TV-Tipp für den 6. Juni: Das Versprechen

Juni 5, 2020

ZDFneo, 20.15

Das Versprechen (The Pledge, USA 2000)

Regie: Sean Penn

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrematt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrematts Buch „Das Versprechen“. Dürrematt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Wiederholung: Sonntag, 7. Juni, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Versprechen”

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch) und über Friedrich Dürrematt

Meine Besprechung von Friedrich Dürrematts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


Neu im Kino/Filmkritik: Roland Emmerich inszeniert die Schlacht um „Midway – Für die Freiheit“ in den Heldentod

November 8, 2019

Es war vielleicht nicht die entscheidende Schlacht des Zweiten Weltkriegs, aber die Schlacht um Midway war eine entscheidende Schlacht zwischen den USA und Japan im Zweiten Weltkrieg, die den weiteren Kriegsverlauf im Pazifik prägte.

Nach dem Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 beginnt der Krieg zwischen den beiden Ländern. Die amerikanischen Streitkräfte sind nach diesem Angriff, auf den sie nicht vorbereitet waren, entscheidend geschwächt.

Ihren nächsten großen Angriff planen die Japaner auf die Midwayinseln, auf denen ein Luftwaffenstützpunkt der US Navy ist. Aber amerikanische Entschlüsselungsexperten fangen japanische Funksprüche ab und vermuten, dass ein Angriff auf die Midwayinseln geplant ist. Admiral Chester W. Nimitz, der zu dem Zeitpunkt Oberbefehlshaber im Pazifik ist, hält die Vermutungen von U. S. Navy-Geheimdienstoffizier Edwin Layton und seiner Entschlüsselungsexperten für stichhaltig. Unter größter Geheimhaltung verlegt er seine Flotte, unter anderem drei Flugzeugträger, zu den Inseln.

Die anschließende Schlacht um die Midwayinseln dauert vom 4. bis zum 7. Juni 1942. Die Amerikaner verlieren einen Flugzeugträger, einen Zerstörer und 98 Flugzeuge. Es sterben 307 US-Soldaten.

Die von der starken US-amerikanischen Präsenz überraschten Japaner verlieren vier Flugzeugträger, einen Kreuzer und ungefähr dreihundert Trägerflugzeuge. 3057 Japaner sterben in der Schlacht, die als Wendepunkt des Pazifikkrieges gilt. Danach waren die Japaner in der Defensive.

Über vierzig Jahre nach Jack Smights Kriegsfilm „Schlacht um Midway“ verfilmt Roland Emmerich jetzt, immer nah an den historisch verbürgten Ereignissen entlang, die Vorgeschichte und die Schlacht neu. Sein Film beginnt nach einem kurzen Prolog, mit dem Angriff auf Pearl Harbor und endet kurz nach der Schlacht um die Midwayinseln. Wie schon bei Smight gibt es ein großes Aufgebot bekannter Schauspieler: Woody Harrelson spielt Chester W. Nimitz, Patrick Wilson den Geheimdienstoffizier Edwin Layton, Aaron Eckhart Jimmy Doolitle, Luke Evans Wade McClusky, Dennis Quaid William ‚Bull‘ Halsey und Ed Skrein in der Hauptrolle den tapferen Piloten Richard Halsey ‚Dick‘ Best.

Der Film ist dann genau das patriotische, starbesetzte Heldenepos, das man erwartet und das so schon vor Jahrzehnten gemacht wurde. Und das, wenn die japanischen Offiziere sich nach der Schlacht tapfer mit ihrer Niederlage abfinden, an der Selbstparodie entlangschrammt.

Trotzdem gelingt es Emmerich in seinem Fünfziger-Jahre-Kriegsfilm einige eigene Akzente zu setzen. So wird die japanische Seite erstaunlich ausführlich gezeigt. Es wird sich dann auch wenigstens etwas bemüht, ihre Sicht des Konflikts zu zeigen. In den Szenen wird sogar japanisch gesprochen (wenigstens in der Originalfassung des Films).

Auch ist „Midway“ für einen Kriegsfilm, der den tapferen Soldaten in einer siegreichen Schlacht zelebriert, erstaunlich unpathetisch und unpatriotisch.

Das ändert aber nichts daran, dass alle US-Soldaten unglaublich tapfer sind. Sie alle sind edle Krieger. Die Japaner dagegen dürfen all die Kriegsverbrechen und Gemeinheiten begehen, die es rechtfertigen, dass sie im Kampf getötet werden. Das beginnt schon mit ihrem feigen Angriff auf Pearl Harbor und endet bei ihrem Umgang mit US-Navy-Soldaten, die während der Schlacht um Midway in Gefangenschaft geraten.

