Neu im Kino/Filmkritik: Was ist „Under the Silver Lake“?

Dezember 10, 2018

Sam ist ein archetypischer Slacker: er schlurft durch Los Angeles, verbringt viel Zeit in seinem Apartment, aus dem er demnächst wegen ausstehender Mietzahlungen fliegen könnte, und er beobachtet seine Nachbarn. Zum Beispiel die vollbusige Hippie-Braut, die gerne unbekleidet durch ihre Wohnung streift. Sam ist zwar schon über Dreißig, aber er lebt das Leben eines zwanzigjährigen College-Studenten.

Eines Tages lädt ihn die neue Nachbarin Sarah in ihr Apartment ein. Sie haben Sex. Sam verliebt sich in die gutaussehende Nachbarin. Am nächsten Tag ist sie spurlos verschwunden. In der leergeräumten Wohnung findet Sam ein Zeichen und einen Schuhkarton mit Erinnerungsstücken. Er vermutet ein großes Verbrechen und eine noch größere Verschwörung. Er beginnt sie zu suchen und taucht dabei tief in die Mythologie von Los Angeles und unzählige Verschwörungstheorien, die auch in dem titelgebenden Comic angesprochen werden, ein. Er will herausfinden, was „Under the Silver Lake“ ist und, wie jeder gutsortierte Verschwörungstheoretiker hat er die obskursten Comics, Werbung, Karten und jahrzehntealte Cornflakes-Packungen in seinem Apartment.

Under the Silver Lake“ ist der neue Film von David Robert Mitchell. Sein vorheriger Film, der ungewöhnliche Horrorfilm „It follows“, wurde von der Horrorfilmgemeinde und Kritikern euphorisch aufgenommen. Aktuell schwankt seine Bewertung zwischen Kultfilm und künftigem Klassiker. Nach dem auch kommerziellem Erfolg des Horrorfilms ließen die Produzenten Mitchell bei seinem neuen Werk anscheinend freie Hand. Mitchell nutzte sie, um als Filmfan einen Film für andere Filmfans zu inszenieren, die sich gegenseitig erklären können, welche Filme in welcher Sekunde zitiert werden. Es dürfte schwer fallen, mehr als fünf zusammenhängende Filmminuten zu finden, in denen es keinen Verweis auf andere Filme gibt.

Der Neo-Noir ist allerdings auch ein Film, der mit hundertvierzig Minuten deutlich zu lang geraten ist und dem die ordnende Hand eines Produzenten fehlt. „Under the Silver Lake“ wirkt wie ein im jugendlichen Überschwang geschriebenes Drehbuch, in das einfach alles hineingestopft wurde, was einem wichtig ist. Gleichzeitig wirkt der in der Gegenwart spielende Film (bzw. nach den im Film gezeigten TV-Nachrichten 2011) wie ein Drehbuch aus den neunziger Jahren, das mit einigen Handys, Drohnen und Laptops aktualisiert wurde. Damit positioniert sich Mitchells Werk zwischen Slacker-Komödien, „The Big Lebowski“, „Lost Highway“, „Mulholland Drive“, „Maps to the Stars“ (Cronenbergs Hollywood-Portrait mit Geistern) und, obwohl in den siebziger Jahren spielend, „Inherent Vice – Natürliche Mängel“. Alle diese Komödien und Noirs sind deutlich gelungener, weil sie immer etwas über die Entstehungszeit des Films und, wenn der Film in einer anderen Zeit (oder einer anderen Welt) spielt, über diese Zeit und wie wir sie heute sehen, aussagen.

Mitchels sehr stilbewusste Neo-Noir-Komödie erzählt nichts über die Gegenwart, sondern er wirkt wie ein Film aus den Neunzigern, den damals niemand im Kino sah. Das gesamte System an Referenzen verweist noch weiter in die Vergangenheit: ein wenig siebziger Jahre Freizügigkeit (für einen US-Film gibt es viel nackte Haut) und die vierziger und fünfziger Jahre, mit Anspielungen auf den Film Noir, Alfred Hitchcock und Marilyn Monroe. Und wer will, kann mühelos noch etwas „L. A. Confidential“ James Ellroy entdecken, ehe der Film eine Abbiegung zur Underground-Comickultur nimmt.

Under the Silver Lake“ ist eine Zitatsammlung, die letztendlich nie über die Form eines durchaus sympathischen zwanzig Jahre alten Zettelkastens hinauskommt.

Under the Silver Lake (Under the Silver Lake, USA 2018)

Regie: David Robert Mitchell

Drehbuch: David Robert Mitchell

mit Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace, Callie Hernandez, Don McMandus, Jeremy Bobb, Riki Lindholme Zosia Mamet, Jimmi Simpson, Grace van Patten

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Under the Silver Lake“

Metacritic über „Under the Silver Lake“

Rotten Tomatoes über „Under the Silver Lake“

Wikipedia über „Under the Silver Lake“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Robert Mitchells „It Follows“ (It Follows, USA 2014)

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Neu im Kino/Filmkritik: Filmische Experimente: „Utøya, 22. Juli“

September 20, 2018

Ein Film erzählt über seine Schnitte und die Montage seine Geschichte. Und gerade deshalb probieren Regisseure immer wieder, einen Film ohne einen einzigen Schnitt zu erzählen. Während Alfred Hitchcock beim Dreh von „Cocktail für eine Leiche“ (Rope) aufgrund der damaligen Länge der Filmrollen alle zehn Minuten tricksen musste, können heutige Kameras scheinbar endlos aufnehmen und aufgrund ihrer Größe sind sie auch sehr beweglich. Die Grenze ist die physische Kondition des Kameramanns. Sebastian Schipper inszenierte den 140-minütigen sehr bewegungsintensiven Gangsterfilm „Victoria“. Das Experiment gelang. Es gibt sogar einen von Dani Levy inszenierten „Tatort“, der ohne einen einzigen Schnitt auskommt.

In „Utøya 22 Juli“ erzählt Erik Poppe seine Geschichte ebenfalls ohne einen Schnitt. So will er die Zuschauer in die Situation seiner jugendlichen Protagonisten auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011 bringen. Er will ihre Geschichte erzählen und den Blick vom Täter auf die Opfer seiner Tat bringen.

An dem Tag stürmte der schwerbewaffnete Rechtsterrorist Anders Breivik auf die Insel und schoss wahllos um sich. In dem Moment sind ungefähr fünfhundert Jugendliche auf Utøya in einem Sommercamp der Jugendorganisation AUF der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet. Breivik erschießt 67 Menschen und er verursacht den Tod von zwei weiteren Menschen.

Im gesamten Film, im Abspann und im Pressematerial wird sein Name nicht einmal erwähnt. Auch im Film taucht er nur am Ende kurz als Silhouette am Horizont auf. Es ist das ausdrückliche Programm des Films, ihm kein Forum zu geben.

Während Breivik mordet, begleiten Poppe und sein Kameramann Martin Otterbeck vor allem die 18-jährige Kaja. Sie flüchtet, geht wieder zurück in das Zeltlager, sucht ihre jüngere Schwester und versucht zu helfen. Ohne einen Überblick über die Situation zu haben. Sie und die anderen Jugendlichen, wissen nicht, wer auf sie schießt. Sie wissen nicht, ob es sich um einen Terroranschlag (kurz davor zündete Breivik in Oslo eine Autobombe), eine nicht angekündigte Militärübung oder einen schlechten Scherz handelt. Sie und die anderen Teilnehmer des Sommercamps wissen auch nicht, ob eine oder mehrere Personen auf sie schießen.

Es dauert 72 Minuten, bis die Polizei auf die Notrufe reagiert und auf der Insel eintrifft. Poppe erzählt diese Stunde des Grauens, mit einem kurzen Prolog, in Echtzeit. „ Utøya 22. Juli“ dauert 98 Minuten.

Mit seinem Spielfilm will Poppe den Opfern eine Stimme geben. Deshalb zeigt er, bis auf einen kurzen Moment am Filmende nie den Täter. Er kümmert sich, was im Rahmen der von ihm erzählten Filmgeschichte auch unmöglich ist, auch nicht um Breiviks Motivation, Motive und Psyche.

Das ist ein ehrenwertes Anliegen und wenn er mit seinem Film zur Traumabewältigung bei den Betroffenen beiträgt, kann nichts dagegen gesagt werden.

Aber hier geht es um den Film als Film und wie sehr er dem unbeteiligten Zuschauer etwas erzählen kann.

Beginnen wir mit dem Film.

