Agenten nach dem Ende des Spionageromans: Über Olen Steinhauers „Der Anruf“

Juni 27, 2016

Der Anruf von Olen Steinhauer

Für den Spionageroman war der Kalte Krieg das Goldene Zeitalter. Danach hat man sogar kurz überlegt Geheimdienste abzuschaffen. Das wurde nicht getan. Schließlich gab und gibt es ja noch genug andere Feinde, die ausspioniert werden müssen und der Spionageroman erzählt darüber Geschichten, die spannender als die Realität sind. Spätestens seit 9/11 gibt es einen neuen, für Thriller äußerst dankbaren Gegner und Russland, das alte Reich des Bösen, ist seit einigen Jahren als Gegner ja ebenfalls wieder gut im Rennen.

Beide spielen in „Der Anruf“, dem neuen Roman von Olen Steinhauer, eine Rolle.

2012 trifft sich CIA-Agent Henry Pelham in Carmel-by-the-Sea mit seiner früheren Kollegin und Geliebten Celia Favreau, die inzwischen eine glücklich verheiratete Mutter ist. Pelham will sich mit ihr über eine Flugzeugentführung unterhalten, die 2006 in Wien katastrophal endete. Die Maschine war von der islamistischen Terrorgruppe Aslim Taslam entführt worden. 120 Menschen befanden sich an Bord.

Vor seinem Einsatz in Wien war Pelham in Moskau stationiert und er war über die Beendigung der Geiselnahme im Dubrowka-Theater, bei der die fünfzig Geiselnehmer, militante tschetschenische Islamisten, und die 129 Geisel vergiftet wurden, verärgert. Damals musste er auf Befehl von Washington seinen Informanten Ilyas Shishani an den russischen Geheimdienst verraten.

Shishani, der danach zum Terroristen wurde und spurlos verschwand, soll auch in die Flugzeugentführung involviert sein.

In Wien, und das ist der Grund des jetzigen Gesprächs zwischen Pelham und Favreau, gab es im CIA-Personal auch einen Verräter, der die Geiselnehmer über Ahmed Najjar informierte. Der CIA-Informanten war zufällig im Flugzeug und informierte die CIA über die aktuelle Lage in ihm.

Pelham will jetzt mit Favreau über die damaligen Ereignisse reden – und, auch wenn Olen Steinhauer die ersten Seiten aus Pelhams Perspektive erzählt, gibt es im Rahmen der Thrillerkonventionen nur zwei mögliche Täter: Pelham, was ihn zu einem der derzeit beliebten unzuverlässigen Erzähler machen würde, und Favreau.

Diese Beschränkung, auch wenn Steinhauer später Teile aus Favreaus Sicht erzählt, auf zwei Personen und, im Prinzip, einem Handlungsort, raubt dem Agenten-Thriller einiges von seiner potentiellen Spannung. Da helfen dann auch nicht die unterschiedlich in die Handlung eingeflochtenen Rückblenden auf die Ereignisse in Wien 2006.

Steinhauer lässt Pelham und Favreau in der Gegenwart und der Vergangenheit im von mir ungeliebten Präsens reden und beide Ich-Erzähler klingen gleich.

So lässt mich Olen Steinhauers neuer Roman „Der Anruf“ trotz spannender Prämisse, interessanter Konstruktion und einer durchaus gelungenen Schlusspointe ziemlich unbegeistert zurück.

Olen Steinhauer: Der Anruf

(übersetzt von Friedrich Mader)

Blessing, 2016

272 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

All the old knives

Minotaur Books, New York, 2015

Hinweise

Homepage von Olen Steinhauer

Blessing über Olen Steinhauer

Krimi-Couch über Olen Steinhauer

Perlentaucher über Olen Steinhauer

Wikipedia über Olen Steinhauer (deutsch, englisch)


Neal Carey will nach „Palm Desert“, Natty Silver eher nicht

Juni 22, 2016

Winslow - Palm Desert - 2

Die Hochzeit wird geplant und Karen plant schon das erste Kind. Neal Carey, der während seines Studiums (ach ja, seine Arbeit über „Tobias Smollett: Literarischer Außenseiter im England des achtzehnten Jahrhunderts“ ist fast fertig) immer wieder für die inoffizielle Abteilung Friends of the Family einer noblen Privatbank gefährliche, mehr oder weniger illegale Aufträge übernehmen musste, könnte also endlich ein normales Leben führen, wenn Karen ihn, der seinen leiblichen Vater nie kannte, nicht mit ihrem Kinderwunsch schockieren würde. Da freut er sich über den Anruf von Joe Graham, seinem „Dad“, dem Mann, der ihn groß zog und der für die Bank arbeitet. Für die Bank – und das hört sich nach einem wirklich leichten Auftrag an – soll Neal Nathan Silverstein, besser bekannt als Natty Silver, von Las Vegas nach Palm Desert fahren. Seine stinkreiche Nichte sorgt sich um ihn.

Natty ist ein mehr als lebenslustiger, ungefähr 85-jähriger Komiker, bei dem unklar ist, an was er sich noch erinnert und der starrsinniger als ein starrsinniges Kind sein kann. Deshalb fliegen Neal und Natty nicht nach Palm Desert, sondern benutzen das Auto – und sie werden, was Neal allerdings erst viel später erfährt, von zwei mordgierigen Männern verfolgt. Denn Natty ist der Zeuge eines Verbrechens.

Palm Desert“ ist der fünfte, letzte und kürzeste Neal-Carey-Roman, dessen Geschichte natürlich eine typische Buddy-Geschichte ist, die – wenn man so will – von „Midnight Run – Fünf Tage bis Mitternacht“ (USA 1988) inspiriert ist. Immerhin spielen die Carey-Romane in den siebziger und achtziger Jahren, es gibt immer etliche zeitgeschichtliche Anspielungen und auch formal bezieht Don Winslow sich immer wieder auf damals in Romanen und Filmen beliebte Grundplots, Situationen und Themen, die er eigenständig und mit viel Humor bearbeitete. Weil die Bank in „Palm Desert“ nur eine Nebenrolle als austauschbarer Auftraggeber für einen austauschbaren Auftrag fungiert, ist Neal Careys letzter Fall auch etwas austauschbar in seiner zeitlichen Verortung. Denn er könnte, wenn nicht einmal erwähnt würde, dass Ronald Reagan Präsident ist, auch zu fast jedem anderen Jahrzehnt spielen.

Davon abgesehen sind alle anderen Elemente, die man von einem Neal-Carey-Roman erwartet, auch in „Palm Desert“ enthalten und weil ein ständig quasselnder Komiker im Mittelpunkt steht, gibt es auch einiges zu Lachen. Auch die in der zweiten Hälfte des Romans eingefügte Korrespondenz zwischen Anwälten und der Leiterin der Schadenabteilung der Western States Versicherungsgesellschaft, die einige wichtige Hintergründe erklären, ist pure Comedy im Korsett des offiziellen Schriftverkehrs. Die in der zweiten Hälfte zunehmend grotesk werdenden Verwicklungen und Dialoge zwischen den involvierten Parteien sorgen für weitere Lacher. Denn selbstverständlich ist der einfache Auftrag kein einfacher Auftrag.

Palm Desert“ ist eine flotte, schnelle, gewohnt witzige Lektüre, die wegen der Kürze allerdings eher wie ein Zwischenspiel, das keine Fortsetzung fand, wirkt. Und selbstverständlich eignet sich „Palm Desert“ auch als Einstieg in die Welt von Neal Carey. 

