TV-Tipp für den 1. November: Shutter Island

November 1, 2016

Pro7, 23.00

Shutter Island (USA 2009, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: Laeta Kalogridis

LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)

Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?

Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.

Nun, entgegen der allgemeinen Euphorie fand ich „Shutter Island“ todsterbenslangweilig und ungefähr so subtil wie Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ (Cape Fear, USA 1991). Lehanes Roman ist dagegen grandios.

Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Shutter Island“

Metacritic über „Shutter Island“

Rotten Tomatoes über „Shutter Island“

Wikipedia über „Shutter Island“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Shutter Island“ von Laeta Kalogridis

The Boston Globe: Interview mit Dennis Lehane über “Shutter Island” (14. Februar 2010)

Kriminalakte über den Film „Shutter Island“

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Bonushinweis

Die nächste Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ startet am 19. Januar 2017 in unseren Kinos. Regie führte Ben Affleck, der auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm.

Und der Trailer sieht verdammt gut aus:

Wie die Geschichte von Joe Coughlin weitergeht, erfahrt ihr in „Am Ende einer Welt“: 1943 ist Coughlin ein respektierter Unternehmer. Da erfährt er, dass ein Killer auf ihn angesetzt ist – und für uns ist nach den ersten Zeilen eine schlaflose Nacht vorprogrammiert.

lehane-am-ende-einer-welt

Dennis Lehane: Am Ende einer Welt

(übersetzt von Steffen Jacobs)

Diogenes, 2015

400 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

World Gone By

William Morrow, New York 2015

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Wieder aufgelegt: Dennis Lehane: Shutter Island

Dezember 1, 2015

Lehane - Shutter Island - Diogenes 2015 - 2

Die Geschichte und auch die Pointe von Dennis Lehanes „Shutter Island“ dürften inzwischen ja bekannt sein. Immerhin verfilmte Martin Scorsese 2009 die Geschichte mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. DiCaprio spielt US-Marshal Teddy Daniels, der im September 1954 auf der vor der Küste Bostons liegenden Insel Shutter Island im Ashecliffe Hospital eine spurlos verschwundene Patientin, die Kindermörderin Rachel Solando, suchen soll.
Auf der Insel sind nur das Klinikpersonal und die Insassen, eine Gruppe psychisch schwer kranker Verbrecher, die nach modernsten Methoden therapiert werden sollen. Daniels und sein neuer Kollege Chuck Aule sollen die Verschwunden, die sich noch auf der Insel aufhalten muss, finden. Aber Daniels verfolgt auch eine eigene Agende. Denn er glaubt, dass hinter der Klinikfassade noch ganz andere Dinge geschehen.
Wegen eines Sturms müssen die beiden Polizisten länger als geplant auf der Insel bleiben. Bei ihrer Suche können sie weder dem Personal, noch den Insassen vertrauen.
Und Daniels muss sich auch fragen, wie sehr er seiner Wahrnehmung vertrauen kann.
So weit die Prämisse von Dennis Lehanes nicht zufällig in den Fünfzigern spielendem Thriller mit Grusel- und B-Movie-Touch, fein platzierten Verschwörungstheorien und Fünfziger-Jahre-Paranoia, der sich auch lohnt, wenn man die Geschichte bereits kennt. Denn Lehanes Roman ist gelungener als Scorseses knallige Verfilmung, die in Teilen auch unlogisch ist und die mir zu sehr auf den im Film vorhersehbaren Schlusstwist spekuliert. Da ist Lehane in seinem nur an der Oberfläche pulpigem Roman geschickter, wenn er die verschiedenen Elemente kunstvoll zusammenfügt.
Mehr will ich nicht verraten, um nicht den Menschen, die die Geschichte noch nicht kennen, die Überraschungen zu verderben.
Nachdem der Roman bei Ullstein bereits 2004 in einer Übersetzung von Andrea Fischer erschien und diese Fassung nicht mehr erhältlich ist, hat jetzt Steffen Jacobs den Roman für Diogenes neu übersetzt. Ich denke der profane Grund dafür liegt nicht in der Qualität von Fischers Übersetzung, sondern in irgendwelchen Verträgen zwischen Autoren, Verlagen und Übersetzern.
Jedenfalls ist der Roman jetzt bei Lehanes neuem Verlag erhältlich und Diogenes will nächstes Jahr auch Lehanes grandioses Debüt, seinen ersten Patrick Kenzie/Angela Gennaro-Privatdetektivroman „Streng vertraulich“, ebenfalls neu übersetzt von Steffen Jacobs, veröffentlichen.
Das ist, weil Lehanes ältere Romane, die selbstverständlich ebenfalls lesenswert sind und derzeit (außerhalb vertrauenswürdiger Antiquariate) fast alle nicht mehr erhältlich sind, eine sehr erfreuliche Meldung.

Dennis Lehane: Shutter Island
(übersetzt von Steffen Jacobs)
Diogenes, 2015
432 Seiten
12 Euro

Originalausgabe
Shutter Island
William Morrow, 2003

Die Verfilmung


Shutter Island (Shutter Island, USA 2009)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Laeta Kalogridis
LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)
mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas

Hinweise

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes “Shutter Island” (Shutter Island, 2008 [Comic])

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Dennis Lehane in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 25. Dezember: Shutter Island

Dezember 24, 2012

ARD, 23.10

Shutter Island (USA 2009, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Laeta Kalogridis

LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)

Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?

Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.

Nun, entgegen der allgemeinen Euphorie fand ich „Shutter Island“ todsterbenslangweilig und ungefähr so subtil wie Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ (Cape Fear, USA 1991). Lehanes Roman ist dagegen grandios.

Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Shutter Island“

Metacritic über „Shutter Island“

Rotten Tomatoes über „Shutter Island“

Wikipedia über „Shutter Island“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Shutter Island“ von Laeta Kalogridis

The Boston Globe: Interview mit Dennis Lehane über “Shutter Island” (14. Februar 2010)

Kriminalakte über den Film „Shutter Island“

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Dennis Lehane in der Kriminalakte

 


Dennis Lehanes „Shutter Island“ in Christian De Metters grandioser Comic-Version

Mai 27, 2012

Inzwischen müsste die Geschichte von „Shutter Island“ bekannt sein. Immerhin wurde Dennis Lehanes fantastischer Kriminalroman von Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt. Der Kassenhit erntete 2010 von den Kritikern Lobeshymnen. Ich empfand ihn als ziemlich langweilig und frage mich immer noch, warum sie den Trailer so schneiden mussten, dass die Lösung offensichtlich ist. Aber das ist Hollywood-Marketing.

Schon bevor Martin Scorsese sich mit Lehanes Geschichte beschäftigte, schrieb und zeichnete der Franzose Christian De Metter eine Graphic Novel, die dem Roman genau folgt und oft wie das Storyboard für die Verfilmung wirkt.

