TV-Tipp für den 12. Januar: Stieg Larsson: Verblendung

Januar 12, 2015

ZDF, 22.15

Stieg Larsson: Verblendung (Schweden/Deutschland/Dänemark 2009, Regie: Niels Arden Oplev)

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

Journalist Mikael Blomkvist soll im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger herausfinden, was im September 1966 mit seiner Lieblingsnichte Harriet geschah. Das beziehungsgestörte Computergenie Lisbeth Salander hilft ihm beim Stochern in der Geschichte der Familie Vanger.

Heute läuft die Kinofassung der Verfilmung des ersten Wälzers von Stieg Larsson. Im Kino hat mir der Whodunit, der von David Fincher geremaked wurde, gut gefallen.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Wiederholung: Mittwoch, 14. Januar, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Seite zum Film

Film-Zeit über „Verblendung“

Schnittberichte: Vergleich der Kinofassung mit der TV-Fassung von “Verblendung”

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanardo Manco/Andrea Muttis “Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2″ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 Meine Besprechung von Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fusos „Stieg Larsson – Millennium: Verdammnis – Band 1“ (The Girl who played with Fire – Book One, 2014)

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Neue Bildergeschichten von Jason Starr und Denise Mina: „Wolverine MAX: Logan Extreme“ und „Stieg Larsson – Millenium: Verdammnis“

November 10, 2014

Mina - Stieg Larssons Verdammnis 1 - 2Starr - Wolverine MAX Logan Extrem - 2

Neben ihren Kriminalromanen schreiben Jason Starr und Denise Mina seit einiger Zeit auch Comics. Wobei Denise Mina im Moment den schwierigeren Part erwischt hat. Sie ist nämlich die Autorin der „Millenium“-Comics, die auf den drei Bestsellern von Stieg Larsson basieren, erfolgreich verfilmt wurden und enorm dickleibig sind. Zum Glück haben sie aber auch viel erzählerischen Ballast; Fett, das man umstandslos wegschneiden kann, ohne die Substanz der Geschichte zu gefährden.
„Verdammnis“, der zweite Roman von Stieg Larsson, bringt es auf 750 Seiten und er hat mir nicht gefallen. Die Verfilmung gefiel mir besser und Denise Minas Comic-Adaption liegt irgendwo dazwischen. Denn in dem ersten Band ihrer zweibändigen Comic-Adaption von „Verdamnis“ gibt es eigentlich nur Vorgeplänkel, das damit endet, dass die Polizei Lisbeth Salander als Mordverdächtige sucht. Sie soll Dag Svenson und Mia Johansson (Mia Bergmann im Roman und Film) getötet haben.
Bis dahin erfahren wir, dass Lisbeth, die beziehungsgestörte Computerhackerin das Land verlassen hatte, unter südlicher Sonne etwas erlebt, was für den Hauptplot vollkommen unwichtig ist, und jetzt wieder zurück in Stockholm ist. Zur gleichen Zeit ist der Womanizer-Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist für die Zeitschrift „Millenium“ mit dem Jungjournalisten Dag Svenson und dessen Freundin Mia Johansson an einer großen Story über osteuropäische Zwangsprostituierte und ihre Kunden in den höchsten Kreisen Schwedens dran.
Außerdem gibt es irgendwelche Verbrecher die Schandtaten planen, die hier noch nebulös sind. Wer aber den Roman gelesen oder den Film gesehen hat, weiß, was gespielt wird.
Denise Mina entfernt sich kaum von der Vorlage. Daher finden sich die Probleme des Romans auch in dem Comic, der sich wie ein spannungsfrei vor sich hin plätschernder Bericht aus dem Leben von Blomkvist und Salander liest, während man die ganze Zeit darauf wartet, dass die Geschichte, der Kriminalfall, erkennbar beginnt. Denn bei aller Sympathie für die Lage der Zwangsprostituierten, ist eine Zeitungsrecherche dazu, die sich vor allem darin erschöpft, die Fakten noch einmal zu überprüfen, nicht besonders spannend. Das gleiche gilt für eine sich unter südlicher Sonne aalende Lisbeth. Dafür endet der erste Comic-Band von „Verdamnis“ mit einem ordentlichem Cliffhanger und das Set-Up ist, wie wir aus dem Roman wissen, jetzt endlich abgeschlossen.
Im zweiten Band können unsere beiden Helden dann die Morde aufklären und die wahren Täter finden.
Der Erscheinungstermin vom zweiten „Verdamnis“-Band ist noch unklar.
Während Denise Mina bei ihrer Adaption von „Verdamnis“ in das Korsett von Stieg Larssons Roman gezwängt war, hatte Jason Starr bei seiner aus fünfzehn Heften bestehenden Wolverine-Geschichte, die jetzt mit dem dritten Sammelband „Logan Extrem“ endet, freie Hand, solange Wolverine ab und an seine Stahlkrallen ausfahren kann.
Nach einem Aufenthalt in Japan hatte Logan sein Gedächtnis verloren. In Los Angeles fand er einen Zettel, auf dem stand, dass er in Las Vegas die Antwort auf seine Fragen bekäme. Vor Las Vegas strandete er in einem Trailerpark, wo er als Extreme Fighter in Käfigen irgendwelche Muskelpakete verkloppt.
Eines Abends begegnet er Suzie (aka Li’l Rick aka Mother Night), einer Schönheit, die ihn hypnotisiert. Er soll Max Fisher umbringen. (Trotz der Namensgleichheit mit dem „Flop“-, „Crack“- und „Attica“-Protagonisten Max Fisher muss das hier ein anderer Max Fisher sein, der bei seiner Damenwahl ein ähnlich schlechtes Händchen hat.)
Als Logan kurz darauf in Las Vegas ist, erfährt er auch, wer ihm warum den Zettel zugesteckt hat. Und während dieser Teil von „Logan Extrem“ in Richtung klassischer Gangsterkrimi mit Casino-Mafiaboss und Mafia-Schlägern geht, ist der erste Teil des Comic-Buches ziemlich noir. Immerhin haben wir hier einen Protagonisten, der sein Gedächtnis verloren hat, nicht weiß, wem er vertrauen kann und der von einer Schönheit eiskalt ausgenutzt wird. Dass sie dann auch noch mit seinem eh schon matschigen Gedächtnis herumspielt, macht die Sache nur noch schlimmer für Logan.
Das dürfte Jason-Starr- und Wolverine-Fans gefallen.

Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fuso: Stieg Larsson Millenium: Verdamnis – Band 1
(übersetzt von Joachim Körber)
Panini Comics, 2014
140 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
The Girl who played with Fire
Vertigo/DC Comics, 2014

Vorlage

Larsson - Verdammnis - Filmcover - 2Larsson - Verdammnis - 2
Stieg Larsson: Verdammnis
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2007
768 Seiten
9,95 Euro

Originalausgabe
Flickan Som Lekte Med Eldem
Norstedts Förlag, Stockholm, 2006

Jason Starr/Felix Ruiz/Roland Boschi: Wolverine MAX: Logan Extrem
(übersetzt von Michael Strittmatter)
Panini Comics, 2014
116 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Wolverine MAX 11 – 15: Extreme Logan, Chapter 1 – 5
Marvel, November 2013 – März 2014

Zuletzt erschienen bzw. die neuesten Geschichten von Denise Mina und Jason Starr ohne Bilder und mit vielen Buchstaben:

Mina - Das Vergessen - 2

Der vierte Fall für Detective Inspector Alex Morrow: ein Waffenhändler verübt, während er in Untersuchungshaft sitzt, einen Mord. Die Beweise sind eindeutig: seine Fingerabdrücke sind am Tatort. Aber er kann dort unmöglich gewesen sein.
Die „Irish Times“ meinte, dass der Tartan Noir sogar den besten Werken von Ian Rankin Konkurrenz mache.

Denise Mina: Das Vergessen
(übersetzt von Heike Schlatterer)
Heyne, 2014
352 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Red Road
Orion, 2013

Starr - Dumm gelaufen - 2
Jason Starrs neuester Roman „Dumm gelaufen“ ist eigentlich ein ganz alter Roman, der in den USA bereits 2003 erschien, in Brooklyn spielt und ein echter Noir ist.
Mickey, der seinen Studienabschluss etwas verschoben hat, um seinen Vater zu pflegen, platziert auch für Angelo Sportwetten. Aber Angelo verliert ständig, der Buchmacher will sein Geld und Mickey sitzt in der Patsche. Da hilft, immerhin sind wir in einem Jason-Starr-Roman, auch der todsichere Plan von Mickeys Freund zur Geldbeschaffung nicht.
Seine neuesten Thriller „The Pack“ (2011) und „The Craving“ (2012), die zu einer Serie gehören, in dem Werwölfe in New York leben, sind noch nicht übersetzt und ich habe auch keine Ahnung wann und ob sie überhaupt übersetzt werden.

Jason Starr: Dumm gelaufen
(übersetzt von Hans M. Herzog)
Diogenes, 2012
288 Seiten
14,90 Euro
10,90 Euro (Taschenbuch, erschienen 2014)

Originalausgabe
Tough Luck
Vintage Crime/Black Lizard, 2003

Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanordo Manco/Andrea Muttis „Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 

Homepage von Jason Starr (sogar mit einigen Worten an seine deutschen Leser)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Brooklyn Brothers” (Lights Out, 2006)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Panik“ (Panic Attack, 2009)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Wolverine MAX: Der Beschützer“ (Wolverine MAX – Volume Two, 2013)

Jason Starr in der Kriminalakte


Zum Abschluss von Denise Minas Comic-Adaption von Stieg Larssons „Verblendung“

November 7, 2013

Mina - Stieg Larssons Verblendung 2 - Softcover

Für alle, die die die letzten Jahre weltweit grassierende Stieg-Larsson-Manie, inclusive zwei Verfilmungen von seinem Debütroman „Verblendung“, ignorieren konnten, gibt es jetzt eine kurze Zusammenfassung von „Verblendung“. Denn inzwischen ist auch der zweite und abschließende Teil von Denise Minas Comic-Adaption des Bestsellers auf Deutsch erschienen.

Der alte Firmenchef Henrik Vanger beauftragt den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der gerade wegen einer vollkommen verpatzten Enthüllungsgeschichte mächtig Ärger hat, Womanizer und exzessiver Kaffeetrinker ist (Hat schon irgendjemand eruiert, wie viel Kaffee in Larssons „Millennium“-Romanen getrunken wird?), herauszufinden, wer 1966 seine Nichte Harriet auf der der Familie gehörenden Insel ermordete. Blomkvist beginnt mit dem Aktenstudium.

Für die Comic-Adaption hat die mit dem John-Creasey-Dagger ausgezeichnete Krimi-Autorin Denise Mina das Dickicht des Romans etwas gelichtet und einige Kleinigkeiten geändert. Aber in weiten Teilen folgt sie, wie von den Fans gewünscht, fast schon sklavisch, Stieg Larssons Roman.

Jedenfalls endete der erste Teil der Comic-Adaption mit Lisbeth Salander, die ihren Vormund tätowiert, und Mikael Blomkvist, der – früher als im Roman – seine Haftstrafe für die missglückte Enthüllungsgeschichte antritt.

Der zweite Teil beginnt nach Blomkvists Haft. Er ist wieder zurück auf der Insel, lernt Lisbeth Salander, die geniale, beziehungsgestörte Hackerin, die schon seinen gesamten Computer hackte, kennen und gemeinsam beginnen sie Harriet Vangers mysteriöses Verschwinden aufzuklären. Dabei stoßen sie auf eine Mordserie, die nach dem 2. Weltkrieg begann und sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Sie glauben, dass die Frauenmorde von einem Vater-Sohn-Paar begangen werden, das zur Familie Vanger oder ihrem engsten Umfeld gehört, und dass Harriet die Mörder kannte.

Auch der zweite und abschließende Teil von „Verblendung“ folgt dem Roman ziemlich genau, wobei die Nazi-Geschichte vollkommen fehlt und die Recherchen von Blomkvist und Salander auf wenigen Seiten eingedampft werden, während die Folterung Blomkvists durch den Mörder und Salanders Reaktion darauf (es könnte ja noch zwei Menschen auf dem Planeten geben, die das Ende nicht kennen) viele Seiten einnehmen und es danach – wie in dem Roman – ein elend langes Nachspiel gibt, in dem alle offenen Fragen und einige Fragen, die man nicht stellte, beantwortet werden.

Insgesamt gelang Mina eine gelungene, aber nicht besonders eigenständige Adaption, die – wie die Verfilmungen – weitgehend dem von Stieg Larsson erfundenem Handlungsgerüst folgt.

Die Comic-Adaption von Stieg Larssons zweitem Roman „Verdammnis“ ist schon angekündigt.

Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner): Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 2

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

164 Seiten

16,99 Euro (Softcover)

24,99 Euro (Hardcover)

Originalausgabe

The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two

Vertigo/DC Comics, 2013

Vorlage

Larsson - Verblendung Movie-Tie-In-Fincher

Stieg Larsson: Verblendung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2011 (Movie-Tie-In zur Fincher-Version)

704 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Män son hatar kvinnor

Norsteds Förlag, Stockholm 2005

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2006

Verfilmungen

Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)

Regie: Niels Arden Oplev

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Steve Zaillian

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands

Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )


Denise Mina überzeugt mit der Comic-Version von Stieg Larssons „Verblendung“

April 1, 2013

Mina - Stieg Larssons Verblendung 1 - HardcoverMina - Stieg Larssons Verblendung 1 - Softcover

Nachdem die „Millenniums“-Trilogie, also die drei Romane „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ von Stieg Larsson sich wie geschnitten Brot verkauft, die schwedische Verfilmung sehr erfolgreich war und aus der bis dahin unbekannten Noomi Rapace einen Star machte, der seitdem in etlichen Blockbustern mitspielen durfte, und für das US-Remake von „Verblendung“ David Fincher als Regisseur und Daniel Craig als Hauptdarsteller gewonnen werden konnten, ist die Graphic Novel (neben den Parodien) wahrscheinlich der folgerichtig nächste Schritt in der Verwertungskette.

Mit der Edgar-nominierten Krimiautorin Denise Mina, deren Romane den John Creasey Dagger for Best First Crime Novel 1998 und den Theakstons Crime Novel of the Year 2012 erhielten und die auch schon einige „Hellblazer“-Geschichten schrieb, und den Zeichnern Leanardo Manco (u. a. „Deathlok“ und „Hellblazer“) und Andrea Mutti (u. a. „DMZ“ und „The Executor“) wurde auch ein hochkarätiges Team engagiert.

Die Story von „Verblendung“ dürfte inzwischen ja bekannt sein: der renommierte Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist hat gerade eine Story so in den Sand gesetzt, dass er dafür demnächst eine Haftstrafe verbüßen muss. Bis dahin soll er im Auftrag von Henrik Vanger herausfinden, wer 1966 seine Nichte Harriet Vanger ermordete. Denn sie verschwand damals spurlos von der Insel, auf der die Familie ein Familientreffen hatte und damit kann der Täter nur jemand aus der Familie sein. Blomkvist übernimmt den gut dotierten Recherecheauftrag. Auch weil Henrik Vanger ihm Informationen anbietet, die seinen Ruf wieder herstellen können. Bei seinen Recherchen hilft ihm Lisbeth Salander; – aber noch nicht im ersten Band von „Verblendung“.

Denn Larssons umfangreiche und auch längliche Geschichte wird in zwei Teilen auf insgesamt 288 Seiten erzählt und „Tartan Noir“-Autorin Denise Mina folgt der bekannten Geschichte auch weitgehend, allerdings mit einigen kleineren Umstellungen und, schließlich ist in einem Comic die Textmenge begrenzt, gelungenen dramaturgischen Verdichtungen. So betont sie am Anfang stärker die Verbindung zwischen Blomkvists misslungener Enthüllungsgeschichte und dem Angebot von Vanger. Außerdem gibt es ziemlich früh Hinweise auf die Mordserie, die mit Harriet Vangers Verschwinden zusammen hängt, und sie deutet an, dass auf den Fotografien, die an dem Tag auf der Insel gemacht wurden, etwas Wichtiges zu sehen ist. Lisbeth Salanders Geschichte ist hier noch vollkommen getrennt von Mikael Blomkvists Recherchen. Dafür darf sie sich aber schon an ihrem neuen Vormund Nils Bjurman eindrucksvoll rächen. Gerade in ihrer Geschichte liegt das Hauptgewicht auf den Bildern und die düsteren Panels von Leonardo Manco und Andrea Mutti lassen ein echtes Noir-Gefühl aufkommen.

Da freue ich mich, obwohl wahrlich kein großer Stieg-Larsson-Fan, schon auf den zweiten und abschließenden Teil von „Verblendung“ und die folgenden Teile der „Millennium“-Trilogie, die auch von Denise Mina als insgesamt sechsteilige Comic-Serie geschrieben werden.

Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner): Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

144 Seiten

16,95 Euro (Softcover)

24,95 Euro (Hardcover)

Originalausgabe

The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One

Vertigo/DC Comics, 2012

Vorlage

Larsson - Verblendung Movie-Tie-In-Fincher

Stieg Larsson: Verblendung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2011 (Movie-Tie-In zur Fincher-Version)

704 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Män son hatar kvinnor

Norsteds Förlag, Stockholm 2005

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2006

Verfilmungen

Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)

Regie: Niels Arden Oplev

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Steve Zaillian

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands

Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über „Verblendung“ (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)


Neu im Kino/FIlmkritik: Zu David Finchers Version von Stieg Larssons „Verblendung“

Januar 12, 2012

Welche neuen Aspekte kann David Fincher Stieg Larssons Roman „Verblendung“ für das Kino abgewinnen? Immerhin wurde der Krimi bereits vor zwei Jahren von Niels Arden Oplev mit Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander verfilmt. Die Drehbuchautoren Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg hatten die Geschichte für die 152-minütige Kino-Version (es gibt auch eine dreißig Minuten längere TV-Version) sinnvoll entschlackt und sich auf den Rätselplot konzentriert, in dem
Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist im Auftrag von Henrik Vanger herausfinden soll, wer vor vierzig Jahren seine Nichte Harriet Vanger auf einer einsam gelegenen Insel ermordete und ihm seitdem jedes Jahr eine getrocknete Blume schickt.
Blomkvist arbeitet sich tief in die Familiengeschichte der Vangers, einer schwedischen Großindustriellenfamilie, die auch gute Kontakte zu den Nazis hatte, ein. Denn Henrik Vanger vermutet, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde.
Als Blomkvist mit seinen Ermittlungen nicht weiterkommt, nimmt er Kontakt zu Lisbeth Salander, einer begnadeten, aber auch ziemlich verhaltensgestörten jungen Hackerin mit einer problematischen Vergangenheit auf. Gemeinsam entdecken sie eine Mordserie, die anscheinend schon kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann.
An dem feinem schwedischen Film war nichts auszusetzen. Jedenfalls für uns Europäer und auch die Larsson-Fans, die im Zweifelsfall eine werkgetreue Umsetzung fordern, waren zufrieden.


Für das US-Remake nahm sich Steve Zaillian (Der Falke und der Schneemann, Schindlers Liste, Gangs of New York, Die Dolmetscherin, American Gangster) den Schmöker vor – und bis auf einige kleine Details, folgte er Larssons Roman und Arcels und Heisterbergs Drehbuch fast schon sklavisch.
So werden im Original die Recherchen von Mikael und Lisbeth ausführlicher gezeigt. Es gibt einige Rückblenden in Lisbeths Jugend, die erklären, warum sie entmündigt wurde. Bei Fincher erzählt Lisbeth das nur. Sowieso erhält Lisbeth, wenn man „Verdammnis“ und „Vergebung“, die nächsten beiden Romane von Stieg Larsson nicht kennt, erstaunlich viel Filmzeit. In „Verblendung“ ist sie ja noch eine Nebenfigur, die aber auch im Roman mit vielen Buchseiten bedacht wird.
Am Ende, wenn Mikael entdeckt, was mit Harriet geschah, änderten Fincher und Zaillian eine Kleinigkeit, die immerhin dazu führte, dass die Macher des Remakes sagen konnten: „Wir haben ein anderes Ende.“ Ja, nur bewegt sich diese Änderung auf dem Niveau von „anstatt des gelben Kleides ziehen wir das Grüne an“.
Und bei Fincher deuten einige Szenen bereits auf einen Director’s Cut hin. Am deutlichsten wird das, wenn Mikaels Tochter ihn bei den Vangers besucht, sie ihm wohl etwas wichtiges sagen will (was dann aber wohl geschnitten wurde) und sie ihm bei der Abfahrt sagt, dass die rätselhaften Buchstaben und Zahlen in Harriets Tagebuch auf Bibelstellen hinweisen. Diesen entscheidenden Hinweis, der in Oplevs Film von Lisbeth kommt, konnte Fincher nicht wegschneiden. Auch die Übernahme von Mikaels Zeitschrift „Millennium“ durch die Vangers und Lisbeths Überwachung von Wennersström (einem bösen Kapitalisten, der Mikael böse reinlegte) werden im Remake als Subplots zuerst groß eingeführt und dann so lieblos fallengelassen, dass ich den Verdacht nicht los wurde, dass Fincher hier für die Kinoauswertung einiges schneiden musste.
Dafür ist das Ende von Finchers Film, nachdem der Serienmörder enttarnt ist und bekannt ist, was mit Harriet geschah, gefühlt noch länger als in der Erstverfilmung und fast so zäh wie in Larssons Roman, der da noch einen halbgaren Wirtschaftskrimi samt enervierend langer Rehabilitation von Mikael auftischt.
Abgesehen von solchen Kleinigkeiten orientiert David Fincher sich fast schon peinlich genau, auch visuell, an dem schwedischen Film, nur mit einem höherem Budget und bekannteren Schauspielern, wie Daniel Craig (der inzwischen als James Bond einfach zu bekannt ist, um einen biederen Reporter zu spielen), Christopher Plummer, Stellan Skarsgård und Robin Wright.
So bleibt als größter Gewinn von Finchers Film gegenüber Oplevs Film, dass „Nine Inch Nails“-Mastermind Trent Reznor und Atticus Ross, die auch die Musik für Finchers „The Social Network“ schrieben, für den grandiosen Sound des Unwohlseins verantwortlich sind.


Insgesamt ist David Finchers „Verblendung“ kein schlechter Film. Die Zeit vergeht bei dem überlangen Film sogar ziemlich schnell, aber er kann nie beantworten, warum das Remake gemacht werden musste; – abgesehen natürlich von den blanken kommerziellen Erwägungen.
Und, für einen US-Film, der sich an ein breites Publikum richtet, gibt es ziemlich viel nackte Haut zu sehen (Daniel Craig und Rooney Mara gemeinsam im Bett) zu sehen, Vulgärsprache („Fuck“) zu hören und gefährliche Substanzen (Alkohol! Zigaretten!) werden in rauen Mengen genossen. Oh, und eine Katze überlebt den Film nicht. Insofern ist das R-Rating „for brutal violent content including rape and torture, strong sexuality, graphic nudity, and language“ wohlverdient und der Film wurde für eine kommerziellere Freigabe nicht verharmlost.
Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Verblendung“ ein Werk ist, auf das Kenner des ersten Films durchaus verzichten können und das einfach nur, wie schon die erste Verfilmung, den Roman mit all seinen Schwächen illustriert.
Wer allerdings die schwedische Verfilmung nicht kennt, dem wird Finchers Version gefallen.

Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steve Zaillian
LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)
mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands
Länge: 158 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Zum Film wurde Larssons Roman mit einem neuen Cover veröffentlicht

Stieg Larsson: Verblendung
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2011 (Movie-Tie-In)
704 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
Män son hatar kvinnor
Norsteds Förlag, Stockholm 2005

Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2006

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Verblendung“
Rotten Tomatoes über „Verblendung“
Wikipedia über „Verblendung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs „Die Welt der Lisbeth Salander“ (The Tattooed Girl, 2011)


TV-Tipp für den 5. April: Stieg Larsson: Vergebung

April 5, 2011

ZDFneo, 23.00

Stieg Larsson: Vergebung (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009, R.: Daniel Alfredson)

Drehbuch: Ulf Rydberg

LV: Stieg Larsson: Luftslottet som sprängdes, 2007 (Vergebung)

Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist versucht die Unschuld von Lisbeth Salander zu beweisen. Denn sie liegt schwerverletzt im Krankenhaus und ist angeklagt, einen Mordversuch auf ihren Vater verübt zu haben. Dieser wird immer noch von mächtigen Staatsdienern geschützt.

Gegenüber der Kinoversion (die heute ihre TV-Premiere hat) wurde die zweiteilige TV-Version von Stieg Larssons drittem Bestseller auf drei Stunden verlängert. “Vergebung” schließt sich unmittelbar an “Verdammnis” an und, wer “Verdammnis” nicht gesehen oder gelesen hat, dürfte sich ziemlich verloren vorkommen.

Ansonsten ist “Vergebung” nur ein überlanger und zäher Epilog zu “Verdammnis”. Denn hier werden in 150 (Kino) bis 180 Minuten (TV) die Fragen beantwortet, die eigentlich bei dem Abspann von “Verdammnis” klar waren.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Jacob Ericksson, Sofia Ledarp, Mikael Spreitz, Niklas Hjulström, Lena Endre, Michalis Koutsogiannakis, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Anders Ahlborn Rosendahl

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. März: Stieg Larsson: Verdammnis

März 29, 2011

ZDFneo, 23.00

Stieg Larsson: Verdammnis (Schweden 2009, R.: Daniel Alfredson)

Drehbuch: Jonas Frykberg

LV: Flickan Som Lekte Med Eldem, 2006 (Verdammnis)

Die Polizei hält Lisbeth Salander für eine Mörderin. Ihr Freund, der Journalist Mikael Blomkvist, will’s nicht glauben. Und, auf getrennten Wegen, suchen sie den wahren Mörder, decken einiges über Salanders Vergangenheit und einige schmutzige Regierungsgeheimnisse auf.

