TV-Tipp für den 8. Dezember: Don’t Breathe

Dezember 7, 2019

RTL II, 22.25

Don’t Breathe (Don’t Breathe, USA 2016)

Regie: Fede Alvarez

Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues

Schnell mal einen Einbruch begehen und mit der Kohle abhauen wollen die drei jugendlichen Kleinkriminellen. Dummerweise kehrt der Hausbesitzer zurück. Zum Glück ist er blind. Dummerweise hört er sehr gut und er ist extrem stinkig.

TV-Premiere. Fieser kleiner Spannungsthriller, der genau das hält, was er verspricht.

Danach drehte Fede Alvarez den Elisabeth-Salander-Thriller „Verschwörung“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Emma Bercovici, Franciska Töröcsik

Wiederholung: Montag, 9. Dezember, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Don’t Breathe“

Metacritic über „Don’t Breathe“

Rotten Tomatoes über „Don’t Breathe“

Wikipedia über „Don’t Breathe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Don’t Breathe“ (Don’t Breathe, USA 2016)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Verschwörung“ (The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story, USA 2018)


Der Europäische Filmpreis 2019: Die glücklichen Gewinner

Dezember 7, 2019

Am 7. Dezember wurde in Berlin der diesjährige Europäische Filmpreis (European Film Award, EFA) verliehen. Die Gewinner sind:

EUROPEAN FILM 2019:

THE FAVOURITE

Großbritannien, Irland

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Deborah Davis & Tony McNamara

Produktion: Ed Guiney, Ceci Dempsey, Lee Magiday & Yorgos Lanthimos

EUROPEAN DOCUMENTARY 2019:

FOR SAMA

Großbritannien, USA

Regie: Waad al-Kateab & Edward Watts

Produktion: Waad al-Kateab

EUROPEAN ANIMATED FEATURE FILM 2019:

BUÑUEL – IM LABYRINTH DER SCHILDKRÖTEN (BUÑUEL EN EL LABERINTO DE LAS TORTUGAS)

Spanien, Niederlande

Regie: Salvador Simó

Drehbuch: Eligio Montero & Salvador Simó

Produktion: Manuel Cristobal, José Fernández de Vega & Bruno Felix

Animation: Manolo Galiana

EUROPEAN COMEDY 2019:

THE FAVOURITE – INTRIGEN UND IRRSINN

Großbritannien, Irland

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch : Deborah Davis & Tony McNamara

Produktion: Ed Guiney, Ceci Dempsey, Lee Magiday & Yorgos Lanthimos

EUROPEAN DISCOVERY 2019 – Prix FIPRESCI:

LES MISÉRABLES

Frankreich

Regie: Ladj Ly

Drehbuch: Ladj Ly, Giordano Gederlini & Alexis Manenti

Produktion: Christophe Barral & Toufik Ayadi

EUROPEAN SHORT FILM 2019:

DAS WEIHNACHTSGESCHENK (CADOUL DE CRĂCIUN)

Rumänien, Spanien, Fiktion, 23 min

Drehbuch & Regie: Bogdan Mureşanu

Produktion: Bogdan Mureşanu, Vistor Dumitrovici & Eduardo M Escribano Solera

EFA PEOPLE’S CHOICE AWARD 2019:

COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE (ZIMNA WOJNA)

Polen, Großbritannien, Frankreich

Regie: Paweł Pawlikowski

Drehbuch: Paweł Pawlikowski, Janusz Glowacki, Piotr Borkowski

Hauptdarsteller: Joanna Kulig, Tomasz Kot, Borys Szyc, Agata Kulesza

EUROPEAN DIRECTOR 2019:

Yorgos Lanthimos für THE FAVOURITE

EUROPEAN ACTRESS 2019:

Olivia Colman in THE FAVOURITE

EUROPEAN ACTOR 2019:

Antonio Banderas in LEID UND HERRLICHKEIT

EUROPEAN SCREENWRITER 2019:

Céline Sciamma für PORTRAIT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN

EXCELLENCE AWARDS 2019:

EUROPEAN CINEMATOGRAPHER:

Robbie Ryan für THE FAVOURITE

EUROPEAN EDITOR:

Yorgos Mavropsaridis für THE FAVOURITE

EUROPEAN PRODUCTION DESIGNER:

Antxon Gómez für LEID UND HERRLICHKEIT

EUROPEAN COSTUME DESIGNER:

Sandy Powell für THE FAVOURITE

EUROPEAN HAIR & MAKE-UP ARTIST:

Nadia Stacey für THE FAVOURITE

EUROPEAN COMPOSER:

John Gürtler für SYSTEMSPRENGER

EUROPEAN SOUND DESIGNER:

Eduardo Esquide, Nacho Royo-Villanova & Laurent Chassaigne für A TWELVE-YEAR NIGHT

EUROPEAN VISUAL EFFECTS SUPERVISOR:

Martin Ziebell, Sebastian Kaltmeyer, Néha Hirve, Jesper Brodersen & Torgeir Busch für ABOUT ENDLESSNESS

EUROPEAN ACHIEVEMENT IN FICTION SERIES AWARD Autoren/Regisseure von BABYLON BERLIN, Achim von Borries, Henk Handloegten und Tom Tykwer.

EUROPÄISCHER BEITRAG ZUM WELTKINO

Juliette Binoche

PREIS FÜR EIN LEBENSWERK

Werner Herzog

EURIMAGES Co-Production Award

Ankica Jurić Tilić

Sehr schön, dass „The Favourite“ hier abräumen konnte. Bei der Oscar-Verleihung war das anders.

Das in jeder Beziehung beeindruckende Banlieue-Drama „Les misérables – Die Wütenden“ läuft bei uns am 23. Januar 2020 an.


TV-Tipp für den 7. Dezember: Fontane Effi Briest

Dezember 7, 2019

3sat, 20.15

Fontane Effi Briest (Deutschland 1974)

Regie: Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder

LV: Theodor Fontane: Effi Briest, 1895

Fassbinders grandiose Fontane-Verfimung heißt eigentlich „Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen und dennoch das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen“.

Die Leidensgeschichte der unglücklich zwangsverheirateten und in einen anderen Mann verliebten Effi Briest bestätigt dann den langen Titel.

Zur Einstimmung zeigt 3sat um 19.20 Uhr die neue Doku „Effi Briest oder die Elastizität der Herzen“ über das Frauenbild in den verschiedenen „Effi Briest“-Verfilmungen.

Mit Hanna Schygulla, Wolfgang Schenck, Karlheinz Böhm, Ulli Lommel, Ursula Strätz, Irm Hermann, Hark Bohm, Rudolf Lenz, Barbara Valentin, Eva Mattes

Hinweise

Filmportal über „Fontane Effi Briest“

Rotten Tomatoes über „Fontane Effi Briest“

Wikipedia über „Fontane Effi Briest“ (deutsch, englisch) und Rainer Werner Fassbinder

Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels Doku „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 6. Dezember: Butch Cassidy und Sundance Kid

Dezember 5, 2019

3sat, 22.25

Butch Cassidy und Sundance Kid (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)

Regie: George Roy Hill

Drehbuch: William Goldman

In Wirklichkeit waren Butch Cassidy und Sundance Kid zwei Verbrecher, die zu Legenden wurden, und deren Leben öfters verfilmt wurde. Am erfolgreichsten von George Roy Hill, nach einem Drehbuch von William Goldman, der damit in die Topliga der Drehbuchautoren aufstieg, und mit Paul Newman als Butch Cassidy und Robert Redford als Sundance Kid. Der eine war damals schon ein Star, der andere danach.

In „Butch Cassidy und Sundance Kid“ erzählen sie das Leben der beiden Verbrecher in einem locker-flockigen Stil, bei dem die beiden einfach nette Jungs sind, die gegen die Autoritäten kämpfen, Züge und Banken überfallen, immer ihren Spaß haben und die besten Freunde sind.

