TV-Tipp für den 5. April: Chuck Berry

April 4, 2019

Arte, 21.45

Chuck Berry (Chuck Berry, Großbritannien 2018)

Regie: Jon Brewer

Drehbuch: Laura Royko

Spielfilmlange Doku über „Sweet little Rock ’n‘ Roller“ Chuck Berry (1926 – 2017), der mit „Roll Over Beethoven“ eine klare Ansage machte und etliche weitere Klassiker schrieb. Let it Rock

mit Chuck Berry, Steven Van Zandt, Joe Perry, Alice Cooper, Gene Simmons, Keith Richards, Nile Rodgers, Nils Lofgren, George Thorogood, Joe Bonamassa, Johnny Rivers, Taylor Hackford, Jerry Lee Lewis, Wayne Kramer, Martel Rudd

Hinweise

AllMusic über Chuck Berry – The Man Who Invented America (Nachruf)

Wikipedia über Chuck Berry (deutsch, englisch)

Chuck Berry mit einer gar nicht so wahnsinnig unbekannten Begleitband und einem sehr bekannten Song

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Jackie Leven singt

Februar 25, 2019

Ein schönes Konzert von Jackie Leven, der auch mal eine Platte mit Ian Rankin aufnehmen durfte. Bevor Rankin seinen nächsten Rebus-Roman schrieb.


TV-Tipp für den 24. Februar: Step across the Border

Februar 23, 2019

ARDalpha, 21.55

Step across the Border (Schweiz/Deutschland 1989)

Regie: Nicolas Humbert, Werner Penzel

Drehbuch: Nicolas Humbert, Werner Penzel

Doku über den britischen Avantgarde-Gitarristen Fred Firth. Seine bekanntesten Gruppen sind immer noch die bahnbrechenden Bands „Henry Cow“ und „Skeleton Crew“. Er spielte in den vergangenen Jahrzehnten mit „Attwenger“ und ungefähr jedem Avantgarde-Musiker und, auch wenn er in vollen Hallen spielte, niemals für die Massen.

Die Macher nennen ihren Film eine „Zelluloid-Impression“. Der Fischer Film Almanach urteilt in seiner 1991er Ausgabe: „Um selber ein eigenständiges Filmexperiment zu werden, ist ‚Step across the Border‘ nicht frei genug, um ein Porträt zu sein, zu willkürlich.“

Sehenswert und „wertvoll“ (FBW-Prädikat) ist das selten gezeigte Werk trotzdem.

mit Fred Frith, Joey Baron, Ciro Baptista, Iva Bitová, Tom Cora, Robert Frank, John Zorn, Arto Lindsay, Bob Ostertag, René Lussier

Hinweise

Filmportal über „Step across the Border“

Rotten Tomatoes über „Step across the Border“

Wikipedia über „Step across the Border“ und Fred Frith (deutsch, englisch)

Homepage von Fred Firth

Allmusic über Fred Firth

Das ist anscheinend Musik vom DVD-Bonusmaterial

Fred Frith live im Gasthaus zur Post in Ottensheim (Österreich) am 18. Februar 2018


Feine Musik: Dave King Trucking Company

Januar 14, 2019

aufgenommen wahrscheinlich Anfang August 2017 im Chicago Drum Exchange Showroom

Die Band:

Dave King – drums (Yep, von „The Bad Plus“)

Erik Fratzke – guitar

Chris Morrissey – bass

Brandon Wozniak – saxophone (left)

Chris Speed – saxophone (right)


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2018

3sat, 06.00

Pop around the Clock

Wie jedes Jahr: 3sat zeigt 24 Stunden Konzertmitschnitte, die normalerweise neu sind, erstmals gezeigt werden und danach nie wieder laufen. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass einer der in den vergangenen Jahre gezeigten Konzertmitschnitte wiederholt wurde.

Die Musiker und Bands sind normalerweise gut abgehangene, etablierte Größen. Heute spielen, unter anderem, Norah Jones (um 06.45 Uhr), Herbert Grönemeyer („Tumult“ um 16.00 Uhr), The Rolling Stones (um 18.00 Uhr, ein 2018 veröffentlichter Mitschnitt der 1999er „No Security“-Tour), Elton John (um 20.00 Uhr, so als Vorbereitung für das Elton-John-Biopic „Rocketman“) und Rammstein (um 22.45 Uhr, das Paris-Konzert lief, glaube ich, schon mal im TV.)

Hier das vollständige Programm und die Möglichkeit zum Musikgenuss.