Ja, es ist aus technischer Sicht beeindruckend, wie beweglich die Kamera ist und welche Laufleistungen Kameramann Otterbeck vollbringt. Aber die Filmgeschichte erschöpft sich weitgehend im Wegrennen und im Matsch liegen, während im Hintergrund weitere Jugendliche durch das Bild laufen. Das ist schnell redundant und auch nur von begrenztem Erkenntnisgewinn.

Die Opfer sind willkürlich gewählt. Sie haben nichts getan, was sie zum Opfer prädestiniert. Ihr Tod und ihr Leben, wenn es denn erzählt wird (was „„Utøya 22 Juli“ nicht tut), verrät uns nichts, was die Tat irgendwie erklärt oder erklärbar macht. Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge.

Aufgrund der von Poppe gewählten Filmgeschichte können wir über die Opfer auch nicht mehr erfahren. Es sind Teenager, die Todesangst haben, sich verstecken, schreiend weglaufen und, meistens off screen, erschossen werden und sterben. Sie sind, abseits von dem, was sie innerhalb der wenigen Filmminuten tun, keine Individuen. Sie sind, wie man es aus einem Horrorfilm kennt, Schlachtvieh, das beim Zuschauer im sicheren Kinosessel für wohligen Schauer sorgen soll.

Das ist das Problem, der Filmgeschichte, die letztendlich den gängigen Konventionen des Horrorfilm folgt und Terror verbreiten soll.

Ein anderes Problem des Films ist der Umgang mit der Realität.

Die Geschichte von „Utøya 22. Juli“ entstand aus Gesprächen mit den Überlebenden des Anschlags. Anschließend verdichteten Poppe und die Drehbuchautorinnen Siv Rajendram Eliassen und Anna Bache-Wiig diese Geschichten zu einer auf wahren Ereignissen beruhenden Geschichte mit ausschließlich erfundenen Charakteren.

Aus Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen seien, so die Macher im Presseheft und im Abspann, alle Figuren im Film und ihre Erfahrungen vollständig fiktiv. Damit unterminiert der Film seinen Anspruch, die wahren Ereignisse zu erzählen. Er erzählt nicht die Geschichte der Opfer, sondern Geschichten, die von den Menschen inspiriert sind, die damals auf der Insel waren. Es ist an den entscheidenden Stellen ein fiktives Werk, das uns nichts über die Opfer, die damaligen Ereignisse (Warum dauerte es so lange, bis die Polizei eintraf?) oder den Täter verrät. Jeder dieser Punkte wäre in einer anderen Form besser aufgehoben gewesen. Und die Identifikation mit den Opfern – den Ermordeten und den Überlebenden des Anschlags – wäre in einer konventionellen Dokumentation, in der sie von ihren Erlebnissen und Gefühlen erzählen, eindrucksvoller gewesen.

Utøya 22. Juli“ ist, das muss so hart gesagt werden, ein auf mehreren Ebenen gescheiterter Film, der scheitern musste. Er ist eine ärgerliche Fiktion, voll falscher Entscheidungen. Da hilft auch nicht die Idee, alles in einer Einstellung zu drehen. .

Utøya, 22. Juli (Utøya 22. Juli, Norwegen 2018)

Regie: Erik Poppe

Drehbuch: Siv Rajendram Eliassen, Anna Bache-Wiig

mit Andrea Berntzen, Elli Rhiannon Müller Osborne, Aleksander Holmen, Brede Fristad

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „ Utøya 22. Juli“

Metacritic über „ Utøya 22. Juli“

Rotten Tomatoes über „ Utøya 22. Juli“

Wikipedia über „ Utøya 22. Juli“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „ Utøya 22. Juli“


Neu im Kino/Filmkritik: Margarethe von Trotta ist „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Juli 12, 2018

Ingmar Bergman ist einer der großen Regisseure der Kinogeschichte und etliche renommierte Regisseure bekennen freimütig, wie sehr Bergman sie beeinflusste. Auch Margarethe von Trotta gehört zu seinen Bewunderern. Als Achtzehnjährige sah sie in den frühen sechziger Jahren in Paris „Das siebente Siegel“ und war sofort begeistert. Bergmans Drama unterschied sich vollständig von den Filmen, die normalerweise in deutschen Kinos gezeigt wurden. Sie wurde später wegen diesem Film Schauspielerin und Regisseurin. Ihren Film „Die bleierne Zeit“ nahm Bergman in einer Liste seiner zehn Lieblingsfilme auf.

Heute sind die Filme des am 30. Juli 2007 auf Fårö gestorbene schwedische Regisseur Ingmar Bergman fast unbekannt. Jedenfalls beim breiten Publikum. Im Gegensatz zu den oft im Fernsehen laufenden Filmen von Alfred Hitchcock oder Stanley Kubrick werden Bergmans Filme selten im Fernsehen gezeigt. Auf DVD sind sie zwar erhältlich, aber halt nicht als Stapelware oder Angebot der Woche im nächsten Elektronik-Handel.

Denn Ingmar Bergmans Filme sind schwere Kost. Seine bekanntesten Film – „Das Lächeln einer Sommernacht“ (1956), „Das siebente Siegel“ (1957), „Wilde Erdbeeren“ (1958), „Das Schweigen“ (1963), „Persona“ (1966) und „Die Stunde des Wolfs“ (1968) – entstanden bereits vor über fünfzig Jahren und es sind SW-Filme. „Szenen einer Ehe“ (1973) und „Das Schlangenei“ (1977) waren spätere Erfolge, ehe er mit dem dreistündigen Epos „Fanny und Alexander“ 1982 seinen mit dem Filmstart angekündigten Abschied vom Kino nahm. Er inszenierte danach weitere Filme. Aber für das Kino war er verloren. Es waren TV-Arbeiten, die alle nicht die lange anhaltende Rezeption und Bekanntheit seiner Kinofilme haben.

Seit Mitte der siebziger Jahren inszenierte Bergman vor allem Theaterstücke. Unter anderem arbeitete er viele Jahre am Münchner Residenztheater. Teilweise waren diese Stücke die Grundlage für spätere Filme, wie „Herbstsonate“ (1978) und „Aus dem Leben der Marionetten“ (1980), ein TV-Film mit Robert Atzorn, Rita Russek und Gaby Dohm, die damals zum Ensemble des Residenztheaters gehörten.

Mit Russek und Dohm unterhielt von Trotta sich für ihr Doku-Essay „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“. Ihr erster Dokumentarfilm ist formal mit seiner Mischung aus Filmausschnitten, Archivaufnahmen und sprechenden Köpfen ein konventioneller Dokumentarfilm. Allerdings interessiert sie sich nicht dafür, chronologisch und möglichst umfassend Bergmans Werk vorzustellen. Sie geht auch davon aus, dass man Ingmar Bergmans Werk und seine Bedeutung für die Filmgeschichte wenigstens rudimentär kennt. Sonst hätte sie mehr auf Bergmans Klassiker und weniger auf seine Zeit in Deutschland konzentriert, wohin er 1976 nach einer schnell fallengelassenen Klage wegen Steuerhinterziehung floh und die nächsten Jahre vor allem am Theater arbeitete.

Neben Russek und Dohm unterhielt von Trotta sich für den Film mit anderen Filmschaffenden, wie Jean-Claude Carrière, Olivier Assayas, Carlos Saura und Ruben Östland, Menschen, die mit Bergmann arbeiteten, wie die Schauspielerin Liv Ullmann, seine Assistenten Katinka Faragó und Johannes Kaetzler (am Bayerischen Staatsschauspiel), und Bergmans Kindern Daniel und Ingmar. Insgesamt war Bergman fünfmal verheiratet und er hat neun Kinder. In diesen Gesprächen wird auf Bergmans problematische Persönlichkeit, seine Themen und sein Umgang mit seinen Ehefrauen und Kindern eingegangen. Das eröffnet einen intimen Blick auf Bergman und am Ende des Films will man wieder einen Bergman-Film sehen.

Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Deutschland 2018)

Regie: Margarethe von Trotta, Felix Moeller (Co-Regie), Bettina Böhler (Co-Regie)

Drehbuch: Margarethe von Trotta, Felix Moeller

mit Ingmar Bergman (Archivaufnahmen), Margarethe von Trotta, Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Mia Hansen-Love, Carlos Saura, Olivier Assayas, Stig Björkman, Gunnel Lindblom, Jean-Claude Carriére, Ingmar Bergman Jr., Katinka Faragó, Jan Holmberg, Johannes Kaetzler, Gaby Dohm, Rita Russek, Halfdan Ullman Tøndel, Mia Hansen-Løve, Julia Dufvenius

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Moviepilot über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Rotten Tomatoes über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Wikipedia über Ingmar Bergman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas “Hannah Arendt” (Deutschland 2012; DVD-Besprechung)

Ingmar Bergman im TV

Eigentlich ist ein Geburtstag oder Todestag für die TV-Sender eine willkommene Gelegenheit, noch einmal all die wichtigen und weniger wichtigen Filme des Geehrten zu zeigen. Und wenn das wichtige Datum im Sommer während einer Fußball-WM ist, müssen die Programmplaner sich beim Plündern der Archive auch keine Gedanken mehr über die Quote machen.

