Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderberghs Arbeitstempo ist „Unsane: Ausgeliefert“ sind wir zu unserem Vergnügen

März 30, 2018

Lucky Logan“ gibt es erst seit einigen Wochen auf DVD und schon ist der nächste Film von Steven Soderbergh, der auf der Berlinale seine Premiere hatte, in unseren Kinos. „Unsane: Ausgeliefert“ ist sein erster Horrorfilm. Es ist außerdem der erste Film, den er auf einem iPhone drehte. Zuletzt zeigte Sean Baker in „Tangerine L. A.“, dass man mit einem iPhone einen gut aussehenden, äußerst farbenprächtigen Film inszenieren kann, der auch auf einer riesigen Leinwand nicht nach einem billigen Videofilm für den Hausgebrauch aussieht.

Soderberghs Bilder sind deutlich blasser und farbensättigter als Bakers strahlendes Los Angeles. Das liegt natürlich auch an der Geschichte: Sawyer Valentini (Claire Foy) fühlt sich verfolgt von einem Stalker. Wegen David Strine zog sie bereits in eine andere Stadt. Trotzdem sieht sie in jedem Mann, mit dem sie sich trifft und Sex haben will, David Strine. Weil es sich um auch für sie klar erkennbare Wahnvorstellungen handelt, wendet sie sich an das Highland Creek Behavioral Center. Sie möchte neben ihrer Arbeit eine Therapie mit regelmäßigen Sitzungen machen. Nach dem Gespräch mit der Therapeutin unterzeichnet sie einige Papiere und wird sofort für eine Nacht zur Beobachtung in die Klinik eingewiesen. Weil in den Papieren auch ein Satz war, mit dem sie zu einer stationären Beobachtung einwilligte, ist das legal.

Aus der einen Nacht wird eine Woche – und wir fragen uns schnell, ob sie nicht doch zu recht in der Klinik ist. Immerhin behauptet sie, dass einer der Pfleger ihr Stalker ist. Und dieses Mal erkennt sie ihre Wahnvorstellung nach einem Schockmoment nicht als Wahnvorstellung. David Strine bleibt David Strine.

Unsane“ ist ein schwarzhumoriger B-Horrorthriller, der die Psychiatrie als Vorhölle mit besorgten Pflegern und Ärzten zeigt, die fürsorglich ihren Willen gegenüber den nicht zurechnungsfähigen Patienten durchsetzen. Das knüpft an Filme wie Samuel Fullers „Schock-Korridor“ und, obwohl kein B-Picture, Milos Formans „Einer flog übers Kuckucksnest“ an. Auch in „Unsane“ ist, wie in Fullers Film, ein Journalist undercover in der Klinik. Nate hilft Sawyer auch, die Strukturen der Klinik zu verstehen. Denn das Highland Creek Behavioral Center hat – und hier wird „Unsane“ auch zu einer Kritik des US-Gesundheitssystems – die Patienten als Kunden entdeckt. Es sind rechtlose Kunden, die in dem Wust von notwendigen Erklärungen, die man unterschreiben muss, auch die Sätze unterschreiben, die zu ihrer Beobachtung in der Klinik führen. Dort werden ihre seelischen Probleme nicht behandelt, sondern sie werden so lange ruhiggestellt, bis ihre Krankenversicherung ihren Aufenthalt nicht mehr bezahlt. Nate will diese Quasi-Inhaftierung von Menschen im Highland Creek Behavioral Center aufdecken.

Diese Kapitalismuskritik ist in Soderberghs Werk eine Konstante, die in „Unsane“ allerdings nur ein Subplot ist.

Im Zentrum des Psycho-Thrillers steht die Frage, ob Sawyer verrückt ist oder ob ihr Stalker wirklich einer der Pfleger ist. Dann wäre sie ihm jetzt wirklich hilflos ausgeliefert und das wäre dann wirklich der endgültige Horror.

Diese Geschichte folgt, mit einigen modernen Tupfern, den bekannten Genrekonventionen, die Soderbergh mit viel Lust an den Konventionen, den überraschenden Wendungen und dem Horror der totalen Ausgeliefertseins in einem System erzählt.

Das ist nicht neu, aber ungeheuer spannend.

Neu ist dagegen die Aufnahmetechnik, die es Soderbergh ermöglichte, den Film sehr schnell in einer stillgelegten Klinik zu drehen. Der Drehort sorgte für das nötige bauliche Retro-Gefühl. Die iPhone-Bilder sorgen für eine große Intimität. Die immer wieder leicht verschobenen Proportionen und die kränklichen Farben passen gut zu der immer leicht verschobenen Wahrnehmung einer Person, die zunehmend zweifelt, ob sie noch zwischen Realität und Irrealität unterscheiden kann.

Im Presseheft sagt Steven Soderbergh, der gegenüber Experimenten immer aufgeschlossen ist, über die im Film verwandte Technik: „Seit Jahren experimentiere ich schon mit diesen Gerätschaften, mit Mobiltelefonen und diversen Linsen, mit denen man diese bestücken kann. Mir war vollkommen klar, dass man eines Tages mit dieser Technologie Filme drehen würde. Es ist die Technologie der Zukunft. Es war mein Ziel, einen Film zu drehen, den sich jedermann im Kino anschauen kann, ohne zu wissen, wie er gedreht wurde – und man erkennt keinen Unterschied zu einem normalen Film.

Insgesamt kamen drei iPhone 7Plus-Kameras zum Einsatz. Das Mobiltelefon hat eine 4K-Erfassung, was man in der tollen Auflösung auf der Leinwand erkennen kann. Zudem benutzten wir eine App namens FiLMiC Pro, die zahlreiche Belichtugnsmöglichkeiten zulässt. Man kann die Blendenöffnung, die Verschlusszeiten, die Farbtemperatur und die Tiefenschäfte steuern. Außerdem gibt es von FiLMiC Pro eine ferngesteuerte Version, die man mittels eines weiteren Mobiltelefons bedienen kann. Man braucht nicht einmal einen eigenen Monitor. Man hat die totale Kontrolle. Die iPhones sind sehr leicht, das macht sie in puncto Vibrationen sehr empfindlich. (…)

Auch die Linsen, die eine Firma namens Moment herstellt, sind extrem klein. Wir haben drei ihrer Produkte benutzt, eine 18mm-Linse, eine 60mm-Linse und ein Fischauge. Wir hatten aus Sicherheitsgründen drei Sätze mit den jeweils entsprechenden Objektiven. Es hätte ja sein können, dass wir alle drei Kameras gleichzeitig brauchten – aber das passierte dann nie. Wir drehten hauptsächlich mit der 18mm-Linse. Und manchmal nutzte ich die Linse, die normalerweise im iPhone eingebaut ist – es gab Szenen, für die sie genau die Brennweite besaß, die wir brauchten. (…)

Das ganze Kameraequipment passte in einen Rucksack. Wir hatten drei Mobiltelefone, drei Objektivsätze zusätzliche Batterien, ein paar Monitore, Klappen, Mikrophone und die Stabilisierungsvorrichtung fürs DGI Osmo dabei.“

Soweit die Technik, die sich wirklich jeder leisten kann. Aber, so Soderbergh weiter: „Wenn man nicht inszenieren kann, die Kamera nicht zu positionieren versteht und den Schnitt nicht beherrscht, ist es ganz egal, was für eine Kamera einem zur Verfügung steht.“

Unsane: Ausgeliefert (Unsane, USA 2018)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Jonathan Bernstein, James Greer

mit Claire Foy, Joshua Leonard, Juno Temple, Jay Pharoah, Amy Irving, Aimée Mullins, Polly McKie, Matt Damon (Cameo)

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Unsane“

Metacritic über „Unsane“

Rotten Tomatoes über „Unsane“

Wikipedia über „Unsane“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Unsane“

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Interview mit Steven Soderbergh über den Film (Achtung: Spoiler!)