Don Winslow: Palm Desert

(übersetzt von Conny Lösch)

Suhrkamp, 2016

208 Seiten

10,99 Euro

Originalausgabe

While Drowning in the Desert

St. Martin’s Press, New York, 1996

Hinweise

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall“ (neue Übersetzung von „Das Schlangenmaul“; Way Down on the High Lonely, 1993)

Meine Besprechung von Don Winslows „A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall“ (A long Walk up the Water Slide, 1994)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows “Missing. New York” (Missing. New York, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Das Kartell“ (The Cartel, 2015)

Meine Besprechung von Don Winslows „Germany“ (Germany, 2016 – noch nicht erschienen)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte


Zwei neue Filmbücher, in denen man blättern sollte: „Magische Momente – 75 Meisterwerke der Filmkunst“ und das „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“

Juni 20, 2016

Gansera - Magische Momente - 2Lexikon des internationalen Films - Filmjahr 2015

Magische Momente“ und die neueste Ausgabe des Lexikons des Internationalen Films gehören zu den Filmbüchern, die man nicht in einem Zug durchliest, die keine akademischen, teils schwer verständlichen, fremdwortgesättigten Analysen sind, sondern die man immer wieder in die Hand nimmt, um etwas nachzuschlagen.

In dem Sammelband „Magische Momente – 75 Meisterwerke der Filmkunst“ sind 75 kurze Texte von Rainer Gansera enthalten, die er für den Filmdienst schrieb und jetzt geringfügig überarbeitete. Im Filmdienst erschienen die „cineastischen Vignetten“ (Gansera) als Kolumne, die filmische Meisterwerke neu vergegenwärtigen und Lust auf eine wiederholte oder erstmalige Sichtung des Films machen sollen. Dafür gibt es spärliche Informationen zum Film, aber viel (im Rahmen eines zweiseitigen, bebilderten Textes) zu einem bestimmten, erinnerungswürdigem und/oder legendärem Moment in dem Film.

Der älteste vorgestellte Film ist „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, der neueste „Barbara“ und die Filme dazwischen sind weitgehend gut abgehangene Klassiker, die wirklich in keiner realen oder mentalen Filmsammlung fehlen sollten, wie „Der blaue Engel“, „Das Fenster zum Hof“, „…denn sie wissen nicht, was sie tun“, „Das süße Leben“, „Easy Rider“, „Taxi Driver“, Stranger than Paradise“, „Lola rennt“ und „Hunger“ und einige Überraschungen, wie „Der verrückte Professor“, „Batmans Rückkehr“ und „Vicky Christina Barcelona“, den man sich, so Gansera, am Besten in Spanien mit einem einheimischen Publikum ansieht.

Die Veränderungen bei der neuesten Ausgabe des rundum verdienstvollen „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“ zu den vorherigen Ausgaben liegen im Detail. Es wird immer noch herausgeben von der Zeitschrift „Filmdienst“ und er Katholischen Filmkommission für Deutschland.

In der aktuellen Ausgabe wurde die Liste der besten Kinofilme des Jahres, die Liste der mit „Sehenswert“ im Filmdienst bewerten Filme und der Kinotipp der katholischen Filmkritik an den Anfang des Buches gestellt und damit vor die zentrale alphabetische Auflistung aller in Deutschland 2015 im Kino aufgeführten, auf DVD und Blu-ray veröffentlichten, über Streaming-Dienste und im Fernsehen gezeigten 2137 Filmpremieren. Die Filme werden gewohnt kurz, kundig und treffend besprochen.

Die größte Änderung in dem Filmlexikon ist, dass nachdem schon in den vergangenen Jahren schon etliche TV-Filme, teilweise auch TV-Spielfilmserien, wie „Die Brücke“, „Inspector Barnaby“, „Unter Verdacht“ und „Wilsberg“, besprochen wurden, jetzt auch der „Tatort“ (dessen Fehlen schon in den vergangenen Jahren nur mit historischer Gewohnheit erklärt werden konnte) besprochen wird und noch mehr, mehr oder weniger lange TV-Serien (wie „Better Call Saul – Staffel1“, „Boardwalk Empire“ und „Fargo – Season 1“, aber nicht „The Walking Dead“) besprochen werden.

Es gibt den gewohnt informativen Rückblick auf das vergangene Kinojahr und der Schwerpunkt besteht aus 25 bereits im Filmdienst erschienene Porträts junger deutscher Schauspielerinnen und Schauspieler, wie Alexander Fehling, Julia Hummer, David Kross, Alina Levshin, Tom Schilling, Nora von Waldstätten und Ronald Zehrfeld, der ja schon ziemlich lange dabei ist.

Die Filme des Jahres sind „45 Years“, „Alles steht Kopf“, „Bande de Filles“ (hat den jemand gesehen?), „Birdman – Oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“, „Carol“, „Mad Max – Fury Road“ (was habt ihr alle mit dem Werk?), „The Look of Silence“, „Unsere kleine Schwester“, „Victoria“ und „Whiplash“ (och, nö). Dass die Blockbuster „James Bond: Spectre“ und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ nicht dabei sind, ist doch selbstverständlich.

Ebenso selbstverständlich ist auch die neueste Ausgabe des Lexikons des Internationalen Films ein wunderschönes Buch zum Blättern und Entdecken von Filmen.

Rainer Gansera: Magische Momente – 75 Meisterwerke der Filmkunst

Schüren, 2016

160 Seiten

19,90 Euro

Filmdienst/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Horst Peter Koll): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015

Schüren, 2016

544 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Homepage des Film-Dienstes

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“


Willkommen in Ani-Land! Heuer mit „Der namenlose Tag“ und „Der einsame Engel“!

Juni 13, 2016

Auf die Krimibestenliste hat es Friedrich Anis neuester Tabor-Süden-Roman „Der einsame Engel“ (Droemer) noch nicht geschafft. Das ist, angesichts der normalen Ani-Begeisterung der Listenjuroren etwas seltsam. Denn der Roman unterscheidet sich kaum von den vorherigen Süden-Romanen, in denen Tabor Süden vermisste Personen suchte, und auch nicht von „Der namenlose Tag“. Der Roman erschien bereits vor einem knappen Jahr bei Suhrkamp, wurde mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und wird von Volker Schlöndorff, der auch das Drehbuch schreibt, mit Thomas Thieme in der Hauptrolle für das ZDF verfilmt. Der Drehstart ist noch unklar.

In „Der namenlose Tag“ bittet der Vater der vor zwanzig Jahren verstorbenen Esther Winther, den kürzlich pensionierten Kriminalpolizisten Jakob Franck, den Tod seiner Tochter noch einmal zu untersuchen. Er glaubt, dass sie ermordet wurde. Damals wurde der Fall, in den Franck nur am Rande involviert war (er überbrachte Ludwig Winthers Ehefrau Doris die Todesnachricht) als Suizid zu den Akten gelegt. Aber, so Ludwig Winther: „Meine Tochter hatte keinen Schwermut im Herzen.“

In „Der namenlose Tag“ wird die nach einem Brandanschlag von Nazis nur noch auf dem Papier bestehende Detektei Liebergesell von Emma Fink beauftragt, den spurlos verschwundenen Gemüsehändler Justus Greve, ihren Chef, zu finden. Tabor Süden macht sich an die Arbeit. Wobei er die meiste Zeit an seinen schon vor Jahren verstorbenen Freund Martin Heuer denkt.

