Charlotte Wiedemann betrachtet „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“ – und liest in Berlin daraus vor

November 7, 2019

Charlotte Wiedemann reiste als Journalistin für „Geo“, „Die Zeit“, „Le Monde Diplomatique“ und die „taz“ um die halbe Welt, berichtete oft aus Asien und Afrika und erhielt 2017 von der Otto-Brenner-Stiftung den Spezial-Preis für ihr Lebenswerk.

In ihrem neuen Buch „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“ geht es, wie der Titel verrät, um die Veränderungen in westlichen Gesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten. Denn die jahrhundertelang gepflegte Zeit der unumstrittenen Dominanz des Westens ist vorbei. Diese ‚weiße Dominanz‘ war und ist in erster Linie die Dominanz weißer Männer über Menschen anderer Hautfarbe und Geschlecht; in zweiter Linie die weißer Frauen über Menschen anderer Hautfarbe.

Wer an dem Ende der weißen Herrschaft und der damit verbundenen Dominanz des Westens zweifelt, muss nur einen Blick in ein x-beliebiges Büro oder die Straße einer westeuropäischen Großstadt werfen und das heutige Bild mit einem Bild aus den fünfziger Jahren vergleichen. Oder sich einige Statistiken mit globalen militärischen und ökonomischen Daten ansehen.

Mit Zahlen hat Wiedemann es dann nicht so sehr. Ihr geht es mehr um das mit Beispielen gesättigte Nachzeichnen von Entwicklungen, die sie selbst miterlebte. Besonders gut gelingt ihr das, wenn sie erzählt, wie die Bundesrepublik sich in den vergangenen Jahrzehnten veränderte. Als sie zur Schule ging, waren alle ihre Mitschülerinnen weiße Deutsche, die evangelisch oder katholisch waren. Und der Graben zwischen Evangelen und Katholen erschien unüberwindbar. Heute sehen Schulklassen ganz anders aus. Als sie im Sommer 1983 als Lokalreporterin erstmals die Wohnung einer Gastarbeiterfamilie betrat, war in deren Wohnung kein Zeichen ihrer Religion zu sehen. Stattdessen bemühten sie sich um größtmögliche Unauffälligkeit. Im öffentlichen Leben kamen die Gastarbeiter nicht vor. Sie hatten keine Stimme. Heute gehören die Kinder und Enkelkinder der Gastarbeiter fest zum Straßenbild und zur Öffentlichkeit. Dass sie mit italienischem (Pizza!) und türkischem (Döner!!) Essen die deutsche Esskultur (Saumagen) bereicherten, ist ebenso unstrittig.

Dieses Kapitel „Wie wir waren. Wie wir sein werden“ ist das stärkste Kapitel des Buches, weil Wiedemann hier persönliches Erleben mit der Geschichte Deutschlands verbindet und durchgehend ein größerer erzählerisch-argumentativer Zusammenhang erkennbar ist. In den folgenden Kapiteln fehlt er zugunsten einer eklektischen Zusammenstellung von kurzen, unabhängig nebeneinander stehenden Texten. Sie schreibt über Rassismus, Feminismus, den Islam, Kolonialismus, die vergessene deutsche Kolonialgeschichte und den weißen Blick auf freiwillige und unfreiwillige Mobilität und Gewalt. Dabei zeigt sie immer wieder, wie sehr die weiße Perspektive sich von anderen Perspektiven unterscheidet und wie sehr die weiße Perspektive Dinge ausblendet. Bei der ‚Asylflut‘ die Fluchtursachen; bei den ‚kriminellen dunkelhäutigen Verbrechern‘ die von Deutschen begangenen Verbrechen.

Das ist durchaus interessant und auch immer wieder erhellend. Aber sehr schnell wird Wiedemanns selbstgewählte Anspruch beim Lesen zum Stolperstein. Im Vorwort schreibt sie, ihr Buch sei „ein Mosaik von Gedanken, Erinnerungen und Begegnungen geworden. Die kurze Form der Texte lädt ein zum Innehalten und zum vernetzten Lesen“.