 

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DVD-Kritik: Steven Soderberghs gelungene Hinterwäldler-Gaunerkomödie „Logan Lucky“

Februar 6, 2018

Zum Filmstart von Steven Soderberghsglorreicher Rückkehr ins Kino schrieb ich:

Hätte Steven Soderbergh nicht vor vier Jahren, nach „Liberace“, pompös seinen Abschied vom Kino und dem Regieführen verkündet, wäre es niemand aufgefallen. Denn nach „Liberace“ drehte er zwei Staffeln der Krankenhausserie „The Knick“ und er bereitete schon bei „Magic Mike XXL“, der vor zwei Jahren bei uns anlief und bei dem Soderbergh als Peter Andrews Kameramann war, „Logan Lucky“ vor. „Logan Lucky“ wurde dann ab dem 24. August 2016 an 35 Tagen gedreht. Inzwischen sind zwei weiter Filme von Soderbergh, bei denen er Regie führte, in der Postproduktion und ein weiterer Film ist angekündigt. Ein Rückzug von der Regie sieht wahrlich anders aus. Vor allem weil bei anderen Regisseuren der Abstand zwischen zwei Filmen teilweise länger als Soderberghs Rückzug vom Regieführen ist.

In „Logan Lucky“ kehrt der enorm produktive Regisseur in vertrautes Terrain zurück. „Es ist wie ein Cousin der Ocean’s-Filme, gleichzeitig stellt es diese Filme auch auf den Kopf, weil den Hauptfiguren in diesem Fall nicht beliebig viel Geld und keine Technologie zur Verfügung steht. Sie befinden sich wirtschaftlich in prekären Verhältnissen. Ein paar Mülltüten voller Geld würden ihr Leben komplett verändern“, sagt Soderbergh zu seinem Film.

Den Plan für den Diebstahl heckt Jimmy Logan (Channing Tatum) aus, nachdem er wegen seiner alten Beinverletzung von der Baufirma entlassen wird. Bei der Arbeit entdeckte er ein Rohrpostsystem, das unter dem Charlotte Motor Speedway bei Charlotte, North Carolina, liegt und in dem während Rennen das Geld von den Kassen in den Zentralsafe befördert wird. Am meisten Geld wird bei dem Coca Cola Cup 600, einem legendären und prestigeträchtigen NASCAR-Rennen am „Memorial Day“-Wochenende, umgesetzt.

Die Beute würde all seine finanziellen Sorgen auf einen Schlag beenden.

Den Diebstahl kann er nicht allein durchführen und er möchte, immerhin ist er ein gesetzestreuer Bürger, bei dem Diebstahl niemand verletzten und auch keine Gewalt anwenden. Also überzeugt er seinen einarmigen Bruder Clyde (Adam Driver), der als Barkeeper sein Geld verdient, und den Gangster Joe Bang (Daniel Craig), der allerdings gerade inhaftiert ist, ihm zu helfen. Bang ist einverstanden, wenn seine beiden Brüder Fish (Jack Quaid) und Sam (Brian Gleeson) dabei sind. Dummerweise vereinigen die beiden Meth-Nasen kongenial alle Eigenschaften auf sich, die den Plan zum Scheitern bringen könnten. Und Jimmys Schwester Mellie (Riley Keough) ist auch noch dabei.

Jimmy entwirft einen Plan, den man ihm in dieser Komplexität niemals zugetraut hätte. Immerhin ist er noch nicht einmal fähig, seine Telefonrechnung pünktlich zu bezahlen.

Wie es sich für ein Heist-Movie gehört, gibt es immer wieder neue Probleme, die den perfekten Plan gefährden können und überraschende Wendungen, weil die Verbrecher sich auf alle Eventualitäten vorbereiten und sie sich nicht so richtig trauen können. Aber im Gegensatz zu der smarten Gang um Danny Ocean sind die Logan- und Bang-Geschwister als waschechte Hillbillies keine Geistesgrößen. Pechvögel sind sie, nach Clydes Theorie über den Fluch der Logans, auch. Da scheint nur das sprichwörtliche Deppenglück den Plan vor einem grandiosen Scheitern bewahren zu können.

Aber, und das kann hier verraten werden, so einfach macht Soderbergh es dann doch nicht für die Logan-Bang-Gang.

Mit seiner Kinorückkehr „Logan Lucky“ hat Steven Soderbergh eine wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie inszeniert, die von ihren Charakteren, dem Milieu und dem Plan lebt. Da ist es egal, dass die minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde.

Die Schauspieler hatten jedenfalls ihren Spaß und in der Originalfassung baden sie im fast unverständlichen regionalen Dialekt von West Virginia und den Appalachen.

Und Soderbergh setzt bei den Credits die Flunkereien, die den gesamten Film beherrschen, fort. Als Peter Andrews war er für die Kamera und als Mary Ann Bernard für den Schnitt zuständig. Das sind zwei von ihm oft benutzte Pseudonyme. Ob Rebecca Blunt ein Pseudonym ist und, wenn ja, wer sich dahinter verbirgt, ist noch unklar. Jedenfalls tritt sie nicht öffentlich auf und die Hauptdarsteller kommunizierten nur elektronisch mit ihr. Es wurde vermutet, dass Soderbergh selbst, oder seine Frau Jules Asner oder der Komiker John Henson das Buch geschrieben haben. Im Presseheft wird, was dann aber eine arg dusselige Enttarnung wäre, Reid Carolin, neben Rebecca Blunt, als Drehbuchautor genannt. Carolin schrieb auch die Bücher für „Magic Mike“ und „Magic Mike XXL“.

Wie heißt es so schön? Alles bleibt in der Familie.

 

Auf den ersten Blick ist das Bonusmaterial sehr umfangreich. Auf den zweiten Blick besteht es aus zwei „Deleted Scenes“ (3:49 Minuten), die eher amüsant als tragend für die Handlung sind, einem kurzen Werbe-“Making of“ (3:10 Minuten), Interviews vom Roten Teppich vor der Premiere mit Produzent Reid Carolin (2:24 Minuten), Channing Tatum (3:13 Minuten) und Adam Driver (2:09 Minuten), die ebenfalls reine Promo-Statements sind, und einem Interview mit Steven Soderbergh (17:51 Minuten). In dem langen Interview spricht Soderbergh über verschiedene Aspekte des Films. Das informative Interview ist das Herzstück des Bonusmaterials.

Soderberghs nächster Film, der Horrorthriller „Unsane: Ausgeliefert“, soll nach der Berlinale-Premiere am 29. März in unseren Kinos anlaufen.

Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Rebecca Blunt

mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank

DVD

Studiocanal

Bild: 2,4:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Deleted Scenes, Interviews mit Channing Tatum, Adam Driver, Reid Carolin, Trailer, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Logan Lucky“

Metacritic über „Logan Lucky“

Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“

Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderbergh macht „Logan Lucky“

September 14, 2017

Hätte Steven Soderbergh nicht vor vier Jahren, nach „Liberace“, pompös seinen Abschied vom Kino und dem Regieführen verkündet, wäre es niemand aufgefallen. Denn nach „Liberace“ drehte er zwei Staffeln der Krankenhausserie „The Knick“ und er bereitete schon bei „Magic Mike XXL“, der vor zwei Jahren bei uns anlief und bei dem Soderbergh als Peter Andrews Kameramann war, „Logan Lucky“ vor. „Logan Lucky“ wurde dann ab dem 24. August 2016 an 35 Tagen gedreht. Inzwischen sind zwei weiter Filme von Soderbergh, bei denen er Regie führte, in der Postproduktion und ein weiterer Film ist angekündigt. Ein Rückzug von der Regie sieht wahrlich anders aus. Vor allem weil bei anderen Regisseuren der Abstand zwischen zwei Filmen teilweise länger als Soderberghs Rückzug vom Regieführen ist.

