Harrison Ford wird Siebzig!

Juli 13, 2012

Er war Han Solo.

Er war Indiana Jones.

Er war auch Jack Ryan.

Er war „Auf der Flucht“.

Und letztes Jahr bewies er, dass er auch als tyrannischer Rinderbaron im Wilden Westen Aliens besiegen kann.

Dabei hätte bei seinen ersten Filmen, niemand gedacht, dass er später ein Weltstar mit einer beeindruckenden Zahl von Blockbustern und Klassikern werden würde.

Sein erster Filmauftritt war in „Immer wenn er Dollars roch“ (Dead heat on a Merry-go-round, USA 1966), einer ziemlich vergessenen Gangsterkomödie von Bernard Girard mit James Coburn in der Hauptrolle. Ford spielt einen Hotelpagen und ist nur einige Sekunden zu sehen. In den nächsten Jahren kam seine Filmkarriere nicht richtig voran. Dafür arbeitete immer mehr als Zimmermann.

Erst 1973 in „American Graffiti“ von George Lucas wurde er bekannter. 1977 kam „Krieg der Sterne“ (Star Wars), wieder von George Lucas inszeniert, in die Kinos und der Rest ist Geschichte. Filmfans dürfen seine kurzen Auftritte in den Francis-Ford-Coppola-Klassikern „Der Dialog“ (The Conversation, USA 1974) und „Apocalpyse Now“ (USA 1979) genießen. Auch der Science-Ficton-Thriller „Blade Runner“ (USA 1982), von Ridley Scott, wurde zu einem Klassiker.

Damals war er als Han Solo in den „Krieg der Sterne“-Fortsetzungen „Das Imperium schlägt zurück“ (The Empire strikes back, USA 1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (Return of the Jedi, USA 1983) und als Indiana Jones in „Jäger des verlorenen Schatzes“ (Raiders of the Lost Ark, USA 1981), „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (Indiana Jones and the Temple of Doom, USA 1984) und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (Indiana Jones and the Last Crusade, USA 1989) der Liebling des Kinopublikums. Für die Indiana-Jones-Filme hatten sich die damaligen Hollywood-Wunderknaben George Lucas und Steven Spielberg zusammengetan. 2008 folgte mit „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) eine rundum enttäuschende weitere Zusammenarbeit des Teams Lucas/Spielberg. Aber weil die Kasse stimmte, ist derzeit ein fünfter „Indiana Jones“-Film im Gespräch.

Aber Harrison Ford ruhte sich auf seinem Blockbuster-Ruhm nicht aus, sondern er spielte auch in anspruchsvollen Filmen mit und er hatte dabei ein glückliches Händchen. Mit Peter Weir drehte er den Thriller „Der einzige Zeuge“ (Witness, USA 1985) und das Selbstfindungsdrama „Mosquito Coast“ (The Mosquito Coast, USA 1986), mit Roman Polanski in Paris die Hitchcock-Pastiche „Frantic“ (USA 1988). Mit Phillip Noyce drehte er die beiden Tom-Clancy-Verfilmungen „Die Stunde der Patrioten“ (Patriot Games, USA 1992) und „Das Kartell“ (Clear and Present Danger, USA 1994). Und Andrew Davis‘ Kinoneuauflage der erfolgreichen TV-Serie „Auf der Flucht“ (The Fugitive, USA 1993) war ein Erfolg.

Mit dem Thriller „Air Force One“ (USA 1997) erledigte er, unter der Regie von Wolfgang Petersen, als US-Präsident eigenhändig eine Bande von Terroristen, die seine Präsidentenmaschine entführten.

In den letzten Jahren wurde es dann ruhiger mit Filmen wie Kathryn Bigelows U-Boot-Drama „K-19 – Showdown in der Tiefe“ (K-19: The Widowmaker, USA 2001), Ron Sheltons Cop-Komödie „Hollywood Cops“ (Hollywood Homicide, USA 2003) und Richard Loncraines okayen Geiselnahme-Thriller „Firewall“ (USA 2006).

Letztes Jahr war er mit der RomCom „Morning Glory“ (USA 2010) als stinkstiefeliger Journalist (wobei Harrison Ford und Komödien nie richtig funktionierten) und in Jon Favreaus kurzweiligen Crossover aus Science-Fiction und Western, „Cowboys & Aliens“ (USA 2011) in den Kinos.

Demnächst stehen die Orson-Scott-Card-Science-Ficton-Romanverfilmung „Ender’s Game“ (Regie: Gavin Hood), das Sportler-Biopic „42“ von Brian Helgeland („L. A. Confidential“, „Mystic River“ und „Die Entführung der Pelham 1 2 3“) und der Thriller „Paranoia“, nach einem Roman von Joseph Finder und inszeniert von „21“-Regisseur Robert Luketic auf seinem Terminkalender. Das klingt doch vielversprechend.

 

Bis dahin:

 

Herzlichen Glückwunsch, Harrison Ford!

 

 

 


Happy Birthday, Sean Connery!

August 25, 2010

Den großen Durchbruch hatte der am 25. August 1930 in ärmlichen Verhältnissen in Edinburgh geborene Sean Connery nach einigen unbedeutenden Nebenrollen als James Bond in „007 jagt Dr. No“ (1962). Bereits während seiner Bond-Jahre probierte er, allerdings mäßig erfolgreich, andere Rollen aus und arbeitete mit bekannten Regisseuren, wie Alfred Hitchcock („Marnie“, 1964), Sidney Lumet („Ein Haufen toller Hunde“, 1965, „Der Anderson-Clan“, 1971, „Sein Leben in meiner Gewalt“, 1972, „Mord im Orient-Express“, 1974, „Family Business“, 1990), Edward Dmytryk („Shalako“, 1968) und Martin Ritt („Verflucht bis zum jüngsten Tag“, 1969) zusammen. Auch danach versuchte er immer wieder, mit wechselndem Erfolg, sein Repertoire zu erweitern. Dazu gehören vor allem John Boormans Science-Fiction-Film „Zardoz“ (1974), John Milius‘ Abenteuerfilm „Der Wind und der Löwe“ (1975), John Hustons Rudyard-Kipling-Verfilmung „Der Mann, der König sein wollte“ (1975), Richard Lesters Robin-Hood-Abgesang „Robin und Marian“ (1976) und sein Politthriller „Explosion in Cuba“ (1979), Michael Crichtons Gangsterfilm „Der erste große Eisenbahnraub“ (1978), Peter Hyams High-Noon-im-Weltraum-Thriller „Outland – Planet der Verdammten“ (Einer der ersten Connery-Filme, die ich im Kino sah. Denn damals gab es in meinem Provinzkino auch eine Wiederholung der Connery-Bond-Filme.), Terry Gilliams Fantasyfilm „Time Bandits“ (hier hatte Connery nur eine Nebenrolle), Richard Brooks prophetische Satire „Flammen am Horizont“ (1982) und Fred Zinnemanns in den Bergen spielendes Eifersuchtsdrama „Am Rande des Abgrunds“ (1982; es war Zinnemanns letzter Film). Dann spielte er für viel Geld noch einmal James Bond: „Sag niemals nie“ (1983).

In Russel Mulcahys „Highlander – Es kann nur einen geben“ (1985) spielte er erstmals die Rolle des väterlichen Freundes und Vorbildes für einen jüngeren Charakter. In Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“ (1986) hatte er dann damit einen überwältigenden Erfolg und seine zweite Karriere als Schauspieler, in der er nicht mehr nur an James Bond gemessen wurde, begann. Brian De Palmas Prohibitions-Krimi „The Untouchables – Die Unbestechlichen“ (1986, wofür er einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt), Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989), John McTiernans Tom-Clancy-Verfilmung „Jagd auf Roter Oktober“ (1990), Fred Schepisis John-Le-Carré-Verfilmung „Das Russland-Haus“ (1990), ein Kurzauftritt in Kevin Reynolds „Robin Hood – König der Diebe“ (1991, Heute kann sich wahrscheinlich niemand mehr vorstellen, welche Wirkung Connerys Cameo am Filmende hatte.), Philip Kaufmans Michael-Crichton-Verfilmung „Die Wiege der Sonne“ (1993), Bruce Beresfords dank Sean Connery halbwegs sehenswerter Satire „A Good Man in Africa“ (1994), Arne Glimchers okaye John-Katzenbach-Verfilmung „Im Sumpf des Verbrechens“ (1995), Michael Bays „The Rock – Fels der Entscheidung“ (1996, laut, lauter, am lautesten, Jerry Bruckheimer), Jeremiah Chechiks Desaster „Mit Schirm, Charme und Melone“ (1998), Willard Carrolls hochkarätig besetzter Ensemblefilm „Leben und Lieben in L. A.“ (1998), Jon Amiels Caper „Verlockende Falle“ (1999, gleichzeitig eine Abkehr von seinen Väter-Rollen), Gus van Sants „Forrester – Gefunden“ (2000) und, sein bislang letzter Film, Stephen Norringtons desaströse Alan-Moore-Verfilmung „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003).

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Mr. Connery!

Hinweise

Homepage von Sean Connery

Wikipedia über Sean Connery (deutsch, englisch)

Sean Connery in der Kriminalakte


Happy Birthday, Clint Eastwood

Mai 31, 2010

1955 begann es mit einem kleinen Auftritt in Jack Arnolds „Die Rache des Ungeheuers“ (Revenge of the Creature)

Von 1959 bis 1966 spielte er in der TV-Serie „Rawhide“ (Cowboys, Tausend Meilen Staub) Rowdy Yates:

1964 bestieg er den Flieger nach Italien und spielte in Sergio Leones „Für eine Handvoll Dollar“ (Per un Pugno di Dollari) Joe, besser bekannt als ‚Fremder ohne Namen‘:

Sein Debüt als Regisseur gab  er 1971  mit „Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten“ (Play Misty for Me):

Ebenfalls 1971 spielte er „Dirty Harry“ in Don Siegels Copthriller:

1976 war er „Der Texaner“ (The Outlaw Josey Wales):

1979 endete seine langjährige Zusammenarbeit mit Don Siegel mit dem Knastthriller „Flucht von Alcatraz“ (Escape from Alcatraz).

1982 entdeckte ich Clint Eastwood in „Firefox“:

1988 überließ er, aus nachvollziebaren Gründen, Forest Whitaker die Hauptrolle in „Bird“:

1992 erhielt er für „Erbarmungslos“ (Unforgiven) seinen ersten Oscar als bester Regisseur. Außerdem erhielt er den Oscar für den besten Film:

2004 wiederholte sich bei „Million Dollar Baby“ das Spiel: Clint Eastwood erhielt die Trophäe in den Kategorien „bester Film“ und „beste Regie“:

Seine bislang letzte Hauptrolle hatte er 2008  in „Gran Torino“:

Danach drehte er „Invictus“ (bereits im Kino) und „Hereafter“ (Postproduktion) und als nächstes will er ein Biopic über den FBI-Chef J. Edgar Hoover inszenieren.

Alles Gute zum achtzigsten Geburtstag, Clint Eastwood!

Mehr Infos über Clint Eastwood.


Ein kurzes Gespräch mit Hejo Emons über die neue „Tatort“-Reihe

Oktober 14, 2009

Als ich das Emons-Herbstprogamm durchblätterte, entdeckte ich die Ankündigung für einige „Tatort“-Romane. Ich freute mich, nachdem es in den vergangenen Jahren zu ausgestrahlten „Tatorten“ keine Romane mehr gab, und ich durchaus ein Fan von Filmromanen bin, auf die Romanversionen einiger neuer „Tatorte“.
Als ich vor wenigen Tagen die Romane in den Händen hielt, war ich begeistert. Das Layout ist ansprechend. Nebeneinander liegend oder, später im Regal stehend, sehen die sechs Bücher schon wie eine richtig kleine Reihe aus. Das erste reinlesen verstärkte meinen positiven Eindruck.
Also griff ich zum Telefonhörer und unterhielt mich mit dem Verleger Hermann-Josef Emons (sein Verlag feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen) über die neue Buchreihe.
Schüller - Die Blume des BösenWachlin - Blinder Glaube

Die ersten sechs Romane sind „Die Blumen des Bösen“ mit den Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk, „Blinder Glaube“ mit den Kommissaren Till Ritter und Felix Stark, „Todesstrafe“ mit den Kommissaren Eva Saalfeld und Andreas Keppler, „Aus der Traum…“ mit den Kommissaren Franz Kappl und Stefan Deininger, „A gmahde Wiesn“ mit den Kommissaren Franz Leitmayr und Ivo Batic und „Strahlende Zukunft“ mit den Kommissaren Inga Lürsen und Nils Stedefreund. Das ist eine bunte Auswahl der aktuellen Ermittler, von denen einige schon etliche Ermittlerjahre auf dem Buckel haben; andere neu im „Tatort“-Dienst sind und für die Romanfassungen wurden auch die Einstandsfälle der Neulinge genommen. Die meisten Fälle waren allerdings hinsichtlich der Quote, der öffentlichen Aufmerksamkeit und gewonnener Preise keine besonderen „Tatorte“. Auch prominente Ermittler, wie Borowski, Lindholm, Odenthal, Dellwo/Sänger und Thiel/Boerne fehlen.
„Die Auswahl der ersten sechs Bücher erfolgte mit dem WDR“, so Hejo Emons. „Die Romane sollten den normalen Durchschnitt abbilden. Außerdem sollten die verschiedenen Regionen abgebildet werden.“ Damit folgt die Buchreihe dem aus dem Fernsehen seit fast vier Jahrzehnten vertrauten Konzept, nach dem die Fälle in verschiedenen deutschen Städten spielen. Bei einigen „Tatorten“ gab es auch Probleme mit den Rechten für die Drehbücher.
Der Name des Drehbuchautors (wobei eine breitere Öffentlichkeit wahrscheinlich nur Friedrich Ani, Fred Breinersdorfer und Mario Giordano [„Das Experiment“ – und weil ich jetzt seinen bekanntesten Roman ohne lange Nachzudenken nenne, halte ich ihn doch nicht für so bekannt]) war kein Kriterium für die Entscheidung. Obwohl, so Emons, Ani bei ihnen als Krimiautor angefangen und später mehrere „Tatorte“ geschrieben habe. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer angenehm gewesen. „Bei Friedrich Ani hat der Name sicher eine Rolle gespielt“, so Emons.
Die Drehbuchautoren wurden gefragt, ob sie eine Romanversion ihres Drehbuch schreiben wollten. Teils wegen Zeitmangel, teils auch, weil sie sich nach mehreren Jahren nicht wieder mit der gleichen Geschichte beschäftigen wollten, sagten sie ab.
Dann wurden Autoren gefragt, die bereits bei Emons Bücher veröffentlicht hatten. Diese konnten für ihre Arbeit vor allem auf die Drehbücher und die Filme, die sich mehr oder weniger von den Drehbüchern unterscheiden, zurückgreifen. Allerdings mussten sie für die Romanfassung Teile hinzuerfinden und Lücken in der Filmstory schließen. In einem Film kann leichter über kleinere logische Löcher hinweggegangen werden. Es kann mit der Zeit, die für die Fahrt von einem zu einem anderen Ort nötig ist, geschummelt werden. Und nicht alle Film-Locations finden sich in der Realität wieder (Mir ist vor allem bei den Konstanzer Tatorten aufgefallen, dass da öfters Verfolgungsjagden in der Realität so nicht möglich sind.)

Ernst - Strahlende ZukunftConrath - Aus der Traum
Daher betont Emons während des Gesprächs auch mehrmals, dass die „Tatort“-Romane keine schnell geschriebenen „Romane zum Film“, die von den Autoren während der Dreharbeiten in einem Wettlauf gegen die Zeit geschrieben werden, sondern eigenständige Romane seien, die auch ohne die Filme bestehen könnten. Dennoch schrieben die Autoren ziemlich schnell. Sie lieferten die Manuskripte nach zwei bis drei Monaten ab. Insgesamt verging, wie Emons im Rückblick leicht erstaunt bemerkt, zwischen den ersten Gesprächen mit dem WDR (der Ansprechpartner für die Vermarktung war) und der Veröffentlichung nur ein Jahr.
Das ist, angesichts der langen Entscheidungswege im Fernsehen und weil es bis jetzt so eine Reihe noch nicht gab, sehr kurz. Denn frühere Veröffentlichungen von „Tatort“-Romanen, wie die Trimmel-Romane von Friedhelm Werremeier oder „Reifezeugnis“ von Herbert Lichtenfeld, erfolgten als Teil der bereits etablierten Krimireihen eines Verlages (oft rororo thriller). Manchmal erschien  zuerst der Roman, manchmal zuerst der Film, manchmal – vor allem bei Werremeier – beides fast gleichzeitig. In den Achtzigern gab es dann nur noch die Schimanski-Romane bei Heyne und vor elf Jahren einige atemberaubend schnell verramschte „Tatort“-Romane bei Weltbild, die ein Mix aus Neuauflagen und neuen Romanfassungen waren. In den vergangenen Jahren schrieb nur noch der enorm produktive Felix Huby Romane und Drehbücher mit seinem Kommissar Bienzle. Angesichts der vielen, auch renommierten Autoren, die in den vergangenen Jahrzehnten für die Serie Drehbücher schrieben, ist das eine erstaunlich karge Ausbeute.
Die ersten Reaktionen seien, so Emons, alle positiv. So wurde zum Münchner Oktoberfest-„Tatort“ „A gmahde Wiesn“ gesagt: „Wir wussten gar nicht, was für einen guten Film wir hatten.“

Wachlin - TodesstrafeSchüller - A gmahde Wiesn

Im Frühjahr 2010 erscheint bei Emons die zweite Ladung von „Tatort“-Romanen. Die Titel konnte Hejo Emons noch nicht verraten.
Aber es soll einen „Tatort“ aus Niedersachsen und einen aus Münster geben. Gerade die Romanfassung eines Münsteraner „Tatorts“ dürfte für den Autor eine harte Nuss sein. Als Comedy funktionieren die absurd-abstrusen Fälle prächtig. Für den Roman muss das komödiantische aus dem Film (wozu auch das Spiel von Jan Josef Liefers und Axel Prahl gehört) in das Buch übertragen werden und der Fall, der im Film noch nicht einmal die zweite Geige spielt, muss einem Minimum an Logik gehorchen.
Im Wesentlichen möchte Emons mit den künftigen „Tatort“-Romanen näher an den Ausstrahlungstermin heranrücken. Weitere Pläne hat er noch nicht. Erst will er wissen, wie die Leser auf die Romane reagieren.
Die Marktchancen hält er für ziemlich gut. „Der letzte Kölner-Tatort ‚Platt gemacht‘ hatte neuneinhalb Millionen Zuschauer. Wenn davon zehn Prozent, oder sogar nur ein Prozent, die Romane kaufen, bin ich froh.“
Dazu dürfte auch der Preis und das klassische Taschenbuchformat beitragen. Sie können bequem mitgenommen und in einem Rutsch gelesen werden.
Und, wenn wir einen Blick nach Amerika werfen, sehen wir, dass dort Movie-Tie-Ins regelmäßig auf Bestsellerlisten stehen.
Vielleicht steht demnächst ein „Tatort“-Krimi auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Die ersten sechs „Tatort“-Romane
Martin Conrath: Aus der Traum (nach dem Tatort-Krimi von Fred und Léonie Breinersdorfer, mit Frank Kappl und Stefan Deininger)
Christoph Ernst: Strahlende Zukunft (nach dem Tatort-Krimi von Christian Jeltsch, mit Inga Lürsen und Nils Stedefreund)
Martin Schüller: Die Blume des Bösen (nach dem Tatort-Krimi von Thomas Stiller, mit Max Ballauf und Freddy Schenk)
Martin Schüller: A gmahde Wiesn (nach dem Tatort-Krimi von Friedrich Ani, mit Franz Leitmayr und Ivo Batic)
Oliver Wachlin: Blinder Glaube (nach dem Tatort-Krimi von Andreas Pflüger, mit Till Ritter und Felix Stark)
Oliver Wachlin: Todesstrafe (nach dem Tatort-Krimi von Mario Giordano und Andreas Schlüter, mit Eva Saalfeld und Andreas Keppler)
alle zwischen 160 und 176 Seiten
jeweils 8,95 Euro

Hinweise
Tatort-Seite des Emons-Verlages
ARD über den „Tatort“
Tatort-Fundus (alles was das Herz begehrt)

Tatort-Fans (noch spartanisch)

Fernsehserien über „Tatort“

Wikipedia über „Tatort“


Erste Eindrücke vom James-Sallis-Berlinbesuch

November 10, 2008

Am Ende seiner ersten Lesereise durch Deutschland besuchte James Sallis Berlin und ich nutzte die Gelegenheit für ein längeres Gespräch mit dem Erfinder von Lew Griffin und Turner. Die ersten beiden Griffin-Romane erschienen vor Ewigkeiten in der kurzlebigen Dumont-Noir-Reihe. Jetzt wagte der Liebeskind-Verlag mit „Driver“ und „Deine Augen hat der Tod“ einen zweiten und sehr erfolgreichen Versuch den in den USA unter Fans und Kollegen angesehenen Autor (2007 erhielt er auf der Bouchercon den Lifetime Achievement Award) auch in Deutschland zu etablieren. „Driver“ erhielt den Deutschen Krimipreis und war der Jahressieger der KrimiWelt-Bestenliste. Hugh Jackman sicherte sich die Filmrechte an „Driver“. Während des Gesprächs am Nachmittag verriet James Sallis mir, dass es inzwischen ein überarbeitetes Drehbuch gibt und der Drehbeginn für Frühjahr 2010 geplant ist. Außerdem hat Heyne die Rechte an seinen drei Turner-Romanen „Cypress Grove“, „Cripple Creek“ und „Salt River“ gekauft. Wir sprachen über Philip K. Dick, Lawrence Block (später auch über James Crumley und Joe R. Lansdale), warum seine Bücher so kurz sind (bei der Turner-Serie nimmt die Seitenzahl mit jedem Band ab), was für ein Gefühl es sei, in Deutschland ein zehn Jahre altes Buch zu promoten, und über New Orleans.

Nach dem Gespräch ging’s dann von seinem Hotel durch die Bergmannstraße (die etwas von New Orleans hat) zu „Hammett“. Die Buchhandlung erinnerte Sallis an den „Poisoned Pen Bookstore“ und wahrscheinlich nur zwei Gründe (Sprache, zulässiges Gewicht für den Flug) hinderten Sallis an einer kostspieligen Tour durch den Laden.

Am Abend las James Sallis im vollen Valentin Gasthaus am Südstern (eine schönes Lokal mit viel zu aufmerksamen Bedienungen) aus „Driver“ (weniger) und „Deine Augen hat der Tod“ (mehr), beantwortete Fragen (so erzählte er von seiner Band), signierte Bücher und dann ging’s zum gemütlichen Teil (mit den schon erwähnten aufmerksamen Bedienungen). Ich beichtete ihm, dass ich ihm am Nachmittag nur die Hälfte der geplanten Fragen gestellt hatte. Aber dafür hätte er ein gutes Dutzend anderer Fragen beantwortet. Das passiert halt, wenn man nicht blind seinen Fragenkatalog abarbeitet.

Am Freitag machte James Sallis sich auf den Heimweg nach Phoenix, Arizona – und ich sitze hier in Berlin über meinen Notizen, die die Grundlage für einen längeren Text über James Sallis sind.


Stephen King und Ich

September 20, 2007

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„Im Hetton House begann John, Geschichten zu schreiben. Es waren holprige Sachen, mit starken Anleihen bei den Filmen, die er sich mit Blaze ansah, aber allmählich verschaffte er sich mit ihnen eine gewisse Popularität unter den Gleichaltrigen. Die anderen Jungs fanden es nicht gut, wenn man klug war, aber sie bewunderten eine gewisse Art von Cleverness. Und sie liebten Geschichten. Sie sehnten sich nach Geschichten.

Bei einem ihrer Ausflüge sahen sie sich einen Vampirfilm mit dem Titel Messias des Bösen an. John Cheltzmanns Version gipfelte darin, dass Graf Igor Yorga einer halb nackten jungen Schönheit ‚mit bebenden Brüsten, so groß wie Wassermelonen’, den Kopf abriss und dann mit dem Kopf unter dem Arm in den Fluss Yorba sprang. Der Titel dieses seltsamen Underground-Klassikers lautete Yorga beobachtet dich.“

Wenn wir Stephen Kings unterhaltsamer Mischung aus Schreibratgeber und Memoiren „Das Leben und das Schreiben“ (On Writing – A Memoir of the Craft) glauben dürfen, war King genau wie der in seinem gerade erschienenen Schubladenroman „Qual“ beschriebene John Cheltzmann. Ein Junge, der Geschichten aufsog, schrieb und bereits auf dem Schulhof verkaufte. Seitdem hat sich nur sein Schulhof vergrößert.

Meine erste Begegnung mit Stephen King war „Carrie“. Ich fand sein Debüt, diese Mischung aus Carries Geschichte und den Zeitungsartikeln, grauenhaft und schwor mir nie wieder ein Buch von King zu lesen. Denn damals wurde der neue König des Horrorromans bereits exzessiv abgefeiert und ich dachte mir, wenn seine anderen Bücher genauso sind, kann ich meine Lesezeit besser investieren. Später las ich dann „Dead Zone“ und „Feuerkind“. Beide Bücher – irgendwie King-untypisch mehr Thriller als Horrorroman – gefielen mir viel besser und seitdem las ich immer wieder Romane, Novellen (dazu gehört bei King alles zwischen dreißig und zweihundert Seiten) und Kurzgeschichten von ihm.

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schien auch kein Monat ohne eine neue Stephen-King-Verfilmung zu vergehen. „Carrie“ (von 1976), „Shining“, „Christine“, „Dead Zone“, „Stand by me“ und “Misery” waren die guten. Etliche andere Verfilmungen von Romanen und Kurzgeschichten des produktiven Horrorautors sind inzwischen ziemlich vergessen. Eine kleine Ausnahme bildet die verfilmte Kurzgeschichte „Kindes des Korns“. Kritiker ließen kein gutes Haar an dem Film. Aber es gingen genug Menschen ins Kino, um fünf Fortsetzungen zu rechtfertigen, die oft die schon nicht herausragende Qualität des Originals unterboten. Bei „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ (Maximum Overdrive) führte King Regie und wurde als schlechtester Regisseur für einen Razzie nominiert. Prince gewann.

King schrieb in diesen Jahren „Cujo“ (anscheinend im Vollrausch), „Friedhof der Kuscheltiere“, „Christine“, „Sie“ (Misery) und „Stark – The Dark Half“. In letzterem bereitet ein lebendig werdendes Pseudonym einem Autor massive Probleme. „Stark“ war natürlich auch eine Abrechnung mit Richard Bachman. King hatte unter diesem Pseudonym einige Romane veröffentlicht, weil sein Verlag meinte, die Leser würden nicht so viele King-Bücher kaufen, wie er schrieb. Außerdem wollte King wissen, ob seine Bücher wegen seinem Namen oder dem Inhalt gekauft würden. Nachdem das Pseudonym enthüllt war, verkauften sich auch die Richart-Bachman-Romane prächtig.

Das Jahrzehnt schloss mit der Uncut-Edition des schon im Original unglaublich dicken „The Stand – Das letzte Gefecht“ ab. Bereits die kurze Version von um die 900 Seiten legte ich nach etwa einem Drittel weg. Die Schicksale der verschiedenen Charaktere, die auf getrennten Wegen durch ein entvölkertes Amerika gehen und sich am Ende zu dem titelgebenden letzten Gefecht treffen, faszinierten mich nicht so sehr. Außerdem lagen damals sicher einige Bücher von Jim Thompson auf meinem Nachttisch.

Die Neunziger Jahre begann Stephen King mit einem „Dark Tower“-Wälzer.

Das war für mich dann entschieden zuviel Fantasy (mit einer Portion Horror) und zu wenig Krimi. Aber ich griff trotzdem immer wieder zu einer Kurzgeschichte oder einem Roman von Stephen King und sie gefiel mir jedes Mal.

Inzwischen ebbte hier die große mediale King-Euphorie ab. Denn er war nicht mehr die neue Sensation, sondern ein etablierter Autor. Die ersten Bücher über das Phänomen King landeten bereits auf den Ramschtischen. Die Verfilmungen wurden seltener. Jedenfalls die Verfilmungen, die im Kino liefen. Denn auf Video erschienen zahlreiche weitere Verfilmungen. Außerdem gab es im Fernsehen Miniserien, die selten wiederholt werden; falls sie in Deutschland gezeigt wurden.

Die beste King-Verfilmung der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts basierte auf einem Kurzroman, war ein Krimi und wurde im Kino nicht als King-Verfilmung beworben. Denn „Die Verurteilten“ hat einfach nichts mit übernatürlichem Horror zu tun.

Zwei weitere „Dark Tower“-Romane folgten. Er schrieb 1996 den Fortsetzungsroman „The Green Mile“. Und er gründete mit anderen Schriftstellern die Rockband „Rock Bottom Remainders“.

In den vergangenen Jahren zog Stephen King (der allerdings noch nie einen Ruf als Partylöwe zu verlieren hatte) sich aus der Öffentlichkeit etwas zurück. Schuld daran war im Juni 1999 ein schwerer Autounfall. Während eines Spaziergangs wurde er von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Bis er wieder in seinem normalen Tempo Schreiben konnte, verging viel Zeit. In „Das Leben und das Schreiben“ erzählte er von dem Unfall und seiner Genesung.

Die Zahl der Verfilmungen ebbte nicht ab. In Deutschland bekamen wir davon allerdings wenig mit, weil nur wenige Verfilmungen im Kino starteten und viele weder auf DVD noch im Fernsehen gezeigt wurden. In den USA startete die erfolgreiche TV-Serie „Dead Zone“. In Deutschland wurde nur etwas mehr als die Hälfte der Episoden ausgestrahlt.

Ich begann wieder mehr von Stephen King zu lesen. Es begann mit “Das Leben und das Schreiben”. In dem Buch erzählt King viel von sich und gibt nützliche Tipps zum Schreiben von Geschichten. Danach gab es bei Hard Case Crime seine sehr umstrittene Novelle „The Colorado Kid“ (Bei King gelten immer noch andere Maßstäbe für die Seitenzahl.). Denn „Colorado Kid“ ist eine Kriminalgeschichte. King sagt „Softboiled“. Sie hat keine richtige Auflösung. Aber mir gefiel es, den beiden alten Journalisten zuzuhören, wie es ihnen so gelingt, die junge Frau letztendlich von dem Job in der Provinzzeitung zu überzeugen. Da schrieb ein Erzähler auf der Höhe seines Könnens.

Zuletzt veröffentlichte Stephen King „Blaze“ (hat hier den unpassenden Titel „Qual“). Diesen Kriminalroman schrieb Stephen King als Richard Bachmann bereits vor ungefähr 35 Jahren und, auch nach den Überarbeitungen, gibt er immer noch einen Blick in die Anfangstage des Königs des Horrorromans.

Heute feiert Stephen King seinen sechzigsten Geburtstag. Er lebt immer noch in Maine. Er ist immer noch mit Tabitha King verheiratet. Seine Söhne Joe Hill und Owen King schreiben ebenfalls.

Herzlichen Glückwunsch!

Hinweise:

Homepage von Stephen King

Fantastic Fiction listet die Werke von Stephen King, die wichtigsten Nominierungen und Preise und die Bücher über Stephen King auf (dürfte ziemlich vollständig sein)

Meine Besprechung von „Qual“

Meine Besprechung der in „Die hohe Kunst des Mordens (herausgegeben von Ed McBain) enthaltenen Kurzgeschichte „Nachgelassene Dinge“


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