Ken Bruen, Inspector Brant, „Kaliber“ und die Sache mit den Manieren

Juli 28, 2015

Über seinen Privatdetektiv Jack Taylor sagte Ken Bruen, die Fälle würden nicht wegen, sondern trotz ihm gelöst. Das gleiche hätte er über die Romane mit Inspector Brant, einer aus sieben, zwischen 1998 und 2007 erschienenen Romanen bestehende Serie von in London spielenden Polizeiromanen, sagen können. Denn Brant und seine Kollegen lösen die Fälle auch nicht aufgrund guter Polizeiarbeit. Die meiste Zeit sind sie mit Drogen, Alkohol, persönlichen Problemen und internen Feindseligkeiten beschäftigt, während die Ermittlungen sich meist als eine persönliche Vendetta gestalten, in der Recht und Gesetz manchmal benutzte Leitplanken sind, um ihre Aggressionen abzubauen. Das ist zwar formal immer noch von Ed McBain und seiner Serie um das 87. Polizeirevier beeinflusst, aber bei Ken Bruen liest sich das wie McBain auf Speed und mit einer Punkattitüde.
Jetzt, nachdem seine bekanntere Serie mit dem Galway-Privatdetektiv Jack Taylor seit einigen Jahren kontinuierlich übersetzt wird (wobei die Übersetzungen von Harry Rowohlt nicht unumstritten sind), und die Brant-Verfilmung „Blitz“ (mit Jason Statham) regelmäßig im Fernsehen läuft und auf DVD gut erhältlich ist, hat der Polar-Verlag einen ersten Brant-Roman veröffentlicht. Mit „Kaliber“ ist es der sechste Brant-Roman, in dem ein selbsternannter Manierenkiller die Londoner zu einem höflicheren Umgang miteinander erziehen will. Deshalb wendet er sich mit seiner Mission an die Öffentlichkeit. Er hat allerdings nicht mit Southeast-Sergeant Brant gerechnet. Der bittet eine Kollegin, der er vor kurzem geholfen hat (es war natürlich ein nicht ganz legaler Gefallen), darum, sich in der Öffentlichkeit möglichst unhöflich zu Benehmen. Sein ebenso einfacher wie bestechender Plan sieht vor, dass der Manierenkiller auf den Lockvogel hereinfällt und er ihn dann umbringen kann.
Daneben versucht Brant sich jetzt als Krimiautor. Sein Vorbild ist Ed McBain, von dem er alle Bücher hat. Seine Muse ist ein Kollege, den er unter Drogen setzt. Der Manierenkiller nennt sich – Ken Bruen geizt nie mit literarischen Verweisen – Ford. Nach Lou Ford, dem Ich-Erzähler in Jim Thompsons Noir-Klassiker „Der Mörder in mir“ (The Killer inside me, 1952 – Lesebefehl!). Aber er liest auch, wie er in seinem Tagebuch schreibt, die Herren Charles Willeford und Cornell Woolrich.
Langjährige Ken-Bruen-Fans werden „Kaliber“, wie seine anderen Romane an einem Abend lesen. Bruen verknappt seine Erzählung – in seinen Polizeiromanen jongliert er mit mehreren parallelen Plots – so sehr, dass fast nur noch die Pointe, die präzise Beobachtung, die sarkastische Bemerkung und die düstere, gegen alles und jeden austeilende Weltsicht übrigbleibt. Das verlangt einen aufmerksamen Leser, macht Spaß und steht in der Tradition von G. F. Newmans zwischen 1970 und 1974 im Original publizierter Bastard-Trilogie über den skrupellosen Scotland-Yard-Inspector Terry Sneed, der für seinen Aufstieg in einem korrupten System über Leichen geht und jede Dienstregel bricht. Diese umfassende Entmystifizierung des edlen britischen Polizisten erschienen erst in den Achtzigern auf Deusch bei Ullstein. James Ellroy ist ein aktuellerer und bekannterer Einfluss. Aber gegenüber Bruen erscheint Ellroy als verquast pompöser Erzähler. Während Ellroy hunderte Seiten braucht, um die Polizisten als Schweine zu zeigen, genügen Bruen – großzügig gelayoutet – knapp zweihundert Seiten um seine korrupten, rassistischen, homophoben und frauenfeindliche Beamte auf das Podest zu heben sie, die selbst all das sind, was sie ablehnen, herunterstoßen. Zum Vorbild taugt keiner und im wirklichen Leben möchte man ihnen auch nicht begegnen. Aber für einen Noir sind sie grandioser Stoff.
Uh, und noch eine erfreuliche Meldung: Max Fisher und Angela Petrakos erleben weitere Abenteuer. Ken Bruen und Jason Starr haben einen weiteren Noir mit ihnen geschrieben. „Pimp“ ist für März 2016 bei Hard Case Crime angekündigt. Wann und ob die deutsche Übersetzung erscheint ist unklar.

Bruen - Kaliber

Ken Bruen: Kaliber
(übersetzt von Karen Witthuhn)
Polar, 2015
184 Seiten
12,90 Euro

Originalausgabe
Calibre
St. Martin’s Minotaur, 2006

Die Inspector-Brant-Ermittlungen
1. A White Arrest (1998)
2. Taming the Alien (1999)
3. The McDead (2000)
4. Blitz: or Brant Hits the Blues (2002)
5. Vixen (2003)
6. Calibre (2006)
7. Ammunition (2007)

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Ant-Man“ – Marvels kleinster Held