Aber bei Ingmar Bergman wird wenig gezeigt und bei einem Sender, von dem man es nicht erwartet hätte, scheint ein fanatischer Ingmar-Bergman-Fan zu sitzen, der sein Wunschprogramm sogar ohne Werbepausen präsentieren darf.

Gezeigt werden

Samstag, 14. Juli

3sat, 20.15: Ingmar Bergman – Herr der Dämonen (Dokumentarfilm, TV-Premiere)

3sat, 21.15: Szenen einer Ehe (Schweden 1973)

Tele 5, 20.15: Das siebente Siegel (Schweden 1956)

Tele 5, 21.45: Wilde Erdbeeren (Schweden 1957)

Tele 5, 23.15: Das Schweigen (Schweden 1963)

Sonntag, 15. Juli

Tele 5, 20.15: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Kinofassung)

Tele 5, 23.10: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Vierteilige TV-Fassung)

Tele 5, 04.10: Das siebente Siegel (Schweden 1956)


TV-Tipp für den 6. Juli: Frenzy

Juli 6, 2018

3sat, 22.25

Frenzy (Frenzy, Großbritannien 1972)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)

Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.

Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“

Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)

Anschließend, um 00.15 Uhr, läuft „Psycho“.

Mit Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Frenzy“

Wikipedia über „Frenzy“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Juli: Über den Dächern von Nizza

Juni 30, 2018

Tele 5, 20.15

Über den Dächern von Nizza (To catch a Thief, USA 1955)

Regie.: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: David Dodge: To catch a thief, 1952

John Robie hat sich zur Ruhe gesetzt. Als ein anderer Einbrecher Robies Stil nachahmt, will er im wohlverstandenen Eigeninteresse den Nachahmer fangen.

Lockere Krimikomödie von Hitchcock, die zur Blaupause für künftige kultivierte Thriller-Romanzen werden sollte. Hitchcock war besonders an dem Aspekt der fetischistischen Liebe (To catch a thief) interessiert und pfiff – wie so oft – auf die Logik.

Mit Cary Grant, Grace Kelly (die danach den Fürst von Monaco heiratete), Charles Vanel, Jessie Royce Landis, Brigitte Auber, René Blancard

Wiederholung: Montag, 2. Juli, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Über den Dächern von Nizza“

Wikipedia über „Über den Dächern von Nizza“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

 


Die Shamus-Nominierungen 2018

Juni 4, 2018

Die Private Eye Writers of America haben die Nominierungen für den diesjährigen Shamus Award bekannt gegeben.

Der Preis wird (neben vielen anderen wichtigen Krimipreisen) auf der Bouchercon verliehen. Sie ist dieses Jahr vom 6. bis zum 9. September in St. Petersburg, Florida.

Nominiert sind:

Best Original Private Eye Paperback:

Play a Cold Hand, by Terence Faherty (Perfect Crime)

The Strange Disappearance of a Bollywood Star, by Vaseem Khan (Redhook)

Dames Fight Harder, by M. Ruth Myers (CreateSpace)

The Painted Gun, by Bradley Spinelli (Akashic)

Lights Out Summer, by Rich Zahradnik (Camel Press)

Best First Private Eye Novel:

Under Water, by Casey Barrett (Kensington)

A Negro and an Ofay, by Danny Gardner (Down & Out)

Gone to Dust, by Matt Goldman (Forge)

August Snow, by Stephen Mack Jones (Soho Crime)

The Last Place You Look, by Kristen Lepionka (Minotaur)

Best P.I. Short Story:

• “Out of Business,” by Eric Beetner (Down & Out: The Magazine, Volume 1/Issue 1)

• “Breakage,” by Reed Farrel Coleman (Down & Out: The Magazine, Volume 1/Issue 1)

• “Random,” by Brendan Dubois (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, January/February 2017)

• “Rosalie Marx is Missing,” by Robert S. Levinson (Ellery Queen Mystery Magazine, May/June 2017)

• “Windward,” by Paul D. Marks (from Coast to Coast: Private Eyes from Sea to Shining Sea, edited by Andrew McAleer and Paul D. Marks; Down & Out)

Best Private Eye Novel:

Dark Water, by Parker Bilal (Bloomsbury USA)

Blood Truth, by Matt Coyle (Oceanview)

Y Is for Yesterday, by Sue Grafton (Marian Wood/Putnam)

The Room of White Fire, by T. Jefferson Parker (Putnam)

Monument Road, by Michael Wiley (Severn House)

(via The Rap Sheet)


Arthur Ellis Award 2018

Juni 4, 2018

Die Crime Writers of Canada haben den diesjährigen Arthur Ellis Award für besonders gelungene kanadische Kriminalromane verliehen:

Best Crime Novel:

Sleeping in the Ground, von Peter Robinson (McClelland & Stewart)

nominiert: The Winners’ Circle, von Gail Bowen (McClelland & Stewart); The Party, von Robyn Harding (Gallery/Scout Press); The White Angel, von John MacLachlan Gray (Douglas and McIntyre); The Forgotten Girl, von Rio Youers (St. Martin’s Press)

Best First Crime Novel:

Full Curl, von Dave Butler (Dundurn Press)

nominiert: Puzzle of Pieces, von Sally Hill Brouard (FriesenPress); Ragged Lake, von Ron Corbett (ECW Press); Flush, von Sky Curtis (Inanna); Our Little Secret, von Roz Nay (Simon & Schuster Canada)

Best Crime Novella (The Lou Allin Memorial Award):

How Lon Pruitt Was Found Murdered in an Open Field with No Footprints Around,” von Mike Culpepper (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, September/October 2017)

nominiert: “Snake Oil,” von M.H. Callway (from 13 Claws: The Mesdames of Mayhem; Carrick); Blood and Belonging, von Vicki Delany (Orca); “Dead Clown Blues,” von R. Daniel Lester (Shotgun Honey); “Money Maker,” von Jas R. Petrin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, May/June 2017)

Best Crime Short Story:

The Outlier,” von Catherine Astolfo (from 13 Claws)

nominiert: “There be Dragons,” von Jane Petersen Burfield (from 13 Claws); “Jerusalem Syndrome,” von Hilary Davidson (from Passport to Murder: Bouchercon Anthology 2017, herausgegeben von John McFetridge; Down & Out); “The Ranchero’s Daughter,” von Sylvia Maultash Warsh (from 13 Claws); “The Sin Eaters,” von Melissa Yi (from Montreal Noir, herausgegeben von John McFetridge und Jacques Fillippi; Akashic)

Best Non-Fiction Crime Book:

The Whisky King, von Trevor Cole (HarperCollins)

nominiert: Murder in Plain English, von Michael Arntfield and Marcel Danesi (Prometheus); Blood, Sweat and Fear, von Eve Lazarus (Arsenal Pulp Press); The Dog Lover Unit, von Rachel Rose (St. Martin’s Press); Police Wife: The Secret Epidemic of Police Domestic Violence, von Alex Roslin (Sugar Hill)

Best Juvenile/Young Adult Crime Book:

Chase, von Linwood Barclay (Puffin Canada)

nominiert: Missing, von Kelley Armstrong (Doubleday Canada); The Disappearance, von Gillian Chan (Annick Press); Thistlewood, von Donna Chubaty (Grasmere); The Lives of Desperate Girls, von MacKenzie Common (Penguin Teen Canada)

Best Crime Book in French:

Les Tricoteuses, von Marie Saur (Héliotrope Noir)

nominiert: Amqui, von Éric Forbes (Héliotrope Noir); La vie rêvée de Frank Bélair, von Maxime Houde (Éditions Alire); Les clefs du silence, von Jean Lemieux (Québec Amérique); La mort en bleu pastel, von Maryse Rouy (Éditions Druide)

Best Unpublished Manuscript:

Destruction in Paradise, von Dianne Scott

nominiert: The Alibi Network, vonRaimey Gallant; Finn Slew, vonKen MacQueen; Dig, Dug, Dead, vonSylvia Teaves; Condemned, von Kevin Thornton

Grand Master

Gail Bowen

Statement der Crime Writers of Canada dazu: “Gail Bowen is being recognized von Crime Writers of Canada for her long and illustrious career as a crime-fiction author. She has almost 20 books in her long-running Joanne Kilbourn series, several of which were either nominated for or received awards, including the Arthur Ellis Award for Best Novel in 1994, for A Colder Kind of Death. She has also written four Rapid Reads novellas and several plays. She is well established in Canada, highly respected in the writing community, and much sought after von readers. She is frequently a guest at literary events. Several of her Joanne Kilbourn books were turned into a TV series.”

