutsche spielen, einem Dreh in Englisch und einem Berlin das konsequent amerikanisiert wurde, immer etwas displaced.

Aber dennoch hoffe ich, dass „Das Kind“ ein Erfolg wird, weil es bei uns im Kino so wenige Genrefilme gibt und der einzige Weg für mehr Genrefilme im Kino ist halt, dass die Leute sich diese Filme ansehen. Denn nur so werden die Produzenten weitere Genrefilme produzieren und auch die Filmförderungsanstalten (die das Projekt ablehnten, weil ja niemand deutsche Genrefilme sehen wolle) werden dann nicht nur Selbstfindungsdramen und Komödien, sondern auch Thriller fördern.

Das Kind (Deutschland 2012)

Regie: Zsolt Bács

Drehbuch: Zsolt Bács, Sebastian Fitzek, Brian Cordray

LV: Sebastian Fitzek: Das Kind, 2008

mit Eric Roberts, Christian Traeumer, Sunny Mabrey, Ben Becker, Peter Greene, Dieter Hallervorden, Daniela Ziegler, Clemens Schick, Reiner Schöne, Dieter Landuris, Luc Feit

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Sebastian Fitzek: Das Kind

Droemer, 2008

400 Seiten

9,99 Euro (Knaur, Taschenbuch, mit Material zum Film)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das Kind“

Wikipedia über „Das Kind“

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Augensammler“ (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Augenjäger“ (2011)

 


Triff die Verantwortlichen für „Gnade“ und „Das Kind“ im Kino

Oktober 14, 2012

Während die Macher von „Nairobi Half Life“ (toller Gangsterfilm) und „Die Wand“ (bebildertes Hörspiel eines Romans) noch aus dem Koffer leben, packen die nächsten schon ihre Koffer.

Gnade“ ist ein neuer Film von Regisseur Matthias Glasner und Hauptdarsteller Jürgen Vogel, die bereits in „Die Mediocren“, „Sexy Sadie“, „Der freie Wille“, „This is Love“, „Tatort: Flashback“ und „Die Stunde des Wolfs“ zusammen arbeiteten und nie vor kontroversen Stoffen zurückschreckten. Auch „Gnade“ wird die Zuschauer spalten.

Ingenieur Niels (Jürgen Vogel) ist mit seiner Frau und seinen Sohn nach Hammerfest gezogen, weil er dort mit ihnen ein neues Leben beginnen will. Als seine Frau nachts zufällig ein Mädchen überfährt (was sie erst am nächsten Tag erfährt) und Fahrerflucht begeht, wird ihre eh schon kriselnde Ehe auf die Probe gestellt.

Mir hat der Film, obwohl ich einiges zu bemängeln habe (wie arg gruselig-hölzerne Dialoge, im Nirgendwo endende Subplots, ein seltsames Ende), gefallen. Lag vielleicht auch an der Landschaft, in der ich keine fünf Minuten bleiben möchte, aber im warmen Kinosaal ist es etwas anderes.

Jedenfalls, wenn sie mit den Machern über eisige Landschaften. Beziehungen und Gnade reden wollen:

Berlin: 15.10. um 20:00 Uhr, Kino International mit Birgit Minichmayr, Jürgen Vogel, Matthias Glasner und Kristine Knudsen

Leipzig: 16.10. um 18:30 Uhr, Passage Kinos mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Lübeck: 16.10. um 20:00 Uhr, Filmhaus mit Produzentin Kristine Knudsen

Dresden: 16.10. um 20:45 Uhr, Programmkino Ost mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Hannover: 17.10. um 18:30 Uhr, Kino am Raschplatz mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Bremen: 17.10. um 21:00 Uhr, Schauburg mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Bielefeld: 18.10. um 18:30 Uhr, Lichtwerk mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Münster: 18.10. um 20:45 Uhr, Cinema mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Düsseldorf: 19.10. um 19:00 Uhr, Metropol mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Köln: 19.10. um 20:45 Uhr, Odeon mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Frankfurt: 20.10. um 18:30 Uhr, Harmonie Kinos mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Heidelberg: 20.10. um 20:15 Uhr, Gloria Kino mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Mannheim: 21.10. um 11:00 Uhr, Atlantis mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Freiburg: 21.10. um 15:00 Uhr, Friedrichsbau mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

Stuttgart: 21.10. um 19:30 Uhr, Atelier am Bollwerk mit Jürgen Vogel & Matthias Glasner

München: 22.10. um 20:00 Uhr, City Kinos mit Birgit Minichmayr & Matthias Glasner

Der reguläre Kinostart ist am 18. Oktober.