Auf der titelgebenden Insel Shutter Island leitet Dr. Jeremiah Naehring, der bereits für die Nazis Menschenversuche machte, 1954 eine Irrenanstalt, in der besonders gefährliche, geisteskranke Verbrecher eingesperrt werden. Die US Marshals Teddy Daniels und Chuck Aule sollen dort die spurlos verschwundene Insassin Rachel Solando suchen. Als sich ein Sturm der Insel nähert, müssen Daniels und Aule länger als geplant auf der Insel bleiben.

Daniels verfolgt allerdings auch noch zwei geheime Missionen. Er will herausfinden, was mit Andrew Laeddis, dem Mann, der seine Frau umbrachte, geschah und er glaubt, dass Dr. Naehring und Dr. Cawley, der als leitender Arzt ihr Ansprechpartner ist und bereits für mehrere Geheimdienste arbeitete, im Auftrag der Regierung geheime Versuche mit Menschen machen. Deshalb will er auch wissen, was mit dem Patienten Nummer 67, der in den Akten der Anstalt nicht auftaucht, geschah.

Als Dennis Lehane vor zehn Jahren „Shutter Island“ schrieb, war er bei Krimifans als Autor der Patrick-Kenzie/Angela-Gennaro-Privatdetektivkrimis bereits ein bekannter Name und mit seinem ersten Einzelwerk „Mystic River“ festigte er seinen Ruf als exzellenter Krimiautor. Er hätte also locker ein zweites „Mystic River“ schreiben können. Aber er machte eine Kehrtwende und schrieb einen leicht pulpigen, in den fünfziger Jahren spielenden Thriller, der unbekümmert Verschwörungstheorien mit Fünfziger-Jahre-Paranoia und Horroratmosphäre mischt und einen wirklich überraschenden Schluss hat.

Christian De Metter folgte Lehanes Geschichte genau bis zur überraschenden Pointe; – jedenfalls wenn man noch nicht den Roman gelesen oder die Verfilmung gesehen hat. Beim Lesen seiner fast vollständig in Schwarz-Weiß-Zeichnungen gehaltenen Graphic Novel fällt auf, wie präzise Lehane falsche Spuren legte und, wenn man sie richtig deutete, Hinweise auf die Lösung gab. In der Verfilmung wird dagegen mit dem Holzhammer gearbeitet.

Insofern lohnt sich De Metters Version von „Shutter Island“ für die Lehane-Fans als werktreue, aber auch eigenständige Interpretation des Romans. Und wer zuerst den Comic gelesen hat, sollte trotzdem auch den Roman lesen.

Christian De Metter/Dennis Lehane: Shutter Island

(übersetzt von Resel Rebiersch)

Schreiber und Leser, 2010

128 Seiten

17,80 Euro

Originalausgabe

Shutter Island

Casterman/Payot & Rivages, 2008

Vorlage

Dennis Lehane: Shutter Island

William Morrow, 2003

Deutsche Ausgabe unter dem gleichen Titel.

Hinweise

Wikipedia über Christian De Metter (englisch, französisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Dennis Lehane in der Kriminalakte


Neu im Kino: Bad Lieutenant, Shutter Island

Februar 25, 2010

Bad Lieutenant (Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans, USA 2009)

Regie: Werner Herzog

Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)

Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.

Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind und er wurde sogar in die Parodie „If Filmmakers directed the Super Bowl“ aufgenommen. Neben den Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.


Doch jetzt, mit dem Remake eines Genrefilms und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury (was auch zu vielen Interviews führte [es half sicher, dass die Interviews auf Deutsch geführt werden konnten und er auch seinen neuen Film irgendwie promotete]) kehrt er zurück in die deutschen Kinosäle.

Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.

Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bad Lieutenant“

Die Zeit: Interview mit Werner Herzog (4. Februar 2010)

Berliner Zeitung porträtiert Werner Herzog (11. Februar 2010)

Kriminalakte über „Bad Lieutenant“

Shutter Island (Shutter Island, USA 2009)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Laeta Kalogridis

LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)

Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?

Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.

Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Shutter Island“

Drehbuch „Shutter Island“ von Laeta Kalogridis

Homepage von Dennis Lehane

The Boston Globe: Interview mit Dennis Lehane über „Shutter Island“ (14. Februar 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Kriminalakte über „Shutter Island“


Kleinkram: einmal Ellroy, viel „Shutter Island“ und ausreichend Hegemann

Februar 12, 2010

David Peace unterhält sich mit James Ellroy.

Terrence Rafferty (New York Times) hat mit Martin Scorsese über seinen neuen Film „Shutter Island“ gesprochen.

Jerome Charyn war „Einmal beim Meister“ Martin Scorsese. Der Text erschien in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ und dürfte die Tage online gehen (Nachtrag 14. 2. 2010: online).

In der SZ beantwortet Leonardo DiCaprio einige Fragen zu seinem neuen Film „Shutter Island“ und wie die Zusammenarbeit mit Martin Scorsese ist.

Auch der Autor der Vorlage, Dennis Lehane, darf einige Fragen zum Buch und Film beantworten.

Und nun alle zusammen: Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Dennis Lehane.

Zwei Worte zu Helene Hegemann, „Axolotl Roadkill“ und ihren Verteidigern in den Feuilletons:

Würden Sie, liebe Literaturkritiker, auch dann Hegemann und ihren Roman verteidigen, wenn die Autorin Texte von ihnen, ohne um Erlaubnis zu fragen, abgeschrieben hätte und ohne auf die Originaltexte hinzuweisen? Würden Sie auch dann sagen, dass es okay ist, dass der Abschreiber Geld verdient, während der Urheber nichts (noch nicht einmal eine namentliche Nennung) erhält?

Wenn Sie auf diese Fragen bejahen, dann…

Aufgedeckt wurde die Abschreiberei der jungen Dame von dem Blogger Deef Pirmasens (Die Gefühlskonserve).

Airen, der auf seine Anonymität bedachte Schreiber der Originaltexte, hat sich mit der FAZ unterhalten:

Da ich meine eigenen Texte natürlich besser kenne als Deef Pirmasens, der als erster über die Parallelen berichtet hat, sind mir schon sehr viel mehr Stellen aufgefallen. Ich habe heute gehört, dass diese Stellen in zukünftigen Ausgaben von „Axolotl Roadkill“ gekennzeichnet werden sollen.

Dort gibt es auch eine beeindruckend lange Liste von ähnlichen Textstellen.

Im Kölner Stadtanzeiger äußern sich Schriftsteller (u. a. Helmut Krausser, Kai Meyer, Dieter Wellershoff) zu Hegemanns Abschreiberei.

