TV-Tipp für den 27. März (und DVD-Kritik): Der gleiche Himmel – Teil 1

März 26, 2017

ZDF, 20.15 (Nachtwiederholung um 02.30 Uhr)

Der gleiche Himmel – Teil 1 (Deutschland 2017)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Paula Milne

Berlin, 1974: Lars Weber (Tom Schilling) wird von der Stasi als Romeo-Agent nach West-Berlin geschickt. Er soll die vierzigjährige Alleinerziehende Lauren Faber (Sofia Helin, „Die Brücke“) verführen und wichtige Informationen über ihre Arbeit entlocken. Sie arbeitet als Analystin in der britisch-amerikanischen Abhörstation auf dem Teufelsberg.

Als sie in der Mitte der zweiten von drei Episoden einen tödlichen Schlaganfall hat, wird Webers Zielobjekt geändert. Jetzt soll er die ebenfalls auf dem Teufelsberg arbeitende US-Amerikanerin Sabine Cutter (Friederike Becht) verführen. Aber er und seine Auftraggeber ahnen nicht, wer Sabine Cutter ist.

Wir als Zuschauer haben dagegen schon ziemlich früh eine ziemlich genau Vorstellung davon und den entstehenden Konflikten, wenn Weber, Cutter und alle anderen das entdecken.

Der gleiche Himmel“ ist eine Mischung aus Event-Produktion und Miniserie, je nach Rechnung als Dreiteiler (3 x 90 Minuten, im TV und auf DVD) oder als Sechsteiler (6 x 45 Minuten auf dem internationalen Markt und bei Netflix), deren Geschichte nach viereinhalb Stunden mitten in der Geschichte abbricht. Als habe man bei einem Agatha-Christie-Krimi nach dem Auffinden der Leiche oder eine Seite vor der Versammlung der Verdächtigen in einem Zimmer aufgehört; – oder, nein, weil „Der gleiche Himmel“ seine Geschichte sehr offen erzählt, wie ein James-Bond-Film, der nach der ersten Begegnung von James Bond mit dem Bösewicht einfach aufhört mit dem Kommentar: „Ach, eigentlich könnt ihr euch den Rest denken.“

Dieses offene Ende ist eine bodenlose Frechheit.

Der Weg bis zum Ende ist dabei gar nicht so schlecht. Oliver Hirschbiegel erzählt betulich eine Agentengeschichte mit viel Zeitkolorit und, immerhin muss die Geschichte auf 270 Minuten gestreckt werden und es werden nur die Fundamente für kommende Konflikte gelegt, vielen, vielen Nebengeschichten, die mit dem Auftrag von Lars Weber nichts zu tun haben und dessen Geschichte immer wieder in den Hintergrund verdrängen. Dafür ist Webers ganze Ostfamilie in verschiedene Geschichten verwickelt, die ein Best-of-DDR sind: es geht um Homosexualität, um den Bau eines Fluchttunnels (am Ende gibt es die Idee für eine andere Möglichkeit der Republikflucht), um eine potentielle Teilnehmerin an der Schwimmolympiade und damit verbundenes Doping, um Spitzelgeschichten, Verhöre im Stasi-Knast Hohenschönhausen und regimekonformen Schulunterricht. Alles das ist nicht uninteressant, aber für den Hauptplot überflüssig. Auch weil bis zum Ende der ersten Staffel (das ist die nicht offen ausgesprochene Idee der Macher) kein sich konflikthaft befruchtendes Verhältnis zwischen den Geschichten vorhanden ist.

Die Schauspieler holen oft Facetten aus den Rollen heraus, die die reinen Dialoge so nicht hergeben. Das gilt, zum Beispiel, für Ben Becker als Führungsoffizier von Lars Weber, der leicht zu einem kettenrauchendem Hardboiled-Proll-Klischeedetektiv hätte werden können. Er bringt auch etwas Humor in den gleichen Himmel. Oder für Jörg Schüttauf, der sein Leben lang für den Sozialismus kämpfte und dafür sein Umfeld ausspäht und ausspähen lässt. Oder für Anja Kling als vom Ehrgeiz zerfressene Mutter einer potentiellen Olympia-Teilnehmerin, die alles tun würde, damit ihre Tochter ihren Traum erfüllt – und sie die größere Wohnung bekommt.

Das wird durchgehend grundsolide präsentiert, aber mit einem Ende, das als Ende einer Miniserie in keinster Weise akzeptabel ist. Dass in der ZDF-Fassung am Ende in Schrifteinblendungen, die in der DVD-Fassung fehlen, die Geschichte weitererzählt wird, macht es nur noch schlimmer.

