TV-Tipp für den 14. Januar: Blau ist eine warme Farbe

Januar 14, 2018

3sat, 22.15

Blau ist eine warme Farbe (La vie d’Adèle, chapitres 1 & 2, Frankreich 2013)

Regie: Abdellatif Kechiche

Drehbuch: Abdellatif Kechiche, Ghalya Lacroix

LV: Julie Maroh: Le bleu est une couleur chaude, 2010 (Blau ist eine warme Farbe)

Abdellatif Kechiche erzählt die Geschichte der Liebe zwischen der 17-jährigen Adèle und der etwas älteren Emma, einer lesbischen Kunststudentin.

Ein wundervolles, dreistündiges Liebesdrama, das 2013 in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos, Salim Kechiouche, Mona Walravens, Jérémie Laheurte, Alma Jodorowsky

Hinweise

Französische Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Blau ist eine warme Farbe“

Moviepilot über „Blau ist eine warme Farbe“

Metacritic über „Blau ist eine warme Farbe“

Rotten Tomatoes über „Blau ist eine warme Farbe“

Wikipedia über „Blau ist eine warme Farbe“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Abdellatif Kechiches „Blau ist eine warme Farbe“ (La vie d’Adèle, chapitres 1 & 2, Frankreich 2013)

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TV-Tipp für den 13. Januar: Selma

Januar 13, 2018

ARD, 23.55

Selma (Selma, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Ava DuVernay

Drehbuch: Paul Webb

Mit friedlichen Protestmärschen will Dr. Martin Luther King 1965 in Selma, Alabama, für das allgemeine Wahlrecht kämpfen. Denn dort ist die Diskriminierung der Afroamerikaner besonders deutlich. Und dort eskaliert die Situation in auch von King ungeahnter Weise. Ein Diakon wird von Weißen erschlagen. Auf der Edmund Pettus Bridge werden die friedlich Demonstrierenden mit Tränengas und nackter Gewalt zurückgedrängt. Die Bilder wurden im Fernsehen ausgestrahlt. An dem Abend schlagen Klu-Klux-Klan-Mitglieder drei weiße Geistliche zusammen. Einer stirbt an den Verletzungen.

Der dritte Versuch, friedlich von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt von Alabama, zu marschieren wird dann zwischen dem 21. und 25. März 1965 zu einem Triumphzug für die Bürgerrechtsbewegung.

Heute ist die TV-Premiere eines grandiosen und wichtigen Films zu einer unsäglichen Uhrzeit nach einer unerträglichen Sendung mit Überlänge („Schlagerchampions“ – würg).

Selma“ setzt King und seinen Mitkämpfern ein würdiges Denkmal.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Tim Roth, Cuba Gooding Jr., Alessandro Nivola, Carmen Ejogo, Lorraine Toussaint, Ophrah Winfrey, Tessa Thompson, Giovanni Ribisi, Common, Dylan Baker, Wendell Pierce, Stan Houston

Wiederholungen

One, Montag, 15. Januar, 20.15 Uhr

One, Samstag, 20. Januar, 23.10 Uhr

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Selma“
Moviepilot über „Selma“
Metacritic über „Selma“
Rotten Tomatoes über „Selma“
Wikipedia über „Selma“ (deutsch, englisch) und Martin Luther King (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Ava DuVernays „Selma“ (Selma, USA/Großbritannien 2014 – mit etlichen YouTube-Clips) und der DVD


TV-Tipp für den 12. Januar: Der Kuss vor dem Tode

Januar 12, 2018

ZDFneo, 23.10

Der Kuss vor dem Tode (USA 1991, Regie: James Dearden)

Drehbuch: James Dearden

LV: Ira Levin: A kiss before dying, 1953 (Kuss vor dem Tode)

Student Jonathan hat wenig Geld, aber den unbedingten Willen zu Macht und Reichtum. Dafür geht er über Leichen. Nur die schöne Zwillingsschwester Ellen ahnt etwas.

Nettes Remake.

Die erste Verfilmung von Ira Levins Krimi, inszeniert von Gerd Oswald mit Robert Wagner in der Hauptrolle, lief laut OFDb noch nie im TV. Das sollte sich ändern.