Es ist damit auch ein Buch, das man nicht unbedingt in einem Rutsch durchlesen sollte. Es ist eine Gedankensammlung irgendwo zwischen Notizen und Zeitungskommentaren, die nur sehr lose miteinander zusammenhängen. Daraus ergibt sich, notgedrungen, keine durchgehende Argumentation und auch keine tiefschürende Analyse. Alles bleibt letztendlich im Anekdotischen und Oberflächlichen stecken. Nicht etwa, weil Wiedemann nichts zu sagen hätte, sondern weil sie in den kurzen Texten nicht in die Tiefe gehen kann.

So schlecht „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“ als Buch funktioniert (jedenfalls, wenn man mehr als Gedankensplitter erwartet), so gut können die Texte bei einer Lesung als Einstieg in eine Diskussion funktionieren. Denn da kann nachgefragt, widersprochen, präzisiert und erklärt werden.

In Berlin kann das in den kommenden Tagen zweimal überprüft werden. Am Freitag, den 8. November, liest Wiedemann in Buchhandlung Leporello (Krokusstraße 91) ab 19.00 Uhr aus ihrem Buch. Die Lesung ist Teil der Reihe »Widerworte« der Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus.

Am Mittwoch, den 20. November, stellt Wiedemann ab 20.00 Uhr ihr Buch im Buchladen Schwarze Risse (Gneisenaustr. 2a) vor. Es handelt sich um eine Benefiz-Lesung für das Bürger*innen-Asyl Berlin.

Weitere Lesungen hier.

Charlotte Wiedemann: Der lange Abschied von der weißen Dominanz

dtv, 2019

288 Seiten

18 Euro

Hinweis

Homepage von Charlotte Wiedemann

 


„Hit-Girl in Hollywood“ hat mörderisch viel Spaß

November 6, 2019

Als Hit-Girl ein Schulmassaker abkürzt indem sie die beiden Täter enthauptet, entdeckt sie in der Schulbibliothek ein True-Crime-Buch über sich. Auf dem Cover steht, dass die Geschichte bald verfilmt werde. Also macht sie sich neugierig auf den Weg nach Hollywood. Auf dem Flug tötet sie einen Mann, der sie begrapscht. Am Ende des ersten Hefts der vierteiligen Geschichte „Hit-Girl in Hollywood“ von Autor Kevin Smith und Zeichnerin Pernille Ørum wird der erste Satz gesagt: „Ich sehe tote Menschen.“

Das sagt ‚Hit-Girl‘ Mindy McCready auf dem bekannten Hollywood-Schild sitzend – und jeder, der Mindy McCready aus den vorherigen „Hit-Girl“-Abenteuern oder den auch verfilmten „Kick-Ass“-Geschichten kennt, weiß, dass Mindy McCready von ihrem Vater zu einer…ach, seht euch einfach diesen eigentlich alles erklärenden Clip an:

 

Damit ist klar, dass Mindy tote Menschen nicht im „Sixth Sense“-Sinn versteht und in Hollywood demnächst einige Gräber geschaufelt werden.

Aber zuerst besucht Mindy das Set von „Bisher bei Hit-Girl“, trifft Juniper Florence, die sie spielt, und sieht, dass der Film ihr Leben verfälscht. Kurz darauf ist Lew Brothsteen, der den Film produziert und ein Harvey-Weinstein-würdiges Verhalten gegenüber jungen Frauen hat, entmannt. Und Mindy wird als Täterin gejagt.

Kevin Smith hat seine Geschichte mit Anspielungen auf Hollywood, überraschenden Wendungen und Witzen gespickt. So heißen die Mindy verfolgenden Polizisten Magnum und P. I., die sie verfolgenden FBI-Agenten Green und Orange und Florences Publicity Manager Gary Busey.

In diesem fröhlichen Treiben fehlen nur die Genoveses; die Mafiafamilie, die Hit-Girl in New York tötete. Die überlebenden Familienmitglieder machen sich, begleitet von einigen eiskalten Killern, rachedurstig auf den Weg nach Hollywood.

Auch das vierte nicht von Hit-Girl-Erfinder Mark Millar geschriebene „Hit-Girl“-Abenteuer ist ein großer Spaß, der nahtlos an Millars Werke anknüpft.

Kevin Smith ist ein bekennender Comic-Fan und Regisseur. Ich sage nur „Clerks“, „Mallrats“, „Jersey Girl“, „Chasing Amy“, und „Red State“.

Pernille Ørum ist eine dänische Illustratorin, Konzept- und Animationskünstlerin. „Hit-Girl in Hollywood“ ist ihr Comic-Debüt.