In „Logan Lucky“ kehrt der enorm produktive Regisseur in vertrautes Terrain zurück. „Es ist wie ein Cousin der Ocean’s-Filme, gleichzeitig stellt es diese Filme auch auf den Kopf, weil den Hauptfiguren in diesem Fall nicht beliebig viel Geld und keine Technologie zur Verfügung steht. Sie befinden sich wirtschaftlich in prekären Verhältnissen. Ein paar Mülltüten voller Geld würden ihr Leben komplett verändern“, sagt Soderbergh zu seinem Film.

Den Plan für den Diebstahl heckt Jimmy Logan (Channing Tatum) aus, nachdem er wegen seiner alten Beinverletzung von der Baufirma entlassen wird. Bei der Arbeit entdeckte er ein Rohrpostsystem, das unter dem Charlotte Motor Speedway bei Charlotte, North Carolina, liegt und in dem während Rennen das Geld von den Kassen in den Zentralsafe befördert wird. Am meisten Geld wird bei dem Coca Cola Cup 600, einem legendären und prestigeträchtigen NASCAR-Rennen am „Memorial Day“-Wochenende, umgesetzt.

Die Beute würde all seine finanziellen Sorgen auf einen Schlag beenden.

Den Diebstahl kann er nicht allein durchführen und er möchte, immerhin ist er ein gesetzestreuer Bürger, bei dem Diebstahl niemand verletzten und auch keine Gewalt anwenden. Also überzeugt er seinen einarmigen Bruder Clyde (Adam Driver), der als Barkeeper sein Geld verdient, und den Gangster Joe Bang (Daniel Craig), der allerdings gerade inhaftiert ist, ihm zu helfen. Bang ist einverstanden, wenn seine beiden Brüder Fish (Jack Quaid) und Sam (Brian Gleeson) dabei sind. Dummerweise vereinigen die beiden Meth-Nasen kongenial alle Eigenschaften auf sich, die den Plan zum Scheitern bringen könnten. Und Jimmys Schwester Mellie (Riley Keough) ist auch noch dabei.

Jimmy entwirft einen Plan, den man ihm in dieser Komplexität niemals zugetraut hätte. Immerhin ist er noch nicht einmal fähig, seine Telefonrechnung pünktlich zu bezahlen.

Wie es sich für ein Heist-Movie gehört, gibt es immer wieder neue Probleme, die den perfekten Plan gefährden können und überraschende Wendungen, weil die Verbrecher sich auf alle Eventualitäten vorbereiten und sie sich nicht so richtig trauen können. Aber im Gegensatz zu der smarten Gang um Danny Ocean sind die Logan- und Bang-Geschwister als waschechte Hillbillies keine Geistesgrößen. Pechvögel sind sie, nach Clydes Theorie über den Fluch der Logans, auch. Da scheint nur das sprichwörtliche Deppenglück den Plan vor einem grandiosen Scheitern bewahren zu können.

Aber, und das kann hier verraten werden, so einfach macht Soderbergh es dann doch nicht für die Logan-Bang-Gang.

Mit seiner Kinorückkehr „Logan Lucky“ hat Steven Soderbergh eine wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie inszeniert, die von ihren Charakteren, dem Milieu und dem Plan lebt. Da ist es egal, dass die minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde.

Die Schauspieler hatten jedenfalls ihren Spaß und in der Originalfassung baden sie im fast unverständlichen regionalen Dialekt von West Virginia und den Appalachen.

Und Soderbergh setzt bei den Credits die Flunkereien, die den gesamten Film beherrschen, fort. Als Peter Andrews war er für die Kamera und als Mary Ann Bernard für den Schnitt zuständig. Das sind zwei von ihm oft benutzte Pseudonyme. Ob Rebecca Blunt ein Pseudonym ist und, wenn ja, wer sich dahinter verbirgt, ist noch unklar. Jedenfalls tritt sie nicht öffentlich auf und die Hauptdarsteller kommunizierten nur elektronisch mit ihr. Es wurde vermutet, dass Soderbergh selbst, oder seine Frau Jules Asner oder der Komiker John Henson das Buch geschrieben haben. Im Presseheft wird, was dann aber eine arg dusselige Enttarnung wäre, Reid Carolin, neben Rebecca Blunt, als Drehbuchautor genannt. Carolin schrieb auch die Bücher für „Magic Mike“ und „Magic Mike XXL“.

Wie heißt es so schön? Alles bleibt in der Familie.

Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Rebecca Blunt

mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Logan Lucky“

Metacritic über „Logan Lucky“

Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“

Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderberghs „Liberace“ ist wundervoll, geschmacklos und schwul

Oktober 4, 2013

 

Nach „Side Effects“ sagte Steven Soderbergh, dass er keine weiteren Spielfilme drehen möchte. Und schon einige Monate später ist sein nächster Film im Kino. Allerdings ist das grandiose Biopic „Liberace“ ein TV-Film, produziert von HBO, der in den USA auch erfolgreich im Fernsehen lief und kürzlich elf Emmys erhielt. Unter anderem als bester Film, Michael Douglas als bester Hauptdarsteller, Steven Soderbergh für die Regie und den Schnitt und Ellen Mirojnick und Robert Q. Mathews für die Kostüme, die in diesem Film wirklich eine besondere Rolle spielen. Nominiert waren auch Richard LaGravenese für sein Drehbuch und Matt Damon als bester Hauptdarsteller.

Dieser Emmy-Preisregen kann als Entschädigung für die entgangenen Oscars angesehen werden. Denn Soderberghs Film gehört ins Kino. Die schwelgerische Ausstattung, der überbordende Kitsch des enorm populären Las-Vegas-Musikers Liberace, ist einfach zu viel für den kleinen Bildschirm. Liberace war seit den Fünfzigern, als er mit einer TV-Show bekannt wurde und in den kommenden Jahren seinen opulenten Bühnenauftritt perfektionierte, ein sehr gut verdienender Frauenschwarm, der stockschwul war, aber jeden verklagte, der das behauptete. Damals hätte das nämlich das Ende seiner Karriere bedeutet. Auch nach seinem Tod 1987 wurde peinlich verschwiegen, dass er an AIDS starb.

Soderberghs Sittengemälde und Biopic beginnt 1977. Damals war Scott Thorson (Matt Damon) ein junger Tiertrainer für Tiere, die in Hollywood-Filmen mitspielten, und schwul. Eines Tages nimmt ihn sein Freund, der Choreograph Bob Black zu einem Wochenendtrip nach Las Vegas mit. Sie besuchen ein Konzert von Liberace und Thorson entschlüsselt sofort die schwulen Codes des Pianisten. Das überwiegend ältere, weibliche Publikum nicht. Später, im Backstage-Bereich, findet der eitle Pfau Liberace sofort gefallen an dem unschuldigen Waisenjungen und ernennt ihn zu seinem persönlichen Sekretär, den er hinten und vorne in seinem Kitschpalast verwöhnt. Ihm sogar eine teure Schönheitsoperationen bezahlt, die ihn immer mehr zu seinem jüngeren Ebenbild machen. Thorson sitzt jetzt im goldenen Käfig, aus dem er nicht ausbrechen möchte. Jedenfalls noch nicht. Dummerweise ist Liberace leicht paranoid und sehr sprunghaft in der Wahl seiner Lustknaben.

Soderbergh erzählt pointiert, mit einem scharfen Blick auf die damalige Bigotterie und die Schauwerte, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Männern, in der der ältere Mann den anderen verführt, ausnutzt und letztendlich verstößt. Es ist auch ein Blick auf die Schattenseiten des Showgeschäfts, in denen ein Star wie ein kleiner König herrschen kann.

Das ist ganz großes Kino, wundervoll gespielt von Michael Douglas und Matt Damon, die wirklich jeden Preis verdient haben und, unter der glitzernden Oberfläche, eine zutiefst deprimierende Studie eines einsamen Mannes.