Juli 23, 2015

Das ist wohl die Marvel-Version von einem kleinem Film. Und das liegt nicht an der Größe des Superhelden, der mit einem Anzug auf die Größer einer Ameise (daher auch der Titel „Ant-Man“) schrumpfen kann, sondern an der, nach dem Riesen-“Avengers: Age of Ultron“-Remidemmi kleinen und überschaubaren Geschichte.
Scott Lang (Paul Rudd) will nach einem Gefängnisaufenthalt nur noch ein ehrliches Leben führen und sich mit seiner Frau Maggie (Judy Greer) und seiner Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) aussöhnen. Maggie hat dummerweise einen neuen Liebhaber: den Polizisten Jim Paxton (Bobby Cannavale). Mit der Arbeit funktioniert es auch nicht wie geplant. Seine Einbrechertalente sind auf dem freien Arbeitsmarkt nicht gefragt und wenn seine Chefs erfahren, was er früher getan hat, ist er den Job los. Die Jobs, die ihm sein Freund Luis (Michael Peña, mal wieder grandios) anbietet, sind vor allem illegal. Trotzdem erklärt Lang sich bereit, bei einem Einbruch mitzumachen.
Kurz darauf wird er vom Hausherrn geschnappt. Es ist Dr. Hank Pym (Michael Douglas). Der Erfinder will Lang als neuen Ant-Man haben. Denn Pym hat sich mit seinem früheren Schützling Darren Cross (Corey Stoll) überworfen und Cross hat ihn aus seiner Firma Pym Technologies rausgedrängt. Jetzt steht Cross kurz vor dem Durchbruch bei seinen Forschungen für einen Ant-Man-Anzug: das Yellowjacket. Pym möchte das verhindern. Auch weil er weiß, welche seelischen Schäden das Verändern der Körpergröße hervorrufen kann. Also soll Lang das Yellowjacket aus der gut gesicherten Firmenzentrale von Pym Technologies klauen. Lang, Luis und ihre Freunde (nicht gerade Leuchten in ihrem Job) planen also, während einer Präsentation, den Anzug zu stehlen.
Marvel nennt „Ant-Man“ ihren Heist-Film. Aber letztendlich ist es ein Marvel-Film mit den typischen Vor- und Nachteilen, wie einem blassen Bösewicht (obwohl Corey Stoll sehr gehässig grinsen kann), einer teilweise arg plätschernden Story, einem gut aufgelegtem Cast und überzeugenden Action-Szenen. Es gibt einige Querverweise zu den anderen Marvel-Filmen, die – bis auf eine Kampfszene, die am Ende wieder aufgenommen wird – dieses Mal so nebenbei formuliert werden, dass sie auch als Scherz durchgehen können. Und es gibt in der schon erwähnten Kampfszene auch einen größeren Auftritt von einem aus den vorherigen Marvel-Filmen (ohne die „Guardians of the Galaxy“) bekannten Charakter. Damit werden, wie gewohnt, die anderen Geschichten etwas weiter erzählt und es wird gezeigt, dass auch dieser Film zu einem größeren Ganzen gehört. Und es gibt die bekannten Abspann-Sequenzen.
Dieses Mal gibt es sogar eine ordentliche Portion Humor. Allein schon die Idee eines auf Ameisengröße schrumpfenden Mannes und sein Training sind gut genug für einige Lacher in diesem immer bescheiden, um nicht zu sagen klein auftretenden Film.
Aber ein Heist-Film, auch wenn hier mehrmals eingebrochen wird, ist „Ant-Man“ nicht. Jedenfalls nicht mehr als ein James-Bond-Film. In einem klassischen Einbruchsfilm dreht sich alles um den Einbruch. Das Herzstück des Films ist die genaue Schilderung der Durchführung des Einbruchs. Die bekanntesten Heist-Filme sieht man sich wegen des Einbruchs an. In „Ant-Man“ sind die Einbrüche flott vorbei. Eigentlich wird nur der erste genauer geschildert, während die anderen Einbrüche sich vor allem auf die Action konzentrieren und wir kaum erfahren, was warum wie geklaut wird.
Die Action ist gewohnt spektakulär und gewinnt hier allein schon durch die Größe der Kämpfenden neue Dimensionen. So findet, weil die Kämpfenden auf Ameisengröße geschrumpft sind, ein Teil des Schlusskampfes in einem Kinderzimmer auf einer Modelleisenbahn statt. Die Zerstörung ist entsprechend überschaubar.
Seinen ersten Auftritt hatte Ant-Man Hank Pym 1962 in Band 27 der Comicreihe „Tales to Astonisch“ und er ist ein Mitglied der ursprünglichen Avengers. Pym hatte, so seine ursprüngliche Geschichte, eine Substanz entdeckt (das Pym-Partikel), die es ihm ermöglichte, seine Größe beliebig zu verändern und übermenschliche Kräfte zu haben, was in einem Gefecht vorteilhaft sein kann. Denn eine Ameise kann im Gefecht unverletzt hinter feindliche Linien gelangen und auch Gebäude infiltrieren. Das ist eine durchaus faszinierende Idee, über die man allerdings nicht zu lange nachdenken sollte, weil sie dann immer idiotischer wird. Und das würde einem den Spaß an diesem Film verderben.

Eine Comicversion

Pünktlich zum Filmstart erschien bei Panini Comics auch Robert Kirkmans („The Walking Dead“) „Ant-Man“-Version, die in den USA bereits 2007 erschien. Hier ist Ant-Man Eric O’Grady, ein kleiner S.H.I.E.L.D.-Soldat der unzuverlässigen Sorte. Zusammen mit seinem Freund Chris McCarthy soll er auf einem S.H.I.E.L.D.-Helicarrier (ein in der Luft schwebender Flugzeugträger) eine Tür bewachen. Weil sie allerdings nicht wissen, ob sie Leute am verlassen oder betreten des Raums hindern sollen, schlagen sie Dr. Hank Pym, der den Raum verlassen will, ohnmächtig, betreten den Raum und McCarthy probiert den Ant-Man-Anzug aus, was dazu führt, dass er auf Ameisengröße schrumpft und erst einmal tagelang durch die Station irrt. Bei einem Angriff von Hydra (den Bösewichtern) stirbt McCarthy und O’Grady schnappt sich den Anzug, den er fortan zum Beobachten von duschenden Frauen benutzt. Weil Shield befürchtet, dass der Anzug in die falschen Hände fällt (als sei er bei O’Grady in den richtigen), wird Mitch Carson, der auch ein guter Terminator wäre, beauftragt, O’Grady zu finden.
Robert Kirkmans Ant-Man ist eigentlich ein selbstbezogener Teenager, der außer Sex wenig im Kopf hat. Das ist im Superheldengenre ein witziger und respektloser Ansatz. Trotzdem sehen wir mehr seitenfüllende Kloppereien als nackte Frauen und O’Grady wird am Ende – und da verrate ich wohl kein großes Geheimnis – doch zu einem guten und ziemlich verantwortungsbewussten S.H.I.E.L.D.-Agenten. Kirkman erzählt in „Ant-Man“ eine ziemlich klassische Entwicklungsgeschichte, die, – für die Marvel-Fans -, vor und nach dem Civil War spielt.

