Neu im Kino/Filmkritik: Werner Herzog und die „Königin der Wüste“

September 3, 2015

Auf dem Papier sieht „Königin der Wüste“ mehr als vielversprechend aus. Die Besetzung mit Nicole Kidman, James Franco und Robert Pattinson ist gut. Das Thema – ein Biopic über Gertrude Bell, eine Frau, die vor hundert Jahren allein durch die Wüste reiste und gute Kontakte zu den Beduinen und ihren Stammesführern hatte – ebenso. Und dass Werner Herzog, der inzwischen in den USA kultisch verehrte globetrottende deutsche Regisseur, dessen Filme mit Klaus Kinski (wie „Aguirre, der Zorn Gottes“ oder „Fitzcarraldo“) schon jetzt Klassiker sind, Regie führt, steigert die Erwartung. Auch das Drehbuch ist, wie gewohnt, von ihm. „Königin der Wüste“ kann nur ein außergewöhnlicher Film werden.
Und dann quält man sich durch eine vollkommen austauschbare Wüstenschmonzette, an der nichts, aber auch absolut nichts interessant ist. Auch wenn nicht Werner Herzog, von dem man mehr als pure Konfektion erwartet (und der bislang jedem seiner Filme seinen persönlichen Stempel aufdrückte), sondern irgendein austauschbarer Gebrauchsregisseur, der weiß, wo er die Kamera hinstellen muss, um ein schönes Bild zu bekommen (als ob es in einem Herzog-Film jemals um ein konventionell-schönes Bild gegangen wäre) und die Stars ordentlich ausgeleuchtet sind, den Film inszeniert hätte. Den Hauptdarstellern – Nicole Kidman, die immer aussieht als käme sie gerade aus dem Schminkstudio und deren makellosem Gesicht Alter, Sonne und Trockenheit über die Jahrzehnte nichts anhaben können, James Franco, Robert Pattinson und Damian Lewis als ihre ebenso gutaussehenden Liebhaber – kann man das Desaster nicht anlasten. Sie mühen sich redlich. Aber es hilft nichts, wenn das Drehbuch nur darauf angelegt ist, aus einer spannende Figur eine vollkommen langweilige Person zu machen. Dabei hätte man so viel über Gertrude Bell (1868 – 1926) erzählen können. Sie kam aus einer vermögenden Industriellenfamilie, studierte in Oxford (als das für Frauen ein No Go war), bereiste ab 1893 allein die Welt (als das für Frauen ein No Go war), war im Nahen Osten bei den Beduinen anerkannt (als das unmöglich erschien), wurde dadurch 1915 zu einer Beraterin im Arab British Burea, die mehr Ahnung von den Strukturen des Nahen Ostens hatte als die Männer vom Geheimdienst und vom Militär und die bei der Aufteilung des arabischen Reiches eine Schlüsselposition hatte. Sie war gebildet, neugierig und abenteuerlustig – und es erstaunt, wie man aus so einem Leben einen so langweiligen Film machen kann, bei dem man zunehmend das Interesse an Gertrude Bell verliert, während Herzog wie ein fliebenbeinzählender Chronist von ihrer ersten Begegnung mit der fremden Welt des Orients bis zu ihrer Beratertätigkeit während des Ersten Weltkriegs strikt chronologisch dem Lauf der Jahre, die zu Jahrzehnten werden, erzählt was halt so nacheinander auf ihren Reisen durch die Wüste geschah.
Am Ende bleibt nur die Frage, was Werner Herzog bei der „Königin der Wüste“ geritten hat? Wollte er wirklich seinen austauschbaren Hollywood-Orientfilm abliefern, der weniger Seele als eine Auftragsproduktion verströmt und der nur als Bewerbungsfilm für den nächsten Inga-Lindström-Film taugt? Sogar Jean-Jacques Annauds Orient-Kitsch „Black Gold“ war besser.

Königin der Wüste - Plakat

Königin der Wüste (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)
Regie: Werner Herzog
Drehbuch: Werner Herzog
mit Nicole Kidman, James Franco, Robert Pattinson, Damian Lewis, Jay Abdo, Holly Earl, David Calder, Jenny Agutter, Mark Lewis Jones
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Königin der Wüste“

Moviepilot über „Königin der Wüste“

Metacritic über „Königin der Wüste“

Rotten Tomatoes über „Königin der Wüste“

Wikipedia über „Königin der Wüste“ (deutsch, englisch)

Werner Herzog in der Kriminalakte

Ein englisches Gespräch mit Werner Herzog vom 14. September 2010

Bei BBC Hardtalk am 20. Januar 2015

Ein neueres, deutsches Gespräch mit ihm

 

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TV-Tipp für den 5. September: Ein Abend mit Geburtstagskind Werner Herzog

September 5, 2012

Das ist doch ein rundum gelungenes Geburtstagsprogramm für Werner Herzog, der heute seinen siebzigsten Geburtstag feiert

Arte, 20.15

Aguirre, der Zorn Gottes (D 1972, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Peru 1560: Aguirre will im Amazonasgebiet das sagenumwobene El Dorado finden.

Klassiker mit Klaus Kinski und der Beginn einer wundervollen Freundschaft.

Arte, 21.45

Begegnungen am Ende der Welt (USA 2007, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Oscar-nominierte Doku über Wissenschaftler, die am Südpol auf einer US-Forschungsstation arbeiten.

Arte, 23.15

Zwischenfall am Loch Ness (GB 2003, R.: Zak Penn)

Drehbuch: Werner Herzog, Zak Penn

Fake-Doku, die Werner Herzog während der Arbeit an einer Dokumentation über das Ungeheuer von Loch Ness begleitet.

Hinweise

Wikipedia über Werner Herzog

Arte über Werner Herzog

Werner Herzog in der Kriminalakte

Noch mehr Herzog?

Ein Interview

Noch ein Interview, dieses Mal sogar auf Deutsch zur „Höhle der vergessenen Träume“

Und einmal Schuhe essen

 


TV-Tipp für den 31. Mai: Jack Reacher

Mai 31, 2019

Pro7, 20.15

Jack Reacher (Jack Reacher, USA 2012)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie

LV: Lee Child: One Shot, 2005 (Sniper)

Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.

„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher.

2016 hatte Tom Cruise in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back) seinen zweiten und bislang letzten Auftritt als Jack Reacher. mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)

Wiederholung: Samstag, 1. Juni, 23.05 Uhr

Hinweise

Metacritic über „Jack Reacher“

Rotten Tomatoes über „Jack Reacher“

Wikipedia über „Jack Reacher“ (deutsch, englisch)

Homepage von Lee Child

Wikipedia über Lee Child (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Gejagten“ (Never go back, 2013)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Meine Besprechung von Edward Zwicks „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back, USA 2016)

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“


Neu im Kino/Filmkritik: Nicole Kidmans Tough-Cop-Show „Destroyer“

März 14, 2019

Den Abschluss der kleinen Reihe von Filmen, die in den vergangenen Wochen in unseren Kinos anliefen („Aquaman“, „Der verlorene Sohn“, „Mein Bester & Ich“) und in denen Nicole Kidman ihre schauspielerische Bandbreite zeigt, endet mit „Destroyer“.

Der harte Neo-Noir-Cop-Thriller verlangt ihr in puncto Aussehen das Meiste ab. Denn bei den in der Gegenwart spielenden Teilen ist sie auch auf den zweiten und dritten Blick kaum zu erkennen. Sie ist ein klappriges Alkoholwrack, das seit Jahren nur noch mit der Hilfe von Drogen den Tag überlebt. Als Mutter und Kollegin ist Erin Bell die Totalkatastrophe, die den „Bad Lieutenant“ (egal ob in der Version von Abel Ferrara oder Werner Herzog) zum Mitarbeiter des Monats macht.

Als junge FBI-Agentin war Erin Bell Teil eines gefährlichen Undercover-Einsatz gegen Silas und seine skrupellose Bankräuberbande. Der Einsatz ging schief. Wie und warum verrät der Neo-Noir erst gegen Ende.

Siebzehn Jahre später kehrt Silas zurück nach Los Angeles. Er raubt weiterhin Banken aus und es können alte Rechnungen beglichen werden. Aber zuerst muss LAPD Detective Bell Silas finden. Und wie es sich für einen harten Cop gehört, geht Bell nicht zimperlich vor.

Viel mehr kann über Karyn Kusamas „Destroyer“ nicht verraten werden, ohne den gesamten Film zu spoilern. Denn sie erzählt die letztendlich sehr einfache Geschichte durchgehend und in jeder Beziehung fragmentarisch. Das entspricht der Wahrnehmung eines Drogensüchtigen.

