Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Die „Atomic Blonde“ besucht „The Coldest City“

August 24, 2017

Noch steht die Mauer in Berlin.

Noch bekämpfen sich westliche und östliche Geheimdienste. Wenn sie nicht gerade miteinander kooperieren und dabei, vielleicht, versuchen, sich gegenseitig zu betrügen.

In diese Schattenwelt der Spione entführt David Leitch uns mit seinem Spielfilmdebüt „Atomic Blonde“. Davor war der Stuntman bei Filmen wie „The Wolverine“, „Jurassic World“, „Hitman: Agent 47“ und „Captain America: Civil War“ Second Unit Director und bei „John Wick“ der Regisseur, dessen Namen wegen der DGA-Regeln nicht genannt wurde. Im Moment dreht er den zweiten „Deadpool“-Film. Aber „John Wick“ ist die Referenz, die die Werbung für den Film anpeilt. Ein stylischer Agententhriller mit einer Frau, die keinem Kampf aus dem Weg geht, als Protagonisten und atemberaubenden Actionszenen wird versprochen.

Charlize Theron spielt sie. Lorraine Broughton ist eine britische Agentin, die wenige Tage vor dem Fall der Mauer nach Berlin geschickt wird. Sie soll von einem Stasi-Offizier, der den Codenamen Spyglass hat, eine Liste beschaffen, die alle Identitäten und persönlichen Details der westlichen Agenten, die im Moment in Berlin arbeiten, enthält. Jeder, immerhin ist die Liste der klassische MacGuffin, will diese brisante Liste haben.

Schon vor ihrem Eintreffen in Berlin ist Broughtons Tarnung aufgeflogen. Auf der Fahrt vom Flughafen Tempelhof zum Hotel erledigt sie deshalb im fahrenden Auto ihre Begleiter.

Trotz aufgeflogener Tarnung bleibt sie in Berlin und versucht an die Liste zu kommen, während sie sich fragt, wem sie trauen kann. Denn neben den für verschiedene Geheimdienste arbeitenden Agenten gibt es auch Doppel-, Trippel- und Doppel-Doppel-Agenten, die sich munter bekriegen, bis schließlich die Operation so sehr aus dem Ruder läuft, dass – und das ist in der Comicvorlage und dem Film die Rahmenhandlung – die mit blauen Flecken übersäte Broughton unmittelbar nach dem Einsatz ihrem MI6-Vorgesetzten und einem hochrangigen CIA-Geheimdienstler Bericht erstatten muss.

Obwohl Regisseur Leitch und Drehbuchautor Kurt Johnstadt („300“) viel Zeit auf diesen letztendlich hoffnungslos verworrenen und unglaubwürdigen Geheimdienstplot der John-le-Carré-Schule verwenden, bekommen sie die Geschichte nie in den Griff. Das liegt auch daran, dass Leitch die Inszenierung, der schöne Schein, das Spiel mit Zitaten und die Action wichtiger sind.

Berlin wird bei ihm zu einem neonbunten 80er-Jahre-Retrofest. Bekannte Songs, wie „99 Luftballons“, „Der Kommissar“, „Major Tom“, „Cat People“ und, an einem arg unpassenden Moment eingesetzt, „London Calling“, werden exzessiv und die Handlung wenig subtil kommentierend eingesetzt, während die Bilder direkt aus einem Musikvideo stammen könnten.

Hier zeigt sich ein Stilwille, der in die Prätention umschlägt. Entsprechend ist der Humor auch eher behauptet als wirklich vorhanden. „Atomic Blonde“ besitzt halt nie den subversiven Humor von „John Wick“ und Leitch ist als Regisseur nicht so talentiert wie „John Wick“-Regisseur Chad Stahelski, der den Humor und die Anspielungen auf andere Filme gelungener in die „John Wick“-Filme integriert. Außerdem arbeitet er erkennbar an einem vollkommen eigenen Action-Stil.

Die Action, die in der Werbung für den Film im Mittelpunkt steht, dominiert „Atomic Blonde“ dann doch nicht so sehr wie man erwarten könnte. Es gibt angesichts der geschürten Erwartung eines zweistündigen Non-Stop-Actionfilms eigentlich sogar ziemlich wenig Action, aber die ist dann – wir erinnern uns an „John Wick“ -, soweit möglich, ziemlich altmodisch und mit wenigen Schnitten inszeniert. Man will die Stuntmen bei der Arbeit sehen. Und genau wie Darsteller Keanu Reeves, der John Wick spielt, verzichtet Charlize Theron bei den Actionszenen fast vollständig auf ein Double. Entsprechend beeindruckend ist eine fast zwölfminütigen Schlägerei und Schießerei zwischen Theron und einigen Bösewichtern, die in einem Fahrstuhl beginnt und sich über mehrere Stockwerke und durch eine verlassene Wohnung bis zur Straße hinunter hinzieht. Leitch hat sie so inszeniert, dass sie wie eine ungeschnittene Szene wirkt. Weil er hier und in den anderen Actionszenen immer wieder mit Nahaufnahmen und Wackelkamera arbeitet, fällt auch auf, dass Theron nicht so fit wie Reeves ist.

