TV-Tipp für den 14. August: Wehrlos – Die Tochter des Generals

August 14, 2019

ZDF Neo, 23.15

Wehrlos – Die Tochter des Generals (The General’s Daughter, USA 1999)

Regie: Simon West

Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)

LV: Nelson DeMille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)

Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.

Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)

Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.

Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.

Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”

Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Wehrlos – Die Tochter des Generals“

Wikipedia über „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ (deutsch, englisch)

January Magazine unterhält sich mit Nelson DeMille (März 2000)

Wikipedia über Nelson DeMille (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Expendables 2“ (The Expendables 2, USA 2012)

Meine Besprechung von Simon Wests „Wild Card“ (Wild Card, USA 2015)

Meine Besprechung von Simon Wests „Gun Shy“ (Gun Shy, Großbritannien 2017)

Otto Penzler unterhält sich mit Nelson DeMille (Juni 2015)

 

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TV-Tipp für den 25. November: Butch Cassidy und Sundance Kid

November 25, 2018

Tele 5, 20.15

Butch Cassidy und Sundance Kid (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)

Regie: George Roy Hill

Drehbuch: William Goldman

In Wirklichkeit waren Butch Cassidy und Sundance Kid zwei Verbrecher, die zu Legenden wurden, und deren Leben öfters verfilmt wurde. Am erfolgreichsten von George Roy Hill, nach einem Drehbuch von William Goldman, der damit in die Topliga der Drehbuchautoren aufstieg, und mit Paul Newman als Butch Cassidy und Robert Redford als Sundance Kid. Der eine war damals schon ein Star, der andere danach.

In „Butch Cassidy und Sundance Kid“ erzählen sie das Leben der beiden Verbrecher in einem locker-flockigen Stil, bei dem die beiden einfach nette Jungs sind, die gegen die Autoritäten kämpfen, Züge und Banken überfallen, immer ihren Spaß haben und die besten Freunde sind.

Der Film war ein Kinohit. 1973 trafen sich George Roy Hill, Paul Newman und Robert Redford wieder für die ebenfalls sehr erfolgreiche Gaunerkomödie „Der Clou“ (The Sting, USA 1973), die mir nicht so gefällt. William Goldman erhielt für „Butch Cassidy und Sundance Kid“ einen Drehbuchoscar und schrieb in den nächsten Jahren die Drehbücher für „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The hot rock, USA 1972), „Die Frauen von Stepford“ (The Stepford Wives, USA 1975), „Tollkühne Flieger“ (The great Waldo Pepper, USA 1975, ein schöner, unterschätzter Film mit Robert Redford), „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men, USA 1976, für den er seinen zweiten Drehbuchoscar erhielt) und „Der Marathon-Mann“ (Marathon Man, USA 1976, nach seinem Roman).

mit Robert Redford, Paul Newman, Katherine Ross, Strother Martin, Henry Jones, Jeff Corey

Hinweise

Turner Classic Movies über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Rotten Tomatoes über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Wikipedia über „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von George Roy Hills „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)


TV-Tipp für den 20. Oktober: Tollkühne Flieger

Oktober 20, 2018

RBB, 22.05

Tollkühne Flieger (The Great Waldo Pepper, USA 1975)

Regie: George Roy Hill

Drehbuch: William Goldman (nach einer Geschichte von George Roy Hill)

Sehr unterhaltsames Drama mit vielen witzigen Momenten und viel live gefilmter Fliegeraction über Waldo Pepper, der in den Zwanzigern mit seiner Doppeldecker-Flugshow durch die USA reist. Ständig begleitet von Abstürzen, Notlandungen, Toten und Knochenbrüchen.

mit Robert Redford, Bo Svenson, Bo Brundin, Susan Sarandon, Geoffrey Lewis, Edward Herrmann, Margot Kidder

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Tollkühne Flieger“

Wikipedia über „Tollkühne Flieger“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von George Roy Hills „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)


TV-Tipp für den 12. August: Misery

August 11, 2018

Tele 5, 20.15

Misery (Misery, USA 1990)

Regie: Rob Reiner

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Wiederholung: Montag, 13. August, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Misery”

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Rob Reiners „Das grenzt an Liebe“ (And so it goes, USA 2014)


TV-Tipp für den 16. Dezember: Der Marathon-Mann

Dezember 16, 2016

3sat, 22.35

Der Marathon-Mann (USA 1976, Regie: John Schlesinger)

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Marathon-Mann“

Wikipedia über William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

IGN über William Goldman (18. Februar 2003)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)

William Goldman in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Oktober: Misery (mit königlichen Leseempfehlungen)

Oktober 7, 2016

ZDFneo, 22.00

Misery (USA 1990, Regie: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Wiederholung: Sonntag, 9. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Misery”

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Rob Reiners „Das grenzt an Liebe“ (And so it goes, USA 2014)

Bonushinweis

Mind Control von Stephen KingVier nach Mitternacht von Stephen King

Vor einigen Tagen erschien „Mind Control“, der dritte Roman mit Ex-Detective Bill Hodges. Dieses Mal vermutet er, dass der im Wachkoma liegende Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker, für eine Selbstmordepidemie verantwortlich ist.

Das klingt doch übernatürlich spannend.

Für seinen ersten Hodges-Roman „Mr. Mercedes“ erhielt King seinen ersten Edgar- und Daggar-Krimipreis. Der zweite Hodges-Roman „Finderlohn“ war für den Dagger-Preis nominiert.

Eine TV-Verfilmung von „Mr. Mercedes“ mit Brendan Gleeson als Bill Hodges ist in Arbeit.

Bis dahin kann man die neu durchgesehene Neuausgabe von „Vier nach Mitternacht“ studieren. Auf dem Cover steht „Vier Kurzromane“ und das ist, wie wir es von Stephen King kennen, ein minderschwerer Fall von Etikettenschwindel. Denn die „Kurzromane“ kommen auf 1136 Seiten. Klein gedruckt. Anders gesagt: andere Autoren würden kurz auf die Silbe „kurz“ verzichten und niemand würde meckern. Auch der Verlag sah es so. Denn die in „Vier nach Mitternacht“ enthaltenen Geschichten erschien früher als „Langoliers“ und „Nachts“. Jetzt sind „Langoliers“ (verfilmt als TV-Zweiteiler), „Das heimliche Fenster, der heimliche Garten“ (verfilmt von David Koepp mit Johnny Depp als „Das geheime Fenster“), „Der Bibliothekspolizist“ und „Zeitraffer“ in einem Buch erschienen. Wie in den USA.