Verfilmung des zweiten Bandes der “Millenium”-Trilogie von Stieg Larsson. Die TV-Version verlängert die 129-minütige Kinoversion (die heute ihre TV-Premiere hat) um eine gute Stunde auf drei Stunden.

Für den Kinofilm wurde gottseidank viel Ballast aus dem Schmöker gestrichen. Allerdings fällt so auch die sehr windige Konstruktion der Geschichte noch deutlicher auf. Aber den Fans der Romane dürfte die werkgetreue Verfilmung gefallen.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis, Annika Hallin, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Georgi Staykov, Paolo Roberto (als er selbst)

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

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TV-Tipp für den 23. Januar: Stieg Larsson: Verblendung (1)

Januar 23, 2011

ZDF, 22.00

Stieg Larsson: Verblendung (1) (Schweden/Deutschland/Dänemark 2009, Regie: Niels Arden Oplev)

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

Journalist Mikael Blomkvist soll im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger herausfinden, was im September 1966 mit seiner Lieblingsnichte Harriet geschah. Das beziehungsgestörte Computergenie Lisbeth Salander hilft ihm beim Stochern in der Geschichte der Familie Vanger.

Um eine halbe Stunde längere TV-Version der Verfilmung des ersten Wälzers von Stieg Larsson. Im Kino hat mir der Whodunit gut gefallen.

Der zweite Teil läuft am kommenden Sonntag. „Verdammnis“ und „Vergebung“ werden an den darauffolgenden Sonntagen, ebenfalls in der verlängerten TV-Version, gezeigt. Und natürlich wird das ganze auch auf DVD veröffentlicht. Am 10. Februar.

Anschließend, um 23.30 Uhr, läuft die 45-minütige Doku „Die Stieg-Larsson-Story: Was hinter der Milleniums-Trilogie steckt“.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Seite zum Film

Film-Zeit über „Verblendung“

ZDF über „Verblendung“

Schnittberichte: Vergleich der Kinofassung mit der TV-Fassung von “Verblendung”

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

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Buch-/Filmkritik: Stieg Larssons „Vergebung“

Juni 3, 2010

Wer die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson verschlungen hat, wird natürlich auch in den dritten Teil gehen und sich an einer romannahen Verfilmung erfreuen können. Auch wenn ein gesamter Subplot entfernt wurde. Aber wie schon in „Verblendung“ und „Verdamnis“ bleibt das Gerüst der Geschichte intakt.

Für die anderen Menschen – nun, sieht das Ganze etwas anders aus.

Vergebung“ schließt nahtlos an den zweiten Teil „Verdammnis“ an. Lisbeth Salander liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Ihr Vater Alexander Zalachenko (im Buch Zalatschenko) im Zimmer nebenan und ihr Bruder Ronald Niedermann ist auf der Flucht. Der Staat bereitet die Anklage gegen Lisbeth vor. Immerhin hat sie versucht ihren Vater zu töten. Ihr Freund, der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist, versucht ihr zu helfen.

Gleichzeitig versuchen die Beamten, die den russischen Überläufer Zalachenko die letzten Jahrzehnte schützten, ihn und damit auch sich weiterhin zu schützen.

Diese Aufräumaktion und wie sie schiefgeht wird im Film und im Buch in epischer und quälend-langatmiger Breite erzählt. Denn anstatt die Karten neu zu verteilen und damit alle Gewissheiten aus „Verdammnis“ wieder zumindest in Frage oder sogar komplett auf den Kopf zu stellen, erzählt Larsson einfach chronologisch weiter, was passiert. Deshalb ist die Hauptstory (Mikael versucht Lisbeth zu rehabilitieren) nur ein dröger Nachklapp zu der vorherigen Geschichte. Es ist, weil eigentlich in „Verdammnis“ bereits alles gesagt wurde und in „Vergebung“ keine neuen Erkenntnisse die alten Gewissheiten in Frage stellen, ein elend langer Epilog, bei dem viel, aber immer mit klarer Rollenverteilung, intrigiert wird. Denn Zalachenkos Freunde von der Sicherheitspolizei (SiPo) wollen Lisbeth Salander jetzt endgültig in die Psychiatrie einweisen lassen.

Auf der Leinwand ist dieses Pläneschmieden von einer Armada sprechender Köpfe oft ziemlich langweilig anzusehen. Denn Kino ist Bewegung und in „Vergebung“ gibt es das nur homöopathische Dosen.

Wenn Larssons Charaktere nicht gerade reden, schreiben und lesen sie. Das ist in einem Roman kein Problem, aber auf der Leinwand, wenn notgedrungen mit Voice-Over und Selbstgesprächen gearbeitet wird, langweilig.

Dagegen fällt immer stärker auf, dass die Bücher von Stieg Larsson Märchen für Erwachsene sind. Es gibt die edlen Guten und die fiesen, teilweise erstaunlich dilettantisch agierenden Bösen. Dazwischen gibt es nichts und am Ende geht die Geschichte gut aus. Denn der edle Ritter (aka Mikael Blomkvist, der nicht Kalle Blomkvist genannt werden möchte) hat die Jungfrau (aka Lisbeth Salander, die zeitgemäße Version von Pippi Langstrumpf mit starken Verhaltensstörungen) gerettet. Dass Salander am Ende noch einmal ihrem untergetauchten Bruder begegnet, ist nur ein Tribut an die gewandelten Zeiten. Immerhin gibt es inzwischen in Buch, Film und Computerspiel genug Frauen, die lustvoll ganze Horden von Männern verprügeln und töten.

So vereint „Vergebung“ das Beste und das Schlechteste von Stieg Larsson jetzt auch im Film. Obwohl wieder viel überflüssiger Ballast gestrichen wurde, ist der Film viel zu lang. Genaugenommen ist „Vergebung“ nur ein Epilog zu „Verdammnis“, der anstatt 5 Minuten fast 150 Minuten dauert und überraschungsfrei und ziemlich humorlos die Stationen eines Strafverfahrens abhakt. Nur die superdoofen Gegner von unserem tapferen Journalisten Blomkvist erstaunen immer wieder.

Für Larsson-Fans ist „Vergebung“ sicher eine probate Illustration des Buches. Wer aber den zweiten Teil der Millenium-Trilogie „Verdammnis“ nicht gelesen oder gesehen hat, wird sich beim Sehen von „Vergebung“, weil die meisten Charaktere und Hintergründe nicht mehr eingeführt werden, öfters sehr verloren fühlen.

In Schweden ist bereits die deutlich TV-Version von „Verblendung“ (dem besten Film der Trilogie), „Verdammnis“ und „Vergebung“ gelaufen. Larsson-Fans sollten sich also überlegen, ob sie sich jetzt die Einzel-DVDs kaufen oder auf den Extended-Cut warten.

Vergebung (Luftslottet som sprängdes, Schweden/Dänemark/Deutschland 2009)

Regie: Daniel Alfredson

Drehbuch: Ulf Rydberg (nach dem Roman von Stieg Larsson)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Jacob Ericksson, Sofia Ledarp, Mikael Spreitz, Niklas Hjulström, Lena Endre, Michalis Koutsogiannakis, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Anders Ahlborn Rosendahl

Vorlage

Stieg Larsson: Vergebung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne 2008

864 Seiten

9,95 Euro (Taschenbuch)

Originalausgabe

Luftslottet som sprängdes

Norstedts Förlag, Stockholm 2007

Hinweise

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Buch-/Filmkritik: Stieg Larssons „Verdammnis“

Februar 4, 2010

Verdammnis“, die Verfilmung des zweiten Romans von Stieg Larsson, ist mit 129 Minuten etwas kürzer als „Verblendung“. Der Regisseur ist neu, ebenso der Drehbuchautor. Aber die Hauptdarsteller blieben gleich: Michael Nyqvist spielt wieder den an das Gute glaubenden Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, Noomi Rapace die Hackerin Lisbeth Salander mit ihrer problematischen Vergangenheit, ihrem gestörten Verhältnis zur Umwelt und ihrem eigenen Moralkodex und Lena Endre die „Millenium“-Herausgeberin Erika Berger. Sie hat im Film eine Szene, die ganz nebenbei zeigt, was wir in Hollywood-Filmen schon lange nicht mehr sehen: zuerst hat sie beim Sex keinen BH an und anschließend geht sie nackt durch das Zimmer.

Die Actionszenen unterscheiden sich dagegen kaum von dem gewohnten Hollywood-Standard. Es gibt eine ausufernde Schlägerei in einer einsamen Hütte, Folterungen, blutige Ermordungen, einen schmerzunempfindlichen, blonden, deutschstämmigen, über zwei Meter großen Killer (der einen russischen Vater hat [Puh, sogar Hollywood hat schon lange nicht mehr so tief in die Klischeekiste gegriffen]) und eine eindeutige „Kill Bill“-Referenz. Das alles stand auch schon in der 750-seitigen Vorlage.

Die Geschichte ist, gerade weil Drehbuchautor Jonas Frykberg dem Roman sehr genau folgt, eine mit einer Anklage gegen „Männer, die Frauen hassen“ aufgebretzelter, ins epische gehender Thriller mit Polit-Touch.

Die Zeitschrift „Millenium“ plant eine große Geschichte über Mädchenhandel. Die Freier sind dabei auch renommierte Persönlichkeiten. Als der Jungjournalist Dag Svensson, seine Freundin Mia Bergmann (die über das Thema promoviert) und der Rechtsanwalt Nils Bjurman erschossen werden, vermutet der Journalist Mikael Blomkvist, dass das Motiv für die Morde die geplante Reportage ist. Die Polizei findet auf der Tatwaffe die Fingerabdrücke von Lisbeth Salander und mit ihrer Vorgeschichte ist sie die perfekte Täterin.

Dennoch glaubt Blomkvist an Salanders Unschuld.

Auf getrennten Pfaden suchen Blomkvist und Salander den Mörder, erfahren einiges über schmutzige Geheimdienstgeschäfte während des Kalten Krieges und warum Lisbeth Salander als Kind einen Mann auf offener Straße mit Benzin übergoss und anzündete.

Der Film konzentriert sich auf den Thrillerplot. Larssons Roman ist dagegen, wie „Verblendung“, furchtbar unökonomisch erzählt. Die ersten 250 Seiten sind Vorgeplänkel. Nett zu lesen, aber bis auf wenige Seiten, vollkommen unwichtig für die Geschichte.

Erst auf Seite 257 werden die Leichen von Dag Svenson und Mia Bergmann entdeckt. Fünfzig Seiten später die von Nils Bjurman und dann beginnt die Polizei Lisbeth Salander zu jagen, weil auf der Tatwaffe ihre Fingerabdrücke sind. Die Gejagte nimmt sich währenddessen eine zweihundertseitige Auszeit und taucht bis auf Seite 459 ab. Diese Seiten füllt Larsson, indem er die Ermittlungen der Polizei und deren internen Streitereien schildert. Das lässt sich zwar schnell weglesen, bringt aber den Hauptplot keinen Millimeter voran.

Jonas Frykberg strich für sein Drehbuch viel von diesem Ballast weg. Er strich das erste Drittel des Romans auf wenige Filmminuten zusammen. Er strich die Ermittlungen der Polizei auf wenige Szenen zusammen. Er übernahm aber fast jede Szene aus dem letzten Drittel des Romans. Außerdem arbeitete er an einigen Punkten die Motive der Charaktere klarer heraus und entfaltet die Verschwörung vor unseren Augen. Dafür schrieb er Szenen, die Larsson in seinem Roman wahrscheinlich weg ließ, um die Spannung zu steigern. So wird in dem Roman erst gegen Ende (und ziemlich lieblos) enthüllt, wer der Mörder ist. Im Film werden die Morde gezeigt. In dem Roman wird immer wieder von „all dem Bösen“, das zu Salanders Entmündigung führte, gesprochen. In dem Film wird daraus kein Geheimnis gemacht.

So wird allerdings auch die windige Konstruktion der Geschichte schmerzhaft offensichtlich. Das beginnt mit dem Doppelmord an dem Journalisten und seiner Freundin. Denn gerade der Doppelmord war das Blödeste, was die Verbrecher tun konnten und ihre Blödigkeit toppen sie dann noch, indem sie die Leichen in ihrer Wohnung liegen lassen. Es gibt wahrscheinlich keine bessere Methode, um die maximale Aufmerksamkeit von der Polizei und den Medien für die eigenen illegalen Geschäfte zu erhalten. Zum Glück kommt ihnen der Zufall zu Hilfe. Auf der Tatwaffe sind die Fingerabdrücke einer 1-A-Tatverdächtigen. Dummerweise ist diese Tatverdächtige mit dem Chefredakteur der Zeitung, in der die Reportage erscheinen sollte, freundschaftlich verbunden. Diese fantastische Anhäufung von Dummheit und Zufällen kulminiert am Ende auf einem einsam gelegenen Bauernhof, wenn die familiären Bande zwischen Lisbeth Salander und den Bösewichtern aufgedeckt werden.