Das Kind“ ist die Verfilmung eines Bestsellers von Sebastian Fitzek. In dem Thriller behauptet ein Kind, dass es ein Serienmörder sei. Anwalt Robert Stern (Eric Roberts) hält das aus nachvollziehbaren Gründen (Ein Zehnjähriger soll vor 15 Jahren einen Mord begangen haben? Vergiss es.) für Unfug. Aber dann überprüft er die Behauptungen des Jungen. Sie stimmen. Und das ist erst der Anfang für einige höllisch spannende Stunden. Jedenfalls wenn man Fitzeks Thriller liest. Denn die Kritiken, die ich bisher gelesen habe, sind verheerend.

Doch das sollte einen nicht daran hindern, das Kino zu besuchen, wenn Sebastian Fitzek anwesend ist. Denn er wird sicher einige Anekdoten erzählen. Die Daten der „Das Kind“-Kinotour mit Regisseur Zsolt Bács und Sebastian Fitzek (alphabetisch nach Städten sortiert)

Berlin – Cinemaxx Potsdamer Platz – Mittwoch, 17. Oktober

Bochum – UCI – Freitag, 19. Oktober

Bremen – Cinespace – Samstag, 20. Oktober

Dortmund – Cinestar – Freitag, 19. Oktober

Düsseldorf – UFA – Donnerstag, 18. Oktober

Essen – Cinemaxx – Freitag, 19. Oktober

Frankfurt – Cinestar Metropolis – Montag, 15. Oktober

Hamburg – UCI Mundsburg – Samstag, 20. Oktober

Hannover – Cinemaxx Raschplatz – Samstag, 20. Oktober

Köln Hürth – UCI – Donnerstag, 18. Oktober

Mannheim – Cineplex – Dienstag, 16. Oktober

Marburg – Cineplex – Montag, 15. Oktober

München – Neues Rottmann – Sonntag, 21. Oktober

Nürnberg – Cinecitta – Sonntag, 21. Oktober

Oberhausen – Cinestar – Donnerstag, 18. Oktober

Schweinfurt – Filmwelt – Sonntag, 21. Oktober

Stuttgart – UFA – Dienstag, 16. Oktober

Der reguläre Kinostart ist ebenfalls am 18. Oktober.

Vor einigen Tagen erschien auch Fitzeks neuester Thriller „Abgeschnitten“, den er zusammen mit Michael Tsokos, dem Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin, schrieb.

Die Buchpremiere (noch nicht online) war sehr kurzweilig und sehr informativ. Bis dahin kann man sich die Herren Fitzek und Tsokos beim Essen und Reden ansehen:


KrimiWelt-Bestenliste August 2010

August 2, 2010

Die Damen und Herren der KrimiWelt haben die verschlossenen Umschläge abgeliefert, an einem geheimen Ort wurden sie miteinander verglichen und der Zeremonienmeister verkündete die Bestenliste für den August 2010:

1 (4) Richard Price: Cash

2 (1) Pete Dexter: God’s Pocket

3 (-) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

4 (2) Dominique Manotti: Letzte Schicht

5 (9) Jiří Kratochvil: Das Versprechen des Architekten

6 (-) John Farrow: Treibeis

7 (-) D.B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis (Interview zum Buch)

7 (-) Don Winslow: Pacific Paradise

8 (-) Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

9 (10) John Hart: Das letzte Kind

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Schon wieder fünf Neueinsteiger.

Die ersten beiden Plätze sind fest in der Hand großer amerikanischer Literaten, die auch in Hollywood ihre Spuren hinterlassen haben. Gegen Don Winslow kann nichts gesagt werden und der Einstieg von D. B. Blettenberg in die Bestenliste war überfällig.

Nächsten Monat könnten dann Garry Disher, Raúl Argemi, Claudia Pineiro, Jenny Siler, Frank Göhre, Robert Brack, Massimo Carlotto (Zählt eine Biographie?) und R. J. Ellory (obwohl das Buch so unglaublich dick ist) mit ihren neuen Werken auf der Liste sein.

Sebastian Fitzek wird’s dagegen wahrscheinlich nie auf diese Liste packen.


Kleinkram

Juni 24, 2010

In den vergangenen Tagen hat sich einiges angesammelt:

„Jonah Hex“ ist in den USA gestartet. Der Trailer war schon „naja“. Die Länge ist mit 80 Minuten extrem kurz. Vor allem weil inzwischen der Abspann bei einem normalen Hollywood-Film die Länge eines Kurzfilms hat.


