TV-Tipp für den 11. August: A Hard Day’s Night

August 10, 2017

Arte, 21.55

The Beatles – A Hard Day’s Night (Großbritannien 1964, Regie: Richard Lester)

Drehbuch: Alun Owen

Yeah! Yeah! Yeah! Heute gibt es einen stilprägenden Musikfilmklassiker mit und über die Beatles im Mockumentary-Stil, den Richard Lester quasi im Alleingang erfand und der heute immer noch frisch wirkt.

Über die Musik muss ich wohl nichts sagen.

Arte zeigt die restaurierte Fassung, allerdings mit der alten deutschen Synchronisation.

Danach zeigt Arte um 23.25 Uhr „Sgt. Pepper’s Musical Revolution“ (Doku, GB 2017) und um 00.25 Uhr „John Lennon: Live in New York City“ (30. August 1972 mit Yoko Ono und der Plastic Ono Elephant’s Memory Band).

mit John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr, Wilfrid Brambell, Anna Quayle, Norman Rossington

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A Hard Day’s Night“

Wikipedia über „A Hard Day’s Night“ (deutsch, englisch) und die Beatles (deutsch,englisch)

Meine Besprechung von Richard Lesters „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)

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Sexmob in New York City

Juli 15, 2017

Tolle Band, tolles Avantgarde-Jazz-Konzert im Iridium Jazz Club, Broadway, New York City, am  29. September 2004

 

Sexmob ist:

Steven Bernstein, slide-tp

Briggan Krauss, as

Tony Scherr, b

Kenny Wollesen, dr

 

Die Songs:
1. Sex Bucket
2. Holiday of Briggan
3. McNastarium
4. Superdon
5. Dime Grind Palace
6. Mothila
7. Blue Danube (An der schönen blauen Donau)


Wieder im Kino: Sun Ras „Space is the Place“ – Premiere mit Konzert in Berlin, dann Kinotour durch den Rest der Republik

Juni 25, 2017

I’m not real. I’m just like you. You don’t exist in this society. If you did, your people wouldn’t be seeking equal rights. You’re not real. If you were, you’d have some status among the nations of the world. So we’re both myths. I do not come to you as a reality. I come to you as the myth, because that’s what black people are. Myths. I came from a dream that the black man dreamed a long time ago. I’m actually a presence sent to you by your ancestors.“ (Sun Ra)

Lexika behaupten, dass Sun Ra bürgerlich Herman ‚Sonny‘ Blount hieß, am 22. Mai 1914 in Birmingham, Alabama, geboren und am 30. Mai 1993 in Birmingham, Alabama, starb.

Nun ja. Das kann man so sehen. Muss man aber nicht. Denn Sun Ra ist ein göttliches Wesen aus dem Weltall und mit seinem Arkestra landete er auf der Erde um seine befreiende Musik und Botschaft für die Menschheit zu spielen.

In John Coneys „Space is the Place“ wird erzählt, wie Sun Ra nach einer jahrelangen Reise durch Raum und Zeit mit seinem Raumschiff auf die Erde zurückkehrt. In Kalifornien sucht er schwarze Brüder, die er in seinem Raumschiff mitnehmen will. Die Erde selbst ist im Wahn von Rassismus und Repression dem Untergang geweiht. An einer Ausfallstraße in Oakland gründet er eine Agentur für Zeitarbeit, in der sich ein bunter Querschnitt von der Gesellschaft Ausgestoßener vorstellt, wenn Sun Ra nicht gerade einen Jugendclub besucht und dort seine revolutionäre Botschaft der Liebe verkündet.

Aber nicht jeder ist von Sun Ras Mission begeistert. Die NASA und der mysteriöse Overseer kämpfen gegen ihn und man braucht nicht viel Fantasie, um sie in den damaligen politischen Kämpfen zu verorten; wenn man sich nicht noch tiefer in die afroamerikanische Mythologie begeben will.

Das liest sich jetzt wie die Inhaltsbeschreibung eines halbwegs konventionellen B-Pictures, das etwas Subtext für die Intellektuellen hat und den damaligen revolutionären Zeitgeist der frühen siebziger Jahre widerspiegelt.

