R. i. P. Joe Gores

Januar 19, 2011

R. i. P.: Joe Gores (25. Dezember 1931, in Rochester, Minnesota – 10. Januar 2011, in Greenbrae, Kalifornien)

Es geht doch nichts über die richtigen Prioritäten. Völlig überraschend, immerhin dürften nicht allzu viele Deutsche Joe Gores kennen, meldete die „Hamburger Morgenpost“ den Tod von Krimiautor Joe Gores unter der Überschrift „Magnum-Autor Joe Gores tot“.

Der dann folgende Artikel weist die Zeitung dann aber nicht gerade als Qualitätsmedium aus. Denn Joe Gores schrieb nicht „Der Malteser-Falke“ und Sätze wie „Joe Gores hauchte dem Privatdetektiv im Fernsehen Leben ein. Aus seiner Feder stammten TV-Hits wie „Columbo“, „Magnum“, „Kojak“ oder „Remington Steele“.“ haben mit der Wirklichkeit wenig zu tun.

Denn Joe Gores schrieb zwar auch einige Drehbücher. Hier mal eines für „Kojak“ (eine Polizeiserie), da mal eines für „Columbo“ (noch eine Polizeiserie) und auch eines für „Magnum“ (Ah, eine Detektivserie).

Aber für das Krimigenre sind die Romane des dreifachen „Edgar“-Gewinners Joe Gores viel wichtiger. Der ehemalige Privatdetektiv schrieb die DKA-Serie. In dieser Serie steht die alltägliche Arbeit der in San Francisco residierenden Detektei „Dan Kearney and Associates“ im Mittelpunkt. Dazu gehört vor allem, wegen ausstehender Ratenzahlungen, das Zurückholen von Autos. In „32 Cadillacs“, einem dicken, sehr kurzweiligem, „Edgar“-nominiertem Buch aus der DKA-Serie über eine Reihe von Diebstählen und Betrügereien, erlaubten sich sein Freund Donald Westlake und er den Spaß ein Kapitel auszutauschen und so ermittelten Dan Kearny und seine Angestellten in einem Dortmunder-Roman und der Profieinbrecher John Dortmunder hatte einen Auftritt in einem DKA-Roman.

1975 schrieb Joe Gores „Hammett“. In dem Krimi lässt er den Krimiautor und Ex-Privatdetektiv Dashiell Hammett ermitteln. Die Krimihandlung ist von Gores erfunden, aber viele Ereignisse aus Hammetts Leben und der gesamte historische Background stimmen. Wim Wenders verfilmte den Roman.

Als letztes Buch veröffentlichte Joe Gores 2009 „Spade & Archer“, das in den USA ziemlich abgefeierte und noch nicht ins Deutsche übersetzte Prequel zu Dashiell Hammetts „Der Malteser-Falke“.

Joe Gores starb bereits am 10. Januar an einer Magenblutung. Ironischweise ist das auch der Todestag von Dashiell Hammett.

Nachrufe gibt es in der Los Angeles Times, New York Times, San Francisco Chronicle und der Washington Post.

Auch einige Kollegen haben Nachrufe geschrieben. Im Moment finde ich nur die Worte von Mark Coggins und Ed Gorman.

Joe Gores in der Kriminalakte.

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Hammett präsentiert Hammett

Januar 4, 2011

Just the facts!

Tja, nun: die Krimibuchhandlung Hammett präsentiert zusammen mit Wiglaf Droste und dem Eiszeit-Kino eine Lesung zum 50. Todestag Dashiell Hammetts

am Montag, den 10. Januar 2011

um 20.00 Uhr

im Eiszeit-Kino (Zeughofstr. 20 , 10997 Berlin-Kreuzberg, Nähe U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof).

Wiglaf Droste liest aus Dashiell Hammetts Klassikern „Das große Umlegen“ und „Der Malteser Falke“. Anschließend wird ein Überraschungsfilm gezeigt.

Ich würde mal auf „Die Spur des Falken“ tippen. Eine wirkliche Überraschung wäre „Sam Marlow, Privatdetektiv“/“Der Mann mit Bogarts Gesicht“.

Der Eintritt beträgt 12 Euro und Karten können schon jetzt bei Hammett (der Buchhandlung, nicht der Autor) bestellt werden.


Von Wiglaf Droste erschien zuletzt „Im Sparadies der Friseure – Eine kleine Sprachkritik“ (Goldmann Taschenbuch, 7,95 Euro, Originalausgabe bei Edition Tiamat). Lesenswert.


DVD-Kritik: „Night Train“ ins Verderben

Dezember 9, 2010

Wenn an Heiligabend ein Mann durch den Wald läuft, er in letzter Minute einen Zug erreicht und kurz darauf in einem Abteil stirbt, dann ist in einem Film das Verhängnis für die Mitreisenden nicht weit. Auch in Brian Kings Debütfilm „Night Train“ ist da so. Denn die beiden neben dem Toten im Abteil sitzenden Menschen, der betrunkene Vertreter Peter Dobbs (Steve Zahn) und die junge, blonde Medizinstudentin Chloe White (Leelee Sobieski) sehen sich das Gepäck des Toten an und entdecken eine kleine Schachtel. Peter kann einen Blick hineinwerfen und er entdeckt Juwelen im Wert von mehreren Millionen. Seine Chance auf ein neues Leben!

Auch Chloe will diese Chance ergreifen. Der Schaffner Miles (Danny Glover) will zunächst, ganz nach Vorschrift, den Vorfall melden. Aber mit dem Geld könnte er seiner kranken Frau helfen. Also beschließen die drei, die sich bisher noch nie begegnet sind, die Leiche verschwinden zu lassen und das Vermögen unter sich aufzuteilen.

Das ist leichter geplant, als getan. Und als an der nächsten Station ein Mann (Constantine Gregory) einsteigt und sich nach dem Toten erkundigt, wissen Miles, Peter und Chloe, dass sie ein ziemlich großes Problem haben. Dieser Mann, der in einem Sydney-Greenstreet-Ähnlichkeitswettbewerb einen guten Platz erreichen dürfte, nennt sich Mr. Gutman und seine Verabredung heißt Mr. Cairo. Krimifans kennen diese Namen aus Dashiell Hammetts auch verfilmtem Roman „Die Spur des Falken“. Das sind nicht die einzigen Namen, die bei Krimi- und Filmfans ein anerkennendes Nicken auslösen und andeuten, welchen Vorbildern Brian King (der auch das Drehbuch für den tollen SF-Film „Cypher“ schrieb) seine Referenz erweist. Nämlich der Schwarzen Serie, Alfred Hitchcock und den John-Huston-Humphrey-Bogart-Filmen.

Mr. Gutman verrät den Drei, dass auf der Box ein Fluch laste und er nicht die einzige Person sei, die sie haben wolle.

Und Chloe verblüfft Peter und Miles immer wieder. Denn die Blondine entpuppt sich ziemlich schnell als skrupellose Femme Fatale, die keine Probleme mit dem Zerstückeln von Leichen hat. Und das ist noch ihre harmloseste Tat.

Night Train“ ist einer der kleinen Filme, die auf einem begrenzten Raum und mit wenigen Schauspielern eine ordentliche Portion an Thrill herausholen. Früher wäre „Night Train“ als eine Folge der „Twilight Zone“ oder von „Alfred Hitchcock präsentiert“ durchgegangen.

Dazu tragen auch die Bilder des fahrenden Zuges (heute computeranimiert, früher Modelleisenbahn), die seltsam zeitlose Ausstattung und der kammerspielartige Ton bei. Denn „Night Train“ ist über weite Strecken ein abgefilmtes Theaterstück, das kein Geld in Action-Sequenzen investieren konnte und sich dabei auf die Story und die Schauspieler verlassen musste.

Das funktioniert auch, bis im letzten Drittel des Films, sehr gut. Dann wird ziemlich unvermittelt das Blutzoll erhöht und die Lebensaussichten der wenigen Zugpassagiere tendieren gegen Null. Da hätte etwas mehr Zurückhaltung nicht geschadet.

Jedenfalls vergehen die knapp neunzig Minuten im „Night Train“ sehr zügig und dieser Zug erreicht ohne Verspätungen sein Ziel.

Night Train (Night Train, USA 2009)

Regie:Brian King

Drehbuch: Brian King

mit Danny Glover, Steve Zahn, Leelee Sobieski, Matthias Schweighöfer, Takatsuna Mukai, Togo Igawa, Richard O’Brien, Jo Marr, Constantine Gregory, Geoff Bell

DVD

Bronson Entertainment

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Making of (23 Minuten), Interviews (29 Minuten), Original Trailer

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweis

Wikipedia über „Night Train“


TV-Tipp für den 4. Dezember: Last Man Standing

Dezember 4, 2010

RTL II, 22.10

Last Man Standing (USA 1996, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)

USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.

Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.

Schade, dass Walter Hill seitdem keinen guten Kinofilm mehr drehte.

mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg

Wiederholung: Sonntag, 5. Dezember, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Last Man Standing“ (deutsch, englisch)

Walter Hill in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. August: Hammett

August 9, 2010

RBB, 22.45

Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope

LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)

Dashiell Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Kurz darauf befindet sich Hammett in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist.

Joe Gores mischte in seinem sehr gelungen Buch Hammetts Biographie mit historischen Gegebenheiten und Fiktion.

Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung: mehrere verschiedene Drehbücher (u. a. schrieb Joe Gores die erste Fassung), ein exzessiver Nachdreh anderthalb Jahre nach dem ersten Dreh, in Farbe statt in Schwarzweiß, mit einem fremden Team und Auseinandersetzungen mit dem Produzenten über die Konzeption des Films. So hatte sich der in Deutschland hochgelobte Regisseur seine Ankunft in Hollywood nicht vorgestellt.

Hammett ist vor allem ein Film der Zitate, der ironischen Verweise. Er ist eine Erinnerung an den Film Noir, dessen Atmosphäre er evoziert, aber auch ironisiert. Die Kulissen sehen immer ein wenig wie Kulissen aus, das Tempo ist enorm gedrosselt, fast ritualisiert. Alle ästhetischen Mittel der Vorgänger aus den 40er Jahren sind benutzt: die extreme Dunkelheit, die scharfen Kontraste, die Lichtstreifen, die Kameraposition aus der Vogelperspektive.“ (Stefan Kolditz in Wim Wenders, Hanser Verlag Reihe Film Band 44).

Hammett ist – so ein heute immer noch gültiges Urteil der damaligen Kritik – Wenders bester und unpersönlichster Film.

Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)

Hinweise

Wikipedia über Joe Gores

Thrilling Detective über Joe Gores

Joe Gores: Why I write Mysteries

Meine Besprechung von Joe Gores‘ „Hammett“ (Hammett, 1975)

Anmerkung zum Clip: Es dauert einige Zeit, bis Wim Wenders beginnt zu erzählen. Aber das Warten lohnt sich.


TV-Tipp für den 7. Januar: Die Spur des Falken

Januar 7, 2010

Arte, 22.35

Die Spur des Falken (USA 1941, R.: John Huston)

Drehbuch: John Huston

LV: Dashiell Hammett: The Maltese Falcon, 1930 (Der Malteser-Falke)

Spades Geschäftspartner Miles Archer wird ermordet. Privatdetektiv Sam Spade sucht den Täter.