Stellvertretend Helmut Krausser: Diebstahl ist Diebstahl, da bin ich sehr konservativ. Sich es mit dem Hinweis, heute werde überall geklaut, einfach zu machen, zeugt von wenig Reflexion und einer gewissen Wollust am Selbstbetrug. Bei über dreißig Büchern habe ich im Leben erst zwei Sätze anderer Autoren verwendet – und es war mir ein Herzensbedürfnis, dies kenntlich zu machen, ansonsten ich mich für die fremden Federn geschämt hätte.

Und für den Rest empfehle ich einen Besuch im Literaturcafé. Dort hat Wolfgang Tischer eine gute Zusammenfassung geschrieben: „Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK“.

Nachtrag: Vor dem Hintergrund von Abmahnungen und der Forderung nach einer Kulturflatrate oder einem Leistungsschutzrechte für Verlage sind die von etlichen Literaturkritikern vertretenen Pro-Hegemann-Positionen — höchst interessant.

Nachtrag (18. Februar 2010): In der FAZ sind die Quellen aufgelistet, die der Ullstein-Verlag in der nächsten Ausgabe des Buches abdruckt. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

In der Zeit hat Josef Joffe einen klugen Kommentar geschrieben:

Ob ein Richter den Autodieb freisprechen würde, der ein Fanal gegen den »Eigentumsrechtsexzess« setzen wollte?


Kurzmeldungen: Quentin Tarantino, Mehmet Murat Somer, Buddy Giovinazzo, Shutter Island

August 29, 2009

Quentin Tarantino unterhält sich mit Charlie Rose eine Stunde über seinen neuen Film „Inglourious Basterds“.

Mehmet Murat Somer (aktuell „Der Kuss-Mord – Ein Hop-Cika-Yaya-Thriller“) beantwortet bei Crime Always Pay einige Fragen.

Buddy Giovinazzos neuer Film „Life is hot in cracktown“ (eine Verfilmung seines Romandebüts „Cracktown“)  ist in den USA auf DVD erschienen. Schnittberichte vergleicht die Kinofassung mit den Director’s Cut – und sagt, dass über eine deutsche Veröffentlichung noch nichts bekannt ist.

Variety erklärt, warum die Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ von Martin Scorsese mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle erst 2010 in die Kinos kommt:

It’s Hollywood bookkeeping gone nuts: A studio can increase its profits by not releasing a film.


Kleinkram: „Shutter Island“-Trailer, Pelham-1-2-3-Infos, gute Werbung und zwei Drehbücher (Wolverine, Tropic Thunder)

Juni 12, 2009

Der erste Trailer von Martin Scorseses Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ ist online und er sieht verdammt gut aus:

Bei uns startet der Film am 8. Oktober. Also noch reichlich Zeit, vorher Lehanes Roman zu lesen.

Tony Scotts Verfilmung von John Godeys „The Taking of Pelham One Two Three“  (Die Entführung der U-Bahn 1 2 3) ist in den USA angelaufen und die Kritiker, wie Roger Ebert, sind nicht so begeistert. Ebert schreibt:

There’s not much wrong with Tony Scott’s “The Taking of Pelham 1 2 3,” except that there’s not much really right about it. Nobody gets terrifically worked up, except the special-effects people. (…) The 1974 version took place in a realistic, well-worn New York City. This version occupies a denatured action-movie landscape, with no time for local color and a transit system control room that humbles Mission Control. That also may explain the film’s lack of time to establish the supporting characters, even Travolta’s partners.

Hm, wir wissen’s ab dem 23. Juli.

Und so sieht die erste Verfilmung von Godeys Roman mit Walter Matthau und Robert Shaw als „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3“ aus:

Bei Sex in a Submarine hat William Martell eine köstliche Werbung gepostet.

Und, via Simply Scripts (dort wird auch gepelhamt), gibt’s wieder einige neue Drehbücher zu zwei aktuellen Kinofilmen:

David Benioff, Skip Woods: X-Men Origin: Wolverine (Juni 2006)

Etan Cohen, Ben Stiller, Justin Theroux: Tropic Thunder (5. September 2006)


TV-Tipp für den 10. November (+ Buchtipp): Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

November 10, 2018

ZDFneo, 22.00

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone Baby Gone, USA 2007)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Wiederholung: Sonntag, 11. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Gone Baby Gone“

Rotten Tomatoes über „Gone Baby Gone“

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)

Seit einigen Tagen in den Buchhandlungen: der neue Roman von Dennis Lehane

Sein Verlag schreibt:

Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?

Dennis Lehane: Der Abgrund in dir

(übersetzt von Steffen Jacobs und Peter Torberg)

Diogenes, 2018

528 Seiten

21,99 Euro


TV-Tipp für den 28. August: Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (+Buchhinweis)

August 28, 2018

Pro7Maxx, 22.15

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone Baby Gone, USA 2007)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Wiederholung: Mittwoch, 29. August, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Gone Baby Gone“

Rotten Tomatoes über „Gone Baby Gone“

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)

Auf dem Weg von der Druckerpresse in die nächste Buchhandlung: der neue Roman von Dennis Lehane

Sein Verlag schreibt:

Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?

Dennis Lehane: Der Abgrund in dir

(übersetzt von Steffen Jacobs und Peter Torberg)

Diogenes, 2018

528 Seiten

21,99 Euro


TV-Tipp für den 24. November: The Drop – Bargeld

November 24, 2017

Pro7, 23.25

The Drop – Bargeld (The Drop, USA 2014)

Regie: Michaël R. Roskam

Drehbuch: Dennis Lehane

LV: Dennis Lehane: Animal Rescue, 2009 (erschienen in Dennis Lehane, Hrsg.: Boston Noir, Kurzgeschichte)

Bob ist etwas langsam und arbeitet als allseits beliebter Barkeeper in der Bar von seinem Vetter Marv, die von der Mafia auch als Ablageort für Bargeld benutzt wird. Als einige Gangster die Bar überfallen und das Geld stehlen, beginnen die Mafia und die Polizei die Diebe zu suchen. Zur gleichen Zeit lernt Bob Nadia kennen.

Langsam erzählter, in Brooklyn spielender Gangsterfilm, der sich mit seiner hochkarätigen Besetzung förmlich in der Atmosphäre suhlt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit James Gandolfini, Tom Hardy, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector, Michael Esper, Ross Bickell, James Frecheville, Tobias Segal, Patricia Squire, Ann Dowd

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Drop“
Moviepilot über „The Drop“
Metacritic über „The Drop“
Rotten Tomatoes über „The Drop“
Wikipedia über „The Drop“ (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Dennis Lehane in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juni: Departed – Unter Feinden

Juni 8, 2017

Kabel 1, 22.05

Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese “The Wolf of Wall Street”.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley) ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Live by Night“ – Ben Afflecks zweite Dennis-Lehane-Verfilmung

Februar 4, 2017

Joe Coughlin (Ben Affleck) ist kein gewöhnlicher Gangster. Nicht nur, weil er sich selbst als „Outlaw“ (im Buch öfter, im Film nur einmal) bezeichnet und sieht, sondern weil er ein intelligenter Bursche ist. Er ist der Sohn des stellvertretenden Polizeichefs von Boston, der nach seinen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg außerhalb der Gesellschaft leben möchte.