Dennoch ist „Verdammnis“ kein schlechter Film. Als Bestsellerverfilmung muss er, um die Fans nicht zu enttäuschen, der Vorlage möglichst genau folgen. Das gelingt Autor Frykberg und Regisseur Alfredson und, dank der Konzentration auf den Thrillerplot, ist der „Film zum Roman“ sogar gelungener als die türstopperdicke Vorlage.

Verdammnis (Flickan som lekte med elden, Schweden 2009)

Regie: Daniel Alfredson

Drehbuch: Jonas Frykberg

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis, Annika Hallin, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Georgi Staykov, Paolo Roberto (als er selbst)

Vorlage

Stieg Larsson: Verdammnis

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2007

Sonderausgabe zum Film (mit Bonusmaterial)

768 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Flickan Som Lekte Med Eldem

Norstedts Förlag, Stockholm, 2006

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Verdammnis“

Meine Besprechung von „Verblendung“ (Buch und Film)

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Heyne über Stieg Larsson

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Kleinkram mit Stieg Larsson, Sue Grafton, Peter Straub, Stefan Arndt, Walton Goggins, Robert Rodriguez, James Ellroy und einem Rückblick auf die TV-Serien des Jahrzehnts

Dezember 22, 2009

Stieg Larsson

Die Verfilmung seines zweiten Romans „Verdammnis“ startet am 4. Februar 2010. Die Besprechung gibt’s zum Filmstart. Den Trailer jetzt:

Ali Karim sich in London die erste Larsson-Verfilmung „Verblendung“ angesehen:

You can put me down right now as saying, the Swedish film version of The Girl with the Dragon Tattoo is going to be a “sleeper hit” in 2010. Even at 2.5 hours in length, the movie seemed to jet by. Afterward, the buzz was overwhelmingly enthusiastic. The only thing we all agreed upon was that the level of violence in this picture was disturbing.

Die Filmrechte für eine amerikanische Version der Romane von Stieg Larsson sind an Sony verkauft. Scott Rudin soll produzieren und Steve Zaillian das Drehbuch schreiben. Ich bin zwar skeptisch, ob Larssons Geschichte auch in den USA funktioniert (jedenfalls gehe ich davon aus, dass die Story in die USA verlegt wird), aber bei der Sjöwall/Wahlöö-Verfilmung „Massenmord in San Fanzisco“ (nach ihrem Roman „Endstation für neun“), mit Walter Matthau in der Hauptrolle, hat es ja prächtig funktioniert.

Sarah Weinman porträtiert Sue Grafton (A is for Alibi, B is for Burglar, C is for…).

Tom Piccirilli unterhält sich mit Peter Straub.

Die Süddeutsche unterhält sich mit X-Filme-Gründer Stefan Arndt (zuletzt Michael Hanekes „Das weiße Band“).

Peter Mühlbauer blickt bei Telepolis auf das Jahrzehnt der Serien zurück. Im ersten Teil „The Wire“, „Rome“, „The Shield“, „House MD“ und „Jericho“; im zweiten „Dexter“, „Drawn Together“, „American Dad“, „24“ und „Aqua Teen Hunger Force“.

Apropos „The Shield“: Walton Goggins (er spielte Detective Shane Vendrell und war Mitglied in Vic Mackeys Strike Team) erzählt Steve Weintraub (Collider), was er vom Ende der grandiosen Cop-Show hält und was seine künftigen Pläne sind.

Robert Rodriguez verrät Steve Weintraub (Collider) einiges über „Sin City 2“ und „Machete“.

Im neuen „Rolling Stone“ gibt es ein vierseitiges Interview von Sean Wood mit James Ellroy. Lesenswert, aber leider nur offline.


Kurzmeldungen: Tarantinos Lieblinge, Geschnittene Filme, Neue Drehbücher, Eine Analyse von Hitchcocks „Rope“, Noir of the Week, Trailer zur Verfilmung von Stieg Larssons „Verblendung“, Fantasy Filmfest

August 18, 2009

Quentin Tarantino nennt seine zwanzig Lieblingsfilme von 1992 bis heute.

Schnittberichte liefert einen Überblick über die neuen Filme, die wir dieses Jahr in Deutschland nur gekürzt sehen durften.

Simply Scripts weist auf einige neue Drehbücher (naja, neu im Netz) hin. Unter anderem:

Jules Furthman, Leigh Brackett: Rio Bravo

Alan Trustman: The Thomas Crown Affair (das Original)

John Huston, Gladys Hill: The man who would be king (ist natürlich die grandiose Rudyard-Kipling-Verfilmung „Der Mann, der König sein wollte“ mit Sean Connery und Michael Caine)

Sex in a Submarine analysiert Alfred Hitchcocks „Rope“ (Cocktail für eine Leiche). Hitchcock drehte die Verfilmung des Theaterstücks ohne einen einzigen Schnitt:

it’s an amazing experiment that actually works.

Warum? Nun, hier ist William Martells ausführliche Antwort.

Im Kino habe ich eben den Trailer für die Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ gesehen. Der Film startet am 1. Oktober. Der Trailer sieht allerdings ziemlich s—, äh, wie ein biederer skandinavischer 08/15-TV-Krimi aus:

Der Noir of the Week ist „Aufruhr in Santa Sierra“ (Try and get me, USA 1950). Regie führte Cy Enfield. Das Drehbuch ist von Joe Pagano nach seinem Roman „The Condemned“.

Und, uh, nicht vergessen: Fantasy Filmfest. Denn danach gibt’s viele Filme nie wieder auf der großen Leinwand. Ich freue mich auf:

Largo Winch (Comicverfilmung von Jérôme Salle, der vorher „Anthony Zimmer“ drehte)

Deliver us from evil (ein neuer Ole Bornedal)

District 9 (der Hit aus den USA, ab 22. Oktober bei uns im Kino)

In the Electric Mist (hab die James-Lee-Burke-Verfilmung von Bertrand Tavernier mit Tommy Lee Jones auf der Berlinale verpasst)

Lesbian Vampire Killers (ist wahrscheinlich doof, hat aber einen genialen Titel)

New Town Killers (in Edinburgh. Schulden, 12.000 Pfund in einem Schließfach und die Jagd geht los.)

Pontypool (ein neuer Film von Bruce McDonald [Raodkill, Highway 61, Hard Core Logo])

Push (von „Lucky Number Slevin“-Macher Paul McGuigan – in einer Gratis-Vorführung)

The Sniper (ein Hongkong-Copthriller von Dante Lam)

Thirst – Durst („Oldboy“ Chan-Wook Parks neuester Streich)

The Tournament („Ein Battle Royal der Superkiller“ steht im Programmheft: alle sieben Jahre treffen sich die weltbesten Auftragskiller und knallen sich ab. Ach ja, es gibt natürlich etwas zu gewinnen. Ving Rhames und Robert Carlyle spielen mit.)

Außerdem sind Dario Argentos „Giallo“, John Woos „Red Cliff“  (erscheint im November auf DVD) und der neue Jackie-Chan-Film „Shinjuki Incident“ (erscheint 2010 auf DVD) im Angebot.


Neu im Kino/Filmkritik: Lisbeth Salander kehrt zurück und deckt eine „Verschwörung“ auf

November 22, 2018

Lisbeth Salander ist zurück im Kino und obwohl einiges neu ist, bewegt sich auch vieles in „Verschwörung“ auf vertrautem Terrain.

Doch beginnen wir mit den Änderungen. Nachdem die drei posthum erschienenen „Millennium“-Romane „Verblendung“ (2005), „Verdammnis“ (2006) und „Vergebung“ (2007) von Stieg Larsson weltweit unglaublich erfolgreich waren, wurden sie verfilmt. Zunächst in einer gekoppelten Kino- und TV-Auswertung (in längeren Fassungen) von Niels Arden Oplev und Daniel Alfredson mit Noomi Rapace als Lisbeth Salander und Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist. David Fincher verfilmte 2011 „Verblendung“ noch einmal. Mit Rooney Mara als Lisbeth Salander und Daniel Craig als Mikael Blomkvist. Seine Version ist etwas polierter, aber sonst unterscheidet sie sich kaum von der schwedischen Originalversion. Die damals geplante und, seien wir ehrlich, überflüssigen Verfilmungen von „Verdammnis“ und „Vergebung“ in einer US-Version wurden so lange auf die lange Bank geschoben, dass inzwischen die Erbstreitigkeiten um Stieg Larssons Vermögen so weit beigelegt wurden, dass David Lagercrantz den Auftrag erhielt, weitere „Millennium“-Romane zu schreiben. 2015 erschien, weltweit beachtet, „Verschwörung“. In dem ziemlich missratenen Thriller (meine Besprechung) fällte er eine sehr gute Entscheidung. Er verlegte, ohne die Hauptcharaktere merklich altern zu lassen, die Handlung in die Gegenwart.

Und Hollywood entschloss sich, die noch ausstehenden Larsson-Verfilmung zu überspringen und gleich mit „Verschwörung“ weiterzumachen. Mit einem neuen Team vor und hinter der Kamera. Claire Foy spielt jetzt Lisbeth Salander und Sverrir Gudnason Mikael Blomkvist. Das ist eine sehr unglückliche Besetzungsentscheidung, weil Gudnason zu jung für die Rolle des altgedienten Investigativjournalisten ist. Und Foy in diesem Moment zu alt für Salander ist. Sie sind nicht mehr das seltsame Gespann von altgedientem Profi und junger Hackerin, sondern eher Bruder und Schwester.

Dass auch die „Millennium“-Herausgeberin Erika Berger mit Vicky Krieps eine massive Verjüngungskur erfuhr, ist da folgerichtig. Sie ist in „Verschwörung“ noch mehr eine Nebenfigur als Mikael Blomkvist. Und auch er ist in diesem Film nur eine Nebenfigur.

Eine kluge Entscheidung ist allerdings, den sechshundertseitigen Roman deutlich zu straffen und sich auf den Thrillerplot zu konzentrieren, der auch thrillen soll. Außerdem – und das dürfte die beste Entscheidung der Macher gewesen sein – konzentriert sich der Thriller auf Lisbeth Salander. „Verschwörung“ erzählt ihre Geschichte. Und die ihrer Schwester.

Dabei beginnt alles mit einem kleinen Auftrag. Salander soll für Frans Balder (Stephen Merchant) das von ihm geschriebene Programm Firefall beschaffen. Mit dem Programm kann man alle Atomraketen kontrollieren. Ein solches Programm ist der Traum jedes James-Bond-Schurken. Es sollte daher nicht in die falschen Hände fallen.

Salander kann das Programm aus dem NSA-Server stehlen. Dummerweise wird sie dabei entdeckt (Okay, sie stellte sich bei ihrem Diebstahl auch ziemlich dämlich an).

Jetzt wollen der NSA-Agent Ed Needham (Lakeith Stanfield), ein Ex-Navy-Seal, der schwedische Geheimdienst und eine Verbrecherbande, die von Salanders tot geglaubter Schwester Camilla (Sylvia Hoeks) angeführt wird, die Datei haben.

Fede Alvarez, der sich mit den Horrorfilmen „Evil Dead“ (ein respektables Remake eines Klassikers) und „Don’t breathe“ einen guten Ruf erarbeitete, inszenierte mit „Verschwörung“ eine Nordic Noir, der sich in keiner Sekunde vor den anderen, von der Kritik oft hochgelobten Nordic Noirs unterscheidet. Dazu gehört auch die teilweise krachende, jede Glaubwürdigkeit strapazierende Unlogik.

Die im Gegensatz zum Roman vollständig in sich abgeschlossene Filmgeschichte spielt in einem Stockholm, das weniger wie das reale Stockholm, sondern wie eine sauber abgewrackte Science-Fiction-Metropole aussieht, in der auch der Teufelsberg, eine Berliner Sehenswürdigkeit, problemlos als Teil Stockholms akzeptiert wird. Aus den unterschiedlichen Drehorten (es wurde auch in Hamburg gedreht) entsteht eine in sich geschlossene Noir-Dystopie mit dunkler Farbpalette und einem aus halb Europa stammendem Schauspielerensemble.

Am Ende ist „Verschwörung“ ein guter Nordic Noir, den man sich ansehen kann, ohne vorher die Romane oder die anderen Filme gesehen zu haben. Mit einer coolen Actionheldin, die vor allem das tut, was Actionheldinnen halt so tun.