Stephen King: Mind Control

(übersetzt von Bernhard Kleinschmidt)

Heyne, 2016

528 Seiten

22,99 Euro

Originalausgabe

End of Watch

Scribner, New York, 2016

Stephen King: Vier nach Mitternacht – Vier Kurzromane

(übersetzt von Joachim Körber)

Heyne, 2016

1136 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Four past Midnight

Viking, New York, 1990


TV-Tipp für den 20. Dezember: Misery

Dezember 20, 2015

RBB, 23.00

Misery (USA 1990, Regie: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Misery”

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Rob Reiners „Das grenzt an Liebe“ (And so it goes, USA 2014)


TV-Tipp für den 16. Mai: Der Marathon-Mann

Mai 16, 2015

Servus TV, 22.40

Der Marathon-Mann (USA 1976, Regie: John Schlesinger)

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Marathon-Mann“

Wikipedia über William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

IGN über William Goldman (18. Februar 2003)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)

William Goldman in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Jason Statham spielt die „Wild Card“

Februar 12, 2015

Ein neuer Film, für den William Goldman das Drehbuch schrieb, ist für Filmfans ein Jubelfest. Goldman schrieb, neben einigen Romanen, die teilweise verfilmt wurden, und seinen beiden äußerst kurzweiligen Hollywood-Erinnerungsbüchern „Das Hollywood Geschäft“ (Adventures in the Screen Trade, 1984) und „Wer hat hier gelogen?“ (Which lie did I tell?, 2000), die Drehbücher für „Ein Fall für Harper“, „Butch Cassidy und Sundance Kid“, „Die Unbestechlichen“, „Der Marathon-Mann“, „Die Braut des Prinzen“, „Misery“, „Absolute Power“, „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ und „Dreamcatcher“. Seitdem, also seit über zwölf Jahren, schrieb der 1931 geborene Autor kein verfilmtes Drehbuch mehr. Aber für Simon West, der bereits „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ verfilmte, kehrte er aus seinem Ruhestand zurück und was auf den ersten Blick gut klingt, wird schon beim allerersten genaueren Hinsehen bedenklich. Denn „Wild Card“ ist ein Remake von „Heat – Nick, der Killer“ (Heat, USA 1986)“, einem Privatdetektiv-Krimi mit Burt Reynolds, dessen Produktionsgeschichte so chaotisch war, dass William Goldman ihn in „Wer hat hier gelogen?“ nur in einem Halbsatz erwähnt.
Auch abseits der chaotischen Produktion ist „Heat“ ein bestenfalls durchschnittlicher Privatdetektiv-Krimi, den niemand mehr kennt.
Aber für ein Remake ist das eigentlich nicht schlecht. Immerhin stehen die Chancen gut, dass alle das Remake als die bessere Fassung der Geschichte loben. Man kann als Autor alte Fehler beseitigen und, immerhin ist „Heat“ gut dreißig Jahre alt, die Geschichte in die Gegenwart verlagern. Man kann sogar eine mehr oder weniger neue Geschichte erzählen.
Aber „Wild Card“ nimmt keine dieser Möglichkeiten wahr. Stattdessen wirkt der Film, als ob William Goldman einfach sein altes Drehbuch aus dem Regal genommen hat, ein, zwei vollkommen unwichtige Details änderte (Heißa, es gibt Mobiltelefone!) und Simon West das Buch gab, der es dann verfilmte als müsse er eine Folge der immer noch vergnüglichen TV-Serie „Vegas“ (die in den späten Siebzigern/frühen Achtzigern in Las Vegas gedreht wurde) inszenieren. Das gewinnt der einfachen Geschichte keinen einzigen neuen Aspekt ab und Themen, die damals neu (naja, halbwegs neu) im Genre waren, sind heute hoffnungslos veraltet. Denn Nick Wild (damals Burt Reynolds, heute Jason Statham) ist ein Spieler. Ein Süchtiger. Ja, das war damals neu. Damals haderten der von Lawrence Block erfundene New-Yorker-Privatdetektiv-ohne-Lizenz Matt Scudder und der von James Lee Burke erfundene Privatdetektiv-Polizist Dave Robicheaux in grandiosen Privatdetektivkrimis mit ihrem Alkoholismus. Heute gehört eine gepflegte Suchtgeschichte zur Grundausstattung eines erfolgreichen Ermittlers.
Ansonsten ist Privatdetektiv und Bodyguard Nick Wild aus der bewährten Klischeekiste des Privatdetektiv-Genres geformt: harte Schale, weicher Kern, großes Ehrgefühl, allseits beliebt, auch bei den Frauen, die er alle ohne Ausnahme respektvoll behandelt und mit guten Freunden in der ganzen Stadt bei der Polizei, den Verbrechern und den Casinobesitzern. Wenn er eine feste Freundin hätte, könnte er fast Spenser sein.
Die Freundin, der Nick Wild hilft, ist eine Prostituierte, die von Danny DeMarco, dem Sohn eines Gangsterbosses, vergewaltigt wurde. Jetzt will sie sich für die Vergewaltigung rächen. Ja, damals war das noch halbwegs innovativ. Heute fällt vor allem auf, dass man eine Rachegeschichte so nicht mehr erzählen kann.
Die Story, ergänzt um einige Episödchen aus dem Privatdetektivleben, plätschert auf TV-Serienniveau vor sich hin (wobei mir „Vegas“ besser gefiel; „Simon & Simon“ und „Magnum“ waren auch besser) und bis auf ungefähr zwei Slow-Motion-Action-Szenen hätte auch alles so vor dreißig Jahren gedreht werden können. Denn das „Wild Card“-Las Vegas sieht nie so geleckt aus, wie wir es aus „Ocean’s Eleven“ oder „C. S. I.“ kennen, sondern, nun, wie das immer leicht schmuddelige Las Vegas aus „Vegas“.
Besonders störend bei dem schleppend erzähltem Krimi, der eine Charakterstudie sein will, aber dafür zu sehr an der Oberfläche bleibt, ist die seltsame Anlage der Hauptrolle von Jason Statham. Er spielt, ohne einen ersichtlichen Grund, den allseits beliebten Nick Wild immer so, als ob er auf Gott und die Welt wütend ist. Ein echter Stinkstiefel eben, mit dem man keine zwei Minuten verbringen möchte.
Da hat Burt Reynolds im Original einen viel lässigeren Charme versprüht. Oder Robert Urich („Spenser“) als Dan Tanna in – Sie ahnen es – „Vegas“.