Der Film wurde in Budapest und Berlin gedreht und als Berliner erkennt man auch erfreulich viele Drehorte; auch wenn die Macher sich letztendlich nicht darum kümmerten, ob die Orte wirklich so nebeneinander liegen, wie der Actionthriller es suggeriert.

Das alles erfreut das Auge, während die Geschichte sich in nebulösen Spionageintrigen und halbseidenen Geschäften erschöpft. Die Charaktere bleiben alle eindimensionale Abziehbilder. Comiccharaktere in einer Comicwelt. Vor allem Charlize Theron marschiert terminatorgleich und ohne eine Miene zu verziehen durch den Film. Entsprechend schwer bis unmöglich ist es, irgendeine emotionale Bindung zu dieser Kunstfigur, die auch keinen Schmerz empfindet, aufzubauen. Dagegen gelingt es den hochkarätigen Nebendarstellern, ihren bestenfalls sparsam, meistens funktional gezeichneten Charakteren eine unglaubliche Tiefe zu verleihen. So hat Eddie Marsan als Spyglass nur, je nach Zählung, ungefähr drei Szenen, aber sein Porträt eines kleinen Beamten, der sein Land verrät und plötzlich um sein Leben kämpfen muss, ist absolut glaubwürdig und berührend.

Insgesamt ist „Atomic Blond“ eine mit zwei Stunden etwas lang geratene und mit einem unnötig komplizierten Plot gesegnete Agentenplotte mit viel Action und noch mehr allseits bekannten Hits.

Eine in Neon getauchte 80er-Jahre-Gedächtnisveranstaltung eben.

Der von Anthony Johnston geschriebene und Sam Hart in atmosphärischen, oft ins Abstrakte gehenden SW-Panels gezeichnete, grandiose Comic „The Coldest City“ beginnt zwar mit der gleichen Prämisse und der gleichen Struktur. Aber in Berlin bewegt sich die Geschichte, mit deutlich weniger Action, auf anderen Wegen.

Atomic Blonde (Atomic Blonde, USA 2017)

Regie: David Leitch

Drehbuch: Kurt Johnstad

LV: Antony Johnston/Sam Hart: The Coldest City, 2012 (The Coldest City)

mit Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Til Schweiger, Eddie Marsan, Sofia Boutella, Toby Jones, Roland Møller, Bill Skarsgård, Barbara Sukowa

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Antony Johnston/Sam Hart: The Coldest City

(übersetzt von Sarah Weissbeck)

Cross Cult, 2017

176 Seiten

25 Euro

Originalausgabe

The Coldest City

Oni Press, 2012

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Atomic Blonde“

Metacritic über „Atomic Blonde“

Rotten Tomatoes über „Atomic Blonde“

Wikipedia über „Atomic Blonde“

Homepage zum Antony Johnston

Meine Besprechung von Alan Moore (Manuskript, Original-Drehbuch)/Malcolm McLaren (Original-Drehbuch)/Antony Johnston (Comic-Skript)/Facundo Percio (Zeichnungen) „Fashion Beast: Gefeuert (Band 1)“ (Fashion Beast # 1 – 5, 2012/2013)

 

Advertisements

„Paper Girls 2“: in der Gegenwart, aber nicht am Ziel ihrer Reise

August 23, 2017

Am Ende des ersten Bandes von „Paper Girls“ erleben die vier Teenie-Zeitungsausträgerinnen Erin, Tiffany, MacKenzie und KJ, nachdem sie 1988 am Halloweenmorgen in ihrer lauschigen US-Vorstadt Stony Stream auf viele Aliens, die ihnen mehr oder weniger freundlich gesonnen waren und die mehr oder weniger menschlich waren, trafen, einen Zeitsprung. Sie landen im Jahr 2016 und sie stehen der deutlich älteren Erin Tieng gegenüber.