Verschwörung (The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story, USA 2018)

Regie: Fede Alvarez

Drehbuch: Fede Alvarez, Jay Basu, Steven Knight

LV: David Lagercrantz: Det some ine dödar oss, 2015 (Verschwörung)

mit Claire Foy, Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks, Lakeith Stanfield, Claes Bang, Stephen Merchant, Christopher Convery, Vicky Krieps, Cameron Britton, Synnøve Macody Lund,

Mikael Persbrandt

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage im Filmcover

David Lagercrantz: Verschwörung

(Filmausgabe)

(übersetzt von Ursel Allenstein)

Heyne, 2018

608 Seiten

22,99 Euro (gebundene Ausgabe)

9,99 Euro (Taschenbuch)

Gebundene Ausgabe

Heyne, 2015

Originaltitel

Det some ine dödar oss

Norstedts, Stockholm, 2015

Der fünfte Roman mit Lisbeth Salander

David Lagercrantz: Verfolgung

(übersetzt von Ursel Allenstein)

Heyne, 2017

480 Seiten

22,99 Euro (gebundene Ausgabe)

9,99 Euro (Taschenbuch, erscheint am 10. Dezember 2018)

Originalausgabe

Mannen som sökte sin skugga

Norsteds, Stockholm 2017

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verschwörung“

Metacritic über „Verschwörung“

Rotten Tomatoes über „Verschwörung“

Wikipedia über „Verschwörung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch und Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikipedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanardo Manco/Andrea Muttis “Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2″ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 Meine Besprechung von Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fusos “Stieg Larsson – Millennium: Verdammnis – Band 1” (The Girl who played with Fire – Book One, 2014)

Meine Besprechung von David Lagercrantz‘ „Verschwörung“ (Det some ine dödar oss, 2015)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Don’t Breathe“ (Don’t Breathe, USA 2016)

Eine Frage an den Regisseur und die Hauptdarstellerinnen, die hier tun, was sie im Film nicht tun


Lisbeth Salander kehrt auf die große Leinwand zurück – aber mit einigen Änderungen

März 13, 2017

Für die fanatischen Fans von Stieg Larsson, Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist gibt es eine erfreuliche, brandaktuelle Nachricht:

es wird einen neuen Spielfilm mit den bekannten Charakteren geben. Allerdings werden sie wieder von neuen Schauspielern gespielt. Wer wen spielt, ist noch unklar. Rooney Mara und Daniel Craig von David Finchers 2011er Verfilmung von „Verblendung“ sind nicht mehr dabei. Michael Nyqvist und Noomi Rapace von den drei skandinavischen Verfilmungen sowieso nicht.

Die Vorlage für den neuen Salander/Blomkvist-Film ist „Verschwörung“, der von David Lagercrantz geschriebene vierte Band der Serie.

Die Regie übernimmt „Don’t Breathe“-Regisseur Fede Alvarez. Das Drehbuch ist von Steven Knight, Fede Alvarez und Jay Basu – und ich hoffe, dass sie sich die nötigen Freiheiten bei der Adaption des ziemlich misslungenen Romans nehmen.

Und David Lagercrantz hat inzwischen einen neuen Salander/Blomkvist-Roman geschrieben. Einen deutschen Erscheinungstermin gibt es noch nicht.

Hier die vollständige PM aus dem Hause Sony:

LISBETH SALANDER KEHRT IM OKTOBER 2018
IN SONY PICTURES’ “THE GIRL IN THE SPIDER’S WEB” („VERSCHWÖRUNG“)
ZURÜCK AUF DIE KINOLEINWAND

FEDE ALVAREZ ÜBERNIMMT DIE REGIE
BEI DER ADAPTION DES WELTWEITEN BESTSELLERS

Dreharbeiten beginnen im September

Der Film wird eine neue Besetzung haben – Alvarez castet Schauspielerinnen,
die Lisbeth Salander spielen sollen

CULVER CITY, Kalifornien, 13. März 2017 – Lisbeth Salander, die Kultfigur und titelgebende Heldin der gefeierten Millennium-Bestseller-Reihe von Stieg Larsson, wird in The Girl in the Spider’s Web (Verschwörung) auf die Kinoleinwand zurückkehren. Der von David Lagercrantz geschriebene globale Bestseller wird zum ersten Mal für einen Film adaptiert. Fede Alvarez, der 2016 bei dem Erfolgsthriller Don’t Breathe Regie geführt hat, wird das Projekt leiten, basierend auf einem Drehbuch von Steven Knight und Fede Alvarez & Jay Basu. Scott Rudin, Søren Stærmose, Ole Søndberg, Amy Pascal, Elizabeth Cantillon, Eli Bush und Berna Levin fungieren als Produzenten; Executive Producers sind Anni Faurbye Fernandez, Line Winther Skyum Funch, Johannes Jensen und David Fincher.

Der neue Film wird eine völlig neue Besetzung aufweisen. Die Ankündigung der Dreharbeiten markiert den Kickoff einer weltweiten Suche nach einer Schauspielerin, die die ikonische Rolle der Lisbeth Salander übernehmen kann. Die Dreharbeiten des Films werden im September dieses Jahres beginnen und der Kinostart wird im Oktober 2018 sein.

The Girl in the Spider’s Web wird der erste Teil der Bestseller-Reihe sein, der gleich bei seiner ersten Filmadaption in englischer Sprache produziert wird. Die vorhergehenden Bücher der Reihe wurden zu Filmen in Schwedisch adaptiert. The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung) war ein Remake des schwedischen Films, wurde ein weltweiter Erfolg für Columbia Pictures und hat insgesamt über 230 Million Dollar eingespielt.

Die Neuigkeit wurde heute auf der London Book Fair verkündet, während einer Feier rund um den Launch des fünften Buchs der Millennium-Reihe, das ebenfalls von Lagercrantz verfasst wurde. Sonys Columbia Pictures hält die Rechte an allen künftigen Büchern der Millennium-Reihe.

Sanford Panitch, President of Columbia Pictures, sagte: “In der gesamten Gegenwartsliteratur ist Lisbeth Salander vollkommen sui generis – und meiner Meinung nach wahrscheinlich eine der großartigsten literarischen Frauenfiguren aller Zeiten. Sie personifiziert einen trotzigen, modernen Punk und ist in jeder Verkörperung unvergesslich. Sie ist wirklich eine der fesselndsten Figuren, die es in den letzten Jahren zu sehen gab. David Lagercrantzs brillante Arbeit führt diese bemerkenswerte Reihe fort und ehrt gleichzeitig Stieg Larssons Meisterwerk. Auch wir bei Sony fühlen uns sehr geehrt, zusammen mit Yellowbird Teil dieser Reihe zu sein und freuen uns sehr darauf, The Girl in the Spider’s Web erstmals auf die Leinwand zu bringen. Fede Alvarez ist die perfekte Wahl, um die Regie zu übernehmen. Fede ist ein großartiger Regisseur mit einem einzigartigen Blick auf die Welt. Besonders sein Talent und seine Fähigkeit, psychologische Intensität zu erzeugen, werden Lisbeth Salander mit einem großen Knall zurück in die filmische Popkultur bringen.“

Alvarez fügte hinzu: “Ich bin wahnsinnig aufgeregt und dankbar für diese Gelegenheit. Sony ist für mich zu einer Familie geworden und ich kann mir kein tolleres Projekt vorstellen, um unsere Beziehung zu feiern. Lisbeth Salander ist genau die Art von Figur, die jeder Regisseur in seinen Träumen gerne zum Leben erwecken würde. Wir haben ein großartiges Drehbuch und jetzt kommt der Teil, der am meisten Spaß macht – unsere Lisbeth zu finden.“

Die Millennium Reihe ist ein weltweiter Bestseller. Von den vier Büchern wurden bislang über 86 Millionen Exemplare verkauft.


Keine „Verschwörung“. Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander sind zurück

September 18, 2015

Lagercrantz - Verschwörung - 2

Dass ich nicht der große Stieg-Larsson-Fan bin, dürfte bekannt sein (siehe hier, hier und hier).
Dass ich keine Probleme habe, wenn andere Autoren neue Romane mit bekannten Figuren schreiben, stört mich auch nicht.
Und David Lagercrantz wurde von den Erben des am 9. November 2004 verstorbenen Stieg Larsson, seinem Vater und seinem Bruder, beauftragt, einen weiteren Roman mit den bekannten Charakteren und der von Larsson etablierten Welt zu schreiben. Immerhin haben die drei „Millennium“-Romane von Larsson, die erst nach seinem Tod erschienen, sich weltweit millionenfach verkauft. Sie wurden erfolgreich verfilmt. Der erste Band sogar zweimal. Es gibt Comics, die von der renommierten Krimi-Autorin Denise Mina geschrieben wurden. Larssons Freundin Eva Gabrielson, die nicht mit ihm verheiratet war, inzwischen eine Biographie über ihre Jahre mit Stieg Larsson schrieb und weil es kein Testament gab, ncht zu seinen Erben gehört, behauptete, das Manuskript eines vierten Romans von Stieg Larsson auf einem Computer zu haben und sie es auch fertig schreiben und veröffentlichen wolle. Bis jetzt ist das nicht geschehen.
Und es gab, selbstverständlich, einige Stieg-Larsson-Parodien.
Angesichts der immer noch vorhandenen Nachfrage nach den Romane von Stieg Larsson war es nur eine Frage der Zeit, bis, wie auch bei anderen verstorbenen Autoren (ad hoc Sir Arthur Conan Doyle, Agatha Christie, Ian Fleming), die Erben einen anderen Autor beauftragen, einen weiteren Roman zu schreiben. Sie beauftragten David Lagercrantz mit der Aufgabe. Und sie wollen, dass die Einnahmen aus diesem Roman in eine Stiftung für linke Projkete fließen.
Lagercrantz erledigt seine Aufgabe auch ganz zufriedenstellend. Immerhin war auch Stieg Larsson kein großartiger Stilist. Dafür füllte er viele Seiten mit teils unerheblichen Details und vollkommen überflüssigen Subplots. Das war schon in seinem ersten Roman „Verblendung“ so. In „Vergebung“ erzählte er dann auf gut achthundertfünfzig Seiten eine Geschichte, die ein erzählökonomischerer Autor als zweiseitigen Epilog von „Verdammnis“ erledigt hätte. Bei den Verfilmungen wurde dann beherzt und problemlos viel erzählerisches Fett weggeschnitten.
Das wird bei „Verschwörung“ etwas schwieriger sein. Der nur sechshundertseitige Roman spielt, auch wenn kein markantes politisches, kulturelles oder gesellschaftliches Ereignis und kein Jahr genannt wird (es wird zwar auf Seite 317, als einziges konkretes Datum, „Mittwoch, der 22. November“ genannt, aber diese Kombination gibt es in diesem Jahrzehnt nur 2017), ungefähr ein Jahrzehnt nach Larssons Romanen. Also ungefähr jetzt. In der Gegenwart des Jahres 2015. In der Nach-Snowden-Zeit, obwohl er sich liest, als sei er in der Prä-Snowden-Zeit geschrieben worden.
Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist erfährt, dass Frans Balder, der führende Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, zurück in Stockholm ist und er verfolgt wird. Blomkvist hat zwar keine Ahnung von Künstlicher Intelligenz, aber anscheinend interessiert sich auch die beziehungsgestörte Hackerin Lisbeth Salander, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, für Balder.
Als Blomkvist Balder besucht, der von zwei Polizisten wegen einer geheimnisvollen, aber sehr ernst zu nehmenden Todesdrohung (die die NSA aufgeschnappt hat) bewacht wird, wird gerade, mitten in der Nacht, ein Anschlag auf den Wissenschaftler verübt. Balder stirbt. Sein autistischer Sohn mit zwei Inselbegabungen (Zahlen, vor allem Primzahlen, und fotorealistische Zeichnungen) überlebt. Der achtjährige August könnte sie zum Mörder führen.
Zur gleichen Zeit hat Lisbeth Salander sich schon in den Computer der NSA eingehackt und wichtige Dokumente gestohlen, weshalb die NSA den unbekannten Hacker jagt.
Durch einige Umstände, die uns hier nicht genauer interessieren müssen, rettet Salander das Leben von August und versteckt sich mit ihm in einer einsamen Hütte.
Und viel mehr von der Handlung zu verraten, würde das gesamte Buch spoilern, weil die Geschichte von „Verschwörung“ sich über viele hundert Seiten in ominösen Andeutungen ergeht. Geheimdienste, ein Konzern, der mit Geheimdiensten und Gangstern zusammenarbeitet, Forschungen im Bereich Künstlicher Intelligenz, die weltweite Überwachung, die Polizei und Salanders Familie haben alle irgendwie damit zu tun. Sowieso tauchen viele alte Bekannte aus den vorherigen Büchern auf, weshalb sich „Verschwörung“ auch wie ein „Schön, dass wir uns wiedersehen“-Familientreffen liest. Es gibt viele Andeutungen auf den nächsten Roman, der, wie „Verschwörung“, in einem Paralleluniversum spielt, das wir so ähnlich auch großen Comic-Epen kennen, in denen alle wichtigen Figuren miteinander verwandt und verschwägert sind und sie einen epischen Familienzwist austragen.
Das unterscheidet Lagercrantz dann eindeutig von Larsson. In seinen Romanen war die Realität der Hintergrund, vor dem er seine immer wieder überraschend umständlich und dadurch oft sehr spannungsarme Geschichte entfaltete. Er benutzte die Romane, um über seine Themen zu schreiben und weil es ihm wichtig war, schrieb er Seiten darüber. Er lenkte damit die Aufmerksamkeit des Lesers auf Themen, die in der Gesellschaft damals nicht oder nur wenig beachtet wurden. Und Salanders selbstverständlicher Einsatz von Computern, dem Internet und modernen Überwachungstechniken war vor zehn Jahren in einem Kriminalroman noch neu. Damit hatten seine Romane und wie er Stimmungen und Entwicklungen aufgriff, schon etwas prophetisches.
Bei Lagercrantz ist es genau umgekehrt. Er schafft es, einen Roman über die NSA zu schreiben, ohne auch nur einmal Edward Snowden zu erwähnen. Bei ihm wird die gesamte Diskussion über globale Überwachung, die uns seit dem Sommer 2013 begleitet, vollkommen ignoriert. Sogar als Lisbeth sich in den NSA-Computer einhackt, was bei dem zuständigen Beamten zu einer durchaus gerechtfertigten Panikattacke führt, wird Snoden und das durch ihn veränderte Selbst- und Fremdbild des Geheimdienstes nicht erwähnt. Es ist, als habe es nie einen Whistleblower gegeben und die NSA und der schwedische Geheimdienst besteht in „Verschwörung“ eigentlich nur aus netten Menschen, die sich aus altruistischen Motiven um unser Wohlergehen und unsere Privatsphäre sorgen.
Für einen Polit-Thriller, und „Verschwörung“ will irgendwo in diesem Genre mitschwimmen, ist dieses vollständige Ignorieren der Realität der Todesstoß, der die gesamte Geschichte zu einem unglaubwürdigem Gedankenkonstrukt degradiert.
Das gesagt, dürfte „Verschwörung“, auch wenn Womanizer Mikael Blomkvist weniger Kaffee trinkt (dafür ist sein Bierkonsum gestiegen) und sein Sexualleben nicht mehr existent ist (was allerdings auch daran liegt, dass er in den fünf Tagen, in denen die Romangeschichte spielt, kaum zum Schlafen kommt, er den Tod eines jungen Kollegen seelisch verarbeiten muss, seine heißgeliebte Zeitschrift „Millennium“ wieder einmal kurz vor dem Konkurs steht und er von Kollegen als twitterfreies Relikt aus dem letzten Jahrhundert angegriffen wird), den Stieg-Larsson-Fans im Modus „neuer Autor, alte Teile“ gefallen.