Die Kritiken sind – verheerend.

Bookgasm (Rod Lott) schreibt:

It’s all patched together in a way that it feels not like a major-studio feature, but some straight-to-video thing that used to serve as the Friday-night premiere on Cinemax in the mid-’90s, like, say, FIST OF THE NORTH STAR. Including credits, the movie clocks in at a mere 80 minutes, barely qualifying as a movie. At that length, you wonder why they didn’t just go the TV route, write it off as a “pilot” and call it a day.

Und bei Tor (Genevieve Valentine):

Though I cannot recommend this film in any way as an example of skillful, or even competent, moviemaking, I can confirm that Jonah Hex is Weird West’s answer to LXG; a movie so bad, it’s extraordinary.

Die Zuschauer bleiben auch weg. Damit dürfte der Western bei uns, trotz der guten Besetzung, direkt auf DVD erscheinen.

Die Trailer für „Knight & Day“ versprachen dagegen einen ordentlichen Popcorn-Film dagegen eine ordentliche Action-Komödie, die zwar keine Bäume ausreißt, aber gut unterhält.

Die ersten Kritiken sind auch nicht so toll:

Collider (Matt Goldberg) meint:

It’s amazing what you can do with charisma.  It can elevate a mediocre movie to greatness and elevate a bad movie to mediocrity.  Knight and Day is a case of the latter.  The film’s overly-long, paper-thin plot and misogynistic undertones are combated by Tom Cruise’s sheer force of personality, his chemistry with co-star Cameron Diaz, and James Mangold’s skill for shooting exciting set pieces.  These elements combine to make Knight and Day a better movie than it should be, but unfortunately aren’t enough to make it as good as it could be.

Der startet bei uns am 22. Juli.

Und dann gibt es noch das „A-Team“.

Auch von dem Film sind die Kritiker nicht sonderlich begeistert.Aber den Zuschauern scheint’s zu gefallen.

Deutscher Kinostart ist am 5. August.

Bei Schnittberichte gibt es einen ausführlichen Vergleich zwischen der restaurierten Fassung von 1995 und der von 2005/2006 von Murnaus Stummfilmklassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“.

Im Tagesspiegel schreibt Hagen Haas über „Psycho“ und Robert Bloch, den Autor der Vorlage.

Bei 24 spricht Produzent Stefan Arndt über den von ihm produzierten Michael-Haneke-Film „Das weiße Band“.


BSC unterhält sich mit David Moody (Im Wahn).

Spinetingler unterhält sich mit Victor Gischler (Die Go-Go-Girls der Apokalypse).

All Things Girl mit Michael Koryta (Tödliche Rechnung).

Focus (Henrike Heiland) mit Sebastian Fitzek (Der Augensammler).

Büchertitel mit Horst Eckert (Sprengkraft).

Die taz (Katharina Granzin) mit Martin Cruz Smith (Die goldene Meile).

Lange nichts mehr von Doris Heinze (der ehemaligen NDR-Fernsehspielchefin, die fristlos entlassen wurde, weil sie ihrem Ehemann und sich selbst Drehbuchaufträge verschaffte, sie unter falschen Namen einreichte und sich dafür zu gut bezahlen ließ.) gehört?

Nun, vorm Arbeitsgericht kam es zu einer Einigung: Kündigung war okay, Geld muss zurückbezahlt werden. Damit ist der NDR, soweit man davon sprechen kann, der Gewinner. Denn der Sender muss sinnvolle Kontrollmechanismen, die so etwas verhindern können, installieren.

Der Staatsanwalt ermittelt weiter. Wegen Betrug.

Alte Pulp-Romane bis zum Abwinken gibt es kostenlos bei Munseys.Stöbern lohn sich.

Der Noir of the Week ist Phil Karlsons Georges-Simenon-Verfilmung „Hyänen der Straße“ (The Brothers Rico, USA 1957).

Bei Trailers from Hell lobt Josh Olson den Noir „Die Freunde von Eddie Coyle“ (The Friends of Eddie Coyle, USA 1973).




TV-Tipp für den 2. August: Fröhlich lesen

August 1, 2009

MDR, 23.30

Fröhlich lesen

Der Untertitel ist solala: „Fiktion oder Wirklichkeit – was ist spannender?“

Aber die Gäste bei Susanne Fröhlich sind wirklich top: Der eine ist Michael Tsokos, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité (Berlin). In „Dem Tod auf der der Spur“ (Ullstein) schildert zwölf Fälle er aus der Rechtsmedizin. Der andere ist Sebastian Fitzek. Sein letzter Thriller „Splitter“ wurde in einem übervollen Hörsaal hier in Berlin vorgestellt.