Die Vierzigjährige glaubt den vier Mädchen, – was einen schon misstrauisch machen sollte -, und versucht ihnen zu helfen. Denn bei dem Zeitsprung ging KJ verloren. Erin, Tiffany und MacKenzie glauben, ihre Freundin in der verlassenen Stony Gate Mall zu finden. Jedenfalls ist das Einkaufszentrum der Ort, den das kleine viereckige Gerät mit dem Apfel-Symbol auf der Rückseite, Erin Tieng verrät, nachdem ihre Benutzer-ID erkannt wurde.

Zur gleichen Zeit tauchen eine weitere Erin Tieng und einige Urviecher, Flugsaurier und riesige Maden auf und die echte Erin (also die Teenie-Erin) entdeckt in der Shopping-Mal einen an der Decke schwebenden Hockeyschläger, auf dem steht „Vertrau anderer Erin nicht!!!“.

Nur: welche Erin Tieng ist gemeint?

In dem zweiten „Paper Girls“-Sammelband erzählen Autor Brian K. Vaughan und Zeichner Cliff Chiang die Geschichte flott weiter. Wobei sie dieses Mal fast vollständig auf popkulturelle Anspielungen verzichten und es sich eher um einen Thrillerplot handelt. Immerhin müssen die Mädels innerhalb einer kurzen Zeit an einem bestimmten Ort sein.

Auch der zweite Band liefert prächtige Unterhaltung und man will wissen, wie die Geschichte der jungen Zeitungsausträgerinnen (das dürfte in den USA auch einer der bedrohten Berufe sein) Erin, Tiffany, MacKenzie und KJ weiter geht.

Letztes Jahr erhielt „Paper Girls“ den Eisner und den Harvey Award als „Beste neue Serie“.

Brian K. Vaughan/Cliff Chiang: Paper Girls 2

(übersetzt von Sarah Weissbeck)

Cross Cult, 2017

144 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Paper Girls, Volume 2

Image Comics, 2017

enthält

Paper Girls # 6 – 10

Hinweise

Homepage von Cliff Chiang

Wikipedia über „Paper Girls“, Brian K. Vaughan (deutsch, englisch) und Cliff Chiang

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 1“ (Paper Girls, Volume 1, 2016)


„Chew – Bulle mit Biss!“ feiert „Die letzten Abendmahle“

August 21, 2017

Als wir Tony Chu kennen lernten, war er ein Polizist der FDA (Food and Drug Administration), der seit einigen Jahren enorm mächtigen Arznei- und Nahrungsmittelbehörde. Er ist ein humorloser Sturkopf mit einer besonderen, fast einmaligen Fähigkeit. Er ist ein Cibopath, also ein Mensch, der beim Essen die gesamte Geschichte des Gegessenen erlebt. Eine Fähigkeit, die bei Mordaufklärungen durchaus nützlich ist. Wenn auch nicht besonders appetitlich.

Zusammen mit seinem inzwischen mit kypernetischen Implantaten aufgemotzten Kollegen John Colby gehen die beiden Polizisten gegen Menschen vor, die gegen Gesetze verstoßen und Hühnerfleisch essen, zubereiten oder damit handeln. Dieses Handels- und Verzehrverbot wurde erlassen, nachdem eine Vogelgrippe zum Tod von Millionen Menschen führte.

Nach ihrem ersten Comicauftritt begannen die von Autor John Layman und Zeichner Rob Guillory erfundenen Ermittler dann nach den Verantwortlichen für die Hähnchen-Pandemie, die allein in den USA 23 Millionen Opfer forderte, zu suchen. Mal mit-, mal gegeneinander, mal mit, mal gegen andere Ermittler, mit mehr oder weniger viel, mehr oder weniger erwünschter Hilfe von Tonys Familie und mit Poyo. Der komplett durchgeknallte Hahn, der alle 80er-Jahre-Actionhelden vor dem Frühstück verspeisen könnte, ist nach den Ereignissen von „Brust oder Keule“ (Band 9) und „Blutwurst“ (Band 10) in „Die letzten Abendmahle“ (Band 11) allerdings nicht dabei.

Diese Suche nach den Verantwortlichen für die Pandemie ist aber nur der rote Faden für eine zunehmend, positiv gemeint abstrus werdende Comicserie, die von ihren satirischen Überspitzungen und dem Einfallsreichtum der beiden Macher lebt. Denn neben Tony Chu haben viele Menschen besondere Fähigkeiten. Zum Beispiel seine Tochter Olive (die immer wichtiger wird). Sie ist auch Xocoscalperitekerin, d. h. sie kann Waffen aus Schokolade nachbauen, die den Originalen in nichts nachstehen. Sie ist auch Tortaespaderokerin, d. h. sie kann Tortillas in tödliche Waffen verwandeln. Es gibt, was wir erst im neuesten „Chew – Bulle mit Biss!“-Sammelband „Die letzte Abendmahle“ erfahren, auch Cognominutusker (sie können jede Speisekarte in jeder Sprache lesen [keine Ahnung, für was das wirklich nützlich ist]) und Victulocusiriker (sie können einen, wenn man in ihrer Gegenwart speist, an den Herkunftsort des Gerichts bringen; – weshalb mein kein Dinofleisch essen sollte). Alles ist immer satirisch verfremdet gezeichnet und die zahlreichen, munter Zeit und Schauplätze wechselnden Episoden nehmen auf nichts Rücksicht.

