„California Dreamin’“ mit Pénélope Bagieu und The Mamas & The Papas

November 20, 2020

Die Musik dürfte heute noch bekannt sein. Aber wer „California Dreamin‘, „Monday, Monday“ und andere Songs der Band „The Mamas & The Papas“ nur aus dem Radio kennt, der kennt nur die schönen Stimmen der Bandmitglieder, aber nicht ihre Gesichter. Dabei war in den Sechzigern – „The Mamas & The Papas“ existierte von 1965 bis 1968 (1971 veröffentlichte sie ihre fünfte LP, zu der sie vertraglich verpflichtet war) – sowohl der Gesang als auch das Aussehen der Bandmitglieder ungewöhnlich. Bei ihren optimistisch-lebensbejahend-wohlklingenden Popsongs mischten sie im Chorgesang nämlich Männer- und Frauenstimmen.

Bei den Bandmitgliedern fiel Sängerin Cass Elliot sofort auf. Sie entsprach nicht dem Schönheitsideal für Sängerinnen von Popbands, die jung, schlank und überaus attraktiv sein sollen. Wenn sie dann auch noch singen können, ist das kein Hindernis. Cass war übergewichtig. Damals war das ein hundertprozentiger Karrierekiller. Aber die am 13. September 1941 in Baltimore, Maryland, als Ellen Naomi Cohen geborene Sängerin, Kind jüdischer Eltern, wollte unbedingt auf die Bühne. Als Kind war Florence Foster Jenkins ihr Vorbild. Von ihr stammt die berühmte Bemerkung: „Man mag einmal sagen, ich könnte nicht singen, aber nicht, ich hätte nicht gesungen.“

Damit hätte Cass, die singen konnte, auch in Pénélope Bagieus „Unerschrocken“ gepasst. In dem zweibändigen Comic porträtiert sie dreißig bekannte und heute unbekannte Frauen, die für die Verwirklichung ihrer Träume kämpften und auf dem Weg zu ihrem Ziel Barrieren einrissen.

Jetzt hat Bagieu Cass Elliot mit „California dreamin’“ ein eigenes Buch gewidmet.

Sie erzählt vor allem die Geschichte vor dem ersten Hit der Band. Es geht also um Cass‘ Kindheit und Jugend, ihren ersten Erfahrungen als Sängerin bei Veranstaltungen und dem schwierigen Zusammenfinden der vier Musiker, die dann „The Mamas & The Papas“ wurden. Die Folkpopband bestand aus ihr, John Phillips, Denny Doherty und Michelle Phillips. Lange stritten sie sich darüber, ob Folk tot sei (immerhin hatte Bob Dylan damals gerade die E-Gitarre entdeckt), ob Cass ein reguläres Mitglied der Band sein sollte und welche Musik sie machen sollten.

Bagieu schildert auch die ständigen Vorurteile, mit denen Cass wegen ihres Aussehens konfrontiert wird. Sie zeigt aber auch, wie Cass wegen ihres Wesens immer wieder schnell der beliebte Mittelpunkt einer Party oder Gruppe wird. Sie war eine richtige Stimmungskanone. Und wohl auch etwas nervig, weil sie immer im Mittelpunkt stehen musste.

California dreamin’“ erzählt humorvoll den Weg von Cass und „The Mamas & The Papas“ an die Spitze der Hitparade in pointiert zugespitzten Szenen.

Am 29. Juli 1974 starb Cass in London in einem Hotel. Die Todesursache war ein Herzversagen. Bagieus Comic hört lange vorher, nämlich 1966, auf. Damals war „California dreamin’“ ein Hit und die Band eine glücklich zusammenlebende Kommune. Jedenfalls für die Fans, die gerne ein Leben wie Cass führen würden. Wenn sie nicht gleich Cass sein könnten.

 

Pénélope Bagieu: California dreamin‘

(übersetzt von Ulrich Pröfrock)

Reprodukt, 2020

280 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

California dreamin‘

Gallimard, 2019

Hinweise

Homepage von Pénélope Bagieu

Meine Besprechung von Pénélope Bagieus „Hexen hexen“ (Sacrées sorcières, 2020)

Allmusic über „The Mamas & The Papas“

Wikipedia über „The Mamas and The Papas“ (deutsch, englisch) und Cass Elliot (deutsch, englisch)


Rockig: Keith Richards & The X-Pensive Winos

November 19, 2020

Damals, als bei den Rolling Stones der Haussegen schief hing, gründete Keith Richards eine eigene Band und spielte auch, 1988, im Hollywood Palladium:

Es spielen Keith Richards (Gitarre, Gesang), Waddy Wachtel (Gitarre), Steve Jordan (Schlagzeug), Charley Drayton (Bass), Ivan Neville (Keyboard), Bobby Keys (Saxophone) und Sarah (Gesang).


TV-Tipp für den 25. September: Janis: Little Girl Blue

September 24, 2020

Nachdem ich mich die Woche vor allem mit inzwischen weitgehend gelösten Computerproblemen herumschlug, werden die aktuellen Kinostarts (Blackbird, Pelikanblut, Persischstunden) später als erhofft besprochen. Hierfür sollte es noch eine längere Ankündigung geben. Und dann sind noch einige Buchbesprechungen in der Pipeline und dieser Mann hat demnächst einen runden Geburtstag. Deshalb gibt es im Moment nur einen rockigen TV-Tipp

Arte, 22.00

Janis: Little Girl Blue (Janis: Little Girl Blue, USA 2015)

Regie: Amy J. Berg

Drehbuch: Amy J. Berg

Die Doku „Janis: Little Girl Blue“ über die Sänderin Janis Joplin ist informativ, kurzweilig und geizt nicht mit Konzertaufnahmen; wobei die durchaus etwas kürzer hätten ausfallen können. Aber andererseits: wer kann schon etwas gegen gute Musik einwenden?

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Janis Joplin, Peter Albin, Sam Andrew, Karleen Bennett, Dick Cavett, John Cooke, David Dalton, Cornelius ‚Snooky‘ Flowers, Country Joe McDonald, Clive Davis, Melissa Etheridge, Dave Getz, Laura Joplin, Michael Joplin, Michael Joplin, Julius Karpen, Juliette Lewis, Alecia Moore, J. Dave Moriaty, Dave Niehaus, D.A. Pennebaker, Travis Rivers, Powell St. John, Bob Weir, Jae Whitaker, Chan Marschall (Cat Power, Erzählerin in der Originalfassung)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Moviepilot über „Janis: Little Girl Blue“
Metacritic über „Janis: Little Girl Blue“
Rotten Tomatoes über „Janis: Little Girl Blue“
Wikipedia über „Janis: Little Girl Blue“ und Janis Joplin (deutsch, englisch)
AllMusic über Janis Joplin

Meine Besprechung von Amy J. Bergs „Janis: Little Girl Blue“ (Janis: Little Girl Blue, USA 2015)


TV-Tipp für den 18. September: Jimi Hendrix „Hear my Train a comin'“

September 17, 2020

Arte, 21.40

Jimi Hendrix „Hear my Train a comin’“ (Jimi Hendrix: Hear my Train a comin‘, USA 2013)

Regie: Bob Smeaton

Spielfilmlange Doku über den am 18. September 1970 (yep, heute vor fünfzig Jahren) verstorbenen Rockgitarrisen Jimi Hendrix mit (damals) neu entdeckten zeitgenössischen Amateuraufnahmen und neuen Gesprächen mit Zeitzeugen wie Mitch Mitchell, Noel Redding, Eddie Kramer, Paul McCartney und Steve Winwood.

Hinweise

Arte über die Doku (online bis 16. November 2020)

Wikipedia über Jimi Hendrix (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. Juli: Whitney – Can I be me

Juli 16, 2020

Arte, 22.05

Whitney – Can I be me (Whitney: Can I be me, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Nick Broomfield, Rudi Dolezal

Drehbuch: Nick Broomfield

TV-Premiere. Sehenswerte Doku über Whitney Houston, wie sie zu einem Star für das Mainstream-Publikum aufgebaut wurde und ihre Versuche ‚ich‘ zu sein.

All das erzählen Nick Broomfield und Rudi Dolezal (von ihm stammen die bislang unveröffentlichten, bei den deutschen Konzerten aufgenommenen Backstage- und Konzert-Aufnahmen von Houstons 1999er Welttournee) chronologisch und kurzweilig in der aus zahlreichen Dokumentarfilmen über Musiker und Bands vertrauten Mischung aus Archivaufnahmen, teils von Auftritten und Interviews, teils aus verschiedenen privaten Archiven, und aktuellen Interviews.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Whitney Houston, Robyn Crawford, Bobby Brown, Cissy Houston, John Russell Houston jr., Bobby Kristina Brown, David Roberts (teilweise Archivmaterial)

Hinweise

Moviepilot über „Whitney – Can I be me“

Metacritic über „Whitney – Can I be me“

Rotten Tomatoes über „Whitney – Can I be me“

Wikipedia über Whitney Houston (deutsch, englisch)

AllMusic über Whitney Houston

Meine Besprechung von Nick Broomfield/Rudi Dolezals „Whitney – Can I be me“ (Whitney: Can I be me, USA/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Nick Broomfields „Marianne & Leonard: Words of Love“ (Marianne & Leonard: Words of Love, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ronnie Wood – Somebody up there likes me“ und lässt ihn auf Erden in einer Rockband spielen

Juli 10, 2020

Mike Figgis, der Regisseur von „Stormy Monday“, „Internal Affairs“ und, seinem bekanntesten Film, „Leaving Las Vegas“, wollte keine normale Doku über Ronnie Wood drehen. Also kein chronologischer Gang durch das Leben des Porträtierten. Keine Ansammlung sprechender Köpfe, die mehr oder weniger gute Dinge über den Porträtierten erzählen. Kein teils peinlich intimes Ausleuchten privater Details. Keine kritische Bestandsaufnahme des Lebens des Porträtierten. Und keine Interviews mit dem Porträtierten, in denen er, mehr oder weniger hartnäckig, über sein Leben ausgefragt wird.

Das gibt es schon auch in „Ronnie Wood – Somebody up there likes me“. Aber nur in homöopathischen Dosen.

Ronnie Wood, manchmal auch Ron Wood, ist heute vor allem als Mitglied der Rolling Stones bekannt. Im Gegensatz zu den Bandgründern spielt der Gitarrist erst seit 1975 in der Band mit. Offizielles Bandmitglied wurde er 1993. Vor seinem Engagement bei den Stones spielte er in in der Jeff Beck Group, den Faces und in der Band von Rod Stewart.

Neben den „Rolling Stones“-Platten veröffentlichte er mehrere Platten unter seinem Namen und er verwirklicht sich als Maler. Wood war Schüler der Londoner Kunstschule Ealing Art College.

Figgis beobachtet ihn in „Ronnie Wood – Somebody up there likes me“ ausführlich beim Zeichnen. Dazu gibt es Konzertausschnitte, eher kurze Statements von Freunden, früheren und aktuellen Bandkollegen und ausführliche Gesprächsbeiträge von Ronnie Wood, der über sein Leben redet.

Das Ergebnis ist ein von Sympathie getragener, nie sonderlich in die Tiefe gehender oder auch nur ansatzweise kritischer Dokumentarfilm. Damit ist „Ronnie Wood – Somebody ut there likes me“ vor allem für Fans des sympathisch vor sich hin erzählenden Musikers und der stadionrockenden Bluescombo „The Rolling Stones“ interessant.

Die dürfen sich auch auf die neue Platte der Rolling Stones freuen. Sie soll dieses Jahr erscheinen. Und sie soll aus neuen Songs bestehen. Das haben jedenfalls Mick Jagger und Keith Richards vor wenigen Wochen in einem Interview gesagt. Ihre letzte Studio-CD „Blue & Lonesome“ erschien vor vier Jahren und sie enthielt nur Blues-Cover.

Ronnie Wood – Somebody up there likes me (Somebody up there likes me, Großbritannien 2019)

Regie: Mike Figgis

Drehbuch: Mike Figgis

mit Ronnie Wood, Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts, Damien Hirst, Rod Stewart, Imelda May, Sally Wood

Länge: 72 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ronnie Wood – Somebody up there likes me“

Rotten Tomatoes über „Ronnie Wood – Somebody up there likes me“

Wikipdia über Ronnie Wood (deutsch, englisch)

Allmusic über Ronnie Wood und die Rolling Stones


Zum Todestag von Rory Gallagher

Juni 13, 2020

Weil heute der Todestag von Rory Gallagher (2. März 1948 – 14. Juni 1995) ist; frisch abgestaubt aus dem Archiv des WDR Rockpalast


Neu im Kino/Filmkritik: Über das Musikerbiopic „Miles Davis – Birth of the Cool“

Januar 2, 2020

Weil ich keine Lust habe, einmal im Sauseschritt durch das Leben von Miles Davis zu hetzen, wird diese Kritik eher kurz.

Denn Stanley Nelson gelingt es in seinem Dokumentarfilm „Miles Davis – Birth of the Cool“ sehr gut, das Leben des Jazztrompeters Miles Davis und seine unzähligen musikalischen Häutungen zu erzählen, ohne wichtige Aspekte zu vernachlässigen und, was noch wichtiger und, angesichts des Lebens und Werks von Miles Davis noch imponierender ist, ohne falsche Schwerpunkte zu setzen. In knapp zwei Stunden erzählt Nelson, mit viel Musik, vielen gut gewählten Interviewpartnern, ebenso gut gewähltem Archivmaterial und Zitaten von Miles Davis (im Original von Carl Lumbly nah am Original heißer geflüstert), das Leben von Miles Davis von seiner Geburt am 26. Mai 1926 in Alton, Illinois, bis zu seinem frühen Tod am 28. September 1991 in Santa Monica, Kalifornien. Er wurde nur 65 Jahre alt.

Nelson erzählt das Leben des Jazztrompeters als konventionelle Mischung zwischen kurzen, eher illustrierenden Musikclips, Dokumentaraufnahmen, mal Fotos, mal Film, und sprechenden Köpfen. Wirklich beeindruckend ist, wie gut es Nelson gelingt, jede Schaffensphase von Miles Davis zu seinem Recht kommen zu lassen. Denn die Fans von „Birth of the Cool“ und seinen Bop-Aufnahmen sind nicht unbedingt die Fans von „Kind of Blue“ (seine bekannteste Platte, die auch Jazzhasser lieben) oder „Sketches of Spain“ (um nur eine Orchester-Zusammenarbeit mit Gil Evans zu erwähnen) oder von „Bitches Brew“ (und seinen darauf folgenden immer freier werdenden Fusion-Aufnahmen) oder von „You’re under Arrest“ (mit dem Cyndi-Lauper-Cover „Time after Time“ und seinen sehr poppigen Aufnahmen aus den Achtzigern) oder von seiner letzten, wenige Monate nach seinem Tod erschienen LP „Doo-Bop“, in der er Jazz mit Hip-Hop fusionierte. Diese stilistischen Wechsel dokumentieren eine immer währende musikalische Neugier, die wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Fans nimmt, die vor allem immer wieder das gleiche hören wollen.

In der zweistündigen Doku gibt es keine groben Auslassungen oder grob falsche Gewichtungen. Auch wenn der Davis-Fan selbstverständlich hier und da, ja nach persönlicher Davis-Lieblingsschaffensphase, gerne mehr oder weniger in die Tiefe gegangen wäre. Neben dem Werk geht Nelson auch auf Davis‘ Leben, seine durchaus problematische Persönlichkeit und seine kulturelle und auch popkulturelle Bedeutung ein.

Somit ist „Miles Davis – Birth of the Cool“ für den Davis-Fan eine Auffrischung bekannter Informationen und eine Einladung, mal wieder eine Platte von ihm aufzulegen (wobei wahrscheinlich eine CD einschieben oder eine Playlist anklicken näher an der Wirklichkeit ist). Für den Novizen ist die Doku ein glänzender und rundum gelungener Überblick über das Leben und Werk eines der wichtigsten Jazzmusiker.

Miles Davis – Birth of the Cool (Miles Davis: Birth of the Cool, USA 2019)

Regie: Stanley Nelson

Drehbuch: Stanley Nelson

mit (ohne zwischen aktuellen Interviews und Archivmaterial, ohne zwischen kurzen und langen Statements und ohne zwischen allgemein bekannten und unbekannteren Gesprächspartnern zu unterscheiden) Miles Davis, Carl Lumbly (im Original: Stimme von Miles Davis), Reginald Petty, Quincy Troupe, Farah Griffin, Lee Annie Bonner, Ashley Kahn, Benjamin Cawthra, Billy Eckstine, Walter Cronkite, Jimmy Heath, Jimmy Cobb, Dan Morgenstern, Charlie Parker, Greg Tate, Gerald Early, Quincy Jones, Wayne Shorter, Tammy L. Kernodle, Juliette Gréco, Vincent Bessières, George Wein, Eugene Redmond, Thelonious Monk, Carlos Santana, Herbie Hancock, Marcus Miller, Cortez McCoy, Sandra McCoy, Jack Chambers, Frances Taylor, Johnny Mathis, René Urtreger, Joshua Redman, John Coltrane, James Mtume, Lenny White, Vincent Wilburn Jr., Archie Shepp, Stanley Crouch, Gil Evans, Cheryl Davis, Ron Carter, Sly and the Family Stone, Clive Davis, Betty Davis, Marguerite Cantú, Mark Rothbaum, Erin Davis, Mike Stern, Mikel Elam, Jo Gelbard, Prince, Wallace Roney

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Miles Davis: Birth of the Cool“

Metacritic über „Miles Davis: Birth of the Cool“

Rotten Tomatoes über „Miles Davis: Birth of the Cool“

Wikipedia über Miles Davis (deutsch, englisch)

Homepage von Miles Davis

AllMusic über Miles Davis


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2019

3sat, 05.00

Pop around the Clock

Um 5.00 Uhr geht es los mit einer bunten Mischung aus aktuellen und etwas älteren Konzerten von bekannten und sehr bekannten Musikern und Bands. Deshalb sind die „Rolling Stones“ wie jedes (?) Jahr dabei. Dieses Mal, um 15.45 Uhr, mit dem „Bridges to Bremen“-Konzert von 1998.

Außerdem gibt es Konzerte von John Fogerty (um 06.45 Uhr), The Who (um 08.30 Uhr), Beth Hart (um 09.30 Uhr), Metallica (dieses Mal S & M von 1999, um 12.30 Uhr), Paul Simon (1991 ohne Art im Central Park, um 14.30 Uhr), Elvis Presley (der ist eher selten dabei; dieses Mal mit Aloha from Hawaii, aufgenommen 1973, um 18.00 Uhr), direkt danach ein brandneues Elvis-All-Star-Tribute (um 19.00 Uhr), Sting (um 20.15 Uhr), Coldplay (um 22.15), U2 (eXPERIENCE Live – Berlin [!] 2018, um 00.20) und Little Steven and the Disciples of Soul (um 04.15 Uhr).

Das vollständige Programm gibt es hier.


Weihnachtsmusik?

Dezember 24, 2019

Los Lobos – viel Spaß!


Neu im Kino/Filmkritik: „Aretha Franklin: Amazing Grace“ – just amazing

November 28, 2019

Am 13. und 14. Januar 1972 gab Aretha Franklin in der Missionary Baptist Church in Watts, Los Angeles, zwei Konzerte, die aufgezeichnet wurden. Die aus den an den Abenden gesungenen Liedern zusammengestellte Doppel-LP „Amazing Grace“ wurde kurz danach veröffentlicht und sie verkaufte sich wie geschnitten Brot. Bis heute ist sie das meistverkaufte Live-Gospelalbum aller Zeiten und Aretha Franklins erfolgreichstes Album. Der ebenfalls geplante Film verschwand dagegen in den Archiven.

Spielfilmregisseur Sydney Pollack, der als Fan von Aretha Franklin unbedingt den Film machen wollte und der keine Erfahrung mit Dokumentar- und Konzertfilmen hatte, hatte Bild und Ton unabhängig voneinander aufgenommen. Weil es keine Markierungen gab, die Bild und Ton eindeutig zuordneten, war es nachträglich fast unmöglich die einzelnen Bilder bestimmten Tönen zuzuordnen. 2007 wurde, auf Pollacks Drängen, ein neuer Versuch unternommen, aus dem Material eine Film herzustellen. Der mit Pollack befreundete Produzent Alan Elliott übernahm die Verantwortung. Pollack starb am 26. Mai 2008. Mit neuen digitalen Techniken gelang die Synchronisation von Bild und Ton. 2011 sollte der Film öffentlich aufgeführt werden.

Aber in dem Moment und den folgenden Jahren verweigerte Aretha Franklin aus nie restlos geklärten Gründen diese Veröffentlichung. Franklin starb am 16. August 2018. Ihre Familie stimmte jetzt einer Veröffentlichung des Konzertfilms zu.

Und das Warten hat sich, auch wenn man die Musik bereits kennt, gelohnt.

Denn „Aretha Franklin: Amazing Grace“ ist eine Zeitkapsel, die einen Blick in eine Zeit eröffnet, als Zuschauer und Konzertbesucher noch einen ganz anderen Umgang mit Kameras hatten. Und ein richtiger Konzertfilm ist er auch nicht. Es handelt sich um eine Mischung aus öffentlichen Proben und den Aufnahmen für eine LP vor Live-Publikum. Die Konzertbühne steht mitten im Kirchensaal und die Kirche sieht wie eine Lagerhalle aus, in die einige Bänke gestellt wurden. Ein Konzertbeleuchtung gibt es nicht. Dafür ist der gesamte Saal hell erleuchtet. Die wenigen Reihen der Kirche sind sogar erstaunlich spärlich besetzt. Und während des Konzert bricht Aretha Franklin immer wieder mitten im Lied ab, um danach noch einmal zu beginnen. Oder sie bespricht mit ihren Musikern, wie das nächste Lied gespielt werden soll.

Vor dem Konzert erklärt Reverend James Cleveland in seiner Kirche, dass die Konzerte aufgezeichnet würden, das Publikum trotzdem wie bei einem normalen Gospelgottesdienst mitsingen und -klatschen solle und sich dabei nicht von den Kameras stören lassen solle. Das funktioniert nur teilweise. Immer wieder blicken die Zuschauer irritiert in die Kameras und überlegen, wie sehr sie sich von der Musik mitreisen lassen sollen. Dass irgendwann Mick Jagger und Charlie Watts am Eingang stehen und ruhig zuhören, bemerken sie nicht.

Währenddessen sind Pollack und die Kameramänner, denen er mit seinen Händen Anweisungen gibt, immer wieder deutlich sichtbar im Bild. Teilweise laufen sie auch durch das Bild. Solche Bilder sind heute auch bei Konzertmitschnitten fast undenkbar.

Aretha Franklin (vocal, piano), ihre Band (Cornell Dupree [guitar], C.L. Franklin [vocals], Kenneth ‚Ken‘ Lupper [organ], Pancho Morales [congas, percussion], Bernard Purdie [drums], Chuck Rainey [bass]), Reverend James Cleveland (piano), der Southern California Community Choir (unter der Leitung von Alexander Hamilton) und einige Überraschungsgäste singen sattsam bekannte Gospelsongs wie „What a Friend we have in Jesus“, „How I got over“, „You’ve got a Friend“, „Mary don’t you weep“, „My sweet Lord“ und, selbstverständlich, „Amazing Grace“. Dabei sind nicht alle Lieder auf der Doppel-LP (inzwischen CD) und dem Film identisch. Außerdem unterscheidet sich die Abfolge der Lieder im Film von der Reihenfolge auf der Doppel-LP. Aber weil die Abende öffentliche Aufnahmen vor einem Live-Publikum waren, stört das nicht. Auch dass Aretha Franklins Garderobe manchmal innerhalb eines Liedes wechselt, stört nicht. Die Musik trägt mühelos darüber hinweg. Es sind Details, die die Authentizität des Gezeigten steigern und einen Blick in eine andere Zeit ermöglichen.

Aretha Franklin: Amazing Grace (Amazing Grace, USA 2018)

Regie: Alan Elliottt, Sydney Pollack

Drehbuch: Alan Elliott, Sydney Pollack

mit Aretha Franklin, James Cleveland, C. L. Franklin, Mick Jagger, Alexander Hamilton, Southern California Community Choir, Cornell Dupree, Kenneth Lupper, Pancho Morales, Bernard Purdie, Chuck Rainey, Clara Ward, Sydney Pollack, Charlie Watts

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Aretha Franklin: Amazing Grace“

Metacritic über „Aretha Franklin: Amazing Grace“

Rotten Tomatoes über „Aretha Franklin: Amazing Grace“

Wikipedia über „Aretha Franklin: Amazing Grace“ (deutsch, englisch) und Aretha Franklin (deutsch, englisch)

AllMusic über Aretha Franklin


Neu im Kino/Filmkritik: PJ Harvey ruft „A Dog called Money“

November 15, 2019

Zwischen 2012 und 2014 bereiste die Musikerin PJ Harvey den Kosovo, Afghanistan und Washington, DC.

2016 veröffentlichte sie ihre CD „The Hope Six Demolition Project“. Die Lieder waren von ihren Reisbeobachtungen inspiriert.

Und dieses Jahr veröffentlichte Seamus Murphy den Film „PJ Harvey – A Dog called Money“, das diese Reisen und die Aufnahmen für die CD nachzeichnet.

Allerdings nicht als Dokumentarfilm, sondern als filmisches Essay. Er zeigt, wie PJ Harvey durch die verschiedenen Kriegsgebiete geht, sich Notizen macht, sich manchmal mit Einheimischen unterhält und Musikinstrumente ausprobiert. Über diese Bilder legt er von PJ Harvey geschriebene und gesprochene Texte.

Später beobachtet er sie und ihre namenlos im Hintergrund agierende Band bei den Proben und Aufnahmen für die CD. Sie mieteten sich im Somerset House in London ein und errichteten für die Aufnahmen vom 14. Januar bis zum 14. Februar 2015 ein ‚Recording in Progress‘-Studio. Das Studio war ein abgeschlossener, durch Einwegspiegelglas einsehbarer Raum, in dem die Musiker die Songs für die CD erarbeiteten und einspielten. Fans konnten diese öffentlichen Proben beobachten.

Murphys Film springt dabei zwischen beiden Zeitebenen hin und her und immer steht die Musikerin im Mittelpunkt.

Entstanden ist eine PJ-Harvey-Collage für die Fans der Musikerin, die nicht genug von ihr bekommen können.

Wer allerdings mehr wissen möchte, wird mit der Personality-Show „PJ Harvey – A Dog called Money“ wenig anfangen können. Es gibt keine Interviews mit ihren Musikern oder mit ihr. Es gibt auch keine Gespräche mit den Einheimischen. Sie bleiben, auch wenn es von PJ Harvey so wohl nicht intendiert ist, die Staffage für die Inszenierung einer Musikerin, die fremde Länder besucht und aus diesen Ländern Dinge mitnimmt, die ihr gefallen und die sie in ihre Musik integriert. Allerdings so, dass sie ihrer Musik einfach eine neue Klangfarbe beifügen.

Seamus Murphy hat für PJ Harveys Alben „Let England Shake“ und „The Hope Six Demolition Project“ mehrere Kurzfilme inszeniert.

PJ Harvey – A Dog called Money (A Dog called Money, Irland/Großbritannien 2019)

Regie: Seamus Murphy

Drehbuch: Seamus Murphy

mit PJ Harvey (aka Polly Jean Harvey), John Parish, Terry Edwards, Kenrick Rowe, Enrico Gabrielli, Mike Smith, Alessandro Stefana, James Johnston, Alain Johannes, Adam ‚Cecil‘ Bartlett, Flood, Jean-Marc Butty, Mick Harvey, Linton Kwesi Johnson

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A Dog called Money“

Metacritic über „A Dog called Money“

Rotten Tomatoes über „A Dog called Money“

Wikipedia über PJ Harvey (deutsch, englisch)

Homepage von PJ Harvey

AllMusic über PJ Harvey


Neu im Kino/Filmkritik: „Marianne & Leonard: Words of Love“ von Leonard Cohen an Marianne Ihlen

November 8, 2019

So long, Marianne“ ist ein Songs von Leonard Cohens erster, Ende 1967 erschienener LP „Songs of Leonard Cohen“. Er ist, wie die ebenfalls auf der LP enthaltenen Songs „Suzanne“, „Sisters of Mercy“ und „Hey, that’s no way to say Goodbye“, einer seiner Klassiker.

In seinem neuen Dokumentarfilm „Marianne & Leonard: Words of Love“ zeigt Nick Broomfield die Geschichte hinter dem Lied. Zu seinen bisherigen Arbeiten gehören „Aileen: Life and Death of a Serial Killer“, „Battle for Haditha“ und „Whitney – Can I be me“.

Die von Cohen in seinem Lied angesprochene „Marianne“ ist die Norwegerin Marianne Ihlen. Cohen lernte sie 1960 auf der griechischen Insel Hydra kennen.

Damals lebte sie auf Hydra mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Axel Jensen, und ihrem gemeinsamen Sohn. Sie lernten sich kennen, verbrachten Zeit miteinander und verliebten sich. Sie war eine von Cohens zahlreichen Freundinnen und Musen, die ihn zu mehreren Liedern inspiriert. Das war nie ein Geheimnis. Auch wenn man die von Broomfield in seiner Dokumentation ausführlich geschilderten Liebes- und Beziehungshintergründe und das freizügige Leben der Ausländer in Griechenland zwischen freier Liebe, Drogen und Künstlertum nicht genau kannte.

Diese Beschreibung des Lebens der Bohemien-Künstlergemeinschaft auf der Insel, der Beziehung zwischen Marianne Ihlen und Leonard Cohen, Cohens ersten Schritten als Musiker und ihrer Trennung sind der stärkste Teil von Broomfields Doku.

In der zweiten Hälfte schildert er ihr weiteres Leben und ihre lebenslange Freundschaft bis zu ihrem Tod. Ihlen starb im Juni 2016, Cohen im November 2016. Bei Marianne Ihlen verlief das weitere Leben, abseits des Rampenlichts der Medien, recht ereignislos in ihrer Heimat in bürgerlichen Bahnen. Cohens Leben als Musiker, sein jahrelanger Rückzug als Buddhist ins Mount Baldy Zen Center und seine aufgrund finanzieller Probleme notwendige und sehr erfolgreiche Rückkehr in das Musikgeschäft mit mehreren CDs und umjubelten Tourneen verlief im Rampenlicht der Öffentlichkeit und würde sich problemlos für mindestens eine ausführliche Dokumentation eignen.

Aber wie Broomfield in der dieser zweiten Filmhälfte willkürlich Ereignisse aus Cohens Leben hervorhebt, ist absolut ärgerlich. Da fehlen dann ganze Jahre, Platten und wichtige Songs wie „First we take Manhattan“, während „Hallelujah“ über mehrere Minuten abgefeiert wird. Seine Zeit im Kloster wird mit einigen bizarr anmutenden Bildern von Rōshi Kyozan Joshu Sasaki und Cohen als seinem Diener illustriert. Diese Bilder aus fast fünfzig Jahren wirken, als habe Broomfield verzweifelt Material gesucht, um auf die richtige Länge zu kommen, und als habe er dafür einfach alles genommen, was gerade vorhanden war. Dieses Material ist im Rahmen der Schilderung einer Beziehung denkbar uninteressant.

Für Cohen-Fans ist „Marianne & Leonard: Words of Love“ natürlich sehenswert.

Marianne & Leonard: Words of Love (Marianne & Leonard: Words of Love, USA 2019)

Regie: Nick Broomfield

Drehbuch: Nick Broomfield

mit Nick Broomfield (Erzähler), Marianne Ihlen, Leonard Cohen

Länge: 97 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Metacritic über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Rotten Tomatoes über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Wikipedia über „Marianne & Leonard: Words of Love“

Meine Besprechung von Nick Broomfield/Rudi Dolezals „Whitney – Can I be me“ (Whitney: Can I be me, USA/Großbritannien 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Wer 4 sind“ über die HipHop-Band „Die Fantastischen Vier“

September 16, 2019

Muss man „Die Fantastischen Vier“ noch vorstellen? Seit dreißig Jahren machen die vier Jungs aus Stuttgart gemeinsam Musik. Mit „Die da!?!“ hatten sie 1992 ihren Durchbruch. Nach diesem kindischen Partyhit entwickelten die Hip-Hopper sich schnell weiter. Sie sind schon seit Ewigkeiten ein fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Außerdem besteht die Band, abgesehen von den Tourmusikern, immer noch aus den vier Gründungsmitgliedern.

In „Wer 4 sind“ dokumentiert Thomas Schwendemann die Arbeit von der Michi Beck, Thomas D, And.Ypsilon und Smudo an ihrer neuen Hip-Hop-CD „Captain Fantastic“ von den ersten improvisierten Gedankensammlungen für die neue CD bis zur Präsentation der CD vor Publikum.

Dazwischen gibt es Szenen aus dem Leben von Smudo, Thomas D, And.Ypsilon und Michi Beck, die alle sehr sympathisch und bodenständig rüberkommen, und einen kurzen Rückblick zu ihren Anfängen in Stuttgart.

Die unkritische und oberflächliche Doku ist eigentlich die perfekte Beigabe zur CD. Sie ist hundertfünfzigprozentiger Fanservice, der sich auch nur an die Fans richtet. Ein zufälliger Besucher erfährt nichts essentielles über die Band, ihre Geschichte und ihre Position im deutschen Hip-Hop. Ihre Musik wird immer nur so kurz angespielt, dass jemand, der die Band nicht kennt, nach dem Abspann ahnt, dass sie Hip-Hop spielen könnten. Aber ob ihm die Musik gefallen könnte, weiß er nicht.

Fans der Band werden das selbstverständlich ganz anders sehen.

Wer 4 sind (Deutschland 2019)

Regie: Thomas Schwendemann

Drehbuch: Thomas Schwendemann

mit Michi Beck, Thomas D, And.Ypsilon, Smudo, Clueso, Samy Deluxe, Afrob, Curse, Damion Davis, DJ Thomilla

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

alternative Schreibweise: „Wer Vier sind“

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Wer 4 sind“

Moviepilot über „Wer 4 sind“

Wikipedia über „Die fantastischen Vier

Homepage der Band


Schöne Musik: Steve Coleman & Five Elements

September 4, 2019

Am 23. Juli 2016 spielte Steve Coleman mit seiner Band „5 Elements“ auf der Heineken Jazzaldia in Donostia, Spanien.

Die Band: Steve Coleman (alto sax), Jonathan Finlayson (trumpet), Miles Okazaki (guitar), Anthony Tidd (electric bass), Sean Rickman (drums); Gastmusiker: Ravi Coltrane (tenor sax)


Neu im Kino/Filmkritik: „Carmine Street Guitars“, wo die Musik spielt

August 29, 2019

Carmine Street Guitars ist ein Geschäft in der Carmine Street 42 in Greenwich Village, New York. In dem Ladenlokal fertigt Rick Kelly seit 1990 seine E-Gitarren. Gitarren baut er seit den späten siebziger Jahren und zu seinen Kunden gehören einige sehr bekannte Gitarristen, wie Lou Reed.

Eines Tages erzählte Jim Jarmusch Ron Mann von Rick Kelly und seinem Geschäft. Mann entschloss sich, einen Film über Kelly, seine Auszubildende Cindy Hulej, ihre Arbeit und ihre Kunden zu drehen.

Dafür wählte er in seinem Dokumentarfilm „Carmine Street Guitars“ die ebenso einfache wie tragfähige Struktur einer Arbeitswoche, in der Rick Kelly täglich seinen Laden öffnet und schließt. Seine Mutter Dorothy Kelly putzt den Laden und erledigt Bürotätigkeiten. Rick Kelly und Cindy Hulej bauen in der Werkstatt Gitarren und im Laden reden sie mit ihren Kunden. Diese Gespräche mit Christine Bougie (Bahamas), Nels Cline (Wilco, aber auch ein erfolgreicher Jazz-Gitarrist), Kirk Douglas (The Roots), Eleanor Friedberger, Bill Frisell, Dallas Good (The Sadies), Travis Good (The Sadies), Dave Hill, Jaime Hince (The Kills), Stewart Hurwood, Lenny Kaye (Patti Smith Band), Marc Ribot (u. a. Tom Waits), Charlie Sexton (Bob Dylan Band) und Regisseur Jim Jarmusch (Sqürl) laufen immer gleich ab. Der Musiker, – meistens ein weißer, etwas älterer Mann -, erzählt etwas über sich, Kelly erzählt etwas über seine Arbeit, manchmal fachsimpeln sie etwas und der Musiker probiert die Gitarre aus indem er einen Song spielt.

Diese Struktur ähnelt Wayne Wang und Paul Austers prominent besetzter, inzwischen auch schon über zwanzig Jahre alter Impro-Komödie „Blue in the Face“. Dort trafen sich in einem fiktiven Tabakladen in Brooklyn unter anderem Jim Jarmusch, Lou Reed, Michael J. Fox, Lily Tomlin und Madonna zu einem Plausch.

In „Carmine Street Guitars“ funktioniert diese Idee ebenfalls ausgezeichnet. Auch wenn Kellys Gespräche mit seinen Kunden mit der Zeit etwas redundant werden. Es ist einfach nur der nächste bekannte Gitarrist, der das urgemütliche Geschäft betritt und über Kellys Gitarren schwärmt. Deren Korpus und Hals ist aus dem Holz alter New-Yorker-Gebäude, die meistens abgerissen wurden. Und so erzählt jede dieser Gitarren auch etwas über die Millionenstadt und ihre Veränderungen.

Carmine Street Guitars“ ist vor allem ein Film für Gitarrenfans, die gute Musik zu schätzen wissen.

Carmine Street Guitars (Carmine Street Guitars, Kanada 2018)

Regie: Ron Mann

Drehbuch: Len Blum

mit Rick Kelly, Cindy Hulej, Dorothy Kelly, Eszter Balint, Christine Bougie, Nels Cline, Kirk Douglas, Eleanor Friedberger, Bill Frisell, Dallas Good, Travis Good, Dave Hill, Jaime Hince, Stewart Hurwood, Jim Jarmusch, Lenny Kaye, Marc Ribot, Charlie Sexton

Länge: 80 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Carmine Street Guitars“

Metacritic über „Carmine Street Guitars“

Rotten Tomatoes über „Carmine Street Guitars“

Wikipedia über „Carmine Street Guitars“

Meine Besprechung von Ron Manns Doku „Altman“ (Altman, Kanada 2014)

Homepage von Carmine Street Guitars (wer nach dem Film eine neue Gitarre kaufen will)

Und ein Q&A mit Ron Mann, Rick Kelly, Cindy Hulej und Musiker G. E. Smith


Jens Balzer im Geflecht von „Pop und Populismus“

August 26, 2019

Popmusik ist ohne Provokationen nicht denkbar. Und wenn es nur ein Hüftschwung im Fernsehen ist. Gleichzeitig drückt Popmusik kollektive Gefühle aus. Seit Jahrzehnten gab es sogar eine tiefe Verbindung zwischen Subkulturen, normalerweise Jugendkulturen, Musik und politischen Ansichten und Botschaften. Zum Pop wurde die Musik, wenn sie über die enge subkulturelle Szene hinaus erfolgreich war, viele Käufer (was regelmäßig zu Ausverkauf-Rufen führt) und Nachahmer fand. Denn Pop definiert sich, wenn es um kulturelle Relevanz geht, nicht unbedingt aus den ersten Plätzen der Hitparade (vor allem nicht der deutschen Hitparade). Trotzdem beschäftigt Musikjournalist Jens Balzer sich in seinem neuen Buch „Pop und Populismus – Über Verantwortung in der Musik“ viel mit kommerziell erfolgreichen Künstlern, ihren Texten und den Umgang der Gesellschaft mit den in den Texten mehr oder weniger deutlich vorhandenen Botschaften. Im Zentrum stehen dabei deutschsprachige Musiker.

Folgerichtig beginnt das schmale, aber inhaltsreiche Buch mit der Echo-Preisverleihung 2018 an die Rapper Kollegah und Farid Bang, die den Preis für das beste deutsche HipHop-Album erhalten sollten. Die Qualität des Albums bestand in der Höhe seiner Verkaufszahlen. Zum Skandal wurde die Preisverleihung, weil Musiker und Journalisten sich gegen die Verleihung des Preises des Bundesverband der deutschen Musikindustrie an Musiker aussprachen, deren Texte sexistisch und gewaltverherrlichend sind und die Opfer der Shoah verhöhnen.

Diese Preisverleihung und die darauf folgende Einstellung des Echo-Preises (der schon immer wegen seiner Missachtung jeglicher künstlerischer Kriterien ein sinnfreier Preis für verkaufte Platten war) ist für Balzer der Startpunkt für eine Reise durch rechte und reaktionäre Musik, die von einem breiteren Publikum gehört wird. Es geht um den Zusammenhang zwischen rechtem, populistischen Denken und der Popkultur, die, wie gesagt, hier vor allem Popmusik ist. Neben den schon genannten Kollegah und Farid Bang, beschäftigt Balzer sich mit Bushido, Frei.Wild und ‚Volks-Rock’n’Roller‘ Andreas Gabalier.

Dabei fällt immer wieder auf, dass diese Musiker zwar mit rechten Zeichen, Symbolen und Weltbildern spielen, frauenfeindliche und reaktionäre Botschaften haben, sie sich aber nicht zur Identitären Bewegung und den Neuen Rechten bekennen. Stattdessen behaupten sie in höchstens halbherzigen Distanzierungen, dass sie missverstanden würden.

Pop, der den Ansprüchen der Neuen Rechten und den Identitären genügt, wäre nach ihren Forderungen „männlich, weiß und möglichst frei von allen Arten der Hybridität und der kulturellen Vermischung“. Diesem Anspruch genügt dann ein Soldatenlied aus den 20ern, der „Jägermarsch“, die „Sternpolka“ und das „lebendige Brauchtum“ (echt jetzt?) des Volkstanzes. Manchmal werden, ohne tiefergehende Kenntnis der Stile, der Black Metal der Neunziger, der Hardcore der Straight-Edge-Bewegung und der Punkrock der siebziger Jahre genannt. Manchmal nennen rechte Vor-/Denker wie Richard Spencer auch Bands wie Depeche Mode, die sich prompt gegen diese Vereinnahmung wehren.

Der Erfolg rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien bei Wahlen hat, wie Balzer feststellt, keine Entsprechung in der Popkultur. Die Rechtsextremen haben keine eigene Musik und sind damit auch nicht popkulturell wirkmächtig.

Der Grund dafür ist ziemlich banal. Wie Balzer ausführt, ist Popmusik von ihrem Wesen her immer grenzüberschreitend. Sie verbindet Dinge, sie empfindet das Fremde und Unbekannte als Bereicherung, sie überschreitet in jeder Beziehung Grenzen, sie richtet sich gegen die herrschenden Verhältnisse (gut, das würde rechte Popmusik auch tun) und sie entwirft ein Bild einer anderen, einer utopischen Gesellschaft.

Balzer konzentriert sich in „Pop und Populismus“, bis auf ein in diesem Zusammenhang leicht deplatziert wirkendes Kapitel über den US-HipHop, auf Deutschland und die Diskussionen der letzten Jahre. Er verliert auch einige Worte über die Kritik von Links an der Popmusik, die vor allem ein moralischer Rigorismus ist. Da wird dann, zum Beispiel, darauf gepocht, dass weiße Musiker sich nicht fremder Kulturen und Sounds bedienen sollen. Mit dem alten linken emanzipatorischem Denken hat das nichts zu tun. Und es sind auch etwas merkwürdige Vorwürfe. Denn jedes Reinheitsgebot verführt zu einer Verflachung von Popmusik.

Pop und Populismus“ ist keine groß angelegte historische Studie, wie sein fast zeitgleich erschienene Epos „Das entfesselte Jahrzehnt – Sound und Geist der 70er“. Er verzichtet auch darauf, seine Beobachtungen sprachgewaltig in große theoretische Gedankengebäude zu integrieren. Das tun eher Diedrich Diedrichsen und der Filmkritiker Georg Seeßlen. Er bietet nur einen Überblick über popkulturelle Diskussionen der letzten Jahre an und fragt nach der Verantwortung in der Musik.

Lesenswert; auch für Menschen, die sich nicht für Musik interessieren.

Jens Balzer: Pop und Populismus – Über Verantwortung in der Musik

Edition Körber, 2019

208 Seiten

17 Euro

Hinweise

Edition Körber über „Pop und Populismus“

Perlentaucher über „Pop und Populismus“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Wenn Fliegen träumen“, die andere deutsche Komödie

Juni 26, 2019

Bei dem Anfang wettet niemand auf das Überleben von Naja (Thelma Buabeng). Auf einer für Berliner gut erkennbaren verschneiten Brücke unterhält sie sich mit dem Tod über ihre Beerdigung.

Allerdings könnte es auch ein Traum sein und die ganze Geschichte endet doch gut für Naja.

Bis man das erfährt, nimmt uns Schauspielerin Katharina Wackernagel in ihrer ersten Spielfilmregie, auf eine ziemlich abgedrehte Reise nach Norwegen. 1999 inszenierte sie nach einem Buch von ihrem Bruder Jonas Grosch den Kurzfilm „Think Positive!“. Das Drehbuch für ihr Spielfilmdebüt schrieb ebenfalls Grosch. In den Kinofilmen „Résiste! Aufstand der Praktikanten“, „Die letzte Lüge“ und „bestefreunde“ arbeiteten sie ebenfalls zusammen. Grosch schrieb für die Filme immer das Buch und inszenierte. Wackernagel stand vor der Kamera.

Ihr Roadmovie „Wenn Fliegen träumen“ beginnt mit dem Tod von Najas Vater, zu dem sie keinen Kontakt mehr hatte. Auch nicht zu ihrer suizidgefährdeten Halbschwester Hannah (Nina Weniger). Aber das Erbe muss nun schwesterlich geteilt werden. Es besteht aus einem schrottreifen Feuerwehrauto und einem Haus in Norwegen, über dessen Zustand sie nichts wissen. Kurzentschlossen machen die beiden gegensätzlichen Schwestern sich auf den Weg. Weil Maja eine einsame Psychotherapeutin ist, wird sie von ihrer Therapiegruppe verfolgt. Schließlich können die Mitglieder der Therapiegruppe ohne ihre Therapeutin ihre Therapie nicht fortsetzen. Zur Gruppe gehört auch ein deutscher Autorenfilmer, der in jeder Situation schon Ideen für künstlerisch wertvolle deutsche Filme entwickelt.

Wenn Fliegen träumen“ von Katharina Wackernagel und ihrem Bruder Jonas Grosch ist ein richtiger Independent Film, der sich wenig um Konventionen und Zuschauererwartungen kümmert. Wie es sich für ein Roadmovie gehört, werden locker Reiseerlebnisse aneinandergereiht. Hannah und Naja kommen sich auf der Fahrt näher. Mit Carlos (Johannes Klaussner) haben sie einen jesushaften Reisebegleiter. Und ihre Verfolger finden wundersamerweise in der weiten skandinavischen Landschaft immer wieder die richtigen Spuren. Bei der Interpretation hilft dann der Autorenfilmer.

Sie alle sind eine in jeder Beziehung wundervoll dysfunktionale Familie, die gerade deshalb gut zusammenpasst. Diese schrägen Figuren mit ihrem vielen Komplexen, Eigenheiten und Schrullen torpedieren zuverlässig, allein schon durch ihre Anwesenheit, jeden Ansatz einer auch nur halbwegs stringenten Geschichte.

Wackernagel drehte die wundervolle Offbeat-Komödie mit einem Mini-Budget, viel Enthusiasmus und einem schrägen Humor. Auf Fördergelder und eine TV-Beteiligung verzichteten sie, Grosch und seine Filmproduktionsfirma Résistefilm. Wobei sicher eine Beteiligung von Arte oder dem Kleinen Fernsehspiel drin gewesen wäre. Aber in der Zeit, in der sie auf die zustimmenden Bescheide hätten warten müssen, drehten sie lieber den Film.

Wenn Fliegen träumen (Deutschland 2018)

Regie: Katharina Wackernagel

Drehbuch: Jonas Grosch

mit Thelma Buabeng, Nina Weniger, Niels Bormann, Johannes Klaussner, Katharina Wackernagel, Zoltan Paul, Tina Amon Amonsen, Robert Glazeder, Sebastian Schwarz, Helmut Mooshammer, Sabine Wackernagel, Robert Beyer, Iver Kjekshus, Marie Burchard

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Der Soundtrack

Bratzgitarren, ordentlich abgehangener Rock und eine mehr als satte Portion Balkan-Folklore dröhnt aus den Boxen. Das macht Spaß, auch wenn man für diesen Soundtrack den Plattenspieler entstauben muss. Oder kaufen muss. Denn der Soundtrack erscheint nur als LP.

Enthalten sind Songs von Bukahara, Ali Gator & His Real Hot Reptile Rockers, Jochen Wenz, Ivana Rushaidat & Rakete, Slowdog und Ray Collins‘ Hot-Club.

Wenn Fliegen träumen (Soundtrack)

off label records/Timezone

Hinweise

Filmportal über „Wenn Fliegen träumen“

Moviepilot über „Wenn Fliegen träumen“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Rocketman“ Elton John singt und singt und tanzt

Mai 31, 2019

Um meine Besprechung von Dexter Fletchers Elton-John-Biopic „Rocketman“ in die richtige Perspektive zu rücken, sind zwei Vorbemerkungen sinnvoll: Musicals sind nicht mein Lieblingsgenre (okay, das dürftet ihr wissen) und Elton John gehört nicht zu meinen Lieblingsmusikern. Abhängig von den posthumen Veröffentlichungen, Deluxe-Ausgaben und Live-Mitschnitten steht stattdessen das Gesamtwerk von den Doors, Jimi Hendrix und David Bowie bei mir rum. Neben vielen anderen Bands und Musikern, die in diesem Zusammenhang unwichtig sind. Denn es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Jimi Hendrix und Elton John. Ersterer war zu Lebzeiten wichtig für die Gegenkultur, letzterer war und ist ein Popmusiker. Ein begnadeter Popmusiker, der zusammen mit Bernie Taupin, etliche Hits schrieb, die inzwischen zu Klassikern wurden, und der seit Jahrzehnten kommerziell unglaublich erfolgreich ist. Daher irrlichtert Elton John in „Rocketman“, um sich selbst kreisend, durch die Jahrzehnte.

Regisseur Dexter Fletcher und Drehbuchautor Lee Hall („Billy Elliot – I will dance“, „Gefährten“) erzählen in dem sich zahlreiche Freiheiten nehmendem Biopic von der Kindheit, Jugend, den Anfangsjahren über Elton Johns große kommerziellen Erfolge bis in die späten achtziger Jahre. Weil Elton John als Megastar in seiner eigenen Sphäre lebte und weil Fletcher immer wieder zwischen den Zeitebenen hin und her springt, verschwimmen die Jahre ab Elton Johns erster eigenen LP – „Empty Sky“ (1969) – bis 1990, als er einen letztendlich erfolgreichen Drogenentzug beginnt, zu einem einzigen Rausch.

Der erzählerische Rahmen ist dabei eine Therapiesitzung, die der 1947 als Reginald Kenneth Dwight geborene Elton John besucht, auf der er sich zu seinen verschiedenen Süchten, – Drogen, Alkohol, Sex und was es sonst noch so gibt – bekennt und von seinem Leben erzählt. Dieser Rahmen ermöglicht es, innerhalb von zwei Stunden alles Mögliche anzusprechen. Elton Johns gute Beziehung zu seiner Mutter und Großmutter, seine unerwiderte Liebe zu seinem Vater, seine Beziehung zu Bernie Taupin, seine Liebesbeziehungen (und, Sensation!, wir sehen erstmals in einem Mainstreamfilm eine gleichgeschlechtliche Liebesszene) und seine verschiedenen Drogenabhängigkeiten. Dazu gibt es ein Greatest Hits,wobei die Songs von Elton-John-Darsteller Taron Egerton neu eingesungen wurden. Sie wurden auch neu arrangiert von Giles Martin. Damit entfallen die wohlfeilen Vergleiche zwischen Original und Filmversion.

Die Songs hat Fletcher als Musical-Nummern inszeniert, in denen Elton John dann nicht nur am Esstisch beginnt zu singen, sondern, beispielsweise bei „Saturday Night’s Alright for Fighting“, die Konzertbühne verlässt, um durch die halbe Stadt und das aufregende Nachtleben zu tanzen und singen und am Ende, deutlich gealtert, wieder auf die Konzertbühne zurückzukehren. Diese und auch die anderen Songs können mühelos als Musik-Videos veröffentlicht werden. Wenn es heute noch richtig aufwändig produzierte Musik-Videos gäbe.

Mit Taron Egerton als Elton John hatte ich durchgehend ein Problem. Für mich ist er, obwohl ich keine Ahnung habe, wie Elton John privat ist und wie er sich in den siebziger Jahren verhielt, nicht Elton John, sondern Eggsy aus den beiden „Kingsman“-Filmen

In „Eddie, the Eagle“, der ebenfalls von Fletcher inszeniert wurde, hatte ich dieses Problem nicht.

Für Elton-John-Fans ist „Rocketman“ definitiv einen Blick wert. Weil Elton John und sein Mann David Furnish das Projekt initiierten und zu den Produzenten des Films gehören, ist das Musical natürlich nicht im Ansatz kritisch. Dieses Schicksal teilt er mit „Bohemian Rhapsody“ über Freddie Mercury und Queen. Und wie „Bohemian Rhapsody“ kümmert „Rocketman“ sich nicht sonderlich um die Chronologie. Die Songs werden so in den Film eingefügt, wie es gerade zur Filmgeschichte passt. Aber hier stört das nicht sonderlich. Denn „Rocketman“ ist ein Musical, das auch und vor allem in den Songs immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und herspringt. Es orientiert sich locker an den biographischen Stationen. Thematisch wird einfach alles angesprochen, was die Macher an Elton Johns Leben interessierte. Daraus ergibt sich keine kohärente Geschichte, sondern ein Potpourri der größten Hits.

Wenn man „Bohemian Rhapsody“ (Fletcher übernahm von Bryan Singer die Regie) und „Rocketman“ vergleichen will, muss man sagen: musikalisch ist „Bohemian Rhapsody“ der mitreisendere Film. Das liegt vor allem an den „Queen“-Stadionrockhymnen, die auch nach dem zehnten Bier noch mitgesungen werden können. Filmisch ist „Rocketman“ in jeder Beziehung der interessantere und auch gewagtere Film.

Rocketman (Rocketman, USA 2019)

Regie: Dexter Fletcher

Drehbuch: Lee Hall

mit Taron Egerton, Jamie Bell, Richard Madden, Bryce Dallas Howard, Gemma Jones, Steven Mackintosh

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Rocketman“

Metacritic über „Rocketman“

Rotten Tomatoes über „Rocketman“

Wikipedia über „Rocketman“ (deutsch, englisch) und Elton John (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dexter Fletchers „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“ (Eddie the Eagle, Großbritannien/USA/Deutschland 2016)

Homepage von Elton John

AllMusic über Elton John

Die Cannes-Pressekonferenz


TV-Tipp für den 1. Mai: Pop around the Clock

April 30, 2019

3sat, 05.50

Pop around the Clock

24 Stunden Pop- und Rockmusik, meistens von gut abgehangenen Stars, oft mit neuen Konzerten. Neuentdeckungen gibt es nicht, aber gute Musik. Obwohl ich mir so einen Tag mal mit unbekannteren Bands und Musikern und mit Newcomern wünsche. Gerne auch mal einen Tag mit Jazz oder ‚Neuer Musik‘ oder mit Avantgardemusik (okay, das wird es, egal was man gerade unter Avantgarde versteht, nie geben).

Heute macht um 05.50 Uhr Yello (in Berlin 2016) den Auftakt. Danach gibt es, unter anderem, um 13.50 Uhr Bruce Springsteen (1980), um 15.20 Uhr Queen (1981) und um 19.15 Uhr Bryan Adams (unplugged, 2010) als Auftakt zum Abendprogramm. Das wird bestritten, um 20.15 Uhr, von Coldplay (2017), um 21.45 Uhr von Adele (2015) und um 22.30 Uhr von Herbert Grönemeyer (2018). Für die Nachtarbeiter von der Schwermetallfraktion gibt es um 00.45 Uhr Rammstein (der Konzertfilm „Rammstein: Paris“) und um 02.20 Uhr Metallica (2009). Wie sich das mit dem Ruhebedürfnis der Nachbarn verträgt…

Das gesamte Programm und den Quasi-Livestream gibt es hier.


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