Auch wenn die beiden Berliner die titelgebende Frage nicht beantworten, erwarten uns in jedem Fall 45 unterhaltsame Minuten.

Hinweis

MDR über die Sendung


Kleinkram: Lesungen, Filme und T-Shirts

Mai 31, 2009

Sebastian Fitzek stellt am kommenden Donnerstag, den 4. Juni, um 20.00 Uhr in der Klinik Oskar-Helene-Heim, Hörsaal (ist ausgeschildert, Clayallee 229, Berlin), seinen neuen Thriller „Splitter“ vor.

Eintritt ist null Euro, aber bei Fitzek muss man danach mit allem rechnen.

In „Splitter“ hat Marc Lucas einen Autounfall verschuldet. Seine schwangere Frau starb dabei und er macht sich Vorwürfe. Da erfährt er von einem psychiatrischen Experiment, das ihn von seinen quälenden Erinnerungen befreien könnte. Er nimmt daran teil – und jetzt wird sein Leben zu einem wirklichen Alptraum.

(Hoffentlich entpuppt sich die Geschichte am Ende nicht als Traum.)

Bei seinem Verlag Droemer gibt es auch einen Podcast mit Ausschnitten aus dem Roman und einem kurzen Interview mit Sebasitan Fitzek.

Jürgen Schreiber stellt am Mittwoch, den 3. Juni, um 19.30 Uhr zusammen mit Marianne Birthler sein Buch „Die Stasi lebt“ im Informationszentrum der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Mauerstraße 38, Berlin vor.

Schreiber erhielt zweimal den Wächter-Preis der deutschen Presse. In „Die Stasi lebt“ (Knaur) sind einige seiner Zeitungsreportagen über die Stasi damals und heute versammelt.

Der Verlag schreibt zum Buch:

In „Die Stasi lebt“ berichtet der Experte Jürgen Schreiber von den perfiden Aktionen des Ministeriums für Staatssicherheit. Mielkes Schattenarmee umfasste zuletzt 91000 hauptamtliche Mitarbeiter, der geheimpolizeilich und nachrichtendienstlich die innere und äußere Sicherheit der DDR garantieren sollte. Das wichtigste Instrument waren dabei die Inoffiziellen Mitarbeiter, von denen es zuletzt in der DDR 174.000 und in der Bundesrepublik 3.000 gab. Mit dem Fall der Mauer ist das Kapitel Stasi noch lange nicht abgeschlossen. Die Täter von einst leben noch immer unter uns. Frühere Stasi-Leute organisieren sich in Vereinen, betreiben höchst selbstgerecht Internetseiten, schmähen öffentlich ihre Opfer und wollen sich „ihre“ DDR nicht nehmen lassen.

Nachdem jetzt bekannt wurde, dass Karl-Heinz Kurras, der 1967 Benno Ohnesorg erschoss, jahrelang für die Stasi arbeitete und damit die Debatte über den Einfluss der Stasi auf die Bundesrepublik begann, dürften viele sich für die Lesung interessieren.

Keine Lust mehr auf einfarbige T-Shirts? Wie wär’s damit?

Bei Collider gibt es einige Ausschnitte aus Tony Scotts John-Godey-Verfilmung „The Taking of Pelham 123“. Sieht vielversprechend aus. Bei uns startet der Film am 23. Juli.

Brain Helgeland (L. A. Confidential, Mystic River) schrieb das Drehbuch.

Dort wird auch gemeldet, dass es einen weiteren „Alien“-Film geben soll. Ganz im Trend der Zeit ist es natürlich ein Prequel. Erfahren wir jetzt also, wie der „Alien“ zum Alien wurde?