Das macht so viel Spaß, dass man wenig Interesse an der Lösung hat. Die wird es Mitte Januar 2018 mit dem nächsten „Chew“-Sammelband „Sauerer Apfel“ geben. Autor John Layman hat schon vor Ewigkeiten gesagt, dass „Chew“ nach sechzig Heften (bzw. 12 Sammelbänden) enden wird.

Als Bonus gibt es im elften „Chew“-Band mit „Chew Revival“ ein Crossover von „Chew“ mit Tim Seeleys Serie, „Revival“, die ebenfalls auf ihr Ende zusteuert.

John Layman/Rob Guillory: Chew – Bulle mit Biss!: Die letzten Abendmahle (Band 11)

(übersetzt von Annika Klapper)

Cross Cult, 2017

128 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Chew Vol. 11: The last suppers

Image Comics, 2016

enthält

Chew # 51 – 55

Hinweise

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Leichenschmaus (Band 1)“ (Chew Vol. 1: Taster’s Choice, 2009)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Reif für die Insel (Band 2)“ (Chew: International Flavor, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Eiskalt serviert (Band 3)“ (Chew Vol. 3: Just Desserts, 2010)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Flambiert (Band 4)“ (Chew, Vol. 4: Flambé, 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Erste Liga“ (Band 5) (Chew Vol. 5: Major Legue Chew, 2012)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Space Kekse (Band 6)“ (Chew Vol. 6: Space Cakes, 2013)

Meine Besprechung von John Layman/Jason Fabok/Andy Clarkes „Batman Detective Comics: Der Herrscher von Gotham (Band 3)“ (Detective Comics 13 – 20, 2012/2013)

Ein aktuelles Interview mit kleinen Spoilern zur Geschichte von Chew (bescheidener Sound)


Kurzkritik: Kathrin Lange: Ohne Ausweg

August 17, 2017

Ohne Ausweg“ ist der dritte Roman mit dem Berliner Kommissar Faris Iskander. Nach seinen vorherigen Fällen genießt er in der Hauptstadt eine gewisse Berühmtheit. Normalerweise wäre das für Undercover-Ermittlungen hinderlich, aber in diesem Fall ist es ein Vorteil. Denn so kann um Iskander die Legende gestrickt werden, dass er frustriert von den früheren Ereignissen zum Islam konvertierte und jetzt eine Karriere als Terrorist anstrebt.

Als die für religiös motivierte Verbrechen zuständige LKA-Sondereinheit, deren Mitglied Iskander ist, von einem in wenigen Tagen oder Stunden geplanten Anschlag in Berlin erfährt, wird Iskander in das neue Hochsicherheitsgefängnis in Karlshorst eingeschleust. Der dort inhaftierte Terroristenanführer al-Sadiq soll den Anschlag geplant haben. Iskander soll sein Vertrauen erlangen und so an Informationen über den Anschlag gelangen.

In diese Moment wissen wir, auch ohne die Lektüre des Klappentextes, dass der Anschlag eigentlich von Rechtsextremen geplant wird und dass die Terroristen von Polizisten unterstützt werden.

Kathrin Langes neuen Iskander-Roman kann man als das Zusammentreffen von US-Thrillerplot und deutscher Piefigkeit beschreiben. Mit einem Touch James Patterson. Denn die Handlung schert sich kaum um Glaubwürdigkeit. Dafür gibt es alle paar Seiten (na gut, eher alle paar Dutzend Seiten) eine überraschende Wendung. So gerät Iskander während seinem teils haarsträubend verlaufenden Undercover-Einsatz in eine Knastrevolte, die den gesamten Terroristenplot erst einmal zur Seite schiebt. Wenn Iskander sich dann durch das von Gefangenen besetzte Gefängnis bewegt, scheinen die alle gerade das Gebäude verlassen zu haben. Jedenfalls muss er sich nicht mit den dort inhaftierten Extremisten jeglicher Couleur auseinandersetzen. Plötzlich vermutet die Sondereinheit einen Verräter in den eigenen Reihen und wenige Seiten später ist er enttarnt. Und dann muss noch der große Giftgasanschlag verhindert werden.