Das ist die altbekannte Schwarzweiß-Zeichnung von guten, tapferen und siegreichen Amerikanern und bösen, hinterhältigen und hochnäsigen Japanern.

Es gibt vollkommen verschenkte Subplots. Zum Beispiel der Subplot mit Aaron Eckhart als Jimmy Doolittle, der am 18. April 1942 in einem Überraschungsangriff Tokio bombardiert. Anschließend fliegen sie in Richtung China, wo Doolittle und seine Untergebenen, die die Mission bis dahin überlebten, sich mit einigen ihnen helfenden Einheimischen unterhalten. Anschließend verschwindet er aus dem Film. Für den weiteren Film sind seine Szenen so bedeutungslos, dass man sie umstandslos in das Bonusmaterial hätte verbannen können.

Oder die Szenen mit Geoffrey Blake als John Ford. Der Westernregisseur war damals wirklich auf Midway und filmte die Schlacht. Blake gibt eine denkwürdige Vorstellung als knurriger Regisseur der alten Macho-Schule, der mitten im Bombenhagel von seinem Kameramann nur verlangt, dass er weiterdreht. Leider sieht man ihn in nur zwei Szenen. Im Abspann, wo wir einige Informationen über das weitere Leben der US-amerikanischen Helden erhalten, noch nicht einmal erwähnt, dass Ford aus seinen Aufnahmen den Oscar-prämierten Film „The Battle of Midway“ machte. Angesichts der Länge des Films mit gut hundertvierzig Minuten hätte man diese Szenen ebenfalls in das Bonusmaterial verbannen können.

Midway“ ist ein altmodischer Kriegsfilm, der mal wieder den Krieg als Schule für den Mann darstellt. Daher stehen auch die Kampfflieger und all die anderen Soldaten, die an der Front kämpfen und sterben, im Mittelpunkt. Die Entschlüsselungsexperten, die mit ihrer Arbeit die entscheidenden Informationen für die Entsendung der Schiffe nach Midway gaben, werden nur einmal gezeigt und anschließend in Nebensätze verbannt.

Midway – Für die Freiheit (Midway, USA 2019)

Regie: Roland Emmerich

Drehbuch: Wes Tooke

mit Ed Skrein, Patrick Wilson, Woody Harrelson, Luke Evans, Aaron Eckhart, Mandy Moore, Dennis Quaid, Nick Jonas, Etsushi Toyokawa, Tadanobu Asano, Luke Kleintank, Darren Criss, Keean Johnson

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Midway“

Metacritic über „Midway“

Rotten Tomatoes über „Midway“

Wikipedia über „Midway“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „White House Down“ (White House Down, USA 2013)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Stonewall“ (Stonewall, USA 2015)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Independence Day: Wiederkehr (Independence Day: Resurgence, USA 2016)

 

 


TV-Tipp für den 29. Juni: Erin Brockovich

Juni 28, 2019

Vox, 20.15

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (Erin Brockovich, USA 1999)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

„Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Wiederholung: Sonntag, 30. Juni, 14.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Juni: Sully

Juni 15, 2019

Sat.1, 20.15

Sully (Sully, USA 2016)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Todd Komarnicki

LV: Chesley Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Highest Duty, 2009 (Man muss kein Held sein; Sully: Das Wunder vom Hudson)

Sehenswertes Biopic über Captain Chesley ‚Sully‘ Sullenberger, der am 15. Januar 2009 sein Passagierflugzeug kurz nach dem Start auf dem Hudson River notlanden musste. Die fast unmögliche Notladung gelang. Alle Passagiere konnten gerettet werden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend zeigt Sat.1 um 22.05 Uhr einen weiteren sehenswerten Tom-Hanks-Film: Steven Spielbergs ebenfalls auf Tatsachen basierender Thriller „Bridge of Spies: Der Unterhändler“ (USA 2015)

mit Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney, Mike O’Malley, Jamey Sheridan, Anna Gunn, Holt McCallany, Chris Bauer, Jane Gabbert, Ann Cusack, Molly Hagan, Patch Darragh, Michael Rapaport

Wiederholung: Montag, 17. Juni, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sully“

Metacritic über „Sully“

Rotten Tomatoes über „Sully“

Wikipedia über „Sully“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Sully“: Gelungene Notlandung oder Totalcrash im Realitätscheck?

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Die Vorlage

Zum Filmstart erschien Chesley B. Sullenbergers Biographie mit einem neuen Titel und neuem Cover

Sully von Chesley B Sullenberger

Chesley B. Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Sully – Das Wunder vom Hudson

(übersetzt von Michael Bayer, Norbert Juraschitz und Henning Dedekind)

Penguin Verlag, 2016

352 Seiten

10 Euro

Deutsche Erstausgabe als „Man muss kein Held sein – Auf welche Werte es im Leben ankommt“.