Ant-Man - Plakat

Ant-Man (Ant-Man, USA 2015)
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Edgar Wright, Joe Cornish, Adam McKay, Paul Rudd (nach einer Geschichte von Edgar Wright und Joe Cornish)
LV: Charakter von Stan Lee, Larry Lieber, Jack Kirby
mit Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Bobby Cannavale, Michael Peña, T. I., Wood Harris, Judy Greer, Abby Ryder Fortson, David Dastmalchian, Anthony Mackie, Hayley Atwell, John Slattery, Martin Donovan, Stan Lee
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Kirkman - Ant-Man
Robert Kirkman (Autor)/Phil Hester/Cory Walker/Khary Randolph (Zeichner): Ant-Man Megaband
(übersetzt von Harald Gantzberg)
Panini, 2015
292 Seiten
28 Euro

Originalausgabe
The Irredeemable Ant-Man
Marvel, 2006/2007

enthält
Civil War: Choosing Sides (Dezember 2006)
The Irredeemable Ant-Man # 1 – 12 (Dezember 2006 – November 2007)
Amazing Fantasy (2004) 15 (Januar 2006)

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite von Marvel
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ant-Man“
Moviepilot über „Ant-Man“
Metacritic über „Ant-Man“
Rotten Tomatoes über „Ant-Man“
Wikipedia über „Ant-Man“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns “The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe” (The Walking Dead Vol. 15: We find ourselves, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)“ (The Walking Dead, Vol. 16: A larger world, 2012)

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)“ (The Walking Dead, Vol. 17: Something to Fear, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Grenzen (Band 18)“ (The Walking Dead, Vol. 18: What comes after, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Auf dem Kriegspfad (Band 19)“ (The Walking Dead, Vol. 19: March to War, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Stefano Gaudiano/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Krieg – Teil 1 (Band 20)“ (The Walking Dead, Vol. 20: All Out War, Part One, 2014)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 2“ (USA 2011/2012)

Meine Besprechung der TV-Serie “The Walking Dead – Staffel 3″ (USA 2013)

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) “Haunt – Band 3″ (Haunt, Vol. 13 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Nick Spencer (Autoren)/Shawn Martinbroughs (Zeichner) „Dieb der Diebe: „Ich steige aus“ (Band 1)“ (Thief of Thieves # 1 – 7, 2012)

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Mit Miss Everdene „Am grünen Rand der Welt“

Juli 17, 2015

Wir wissen schon nach der ersten Minute, wenn Bathsheba Everdene, eine junge, unabhängige Frau, und Gabriel Oak, ein zuverlässiger Schäfer, sich begegnen, dass sie, auch ohne Thomas Hardys Wessex-Roman „Am grünen Rand der Welt“ zu kennen, füreinander bestimmt sind. Bathsheba braucht dann noch gut zwei Kinostunden für diese Erkenntnis. In dieser Zeit übernimmt sie den Hof ihres verstorbenen Onkels und führt ihn, entgegen den damaligen viktorianischen Konventionen, als Chefin. Außerdem balzen noch zwei andere Männer um die Aufmerksamkeit der schönen Frau. Es sind der schon etwas ältere, immer noch allein lebende und deshalb bei den Frauen des Dorfes begehrte Großgrundbesitzer William Boldwood und der junge Soldat James Troy, den wir schon auf den ersten Blick als verantwortungslosen Blender und Spieler erkennen.
Gabriel, der durch ein Unglück seine gesamte Schafherde verlor, hat inzwischen als Schäfer eine Stelle auf Bathshebas Hof gefunden.
Bathsheba heiratet – wir ahnen es – den für sie schlechtesten Verehrer: den Soldaten Troy. Schon in der Hochzeitsnacht betrinkt er sich mit den Gästen, anstatt das zum Verkauf bestimmte Getreide vor einem aufziehenden Gewitter zu schützen. Gabriel deckt es, bis Bathsheba ihm hilft, alleine ab. Auch danach hilft Troy nicht auf dem Hof mit, sondern verzockt das von seiner Frau erarbeitete Geld und er trifft wieder Fanny Robin, eine frühere Freundin, die er heiraten wollte und die von ihm schwanger ist.
Für einen ereignisreichen Kinofilm gibt es also genug Konflikte in Thomas Hardys schon mehrfach verfilmtem Liebesroman, der immer noch zu den wichtigen Werken der englischen Literatur gehört. Drehbuchautor David Nicholls (mehrere Romane, unter anderem „Zwei an einem Tag“, und mehrere Drehbücher, unter anderem die Charles-Dickens-Verfilmung „Große Erwartungen“ [2012] und die Thomas-Hardy-Verfilmung „Tess of the D’Urbervilles“ [2008]) und Thomas Vinterberg („Das Fest“, „Die Jagd“) folgen der bekannten Geschichte genau. Aber sie setzen andere Akzente und modernisierten sie in einigen Bereichen behutsam, indem sie Bathsheba eindeutig ins Zentrum stellen. Im Roman ist Gabriel Oak im ersten Viertel die Hauptfigur; auch danach ist Bathsheba nur ein Charakter unter mehreren. Außerdem lässt Hardy oft einen Charakter einem anderen Charakter von wichtigen Ereignissen erzählen oder er rafft es zu einem kurzen Bericht zusammen. Vinterberg zeigt diese Ereignisse, wie den Tod von Gabriels Schafherde oder Bathshebas Ankunft in ihrem neuen Haus. Und er kann sich auf das differenzierter Spiel seiner in jeder Szene sympathischen Schauspieler – Carey Mulligan als Bathsheba Everdene, Matthias Schoenaerts als Gabriel Oak, Michael Sheen als William Boldwood und Tom Sturridge als Frank Troy – verlassen. Ihnen sieht man in jeder Sekunde gerne zu, auch wenn Vinterberg konsequent in der antidramatischen Erzählhaltung des neunzehnten Jahrhunderts bleibt, in der einfach chronologisch von den Ereignissen berichtet wird und sie fast schon zufällig aufeinander folgen, während die Menschen ihr Schicksal ertragen. Heute erwarten wir von Geschichten eine Kette von aufeinander folgenden Aktionen von verschiedenen Charakteren, die alle immer etwas erreichen wollen. Aber Bathsheba sucht keinen Ehemann. Sie kommt – und das macht sie schon in Hardys Roman zu einer modernen Frau – gut ohne einen Mann aus. Sie ist auch erstaunlich desinterressiert an männlicher Gesellschaft. Gabriel, der sie begehrt, akzeptiert klaglos ihre Ablehnung und er landet eher zufällig auf ihrem Hof. Dort arbeitet er als Schäfer, der wegen seines jetzt niederen Standes, überhaupt nicht mehr an eine Heirat denkt. Im Roman ist er, viel stärker als im Film (wo er einen stoischen Heroismus ausstrahlt), ein passiver Leidender und Beobachter, den man am liebsten ohrfeigen würde. Aus solch passiven Gestalten kann sich natürlich keine dramatische Handlung (was schade ist) und auch keine Nicholas-Sparks-Schmonzette (was gut ist) entwickeln.
Zu den guten Schauspielern kommen noch die schönen Kostüme und die wundervolle Landschaft der im Südwesten Englands liegenden Grafschaft Dorset, dem realen Vorbild von Thomas Hardys Wessex.
Und so ist „Am grünen Rand der Welt“ eine konventionell erzählte, werkgetreue, stimmungsvolle und in jeder Beziehung traditionsbewusste Romanverfilmung, die vor allem wegen der Schauspieler gefällt.
P. S.: Suzanne Collins benannte ihre „Die Tribute von Panem“-Heldin Katniss Everdeen nach Bathsheba Everdene. Aber das habt ihr natürlich alle gewusst?