Die zahlreichen kleineren Anschläge, die bis dahin ausgeführt werden, würde keine ernsthafte Terrororganisation vor ihrem großen Anschlag ausführen. Sie haben auch keine erkennbaren Auswirkungen auf die Geschichte, die sich innerhalb weniger Stunden abspielt. Sie sind eher eine periodisch eingestreute Erinnerung an den unaufmerksamen Leser, dass es eigentlich um Terroristen geht, die einen sehr gefährlichen Anschlag planen. Währenddessen scheint das normale Stadtleben in Berlin weiterzulaufen, als sei nichts geschehen. Obwohl die Medien darüber berichten. Das ist nicht glaubwürdig und in diesem Fall mit zunehmender Seitenzahl auch nicht spannend.

Kathrin Lange: Ohne Ausweg

Blanvalet, 2017

448 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage von Kathrin Lange

Wikipedia über Kathrin Lange


Kurzkritik: Leonhard F. Seidl: Fronten

August 16, 2017

Was habe ich da gelesen?

Eigentlich fragte ich mich schon während der Lektüre von Leonhard F. Seidls Kriminalroman „Fronten“, was ich da lese. Nach dem Klappentext geht es um einen bosnischen Waffensammler, der im oberbayerischen Auffing auf der Polizeistation Amok läuft, nachdem die Polizei seine Waffen konfiszierte.

Während des Amoklaufs ist auch eine muslimische Ärztin auf der Station. Später wird sie, aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen, von der Polizei als Verdächtige behandelt.

Und ein ‚Reichsbürger‘ sinnt auf Rache. Unter anderem an der Ärztin.

Das ist die durchaus vielversprechende Ausgangslage, die, nun, auf sehr verschiedenen Wegen zu einem Ende geführt werden kann.

Seidl entschließt sich für einen sehr seltsamen Weg. Während des gesamten Romans springt er von der Gegenwart in die Vergangenheit der drei Protagonisten zurück zu genau datierten, aber eher unspezifischen Tagen in den Jahren 1988, 1995, 2001, 2007, 2013 und 2015. Diese über viele Seiten ausgebreiteten Ereignisse sind wenig interessant. Mit den aktuellen Ereignissen in Auffing haben sie praktisch nichts zu tun. Außer man will, in einer sehr gewagten Ursache-Wirkungskette, einen monokausalen Zusammenhang von einer bestimmten Erziehung oder Demütigung auf ein späteres Verhalten herstellen.

Die Ereignisse in der Gegenwart gewinnen vor allem durch die zusammenfassenden Berichte ihren Zusammenhang. Aber Berichte und Zeitungsartikel sind in einem Roman (oder Film) vor allem ein Mittel, um schnell Informationen zu vermitteln oder eine Perspektive einzufügen, die wichtig ist, aber zu sehr von der Haupthandlung ablenken würde. Manchmal ist das auch der erzählökonomische Weg, um den Protagonisten über bestimmte für ihn wichtige Dinge zu informieren.

In „Fronten“ ersetzen diese Zeitungsartikel und Berichte die Geschichte. So wird über den für den Roman zentralen Amoklauf in der Polizeistation nichts geschrieben. Es gibt nur, auf Seite 52/53 den Einsatzbericht des Roten Kreuzes über den Ausgang des Amoklaufs (ein toter, vier verletzte Beamte, ein schwer verletzter Täter). Was wie geschah können wir uns dann ausmalen.

Mit dieser durchgehend angewandten Collage-Technik will Seidl den Leser zum mit- und nachdenken bewegen. Nur: es funktioniert nicht. Alles ist zu kryptisch, vieles überflüssig und die angebotenen Erklärungen bleiben oberflächlich.

Leonhard F. Seidl: Fronten

Edition Nautilus, 2017

160 Seiten

16 Euro

Hinweise

Edition Nautilus über den Roman (mit mehr Synopse und den Daten der Lesetour)

Homepage von Leonhard F. Seidl

Wikipedia über Leonhard F. Seidl


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik (und ein Hinweis): Über die Stephen-King-Verfilmung „Der dunkle Turm“

August 10, 2017

Jetzt, endlich, nachdem schon seit Jahren, darüber gesprochen wurde, wahrscheinlich alle wichtigen Menschen in Hollywood, außer Clint Eastwood, irgendwann, mehr oder weniger ernsthaft, mit einer Verfilmung assoziiert wurden, Stephen King vor zehn Jahren die Verfilmungsrechte verkaufte und der Film dann mit verschiedenen Machern assoziiert wurde, ist die Verfilmung von „Der dunkle Turm“, Kings epischer, über Jahrzehnte geschriebener Fantasy-Saga, fertig.

