TV-Tipp für den 23. Mai: Super 8

Mai 23, 2017

Pro7 Maxx, 20.15

Super 8 (USA 2011, Regie: J. J. Abrams)

Drehbuch: J. J. Abrams

Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.

Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film und noch eine Seite zum Film

Film-Zeit über „Super 8“

Rotten Tomatoes über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Time: Interview mit J. J. Abrams über “Super 8″ (6. Juni 2011)

Go into the Story: Emotionale und rationale Logik am Beispiel von „Super 8“

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)


DVD-Kritik: „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ für einen Diplomatensohn, der an die große Liebe glaubte

Mai 22, 2017

Zum Kinostart der beeindruckenden Dokumentation „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ über einen möglichen Justizirrtum schrieb ich:

Damals war der Fall eine Boulevardsensation, der alles hatte, was ein deftiger Hollywoodthriller benötigt. Aber seltsamerweise wurde der Fall bislang noch nicht zu einem Spielfilm verarbeitet und jetzt, nach mehreren US-TV-Dokumentationen, gibt es eine spielfilmlange Dokumentation darüber. In „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ zeichnen Marcus Vetter und Karin Steinberger die Geschichte von Jens Söring und Elisabeth Haysom nach.

Im August 1984 lernt der am 1. August 1966 in Thailand geborene deutsche Diplomatensohn und Hochbegabtenstipendiat Jens Söring auf dem Orientierungsabend der Universität von Virginia Elizabeth Roxanne Hawson, die am 15. April 1964 geborene Tochter eines Stahlbarons kennen. Sie verlieben sich.

Am 30. März 1985 werden die Eltern von Elizabeth, Derek und Nancy Haysom, in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet.

Elizabeth Haysom und Jens Söring, die zunächst nicht verdächtigt werden, flüchten nach Thailand und Europa, wo sie am 30. April 1986 in London wegen Scheckbetrugs verhaftet werden. Bei den Verhören gestehen sie die Tat. Später widerrufen sie ihre Geständnisse.

1990 wird Haysom wegen Anstiftung zum Mord zu neunzig Jahren verurteilt. Söring wird am 4. September 1990 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt.

Damit könnte die Geschichte enden, wenn Söring nicht seitdem um seine Freilassung kämpfen würde. Er behauptet, an dem Doppelmord nicht beteiligt gewesen zu sein, sondern, nachdem Haysom ihm den Doppelmord gestanden hatte, beschloss, ihr mit einem Geständnis zu helfen. Er dachte, dass er als Diplomatensohn diplomatische Immunität genieße und höchstens für einige Jahre in den Jugendknast kommen könne. Das war ihm seine große Liebe wert.

Es gab auch während des Verfahrens, wie „Das Versprechen“ zeigt, Probleme und Merkwürdigkeiten, wie ein Richter, der schon vor dem Prozess von Sörings Schuld überzeugt war, ein spurlos verschwundenes FBI-Täterprofil, das Söring entlastet und Experten, die zu Themen aussagten, von denen sie keine Ahnung hatten.

Seitdem gab es auch einen Zeugen, der Haysom mit einen anderen Mann in einem blutverschmiertem Auto gesehen haben will. Und, das dürfte der wichtigste Punk für eine immer noch nicht erfolgte Neuaufnahme des Verfahrens sein, keine DNA-Blutspuren von Söring am Tatort. Dafür seien die Spuren einer anderen, nicht identifizierten Person gefunden worden.

Das alles und noch viel mehr (so war Haysom drogenabhängig und behauptete von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden zu sein) dröseln Vetter und Steinberger in ihrem zweistündigem, niemals langweilig werdendem Film auf, der sich auch als Plädoyer für Jens Söring, an dessen Unschuld sie glauben, versteht. Auch die im Film befragten Personen glauben an Sörings Unschuld. Söring, der auch zu Wort kommt, beteuert sie ebenfalls. Die andere Seite, Elizabeth Haysom und die Ankläger kommen dagegen nicht zu Wort. Sie verweigerten Interviews.

Weil die beiden Filmemacher sachlich und schlüssig argumentieren und die neuen Fakten die offizielle Version fraglich erscheinen lassen, ist die Forderung nach einer Neuaufnahme des Verfahrens in jedem Fall gerechtfertigt. Es spricht auch einiges dafür, dass Söring als über beide Ohren verliebter Pennäler die Tat gestand, um seiner Freundin zu imponieren. Wie sehr sie ihn benutzte, ist dagegen unklar.

Insofern ist „Das Versprechen“, wenn man sie mit der gebotenen Skepsis ansieht, sehenswert.