In Boston der zwanziger Jahre tut er das als kleiner Ganove, der zwischen die Fronten von Albert White (Robert Glenister), einem irischen Mobster, und Don Maso Pescatore (Remo Girone), einem italienischen Mafiosi, gerät. Coughlins Freundin Emma Gould (Sienna Miller) ist auch Whites Geliebte. Als sie – indirekt bei einem Autounfall– durch Whites Hand stirbt, will Coughlin sie rächen. Er geht einen Pakt mit Pescatore ein, der ihn nach Florida schickt. In Ybor, „the Harlem of Tampa“, übernimmt er den dortigen Rumschmuggel. Er organisiert ihn neu und, im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten, mit den Kubanern als gleichberechtigte Partner. Und er verliebt sich in Graciela (Zoe Saldana), die mit ihrem Bruder den Alkoholhandel aus Kuba organisiert.

Nicht allen gefällt Coughlins Aufstieg und seine Zusammenarbeit mit den Kubanern (ich sage nur Rassismus). Oh, und White ist ebenfalls in Florida.

Live by Night“ basiert auf einem gut sechshundertseitigem Epos von Dennis Lehane. Der sehr lesensverte, zwischen 1926 und 1935 spielende Gangsterroman erhielt den Edgar, einen der wichtigsten Krimipreise.

Ben Affleck, der, nach einem Kurzfilm, mit der grandiosen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ sein Spielfilmdebüt gab, schrieb dieses Mal das Drehbuch, führte Regie und übernahm auch gleich die Hauptrolle. In seinem Script folgt er dem Roman, abgesehen von den notwendigen Kürzungen, genau. Zu genau für meinen Geschmack.

Anstatt sich auf einen Teil von Coughlins Geschichte zu konzentrieren und eine Geschichte zu erzählen, kondensiert er den Roman auf eine eher ungeschickte Weise. Er behandelt Lehanes Roman nicht wie einen Unterhaltungsroman, der die Grundlage für einen packenden Film liefern soll, sondern ehrfurchtsvoll wie ein Stück hohe Literatur, bei dem nichts geändert werden darf. Dieser Ehrfurcht überträgt sich dann auf den gesamten Film, der dadurch oft lebloser als nötig ist.

Die Episoden aus dem Gangsterleben treten immer wieder in den Hintergrund zugunsten von Coughlins Beziehungen zu verschiedenen Frauen und wie sie sein Leben in negativer Hinsicht beeinflussen. Das ist dann, wie im Roman, eine interessante Verschiebung der vertrauten Perspektive. In einem Gangsterfilm, vor allem in einem während der Prohibition spielendem Gangsterfilm, sind Frauen nur Beiwerk, während die gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Gangsterbanden und der Polizei und auch innerhalb der Gangsterbande im Mittelpunkt stehen. Das fehlt dann in „Live by Night“ in einem erstaunlich großem Ausmaß. Hier ist der Schmuggel ein einträgliches Geschäft, bei dem alle gut verdienen und Konflikte lieber mit Geld und Arrangements als mit Gewalt erledigt werden. Obwohl Coughlin durchaus, wenn es nicht anders geht, Gewalt anwendet.

Dagegen muss sich Coughlin mit dem Ku Klux Klan (sie wollen einen Teil seines Geschäftes) und einer Christin (sie will sein Geschäft zerstören) auseinandersetzen. Coughlin versucht beide Konflikte ohne Gewalt zu lösen.

Live b Night“ ist dann ein Gangsterfilm, dem der Drive eines klassischen Gangsterfilms (in dem ein Junge aus der Gosse sich skrupellos den Weg an die Spitze frei schießt) fehlt, ein Liebesfilm, der sich nicht für die Liebesgeschichte(n) interessiert und ein Biopic, das primär Episoden aneinanderreiht, ohne einen klar erkennbaren erzählerischen Bogen zu schlagen. So verweilt Affleck mit seiner Geschichte viel zu lange in Boston, das nur das Vorspiel für Coughlins eigentlich Geschichte ist, die sich im sonnigen Florida abspielt. Dort arbeitet er zwar zielstrebig und in Pescatores Sinn, wie ein neuer Abteilungsleiter, der keine größeren Ambitionen hat. Er will nicht der neue Boss der gesamten Firma werden und er will sich anscheinend auch nicht mehr an White rächen. Auch weil White für ihn überhaupt keine Bedrohung mehr ist.

So plätschert der Gangsterfilm, der sich nicht wirklich entscheiden will, was der Hauptplot und was die Subplots sind, immer wieder vor sich hin, während er ein kleines Gesellschaftsbild von Ybor während der Prohibition zeichnet.

Affleck inszenierte das alles mit viel Liebe zum Detail und Gangsterfilmfans – wir wurden in den letzten Jahren ja auf eine ziemliche Diät gesetzt – dürfen sich über einen stilechten Gangsterfilm freuen. Jedenfalls wenn Affleck die Gangsterfilmszenen inszeniert. Aber oft interessieren ihn andere Dinge und der Film kann in seiner jetzigen Fassung, obwohl er bereits über zwei Stunden ist, nicht verleugnen, dass er besser noch länger wäre. Mindestens eine halbe Stunde. Oder besser sogar eine Miniserie im Fernsehen, die sich dann stärker den Konflikten zwischen den Verbrechern, den politischen und rassistischen Konflikten widmet, die alle schon in Lehanes Roman angesprochen werden und die heute immer noch aktuell sind.

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Live by Night (Live by Night, USA 2016)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck

LV: Dennis Lehane: Live by Night, 2012 (In der Nacht)

mit Ben Affleck, Elle Fanning, Remo Girone, Brendan Gleeson, Robert Glenister, Matthew Maher, Chris Messina, Sienna Miller, Zoe Saldana, Chris Cooper, Titus Welliver, Max Casella, Clark Gregg, Anthony Michael Hall

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage (Lesebefehl)

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Dennis Lehane: In der Nacht

(übersetzt von Sky Nonhoff)

Diogenes, 2013

592 Seiten

10 Euro (Movie-Tie-In-Ausgabe)

Originalausgabe

Live by Night

William Morrow, New York, 2012

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Live by Night“

Metacritic über „Live by Night“

Rotten Tomatoes über „Live by Night“

Wikipedia über „Live by Night“ (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung “Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel” (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks “Argo” (Argo, USA 2012)


Verfilmte Bücher: „In der Nacht“ ist „Live by Night“

Januar 23, 2017

Lehane - In der Nacht - 2lehane-live-by-night-diogenes-movie-tie-in-2

Am 2. Februar läuft die neueste Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ an. Der Roman erschien bei uns als „In der Nacht“ und damals schrieb ich über ihn:

Ein neuer Roman von Dennis Lehane ist immer gut für einige spannende Lesestunden. Das gilt auch für „In der Nacht“, seinen in den Zwanzigern und Dreißigern spielenden Gangsterroman, der – verdient – 2013 den Edgar als bester Kriminalroman des Jahres erhielt.