Nichts könnte falscher sein. „Space is the Place“ ist eine vom Blaxploitation-Kino beeinflusste afrofuturistische Collage mit dokumentarischen Einschüben, die mehr eine Jazzimprovisation (und ein großer Spaß) als ein auch nur halbwegs normaler Film ist. Es gibt wiederkehrende Themen und Motiven, viele kurzen Episoden, die manchmal wieder aufgenommen werden, manchmal nicht, Improvisationen, viele Anspielungen auf die Popkultur, die aktuelle Politik (wir reden von den frühen Siebzigern), abgedrehten Dialoge und einem Sun Ra im Mittelpunkt, der dem Begriff Deadpan-Schauspiel eine neue Dimensionen verleiht. Sun Ra verzieht keine Mine und ist dabei gleichzeitig umwerfend komisch und todernst, geerdet und abgespact und er lässt keinen Zweifel an seiner friedlichen Mission aufkommen.

Space is the Place“ ist in jedem Fall kultiger Film, den Rapid Eye Movies hier ausgegraben, Bild für Bild restauriert und digitalisiert hat. Von der letzten noch existierenden 35-mm-Kopie, die im Keller des Produzenten Jim Newman gefunden wurde und in einem erbärmlichen Zustand war. Das zeigt sich immer wieder an Verschmutzungen im Bild, die man sonst nur von alten Filmkopien kennt. Das gilt auch für den Ton, die Farbgebung und das Bildformat. „Space is the Place“ wird wieder im ursprünglichen Academy-Format (1:1,33) gezeigt. Insgesamt verleiht das dem Film einen sehr angenehmen Retro-Charme.

Schade ist nur, dass man in dem Film wenig von Sun Ra und seinem Arkestra hört. Denn sie spielten einen sehr zugänglichen und witzigen Big-Band-Free-Jazz. Im Film gibt es nur einige kurze, experimentell-freejazzigen Konzertausschnitte.

Da muss man dann doch einmal auf YouTube herumstöbern.

The earth cannot move without music. The earth moves in a certain rhythm, a certain sound, a certain note. When the music stops the earth will stop and everything upon it will die.“ (Sun Ra)

Die Weltpremiere der restaurierten Fassung ist am Montag, den 26. Juni, um 20.00 Uhr im Babylon Kino. Mit Jim Newman, dem Produzenten des Films, und einem Auftritt des Sun Ra Arkestra, das die Botschaft Sun Ras immer noch in die Welt hinausträgt.

Einen Tag später, am Dienstag, den 27. Juni, gibt es um 20.00 Uhr im Festsaal Kreuzberg ein Konzert des Arkestra.

Und danach will Rapid Eye Movies den Film – „eine Ode an die Kraft von Musik und Kunst, sozialen Wandel voranzutreiben und sich von politischen Zwängen nicht beeindrucken zu lassen“ (Rapid Eye Movies) – an möglichst vielen Orten zeigen.

Space is the Place (Space is the place, USA 1974)

Regie: John Coney

Drehbuch: Joshua Smith, Sun Ra

mit Sun Ra, Raymond Johnson, Barbara Deloney, Erika Leder, Christopher Brooks, Clarence Brewer, John Gilmore, Marshall Allen, Danny Davis, Eloe Omoe, Kwame Hadi, Danny Thompson, Tommy Hunter, Ken Moshesh, Lex Humphries

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (beantragt)

Hinweise

Homepage zum Film (mit den ersten Tourterminen)

Moviepilot über „Space is the Place“

Rotten Tomatoes über „Space is the Place“

Wikipedia über „Space is the Place“ und Sun Ra (deutsch, englisch)

AllMusic über Sun Ra

Homepage des Sun Ra Arkestra

All about Jazz über Sun Ra

Das Sun Ra Arkestra mit einigen Gästen am 29. Oktober 1983 bei den Jazztagen in Berlin in der Philharmonie. Viel Vergnügen!

 


Neu im Kino/Filmkritik: Musiker und Drogen (und Kugeln): „All Eyez on Me“ verlangt 2Pac

Juni 16, 2017

Letzte Woche liefen das im Zweifelsfall immer erfrischend faktenfreie Biopic „Born to be Blue“ über den Jazz-Trompeter Chet Baker und die Dokumentation „Whitney – Can I be me“ über die Soul-Sängerin Whitney Houston an. Diese Woche geht es mit „All Eyez on Me“, einem Biopic über den Rapper 2Pac, der 1996 erschossen wurde, musikalisch weiter.