Der Film war ein Kinohit. 1973 trafen sich George Roy Hill, Paul Newman und Robert Redford wieder für die ebenfalls sehr erfolgreiche Gaunerkomödie „Der Clou“ (The Sting, USA 1973), die mir nicht so gefällt. William Goldman erhielt für „Butch Cassidy und Sundance Kid“ einen Drehbuchoscar und schrieb in den nächsten Jahren die Drehbücher für „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The hot rock, USA 1972), „Die Frauen von Stepford“ (The Stepford Wives, USA 1975), „Tollkühne Flieger“ (The great Waldo Pepper, USA 1975, ein schöner, unterschätzter Film mit Robert Redford), „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men, USA 1976, für den er seinen zweiten Drehbuchoscar erhielt) und „Der Marathon-Mann“ (Marathon Man, USA 1976, nach seinem Roman).

mit Robert Redford, Paul Newman, Katherine Ross, Strother Martin, Henry Jones, Jeff Corey

Hinweise

Turner Classic Movies über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Rotten Tomatoes über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Wikipedia über „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von George Roy Hills „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)


Neu im Kino/Filmkritik: Was ist los im „Auerhaus“?

Dezember 5, 2019

Die achtziger Jahre in der westdeutschen Provinz: „Formel Eins“ (die Musiksendung) im Fernsehen, zum Vorbild taugliche Terroristen auf Fahndungsplakaten, die neben Che-Guevara-Plakaten in WG- und Studentenwohnungen hängen, das Waldsterben vor der Haustür und die Gefahr des ersten und zugleich letzten Atomkrieg im Bewusstsein. Denn wenn Ost- und Westblock demnächst ihre Waffen ausprobieren, hat Deutschland nur als atomar verseuchte Wüste eine Zukunft.

In diesem Deutschland entschließen sich die Jugendlichen Frieder, Höppner, Vera und Cäcilia in ihrem Dorf in das verlassene Haus von Frieders Großvater einzuziehen. Später ziehen als Mitbewohner die Pyromanin Pauline und der Freigeist Harry in die WG ein. Er ist mehr ein Drogen liefernder ständiger Gast als ein richtiger Mitbewohner. Bov Bjerg erzählt in seinem erfolgreichen, jetzt verfilmten Roman „Auerhaus“ von den Erlebnissen der Schüler-WG.

Die Vier sind im letzten Jahr vor dem Abitur und ziemlich normal. Nur Frieder war wegen eines Suizidversuchs in der Psychiatrie. Jetzt wollen sie auf ihren Mitschüler aufpassen und schon einmal die kleine Freiheit genießen. Ohne Eltern, die ständig ihre Schlaf- und Trinkgewohnheiten überwachen, aber noch mit der elterlichen Vollversorgung bei den unangenehmen Dingen. Anscheinend sind alle Eltern sofort mit der Idee der Wohngemeinschaft damit einverstanden. „Auerhaus“-Regisseurin Neele Leana Vollmar zeigt jedenfalls keine Szene, in der die künftigen WG-Bewohner mit ihren Eltern über ihren Plan streiten müssen.

Aus dieser Idee einer Schüler-WG auf dem Dorf hätte ein vielschichtiges Sittengemälde der Bundesrepublik in den frühen achtziger Jahren und wie es war, in dieser bleiernen, vom Weltuntergang bedrohten Zeit am Arsch der Welt aufzuwachsen, entstehen können.

Es entstand allerdings ein in einer von der Welt abgewandten Blase spielendes Drama. Das beginnt schon mit der Ortlosigkeit der Geschichte. Alle Figuren sprechen Hochdeutsch. Eine regionale Verankerung gibt es nicht. Das Dorf scheint nur aus der Wohngemeinschaft, einem netten Polizisten und Höppners Mutter zu bestehen. Ihr neuer Freund, der ein cholerischer Idiot ist und vom Erzähler Höppner nur F2M2 genannt wird, tritt auch kurz auf. Diese wenigen Figuren können nie die Vielfalt eines ganzen Dorfes ersetzen. Es kann nichts über das Verhältnis der Dorfbewohner zur Wohngemeinschaft erzählt werden. Im Film scheint der einzige Konflikt zu sein, dass sie vielleicht mal etwas zu laut sind und dann Wachtmeister Bogatzki vorbeikommen muss. Wenn Frieder im Lebensmittelladen des Dorfes das Essen für eine Woche zusammenklaut, scheint das niemand zu stören. Wahrscheinlich weil seine Einkäufe anschließend bezahlt werden.