Mit Matt Dillon, Sean Young, Max von Sydow, James Russo

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Kuss vor dem Tode“

Wikipedia über „Der Kuss vor dem Tode“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Ira Levin


Neu im Kino/Filmkritik: Das „Wonder Wheel“ des Woody Allen

Januar 12, 2018

Der alljährliche Woody-Allen-Film heißt dieses Jahr „Wonder Wheel“. Er spielt in den fünfziger Jahren auf Coney Island, der Jahrmarkt-Vergnügungsmeile der New Yorker mit angrenzendem Badestrand. Der Film hat all die Insignien, die wir von einem Woody-Allen-Film kennen – bekannte Schauspieler, Geschlechterkämpfe, Mafiosi und Witze – und doch erscheint er in der Rezeption anders als seine früheren Filme. Das liegt an der Inszenierung, die mit ihrer fast bewegungslosen Kamera und den wenigen Schnitten, das theaterhafte der Geschichte betont. Es liegt auch an der aktuellen Diskussion über sexuelle Belästigung, in die Woody Allen auch involviert ist. Als Täter. Und gerade im Licht dieser Diskussion erscheinen etliche Szenen aus „Wonder Wheel“ in einem anderen Licht. Ein Licht, in dem es nicht mehr um den offensichtlichen Inhalt der Szene, sondern um die Interpretation der Szene aufgrund bestimmter Informationen und Diskussionen geht. In diesen Momenten ist die Person des Autors als deutlich älterer, kein schlechtes Gewissen oder moralische Bedenken habenden Mann, der eine deutlich jüngere Frau bewundert, sexualisiert und sie sich gefügig macht, überdeutlich zu sehen. Es ist kein schönes Bild.

Dabei steht mit Ginny (Kate Winslet) eine ältere Frau im Mittelpunkt des Films. Sie lebt mit Humpty (Jim Belushi), einem Trinker und Schwätzer, auf Coney Island, träumt noch von ihrer Karriere als Theaterschauspielerin, arbeitet als Bedienung in einem Meeresfrüchte-Imbiss und ist eine Schnapsdrossel. Sie ist eine Variation der „Endstation Sehnsucht“-Schönheit Blanche DuBois. Sowieso erinnert „Wonder Wheel“ immer wieder an das bekannte Tennessee-Williams-Stück.

Ihr Sohn Richie (Jack Gore) legt währenddessen in jeder Mülltonne, die er sieht, Feuer. Aber das ist mehr ein Running Gag als ein für die Handlung wichtiges Element.

Mickey (Justin Timberlake) ist der mehr oder weniger zuverlässige Erzähler der Filmgeschichte (Okay, wie viel Fantasie brauchen wir, um ihn als alter ego des 1935 geborenen Woody Allen zu sehen?). Er arbeitet als Rettungsschwimmer auf Coney Island. Gleichzeitig schreibt der Student, der sich als kommenden Dichter von Weltrang sieht, ein Theaterstück und er verliebt sich Hals über Kopf in die leicht verlebte Ginny.

Bevor er Ginny kennen lernt, taucht Carolina (Juno Temple) auf der Vergnügungsmeile auf. Sie ist die Tochter von Humpty. Vor fünf Jahren heiratete sie einen kleinen Mafiosi und zerstritt sich darüber hoffnungslos mit ihrem Vater. Weil sie mit dem FBI über die illegalen Geschäfte ihres Mannes plauderte, musste sie vor ihm und seinen Mafia-Freunden flüchten. Ihre letzte Hoffnung auf einen Unterschlupf ist ihr Vater. Denn niemand wird glauben, dass sie ihn jemals um Hilfe bitten wird. Genau das tut die verzweifelte Blondine und Humpty hilft seiner zurückgekehrten Tochter in jeder Beziehung und mit überschwänglichen Gefühlen.

Auch Mickey bandelt mit Carolina an. Als Ginny das ahnt, ist sie darüber sehr verärgert. Und dann hören sich Mafiosi nach Carolina um.

Die Geschichte spielt vor allem in Ginnys Ein-Zimmer-Apartment, in dem sie mit Mann und Sohn und Blick auf den Vergnügungspark lebt und das schon von seinem Grundriss an eine Theaterbühne erinnert. Dort prallen die Emotionen aufeinander. In langen Szenen, in denen die Schauspieler, mehr stehend oder sitzend als sich durch den Raum bewegend, mehr in Mono- als Dialogen reden und die ihre wahre Heimat im Theater haben. Die Kamera verharrt in diesen Momenten bewegungslos in der Totalen und Kameramann Vittorio Storaro („Der letzte Tango in Paris“, „Apocalypse Now“, „Einer mit Herz“), der nach „Café Society“ zum zweiten Mal mit Woody Allen zusammen arbeitet, beschränkt sich auf das Aufnehmen schöner Gemälde, in denen die Vergangenheit museal ausgestellt wird.