Am grünen Rand der Welt - Plakat

Am grünen Rand der Welt (Far from the Madding Crowd, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: David Nicholls
LV: Thomas Hardy: Far from the Madding Crowd, 1874 (Am grünen Rand der Welt)
mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts, Michael Sheen, Tom Sturridge, Juno Temple, Bradley Hall, Jessica Barden
Länge: 119 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage

Hardy - Am grünen Rand der Welt - Movie Tie-in

Thomas Hardy: Am grünen Rand der Welt
(übersetzt von Peter Marginter)
dtv, 2015 (Filmausgabe)
432 Seiten
9,90 Euro

Originalausgabe
Far from the Madding Crowd
London, 1874
(für spätere Ausgaben überarbeitete Hardy seinen Roman)

Hinweise
Englische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Am grünen Rand der Welt“
Moviepilot über „Am grünen Rand der Welt“
Metacritic über „Am grünen Rand der Welt“
Rotten Tomatoes über „Am grünen Rand der Welt“
Wikipedia über „Am grünen Rand der Welt“ und Thomas Hardy (deutsch, englisch)
Homepage von David Nicholls


Vorbereitende Lektüre: „London Undercover“ und „China Girl“ von Don Winslow

Juli 15, 2015

Winslow - London UndercoverWinslow - China Girl - Suhrkamp 2015 - 2

Natürlich könnte ich mich einfach auf Couch legen (nachdem ich sie freigeräumt habe) und „Das Kartell“, den neuen Roman von Don Winslow, lesen. Ist okay. Ist eine Möglichkeit. Aber der erfahrene Jäger nähert sich seiner Beute auf Umwegen. Zum Beispiel über die Lektüre von anderen Werken des Autors. Zum Beispiel mit seinen ersten beiden Romanen „London Undercover“ und „China Girl“, in denen Neal Carey für die Freunde der Familie die Kastanien aus dem Feuer hohlen soll und nicht alles nach Plan läuft.
Neal Carey ist ein literaturbegeisterter New Yorker Jungspund, der sein Studium mit einer Arbeit über Tobias Smollett abschließen will. Als Junge hielt er sich, bis er von Joe Graham erwischt wurde, mit Diebstählen über Wasser. Der einarmige Graham nahm den Elfjährigen unter seine Fittiche. Er lernte ihn alles, was ein gut ausgebildeter junger Mann wissen muss. Jedenfalls wenn er irgendwann als Privatdetektiv und als Kastanien-aus-dem-Feuer-Hohler der Freunde der Familie, einer geheimen Spezialabteilung einer noblen in Providence, Rhode Island, residierenden Privatbank, arbeiten soll. Daher dienen seine Aufträge nicht irgendeinem hehren Ziel, sondern es geht um die Interessen der Bank, wozu auch ihr Einfluss in die Politik gehört.
So soll Neal in „London Undercover“ die schon länger verschwundene, minderjährige Tochter eines demokratischen US-Senators nach Hause hohlen. Er ist ein möglicher Anwärter für das Amt des Vizepräsidenten. Wichtig für die geplante Familienzusammenführung ist dabei nicht, dass Vater, Mutter und Tochter sich wieder in die Arme schließen können, sondern dass Neal Allie Chase zu dem Datum wieder zurück in den USA bringt, an dem für die Medien die heile Familienwelt inszeniert werden soll. Zuletzt wurde sie in London gesehen.
Neal macht sich auf den Weg in die Stadt, die gerade vom Punk beherrscht wird. Schnell taucht der 23-jährige in die Subkultur ein. Er hofft Allie zwischen Prostituierten (was sie wahrscheinlich ist), Drogensüchtigen (was sie ziemlich sicher ist), Punks und Nachtschwärmern in der 8-Millionen-Stadt zu finden.
„China Girl“, das zweite Abenteuer von Neal Carey beginnt sieben Monate nach „London Undercover“ und schließt, obwohl die Romane voneinander unabhängig gelesen werden können, nahtlos an den ersten Roman an. Denn Neal ging am Ende von „London Undercover“ nach Yorkshire in ein selbstgewähltes Exil, in dem er seine Abschlussarbeit schreiben wollte. Auf der ersten Seite klopft Joe Graham an Neals Tür. Er hat einen neuen Auftrag für Neal. Neal soll in San Francisco einen Chemiker von einem Seitensprung zurückholen. Dr. Robert Pendleton, dessen Wissen über Düngemitteln für AgriTech in Raleigh, North Carolina unersetzbar ist, hat sich in eine Chinesin verliebt und er will mit ihr durchbrennen, was auch Auswirkungen auf die Investition der Bank in AgriTech hätte.
In San Francisco erlebt Neal schnell einige Überraschungen: die Schönheit heißt Li Lan. Sie ist eine Malerin und Neal verguckt sich ebenfalls in sie. Als er die beiden Turteltauben überzeugen will, in den USA zu bleiben, wird auf ihn geschossen und Li Lan und Pendleton verschwinden nach Hongkong.
Neal, der in seiner Ehre gekränkt ist, verfolgt sie undercover nach Hongkong und schon befindet er sich zwischen den Fronten von CIA, dem chinesischen Geheimdienst und den Triaden.
Während „London Undercover“ sich weitgehend im Fahrwasser eines klassischen Privatdetektivromans bewegt, ist „China Girl“ eher ein Agententhriller. Bei beiden Romanen gefällt vor allem Don Winslows trockene, pointierte Sprache und wie er Neal Carey als soften Hardboiled-Privatdetektiv zeichnet. Da ist deutlich das Erbe von Robert B. Parkers Spenser spürbar. Wobei Neals Kampftechnik, im Gegensatz zu der von Spenser, vor allem in einer schnellen Flucht vor seinem Gegner besteht, bis dieser erschöpft zusammenbricht. Gewalt ist also nicht Neal Careys Lösung bei Problemen. Eher schon Mutterwitz und Improvisationstalent. In beiden Romanen, die in den Siebzigern spielen, badet Don Winslow in kulturellen und politischen Referenzen, was den Lesespaß erhöht.
Lohnt sich die Lektüre? „Scheiße, na klar.“ (Neal Carey)