Vor über zwanzig Jahren tobte in den USA der Krieg zwischen Eastcoast- und Westcoast-Rappern. Sie griffen sich verbal an. Es kam auch zu Schlägereien und Schusswaffengebrauch. Und Rap wurde Mainstream. Man konnte plötzlich unglaublich viel Geld damit verdienen.

Einer der bekanntesten Vertreter dieses Krieges war Tupac Shakur, oder 2Pac, geboren am 16. Juni 1971 in Manhattan, New York City, gestorben am 13. September 1996 in Las Vegas, Nevada. Er war ein Westcoast-Rapper, kommerziell auch nach seinem Tod unglaublich erfolgreich, von der Kritik als Künstler gefeiert und ständig mit dem Gesetz in Konflikt.

Er war auch ein Gangsta-Rapper. Das ist eine Stilrichtung, die das Leben im Ghetto als Verbrecher plakativ verklärt und öffentlich mit den Insignien eines Gangster hausieren geht. Die Grenzen zwischen Künstler und Verbrecher waren in jeder Beziehung fließend. So wurde 2Pac 1994 in New York auf dem Weg ins Studio angeschossen und schwer verletzt. Er wurde wegen sexueller Belästigung verurteilt und saß 1995 acht Monate im Gefängnis, bevor er auf Kaution freikam. Das Geld kam von Death-Row-Records-Chef Suge Knight, für den er dafür drei Platten aufnehmen musste. Und vor seiner Musikerkarriere versuchte er sich als Jugendlicher als Drogenhändler, weil im Ghetto die Drogenhändler mit ihrem Geld protzten.

Die damals lebhaft geführte Diskussion über die oft in jeder Beziehung hochproblematischen Texte muss hier nicht interessieren. Schließlich ist ein Spielfilm kein „Spex“-Aufsatz. In diesen Texten wurde auch immer darauf verwiesen, dass Rap „CNN for black people“ (Chuck D von Public Enemy) sei. Aber bei Public Enemy ging es um Politik und nicht um die Verherrlichung eines Lebens als homophober und frauenverachtender Verbrecher.

Das ist der Hintergrund vor dem sich Tupac Shakurs kurzes Leben abspielte, das genug Stoff für einen Film hergibt. Und mit 140 Minuten ist Benny Booms Biopic „All Eyez on Me“ über den Rapper auch lang geraten. Es ist allerdings auch ein Film der falschen Entscheidungen. „All Eyez on Me“ erzählt Tupac Shakurs Leben aus der Sicht von Tupac Shakur. Damit ist, auch wenn anfangs eine scheinbar komplizierte Rückblendenstruktur verwandt wird, nur eine Perspektive vorhanden. Nämlich die des Erzählers Tupac Shakur, der sich durchgehend als verfolgte Unschuld präsentiert und sich, wenn er nicht gerade unschuldig verfolgt und vom Gesetz drangsaliert wird, einen messianischen Heiligenschein aufsetzt. Auf die Dauer – auch wenn man nichts über das Leben des Rappers weiß – entbehrt diese eindimensionale, von sich selbst und seinem Handeln restlos überzeugte Weltsicht jeder Logik. Es überzeugt einfach nicht, dass er und nur er immer vollkommen unschuldig und unbeteiligt in Schwierigkeiten gerät.

So wird der Film schnell zu einem banalen Rechtfertigungstraktat. Jeder Konflikt und jede Ambivalenz des Stoffes werden unelegant umschifft und mit zunehmender Laufzeit ärgert man sich immer mehr über all die verpassten Chancen.

Außerdem hat „All Eyez on Me“ die typische Biopic-Krankheit. Anstatt sich auf einen bestimmten Aspekt oder Konflikt zu konzentrieren, wird das ganze Leben des Porträtierten von der Geburt bis zum Tod abgehandelt. In kurzen, plakativen Szenen, die auch der blödeste Zuschauer im Saal begreifen muss und die sich einfach, wie Bilder in einem Photoalbum, ohne tiefere Erkenntnis, aneinanderreihen.