 

Seit dem Kinostart Ende Oktober 2016 gab es neue Entwicklungen. Die wichtigste ist ein neues Gutachten. Sheriff J. E. „Chip“ Harding erstellte es im Auftrag der Verteidigung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Söring tatsächlich unschuldig sein könnte. In jedem Fall hält er jeden Beweis der Staatsanwaltschaft für ungenau, unverlässlich und im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch aufgrund der in den vergangenen Jahren aufgetauchten Beweise würde Söring heute nicht mehr verurteilt werden.

Bis September will der demokratische Gouverneur Terry McAuliffe über ein Gnadengesuch entscheiden.

Die DVD enthält letztendlich nur den Film.

Das Bonusmaterial besteht aus auch auf der Film-Homepage ansehbaren Werbeclips, die in die Kategorien „Die Liebesbriefe“ und „Die Protagonisten“ eingeteilt wurden. Hier werden Chuck Reid, Ricky Gardner, Richard Zorn, Gail Marshall, Tom Elliott, Gail Ball & Dave Watson, Steven Rosenfeld, William Sweeney, Tony Buchanan, Ed Sulzbach und Carlos Santos in kurzen Cklips gezeigt, die es in teilweise minimal längeren Versionen auch auf der Film-Homepage gibt. Hinter „Die Liebesbriefe“ verbergen sich die Clips „Wie alles begann“, „Eine schicksalhafte Entscheidung“ und „Der Verrat“.

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

DVD

Farbfilm Home Entertainment

Bild: 1:2,35 (Cinemascope)

Ton: Originalfassung (Deutsch/Englisch, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Hörfilmfassung, Die Protagonisten, Die Liebesbriefe

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Zum Lesen

Die Autobiographie von Jens Söring, der im Gefängnis mehrere Bücher schrieb

soering-zweimal-lebenslaenglich

Jens Söring: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe

(mit einem aktuellen Vorwort von Karin Steinberger)

(aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz)

Knaur, 2016

416 Seiten

10,99 Euro

Erstausgabe

Knaur Verlag, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016)

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


DVD-Kritik: Audie Murphy ist auf der „Flucht vor dem Tode“

Mai 22, 2017

Der gerade aus der Haft entlassene „The Cimarron Kid“ Bill Doolin (Audie Murphy) will sich bessern. Auf der Zugfahrt nach Cimarron County, Oklahoma, gerät er in einen Überfall der Dalton-Bande. Weil er ein Mitglied der Bande war, glaubt der Eisenbahndetektiv, dass Doolin an dem Überfall beteiligt war.

Notgedrungen nimmt Doolin sein altes Verbrecherleben wieder auf – und Budd Boetticher liefert einen flotten Western ab, in dem bis zum Abspann etliche Banken und Züge überfallen werden und bei den zahlreichen Schusswechseln zwischen den Banditen und der Staatsgewalt etliche Menschen sterben.

Das hat nicht die psychologische Tiefe seiner später mit Randolph Scott gedrehten, inzwischen legendären sieben Western, für die Burt Kennedy öfter das Drehbuch schrieb und die auch, nach der Produktionsfirma, als „Ranown-Zyklus“ bekannt sind.

Sein erster Western „Flucht vor dem Tode“ ist dagegen ein höchst konventionelles Werk, in dem der Protagonist zwar durch widrige Umstände wieder zum Verbrecherleben gedrängt wird, während er sich nur nach einem ruhigen Leben sehnt. Auf einer Ranch in Südamerika mit einer patenten Rancherstochter, die ihm im Film immer wieder hilft. Das mündet in einer moralisch so eindeutigen Botschaft, die heute aus einem Pilcher-Film stammen könnte. Aber mehr war 1952 halt nicht möglich.

Flucht vor dem Tode“ ist ein sehr unterhaltsames, wenn auch historisch nicht sehr akkurates Werk; – was auch Budd Boetticher unumwunden zugibt und was echte Western-Fans nie störte. Die werden hier vorzüglich bedient.

Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)

Regie: Budd Boetticher

Drehbuch: Louis Stevens

mit Audie Murphy, Beverly Tyler, John Hudson, James Best, Leif Erickson, Noah Beery jr.

Blu-ray

Koch Media (Edition Western-Legenden # 46)

Bild: 1,33:1 (43)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Booklet, Bildergalerie

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Flucht vor dem Tode“

Rotten Tomatoes über „Flucht vor dem Tode“

TCM über „Flucht vor dem Tode“

Wikipedia über „Flucht vor dem Tode“


TV-Tipp für den 22. Mai: In der Schusslinie (aka The Reach – In der Schusslinie)

Mai 22, 2017

ZDF, 22.15

The Reach – In der Schusslinie (Beyond the Reach, USA 2014)

Regie: Jean-Baptiste Léonetti

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Robb White: Deathwatch, 1972

Mojave-Wüste: der arrogante Manager Madec erschießt bei einem Jagdausflug zufällig einen Menschen. Als sein Fährtenleser Ben ihm nicht bei der Vertuschung des Unfalls helfen will, will Madec Ben töten.