Don Winslow: London Undercover – Neal Careys erster Fall
(übersetzt von Conny Lösch)
Suhrkamp, 2015
384 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
A Cool Breeze on the Underground
St. Martin’s Press, 1991

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Ulrich Anders)
Ein kalter Hauch im Untergrund
Piper, 1997

Don Winslow: China Girl – Neal Careys zweiter Fall
(übersetzt von Conny Lösch)
Suhrkamp, 2015
448 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Trail To Buddha’s Mirror
St. Martin’s Press, 1992

Deutsche Erstausgabe (übersetzt von Ulrich Anders)
Das Licht in Buddhas Spiegel
Piper, 1997

Hinweise

Thrilling Detective über Neal Carey

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows “Missing. New York” (Missing. New York, noch nicht erschienen)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte

 


„Highway to Hell – Kopflos in die Hölle“ ist auch eine Option

Juli 14, 2015

Dileo - Gischler - Highway to Hell - 4

Die Entstehungsgeschichte ist etwas komplizierter als nötig und sie wird mit etwas mehr Schulterklopfen als nötig im Vorwort der „Panini-Eigenproduktion mit namhaften italienischen Künstlern“ ausgebreitet, aber die Idee, „Highway to Hell – Kopflos in die Hölle“ wie einen Spielfilm mit Vor- und Abspann zu präsentieren, ist äußerst sympathisch. Sinnvoll ist auch der „Empfohlen ab 18 Jahren!“-Hinweis, wobei einige Bilder aus dem Comic auch in einem FSK-18-Film Probleme hätten.
Szenarist Victor Gischler (der neben mehreren „Deadpool“- und „Punisher“-Geschichten auch einige hochgelobte, nicht ins Deutsche übersetzte Noirs schrieb) erzählt, ausgehend von Davide ‘Boosta’ Dileos Erzählung „Il Tramontatore“, die Geschichte der beiden FBI-Ermittler Isaac Brew und Jayesh Mirchandani. Brew ist der typische schlecht gekleidete, sich schlecht benehmende Macho, der jede Frau anbaggert. Mirchandani ist Inder. Mit einem Turban. Sie wurden abgeschoben zu den ‘seltsamen Fällen’.
Jetzt wurden an der Route 5, an der Staatsgrenze zwischen Maine und Massachusetts, mehrere Leichen gefunden. Der erste Tatort, den sie sehen, sieht wie eine in das amerikanische Hinterland verpflanzte Brueghelsche Höllenvision mit einem Skelett, mehreren Enthaupteten und unzähligen Köpfen in verschiedenen Verwesungsstadion aus.
Dass das kein normaler Tatort ist, ist auf den ersten Blick klar.
Dass sie nicht gegen einen durchgeknallten Serienkiller, sondern gegen Vampire kämpfen, erfahren sie kurz darauf von Dusker (dessen Kampfmontur an eine demolierte Ritterrüstung erinnert) und seiner Gehilfin, zwei aus dem Nichts auftauchenden Helfern, die schon lange gegen die Vampire und andere Alptraumgestalten kämpfen und die jetzt alles für eine große Schlacht vorbereiten.
„Highway to Hell – Kopflos in die Hölle“ ist ein gezeichneter Grindhouse-Traum, in dem alles überlebensgroß ist. Vor allem die Gewalt, wenn auf doppelseitigen Panels die liebevoll-detailliert ausgebreiteten Eingeweide von Toten präsentiert werden oder über mehrere Seiten Menschen verzweifelt gegen Alptraumwesen kämpfen. Da braucht es kein reichhaltig gedecktes Vampirdinner (gibt es auch) oder ein Trio sprechender Köpfe, die in Duskers Schrank hängen. Subtil ist etwas anderes. Auch die Macho-Allüren von Brew sind so überdeutlich gezeichnet, dass sie nur noch als grobe Parodie einer Parodie taugen.
Und natürlich macht diese Autobahn in die Hölle, genossen im angemessenen Sicherheitsabstand, höllischen Spaß.