So – das war der Teil für alle, die wirklich jeden SPOILER vermeiden wollen, aber wissen wollen, ob es ein gutes Buch ist.

Ja, es ist ein gutes Buch.

Und ab jetzt werde ich, weil ich nicht vollkommen gekünstelt herumschwurbeln will (was dann auch wieder Spoiler durch die Hintertür wären), einiges von der Geschichte und Teile des Endes spoilern. Aber das Wissen um das Ende hat uns echten Gangsterkrimifans noch nie vom Genuss des Werkes – ich sage nur „Scarface“ – abgehalten.

Als Dennis Lehane 1994 mit seinem ersten Kenzie/Gennaro-Privatdetektivroman „Streng vertraulich“ (A Drink before the War) die Szene betrat, wurde er gleich zum Liebling der Krimifans. In Deutschland dauerte es fünf Jahre, bis seine Romane übersetzt wurden und man nahm dann keine Rücksicht auf die Reihenfolge, in der die durchaus miteinander zusammenhängenden Romane in den USA veröffentlicht wurden.

Nach fünf Kenzie/Gennaro-Geschichten konzentrierte Lehane sich ab 2001, bis auf „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010), auf Einzelwerke, in denen er verschiedene Subgenres ausprobierte. Sehr erfolgreich. Am Bekanntesten sind, auch wegen der erfolgreichen Verfilmungen „Mystic River“ und „Shutter Island“ (wobei mir hier das Buch viel besser gefällt). Außerdem wurde der Kenzie/Gennaro-Roman „Gone, Baby, Gone“ verfilmt. Ebenfalls eine äußerst gelungene Verfilmung.

Wenn sein neuester Roman „In der Nacht“ verfilmt wird, dann wohl nur als Film mit Überlänge oder, was besser wäre, als Mini-TV-Serie. Denn Lehane erzählt auf gut sechshundert kurzweiligen Seiten die Geschichte von Joe Coughlin von 1926 bis 1935. Er gehört zur Familie Coughlin, die wir aus „Im Aufruhr jener Tage“ (The given Day, 2008) kennen. Der Roman spielte unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in Boston und Joes älterer Bruder Danny stand im Mittelpunkt. Inzwischen ist Danny nicht mehr Polizist und hat Boston verlassen.

1926 ist der neunzehnjährige Joe Coughlin Laufbursche und kleiner Gangster in Boston. Nach einem Überfall beginnt er eine Beziehung mit Emma Gould, der Freundin des Gangsterbosses Albert White. Als ein Banküberfall grandios schiefgeht, wird er zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Im Nachgang des Überfalls starb auch Emma bei einem Autounfall.

Im Gefängnis nimmt ihn der mit White verfeindete Gangsterboss Maso Pescatore unter seine Fittiche. Er schickt Coughlin, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wird, nach Ybor, Florida. Dort steigt Coughlin zum lokalen Gangsterboss auf, indem er den Schmuggel von Alkohol professionalisiert, enge Kontakte zu den dortigen ethnischen Minderheiten hat, sich in die Kubanerin Graciella verliebt, immer wieder, auch skrupellos, aber meistens langfristig planend, seine Interessen durchsetzt, und mit ihr in Kuba ein neues Heim aufbaut.

Lehane folgt dabei, mit eher kleinen, aber interessanten Variationen und etlichen breit geschilderten Episoden, wie den Überfall auf das Waffenlager eines Kriegsschiffes und natürlich etlichen Konflikten mit anderen Gangstern, dem Ku-Klux-Klan und der lokalen Oberschicht, den vertrauten Pfaden des klassischen Gangsterromans vom Aufstieg und Niedergang eines Gangster.

Die wichtigste Variation ist der Protagonist. Joe Coughlin ist ein aus einem guten Haus kommender, gebildeter junger Mann. Sein Vater ist der Stellvertretende Polizeichef von Boston. Damit ist er das Gegenteil des klassischen Gangsters, der ein großmäuliger Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen ist, ein oft nicht besonders gebildeter Einwanderer ist, der letztendlich an sich selbst scheitert. Al Capone war das Vorbild für diesen Typ. Little Caesar und Scarface die literarischen und filmischen Verarbeitungen dieses Typs. Der Ire Coughlin schlägt da mehr nach den jüdischen Gangstern, wie Meyer Lansky, die das Gangstertum als eine Phase betrachteten, um an Geld zu kommen. Ihre popkulturelle Faszination und Strahlkraft ist deutlich geringer.

Die zweite Variation ist, dass in „In der Nacht“ die Phase des Niedergangs fehlt. Joe Coughlin kann sein Imperium konsolidieren. Er liegt am Ende nicht im Schmutz. Bei ihm blinkt kein „The World is yours“ im Hintergrund.

Und dennoch, wenn man sich Coughlin und seine Beziehungen zu seinen Frauen ansieht, ist das Ende düsterer als das der klassischen Gangsterkrimis.

 

Die Verfilmung wird in der Kriminalakte zum Kinostart besprochen.

Bis dahin: Viel Spaß bei der Lektüre.

Dennis Lehane: In der Nacht

(übersetzt von Sky Nonhoff)

Diogenes, 2013

592 Seiten

10 Euro (Movie-Tie-In-Ausgabe)

Originalausgabe

Live by Night

William Morrow, New York, 2012

Die Verfilmung

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ab 2. Februar 2017 in allen Kinos, die mal wieder einen zünftigen Gangsterfilm zeigen wollen

 

Live by Night (Live by Night, USA 2016)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck

LV: Dennis Lehane: Live by Night, 2012 (In der Nacht)

mit Ben Affleck, Elle Fanning, Remo Girone, Brendan Gleeson, Robert Glenister, Matthew Maher, Chris Messina, Sienna Miller, Zoe Saldana, Chris Cooper, Titus Welliver, Max Casella, Clark Gregg, Anthony Michael Hall

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Live by Night“

Metacritic über „Live by Night“

Rotten Tomatoes über „Live by Night“

Wikipedia über „Live by Night“ (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Dennis Lehane in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Januar: Departed – Unter Feinden

Januar 14, 2017

(Matt Damon – Departed, Andy Lau – Infernal Affairs; jetzt spielen sie in „The great Wall“ mit)

Pro7, 22.55

Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese “The Wolf of Wall Street”.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley) ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Departed – Unter Feinden

Oktober 18, 2015

Weil am Donnerstag „Black Mass“ über Whitey Bulger anlief, empfehle ich heute den anderen und besseren Film über Whitey Bulger (auch wenn Frank Costello nur inspiriert von Bulger ist).