Das ZDF zeigt den zweiten Teil am Mittwoch, den 29. März, um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung um 01.30 Uhr) und den dritten Teil am Donnerstag, den 30. März, ebenfalls um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung am Samstag, den 1. April, um 02.15 Uhr [Taggenau!]) .

Polyband veröffentlicht die DVD am Freitag, den 31. März. Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“ (9:11 Minuten), das Featurette „Die Musik zu ‚Der gleiche Himmel’“ (4:47 Minuten), „Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin“ (7:26 Minuten) und ein „Interview mit Autorin Paula Milne“ (9:52 Minuten). Sie sind fast auch online, z. B. auf der ZDF-Homepage, verfügbar und eher oberflächlich in dem erwartbaren Promo-Rahmen. Wobei das Interview mit Paula Milne etwas aus dem Rahmen fällt, weil Drehbuchautorinnen normalerweise nicht befragt werden. Mit Oliver Hirschbiegel wurde dagegen, obwohl er im „Making of“ und dem Musik-Featurette dabei ist, anscheinend kein längeres Interview geführt.

mit Tom Schilling, Friederike Becht, Sofia Helin, Ben Becker, Claudia Michelsen, Anja Kling, Stephanie Amarell, Muriel Wimmer, Jörg Schüttauf, Godehard Giese, Jascha Rust, Hannes Wegener, Steffi Kühnert, Daniel Zillmann

DVD (erhältich ab dem 31. März)

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Making of, Die Musik zu „Der gleiche Himmel“, Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin, Interview mit Autorin Paula Milne

Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ZDF über „Der gleiche Himmel“

Moviepilot über „Der gleiche Himmel“

Wikipedia über „Der gleiche Himmel“ (deutsch, englisch)

Variety unterhält sich mit Oliver Hirschbiegel über die Serie

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)


DVD-Kritik: „Orphan Black“ geht in die vierte Runde

März 22, 2017

Jeder glaubt, dass er einzigartig sei. Aber ein Blick in verschiedene Statistiken zeigt, dass man dann doch nicht so einzigartig ist. Es kann auch passieren, dass man in einer Menschenmenge jemand sieht, der einem auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht. Normalerweise ist das kein großes Drama.

Für Sarah Manning ist die erste Begegnung mit ihrem ‚Zwilling‘ schon unangenehmer. Denn ihr ‚Zwilling‘ springt vor einen fahrenden Zug.

In der ersten Staffel der grandiosen Science-Fiction-TV-Serie „Orphan Black“ nahm die Teilzeit-Mutter, Betrügerin und kleine Drogenhändlerin Sarah Manning dann, in der Hoffnung auf etwas Geld, die Identität der Toten an. Schnell erfuhr sie, dass die tote Polizistin ihr nicht zufällig zum Verwechseln ähnlich sah. Sie ist ein Klon und es gibt noch über zwei Dutzend Klone von ihr, die irgendwo auf der Welt herumlaufen. Mit einigen ihrer Klonschwestern will sie herausfinden, wer sie warum erzeugte und jetzt töten will.

Inzwischen ist die vierte Staffel der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten BBC-America-Serie auf DVD erschienen. Sie beginnt mit einer fast die gesamte erste Folge einnehmenden Rückblende, in der wir mehr über die Ereignisse erfahren, die zum Suizid der Kriminalpolizistin Beth Childs führten. Dieser Plot wird in der vierten Staffel immer wieder aufgenommen, während im Hauptplot Sarah versucht herauszufinden, was die Neolution plant. Sie experimentiert inzwischen mit biotechnischen Implantate und leitet eine Geburtsklinik, die einwandfreie Babys garantiert.

Nach der hoffnungslos vergurkten dritten Staffel, die in ihren zahllosen Subplots ertrank, ohne den Hauptplot erkennbar zu befruchten, haben die „Orphan Black“-Macher sich jetzt wieder auf die Sarah-Klone konzentriert. Die männlichen Castor-Klone, die Teil eines geheimen Militärprojektes waren/sind, wurden ersatzlos aus der Geschichte gestrichen. Nur ein Castor-Klon, der nie Teil des Militärprojekts war, ist Teil der Geschichte der vierten Staffel. Er pflegt auf einer Insel Sarahs skrupellose Klonschwester Rachel, die sich langsam von ihren Verletzungen erholt und eine wichtige Position bei den Neolutionisten übernehmen möchte.

Die vierte Staffel konzentriert sich – und das ist gut so – auf Machtkämpfe innerhalb der Neolution, den damit zusammenhängenden geheimen Forschungen und, auf der Seite von Sarah und ihren Klon-Schwestern, auf ihre Versuche, mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden und die Angriffe der Neolution zu überleben. Die hat anscheinend überall Verbündete.