Gleichzeitig ist es schwer, sich mit Bell zu identifizieren. Nicht weil sie drogensüchtig und konsequent unhöflich ist, sondern weil ihre Handlungsmotive teilweise bis zum Ende rätselhaft bleiben. So werden die Ereignisse der siebzehn Jahre zurückliegenden Undercover-Operation, die auch der Beginn ihrer Suchtbiographie ist, erst langsam enthüllt. Das ganze Bild hat man erst am Ende. Und erst in der letzten Minute weiß man, wie die verschiedenen Zeitebenen zusammenhängen. Das ist, wenn man Filme gerne mit einem Notizblock ansieht, interessant. Aber emotional involviert ist man nicht. Jedenfalls nicht in diesem Fall.

Dazu kommen im Rahmen des sich realistisch gebenden Noirs hoffnungslos unrealistische Szenen. Zum Beispiel beobachtet Bell bei einer Observation einen Banküberfall. Anstatt auf das Spezialeinsatzkommando zu warten, stürmt sie mit einer Maschinenpistole im Arm und zwei zufällig anwesenden Streifenpolizisten im Schlepptau in die Bank und beginnt eine Schießerei, die eindeutig von „Heat“ inspiriert ist. Menschen sterben. Panik bricht aus. Und sie befördert am helllichten Tag auf einem gut einsehbarem Parkplatz mitten in der Stadt einen der Bankräuber in den Kofferraum ihres Autos. Später im Film wird diese Schießerei und ihre Entführung (Verhaftung kann es nicht genannt werden) nicht einmal erwähnt. Es ist, als habe es den Schusswechsel und die zahlreichen Toten niemals gegeben.

Karyn Kusama, die nach ihren Spielfilmen „Girlfight“, „Æon Flux“ und „Jennifer’s Body“ in den vergangenen Jahren vor allem Episoden für Serien wie „Chicago Fire“, „Halt and Catch Fire“, „The Man in the High Castle“ und „Billions“ inszenierte, ist durch diese TV-Arbeiten den schnellen, effektiven Dreh mit einem überschaubarem Budget gewohnt. Auch bei „Destroyer“ war das Budget mit neun Millionen Dollar überschaubar. Aber dem an ausschließlich an Originalschauplätzen in Los Angeles gedrehtem Film sieht man das niedrige Budget nicht an.

Die Bilder und vor allem Nicole Kidman überzeugen. Sie hält den Film zusammen. Sie ist unbestritten das Zentrum des Films, der seine altbekannte Geschichte viel zu umständlich erzählt.

Destroyer (Destroyer, USA 2018)

Regie: Karyn Kusama

Drehbuch: Phil Hay, Matt Manfredi

mit Nicole Kidman, Toby Kebbell, Tatiana Maslany, Sebastian Stan, Scott McNairy, Bradley Whitford, Toby Huss, James Jordan, Beau Knapp, Bradley Whitford

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (hätte eher mit FSK-16 gerechnet)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Destroyer“

Metacritic über „Destroyer“

Rotten Tomatoes über „Destroyer“

Wikipedia über „Destroyer“ (deutsch, englisch)

Ein Mini-Werbe-Making-of

Ein Q&A beim TIFF mit Karyn Kusama, Nicole Kidman, Tatiana Maslany, Sebastian Stan, Phil Hay und Matt Manfredi

Scott Feinberg unterhält sich mit Karyn Kusama und Nicole Kidman


TV-Tipp für den 19. November. Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht

November 19, 2018

BR, 22.45
Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Deutschland 2013)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Gert Heidenreich
Grandioses, fast vierstündiges Alterswerk von Edgar Reitz, in dem er vom Leben der Familie Simon im Hunsrückdorf Schabbach um 1840, zwischen hartem Alltag, Hungersnöten und revolutionärem Aufbruch erzählt. Einer der Simon-Jungs möchte, wie viele Hunsrücker, nach Brasilien auswandern, wo er auf ein besseres Leben hofft.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung zum Kino- und DVD-Start (mit unterschiedlichem Bonusmaterial).
mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer, Rüdiger Kriese, Philine Lembeck, Mélanie Fouché, Eva Zeidler, Reinhard Paulus, Christoph Luser, Werner Herzog

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die andere Heimat“

Moviepilot über „Die andere Heimat“

Wikipedia über „Die andere Heimat“

Homepage von Edgar Reitz

Kriminalakte über „Die andere Heimat“

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ “Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht” (Deutschland 2013) (mit weiteren Clips)

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ (Deutschland 2013) (DVD-Kritik)

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ „Heimat – Eine deutsche Chronik: Die Kinofassung – Das Jahrhundert-Epos in Texten und Bildern“ (2015)

Homepage von Michael Riessler


„Die sieben Samurai“ ist der beste nicht englischsprachige Film – sagt die neueste Bestenliste von BBC Culture

November 5, 2018

BBC Culture fragte für ihre neueste Bestenliste über zweihundert Filmkritiker und Experten aus über vierzig Längern nach den hundert besten nicht englischsprachigen Filmen. Die Liste ist natürlich ein Angebot zur Diskussion (Ich meine, wie konnten sie ausgerechnet diese Perle der Filmkunst vergessen?) und zum Ansehen von Spielfilmen, die allein schon aufgrund des Expertenvotums, wichtige, sehenswerte und oft auch einflussreiche Filme sind.

Hier die Liste der Filme mit den englischen Titeln (manchmal identisch mit dem deutschen Titel, manchmal habe ich den deutschen Titel eingefügt, einige Filme wurden hier bereits abgefeiert):

100. Landscape in the Mist (Landschaft im Nebel) (Theo Angelopoulos, 1988)

99. Ashes and Diamonds (Asche und Diamant) (Andrzej Wajda, 1958)

98. In the Heat of the Sun (Jiang Wen, 1994)

97. Taste of Cherry (Abbas Kiarostami, 1997)

96. Shoah (Claude Lanzmann, 1985)

95. Floating Clouds (Mikio Naruse, 1955)

94. Where Is the Friend’s Home? (Abbas Kiarostami, 1987)

93. Raise the Red Lantern (Zhang Yimou, 1991)

92. Scenes from a Marriage (Ingmar Bergman, 1973)

91. Rififi (Jules Dassin, 1955)

90. Hiroshima Mon Amour (Alain Resnais, 1959)

89. Wild Strawberries (Wilde Erdbeeren) (Ingmar Bergman, 1957)

88. The Story of the Last Chrysanthemum (Kenji Mizoguchi, 1939)

87. The Nights of Cabiria (Die Nächte der Cabiria) (Federico Fellini, 1957)

86. La Jetée (Chris Marker, 1962)

85. Umberto D (Vittorio de Sica, 1952)

84. The Discreet Charm of the Bourgeoisie (Der diskrete Charme der Bourgeoisie) (Luis Buñuel, 1972)

83. La Strada (Federico Fellini, 1954)

82. Amélie (Die fabelhafte Welt der Amélie) (Jean-Pierre Jeunet, 2001)

81. Celine and Julie go Boating (Céline und Julie fahren Boot) (Jacques Rivette, 1974)

80. The Young and the Damned (Die Vergessenen) (Luis Buñuel, 1950)

79. Ran (Akira Kurosawa, 1985)

78. Crouching Tiger, Hidden Dragon (Ang Lee, 2000)

77. The Conformist (Der große Irrtum/Der Konformist) (Bernardo Bertolucci, 1970)

76. Y Tu Mamá También (Alfonso Cuarón, 2001)

75. Belle de Jour (Luis Buñuel, 1967)

74. Pierrot Le Fou (Jean-Luc Godard, 1965)

73. Man with a Movie Camera (Dziga Vertov, 1929)

72. Ikiru (Akira Kurosawa, 1952)

71. Happy Together (Wong Kar-wai, 1997)

70. L’Eclisse (Liebe 1962) (Michelangelo Antonioni, 1962)

69. Amour (Michael Haneke, 2012)

68. Ugetsu (Kenji Mizoguchi, 1953)

67. The Exterminating Angel (Luis Buñuel, 1962)

66. Ali: Fear Eats the Soul (Angst essen Seele auf)(Rainer Werner Fassbinder, 1973)

65. Ordet (Carl Theodor Dreyer, 1955)

64. Three Colours: Blue (Drei Farben: Blau) (Krzysztof Kieślowski, 1993)

63. Spring in a Small Town (Fei Mu, 1948)

62. Touki Bouki (Djibril Diop Mambéty, 1973)

61. Sansho the Bailiff (Kenji Mizoguchi, 1954)

60. Contempt (Die Verachtung) (Jean-Luc Godard, 1963)

59. Come and See (Elem Klimov, 1985)

58. The Earrings of Madame de… (Max Ophüls, 1953)

57. Solaris (Andrei Tarkovsky, 1972)

56. Chungking Express (Wong Kar-wai, 1994)

55. Jules and Jim (Jules und Jim) (François Truffaut, 1962)

54. Eat Drink Man Woman (Ang Lee, 1994)

53. Late Spring (Yasujirô Ozu, 1949)

52. Au Hasard Balthazar (Robert Bresson, 1966)

51. The Umbrellas of Cherbourg (Die Regenschirme von Cherbourg) (Jacques Demy, 1964)

50. L’Atalante (Jean Vigo, 1934)

49. Stalker (Andrei Tarkovsky, 1979)

48. Viridiana (Luis Buñuel, 1961)

47. 4 Months, 3 Weeks and 2 Days (Cristian Mungiu, 2007)