Ach ja: derzeit arbeitet Soderbergh an der Mini-Serie „The Knick“.

Liberace - Plakat

Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Richard LaGravenese

LV: Scott Thorson, Alex Thorleifson: Behind the Candelabra, 1988

mit Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Dan Akroyd, Debbie Reynolds

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Film-Zeit über „Liberace“

Moviepilot über „Liberace“

Metacritic über „Liberace“

Rotten Tomatoes über „Liberace“

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Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

 

 

 

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderberghs (vorläufig) letzter Kinospielfilm: „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“

April 24, 2013

 

Das soll also der letzte Spielfilm von Steven Soderbergh sein: ein verschachtelter Neo-Noir, garniert mit einer Anklage gegen die Pharma-Industrie. Obwohl es in „Side Effects“, Nebenwirkungen, lange Zeit genau anders aussieht: der Psychiater Dr. Jonathan Banks (Jude Law) trifft in der Notaufnahme Emily Taylor (Rooney Mara), die nach einem Autounfall, der offensichtlich ein missglückter Selbstmordversuch war, in der Klinik liegt. Sie behauptet, sie habe nur einen kurzen Aussetzer gehabt, aber jetzt sei wieder alles in Ordnung. Banks entlässt sie, wenn sie gleichzeitig eine Therapie bei im beginnt. In der Therapie erzählt sie ihm, dass ihr Mann Martin (Channing Tatum) nach einer vierjährigen Haftstrafe wegen Insiderhandels wieder frei ist, dass sie ihren ehemals mondänen Lebensstil auf ein Apartment in Upper Manhattan reduzieren mussten, dass auch sie arbeiten muss und dass sie Angst hat, jetzt in der Ehe zu versagen.

Von ihrer früheren Therapeutin, Dr. Victoria Siebert (Catherine Zeta-Jones), erfährt er von einem neuen Medikament, das ihr helfen könne. Nach einem kurzen Zögern – einerseits ist das Medikament noch nicht erprobt, aber andererseits bekommt er, wenn er bei der Erprobung mithilft, dringend benötigtes Geld und Nebenwirkungen soll es auch nicht haben – verschreibt er ihr das Medikament.

Kurz darauf ersticht sie ihren Mann. Sie behauptet, dass sie während der Tat, wegen der Medikamente, in einem nicht zurechnungsfähigem Trancezustand war.

Und was jetzt zu einem spannenden Gerichtsthriller, in dem die unmoralischen Geschäfte der Pharma-Industrie angeprangert werden, werden könnte, – immerhin wurde bis jetzt in fast jeder Szene auf die Geschäfte der Pharma-Industrie und den erschreckend sorglosen, hohen Tablettenkonsum, der anscheinend ohne Nebenwirkungen, jeden gewünschten Gemütszustand herstellen kann, hingewiesen -, entwickelt sich nach einer kurzen Atempause zu einem veritablen Noir, in dem Jonathan Banks um seine Existenz kämpft. Immerhin soll er durch die Verschreibung des noch nicht zugelassenen Medikaments für den Tod von Martin Taylor verantwortlich sein. Er glaubt allerdings, dass Emily den Mord eiskalt inszenierte, sie mit einem Plädoyer auf Unzurechnungsfähigkeit freikommen und er das Bauernopfer sein soll.

Side Effects“ ist, wie gewohnt bei Steven Soderbergh, lässig inszeniert mit einigen Zeitsprüngen und, dieses Mal, einigen Wendungen mehr als nötig. Denn was als Pharma-Thriller beginnt, wird in der zweiten Hälfte mit seinen vielen Intrigen und Gegenintrigen zu einem etwas übertrieben kompliziertem Noir. Das in der ersten Hälfte als gesellschaftlich relevantes Thema breit eingeführte Problem des Medikamentenmissbrauchs und des allzu sorglosen Umgangs mit Medikamenten in den USA wird dann zu einem zwar wichtigem, aber x-beliebigem Element in einem Mordplan, der so ähnlich auch schon vor einigen Jahrzehnten funktioniert hätte.

Das ist auch genau das, was Drehbuchautor Scott Z. Burns (Das Bourne-Ultimatum, Der Informant!, Contagion) , der auch als Regisseur im Gespräch war, wollte: „Ich wollte einen Thriller im Stil des Film Noir schreiben, der den Zuschauer in die Geschichte hineinzieht und ihn dann mit vielen Wendungen den Halt verlieren lässt. Einen Thriller wie etwa ‚Frau ohne Gewissen‘ (Double Indemnity, USA 1944) oder ‚Heißblütig – Kaltblütig‘ (Body Heat, USA 1981), der sich aber in der Welt der Pharmakologie entfalten würde. Mich inspirierten Filme mit geschickt konstruierten und cleveren Szenarien über Betrug und Intrigen, die in einer Welt spielten, in der auch der Zuschauer lebte. Es scheint so, als würden solche Filme heute nicht mehr gedreht werden, aber ich habe dieses Genre immer geliebt.“

Und als Genre-Übung, wie auch die vorherigen Filme von Steven Soderbergh, in denen er anderen Genres seinen Stempel aufdrückte, ist „Side Effects“ durchaus gelungen. Dieses Mal ist es eben ein Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende. Als ziemlich lange angekündigter letzter Spielfilm wirkt er dagegen seltsam deplatziert, weil Steven Soderbergh nicht seine Themen und Obsessionen einer abschließenden Betrachtung unterzieht, er keine Coda zu seinem bisherigen Werk liefert und er kein offensichtlich persönliches Statement macht, sondern er einen kühlen, fast schon unterkühlten Thriller inszenierte, in dem letztendlich kein Charaktere wirklich sympathisch ist.

Aber natürlich glaubt niemand ernsthaft, dass der experimentierfreudige Soderbergh sich mit „Side Effects“ endgültig aus dem Filmgeschäft zurückzieht. Für HBO drehte er inzwischen „Behind the Candelabra“ mit Michael Douglas, Matt Damon und Rob Lowe über den Musiker Liberace und in Interviews sagt Soderbergh, dass er vielleicht demnächst eine TV-Serie drehe.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Soderbergh-Film im Kino läuft.

Side Effects - Plakat

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Film-Zeit über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Steven Soderbergh wagt das „Girlfriend Experience“ mit Sasha Grey

März 23, 2013

Als Steven Soderbergh „The Girlfriend Experience“ ankündigte, sorgte vor allem die Besetzung der Hauptrolle für Aufsehen. Denn Sasha Grey war Adult Actress, vulgo Pornodarstellerin. Der Film sollte auch, so hieß es, in dem Milieu spielen. Einen deutschen Kinostart erlebte der Film nie und jetzt, vier Jahre nach der US-Premiere, liegt der Film auf DVD vor – und er wirkt inzwischen wie eine Vorstudie zu seinem letzten Film „Magic Mike“.

In beiden Filmen geht es um Menschen, die mit ihrem Körper Geld verdienen. Einmal um eine Escortdame, einmal um einen Stripper. Aber während „Magic Mike“ seine Geschichte, sehr züchtig, im gepflegten New-Hollywood-Stil erzählt und der Film ein Kinohit war, ist „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ einer von Soderberghs experimentellen Filme. Wie „Voll Frontal“ (lief sogar in deutschen Kinos) und „Bubble“ (den er in den USA gleichzeitig im Kino, auf DVD und im Fernsehen präsentierte und in Deutschland noch nicht veröffentlicht wurde) improvisierten die Schauspieler und die Kameraführung und Bildqualität ist teilweise so schlecht, dass sogar ein Dokumentarfilmer vor Scham im Boden versinken würde. Eine herkömmliche Geschichte gibt es auch nicht. In „Girlfriend Experience“ gibt es Impressionen aus dem Leben einer von Sasha Grey glaubhaft gespielten Escortdame, die für ihre reichen Freier in der Öffentlichkeit die Freundin mimt, und ihres Umfeldes. Dabei drehen sich die Gespräche die sie mit Kunden, ihrem Freund, einer Freundin, einem Interviewer und möglichen Geschäftspartnern führt, letztendlich immer ums Geld. Beziehungen scheinen nur über ihren ökonomischen Nutzen und ihr ökonomisches Potential möglich zu sein. Diese, durchaus sehr amerikanische, Verkürzung aller Beziehungen auf eine Dimension macht die Charakterstudie zu einem ziemlich deprimierendem Gesellschaftsporträt.