Beide Romane sind typische Friedrich-Ani-Romane und Jakob Franck ist letztendlich eine Tabor-Süden-Kopie, nur zehn Jahre älter. Auch Francks Ermittlungsmethode der „Gedankenfühligkeit“ unterscheidet sich kaum von Südens intuitivem Vorgehen. Schweiger und passionierte Zuhörer sind sie beide.

Ebenso sind beide Romane keine plotorienterten Werke, sondern Stimmungsbilder, in denen Ani, mal wieder, den unscheinbaren Menschen aus der Kneipe nebenan, der Eckkneipe, der Dorfkneipe, eine Stimme verleiht. Allerdings fällt dieses Mal die Erinnerungsarbeit für diese unauffälligen Menschen, deren Verschwinden niemand (naja, fast niemand) bemerkt, auch etwas schal aus, weil dieses Mal die Verschwundenen und Toten zu schemenhaft bleiben, während der Ermittler sich immer wieder an einem bestimmten Moment erinnert. Bei Franck ist es das Überbringen der Todesnachricht und wie er die trauernde Mutter dann eine Nacht lang, stehend im Arm hielt. Bei Tabor Süden ist es seine Erinnerung an seinen Jugendfreund Martin Heuer, der an jedem möglichen und unmöglichen Punkt der Geschichte auftaucht, bis er fast zum Running Gag wird. „Der einsame Engel“ erinnert daher an Francois Truffauts letzten Antoine-Doinel-Film „Liebe auf der Flucht“, in dem der Protagonist von seinen Erinnerungen umstellt war, bis er und der Film nicht mehr atmen konnten.

Beiden allein lebenden, kinderlosen, strukturmelancholischen Ermittlern möchte man, wenn sie wieder ihren Gedanken nachhängen, zurufen: „Get a life! Such dir ein Hobby, engagiere dich im Nachbarschaftstreff oder dem Sportverein.“

Beide Romane beschwören auch ein zeitloses, merkwürdig gesichtsloses und ausländerfreies Deutschland herauf. Die Plätze und Straßennamen, sofern sie erwähnt werden, bleiben austauschbar. Eine Hansastraße, einen Marienplatz und einen Ostfriedhof gibt es wahrscheinlich in jeder etwas größeren Stadt. Es gibt keine Anspielungen, die „Der namenlose Tag“ und „Der einsame Engel“ fest an einem bestimmten Ort oder Zeit verankern. Musik, Bücher, Politik, Sport, gesellschaftliche Diskurse – nichts davon kommt vor.

Abgesehen von der Erwähnung von Handys, die eher widerwillig als Ersatz für eine Telefonzelle benutzt werden, könnten beide Geschichten auch irgendwann in der Vergangenheit spielen, als Gemüsehändler und Hosenverkäufer noch normal-honorige Berufe waren und ganze Filme sich um deren Leben drehten. Das waren aber eher die Zeiten des Wirtschaftswunders, als Heinz Erhardt und Heinz Rühmann Volksschauspieler waren.

Und, natürlich ist beide Male die Form des Kriminalromans nur ein Vehikel, um von einsamen Menschen zu erzählen. Überraschende Wendungen und auch ein überraschendes Ende sucht man beide Male vergeblich. Denn das was Anis Ermittler in der Vergangenheit von Justus Greve und Esther Winther entdecken, ist kaum überraschend, sondern fast schon erschreckend gewöhnlich und, gerade bei dem Teenager Esther, die sich selbst umbrachte, austauschbar.

Schlecht sind „Der namenlose Tag“ und „Der einsame Engel“ nicht. Es sind halt weniger Kriminalromane, als langsame, melancholische, konsequent bis über den Stillstand hinaus entschleunigte Betrachtungen mit Charakteren, die sich in ihrer Einsamkeit suhlen. Mal mehr, mal weniger bebiert.

Ani - Der namenlose Tag

Friedrich Ani: Der namenlose Tag

Suhrkamp, 2015

304 Seiten

19,95 Euro

Die Taschenbuch-Ausgabe erscheint voraussichtlich Ende Oktober.

Ani - Der einsame Engel

Friedrich Ani: Der einsame Engel – Ein Tabor-Süden-Roman

Droemer, 2016

208 Seiten

18 Euro

Noch mehr Ani

Wer es nicht so mit Romanen hat, kann natürlich auch seine Kurzgeschichten lesen. In „Unterhaltung“ sind vierzig kurze Texte von ihm, die teilweise bereits in veränderter Form in Anthologien und Zeitschriften erschienen, enthalten.

Ani - Unterhaltung

Friedrich Ani: Unterhaltung

Droemer, 2015

320 Seiten

9,99 Euro

Die Hardcover-Ausgabe erschien 2014, ebenfalls bei Droemer.

Hinweise

Perlentaucher über „Der einsame Engel“ und „Der namenlose Tag“

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „M – Ein Tabor-Süden-Roman“ (2013)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

 


Über die Neuauflagen von Eric Amblers „Die Maske des Dimitrios“ und „Ungewöhnliche Gefahr“

Juni 8, 2016

Ambler - Die Maske des Dimitrios - 2Ambler - Ungewöhnliche Gefahr - 2

Ein Franzose namens Chamfort, der es hätte besser wissen müssen, hat einmal gesagt, dass Zufall ein Spitzname für Vorsehung sei.

Dies ist einer jener bequemen, fragwürdigen Aphorismen, die geprägt wurden, um die unangenehme Wahrheit zu verschleiern, dass der Zufall eine wichtige, wenn nicht die Hauptrolle im Leben der Menschen spielt. Ganz abwegig ist Chamforts Gedanke jedoch nicht. Der Zufall kommt manchmal so unsicher daher, dass man ihn leicht mit dem Ergebnis bewusster Vorsehung verwechseln kann.

Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Dimitrios Makropoulos.“

Mit diesen Worten, die einen sofort neugierig auf die Geschichte machen, beginnt „Die Maske des Dimitrios“, ein 1939 erschienener Roman von Eric Ambler, der heute allgemein als ein Klassiker des Genres bezeichnet wird. Manchmal ist dann die Kriminalliteratur, manchmal der Agentenroman (oder Spionageroman) oder der Thriller gemeint. So ist er einer der 100 Thriller, die man gelesen haben muss (in David Morrell/Hank Wagner, Hrsg.: „Thrillers: 100 Must Reads“, 2010). In der schon 1990 erstellten, immer mal wieder zitierten Liste des Bochumer Krimi Archivs „Die 119 besten Kriminalromane aller Zeiten“ steht „Die Maske des Dimitrios“ auf dem vierten Platz, noch vor John le Carrés „Der Spion, der aus der Kälte kam“.

Und trotzdem hat mich der Roman jetzt bei der Lektüre überhaupt nicht angesprochen. Ein Grund könnte natürlich die Übersetzung von Matthias Fienbork sein. Obwohl ich mit seinen anderen Übersetzungen keine Probleme hatte. Diese Ambler-Romane, wie der ebenfalls jetzt wiederveröffentlichte „Ungewöhnliche Gefahr“, gefielen mir vor Jahren ausnehmend gut. Außerdem ist der Übersetzer immer ein billiges Ziel. So als mache man den Kellner für das versalzene Gericht verantwortlich.