Kevin Smith/Pernille Ørum: Hit-Girl in Hollywood

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

108 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Hit-Girl (2018) Season Two #1 – 4

Image Comics, Februar 2019 – Mai 2019

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Jeff Lemire/Eduardo Rissos „Hit-Girl in Kanada“ (Hit-Girl (2018) # 5 – 8, 2018)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Rom“ (Hit-Girl (2018) # 9 – 12, 2018/2019)

Homepage von Kevin Smith

Meine Besprechung von Kevin Smiths „Tough Sh*t – Ein Fettsack mischt Hollywood auf“ (Tough Sh*t – Life Advice from a fat, lazy Slob who did good, 2012)


Tim Parks spricht über „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“

Oktober 23, 2019

Der Titel „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ ist etwas irreführend. Jedenfalls wenn man einen durchgehenden Text mit einer einzigen These erwartet. Denn Tim Parks, Romanautor, Übersetzer, Essayist und Universitätsprofessor an der Universität Mailand, sammelte in dem Buch die Kolumnen, die er ab 2011 für die Webseite der New York Review of Books schrieb. In den 33 (im Original 37) kurzen Texten setzt er sich mit verschiedenen Aspekten des Literaturbetriebs, des Schreibens und des Lesens auseinander.

Es geht um lokale und globale Literatur, Literaturpreise und wie das beste Buch gefunden werden kann, um nicht fertig gelesene Bücher, das Übersetzen von Texten, die Arbeit des Schriftstellers, amerikanisches und englisches Englisch und als was er in verschiedenen Ländern wahrgenommen wird. Das ist das Schicksal eines Lebens zwischen Universitätsprofessor, Literaturkritiker, Übersetzer und Autor in verschiedenen Genres.

In jedem der durchgehend unterhaltsamen Essays gibt es mindestens einen nachdenkenswerten Gedanken. Als Sammlung von Aufsätzen beansprucht es auch überhaupt nicht die thematische Geschlossenheit, die der Titel erwarten lassen.

Daher ist „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ eine vergnügliche Nebenbei-Lektüre, die sich vor allem an Autoren und Menschen, die an Hintergründen zum Buchbetrieb interessiert sind, richtet. Auch wenn ich immer noch nicht weiß „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“.

Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

(deutsch von Ulrike Becker und Ruth Keen)

Goldmann, 2019

288 Seiten

10 Euro

Deutsche Erstausgabe

Verlag Antje Kunstmann, 2016

Originalausgabe

Where I’m reading from

Harvill Secker, London, 2014

Hinweise

Homepage von Tim Parks

Wikipedia über Tim Parks (deutsch, englisch)

Perlentaucher über „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“

Tim Parks über das Buch


Hoeps & Toes eröffnen „Die Cannabis-Connection“ – und lesen in Berlin

Oktober 21, 2019

Staatssekretär Dr. Marcel Kamrath hat es fast geschafft. Die von ihm über Jahre verfolgte Initiative zur Legalisierung von Cannabis soll in wenigen Tagen im Bundestag verabschiedet werden.

Da taucht sein totgeglaubter Freund Sander van Haag in Berlin auf. 1983 lebte er mit ihm und Kiki Molenaar in Amsterdam in der Hausbesetzerszene. Geld verdienten sie mit dem Verkauf von Drogen. Als die jugoslawische Mafia ihr Revier übernehmen will, wollen sie sich bei ihnen einkaufen. Sander und Kiki gehen mit dem Geld zu einem Treffen. Einige Tage später liest Kamrath in einer Zeitung, dass die Leiche von Kiki gefunden wurde. Sander bleibt verschwunden. Und Kamrath, der sich vor Racheakten fürchtet, flüchtet nach Deutschland.

Jetzt ist Sander wieder da und er behauptet, dass zwischen ihnen alles in Ordnung sei. Nach einigen mit Freundlichkeiten, Drogen und seltsamen Ereignissen gefüllten Tagen, rückt Sander mit seinem für erfahrene Krimileser erwartbarem Anliegen heraus: er möchte, dass Kamrath seine Initiative zur Legalisierung von Drogen sofort stoppt. Die niederländische Drogenmafia fürchte um den lukrativen deutschen Absatzmarkt.