46. Children of Paradise (Marcel Carné, 1945)

45. L’Avventura (Die mit der Liebe spielen) (Michelangelo Antonioni, 1960)

44. Cleo from 5 to 7 (Agnès Varda, 1962)

43. Beau Travail (Claire Denis, 1999)

42. City of God (Fernando Meirelles, Kátia Lund, 2002)

41. To Live (Zhang Yimou, 1994)

40. Andrei Rublev (Andrei Tarkovsky, 1966)

39. Close-Up (Abbas Kiarostami, 1990)

38. A Brighter Summer Day (Edward Yang, 1991)

37. Spirited Away (Hayao Miyazaki, 2001)

36. La Grande Illusion (Die große Illusion) (Jean Renoir, 1937)

35. The Leopard (Der Leopard) (Luchino Visconti, 1963)

34. Wings of Desire (Der Himmel über Berlin) (Wim Wenders, 1987)

33. Playtime (Jacques Tati, 1967)

32. All About My Mother (Alles über meine Mutter) (Pedro Almodóvar, 1999)

31. The Lives of Others (Das Leben der anderen) (Florian Henckel von Donnersmarck, 2006)

30. The Seventh Seal (Das siebente Siegel) (Ingmar Bergman, 1957)

29. Oldboy (Park Chan-wook, 2003)

28. Fanny and Alexander (Fanny und Alexander) (Ingmar Bergman, 1982)

27. The Spirit of the Beehive (Victor Erice, 1973)

26. Cinema Paradiso (Giuseppe Tornatore, 1988)

25. Yi Yi (Edward Yang, 2000)

24. Battleship Potemkin (Panzerkreuzer Potemkim) (Sergei M Eisenstein, 1925)

23. The Passion of Joan of Arc (Die Passion der Jungfrau von Orléans) (Carl Theodor Dreyer, 1928)

22. Pan’s Labyrinth (Guillermo del Toro, 2006)

21. A Separation (Nader und Simin – Eine Trennung) (Asghar Farhadi, 2011)

20. The Mirror (Der Spiegel) (Andrei Tarkovsky, 1974)

19. The Battle of Algiers (Schlacht um Algier (Gillo Pontecorvo, 1966)

18. A City of Sadness (Hou Hsiao-hsien, 1989)

17. Aguirre, the Wrath of God (Aguirre, der Zorn Gottes) (Werner Herzog, 1972)

16. Metropolis (Fritz Lang, 1927)

15. Pather Panchali (Satyajit Ray, 1955)

14. Jeanne Dielman, 23 Commerce Quay, 1080 Brussels (Chantal Akerman, 1975)

13. M (Fritz Lang, 1931)

12. Farewell My Concubine (Chen Kaige, 1993)

11. Breathless (Außer Atem) (Jean-Luc Godard, 1960)

10. La Dolce Vita (Federico Fellini, 1960)

9. In the Mood for Love (Wong Kar-wai, 2000)

8. The 400 Blows (Sie küßten und sie schlugen ihn) (François Truffaut, 1959)

7. 8 1/2 (Federico Fellini, 1963)

6. Persona (Ingmar Bergman, 1966)

5. The Rules of the Game (Die Spielregel) (Jean Renoir, 1939)

4. Rashomon (Akira Kurosawa, 1950)

3. Tokyo Story (Yasujirô Ozu, 1953)

2. Bicycle Thieves (Fahrraddiebe) (Vittorio de Sica, 1948)

1. Seven Samurai (Die sieben Samurai) (Akira Kurosawa, 1954)

Insgesamt ist es eine gute Liste, die viele Klassiker und einige in Deutschland ziemlich unbekannte Filme enthält. Ad hoc fällt mir auf, dass „Der letzte Tango in Paris“ fehlt. Und einige deutsche Stummfilme wie „Nosferatu“ und „Der letzte Mann“ (beide von Friedrich Wilhelm Murnau). Aber dafür sind „M“ und „Metropolis“ (beide von Fritz Lang) dabei.

Und jetzt bin ich schon beim herummaulen, anstatt die noch nicht gesehenen Filme der Liste nachzuholen.


Neu im Kino/Filmkritik: „Grenzenlos“ – Ein Film von Wim Wenders

August 3, 2018

Wenige Wochen nach seinem nicht unproblematischem, aber insgesamt von der Kritik abgefeiertem Papst-Porträt „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ kehrt Wim Wenders mit „Grenzenlos“ wieder zum Spielfilm zurück. Seine Premiere hatte der Film bereits am 10. September 2017 beim Toronto International Film Festival und die Kritiker waren nicht entzückt.

Wenn man sich den Film anseht, versteht man schnell warum. Die sich sehr langsam herausschälende Geschichte besteht aus drei Erzählsträngen und zwei Zeitebenen. In einem Nobelhotel in der Normandie begegnen sich Danielle Finders (Alicia Vikander) und James More (James McAvoy). Sie ist eine Biomathematikerin, die an einem Tiefsee-Tauchprojekt mitarbeitet. Er behauptet, ein Entwicklungshelfer zu sein. In Wirklichkeit ist er ein Geheimagent. Sie verlieben sich ineinander und wissen schnell, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden haben.

Nach dem Hotelaufenthalt trennen sich ihre Wege. Sie fährt Richtung Norden, um an dem Forschungsprojekt teilzunehmen, das ihre Theorie über den Ursprung des Lebens beweisen soll. Dabei muss sie in der Grönlandsee in ungeahnte Tiefen tauchen. Er fliegt Richtung Süden. In Somalia soll er ein Islamistenlager, in dem Selbstmordattentäter ausgebildet werden, finden. Am Filmanfang vegetiert er allerdings in einem Gefängnis vor sich hin und kämpft um jeden Tropfen Wasser.

Sie erreicht ihn nicht und fragt sich, ob er sie noch liebt. Sie kämpft dabei um nicht beantwortete Nachrichten und einen fehlenden Smartphone-Empfang. Auf den Gedanken, dass er gerade keine Zeit oder Möglichkeit hat, ihr zu antworten, kommt sie nicht.

Diese Geschichte erzählt Wenders, wie gesagt, indem er zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Danielles und James‘ Geschichte hin- und herspringt, ohne dass daraus irgendeine produktive Reibung entsteht. Es wirkt immer wie eine verkopfte Konstruktion, die langweiliger Edelkitsch ohne tiefere Einsichten und Emotionen ist. Das wird auch nicht von den beiden Hauptdarstellern gerettet. Beide spielen unter ihrem Niveau.

Alicia Vikander, die für „The Danish Girl“ einen Oscar erhielt und zuletzt „Tomb Raider“ war, blickt durchgehend erschreckend emotionslos in die Kamera. Da überzeugt nichts. Sogar ein Fotomodell aus einem Werbekatalog hat mehr Tiefe.

James McAvoy („Drecksau“, „Split“ und Charles Xavier in mehreren „X-Men“-Filmen) blickt ähnlich emotionslos in die Kamera. Aber er spielt einen Geheimagenten, der berufsbedingt keine Emotionen zeigen darf. Dank seiner schieren Präsenz, gibt er erfolgreich seine Bewerbungsmappe für den übernächsten James-Bond-Film (wenn Daniel Craig nur noch einmal 007 spielt) ab.

Grenzenlos“ ist vielleicht nicht der schlechtester Film von Wim Wenders. Aber es ist in jedem Fall einer seiner misslungensten Filme und meilenweit weg von der Qualität seiner besten Filme, wie „Im Lauf der Zeit“, „Paris, Texas“ und „Der Himmel über Berlin“.

Am Ende bleibt nur ein verwegener Gedanke: Was hätte Werner Herzog aus dieser Geschichte für einen Film gemacht? Vielleicht keinen besseren (was schwer vorstellbar ist), aber in jedem Fall einen unterhaltsameren.