Die politischen Bezüge erschöpfen sich in einem in der WG-Küche aufgehängtem Terroristen-Fahndungsplakat. Ohne das Plakat könnte der Film auch zu irgendeiner anderen Zeit spielen.

Die episodenhafte Story kann mit viel Wohlwollen als Coming-of-Age-Geschichte gesehen werden, weil die sechs WG-Bewohner halt in dem Alter sind, in dem sie erwachsen werden und nach der Schule einige Entscheidungen anstehen. Für mich gehört zu einer Geschichte auch dazu, dass die Figuren etwas gelernt haben und dass sie am Ende des Films eine Entwicklung durchgemacht haben. Das kann über die Bewohner des Auerhauses nicht gesagt werden. Außerdem ist eine Ortsveränderung keine Erkenntnis, sondern in erster Linie eine Ortsveränderung.

Auerhaus (Deutschland 2019)

Regie: Neele Leana Vollmar

Drehbuch: Neele Leana Vollmar, Lars Hubrich

LV: Bov Bjerg: Auerhaus, 2015

mit Damian Hardung, Max von der Groeben, Luna Wedler, Devrim Lingnau, Ada Philine Stappenbeck, Sven Schelker, Hans Löw, Milan Peschel

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Auerhaus“

Moviepilot über „Auerhaus“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Woody Allen verbringt „A rainy Day in New York“

Dezember 5, 2019

Schon der Titel „A rainy Day in New York“ deutet es an: das ist ein Film, bei dem beiläufige Beobachtungen und Begegnungen wichtiger als eine stringente Geschichte sind. Das ist auch kein Film, der große und letzte Wahrheiten verkünden will. Schließlich geht es nur um irgendeinen verregneten Tag. Ausgehend von diesem selbstgewählten Anspruch und weil Woody Allens letzte Filme eher solala waren, sind die Erwartungen für den neuen Film von Woody Allen nicht besonders hoch. Es ist einfach der neue Film eines Regisseurs, der seit gut fünfzig Jahren zuverlässig jedes Jahr einen Film dreht, dessen bekanntesten und besten Filme, wie „Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ vor allem in den Siebzigern entstanden, der in den achtziger und neunziger Jahren abwechslungsreich darauf aufbaute und der seit zwanzig weitgehend selbstgenügsam vor sich hin arbeitet. Wenige Filme, wie „Match Point“ und „Blue Jasmine“, stechen hervor. Der Rest versinkt in einem immer wieder durchaus unterhaltsamen Strom recyclter Woody-Allen-Beliebigkeit mit sattsam bekannten Themen, Figuren, Witzen und einem aus alten Jazz-Songs bestehendem Soundtrack, der schon vor vierzig Jahren sehr retro war. Oder erinnert sich noch jemand ernsthaft an „Sweet and Lowdown“, „Schmalspurganoven“ (Small Time Crooks), „Im Bann des Jade Skorpions“ (The Curse of The Jade Scorpion), „Hollywood Ending“ (okay, der lief niemals in Deutschland), „Anything Else“, „Melinda und Melinda“, „Scoop – Der Knüller“, „Cassandras Traum“ (Cassandra’s Dream), „Vicky Cristina Barcelona“, „Whatever Works – Liebe sich wer kann“, „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (You will meet a tall dark Stranger), „Midnight in Paris“, „To Rome with Love“, „Magic in the Moonlight“, „Irrational Man“, „Café Society“ und „Wonder Wheel“.

Das sind Filme, die, bis auf wenige Ausnahmen („Cassandras Traum“, „Midnight in Paris“), wie ein Griff in den Zettelkasten wirken.

Auch „A rainy Day in New York“ ist so ein Griff in den Zettelkasten. Da fährt Gatsby (!!!) (Timothée Chalamet) mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) nach New York. Das kükenhafte Landei will für die Studentenzeitung Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen. Der von ihr abgöttisch bewunderte Arthaus-Regisseur lädt sie ein, sich mit ihm den Rohschnitt seines neuen Films anzusehen. Selbstverständlich ist sie einverstanden.