David Lagercrantz: Verschwörung
(übersetzt von Ursel Allenstein)
Heyne, 2015
608 Seiten
22,99 Euro

Originaltitel
Det some ine dödar oss
Norstedts, Stockholm, 2015

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch und Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanardo Manco/Andrea Muttis “Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2″ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 Meine Besprechung von Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fusos “Stieg Larsson – Millennium: Verdammnis – Band 1” (The Girl who played with Fire – Book One, 2014)


Die KrimiZeit-Bestenliste September 2015

September 3, 2015

Während der Hochsommer seine Abschiedsvorstellung einleitet, verkünden die KrimiZeit-Juroren ihre September-Bestenliste:
1) Friedrich Ani: Der namenlose Tag
2) Dror Mishani: Die Möglichkeit eines Verbrechens
3) Newton Thornburg: Cutter und Bone
4) Andreas Kollender: Kolbe
5) Merle Kröger: Havarie
6) Antonin Varenne: Die sieben Leben des Arthur Bowman
7) Petros Markaris: Zurück auf Start
8) William Shaw: Kings of London
9) Jax Miller: Freedom’s Child
10) Michael Robotham: Um Leben und Tod

Hübsche Liste. Auch ohne Don Winslows „Das Kartell“.
Einiges will ich die Tage abfeiern.
Außerdem den neuen Roman „Der Wintertransfer“ (Tropen) von Philip Kerr, der im Fußballmilieu spielt und der Start einer neuen Serie mit Fußballtrainer Scott Manson ist (und es nicht auf die KrimiZeit-Bestenliste schaffen wird) und den neuen Kryszinski-Roman „Trailerpark“ (Rotbuch) von Jörg Juretzka (der es ebenfalls nicht auf die Krimizeit-Bestenliste schaffen wird) und „Mr. Duckworth sammelt den Tod“ (Kunstmann, erschient am 9. September) von Tim Parks (der es als Abschluss einer Trilogie über einen Hochstapler ebenfalls nicht auf die KrimiZeit-Bestenliste schaffen wird) und jetzt kommen wir zu den Büchern, die es auf die Oktober-KrimiZeit-Bestenliste schaffen könnten, Celil Okers „Lass mich leben, Istanbul – Ein Fall für Remzi Ünal“ (Unionsverlag), William McIlvanneys dritter und letzter Laidlaw-Roman „Fremde Treue“ (Kunstmann, erscheint am 9. September), James Lee Burkes dritter Hackberry-Holland-Roman „Glut und Asche“ (Heyne, erscheint Mitte September), Seamus Smyths „Spielarten der Rache“ (pulp master, – muss ich noch mehr sagen?) und Bill Moodys „Der Spion, der Jazz spielte“ (polar; – da lohnt sich auch die Suche nach seinen älteren, fast nur noch antiquarisch erhältlichen Jazz-Krimis, die im Unionsverlag erschienen).
Hm, und dann gibt es noch neues von Stephen King, einen James-Bond-Roman von Anthony Horowitz und die Fortschreibung der Romane eines gewissen Stieg Larsson.
Wann soll ich das alles lesen???


Verfilmte Bücher: „Erbarmen“ ist „Erbarmen“

Januar 15, 2014

Adler-Olsen - Erbarmen - Movie-Tie-In

Die am 23. Januar startende Verfilmung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ veranlasste mich jetzt dazu, endlich den Bestseller zu lesen. Dass ich meine Probleme mit skandinavischen Kriminalromanen habe und mir viele, wie Stieg Larsson und Lars Kepler, nicht gefallen, dürfte hinlänglich bekannt sein. Deshalb stehen Skandinavier mit ihren Wälzern nicht unbedingt ganz oben auf meiner Leseliste.

Trotzdem. Ich könnte mich ja irren und einige Skandinavier (Sjöwall/Wahlöö, Matti Rönkä, Jon Ewo [Warum hat der Unionsverlag nicht mehr den dritten Torpedo-Roman übersetzt?]) haben mir ja gefallen.

In „Erbarmen“, dem ersten Fall von Carl Mørck wird, nachdem ein Einsatz grandios schiefging, ein Polizist starb und der andere vom Kopf abwärts gelähmt ist (Remember Lincoln Rhyme?), Mørck zum Leiter des neugegründeten Dezernat Q ernannt, was eine direkte Beförderung auf das Abstellgleis ist. Denn das Dezernat Q soll alte Fälle wieder aufrollen. Aber die vom Parlament bewilligte gute Ausstattung geht, dank der liebevollen Planung von Mørcks Chef, vollständig in die normale Kriminalpolizei, während Mørck einen Platz im Keller (ganz am Ende des Ganges und dann noch einige Meter weiter) erhält. Erst nach Protesten bekommt er einen Mitarbeiter für Putz- und Hilfsarbeiten. Dieser, Hafez el-Assad, ein syrischer Immigrant mit unklarer Vergangenheit, erweist sich bald als große Hilfe, die auch oft die treibende und vernünftigere Kraft bei den Ermittlungen ist.

Als ersten Fall wählen sie das bis jetzt ungeklärte Verschwinden der Abgeordneten Merete Lynggaard aus. Sie verschwand vor einigen Jahren spurlos von einer Fähre. Offiziell wurde der Fall als Suizid abgeschlossen. Ihr geistig behinderter Bruder Uffe kam in eine noble Psychiatrie. Mørck und Assad entdecken schnell Ungereimtheiten.

In diesem Moment wissen wir, dass Merete in einem luftdicht abgeschlossenem Raum von mehreren Personen gefangen gehalten wird und, weil ein Ereignis aus Meretes Kindheit, ein Autounfall mit mehreren Toten, öfter angesprochen wird, können wir uns denken, dass es einen Zusammenhang zwischen ihrer Geiselnahme und dem Unfall gibt; – was ja kein Problem für eine ordentliche Thriller-Spannung wäre.

Aber furchtbar spannend ist „Erbarmen“ nicht. Dafür ist er viel zu unlogisch. Denn Mørck führt seine Ermittlungen ausgesprochen unprofessionell. So beginnt er die ersten Gespräche mit Zeugen, ohne die Akten gelesen zu haben. Eigentlich stolpert er die gesamte Zeit durch seine Ermittlungen. Er stochert überall herum, in der Hoffnung, dass er irgendetwas findet.

Der Bösewicht hat zwar ein gutes Motiv. Denn Rache geht immer. Aber er sperrt sein Opfer nur jahrelang ein und fragt sie ab und an, warum er sie eingesperrt habe. Bei einer falschen Antwort wird der Luftdruck in der Kammer erhöht. Das ist eine besonders unglückliche „Oldboy“-Variante (und war schon da vor allem ein Konstrukt). Denn woher soll Merete wissen, warum sie eingesperrt wird? Warum unternimmt der Geiselnehmer nichts, sondern pflegt sie jahrelang? Eine auch nur halbwegs befriedigende Antwort darauf gibt Jussi Adler-Olsen nicht.

Die Verfilmung ist ein typischer skandinavischer Thriller mit etlichen Szenen, die offenkundig die Saat für Ereignisse legen, die in den weiteren Mørck-Verfilmungen wichtig werden. Sie ist gelungener als der Roman. Vor allem weil sie deutlich weniger Lebenszeit stiehlt und die Ermittlungen logischer sind.

Inzwischen verfilmt das gleiche Team „Schändung“, den zweiten Carl-Mørck-Roman.

Adler-Olsen - Erbarmen

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

(übersetzt von Hannes Thiess)

dtv premium 2009

420 Seiten

14,90 Euro (dtv premium)

9,95 Euro (Taschenbuch)

Zum Filmstart erschien ein Movie-Tie-In.

Originalausgabe

Kvinden i buret

Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008

Verfilmung

Erbarmen - Plakat - 4

Erbarmen (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Regie: Mikkel Nørgaard

Drehbuch: Nikolaj Arcel

mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 23. Januar 2014

Hinweise

Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Homepage zum Film


DVD-Kritik: Polizei-Psychologe „Sebastian Bergman“ sucht die „Spuren des Todes“

Dezember 9, 2013

Sebastian Bergman ist ein richtiger Stinkstiefel, der gleich in den ersten Minuten von „Der Mann, der kein Mörder war“ in einem Hörsaal eine Reihe Polizisten und Polizeischüler kräftig beleidigt und die Lektüre seiner Bücher empfiehlt. Der angekündigte Vortrag entfällt.

Kurz darauf mischt er sich mit der Energie des Verzweifelten – er verlor während des Tsunamis 2004 in Thailand Frau und Kind – in polizeiliche Ermittlungen ein und bedrängt den ihm von früher bekannten Ermittlungsleiter Torkel Höglund, ihn als Profiler bei den Ermittlungen an einem Schülermord hinzuzuziehen. Denn – wir vermuten es schon nach dem Titel – der Tatverdächtige ist nicht der Mörder.

Sebastian Bergman ist eine Erfindung der Krimiautoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt, die auch die Drehbücher für die Verfilmungen schrieben, die ungefähr zeitgleich mit den ersten beiden Romanen entstanden, die jetzt auf DVD vorliegen und bei deren Entwicklung Bergman-Darsteller Rolf Lassgård (auch bekannt als Kommissar Wallander) mithalf. Der dritte Bergman-Roman ist bereits verfilmt, der vierte wird gerade verfilmt und beide Verfilmungen sollen nächstes Jahr im ZDF gezeigt werden.

Die deutschen Ausgaben der dicken Romane „Der Mann, der kein Mörder war“, „Die Frauen, die er kannte“ und „Die Toten, die niemand vermisst“ erschienen bei Rowohlt Polaris.

Im zweiten Bergman-Krimi „Die Frauen, die er kannte“ steht Sebastian Bergmans Leben stärker im Mittelpunkt. Denn ein Frauenmörder kopiert die Morde von Edward, einem gut abgesichert in der Psychiatrie sitzendem Serienmörder, den Bergman überführte und über den er zwei Bestseller schrieb. Aber es kommt noch schlimmer: der Nachahmungstäter bringt Bergmans letztes Bettabenteuer um und auch bei den anderen Opfern gibt es Verbindungen zu den Frauen, die Bergman kannte. Bergman ist, wie Stieg Larssons Mikael Blomkvist, ein echter Womanizer, der mehr Affären als ein Playboy hat und der James Bond als ziemlichen Kostverächter erscheinen lässt. Und, weil der Mörder erstens viel über Bergman weiß und zweitens weitermorden wird, erstellt Bergman schon einmal eine Liste der möglichen Opfer, auf die auch seine beiden Arbeitskolleginnen gehören. Die eine, weil er mit ihr im Bett war. Die andere, weil sie – ohne es zu wissen – seine Tochter ist.

Beide TV-Filme sind okaye Krimiunterhaltung, ohne besonders eigenständig zu sein. Dafür ist Sebastian Bergman zu sehr eine „Cracker“-Kopie für Arme. Ein Vergleich, der sich schon bei seinem Auftritt in einem Hörsaal aufdrängt. Während Bergman wie ein Betrunkener vor sich hin faselt, schleudert Eddie ‚Fitz‘ Fitzgerald (Robbie Coltrane) die Werke von philosophische Größen durch die Luft. Das war und ist ein denkwürdiger erster Auftritt eines Filmcharakters. Dagegen ist Bergman nur ein langweiliger Misantroph aus dem Krimibaukasten für Antihelden.