Neu im Kino/Filmkritik: Das Doku-Essay „Wo bist du, João Gilberto?“

November 27, 2018

Er und Antônio Carlos Jobim sind die Begründer der Bossa Nova, einer in den sechziger Jahren unglaublich erfolgreichem, aus Brasilien kommenden Musikrichtung, die Samba mit dem Cool Jazz mischte. „The Girl from Ipanema“ dürfte der in unzähligen Versionen eingespielte Überhit sein. Zum Beispiel 1964 auf der legendären LP „Getz/Gilberto“ (bzw. Stan Getz/João Gilberto).

In den vergangenen Jahrzehnten zog der am 10. Juni 1931 in Juazeiro, Bahia, geborene Gitarrist João Gilberto sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Sein letztes Studioalbum „João Voz e Violão“ erschien 2000. Später gab er noch Konzerte; wenn er sie nicht kurz vorher absagte. Und er wurde immer schrulliger.

2011 veröffentlichte Marc Fischer sein Buch „Hobalala. Auf der Suche nach João Gilberto“ in dem er von seiner erfolglosen Suche nach dem Bossa-Nova-Gitarristen in Rio de Janeiro erzählt.

Georges Gachot las das Buch und, selbst Gilberto- und Bossa-Nova-Fan, nahm es als Vorlage für seinen Dokumentarfilm „Wo bist du, João Gilberto?“.

In dem Film geht er die Wege ab, die Fischer abging. Er wundert sich, warum sie sich damals nicht begegneten. Denn auch er war damals in Rio de Janeiro in den gleichen Viertel auf der Suche nach dem Geist des Bossa Nova. Er engagiert eine Übersetzerin, die schon für Marc Fischer arbeitete. Er redet mit Brasilianern über Gilberto. Einige kennen ihn vom Hörensagen. Einige kennen ihn von früher. Zum Beispiel sein Koch. Oder sein Friseur. Oder seine Ex-Frau. Oder musikalische Weggefährten von ihm. Aber wirklich gesehen und gesprochen hat ihn seit Ewigkeiten niemand. Und die Menschen, die Gachot ein Gespräch mit dem scheuen Künstler vermitteln könnten, zögern oder lehnen ab.

Wo bist du, João Gilberto?“ erzählt von Gachots erfolgloser Suche nach Gilberto in der Form eines Doku-Essays, das teilweise sogar wie eine Mockumentary wirkt, in der ein schweizer Filmemacher in Rio de Janeiro nach einem Musiker sucht, der weltberühmt ist, den aber niemand gesehen hat. Denn Gilbertos absolute Zurückgezogenheit von der Welt klingt zu unglaubwürdig, um wahr zu sein.

Dummerweise erfährt man während der Suche fast nichts über Gilberto, sein Werk, seinen Einfluss auf andere Musiker und die brasilianische Kultur. Das wäre ein konventioneller, aber informativerer Film.

So ist Gachots Doku-Essay dann ein Film von einem Fan für andere Fans, die wissen, dass all die Geschichten über João Gilberto wahr sind.

Wo bist du, João Gilberto? (Schweiz/Deutschland/Frankreich 2018)

Regie: Georges Gachot

Drehbuch: Georges Gachot, Paolo Poloni

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Wo bist du, João Gilberto?“

Moviepilot über „Wo bist du, João Gilberto?“

Wikipedia über „Wo bist du, João Gilberto?“ und João Gilberto (deutsch, englisch)

Als Bonus: ein Konzert von João Gilberto 2008 in Sao Paulo

1994 in Sao Paulo

und 1983 in Rom


Neu im Kino/Filmkritik: Die Doku „It must schwing – The Blue Note Story“

September 6, 2018

Für Jazz- und Musikfans muss wirklich nicht mehr über die gelungene Dokumentation von Eric Friedler über das Jazzlabel Blue Note gesagt werden. Neben Verve und Impulse ist Blue Note eines der großen Jazzlabels. Das gilt für die Musik und die Covergestaltung. Gegründet wurde Blue Note 1939 von Alfred Lion und Frank (auch ‚Francis‘) Wolff. Zwei deutschen Jungs, die im Berlin der zwanziger Jahre zu fanatischen Jazzfans wurden. In den Dreißigern flüchteten die beiden Juden in die USA. Alfred Lion (1908 – 1987) verließ Deutschland schon 1933. Zuerst emigrierte er nach Chile und später in die USA, wo er seinen Nachnamen von Loew in Lion änderte. Francis Wolff (1908 – 1971) flüchtete 1939 auf einem der letzten nicht von der Gestapo kontrollierten Schiffe aus Deutschland. In New York gründeten sie dann ein Plattenlabel, um die Musik die veröffentlichen, die sie liebten.