Trotzdem sieht „Girlfriend Experience“ weniger wie ein durchdachter Film, sondern wie eine Notizsammlung, eine Skizze, aus, die keinen Anspruch auf eine letzte und gültige Aussage erhebt an. Deshalb schnitt Soderbergh in dem „Alternativen Director’s Cut“, der fast genausolang wie die Kinofassung ist, das Material, das er hatte, anders zusammen.

Diese Schnittfassung ist neben der Kinofassung auf der jetzt erschienenen DVD enthalten. Außerdem gibt es einen informativen Audiokommentar von Steven Soderbergh und Sasha Grey, in dem er sie ziemlich geschickt ausfragt, und ein kurzes Featurette, das sich in den üblichen Lobhuddeleien ergeht und wahrscheinlich als Werbematerial für den Film erstellt wurde.

Für die echten Steven-Soderbergh-Fans ist mit dieser DVD eine Lücke in ihrer Sammlung geschlossen. Für die Fans von Filmen wie „The Good German“, „Ocean’s Eleven“, den beiden Fortsetzungen und „Magic Mike“ (trotz thematischer Nähe) dürfte „Girlfriend Experience“ nichts sein. Dafür ist dieser Film dann doch zu experimentell und nicht-narrativ.

Girlfriend Experience

Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: David Levien, Brian Koppelman

mit Sasha Grey, Chris Santos, Philip Eytan, T. Colby Trane, Peter Zizzo, David Levien

DVD

Koch Media

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1, DTS)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Alternativer Director’s Cut (73 Minuten), Audiokommentar mit Steven Soderbergh und Sasha Grey, Ein Blick hinter The Girlfriend Expererience, Original Kinotrailer, Wendecover

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „Girlfriend Experience“

Rotten Tomatoes über „Girlfriend Experience“

Wikipedia über „Girlfriend Experience“

Schnittberichte: Vergleich Kinofassung und Alternativer Director’s Cut

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Magic Mike“ (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Frauen wollen „Magic Mike“, Cineasten wollen Steven Soderbergh

August 16, 2012

Es könnte inzwischen der gar nicht so falsche Eindruck entstehen, dass Steven Soderbergh den Herren Allen und Eastwood in punkto Produktivität nacheifert. Denn kaum hat man den einen Film gesehen, wird schon der nächste angekündigt. Dabei sieht Soderbergs neuester Film oft wie die Negation des vorherigen aus. Er wagt dabei immer wieder stilistische Experimente und er probiert der Reihe nach die Filmgenres aus.

Während „Haywire“ ein actionreicher Agententhriller war, dessen Handlung sich über den halben Globus erstreckte und seine Heldin sich von den Männern nichts vormachen ließ, wenn sie sie nicht gerade als Punchingball oder Zielscheibe benutzte, spielt „Magic Mike“ in Tampa, Florida, und dort die halbe Zeit in einer Bar, in der Männer vor Frauen strippen.

Das heißeste Pferd im Stall von Dallas (Matthew McConaughey, der sich schamlos zum Affen macht) ist der Dreißigjährige Mike (Channing Tatum, der selbst als 18/19-jähriger acht Monate Stripper war), der noch den Traum von einer eigenen Möbelschreinerei hat. Aber das Nachtleben mit Drogen und Frauen ist reizvoller. Während seiner Tagesarbeit lernt er den 19-jährigen, bei seiner älteren Schwester lebenden Slacker Adam (Alex Pettyfer) kennen, den er auch gleich in die Welt der Stripper einführt.

Adams bodenständige Schwester Brooke (Cody Horn) ist davon absolut nicht begeistert. Dennoch, oder gerade weil Brooke nicht sofort mit ihm ins Bett steigen will, verliebt Mike sich in sie und er verspricht ihr, auf ihren Bruder aufzupassen.

Steven Soderbergh inszenierte seine Variante der Geschichte vom amerikanischen Traum im semidokumentarischen New-Hollywood-Stil, bei dem die Charaktere und ihr Leben im Mittelpunkt stehen. Dabei driften die Stripper alle mehr oder weniger ziellos durch ihr Leben und ihre Komfortzonen mit den kleinen Träumen von einem eigenen kleinen Geschäft, einem Stripclub in Miami oder einfach nur etwas mühelos erworbenem Geld durch Kleindealerei und einer heißen Tanznummer. Diese zahlreichen, knallig-glamourös inszenierten Tänze zu pointiert ausgewählten Hits wie „Like a Virgin“, beim ersten Auftritt von Adam, oder „It’s raining Men“ gehören zu den optischen Höhepunkten des Films. Allerdings fällt bei dem Blick hinter die Kulissen des Striplokals auf, wie wenig glamourös, oft sogar bieder, das Leben der Stripper ist. In diesen Szenen werden die männlichen Sexsymbole dann zu Menschen mit Sorgen, Gefühlen und Ängsten.

Diesen Widerspruch zwischen Schein und Sein unterstreicht Soderbergh auch indem er die Auftritte der Stripper und deren Leben abseits des Rampenlichts verschieden inszeniert: ersteres fast schon in edler Werbefilmästhetik, letzteres schmuddelig dokumentarisch mit warmen, ausgewaschenen Farben.

Und es fällt immer wieder auf, wie prüde Hollywood inzwischen ist. Denn obwohl die ganze Geschichte im Stripper-Milieu spielt, sehen wir – was die deutsche „ab 12 Jahre“-Freigabe erklärt – nie mehr als bei einem gewöhnlichen Schwimmbadbesuch. In den USA reichte es trotzdem für ein R-Rating und die IMDB listete die schockierenden „Nacktszenen“ akribisch auf:

Magic Mike does include a lot of nudity, both male and female, however, it does not include any direct shots of genitalia, male or female. There are two shots where penis shown, but in both scenes, the penis is difficult to make out. There is quite a bit of female nudity, but only breasts and buttocks. The film also contains it’s fair share of male buttocks. (This is the main portion of the nudity section.)

Well, well, einmal habe ich sogar eine unverhüllte weibliche Brust gesehen…

Allerdings kann diese eklatante Kluft zwischen dem Versprechen auf hemmungslosen Sex und dem konsequenten Vorenthalten von entsprechenden Bildern auch ein subtiler Kommentar von Steven Soderbergh zur US-amerikanischen Bigotterie sein. Dann hätte diese züchtig erzählte Geschichte sogar einen sehr gemeinen Subtext.

Magic Mike – Die ganze Nacht (Magic Mike, USA 2012)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Reid Carolin

mit Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey, Cody Horn, Olivia Munn, Matt Bomer, Riley Keough, Joe Manganiello, Kevin Nash, Adam Rodriguez, Gabriel Iglesias

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Magic Mike“

Metacritic über „Magic Mike“

Rotten Tomatoes über „Magic Mike“

Wikipedia über „Magic Mike“

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderberghs grandioser Old-School-Agententhriller „Haywire“

März 8, 2012

Die Story von Steven Soderberghs neuem Film „Haywire“ ist ein luftiges Nichts. Eher eine Entschuldigung, um eine Reihe toller Action-Szenen aneinanderzureihen, als ein ausgefuchster Plot mit Twists und erinnerungswürdigen Dialogen.