Während „Der Mann, der kein Mörder war“ ein klassischer Rätselkrimi ist, geht „Die Frauen, die er kannte“ in Richtung Thriller und erinnert dabei immer wieder an die vielen Vorbilder. Vor allem natürlich Hannibal Lector.

Aber dafür ist der Film von Michael Hjorth ruhiger aufgenommen als „Der Mann, der kein Mörder war“. In dem Krimi lässt Daniel Espinosa, wie in seinem Hollywood-Debüt „Safe House“, die Kamera pseudodokumentarisch wackeln, als gäbe es kein Morgen und es wird geschnitten, als sollte eine Konfettiparade vorbereitet werden. Das lenkt dann ziemlich erfolgreich von der gar nicht so schlechten Geschichte ab.

Sebastian Bergman - DVD-Cover - 4

Sebastian Bergman – Spuren des Todes I (Schweden/Deutschland 2010)

mit Rolf Lassgård (Sebastian Bergman), Gunnel Fred (Ursula Andersson), Tomas Laustiola (Torkel Höglund), Moa Silén (Vanja Lithner), Christopher Wagelin (Billy Rosén)

Die ersten Spurenanalysen

Der Mann, der kein Mörder war (Den fördömde 1)

Regie: Daniel Espinosa

Drehbuch: Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt

Die Frauen, die er kannte (Den fördömde 2)

Regie: Michael Hjorth

Drehbuch: Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt

DVD

Edel

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 175 Minuten (2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Der dritte gewohnt seitenstarke Sebastian-Bergman-Fall erschien kürzlich

Hjorth - Rosenfeldt - Die Toten die niemand vermisst - 4

Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst

(übersetzt von Ursel Allenstein)

Rowohlt Polaris, 2013

624 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Fjällgraven

Norsteds Förlagsgrupp AB, Stockholm 2012

Hinweis

Krimi-Couch über Hjorth & Rosenfeldt

 


DVD-Kritik: Mord und Totschlag, überall und jederzeit

März 13, 2013

Nach der fantastischen Welt von Oz, vor „Hitchcock“ und zwischen „Vega$“ (muss sein, für mich als PI-Junkie) und Peter Weir (muss sein, für alle Filmfans) stapeln sich Bücher und Filme, die ich teilweise schon vor Weihnachten gelesen habe und ausführlich besprechen wollte. Aber bis jetzt kam ich nicht dazu und in den nächsten Tagen sieht es auch nicht viel besser aus. Bevor meine Notizen auch für mich vollkommen unlesbar werden, gibt es jetzt einen Schwund kurzer Kritiken. Ich würde ja sagen Drei-Satz-Kritiken, aber dann werden es doch vier, fünf oder noch mehr Sätze.

Beginnen wir mit einigen Gangsterfilmen:

Black’s Game“ führt uns in die Unterwelt von Island. Student Stebbi hat Angst vor einer drohenden Gefängnisstrafe. Doch dann trifft er seinen Jugendfreund Toti, der inzwischen als Gangster sein Geld verdient und ihm bei diesem Problemchen helfen will. Er gibt Stebbi eine kleine Aufgabe, die er mit Bravour erledigt und fortan verfolgen wir gespannt seinen Aufstieg in der isländischen Gangsterhierarchie, in der die Protagonisten jünger und brutaler als bei Martin Scorsese sind.

Das ist mitreisend hartes Kino mit überzeugenden Schauspielern, die teilweise hier ihr Leinwanddebüt gaben. Óskar Thór Axelssons Film basiert auf einem Roman von Stefán Máni, der in einem Featurette von den Recherchen für den Roman erzählt. Wobei allerdings unklar bleibt, wie sehr der, bis auf den Epilog, 1999/2000 spielende Film „Black’s Game“ auf Tatsachen beruht oder verschiedene Vorfälle und Personen aus der isländischen Unter- und Halbwelt zu einer spannenden Geschichte verdichtet.

Black's Game - DVD-Cover

Black’s Game – Kaltes Land (Svartur á leik, Island 2012)

Regie: Óskar Thór Axelsson

Drehbuch: Óskar Thór Axelsson

LV: Stefán Máni: Svartur á leik, 2004

mit Þorvaldur Davið Kristjánsson, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Damon Younger, Maria Birta Bjarnadóttir, Vignir Rafn Valþórsson, Egill Einarsson, Björn Jörundur Friðbjörnsson

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Isländisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Diverse Featurettes und Interviews (19 Minuten), Originaltrailer, Wendecover

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Black’s Game“

Wikipedia über „Black’s Game“

Bei „Mr. Nice“ stellt sich die Frage nicht. Denn Bernard Roses Film erzählt, basierend auf der Biographie von Howard Marks, dessen Lebensgeschichte und wie er vom begabten, aus ärmlichen Verhältnissen kommendem Kleinstadtjungen während der Swinging Sixties an der Universität Oxford mit Drogen und freier Liebe in Berührung kam und ratzfatz zum größten Dope-Dealer Englands aufstieg, mit dem Gesetz Probleme hatte und heute, das ist die dramaturgische Klammer, auf der Bühne locker-flockig von seinem Leben erzählt.

Mr. Nice“ ist eine mäßig unterhaltsame Selbstinszenierung von Howard Marks. Aber die Einzel-DVD ist mit einem Audiokommentar von Bernard Rose und einem von Howard Marks gut ausgestattet. Wer mehr Infos will, muss die Doppel-DVD kaufen.

Mr. Nice

Mr. Nice (Mr. Nice, GB 210)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: Bernard Rose

LV: Howard Marks: Mr. Nice, 1996 (Mr. Nice)

mit Rhys Ifans, Chloe Sevigny, David Thewlis, Omid Djalili, Crispin Glover

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Zwei Audiokommentare, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Film-Zeit über „Mr. Nice“

Metarcritic über „Mr. Nice“

Rotten Tomatoes über „Mr. Nice“

Wikipedia über „Mr. Nice“ (deutsch, englisch)

Wesentlich gelungener ist Bernard Roses 1944 in London spielendes, heute fast vergessenes Frühwerk „Chicago Joe und das Showgirl“, nach einem Drehbuch von David Yallop, mit Kiefer Sutherland und Emily Lloyd in den Hauptrollen.

Emily Lloyd spielt das titelgebende Showgirl Georgina Grayson, die sich ein Leben auf der großen Bühne und als Gangsterbraut erträumt und als sie Rick ‚Chicago Joe‘ Allen (Kiefer Sutherland) kennenlernt, ist sie sofort in ihn verliebt. Denn er ist ein waschechter Gangster aus Chicago! Das Liebespaar beginnt schnell ihre Version von Bonnie und Clyde zu spielen. Dummerweise ist Chicago Joe kein Gangster, sondern ein kleiner, fahnenflüchtiger Soldat und notorischer Aufschneider.

Rose spielt in diesem Film sehr interessant und für einen über zwanzig Jahre alten Mainstream-Film sehr avantgardistisch mit den verschiedenen Wahrnehmungsebenen. Denn er wechselt ständig zwischen der Realität und Georginas Träumen von der großen Hollywood-Karriere (so beginnt und endet der Film mit einer Fantasie von ihr bei der Premiere ihres großen Films [Remember „Sunset Boulevard“?]) und ihrem, aus den Hollywood-Gangsterfilmen entlehntem Bild der Wirklichkeit. Die Kulissen sind überdeutlich als Kulissen erkennbar, das Filmformat erinnern an einem Dreißiger-Jahre-Gangsterfilm, die Farben an das damals gebräuchliche Technicolor. Und auch Chicago Joe hat seine Probleme mit der schnöden Realität. Denn er steht zwischen zwei Frauen, die er beide belügt.

Ach ja: „Chicago Joe und das Showgirl“ basiert auf einem wahren Fall: dem „Cleft Chin Murder“. Am 3. Oktober 1944 lernten sich die am 5. Juli 1926 in South-Wales geborene Elizabeth ‚Betty‘ Maud Jones (die als Georgina Grayson als Striptease-Tänzerin arbeitete) und der 1922 in Schweden geborene, in Massachusetts aufgewachsene Karl Hulten, der sich Ricky nannte und damals seit einem halben Jahr fahnenflüchtig war, kennen. Der Film folgt den damaligen Ereignissen anscheinend ziemlich genau.

Beide wurden zum Tode verurteilt. Hulten wurde als einziger G. I. der je in Großbritannien hingerichtet wurde, am 8. März 1945 erhängt. Jones wurde 1954 begnadigt.

Chicago Joe und das Showgirl - DVD-Cover

Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, GB 1989)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: David Yallop

mit Emily Lloyd, Kiefer Sutherland, Patsy Kensit, Keith Allen, Liz Fraser, Alexandra Pigg

DVD

Koch Media (Film Noir Collection 11)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie, Trailer

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chicago Joe und das Showgirl“

Wikipedia über „Chicago Joe und das Showgirl“

Dass „The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia“ nicht das Budget von „Der Pate“ oder „Goodfellas“ hatte, sieht man und dass „The Take“ ursprünglich eine vierteilige TV-Serie war, sieht man ebenfalls. Denn der Film teilt sich in vier Blöcke, die 1984, 1988 und 1994 (der dritte und vierte Teil) spielen und die Länge einer TV-Episode haben. Und dass die Geschichte weitgehend den bekannten Genrepfaden folgt, merkt man schnell.

The Take“ erzählt die Geschichte von Freddy Jackson (Tom Hardy) und seinem Freund und Cousin Jimmy Jackson (Shaun Evans), zwei Londoner Verbrecher, die sich seit Ewigkeiten kennen. Freddie verbrachte einige Jahre im Gefängnis und kaum ist er draußen, beginnt er mit einer fiebrigen Energie, die Scarface vor Neid erblassen lassen würde, sein Imperium aufzubauen. Gleichzeitig wird er zunehmend psychopathisch und man fragt sich spätestens ab der Filmmitte, wie ein so durchgeknallter Verbrecher die letzten zehn Jahre (und die Jahre vor dem Filmbeginn) überleben konnte. Währenddessen festigt Jimmy seinen Ruf als Geschäftsmann, der zwar illegale Geschäfte betreibt, aber zunehmend verbürgerlicht.

Das folgt alles bis zum Ende, durchaus kraftvoll und für eine TV-Serie sehr brutal, den bekannten Genrekonventionen. Aber schon von Anfang spielen die Frauen an der Seite von Freddy und Jimmy, teils als Schwester, teils als Ehefrau, eine wichtige Rolle, die zwar zunächst irritiert, weil sie mit dem verbrecherischen Leben der Gangster nichts zu tun haben, aber sie sorgt auch für ein überraschendes und ungewöhnliches Ende, das auch eine Verschiebung innerhalb des Genres anzeigt. Denn im Spiel zwischen Gangstern und Gangstern und Gangstern und Polizisten ist ein weiterer Mitspieler hinzugekommen.

Und dann ist da noch Tom Hardy in Bad-Ass-Bad-Ass-Mode. Für sein Spiel war er für den 2009er Crime Thriller Award als bester Darsteller nominiert. Danach spielte er, um nur seine bekannteste Rolle zu nennen, in „The Dark Knight Rises“ den Bösewicht.

The Take - DVD-Cover

The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia (The Take, GB 2009)

Regie: David Drury

Drehbuch: Neil Biswas

LV: Martina Cole: The Take, 2005 (Die Schwester)

mit Tom Hardy, Shaun Evans, Charlotte Riley, Kierston Wareing, Margot Leicester, Brian Cox, Jane Wood

DVD

Koch Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digitial 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 178 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Sky1 über „The Take“

Wikipedia über „The Take“ 

Homepage von Martina Cole

Dank „Drive“ ist Nicolas Winding Refn inzwischen wohl bekannt genug, dass mit seinem Namen geworben werden kann. Bei „Black’s Game – Kaltes Land“ war er Executive Producer, aber auf dem DVD-Cover wird er groß erwähnt. Der englische Gangsterfilm „Pusher“ basiert auf Nicholas Winding Refns gleichnamigem, rauhen Debütfilm von 1996 über einen kleinen Drogendealer, der gerade eine Pechsträhne hat und innerhalb weniger Tage viel Geld besorgen muss, das er nicht hat. Er lässt sich auf zunehmend riskante Geschäfte ein und bei einem Noir können wir uns denken, wie die Geschichte ausgeht.

Diese nicht sonderlich spektakuläre Geschichte (sie wurde durch Nicholas Winding Refns Regie, die Kamera und die Schauspieler zu etwas Besonderem) hat jetzt Drehbuchautor Matthew Read (Produzent bei „Miss Marple“, „Aurelio Zen“ und „Kommissar Wallander“) mit kleinen Änderungen ins heutige London übertragen, der Spanier Luis Prieto gab sein UK-Debüt und Richard Coyle übernahm die Hauptrolle in dieser Version von „Pusher“, die die altbekannte Geschichte in einer anderen Stadt erzählt. Das ist als eigenständiger Film gelungen, interessant im Vergleich zwischen Original und Remake und ähnelt dem US-Remake von Stieg Larssons „Verblendung“, das auch gut, aber für die Kenner des Originals auch ziemlich überflüssig ist.