Die in dem Stoff angelegten burlesken Liebesreigen interessieren Woody Allen nicht. Dafür geht es dann doch zu sehr, ohne jemals auch nur halbwegs in die Tiefe des Stoffes zu gehen, in Richtung Drama.

Das ist nicht wirklich schlecht und Allen-Fans finden genug Details für weitergehende Analysen. Aber er inszenierte die neueste Ausgabe seiner allseits bekannten Themen, Konflikte und Witze viel zu sehr auf Autopilot, routiniert und ohne erkennbares Engagement, um zu begeistern. „Wonder Wheel“ ist ein dialoglastiges Theaterstück, in dem die schnellste Bewegung der Schluck aus der Schnapstasse ist.

Wonder Wheel (Wonder Wheel, USA 2017)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Jim Belushi, Juno Temple, Justin Timberlake, Kate Winslet, Max Casella, Jack Gore, David Krumholtz, Tony Sirico, Steve Schirripa

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wonder Wheel“

Metacritic über „Wonder Wheel“

Rotten Tomatoes über „Wonder Wheel“

Wikipedia über „Wonder Wheel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Woody Allen in der Kriminalakte  


Neu im Kino/Filmkritik: „The Commuter“ Liam Neeson erlebt eine mörderische Zugfahrt

Januar 11, 2018

In diesem Fall sagt der Spruch „Wenn Ihnen ‚Unknown Identity‘, ‚Non-Stop‘ und ‚Run all Night‘ gefallen haben, wird ihnen ‚The Commuter‘ gefallen“ alles. Denn die vierte Zusammenarbeit von Regisseur Jaume Collet-Serra und Liam Neeson liefert, wieder einmal, gut abgehangenes Thriller-Entertainment mit einer ordentlichen Portion Action, einer vertrauten Geschichte, die mit etlichen überraschenden Twists hochenergetisch präsentiert wird und einem beachtlichen, spielfreudigem Ensemble. Neben Liam Neeson sind Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill und Elizabeth McGovern in oft kleinen, aber wichtigen Rollen dabei.

Neeson spielt Michael MacCauley, einen glücklich verheirateten Ex-Polizisten, der seit zehn Jahren in Manhattan als Versicherungsmakler arbeitet und jeden Tag aus den Suburbs in die Millionenstadt pendelt. Diese Monotonie des täglichen Pendelns zeigt Jaume Collet-Serra in den ersten Minuten in einer schönen Montage, die auch als eigener Kurzfilm funktioniert. Am Ende ist klar: MacCauley ist ein ganz gewöhnlicher, unauffälliger Mann mit ganz gewöhnlichen Problemen.

Heute erlebt er allerdings einen echten Scheißtag. Weil er nicht genug Versicherungen verkauft, wird der Sechzigjährige fristlos entlassen. Damit sind auch all seine finanziellen Pläne in Richtung Haus und Uni-Ausbildung seines Sohnes obsolet.

Auf der Heimfahrt sitzt ihm im Pendlerzug eine Frau (Vera Farmiga), die er noch nie in diesem Zug gesehen hat, gegenüber. Denn, und das wissen alle Pendler, mit den Jahren kennt man, jedenfalls vom Sehen, all die anderen Passagiere, die tagtäglich mit einem die Strecke fahren. Sie fragt ihn, was er täte, wenn er für eine kleine Gefälligkeit, die nicht ungesetzlich sei, eine große Menge Geld bekäme. Zum Beispiel die 25.000 Dollar, die im Zug-WC versteckt seien und eine Anzahlung auf die 100.000 Dollar seien, die er am Ende bekäme. Dafür müsse er nur eine Person identifizieren, die ebenfalls im Zug sitzt und an einem bestimmten Bahnhof aussteigt.

Natürlich hält MacCauley Joannas hypothetische Frage zuerst für einen Scherz.

Natürlich sucht er auf der Zug-Toilette das Geld, findet es und steckt es ein. Dass er jetzt auch die andere Seite des Deals ausführen muss und dass Joanna und ihre Hintermänner darauf bestehen, zeigen sie ziemlich schnell. Gleich als Warnung töten sie einen Menschen. Und sie sind bereit, weitere Menschen, auch MacCauleys Familie, zu töten, um MacCauley an seine Seite des Deals zu erinnern. Ein Teil des Deals ist, dass MacCauley niemand über seine Situation und seine Aufgabe informieren darf.