Als Vorfilm empfehle ich um 20.15 Uhr auf Arte „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ (auch von Martin Scorsese, auch ein grandioser Gangsterfilm)

Pro7, 22.15

Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese “The Wolf of Wall Street”.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)

Ein Lesebefehl für den True-Crime-Fan

Lehr - O Neill - Black Mass - 4

Pünktlich zum Filmstart von „Black Mass“ erschien das von den „Boston Globe“-Journalisten geschriebene und mit dem Edgar ausgezeichnete Sachbuch „Black Mass“, das als Vorlage für den Film diente. Das Buch ist eine ungemein spannende Lektüre, die einem viel von der US-Kriminalitätsgeschichte erzählt.

Dick Lehr/Gerard O’Neill: Black Mass – Der Pate von Boston
(übersetzt von Joachim Körber)
Goldmann, 2015
512 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
Black Mass: Whitey Bulger, the FBI, and a Devil’s Deal
PublicAffairs, 2000


Neu im Kino/Filmkritik: „Terminator: Genisys“ – verlorenen in einer anderen Zeitlinie

Juli 8, 2015

Nachdem der vorherige „Terminator“-Film „Terminator: Die Erlösung“, höflich formuliert, nicht gut und die in einer anderen Zeitlinie spielende, bestenfalls durchwachsene TV-Serie „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ kurzlebig war, hofften die Fans der Serie, dass mit der Rückkehr von Arnold Schwarzenegger in seiner ikonischen Rolle wieder alles gut wird.
Aber schon schnell, ziemlich genau bei dem ersten Auftritt von Sarah Connor (Emilia Clarke), beschleicht einen ein beunruhiges Gefühl.
2029 kämpfen die letzten Menschen gegen Skynet und die Herrschaft der Roboter. John Connor (Jason Clarke), der tapfere, edle und heroische Anführer der Rebellen, will eine sehr wichtige Skynet-Zentrale vernichten. Aber in der allerletzten Sekunde kann ein Roboter mit einer Zeitmaschine in das Jahr 1984 entkommen. Dort soll der Terminator die Mutter von John Connor töten. Kyle Reese (Jai Courtney) betritt ebenfalls die Zeitmaschine.
In der 1984-Vergangenheit sehen wir dann, im Vergleich zum ersten „Terminator“-Film nur minimal verändert, die Ankunft des Terminators und von Kyle Reese. Der Terminator sieht aus wie der originale Terminator T-800 und damit wie Arnold Schwarzenegger. Digital auf jung bearbeitet. Wenige Sekunden später taucht ein zweiter, deutlich älter aussehender, bekleideter Arnold Schwarzenegger auf, der sich mit dem Neuankömmling schlägt – und damit ist in der neuen Geschichte schon jetzt ein Terminator mehr als im ersten „Terminator“-Film vorhanden.
Zur gleichen Zeit flüchtet Kyle Reese, der in der 1984-Vergangenheit Sarah Connor, die Mutter des damals noch ungeborenen John Connor schützen soll, vor der Polizei und einem Polizisten-Terminator, der dann, abgesehen von der eher dämlichen Idee mit den zu Schwertern werdenden Armen, an den bösen und fast unbesiegbaren T-1000 (Robert Patrick) aus „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ erinnert.
Die Jagd findet eine kurze Verschnaufpause, wenn Sarah Connor Kyle Reese vor diesem Terminator rettet. Kurz darauf entdeckt Reese im Frachtraum des Kleintransporters den älteren T-800, der – und ungefähr hier müssen wir akzeptieren, dass „Terminator: Genisys“ auf einer vollkommen neuen Zeitlinie spielt – schon einige Jahre in der Vergangenheit ist. Denn es ist der gute T-800; also der Arnold-Schwarzenegger-Terminator, der in „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ Sarah Connor und ihren Sohn John vor dem bösen Terminator T-1000 schützen sollte. In dem neuen Film rettete er sie bereits als Kind vor einem anderen Terminator und wurde ihr Vaterersatz. Seitdem nennt sie ihn ‚Pops‘ und sie kämpfen gemeinsam gegen Skynet und die vielen Terminatoren, die diese Vergangenheit bevölkern.
Weil Kyle Reese bei seinem Sprung in die Vergangenheit eine Vision hatte, springt er mit Sarah Connor in das Jahr 2017. Weil wir in einer anderen Zeitlinie sind, haben in dieser Zukunft die Roboter die Menschheit noch nicht vernichtet. Aufgrund seiner Vision weiß Kyle Reese, dass Skynet jetzt (also in der Zukunft dieser Zeitlinie) „Genisys“ ist. Das Computerprogramm soll in Kürze online gehen. Genisys stellen wir uns am besten als eine Art Super-Facebook-Windows-All-in-one-Cloud-App vor, die dann die Menscheit vernichten wird, weil – – – nun Skynet die Menschheit vernichten will.
In diesem Moment wird offensichtlich, dass die Welt der ersten beiden „Terminator“-Filme vorbei ist und „Terminator 3: Rebellion der Machinen“ (2003) der letzte Film war, der noch glaubwürdig von einem Kampf der Roboter gegen die Menschen erzählen konnte, ohne das Internet zu erwähnen.
Heute, bzw. 2017, ist die damals porträtierte Kalter-Krieg-Welt, absolut anachronistisch. Als James Cameron in den frühen Achtzigern seinen ersten „Terminator“-Film schrieb, war
Skynet, ein Computer-Selbstverteidigungssystem des Militärs, das sich gegen die Menschen wendet und einen Atomkrieg auslöst. Das war eine bedrückende Vision, die an reale Ängste anknüpfte und das Denken des Kalten Krieges auf eine schwarzhumorige Spitze trieb. Das Internet hatte in damaligen Zukunftsvorstellungen keinerlei Relevanz. Dagegen wurde über autonome Roboter schon lange nachgedacht. Als Helfer oder als Bedrohung für die Menschen. Der Terminator ist ein solcher Roboter, der stumpf einen Befehl ausübt und der deshalb entsprechend bedrohlich ist. Vor allem wenn im Hintergrund die Roboter, ausgehend von ihrer Programmierung, die Macht übernehmen.
Heute – nach dem Ende des Kalten Krieges – funktioniert diese Vision nicht mehr. Aber anstatt in „Terminator: Genisys“ jetzt mit dem „Genisys“-Programm eine umfassende Neubetrachtung des Kampfes zwischen Menschen und Maschinen zu wagen, belassen es die Autoren Laeta Kalogridis („Wächter der Nacht“, „Shutter Island“) und Patrick Lussier („My Boody Valentine 3D“, „Drive Angry“; er ist vor allem als Regisseur bekannt) und Alan Taylor („Thor – The Dark Kingdom“ und viele TV-Serienepisoden) dabei, „Genisys“ als leere Chiffre zu benutzen. Entsprechend blass ist die Bedrohung, die als Skynet-Update so gar nichts mit unserer Gegenwart und unseren Ängsten zu tun hat. Es ist nur noch ein besonders inhaltsleerer Mac Guffin ohne irgendeine Bedeutung.
Sowiewo werden alle philosophischen Überlegungen und naturwissenschaftlichen Erklärungen des Zeitreise- und Zeitlinienproblems schnell weggewischt zugunsten eines Actionfeuerwerks, das alle vorherigen Actionszenen übertrumpfen möchte und spätestens während einer großen Autoverfolgungsjagd, die auf der Golden-Gate-Brücke endet, nur noch langweilt. Denn alles ist viel zu übertrieben und, nachdem ein Bus wie ein Spielzeug sich in der Luft mehrmals überschlägt, langweilig. Es ist eine computeranimierte Chose, die es nicht mit der grandiosen Action aus den früheren „Terminator“-Filmen aufnehmen kann. So wurde in „Terminator 3: Rebellion der Maschinen“ noch lustvoll ein ganzer Straßenzug zerdeppert und man sah, wie gefährlich die Dreharbeiten für die Szene waren. Jetzt verunziert kein Schweißtropfen die glatten Gesichter der Schauspieler.
„Terminator: Genisys“ ist einfach nur 08/15-Blockbuster-Handwerk der banalen Sorte mit einer bestenfalls mediokren Story, Plotlöchern (wenn man wirklich über die zwischen den verschiedenen Zeitlinien und vorherigen Filmen unnötig verwirrend werdende Story mit ihren lustigen Familienverhältnissen nachdenken will), etwas Humor (derzeit in Blockbustern ja extrem rar), übertriebener CGI-Action (in Blockbustern immer überreichlich vorhanden) und bekannten Gesichtern, die außer dem Einstreichen ihrer Gage nicht viel tun müssen. Da ist nichts, das hinter der glänzenden Oberfläche begeistert oder berührt.
Am Ende des Films, der der Beginn einer neuen Trilogie sein soll, bleibt die Erkenntnis, dass man spätestens nach dem dritten „Terminator“-Film hätte aufhören sollen.
P. S.: Hier ist der aktuelle Trailer, der einige Plotspoiler enthält. D. h.: Ansehen auf eigene Gefahr.