In der Schusslinie“ (DVD-Titel war „The Reach – In der Schusslinie“) ist ein netter kleiner Survival-Thriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Michael Douglas, Jeremy Irvine, Ronny Cox, Hanna Mangan Lawrence, Patricia Bethune, Martin Palmer, David Garver

Wiederholung: Mittwoch, 24. Mai, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „The Reach“
Metacritic über „The Reach“
Rotten Tomatoes über „The Reach“
Wikipedia über „The Reach“ und Robb White

Meine Besprechung von „The Reach – In der Schusslinie“ (Beyond the Reach, USA 2014)


TV-Tipp für den 21. Mai: Jack

Mai 21, 2017

Guter Film, ungute Uhrzeit

ARD, 23.35

Jack (Deutschland 2014)

Regie: Edward Berger

Drehbuch: Edward Berger, Nele Mueller-Stöfen

Als der zehnjährige Jack nicht von seiner Mutter aus dem Heim abgeholt wird, haut er ab. In Berlin wartet allerdings niemand auf ihn. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder beginnt Jack seine, mal wieder, spurlos verschwundene Mutter zu suchen.

Mitreisendes, mehrfach ausgezeichnetes Sozial- und Jugenddrama, das immer auf Jacks Augenhöhe bleibt, während er durch die große Stadt läuft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ivo Pietzcker, Georg Arms, Luise Heyer, Nele Mueller-Stöfen, Vincnet Redetzki, Jacob Matschenz

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Jack“
Moviepilot über „Jack“
Berlinale über „Jack“

Meine Besprechung von Edward Bergers „Jack“ (Deutschland 2014)


TV-Tipp für den 20. Mai: Broken City – Stadt des Verbrechens

Mai 19, 2017

ZDFneo, 22.35

Broken City – Stadt des Verbrechens (USA 2013, Regie: Allen Hughes)

Drehbuch: Brian Tucker

Billy Taggart, Ex-Cop und inzwischen glückloser Privatdetektiv, soll die Frau des Bürgermeisters observieren. Dieser glaubt, dass sie ihn betrügt.

Biederer Neo-Noir, der mitten im Wahlkampf um den Bürgermeisterposten spielt und bei dem es um Korruption und illegale Immobiliengeschäfte geht. Die Geschichte ist vertraut (selbstverständlich hat Bürgermeister Hostetler einige Hintergedanken, selbstverständlich stolpert Taggart in eine „Chinatown“-Geschichte, selbstverständlich…). Er ist prominent besetzt. Er liefert einige ungewöhnliche Ansichten von New York und es gibt etwas Action. Am Auffallendsten ist die oft beunruhigende Musik/Soundcollage von Atticus Ross, Leopold Ross und Claudia Sarne. Ross schrieb mit Trent Reznor die Musik für die David-Fincher-Filme „The Social Network“, „Verblendung“ und „Gone Girl – Das perfekte Opfer“.

mit Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright, Barry Pepper, Natalie Martinez, Kyle Chandler, Griffin Dunne

Hinweise

Moviepilot über „Broken City“

Metacritic über „Broken City“

Rotten Tomatoes über „Broken City“

Wikipedia über „Broken City“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „National Bird“ – eine andere Perspektive auf den Drohnenkrieg

Mai 19, 2017

National Bird“ lief bereits letztes Jahr auf der Berlinale und kommt erst jetzt, aus was für unerfindlichen Gründen auch immer, in unsere Kinos und er hat, was man ja nicht über jeden investigativen Dokumentarfilm sagen kann, nichts von seiner Aktualität verloren. Unter Präsident Trump wurde, soweit man es erfährt, der Einsatz von Drohnen im Vergleich zur Obama-Präsidentschaft intensiviert. Bei Luftangriffen kam es zu zahlreichen zivilen und, falls überhaupt, wenigen nicht-zivilen Opfern.

Die investigative ARD- und CNN-Journalistin Sonia Kennebeck wollte einen Dokumentarfilm über diesen geheimen Drohnenkrieg der USA machen: „Als ich 2013 mit diesem Projekt begann, wollte ich mehr über das US-Drohnenprogramm in Erfahrung bringen. Ein Programm, das die Obama-Regierung um ein Vielfaches vergrößert hat und welches nach Ansicht vieler seine Wunderwaffe im Kampf gegen den Terror ist. Für jemanden, der an die Pressefreiheit und eine transparente Regierung glaubt, war diese Form der Geheimhaltung und der Mangel an öffentlichem Diskurs über ein so gigantisches Tötungsprogramm einfach nicht nachvollziehbar.“ (Das Zitat ist von 2016.)