Wild Card - Plakat

Wild Card (Wild Card, USA 2015)
Regie: Simon West
Drehbuch: William Goldman
LV: William Goldman: Heat, 1985
mit Jason Statham, Sofia Vergara, Milo Ventimiglia, Stanley Tucci, Anne Heche, Hope Davis, Michael Angarano, Dominik Garcia-Lorido, Max Casella, Jason Alexander
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Wild Card“
Moviepilot über „Wild Card“
Metacritic über „Wild Card“
Rotten Tomatoes über „Wild Card“
Wikipedia über „Wild Card“
Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)
Meine Besprechung von Simon Wests „The Expendables 2“ (The Expendables 2, USA 2012)

William Goldman in der Kriminalakte

Ein ausführliches Interview mit William Goldman, aufgenommen im Mai 2010


TV-Tipp für den 11. Februar: Misery

Februar 11, 2014

WDR, 23.15

Misery (USA 1990, R.: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Misery“

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung „Carrie“ (Carrie, USA 2013)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour


Ein langer Abend im Wilden Westen – mit einigen gut abgehangenen Western

September 21, 2012

Ungewaschene Männer, Pferde, Schlägereien und Schießereien; – das Leben im Wilden Westen muss herrlich unkompliziert gewesen sein, wenn es da nicht auch Indianer, Frauen, Strauchdiebe und Pferdediebe gegeben hätte.

Diesen Eindruck vom Wilden Westen könnte man beim Ansehen von „Western von gestern“ und alten Western-Serials gewinnen. Allerdings war der Western als Genre auch immer ein mythologischer Ort, in dem die Amerikaner Dinge verhandeln konnten, die in einem zeitgenössischen Film nicht möglich gewesen wären.

So prangert der Western „Ritt zum Ox-Bow“ die im Wilden Westen übliche Lynchjustiz an. Hauptdarsteller Henry Fonda und Regisseur William A. Wellman erkannten gleich das Potential von Walter Van Tilburg Clarks Roman „The OxBow Incident“. Auch etliche Hollywood-Produzenten erkannten das Potential des Stoffes und sie gaben kein Geld, weil sie dachten, dass niemand einen Film sehen will, der sich gegen die Lynchjustiz richtet. Vor allem nicht während des 2. Weltkriegs. Trotzdem gelang es den Machen das Geld zusammenzukratzen und innerhalb weniger Tage drehten sie den Film, bis auf wenige Bilder, im Studio und hauptsächlich an zwei Sets. Deshalb hat Wellmans Film auch immer die klaustrophobische Atmosphäre eines verfilmten Theaterstücks.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Cowboys Gil (Henry Fonda) und sein Freund Art (Henry Morgan). Im Salon einer Kleinstadt in Nevada erfahren sie, dass Rancher Kincaid von Viehdieben ermordet wurde. Sofort wollen die Dorfbewohner den Mörder jagen und hängen. Eher widerwillig, auch um nicht selbst in das Kreuzfeuer der wütenden Einheimischen zu geraten, schließen sie sich der Posse an. Als sie die angeblichen Mörder finden, versuchen Gil halbherzig und eher passiv, die Lynchjustiz zu verhindern.

Schon damals wurde der Film von der Kritik gelobt, war sogar für einen Oscar als Bester Film nominiert, aber im Kino wollte ihn niemand sehen. Heute ist „Ritt zum Ox-Bow“, vor allem wegen seiner ernsten Thematisierung der Lynchjustiz, ein Western-Klassikern, der weniger als Western und mehr als Thesenfilm überzeugt.

Neben der Bildergalerie gibt es auf der DVD einen sehr informativen Audiokommentar und eine sehenswerte Dokumentation über Henry Fonda.

Ritt zum Ox-Bow (The Ox-Bow Incident, USA 1943)

Regie: William A. Wellman

Drehbuch: Lamar Trotti

LV: Walter Van Tilburg Clark: The Ox-Bow Incident, 1940

mit Henry Fonda, Dana Andrews, Anthony Quinn, Jane Darwell, Henry Morgan, Francis Ford

DVD

Koch Media

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Trailer, Booklet, Audiokommentar von Dick Eulain und William Wellman jr., Dokumentation „Henry Fonda: Hollywoods ruhiger Held“, Bildergalerie

Länge: 73 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Turner Classic Movies über „Ritt zum Ox-Bow“

Rotten Tomatoes über „Ritt zum Ox-Bow“

Wikipedia über „Ritt zum Ox-Bow“ (deutsch, englisch)

Auch bei den „Trommeln des Todes“ war das Budget arg überschaubar. Fast der gesamte Film spielt in einer Western-Kleinstadt und in deren Kirche, in die die wenigen Dorfbewohner vor einem Indianerangriff flüchten.

Die Indianer zwingen auch die beiden Intimfeinde Sam Leeds (Stephen McNally), ein Glücksspieler, und den Bürgermeister und Dorfschmied Joe Madden (Willard Parker) zur Kooperation. Davor wurde Leeds, nachdem er in Notwehr einen anderen Spieler erschoss, aus dem Ort herausgeworfen, er entdeckte eine von Indianern überfallene Kutsche und ritt zurück, um die Bewohner zu warnen.

Trommeln des Todes“ ist einer der unzähligen Routine-Western, die nicht weiter auffallen und die ihre Geschichte zügig und mit genug Action erzählen, um nicht zu langweilen. Einige Aspekte wurden sogar sehr geschickt gelöst. So bleiben die Indianer eine anonyme Bedrohung und, nachdem die Einwohner in die Kirche flüchteten, hören wir sie nur noch, außer wenn sie (natürlich immer nur einer) durch die hochliegenden Fenster hineinspringen oder, wenn es einen der raren Blicke aus der Kirchentür gibt, als vor der Tür vorbeilaufende, Kriegsschreie ausstoßende Menschenmenge. So, und mit den ständig zu hörenden Kriegstrommeln wird, wie bei einem Theaterstück, eine budgetschonende Bedrohung inszeniert. Bedrohlich ist auch der Indianerangriff auf Sam Leeds und einige der Bewohner, die kurz vor der Belagerung in der Wüste aus einem Wasserloch Wasser für die Dorfbewohner holen wollen und sie dann in einem Gebiet, wo es kein Versteck gibt, angegriffen werde.