Terminator - Genisys - Plakat

Terminator: Genisys (Terminator: Genisys, USA 2015)
Regie: Alan Taylor
Drehbuch: Laeta Kalogridis, Patrick Lussier (basierend auf von James Cameron und Gale Anne Hurd erfundenen Charakteren)
mit Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke, Emilia Clarke, Jai Courtney, J. K. Simmons, Matthew Smith, Byung-hun Lee, Courtney B. Vance
Länge: 126 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Terminator: Genisys“
Moviepilot über „Terminator: Genisys“
Metacritic über „Terminator: Genisys“
Rotten Tomatoes über „Terminator: Genisys“
Wikipedia über „Terminator: Genisys“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 23. April: Departed – Unter Feinden

April 23, 2015

Vox, 20.15

Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese „The Wolf of Wall Street“.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Wiederholung: Freitag, 24. April, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

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Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans „The Gambler“ (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)


Anthony Horowitz und „Der Fall Moriarty“

Dezember 17, 2014

Horowitz - Der Fall Moriarty - 2

Auch wenn sich „Der Fall Moriarty“ von Anthony Horowitz nicht so liest, ist es ein echter und typischer Rätselkrimi, bei dem letztendlich alles von der Auflösung abhängt und gerade deshalb ist eine Besprechung schwierig. Immerhin liegt ein großer Teil des Spaßes beim Lesen im Deuten und Enträtseln der vielen verschiedenen Spuren und natürlich im Versuch, die Lösung möglichst früh herauszufinden. Da verdirbt jeder Hinweis auf die richtige Lösung natürlich etwas von genau diesem Spaß; was jetzt nicht heißt, dass „Der Fall Moriarty“ beim zweiten Lesen, wenn man die Lösung kennt (oder sich auf Wikipedia informiert), eine reizlose Lektüre wäre. Denn der Roman reiht sich gelungen in die Reihe von Filmen mit einem Twist-Ende ein, die inzwischen Kultfilme sind. Ich sage nur „Fight Club“, „Die üblichen Verdächtigen“ und „The sixth Sense“, bei denen ich das Ende nicht vorhersah und mich im Nachhinein auch nicht betrogen fühlte, oder, um ein neueres Beispiel zu nennen, „Shutter Island“, bei dem ich das Ende schon im Trailer vorhersah (genaugenommen dachte ich „Oh Gott, die haben eben die Pointe verraten.“) und mir Dennis Lehanes Roman wesentlich besser als die Verfilmung gefällt. Doch genug der zeilenschindenden Abschweifungen und zurück in das viktorianische England.
„Der Fall Moriarty“ beginnt 1891 unmittelbar nach dem tödlichen Kampf von Sherlock Holmes und Professor James Moriarty, einem die Unterwelt von London beherrschenden, hochintelligenten Verbrecherchef. Beide stürzten in den Reichenbachfall und starben. Jedenfalls glaubten das damals alle.
Aber was geschah damals wirklich? Denn, und da verrate ich kein großes Geheimnis, Sherlock Holmes tauchte Jahre später quicklebendig wieder auf.
Auch der Erzähler von „Der Fall Moriarty“ hat schon damals seine Zweifel am Tod von Sherlock Holmes. Jedenfalls zerpflückt er auf den ersten Seiten die von Dr. John Watson aufgeschriebene Geschichte „Das letzte Problem/Sein letzter Fall“ (The final problem) über den Kampf von Sherlock Holmes und Professor Moriarty. Danach trifft der Ich-Erzähler, Pinkerton-Detektiv Frederick Chase, in Meiringen auf den Scotland-Yard-Ermittler Athelney Jones. Und dieser Jones, ein selbsternannter Sherlock-Holmes-Bewunderer, der wie Sherlock Holmes auftritt und entsprechend scharfsinnig schlussfolgert, ist deutlich intelligenter als der Athelney Jones, der in der von Anthony Horowitz geschriebenen Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte „Die drei Königinnen“ (The Three Monarchs, kostenlos als eBook erhältlich) auftritt und Holmes und Watson bei einem seiner Fälle um Hilfe bittet.
Chase kam aus den USA nach England und dann direkt in die Schweiz, weil er hoffte, über Professor Moriarty an Informationen über den US-amerikanischen Gangster Clarence Devereux, dessen Gesicht noch niemand gesehen hat, zu kommen.
Die beiden Ermittler verbünden sich. Denn in London droht ein Krieg zwischen amerikanischen und englischen Verbrechern, wobei die Amerikaner, im Gegensatz zu den Briten, vor nichts zurückschrecken.
Das ist, wie schon Anthony Horowitz‘ erste Sherlock-Holmes-Geschichte flott geschrieben und voller Lokal- und Zeitkolorit und es passiert wirklich genug auf den über dreihundert Seiten, um einen effektiv vom Nachdenken über die Lösung abzuhalten. Ich jedenfalls habe sie nicht vorhergesehen, habe aber danach alle Spuren und Hinweise erkannt.
Im Moment schreibt der enorm produktive Anthony Horowitz, der bei uns vor allem für seine Alex-Rider-Jugendbücher bekannt ist, den nächsten James-Bond-Roman und nachdem die Bond-Romane von Sebastian Faulks, Jeffery Deaver und William Boyd aus den verschiedensten Gründen scheiterten, freue ich mich jetzt wirklich auf den neuen James-Bond-Roman.
Und jetzt muss ich mich endlich an die schriftliche Version meines Interviews mit Anthony Horowitz machen. Wobei „endlich“, wie mir mein Kalender sagt, irgendwann zwischen Ende dieser Woche und Weihnachten ist.