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 28. Mai: Mord mit kleinen Fehlern

Mai 28, 2018

Arte, 20.15

Mord mit kleinen Fehlern (Sleuth, Großbritannien 1972)

Regie: Joseph L. Mankiewicz

Drehbuch: Anthony Shaffer (nach seinem Theaterstück)

Krimiautor Andrew Wyke (Laurence Olivier) lädt den Liebhaber seiner Frau, Milo Tindle (Michael Caine), auf sein einsam gelegenes Anwesen ein und macht ihm ein Angebot, das Milo nicht ablehnen will. Dummerweise will Wyke, ein Mitglied der Oberschicht, auch den Nebenbuhler seiner Frau töten und der, ein Cockney sprechender Friseur italienischer Abstammung (viel mehr Arbeiterklasse und Unterschicht geht kaum), wehrt sich.

Grandioses Schauspielerkino, das seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief.

ein virtuoser Kammerkrimi, ein Spiel mit doppeltem Boden, verdrehten Finten und überraschenden Lösungen. Joseph L. Mankiewicz inszenierte die Vorlage mit boshaftem Sarkasmus als Parforcetour zweier exzellenter Darsteller, mit zahlreichen Verweisen auf Vorbilder des Genres und visuellen Andeutungen über den Fortgang der komplizierten, nichtsdestotrotz intelligent konstruierten Handlung.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Caine, Olivier und Mankiewicz waren für Oscars nominiert. Der Film erhielt den renommierten Krimipreis Edgar als bester Spielfilm.

Mord mit kleinen Fehlern“ ist Mankiewicz‘ letzter Film. Davor inszenierte er „Alles über Eva“, „Julius Cäser“ (mit Marlon Brando), „Die barfüßige Gräfin“ und „Cleopatra“.

Anthony Shaffer (1926 – 2001) schrieb die Bücher für Alfred Hitchcocks „Frenzy“ und die Agatha-Christie-Verfilmungen „Tod auf dem Nil“, „Das Böse unter der Sonne“ und „Rendezvous mit einer Leiche“.

In Kenneth Branaghs Remake des Stücks, „1 Mord für 2“ (2007), spielt Michael Caine den gehörnten Ehemann und Jude Law den Nebenbuhler.

Danach dranbleiben: um 22.30 Uhr zeigt Arte einen weiteren Klassiker: Vittorio De Sicas „Fahrraddiebe“ (Italien 1948)

mit Laurence Olivier, Michael Caine, Alec Cawthorne, Margo Channing, John Matthews

Wiederholung: Donnerstag, 7. Juni, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mord mit kleinen Fehlern“

Wikipedia über „Mord mit kleinen Fehlern“ (deutsch, englisch)


Die Agatha Awards 2018

April 30, 2018

Auf der Malice Domestic Conference wurden die diesjährigen Agatha Awards (für den schönsten Cozy in der Tradition von Agatha Christie) verliehen an:

Best Contemporary Novel

Glass Houses, von Louise Penny (Minotaur)

nominiert

Death Overdue, von Allison Brook (Crooked Lane)

A Cajun Christmas Killing, von Ellen Byron (Crooked Lane)

No Way Home, von Annette Dashofy (Henery Press)

Take Out, von Margaret Maron (Grand Central)

Best Historical Novel

In Farleigh Field, von Rhys Bowen (Lake Union)

nominiert

Murder in an English Village, von Jessica Ellicott (Kensington)

Called to Justice, von Edith Maxwell (Midnight Ink)

The Paris Spy, von Susan Elia MacNeal (Bantam)

Dangerous to Know, von Renee Patrick (Forge)

Best First Novel

Hollywood Homicide, von Kellye Garrett (Midnight Ink)

nominiert

Adrift, von Micki Browning (Alibi)

The Plot Is Murder, von V.M. Burns (Kensington)

Daughters of Bad Men, von Laura Oles (Red Adept)

Protocol, von Kathleen Valenti (Henery Press)

Best Non-fiction

From Holmes to Sherlock: The Story of the Men and Women Who Created an Icon, von Mattias Boström (Mysterious Press) (Von Mr. Holmes zu Sherlock, btb)

nominiert

The Story of Classic Crime in 100 Books, von Martin Edwards (Poisoned Pen Press)

American Fire: Love, Arson, and Life in a Vanishing Land, von Monica Hesse (Liveright)

Rewrite Your Life: Discover Your Truth Through the Healing Power of Fiction, von Jess Lourey (Conari Press)

Manderley Forever: A Biography of Daphne du Maurier, von Tatiana de Rosnay (St. Martin’s Press)

Best Short Story

The Library Ghost of Tanglewood Inn, von Gigi Pandian (Henery Press e-book)

nominiert

Double Deck the Halls, von Gretchen Archer (Henery Press e-book)

Whose Wine Is it Anyway, von Barb Goffman (aus 50 Shades of Cabernet; Koehler)

The Night They Burned Miss Dixie’s Place, von Debra Goldstein (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, May/June 2017)

A Necessary Ingredient, von Art Taylor (aus Coast to Coast: Private Eyes from Sea to Shining Sea, herausgegeben von Andrew McAleer and Paul D. Marks; Down & Out)

Best Children’s/Young Adult

Sydney Mackenzie Knocks ’Em Dead, von Cindy Callaghan (Aladdin)

nominiert

City of Angels, von Kristi Belcamino (Polis)

The World’s Greatest Detective, von Caroline Carlson (HarperCollins)

Audacity Jones Steals the Show, von Kirby Larson (Scholastic Press)

The Harlem Charade, von Natasha Tarpley (Scholastic Press)

Malice Domestic’s 2018 Lifetime Achievement Award

Nancy Pickard

Amelia Award

David Suchet

Poirot Award

Brenda Blethyn (als DCI Vera Stanhope in „Vera“, basierend auf den Romanen von Ann Cleeves)

Special Amelia Award

Joan Hess

(via The Rap Sheet)


Die Edgars 2018

April 30, 2018

Die diesjährgen Edgar Awards (bzw. genaugenommen Edgar Allan Poe Awards) der Mystery Writers of America gingen an:

Best Novel

Bluebird, Bluebird, von Attica Locke (Mulholland)

nominiert

The Dime, von Kathleen Kent (Mulholland)

Prussian Blue, von Philip Kerr (Putnam) (dürfte nächstes Jahr erscheinen. Ich lese gerade seinen Bernie-Gunther-Roman „Kalter Frieden“ [The other Side of Silence, 2016] und die richtige Pageturner-Lesebegeisterung will sich nicht einstellen.)

A Rising Man, von Abir Mukherjee (Pegasus)

The Twelve Lives of Samuel Hawley, von Hannah Tinti (Dial Press)

Best First Novel by an American Author

She Rides Shotgun, von Jordan Harper (Ecco) (Die Rache der Polly McClusky, Ullstein)

nominiert

Dark Chapter, von Winnie M. Li (Polis)

Lola, von Melissa Scrivner Love (Crown)

Tornado Weather, von Deborah E. Kennedy (Flatiron)

Idaho, von Emily Ruskovich (Random House)

Best Paperback Original

The Unseeing, von Anna Mazzola (Sourcebooks Landmark)

nominiert

In Farleigh Field, von Rhys Bowen (Thomas & Mercer)

Ragged Lake, von Ron Corbett (ECW Press)

Black Fall, von Andrew Mayne (Harper)

Penance, von Kanae Minato (Mulholland)

The Rules of Backyard Cricket, von Jock Serong (Text)

Best Fact Crime

Killers of the Flower Moon: The Osage Murders and the Birth of the FBI, von David Grann (Doubleday)

nominiert

The Road to Jonestown: Jim Jones and Peoples Temple, von Jeff Guinn (Simon & Schuster)

American Fire: Love, Arson, and Life in a Vanishing Land, von Monica Hesse (Liveright)

The Man From the Train: The Solving of a Century-Old Serial Killer Mystery, von Bill James and Rachel McCarthy James (Scribner)

Mrs. Sherlock Holmes: The True Story of New York City’s Greatest Female Detective and the 1917 Missing Girl Case That Captivated a Nation, von Brad Ricca (St. Martin’s Press)