Eine TV-Serie, die in einer noch unklaren Verbindung zum Film steht, – wahrscheinlich wird die Origin-Geschichte von Roland erzählt -, und ein weiterer Spielfilm, der sich irgendwie auch auf die TV-Serie beziehen soll, sind geplant. Ob den derzeit noch sehr schwammigen offiziellen Ankündigungen Taten folgen, wird die Zukunft zeigen.

In den USA ist der Film letzte Woche angelaufen. Aktuell steht er, was vor allem an der schwachen Konkurrenz liegt, auf dem ersten Platz der Kinocharts. Von der Kritik wurde er mit einem Furor verrissen, den zuletzt „Die Mumie“ erleben durfte.

Dabei ist „Der dunkle Turm“ nicht so schlecht, wie die Kritiken befürchten lassen. Ein guter Film ist er auch nicht. Sondern nur ein zutiefst durchschnittlicher, weit unter seinem Potential bleibender Film, der sich etliche Freiheiten gegenüber Kings Fantasy-Saga nimmt. Der Film ist nämlich eine einführende Interpretation in die von King über inzwischen acht Romane entworfene Welt,

Der vierzehnjährige Jake Chambers (Tom Taylor) lebt in New York. Seine Mutter hat einen neuen Freund und er ist in psychiatrischer Behandlung, weil er den Verlust seines Vaters noch nicht überwunden hat und Alpträume hat. Er träumt von einem dunklen Turm, einem Mann in Schwarz, einem Revolverhelden und einer untergehenden Welt. Er zeichnet seine Träume auf. Als er auf den Straßen von Manhattan und in seiner Wohnung Gestalten aus seinen Träumen begegnet, glaubt er, endgültig wahnsinnig zu werden.

Durch ein Portal betritt er Mittwelt, eine archaische Steampunk-Westernlandschaft. Dort erhofft er sich Antworten auf seine Alpträume, die doch keine Alpträume, sondern Bilder einer ihm unbekannten Realität sind. Er trifft den Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba), der den Mann in Schwarz (Matthew McConaughey) verfolgt. Walter O’Dim hat übernatürliche Kräfte und eine große Gefolgschaft. Er will den dunklen Turm, der im Zentrum vieler verschiedener Welten steht, zum Einsturz bringen und so gleichzeitig alle Welten vernichten.

Roland will das verhindern und die Zeichnungen von Jake können ihm den Weg zum Mann in Schwarz und zum dunklen Turm weisen.

Ein klarer Konflikt, gute Schauspieler, beeindruckende Locations (gedreht wurde in Südafrika und New York) und trotzdem kann „Der dunkle Turm“ nicht wirklich begeistern. Die Tricks und die Actionszenen sind zwar gut, aber nicht grandios. Kein Dialoge bleibt im Gedächtnis. Alles wirkt etwas lieblos hingeschludert und fahrig. Deshalb hat man immer das Gefühl, dass mit etwas mehr Zeit beim Dreh und einer ruhigeren und konzentrierteren Erzählweise beim Erzählen der Filmgeschichte ein deutlich besseres Ergebnis möglich gewesen wäre.

Für einen Kinofilm wirkt alles immer eine Nummer zu klein. So als habe man den neunzigminütigen Pilotfilm für eine TV-Serie inszeniert.

Die Geschichte hat zwar ein klares Ende und keinen irgendwie gearteten Cliffhanger zum nächsten Film, aber trotzdem wirkt „Der dunkle Turm“ immer wieder wie ein Set-up, wie eine erste Begegnung mit einer Welt, in der noch viele Geschichten spielen können.

Idris Elba und Matthew McConaughey spielen weit unter ihrem Niveau. In Nikolaj Arcels Film haben sie nie die Präsenz, die sie in anderen Filmen und TV-Serien (ich sage nur „Luther“ und „True Detective“) haben. Das ist vor allem bei Idris Elba bedauerlich. Schon wieder hat er eine Rolle in einem Hollywood-Big-Budget-Film (auch wenn bei „Der dunkle Turm“ das Budget mit sechzig Millionen Dollar erstaunlich gering ist), schon wieder wird er unter Wert verkauft und schon wieder ärgert man sich darüber, dass Hollywood nicht die richtigen Rollen für Elba findet.