Trommeln des Todes (Apache Drums, USA 1950)

Regie: Hugo Fregonese

Drehbuch: Milton Carruth

mit Stephen McNally, Coleen Gray, Willard Parker, Arthur Sields

DVD

Koch Media

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Länge: 72 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Trommeln des Todes“

Turner Classic Movies über „Trommeln des Todes“

Wikipedia über „Trommeln des Todes“

Schon beim Vorspann wird sich der kundige Westernfan beruhigt zurücklehnen: mit Regisseur Raoul Walsh (Die wilden Zwanziger [The roaring Twenties], Entscheidung in der Sierra [High Sierra], Sprung in den Tod/Maschinenpistolen [White Heat]), Drehbuchautor Frank Nugent (Der schwarze Falke [The Searchers]) und den Schauspielern Clark Gable, Jane Russell, Robert Ryan und Cameron Mitchell sind einige Profis am Werk. Die Bilder von den verschneiten Bergen in Montana erfreuen das Auge und wenn die beiden Reiter mitten in der Einöde einen Gehängten entdecken und Ben Allison (Glark Gable) zu seinem Bruder sagt „Hier fängt anscheinend die Zivilisation an.“, dann ist mit diesem ersten Satz der lakonische Erzählton für die nächsten zwei Stunden festgelegt, die wie im Flug (hm, vielleicht besser wie eine Rinderstampede) vergehen. Auch wenn der restliche Film eher den Pfaden eines Western-Abenteuers über einen Rindertreck von Texas nach Montana, mit einigen Gefahren und einer Liebesgeschichte mit vorhersehbaren Ende folgt.

Drei Rivalen“ ist ein Western-Abenteuer, in dem Hollywood zeigt, was damals das Fernsehen nicht leisten konnte und heute vielen Filmen fehlt: die entspannte Erzählweise, die den Schauspielern Zeit gibt, sich zu entfalten, die Bilder der majestätischen Landschaft, natürlich in Farbe und Cinemascope, die vielen Statisten, die gigantische Rinderherde, die langsam vor der Kamera vorbeizieht. Da wurden nicht einfach noch einige Tiere per Computer eingefügt, sondern einfach so viele Tiere durchgefüttert, bis das Bild voll war.

Für die deutsche Kinoauswertung wurde „Drei Rivalen“ auf 103 Minuten gekürzt. Auf der DVD ist aber die zweistündige Fassung des Films.

Drei Rivalen (The Tall Men, USA 1955)

Regie: Raoul Walsh

Drehbuch: Sidney Boehm, Frank Nugent

LV: Clay Fisher: The Tall Men, 1954 (Reprint unter dem Autorennamen „Will Henry“, einem anderen Pseudonym von Henry Wilson Allen)

mit Clark Gable, Jane Russell, Robert Ryan, Cameron Mitchell, Juan Garcia, Harry Shannon

DVD

Koch Media

Bild: 2.55:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0/4.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Drei Rivalen“

Turner Classic Movies über „Drei Rivalen“

Wikipedia über „Drei Rivalen“

High Noon“ ist sicher der bekannteste Western von Gary Cooper, aber „Der Mann aus dem Westen“ ist bei Western-Fans und Cineasten viel beliebter, wie einige Zitate zeigen:

Gary Coopers erste und einzige Begegnung mit dem Meisterregisseur Anthony Mann resultierte folgerichtig in dem ersten und einzigen wirklich großen Western seiner langen Karriere.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)

Mit Anthony Mann entdecken wir den Western als Arithmetik, wie in der ersten Mathematikstunde. Was bedeutet, dass ‚Der Mann aus dem Westen’ der intelligenteste aller Filme ist und zugleich der einfachste.“ (Jean-Luc Godard, Cahiers du Cinéma)

„’Der Mann aus dem Westen‘ (Man of the West) zählt mit ‚Nackte Gewalt‘ (The Naked Spur) und ‚Über den Todespass‘ (The Far Country) zu seinen (Anthony Mann, A. d. V.) besten Western und damit zu de Hauptwerken des Genres überhaupt.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

Die Geschichte des superb fotografierten Films ist dann auch auf den ersten Blick entsprechend einfach und, wenn man sich genauer damit beschäftigt unglaublich komplex:

1874 hat Link Jones (Gary Cooper) die Verbrecherlaufbahn zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Als er während eines Zugüberfalls mit zwei Mitreisenden in der Einöde zurückbleibt führt er sie in eine Hütte, in der sie bereits von seinen alten Freunden erwartet werden. Ihr Anführer freut sich, dass das verlorene Schaf wieder zurückgekehrt ist. Aber ist das so?

Als der Film damals in die Kinos kam, wurde er von den US-Kritikern weitgehend ignoriert, die französischen Kritiker waren begeistert und heute zählt „Der Mann aus dem Westen“ zu den anerkannten Western-Klassikern.

Der Mann aus dem Westen (Man of the West, USA 1958)

Regie: Anthony Mann

Drehbuch: Reginald Rose

LV: Will C. Brown: The Border Jumpers, 1955

Mit Gary Cooper, Julie London, Lee J. Cobb, Arthur O’Donnell, Jack Lord

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Bildergalerie, Amerikanischer Trailer, 12-seitiges Booklet mit einem Essay von Jean-Luc Godard zum Film, Wendecover

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann aus dem Westen“

Turner Classic Movies über „Der Mann aus dem Westen“

Wikipedia über „Der Mann aus dem Westen“ (deutsch, englisch)

1957 erzählte John Sturges in dem Westernklassiker „Zwei rechnen ab“ (Gunfight an the OK Correal) mit Burt Lancaster und Kirk Douglas in den Hauptrollen, wie es zu dem legendären Schusswechsel am OK Corral zwischen Marshal Wyatt Earp, Doc Holliday und den Clanton-Brüdern kam.

Zehn Jahre später erzählte er in „Die 5 Geächteten“ die Geschichte weiter und bemühte sich kräftig, das Bild des edlen Wyatt Earp (James Garner) und seines honorigen Freundes Doc Holliday (Jason Robards) zu demystifizieren. Das kam damals nicht so gut an. Außerdem wurde „Die 5 Geächteten“ mit „Zwei rechnen ab“, der noch einmal all die hehren Westerntraditionen kongenial bis hin zum abschließenden Shoot Out, bündelte und gelassen, ohne verkrampfte Innovationsbemühungen erzählte, verglichen und der Film kam dabei schlecht weg.

Doch wenn man „Die 5 Geächteten“ als Einzelwerk, als melancholische Charakterstudie, betrachtet, ist er ein glänzender Western.

Die 5 Geächteten (Hour of the Gun, USA 1967)

Regie: John Sturges

Drehbuch: Edward Anhalt

mit James Garner, Jason Robards, Robert Ryan, Frank Converse, Sam Melville

DVD

Eurovideo

Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Originaltrailer

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die 5 Geächteten“

Turner Classic Movies über „Die 5 Geächteten“

Wikipedia über „Die 5 Geächteten“ (deutsch, englisch)

In Wirklichkeit waren Butch Cassidy und Sundance Kid zwei Verbrecher, die zu Legenden wurden, und deren Leben öfters verfilmt wurde. Am erfolgreichsten von George Roy Hill, nach einem Drehbuch von William Goldman, der damit in die Topliga der Drehbuchautoren aufstieg, und mit Paul Newman als Butch Cassidy und Robert Redford als Sundance Kid. Der eine war damals schon ein Star, der andere danach.

In „Butch Cassidy und Sundance Kid“ erzählen sie das Leben der beiden Verbrecher in einem locker-flockigen Stil, bei dem die beiden einfach nette Jungs sind, die gegen die Autoritäten kämpfen, Züge und Banken überfallen, immer ihren Spaß haben und die besten Freunde sind.

Der Film war ein Kinohit. 1973 trafen sich George Roy Hill, Paul Newman und Robert Redford wieder für die ebenfalls sehr erfolgreiche Gaunerkomödie „Der Clou“ (The Sting, USA 1973), die mir nicht so gefällt. William Goldman erhielt für „Butch Cassidy und Sundance Kid“ einen Drehbuchoscar und schrieb in den nächsten Jahren die Drehbücher für „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The hot rock, USA 1972), „Die Frauen von Stepford“ (The Stepford Wives, USA 1975), „Tollkühne Flieger“ (The great Waldo Pepper, USA 1975, ein schöner, unterschätzter Film mit Robert Redford), „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men, USA 1976, für den er seinen zweiten Drehbuchoscar erhielt) und „Der Marathon-Mann“ (Marathon Man, USA 1976, nach seinem Roman).

Die jetzt erschienene „Deluxe-Edition“ bietet genug Bonusmaterial für einen weiteren sehr langen oder zwei lange Abende. Dann weniger im Wilden Westen, sondern eher in der Dokumentarfilmabteilung mit Filmen, Interviews und Audiokommentaren zu dem Film und den historischen Hintergründen.

Und davor sieht man sich am besten, wieder einmal, den Film an.

Butch Cassidy und Sundance Kid (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)

Regie: George Roy Hill

Drehbuch: William Goldman

mit Robert Redford, Paul Newman, Katherine Ross, Strother Martin, Henry Jones, Jeff Corey

DVD

Butch Cassidy und Sundance Kid – Deluxe-Edition

Black Hill Pictures

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono, Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch

Bonusmaterial: Audiokommentar von George Roy Hill (Regie), Hal David (Text), Robert Crawford (Produktion) und Conrad Hall (Kamera), Audiokommentar von William Goldman (Drehbuch), All das ist die Wahrheit: Das Making of von „Butch Cassidy und Sundance Kid“, Ein wilder Haufen: Die wahre Geschichte von Butch und Sundance, Entfallene Szene: „Das Zelt“ (mit optionalem Audiokommentar von George Roy Hill), George Roy Hill und die Herausforderung von Robert Redford, Geschichte unter der Lupe: „Butch Cassidy und Sundance Kid: Outlaws out of Time“, Making of von 1994, Interviews von 1994, Alternativer Abpann, 3 Kinotrailer

Länge: 106 Minuten (+ Extra-DVD mit 257 Minuten Bonusmaterial)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Turner Classic Movies über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Rotten Tomatoes über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Wikipedia über „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (deutsch, englisch)

 


Zuerst gab es den Roman „Finger weg vom heißen Eis“, dann den Film „Vier schräge Vögel“ und jetzt den Comic „Hot Rock“

Juli 18, 2012

In der von Lax gezeichneten Version von Donald E. Westlakes erstem John-Dortmunder-Krimi „Finger weg vom heißen Eis“ (The Hot Rock, 1970), die in den USA unter Comic-Crime laufen und was bei uns nur unzulänglich als „witziger Kriminalroman“, „Krimikomödie“ oder „Krimihumoreske“ übersetzt wird, fällt auf, was für einen ausgefuchsten Plot Donald E. Westlake unter all den Lachern gut verborgen hat.

Westlake erfand John Dortmunder, als er als Richard Stark einen neuen Parker-Roman schreiben wollte. Den Plot hatte er auch schon: Parker muss einen Gegenstand mehrmals klauen. Aber Parker klaut nichts mehrmals. Er ist der Profi, der seinen Plan gnadenlos durchzieht und mit einer solchen Geschichte würde er sich zum Affen machen.

Auftritt: John Dortmunder, New Yorker, Einbrecher, Mastermind einer kleinen Gruppe Gesetzesbrecher, die bei ihren Verbrechen regelmäßig vom Pech verfolgt sind.

In „The Hot Rock“ sollen sie, im Auftrag von Major Iko, dem UN-Botschafter von Talabwo, den Smaragd von Talabwo, der in den Händen eines anderen Stammes ist, klauen. Dieser wertvolle Stein wird einige Tage in einem New Yorker Museum ausgestellt. Für den Einbruch spricht, dass sie einen Abnehmer haben und es nach einem leichten Bruch aussieht. Dagegen spricht, nun, der Kontrollwahn ihres Auftraggebers und seine fast schon unendliche Geizigkeit.

Bei dem Einbruch gibt es ein kleines Problem und Greenwood wird mit der Beute erwischt. Die anderen können entkommen.

Das ist die Initialzündung für eine Serie von weiteren, von John Dortmunder minutiös geplanten Einbrüchen, – in ein Gefängnis, in eine Hochsicherheitsklinik für betuchte Irre, eine Bank und in eine Polizeistation -, und immer kämpfen sie mit der Tücke des Objekts, die Dortmunders ausgefuchste Pläne regelmäßig in einem Desaster enden lässt.

Während man bei den Dortmunder-Romanen von einem Lachanfall zum nächsten liest (weshalb man diese Krimis auch nicht in der Öffentlichkeit lesen sollte) und auch die Verfilmung „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The Hot Rock, USA 1971) von Peter Yates mit Robert Redford und George Segal eine kurzweilige Krimikomödie ist, ist der Comic wesentlich unwitziger. Dafür arbeitet Lax (das Pseudonym von Christian Lacroix) deutlicher heraus, wie ausgefuchst der von Donald E. Westlake erfundene Plot ist. Einige Lacher gibt es auch.

Nur dass aus Dortmunder bei Lax „Dort’“ wird, hätte nicht sein müssen. Denn Dortmunder ist, wie die Biersorte, Dortmunder.

Nach „The Hot Rock“ schrieb Westlake dreizehn weitere Dortmunder-Romane und einige Kurzgeschichten, die in „Thieves‘ Dozen“ gesammelt sind. Die ersten Dortmunder-Romane wurden auch ins Deutsche übersetzt. Empfehlenswert sind sie alle; – wie auch Laxs „The Hot Rock“, das in er uneingeschränkt empfehlenswerten Noir-Reihe von Schreiber & Leser erschien.

Lax/Donald Westlake: Hot Rock

(übersetzt von Resel Rebiersch)

Schreiber & Leser, 2011

96 Seiten

17,80 Euro

Originalausgabe

Pierre qui roule

Casterman/Payot & Rivages, 2008

Vorlage

Donald E. Westlake: The Hot Rock

Simon & Schuster, New York 1970

Deutsche Ausgabe

Finger weg vom heißen Eis

Ullstein, 1971

Verfilmung

Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen (The Hot Rock, USA 1971)

Regie: Peter Yates

Drehbuch: William Goldman

Musik: Quincy Jones

mit Robert Redford, George Segal, Zero Mostel, Ron Leibman, Paul Sand, Moses Gunn, William Redfield

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Bonushinweis

Drehbuchautor Josh Olson („A History of Violence“) über die Verfilmung


TV-Tipp für den 23. Juni: Misery

Juni 23, 2012

BR, 22.30

Misery (USA 1990, R.: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle „The Colorado Kid“ basierenden TV-Serie „Haven“

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park


TV-Tipp für den 7. März: Der Dritte im Hinterhalt/Ein Fall für Harper

März 7, 2012

HR, 23.15

Die Dritte im Hinterhalt (USA 1969, R.: Paul Bogart)

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Raymond Chandler: The little sister, 1949 (Die kleine Schwester)

Im Auftrag einer mysteriösen Blondine soll Marlowe deren Bruder finden.

Ziemlich langweilige Chandler-Verfilmung, aber ein Privatdetektivkrimi mit „Jim Rockford“ kann nicht ganz schlecht sein.

Mit James Garner, Rita Moreno, Jackie Coogan, Bruce Lee (vor allem Stunts)

Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)

Raymond Chandler in der Kriminalakte

HR, 00.45

Ein Fall für Harper (USA 1966, R.: Jack Smight)

Drehbuch: William Goldman

LV: Ross MacDonald: The moving target, 1949 (Reiche sterben auch nicht anders, Das wandernde Ziel)

Privatdetektiv Lew Harper soll den verschwundenen Mann der reichen Mrs. Sampson finden.

Wenn wir von einflussreichen Privatdetektivromanautoren sprechen, darf ein Name nicht fehlen: Ross MacDonald.

Hier die kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Archer-Romans. Lew Archer heißt im Film Lew Harper. Der Grund dafür war, so Goldman im Audiokommentar zur DVD, dass MacDonald die Rechte am Namen nicht abgeben wollte. „Ein Werk nur mittlerer Qualität“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Drehbuchautor William Goldman schreibt im lesenswerten „Das Hollywood-Geschäft“ (Adventures in the Sreen Trade, 1984) über „Ein Fall für Harper“ und die Qualität seines Drehbuchs: „Der daraus entstandene Film war übrigens aus einer Vielzahl von Gründen sehr erfolgreich, von denen ich keinen für mich verbuchen kann.“

Mit Paul Newman, Lauren Bacall, Julie Harris, Janet Leigh, Arthur Hill, Robert Wagner, Robert Webber, Shelley Winters, Strother Martin

Hinweise:

Krimi-Couch über Ross MacDonald

Thrilling Detective über Ross MacDonald

Thrilling Detective über Lew Archer

January Magazine über Ross MacDonald und Lew Archer


TV-Tipp für den 2. Dezember: Ein Fall für Harper

Dezember 2, 2011

ARD, 01.20

Ein Fall für Harper (USA 1966, R.: Jack Smight)

Drehbuch: William Goldman

LV: Ross MacDonald: The moving target, 1949 (Reiche sterben auch nicht anders, Das wandernde Ziel)

Privatdetektiv Lew Harper soll den verschwundenen Mann der reichen Mrs. Sampson finden.

Wenn wir von einflussreichen Privatdetektivromanautoren sprechen, darf ein Name nicht fehlen: Ross MacDonald.

Hier die kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Archer-Romans. Lew Archer heißt im Film Lew Harper. Der Grund dafür war, so Goldman im Audiokommentar zur DVD, dass MacDonald die Rechte am Namen nicht abgeben wollte. „Ein Werk nur mittlerer Qualität“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Drehbuchautor William Goldman schreibt im lesenswerten „Das Hollywood-Geschäft“ (Adventures in the Sreen Trade, 1984) über „Ein Fall für Harper“ und die Qualität seines Drehbuchs: „Der daraus entstandene Film war übrigens aus einer Vielzahl von Gründen sehr erfolgreich, von denen ich keinen für mich verbuchen kann.“

Mit Paul Newman, Lauren Bacall, Julie Harris, Janet Leigh, Arthur Hill, Robert Wagner, Robert Webber, Shelley Winters, Strother Martin

Hinweise:

Krimi-Couch über Ross MacDonald

Thrilling Detective über Ross MacDonald

Thrilling Detective über Lew Archer

January Magazine über Ross MacDonald und Lew Archer


Damn it! James N. Frey verrät, „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“

Juni 15, 2011

Zwischen 1984 und 1992 veröffentlichte James N. Frey neun Kriminalromane und sein „The Long Way to Die“ war 1988 als bestes Taschenbuch für den Edgar nominiert.

1987 veröffentlichte er seinen ersten Schreibratgeber „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ (How to write a damn good novel) und in den vergangenen zwanzig Jahren verdiente er sein Geld als Lehrer.