Auch durch die Rückblenden tauchen in der vierten Staffel viele altbekannte, teils schon verstorbene Charaktere, wie Dyad-Chef und bekennender Neolutionist Aldous Leekie, wieder auf.

Im Mittelpunkt der Serie steht immer und in fast jeder Szene Hauptdarstellerin Tatiana Maslany, die alle weiblichen Klone spielt; teilweise in der gleichen Szene. Mit ihrem facettenreichen Spiel (und Kleidung und Frisur) porträtiert sie die verschiedenen Klone so unterschiedlich, dass man sie nicht miteinander verwechselt und sie immer als individuelle Charaktere begreift. Das gilt natürlich auch für die neuen Sarah-Klone.

Die Serie selbst entwickelt in der vierten, teils sehr elliptisch erzählten Staffel wieder den Sog, den man aus den ersten beiden Staffeln kennt, in denen sich die Geschichte unerbittlich fortbewegte. Deshalb sollte man sich vor der vierten Staffel auch die erste und zweite Staffel ansehen. Die dritte Staffel, so meine derzeitige Meinung, kann man dagegen getrost ignorieren.

Die finale fünfte, wieder aus zehn Episoden bestehende Staffel wird in Kanada und den USA ab dem 10. Juni 2017 ausgestrahlt. Ein deutscher Sendetermin steht noch nicht fest.

Das Bonusmaterial ist dieses Mal mit einer Stunde Laufzeit deutlich umfangreicher als bei den vorherigen Staffeln ausgefallen. Es ist, mit ganz wenigen Überschneidungen (insgesamt zwei, drei Minuten), unterteilt in drei längere Features und zehn kurze Featurettes, in den über bestimmte Details jeder Episode gesprochen wird und in denen wichtige Details der Handlung verraten werden.

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 4 (Orphan Black, Kanada 2016)

Regie: John Fawcett, Ken Girotti, Peter Stebbins, David Wellington, Grant Harvey, David Frazee, Aaron Morton

Drehbuch: Graeme Manson, Russ Cochrane, Aubrey Nealon, Alex Levine, Kate Melville, Chris Roberts, Nikolijne Troubetzkoy, Peter Mohan

Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson

Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena/Elizabeth ‚Beth‘ Childs/Krystal Goderitch/Veera ‚M. K.‘ Suominen), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Ari Millen (Ira), Skyler Wexler (Kira Manning), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), James Frain (Ferdinand Chevalier), Rosemary Dunsmore (Susan Duncan), Lauren Hammersley (Adele), Alison Steadman (Kendall Malone), Jessalyn Wanlin (Evie Cho), Gord Rand (Detective Duko), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (60 Minuten): Back to the Beginning, Body Horror, Closer Looks

Länge: 420 Minuten (10 x 42 Minuten, 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Orphan Black“

BBC America über “Orphan Black”

Space über “Orphan Black”

ZDF über “Orphan Black”

Moviepilot über “Orphan Black”

Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klin ist niemals allein: Staffel 1“ (Orphan Black, Kanada 2013)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2“ (Orphan Black, Kanada 2014)


DVD-Kritik: Zauberhaft. „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ im Heimkino

Februar 15, 2017

Inzwischen ist Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ auf DVD und Blu-Ray und 4K Ultra HD (wer’s braucht) erschienen und das Bonusmaterial gesichtet. Zum Kinostart des Films schrieb ich (bereinigt um ein, zwei Dusselfehler):

Wie bei dem ebenfalls heute anlaufendem Jason-Statham-Actionfilm „Mechanic: Resurrection“ hat auch bei der Caper-Komödie „Die Unfassbaren“ niemand wirklich eine Fortsetzung erwartet. Denn die Geschichte der Illusionisten „The Four Horsemen“ war erzählt. Sie verwirklichten, im Auftrag von Dylan Rhodes, einen ziemlich elaborierten Racheplan, der natürlich auch deshalb so elaboriert war, um möglichst gut von den wahren Absichten abzulenken und bei dem, wie es sich für einen guten Zauberertrick gehört, fast alles schon vorher geplant war. Die starbesetzte Krimikomödie war ein großer Spaß und das Einspielergebnis war mit weltweit über 350 Millionen Dollar so überzeugend, dass es jetzt die Fortsetzung gibt, die genau daran leidet, dass die Geschichte fertig erzählt war.