Grenzenlos (Submergence, USA 2017)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Erin Dignam

LV: J. M. Ledgard: Submergence, 2013

mit James McAvoy, Alicia Vikander, Alexander Siddig, Celyn Jones, Reda Kateb, Hakeemshady Mohamed

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Grenzenlos“

Metacritic über „Grenzenlos“

Rotten Tomatoes über „Grenzenlos“

Wikipedia über „Grenzenlos“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders

 


DVD-Kritik: Kleine Krimis mit großen Namen: Robert Pattinson hofft auf eine „Good Time“

März 26, 2018

Connie Nikas (Robert Pattinson, kaum zu erkennen) ist nicht gerade eine Geistegröße, aber er ist deutlich intelligenter als sein geistig zurückgebliebener Bruder Nick (Ben Safdie), der schon bei einfachen Fragen an seine Grenzen gerät. Connie sieht sich als großer Bruder als Nicks Beschützer. Deshalb holt er ihn am Anfang des Independent-Gangsterthrillers „Good Time“ aus einer psychiatrischen Klinik und begeht mit ihm einem schlecht geplanten Banküberfall.

Auf der improviserten Flucht wird Nick von der Polizei verhaftet. In der Haft wird er brutal zusammengeschlagen und ins Krankenhaus gebracht.

Währenddessen versucht Connie die Kaution zu beschaffen. Das Geld aus dem Banküberfall kann der Kleingangster, nachdem es von einer Farbbombe verschmutzt wurde, nicht benutzen. Auch seine anderen Versuche scheitern letztendlich. Also hat Connie die geniale Idee, seinen Bruder aus dem Krankenhaus zu entführen. Dummerweise entführt er den falschen Mann – und damit ist seine Pechsträhne in dieser chaotischen Nacht noch lange nicht beendet.

Robert Pattinson ist nach seinem „Harry Potter“- und „Twilight“-Ruhm immer noch in der schauspielerischen Phase, in der er sich ausprobiert und nicht auf kommerzielle Verwertbarkeit achtet. Nicht jeder dieser Filme ist gelungen und nicht jeder dieser Filme ist für ein großes Publikum gedacht, aber jeder dieser Filme zeigt, dass Pattinson mit interessanten Regisseuren zusammenarbeiten will, dass er sich ausprobieren will und sich dabei nicht mit einer weiteren erfolgreichen Serie auf dem Ruhm zweier erfolgreicher Serien ausruhen möchte. Das führt zu Filmen wie „Cosmopolis“ und „Maps to the Stars (beide von David Cronenberg), „Königin der Wüste“ (Werner Herzogs schlechtester Film), Anton Corbijns Dennis-Stock-James-Dean-Biopic „Life“, „Die versunkene Stadt Z“ (James Grays epischster Film) und jetzt „Good Time – Wettlauf gegen die Zeit“. In dem von den Safdie-Brüdern inszenierten New-York-Gangsterfilm stolpert Pattinson hektisch und ziemlich kopflos von einer beschissenen Situation zur nächsten.

Der düstere Thriller ist ein hochenergetischer, in einer Nacht in New York abseits jeglicher Touristenpfade spielender Fiebertrip. Die Brüder Ben und Joshua Safdie inzenierten ihre Geschichte fast ausschließlich in dreckigen Nahaufnahmen, die nie den Wunsch nach einer Kinopräsentation wecken.

Bei all dieser Energie bleiben allerdings die Charaktere auf der Strecke. Und die Geschichte ist eine pausenlose Abfolge hysterischer und chaotischer Situationen, in denen die Kleingangster schnell an ihre Grenzen stoßen.

Good Time – Wettlauf gegen die Zeit (Good Time, USA 2017)

Regie: Ben Safdie, Joshua Safdie

Drehbuch: Ben Safdie, Joshua Safdie, Ronald Bronstein

mit Robert Pattinson, Jennifr Jason Leigh, Ben Safdie, Taliah Webster, Buddy Duress

DVD

Ascot Elite Home Entertainment

Bild: 2.38:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Interviews, Deutscher Trailer, Trailershow

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite des Films 

Moviepilot über „Good Time“

Metacritic über „Good Time“

Rotten Tomatoes über „Good Time“

Wikipedia über „Good Time“ (deutsch, englisch)

DP/30 lässt die Safdie-Brüder und Robert Pattinson über den Film reden

Die Film Society of Lincoln Center unterhält sich mit den Safdie-Brüdern, Co-Drehbuchautor Ronald Bronstein und Robert Pattinson

 


TV-Tipp für den 29. Oktober: Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht

Oktober 28, 2017

3sat, 22.00
Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Deutschland 2013)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Gert Heidenreich
Grandioses, fast vierstündiges Alterswerk von Edgar Reitz, in dem er vom Leben der Familie Simon im Hunsrückdorf Schabbach um 1840, zwischen hartem Alltag, Hungersnöten und revolutionärem Aufbruch erzählt. Einer der Simon-Jungs möchte, wie viele Hunsrücker, nach Brasilien auswandern, wo er auf ein besseres Leben hofft.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung zum Kino- und DVD-Start (mit unterschiedlichem Bonusmaterial).
mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer, Rüdiger Kriese, Philine Lembeck, Mélanie Fouché, Eva Zeidler, Reinhard Paulus, Christoph Luser, Werner Herzog

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die andere Heimat“

Moviepilot über „Die andere Heimat“

Wikipedia über „Die andere Heimat“

Homepage von Edgar Reitz

Kriminalakte über „Die andere Heimat“

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ “Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht” (Deutschland 2013) (mit weiteren Clips)

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ (Deutschland 2013) (DVD-Kritik)

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ „Heimat – Eine deutsche Chronik: Die Kinofassung – Das Jahrhundert-Epos in Texten und Bildern“ (2015)

Homepage von Michael Riessler


TV-Tipp für den 5. September: Wovon träumt das Internet?

September 4, 2017

3sat, 22.25

Wovon träumt das Internet? (Lo and Behold, Reveries of the Connected World, USA 2016,)

Regie: Werner Herzog

Drehbuch: Werner Herzog

Herzlichen Glückwunsch zum heutigen 75. Geburtstag, Werner Herzog!

Aus diesem Anlass zeigt 3sat, als TV-Premiere, seine Doku „Wovon träumt das Internet?“ (Werner Herzogs Streifzug durch das Internet) und, um 00.05 Uhr, seine Doku „Tod in Texas“ (2012, Werner Herzogs Besuche bei Todeskandidaten in texanischen Gefängnissen).

Der BR zeigt parallel, ab 23.30 Uhr seine Doku „Mein liebster Feind“ (über seine Filme mit Klaus Kinski).

Bei all den Dokus vergisst man leicht, das Werner Herzog eigentlich ein Spielfilmregisseur ist. Zum Beispiel drehte er mit Klaus Kinski 1972 in Peru „Aguirre, der Zorn Gottes“. Den Film zeigt der BR morgen; – also, genaugenommen und taggenau läuft der Film am Donnerstag, den 7. September, um 00.40 Uhr (VPS 00.39) und es ist ein Klassiker des deutschen Films.

Am Donnerstag, den 7. September, zeigt 3sat um 22.25 Uhr Herzogs Thrillerdrama „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ (USA 2009).

Hinweise

3sat über „Wovon träumt das Internet?“

Rotten Tomatoes über „Wovon träumt das Internet?“

Wikipedia über „Wovon träumt das Internet?“

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Königin der Wüste“ (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Salt and Fire“ (Salt and Fire, Deutschland/USA/Frankreich/Mexiko 2016)

Werner Herzog in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. August: Von Britannien nach Bagdad: Gertrude Bell

August 21, 2017

Arte, 20.15

Von Britannien nach Bagdad: Gertrude Bell (Letters from Baghdad, Frankreich/USA 2015, Regie: Zeva Oelbaum, Sabine Krayenbuhl)

Drehbuch: Zeva Oelbaum, Sabine Krayenbuhl

Spielfilmlange Doku über Gertrude Bell (1868 – 1926), die als Orient-begeister Britin ihr halbes Leben durch den Orient reiste, wenig begeistert vom Gehabe der Kolonialherren war und nach dem Ersten Weltkrieg involviert in die damalige Grenzziehung des Irak war, die für die heutigen Probleme mindestens mitverantwortlich (einige würden sogar sagen verantwortlich) ist.

Die Doku kann nur besser und informativer als Werner Herzogs missglücktes Bell-Biopic „Königin der Wüste“ sein.

Danach, um 21.45 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „100 Jahre Krieg in Nahost: Das Sykes-Picot-Geheimabkommen und seine fatalen Folgen“ (Deutschland 2016).

Wiederholung: Donnerstag, 24. August, 10.25 Uhr

Hinweise

Arte über „Von Britannien nach Bagdad: Gertrude Bell“

Rotten Tomatoes über „Von Britannien nach Bagdad: Gertrude Bell“

Wikipedia über „Von Britannien nach Bagdad: Gertrude Bell“ 


Neu im Kino/Filmkritik: Percy Fawcett sucht im Amazonas „Die versunkene Stadt Z“

März 31, 2017

Seine letzten beiden, von der Kritik hochgelobten Dramen „Two Lovers“ und „The Immigrant“ erlebten bei uns nur eine DVD-Premiere. Zuletzt lief vor zehn Jahren sein grandioser Krimi „Helden der Nacht – We own the Night“ in unseren Kinos.