Krimijahrbuch wurde zu Kriminalromanjahrbuch

Mai 7, 2009

krimijahrbuch-2009

Durch den Verlagswechsel änderte sich für die Macher des Krimijahrbuches einiges. Der wichtigste Unterschied ist, dass sich der Umfang ungefähr halbierte. Es musste also überlegt werden, welche Rubriken und Teile gestrichen werden. Christina Bacher, Ulrich Noller und Dieter Paul Rudolph beschlossen, aus dem „Krimijahrbuch“ ein „Kriminalromanjahrbuch“ zu machen. Kino, TV und Hörspiel flogen raus. Comics sind immer noch nicht drin. Dann wurden, anscheinend war es immer noch zu umfangreich, alle Rubriken gestrichen, die einen Rückblick auf das vergangene Krimijahr, äh, Kriminalromanjahr halten. Keine Auflistung der krimirelevanten Sekundärliteratur. Kein Überblick über ausgezeichnete Romane; wobei sich dieser Überblick in den vergangenen Jahren vor allem auf die US-amerikanischen Krimipreise konzentrierte. Theoretische Texte finden sich nur noch in einer Schwundstufe. Die umfassende Auflistung der im vergangenen Jahr verstorbenen Krimischaffenden ist einigen kurzen Nachrufen und einer sehr kursorischen Liste von 2008 verstorbenen Autoren gewichen. Letztendlich wurde alles, was das Krimijahrbuch erkennbar mit seinem Erscheinungsjahr verband, gestrichen.

Stattdessen gibt es, wie bisher, eine Zweiteilung in deutsche und nicht-deutsche Werke und Schwerpunkte zu Manfred Wieninger und Jugendbuchkrimis. Im deutschen Teil gibt es Werbetexte über Krimifestivals und die „Sisters of Crime“, ein sehr interessantes Interview mit Sebastian Fitzek und weniger interessante mit Zoran Drvenkar und Lucie Klassen, eher selbstreferentielles von Frank Göhre (ein gefaktes Tagebuch eines Autoren), Pieke Biermann schreibt über schlechte Übersetzungen und Peter J. Kraus internes über seine erste Krimiveröffentlichung 2003 und die anschließende erfolglose Suche nach einem anderen Verlag (Kraus ist ein in Kalifornien lebender Deutscher). Es gibt den bekannt lockeren Austausch von Rudolph und Noller über einige 2008 erschienene Krimis und einige Autoren und Kritiker nennen ihre Lieblingsbücher 2008. Einige erschienen 2008 erstmals, einige sind Wiederveröffentlichungen, einige schon älter und einige sind noch (?) nicht übersetzt. Denn die bibliographischen Angaben sind durchgehend dünn. Meist wird der Originaltitel nicht genannt (oder, wenn der Originaltitel genannt wird, fehlt der deutsche Titel), fast nie der Verlag und nie die Seitenzahl (Das mag eine Marotte von mir sein, aber es interessiert mich sehr, ob ein Werk 200 oder 500 Seiten hat, wann es erstmals erschien und wie der Originaltitel ist.). Wer also mehr wissen will, darf bei Amazon nachfragen. Dann kann auch via Google die Homepage des Autors gesucht werden. Denn auf weiterführende Links wurde fast immer verzichtet.

Im internationalen Teil gibt es ein wenig England (Colin Cotterill und John Harvey), Schweden (Håkan Nesser), Überblicke über Südafrika und Polen (zwei Länder,  die für deutschsprachige Leser weiße Flecken sind) und den schon fast obligatorischen Patricia-Highsmith-Artikel. Immerhin kann bei dem 1938 geborenen John Harvey so etwas wie Ankoppelung an das Jahr 2008 konstruiert werden, auch wenn vor allem über seine Elder- und Resnick-Serie geschrieben wird. Auch bei den anderen Texten wird fast schon peinlich jeder Verweis auf 2008, was sich bei einem Jahrbuch anbieten würde, vermieden. So entstand das Interview mit Colin Cotterill, bei dem kein einziger Buchtitel genannt wird, natürlich anlässlich seines Deutschlanddebüts „Dr. Siri und seine Toten“ (The Coroner’s Lunch, 2005). Bei Patricia Highsmith ist es die abgeschlossene Neuausgabe ihres Werkes bei Diogenes.

Die USA sind nur mit dem Nachdruck eines bereits in der „Welt“ erschienenen Textes über Donald E. Westlake (anlässlich der Veröffentlichung des von Richard Stark geschriebenen Parker-Romans „Fragen Sie den Papagei!“) vertreten.

Die an einer Hand abzählbaren längeren Nachrufe sind bereits an anderen Orten erschienen (auf entsprechende Nachweise wurde verzichtet) und für das „Krimijahrbuch“ nicht überarbeitet. Einige wichtige Autoren, wie Donald Westlake und Gregory Mcdonald, werden nur mit wenigen Zeilen gewürdigt; andere, wie Olov Svedelid, Stefan Murr und Benjamin M. Schutz, überhaupt nicht.