Für die Fortsetzung mussten die Macher nun überlegen, wie sie die „Four Horsemen“, die irgendwo zwischen Ruhestand und Shows auf den großen Las-Vegas-Showbühnen leben könnten, wieder zurück bringen: ob sie zu einer „Ocean’s Eleven“-Verbrecherbande werden oder ob sie ihre Fähigkeiten als moderne Robin Hoods, sozusagen als „Leverage“-Team mit Zaubershow, einsetzen.

Mit Ach und Krach entschlossen sich die Macher für eine Mischung aus komplettem Neuanfang und Weitererzählung der Geschichte von „Die Unfassbaren“, weil jetzt die inhaftierten und blamierten Bösewichter des ersten Teils sich rächen wollen und die „Four Horsemen“ in Richtung Verbrechensbekämpfung auf der großen Showbühne gehen, während Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) noch immer beim FBI arbeitet und dort fanatisch jede Spur der spurlos verschwundenen Illusionisten verfolgt. Seine Kollegen zweifeln zwar an seinem Verstand, aber so kann er die spurlos verschwundenen „Four Horsemen“ am besten schützen. Denn er ist der Kopf der „Four Horsemen“ und Mitglied des Magier-Geheimbundes „Das Auge“.

Während einer Produktpräsentation geht ein arg amateurhafter Überraschungsauftritt der „Four Horsemen“, bei dem sie die schändlichen Absichten des Veranstalters der Welt verraten wollen, gründlich schief. Die tapferen vier Reiter, bestehend aus Illusionist J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan), die sich zur Begrüßung schon einmal selbst enthauptet, müssen untertauchen.

Sie alle reisen, mehr oder weniger freiwillig, nach Macau, wo Walter Mabry (Daniel Radcliffe) sie in seinem Penthouse empfängt. Für den zurückgezogen lebenden Milliardär sollen sie einen unvorstellbar leistungsfähigen Computerchip/-software (der MacGuffin des 21. Jahrhunderts) stehlen. Die fünf Illusionisten sind einverstanden. Allerdings wissen sie nicht, dass Mabry der Sohn von Arthur Tressler (Michael Caine), dem Bösewicht des vorherigen Films, ist und Mabry und Tressler sich an ihnen für die damaligen Ereignisse rächen wollen.

Außerdem kann Thaddeus Bradley (Morgan Freeman), der ebenfalls aus „Die Unfassbaren“ bekannte, jetzt inhaftierte Berufsenttarner von Zauberertricks, aus dem Gefängnis entkommen.

Während in „Die Unfassbaren“ noch viel Zeit auf die Tricks der Illusionisten und deren Erklärung verwandt wurde, spielen sie in „Die Unfassbaren 2“ eigentlich keine Rolle mehr. Die meisten Tricks sind so elaboriert und groß, dass die Macher auf jede Erklärung verzichten. Es wäre ihnen auch nicht gelungen. Für den Rest gibt es dann gut versteckte Falltüren und Kartentricks, die keiner Erklärung bedürfen.

Stattdessen konzentriert Regisseur Jon M. Chu sich auf die Action und die Drehbuchautoren Peter Chiarelli und Ed Solomon, einer der Autoren des ersten Films, schrieben eine Geschichte, die in der Tradition der klassischen Pulp-Geschichten und B-Pictures aus den Dreißigern und Vierzigern, wie den „Mr. Moto“-Filmen mit Peter Lorre, steht. Immer wenn es nicht weiter geht, gibt es eine ausgewalzte Actionszene, immer wieder taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, immer wieder gibt es, wenn man sich gerade in eine erzählerische Sackgasse manövrierte, eine Erklärung, die alle vorherigen Ereignisse auf den Kopf stellt, und es passiert so viel so schnell, dass man über die Geschichte nicht weiter nachdenkt. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine wirklich sinnvolle Geschichte.

Die Action inszenierte Jon M. Chu, der vorher vor allem die „Step Up“-Tanzfilme und das kindische Actiondesaster „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (USA/Kanada 2013) inszenierte, in „Die Unfassbaren 2“ nachvollziehbar, mit weniger Schnitten als in „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ und, wenn unsere Helden gerade einen komplizierten Diebstahl aus einem bestens bewachtem Gebäude unter den wachsamen Augen des Sicherheitspersonals durchführen, mit viel Slo-Mo, wie einen Tanz. Das bringt die Handlung zwar genauso wenig voran wie eine Fred-Astaire-Tanznummer in einem Musical, aber das Auge (vielleicht auch „Das Auge“) verfolgt entzückt die überaus komplizierte Aktion, während das Hirn anmerkt, dass die Zauberer auch leichter und schneller an ihr Ziel kommen könnten.

Als gut gemachte, durchaus familienfreundliche Samstagabendunterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern (und Woody Harrelson in einer Doppelrolle) im Stil eines Vierziger-Jahre-B-Pictures funktioniert „Die Unfassbaren 2“ gut.