John Hustons Regiedebüt ist die gelungene Verfilmung von Hammetts Klassiker und begründete die Schwarze Serie.

Für Krimi- und Filmfans ein Pflichttermin. Das Buch gehört selbstverständlich in jede gute Krimi-Sammlung.

Anschließend läuft die knapp einstündige Doku „Humphrey Bogart – You must remember this“ (GB 1996).

Mit Humphrey Bogart, Mary Astor, Peter Lorre, Sydney Greenstreet, Walter Huston

Hinweise

Wikipedia über „Die Spur des Falken“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Sam Spade

Noir of the Week über „The Maltese Falcon“

Drehbuch „The Maltese Falcon“ von John Huston


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juli 20, 2009

Urlaubsbedingt etwas verspätet, aber dafür natürlich heißersehnt und, wie immer, schön bunt. Vollständig und ungekürzt nur bei den Alligatorpapieren. Die kurze Fassung (und schon einige Hinweise auf demnächst kommende TV-Tipps) gibt es hier:

Fans des guten alten Hollywood-Gangsterfilms werden in den kommenden Tagen gut bedient. Ich sage nur „Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern“, „Nachts unterwegs“, „Wem gehört die Stadt?“, „Der öffentliche Feind“, „Die wilden Zwanziger“, „Asphalt-Dschungel“, „Rififi“ (es capert auch), „Vogelfrei“ (und westernd) und „Maschinenpistolen“. Schwarzweiß geht’s weiter mit Stanley Kubricks Humphrey-Cobb-Verfilmung „Wege zum Ruhm“ (Jim Thompson schrieb das Drehbuch), Herman Schumlins Lillian-Hellman-Verfilmung „Die Wacht am Rhein“ (Dashiell Hammett schrieb das Drebhuch), Robert Aldrichs Mickey-Spillane-Verfilmung „Rattennest“ und Carol Reeds Graham-Greene-Verfilmung „Der dritte Mann“. Farbig wird’s mit einigen Lino-Ventura-Filmen, wie José Giovannis John-Carrick-Verfilmung „Im Dreck verreckt“ und Claude Millers John-Wainwright-Verfilmung „Das Verhör“.
Außerdem sind Sidney Lumets Peter-Maas-Verfilmung „Serpico“, Clint Eastwoods Andrew-Klavan-Verfilmung „Ein wahres Verbrechen“ (Hey, es ist ein Eastwood-Film) und Franklin J. Schaffners Henri-Charrière-Verfilmung „Papillon“ (wer’s zur besten Sendezeit verpasst hat), Brian de Palmas Armitage-Trail-Verfilmung „Scarface“ und natürlich alle Columbo-Filme immer wieder sehenswert.
Absolut nicht sehenswert sind dagegen Mikael Häfströms James-Siegel-Verfilmung „Entgleist“ (wegen der idiotischen Story) und George Pan Cosmatos‘ Paula-Gosling-Verfilmung „Die City-Cobra“ (abgesehen von allen ideologischen Fragen wegen der massiven Kürzungen in den Action-Szenen).


Kleinkram: Jörg Fauser wird 65; Jan Costin Wagners „Das Schweigen“ wird verfilmt; Jürgen Roth wird befragt; „Der gläserne Schlüssel“ wird…

Juni 17, 2009

Wer am kommenden Montag noch nichts geplant hat, in Berlin wohnt und zu den Jörg-Fauser-Fans gehört, sollte in die Volksbühne gehen. Denn der Alexander-Verlag (Herausgeber der Fauser-Werkausgabe) hat eine kleine Party organisiert:

JOERG FAUSER ZUM 65. – »Ich bin kein netter Mensch, sondern Schriftsteller«

Franz Dobler, Jürgen Kuttner und Inka Löwendorf lesen Texte von Jörg Fauser, Steve Binetti macht dazu passende Musik und im Anschluss an die Lesung wird wieder einmal der gelungene Dokumentarfilm »Rohstoff – Der Schriftsteller Jörg Fauser« (ZDF/3sat, D 2006) vom Berliner Filmemacher Christoph Rüter gezeigt.

Hier noch einmal die Daten:

Montag, 22. Juni 2009

20.00 Uhr

Volksbühne im Prater

Kastanienallee 7-9 (10435 Berlin)

Eintritt 8 Euro (ermäßigt 6 Euro)

Kartenreservierung unter: 030 – 24 065 777

Jan Costin Wagner dürfte sich freuen. Denn die Dreharbeiten für „Das Schweigen“ haben gestern begonnen. Es ist die Verfilmung seines mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten, zweiten Kommissar-Kimmo-Joenta-Romans „Das Schweigen“ (2007, die Taschenbuchausgabe ist gerade bei Goldmann erschienen). Allerdings wurde die Handlung und der Handlungsort, wie ein Blick in die Pressemitteilung zeigt, etwas geändert:

Fünf Tage im Sommer 2009, irgendwo am Rand einer deutschen Stadt. Die Hitze liegt wie eine Glasglocke über den idyllischen Einfamilienhäusern, doch hinter den Türen zerbricht die heile Welt. Die 13-jährige Sinikka verschwindet an der gleichen Stelle, an der bereits vor 23 Jahren ein junges Mädchen ermordet wurde. Für die Eltern von Sinikka beginnt das verzweifelte Warten, für die Mutter der damals ermordeten Pia kommt die Vergangenheit wieder hoch. Das Leben ist plötzlich zerbrechlich und unberechenbar – auch für die beiden damaligen Täter und die Ermittler.

DAS SCHWEIGEN ist ein hochspannendes Drama um Schuld und Sühne, das sich unaufhaltsam den brüchigen Seelenzuständen seiner Figuren nähert. Die moralischen Abgründe inmitten der scheinbar so geordneten Kleinstadtidylle erschüttern die Gesellschaft und lassen tiefe Wunden abgrundtiefer Verzweiflung zurück.

Die Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans von Jan Costin Wagner ist hochkarätig besetzt mit Sebastian Blomberg (Kriminalkommissar David Jahn), Wotan Wilke Möhring (Architekt Timo Friedrich), Katrin Sass (Mutter der vor 23 Jahren verschwundenen Pia), Burghart Klaußner (Kriminalkommissar in Rente), Karoline Eichhorn und Roeland Wiesnekker (Eltern von Sinikka) und Ulrich Thomsen (Peer Sommer) u.v.a.

DAS SCHWEIGEN ist eine Produktion der cine plus Filmproduktion GmbH in Koproduktion mit luethje&schneider Film. Produzenten sind Frank Evers und Jörg Schulze (cine plus) und Maren Lüthje und Florian Schneider (luethje&schneider Film). Baran bo Odar schrieb das Buch und führt Regie. Regie-Nachwuchstalent Baran bo Odar, Absolvent der HFF München, sammelte erste Erfahrungen bei Doris Dörries Kinofilm „Nackt“ und wurde für sein fulminantes Debüt „Unter der Sonne“ u.a. mit dem Studio Hamburg Nachwuchspreis für „Beste Regie“ ausgezeichnet. Für die Kamera ist Nikolaus Summerer verantwortlich, der mit „Unter der Sonne“ für den Deutschen Kamerapreis nominiert war.

DAS SCHWEIGEN ist gefördert von FFF FilmFernsehFond Bayern, der Mitteldeutschen Medienförderung, Medienboard Berlin-Brandenburg, FFA und dem DFFF in Zusammenarbeit mit ZDF und ARTE.

DAS SCHWEIGEN basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Costin Wagner (2007, Eichborn Verlag), der 2008 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde, und wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 im Verleih der NFP marketing & distribution* im Kino starten.

Sehr sympathisch ist, dass es bereits jetzt eine Homepage (mit einem Statement von Jan Costin Wagner) gibt und parallel zum Dreh ein Filmtagebuch (Könnt ihr den Namen des Schreibers veröffentlichen?) entstehen soll.

Bei Planet-Interview beantwortet OK-Experte Jürgen Roth einige Fragen über die Mafia und Ostdeutschland.

Der Noir of the Week ist „Der gläserne Schlüssel“ (The Glass Key, USA 1942). Regie führte Stuart Heisler, das Drehbuch schrieb Jonathan Latimer und die Vorlage stammt (natürlich) von Dashiell Hammett. Alan Ladd und Veronica Lake hatten die Hauptrollen und William Bendix läuft auch durchs Bild.

Ahh, den Film würde ich gerne wieder sehen.


TV-Tipp für den 5. Mai: Die Wacht am Rhein

Mai 4, 2009

NDR, 00.35

Die Wacht am Rhein (USA 1943, R.: Herman Shumlin, Hal Mohr [ungenannt])

Drehbuch: Dashiell Hammett, Lillian Hellman (zusätzliche Szenen und Dialoge)

LV: Lillian Hellman: Watch on the Rhine, 1941 (Theaterstück)

Als nach fast zwanzig Jahren deutsche Verwandte bei einer amerikanischen Durchschnittsfamilie auftauchen, müssen die Familienmitglieder sich mit dem europäischen Faschismus beschäftigen und die Frage beantworten, auf welcher Seite sie stehen.

Hellmans Broadway-Stück war ein gewaltiger Erfolg. Hammett, der sich auf die Adaption des Stückes freute, veränderte es kaum und auch die Verfilmung war erfolgreich. Hauptdarsteller Paul Lukas erhielt mehrere Preise für seine Darstellung, unter anderem einen Oscar. Hammetts Drehbuch war für einen Oscar nominiert. Außerdem war „Die Wacht am Rhein“ als bester Film des Jahres für einen weiteren Oscar nominiert. In beiden Kategorien erhielt „Casablanca“ den Oscar.

In Deutschland wurde der Film erst 1977 gezeigt und die katholische Filmkritik lieferte dann auch gleich die historisch korrekte Einordnung: „Spannende Verfilmung…, die allerdings die politischen Realitäten in Europa zugunsten der menschlichen Konflikte grob vereinfacht.“

Mit Bette Davis, Paul Lukas

Auch bekannt als „Watch on the Rhine“

Hinweis

Vor der „Wacht am Rhein“ wird um 23.00 Uhr, ebenfalls im NDR, die tiefsinnige Frage „Sein oder Nichtsein“ gestellt. Die Antwort kennen nur Lubitsch-Liebhaber.


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

April 25, 2009

Zwischen den Arztbesuchen (Gute Besserung!) hat Alfred die TV-Krimi-Buch-Tipps gelayoutet und online gestellt. Das, und vieles mehr, kann in den kommenden Tagen genossen werden:

Hallo liebe Krimifreunde,
zu zwei spannenden Wochen. Denn Miss Marple (gespielt von drei Schauspielerinnen), Commissario Brunetti und Wilsberg jagen die bösen Buben. Einer von ihnen ist Paul Newman. Der sitzt in der sehenswerten Donn-Pearce-Verfilmung „Der Unbeugsame“ im Knast und versucht auszubrechen. Ebenfalls sehenswert sind Orson Welles Whit-Masterson-Verfilmung „Im Zeichen des Bösen“, Alfred Hitchcocks Josephine-Tey-Verfilmung „Jung und unschuldig“ (endlich wieder im TV) und seine John-Trevor-Story-Verfilmung „Immer Ärger mit Harry“, Jean Negulescos Eric-Ambler-Verfilmung „Die Maske des Dimitrios“ (ebenfalls endlich wieder im TV), Louis Malles Noel-Calef-Verfilmung „Fahrstuhl zum Schafott“, Herman Shumlins Lillian-Hellman-Verfilmung „Die Wacht am Rhein“ (Dashiell Hammett schrieb das Drehbuch) und Don Siegels Richard-Dougherty-Verfilmung „Nur noch 72 Stunden“. Elmore-Leonard-Fans werden mit „Sinola“ (mit Clint Eastwood) und „Valdez“ (mit Burt Lancaster) in den Wilden West entführt. Klassikerfreunde dürfen dagegen Jean-Luc Godards „Außer Atem“ und Orson Welles‘ „Citizen Kane“ genießen.