Kamrath, der weiß, dass innerhalb des parlamentarischen Betriebs seine Initiative kaum noch aufgehalten werden kann und dass Sander ihn, wenn er ihm diesen Wunsch erfüllt, immer weiter erpressen wird, beschließt gegen ihn zu kämpfen. Und zwar so, dass niemand davon erfährt.

Im ersten Moment erinnerte mich die Ausgangslage von dem neuen Krimi des seit Jahren zusammen schreibenden deutsch-niederländischen Autorenduos Hoeps & Toes an -kys spannenden Erpressungsthriller „Einer von uns beiden“. In dem Roman erpresst ein Student einen Professor, der eine amerikanische Arbeit als seine Doktorarbeit ausgab. Zwischen beiden beginnt im West-Berlin der frühen siebziger Jahre ein tödliches Duell. Wolfgang Petersen verfilmte den Roman.

Aber Hoeps & Toes erzählen mit einigen Ellipsen, Zeit- und Erzählperspektivenwechsel, im trockenen Hardboiled-Stil, schnell eine ganz andere Geschichte. So nehmen die Schilderungen parlamentarischer Abläufe und der alltäglichen Arbeit eines Berufspolitikers viel Raum ein. Es geht um notwendige Absprachen, öffentliche Auftritte, zeitraubende Gespräche mit potentiellen Spendern und die großen und kleinen Deals, die jeder Politiker machen muss, wenn er für seine Projekte Mehrheiten beschafft. In diesem Fall muss Kamrath jetzt so Mehrheiten gegen sein Herzensprojekt beschaffen, dass niemand ahnt, dass er es sabotiert. In diesen Momenten wird das direkte Duell zwischen Kamrath und Sander zur Nebensache.

Der Kampf zwischen dem skrupellosen Erpresser und dem ziemlich ehrbaren Profipolitiker eskaliert dann auch anders, als man es erwartet und es endet, so viel kann verraten werden, nicht in einem tödlichen Faustkampf zwischen den beiden Kontrahenten.

Eine spannende Lektüre.

Am Dienstag und Mittwoch stellen Thomas Hoeps und Jac. Toes ihr neues Buch in Berlin vor.

Am Dienstag, den 22. Oktober, sind sie in einer „Closed Shop Lesung“ (was immer das bedeuten mag) um 19.00 Uhr in Kamraths Stammlokal, dem Café Anna Koschke (Krausnickstraße 11).

24 Stunden später, am Mittwoch, den 23. Oktober, um 19.30 Uhr stellen Hoeps & Toes ihren Roman im Hanf Museum (Mühlendamm 5) vor.

Weitere Termine hier.

Hoeps & Toes (aka Thomas Hoeps/Jac. Toes): Die Cannabis-Connection

Unionsverlag, 2019

352 Seiten

19 Euro

Hinweise

Unionsverlag über Hoeps & Toes

Homepage von Thomas Hoeps

Wikipedia über Thomas Hoeps


Batman trifft den Joker, „Der Mann, der lacht“

Oktober 16, 2019

Während im Kino gerade eine Herkunftsgeschichte des Jokers erzählt wird, ist Noir-Comicautor Ed Brubaker schon einen Schritt weiter. In „Der Mann, der lacht“ erzählt er vom ersten Aufeinandertreffen zwischen dem Joker und Batman.

Diese im Original bereits 2005 erschienene Geschichte ist jetzt, zusammen mit „Ganz aus Holz“, neu aufgelegt worden.

In „Der Mann, der lacht“, geschrieben von Brubaker, gezeichnet von Doug Mahnke, betritt der Joker erstmals die mit skurrilen Bösewichtern gut gefüllte Verbrechensbühne von Gotham City. Als erstes droht er, Henry Claridge um Mitternacht zu töten. So geschieht es.

Danach kündigt der Joker weitere Morde an und er befreit sechzehn im Williams Medical Center für geisteskranke Straftäter inhaftierte Mörder. Gemeinsam marodieren und morden sie durch die Stadt, während Batman versucht, den Joker zu stellen.

In „Ganz aus Holz“, ebenfalls geschrieben von Brubaker, gezeichnet von Patrick Zircher, wird am Sockel des historischen Green-Lantern-Heldendenkmals eine Leiche gefunden. Auf ihren nackten Oberkörper hat der Täter den rätselhaften Spruch „Ganz aus Holz“ geschrieben.