Es könnte auch an der Geschichte liegen, die sich auf den ersten Blick nicht vom Grundplot anderer Ambler-Romane unterscheidet: ein Normalbürger gerät zufällig in eine gefährliche politische Verschwörung, die er nicht überblickt und die sein Leben gefährdet.

In „Die Maske des Dimitrios“ ist der Normalbürger der Kriminalschriftsteller Charles Latimer. In Istanbul zeigt ihm Oberst Hakki die Leiche von Dimitrios. Er sei ein geheimnisumwitterter Verbrecher, der schon seit Jahrzehnten im Orient und Osteuropa sein Unwesen treibe. Mord, Spionage, Rauschgifthandel und die Beteiligung an mehreren Attentaten werden ihm vorgeworfen. Es gibt kein Foto von ihm. Nur einige wenige Fakten, die mühsam in verschiedenen Ländern zusammengetragen werden müssen. Ali Karim nennt in „Thrillers: 100 Must Reads“ Dimitrios eine mögliche Inspiration für Keyser Söze, den Bösewicht aus „Die üblichen Verdächtigen“.

Latimer beginnt, von Neugier getrieben, aufgrund der kärglichen Spuren, die es über Dimitrios gibt, dessen Leben zu recherchieren – und das ist letztendlich der Grund, weshalb mich „Die Maske des Dimitrios“ nicht begeisterte. Latimer ist während des gesamten Buches nur von einer milden Neugierde, einem kuriosen Interesse an Dimitrios getrieben, während er alte und uralte Geschichten ausgräbt, die höchstens von historischer Relevanz sind. Er ist, auch wenn er schon früh im Roman, auf seiner Zugfahrt nach Sofia, wo Dimitrios Anfang 1923 war, dem geheimnisvollen Mr. Peters begegnet, nie in Gefahr. Er kann jederzeit mit seiner Recherche aufhören.

In „Ungewöhnliche Gefahr“, 1937 erschienen, ist die Ambler-Welt dann wieder in Ordnung. Vor dem Hintergrund der damaligen politischen Ereignisse – der Spanische Bürgerkrieg, Hitlers Einmarsch in das Rheinland, eine steigende Zahl von Flüchtlingen und Scheinehen und der zunehmenden Ohnmacht des Völkerbundes, etwas dagegen zu tun – entfaltet sich eine wilde Hatz. Der notorisch blanke Journalist Kenton erhält im Zug von Nürnberg nach Linz von einem deutschen Juden das Angebot, für eine stattliche Summe einen Brief über die Grenze in ein Hotel zu bringen.

Als er dort ankommt, findet er den Empfänger ermordet vor. Er wird für den Mörder gehalten und verschiedene Gruppen wollen den Brief haben. Kenton, der vom Tatort flüchten konnte, versucht jetzt seinen Kopf zu retten, seine Unschuld zu beweisen und er will, notgedrungen, herausfinden, in welchen Schlamassel er hineingeraten ist.

Das ist ein typischer Alfred-Hitchcock-Stoff, der förmlich nach einer Verfilmung schreit und, wie etliche andere seiner Romane, wurde auch „Ungewöhnliche Gefahr“ verfilmt. Von Raoul Walsh, der sich, auch das geschah öfter, einige Freiheiten bei der Verfilmung nahm.

Der Roman ist ein echter Pageturner.

Und ich hoffe, dass der Atlantik-Verlag möglichst viele oder sogar alle Romane von Eric Ambler wieder veröffentlicht. Jedenfalls sind weitere Neuausgaben der vergriffenen Diogenes-Ausgaben, teils in überarbeiteten Übersetzungen, geplant. Für Mitte Juli ist „Nachruf auf einen Spion“, für Mitte Januar „Der dunkel Grenzbezirk“ und „Doktor Frigo“, angekündigt.

Denn obwohl Ambler einige seiner bekanntesten und wichtigsten Romane in den Dreißigern schrieb und sie die damalige politische Gemengelage reflektieren, sind sie jetzt wieder erschreckend aktuell.

Eric Ambler: Die Maske des Dimitrios

(übersetzt von Matthias Fienbork)

Hoffmann und Campe, 2016

336 Seiten

22 Euro

Deutsche Erstausgabe dieser Übersetzung 1974 bei Diogenes.

Originalausgabe

The Mask of Dimitrios

Hodder & Stoughton, London, 1939

Titel der US-Ausgabe

A Coffin for Dimitrios

Verfilmung

Die Maske des Dimitrios (The Mask of Dimitrios, USA 1944, Regie: Jean Negulesco)

Drehbuch: Frank Gruber

Mit Peter Lorre, Zachary Scott, Sydney Greenstreet, Faye Emerson

Eric Ambler: Ungewöhnliche Gefahr

(übersetzt von Matthias Fienbork)

Atlantik, 2016

336 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe dieser Übersetzung 1979 bei Diogenes.

Originalausgabe

Uncommon Danger

Hodder & Stoughton, London, 1937

Titel der US-Ausgabe

Background to Danger

Verfilmung

Spion im Orientexpress (Background to Danger, USA 1943, Regie: Raoul Walsh)

Drehbuch: W. R. Burnett

Mit George Raft, Brenda Marshal, Sydney Greenstreet, Peter Lorre

Hinweise

Wikipedia über Eric Ambler (deutsch, englisch)

Kirjasto über Eric Ambler

Krimi-Couch über Eric Ambler

Kaliber .38: Thomas Wörtche über Eric Ambler

California Literary Review: Brett F. Woods: Beyond the Balkans – Eric Ambler and the British Espionage Novel, 1936 – 1940 (26. März 2007)


kurz & schnell: Eine Handvoll Besprechungen von Comics, Filmen und TV-Serien

Mai 31, 2016

Es hilft nichts. Die Steuererklärung ist gemacht (irgendwie), der Schreibtisch muss aufgeräumt werden (definitiv) und einige schon lange geplante Besprechungen, die als viel längere Besprechungen geplant waren, werden jetzt in der Kategorie „kurz & schnell“ abgehandelt. Denn nach dem Erwachen der Macht warten die nächsten Besprechungen schon und „Die Maske des Dimitrios“ will enthüllt werden.

Finch - Wonder Woman - Kriegswunden 1 - 2

Nachdem das Entsetzen über den neuen Zack-Snyder-Film, der Wonder Woman den Kampf zwischen Batman und Superman entscheiden ließ, können wir uns wieder den Bildergeschichten mit, nun, in diesem Fall den beiden Jungs und der gewohnt knapp bekleideten „Göttin des Krieges“ widmen.

Nachdem Brian Azzarello seine „Wonder Woman“-Neuinterpretation abschloss, übernahm Meredith Finch die Autorentätigkeit. Ihr Mann David Finch wurde der Zeichner. In ihrem ersten „Wonder Woman“-Sammelband „Kriegswunden“ geht es um Machtkämpfe in ihrem Amazonenreich, der Paradiesinsel, und um Kämpfe gegen Bedrohungen für die Menschheit. Denn für weniger rückt die Justice League nicht aus.