Sein neuester Schreibratgeber widmet sich, wie der Titel „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ verrät, einem sehr beliebtem Genre und er bietet auch einige gute Einsichten, warum bestimmte Thriller funktionieren und andere nicht thrillen. Aber ein verdammt gutes Buch ist „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ nicht, weil Frey gefühlte hundertmal pro Seite „verdammt“ sagt und weil die Empfehlungen, wenn sie stumpf angewandt werden, zu einem formelhaftem Thriller führen; – was bei einigen Thrillern, vor allem wenn sie unglaublich clever (sein zweites Lieblingswort) sein wollen, allerdings schon ein beträchtlicher Gewinn für uns Leser und Zuschauer wäre. Denn: „Meistens ist es (…) nicht die Idee, sondern die Ausführung, die zählt.“

Eine dieser von Frey genannten cleveren Ideen ist, dass wir erst am Ende erkennen, dass unser Held eigentlich der Bösewicht ist oder der Bösewicht erlebt am Ende eine wundersame Wandlung. Nun, nach Frey, funktioniert dies meistens nicht. Als Beispiel nennt er das Ende der Elmore-Leonard-Verfilmung „Todeszug nach Yuma“ (zum Glück zerstört das Ende nicht den Film, aber es ist schon ein gewaltiger Downer).

(Frey erwähnt zwar nicht „The Rock“. Aber er hätte es tun können. In dem Action-Thriller sollen Sean Connery und Nicolas Cage Ed Harris daran hindern, eine Bio-Bombe in ein vollbesetztes Stadion zu werfen. Harris, der einen Army-Soldaten spielt, hat sich mit anderen Soldaten und einem Haufen Geisel auf Alcatraz versteckt. In der letzten Sekunde beschließt Harris, seinen Plan doch nicht durchzuführen. In dem Moment fragte ich mich im Kino, warum ich mir die vorherigen zwei Stunden angesehen hatte.

Doch zurück zum Buch.)

Für Frey ist das seit Jahrhunderten bekannte Muster für einen Thriller: „Ein cleverer Held hat die ‚unmögliche‘ Aufgabe, Böses zu verhindern oder zu bekämpfen. Der Held ist tapfer; er steckt in furchtbaren Schwierigkeiten; die Mission ist dringend; es steht viel auf dem Spiel; und am besten ist es, wenn der Held sich für andere aufopfert.“ Oder noch kürzer: „Ein cleverer Held hat die dringende und ‚unmögliche‘ Aufgabe, Böses zu verhindern.“

Das klingt jetzt etwas banal, aber wenn der Held nur ein ganz gewöhnlicher Mensch ohne besondere Fähigkeiten wäre und wenn die Aufgabe nicht scheinbar unmöglich wäre (immerhin gewinnt er am Ende ja, aber nur unter großen Anstrengungen, meistens indem er sein Leben riskiert) und der Bösewicht nicht abgrundtief böse wäre (sich also durch nichts von seinem Ziel, auch wenn es noch so bescheuert ist, abbringen lassen will), dann haben wir wahrscheinlich auch keinen guten Thriller – und auch keinen guten Roman. Denn Frey wendet einfach nur das Grundprinzip für eine dramatische Geschichte auf den Thriller an.

Sehen wir uns einfach David Baldaccis, von und mit Clint Eastwood verfilmten Thriller „Absolute Power“, den Frey für einen – wir ahnen es – „verdammt guten Roman“ und „verdammt guten Film“ hält, an: ein Einbrecher (besondere Fähigkeiten!) beobachtet bei einem Einbruch, wie der Präsident der USA seine Geliebte umbringt. Der Einbrecher wird fortan von den Bodyguards des Präsidenten, die auch den gesamten Polizeiapparat auf ihn ansetzen, gejagt – und der Einbrecher muss seine Unschuld beweisen. Wenn das keine unmögliche Aufgabe ist.

William Goldman, der das Drehbuch schrieb und dafür den Roman kräftig veränderte, meint in seiner kurzweiligen Mischung aus Hollywood-Anekdoten, Biographie und Schreibratgeber „Wer hat hier gelogen?“ selbstkritisch-ironisch „’Absolute Power‘ ist kein herausragender Film“, aber der Film funktioniert als Thriller von der ersten bis zur letzten Minute.

Die meiste Zeit verbringt James N. Frey in seinem neuesten Schreibratgeber, indem er beispielhaft an mehreren Geschichten zeigt, wie ein Thriller konstruiert werden kann. Das hat zwar den Vorteil, dass anhand einiger Beispiele, die er von den ersten Ideen über die Konstruktion des Helden und des Bösewichts hin zu den einzelnen Elementen einer Geschichte entwickelt, zeigt, „wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“. Aber andererseits langweilt das kleinteilige Durchexerzieren aller Arbeitsschritte auch und hinterlässt schnell den Eindruck des Seiten-Schindens.

Dennoch sind die Tipps und Hinweise von James N. Frey nützlich, um entweder einen spannenden Thriller zu schreiben oder bei einem Thriller zu wissen, was einem wahrscheinlich warum nicht gefällt. Auch weil Frey seine Meinung mit vielen Film- (mehr) und Roman-Beispielen (weniger) belegt.

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt

(übersetzt von Ellen Schlootz)

Emons, 2011

304 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

How to Write a Damn Good Thriller. A Step-by-Step Guide for Novelists and Screenwriters

St. Martin’s Press, 2010

Hinweis

Homepage von James N. Frey

 


TV-Tipp für den 19. März: Die verfilmten Kriminalromane

März 19, 2011

WDR, 13.45

Fury (USA 1936, R.: Fritz Lang)

Drehbuch: Fritz Lang, Bartlett Cormack

LV: Norman Krasna: Mob Rule (Story)

Ein unschuldig Verurteilter sinnt auf Rache.

Fritz Langs erster us-amerikanischer Spielfilm ist die überzeugende Hollywood-Version von Die Nibelungen und M – mit einer fulminanten Rede von Spencer Tracy am Filmende.

Mit Spencer Tracy, Walter Brennan

Auch „Blinde Wut“

WDR, 15.15

Die zwölf Geschworenen (USA 1957, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Reginald Rose

LV: Reginald Rose (Story, Bühnenstück)

Hat der angeklagte Puertoricaner seinen Vater ermordet? Die Geschworenen beraten.