Im Lauf der Dreharbeiten veränderte sich der Fokus. Jetzt stehen nicht mehr die Folgen des Drohnenkrieges für die Angegriffenen im Mittelpunkt. Darüber gibt es inzwischen auch etliche mehr oder weniger ausführliche, mehr oder weniger seriöse Dokumentationen.

Kennebeck konzentriert sich auf drei junge US-Amerikaner, die auf der Täterseite in den Drohnenkrieg verwickelt waren. Jung und naiv und weil sie das Geld brauchten und die Werbung bunt war, bewarben sie sich bei der US-Air-Force.

Heather ist eine Drohnen Video Analystin, die mit 18 Jahren von der Air Force rekrutiert wurde und zwei Jahre später an ihrer ersten Mission teilnahm. Sie war in den USA stationiert und arbeitete mit Predator und Reaper Drohnen, die über Afghanistan und dem Irak eingesetzt wurden.

Lisa begann als Krankenschwester bei der Armee. Sie wurde dann zur Combat Communications Squadron (später Intelligence Squadron) versetzt und steuerte auf der Beale Air Force Base (Kalifornien) Drohneneinsätze von der Datensammlung über Ziele bis hin zur Zerstörung der Ziele. Wobei sie auch Ziele zerstören, bei denen sie nicht wissen, ob es sich um Terroristen oder Zivilisten handelt.

Daniel arbeitete, im Gegensatz zu Heather und Lisa, im Kriegsgebiet. In Afghanistan war er als Geheimdienstmitarbeiter und Spezialist für elektronische Überwachungen Teil des Joint Special Operations Command (JSOC). Er wurde Soldat, weil er nach seinem Studium die Studiengebühren nicht bezahlen konnte, in seinem Job nicht genug zum Leben verdiente und, trotz Arbeit, obdachlos war.

Inzwischen arbeiten sie nicht mehr bei der US-Air-Force.

Sie alle hatten Zugang zu Verschlusssachen der höchsten Geheimhaltungsstufe; – was dann an einige andere Whistleblower erinnert.

Im Film, der für sie auch eine Art Therapie ist, versuchen sie mit ihrer Schuld und ihren psychischen Erkrankungen, wie Posttraumatische Belastungsstörung, umzugehen. So reiste Lisa nach Afgahnistan. Sie wollen auch über das Drohnenprogramm reden. Aber sie dürfen es nicht. Auch nicht gegenüber einem Therapeuten.

Für den Film wurden deshalb alle ihre Aussagen vorher von ihrer Anwältin Jesselyn Radack geprüft. Die Whistleblower-Anwältin redet ebenfalls über die Folgen des Drohnenkrieges.

Schon diese Aussagen, die die nationale Sicherheit nicht gefährden, geben einen Einblick in den Krieg mit Drohnen, wie er funktioniert, welche Konflikte es in der US Air Force gibt und die seelischen Belastungen der weit ab vom tatsächlichen Kriegsgeschehen arbeitenden Soldaten. Sie haben die gleichen psychischen Probleme, die auch die vor Ort kämpfenden Soldaten haben.

Allein das würde „National Bird“ sehenswert machen. Der von Wim Wenders und Errol Morris, einem Doyen des parteiischen, klug analytischen und filmisch überzeugenden Dokumentarfilms, produzierte Film geht einen Schritt weiter. Kennebeck schneidet nicht einfach die Interviews in 08/15-TV-Manier zusammen, sondern sie verknüpft die einzelnen Schicksale, Statements und Bilder mit einer Analyse des Drohnenkrieges. Auch filmisch ist der Film ein Genuss. Die drei porträtierten Soldaten öffnen mehrere Zugänge zu dem Thema. Die Opfer erhalten ebenfalls eine Stimme. In Kabul redet sie mit den Mitgliedern afghanischer Familien. Am 21. Februar 2010 wurden sie in einer bergigen Region angegriffen. Bei dem Angriff wurden weit über zwanzig Menschen getötet. Keiner von ihnen war ein Terrorist. Die Politiker, die für diese Art des Krieges verantwortlich sind, werden ebenfalls gezeigt. Allerdings als Bösewichter, die an der Fantasie eines sauberen Krieges festhalten und sich nicht um ihre Soldaten, die auch Opfer dieser Kriegsform sind, kümmern.

National Bird“ fügt der Diskussion über den Drohnenkrieg eine weitere Facette hinzu.

National Bird (USA/Deutschland 2016)

Regie: Sonia Kennebeck

Drehbuch: Sonia Kennebeck

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „National Bird“

Moviepilot über „National Bird“

Metacritic über „National Bird“ (nur verschieden positive Kritiken)

Rotten Tomatoes über „National Bird“ (Frischegrad: 100 %)

Wikipedia über „National Bird“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „National Bird

Die Diskussion auf der Berlinale über den Film


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