Notgedrungen beginn der auf sich allein gestellte MacCauley in dem Zug die unbekannte Person zu suchen. Gleichzeitig will er herausfinden, warum sie für die Verschwörer so wichtig ist und welche Rolle er in der Verschwörung spielen soll.

Während sich einige Hintergründe der Verschwörung, jedenfalls für den Genrejunkie, ziemlich schnell herauskristallisieren, rätselt man bis zuletzt, wer die Person ist, die MacCauley identifizieren soll und warum sie so wichtig ist. Denn Collet-Serra besetzte den Zug durchgehend mit unbekannten Schauspielern, die sich durch ihr Verhalten mehr oder weniger verdächtig machen. Die bekannten Schauspieler übernehmen dagegen Rollen wie Ex-Kollege und Ehefrau von MacCauley.

The Commuter“ ist ein spannender Verschwörungsthriller mit etwas Old-School-Action, einem zugzerstörendem Finale, viel Suspense von der ersten bis zur letzten Minute und mehr als einem Hauch Hitchcock. Dabei gewinnen die Macher der bekannten Geschichte genug neue Facetten und überraschende Wendungen ab, um bis zum Ende der Zugfahrt glänzend und äußerst kurzweilig zu unterhalten. Das hohe Erzähltempo, die engagiert aufspielenden Schauspielern und die druckvolle Regie, die in hundert Minuten eine ziemlich verwickelte Geschichte erzählt, tragen dazu bei. Dass sie, vor allem natürlich die große Verschwörung, wenn man genauer darüber nachdenkt, wenig plausibel ist, stört nicht in diesem Moralstück.

Und ich werde jetzt garantiert nicht auf die Zugtoilette stürmen, um nach dem Briefumschlag mit Geld zu suchen…

The Commuter (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Byron Willinger, Philip de Blasi

mit Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill, Elizabeth McGovern, Jonathan Banks, Florence Pugh, Andy Nyman, Killian Scott, Shazad Latif, Roland Moller, Kobna Holdbrook-Smith, Colin McFarlane

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Commuter“

Metacritic über „The Commuter“

Rotten Tomatoes über „The Commuter“

Wikipedia über „The Commuter“

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (The Shallows, USA 2016)


TV-Tipp für den 11. Januar: Full Metal Jacket

Januar 11, 2018

Kabel 1, 20.15

Full Metal Jacket (Großbritannien 1987, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford

LV: Gustav Hasford: The Short-Timers, 1981 (Höllenfeuer)

Grandioser (Anti-)Kriegsfilm von Stanley Kubrick, der im ersten Drittel des Films die gnadenlose Ausbildung der Soldaten, ihre Entpersönlichung und Zurichtung nach den Wünschen des Militärs, und in den restlichen zwei Dritteln den chaotischen Kampf in Vietnam, in dem die Ausbildung keinen Pfifferling mehr wert ist, dokumentiert.

Kein angenehmer Film und auch kein Film mit irgendwelchen Identifikationsfiguren oder einem moralischen Standpunkt, aber ein wichtiger und sehenswerter Film.

„Full Metal Jacket ist ein nihilistischer Thriller und insofern der letzte Kriegsfilm, ein Schlussstrich unter das Genre, weil in ihm das Ende des Individuums weniger eine Aussage ist als eine Haltung.“ (Stefan Reinicke: Es ist besser zu leben, als tot zu sein: Full Metal Jacket [1987], in Andreas Kilb/Rainer Rother: Stanley Kubrick)

mit Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D’Onofrio, R. Lee Ermey, Dorian Harewood

Wiederholung: Freitag, 12. Januar, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Ful Metal Jacket“

Rotten Tomatoes über „Full Metal Jacket“

Wikipedia über „Full Metal Jacket“ (deutsch, englisch)