So ist das „Krimijahrbuch 2009“, wie es sich für einen Sammelband gehört, ein Kessel Buntes. Allerdings ist dieses Jahr der Kessel sehr klein geraten und es fehlt zu vieles, was zu einem Rückblick auf ein Jahr gehört. Das neueste Krimijahrbuch ist nur eine beliebige Zusammenstellung von kriminalromanaffinen Texten, die auch an anderen Orten zu anderen Zeiten, zum Beispiel einem Krimimagazin, hätten erscheinen können.

Christina Bacher/Ulrich Noller/Dieter Paul Rudolph (Herausgeber): Krimijahrbuch 2009

Pendragon, 2009

360 Seiten

12,90 Euro

Inhaltsverzeichnis

Ulrich Noller / Dieter Paul Rudolph: Das Krimijahr 2008. Ein unvollständiges Fazit

Verschiedene: Drei Krimis des Jahres

Krimistandort Deutschland

Christina Bacher: Krimi(Klein)Verlage

Henrike Heiland: „Ich hab‘ das einfach gemacht!“ Ein Gespräch mit Sebastian Fitzek über Krimi-Marketing

Peter J. Kraus: Weit Weg Lügt Sichs Gut

Frank Göhre: Der ostfriesische Melker und die Mutter der Ich-Erzählerin. Zufällig von Frank Göhre aufgefundene Notizen eines ehrenwerten „Syndikat“-Mitglieds

Pieke Biermann: Von denen Mördern und Leichenfotografen. Kleiner Steinhagel aus dem Glashaus

Uwe Lischper: Festivalkultur – Literaturpräsentation im Wandel …

Ralph Laumer: Lesen, zuhören, reden – Das Marburger Krimifestival

Jasna Mittler: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen kommen auf die Bestsellerliste!

Ulrich Noller: „Was du auch tust, hol dir was vom Leben, denn dafür ist es da“. Ein Gespräch mit Zoran Drvenkar

Ralph Güth / Dieter Paul Rudolph: Hype 08. Pro und contra Stieg Larsson

Ulrich Noller: Leben und Schreiben in Bad Pyrmont: Lucie Klassen

Margit Breuss: Definiert den Regiokrimi nicht zu Tode! Ein Plädoyer für die kulturelle Eigenart

Manfred Wieninger

Manfred Wieninger über Manfred Wieninger

Thomas Wörtche: Manfred Wieningers Marek-Miert-Romane

Dieter Paul Rudolph: Der innere Polizist – Ein Gespräch mit Manfred Wieninger über Marek Miert und das Ende der Aufklärung

Manfred Wieninger: Oh du mein Österreich – der zeitgenössische Krimi als letztes kritisches Korrektiv einer eskapistischen Gesellschaft

Manfred Wieninger: Ausflug in die Realität. Wenn Schreibtischtäter zur Waffe greifen…

Manfred Wieninger: Eine kurze Geschichte über die Brutalität

Manfred Wieninger: Der Friseur von Tschurdistan

Jugendkrimis

Beate Mainka: „Ich liebe meine Täter“. Die Jugendbuchautorin Monika Feth im Gespräch mit jugendlichen Krimilesern

Beate Mainka: Krimis für den Nachwuchs. Über das Verbrechen in der Jugendliteratur

Boris Koch: Warum lesen Jungs Fantasy? Und was kann der Krimi ihnen bieten?

Beate Mainka: Echt geil! Drei Jugendliche empfehlen ihre Lieblingskrimis

Von Jägern und Sammlern

Mirko Schädel: Lesen hinterm Deich

Josef Hoffmann: Krimis sammeln

Krimi international

Joachim Feldmann: Licht im Dunkeln. John Harvey und seine melancholischen Ermittler

Henrike Heiland: „Wie schwer kann es schon sein, einen Bestseller zu schreiben?“ Ein Gespräch mit Colin Cotterill

Hannes Stein: Immer jung, stets cool, weiter unverwüstlich: Der ewige Gangster Parker ist wieder da. Wassaic/Upstsate New York. Ein Ortstermin mit Donald E. Westlake und Richard Stark

Tobias Gohlis: Klatsch vom Dreh. Erlebnisse beim Porträtieren von Krimiautoren

Henrike Heiland: „Ich will nur gute Geschichten schreiben“. Ein Gespräch mit Håkan Nesser

Jochen Vogt: Eine ununterbrochene Erschütterung aller Zustände. Über die Erzählerin Patricia Highsmith

Steffen Richter: Im Zeichen der Berlusconismo. Neueste Kriminalliteratur aus Italien

Anna Veronica Wutschel: Der andere Tatort: Ein Streifzug durch die zeitgenössische südafrikanische Krimilandschaft.