Best Critical/Biographical

Chester B. Himes: A Biography, von Lawrence P. Jackson (Norton)

nominiert

From Holmes to Sherlock: The Story of the Men and Women Who Created an Icon, von Mattias Bostrom (Mysterious Press) (Von Mr. Holmes zu Sherlock, btb)

Manderley Forever: A Biography of Daphne du Maurier, von Tatiana de Rosnay (St. Martin’s Press)

Murder in the Closet: Essays on Queer Clues in Crime Fiction Before Stonewall, von Curtis Evans (McFarland)

and Arthur and Sherlock: Conan Doyle and the Creation of Holmes, von Michael Sims (Bloomsbury USA)

Best Short Story

Spring Break, von John Crowley (aus New Haven Noir, herausgegeben von Amy Bloom; Akashic)

nominiert

Hard to Get, von Jeffery Deaver (Ellery Queen Mystery Magazine, July/August 2017)

Ace in the Hole, von Eric Heidle (aus Montana Noir, herausgegeben von James Grady und Keir Graff; Akashic)

A Moment of Clarity at the Waffle House, von Kenji Jasper (aus Atlanta Noir, herausgegeben von Tayari Jones; Akashic)

Chin Yong-Yun Stays at Home, von S.J. Rozan (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, January/February 2017)

(da können wir uns doch freuen, dass Culturbooks mit Akashic einen Vertrag einging und nach „Paris Noir“, „Berlin Noir“ [am lesen, aber Kurzgeschichten…] im Herbst „USA Noir“ erscheint)

Best Juvenile

Vanished! von James Ponti (Aladdin)

nominiert

Audacity Jones Steals the Show, von Kirby Larson (Scholastic Press)

The Assassin’s Curse, von Kevin Sands (Aladdin)

First Class Murder, von Robin Stevens (Simon & Schuster)

NewsPrints, von Ru Xu (Graphix)

Best Young Adult

Long Way Down, von Jason Reynolds (Atheneum)

nominiert

The Cruelty, von Scott Bergstrom (Feiwel & Friends)

Grit, von Gillian French (HarperTeen)

The Impossible Fortress, von Jason Rekulak (Simon & Schuster)

The Hate U Give, von Angie Thomas (Balzer + Bray)

Best Television Episode Teleplay

Somebody to Love,” Fargo, Drehbuch von Noah Hawley (FX Networks/MGM)

nominiert

Episode 1,” Loch Ness, Drehbuch von Stephen Brady (Acorn TV)

Something Happened,” Law & Order: SVU, Drehbuch von Michael Chernuchin (NBC Universal/Wolf Entertainment)

Gently and the New Age,” George Gently, Drehbuch von Robert Murphy (Acorn TV)

The Blanket Mire,” Vera, Drehbuch von Paul Matthew Thompson und Martha Hillier (Acorn TV)

The Simon & Schuster/Mary Higgins Clark Award

The Widow’s House, von Carol Goodman (Morrow)

nominiert

The Vineyard Victims, von Ellen Crosby (Minotaur)

You’ll Never Know, Dear, von Hallie Ephron (Morrow)

Uncorking a Lie, von Nadine Nettmann (Midnight Ink)

The Day I Died, von Lori Rader-Day (Morrow)

Grand Master

Jane Langton

Peter Lovesey

William Link

Raven Award

Kristopher Zgorski von BOLO Books

The Raven Bookstore in Lawrence, Kansas

Ellery Queen Award

Robert Pépin

Robert L. Fish Memorial Award

The Queen of Secrets, von Lisa D. Gray (aus New Haven Noir; Akashic)

(via The Rap Sheet)


Verfilmte Bücher: „Immer Ärger mit Harry“ ist „Immer Ärger mit Harry“

März 26, 2018

Auf der Jagd stolpert der vierjährige Abie an einem heißen Sommertag, mitten in der malerischsten Natur, über eine Leiche. Harry heißt der mittelalte Tote und er wurde offensichtlich ermordet. Aber anstatt sofort die Polizei zu rufen und den Mörder zu suchen, sind die Bewohner des verschlafenen Provinzstädtchens, die die Leiche unabhängig voneinander entdecken, vor allem daran interessiert, die Leiche möglichst schnell verschwinden zu lassen.

So beginnt Jack Trevor Storys sehr kurzer Roman „Immer Ärger mit Harry“, der eher eine lange Kurzgeschichte oder Novelle ist. Die Geschichte spielt in dem englischen Dorf Sparrowswick Heath, das mit seinen spleenigen Bewohnern schnell das Bild eines heilen Englands heraufbeschwört, das es heute höchstens in einem „Inspector Barnaby“-Krimi gibt. Auch dort ist der Anblick einer Leiche kein Grund, panisch zu werden.

Alfred Hitchcock verlegte 1955 die Geschichte nach Vermont und drehte seine schwarze Komödie „Immer Ärger mit Harry“.

In dem Film entspinnt sich schnell ein farbenfroh ausgemaltes, wunderschön gesittet moralbefreites Spiel mit der Leiche. Denn niemand trauert um den Toten, der, wie man im Verlauf der Geschichte erfährt, zwar nur einen Tod gestorben ist, aber anscheinend von einem halben Dutzend Menschen auf verschiedene Arten ermordet wurde. Jeder, der sich für Harrys Mörder hält, möchte die Leiche gerne möglichst schnell loswerden. Es war ja nur ein blöder Unfall und der Tote war keine Zierde für die Menschheit. Auch Abies Mutter, die mit Harry, den sie ewig nicht gesehen hat, verheiratet war, ist über seinen Tod hocherfreut.

Aber dann verliebt sie sich im Lauf des Sommertages in einen anderen Mann – und Harry sorgt für noch mehr Ärger.

Dieser jede Totenruhe missachtende Umgang mit Harrys Körper, etliche Dialoge und den Humor haben Hitchcock und sein Drehbuchautor John Michael Hayes (gemeinsam auch „Das Fenster zum Hof“, „Über den Dächern von Nizza“ und „Der Mann, der zuviel wusste“) aus der Romanvorlage übernommen. Außerdem haben sie die Story gestärkt und schlüssiger gemacht.

Aus heutiger Sicht ist die von Jack Trevor Story geschriebene Geschichte vor allem eine arg betulich erzählte Schnurre mit Situationskomik und einigen wunderschön abgedrehten Dialoge. Aber die Charaktere bleiben blass und es entwickelt sich keine richtige Geschichte. Außer dass Harry mehrmals vergraben und ausgegraben wird, während die Bewohner von Sparrowswick Heath darüber reden, ob Harry nun besser vergraben oder ausgegraben wird. In einem Tonfall, als redeten sie über das Wetter.

Jetzt erschien, – unglaublich, aber wahr -, fast siebzig Jahre nach der Erstveröffentlichung, Storys Roman erstmals auf Deutsch. Die Übersetzung schließt für den fanatischen Alfred-Hitchcock-Fan eine Lücke, die er wahrscheinlich nicht bemerkte.

Jack Trevor Story: Immer Ärger mit Harry

(übersetzt von Miriam Mandelkow)

Dörlemann, 2018

192 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

The Trouble with Harry

Boardman, London, 1949

Die Verfilmung

Immer Ärger mit Harry (The Trouble with Harry, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949 (Immer Ärger mit Harry)

Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers, Mildred Dunnock, Royal Dano

Hinweise

Homepage über Jack Trevor Story

Wikipedia über Jack Trevor Story


Neu im Kino/Filmkritik: „Der seidene Faden“ der Liebe zwischen Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps, beobachtet von Lesley Manville

Februar 5, 2018

Das ist also der Film, mit dem Daniel Day-Lewis seine Schauspielerkarriere beenden will. Sagt in Interviews der am 29. April 1957 in London geborene, inzwischen zum irischen Staatsbürger gewordene hochgelobte Schauspieler. Er vertieft sich oft für Ewigkeiten in seine Rollen. Er war schon immer sehr wählerisch. Er legte deshalb immer wieder lange Pausen zwischen den Filmen ein, in denen er sich aus dem Filmgeschäft zurückzog. Entsprechend schmal ist seine Filmographie. Die IMDB listet gerade einmal dreißig Filmauftritte auf. Sie ist allerdings auch ungewöhnlich hochkarätig. Zu seinen Filmen gehören „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Zimmer mit Aussicht“, „Mein linker Fuß“, „Der letzte Mohikaner“, „Im Namen des Vaters“, „Gangs of New York“ und „Lincoln“. Mit Paul Thomas Anderson, dem Regisseur von „Der seidene Faden“, arbetete er bereits 2007 in „There will be Blood“ zusammen. Für sein Porträt eines skrupellosen Öl-Magnaten erhielt er seinen zweiten Oscar als bester Hauptdarsteller.