Benny Boon, der bereits zahlreiche Hip-Hop-Vidoes inszenierte, erzählt das alles ohne jegliche Distanz zu Tupac Shakur als Übung in blinder Heldenverehrung.

Dabei hat F. Gary Gray vor zwei Jahren in seinem grandiosen Bandporträt „Straight Outta Compton“ über N. W. A. gezeigt, wie man es besser macht.

All Eyez on Me (All Eyez on Me, USA 2017)

Regie: Benny Boom

Drehbuch: Jeremy Haft, Eddie Gonzalez, Steven Bagatourian

mit Demetrius Shipp Jr., Kat Graham, Lauren Cohan, Hill Harper, Danai Gurira

Länge: 140 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Movipilot über „All Eyez on Me“

Metacritic über „All Eyez on Me“

Rotten Tomatoes über „All Eyez on Me“

Wikipedia über „All Eyez on Me“ (deutsch, englisch) und 2Pac (deutsch, englisch)

History vs Hollywood über „All Eyez on Me“

AllMusic über 2Pac


Neu im Kino/Filmkritik: Musiker und Drogen: „Whitney – Can I be me“ – eine Doku über Whitney Houston

Juni 12, 2017

Wer war Whitney Houston? Abseits der allseits bekannten Fakten.

In den achtziger Jahren waren ihre Songs allgegenwärtig. Sie hatte hintereinander mehr Nummer-1-Hits als die Beatles. 1992 spielte sie in der Thrillerschmonzette „The Bodyguard“ eine Sängerin, die Drohbriefe erhält und von einem Bodyguard beschützt werden muss. Der Film war ein Hit. Die Songs, gesungen von Whitney Houston, verkauften sich wie geschnitten Brot.

Danach wurde es ruhiger um sie. Sie veröffentlichte nur noch wenige Platten, gab wenige Konzerte und geriet immer wieder wegen ihres Privatlebens und ihres Drogenkonsums in die Schlagzeilen.

Am 11. Februar 2012 starb sie in Beverly Hills, Kalifornien, im Beverly Hilton an einer Überdosis. Sie war 48 Jahre alt.

In ihrem Porträt „Whitney – Can I be me“ werfen die Dokumentarfilmer Nick Broomfield („Kurt & Courtney“, „Aileen Wuornos: The Selling of a Serial Killer“) und Rudi Dolezal (unzählige Musikvideos und -dokumentationen) einen teils voyeuristischen Blick hinter die Kulisse, während sie das Leben der 1963 in Newark, New Jersey, geborenen Sängerin nachzeichnen.

Schon früh trat Houston als Sängerin auf. Gefördert von ihrer Mutter Emily ‚Cissy‘ Houston, die selbst eine Gospel-Sängerin war, sie ausbildete (wie sie auch in der Doku betont) und die in ihrer Tochter ihren Traum von einer großen Karriere verwirklichen wollte. Der Durchbruch kam 1985 mit ihrem Debütalbum „Whitney Houston“ und dieser Rückblick auf die achtziger Jahre, als Whitney Houston der allgegenwärtige Star war, ist der interessanteste Teil des Films. Jedenfalls für Menschen, die nicht an intimen Privatgeschichten interessiert sind.

In diesen Minuten zeigt die Dokumentation, wie aus einer guten Sängerin ein Star für die breiten Massen gemacht wird. Dafür muss ihre Musik für ein weißes Publikum akzeptabel sein und das hieß damals, dass die Sängerin zwar dunkelhäutig sein durfte, aber ihre Songs möglichst keine Elemente afroamerikanischer Musiktraditionen enthalten durfte. Oder in den Worten des „Das neue Rocklexikon“ (1998): „Soul-Platitüden, Disco-Banalitäten und Balladen-Einerlei mit erstaunlich gelenkiger Vokalgymnastik und beachtlicher Anmut, hielt sich aber selbst bei vorgeblich erotischen Stücken immer bedeckt.“

Auch ihre öffentlichen Auftritte und ihr Image mussten für ein weißes Publikum akzeptabel sein. Sie wurde als Prinzessin aus dem Ghetto präsentiert. In den Talkshows, die in „Whitney – Can I be me“ in Ausschnitten gezeigt werden, trat sie als das nette Mädchen von nebenan auf. Und natürlich sollte sie nach diesem Masterplan auch irgendwann einen präsentablen Freund haben. Bi- oder homosexuelle Neigungen wären damals für ein Mainstream-Publikum ein Karrierekiller gewesen. Trotzdem wurde schon damals, weil Houston keinen Freund hatte, in der Regenbogenpresse über ein lesbisches Verhältnis zwischen Houston und ihrer Jugendfreundin, Managerin, Vertrauten und Mädchen für alles Robyn Crawford spekuliert. 1999 zerbrach diese Freundschaft während einer Welttournee.

Als Houston 1989 den Rapper Bobby Brown traf, mit dem sie von 1992 bis 2007 verheiratet war, schien auch dieser Teil des für sie aufgestellten Karriereplans in Erfüllung zu gehen.

In diesem Moment ist der Cocktail angerichtet, der schon andere Karrieren vernichtete und den wir zuletzt in der Amy-Winehouse-Doku „Amy“ sehen durften: ein falscher Freund, von dem sie sich in jeder Beziehung abhängig machte, hoher Drogenkonsum, eine ehrgeizige Mutter und eine Familie, die finanziell von ihr abhängig war und ist. Bei Whitney Houston kam noch eine streng religiöse Erziehung (Baptistisch und Pfingstlerisch) dazu, die konträr zu dem Leben eines Pop-Musikers ist.

All das erzählen Broomfield und Dolezal (von ihm stammen die bislang unveröffentlichten, bei den deutschen Konzerten aufgenommenen Backstage- und Konzert-Aufnahmen von Houstons 1999er Welttournee) chronologisch und kurzweilig in der aus zahlreichen Dokumentarfilmen über Musiker und Bands vertrauten Mischung aus Archivaufnahmen, teils von Auftritten und Interviews, teils aus verschiedenen privaten Archiven, und aktuellen Interviews.

Whitney – Can I be me (Whitney: Can I be me, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Nick Broomfield, Rudi Dolezal

Drehbuch: Nick Broomfield

mit Whitney Houston, Robyn Crawford, Bobby Brown, Cissy Houston, John Russell Houston jr., Bobby Kristina Brown, David Roberts (teilweise Archivmaterial)

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Whitney – Can I be me“

Metacritic über „Whitney – Can I be me“

Rotten Tomatoes über „Whitney – Can I be me“

Wikipedia über Whitney Houston (deutsch, englisch)

AllMusic über Whitney Houston


Neu im Kino/Filmkritik und DVD-Tipp: Musiker und Drogen: Chet Baker, „Born to be Blue“ und „Let’s get lost“

Juni 12, 2017

Chet Baker (23. Dezember 1929 – 13. Mai 1988) ist eine der großen tragischen Gestalten der Jazzgeschichte. In den fünfziger Jahren war der Trompeter ein gefeierter Star und eine der stilprägenden Musiker des Westcoast-Jazz, dessen Image als James Dean des Jazz durch die ikonischen SW-Aufnahmen von William Claxton gefestigt wurde. Damals probierte er auch erstmals Heroin und wurde abhängig. Seine Karriere ging den Bach runter. Auch wenn er bis zu seinem Tod auftrat und zahlreiche, teilweise grandiose LPs veröffentlichte, die sich heute immer noch verkaufen.

In seinem fast zwei Jahre nach seiner Weltpremiere auf dem Toronto International Film Festival am 13. September 2015 und über ein Jahr nach dem US-Kinostart endlich auch in Deutschland anlaufendem Biopic „Born to be Blue“ nimmt Regisseur Robert Budreau Teile aus Chet Bakers Biographie und improvisierte darüber mit Ethan Hawke als Chet Baker.

Der Film beginnt 1966. Chet Baker ist inhaftiert. Ein Filmproduzent bezahlt die Kaution, weil er will, dass Chet Baker Chet Baker spielt. Die Dreharbeiten an dem Film ermöglichen Budreau einen SW-Blick in Bakers Vergangenheit als bekannter Cool Jazzer und Westcoast-Trompeter. Im Gegensatz zu den New Yorker Bebop- und Hardbop-Musikern spielten die weißen Jazzer in Kalifornien melodischer und romantischer und Inspirationen von der Ernsten Musik waren erkennbar.

Bei den Dreharbeiten verliebt Baker sich in Jane (Carmen Ejogo), die seine frühere Frau Elaine spielt. Sie bleibt bei ihm. Auch nachdem ihm bei einer Schlägerei die Zähne ausgeschlagen werden und er mühevoll versucht, mit einer Prothese, wieder als Trompeter aufzutreten.

Diese Rückkehr auf die große Bühne (wobei Jazzbühnen eine notorisch überschaubare Größe haben) bildet dann das Rückgrat des Films. Im Zentrum steht – und das macht den Film auch für Nicht-Jazzfans sehenswert – die Beziehung zwischen Chet Baker, einem begnadeten Musiker, Junkie und notorischer Schürzenjäger, und Jane, die sich in ihn verliebt und ihm helfen will.

Budreau erzählt dies sehr stimmig, mit einer ordentlichen Portion Zeitkolorit und einem Hauptdarsteller, der förmlich in seiner Rolle versinkt. Denn Hawke spielt nicht nur Chet Baker, sondern er spielt und singt auch seine Lieder. Deshalb gibt es in „Born to be Blue“ zwar bekannte Baker-Songs, wie „Summertime, „Over the Rainbow“ und „My funny Valentine“ (alles bekannte Jazz-Standards), aber nie in einer von Chet Baker selbst gespielten Interpretation.

Born to be Blue“ ist das sehenswerte, berührende, sich auf eine kurze Zeitspannende konzentrierendes Porträt eines Süchtigen, der auch Musiker ist. Dass der Film gegen Ende etwas zerfasert verzeiht man ihm gern.

Born to be Blue (Born to be Blue, Kanada/Großbritannien 2015)

Regie: Robert Budreau

Drehbuch: Robert Budreau

mit Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Callum Keith Rennie, Tony Nappo, Stephen McHattie, Janet-Laine Greene

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Doku über Chet Baker

Eine ideale, bedrückende Ergänzung zu Robert Budreaus Spielfilm ist Bruce Webers Dokumentarfilm „Let’s get lost“. Er hatte am 15. September 1988 seine Premiere beim Toronto International Film Festival und er war für den Oscar nominiert. Chet Baker erlebte die Premiere des Films nicht mehr, weil er bereits am 13. Mai 1988 starb. In Amsterdam fiel er aus dem Fenster seines Hotels; wobei es auch hier verschiedene Versionen über den genauen Ablauf gibt.

In seinem SW-Film begleitet Bruce Weber den Musiker wenige Monate vor seinem Tod und die Bilder zeigen ungeschönt, was aus dem früheren Jugendidol wurde.

Let’s get lost (Let’s get lost, USA 1988)

Regie: Bruce Weber

Drehbuch: Bruce Weber

mit Chet Baker, Carol Baker, Vera Baker, Dick Bock, William Claxton, Hersh Hamel, Chris Isaak, Lisa Marie

DVD

Pierrot le Fou/Alive

Bild: 4:3 (Originalformat)

Ton: Englisch (DD 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Looking for Chet again in all the familiar places (exklusiver Kurzfilm von Bruce Weber, 2008), Let’s get lost Kodachrome newsreel, Chet Baker music video (directed by Bruce Weber: Everything happens to me, Almost Blue), Trailer (insgesamt 40 Minuten)

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film „Born to be Blue“

Englische Homepage zum Film „Born to be Blue“

Moviepilot über „Let’s get Lost“ und „Born to be Blue“

Metacritic über „Let’s get Lost“ und „Born to be Blue“

Rotten Tomatoes über „Let’s get Lost“ und „Born to be Blue“

Wikipedia über „Let’s get Lost“, „Born to be Blue“ und Chet Baker (deutsch, englisch)

AllMusic über Chet Baker

All about Jazz über Chet Baker

Bonus

Chet Baker mit prominenten Gastmusikern in Ronnie Scott’s


Bernd Begemann & Die Befreiung – Rialto

Mai 18, 2017

Ohne Kommentar, mit leuchtenden Augen:


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