Insofern ist „Der dunkle Turm“ weit ab von dem Desaster, das man nach den ersten Kritiken befürchten konnte. Es ist aber auch nie ein Film, der unbedingt auf die große Leinwand drängt und der an irgendeinem Punkt beeindruckt. Er ist einfach in jeder Beziehung gewöhnlich und vorhersehbar.

Der dunkle Turm (The dark Tower, USA 2017)

Regie: Nikolaj Arcel

Drehbuch: Akiva Goldsman, Jeff Pinkner, Anders Thomas Jensen, Nikolaj Arcel

LV: basierend auf den „Der dunkle Turm“-Romanen von Stephen King

mit Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor, Katheryn Winnick, Nicholas Hamilton, Jackie Earle Haley, Abbey Lee, Dennis Haysbert, José Zúñiga

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“

Mit diesen Worten beginnt „Der dunkle Turm: Schwarz“. Der Roman erschien ursprünglich zwischen 1978 und 1981 im „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“ als fünfteiliger Fortsetzungsroman. Er bildet der Auftakt zu Stephen Kings langlebigster Serie, die Fantasy munter mit allen möglichen Genres verknüpft. Neben den acht Romanen, Kurzgeschichten, zahlreichen Querverweisen zu und von seinen anderen Büchern und einer Comicserie ist „Der dunkle Turm“ vor allem ein sich in alle Richtungen ausdehnendes Werk.

In „Schwarz“ verfolgt der Revolvermann Roland, mit etlichen Zeitsprüngen (oder Erinnerungen), den Mann in Schwarz durch eine an einen Italo-Western erinnernde Steampunk-Wüstenlandschaft. Er erzählt einem Grenzbewohner, wie er eine ganze Stadt auslöschte. Er trifft Jake Chambers, ein aus unserer Gegenwart kommender Junge, der sich nur an Bruchstücke seines früheren Lebens erinnert. Jake lebt allein in einem verlassenen Gasthaus. Roland nimmt ihn mit und nach einigen gefährlichen Begegnungen mit mehr übernatürlichen als natürlichen Wesen steht er dem Mann in Schwarz gegenüber. Und diese Begegnung verläuft anders als im Film. Das liegt auch daran, dass Roland im Roman noch nicht weiß, was der dunkle Turm ist und was der Mann in Schwarz will.

Schwarz“ ist eine Sammlung von lose zusammenhängenden Impressionen und Episoden, die in einer prä-/postapokalyptischen Westernlandschaft spielen. Manche dieser Impressionen spielen in einer anderen Zeit. Oft ist der Zusammenhang zwischen diesen Episoden und der Hauptgeschichte nur erahnbar. Das liegt auch daran, dass sie für die aktuelle Geschichte bedeutungslos sind, und dass die Hauptgeschichte eine Ansammlung fast beliebig austauschbarer, folgenloser Begegnungen ist.

Schwarz“ ist ein wirklich schwer verständlicher, fast schon unverständlicher und damit unnötig konfuser Einstieg in die Welt des dunklen Turms.

Bei meiner grundsätzlichen Abneigung gegen Fantasy gehört der Roman zu den Büchern, mit denen ich absolut nichts anfangen kann.

Zum Kinostart veröffentlichte der Heyne-Verlag den ersten Band der „Der dunkle Turm“-Saga mit einem neuen Cover.

Stephen King: Der dunkle Turm: Schwarz

(Erweiterte und überarbeitete Neuausgabe)

(übersetzt von Joachim Körber)

Heyne, 2017 (Filmausgabe)

352 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe der ursprünglichen Fassung

The Dark Tower: The Gunslinger

Donald M. Grant Publisher, Inc., 1982

2003 erstellte Stephen King eine überarbeitete und leicht erweiterte Fassung, in der er einige Details an die weiteren Ereignisse seiner „Der dunkle Turm“-Serie anpasste, die er damals mit „Savannah“ (Song of Savannah) und „Der Turm“ (The Dark Tower) abschloss. Für den Moment. Denn 2012 erschient mit „Wind“ (The Wind through the Keyhole) ein achter Roman, der zwischen den „Der dunkle Turm“-Romanen „Glas“ und „Wolfsmond“ spielt.

Die Neuausgabe folgt der 2003er-Ausgabe des Romans.

Bonushinweis

Vor wenigen Wochen erschien die Taschenbuchausgabe von „Basar der bösen Träume“, der sechsten Sammlung von Kurzgeschichten von Stephen King. Zusätzlich zur gebundenen Ausgabe enthält das Taschenbuch die neue Geschichte „Die Keksdose“ (knapp vierzig Seiten). Insgesamt enthält die Taschenbuchausgabe 21 Geschichten, die in den vergangenen Jahren bereits an verschiedenen Orten erschienen und für die Buchausgabe von King überarbeitet wurden.