Lumets erster Spielfilm ist ein Klassiker des Gerichtsfilms: ein Raum, zwölf Personen, die eine Entscheidung fällen müssen: unerträgliche Spannung. Ausgangspunkt für den Spielfilm war ein einstündiges Fernsehspiel von Reginald Rose, der dafür von eigenen Erfahrungen als Geschworener inspiriert wurde. Beim Start wurde der Film von der Kritik gelobt, für zahlreiche Preise nominiert und floppte – trotz des niedrigen Budgets – an der Kasse. „Sidney Lumets Erstlingsfilm verleiht dem Geschehen durch die Begrenzung des Ortes und der Personen eine große Dichte und Spannung. Die Wahrheitsfindung entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Menschentypen, Ideologien und Interessen – ein Modellfall ´demokratischer´ Aufklärungsarbeit. Hervorragend besetzt, gespielt und fotografiert (Preis der OCIC in Berlin)“ (Lexikon des Internationalen Films)

Mit Henry Fonda, L. J. Cobb, Ed Begley, E. G. Marshall, Jack Warden, Martin Balsam, Jack Klugman, Joseph Sweeney

ARD, 20.15

Mordkommission Istanbul: Mord am Bosporus (D 2009, R.: Michael Kreindl)

Drehbuch: Mathias Klaschka

LV: Hülya Özkan: Mord am Bosporus, 2006

Zweiter TV-Fall für Kommissar Mehmet Özakin. Dieses Mal sucht er einen Serienkiller, der es auf verheiratete Geschäftsmänner abgesehen hat.

mit Erol Sander, Nadeshda Brennicke, Oscar Ortega Sánchez

RTL II, 20.15

Der Hades-Faktor (USA 2006, R.: Mick Jackson)

Drehbuch: Elwood Reid

LV: Robert Ludlum, Gayle Lynds: The Hades Factor, 2000 (Der Hades Faktor)

Böse Menschen lassen in den USA einen mörderischen Ableger des Ebola-Viruses frei. Nur der ehemalige Agent Jon Smith kann die Terroristen stoppen.

Die Besetzung ist gut. Es wurde viel in Berlin gedreht (Lokalpatriotismus). Der Trailer sieht sehr nach “24” aus. Stephen Dorff wird zu einem Kiefer Sutherland-Lookalike. Und Anjelica Huston spielt die Präsidentin der USA. Das klingt ziemlich vielversprechend. Am Ende ist es doch nur ein dreistündiger TV-Film, der das Versprechen des Trailers niemals einlöst. Dafür gibt es zu wenig Action, zu wenige Verwicklungen und alles ist zu eindeutig in Gut und Böse unterteilt. Nett, aber trotz der Besetzung verzichtbar.

Relativ aufwändiger und prominent besetzter TV-Zweiteiler, der sich stereotyper Feindbilder bedient.“ (Lexikon des internationalen Films)

Für heute ist eine etwas über zweistündige Fassung angekündigt.

Mit Stephen Dorff, Danny Huston, Mira Survino, Anjelica Huston, Blair Underwood, Sophia Myles

Hinweise

Wikipedia über Robert Ludlum (deutsch, englisch)

Robert-Ludlum-Fanseite

Kirjasto über Robert Ludlum

Homepage von Gayle Lynds

ARD, 22.15

JAMES BOND: Goldfinger (GB 1964, R.: Guy Hamilton)

Drehbuch: Richard Maibaum, Paul Dehn

LV: Ian Fleming: Goldfinger, 1959

Goldfinger (Gert Fröbe) will Fort Knox ausräumen. James Bond (Sean Connery) hat etwas dagegen.

Mit „Goldfinger“ hatte sich James Bond endgültig im Kino etabliert und der Presserummel bei „Feuerball“ und „Man lebt nur zweimal“ war gigantisch. Ebenso die Zahl der mehr oder weniger missglückten Kopien in Buch und Film. Da scheint der heutige Rummel um „Harry Potter“/“Herr der Ringe“/“Krieg der Sterne“/“Matrix“ ein Klacks zu sein.

Mit Sean Connery, Gert Fröbe, Honor Blackman, Shirley Eaton, Harold Sakata, Bernard Lee, Lois Maxwell

Hinweise

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte

MDR, 00.00

Misery (USA 1990, R.: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park


TV-Tipp für den 2. März: Wehrlos – Die Tochter des Generals

März 2, 2011

Kabel 1, 22.10

Wehrlos – Die Tochter des Generals (USA 1999, R.: Simon West)

Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)

LV: Nelson De Mille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)

Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.

Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)

Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.

Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, mal wieder vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.

Der Film ist FSK-16 und aufgrund der Uhrzeit müsste heute die ungekürzte Version gezeigt werden. Für die 20.15-Uhr-Ausstrahlung wird normalerweise auf eine sinnentstellend beschnittene Version (im Wesentlichen wurde das Motiv herausgeschnitten) zurückgegriffen.

Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”

Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III

Hinweise

Homepage von Nelson DeMille

Schnittberichte über die Kürzungen

January Magazine unterhält sich mit Nelson DeMille (März 2000)

Wikipedia über Nelson DeMille (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Dezember: Ein Fall für Harper

Dezember 3, 2010

WDR, 23.15

Ein Fall für Harper (USA 1966, R.: Jack Smight)

Drehbuch: William Goldman

LV: Ross MacDonald: The moving target, 1949 (Reiche sterben auch nicht anders, Das wandernde Ziel)

Privatdetektiv Lew Harper soll den verschwundenen Mann der reichen Mrs. Sampson finden.

Wenn wir von einflussreichen Privatdetektivromanautoren sprechen, darf ein Name nicht fehlen: Ross MacDonald.

Hier die kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Archer-Romans. Lew Archer heißt im Film Lew Harper. Der Grund dafür war, so Goldman im Audiokommentar zur DVD, dass MacDonald die Rechte am Namen nicht abgeben wollte. „Ein Werk nur mittlerer Qualität“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Drehbuchautor William Goldman schreibt im lesenswerten „Das Hollywood-Geschäft“ (Adventures in the Sreen Trade, 1984) über „Ein Fall für Harper“ und die Qualität seines Drehbuchs: „Der daraus entstandene Film war übrigens aus einer Vielzahl von Gründen sehr erfolgreich, von denen ich keinen für mich verbuchen kann.“

Mit Paul Newman, Lauren Bacall, Julie Harris, Janet Leigh, Arthur Hill, Robert Wagner, Robert Webber, Shelley Winters, Strother Martin

Hinweise:

Krimi-Couch über Ross MacDonald

Thrilling Detective über Ross MacDonald

Thrilling Detective über Lew Archer

January Magazine über Ross MacDonald und Lew Archer


TV-Tipp für den 25. Oktober: Der Marathon-Mann

Oktober 25, 2010

Arte, 20.15

Der Marathon-Mann (USA 1976, R.: John Schlesinger)

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Wiederholung: Donnerstag, 28. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

IGN über William Goldman (18. Februar 2003)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)


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