Alan Scott, die erste, inzwischen in New York lebende Green Lantern, deutet den Spruch als Hinweis auf seine Achillesferse. Er verfügt über kosmische Kräfte, kann aber mit Holz verwundet werden. Er reist nach Gotham City und, gemeinsam mit Batman, sucht er den Täter.

Außerdem ist der inzwischen pensionierte Commissioner Jim Gordon, der die Leiche bei einem Spaziergang entdeckte und sich ebenfalls umhört, spurlos verschwunden.

Beide „Batman“-Geschichten liefern das, was man von Ed Brubaker erwartet. Es sind spannende Noir-Geschichten, die sich hier nahtlos in den letztendlich sehr flexiblen Batman-Kosmos einfügen.

Ed Brubaker/Doug Mahnke: Batman/Joker: Der Mann, der lacht

(übersetzt von Ralph Kruhm)

Panini, 2019

144 Seiten

16,99 Euro

enthält

Der Mann, der lacht (Batman: The Man who laughs, DC Comics, April 2005)

Ganz aus Holz (Made of Wood, Detective Comics 784 – 786, DC Comics, September – November 2003)

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Wikipedia über Ed Brubaker (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 6 – Unschuld“ (Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4, 2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito 2: Schlechter Einfluss“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Den Tod im Nacken (Band 1)“ (Fatale # 1 – 5, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Hollywood Babylon (Band 2)“ (Fatale # 6 – 10, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Westlich der Hölle (Band 3)“ (Fatale # 11 – 15, 2013)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Butch Guice/Mike Perkins‘ „Der Tod von Captain America (Band 2)“ (Captain America: The Burden of Dreams, Part 1 – 6 (# 31 – 36), 2007/2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Roberte De La Torre/Luke Ross“ „Der Tod von Captain America (Band 3)“ (Captain America: The Man who bought America, Part 1 – 6 (# 37 – 42), 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5 , 2003)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)“ (Gotham Central # 11 – 15)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)“ (Gotham Central # 16 – 22)

Ed Brubaker in der Kriminalakte

 


„Cold Storage – Es tötet“ David Koepp; – wenn er keine Lösung hat

Oktober 15, 2019

Cineasten kennen David Koepp als Drehbuchautor von Filmen wie „Jurassic Park“, „Mission: Impossible“, „Spiel auf Zeit“, „Panic Room“, „Spider-Man“ (die Raimi-Version), „Krieg der Welten“, „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, „Illuminati“ und „Inferno“. Hochkarätig besetzte Blockbuster, die von Könnern wie Steven Spielberg, David Fincher, Brian De Palma, Ron Howard und Sam Raimi inszeniert wurden.

Koepp inszenierte auch, meistens nach eigenen Drehbüchern, einige deutlich niedriger budgetierte Filme wie „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“, „Das geheime Fenster“, „Premium Rush“ und zuletzt die misslungene Gaunerkomödie „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“.

Jetzt veröffentlichte er sein Romandebüt. Auf dem Klappentext lobt keiner der Regisseure, mit denen er teilweise mehrmals zusammen arbeitete, sondern Steven Soderbergh den Roman. Das ist insofern bemerkenswert, weil Soderbergh und Koepp noch nicht zusammen arbeiteten. Und Soderbergh trotz kommerziell sehr erfolgreicher Filme, wie den „Ocean’s Eleven“-Filmen, und dem Virus-Thriller „Contagion“ nicht für Blockbuster-Kino bekannt ist.

Das steigert schon einmal meine Aufmerksamkeit. Und mit 336 Seiten ist der Roman sympathisch kurz. Denn diese Wissenschaftsthriller, in denen tödliche Viren auf die Menschheit losgelassen werden, haben die Tendenz, nicht vor mindestens fünfhundert, eher sechshundert Seiten zu stoppen.

Schon die ersten Seiten zeigen, dass Koepp sein Handwerk versteht.

1987 sichern Roberto Diaz und Trini Romano im australischen Outback eine besonders aggressive Form eines parasitischen Pilzes. Bis auf eine kleine Probe wird der Organismus vernichtet.

Diese Probe wird im sehr gut gesicherten vierten Untergeschoss einer militärischen Anlage in Missouri in den Atchison-Minen neunzig Meter unter der Erde gelagert. Später wird das Gebäude verkauft und zu einem Self-Storage-Lagergebäude umfunktioniert. Der Cordyceps novus wird vergessen.