Davide Dileo/Victor Gischler/Riccardo Burchielli/Francesco Mattina: Highway to Hell – Kopflos in die Hölle
(übersetzt von Michael Bregel)
Panini, 2015
148 Seiten
18,99 Euro

Originalausgabe
Highway to Hell
Italien Job Studio 2014

Hinweise

Homepage von Victor Gischler

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Goran Parlov (Zeichner): The Punisher: Willkommen im Bayou (Punisher (Vol. 7) 71 – 74: Welcome to the Bayou; Punisher (Vol. 7) 75: Dolls/Gateway/Ghouls/Father’s Day/Smalest Bit of This, 2009)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Duane Swierczynski (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): The Punisher: Abgrund des Bösen (Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner): Naturgewalt (Punisher: Force of Nature, April 2008; Victor Gischler (Autor)/Jefte Palo (Zeichner): Alles gespeichert (Punisher: Little Black Book, August 2008; Mike Benson (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Der Gejagte (Punisher MAX Annual 1: The Haunted, November 2007; Jonathan Maberry (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Requisiten (Punisher: Naked Kill, August 2009)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)


Superhelden und Geschlechtsverkehr? „Sex“ und „Sex Criminals“ geben Antworten

Juni 24, 2015

Casey - Sex 1 - 2Fraction - Sex Criminals 1 - 2

Solange Superheldencomics Kinderkram waren, die man nach der Pubertät nicht mehr anrührte (außer natürlich um die Hefte zu utopischen Summen als Sammlerstück zu kaufen oder zu verkaufen), stellte sich die Frage nach dem Geschlechtsverkehr, und wie er dargestellt werden kann, nicht. Superman, Batman undsoweiter haben zwar eine Freundin (will ja jeder Teenie haben), oft ist die Beziehung auch etwas problematisch (Soll ich sie ansprechen? Wenn ja: wie? Immerhin bin ich der kleine picklige Typ mit der Brille und nicht dieser andere Typ.), aber die Sache mit Heirat, Sex, Kinder kriegen und Familienvater sein (in dieser Reihenfolge) stand nie zur Debatte. Das änderte sich auch in den letzten Jahren, als die Comics erwachsen wurden (wie man so sagt, wenn die Geschichten länger, komplexer und düsterer werden und die Geschichten immer stärker ethische und politische Fragen, die auch die Tagespolitik bestimmen, behandelen ohne alte Feindbilder platt zu wiederholen). Und dennoch: die Triebe des Helden konzentrierten sich auf die Verbrechensbekämpfung. So als sei Sex etwas aus einer anderen Dimension.
Nun, mit „Sex“ und „Sex Criminals“ wird auch an dem Sex-Tabu gerüttelt und das Ergebnis fällt, noch, ernüchternd aus. Denn beide Comics wirken, als ob die Macher einfach einige knallige Sexszenen in eine Standardsuperheldengeschichte einfügten und sich dann zufrieden zurücklehnten. Der Trick hat ja auch früher funktioniert, als man in einen banalen Film eine saftige Sexszene reinknallte, einen Skandal provozierte und utopische Einnahmen hatte.
In „Sex“ von Autor Joe Casey und Zeichner Piotr Kowalski kehrt Simon Cooke nach einer Auszeit in seine Heimatstadt Saturn City (yeah, Sin City, Gotham City, New York) zurück. Er ist Konzernchef (naja, irgendwie Bruce Wayne) und war früher der Kettenheilige, manchmal auch nur der Heilige (Batman) und auch bei ihm war die Verbrechensbekämpfung nicht sonderlich erfolgreich. Denn die Bösewichter sind immer noch da.
Und Cooke hat eine Freundin/Geliebte: Annabelle Lagravenese (aka „Schattenluchs“), die als Bordellchefin mit Escort-Service ihr Geld verdient, wenn sie nicht gerade im Catwoman-Stil über die Dächer springt.
Im ersten „Sex“-Sammelband versucht Simon Cooke mit seinem bürgerlichem Leben zurechtzukommen und alles das nachzuholen, was er als junger Superheld nicht tun konnte. Was vor allem die Sache mit den drei Buchstaben ist. Aber er zweifelt, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat und natürlich hängt er immer noch an seiner ersten Liebe Annabelle.
Das ist dann, wenn wir im „Batman“-Kosmos bleiben, doch nur ein weiteres „Batman“-Abenteuer, aufgehübscht mit viel nackter Haut (keine Angst, vor allem die Bösewichter haben Sex) und daher ziemlich konventionell, aber durchaus gelungen, im bekannten Fahrwasser.
Bei „Sex Criminals“ von Autor Matt Fraction und Zeichner Chip Zdarsky, das 2014 den Eisner-Preis als Beste neue Serie erhielt, begeisterte mich dieser Satz aus dem Klappentext: „Also tun sie, was jedes vernünftige Paar tun würde, das die Welt einfrieren kann, wenn es Sex hat: Die beiden ziehen los und rauben eine Bank aus.“
Das tun Suzie und Jon auch. Immerhin steht die Zeit still, wenn sie einen Orgasmus haben und in dieser Zeit können sie, wie sie uns vor dem ersten Bankraub erzählen, ganz viele Dinge erledigen. Dummerweise haben noch andere Menschen diese Fähigkeit und schnell verfolgen einige engelsweiß eingekleidete Polizisten das Liebespaar.
Wie bei „Sex“ ist bei „Sex Criminals“, wenigstens im ersten Sammelband, die Sache mit dem Sex noch ein Gimmick, der der Geschichte keine umwerfend neue Dimension verleiht. Denn verbrecherische Superhelden gibt es schon einige und dass gute und böse Superhelden miteinander im Clinch liegen, ist jetzt auch nicht neu. Dass in „Sex Criminals“ dieser Kampf in eine andere Dimension verlegt wird – nun, ja, mal sehen, wie es weitergeht.
Aber vielleicht wäre ich als prüder Amerikaner auch schockierter über die nackten Tatsachen und, vor allem in „Sex“, dem respektlosen Spiel mit dem Superheldengenre. Wir Europäer sind da ja einiges gewohnt.