Markus Schnabel: Geschichte des polnischen Kriminalromans

Irek Grin: Der polnische Krimiboom

Nachrufe für das Jahr 2008


Die Glauser-Nominierungen 2009

März 9, 2009

Das Syndikat hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Pries folgende Kriminalgeschichten nominiert

Bester Roman

– Rob Alef – Das magische Jahr, Rotbuch

– Wilfried Eggers – Paragraph 301, Grafit

– Bernhard Jaumann – Die Augen der Medusa, Aufbau

– Gisa Klönne – Nacht ohne Schatten, Ullstein

– Heinrich Steinfest – Mariaschwarz, Piper

Bestes Debüt

– Lucie Klassen – Der 13. Brief, Grafit

– Oliver Pötzsch – Die Henkerstochter, Ullstein

– Jochen Rausch – Restlicht, KiWi

– Linus Reichlin – Die Sehnsucht der Atome, Eichborn

– Amaryllis Sommerer – Selmas Zeichen, Milena

Beste Kurzgeschichte

– Sebastian Fitzek – Alles für Bergkamen (in: “Mord am Hellweg IV”, grafit)

– Sandra Lüpkes – Das Gewissen von Werl (in: “Mord am Hellweg IV”, grafit)

– Jörg Juretzka – Die Matraze von Uentrop (in: “Mord am Hellweg IV”, grafit)

– Hans Forster – Himmel und Hölle (in: “Im Kreis der Familie”, Fischer TB)

– Judith Merchant – Monopoly (in: “Money. Geschichten von schönen Scheinen”, Verlag J. Heyn)

Der Friedrich-Glauser-Ehrenpreis 2009 wird dem Kölner Kriminalschriftsteller

Hans-Werner Kettenbach

für seine Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur zuerkannt.

Außerdem wurden folgende Romane für den Hansjörg-Martin-Preis 2009 (Kinder- und Jugendkrimi) nominiert:

– Robert Brack – Kai und die Weihnachtsdiebe, Carlsen

– Olaf Büttner – Die letzte Party, Sauerländer

– Franziska Gehm – Der Tote im Dorfteich, Sauerländer

– Marjaleena Lembcke – Der Mann auf dem roten Felsen, Nagel & Kimche

– Christian Linker – Blitzlichtgewitter, dtv

Herzlichen Glückwunsch an alle Nominierten!

Der Preis wird auf der Criminale am Samstag, den 9. Mai, auf der Tango Criminale in der Stadthalle Singen verliehen.

Zu den meisten Romanen kann ich, weil ich sie nicht gelesen habe, nichts sagen. „Paragraph 301“ habe ich angefangen, aber nach siebzig Seiten gelangweilt weggelegt. Von den meisten Debütanten hab ich noch nichts gehört (und ich dachte immer, dass ich gut informiert sei, aber die Glauser-Nominierungen belehren mich immer eines bessere). Besser sieht es, weil ich den „Mord am Hellweg IV“ gelesen habe, bei den Kurzkrimis aus. Fitzek und Juretzka rocken.


Hinweise: Horst Tappert gestorben, Glauser-Abend in Berlin, Letzter Band der Fauser-Edition erscheint, Tipp: Deaver-Thriller über Datenschutz, „Für alle Fälle Fitz“-DVD, Amazon-Bestsellerliste

Dezember 16, 2008

R. i. P. Horst Tappert (26. Mai 1923 – 13. Dezember 2008)

Von 1974 bis 1998 war Horst Tappert Oberinspektor Stefan Derrick. Herbert Reinecker schrieb die 281 Folgen, das ZDF strahlte sie freitags aus, jeder Heranwachsende genoss seine Portion „Derrick“ (die Eltern erlaubten schon früh diese moralisch einwandfreie, weltfremde Stunde Mord und Totschlag) und zog später bessere Programme vor.

Vor „Derrick“ spielte Tappert in den erfolgreichen TV-Mehrteilern „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ und „Das Halstuch“ mit. Zu seinen Kinofilmen gehören „Wir Wunderkinder“, der Jerry-Cotton-Film „Die Rechnung – eiskalt serviert“, und die Edgar-Wallace-Filme „Der Hund von Blackwood Castle“, „Der Gorilla von Soho“, „Der Mann mit dem Glasauge“ und, nicht zum offiziellen Kanon gehörend, „Der Teufel kam aus Akasawa“. Sein letzter „Auftritt“ war 2004 in dem gefloppten Zeichentrickfilm „Derrick – Die Pflicht ruft!“.

Nachrufe gibt es bei Bunte, Spiegel Online, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung (von Willin Winkler), Tageszeitung und Die Welt.