Zwei Rebus-Nebenwerke von Ian Rankin

Januar 9, 2009

rankin-eindeutig-mordrankin-rebus-scotland

Nach der Lektüre der inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegenden Rebus-Romane von Ian Rankin gibt es für den Fan nur noch die kurzen Auftritte des Detective Inspector aus Edinburgh. Vor allem für ihn ist Ian Rankins „Rebus’s Scotland“ ein inspirierendes Buch. Bei der Kurzgeschichtensammlung „Eindeutig Mord“ können auch Rebus-Novizen und Fans spannender Kurzgeschichten bedenkenlos zuschlagen. Denn in diesen zwölf, in den frühen Neunzigern entstandenen, Geschichten löst Rebus mehrere Morde und wird auch in einige andere Fälle verwickelt. Insofern ist der deutsche Titel etwas irreführend.

Nach den ersten beiden Rebus-Romanen probierte Rankin in den im Original bereits 1992 publizierten Kurzgeschichten seinen Charakter in verschiedenen Situationen aus. So erleben wir einen nicht ganz typischen, arbeitsfreien „Sonntag“ mit John Rebus. Er verfolgt in „Not Provan“ den Schläger Willie Provan, der dank eines falschen Alibis wahrscheinlich wieder freigesprochen wird. In „Frank und frei“ hilft ihm ein verrückter Obdachloser dank seiner Beobachtungen einige Verbrecher zu verhaften. In „Monströse Trompete“ soll er dem französischen Kollegen Cluzeau die Stadt zeigen. Vor der Stadtführung klären sie den Diebstahl einer Bronzeplastik auf. Bei den Mordermittlungen ist John Rebus dann auf vertrautem Gelände. In „Playback“ kann er nachweisen, wie der Mörder mit damals moderner Technik (wir reden hier von der Vor-Handy-Zeit) sein Alibi fälschte. In „Gut gehängt“ bietet das jährliche Fringe-Festspiel den Hintergrund für einen Mord im Theatermilieu. In „Auld Lang Syne“ ist es die Silvesternacht auf der Tron. „Der Fluch des Hauses Dean“ erzählt von einer ähnlich verfluchten Familie wie die Dain-Familie bei Dashiell Hammett. Sowieso sind die meisten Titel bei Ian Rankin literarische und popkulturelle Anspielungen. Bei den Rebus-Romanen nahm er oft Liedtitel.

„Eindeutig Mord“ ist ein feines Buch mit zwölf spannenden Kurzgeschichten, die das kriminalliterarische Feld vom Rätselkrimi über komödienhafte Stücke bis hin zu Thrillern beschreitet. Öfters sogar innerhalb einer Geschichte.

Ebenfalls ein feines Buch ist „Rebus’s Scotland – A Personal Journey“. In ihm erzählt Ian Rankin von sich, wie er Rebus erfand, wie viel von ihm in John Rebus steckt und wie die Rebus-Romane zu einer Chronologie von Edinburgh und Schottland wurden. Ergänzt wird der Text durch die atmosphärischen Schwarz-Weiß-Bilder von Tricia Malley und Ross Gillespie, deren Aufnahmen inzwischen auch auf den englischen Ausgaben der Rankin-Romane sind. „Rebus’s Scotland“ ist vor allem ein Buch für langjährige Ian-Rankin-Leser, die jetzt mehr über den Autor und seinen Seriencharakter John Rebus erfahren wollen.

Ian Rankin: Rebus’s Scotland – A Personal Journey

(Photographed by Tricia Malley and Ross Gillespie)

Orion, 2005

160 Seiten (+ 64 Seiten Fotografien)

20,00 Pfund (gebundene Ausgabe)

7,99 Pfund (Taschenbuch-Ausgabe)

Ian Rankin: Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus

(übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini)

Goldmann, 2008

320 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

A Good Hanging

Century, London, 1992

Enthält

Playback (Playback)

Der Fluch des Hauses Dean (The Dean Curse)

Frank und frei (Being Frank)

Eine Leiche im Keller (Concrete Evidence)

Ansichtssachen (Seeing Things)

Gut gehängt (A good Hanging)

Von Meisen und Menschen (Tit for Tat)

Not Provan (Not Provan)

Sonntag (Sunday)

Auld Lang Syne (Auld Lang Syne)

Der Gentlemen’s Club (The Gentlemen’s Club)

Monströse Trompete (Montrous Trumpet)

Hinweise

Homepage von Tricia Malley und Ross Gillespie

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)


TV-Tipp für den 15. November: Die lange Filmnacht: Wim Wenders

November 15, 2008

Bei Arte gibt’s Themenabende. Beim RBB eine lange Filmnacht:

RBB, 23.05

Shooting Palermo (D 2008, R.: Hella Wenders)

Die Doku wird wohl in einigen Monaten auf der DVD des neuen Wim-Wenders-Films „Palermo Shooting“ als „Making of“ zu finden sein. Davor, und das ist der Anlass für die Filmnacht, startet der Spielfilm, mit dem Sänger der „Toten Hosen“ in der Hauptrolle, am 20. November im Kino.

Mit Wim Wenders, Campino, Lou Reed, Dennis Hopper, Milla Jovovich

RBB, 23.50

Der amerikanische Freund (D/F 1976, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)

Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.

Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“

Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)

Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel

RBB, 01.50

Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope

LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)

Dashiell Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Kurz darauf befindet sich Hammett in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist.

Joe Gores mischte in seinem sehr gelungen Buch Hammetts Biographie mit historischen Gegebenheiten und Fiktion.

Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung: mehrere verschiedene Drehbücher (u. a. schrieb Joe Gores die erste Fassung), ein exzessiver Nachdreh anderthalb Jahre nach dem ersten Dreh, in Farbe statt in Schwarzweiß, mit einem fremden Team und Auseinandersetzungen mit dem Produzenten über die Konzeption des Films. So hatte sich der in Deutschland hochgelobte Regisseur seine Ankunft in Hollywood nicht vorgestellt.

„Hammett ist vor allem ein Film der Zitate, der ironischen Verweise. Er ist eine Erinnerung an den Film Noir, dessen Atmosphäre er evoziert, aber auch ironisiert. Die Kulissen sehen immer ein wenig wie Kulissen aus, das Tempo ist enorm gedrosselt, fast ritualisiert. Alle ästhetischen Mittel der Vorgänger aus den 40er Jahren sind benutzt: die extreme Dunkelheit, die scharfen Kontraste, die Lichtstreifen, die Kameraposition aus der Vogelperspektive.“ (Stefan Kolditz in Wim Wenders, Hanser Verlag Reihe Film Band 44).

Hammett ist – so ein heute immer noch gültiges Urteil der damaligen Kritik – Wenders bester und unpersönlichster Film.

Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)

Hinweis

Meine Besprechung von Joe Gores „Hammett“ (Hammett, 1975)

RBB, 03.20

In weiter Ferne, so nah (D 1993, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders, Richard Reitinger, Ulrich Zieger

Die natürlich in Berlin gedrehte Fortsetzung von „Der Himmel über Berlin“. „Entstanden ist ein filmisches Wolkengebilde, das aus weiter Ferne fasziniert und sich in Nichts auflöst, wenn man zu nah rangeht.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Mit Otto Sander, Peter Falk, Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Horst Buchholz, Nastassja Kinski, Heinz Rühmann, Rüdiger Vogler, Lou Reed, Willem Dafoe, Michael Gorbatschow, Hanns Zischler, Yella Rottländer (die Alice aus „Alice in den Städten“); Udo Samel

Hinweis

Homepage von Wim Wenders


Film Noir Collection 2: Spiel mit dem Tode

Mai 30, 2008

George Stroud (Ray Milland) sitzt gewaltig in der Patsche. Er wird in einem riesigen, leeren Bürohaus von den Wachleuten gesucht. Dabei war er vor 36 Stunden noch ein glücklich verheirateter Mann, der in wenigen Stunden in die verspäteten Flitterwochen aufbrechen wollte, und der Leiter des respektierten Magazins „Crimeways“. Sein Chef, der Zeitungsmogul Earl Janoth (Charles Laughton), schätzt ihn als Mitarbeiter, der sein Geld wert ist. Gerade hat er wieder einen flüchtigen Verbrecher ausfindig gemacht und so die Grundlage für massive Verkaufszuwächse der nächsten Ausgaben von „Crimeways“ geschaffen. Janoth möchte, dass Stroud sich weiter um die Berichte über den gefundenen Verbrecher kümmert. Aber Stroud lehnt ab. Er hat seiner Frau Georgette (Maureen O’Sullivan) die Reise versprochen. Der Konflikt zwischen Janoth und Stroud eskaliert – und Stroud kündigt.

Am Abend betrinkt er sich in einer Bar und gerät mit der schönen Blondine Pauline York (Rita Johnson) ins Gespräch. Sie betrinken sich, ziehen durch die Kneipen und landen schließlich in ihrer Wohnung. Als Stroud sie am nächsten Tag verlässt, um zu seiner Frau zu gehen, bewegt sich der Fahrstuhl nach oben. Stroud geht zur Treppe und beobachtet, wie sein ehemaliger Chef Earl Janoth den Fahrstuhl verlässt und Paulines Apartment betritt.

Stroud fährt zu seiner Frau in die Flitterwochen. Währenddessen bringt Janoth in einem Anfall von Eifersucht seine Geliebte um und beichtet seinem Assistenten Steve Hagen (George Macready) die Tat und dass er beim Betreten des Apartments von einem Nebenbuhler beobachtet wurde. Hagen, der in Janoths Imperium weiter aufsteigen will, schlägt vor, George Stroud aus den Flitterwochen zurückzuholen und mit der Jagd nach dem Unbekannten zu beauftragen.

Stroud ist einverstanden – und beginnt, während er versucht den Mörder zu überführen, sich selbst zu jagen.

Von Kenneth Fearing ist die Idee, des Unschuldigen, der sich selbst jagt. Jonathan Latimer, selbst ein erfolgreicher Noir-Autor, verarbeitete Fearings Roman „The Big Clock“ zu einem Noir-Klassiker, der in den hellen Gängen und Büros eines riesigen Pressehauses spielt, und 1949 für den Edgar als bester Kriminalfilm des Jahres nominiert war. „Kennwort 777“ erhielt den Preis.