Währenddessen bummelt ihr Freund durch Manhattan, trifft alte Freunde, hilft bei einem Filmdreh für einen Noir aus, küsst dafür die jüngere Schwester einer Ex-Freundin und muss zu einer von seinen Eltern veranstalteten Feier.

Diese Abfolge von Episoden mit absehbaren amourösen Entwicklungen versucht nie mehr zu sein als eine beliebige Abfolge zufälliger Begegnungen fast ausschließlich weißer Menschen. Selena Gomez als in Gatsby verliebte jüngere Schwester und Diego Luna als Filmstar (und Latin Lover) bringen da etwas Farbe ins Bild.

Die von Woody Allen geschriebenen Monologe und Dialoge sind vertraut aus seinen früheren Filmen. Es ist, immerhin sind alle zentralen Figuren Jugendliche, aber nie die Sprache junger Leute. Die von ihnen benutzten Vergleiche und Anspielungen würden junge Menschen nicht wählen. Es wird nicht auf Harry Potter oder die Marvel-Filme angespielt, sondern auf den literarischen und filmischen Kanon, der vor über einem halben Jahrhundert en vogue war. Mit ihm konnte man sich als Zugehöriger zu einem bestimmten literarisch gebildetem Bildungsbürgermilieu zu erkennen geben. Da wurde, bei der richtigen cineastischen Bildung, die Anspielung auf „Out of the Past“ verstanden. Aber wer kennt heute diesen Vierziger-Jahre-Noir, der unter Noir-Fans ein Klassiker ist, überhaupt?

Allen drehte seinen verregneten Tag in Manhattan vor allem in langen Szenen, die oft nicht oder nur sparsam geschnitten sind. Keine Szene hinterlässt, im Gegensatz zum farbenprächtigen, oft wunderschön durchkomponiertem „Wonder Wheel“, einen visuell bleibenden Eindruck. Bei „A rainy Day in New York“ wirkt alles, als sei es schnell heruntergedreht worden. Fast jede Szene ist auch oft einfach zu lang geraten. Im endlosen Geplänkel seiner Stadtneurotiker fehlt jeder dramaturgische Fokus.

A rainy Day in New York““ ist der selbstgenügsame Film eines alten Mannes, der erfundene Jugendliche durch ein ebenso erfundenes Manhattan gehen lässt als ob es immer noch 1946 oder kurz danach wäre. Das ist sogar zu belanglos, um sich richtig darüber zu ärgern.

A rainy Day in New York (A rainy Day in New York, USA 2019)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law, Diego Luna, Liev Schreiber, Annaleigh Ashford, Rebecca Hall, Cherry Jones, Will Rogers, Kelly Rohrbach

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A rainy Day in New York“

Metacritic über „A rainy Day in New York“

Rotten Tomatoes über „A rainy Day in New York“

Wikipedia über „A rainy Day in New York“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 5. Dezember: El Clan

Dezember 5, 2019

3sat, 22.25

El Clan (El Clan, Argentinien/Spanien 2015)

Regie: Pablo Trapero

Drehbuch: Pablo Trapero, Esteban Student (Mitautor), Julián Loyala (Mitautor)

Argentinien in den frühen achtziger Jahren, kurz nach dem Ende der Militärdiktatur: Patriarch Puccio und seine Familie sichern sich ihren Lebensstandard, indem sie Mitglieder reicher Familien. Als sein Sohn aussteigen will, hängt der Haussegen schief.

Unglaublich, aber wahr: „El Clan“ basiert auf einem wahren Fall. Pablo Trapero inszenierte das auch gut. Aber seine assoziative Erzählweise raubt dem Film fast alles von seinem Potential.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Guillermo Francella, Peter Lanzani, Lili Popovich, Giselle Motta, Gastón Cocchiarale, Franco Masini, Antonia Bengoechea, Stefania Koessl

Hinweise
Moviepilot über „El Clan“
Metacritic über „El Clan“
Rotten Tomatoes über „El Clan“
Wikipedia über „El Clan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pablo Traperos „El Clan“ (El Clan, Argentinien/Spanien 2015)


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