Gelungen,

Meredith Finch/David Finch/Goran Sudzuka: Wonder Woman – Göttin des Krieges

(übersetzt von Steve Kups)

Panini Comics, 2016

156 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

Wonder Woman: War Torn (# 36 – # 40); Wonder Womand: War-Torn, Final Chapter (Wonder Woman Anual 1)

Januar 2015 – August 2015

Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch) 

Meine Besprechung von Brian Azzarellos Wonder Woman

Snyder - Capullo - Batman - Jahr Null - Die dunkle Stadt - 2

Scott Snyders grandiose Neuinterpretation von Batman geht mit dem über 250-seitigem „Jahr Null – Die dunkle Stadt“ weiter. Jetzt muss Batman gegen den Riddler kämpfen, der Gotham unter seine Kontrolle bringen will.

Die erste Runde endet für Bruce Wayne desaströs und der Riddler kann sich zum Herrscher über Gotham aufschwingen. Der zweite Teil des Buches zeigt dann ein ganz anderes Gotham, in dem der Riddler über die Stadt herrscht und die Bewohner mit seinen Ratespielen nervt und in den Tod treibt. Trotzdem hofft Batman, dass er ihn doch noch besiegen kann. Wenn er nicht stirbt.

Jahr Null – Die dunkle Stadt“ ist eine großartige Batman-Geschichte, die natürlich viel besser als dieser Film ist, den wir so gerne aus unserem Gedächtnis streichen würden.

Scott Snyder/JamesTynion IV/Greg Capllo/Andy Clarke: Batman: Jahr Null – Die dunkle Stadt (Band 5)

(übersetzt von Steve Kups)

Panini Comics, 2016

252 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Zero Year – Dark City, Part 2 – Part 5 (Batman # 25 – # 29, Januar 2014 – Mai 2014)

Zero Year – Savage City, Part 1 – Part 4 (Batman # 30 – 33, Juni 2014 – September 2014)

Hinweise

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Greg Capullos „Batman: Jahr Null – Die geheime Stadt (Band 4)“ (Zero Year – Secret City: Part 1 – 3; Zero Year – Dark City: Part 1 (Batman # 21 – 24), August – Dezember 2013)

Griffo - Desberg - Golden Dogs 1 - 2Griffo - Desberg - Golden Dogs 2 - 2

Golden Dogs“ von Stephen Desberg (Szenario) und Griffo (Zeichnungen) erzählt die Geschichte einer vierköpfigen Verbrecherbande in London um 1820, die ein recht bunter Haufen sind. Dass eine Prostituierte dabei ist. Geschenkt. Aber dass auch ein Transvestit dabei ist, der sich jeden Abend, bevor er vor Publikum auftritt entscheiden kann, ob sie ein er ist (oder umgekehrt), das ist schon etwas anderes und bei den verschiedenen Raubzügen sehr hilfeich. Im ersten Band „Fanny“ kommt die Truppe zusammen. Im zweiten Band „Orwood“ muss sie, nachdem sie von der Polizei verfolgt werden, getrennte Wege gehen. Und es gibt einen Verräter unter ihnen.

In Frankreich sind bereits zwei die abschließenden beiden Folgebände erschienen.

Griffo/Desberg: Golden Dogs – Fanny (Band 1)

(übersetzt von Horst Berner)

Panini Comics, 2015

56 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Golden Dogs Volume 01: Fanny

Éditions du Lombard, 2014

Griffo/Desberg: Golden Dogs – Orwood (Band 2)

(übersetzt von Horst Berner)

Panini Comics, 2016

56 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Golden Dogs Volume 02: Orwood

Éditions du Lombard, 2014

Seeley - Revival 4 - 2Seeley - Revival 5 - 2

In „Revival“ erzählt Tim Seeley (Hack/Slash), wie in der Ortschaft Wausau im nördlichen Wisconsin eines Tages die Toten wieder auferstehen. Aber sie sind keine blutrünstigen Zombies, sondern ganz normale Menschen, die sich fast ganz normal verhalten. Im Mittelpunkt der Serie steht daher auch das Zusammenleben von Mensch und Nicht-mehr-Mensch, die sich im vierten und fünften Band, „Flucht nach Wisconsin“ und „Steigende Fluten“, endgültig zu einer nicht enden wollenden Soap entwickelt, in dem die Nebenstränge mehr Zeit einnehmen als die, sofern erkennbar, immer unwichtiger werdende Haupthandlung. Auf ein konkretes Ende, wie zum Beispiel einer Erklärung für die Wiederauferstehungen in Wausau, wird überhaupt nicht mehr hingearbeitet. Dafür werden weitere Rätsel aufgeworfen.

Wer damit leben kann, wird sich über den vierten und fünften Band von „Revival“ freuen. Neueinsteiger sollten dagegen mit dem ersten Band beginnen.

Tim Seeley/Mike Norton: Revial: Flucht nach Wisconsin (Band 4)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2015

164 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 4: Escape to Wisconsin

Image, 2014

Tim Seeley/Mike Norton: Revival: Steigende Fluten (Band 5)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2016

128 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 5: Gathering of Waters

Image, 2015

Hinweise

Homepage von Tim Seeley

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)“ (Hack/Slash: Me without you, 2010)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)“ (Hack/Slash: Torture Porn, 2011)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Tote Promis (Band 11)“ (Hack/Slash: Dead Celebrities, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Heiraten, f#cken, töten (Band 12)“ (Hack/Slash: Marry F#ck Kill, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Unter Freunden (Band 1)“ (Revival, Volume 1: You’re among friends, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Lebe dein Leben (Band 2)“ (Revival, Volume 2: Live like you mean it, 2013)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Ein ferner Ort (Band 3)“ (Revival, Volume 3: A faraway place, 2014)

Bunn - Night of the Living Deadpool - 2Bunn - Return of the Living Deadpool

À propos Untote: Deadpool darf in „Night of the Living Deadpool“ und „Return of the Living Deadpool“ von Autor Cullen Bunn und den Zeichnern Ramon Rosanas und Nik Virella auch einmal gegen sie kämpfen. Dass der Kampf eines unsterblichen Plappermauls gegen unsterbliche Mäuler nicht in den normalen Zombie-Bahnen verläuft und Deadpool am Ende von „Night of the Living Deadpool“ eine Lösung für die Zombieplage hat, die zu ungeahnten Folgen führt, die er in „Return of the Living Deadpool“ bekämpfen muss, erfreut natürlich das Herz des Deadpool-Fans.

Empfehlenswert!

Cullen Bunn/Ramon Rosanas: Night of the Living Deadpool

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2014

116 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Night of the Living Deadpool # 1 – 4

Marvel, März 2014 – Mai 2014

Cullen Bunn/Nik Virella: Return of the Living Deadpool

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2015

100 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Return of the Living Deadpool # 1 – 4

Marvel, April 2015 – Juli 2015

Hinweise

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

Deadpool im Kino (und jetzt auch auf DVD/Blu-ray) wurde von Ryan Reynolds verkörpert, der auch in dem – zu Unrecht – kaum beachteten Spielerdrama „Dirty Trip – Mississippi Grind“ eine Hauptrolle spielt. Seinen Gegenpart spielt Ben Mendelsohn, der in den vergangenen Jahren zum Experten für gestörte Charaktere wurde. Da ist es schön, ihn auch einmal als ganz normalen Mann zu sehen.

Naja, fast. Denn Mendelsohn spielt Gerry, einen notorischen Spieler. In einer Bar lernt er Curtis (Ryan Reynolds) kennen. Einen Drifter und Spieler. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach New Orleans zu einem Pokerspiel mit einem großen Jackpot.