Latimer hatte in Hollywood als Drehbuchautor fast vierzig Jahren lang mehr Erfolg als die ungleich bekannteren Hardboiled-Autoren Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Er schrieb die Bücher zur Hammett-Verfilmung „Der gläserne Schlüssel“ (mit Alan Ladd und Veronika Lake), der Cornell-Woolrich-Verfilmung „Die Nacht hat tausend Augen“ (mit Edward G. Robinson), der David-Dodge-Verfilmung „Das geheimnisvolle Testament“ (mit Glenn Ford, bei beiden führte John Farrow Regie), für zwanzig Perry-Mason-Folgen (mit Raymond Burr) und, als letzte Arbeit, für den Columbo-Krimi „Die Blumen des Bösen“ (mit Ray Milland). Auch „Spiel mit dem Tode“ lebt von dem durchdachten Drehbuch, das den guten Schauspielern die Möglichkeit für große Auftritte gibt und Regisseur John Farrow unterstützt das mit seiner fast schwerelosen Kameraführung. Immer wieder gleitet sie, als ob es keine Wände gäbe, von einem Raum in den nächsten. So ist Laughtons erster Auftritt eine eindrückliche Demonstration seiner Macht. Er kommt später zu einer Besprechung seiner Chefredakteure, staucht sie wie kleine Kinder zusammen, lässt sich von vorne bis hinten bedienen und die Kamera verfolgt ihn mit dem gleichen bewundernd-demütigenden Blick, den auch die am Tisch sitzenden Journalisten haben. Sowieso ist Charles Laughton als geckenhafter, über scheinbar unbegrenzte Macht und eine unbegrenzte Armee williger Angestellter verfügender Zeitungsmogul, der immer die träge Freundlichkeit einer Kobra kurz vorm Zubeißen ausstrahlt, ein grandioser Bösewicht (Dagegen ist Gene Hackman im Remake „No way out – Es gibt kein zurück“ als verbrecherischer Verteidigungsminister zwar formal mächtiger, aber weniger furchteinflößend.).

Ray Milland als brav-bürgerlicher Journalist, der zwischen Beruf und Familie, zwischen Schuld (immerhin hat er seine fünfte Hochzeitsnacht bei einer anderen Frau verbracht) und Unschuld immer verzweifelter versucht, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu überführen, ist dagegen der Jedermann, der nach einem kleinen Schritt vom Pfad der Tugend immer tiefer in den Schlamassel gerät. Denn je besser er seine Arbeit macht und den unerwünschten Zeugen sucht (der dann der Justiz als Mörder präsentiert werden soll), umso mehr bringt er sein eigenes Leben in Gefahr.

Zwischen diesen beiden Männern stehen eine Armada von Vorzimmerdamen, eifrigen Journalisten und Lakaien, wie Steve Hagen. In dieser durchkapitalisierten Männerwelt hat Maureen O’Sullivan als brave Ehefrau nur die Rolle des schmückenden Beiwerks. Die Staatsmacht taucht hier nur noch als Witzfigur, gespielt von einem Schauspieler, auf.

Spiel mit dem Tode (The Big Clock, USA 1947)

Regie: John Farrow

Drehbuch: Jonathan Latimer

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1945

Mit Ray Milland, Charles Laughton, Maureen O’Sullivan, George Macready, Rita Johnson, Elsa Lanchester, Harold Vermilyea

Koch Media – Film Noir 2 (90 Minuten, Deutsch/Englisch, Untertitel. Englisch)

DVD-Bonus: Bildergalerie, Original Kinotrailer, 12-seitiges Booklet, alte und neue deutsche Synchronisation

Hinweise

Noir of the Week über „The Big Clock“

Modern American Poetry: Kenneth Fearing

Mystery File: John Fraser über Jonathan Latimer

Thrilling Detective über Jonathan Latimer

Kirjasto über Jonathan Latimer

Krimi-Couch über Jonathan Latimer

Mordlust über Jonathan Latimer


Drei Volltreffer aus Amerika, Russland und Australien

Dezember 20, 2007

Wenige Stunden vor dem langen Wochenende muss ich unbedingt auf drei hochkarätige, gerade erschienene Bücher hinweisen. Damit nachher niemand sagen kann, er habe sich zu Tode gelangweilt.

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Thomas H. Cook ist trotz zahlreicher Preise und dem euphorischen Lob von Kritikern und Kollegen immer noch ein Geheimtipp. Das kann daran liegen, dass Cook konsequent auf einen Seriencharakter verzichtet. Das kann auch daran liegen, dass seine Plots auf den ersten Blick viel zu einfach aussehen und keine Sensationen versprechen. In „Das Verhör“ (The Interrogation, 2002) wollen zwei Polizisten in einer Nacht die Schuld eines Verdächtigen beweisen. In seinem neuesten Buch „Das Gift des Zweifels“ fragt sich ein Vater, ob sein Sohn ein Mörder ist. Das klingt nicht gerade nach einer spannenden Geschichte. Und doch ist „Das Gift des Zweifels“ ein psychologisch ausgefeilter Thriller über die Zerstörung einer glücklichen Familie.

Eric Moore ist in einer amerikanischen Kleinstadt ein glücklich verheirateter Geschäftsinhaber mit einer als Lehrerin arbeitenden Frau und einem Sohn. Er ist der idealtypische Mittelständler.

Sein verschlossener Sohn Keith ist in der Pubertät. Er schließt sich in seinem Zimmer ein und ihm scheint alles egal zu sein. Eines Abends soll er auf die achtjährige Nachbarstochter Amy aufpassen. Am nächsten Tag ist sie verschwunden.

Selbstverständlich interessiert sich die Polizei auch für Keith. Und ebenso selbstverständlich versucht Eric Moore seinen Sohn zu beschützen. Doch er hat auch Zweifel. Denn Keith kam an dem Abend ungewöhnlich spät nach Hause. Keith sagt, niemand habe ihn nach Hause gefahren. Aber Eric Moore hat in der Auffahrt Scheinwerfer gesehen. Keith sagt, dass er noch nie am Wasserturm war. Aber er reagierte seltsam, als ihn die Polizei darauf ansprach. Dort wurde Amys Unterwäsche gefunden.

Eric Moore fragt sich, ob sein Sohn nicht doch der Täter ist.

Im Folgenden zeigt Thomas H. Cook mit beängstigender Konsequenz, wie „Das Gift des Zweifel“ (hier ist der deutsche Titel eindeutig besser als der Originaltitel „Red Leaves“) eine Familie zerstört. Dabei ist sein Ich-Erzähler Eric Moore ein ganz gewöhnlicher Mann, der nur seine Familie beschützen will, und aufgrund seines Misstrauens zerstört. Um diese fatale Dynamik in Gang zu setzen, braucht Thomas H. Cook nur eine Frage. Ist mein Sohn ein Mörder? Das Ergebnis ist ein komplexes psychologisches Drama, in dem wir uns selbst mühelos wieder erkennen.

 

Thomas H. Cook: Das Gift des Zweifels

(übersetzt von Rainer Tiffert)

Knaur, 2007

320 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

Red Leaves

Harcourt, New York, 2005

 

Weitere Informationen über Thomas H. Cook

 

 

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Martin Cruz Smith setzt mit dem sechsten Arkadi Renko-Roman „Stalins Geist“ in 26 Jahren seine Bestandsaufnahme der Sowjetunion fort. 1981 klärte Renko in dem Bestseller „Gorki Park“ (Gorky Park, 1981) seinen ersten Mordfall. Smith dachte danach, er habe seinen Russland-Roman geschrieben. Einige Jahre später brach die UdSSR zusammen und Smith wurde in den folgenden Jahren mit seinen weiteren Arkadi Renko-Romanen zu einem Chronisten der Veränderungen.

„Stalins Geist“ beginnt mit der für den Polizisten Arkadi Renko schockierenden Entdeckung, dass seine Kollegen Nikolai Isakow und Marat Urman auch als Auftragsmörder arbeiten. Doch bevor Renko beginnen kann, sie zu überführen, erhält er den Befehl sich um die Stalin-Sichtungen in der Metrostation Tschistyje Prudi zu kümmern. Dieser, auf den ersten Blick, witzige Nebenplot bietet den Hintergrund für Smiths Geschichte. Denn heute wünscht sich die Hälfte der Russen Stalin wieder als Staatsoberhaupt zurück. Schnell findet Renko heraus, dass Stalins Auftritte die Inszenierungen eines Pornoregisseurs sind. Er arbeitet für eine ultrarechte Partei und ihrem Spitzenkandidaten Isakow.

Renkos Kollege Isakow war als Mitglied der OMON im Tschetschenienkrieg. Niemand bestreitet seine Tapferkeit, aber für seine größte Heldentat erhielt er keinen Orden. Denn es gab, das findet Renko schnell heraus, berechtigte Zweifel, dass sich der Kampf gegen die Rebellen so zutrug, wie Isakow und seine Männer ihn erzählen. In wenigen Wochen, wenn Isakow Abgeordneter ist, wird er für seine Taten während des Tschetschenienkrieges und als Polizist Immunität genießen. Nach einem fast tödlichen Unfall – der Vater seines Quasi-Adoptivsohns schießt mit einem alten Revolver auf Renko – lässt Renko sich nach Twer, der Heimatstadt von Isakow, versetzen. Dort kommt es zu einem gespenstigen Showdown.

Doch viel wichtiger als der Kriminalfall ist für Martin Cruz Smith das kundige Porträt des heutigen Russlands als ein Irrenhaus. Es ist ein Alptraum, bei dem unter der Oberfläche die Geister der Vergangenheit lauern und immer wieder die Gegenwart beeinflussen. Dieses Porträt einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft ist beim zweiten Lesen noch gelungener als beim ersten. Denn dann kann man sich, weil die Plotwendungen bekannt sind, auf die Feinheiten und die vielen Querverweise zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit und den Charakteren konzentrieren.

 

Martin Cruz Smith: Stalins Geist

(übersetzt von Rainer Schmidt)

Bertelsmann, 2007

368 Seiten

19,95 Euro

 

Originalausgabe:

Stalin’s Ghost

Simon & Schuster, New York, 2007

 

Weitere Informationen über Martin Cruz Smith

 

 

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Peter Temple ist in seiner Heimat seit langem ein bekannter Krimiautor. Für sein gerade auf Deutsch erschienenes Debüt „Vergessene Schuld“ erhielt er seinen ersten Ned Kelly-Preis als bester australischer Kriminalroman. Für seine folgenden Romane erhielt er zahlreiche weitere Preise. Mit seinem achten Roman „Kalter August“ (The Broken Shore, 2005) erlebte er in England und Anfang des Jahres in Deutschland seinen Durchbruch. „Kalter August“ wurde, trotz einer schlechten Übersetzung, einhellig abgefeiert. In „Kalter August“ zeichnete Temple ein düsteres Porträt der australischen Gesellschaft.

Schon in „Vergessene Schuld“ kommt die australische Gesellschaft nicht besonders gut weg. Held der lakonisch erzählten Geschichte ist Jack Irish. Ein gescheiterter Anwalt, der seine Zeit mit kleinen Detektivarbeiten, halbseidenen Geschäften, trinken und wetten, bevorzugt auf Pferde, verbringt. Er ist ganz zufrieden mit seinem anspruchslosen Leben.