Es ging ihnen nicht darum, viel Geld mit den Platten zu verdienen. Sie wollten wichtige Platten produzieren. Wichtige Platten von wichtigen Künstlern.“ (Gitarrist Kenny Burrell)

Dabei behandelten Lion und Wolff die schwarzen Musiker respektvoll. Das war ein deutlicher Unterschied zu anderen Labels, die ihre Künstler hemmungslos ausbeuteten und auch betrogen. Die Geschichten dazu sind Legion. Bei Blue Note war es anders.

Seit 1953 hatten sie mit Rudy Van Gelder einen begnadeten Toningenieur, der in seinem Tonstudio die Musiker perfekt aufnahm.

In der Doku wird schön in animierten Bildern gezeigt, wie Wolff und Lion nach Konzerten in mehreren Taxis die Musiker zu Van Gelders Studio in der lauschigen Kleinstadt Englewood Cliffs brachte und dann legendäre Aufnahmen eingespielt wurden, die heute immer noch klanglich und musikalisch überzeugen.

Wir hatten noch immer die Energie der letzten Nacht im Kopf. Das hört man den Platten auch nach Jahren noch an.“ (Gitarrist George Benson)

Eric Friedler (Das Schweigen der Quandts, Aghet – Ein Völkermord, Das Mädchen – Was geschah mit Elisabeth K.?) erzählt in seiner sehenswerten Doku „It must schwing – The Blue Note Story“ chronologisch die Geschichte der beiden lebenslangen Freund Alfred Lion und Francis Wolff von ihrer Zeit in Berlin bis zu ihrem Tod. Wobei die Doku eigentlich 1965 aufhört. Damals verkauften sie ihr Label. Diese Geschichte erzählt Friedler als eine Mischung aus sprechenden Köpfen, vor allem erzählen Blue-Note-Musiker von ihrer Zeit bei dem Label, historischen Aufnahmen und, soviel Experiment darf sein, animierten Sequenzen. Friedler hat auch ein in New York geführtes NDR-Interview von 1964 mit Albert Lion und Francis Wolff ausgegraben. Es ist das einzige Interview in deutscher Sprache mit den beiden Produzenten. Und das Gespräch mit Rudy Van Gelder ist das letzte Interview, das er vor seinem Tod 2016 gab.

Formal ist diese Mischung nicht besonders aufregend oder innovativ, sondern klassisch. Wie die Cover der Blue-Note-Platten. Und sie lenkt nicht vom Inhalt dieser informativen Doku ab.

It must schwing“ ist ein guter, informativer und unauffällig-elegant inszenierter Dokumentarfilm über ein legendäres Label, das Musikgeschichte schrieb und dessen Aufnahmen noch heute in jede gutsortierte Plattensammlung gehören. Friedler spricht auch den Rassismus in den USA in den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren an. Er sieht Blue Note als Vorkämpfer der Bürgerrechtsbewegung. Das ist wohl etwas übertrieben, aber es half sicher, dass damals zwei deutsche Juden die Rassenschranken ignorierten. Sie behandelten die von ihnen bewunderten afroamerikanische Musiker, ohne darüber zu reden, respektvoll. Auf ihren Plattencovers gab es Bilder der Musiker. Und die Musik wurde immer breiter rezipiert.

Es gibt keine Revolution ohne Musik.“ (Saxophonist Bennie Maupin)

Wenn ich nicht sowieso eine heilsame Diät von mindestens einer Blue-Note-Aufnahme pro Woche verfolgen würde, würde ich jetzt eine Blue-Note-Aufnahme auflegen.

Sie tanzten herum. Manchmal nicht im Takt der Musik, sie hatten ihre eigene Art, sich zu bewegen. Die Musik berührte sie.“ (Saxophonist Jimmy Heath)

Es musste schwingen. Es musste dieses ‚wing tingtingtingteting haben. Ohne das – ist es kein Jazz.“ (Trompeter Charles Tolliver)

It must schwing – The Blue Note Story (Deutschland 2018)

Regie: Eric Friedler

Drehbuch: Eric Friedler

mit Herbie Hancock, Sonny Rollins, Wayne Shorter, Quincy Jones, Lou Donaldson, Ron Carter, Sheila Jordan, Rudy Van Gelder, Kenny Burrell, Jimmy Heath, George Benson, Reggie Workman, Cecil McBee, Charles Tolliver, Rolf Kühn, Bennie Maupin, Bary Singer, Dan Morgenstein, Peter-Joachim von Drenkmann, Michael Cuscuna

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „It must schwing“

Moviepilot über „It must schwing“

Wikipedia über Blue Note (deutsch, englisch)


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