Mit „Die versunkene Stadt Z“ kehrt James Gray jetzt zurück in unsere Kinos und es ist, im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen, die alle in New York City spielen, ein Ausflug in unbekannte Gefilde. Denn Gray erzählt die Geschichte des Forschers Percival  ‚Percy‘ Fawcett, der zwischen 1906 und 1925 mehrere Reisen nach Südamerika unternahm. Damals war der Dschungel auf der Landkarte ein weißer Fleck. Seine erste Mission, im Auftrag der Royal Geographical Society, war daher ein banaler, unter seiner Würde liegender Grenzvermessungsauftrag im Regenwald von Brasilien und Bolivien, den der Soldat ohne große Begeisterung annimmt. Nur die Aussicht, so seine gesellschaftliche Position entscheidend zu verbessern und den gesellschaftlichen Bannfluch, der über seine Familie und Herkunft ausgesprochen wurde, entkommen zu können, versüßt ihm die lange Abwesenheit von seiner Familie. Seine erste Reise beginnt im Juli 1906 und endet 1908.

Im Regenwald, bei ihrer Expedition zum Quellgebiet des Rio Verde, entdeckt er Spuren einer alten, legendären Stadt. Sie könnte von einer früheren Hochkultur stammen.

In den kommenden Jahren unternimmt er, unterbrochen vom 1. Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnimmt und schwer verwundet wird, Aufenthalten bei seiner Familie und Versuchen, die Finanzierung für die Reisen zusammenzubekommen, mehrere Forschungsreisen in den Amazonas.

1925 verschwindet er bei seiner siebten Forschungsreise, die er mit seinem Sohn Jack unternimmt, spurlos im Regenwald.

Für seinen in Nordirland und Kolumbien (in der Gegend um Santa Marta) gedrehten Abenteuerfilm „Die versunkene Stadt Z“ folgt James Gray dem wahren Schicksal von Percy Fawcett, das David Grann zuerst in einer längeren Reportage für die 2005er September-Ausgabe von „The New Yorker“ und 2009 in dem Sachbuch „The lost City of Z: A Tale of deadly Obsession in the Amazon“ aufzeichnete. Auch wenn im Film von Fawcetts sieben Reisen nur drei erzählt werden. In dem aus Grays vorherigen Filmen bekanntem langsamen Erzähltempo, das sich mehr auf seine Charaktere und ihre Gefühle als auf eine hyperenergetisch vorangetriebene Geschichte konzentriert. Damit liegt er quer zu den heutigen Sehgewohnheiten. Das muss man mögen.

Das Erzähltempo ist deshalb nicht das große Problem seines neuesten Films. Es ist das zunehmend redundante Hin und Her zwischen England und dem Amazonas. Auch weil die in England spielenden Teile die Geschichte von Fawcett nicht voranbringen. Sie vermitteln ein gutes Bild der damaligen Zeit und der Beziehungen und der Dynamiken in der Familie Fawcett (Wie geht seine Frau mit seiner ständigen, jahrelangen Abwesenheit um? Wie gehen seine Kinder damit um, dass sie letztendlich keinen Vater haben?), aber die eigentliche Geschichte spielt im Regenwald.

Dort sucht awcett die versunkene Stadt Z, kämpft dabei mit allen möglichen Gefahren und lernt auch die indigene Bevölkerung kennen. Davon hätte man gerne mehr gesehen. Auch wenn „Die versunkene Stadt Z“ – dieser Vergleich muss unter Filmkunstfans sein – nicht Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“ (gedreht in Peru) ist. Aber Herzog hatte Klaus Kinski. Gray hat ’nur‘ „Sons of Anarchy“ Charlie Hunnam, der für die Rolle zwar ordentlich abnahm, aber immer der vernünftige britische Forscher bleibt.

Insofern ist „Die versunkene Stadt Z“, und das sage ich als James-Gray-Fan, ein eher enttäuschender Film, der mich niemals so packte, wie ich hoffte und der einfach zu sehr, fast schon wie ein klassisches Biopic, an der Chronologie der Ereignisse festhält, anstatt sich einfach nur auf eine, für das Leben des Porträtierten, aussagekräftige Episode zu konzentrieren. Oder, wie früher, als Regisseure die Fakten einfach zugunsten einer guten Geschichte ignorierten.

Die versunkene Stadt Z (The lost City of Z, USA 2016)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray

LV: David Grann: The lost City of Z: A Tale of deadly Obsession in the Amazon, 2009 (Die versunkene Stadt Z)

mit Charlie Hunnam, Sienna Miller, Tom Holland, Robert Pattinson, Angus Macfadyen, Edward Ashley

Länge: 141 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die versunkene Stadt Z“

Metacritic über „Die versunkene Stadt Z“

Rotten Tomatoes über „Die versunkene Stadt Z“

Wikipedia über „Die versunkene Stadt Z“

Berlinale über „Die versunkene Stadt Z“

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Die Pressekonferenz beim NYFF

Arte unterhält sich mit James Gray über den Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Elvis & Nixon“, „Salt and Fire“, Michael Shannon und Kevin Spacey, Michael Shannon und Veronica Ferres

Dezember 9, 2016

Wann schläft Michael Shannon eigentlich? Am 22. Dezember kommt der Arthouse-Thriller „Nocturnal Animals“ mit ihm in einer Nebenrolle in die Kinos. Vor einigen Monaten lieferte er ein „Midnight Special“ und diese Woche laufen zwei Filme mit ihm als Hauptdarsteller an. In „Elvis & Nixon“ spielt er Elvis Presley. In „Salt and Fire“, dem neuen Werner-Herzog-Film, spielt er den Entführer Matt Riley.

Er entführt Prof. Dr. Laura Sommerfeld (Veronika Ferres). Sie ist die Leiterin einer wissenschaftlichen Delegation. Im Auftrag der Vereinten Nationen sollen sie in Bolivien herausfinden, was und wer eine große Umweltkatastrophe auslöste, durch die sich der Salzsee Diablo Blanco unerbittlich ausdehnt. Sie glaubt, dass ein global agierender Konzern dafür verantwortlich ist. Riley ist der CEO dieser Firma.

Nachdem Werner Herzogs letzter Film „Königin der Wüste“ mit Nicole Kidman als Gertrude Bell nur 08/15-Hollywood-Schnulzenkino war, ist „Salt and Fire“ wieder ein richtiger Herzog-Film, der uns in eine fremde Landschaft entführt. Denn die zweite Hälfte des Films spielt auf dem Salzsee Diablo Blanco. Dort wird Sommerfeld mit zwei blinden, einheimischen Kindern auf einer kleinen Felseninsel ausgesetzt. Sie haben Lebensmittel für eine Woche. Sie können sich nicht miteinander verständigen. Und Sommerfeld hat keine Ahnung, warum sie zu der kleinen Felseninsel im Salzsee gebracht wurde.

Das ist, gedreht wurde in der riesigen Salzlandschaft der Salar de Uyuni in Bolivien, der visuell beeindruckendere Teil des betont eigenwilligen, aber letztendlich auch idiotischen Films. Denn Riley und seine Helfer führen die Entführung von Sommerfeld und ihrem Team professionell durch und auch in dem abgelegenem Haus, in dem sie gefangen gehalten werden, verhalten sie sich sehr vernünftig. Die Situation und auch die Machtspiele zwischen Geisel und Geiselnehmer schildert Herzog spannend. Auch die Gespräche zwischen Sommerfeld und Riley, der Philosophen zitiert, Weisheiten von sich gibt und an seiner Existenz und seinem Leben zweifelt, sind spannend, weil Riley die Erwartungen, die man an den Chef eines umweltzerstörenden Konzerns hat, unterläuft und er eher wie ein umweltschützender Philosoph wirkt.

Aber dann kommt die seltsame zweite Hälfte, in der man sich fragt, was Riley erreichen will. Denn der Ökoterrorist setzt die Person mitten in der Salzwüste aus, die schon aufgrund ihres Auftrages verpflichtet ist, sein Anliegen zu unterstützen. Und wenn er sie nicht wieder aus dieser Lage befreit, wird seine potentielle Verbündete sterben.

So hat „Salt and Fire“ zwar durchgehend den Herzog-Touch, aber der letztendlich interessant gescheiterte Film zerfällt in zwei Teile und hat, wenn man traditionelle Beurteilungsmaßstäbe anlegt, eine unglaubwürdige Geschichte. Herzog selbst nennt „Salt and Fire“ allerdings einen „Tagtraum, der den Regeln des Kinos nicht folgt“. Das verdeutlicht er schon in den ersten Minuten, wenn das Forscherteam entführt und dabei höflich wie Staatsgäste behandelt wird. Es ist ein gesittetes Theater, bei dem sich dann auch die Überraschung, wenn einer der Entführer, der zunächst im Rollstuhl saß, plötzlich steht, in Grenzen hält. Er ist nicht behindert; er hat nur manchmal keine Lust, alleine zu gehen. Und Herzog hat dieses Mal keine Lust, eine konventionelle Kinogeschichte zu erzählen.

Salt and Fire“ folgt eher einer Traumlogik und dem absurden Theater. Mit einprägsamen Bildern aus Bolivien, die man sich in einer Mischung aus Staunen und ungläubigem Kopfschütteln ansieht.

 

Unglaubwürdig, aber wahr (mehr oder weniger) ist die Geschichte von „Elvis & Nixon“. Am 21. Dezember 1970 traf sich US-Präsident Richard Nixon im Oval Office mit Elvis Presley. Von dem Treffen gibt es ein Bild, aber keinen Tonmitschnitt. Denn Nixon begann seine paranoide Alles-aufnehmen-Politik erst im Februar 1971.

Liza Johnson erzählt jetzt, schön pointiert, mit viel Zeitkolorit und liebevoll die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Politik und Pop, zwischen den ähnlich gestressten Helfern des Präsidenten und des Rockstars ausspielend, wie es zu dem Treffen kam. Denn Elvis Presley war von der Jugendkultur, der Gegenkultur, den Hippies und ihrem Drogenkonsum angeekelt. Er will etwas dagegen tun und möchte Nixon vorschlagen, dass er als Bundesagent für das Land arbeitet und undercover die kommunistische Gegenkultur und ihre Drogenringe infiltrieren möchte.

Nixon, hübsch grantig von Kevin Spacey gespielt, möchte sich allerdings nicht mit dem Entertainer treffen. Aber seine Tochter hätte gerne ein Autogramm.

Michael Shannon spielt Presley und bleibt dabei letztendlich immer Michael Shannon. Das liegt allerdings auch an den unzähligen Elvis-Imitatoren und den unzähligen bekannten Bildern von Elvis in seinen verschiedenen Lebensphasen und seinen vielen Spielfilmen, die immer wieder im Nachmittagsprogramm laufen. Da fällt in jeder Sekunde auf, dass Elvis Presley und Michael Shannon, der Elvis auf dem schmalen Grad zwischen Mensch und Parodie spielt, verschieden aussehen.

Ein viel größeres Problem von „Elvis & Nixon“ ist allerdings die eingesetzte Musik. Es gibt kein einziges Elvis-Lied (wobei seine für die Popgeschichte wichtigen Songs in den Fünfzigern erschienen und er damals, nach seiner Hollywood-Karriere, vor allem in Las Vegas live spielte und belanglosen Breitwand-Pop ablieferte). Stattdessen werden Songs von Blood, Sweat & Tears, Creedence Clearwater Revival und Otis Redding gespielt. Es sind heute immer noch coole Songs, die Elvis in dem Film eine vermeintliche Hipness verleihen, die er damals nicht hatte. Für die Jugendkultur war er ein Teil des verhassten Establishments – und seine Wunsch, als Undercover-Agent den Drogensumpf der Gegenkultur trockenzulegen, bestätigt ihre Einschätzung. Auch wenn Elvis‘ selbstgewählte Mission nie mehr als eine spinnerte Idee eines von der Welt abgehobenen Stars war.

Elvis & Nixon“ erzählt eine in jeder Beziehung unbedeutende Anekdote, die zu einem neunzigminütigem Spielfilm aufgeblasen wird und Elvis inszeniert, als sei er noch ein Teil des jugendlichen Aufbegehrens gegen die Gesellschaft.

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Salt and Fire (Salt and Fire, Deutschland/USA/Frankreich/Mexiko 2016)

Regie: Werner Herzog

Drehbuch: Werner Herzog

LV: Tom Bissell: Aral (Kurzgeschichte, erschienen in „God Lives in St. Petersburg: Short Stories“, 2006)

mit Veronica Ferres, Michael Shannon, Gael Garcia Bernal, Lawrence Krauss, Volker Michalowski, Danner Ignacio Marquez Arancibia, Gabriel Marquez Arancibia

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Salt and Fire“

Moviepilot über „Salt and Fire“

Metacritic über „Salt and Fire“

Rotten Tomatoes über „Salt and Fire“

Wikipedia über „Salt and Fire“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Königin der Wüste“ (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)

Werner Herzog in der Kriminalakte

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Elvis & Nixon (Elvis & Nixon, USA/Deutschland 2016)

Regie: Liza Johnson

Drehbuch: Joey Sagal, Hanala Sagal

mit Michael Shannon, Kevin Spacey, Alex Pettyfer, Johnny Knoxville, Colin Hanks, Evan Peters, Sky Ferreira, Tracy Letts

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Elvis & Nixon“

Metacritic über „Elvis & Nixon“

Rotten Tomatoes über „Elvis & Nixon“

Wikipedia über „Elvis & Nixon“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. April: Ein fürsorglicher Sohn

April 14, 2016

 

3sat, 22.30

Ein fürsorglicher Sohn (USA/Deutschland 2009, Regie: Werner Herzog)

Drehbuch: Herbert Golder, Werner Herzog

Zwei Polizisten wollen einen Geiselnehmer zur Aufgabe bewegen. Er soll seine Mutter ermordet haben und er scheint ein Problem mit der Realität zu haben.

Werner Herzog durchsetzt den Thriller mit sardonisch-absurden und philosophisch-surrealen Spitzen und löst die Handlung mittels Rückblenden in eine bezugsreiche Bricolage auf.“ (Lexikon des Internationalen Films)

Ein großer Spaß halt.

Avantgarde-Jazzer Ernst Reijseger schrieb die Musik.

Mit William Dafoe, Chloë Sevigny, Michael Shannon, Brad Dourif, Loretta Devine, Udo Kier, Michael Peña

auch bekannt als „My Son, My Son, What Have Ye Done?“ (Originaltitel und der deutsche DVD-Titel)

Hinweise

Moviepilot über „Ein fürsorglicher Sohn“

Metacritic über „Ein fürsorglicher Sohn“

Rotten Tomatoes über „Ein fürsorglicher Sohn“

Wikipedia über „Ein fürsorglicher Sohn“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Königin der Wüste“ (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)

Werner Herzog in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. Oktober: Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen

Oktober 28, 2015

Eins Plus, 22.15

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (USA 2009, Regie: Werner Herzog)

Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)

Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.

Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind. Neben den vielen Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.

Doch 2009, mit dem grandiosen Remake eines Genrefilms, das sich kaum an die Vorlage hält, und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury kehrte er zurück in die deutschen Kinosäle.

Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.

Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bad Lieutenant“

Metacritic über “Bad Lieutenant”

Rotten Tomatoes über “Bad Lieutenant”

Wikipedia über “Bad Lieutenant” (deutsch, englisch)

Die Zeit: Interview mit Werner Herzog (4. Februar 2010)

Berliner Zeitung porträtiert Werner Herzog (11. Februar 2010)

Kriminalakte über “Bad Lieutenant” und über Werner Herzog

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Königin der Wüste“ (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)


TV-Tipp für den 26. August: Die andere Heimat

August 26, 2015

Arte, 20.15
Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Deutschland 2013)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Gert Heidenreich
Grandioses, fast vierstündiges Alterswerk von Edgar Reitz, in dem er vom Leben der Familie Simon im Hunsrückdorf Schabbach um 1840, zwischen hartem Alltag, Hungersnöten und revolutionärem Aufbruch erzählt. Einer der Simon-Jungs möchte, wie viele Hunsrücker, nach Brasilien auswandern, wo er auf ein besseres Leben hofft.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung zum Kino- und DVD-Start (mit unterschiedlichem Bonusmaterial).
mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer, Rüdiger Kriese, Philine Lembeck, Mélanie Fouché, Eva Zeidler, Reinhard Paulus, Christoph Luser, Werner Herzog

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die andere Heimat“

Moviepilot über „Die andere Heimat“

Wikipedia über „Die andere Heimat“

Homepage von Edgar Reitz

Kriminalakte über „Die andere Heimat“

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ “Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht” (Deutschland 2013) (mit weiteren Clips)

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ (Deutschland 2013) (DVD-Kritik)

Homepage von Michael Riessler


TV-Tipp für den 16. Februar: Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen

Februar 16, 2015

Arte, 21.40

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (USA 2009, Regie: Werner Herzog)

Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)

Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.

Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind. Neben den vielen Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.

Doch 2009, mit dem grandiosen Remake eines Genrefilms, das sich kaum an die Vorlage hält, und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury kehrte er zurück in die deutschen Kinosäle.

Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.

Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif

Wiederholung: Donnerstag, 19. Februar, 23.45 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bad Lieutenant“

Metacritic über “Bad Lieutenant”

Rotten Tomatoes über “Bad Lieutenant”

Wikipedia über “Bad Lieutenant” (deutsch, englisch)

Die Zeit: Interview mit Werner Herzog (4. Februar 2010)

Berliner Zeitung porträtiert Werner Herzog (11. Februar 2010)

Kriminalakte über “Bad Lieutenant” und über Werner Herzog


Neu im Kino/Filmkritik: Über Wim Wenders‘ Sebastião-Salgado-Dokumentation „Das Salz der Erde“

Oktober 31, 2014

Wenn Wim Wenders einen Dokumentarfilm dreht, will er nicht über Mißstände aufklären (das macht Michael Moore) oder in neue Welten vorstoßen (das macht Werner Herzog), sondern er will von Künstlern und Dingen, die ihm etwas bedeuten, erzählen. Eigentlich sind seine Dokumentation eine Entschuldigung, um Künstlern Nahe zu sein, die er bewundert. So erzählt er in „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“ von dem japanischen Modemacher Yohji Yamamoto. „Buena Vista Social Club“ und „Viel passiert – Der BAP-Film“ waren Musikfilme. „Pina – Ein Tanzfilm in 3D“ eine Liebeserklärung an Pina Bausch und ihr Tanztheater. Oft waren diese persönlichen Filmessays an der Kinokasse sogar sehr erfolgreich.
In „Das Salz der Erde“ porträtiert er den Fotografen Sebastião Salgado, dessen Bilder ihn beeindruckten: „Ich kenne Sebastião Salgados Arbeit seit fast 25 Jahren. Ich habe damals zwei Fotoarbeiten von ihm erworben, die mich wirklich tief berührten. Ich habe sie rahmen lassen und seitdem hängen sie über meinem Schreibtisch. Inspiriert von diesen Fotografien, habe ich dann auch die Ausstellung ‚Workers‘ gesehen, die mich ebenfalls sehr beeindruckte. Seitdem habe ich die größte Hochachtung vor Sebastiãos Arbeit.“
Diese aufrichtige Bewunderung für ein Werk und seine Zuneigung zu dem Porträtierten sind für eine kritische Dokumentation natürlich Gift. Wenders ist ein Fanboy und „Das Salz der Erde“ erzählt von seinem Fantum, gewohnt respektvoll und, hauptsächlich, in atemberaubenden Schwarz-Weiß-Bildern, weil Sebastião Salgado ebenfalls in Schwarz-Weiß fotografiert und immer einen sehr kunstvollen Bildaufbau hat.
Wenders inszenierte den Dokumentarfilm zusammen mit Salgados Sohn Juliano Ribeiro, weil Vater und Sohn Salgado für ihr schon länger geplantes Projekt über den fotografierenden Vater einen Blick von Außen haben wollten. Mit Wim Wenders haben sie den richtigen Partner gefunden.
So beeindruckend die Bilder des Films auch sind, so herkömmlich ist die gewählte Struktur, die einfach Salgados Leben chronologisch nacherzählt und auf genauere Nachfragen oder einen kritischeren Blick verzichtet. Denn bei seinen monatelangen Reisen zu den Krisenherden der Welt und in abgelegene Gebiete war Sebastião Salgado für seinen 1974 geborenen Sohn und seine Frau Lélia Wanick, mit der er seit über fünfzig Jahren verheiratet ist und die anscheinend die Geschäfte führt, nicht erreichbar. Aber das wäre ein anderer Film geworden. Ein Film, an dem Wim Wenders, wie in seinen anderen Dokumentationen, kein Interesse hatte. Er wollte die Arbeit von Salgado einem breiten Publikum vorstellen. Dafür erzählt er chronologisch dessen Leben von seiner Kindheit in Brasilien, seiner kurzen Karriere als Ökonom in London, seinen Anfängen als Fotograf ab 1973 und schließlich seine großen, oft in jahrelanger Arbeit erstellten Projekte, die auch zu gefeierten Bildbänden wurden, wie „Other Americans“, „Sahel“, „Workers“, „Exodus“ und „Afrika“ bis hin zu seinem neueste Projekt „Genesis“, das er 2004 begann und in dem er, nachdem er vorher das Elend der Welt in seinen Bildern zeigte, sich der Natur und Gemeinschaften, die im Einklang mit ihren Traditionen leben, widmet. Auch dafür reist er, öfters begleitet von seinem Sohn Juliano Ribeiro Salgado, an entlegene Orte. Gleichzeitig widmet er sich einem Wiederaufforstungsprojekt auf der Familienranch der Salgados in Aimorés. In diesen Momenten stellt sich auch eine gewisse Langeweile ein: noch ein Projekt, noch eine Ausstellung, die buchhalterisch hintereinander von Wenders und Salgado abgehakt werden.

Das Salz der Erde - Plakat
Das Salz der Erde (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)
Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado
Drehbuch: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, David Rosier
mit Sebastião Salgado, Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, Hugo Barbier, Jacques Barthélémy, Lélia Wanick Salgado
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Das Salz der Erde“
Film-Zeit über „Das Salz der Erde“
Moviepilot über „Das Salz der Erde“
Rotten Tomatoes über „Das Salz der Erde“
Wikipedia über „Das Salz der Erde“ (deutsch, englisch) und Sebastião Salgado

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. Oktober: Jack Reacher

Oktober 5, 2014

Pro7, 20.15
Jack Reacher (Jack Reacher, USA 2012)
Regie: Christopher McQuarrie
Drehbuch: Christopher McQuarrie
LV: Lee Child: One Shot, 2005 (Sniper)
Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.
„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher.
Nachdem lange unklar war, ob es einen zweiten Jack-Reacher-Film gibt (dabei war das Einspielergebnis überzeugend), soll jetzt der Jack-Reacher-Roman „Never go back“ verfilmt werden. Aber zuerst ist Tom Cruise auf einer weiteren „Mission: Impossible“.
mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)
Wiederholung: Montag, 6. Oktober, 00.55 Uhr (Taggenau!)
Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Jack Reacher“

Metacritic über „Jack Reacher“

Rotten Tomatoes über „Jack Reacher“

Wikipedia über „Jack Reacher“ (deutsch, englisch)

Homepage von Lee Child

Wikipedia über Lee Child (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“

 


DVD-Kritik: „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ jetzt für das heimische Kino

Juli 11, 2014

Nachdem Edgar Reitz‘ Alterswerk „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ bereits etliche Preise abräumte (was erwartbar war) und auch an der Kinokasse ein veritabler Erfolg war (was so nicht erwartbar war), erscheint der vierstündige Film jetzt auf DVD und Blu-ray. Allein letztes Kalenderjahr sahen sich über 120.000 Menschen den Film an, was wegen der Länge (es gibt eine Pause), des SW und der antidramatischen Erzählweise beachtlich ist.
Zum Kinostart schrieb ich über den Film und das zum Film erschienene Buch:

Schwarzweiß und gut vier Stunden. Das sind die Eckdaten, die den neuen Film von Edgar Reitz zu einem Film für eine ausgewählte Zuschauermenge machen. Da hilft es auch nicht, dass „The Artist“ (der sogar ein Stummfilm war) erfolgreich war und dass Hollywood-Blockbuster immer länger werden und deshalb manchmal gleich als Zweiteiler ins Kino kommen. Auch Reitz hat ungefähr in der Filmmitte eine Pause eingefügt, die vor allem für einige Dehn- und Streckübungen gut ist. Denn im Gegensatz zu Quentin Tarantinos Racheepos „Kill Bill“, das als Zweiteiler im Kino lief, dessen Teile sich stark unterscheiden und so sogar die kommerzielle Entscheidung rechtfertigte (zwei getrennte Teile sind zwei Filme, ergo zweimal Eintritt), ist Edgar Reitz’ „Die andere Heimat“ die epische Chronik einer sich für den Protagonisten Jakob Simon nicht erfüllenden Sehnsucht, die während der großen Auswanderungswelle im Hunsrück in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und vor der deutschen Revolution von 1848 spielt.
1842 will der Neunzehnjährige, eine vergeistigte Leseratte, nach Brasilien, in das Land seiner Träume, auswandern. Diese Welt erscheint ihm viel spannender als das Leben in dem Hunsrückdorf Schabbach.
Edgar Reitz erzählt die Geschichte von Jakob und den Schabbachern betont undramatisch. Oft treffen die Charaktere wichtige Entscheidungen außerhalb des Films und auch viele Hintergründe zu Politik, Wirtschaft und dem alltäglichen Leben werden als bekannt vorausgesetzt oder erschließen sich durch die Beobachtung des damaligen Alltags. Entsprechend viel Zeit nimmt sich der Film, der fast wie eine Dokumentation über das damalige Leben wirkt, auch für das Zeigen von alltäglichen Arbeiten. Die damit verbundene Ruhe ist anfangs faszinierend, weicht aber mit zunehmender Laufzeit einer gewissen Langeweile.
Denn „Die andere Heimat“ erzählt nicht nur von Jakob, sondern auch von seinem Bruder Gustav, den beiden jungen Frauen Jettchen und Florinchen, die in die Brüder verliebt sind, aber die Beziehung ganz pragmatisch angehen, dem Graveur Franz Olm und dem Leben im Wandel der Jahreszeiten zwischen Geburt und Tod, wobei die einzelnen Ereignisse, wie in einer Chronik, nebeneinander stehen und sich nicht immer beeinflussen. Reitz erzählt, mit großer Ruhe, beobachtend von den Zufälligkeiten des Lebens und gibt für die Hauptgeschichte nebensächlichen Ereignissen einen breiten Raum, während wichtige Entscheidungen im Off oder schweigend getroffen werden. Im Kino funktioniert diese epische Erzählweise, im Gegensatz zur im Schüren-Verlag erschienenen, von Edgar Reitz geschriebenen Filmerzählung, nur bedingt. Hier hätte die Konzentration auf den Protagonisten und eine ordentliche Kürzung auf eine publikumsfreundliche Laufzeit gut getan.
Im Fernsehen, als Vierteiler, dürfte „Die andere Heimat“, trotz der die große Leinwand fordernden Cinemascope-Bilder des „Heimat“-erfahrenen Kameramanns Gernot Roll, die dem Hunsrück eine ungeahnte, fast schon Western-hafte Weite verleihen, als ein fast schon willkürlicher Ausschnitt aus zwei Jahre im Leben von Jakob Simon deutlich besser funktionieren.
Immerhin entstanden auch seine anderen „Heimat“-Filme für das Fernsehen und gerade „Heimat – Eine deutsche Chronik“ (1984), die erste „Heimat“-Serie, die Edgar Reitz einen „Zyklus von 11 Spielfilmen“ nannte, spielt auch in Schabbach und erzählt vom Leben der Familie Simon von 1919 bis 1982. Im Zentrum steht die 1900 geborenen Maria (Marita Breuer). „Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend“ (1992) erzählt die Geschichte von Hermann Simons (Henry Arnold) Studienjahren von 1960 bis 1970 in München. Ähnlichkeiten mit Edgar Reitz’ Leben, der am 1. November 1932 in dem Hunsrückdorf Morbach geboren wurde und nach München zog, sind nicht zufällig. Mit „Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende“ (2004), die von 1989 bis 2000 spielt, kehrt er, wieder mit Hermann Simon als Protagonisten, in den Hunsrück zurück und erzählt, etwas konfus (was auch an den vom Fernsehen veranlassten Kürzungen auf 90-Minuten-Happen liegen kann), von den neunziger Jahren und dem Vereinigungsprozess.
„Die andere Heimat“ bildet jetzt, mit einer Rückkehr in den Hunsrück und in die Vergangenheit der Familie Simon den würdigen Abschluss seines Lebenswerkes. Denn dass er noch einen weiteren Spielfilm dreht, dürfte unwahrscheinlich sein.
Die Musik ist von Michael Riessler, der auch für „Heimat 3“ die Musik schrieb.

Das Filmbuch

Pünktlich zum Filmstart erschien im Schüren-Verlag auch das Buch zum Film, in dem Edgar Reitz die Filmgeschichte nacherzählt, die im Buch besser funktioniert als im Kino, und um einige Details und Hintergründe ergänzt, die die Lücken im Film ausfüllen, die Reitz bewusst gelassen hat:
„Ich könnte tausend Gelegenheiten aufzählen, bei denen das Drama auf der Hand lag und wo ich nur hätte zugreifen müssen, um den Film zu machen, den die akademischen Dramaturgen mit Freuden aufgenommen hätten. Aber warum mache ich so etwas nicht? Die Antwort ist einfach, und es ist eine Antwort, die mich mein ganzes Leben begleitet hat: Weil ich mit meinen Filmen das reale Leben besser verstehen lernen will. An erster Stelle steht für mich das genaue Beobachten, das Wissen von den Menschen und ihren Verhaltensweisen. Ich weiß einfach, wie die Dinge in einer Hunsrücker Bauernfamilie früher geregelt wurden. Da läuft es anders als im Kino oder in der Psychoanalyse. Diese von wahrer Not und täglichem Existenzkampf gezeichneten Menschen empfinden Dinge wie Verliebtheiten, Bildungshunger, Rivalität unter Geschwistern als vermeidbare Luxusprobleme. Die tödliche Krankheit der Mutter oder eines der Kinder ist eine Bedrohung der gesamten Familie, und es geht um jede Stunde, die die Kranke noch lebt und zur Arbeit gehen kann. (…) Weil es mir nicht um Zuspitzung geht, sondern um die Schilderung von Lebensklugheit, die meist darin besteht, Ambivalenzen auszuhalten. Die Gesetze des Lebens sind mir heilig und ich würde es für eine unverzeihliche Tat halten, diese Wahrheiten, um deren Darstellung ich kämpfe, der Kinodramaturgie zu opfern. (…) Ich bestehe auf dem Recht, den Weg des epischen Erzählens ins Kino einzuführen, auch wenn ich manchen Zuschauer damit strapazieren sollte.“
Außerdem gibt es im letzten Drittel des Buches zahlreiche Hintergrundinformationen zum Film, den Dreharbeiten und der Geschichte, die das spartanisch illustrierte Buch zu einer idealen Ergänzung zum Film machen.

Was soll ich ergänzend dazu sagen? Beim zweiten Ansehen auf dem kleinen Bildschirm bleibt die Faszination erhalten. Das Bild ist allerdings deutlich kleiner (wobei ich den Film auch in einem großen Kinosaal sehen durfte). Der Rhythmus und die Möglichkeit, jederzeit Pausen einzulegen, passt eigentlich besser zum Fernsehen. Denn jetzt kann man bei einem Bild verweilen und sich die vier Filmstunden in der Zeit ansehen, in der man die vier Jahre aus dem Leben der Familie Simon ansehen möchte.
Da ist dann auch der Hinweis von Edgar Reitz im Gespräch mit Thomas Koebner, dass der erste Schnitt fünfeinhalb Stunden war, keine Drohung, sondern das Versprechen auf ein noch tieferes Eintauchen in das 19. Jahrhundert. Diese Fassung, aus der man im Bonusmaterial einige Bilder sieht, sei, so Reitz, fertig geschnitten, aber nicht fertig bearbeitet.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde Laufzeit erfreulich umfangreich geraten. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Gespräche mit Edgar Reitz, die insgesamt vierzig Minuten dauern. Der Blick hinter die Kulissen der Filmpremiere, die Vorstellung der Schauspieler während der Premiere und auch die, oft kurzen Interviews mit den Schauspielern Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Philine Lembeck, Marita Breuer, Mélanie Fouché und Barbara Philipp sind dagegen deutlich uninteressanter und bewegen sich irgendwo zwischen dem Chronologischem und dem Werblichen.
In dem informativen Booklet werden dann weitere Hintergründe zum Film und den Drehbarbeiten erklärt. Das sind teilweise Texte, die aus dem bereits erwähntem Filmbuch übernommen wurden, einige historische Hintergründe und Erklärungen zu den im Film verwandten Dialekten: dem Hunsrücker Platt und der von Jakob Simon gesprochenen Indiandersprachen, die für den Film erfunden wurden.
Die zum Film entstandene zweistündige Dokumentation „Making of Heimat“ von Jörg Adolph und Anja Pohl, die zum Filmstart einmal im TV gezeigt wurde, befindet sich leider nicht auf der DVD.

Die andere Heimat - DVD - 4

Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Deutschland 2013)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Gert Heidenreich
mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer, Rüdiger Kriese, Philine Lembeck, Mélanie Fouché, Eva Zeidler, Reinhard Paulus, Christoph Luser, Werner Herzog

DVD
Concorde
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Regisseur Edgar Reitz im Gespräch mit Medienwissenschaftler Thomas Koebner, Hinter den Kulissen der Filmpremiere, Bühnenpräsentation von Edgar Reitz, Interview mit Edgar Reitz, Interviews mit Darstellern, Kinotrailer, Weitere Trailer (insgesamt über eine Stunde), 38-seitiges Booklet
Länge: 222 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die andere Heimat“

Moviepilot über „Die andere Heimat“

Wikipedia über „Die andere Heimat“

Homepage von Edgar Reitz

Kriminalakte über „Die andere Heimat“

Meine Besprechung von „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ (Deutschland 2013) (mit weiteren Clips)

Homepage von Michael Riessler


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