Da ruft ihn Danny McKillop an. Vor zwölf Jahren verteidigte Irish ihn erfolglos. McKilllop wurde verurteilt, die junge Aktivistin Anne Jepperson im Vollrausch überfahren und anschließend Fahrerflucht begangen zu haben. Irish reagiert nicht auf die Anrufe von McKillop und geht auch nicht zu einem Treffen mit McKillop. Als Irish erfährt, dass Polizisten McKillop an dem Treffpunkt erschossen haben, will er herausfinden, warum McKillop ihn so dringend sprechen wollte. Als Irish kurz darauf den Zeugen der Anklage tot findet, die Polizei ihn von weiteren Ermittlungen abhalten will und Polizeiminister Garth Bruce ihn zu einem privaten Gespräch abholen lässt, weiß er, dass er einem großen Immobilienskandal auf der Spur ist.

Jepperson hatte damals den Protest gegen das millionenschwere Yarra-Bucht-Bauprojekt angeführt. Anscheinend wurde sie deshalb umgebracht und die damaligen Täter gehen heute immer noch über Leichen, um ihr schmutziges Geschäft zu schützen.

Peter Temples Debüt „Vergessene Schuld“ ist ein klassischer Privatdetektivkrimi, bei dem, wie schon zu Dashiell Hammetts Tagen, ein kleiner Detektiv einen Augiasstall aus Korruption und gegenseitigen Abhängigkeiten ausmistet. Das ist kein neues Thema, aber Temple erzählt seine Geschichte gut mit glaubwürdigen Charakteren und einem illusionslosen Blick auf die australische Gesellschaft. Außerdem liest sich die Übersetzung von „Vergessene Schuld“ wesentlich flüssiger als die von „Kalter August“.

 

Peter Temple: Vergessene Schuld

(übersetzt von Sigrun Zühlke)

Goldmann, 2007

352 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

Bad Debts

Harper Collins Publishers, Australia, 1996

(Neuauflage 2003 bei The Text Publishing Company)

 

Weitere Informationen über Peter Temple:

Shotsmag interviewt Peter Temple

Meine Besprechung von “Kalter August” in der Berliner Literaturkritik und der Spurensuche


Sachdienliche Hinweise von Block bis Voss

Oktober 22, 2007

Tobias Gohlis schreibt jetzt nicht mehr in sein Krimitagebuch, sondern in seinen Blog.

Krimiautor Willi Voss ist unter die Blogger gegangen. Außerdem hat er mir (und damit der Krimiwelt gesagt):

Ja, ist wirklich an der Zeit, wieder einmal einen Krimi zu schreiben… ist in Arbeit. Nachdem ich einen dickleibigen Thriller fertig gestellt habe, der noch seinen Verleger sucht, steht das Ende des neuen Kriminalromans in Aussicht. Gute sechs Wochen noch, denke ich. Ob das Comeback gelingt, wird sich zeigen. 

Das hört sich gut an.

Kurz notiert:

The Writing Show interviewt David Simon, den Macher der Krimiserie „The Wire“ (Eine realistische, hochgelobte Serie, für die auch Ed Burns, Richard Price, Dennis Lehane und George Pelecanos schrieben. Über einen deutschen Start ist noch nichts bekannt.)

Mark Coggins interviewt Joe Gores über Dashiell Hammett (In dem Interview verrät Joe Gores auch, dass er Jahrzehnte nach seinem Roman „Hammett“ jetzt ein Prequel zu „Der Malterser-Falke“ schreibt.)

Blockianer aufgepasst! Krimiautor Wallace Stroby schreibt über den Matthew Scudder-Krimi „The Devil knows your’re dead“: „It is, in my mind, the ne plus ultra of the Scudder books and maybe one of the ten best private eye novels ever.

Things I’d rather be doing schreibt, dass die Sammlung von sehr frühen Kurzgeschichten „One Night Stands“ von Lawrence Block 2008 wiederveröffentlicht wird. Die erste Auflage ist schon lange ausverkauft. (Etwas runterscrollen bis „Early Lawrence Block stories coming back to print“)

Außerdem:

Heute ist der Erstverkaufstag von „Im Namen der Toten“ (The Naming of the Dead, 2006), dem neuen John Rebus-Roman von Ian Rankin. Das ist für uns ein viel wichtigeres Ereignis als der neue Harry Potter.  Eine Besprechung von dem fast sechshundertseitigen Werk gibt es demnächst.


Umfangreiche Einkaufsliste

September 14, 2007

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Einen ausgezeichneten Überblick über die Kriminalliteratur liefert die von Barry Forshaw geschriebene „The Rough Guide to Crime Fiction“. Der „Crime Time“-Herausgeber hat seinen Wegweiser in fünfzehn sinnvolle Kapitel unterteilt. In ihnen stellt er wichtige Romane und Autoren vor. Über einige Autoren, wie Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle, Ian Fleming (in Verbindung mit James Bond), Patricia Highsmith (mit einem Extrakapitel über Tom Ripley), Elmore Leonard, Derek Raymond und Jim Thompson, gibt es in Kästen weitere biographische Informationen. Sowieso bleibt Forshaw fast nie bei dem vorgestellten Roman stehen, sondern setzt diesen in Bezug zu den anderen Romanen des Autors, anderen zeitgenössischen Autoren, der Wirkung und, bei den Klassikern, wie sich die Geschichten heute lesen.

Bei der Einteilung der vorgestellten Romane in die verschiedenen Abschnitte orientierte Forshaw sich meistens an der Hauptperson. Dazu kommen Kapitel über die frühen, klassischen (Das Goldene Zeitalter), Hardboiled, historischen, psychologischen und ins Englische übersetzten Kriminalromane.

Bei der Auswahl der vorgestellten Romane gelang Forshaw der Spagat zwischen allgemein anerkannten Klassikern (bevorzugt natürlich einfach erhältliche Klassiker) und neuen Autoren, die das Genre in den kommenden Jahren voranbringen können. So wird auch der vielfach nominierte und prämierte Roman „Mr Clarinet“ von Nick Stone vorgestellt. Dass Lee Child (mit „Echo Burning“), Michael Connelly, Robert Crais, Joe R. Lansdale, Lawrence Block (nur ein Burglar-Roman; das halte ich natürlich für skandalös), Elmore Leonard (mehrere Romane; das versöhnt mich wieder), James Lee Burke, Ed McBain, Jeffery Deaver, Colin Dexter, Michael Dibdin, James Ellroy, H. R. F. Keating, Dennis Lehane, Donna Leon und Ian Rankin vorgestellt werden, überrascht nicht.

„The Rough Guide to Crime Fiction“ ist eine ausgezeichnete Kaufliste für Novizen (allerdings etwas teuer, denn Forshaw empfiehlt viele Bücher) und macht auch Kenner auf einige Autoren wieder (?) aufmerksam.

Barry Forshaw: The Rough Guide to Crime Fiction

Foreword by Ian Rankin

Rough Guides, 2007

320 Seiten

7,99 Pfund (circa 12,65 Euro)

 

Homepage von „Crime Time“

Vorwort von Ian Rankin

 

Für alle, die die Bücher auf Deutsch lesen wollen, gibt es jetzt die Liste der besprochenen Romane mit den deutschen Titeln:

1) Reading the entrails: Origins, motives, sources

E. C. Bentley: Trent’s Last Case, 1913 (Trents letzter Fall)

John Buchan: The Thirty-Nine Steps, 1915 (Die neunundreißig Stufen)

G. K. Chesterton: The Man Who Was Thursday, 1908 (Der Mann, der Donnerstag war)

Erskine Childers: The Riddle of the Sands, 1903 (Das Rätsel der Sandbank)

Arthur Conan Doyle: The Casebook of Sherlock Holmes, 1927 (Sherlock Holmes’ Buch der Fälle)

Ernest William Hornung: The Amateur Cracksmann, 1899 (Raffles – Der Amateur-Einbrecher)

2) The Golden Age: Classic mysteries

Margery Allingham: Tiger in the Smoke, 1952 (Die Spur des Tigers)

Nicholas Blake: The Beast must die, 1938 (Mein Verbrechen)

Christianna Brand: Green for Danger, 1944

John Dickson Carr: The Hollow Man/The Three Coffins, 1935 (Der verschlossene Raum; Die drei Särge; Der Unsichtbare)

Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934 (Mord im Orientexpress; Die Frau im Kimono; Der rote Kimono)

Edmund Crispin: Love Lies Bleeding, 1948 (Liebe stirbt zuerst; Mit Geheimtinte)

Erle Stanley Gardner: The Case of the turning Tide, 1941 (Das Rätsel der tanzenden Jacht)

Patrick Hamilton: Hangover Square, 1941 (Hangover Square – Eine Geschichte aus dem finstersten Earl’s Court)

Geoffrey Household: Rogue Male, 1939 (Einzelgänger, männlich; Der Gejagte)

Francis Iles: Malice Aforethought, 1931 (Vorsätzlich)

Ngaio Marsh: Surfeit of Lampreys, 1940 (Tod im Lift; Familie Lamprey)

Dorothy L. Sayers: Gaudy Night, 1936 (Aufruhr in Oxford)

Josephine Tey: The Franchise Affair, 1949 (Die verfolgte Unschuld; Der große Verdacht)

3) Hardboiled and pulp: Tough guys and tough talk

W. R. Burnett: The Asphalt Jungle, 1949 (Asphalt-Dschungel; Da waren es nur noch zwei)

James M. Cain: The Postman Always Rings Twice, 1934 (Wenn der Postmann zweimal klingelt…, Die Rechnung ohne den Wirt)

Raymond Chandler: The Big Sleep, 1939 (Der große Schlaf)

James Hadley Chace: No Orchids for Miss Blandish, 1939 (Die Erbschaft der Carol Blandish; Keine Orchideen für Miss Blandish)

David Goodis: The Moon in the Gutter, 1953 (Der Mond in der Gosse)

Dashiell Hammett: Red Harvest, 1929 (Rote Ernte)

Geoffrey Homes: Build my Gallows High, 1946 (Goldenes Gift)

Ross Macdonald: The Galton Case, 1959 (Der Fall Galton; Ein schwarzes Schaf verschwindet)

Mickey Spillane: Kiss me, deadly, 1952 (Küss mich, Tod; Rhapsodie in Blei; Die verlorenen Schlüssel)

Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen; Die Abzocker)

4) Private eyes: Sleuths and gumshoes

Kate Atkinson: Case Histories, 2004 (Die vierte Schwester)

James Lee Burke: Purple Cane Road, 2001 (Straße ins Nichts)

Harlan Coben: The Final Detail, 1999 ( – )

Michael Connelly: City of Bones, 2002 (Kein Engel so rein)

Robert Crais: The Last Detective, 2003 ( – )

Stella Duffy: Calendar Girl, 1994 (Septemberfrau)

Kinky Friedman: Steppin‘ on a Rainbow, 2001 (Tanz auf dem Regenbogen)

Sue Grafton: S is for Silence, 2006 ( – )

Dashiell Hammett: The Maltese Falcon, 1929 (Der Malteser-Falke)

Joseph Hansen: Gravedigger, 1982 (Schattenreich)

David Hewson: A Season for the Dead, 2004 (Das Blut der Märtyrer)

Joe R. Lansdale: Sunset and Sawdust, 2004 ( – )

Dennis Lehane: Prayers for Rain, 1999 (Regenzauber)

John D. MacDonald: One Fearfull Yellow Eye, 1966 (Die gelben Augen)

Ross Macdonald: The Moving Target, 1948 (Reiche sterben auch nicht anders; Das wandernde Ziel)

Katherine V. Forrest: Murder at the Nightwood Bar, 1987 (Die Tote hinter der Nightwood Bar)