Es ist aber auch ein Film, der gerade die besonderen Aspekte des ersten Films – die Tricks der Illusionisten und der große Plan, in dem alles miteinander zusammenhängt (wobei ich immer noch glaube, dass der Plan bei einer genaueren Betrachtung schneller als ein Soufflé in sich zusammenfällt) – zugunsten einer 08/15-Gaunergeschichte links liegen lässt, die noch nicht einmal versucht, die Szenen in eine kohärente Geschichte oder einen großen Zauberertrick, der sich erst am Ende enthüllt, einzufügen.

Schon vor dem US-Kinostart wurde ein dritter „Die Unfassbaren“-Film angekündigt, bei dem Jon M. Chu wieder die Regie übernehmen soll. Über den Plot und die Besetzung ist noch nichts bekannt.

 

Daran hat sich immer noch nichts geändert. Der dritte „Die Unfassbaren“-Film ist für 2019 angekündigt. Weil das Einspielergebnis des zweiten Teils sich mit 334 Millionen Dollar weltweitem Einspiel kaum vom ersten Teil unterscheidet und das Ensemble seinen Spaß hatte, dürfte es dabei bleiben.

Das Bonusmaterial der Blu-ray ist mit einem Audiokommentar und drei Featurettes, die insgesamt eine gute Stunde dauern, umfangreicher als bei der DVD ausgefallen. Die hat nur das viertelstündige Featurette „Guck genau hin!“. Die Featurettes geben einen kurzweiligen Einblick in verschiedene Aspekte des Films und der Dreharbeiten. Jon M. Chus Audiokommentar ist informativ, konzentriert sich aber zu sehr auf Erklärungen über die Drehorte und wie sehr er die verschiedenen Schauspieler bewundert. Interessant sind seine Hinweise auf verschiedene Kürzungen (und warum die Szenen gekürzt wurden) und wie viel von den Tricks der „Four Horseman“ echt ist. Um uns zu zeigen, dass die Schauspieler die Tricks beherrschten und live präsentierten, schnitt er in diesen Szenen sehr wenig.

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Die Unfassbaren 2 – Now you see me (Now you see me 2, USA 2016)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Ed Solomon, Peter Chiarelli

mit Jesse Eisenberg, Mark Rufallo, Woody Harrelson, Dave Franco, Daniel Radcliffe, Lizzy Caplan, Jay Chou, Sanaa Lathan, Michael Caine, Morgan Freeman

Blu-ray

Concorde Home

Bild: 1080p HD 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 7.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 7.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Magie von Cast und Crew, Guck genau hin!, Hier kommt Magie, Audiokommentar von Regisseur Jon M. Chu, Deutscher und Original-Kinotrailer, Wendecover

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unfassbaren 2“

Metacritic über „Die Unfassbaren 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unfassbaren 2“

Wikipedia über „Die Unfassbaren 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)

Meine Besprechung von Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ (Now you see me 2, USA 2016)


DVD-Kritik: „Schüsse peitschen durch die Nacht“ wenn der „Rächer der Enterbten“ durch den Wilden Westen reitet

Februar 14, 2017

Mit „Rächer der Enterbten“ und „Schüsse peitschen durch die Nacht“ setzt Koch Media seine verdienstvolle „Edition Western-Legenden“ fort.

Rächer der Enterbten“ ist ein reichlich dümmlicher Titel für einen Film, der im Original unspektakulär „The true story of Jesse James“ heißt und der die Geschichte von Jesse James erzählt. Beginnend mit dem schief gehendem Überfall auf die Bank in Northfield, Minnesota, und zahlreichen Rückblenden, die die Geschichte von Jesse James chronologisch, aus verschiedenen Perspektiven erzählen.

Das ist ziemlich nah an der historischen Wahrheit, aber auch, wegen der Struktur, die Regisseur Nicholas Ray („…denn sie wissen nicht, was sie tun“) von Fox-Produktionschef Buddy Adler aufgezwungen wurde, reichlich langweilig. Denn Ray wollte den Film, ausgehend von der Frage eines Journalisten, wer Jesse James sei, nicht chronologisch erzählen. In der Endfassung sind die Rückblenden dann doch chronologisch angeordnet. Drehbuchautor Walter Newman meinte dazu: „Nick Ray und ich waren sehr an Psychoanalyse interessiert und bei unseren Recherchen waren wir sehr verblüfft festzustellen, dass Jesse zweifellos ein selbstzerstörerischer Charakter war. (…) Das war für uns eine neue Perspektive, die Geschichte anzugehen. In der Erzählstruktur sprangen wir zeitlich vor und zurück – so wie es einige Jahre später verschiedene Leute in ihren Filmen taten. Das war Nicks Konzeption. (…) Aber er [Buddy Adler] ordnete an, den Film auf konventionelle Weise zu schneiden. Also schnitt Nick ihn um, brachte alles in chronologische Reihenfolge, und das macht die ganze Sache sinnlos und ruinierte den Film.“