Stephen King: Basar der bösen Träume

(übersetzt von vielen, sehr vielen,unglaublich vielen Übersetzern)

Heyne, 2017

816 Seiten

12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2016

Originalausgabe

The Bazar of Bad Dreams

Scribner, New York, 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der dunkle Turm“

Metacritic über „Der dunkle Turm“

Rotten Tomatoes über „Der dunkle Turm“

Wikipedia über „Der dunkle Turm“ (Film: deutsch, englisch; Romanserie: deutsch, englisch) und Stephen King (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)


Rainer Wittkamp stimmt den „Hyänengesang“ an

August 9, 2017

In einem alten „Tatort“ aus den Siebzigern verabschiedet sich der Kommissar, kurz nachdem die Leiche entdeckt wird, aus dem Kriminalfall in seinen lange geplanten Urlaub. Sein Assistent muss den Fall ohne die Hilfe seines Vorgesetzten aufklären.

Heute undenkbar.

Denkbarer und normaler ist in neueren Krimis, dass der Kommissar seinen Urlaub verschiebt, um den Fall aufzuklären. Meist aus eigenem Antrieb, seltener weil sein Vorgesetzter ihn darum bittet. So geschieht es auch in Rainer Wittkamps neuem Kriminalroman „Hyänengesang“.

Kommissar Martin Nettelbecks Vorgesetzte, Kriminalrätin Koschke, befiehlt ihm, seinen seit langem mit seiner Patchwork-Familie geplanten Ghana-Urlaub um einige Tage zu verschieben. Im Hotel de Rome wurde in einer Suite eine Frauenleiche gefunden. Das Zimmer war von Saif Mohamed Zekri, einem Attaché der Botschaft von Oman, gemietet worden und in punkto Diplomatie kennt Nettelbeck sich aus.

Zur gleichen Zeit will der eher unintelligente, sein Comeback planende Schlagersänger Roman Weiden sich an Maximilian Hollweg rächen. Weiden hat finanzielle Probleme. Er hat in den letzten Jahre Schulden abgestottert, während Hollweg, der ihm zu den Investitionen riet, sich eine goldene Nase verdiente. Jetzt, so glaubt der Sänger, hat Hollweg ihn beim Finanzamt wegen verschwiegener Vermögenswerte angeschwärzt. Weiden will ihn jetzt endgültig umbringen. Dafür bastelt er, nach einer im Internet gefundenen Anleitung eine Bombe.

Hollweg sitzt seit einem von Weiden verursachtem Unfall im Rollstuhl. Aktuell wird er von Jens Todsen gepflegt. Der will sich seine Rastalocken erst abschneiden, wenn er ein sich selbst gegebenes Versprechen erfüllt hat.

Hollweg verhandelt gerade mit dem Botschafter von Oman über eine große Investition, die er bedenkenlos mit Schmiergeldzahlungen in die richtigen Bahnen lanciert.

Und wie Rainer Wittkamp in seinem neuesten Roman „Hyänengesang“ diese verschiedenen Handlungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, auf wenigen Seiten miteinander verknüpft, ist ein großer Spaß. Nach etwas über zweihundert Seiten ist der Fall gelöst und der Kommissar darf Berlin in Richtung Urlaub verlassen.

Wie in seinen vorherigen Romanen garniert Wittkamp die Geschichte mit vielen Anmerkungen zum Jazz. Denn Nettelbeck ist Jazzfan und spielt Posaune. Das schöne bei Wittkamps Jazz-Namedropping ist, dass er sich nicht auf die allseits bekannten, seit Jahrzehnten toten Jazzheroen beschränkt, sondern die gesamte Avantgarde und moderne Entwicklungen mitnimmt. Ray Anderson, Robin Eubanks und Nils Wogram werden erwähnt und wer sie nicht kennt, sollte sich unbedingt eine Aufnahme von ihnen anhören.

Eigentlich könnte Wittkamp, wie Ian Rankin, George Pelecanos und Michael Connelly, mal eine Playlist für seine Leser erstellen. Dann könnte man sich vorm Lesen den Soundtrack zum Buch zusammenstellen.

Rainer Wittkamp: Hyänengesang

grafit, 2017

224 Seiten

11 Euro

Hinweise

Homepage von Rainer Wittkamp

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Schneckenkönig“ (2013)

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Frettchenland“ (2015)

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Stumme Hechte“ (2016)


%d Bloggern gefällt das: