„Make my day, Spoiler!“

Juli 7, 2009

Einige unsortierte Anmerkungen zu Spoilern anlässlich der lesenswerten Gedanken von Jason Henninger: „Luke, I am your spoiler warning!“

Spoiler haben in den vergangenen Jahren eine seltsame Karriere gemacht. Früher, in den guten alten Tagen des gedruckten Wortes schrieb ein Kritiker einfach seine Besprechung und das war’s. Es gab auch damals schon Regeln, aber niemals stand vor einer Besprechung (oder irgendwo in der Besprechung) „Spoilerwarnung“ und natürlich änderte sich das Schriftbild nicht (oder es gab eine Stelle zum Freirubbeln). Inzwischen versehen Kritiker im Netz Besprechungen oft mit mehr oder deutlichen Spoilerwarnungen. Einige sind dabei eindeutig ironisch gemeint (so wurde bei „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ vor dem Ende, nämlich dass das Attentat scheitert, eine Spoilerwarnung geschrieben), aber nachdem einige Leser wirklich nichts über die Handlung wissen wollen (Dann lies gefälligst keine Kritiken! Und keine Vorbesprechungen! Und keine Werbung! Geh einfach in irgendein Kino oder schnapp dir im Buchladen mit verbundenen Augen ein Buch und werf keinen Blick auf das Titelbild, den Titel oder den Klappentext!) und schon empört „Spoiler“ brüllen, wenn verraten wird, wer in der nächsten Staffel bei einer Serie mitspielt, sind sie nicht grundlos.

Ich selbst bin ziemlich unempfindlich gegenüber Spoilern. Denn ich denke, wenn eine Geschichte nur wegen des Endes angesehen werden soll, ist es keine gute Geschichte.

Bei einigen Serien, wie „24“, „Prison Break“ und „The Shield“, verzichte ich fast vollkommen auf das Lesen von Texten zu den noch nicht gesehenen Staffeln, weil ich von möglichst vielen Plotwendungen überrascht werden möchte. Allerdings ist es bei diesen Serien (und auch Buchserien wie der Hank-Thompson-Trilogie von Charlie Huston), wenn über die neue Staffel/Buch geschrieben wird, unmöglich nicht wichtige Teile der Handlung zu verraten. Wenn ich zum Beispiel sage, dass die zweite Staffel von „Prison Break“ nach der Flucht aus dem Gefängnis spielt und wer vor der Polizei flüchtet, dann verrate ich natürlich, wem am Ende der ersten Staffel die Flucht aus dem Gefängnis geglückt ist.

Bei einigen Filmen und Büchern ist das Ende offensichtlich. „Blutrot/Red“ von Jack Ketchum gehört in die Kategorie. Wenn ich sage, „Red“ ist ein Western, dann ist klar, dass es am Ende ein Duell zwischen dem Guten und den Bösen geben wird. Wenn ich, Jack Ketchum zitierend, sage, die Jungs erschießen den Hund von Clint Eastwood, dann ist auch ziemlich klar, wer am Ende überlebt. Und trotzdem macht die Geschichte Spaß.

Auch bei einem James-Bond-Film ist von Anfang an klar, wie die Geschichte endet.

Und selbstverständlich ist es eine gute Sitte, bei einem Rätselkrimi, den Täter nicht zu verraten (Bei einem Film ist das dann manchmal schwieriger. Wenn in einem „Tatort“ Klaus Maria Brandauer mitspielt und er in den ersten Szenen nur der unscheinbare Nachbar ist, wird er am Ende der Mörder sein. Denn Brandauer hätte sonst die Rolle nicht angenommen.).

Trotzdem habe ich in der Vergangenheit bei einigen Posts eine Spoilerwarnung vorangestellt. Zuletzt bei „Splitter“.

Das geschah, weil mir die Geschichte nicht gefallen hat und ein wichtiger Grund dafür auch das Ende ist. Ich muss also das Ende verraten (oder sehr deutliche Hinweise auf den finalen Plottwist geben), um zu begründen, warum ich von dem Werk enttäuscht war.

Wenn für mich zum Beispiel Agatha Christies „Alibi“, „The sixth Sense“ oder „Die üblichen Verdächtigen“ gerade wegen des Endes nicht funktioniert, dann will ich das auch begründen und ein einfaches „das Ende enttäuscht, deshalb lassen Sie’s bleiben“ ist dann doch arg allgemein.

Insofern sind Spoilerwarnungen, wenn sie richtig eingesetzt werden, einfach nur ein Hinweis darauf, dass in der Besprechung wichtige Teile der Handlung (vor allem der zweiten Hälfte der Handlung) und des Endes verraten werden.

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