Joe Casey (Autor)/Piotr Kowalski (Zeichner): Sex – Ein steifer Sommer (Band 1)
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Panini, 2014
160 Seiten
17,99 Euro

Originalausgabe
The Summer of Hard
Image, 2013
(enthält Sex 1 – 8)

Hinweise
Image Comics über Joe Casey
Wikipedia über Joe Casey

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Autor)/Joe Casey (Autor)/Nathan Fox (Zeichner) “Haunt – Band 5” (Haunt # 23 – 28, 2013)

Matt Fraction (Autor)/Chip Zdarsky (Zeichner): Sex Criminals – Guter Sex zahlt sich aus: Komm, Welt (Band 1)
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Panini, 2015
140 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
One weird Trick
Image, 2014
(enthält Sex Criminals 1 – 5, September 2013 – März 2014)

Hinweise
Homepage von Matt Fraction
Homepage von Chip Zdarsky
Wikipedia über „Sex Criminals“


Krimineller Rundumschlag mit Toten, Polizisten und einem Privatdetektivinnen-Duo

Juni 22, 2015

Machen wir wieder einen kleinen Rundumschlag mit vier Kriminalromanen, die mir alle, auch wenn ich sie gleich mehr oder weniger stark kritisiere, gefallen haben. Außerdem begegnen wir einigen alten Bekannten, deren neue Fälle ohne Kenntnis der vorherigen Romane gelesen werden können und das Privatleben der Ermittler wird angenehm kurz gehalten. .

McIlvanney - Die Suche nach Tony Veitch - 2

Beginnen wir in good old England, der Heimat des Häkelkrimis, die uns schon seit einigen Jahren mit ziemlich düsteren Werken beglückt. Ziemlich am Anfang von diesem Strang, der irgendwann das Label „Tartan Noir“ erhielt, stand William McIlvanney mit seinen drei Laidlaw-Romanen, die schnell für ihre literarischen Qualitäten gerühmt wurden. Aber weil er ungefähr so produktiv wie Filmregisseur Terrence Malick in seinen besten Jahren war, blieb McIlvanney ein Insidertip.
In seinem zweiten Laidlaw-Roman sucht Detective Inspector Jack Laidlaw den Mörder von Eck Adamson, einem obdachlosem Säufer, der auch ein Polizeispitzel war. Laidlaw glaubt, dass jedes Leben zählt und daher auch kein Mörder frei herumlaufen darf. Auch wenn er lange Zeit erfolglos im Nebel herumstochert und er sich fragt, welche Verbindung es zwischen Adamson und Tony Veitch gab. Veitch ist ein aus vermögendem Haus stammender Student, der auch von einigen Gangster gesucht wird, weil sie ihn mit einem Heiratsschwindel (keine Panik, das erfahrt ihr schon auf den ersten Seiten) erpressen wollen.
Während der erste Laidlaw-Roman „Laidlaw“ eine Menschenjagd und ein Wettlauf gegen die Zeit war, ist „Die Suche nach Tony Veitch“ die doch ziemlich zäh erzählte Suche nach einem Mörder und auch nach einem Fall. Denn Laidlaw und sein Kollege Harkness beschäftigen sich mit einem Fall, der nur durch Laidlaws Sturheit, der einfach weiterermittelt, bis er irgendetwas findet, zu einem Fall wird. Deshalb plätschert die Geschichte nach einem flotten Beginn fast bis zum Ende ohne große Überraschungen vor sich hin. Das begeistert dann nicht wirklich, auch wenn der damals als bester Roman für den Edgar nominierte Krimi etliche gelungene und philosophische Betrachtungen über die in Glasgow verschiedenen Schichten und Subkulturen zugehörigen Menschen bietet.
So überzeugt „Die Suche nach Tony Veitch“ vor allem als atmosphärisches Porträt einer Stadt, ihrer Bewohner und einer Zeit, als Menschen nicht ständig erreichbar waren.
Der dritte Laidlaw-Roman „Falsche Treue“ erscheint im Herbst.

William McIlvanney: Die Suche nach Tony Veitch
(übersetzt von Conny Lösch)
Kunstmann, 2015
320 Seiten
19,95 Euro

Originalausgabe
The Papers of Tony Veitch
Hodder & Stoughton, 1983

Die Übersetzung folgt der 2013 bei Canongate Books erschienenen Ausgabe des Romans.

Hinweise

Homepage von William McIlvanney

Wikipedia über William McIlvanney (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von William McIlvanneys “Laidlaw” (Laidlaw, 1977)

Manotti - Abpfiff - 2
Wo Geld ist, gibt es auch Verbrechen. Diese Binsenweisheit scheint, jedenfalls wenn man sich die Krimis ansieht, in denen Fußball eine Rolle spielt, für den Fußball nicht zu gelten. Denn es gibt erstaunlich wenige Krimis, die sich mit schmutzigen Geschäften im und um das Fußballspiel beschäftigen. Spontan fällt mir nur Friedhelm Werremeiers „Platzverweis für Trimmel“ (1972, überarbeitete Neuausgabe 1985) ein. Zur Fußball-WM in Deutschland gab es auch einige Krimis, in denen Fußball wichtig war und die ich nicht gelesen oder schon vollkommen vergessen habe.
Dabei gibt es im und um ein Fußballstadion alles, was das Herz für eine zünftige Kriminalgeschichte begehrt. Und genau deshalb ist Dominique Manottis neuer Roman „Abpfiff“ (der 1990 spielt und in Frankreich bereits 1998 erschien) eine so gelungene Ausnahme. Bei ihr ist der kurz vor dem Aufstieg stehende Fußballverein ein Teil des Kapitalismus und der Kleinstadtpolitik, in der Vereinsvorstand, Politik und Wirtschaft untrennbar miteinander verflochten sind.
Dabei glaubt Commissaire Daquin (zuletzt „Zügellos“), dass die Spur zum FC Lisle-sur-Seine eine im Nichts verlaufende Spur ist. Denn es ist auf den ersten Blick zu unglaublich, dass der Mord auf offener Straße nicht seinem Kollegen Romero vom Pariser Drogendezernat, sondern Nadine, einer jungen Frau, die mit ihrem Bruder im Stadion des Vereins lebt, galt.