Anthony Horowitz: Der Fall Moriarty
(übersetzt von Lutz-W. Wolff)
Insel, 2014
352 Seiten
19,95 Euro

Originaltitel
Moriarty
Orion Books, 2014

Hinweise

Homepage von Anthony Horowitz

Suhrkamp über „Der Fall Moriarty“

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Die “Inspector Barnaby”-Fälle von Anthony Horowitz


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: James Gandolfinis Abschiedsvorstellung in Dennis Lehanes „The Drop – Bargeld“

Dezember 4, 2014

Der Schock war groß, als James Gandolfini am 19. Juni 2013 in Italien an einem Herzinfarkt starb. Er war erst 51 Jahre alt und, nach seinem Durchburch als Mafiosi Tony Soprano in „Die Sopranos“, ein allseits beliebter Schauspieler, der in Spielfilmen oft einprägsame Nebenrollen hatte. Zuletzt war er in „Zero Dark Thirty“ der CIA-Direktor oder in „Killing them softly“ ein Killer mit Burn-Out-Syndrom und Alkoholproblem. In der Liebeskomödie „Genug gesagt“ spielte er, untypisch für ihn, einen Liebhaber und in „The Drop“, seinem letzten Film, den desillusionierten Barbesitzer Marv (oder Cousin Marv, wie ihn allen nennen), dessen Lokal in Brooklyn eine Drop Bar ist. Also eine Bar, in der die Mafia für einen Abend ihr Straßengeld lagert und später abholt. Eines Abends, kurz nach Weihnachten, wird die Bar überfallen und eine Serie von tödlichen Ereignissen beginnt. Denn selbstverständlich will der tschetschenische Gangsterboss Chovka (Michael Aronov) sein Geld haben und „Skrupel“ ist dabei für ihn ein Fremdwort.
Marvs langjähriger und mit ihm verwandter Barkeeper Bob Saginowski (Tom Hardy), ein introvertierter Mann, der bei dem Überfall dabei war und Detective Torres (John Ortiz) sagte, dass einer der Gangster eine kaputte Uhr gehabt hatte, findet auf seinem Heimweg in einer Mülltonne einen Hund, den er, eher widerwillig, bei sich aufnimmt. Er befreundet sich mit Nadia (Noomi Rapace), die sich gut mit Hunden versteht und in deren Mülltonne der kleine Pitbull war.
Kurz darauf will Eric Deeds (Matthias Schoenaerts) seinen Hund wieder haben. Er ist der frühere Besitzer von Rocco, wie Bob das Welpen nannte, und Nadias gewalttätiger Ex-Freund. Bob weigert sich, aber Eric, der damit prahlt, den vor Jahren spurlos verschwundenen Richie ‚Glory Days‘ Whelan ermordet zu haben, wird nicht lockerlassen.
Und dann liegt im Hof von Cousin Marvs ein abgehackter Arm auf. An seinem Handgelenk ist die kaputte Uhr. Bob entsorgt das Körperteil ohne zu Zögern und ohne ein Wort zu sagen. Aber Marv ist nervös.
„The Drop“ ist ein düsterer, ruhig erzählter, in Brooklyn spielender Gangsterfilm, der nicht thrillen, sondern ein alltägliches Porträt eines Viertels und einiger seiner Bewohner entwerfen will. Das gelingt Michaël R. Roskam in seinem US-Debüt, nach seinem Spielfilmdebüt „Bullhead“ (Rundskop, 2011), auch vorzüglich. Dank der minimalistisch spielenden Schauspieler und der knappen Dialoge von Dennis Lehane („Mystic River“), der hier eine auf den ersten Blick einfache Geschichte erzählt, die dann doch ziemlich komplex und verdammt gut konstruiert ist.
Die Filmgeschichte basiert auf seiner Kurzgeschichte „Animal Rescue“, die Lehane zuerst zu einem Drehbuch ausbaute und dann als Roman wiedererzählte, wobei der Roman und der Film in einem interessanten Spannungsverhältnis stehen. Denn Lehane veränderte einige Details (so spielt der Roman nicht in Brooklyn, sondern in Boston) und plötzlich erscheint in der kleinen Gangstergeschichte vieles in einem anderen Licht, weshalb sich ein Vergleich von Buch und Film lohnt.

The Drop - Plakat

The Drop – Bargeld (The Drop, USA 2014)
Regie: Michaël R. Roskam
Drehbuch: Dennis Lehane
LV: Dennis Lehane: Animal Rescue, 2009 (erschienen in Dennis Lehane, Hrsg.: Boston Noir, Kurzgeschichte)
mit James Gandolfini, Tom Hardy, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector, Michael Esper, Ross Bickell, James Frecheville, Tobias Segal, Patricia Squire, Ann Dowd
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Der Roman zum Film

Lehane - The Drop - Bargeld - 4

Dennis Lehane: The Drop – Bargeld
(übersetzt von Steffen Jacobs)
Diogenes, 2014
224 Seiten
19,90 Euro

Originalausgabe
The Drop
William Morrow, New York, 2014

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Drop“
Moviepilot über „The Drop“
Metacritic über „The Drop“
Rotten Tomatoes über „The Drop“
Wikipedia über „The Drop“ (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „In der Nacht“ (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes “Shutter Island” (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Die Pressekonferenz zum Film beim diesjährigen Toronto International Film Festival (TIFF) mit Michaël R. Roskam, Dennis Lehane, Tom Hardy, Noomi Rapace und Matthias Schoenarts


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