Jetzt entwickelt sich die Geschichte in biographischen Episoden holprig fort. Wenn man die Episoden nicht in die Biographie des Banditen einordnen kann, sind sie kaum verständlich. Die Psychologisierung, die Beziehungen in der Gang und die historischen Umstände bleiben entsprechend oberflächlich. Jedenfalls aus heutiger Perspektive. Denn Nicholas Ray drehte seinen Jesse-James-Film bereits 1956 und er stützte sich auf Henry Kings „Jesse James – Mann ohne Gesetz“ (Jesse James, USA 1939). Im Vorspann wird sogar explizit Nunnally Johnsons Drehbuch genannt.

Seitdem gab es einige weitere, gelungenere und interessantere Filme über Jesse James, wie „Der große Minnesota-Überfall“ (The great Northfield Minnesota Raid, USA 1971), „Long Raiders“ (The Long Raiders, USA 1980) und „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ (The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford, USA 2007).

Rächer der Enterbten“ ist daher vor allem etwas für die Nicholas-Ray-Komplettisten.

In „Schüsse peitschen durch die Nacht“ von Charles Haas kehrt der totgeglaubte Jim Trusk aus dem Bürgerkrieg nach Abilene zurück. Früher war er dort der von allen respektierte Sheriff. Heute kann er nach seinen Kriegserlebnissen keinen Revolver mehr anfassen. Seine damalige Freundin steht kurz vor der Heirat mit Dave Mosely, seinem Freund, der bei einem von Trusk vor über zehn Jahren verursachten Unfall die rechte Hand verlor. Der Rinderbaron Mosely ist inzwischen, was ihn in einem Western sofort zum Bösewicht macht, der große Landbesitzer der Gegend. Mit seinen Handlangern will er auch das restliche Land der Farmer, mit mehr oder weniger seriösen Methoden, aufkaufen. Da sind Konflikte vorprogrammiert.

Auch Trusk muss sich schnell entscheiden, auf welcher Seite er steht.

Schüsse peitschen durch die Nacht“ ist, abgesehen von Trusk Kriegstrauma, das er in den entscheidenden Momenten schnell überwindet, ein typischer B-Western, der auch nicht mehr sein will. Immerhin erzählt er seine Geschichte angenehm flott in fünfundsiebzig Minuten. Also der ideale Stoff für einen kalten Winternachmittag.

Ach ja, David Janssen, der später „Auf der Flucht“ war ist hier als Nebendarsteller in einer seiner frühen Rollen (er lief damals bei etlichen Filmen durchs Bild) dabei.

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Rächer der Enterbten (The true story of Jesse James, USA 1956)

Regie: Nicholas Ray

Drehbuch: Walter Newman (nach dem Drehbuch für den Film „Jesse James“ von Nunnally Johnson)

mit Robert Wagner, Jeffrey Hunter, Hope Lang, Agnes Moorehead, Alan Hale, Biff Elliot, Anthony Ray, Alan Baxter, John Carradine

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Booklet

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rächer der Enterbten“

Wikipedia über „Rächer der Enterbten“

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Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)

Regie: Charles Haas

Drehbuch: Berne Giler

mit Jock Mahoney, Martha Hyer, Lyle Bettger, Grant Williams, David Janssen

DVD

Koch Media

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie, Booklet

Länge: 77 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

 


DVD-Kritik: „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“, wenn du willst

Februar 8, 2017

Arthur Brennan (Matthew McConaughey) reist nach Japan, um sich in dem dortigen Selbstmörderwald Aokigahara umzubringen. Kaum hat er die tödlichen Pillen geschluckt, sieht er einen hilflos durch den Wald irrenden Mann (Ken Watanabe), der offensichtlich aus dem Wald heraus will. Brennan zeigt Takumi Nakamura den Weg. Allerdings bemerkt er kurz darauf, dass er ihn in die falsche Richtung geschickt hat. Er verfolgt ihn, um ihm den richtigen Weg aus dem Wald zu zeigen und fortan irren sie orientierungslos durch den riesigen Wald. Dabei erzählen sie sich, warum sie sich umbringen wollen.