Er erhielt insgesamt drei Oscars und gewann weitere 140 Filmpreise, unter anderem zwei Golden Globes und vier Baftas.

Wenn die diesjährigen Preisverleihungen abgeschlossen sind, dürfte Day-Lewis, der selbstverständlich für „Der seidene Faden“ das Schneiderhandwerk erlernte, für sein Porträt des Modemachers Reynolds Woodcock einige weitere Trophäen erhalten haben.

Woodcock ist im London der fünfziger Jahre ein Schneider für die High Society. Er und seine Schwester Cyril (Lesley Manville) leben in einem für die Londoner Couturier-Szene typischen kleinem Modehaus in Mayfair. Es ist gleichzeitig Wohn- und Arbeitshaus und Produktionsstätte. Sie leben dort in einem von der Welt abgeschotteten Welt. Sie führt die Geschäfte, organisiert das tägliche Leben und achtet darauf, dass ihr Bruder die von ihm gewünschten Bedingungen für seine Kreativität hat. Sie achtet darauf, dass alle seine Regeln penibel eingehalten und seine Schrullen klaglos toleriert werden. So verlangt er beim Frühstück absolute Ruhe. Nur so kann er sich auf seinen Tag einstimmen und kreativ sein. Für Fremde ist das tägliche gemeinsame Frühstück eine Tortur, die in einem Mikrokosmos die Welt des „House of Woodcock“ zeigt.

Als Woodcock einen Wochenendauflug in ihr Landhaus Owlpen Manor unternimmt, trifft er in einem Fischerdorf in einem Restaurant die junge, etwas unbeholfene Kellnerin Alma (Vicky Krieps). Er ist von ihr fasziniert, lädt sie für den Abend ein, verführt sie (was angesichts seiner gesellschaftlichen Stellung leicht ist) und erwählt sie zu seiner neuen Muse.

Sie zieht bei ihm ein und muss als erstes die vielen Hausregeln lernen, wozu unter anderem die schon erwähnte absolute Stille beim gemeinsamen Frühstück gehört; – und wahrscheinlich wurde noch nie so ausdauernd und nervig ein Brötchen mit Butter bestrichen, bis auch der letzten Zuschauer im Saal verstanden hat, dass diese Art des Brötchenstreichens der Horror ist. Jedenfalls für einen Feingeist wie Woodcock, der in einer Zeit lebte, als Kreative wegen ihres Künstlertums jede Marotte und Neurose ausleben durften, weil sie nur so kreativ sein konnten.

Alma ist allerdings nicht bereit, sich klaglos den Hausregeln unterzuordnen.

Der seidene Faden“ ist eine Gothic Romance, die immer wieder an Alfred Hitchcocks Daphne-du-Maurier-Verfilmung „Rebecca“, die Urmutter aller Gothic Romances, erinnert. Schließlich ist Alma im Woodcock-Haus quasi gefangen und den Launen des Hausherrn und seiner strengen Schwester gnadenlos ausgesetzt. Jedenfalls bis Woodcock genug von ihr hat und sich seine nächste Muse sucht. Nur dass dieses Mal die Muse das nicht akzeptieren möchte. Sie kämpft um ihren Platz an Woodcocks Seite und um ihre Eigenständigkeit. Und wer will kann diesen Kampf auch als den Kampf der weitgehend unbekannten Luxemburgerin Vicky Krieps („Der junge Karl Marx“, „Colonia Dignidad“, „A most wanted Man“) gegen Daniel Day-Lewis interpretieren. In jedem Fall behauptet sie sich erfolgreich gegen den älteren Mann, der, das muss auch gesagt werden, in einer Welt voller Frauen lebt, die ihn bewundern, seine Kreationen wollen, aber auch über ihn bestimmen. Ob das seine Schneiderinnen sind, die in einer hierarchisch fein abgestuften Klassengesellschaft im House of Woodcock arbeiten, oder seine vermögenden Kundinnen oder seine verstorbene Mutter oder seine Schwester, die als Haushälterin alles so organisiert, dass er für seine Kundinnen seine beste Leistung erbringen kann.

Paul Thomas Anderson erzählt diese letztendlich sehr verquere, dunkle Liebesgeschichte mit grandiosen Schauspielern, der sich bewusst in den Vordergrund spielenden Musik von „Radiohead“-Musiker und Anderson Hauskomponist Jonny Greenwood, einer prächtigen Ausstattung und einem sehr präzisen Blick auf kleinste Details. Die zahlreichen Anspielungen, erzählerischen Verschränkungen und Doppeldeutigkeiten machen „Der seidene Faden“ zu einem sehr komplexen und bezugreichen Werk. Allerdings erzählt Anderson seine Geschichte sehr langsam. Am Ende dauert der Film über hundertdreißig Minuten, aus denen man mindestens dreißig Minuten hätte herausschneiden können.

Der seidene Faden (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

mit Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville, Brian Gleeson, Sue Clark, Harriet Sansom Harris, Lujza Richter

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der seidene Faden“

Metacritic über „Der seidene Faden“

Rotten Tomatoes über „Der seidene Faden“

Wikipedia über „Der seidene Faden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Zwei Gespräche mit Paul Thomas Anderson über den Film

Zwei Gespräche mit Vicky Krieps über den Film


TV-Tipp für den 26. Januar: Night Will Fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen

Januar 26, 2018

Tagesschau24, 23.15
Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen (Großbritannien 2014, Regie: Andre Singer)
Drehbuch: Lynette Singer
Sehenswerte Doku über die von Alfred Hitchcock geplante Dokumentation für die Deutschen über die Konzentrationslager – und warum der Film nach dem Kriegsende nicht fertiggestellt wurde.
Auf der Berlinale 2014 wurde neben dieser Doku auch die rekonstruierte Fassung von Hitchcocks Lehrfilm gezeigt.
mit Alfred Hitchcock, Sidney Bernstein, Billy Wilder

Hinweise
Arte über „Night will fall“
Berlinale über „Night will fall“
Rotten Tomatoes über „Night will fall“ (Frischegrad: 100 %)
Wikipedia über „Night will fall“

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Flatliners“ – sie wollen wissen, was nach dem Tod passiert

November 30, 2017

Joel Schumachers SF-Horrorfilm „Flatliners“ von 1990 habe ich vor Ewigkeiten gesehen und ich fand ihn nicht so toll. Die Optik überzeugte. Alles andere war erschreckend unlogisch.

Das sage ich, damit niemand von mir den mit tiefer Inbrust vorgetragenen Satz „Das Original ist viel besser!“ oder einen tiefschürenden Vergleich von Original und, hm, Remake erwartet. Denn es ist – und jede Version wurde mal kolportiert – auf den ersten Blick unklar, ob es sich bei Niels Arden Oplevs Film um ein mehr oder weniger freies Remake, eine Neuinterpretation, einen Reboot oder eine Weitererzählung des nun auch schon fast dreißig Jahre alten Films handelt. Immerhin ist Kiefer Sutherland als Mediziner in einer kleinen Rolle dabei. Aber er hat einen anderen Rollennamen; – wobei Rotten Tomatoes ihn noch als „Nelson“ listet. So hieß er in der 1990er „Flatliners“-Version. Und in einem Interview erzählt Oplev von einer geschnittenen Szene, die man so interpretieren könnte, dass Nelson jetzt unter einem anderen Namen praktiziert.

Das ist letztendlich eine Kleinigkeit, die aber schon das Problem das Films andeutet: er hat keine Ahnung, was er als eigenständiger Film erzählen will und in welchem Verhältnis er zum Original steht. Am Ende ist „Flatliners“ ein Remake, in dem zufällig ein Schauspieler mitspielt, der auch im ersten Film dabei war.

In der aktuellen Version spielt Sutherland mit einer gruseligen Frisur, geschmacklos grau gefärbten Haaren und einem Stock (Uh, Dr. House?) Dr. Barry Wolfson, den äußerst anspruchsvollen Klinikleiter und Ausbilder künftiger Ärzte am ehrwürdigen Trinity Emmanuel Medical Center. Er verlangt von ihnen Höchstleistungen und bahnbrechende Forschungen.

Diese Aufforderung braucht Courtney (Ellen Page) nicht. Nachdem vor neun Jahren bei einem von ihr verschuldeten Autounfall ihre jüngere Schwester starb, ist sie vom Leben nach dem Tod besessen. Mit Nahtod-Erfahrungen könnte man, so denkt sie sich, vielleicht herausfinden, was nach dem Tod passiert.

Im Keller des Krankenhauses hat sie einen für den Fall einer Katastrophen vollständig hergerichteten Operationssaal entdeckt. Sie überzeugt ihre Mitkommilitonen Marlo (Nina Dobrev), Sophia (Kiersey Clemons), Jamie (James Norton) und Ray (Diego Luna, mit einem kaum verständlichen Akzent), ihr bei dem Experiment zu helfen. Sie lässt sich eine Minute in den Todeszustand versetzen und dann wieder ins Leben zurückholen. Während ihres Todes sieht sie die Stadt aus bislang unbekannten Perspektiven. Nach ihrem Tod ist sie superintelligent. So liefert sie bei einer Teambesprechung die richtigen Diagnosen noch bevor Dr. Wolfson seine Fragen stellen kann.

Selbstverständlich wollen ihre Freunde danach auch für eine kurze Zeit in den Todeszustand versetzt werden und so ihre Noten ultimativ verbessern.

Ebenso selbstverständlich hat das Experiment für jeden von ihnen seinen Preis. Nach der Todeserfahrung haben sie Visionen, die ihnen schlaflose Nächte bereiten. Falls es nicht nur Wahnvorstellungen sind.

Das für den Film versammelte Talent ist beeindruckend. Drehbuchautor Ben Ripley schrieb die Bücher für „Source Code“, „Der Chor – Stimmen des Herzens“ und, nun ja, „Species 3“ und „Species IV – Das Erwachen“. Niels Arden Oplev ist für „Der Traum“ (Gläserner Bär auf der Berlinale), sein Hollywood-Debüt „Dead Man Down“ und, vor allem, für seine Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ bekannt.

Vor der Kamera stehen Ellen Page („Juno“, „Inception“), Diego Luna („Star Wars: Rogue One“), Nina Dobrev („xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“, „The Vampire Diaries“), James Norton („Northmen: A Viking Saga“, „Happy Valley – In einer kleinen Stadt“) und Kiersey Clemons („Dope“) als die fünf forschungsbegeisterten Medizinstudenten. Auch nicht jeder von ihnen allgemein bekannt ist, war in jedem Fall ein neues Brat Pack, eine Versammlung künftiger Filmstars, geplant.

Insgesamt spricht alles für einen guten Film.

Aber irgendwo ging alles so gründlich schief, dass man sich am Ansehen von „Flatliners“ nicht fragt, an welchem Punkt alles schiefging, sondern warum absolut nichts funktioniert. Egal wie das Drehbuch vor dem Drehstart aussah, das Endprodukt ist ein erzählerisches Desaster. Für keinen der fünf Flatliners (wobei Ray dankend auf die Erfahrung verzichtet und nur Wiederbelebungen durchführt) empfinden wir auch nur den Hauch von Sympathie. Sie, ihre Probleme und Sehnsüchte, sind uns egal. Wenn sie in Gefahr sind, haben wir nicht Angst um sie, sondern fragen uns, warum sie sich so idiotisch verhalten. Und wenn ungefähr am Ende des zweiten Aktes (soweit man hier von Akten sprechen kann) Courtney, die bis dahin die Protagonistin war, stirbt, wird ihr Tod schulterzuckend akzeptiert.

Normalerweise wäre, vor allem zu diesem späten Zeitpunkt, ihr Tod ein Problem, das den Film beendet. Genauso wie bei einer TV-Serie der Tod (oder das Ausscheiden) eines wichtigen Charakters auch oft das Ende der Serie bedeutet. Auch wenn noch ein, zwei Staffeln gedreht werden. Mit dem Tod des Sympathieträgers ist auch die Geschichte vorbei.

Ad hoc fällt mir nur ein Beispiel ein, in dem während der Geschichte erfolgreich die Sympathie des Publikums von einem Protagonisten auf einen anderen umgelenkt werden konnte. Es ist Alfred Hitchcocks „Psycho“. Nach dem Tod der Protagonistin in der Dusche werden die Sympathien des Zuschauers von Marion Crane auf Norman Bates umgelenkt.

In „Flatliners“ ist Courtneys Tod kein Problem, weil man sich nicht mit ihr, ihren Leiden und Zielen identifiziert. Sie ist, wie alle Flatliners, eine reine Drehbuchkonstruktion, deren Handlungen nicht aus ihrem Charakter, ihren Wünschen und Zielen, sondern dem Willen des Autors folgen. Deshalb ist die Antwort auf jede ihrer Handlungen ein lautes „weil ich es so will“ des Autors. Courtneys Mitstudenten sind ebenfalls rechte Hohlköpfe, die zur Hälfte reiche Kinder sind, die nur an sich denken und nur deshalb Arzt werden wollen, weil sie dort viel Geld verdienen können. Die anderen beiden – Sophia und Ray – sind auch nicht wirklich sympathischer oder glaubwürdiger, weil wir über sie nichts erfahren, was zum Verständnis ihres Charakters wichtig wäre. Am Ende wissen wir über diese Bande von Ehrgeizlingen nicht mehr als am Anfang.

Das liegt auch daran, dass in der Filmgeschichte einfach nur Szenen hintereinanderklatscht werden, ohne auf ein Ende hinzuarbeiten. Oder anders gesagt: hätten die Macher von Anfang an dieses Ende haben wollen, hätten sie ihre gesamte Geschichte anders strukturieren müssen.

Flatliners“ wirkt, als habe man während des Drehs das eine Drehbuch weggeworfen und schnell aus schon gedrehten Szenen und neuen Szenen, die irgendwie das Ende erklären sollen, irgendetwas zusammengestrickt, das vorne und hinten nicht stimmt.

Flatliners (Flatliners, USA 2017)

Regie: Niels Arden Oplev

Drehbuch: Ben Ripley (nach einer Geschichte von Peter Filardi)

mit Ellen Page, Diego Luna, Nina Dobrev, James Norton, Kiersey Clemons, Kiefer Sutherland

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Flatliners“

Metacritic über „Flatliners“

Rotten Tomatoes über „Flatliners“

Wikipedia über „Flatliners“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Niels Arden Oplevs „Verblendung“ (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)


TV-Tipp für den 22. Oktober: 78/52 – Die letzten Geheimnisse von Psycho

Oktober 21, 2017

Arte, 22.15

78/52 – Die letzten Geheimnisse von Psycho (78/52, USA 2017)

Regie: Alexandre O. Philippe

Drehbuch: Alexandre O. Philippe

Spielfilmlange, hochgelobte Doku über die Duschszene in Alfred Hitchcocks „Psycho“.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „78/52“

Meine Besprechung von Alexandre O. Philippes „Doc of the Dead“ (Doc of the Dead, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Was ist „The Book of Henry“?

September 22, 2017

Henry (Jaeden Lieberher) ist ein hochintelligenter Junge, der entdeckt, dass die Nachbarstochter von ihrem Stiefvater missbraucht wird. Dummerweise ist Glenn (Dean Norris) der Polizeichef der Kleinstadt und alle Versuche von Henry, die Obrigkeiten über den Missbrauch zu informieren, versanden. Also entschließt er sich, ihn umzubringen. In dem titelgebenden „Book of Henry“ schreibt er seinen Plan bis ins letzte Detail auf.

So beginnt „The Book of Henry“ und die Verwirklichung dieses Plans steht auch im Mittelpunkt des Films. Aber anders, als man es nach diesem Anfang erwartet.

Das Drehbuch für „The Book of Henry“ ist von Gregg Hurwitz, der vor allem als Thrillerautor bekannt und erfolgreich ist. Er schrieb die erste Version des Drehbuchs vor fast zwanzig Jahren. „Es lebte die ganze Zeit in mir fort. Tatsächlich bin ich mit dem dem Drehbuch erwachsen geworden. Es hat diese jugendliche Energie und über die Jahre, die ich es überarbeitet habe, war ich in der Lage all diese Dinge, die ich gelernt habe, darin unterzubringen. Eines Tages hatte ich Kinder und ich konnte das einbringen, was ich als Elternteil gelernt habe.“

Colin Trevorrow inszenierte vor „The Book of Henry“ die hochgelobte Indie-Komödie „Journey of Love – Das wahre Abenteuer ist die Liebe“ (Safety Not Guaranteed) und den Blockbuster „Jurassic World“. Vor wenigen Tagen wurde er als Regisseur von „Star Wars Episode IX“ gefeuert.