Mallory Kane (Gina Carano) ist eine Special-Ops-Agentin auf der Flucht. Ihr Chef, der als internationaler Kontraktor seine Dienste meistbietend den verschiedenen Geheimdiensten anbietet, will sie umbringen. Sie versucht herausfinden, warum sie sterben soll und reist dabei um die halbe Welt.

Mehr Story brauchen Drehbuchautor Lem Dobbs und Regisseur Steven Soderbergh, die bereits bei „Kafka“ und „The Limey“ zusammen arbeiteten, nicht, um Gina Carano in ihrem Filmdebüt gut in Szene zu setzen. Die erfolgreiche Mixed-Martial-Arts-Kämpferin erledigt ihren Job, auch dank des für sie sehr dialogarmen Drehbuchs, gut. Sie muss vor allem kämpfen, klettern, über Dächer springen und kämpfen, kämpfen, kämpfen und das kann sie.

Im Gegensatz zu den derzeit üblichen Schnittgewittern bei Action-Szenen, schnitt Soderbergh die Action-Szenen so angenehm altmodisch, dass man die Kämpfe wirklich verfolgen und die Leistungen der Schauspieler und Stuntmen bewundern kann. Das hat dann wieder die Faszination älterer Filme, in denen die Action noch ohne Computerhilfe erledigt wurde. Soderbergh nennt als einen der Einflüsse für die Mischung aus Story und Action in „Haywire“ den James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“. Ein anderer, ebenso unübersehbarer Einfluss ist Alfred Hitchcock. So sollte das Haus in dem Mallorys Vater wohnt, an das Haus des Bösewichts in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) erinnern.

Neben Carano spielen, was bei Soderbergh nicht ungewöhnlich ist, viele Stars mit. Michael Fassbender, Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Bill Paxton und Channing Tatum verleihen dem Film damit eine besondere Klasse und sie helfen, Carano wie eine bessere Schauspielerin aussehen zu lassen.

Haywire“ ist ein angenehm altmodischer, im Agentenmilieu spielender Action-Thriller, der durch die leicht unchronologische Erzählweise, der hypnotischen Musik von David Holmes (der mit Soderbergh bereits bei „Out of Sight“ und den „Ocean’s“-Filmen zusammenarbeitete), die Kürze (nach knackigen neunzig Minuten ist der Spaß vorbei) und den zynischen Spitzen der Geheimdienstler (gespielt mit spürbarer Lust von Ewan McGregor, Antonio Banderas und Michael Douglas) richtig Spaß macht und dank der Intelligenz der Macher deutlich besser als die gängigen B-Movies der 80-Jahre-Action-Stars (also der Kämpfer Chuck Norris, Jean-Claude van Damme und Steven Seagal) ist und seine teilweise überbudgetierten Nachfolger locker auf die Ersatzbank verweist.

Für traditionsbewusste Genrejunkies ist „Haywire“ ein Pflichttermin.

Haywire (Haywire, USA 2011)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Lem Dobbs

mit Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor, Bill Paxton, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz, Anthony Wong

Länge: 93 Minuten

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Haywire“

Rotten Tomatoes über „Haywire“

Wikipedia über „Haywire“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)


TV-Tipp für den 16. Oktober: Out of Sight

Oktober 16, 2018

Nitro, 20.15

Out of sight (Out of Sight, USA 1998)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Elmore-Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Hinweise

Moviepilot über “Out of Sight”

Rotten Tomatoes über “Out of Sight”

Wikipedia über “Out of Sight” (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


TV-Tipp für den 24. August: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

August 24, 2018

ZDFneo, 23.30

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.

Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Was schon damals nicht glaubwürdig war. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder im Kino angekommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. August: Out of Sight

August 18, 2018

Arte, 20.15

Out of sight (Out of Sight, USA 1998)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Wiederholung: Mittwoch, 22. August, 13.50 Uhr

Hinweise

Moviepilot über “Out of Sight”

Rotten Tomatoes über “Out of Sight”

Wikipedia über “Out of Sight” (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Deutsche Genreversuche: Der Horrorfilm „Heilstätten“

Februar 23, 2018

Horrorfilme können billig hergestellt werden. Sie leben von Schocks und, nun, Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen. Sie sprechen unsere Ängste an und sie können, wie zuletzt „Get out“, Themen ansprechen, die in höher budgetierten Filmen, die entsprechend mehr Geld einspielen müssen, nicht oder nicht so offen angesprochen werden. Sie richten sich vor allem an ein jugendliches Publikum und schon einige beachtliche Karrieren starteten mit Horrorfilmen. Ich sage nur George A. Romero, John Carpenter, Wes Craven, Tobe Hooper und Eli Roth. Filme wie „The Texas Chainsaw Massacre“, „Halloween“, „Hostel“, „Saw“ und „The Blair Witch Project“ (USA 1999) waren gigantische Erfolge, die ihr Geld mehr als einmal einspielten und unzählige Male kopiert wurden. Vor allem die Idee von „The Blair Witch Project“ war grandios. Im Internet wurde die Legende von einer Hexe und damit verbundener unheimlicher Ereignisse in den Wäldern von Maryland gestrickt. Der Film bestand dann, so wurde vor dem Filmstart kolportiert, aus den wieder aufgetauchten Aufnahmen, die eine handvoll spurlos verschwundener Filmstudenten auf ihrer Suche nach der Hexe gemacht haben. In den gefundenen Aufnahmen streifen sie ohne ein Drehbuch durch den Wald (was die oft erbärmlichen Dialoge erklärt). Sie sind keine Schauspieler (was das, ähem, naturalistische Spiel erklärt). Und sie sind keine ausgebildeten Kameramänner (was die oft erbärmliche Bildqualität erklärt).

Der unglaublich erfolgreiche Horrorfilm begründete das „Found Footage“-Subgenre, das behauptet, der Film sei aus gefunden Aufnahmen hergestellt worden. Und diese gefundenen Aufnahmen sind halt technisch nicht so perfekt, wie in einem richtigen Film. Alles das, was ein Kameramann vermeidet wie der Teufel das Weihwasser, ist hier ein Qulitätsmerkmal. Möglich wurde das durch die Entwicklung von immer kleineren, leistungsfähigen Videokameras. So drehte Steven Soderbergh seinen neuen Film, den Horrorthriller „Unsane“ (Kinostart 29. März 2018), komplett mit dem iPhone.

Für Filmproduzenten hatte das Subgenre noch drei erfreuliche Nebenwirkungen: es musst nicht mehr nach richtigen Schauspielern gesucht werden (die Protagonisten sollten ja gerade nicht spielen, sondern sich wie der Junge von nebenan benehmen), ein Drehbuch mit ausgefeilten Dialogen ist unnötig (die Schauspieler sollen sich ja wie die Schulkameradinnen verhalten und reden) und die Produktionskosten waren astronomisch niedrig. Man braucht nur ein Gebäude und einige Schauspieler. Sogar für Spezialeffekte braucht man eigenlich kein Geld, weil im Notfall ja immer die Kamera einen Schwenk in die langweilige Ecke machen kann. Blumhouse Productions, um nur die bekannteste Firma zu nennen, produziert seit Jahren mit enem Microbudget finanzierte Found-Footage-Horrorfilme, die durchgehend finanziell einträglich sind. Bis auf wenige Ausnahmen sind es allerdings auch ziemliche Langweiler.

Heilstätten“ fällt in dieses Found-Footage-Subgenre. Dieses Mal spielt die Geschichte allerdings nicht in den USA, sondern in Deutschland und es handelt sich um eine deutsche Produktion mit deutschen Schauspielern. Gedreht wurde der Film in einer Ruine mit Schauspielern, von denen einer auch ein YouTube-Star ist. Die anderen benehmen sich so als ob.