Dass der Aokigahara-Wald durchaus unheimlich ist, wissen wir aus „The Forest“. In dem Horrorfilm musste die Heldin sich mit mehr oder weniger realen Geistern, die sie töten wollten, herumschlagen. Dagegen hat Brennan es eindeutig besser erwischt. Er muss sich, während er mit Nakamura durch den Wald stolpert, nur mit den Geistern seiner Vergangenheit, seiner Beziehung zu seiner Frau Joan (Naomi Watts), herumärgern. Und der Frage, ob er wirklich sterben will.

The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ ist Gus Van Sants Selbstfindungsdrama mit absehbarer Pointe und Übererklärung in den letzten Minuten. Das ist sicher nicht van Sants bester Film, überhaupt nicht experimentell und nicht besonders anspruchsvoll. Es ist aber bei weitem nicht so schlecht, wie man nach Berichten über Buhrufen während der Cannes-Premiere befürchten musste. Die Schauspieler überzeugen. Die Außenaufnahmen (gedreht wurde im Purgatory Chasm in Massachusetts) ebenso. Die schon im deutschen Untertitel angedeutete Botschaft „Liebe wird dich nach Hause führen“ sagt nichts falsches. Sie ist halt, wie der gesamte Film, wenig überraschend und ungefähr so tiefsinnig wie ein Kalenderspruch. Dabei hätte die Beziehung zwischen Brennan und seiner Frau viel Stoff für ein komplexes Drama geboten. Er ist ein Lehrer, der seinen Schülern etwas beibringen will, und sich gerne in intellektuellen Gedankengebäuden verliert. Sie eine Alkoholikerin, die das Geld verdient. Auch die Beziehung zwischen Brennan und Nakamura hätte als Basis für einen Culture Clash fungieren können. Immerhin stehen sie für verschiedene Kulturen und Weltsichten. Aber der Film bleibt immer an der Oberfläche.

Nennen wir „The Sea of Trees“ einfach Gus van Sants Version eines Selbstfindungsdramas der Nicholas-Sparks-Schule und da gehört Van Sants Film zu den besseren Werken.

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The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen (The Sea of Trees, USA 2015)

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Chris Sparling

mit Matthew McConaughey, Ken Watanabe, Naomi Watts

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurette: A Story of Beauty and Tragedy, Trailer, Wendecover

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „The Sea of Trees“

Metacritic über „The Sea of Trees“

Rotten Tomatoes über „The Sea of Trees“

Wikipedia über „The Sea of Trees“

Die Cannes-Pressekonferenz mit Gus Van Sant, Matthew McConaughey und Naomi Watts

 


DVD-Kritik: Pierce Brosnan ist „Hacked“

Januar 25, 2017

Dass Selfmade-Millionär Mike Regan (Pierce Brosnan) einen gewaltigen Fehler begeht, als er den 28-jährigen IT-Praktikanten Ed Porter (James Frecheville) bittet, nach dem WLAN in seinem Haus zu gucken, wissen erfahrene Thriller-Fans. Denn selbstverständlich optimiert Porter auch gleich noch den Rest des Smart Homes. Danach kann er die Regans heimlich beobachten. Ebenso selbstverständlich hält Porter die Einladung von Regan zu einem Bier für den Beginn einer großen Freundschaft. Er nähert sich auch Regans 17-jähriger Tochter.

Als Regan ihm dann sehr unmissverständlich die Tür weist, beginnt Porter das Leben der Regans auf den Kopf zu stellen. Beginnend mit falschen Anschuldigungen bei der US-Börsenaufsichtsbehörde, die Regans Firma „Regan Aviation“ in den Ruin treiben könnten.

Irgendeinen Innovationspokal wird „Hacked – Kein Leben ist sicher“ nicht erhalten. Dafür verläuft die von Dan Kay („Timber Falls“) und William Wisher („Terminator 2“, „Judge Dredd“) geschriebene Geschichte dann doch zu sehr in den gewohnten Bahnen. Daran ändern auch zeitgemäße Updates, wie Regans Smart Home mit all seinen Möglichkeiten zu einer Verletzung seiner Privatsphäre oder ein kleiner Zugriff auf Regans fahrendes Auto, nichts. Am Ende geht es, wie schon im Wilden Westen, um den mit bloßen Händen ausgetragenen Kampf von Mann gegen Mann. „Max Payne“- und „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“-Regisseur John Moore, der dieses Mal auf ein größeres Budget und dadurch mögliche Zerstörungsorgien verzichten musste, inszeniert unauffällig und die Stars – neben Brosnan und Frecheville sind Anna Friel und Michael Nyqvist dabei – fallen nicht weiter auf.

Hacked“ ist halt der professionell gemachte verhängnisvolle Affäre des Monats, dieses Mal mit etwas Computervoodoo abgeschmeckt.