Dominique Manotti: Abpfiff
(übersetzt von Andrea Stephani)
Ariadne Kriminalroman, 2015
240 Seiten
17 Euro

Originalausgabe
Kop
Éditions Payot & Rivages, 1998

Hinweise

Krimi-Couch über Dominique Manotti

Wikipedia über Dominique Manotti (deutsch, französisch) und Bernie Madoff 

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Zügellos“ (À nos Chevaux!, 1997)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Ausbruch“ (L’évasion, 2013)

Meine Besprechung von Dominique Manottis “Madoffs Traum” (La rêve de Madoff, 2013)

Wittkamp - Frettchenland - 2
Da hat Lotte Weiland aber Pech gehabt. Zuerst wird sie im Bundestag fast beim Datendiebstahl erwischt und dann wird sie in einer Damentoilette von einem Mann ermordet. Der nimmt sich dann auch gleich den USB-Stick mit den Daten und sagt seinem Auftraggeber, dem Bundestagsabgeordneten Nils Janssen, dass die Sache erledigt sei. Janssen leitet einen Ausschuss, der die Kosten für den Atomausstieg klären soll und der deshalb von vielen Lobbyisten beehrt wird.
Weil das auf den ersten Seiten von Rainer Wittkamps drittem Roman „Frettchenland“ passiert, ist natürlich mit dem Mord an der polizeilichen Personenschützerin überhaupt nichts erledigt. Kommissar Martin Nettelbeck vom Landeskriminalamt soll den Mörder suchen. Rico Hoyer, der beim LKA in der Abteilung Wirtschaftskriminalität arbeitet und Lottes Freund ist, beginnt ebenfalls, aus ziemlich eigennützigen Motiven, mit der Mörderjagd. Und Lottes Großmutter Luise Weiland kann nicht akzeptieren, dass Lotte tot ist. Zusammen mit Yasser Al-Shaker, ihrem Mädchen für alles, beginnt sie mit der Mörderjagd. Dass sie Geld und gute Beziehungen hat und früher Schützenkönigin war, hilft ihr. Und dann gibt es noch einige Politiker und Mitarbeiter, die die Tote für ihre Karriere benutzen wollen.
Nachdem Wittkamps erster Nettelbeck-Krimi „Schneckenkönig“ ein vielversprechender, wenn auch etwas brav in Richtung TV-Krimi geplotteter Krimi war, geht es dieses Mal in Richtung Ross Thomas und, auch wenn Wittkamp nicht die Qualität von Thomas erreicht, ist „Frettchenland“ ein herrlich illusionsloser und empörungsfreier Polit-Thriller, in dem Kommissar Nettelbeck als Nebenfigur vor allem mit dem Aufsammeln von Unrat beschäftigt ist. Privat geht es ihm dafür gut: er ist mit Philomena zusammengezogen und ihre Kinder verkleinern seine Jazz-LP-Sammlung.
Ach ja: es ist wirklich angenehm, dass ein Jazz-Liebhaber nicht nur die üblichen Verdächtigen (Charlie Parker, Miles Davis, John Coltrane), sondern auch zeitgenössische Jazzer, wie Ray Anderson, Conny Bauer, Trombone Shorty (aktueller geht es kaum) und Joseph Bowie (den er während eines Konzertes mit seiner Band „Defunkt“ entdeckte) hört. Er überlegt sogar, ob ein singender Nils Landgren für ihn hörbar ist.

Rainer Wittkamp: Frettchenland
grafit, 2015
224 Seiten
9,99 Euro

Hinweis

Homepage von Rainer Wittkamp

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Schneckenkönig” (2013)

Brack - Die drei Leben des Feng Yun-Fat - 2

Lenina Rabe ist zurück. Ihr letzter Fall „Schneewittchens Sarg“ erschien 2007. Danach schrieb Robert Brack einige historische Kriminalromane, die mir alle gefallen haben und so wirklich habe ich nicht mehr mit einem neuen Rabe-Krimi gerechnet. Dennoch hat Brack es zwischen all seinen anderen Arbeiten geschafft, die ziemlich linke Dame mit „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ in ein neues Abenteuer zu schicken.
Inzwischen hat Lenina Rabe mit Nadine Adler eine Detektei mit Blick auf den Hafen eröffnet. Sie schlagen sich mehr schlecht als recht durch, aber sie sind nicht auf den Mund gefallen, weshalb ein großer Teil des Romans aus Dialogen besteht.
Für Feng Yun-Fat, den Besitzer des China-Restaurants „Hongkong-Drache“ in Hamburg Altona, der gerne ein Nobelrestaurant eröffnen möchte, sollen sie seinen verschwundenen Koch Wang Shuo (der sich manchmal auch Mang Liu nennt) suchen. Was leichter gesagt, als getan ist. Nicht nur wegen der Sprachbarriere.
Robert Brack, der auch einige Romane von Robert B. Parker übersetzte, wildert hier, obwohl „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ in der dritten Person geschrieben ist, stark im Spenser-Territorium. Dialoge treiben die Geschichte voran. Es wird geblödelt und gewitzelt. Gerne gegen das Kapital und den Kapitalismus. Die Geschichte wird eher zur Nebensache, Hamburg als Hamburg ebenso (obwohl viel Hafenflair vorhanden ist) und eigentlich ist der verschwundene Wang Shuo und die von ihm gegründete Vereinigung von chinesischen Köchen, die in Deutschland quasi als Leibeigene leben, der Hauptcharakter. Sie legen sich mit ihren Chefs, der Mafia und dem Staat an.
„Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ ist kurzweilige Privatdetektiv-Krimi-Unterhaltung, die auch vegan und vegetarisch Spaß macht. Da kann ruhig vor dem nächsten Jahrzehnt der nächste Lenina-Rabe-Fall erscheinen.

Robert Brack: Die drei Leben des Feng Yun-Fat
Edition Nautilus, 2015
192 Seiten
14,90 Euro

Hinweise

Homepage von Robert Brack

Meine Besprechung von Robert Bracks „Schneewittchens Sarg“ (2007)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Und das Meer gab seine Toten wieder” (2008)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Psychofieber” (1993, Neuausgabe 2008)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Blutsonntag“ (2010)

Meine Besprechung von Robert Bracks “Unter dem Schatten des Todes” (2012)


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