Es hat schon etwas von einem Treffen der Giganten: Am 17. Dezember, um 20.00 Uhr reden Frank Göhre und Thomas Wörtche im Literaturforum des Brecht-Hauses (Chausseestraße 125, Berlin, zwischen den U-Bahnhöfen Zinnowitzer Straße und Oranienburger Tor) anlässlich des siebzigsten Todestages von Friedrich Glauser über den Erfinder von Wachtmeister Studer.

Frank Göhre veröffentlichte zuletzt den hochgelobten biographischen Roman „MO – Der Lebensweg des Friedrich Glauser“ und Krimiexperte Thomas Wörtche ist auch als Gründer der Krimireihe „metro“ im Unionsverlag (der auch das Gesamtwerk von Glauser veröffentlichte) bekannt.

Ergänzender Buchtipp: Der Schweizer Verlag „NIMBUS – Kunst und Bücher“ veröffentlichte vor wenigen Tagen „Pfützen schreien so laut ihr Licht – Gesammelte Gedichte“ und „Man kann sehr schön mit dir schweigen – Briefe an Elisabeth von Ruckteschell und die Asconer Freunde 1919 – 1932“ von Friedrich Glauser. Beides dürfte vor allem für die Hardcore-Fans sein.

Ebenfalls eher für die Hardcore-Fans ist der letzte Band der Jörg-Fauser-Edition im Alexander-Verlag. Denn dieser, so der Verlag, erscheint demnächst:

Nach langem und nun endlich beendetem Rechtsstreit, freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass im Februar 2009 der letzte Band der Jörg-Fauser-Edition erscheinen wird.

Der Strand der Städte“ enthält alle journalistischen Arbeiten, die Jörg Fauser zwischen 1959 und 1987 publiziert hat; Essays, Kolumnen, Reportagen, von denen die meisten hier erstmals in Buchform erscheinen. Auf ca. 1600 Seiten „kann man den ganzen Fauser-Kosmos wieder finden“ (FAZ am Sonntag).

Im Juli 2009 veröffentlicht Diogenes eine Fauser-Werkausgabe in neun Bänden. Bitte beachten Sie, dass der im Zürcher Verlag erscheinende Essayband nur eine kleine Auswahl der journalistischen Arbeiten Fausers enthält.

Bei den zahlreichen Datenschutzskandalen der vergangenen Wochen (zuletzt hat es die Berliner Landesbank erwischt) und dem schnellen Handeln der Politik (Ein besseres Datenschutzgesetz ist auf dem Weg und nach einer äußerst knappen Übergangsfrist von drei Jahren – DREI JAHRE? Oh, Mann, das ist schnell.) will ich ein Buch für den weihnachtlichen Gabentisch empfehlen:

Jeffery Deaver: Lautloses Duell

(übersetzt von Gerald Jung)

Goldmann, 2009

512 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The Blue Nowhere

Simon & Schuster, 2001

In dem Thriller erzählt Deaver von dem Kampf zwischen einem Mörder, der sich in die Computer seiner Opfer einkackt einhackt (wegen der Jugendfreiheit), und einem inhaftiertem Computergenie, der ihn fangen soll.

Ein hochrangiger Datenschutzexperte hat mir vor wenigen Wochen das Buch empfohlen. Er sagte, es schildere die Gefahren des illegalen Hackens sehr genau und realistisch. Nachdem die Regierung als großes Projekt zum Schutz der Bürger die Online-Durchsuchung von Computern wollen, ist ein wenig Fachwissen empfehlenswert

Und jetzt will ich die nächste „Für alle Fälle Fitz“-DVD einschieben. Die grandiose Serie erschien vor wenigen Tagen vollständig in einer schön gestalteten Box. Auch sie ist ein gutes Weihnachtsgeschenk.

P. S.: Eher eine Nicht-Kaufen-Liste ist dagegen die Amazon-Krimibestsellerliste. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie Charlotte Links „Die letzte Spur“ auf den ersten Platz kommen konnte (Hat die wirklich so viele Bücher verkauft?), warum Frank Schätzings „Der Schwarm“ immer noch auf dem 23. Platz ist und warum so wenige der üblichen Verdächtigen auf der Liste sind.

Immerhin hat es Hugh Laurie mit „Bockmist“, nach Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“, auf den dritten Platz (Irgendwie muss „Dr. House“ sich bei Amazon grandios verkaufen.) und Harlan Coben mit „Das Grab im Wald“ auf den 26. Platz geschafft.


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