Das ebenso unauffällige Bonusmaterial der DVD besteht aus einem knapp achtiminütigem Making-of und einer fast siebzehnminütigen, selbstablaufenden, stummen Bildergalerie mit Filmbildern.

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Hacked – Kein Leben ist sicher (I. T., USA/Frankreich/Irland/Dänemark 2016)

Regie: John Moore

Drehbuch: Dan Kay, William Wisher (nach einer Geschichte von Dan Kay)

mit Pierce Brosnan, James Frecheville, Anna Friel, Michael Nyqvist, Stefanie Scott, Adam Fergus, Jason Barry

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0 [TV-Mix]), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Hinter den Kulissen, Deutscher und Originaltrailer, Bildergalerie

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Hacked“

Metacritic über „Hacked“

Rotten Tomatoes über „Hacked“

Wikipedia über „Hacked“

Meine Besprechung von John Moores „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A good day to die hard, USA 2012)


DVD-Kritik: Was ist „Operation Avalanche“?

Januar 25, 2017

Dass Stanley Kubrick die Mondladung inszenierte, ist natürlich Quatsch. Immerhin lebte der Regisseur von „2001“ schon damals in England und wenn er sich überhaupt daran beteiligt hätte, dann hätte er die Mondladung für Großbritannien inszeniert.

Außerdem war es in Wirklichkeit ganz anders. Wie die jetzt aufgetauchten Bilder von „Operation Avalanche“ zeigen, wurde die Mondlandung von zwei jungen CIA-Agenten inszeniert. Sie wurden als Dokumentarfilmer zur NASA geschickt, um einen russischen Geheimagenten zu finden. Dabei erfahren sie, dass die NASA frühestens in den siebziger Jahren Menschen vom Mond wieder zurück bringen kann. In diesem Jahrzehnt könnten sie die Astronauten nur zum Mond bringen. Aber Präsident John F. Kennedy hat den Amerikanern versprochen, dass noch in den Sechzigern ein Amerikaner den Mond betreten wird.

Matt Johnson, der Kopf der beiden CIA-Agenten und fanatischer Filmfan, verfällt auf eine wahnwitzige Idee: sie werden die Mondlandung inszenieren und der gesamten Welt eine Charade vorspielen. Es gibt nur zwei, drei Probleme: Er muss seine Vorgesetzten überzeugen (und die die NASA). Und er muss die Mondlandung und alle Ereignisse auf dem Mond inszenieren. Und zwar so, dass niemandem der Schwindel auffällt.

Und natürlich – ich verrate euch jetzt ein Geheimnis! – war es auch nicht so, wie „Operation Avalanche“ behauptet. Denn der Film von Matt Johnson ist eine Mockumentary, in der er selbst die Hauptrolle übernahm. So wurde das Team bei den Dreharbeiten kleiner und sie konnten in den NASA-Gebäuden und an anderen Orten unerkannt drehen. Schließlich waren sie, so die Legende, die ihnen Türen öffnete, nur einige Filmstudenten, die einen Dokumentarfilm drehten.

Operation Avalanche“ ist vor allem ein großer, im Sechziger-Jahre-Zeitgefühl badender Spaß für Filmfreaks und vernünftige Fans von Verschwörungstheorien (also den Menschen, die Fakten und Fiktion trennen können). Daran ändert auch das etwas schwächelnde Ende nichts. Das folgt nämlich, nachdem während des gesamten Films die Konventionen des Verschwörungsthriller ignoriert wurden, zu sehr diesen allseits bekannten Konventionen.

Nervig bei der Mockumentary ist der Pseudo-Doku-Stil mit exzessiver Wackelkamera und Unschärfen, die aus dem „The Blair Witch Project“ ein Meisterwerk konventioneller Kameraführung werden lässt. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Sehr informativ ist das knapp fünfzehnminütige exklusive Interview mit Matt Johnson während des Zurich Film Festivals, in dem er auf die Inspirationen für den Film, die Dreharbeiten, die Wahrscheinlichkeit einer Verschwörung eingeht und erklärt, warum die Mondlandung nicht gefälscht wurde und auch nicht gefälscht werden konnte.

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Operation Avalanche (Operation Avalnche, USA/Kanada 2016)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Josh Boles, Matt Johnson

mit Matt Johnson, Owen Williams, Josh Boles, Andrew Appelle, Jared Raab

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interview mit Matt Johnson, Trailer, Wendecover

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Operation Avalanche“

Metacritic über „Operation Avalanche“

Rotten Tomatoes über „Operation Avalanche“

Wikipedia über „Operation Avalanche“ (deutsch, englisch)


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