Reggie Nadelson: Sex Dolls, 2002

Sara Paretsky: Blacklist, 2003 (Blacklist)

Robert B. Parker. Stone Cold, 2003 ( – )

George Pelecanos: Hell to Pay, 2002 (Wut im Bauch)

Mike Ripley: Angel on the Inside, 2003 ( – )

Alexander McCall Smith: The No. 1 Ladies Detective Agency, 2002 (Ein Krokodil für Mma Ramothswe; Dunkler Zauber)

Peter Spiegelman: Black Maps, 2004 ( – )

Nick Stone: Mr Clarinet, 2006 ( – )

5) Cops: Police procedurals and mavericks

Lee Child: Echo Burning, 2001 (In letzter Sekunde)

Jon Cleary: The High Commissioner, 1966

Martina Cole: Broken, 2000 ( – )

Jeffery Deaver: The Blue Nowhere, 2001 (Lautloses Duell)

Colin Dexter: The Way through The Woods, 1992 (Finstere Gründe)

Michael Dibdin: Medusa, 2003 (Im Zeichen der Medusa)

James Ellroy: LA Confidential, 1990 (L. A. Confidential; Stadt der Teufel))

Reg Gadney: The Scholar of Extortion, 2003 ( – )

Lisa Gardner: The Third Victim, 2001 (Der Schattenmörder)

Elizabeth George: A Traitor of Memory, 2001 (Nie sollst du vergessen)

Caroline Graham:A Ghost In The Machine, 2004 (Nur wer die Wahrheit sieht)

Donald Harstad: The Big Thaw, 2000 ( – )

P. D. James: The Murder Room, 2003 (Im Saal der Mörder)

Quintin Jardine: Head Shot, 2002 ( – )

H. R. F. Keating: Breaking And Entering, 2000 ( – )

Simon Kernick: The Business of Dying, 2002 (Tage des Zorns)

Stephen Leather: Soft Target, 2005 ( – )

Dennis Lehane: Mystic River, 2001 (Mystic River; Spur der Wölfe)

Donna Leon: Uniform Justice, 2003 (Verschwiegene Kanäle)

Ed McBain: The Empty Hours, 1962 (Zwischen Tag und Tod, in Ullstein Kriminalmagazin 3)

Barry Maitland: The Marx Sisters, 1994 (Die Marx-Schwestern)

Barbara Nadel: Arabesk, 2000 (Arabeske)

Martin O’Brien: Jacquot and the Angel, 2005 ( – )

Ian Rankin: The Falls, 2001 (Puppenspiel)

Ruth Rendell: The Babes in the Wood, 2002 (Dunkle Wasser)

Peter Robinson: Playing with Fire, 2004 (Kein Rauch ohne Feuer)

Georges Simenon: The Madman of Bergerac, 1932 (Maigret und der Verrückte von Bergerac; Maigret und der Verrückte)

Martin Cruz Smith: Gorky Park, 1981 (Gorki Park)

Joseph Wambaugh: Hollywood Station, 2006 ( – )

Charles Willeford, Sideswipe, 1987 (Seitenhieb)

Robert Wilson: The Silent and The Damned, 2004 (Die Toten von Santa Clara)

6) Professionals: Lawyers, doctors, forensics and others

James M. Cain: Double Indemnity, 1943 (Doppelte Abfindung)

Robin Cook: Seizure, 2003 (Die Operation)

Patricia Cornwell: Blowfly, 2003 (Die Dämonen ruhen nicht)

Janet Evanovich: Hard Eight, 2002 (Heiße Beute)

Frederick Forsyth: Avenger, 2003 (Der Rächer)

Clare Francis: A Dark Devotion, 1997 (Dunkles Geheimnis)

Tess Gerritsen: Body Double, 2005 (Schwesternmord)

John Grisham: The Broker, 2005 (Die Begnadigung)

George V. Higgins: The Rat on Fire, 1981

Val McDermid: The Last Temptation, 2002 (Ein kalter Strom)

Philip Margolin: Ties That Bind, 2003 ( – )

John McLaren: Blind Eve, 2004 ( – )

Kathy Reichs: Déjà Dead, 1997 (Tote lügen nicht)

Scott Turow: Presumed Innocent, 1987 (Aus Mangel an Beweisen)

7) Amateurs: Journalists and innocent bystanders

Christopher Brookmyre: Be My Enemy, 2004 ( – )

G. K. Chesterton: The Innocence of Father Brown, 1911 (Vater Browns Einfalt)

Martina Cole: The Graft, 2004 (Das Abbild)

Dick Francis: Dead Cert, 1962 (Aufs falsche Pferd gesetzt, Todsicher)

Jonathan Gash: Spend Game, 1980 ( – )

Robert Goddard: Dying To Tell, 2001 (Der verborgene Schlüssel)

Peter Guttridge: No Laughin Matter, 1997 ( – )

Mo Hayder: Tokyo, 2002 (Tokio)

Joanna Himes: Angels of the Flood, 2004 ( – )

Tami Hoag: Dark Horse, 2002 (Schattenpferd)

Lynda La Plante: Sleeping Cruelty, 2000 ( – )

Elmore Leonard: Rum Punch, 1992 (Jackie Brown)

John D. MacDonald: The Executioners, 1957 (Kap der Angst; Ein Köder für die Bestie)

Iain Pears: The Portrait, 2005 ( – )

Ruth Rendell: Adam and Eve and Pinch Me, 2001 (Der Liebesbetrug)

Phil Rickman: The Smile of a Ghost, 2005 ( – )

Michael Ridpath: The Predator, 2001 (Das Programm)

James Siegel: Derailed, 2003 (Entgleist)

Alexander McCall Smith: Friends, Lovers, Chocolate, 2005 (Das Herz des fremden Toten)

John Williams: Cardiff Dead, 2000 ( – )

8) All in the mind: Matters psychological

Carla Banks: The Forest of Souls, 2005 (Der Wald der toten Seelen)

Iain Banks: The Wasp Factory, 1984 (Die Wespenfabrik)

Marc Behm: The Eye of the Beholder, 1980 (Das Auge)

Thomas H. Cook: The Murmur of Stones, 2005 ( – )

Nicci French: Land of the Living, 2003 (In seiner Hand)

Frances Fyfield: Seeking Sanctuary, 2003 (Nur wer frei von Sünde ist)

Patrica Highsmith: Strangers on a Train, 1950 (Zwei Fremde im Zug; Alibi für zwei)

Maxim Jakubowski: Confessions of a Romantic Pornographer, 2004 ( – )

Morag Joss: Half Broken Things, 2003 (Des Hauses Hüter)

Jonathan Kellerman: Flesh and Blood, 2001 (Fleisch und Blut)

Danny Leigh: The Monsters of Gramercy Park, 2005 (Die Seele des Bösen)

Ed McBain/Evan Hunter: Candyland, 2001 ( – )

Julia Wallis Martin: Dancing with an uninvited Guest, 2002 (Tanz mit dem ungebetenen Gast)

Derek Raymond: I Was Dora Suarez, 1990 (Ich war Dora Suarez)

James Sallis: Ghost on a Flea, 2001 ( – )

Minette Walters: Disordered Minds, 2003 (Der Außenseiter)

Laura Wilson: Hello Bunny Alice, 2003 (Im Dunkel der Angst)

Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Fenster zum Hof, die einzige Kurzgeschichte in dem Buch)

9) The killer inside me: Serial killers

David Baldacci: Hour Game, 2004 (Mit jedem Schlag der Stunde)

Marik Billingham: Lifeless, 2005 (In der Stunde des Todes)

John Connolly: Bad Men, 2003 (Die Insel)

Bret Easton Ellis: American Psycho, 1991 (American Psycho)

James Ellroy: Silent Terror/Killer on the Road, 1986 (Stiller Schrecken)

Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

Mo Hayder: The Treatment, 2002 (Die Behandlung)

David Lindsey: A Cold Mind, 1983 (Kalter Amok)

Karin Slaughter: Faithless, 2005 (Gottlos)

James Patterson: Four Blind Mice, 2002 (Mauer der Schweigens)

Ruth Rendell: The Rottweiler, 2003 (Der Duft des Bösen)

Jim Thompson: The Killer inside Me, 1952 (Der Mörder in mir)

Charles Williams: Dead Calm, 1963 (Tödliche Flaute)

10) In the belly of the beast: Criminal protagonists

Alex Abella: The Killing of the Saints, 1991 (Fremde Götter)

Lawrence Block: The Burglar On The Prowl, 2002 ( – )

Eddie Bunker: No Beast so Fierce, 1973 (Wilder als ein Tier)

Martina Cole: Maura’s Game, 2002 ( – )

James Crumley: The Final Country, 2001 (Land der Lügen)

Frederick Forsyth: The Day of the Jackal, 1971 (Der Schakal)

Graham Greene: Brighton Rock, 1938 (Am Abgrund des Lebens)

Carl Hiaasen: Sick Puppy, 2000 (Krumme Hunde)

Gerald Kersh: Night and the City, 1938 (Nachts in der Stadt)

Elmore Leonard: Swag, 1976 (Beute; Dies ist ein Überfall)

Gilda O’Neill: The Sins of their Fathers, 2002 ( – )

Derek Raymond: The Crust on Its Uppers, 1962 ( – )

Kevin Sampson: Clubland, 2001 ( – )

Mark Timlin: Answers from the Grave, 2003 ( – )

11) Organized crime: Wiseguys and godfathers

Jake Arnott: The Long Firm, 1999 (Der große Schwindel)

W. R. Burnett: Little Caesar, 1929 (Little Caeser)

James Crumley: Bordersnakes, 1996 (Jeder gräbt sein eigenes Grab)

Ted Lewis: Get Carter/Jack’s Return Home, 1970 (Jack Carters Heimkehr; Jack rechnet ab)

Michael Dibdin: And Then You Die, 2002 (Roter Marmor)

James Ellroy: American Tabloid, 1995 (Ein amerikanischer Thriller)

Elmore Leonard: Get Shorty, 1990 (Schnappt Shorty)

Mario Puzo: The Godfather, 1969 (Der Pate)

Richard Stark: Point Blank/The Hunter, 1962 (Jetzt sind wir quitt, Payback)

Jim Thompson: The Getaway, 1959 (Getaway)

12) Crime and society: Class, race and politics

Nicholas Blincoe: Acid Casuals, 1995 (Acid Killers)

Natasha Cooper: Gagged & Bound, 2005 ( – )

Michael Crichton: State of Fear, 2004 (Welt in Angst)

Jon Courtenay Grimwood: 9tail Fox, 2005 ( – )

John Harvey: Ash & Bone, 2005 (Schau nicht zurück)

Chester Himes: Cotton comes to Harlem, 1965 (Schwarzes Geld für weiße Gauner)

John le Carré: The Constant Gardener, 2001 (Der ewige Gärtner)

Paul McAuley: White Devils, 2004 ( – )

Denise Mina: Exile, 2001 (Die zweite Tote)

Walter Mosley: Walking the Dog, 1999 (Socrates’ Welt)

Margaret Murphy: The Dispossessed, 2004 (Wer kein Erbarmen kennt)

Stel Pavlou: Gene, 2004 ( – )

David Peace: Nineteen Seventy Seven, 2000 (1977)

Georges Pelecanos: Drama City, 2005 ( – )

Joan Smith: A Masculine Ending, 1987 (Schmutziges Wochenende)

Martin Cruz Smith: Wolves eat Dogs, 2005 (Treue Genossen)

Robert Stone: Dog Soldiers, 1973 (Unter Teufeln)

Minette Walters: Acid Row, 2001 (Der Nachbar)

John Williams: The Prince of Wales, 2003 ( – )

13) Espionage: Spies, spooks and supercriminals

Eric Ambler: Journey into Fear, 1940 (Die Angst reist mit)

Desmond Bagley: Running Blind, 1970 (Blindlings)

Tom Clancy: Red Rabbit, 2002 (Red Rabbit)

Charles Cumming: A Spy by Nature, 2001 ( – )

Len Deighton: The Ipcress File, 1962 (IPCRESS – streng geheim)

Alan Furst: Blood of Victory, 2002 (Die Nacht der Sirenen)

Graham Greene: The Ministry of Fear, 1943 (Zentrum des Schreckens)

Jack Higgins: Bad Company, 2003 (Im Auftrag des Bösen)

John le Carré: The Spy who came in from the Cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Robert Littell: The Company, 2002 (Die Company – Die weltumspannende Sage über die CIA)

Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Die Bourne-Identität; Der Borowski-Betrug)

Charles McCarry: Old Boys, 2004 (In später Mission – angekündigt für 2007; Erscheinungstermin auf unbekannt verschoben)

Andy McNab: Dark Winter, 2003 (Feind ohne Namen)

Henry Porter: Empire State, 2003 (Empire State)

Chris Ryan: Land Of Fire, 2002 ( – )

Gerald Seymour: Traitor’s Kiss, 2003 ( – )

Robert Wilson: The Company of Strangers, 2001 (Das verdeckte Gesicht)

14) Through a glass darkly: Historical crime

Barbary Cleverly: The Damascened Blade, 2003 (Der Tod des Khan)

Lindsay Davis: A Body in the Bathhouse, 2001 (Eine Leiche im Badehaus)

Jeffery Deaver: Garden of Beasts, 2004 ( – )

Robert Harris: Fatherland, 1992 (Vaterland)

Jane Jakeman: In the Kingdom of Mists, 2002 ( – )

Donald James: Walking the Shadows, 2003 ( – )

Michael Jecks: The Last Templar, 1994 (Der letzte Tempelritter)

Deryn Lake: Death in the West Wind, 2001 ( – )

Peter Lovesey: The False Inspector Dew, 1982 (Abschied auf englisch)

Edward Marston: The Frost Fair, 2002 ( – )

Charles Palliser: The Quincunx, 1990 (Quincunx – Das Geheimnis der fünf Rosen)

Georges Pelecanos: Hard Revolution, 2004 ( – )

Elizabeth Peters: The Golden One, 2002 (Die goldene Göttin)

Ellis Peters: A morbid taste for Bones, 1978 (Im Namen der Heiligen)

Julian Rathbone: Lying in State, 1985 (Der Katafalk)

Candace Robb: A Trust Betrayed, 2000 ( – )

Robert Ryan: Night Crossing, 2004 ( – )

C. J. Sansom: Dissolution, 2003 (Pforte der Verdammnis)

Steven Saylor: Last seen in Massilia, 2000 ( – )

Andrew Taylor: The American Boy, 2003 (Der Schlaf der Toten)

David Wishart: A Vote for Murder, 2003 ( – )

Robert Wilson: A Small Death in Lisbon, 1999 (Tod in Lissabon)

15) Foreign bloodshed: Crime in translation

Boris Akunin: The Winter Queen, 2002 (Fandorin)

Guillermo Arriago: The Night Buffalo, 2005

Boileau-Narcejac: Celle qui n’etait pas/Les Diaboliques/The Fiends, 1954 (Die Teuflischen; Tote sollen schweigen)

Andrea Camilleri: The Terracotta Dog, 2004 (Der Hund aus Terracotta)

Friedrich Dürrematt: The Pledge, 1959 (Das Versprechen)

Umberto Eco: The Name of the Rose, 1985 (Der Name der Rose)

Karin Fossum: He who fears the Wolf, 2003 (Wer hat Angst vorm bösen Wolf)

Arnaldur Indridason: Voices, 2006 (Engelsstimme)

Sébastien Japrisot: Rider on the Rain, 1992 ( – )

Carlo Lucarelli: Almost Blue, 2003 (Der grüne Leguan)

Henning Mankell: Firewall, 2002 (Die Brandmauer)

Miyuki Miyabe: All she was worth, 1992 ( – )

Arturo Pérez-Reverte: The Queen of the South, 2002 (Königin des Südens)

Georges Simenon: The Man who watched Trains go by, 1946 (Der Mann, der den Zügen nachsah; Der Mann, der die Züge vorbeifahren sah)

Maj Sjöwall/Per Wahlöö: The Man who went up in Smoke, 1969 (Der Mann, der sich in Luft auflöste)

Fred Vargas: Wash this Blood clean from my Hand, 2007 (Der vierzehnte Stein)

Qui Xialong: When Red is Black, 2004 (Schwarz auf rot)

 

P. S.:

Die deutschen Titel sind nach bestem Wissen angegeben. Aber ich übernehme keine Garantie.

Ein „( – )“ bedeutet, dass es nach meinen Recherchen keine deutsche Übersetzung gibt. Keine Klammer bedeutet, dass es wahrscheinlich keine deutsche Übersetzung gibt oder ich den deutschen Titel nicht hinreichend genau herausgefunden habe.

Das ganze hat natürlich viel länger gedauert, als ich gedacht habe.


Gute Remakes

August 2, 2007

Es gibt aber auch gute Remakes. Teilweise, weil die erste Verfilmung des Stoffes grottenschlecht war (Denken Sie an „Der Satan und die Lady“ [Satan met a lady], die Verfilmung von „Der Malteser-Falke“) oder weil die Macher dem Stoff neue Facetten abgewonnen haben.

Deshalb – ohne eine bestimmte Ordnung – Remakes, die neben dem Original bestehen können oder besser sind:

Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956, R.: Alfred Hitchcock – das Original ist auch von ihm)

Scarface – Das Narbengesicht (USA 1982, R.: Brian de Palma)

Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)

52-Pick-Up (USA 1986, R.: John Frankenheimer – er hält sich an Leonards Roman. Die erste Verfilmung „Der Ambassador“ spielte in Israel.)

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Der stille Amerikaner (USA 2002, R.: Phillip Noyce)

Thomas Crown Affäre (USA 1999, R.: John McTiernan)

The Italian Job (USA 2003, R.: F. Gary Gray – halte ich für viel besser als das ziemlich angestaubte Original)

Diebe wie wir (USA 1973, R.: Robert Altman)

Atemlos vor Angst (USA 1976/1977, R.: William Friedkin – gefiel mir vor Jahren als unterhaltsamer Actioner. Ist unterschätzt.)

The Deep End – Trügerische Stille (USA 2000, R.: Scott McGehee, David Siegel – obwohl ich das Original von Max Ophüls nicht kenne)

Kiss of Death (USA 1995, R.: Barbet Schroeder)

Kopfgeld (USA 1996, R.: Ron Howard)

Kuss vor dem Tode (USA 1991, R.: James Dearden)

No way out – Es gibt kein zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)

Ocean’s Eleven (USA 2001, R.: Steven Soderbergh)

Das Versprechen (USA 2000, R.: Sean Penn – das Original „Es geschah am helllichten Tag“ ist auch gut)

Wenn der Postmann zweimal klingelt (USA 1981, R.: Bob Rafelson – bislang letzte Verfilmung von James M. Cains Klassiker)

Im Netz der Leidenschaften/Die Rechnung ohne den Wirt (USA 1946, R.: Tay Garnett – eine frühere Verfilmung des Buches)

Ossessione – Bessenheit (I 1942, R.: Luchino Visconti – noch eine frühere Verfilmung des Buches; nur die erste Verfilmung von 1939 ist fast unbekannt)

Body Snatcher (USA 1992, R.: Abel Ferrara)

Die Körperfresser kommen (USA 1978, R.: Philip Kaufman – zwei Remakes von Don Siegels „Die Dämonischen“ und beide gelungen)

Die Fliege (USA 1985, R.: David Cronenberg – obwohl das Orginal als Fifties-Schund auch gut ist.)

Katzenmenschen (USA 1982, R.: Paul Schrader)

 

Und:

Remakes, bei denen die Erstverfilmung unglaublich schlecht oder so alt ist, dass sie vollkommen vergessen ist oder das Original, wenn es synchronisiert wurde, so selten gezeigt wird, dass niemand es kennt:

Die Spur des Falken/Der Malteser-Falke (USA 1941, R.: John Huston – Yep, ein Remake. Genaugenommen die dritte Verfilmung von Hammetts Roman. Doch die erste schaffte es nie nach Deutschland und die zweite ist grottig.)

Fahr zur Hölle, Liebling (USA/GB 1975, R.: Dick Richards – dritte Verfilmung von Chandlers „Farewell, my lovely“)

Mord, mein Liebling (USA 1944, R.: Edward Dmytryk – zweite Verfilmung des eben genannten Buches von Chandler)

Das Haus der Lady Alquist (USA 1943, R.: George Cukor)

Infam (USA 1962, R.: William Wyler – das ebenfalls von Wyler inszenierte Original von 1936 ist heute fast unbekannt.)

Nachts unterwegs (USA 1940, R.: Raoul Walsh)

1984 (GB 1984, R.: Michael Radford – das Original ist aus dem Verkehr gezogen)

Sleepy Hollow (USA 1999, R.: Tim Burton – da gibt es einen ziemlich unbekannten Trickfilm von 1949)

Der gläserne Schlüssel (USA 1942, R.: Stuart Heisler – Jonathan Latimer schrieb das Drehbuch. Der Roman ist von Dashiell Hammett)

 

Wahrscheinlich habe ich ein halbes Dutzend guter Remakes vergessen.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juli 20, 2007

Welche verfilmten Kriminalromane laufen die kommenden zwei Wochen im Fernsehen? Die gewohnt liebevoll bebilderte Auflistung gibt es hier.

Als Appetitanreger das Intro:

Hallo liebe Krimifreunde,
herzlich willkommen zu zwei bluttriefenden Wochen mit Edgar Wallace, Henning Mankell und Dashiell Hammett. Von letzterem gib es den abschließenden Teil des „Fluches des Hauses Dain“ und den auch in der x-ten Wiederholung vergnüglichen „Dünnen Mann“. Zu den empfehlenswerten Filmen der kommenden Tage gehören Brian De Palmas Edwin Torres-Verfilmung „Carlito’s Way“ (mit Al Pacino), Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“-Serie, Don Siegels Glendon Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ (auch der letzte John Wayne-Film), Wim Wenders Patricia Highsmith-Verfilmung „Der amerikanische Freund“, René Clements Highsmith-Verfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“, Paul Schrades viel zu unbekannte Elmore Leonard-Verfilmung „Touch – Der Typ mit den magischen Händen“, Alfred Hitchcocks Victor Canning-Verfilmung „Familiengrab“ (der letzte Film des Meisters), John Boormans John le Carré-Verfilmung „Der Schneider von Panama“, Philip Noyces Graham Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Bertrand Taverniers Georges Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“ (Arte wiederholt) und seine grandiose Jim Thompson-Verfilmung „Der Saustall“.
Für die Filmenthusiasten gibt es bei 3sat einen kleinen Edgar G. Ulmer Abend mit der Doku „Edgar G. Ulmer – der Mann im Off“ und seinem bekanntesten Film „Die schwarze Katze“.
 


Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 4

Juli 10, 2007

Bleiben wir bei den kleinen Verlagen, die teilweise nur einen Krimi veröffentlichen. Wie immer sind die Werke, auf die ich mich besonders freue, dick hervorgehoben.

Assoverlag

Ursula Sternberg: Variationen der Wahrheit oder: von Liebe, Käse und anderen Dingen (Das zweite Buch von Sternberg ist ein ‚rasanter Gourmet-Krimi’ [Verlagsprosa]. Ein EU-Kommissar wird ermordet. Eine Käsehändlerin und ein Polizist ermitteln.)

 

Conzett bei Oesch

September

Kaspar Wolfensberger: Liebeskrank – Interview mit List (Vor seinem Tod gibt der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik ein Interview.)

 

Daedalus Verlag

Christina Bacher/Harald Justin (Hrsg.): Jazz in Crime – Kalender für Kriminalliteratur (eine etwas eklektische Zusammenstellung über – unter anderem – Bill Moody, Charles Mingus, das Billie Holiday-Lied „Strange Fruit“ und „Verbrechen und Jazz im Film“ schreiben unter anderem Ulrich Kriest, Thomas Wörtche und sicher auch Harald ‚Jazzthetik’ Justin)

 

Gollenstein Verlag

Walter Wolter: Ein Lied vom Tod (Die Inhaltsangabe verwirrt. Privatdetektiv Bruno Schmidt ist der Leibwächter einer Konzernerbin. Gleichzeitig geht im Saarland ein Mörder um, der vor der Tat den Opfern das „Lied vom Tod“ vorspielt. Und Schmidt erhält von einer todkranken Diva eine außergewöhnliche Lebensperspektive)

 

Panini

Ist in erster Linie ein Comic-Verlag. Die Marvel-Helden, die Simpsons und viele weitere in der Szene geschätzte Comics, wie die Werke von Frank Miller, erscheinen bei Panini in der deutschen Übersetzung.

Für Krimifans hat der Verlag demnächst im Angebot:

Gerade erschienen:

Brad Meltzer: Justice League of America I: Aus der Asche (der Thriller-Autor erfindet Geschichten für eine DC-Comicserie.)

18. Juli

Collins/Rodriguez/Wood: CSI: Das Dämonenhaus

22. August

Neil Gaimans Niemandsland (neuer Comic des Multitalents)

23. August:

M. Fraction/A. Olivetti: Punisher War Journal 1 (enthält die Marvel-Bücher „Punisher War Journal 1-4“)

 

Pendragon

Juli

Frank Göhre: St. Pauli Nacht (Frank Göhre ist wieder zurück. Anscheinend hat er seinen Episodenroman „St. Pauli Nacht“ für diese Ausgabe überarbeitet. Der Verlag legt eine DVD mit dem gleichnamigen Spielfilm und weiteren Informationen bei. Also noch ein Grund, sich diese – nach meiner Zählung – dritte Ausgabe von „St. Pauli Nacht“ anzuschaffen.)

Robert B. Parker: Der stille Schüler (School Days, 2005; Der neue Spenser.)

Roland Voggenauer: Blut und Wasser (Staudacher klärt einen über hundert Jahre zurückliegenden Mord auf.)

August

Colin Higgins: Harold und Maude (Okay, kein Krimi, aber Kult und endlich wieder auf Deutsch erhältlich)

September

Mechthild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern (Ein ehrbarer Mann mit schmutziger Weste wird umgebracht. Die Polizei ermittelt.)

Erwin Grosche: Der falsche Priester (Ein Privatdetektiv, der sich als Priester tarnt, klärt eine Mordserie auf. Hm.)

Cem Melou: Toxische Killer (Ist wohl ein S-F-Thriller über die bösen Machenschaften eines Lebensmittelherstellers, der über Leichen geht.)

Andy Strässle: Die Wodka-Verschwörung (Roberta soll für ihren Chef herausfinden, ob er wirklich der Vater ist. Sie recherchiert in einer Befruchtungsklinik, die etwas verbergen will.)

 

Unionsverlag

Metro-Herausgeber Thomas Wörtche verlässt nach jahrelanger Aufbauarbeit den Verlag. Deshalb ist das Herbstprogramm das letzte von ihm vollständig betreute Programm.

Juli

Jean-Claude Izzo: Leben macht müde (Vivre fatigue, 1998 – ein weiterer Nicht-Krimi von Izzo)

Bill Moody: Bird lives! (Bird lives!, 1999 – die Taschenbuchausgabe)

Manfred Wieninger: Der Engel der letzten Stunde (die Erstausgabe erschien 2005 bei Haymon – Privatdetektiv Marek Miert sucht ein verschwundenes Mädchen und hat Ärger mit einem durchgeknallten Oberleutnant)

August

Bruno Morchio: Kalter Wind in Genua (Bacci Pagano – Una storia da carruggi, 2004 – Kann Privatdetektiv Bacci Pagano das Attentat auf den Ministerpräsidenten verhindern? Als Vorbilder nennt Morchio Vázquez Montalbán, Izzo und Chandler. Keine schlechte Wahl.)

Gabriel Trujillo Munoz: Erinnerung an die Toten (Puesta en excena, 2002; La memoria de los muertos, 2005 – zwei weitere Abenteuer mit dem Menschenrechtsanwalt Morgado. Der erste Band „Tijuana Blues“ gefiel mir sehr gut.)

September

Patrik Boman: Peabody ghet in die Knie (Peabody met un genou en terre, 2000 – Erstausgabe erschein 2006 bei Zebu – Zweiter Peabody-Krimi: Er sucht den Mörder einer unbekannte, im Trog des frommen Färbermeisters gefundenen Leiche.)

Joe Gores: Hammett (Hammett, 1975 – Endlich erscheint der bekannteste Roman von Joe Gores wieder. Er verwickelt Dashiell Hammett in einen fiktiven Kriminalfall. Wim Wenders verfilmte das Buch.)


Ein bisschen Luxus – Teil 2: Erste Person oder Dritte Person?

Juni 1, 2007

Letzte Woche habe ich gesagt, ich orientiere mich am klassischen PI-Roman. Doch schon im zweiten Satz „Verärgert blickte Diana Schäfer auf.“ breche ich die eherne Regel, dass ein PI-Roman immer in der ersten Person geschrieben ist. Sicher, ich kann jetzt auf die PI-Romane verweisen, die auch in der Dritten Person geschrieben sind, wie den Klassiker, „Der Malteser-Falke“ von Dashiell Hammett. Harlan Coben tut’s in seinen Myron Bolitar-Romanen ebenfalls. Aber dann muss ich lange überlegen.

Denn traditionell wird seit den Tagen von Raymond Chandlers Philip Marlowe eine PI-Geschichte aus der Sicht des Detektivs erzählt. Wir sehen den gesamten Fall mit seinen Augen. Mike Hammer von Mickey Spillane, Lew Archer von Ross Macdonald, Spenser von Robert B. Parker, Milo Milodragovitch und C. W. Sughrue von James Crumley, Matthew Scudder von Lawrence Block, Elvis Cole von Robert Crais, Nate Heller von Max Allan Collins, Hap Collins von Joe R. Lansdale, Alex McKnight von Steve Hamilton, Vic Warshawsky von Sara Paretsky, Carlotta Carlyle von Linda Barnes, Kinky Friedman undsoweiter. Immer „ich“, „ich“, „ich“.

Sogar Michael Connelly wechselte in die erste Person als sein Ermittler Harry Bosch als Privatdetektiv arbeitete.

Also warum wich ich in diesem Punkt von den Regeln ab?

Die kurze Antwort ist: Weil es für diese Geschichte so am Besten war.

Aber das erklärt natürlich nichts. Deshalb ist die lange Antwort, ohne zuviel von der Geschichte zu verraten:

Als ich mir überlegte, wie ich die Geschichte erzählen wollte, standen für mich einige Punkte schnell fest. Denn so sehr ich dem klassischen PI-Muster folge, wollte ich auch Thriller-Elemente in die Geschichte integrieren. Oder anders gesagt: ich plante einen Thriller mit einer Privatdetektivin als Heldin. Ich hatte kein Interesse an einem Whodunit. Ich hatte kein Interesse an einer Charakterstudie. Alles was wir über die verschiedenen Charaktere erfahren, wollte ich über ihre Taten vermitteln.

Dann wollte ich am Ende keine großen Erklärungen abgeben. Es sollte nicht zu der Szene kommen, in der Diana Schäfer den Bösen mit der Wahrheit konfrontiert und dieser dann seine Taten zugibt. Noch weniger wollte ich die umgekehrte Szene haben, in der der Böse seine Taten gesteht und erklärt, warum er es gemacht hat. Also musste ich nach einer Möglichkeit suchen, die wichtigen Informationen irgendwo in der Erzählung zu platzieren, ohne dass die Heldin, aber wir Lesenden, davon erfahren.

Bei einer Ich-Erzählung erfährt das Publikum aber nur, was der Held erfährt. Deshalb muss er zu allen wichtigen Orten der Geschichte selbst gehen oder jemand berichtet ihm von wichtigen Ereignissen, bei denen er nicht dabei. Das heißt aber auch, dass diese Person einen Grund haben muss, dem Ich-Erzähler davon zu erzählen. Und auch dann weiß der Ich-Erzähler nicht, ob er belogen wird und ob er alle wichtigen Informationen hat.

Mit dem Wechsel in die dritte Person hatte ich dagegen die Freiheit auch von Ereignissen zu erzählen, von denen der Detektiv nichts weiß und von denen ihm niemand etwas erzählen kann oder wird.

In „Ein bisschen Luxus“ erfährt Diana Schäfer nicht alles über die Bösen und ihre Taten. Einiges erfährt sie vielleicht nie. Einiges nach dem Ende der von mir erzählten Geschichte. Aber wir Leser wissen es und das ist genug.

Ich hätte natürlich die Geschichte anders erzählen können, aber, wie bereits gesagt, wollte ich in „Ein bisschen Luxus“ auch eine richtige Thrillerspannung haben. Eine Spannung die dazu führt, dass man letztendlich das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Spannung kann, auch das ist kein großes Geheimnis, am einfachsten erzeugt werden, wenn immer wieder gezeigt wird, wie die Gegner des Helden ihre Taten vorbereiten und so die Pläne des Helden zum Scheitern bringen können. Denken Sie nur an das letzte Wettrennen das Sie sahen und wie Sie mit ihrem Favoriten bangten, zitterten und hofften, dass er gewinnt.

Bei einer Ich-Erzählung ist dieses Scheitern dann ein Schock. Wenn es keine Überraschung sein soll, muss der Ich-Erzähler das drohende Unheil immer wieder ankündigen. Wenn das zu oft geschieht, liest es sich irgendwann nicht mehr schön. Denn unser Held stolpert wie ein Trottel in sein Verhängnis und kann sich letztendlich daraus befreien.

Und damit komme ich zum letzten Grund für die von mir gewählte Perspektive: Ich kann den Helden sterben lassen. In einer Ich-Erzählung ist das nicht möglich .


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