Die Story ist Asbach-Uralt-Horrorfilm: eine Gruppe Jugendlicher will eine Nacht in einem Gebäude verbringen, in dem es spucken soll. Die Nazis haben in der Heilstätte Menschenexperimente gemacht. Jetzt haben die untereinder verfeindeten YouTuber sich entschlossen, eine 24-Stunden-Challenge zu machen, in der es darum geht, eine Nacht in der Ruine zu verbringen. Zuerst halten die Jugendlichen die Mutprobe für einen großen Spaß. Denn Geister gibt es nicht.

Sie verteilen Kameras in dem Gebäude, die alles aufnehmen sollen, was in der Nacht geschieht. Und, wie es sich für einen YouTuber gehört, laufen sie immer mit einer eingeschalteten Kamera herum.

Dann geschehen unheimliche Dinge, es gibt Tote und anstatt herumzublödeln, wird geschrien und durch dunkle Gänge gerannt oder durch den Wald gestolpert.

Das ist, – wenig überraschend -, erbärmlich schlecht gespielt. Das aufgedrehte Gehabe der grenzdebilen YouTube-Stars nervt so sehr, dass ich über jedes Ableben erfreut war. Eine Nervensäge weniger in dieser überflüssigen Blumhouse-Kopie.

Dummerweise gibt es am Ende eine überraschende Wendung, die dem Film eine tiefere Bedeutung verleihen soll und die hier nicht verraten werden soll, weil es ein Mega-Spoiler wäre. Es ist allerdings auch eine vollkommen aus dem heiteren Himmel kommende überraschende Wendung, die teilweise im Widerspruch zu der vorherigen Geschichte steht und nicht vorbereitet wurde. Genausogut hätte auch ein Ufo auftauchen können.

So wird das nichts mit dem deutschen Horrorfilm.

Immerhin ist „Heilstätten“ nicht übermäßig lang und die Kulisse gefällt. Gedreht wurde der Film allerdings nicht in der Heilstätte Beelitz (eine oft genutzte Filmkulisse, u. a. „Men & Chicken“ und „A Cure for Wellness“), dem Handlungsort des Films, sondern in der ebenfalls verfallenen, unbekannteren Heilstätte Grabowsee gedreht.

Ach, und das Plakat ist auch gelungen.

Heilstätten (Deutschland 2018)

Regie: Michael David Pate

Drehbuch: Michael David Pate (nach einer Drehbuchvorlage von Ecki Ziedrich)

mit Sonja Gerhardt, Tim Oliver Schultz, Nilam Farooq, Lisa Maria Koroll, Emilio Sakraya, Timmi Trinks, Farina Flebbe, Maxine Kazis, David Schulz

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Heilstätten“

Moviepilot über „Heilstätten“

 


TV-Tipp für den 10. Januar: Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll

Januar 10, 2018

Arte, 20.15
Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Richard LaGravenese
LV: Scott Thorson, Alex Thorleifson: Behind the Candelabra, 1988
Grandioses, mit Preisen überschüttetes Biopic über den klavierspielenden, stockschwulen Las-Vegas-Entertainer Liberace, der jeden verklagte, der behauptete, er sei schwul.
Derzeit ist „Liberace“ immer noch Steven Soderberghs letzter Kinofilm, obwohl die HBO-Produktion in den USA nur im Fernsehen lief.
Soderbergh erzählt pointiert, mit einem scharfen Blick auf die damalige Bigotterie und die Schauwerte, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Männern, in der der ältere Mann den anderen verführt, ausnutzt und letztendlich verstößt. Es ist auch ein Blick auf die Schattenseiten des Showgeschäfts, in denen ein Star wie ein kleiner König herrschen kann.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Dan Akroyd, Debbie Reynolds

Hinweise

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Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

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Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Dezember: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

Dezember 9, 2017

ZDFneo, 21.55

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.

Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Was schon damals nicht glaubwürdig war. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder im Kino angekommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Wiederholung: Sonntag, 10. Dezember, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

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Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. November: Haywire

November 23, 2017

Vox, 23.05

Haywire (Haywire, USA 2011)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Lem Dobbs

Eine Geheimagentin will herausfinden, warum ihr Chef sie umbringen will.

Klasse besetzter, grandios-kurzweiliger Old-School-Agententhriller, bei dem Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Gina Carano auch als Schauspielerin (Drehbuch und Regie halfen) überzeugt.

mit Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor, Bill Paxton, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz, Anthony Wong

Hinweise

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Film-Zeit über „Haywire“

Rotten Tomatoes über „Haywire“

Wikipedia über „Haywire“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 17. November: Erin Brockovich

November 17, 2017

3sat, 22.25

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (USA 1999, Regie: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

„Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. September: Magic Mike

September 10, 2017

Weil am Donnerstag „Logan Lucky„, der neue Kinofilm von Steven Soderbergh (nach seiner kurzen Spielfilmauszeit), mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig undundund anläuft

RTL II, 20.15
Magic Mike – Die ganze Nacht (Magic Mike, USA 2012)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Reid Carolin
Mike ist im sonnigen Florida tagsüber ein netter Bauarbeiter und nach Sonnenuntergang ein Stripper. Ein wundervolles Leben, wenn er nicht ein eigenes, seriöses Geschäft eröffnen möchte und sich verlieben würde.
Wundervoller Film von Steven Soderbergh über das Milieu der männlichen Stripper und den amerikanischen Traum, inszeniert im dokumentarischen New-Hollywood-Stil.
mit Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey, Cody Horn, Olivia Munn, Matt Bomer, Riley Keough, Joe Manganiello, Kevin Nash, Adam Rodriguez, Gabriel Iglesias

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Magic Mike“

Metacritic über „Magic Mike“

Rotten Tomatoes über „Magic Mike“

Wikipedia über „Magic Mike“

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Oktober: Contagion

Oktober 1, 2016

Vox, 20.15

Contagion (Contagion, USA 2011)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Toller quasi-dokumentarischer Thriller über eine weltweite Pandemie. Ein Ensemblestück, bei dem auch Starpower nicht vor einem vorzeitigen Ableben schützt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han

Wiederholung: Sonntag, 2. Oktober, 03.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Contagion“

Moviepilot über „Contagion“

Metacritic über „Contagion“

Rotten Tomatoes über „Contagion“

Wikipedia über „Contagion“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. März: Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll

März 3, 2016

Vox, 20.15
Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Richard LaGravenese
LV: Scott Thorson, Alex Thorleifson: Behind the Candelabra, 1988
Grandioses, mit Preisen überschüttetes Biopic über den klavierspielenden, stockschwulen Las-Vegas-Entertainer Liberace, der jeden verklagte, der behauptete, er sei schwul.
Derzeit ist „Liberace“ immer noch Steven Soderberghs letzter Kinofilm, obwohl die HBO-Produktion in den USA nur im Fernsehen lief.
Soderbergh erzählt pointiert, mit einem scharfen Blick auf die damalige Bigotterie und die Schauwerte, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Männern, in der der ältere Mann den anderen verführt, ausnutzt und letztendlich verstößt. Es ist auch ein Blick auf die Schattenseiten des Showgeschäfts, in denen ein Star wie ein kleiner König herrschen kann.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Dan Akroyd, Debbie Reynolds
Wiederholung: Freitag, 4. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liberace“

Moviepilot über „Liberace“

Metacritic über „Liberace“

Rotten Tomatoes über „Liberace“

Wikipedia über „Liberace“

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Sicario“ schlägt jetzt im Heimkino zu

Februar 9, 2016

Zum Kinostart von „Sicario“ (spanisch für Auftragskiller), einem der besten, vielleicht sogar dem besten Thriller des letzten Jahres, der jetzt bei den ganzen Preisnominierungen etwas unterging, schrieb ich:

Das, wofür Don Winslow zuletzt in „Das Kartell“ über achthundert Seiten und eine sich über ein Jahrzehnt mäandernde Geschichte brauchte, erzählt Denis Villeneuve in seinem hochspannenden Action-Thriller „Sicario“ innerhalb von zwei Stunden anhand einer auf den ersten Blick eher kleinen Episode im mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg.
Kate Macer (Emily Blunt), FBI-Expertin für Geiselbefreiungen, stößt bei einem Einsatz zufällig auf ein Kartellhaus. In den Wänden stapeln sich die Leichen. Eine Sprengfalle tötet mehrere ihrer Kollegen.
Danach erhält sie das Angebot, in dem Team von Matt Graver (Josh Brolin) mitzuarbeiten. Graver versichert ihr, dass sie mit seiner Hilfe gegen die Hintermänner, die für den Tod ihrer Kollegen verantwortlich sind, vorgehen kann. Sie könne das Drogenübel an der Wurzel packen. Macer ist einverstanden – und sie betritt eine Welt, in der die normalen Regeln der Polizeiarbeit nicht mehr gelten.
Ihren ersten Einblick in Gravers Welt erhält sie bei einer Gefangenenüberstellung von Juárez in die benachbarte USA. In dem Autokonvoi ist neben Graver und etlichen schwer bewaffneten Männern, die auf den ersten Blick mehr Erfahrung im Kampf in Kriegsgebieten als mit der regulären Polizeiarbeit haben, auch Alejandro (Benicio Del Toro), ein südamerikanischer Ex-Staatsanwalt mit dunkler Vergangenheit. Genau wie Graver sagt er ihr nur das Nötigste und es ist immer unklar, ob sie ihr die Wahrheit sagen, Wichtiges verschweigen oder sie einfach belügen.
Schockiert beobachtet sie bei der Rückfahrt in die USA, wie einige Drogen-Killer, während sie im Stau vor der Grenze stehen, sie überfallen wollen. Aber Gravers Männer sind schneller. Skrupellos töten sie am helllichten Tag auf offener Straße alle, die sie bedrohen oder ihre Mission gefährden könnten. Danach verlassen sie, entgegen allen Regeln der Polizeiarbeit, die von Macer bislang akribisch befolgt wurden, den Tatort.
Diese Überstellung des mexikanischen Gefangenen ist nur der erste Schritt auf Macers Weg in die Finsternis, in das Land der Wölfe, wie es mal halbpoetisch genannt wird. Denn Graver, der mal sagt, er arbeite für die CIA, und seine Männer kümmern sich, im Gegensatz zu Macer, herzlich wenig um Recht und Gesetz. Bei ihnen zählt nur die Effektivität bei ihrer Jagd nach einem Drogenboss.
Denis Villeneuve, zuletzt „Enemy“, zeigt wieder einmal, dass er keine Lust hat, den gleichen Film zweimal zu drehen. Dieses Mal inszenierte er einen knallharten Thriller, der eine kleine Episode aus dem schon seit Jahrzehnten andauernden, erfolglosen Drogenkrieg erzählt. Die nur auf den ersten Blick geradlinige und einfache Geschichte wird schnell zu einem breiten Panorama des Krieges an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, bei dem alle moralischen Gewissheiten verschwinden und der genau deshalb zum Nachdenken anregt.
Das macht „Sicario“ zum Action-Polit-Thriller für den denkenden Menschen, der sich über die gelungene Verknüpfung von grandiosen, hochspannenden Action-Szenen, auch dank der Kamera von Veteran Roger Deakins und der effektiven Musik von Jóhann Jóhannsson, treffender politischer Analyse, genauem Einblick in eine für uns fremde Welt und dem Aufwerfen vielfältiger moralischer Fragen freut. Denn in dem Film hat jeder gute Gründe für seine Taten. Ob wir am Ende in Macers oder Alejandros Welt leben wollen, müssen wir selbst beantworten. All das sichert „Sicario“ einen Platz in meiner Jahresbestenliste; – wenn ich dazu komme, eine solche zu erstellen.
„Sicario“ kann, auch weil Benicio Del Toro eine ähnliche Rolle spielt (jedenfalls können wir uns mit einigen kleineren gedanklichen Verrenkungen vorstellen, dass der „Traffic“-Polizist Javier Rodríguez heute Alejandro ist), als Fortsetzung von „Traffic – Macht des Kartells“ (USA 2000, Regie: Steven Soderbergh) gesehen werden. So wie Soderberghs Film vor fünfzehn Jahren eine Bestandsaufnahme des Scheiterns des US-amerikanischen „war on drugs“ war, ist „Sicario“ eine aktualisierte Bestandsaufnahme dieses inzwischen grandiosen Scheiterns, die zeigt, wie sehr sich, im Schatten des „wars on terror“, die Lage verschlimmerte und der Drogenkrieg jegliches Maß verlor.
Als Ergänzung zu „Sicario“ empfehle ich die ab 6. Oktober als VoD erhältliche (ansehbare?) und in einigen Kinos laufende Doku „Cartel Land“ von Matthew Heineman. Er porträtiert den Ex-Soldaten Tim ‘Nailer’ Foley, Anführer einer Bürgerwehr gegen mexikanische Einwanderer und Drogenkuriere in Arizona, und Doktor José ‘El Doctor’ Mireles, Anführer der Autodefensas, einer Gruppe Bürger, die sich im mexikanischen Bundesstaat Michoacan gegen die Macht der dortigen Drogenkartelle wehren. Mit einem überraschendem Ergebnis.

Jetzt liegt die DVD und Blu-ray mit fünfzig Minuten informativem Bonusmaterial, das auf vier Featurettes aufgeteilt wurde, vor. Sie behandeln die realen Hintergründen des Films, die Filmgeschichte und die Dreharbeiten (auch dem Schusswechsel an der Grenze im Stau), die drei Hauptfiguren und die Filmmusik mit, neben den Schauspielern und dem Regisseur auch dem Drehbuchautor, dem Komponisten und Betroffenen des Drogenkrieges.
Die zum Filmstart geäußerten Pläne für eine Fortsetzung, die sich dann auf den von Benicio Del Toro gespielten Ex-Staatsanwalt und Killer Alejandro konzentriert, sind inzwischen wohl ad acta gelegt worden. Was ich für eine gute Idee halte. Denn der Thriller „Sicario“ mit seinen grandiosen Actionszenen lebt gerade von dem Konflikt zwischen den verschiedenen Charakteren und der damit verbundenen vielschichtigen Betrachtung des Problems. Da ist eine Fortsetzung, die eben diese Qualität hat, schwierig. Auch weil „Sicario“ eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt. Die gestellten Fragen, vor allem natürlich ob der Zweck die Mittel heiligt, beschäftigen einen noch nach dem Abspann und sie dürften für einige Diskussionen sorgen.

Sicario - DVD-CoverSicario - BluRay-Blechdose

Sicario (Sicario, USA 2015)
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Taylor Sheridan
mit Emily Blunt, Benicio Del Toro, Josh Brolin, Victor Garber, Jon Bernthal, Daniel Kaluuya, Jeffrey Donovan, Raoul Trujillo, Julio Cedillo, Hank Rogerson, Bernardo P. Saracino, Maximiliano Hernández

DVD
Studiocanal
Bild: 2,40:1 anamorph
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: In die Finsternis eintreten: Das visuelle Design; Blunt, Brolin, & Benicio: Die Darstellung der Charaktere; Kampfzone: Der Hintergrund von „Sicario“; Takte aus der Wüste: Die Filmmusik
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
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Metacritic über „Sicario“
Rotten Tomatoes über „Sicario“
Wikipedia über „Sicario“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015)

Zum Kinostart gab es die Cannes-Pressekonferenz, zum DVD-Start gibt es die immer informativen DP/30-Gespräche zum Film

mit Regisseur Denis Villeneuve

Kameramann Roger Deakins

Editor Joe Walker

Hauptdarstellerin Emily Blunt

und Hauptdarsteller Benicio Del Toro

und als Bonusinterview gibt es eines mit Drehbuchautor Taylor Sheridan

 


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