Dirty Trip“ von Anna Boden und Ryan Fleck erzählt die Geschichte dieser etwas ziellosen Reise von Gerry und Curtis, die sich zufällig begegnen und am Ende der Reise auch wieder getrennte Wege gehen. Stilistisch und erzählerisch steht ihr Film in der Tradition des New-Hollywood-Kinos, als problematische Charaktere im Mittelpunkt von, nun, Charakterstudien standen, die einen anderen Blick auf die USA warfen.

Sehr sehenswert!

Dirrty Trip - DVD-Cover - 2

Dirty Trip – Mississippi Grind (Mississippi Grind, USA 2015)

Regie: Anna Boden, Ryan Fleck

Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck

mit Ben Mendelsohn, Ryan Reynolds, Sienna Miller, James Toback

DVD

Ascot Elite

Bild: 16:9 (2.38:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurettes, Making of, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Metacritic über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Rotten Tomatoes über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Wikipedia über „Dirty Trip – Mississippi Grind“ 

Seit einigen Jahren erfreuen sich TV-Serien bei der Kritik einer wachsenden Beliebtheit. Gesehen wurden sie ja schon seit Ewigkeiten und die Fans tauschten sich, je nach Serie, mit großer Liebe zum Detail, über sie aus. Ich sage nur „Raumschiff Enterprise“ und „Akte X“. Dabei gibt es, grob gesagt, Miniserien, die innerhalb einer bestimmten Zeit, eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen; Serien, in denen jede Woche ein neues Problem gelöst wird; und Serien, in denen sich die Geschichte über viele Folgen und Staffeln entwickelt, bis die sinkenden Zuschauerzahlen die Serie beenden. Bei diesen Serien ist man, wenn man nicht von der ersten Folge an dabei ist, ziemlich schnell „Lost“.

Und so eine sich über viele Staffeln erstreckende Geschichte war wohl auch bei „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ die Idee gewesen. Also nicht ein „deutsches ‚Lost’“, sondern eine Krimi-Serie mit komplexen Charakteren, überraschenden Wendungen und einer Analyse des Zusammentreffens von Organisierter Kriminalität und Politik in der Hauptstadt. „Eine Kriminal-Symphonie der Großstadt Berlin“ steht auf dem DVD-Cover. Mit Matthias Glasner als Regisseur und Jürgen Vogel in der Hauptrolle hätte es etwas werden können, aber dann ging irgendwo alles schief. Und zwar so schief, dass man fassungslos dieses Komplettdesaster ansieht.

Blochin (Jürgen Vogel), ein Findelkind mit krimineller Vergangenheit und Polizist bei der Mordkommission mit ausgeprägten Milieukontakten, soll den Mord an einem Dealer aufklären. Kurz darauf wird in seiner Anwesenheit ein Undercover-Polizist in einem Szenelokal erschossen und Blochin (nur Blochin, kein Vorname, weil cool) wird als Mörder verdächtigt. Sein Schwager und Vorgesetzter Dominik (Thomas Heinze), normalerweise ‚Lieutenant‘ genannt (weil megacool), hilft ihm indem er einen Zeugen hinterrücks erschießt – und spätestens in diesem Moment fragt man sich, was die Macher, während sie Subplots und uninteressante Nebenstränge halbherzig einführen, geritten hat, den Charakter, der einen echten Konflikt hat, zu einer Nebenfigur zu machen, während der titelgebende Blochin vor allem als Zuschauer alles verfolgt und er während der gesamten Serienlänge keinen einzigen nennenswerten Konflikt hat. Das ändert sich in den letzten Minuten, die unverhohlen auf eine Fortsetzung spekulieren. Das wäre akzeptabel, wenn wenigstens die erste Staffel ein befriedigendes Ende hätte. Aber die Macher hören einfach mitten in der Geschichte auf.

Blochin“ ist einfach nur Murks ohne irgendeinen Abschluss, das das größte Verbrechen begeht, das eine Serie begehen kann: Zeitverschwendung zu sein.

Wie das uninformative Bonusmaterial.

Blochin - DVD-Cover - 2

Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1 (Deutschland 2015)

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Matthias Glasner, Svenja Rasocha (Co-Autor), LauraLackmann (Co-Autor), Maxim Kuphal-Potapenko (Co-Autor)

mit Jürgen Vogel, Thomas Heinze, Jördis Triebel, Maja Schöne, Emili Eiot, Christoph Letkowski

DVD

Studio Hamburg

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial (30 Minuten): Wer ist Blochin?, Deleted Scenes ‚Jennifer‘, Wendecover

Länge: 360 Minuten (2 x 90 Minuten, 3 x 60 Minuten; 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über „Blochin“

Filmportal über „Blochin“

Moviepilot über „Blochin“

Wikipedia über „Blochin“

Meine Besprechung von Matthias Glasner „Gnade“ (Deutschland/Norwegen 2012)

Einen Abschluss gibt es bei den ARD-Sonntagskrimis immer nach neunzig Minuten. Egal ob es ein „Tatort“ oder ein „Polizeiruf 110“ ist und gerade die aus München kommenden „Polizeirufe“ sind immer einen Blick wert. In der dritten Box mit BR-„Polizeiruf 110“-Box sind

Pech und Schwefel (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Kaspar von Erffa, Deutschland 2003)

Vater Unser (Regie: Bernd Schadewald, Drehbuch: Christian Jeltsch, Deutschland 2004)

Die Maß ist voll (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Deutschland 2004)

Der scharlachrote Engel (Regie: Dominik Graf, Drehbuch: Günter Schütter, Deutschland 2005)

Die Prüfung (Regie: Eoin Moore, Drehbuch: Boris Gullotta, Deutschland 2005)

Er sollte tot (Regie: Dominik Graf, Regie: Rolf Basedow, Drehbuch 2006)

enthalten. Das Ermittlerteam bestand damals aus dem einarmigen Kommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) und der konsequent-fröhlich-patent-normalen Kommissarin Jo Obermaier (Michaela May). Ihre Fälle sind durchgehend sehenswert, durchgehend experimentierfreudig und auf einem durchgehend hohem Niveau; was sogar für die schwächeren Fälle gilt.

Dafür sprechen schon die vielen Preise, die diese sechs Fälle erhielten. So gab es für „Der scharlachrote Engel“ und „Er sollte tot“ jeweils einen Grimme-Preis und für „Er sollte tot“ gleich noch einen Sonderpreis für das Drehbuch beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden und für den Deutschen Fernsehpreis war es nominiert. Um nur die Drehbuchpreise zu nennen.

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Polizeiruf 110 – BR Box 3 (Die Folgen des BR 2003 – 2006)

DVD

EuroVideo

Bild: 16:9 anamorph (1,78:1)

Ton: Deutsch (Stereo 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 530 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Das Erste über den „Polizeiruf 110“

Wikipedia über den „Polizeiruf 110“ und die Kommissare Tauber und Obermaier

Meine Besprechung von „Polizeiruf 110 – BR Box 2 (Die Folgen des BR, 2000 – 2003)

Die erste Staffel von „True Detective“ wurde in den Himmel gelobt. „Meisterwerk“, „TV-Revolution“ und so. Da konnte die zweite Staffel natürlich nur schlechter abschneiden.

Ich bin da etwas zwiegespalten, weil für mich die erste Staffel hoffnungslos überbewertet und arg prätentiös ist. Da waren die Erwartungen an die zweite Staffel von Anfang an nicht so wahnsinnig hoch.

In der zweiten Staffel, die wieder eine in sich abgeschlossene Geschichte mit vollkommen neuen Charakteren erzählt, geht es um Korruption und mehr oder weniger kriminelle Geschäfte in Vinci, einer Kleinstadt in Kalifornien, die eine moderne Version von Dashiell Hammets „Poisonville“ ist.

Frank Semyon (Vince Vaughn) ist ein Ex-Gangster, der mit einem großen Projekt, in das auch die lokale Politik und ausländische Investoren involviert sind, zum respektierten Geschäftsmann werden will. Dieses Ansinnen könnte durch einen bizarren Mordfall gefährdet werden. Denn der Fundort der Leiche führt dazu, dass Motorradpolizist und Ex-Soldat Paul Woodrugh (Taylor Kitsch), Detective Sergeant Ani Bezzerides (Rachel McAdams) vom Ventura County Sheriff’s Office CID (das gerne die ganze korrupte Stadt Vinci ausmisten würde) und der korrupte Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) vom Vinci Police Department, zusammenarbeiten müssen. Velcoro fragt sich, ob er in das Team entsandt wurde um den Fall aufzuklären oder die Aufklärung zu verhindern. Der trinkfreudige Polizist könnte mit beidem Leben. Woodrugh und Bezzerides haben auch ihr Päckchen persönliches Leid und Schuld zu tragen.

Die Besetzung mit Stars wie Colin Farrell, Vince Vaughn, Rachel McAdams, Taylor Kitsch und Kelly Reilly in den Hauptrollen und Abigail Spencer, Lolita Davidovich und David Morse in wichtigen Nebenrollen ist nicht schlecht. Regisseur Justin Lin, der einige Episoden der zweiten Staffel inszenierte, zeigt, dass er nicht nur ‚Fast & Furious‘ kann. Und „True Detective“-Erfinder Nic Pizzolatto schrieb wieder das Drehbuch für alle acht einstündigen Episoden.

Aber die über acht Stunden mäandernde Geschichte ist nur eine ziemlich vollständige, reichlich unstrukturierte Ansammlung von allen Klischees über Kalifornien, den Detektiv- und Polizeifilm. Wer will, kann mühelos zu jeder Szene mindestens zwei bessere Filme und Romane nennen. Das wäre, wenn Pizzolatto daraus etwas eigenständiges geschaffen hätte, gar nicht so schlimm. Aber so bleibt immer der Eindruck, dass eine ordnende Hand hier einiges hätte retten können.

So ist „True Detective: Staffel 2“ nur eine, durchaus kurzweilig, auf der Story-Ebene nicht besonders nachvollziehbare Ansammlung der bekannten Kriminalfilmklischees, in der, abgesehen von Vince Vaughn, gerade die anderen Hauptdarsteller erstaunlich blass bleiben.

Besser man sieht sich noch einmal die Klassiker, wie „Die Spur des Falken“, „Tote schlafen fest“, „Chinatown“ oder „L. A. Confidential“ an. Oder neuere Filme wie „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ oder, ab Donnerstag im Kino, „The Nice Guys“ an.

True Detective - Staffel 2 - 2

True Detective – Die komplette zweite Staffel (True Detective – Season 2, USA 2015)

Regie: Justin Lin, Janus Metz, Jeremy Podeswa, John Crowley, Miguel Sapochnik, Dan Attias

Drehbuch: Nic Pizzolatto, Scott Lasser (Co-Autor)

mit Colin Farrell, Rachel McAdams, Taylor Kitsch, Kelly Reilly, Vince Vaughn, Ritchie Coster, Michael Irby, Abigail Spencer, Lolita Davidovich, Rick Springfield, David Morse

DVD

Warner Home Video

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Making ‚The Vinci Massacre‘, A Look Inside ‚True Detective‘, ‚True Detectiv’s‘ California, Zwei Audiokommentare

Länge: 483 Minuten (8 Episoden à 57 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

HBO über „True Detective“

Moviepilot über „True Detective“

Metacritic über „True Detective“

Rotten Tomatoes über „True Detective“

Wikipedia über „True Detective“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunagas „True Detective: Staffel 1“ (USA 2014)

Ein wenig zwischen die Stühle fällt die BBC-Serie „The Game“, die als richtig schön altmodischer Spionagethriller in der Tradition von „Dame, König, As, Spion“ John le Carré steht und ein herrlich muffiges Früh-Siebziger-Jahre-Feeling hat.

Es beginnt mit dem Angebot des KGB-Offiziers Arkady Malinov an den britischen Geheimdienst MI5, ihm Informationen über die große russische Geheimdienstoperation „Glass“ zu verraten. Daddy (Brian Cox), der Chef des Dienstes, stellt ein kleines Team zusammen, das mehr über die Operation Glass herausfinden soll. Schnell vermuten sie in ihrem Team einen Maulwurf.

Diese Jagd nach dem Maulwurf wird allerdings über mehrere Folgen zugunsten des ‚Geheimagenten der Woche‘ aufgegeben, was der Serie etwas episodisches verleiht.

Am Ende ist der Maulwurf enttarnt, die Operation Glass verhindert und die Option für eine zweite Staffel vorhanden, die auch längere Zeit im Gespräch war. Inzwischen hat die BBC verkündet, dass es wegen des hohen Budgets keine zweite Staffel gibt.

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The Game (The Game, Großbritannien 2014)

Regie: Niall MacCormick, Daniel O’Hara

Drehbuch: Toby Whithouse, Sarah Dollard, Debbie O’Malley

Erfinder: Toby Whithouse

mit Tom Hughes, Jonathan Aris, Victoria Hamilton, Shaun Dooley, Brian Cox, Paul Ritter, Chloe Pirrie, Yevgeni Sitokhin

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews (eigentlich ein zwanzigminütiges Making of), Deleted Scenes

Länge: 300 Minuten (6 x 50 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Game“

Rotten Tomatoes über „The Game“

Wikipedia über „The Game“ (deutsch, englisch)

Die dritte Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ lief ja schon im ZDF und auf der DVD/Blu-ray ist nur die wieder aus fünf spielfilmlangen Episoden bestehende, gut zehnstündige Serie in der deutschen und der Originalfassung enthalten.

Sie beginnt 13 Monate nach der vorherigen Staffel, die man nicht gesehen haben muss, um den aktuellen Fall (oder besser Fälle) zu verstehen. Saga Norén (Sofia Helin) arbeitet immer noch bei der Kripo Malmö. Ihr Kollege Martin Rohde sitzt im Gefängnis, weil er am Ende der zweiten Staffel einen Mord beging und sie gegen ihn aussagte, weil er gegen das Gesetz verstieß. Saga Norén ist, für alle, die die vorherigen Staffeln nicht kennen, eine fähige Polizistin mit einem ausgeprägten Asperger-Syndrom. Sie ist nicht in der Lage, eine normale Konversation zu führen und sie merkt gar nicht, dass sie andere Menschen mit ihrer Direktheit verletzt. Und Regeln und Gesetze sind Regeln und Gesetze, an die man sich halten muss.

Jetzt soll sie zusammen mit ihrem dänischen Kollegen Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) eine bizarre Mordserie aufklären. Es beginnt mit einer Gender-Forscherin und Aktivistin, die auf einer Baustelle als Teil eines Gemäldes des Grauens hergerichtet wurde.

Und wieder stapeln sich die möglichst fotogen inszenierten Leichen, etliche Charaktere werden eingeführt, deren Bedeutung erst viel später ersichtlich wird, fast ebenso viele Charaktere verschwinden mehr oder weniger spurlos aus der Geschichte (falls sie nicht ermordet werden) und dieses Mal gibt es so viele Subplots, dass der eigentlich im Zentrum stehende Kriminalfall dahinter verschwindet.

Zusammengehalten werden die vielen Plots durch ihre thematische Verwandtschaft. Immer geht es um die Folgen des eigenen Handelns und die Verantwortung dafür.

Und natürlich ist Saga Noréns sozial vollkommen inkompatibles Verhalten immer wieder gut für etliche Lacher in diesem unterkühlt erzählten Kriminaldrama, das allerdings immer mehr zu einer leichengesättigten Kolportage wird, in der flugs die aktuellen Schlagzeilen mit gruseligen Morden verziert werden.

Unterhaltsam: ja, schon. Aber auch etwas übertrieben und etwas unlogisch.

Die Brücke Staffel 3 - Blu-ray-Cover - 2

Die Brücke: Transit in den Tod – Staffel 3 (Bron, Broen, Dänemark/Schweden/Deutschland 2015)

Regie: Rumle Hammerich, Henrik Georgsson

Drehbuch: Hans Rosenfeldt, Camilla Ahlgren, Erik Ahrnbom, Astrid Øye

mit Sofia Helin, Thure Lindhardt, Rafael Pettersson, Dag Malmberg, Sara Boberg

Blu-ray

Edel: motion

Bild: 1080/50i High Definition Widescreen 16:9

Ton: Deutsch, Dänisch/Schwedisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: –

Länge: 568 Minuten (3 Blu-rays)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über “Die Brücke”

Moviepilot über „Die Brücke“

Wikipedia über „Die Brücke“ (deutsch, englisch, dänisch, schwedisch)

Meine Besprechung von „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 1“ (Bron; Broen, Schweden/Dänemark/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2“ (Bron; Broen, Schweden/Dänemakr/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“ (ebenfalls erfunden von Hans Rosenfeldt)


„Star Wars: Das Erwachen der Macht“ – jetzt auch als Roman zum Film, einmal für Erwachsene, einmal für Jugendliche

Mai 30, 2016

Im Kino war J. J. Abrams‘ Neustart-Fortführung von „Star Wars“, – „Krieg der Sterne“ für die Älteren -, enorm erfolgreich. Auf DVD und Blu-ray wird es für Das Erwachen der Macht“ ähnlich sein und die nächsten Filme aus der „Krieg der Sterne“-Welt sind schon in Arbeit.

Dreißig Jahre nach dem Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ kehren wir wieder in die weit, weit entfernte Galaxis zurück. Der damalige Sieg war nur von kurzer Dauer. Luke Skywalker verschwand spurlos. Han Solo tat wieder das, was er am Besten kann: windige Geschäfte an entlegenen Orten der Galaxie machen. Und auf dem Wüstenplaneten Jakku entdeckt die junge Schrottsammlerin Rey den herrenlosen Roboter BB-8, der den Teil einer Sternenkarte hat, die den Weg zu Luke Skywalker weisen soll. Die Bösewichter, die früher Imperium, jetzt Erste Ordnung heißen, wollen die Sternenkarte ebenfalls haben und schon entspinnt sich im Film eine witzige, kurzweilige und actionhaltige Odyssee durch die Galaxis. Auf ihrer Reise mit dem desertierten, in sie verliebten Erste-Ordnung-Strumtruppler Finn begegnet Rey auch Han Solo und seinem haarigen Freund Chewbacca.

Jetzt, mehr oder weniger zum DVD-Start, liegen zwei Romane vor, die sich im Cover kaum (es wurde selbstverständlich das Filmplakat verwandt), im Umfang beträchtlich unterscheiden.

Michael Kogge schrieb den „Jugendroman zum Film“, der, wie es sich für einen Filmroman gehört, brav der Filmgeschichte folgt. Allerdings ist der für Jugendliche, – in den USA wird er für 8 bis 12-jährige empfohlen -, geschriebene Roman auch arg einfach und dröge geschrieben.

Alan Dean Foster schrieb die Version für Erwachsene, die auch für jüngere Leseratten eindeutig die bessere Wahl ist. Foster schrieb, neben zahlreichen eigenen Science-Fiction-Romanen, auch die Filmromane zum allerersten „Krieg der Sterne“-Film (unter dem Pseudonym George Lucas), für die „Alien“-Filme, den ersten neuen „Star Trek“-Film und jeder seiner Filmromane ist äußerst lesenswert. Das gilt auch für seine Romanfassung von „Das Erwachen der Macht“, in der er selbstverständlich in erster Linie die Filmgeschichte nacherzählt, sie auch vertieft und, soweit möglich, erweitert. Denn bei jedem Satz muss er aufpassen, dass er nicht schon Dinge für die nächsten Filme festlegt. Das gilt natürlich vor allem für die Frage, wer jetzt die Eltern von Rey sind. Denn, das können wir aus den vielen Andeutungen lesen: sie wird in den kommenden „Star Wars“-Filmen eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Erste Ordnung sein.

Gleichzeitig füllt Foster im Roman einige der Lücken, die im Film zwar für Überraschungen sorgten (wie Poe Damerons Überleben) oder die man einfach hinnahm, weil die Geschichte sich flott genug vorwärts bewegte. In dem Roman wird daher schlüssiger erklärt, wie die Personen von A nach B kommen, warum Han Solo die gefährlichen Rathars in seinem Raumschiff hat und wie der Widerstand von der Anwesenheit von Han Solo, Chewbacca, Rey und Finn auf Takodana erfuhr. Im Film tauchen die X-Flügler einfach aus heiterem Himmel, äh, Weltall auf.

(Eine vollständige Auflistung der Unterschiede bzw. Fragen aus dem Film, die Foster in seinem Roman beantwortet gibt es hier und hier – und, ja, da wird wird munter gespoilert. Hier geht es zu einem Interview mit Alan Dean Foster.)

Ein großes Manko hat Fosters Roman gegenüber Kogges Roman: in der deutschen Ausgabe von Kogges Jugendroman gibt es 16 Seiten mit Fotos aus dem Film – und diese Filmfotos waren früher für mich einer der Kaufgründe für die Filmromane. Neben dem Gefühl, den Film noch einmal erleben zu können oder ihn erleben zu können, solange ich keine Gelegenheit hatte, ihn mir anzusehen, weil er nicht im Kino oder Fernsehen lief.

Star WarsDas Erwachen der Macht von Alan Dean Foster

 

Alan Dean Foster: Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film

(übersetzt von Michaela Link)

Penhaligon, 2016

352 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Star Wars: The Force awakens

Del Rey, 2015

Kogge - Star Wars - Das Erwachen der Macht -2

Michael Kogge: Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film

(übersetzt von Andreas Kasprzak und Tobias Toneguzzo)

Panini Books, 2016

192 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Star Wars: The Force awakens

Disney Lucasfilm Press, 2016

Die Vorlage

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
LV: Charaktere von George Lucas
mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Kanal zum Film

Film-Zeit über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Moviepilot über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Metacritic über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Rotten Tomatoes über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Wikipedia über “Star Wars: Das Erwachen der Macht” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Homepage von Alan Dean Foster

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Trek“ (Star Trek, 2009)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Interview mit Alan Dean Foster über seinen Filmroman „Star Wars: Das Erwachen der Macht“


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