Pusher - DVD-Cover

Pusher (Pusher, GB 2012)

Regie: Luis Prieto

Drehbuch: Matthew Read

mit Richard Coyle, Agyness Deyn, Bronson Webb

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:1,85)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Metacritic über „Pusher“

Rotten Tomatoes über „Pusher“

Wikipedia über „Pusher“

Die „Briefe aus dem Jenseits“ haben mächtig Patina angesetzt. Die Geschichte ist auch mehr ein Gruselfilm als ein Noir. Allerdings einer, der zwar einige gelungene, also unheimliche Szenen hat, aber insgesamt eher den Eindruck von verwirrend zusammengesetztem, sich als Liebesdrama viel zu ernst nehmendem Stückwerk hinterlässt.

Denn als Literaturagent Lewis Venable (Robert Cummings) in Venedig in der Villa der über hundertjährigen Juliana Bordereau (Agnes Moorehead) unter einem Vorwand die anscheinend unglaublich beeindruckenden Liebesbriefe des verschollenen Poeten Jeffrey Ashton an sie sucht, wird er in ein Spiel um Identitäten, Schein und Sein hineingezogen und er verliebt sich in die Nichte der Hausherrin (Susan Hayward), die nach Sonnenuntergang zu einer anderen Frau wird.

Briefe aus dem Jenseits - DVD-Cover

Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, USA 1947)

Regie: Martin Gabel

Drehbuch: Leonardo Bercovici

LV: Henry James: The Aspern Papers, 1888 (Asperns Nachlass)

mit Robert Cummings, Susan Hayward, Agnes Moorehead, Joan Lorring, John Archer

DVD

Koch Media (Film Noir Collection 10)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Briefe aus dem Jenseits“

Turner Classic Movies über „Briefe aus dem Jenseits

Wikipedia über „Briefe aus dem Jenseits“ 

P. S.: Der Trailer ist ein Fan-Made-Trailer.

Zurück in die Fast-Gegenwart.

Der Mann mit der Stahlkralle“. Das klingt doch nach zünftiger, gehirnbefreiter Action mit vielen schlagenden und tretenden Asiaten. Vor allem weil der Film erst 1980, drei Jahre nach dem US-Kinostart, in die deutschen Kinos kam und in den Bahnhofkinos gerade gefühlt jeder zweite Film einen „Bruce Lee“ im Titel hatte. Da konnte „Der Mann mit der Stahlkralle“ nur ein weiterer billiger Action-Film sein, der auch bei der Kritik schlecht ankam: „übles Kinostück“ (Fischer Film Almanach 1981), „blutrünstiger Film“ (Lexikon des internationalen Films).

Nun, blutrünstig ist der Film in einigen Momenten und natürlich im Showdown. Und ein Mann mit einer Stahlkralle kommt auch vor. Aber der Originaltitel „Rolling Thunder“ trifft es schon eher. Denn wie ein Donnergrollen bewegt sich die Noir-Geschichte langsam und sehr fatalistisch voran. Paul Schrader, der Autor von „Taxi Driver“, hatte die Idee für die Geschichte von einem Kriegsheimkehrer, der sich in seiner alten Heimat nicht mehr zurechtfindet. Eine Geschichte, die in vielen Momenten in einem interessanten Verhältnis zu „Taxi Driver“ steht und damals, – wir sind in der Prä-“Rambo“-Zeit und auch auch vor den kritischen Vietnam-Filmen „Sie kehren heim“ (Coming Home) und „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter) -, im Kino noch Terra Incognita war. Heywood Gould (The Bronx, Cocktail) wurde dann als zweiter Drehbuchautor genommen und John Flynn, der davor die unterschätzte Richard-Stark-Verfilmung „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit) drehte, übernahm die Regie. Flynn drehte später unter anderem „Bestseller“ und „Lock Up – Überleben ist alles“.

Erzählt wird die Geschichte von Major Charles Raine (William Devane) der 1973 nach einer siebenjährigen Gefangenschaft in einem Vietcong-Gefangenenlager wieder in seine alte Heimat San Antonio, Texas zurückkehrt. Aber der introvertierte Mann, der überall als Kriegsheld gefeiert wird, hat Probleme, in sein altes Leben, das es auch nicht mehr gibt, zurückzukehren. Für seinen Sohn ist er ein fremder Mann. Seine Frau hat sich in einen anderen Mann verliebt. Er hat keinen Job.

Erst als einige Verbrecher ihm einige Münzen, die er als Anerkennung für seine Gefangenschaft erhielt, klauen, seine Familie umbringen und ihm in einem Küchenabfallzerkleinerer (in Texas ein übliches Haushaltsgerät) seine Hand zerhäckseln, hat er wieder eine Mission und die titelgebende Stahlkralle als Ersatz für die fehlende Hand.

Raine will die Mörder seiner Frau und seines Sohnes finden.

Dabei hilft ihm Johnny Vohden (Tommy Lee Jones), der mit ihm in Gefangenschaft war und daran ebenfalls zerbrochen ist.

Tommy Lee Jones hat zwar nur wenige Szenen in dem Film, aber wie er in ihnen die Verlorenheit seines Charakters zeigt, ist großes Schauspiel.

Denn Raine und Vohden sind zutiefst gebrochene Charaktere, die in der Gesellschaft ihren Platz nicht mehr finden. Genau wie Travis Bickle (Robert De Niro) in „Taxi Driver“ oder William James (Jeremy Renner) in „The Hurt Locker“.

Das gesagt, muss allerdings auch gesagt werden, dass „Der Mann mit der Stahlkralle“ sogar nach damaligem Standard sehr langsam erzählt ist, die wenigen Schnitte, die dunklen Bilder und die introvertierten Charaktere dieses Gefühl der Langsamkeit noch verstärken und so „Der Mann mit der Stahlkralle“ sich zäher als nötig ansieht. Jedenfalls wenn man auf die Action gespannt ist. Die gibt es erst in der zweiten Hälfte und sie ist immer noch ziemlich graphisch. Wobei die schlimmste Szene, gerade weil wir sie uns so gut vorstellen können, wohl das Zerkleinern von Raines‘ Hand ist.

Das Bonusmaterial ist sehr gelungen. Es gibt eine Bildergalerie, ein elfminütiges Interview mit Linda Haynes über die Dreharbeiten und ihr Leben nach dem Film abseits der Filmindustrie und einen sehr interessanten und sehr informativen Audiokommentar, bei dem Drehbuchautor Heywood Gould im lockeren Gespräch mit Roy Frumkes aus seinem Leben und über den Film erzählt. Wer also einen Blick hinter die Kulissen werfen will, ist hier ziemlich gut bedient. Und wer wissen will, warum „Der Mann mit der Stahlkralle“ einer der Lieblingsfilme von Quentin Tarantino und Eli Roth ist, sollte sich Eli Roths „Trailer from Hell“-Audiokommentar zum Trailer anhören.

Ach ja: „Der Mann mit der Stahlkralle“ war bis 2001 auf dem Index und diese DVD/Blu-ray ist die erste ungekürzte Veröffentlichung des Films in Deutschland.

Der Mann mit der Stahlkralle - DVD-Cover

Der Mann mit der Stahlkralle (Rolling Thunder, USA 1977)

Regie: John Flynn

Drehbuch: Paul Schrader, Heywood Gould

mit William Devane, Tommy Lee Jones, Linda Haynes, James Best, Lisa Richards

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Drehbuchautor Heywood Gould, Interview mit Darstellerin Linda Haynes (11 Minuten), Trailer mit Kommentar von Eli Roth, Trailer, TV-Spot, Bildergalerie

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Noir of the Week: Krimiautor Wallace Stroby über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Rotten Tomatoes über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Turner Classic Movies über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Wikipedia über „Der Mann mit der Stahlkralle“ 

Homepage von Heywood Gould


Blutig, dieser „Mord(s)kalender 2013“

September 12, 2012

Filmkalender sind ja okay, aber für einen richtigen Krimifan auch irgendwie etwas blutleer. Ein „Mord(s)kalender“ entspricht da schon eher den Bedürfnissen und mit der neuesten Ausgabe kommt der Conte Verlag diesem Bedürfnis auch im besten Hosentaschenformat nach.

Was erwartet den geneigten Krimifan bei diesem Kalender? Außer natürlich einem gültigen Kalender für 2013. Nun, täglich sind, oft mehrere, Geburts- und Todestage von wichtigen Krimischaffenden, normalerweise mit einigen weiterführenden Informationen, aufgelistet.

Warum hab ich „Krimischaffende“ und nicht „Krimiautoren“ geschrieben? Nun, am 12. September wird Johnny Cash, der am 12. September 2003 gestorben ist, erwähnt, weil: er ist „mehrmals in Gefängnissen aufgetreten und hat mit ‚I shot a man in Reno just to watch him die‘ eine der prägnantesten Zeilen zum Thema ‚Rock und Mord‘ gesungen“. Wolfgang Menge, geb. 10. April 1924, der Drehbücher für „Stahlnetz“ und „Tatort“ schrieb, „Ein Herz und eine Seele“ erfand und eine Institution für den TV-Krimi ist, wird ebenfalls erwähnt. Dummerweise geht es ihm wie vielen Institutionen: man ignoriert sie. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es gibt ein kleines Glossar, Linktipps, ein alphabetisches Namensregister, und natürlich eine Übersicht über die Schulferien.

Das Herzstück sind allerdings die 53 Obduktionen. Jede Woche gibt es eine einseitige Kolumne, „die sich mit einem Aspekt der kommenden sieben Tage eingehender befasst“. Manchmal, allerdings viel zu selten, ist dieser Zusammenhang offensichtlich: wenn es um den 50. Geburtstag von Uta-Maria Heim (geb. 14. Oktober 1963), der 50. Geburtstag von Ralf Kramp (geb. 29. November 1963), den 60. Geburtstag von Jan Zweyer (geb. 12. Dezember 1953), der 65. Geburtstag von Henning Mankell (geb. 3. Februar 1948), den 70. Geburtstag von Frank Göhre (geb. 16. Dezember 1943), den 125. Geburtstag von Raymond Chandler (geb. 23. Juli 1888) und den 25. Todestag von Charles Willeford (27. März 1988) geht.

Aber meistens könnten die Texte auch einfach in einem anderen Jahr gedruckt werden. So werden in anderen Obduktionen, relativ willkürlich, irgendwie interessante und wichtige Themen abgegrast, wie unvollendete Romane (ach ja, Max Allan Collins hat nicht zwei, sondern bereits drei Mike-Hammer-Romane von Mickey Spillane vollendet, der vierte „Lady, Go Die!“ erschien im Frühling und dürfte damit am Redaktionsschluss für diesen Kalender vorbeigeschrammt sein – und noch keiner wurde übersetzt), Winterkrimis, Kriminalromane und Literatur, Marianne Bachmeier und ihre Selbstjustiz im Gerichtssaal am 6. März 1981, Kitty Genovese und der Bystander-Effekt (sie wurde am 13. März 1964 auf offener Straße getötet [diese „Obduktion“ hätte daher besser in den 2014er-Kalender gepasst]), Rex Miller und das Monströse, ein Porträt von „Pulp Master“ (Uups, wurde da ein älterer Text verwendet? „dessen ‚Piss in den Wind‘ zu einem Höhepunkt des Jahres 2011 wird“), vergessene Bestseller, das Regiophänomen, Sherlock Holmes stirbt nie (Yeah!), die Premiere von „Rashomon“ am 25. August 1950 (deutsche Kinostart war erst zwei Jahre später) oder die von „Fahrstuhl zum Schafott“ am 29. Januar 1958 (allerdings erst in einer November-“Obduktion“,; der deutsche Kinostart war am 29. August 1958), einige Worte über das Gangsterpärchen Bonnie Parker und Clyde Barrow, die sich im Januar 1930 begegneten (nicht 1920, wie es im „Mord(s)kalender“ steht) und am 23. Mai 1934 im Kugelhagel starben, und eine Eloge auf George V. Higgins, der von etlichen wichtigen US-Krimiautoren bewundert wird und bei uns nur noch antiquarisch erhältlich ist.

Und alle vier Wochen gibt es den „Held des Monats“. 2013 sind es Hans Bärlach (von Friedrich Dürrenmatt), Tom Ripley (von Patricia Highsmith), Karin Lietze (von Pieke Biermann), Konstantin Kirchenberg (von Norbert Horst; immerhin war seine erste Ermittlung 2003 in „Leichensache“), Isaac Sidel (von Jerome Charyn), Jean-Baptiste Adamsberg (von Fred Vargas), Mike Hammer (von Mickey Spillane), Richter Di (von Robert van Gulik), Jane Marple (von Agatha Christie), Auguste Dupin (von Edgar Allan Poe), Lisbeth Salander (von Stieg Larsson) und Artie Wu und Quincy Durant (von Ross Thomas).

Mord(s)kalender 2013 – Deine Tage sind gezählt

Conte Verlag, 2012

256 Seiten

11,90 Euro

 


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