Blog über Gustav Hasford

Stanley Kubrick in der Kriminalakte


„Paris Noir“ – eine Stadt in Kurzgeschichten von französischen Krimiautoren

Januar 10, 2018

Paris, Hauptstadt von Frankreich, 2,2 Millionen Einwohner, eine multikulturelle Stadt mit langer Geschichte und einige werden in „Paris Noir“ erzählt. Krimifans, die sich viel im angloamerikanischen Raum tummeln, werden sich jetzt, mehr oder weniger dunkel, an eine Reihe von Anthologien erinnern, die Akashic Books in den vergangenen Jahren veröffentlichte und deren Konzept so einfach, wie überzeugend war: bekannte Autoren schreiben exclusive Kurzgeschichten über eine Stadt, die sie gut kennen, in der sie meistens auch Leben und, das ist jetzt die Aufgabe des Herausgebers, die Geschichten spielen in verschiedenen Stadtteilen und ergeben ein ungewöhnliches Porträt der Stadt. In den vergangenen Jahren erschienen Bücher über Atlanta, Baltimore, Boston (mehrere), Bronx, Brooklyn, Manhattan, Queens, Staten Island (bei New York ging man gleich in die Stadtteile), Chicago, Detroit und, außerhalb der USA, Brüssel, Dublin, Helsinki, London und, weil immer nur Städte und Landschaften auf die Dauer langweilig sind, gibt es auch „Prison Noir“; – wobei ein Gefängnis ja auch ein Ort ist. Allerdings ein Ort, den man nicht freiwillig besucht.

Für „Paris Noir“ übernahm Aurélien Massons, der von 2005 bis 2017 Herausgeber der Série Noire in der Éditions Gallimard war, vor zehn Jahren die Aufgabe, einen etwas anderen Paris-Reiseführer zu erstellen. Die Reiseführer zu den verschiedenen, eher untouristischen Orten sind etablierte Noir-Autoren (die öfters auch ins Deutsche übersetzt wurden) und jüngere Autoren, wie dem damals noch unbekannten Jérôme Leroy. Inzwischen ist er durch seinen Krimi „Der Block“ und seine Co-Autorenschaft für „Das ist unser Land!“ (die DVD erschien Ende 2017) auch bei uns bekannt. Die anderen Autoren sind die auch in Deutschland, jedenfalls bei Fans des französischen Kriminalromans, bekannten Chantal Pelletier, Jean-Bernard Pouy, Didier Daeninckx, Patrick Pécherot, DOA, Salim Bachi, Marc Villard und, mangels Übersetzungen, unbekannten Dominique Mainard, Hervé Prudon, Laurent Martin und Christophe Mercier.

Die zwölf Geschichten geben einen Einblick in die Vielfalt des französischen Noir. Es gibt natürlich, zum Glück nur einmal, den normalen Rätselkrimi im Kurzgeschichtenformat. Aber auch Geheimagentengeschichten, Geschichten über Jugendliche aus den Banlieus, verquere Liebesgeschichten und Geschichten über kleine und große Verbrecher. Oft etwas nostalgisch angehaucht, als ob man sich in einem Maigret-Roman oder einem klassischen französischen Kriminalfilm befindet. Immer wieder wird in den Geschichten locker die Form und Perspektive gewechselt, es gibt Anspielungen und ein fast schon exzessives Namedropping, das literarisch und cineastisch versierte Leser begeistert.

Paris Noir“ ist eine äußerst abwechslungsreiche Sammlung von spannenden Kurzgeschichten, die den Duft von Paris verströmen und neugierig auf die anderen Geschichten der Autoren machen. In einigen Fällen dürfte das nächste Antiquariat helfen können.

Als nächste Bände sind für das Frühjahr „Berlin Noir“ (mit Geschichten von Rob Alef, Max Annas, Zoe Beck und Ulrich Woelk) und den Herbst „USA Noir“ (mit Geschichten von Jerome Charyn, Michael Connelly, Lee Child, Jefferey Deaver, Dennis Lehane, Joyce Carol Oates und Don Winslow) angekündigt.

Aurélien Massons: Paris Noir

(übersetzt von Zoe Beck, Karen Gerwig, Jan Karsten und Martin Spiess)

CulturBooks, 2017

344 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Paris Noir

Akashic Books, 2008

enthält

Marc Villard: Der Chaffeur

Chantal Pelletier: Der Chinese

Salim Bachi: Großer Bruder

Jérôme Leroy: Berthet geht

Laurent Martin: Wie eine Tragödie

Christophe Mercier: Weihnachten

Jean-Bernard Pouy: Die Rache der Kellner

Dominique Mainard: La Vie en rose

Didier Daeninckx: Rue des Degrés

Patrick Pécherot: Tote Erinnerungen

DOA: бесценный (Kostbar)

Hervé Prudon: No Cemprendo L’Étranger

Hinweis

CulturBooks über „Paris Noir“

P. S.: Zazie hat nichts mit dem Sammelband zu tun. Außer dass auch sie sich in Paris austobt und der Film verdammt unterhaltsam ist.


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