Im März 2019 bemerken die beiden Mittzwanziger Teacake und Naomi während ihrer stinklangweiligen Nachtschicht ein Geräusch. Sie gehen dem Piepen nach. Zuerst entdecken sie hinter einer dünnen Gipswand eine Schaltzentrale, die ihnen den Ursprung des Piepens verrät. Im ihnen bislang vollkommen unbekannten vierten Untergeschoss gibt es ein Problem.

Während sie, jung und abenteuerlustig wie sie sind, dem Problem auf den Grund gehen und dabei das emsig wuchernde Cordyceps novus entdecken, ist die Kavallerie schon auf dem Weg. Sie besteht aus Roberto Diaz, der inzwischen ein 68-jähriger pensionierter Soldat ist.

Bis dahin müssen sie gegen den todbringenden Pilz und von ihm befallene Personen kämpfen.

Cold Storage – Es tötet“ liest sich wie ein gelungener Filmroman. Die Handlung bewegt sich mit jeder Seite fort. Souverän und die Spannung kontinuierlich steigernd wird zwischen den verschiedenen Handlungssträngen gewechselt. Dabei konzentriert Koepp sich auf wenige, sparsam, aber ausreichend charakterisierte Figuren. Jede dieser Figuren hat eine wichtige Rolle in der Geschichte. Außerdem haben alle Figuren kurze, unterschiedliche und einprägsame Namen. Das ist die hier gut angewandte Formel für einen echten Pageturner, den man, wenn man zwei Koepp-Filme nennen will, als eine spannende Variante von „Jurassic Park“ und „Panic Room“ bezeichnen kann. Wobei „Cold Storage – Es tötet“ natürlich einige andere Ideen und überraschende Wendungen hat.

Die Filmrechte sind bereits verkauft. In den richtigen Händen wird kann die Geschichte zu einem hoch spannenden, fast nur an einem Ort spielendem Horrorthriller werden.

David Koepp: Cold Storage – Es tötet

(übersetzt von Oliver Hoffmann)

HarperCollins, 2019

336 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Cold Storage

Ecco/HarperCollins Publishers, 2019

Hinweise

Wikipedia über David Koepp (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Intrigo: In Liebe, Agnes“, „Intrigo: Samaria“ und der Zuschauer ist entschlafen

Oktober 10, 2019

Damit hatte ich schon nicht mehr gerechnet. Vor fast genau einem Jahr lief die ziemlich misslungene Håkan-Nesser-Verfilmung „Tod eines Autors“ vor einem überschaubarem Publikum in unseren Kinos. Damals waren bereits die nächsten beiden „Intrigo“-Filme abgedreht. Auch sie waren von Daniel Alfredson, nach Drehbüchern von ihm und Ditta Bongenhielm, inszeniert und sie basierten ebenfalls auf älteren Novellen von Nesser. Die Idee war eine aus drei voneinander unabhängigen Filmen bestehende Anthologiereihe zu machen. Drei Spielfilme für die vielen Scandic-Noir-Fans, dreimal hochkarätig besetzte Spannung. Das war die Idee und das Werbeversprechen.

Nach dem Flop „Tod eines Autors“ rechnete ich damit, dass „In Liebe, Agnes“ und „Samaria“ gar nicht mehr im Kino gezeigt, sondern gleich auf DVD veröffentlicht werden. Doch jetzt bringt der Verleih gleichzeitig die nächsten beiden „Intrigo“-Filme in die Kinos. Das wirkt, angesichts der Qualitäten der beiden Filme, wie das Erfüllen lästiger Vertragspflichten und einer überfälligen Lagerräumung. Denn sehenswert ist keiner der beiden Filme.

In „In Liebe, Agnes“ sieht Agnes bei der Beerdigung ihres Mannes ihre Jugendfreundin Henny. Sie haben sich, nach einem Bruch in der Vergangenheit, seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.

Kurz darauf fragt Henny Agnes, ob sie ihren Mann töten könne. Sie gäbe ihr dafür auch viel Geld. Geld, das sie gut gebrauchen könnte, um die Kinder ihres verstorbenen Mannes auszubezahlen.

In „Samaria“ recherchiert Dokumentarfilmerin Paula Polanski einen alten Mordfall an einer Klassenkameradin. Der als Mörder verurteilte Mann behauptet, seine Tochter nicht ermordet zu haben. Die Leiche der neunzehnjährigen Vera Kall wurde nie gefunden.

Für ihren Film befragt sie auch Henry, der vor zehn Jahren als Aushilfslehrer in dem Dorf war. Henry beginnt sich zu erinnern und wir dürfen rätseln, ob der nette Lehrer auch ein gar nicht so netter Liebhaber einer Schülerin war und ihr Mörder ist.

Erzählerisch und inszenatorisch knüpfen beide Filme nahtlos an „Tod eines Autors“ an. Daher können sie mühelos zusammen besprochen werden. Alle „Intrigo“-Geschichten haben eine durchaus interessante Ausgangsidee, aus der aber niemals etwas gemacht wird. Das ist schon so bei den Vorlagen und ist bei den Verfilmungen noch offensichtlicher. Es besteht einfach kein Bedarf an einer weiteren dämlichen Wiederholung von „Zwei Fremde im Zug“. Und weil die Geschichten so sinnfrei entwickelt sind, ahnt man die Pointe bereits früh; – falls man sich in dem Moment überhaupt noch dafür interessiert.

Samaria“ basiert auf den Geschichten „Die Wildorchidee aus Samaria“ und „Sämtliche Informationen in der Sache“, die für den Film erheblich verändert wurden. Geholfen hat es nicht. Wieder einmal wurde sich nicht viel um Plausibilität und Logik in der Geschichte und bei den Figuren gekümmert.

Alle Geschichten spielen auf zwei Zeitebenen. Immer spielen sie in einer ortlosen, irgendwo zwischen den Alpen und Skandinavien angesiedelten Gegend. Alles ist TV-tauglich aufgeräumt. Und die Schauspieler spielen ihre Texte einfach herunter. Auch die Inszenierung schielt nicht auf die große Kinoleinwand, sondern den kleinen TV-Bildschirm für den „TV-Film der Woche“-Slot. Das ist von der ersten bis zur letzten Minute Dienst nach Vorschrift. Eine eigene Handschrift oder auch nur der Versuch, auf irgendeiner Ebene etwas eigenständiges zu kreieren ist nirgends spürbar.

Insofern ist es erstaunlich, dass der Verleih „In Liebe, Agnes“ und „Samaria“ doch noch ins Kino brachte und nicht gleich im TV versenden ließ.

Intrigo: In Liebe, Agnes (Intrigo: Dear Agnes, Deutschland/USA 2019)

Regie: Daniel Alfredson

Drehbuch: Ditta Bongenhielm, Daniel Alfredson

LV: Håkan Nesser: In Liebe, Agnes, 2002

mit Carla Juri, Gemma Chan, Jamie Sives

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Intrigo: Samaria (Intrigo: Samaria, Deutschland/USA 2019)

Regie: Daniel Alfredson

Drehbuch: Ditta Bongenhielm, Daniel Alredson

LV: Håkan Nesser: Die Wildorchidee aus Samaria, 2005; Sämtliche Informationen in der Sache, 2005

mit Phoebe Fox, Andrew Buchan, Jeff Fahey

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Håkan Nesser: Intrigo

(übersetzt von Paul Berf, Christel Hildebrandt und Gabriele Haefs)

btb, 2018

608 Seiten

12 Euro

Originalausgabe

Intrigo

Albert Bonniers, Stockholm, 2018

Hinweise

Filmportal über „Intrigo: In Liebe, Agnes“ und „Intrigo: Samaria“

Moviepilot über „Intrigo: In Liebe, Agnes“ und „Intrigo: Samaria“

Rotten Tomatoes über „Intrigo: In Liebe, Agnes“

Meine Besprechung von Daniel Alfredsons Stieg-Larsson-Verfilmung „Verdammnis“(Flickan som lekte med elden, Schweden 2009) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Daniel Alfredsons Stieg-Larsson-Verfilmung „Vergebung“ (Luftslottet som sprängdes, Schweden/Dänemark/Deutschland 2009) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Daniel Alfredsons Håkan-Nesser-Verfilmung  „Intrigo: Tod eines Autors (Intrigo: Death of an Author, USA/Schweden/Deutschland 2018)

Homepage von Håkan Nesser

Deutsche Homepage von Håkan Nesser

Meine Besprechung von Håkan Nessers „Intrigo“ (Intrigo, 2018)


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