Mit „The Book of Henry“ drehte er eine herrlich abgedrehten Offbeat-Komödie, deren Charme im ständigen Durchbrechen der Erwartungen, dem Wechsel von Genres und Genreerwartungen, ihrem Humor und ihren Charakteren liegt. So ist Henry quasi das unumstrittene, vernünftige Familienoberhaupt. In der Schule beschützt er seinen jüngeren Bruder Peter (Jacob Tremblay). Auch das Nachbarmädchen Christina (Maddie Ziegler) will er, wie gesagt, beschützen. Nebenbei organisiert er die familiären Finanzen so gut, dass ihre Mutter nicht mehr arbeiten müsste. Aber Susan (Naomi Watts) will in einem Diner weiterarbeiten, wenn sie nicht gerade begeistert Computerspiele spielt. Sie ist das Kind der Familie – und ein Teil des Humors von „The Book of Henry“ besteht darin, dass Menschen Dinge tun, für die sie zu jung oder zu alt sind oder Dinge wissen, für die sie zu jung sind. Zum Beispiel wenn Henry sich mit seinem Doktor fachmännisch über eine für ihn gestellte Diagnose unterhält, während Susan sich verzweifelt fragt, was sie ohne Henry tun soll. Ein anderer Teil des Humors kommt aus der liebevollen Versponnenheit seiner Charakter. Denn so richtig „normal“ ist in „The Book of Henry“ niemand, aber jeder lebt in seiner Fantasiewelt oder jagt seinem Traum hinterher.

Und die Geschichte mit ihren überraschenden Wendungen und damit verbundenen Stimmungs- und Genrewechseln spricht vieles an, was zum Erwachsenwerden dazugehört. Neben der ersten Liebe gehören auch Tod und Verlust dazu. Allerdings gehen Hurwitz und Trevorrow mit diesen Problemen anders um, als man es erwarten würde.

Denn „The Book of Henry“ steht näher bei Filmen wie Emir Kusturicas „Arizona Dream“ oder Hal Ashbys „Harold und Maude“ oder, um mal das Genre zu wechseln, an Alfred Hitchcocks „Psycho“ (wo die Protagonistin nach 45 Minuten in der Dusche ermordet wird) als an aktuelle Feelgood- und Comig-of-Age-Filme, deren Geschichte man nach dem Ansehen des Trailers kennt. „The Book of Henry“ beginnt als Schulkomödie für Kinder und Jugendliche, wird zum Sterbedrama und endet, immer weniger für Kinder geeignet, als Thriller, den man nicht zu ernst nehmen sollte.

Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb „The Book of Henry“ bei der US-Kritik so schlecht ankam.

Denn „The Book of Henry“ ist ein höchst unterhaltsamer Film. Für eine bestimmte Klientel, die Offbeat-Humor und Filme liebt, die sich bewusst zwischen alle Stühle setzen. Für die könnte er zu einem Kultfilm werden.

*

(unsichtbarer Infokasten) Naomi Watts ist aktuell auch in „Schloss aus Glas“, der Verfilmung von Jeanette Wallis‘ autobiographischem Roman, zu sehen.

Ihre beiden Filmkindern kennt sie aus „Shut in“ (Jacob Tremblay) und „St. Vincent“ (Jaeden Lieberher).

Lieberher hat in der nächste Woche startenden, sehr gelungenen und an der US-Kinokasse sehr erfolgreichen Stephen-King-Verfilmung „Es“ eine Hauptrolle.

*

The Book of Henry (The Book of Henry, USA 2017)

Regie: Colin Trevorrow

Drehbuch: Gregg Hurwitz

mit Naomi Watts, Jaeden Lieberher, Jacob Tremblay, Lee Pace, Dean Norris, Sarah Silverman, Bobby Mynihan, Maxwell Simkins

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Book of Henry“

Metacritic über „The Book of Henry“

Rotten Tomatoes über „The Book of Henry“

Wikipedia über „The Book of Henry“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Homepage von Gregg Hurwitz

Meine Besprechung von Gregg Hurwitz/David Finchs „Batman – The Dark Knight: Angst über Gotham (Band 2)“ (Batman: The Dark Knight # 10 – 15, August 2012 – Februar 2013)

Meine Besprechung von Gregg Hurwitz/Ethan van Sciver/Szymon Kudranskis „Batman – The Dark Knight: Liebe und Wahn (Band 3)“ (Batman: The Dark Knight 16 – 21, Batman: The Dark Knight Annual 1, März 2013 – August 2013)

Gespräch mit Colin Trevorrow über seinen Film


TV-Tipp für den 26. August: Stoker (+ DVD-Tipp „Die Taschendiebin“)

August 26, 2017

Pro 7, 22.20

Stoker (Stoker, USA 2012)

Regie: Park Chan-Wook

Drehbuch: Wentworth Miller

Die achtzehnjährige India Stoker möchte ungestört trauern. Da taucht der allen unbekannte Bruder ihres tödlich verunglückten Vaters auf. India lehnt Onkel Charlie ab. Ihre Mutter ist dagegen aufgeschlossen. Und dann geschehen einige Dinge, die die Beziehung zwischen India und Onkel Charlie grundlegend verändern.

Ein wunderschönes Kunstwerk, das ein sehr intelligentes Update von Alfred Hitchcocks „Im Schatten des Zweifels“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Thrillers.

mit Mia Wasikowska, Matthew Goode, Dermot Mulroney, Jacki Weaver, Nicole Kidman, Phyllis Sommerville

Wiederholung: Sonntag, 27. August, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Stoker“

Metacritic über „Stoker“

Rotten Tomatoes über „Stoker“

Wikipedia über „Stoker“ (deutsch, englisch)

Bonushinweis

Seit kurzem ist Park Chan-wooks neuer Film „Die Taschendiebin“ auf DVD und Blu-ray erhältlich. In dem ruhig erzählten Krimidrama mit einige erzählerischen Finessen erzählt er in wunderschönen Bildern die Geschichte von dem jungen und naiven Dienstmädchen Sookee, das im Korea der dreißiger Jahre auf einem einsam gelegenem Anwesen Lady Hideko dienen soll. Sie lebt dort mit ihrem Onkel, der über eine große Bibliothek erotischer Bücher verfügt, die er in besonderen Lesungen meistbietend verkauft.

Sookee ist allerdings kein normales Dienstmädchen, sondern eine Betrügerin die alles für Graf Fujiwara vorbereiten soll. Der Graf will Lady Hideko verführen, heiraten und um ihr Vermögen bringen. Aber auch Sookee verliebt sich in die Hausherrin.

Das Bonusmaterial der normalen DVD besteht aus einigen kurzen, eher belanglosen Featurettes. Es gibt auch eine auf 2000 Stück limitierte Sammleredition mit einem 140-seitigem Fotobuch mit Bildern von Set, der unveröffentlichten, 23 Minuten längeren Langfassung (die noch gelungener als die Kinofassung sein soll), Park Chan-wooks halbstündigem Kurzfilm „Night Fishing“ und ein einstündiges, beim London Filmfestival geführtes Interview mit Park Chan-wook.

Die Taschendiebin (The Handmaiden, Südkorea 2016)

Regie: Park Chan-wook

Drehbuch: Seo-kyeong Jeong, Park Chan-wook

LV: Sarah Waters: Fingersmith, 2002 (Solange du lügst)

mit Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Cho Jin-woong, Kim Hae-sook, Moon So-ri

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Koreanisch/Japanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: mehrere kurze Featurettes

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Taschendiebin“

Metacritic über „Die Taschendiebin“

Rotten Tomatoes über „Die Taschendiebin“

Wikipedia über „Die Taschendiebin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks “Stoker” (Stoker, USA 2012)


TV-Tipp für den 18. August: Der zerrissene Vorhang

August 17, 2017

3sat, 22.35

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, eine zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Danach, um 00.35 Uhr, zeigt 3sat „Im Schatten des Zweifels“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Wiederholung: Sonntag, 20. August, 03.45 Uhr (VPS 03.25, Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der zerrissene Vorhang“

Wikipedia über „Der zerrissene Vorhang“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über “Der zerrissene Vorhang”

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

 

 


TV-Tipp für den 13. August: Das Fenster zum Hof

August 13, 2017

Tele 5, 17.50

Das Fenster zum Hof (USA 1954, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Beginn eines Hitchcock-Abends: um 20.15 Uhr folgt „Über den Dächern von Nizza“, um 22.30 Uhr „Der Mann, der zuviel wusste“ und um 01.05 Uhr „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“.

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Wiederholung: Dienstag, 15. April, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

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Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. August: Familiengrab

August 5, 2017

3sat, 21.45

Familiengrab (USA 1976, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Rotten Tomatoes über „Familiengrab“

Wikipedia über „Familiengrab“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


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