Originalausgabe

Highest Duty – My Search for what really matters

William Morrow, New York, 2009

Und für SNL spielte Tom Hanks wieder Sully, der überhaupt keine Probleme mit seinem Ruhm hat


TV-Tipp für den 25. November: Das Versprechen

November 25, 2017

ZDFneo, 21.50

Das Versprechen (USA 2000, Regie: Sean Penn)

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrematt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrematts Buch „Das Versprechen“. Dürrematt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Wiederholung: Sonntag, 26. November, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Friedrich Dürrematt

Deutsche Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über “Das Versprechen”

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Schweizer Fernsehen: Interviews mit Sean Penn, Robin Wright Penn und Aaron Eckhart zu „Das Versprechen“ (Cannes 2001)

Meine Besprechung von Friedrich Dürrematts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


TV-Tipp für den 17. November: Erin Brockovich

November 17, 2017

3sat, 22.25

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (USA 1999, Regie: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

„Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Bleed for this“ – Grandioses Biopic über das Comeback eines Boxers

April 21, 2017

Vinny Pazienza ist nicht Rocky Balboa. Aber im Gegensatz zu „The Italian Stallion“ gibt es „The Pazmanian Devil“ wirklich und sein Kampfgeist ist mindestens genauso groß wie der von Rocky. Von 1983, dem Beginn seiner Profikarriere, bis 2004 boxte der 1962 geborene Vinny Pazienza, seit 2001 nur noch Paz, professionell. Unterbrochen von einem Unfall, der im Mittelpunkt von Ben Youngers Boxerdrama „Bleed for this“ steht.

Nachdem Pazienza am 1. Oktober 1991 den Titelverteidiger Gilbert Delé besiegt, ist er WBA-Weltmeister im Halbmittelgewicht. Wenige Tage später verunglückt er bei einem Autounfall schwer. Sein Genick ist gebrochen. Sein Arzt sagt ihm, er habe Glück, wenn er jemals wieder gehen könne. Seine Familie und sein Trainer versuchen ihn zu überzeugen, dass er mit dem Boxen aufhören müsse.

Aber Pazienza denkt nicht daran. Für ihn ist, was uns ernsthaft an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lässt, Boxen sein einziger Lebensinhalt und er will wieder in den Ring steigen. Je schneller, desto besser.

Deshalb stimmt er einer gefährlichen Behandlung zu und muss mehrere Monate einen ‚Halo‘- Apparat tragen. Das ist eine Orthese, die seinen Kopf in einer genau fixierten Position festhält, indem Schrauben in den Schädel des Patienten gebohrt werden. Das klingt übel und das Anbringen und Entfernen der riesigen Schrauben sind, weil man sich nur zu gut vorstellen kann, wie schmerzhaft und unangenehm das ist, für uns Zuschauer schlimmere Momente als die Schläge, die Pazienza im Ring einstecken muss. Mit dem ‚Halo‘- Apparat soll er sich nicht anstrengen, weil jede Anstrengung die Chancen auf Heilung ruinieren könnte. Pazienza beginnt trotzdem für seinen nächsten Kampf zu trainieren.

Dreizehn Monate nach dem Unfall, am 15. Dezember 1992, steht er wieder im Ring. Er kämpft gegen den WBC-Champion Luis Santana.

In der Geschichte des Boxsports zählt dieser Kampf zu den größten Comebacks der Boxgeschichte.

Selbstverständlich ist das eine Geschichte, die für Hollywood wie gemacht ist. Auch wenn es einige Jahre dauerte, bis sie verfilmt wurde. Von Ostküstenproduzenten, wie dem in Rhode Island lebendem Produzenten Chad A. Verdi, der die treibende Kraft hinter dem Film war, und Martin Scorsese, der als einer der Executive Producer fungiert, weil ihm das Drehbuch gefiel. Mit „Raging Bull“ hat er bereits 1980 seinen Boxerfilm gedreht.

Ben Youngers „Bleed for this“ reiht sich dabei, mit einem sympathischen Underdog-Gestus, nahtlos in die Reihe der großen Boxfilme ein. Auch wenn Pazienzas wahre Geschichte sich in ihren Grundzügen von Kampf, Verlust, Training für den aussichtslos erscheinenden Kampf und siegreichem Kampf nicht von all den anderen Boxerdramen unterscheidet, die wir in den vergangenen Jahrzehnten sehen konnten.

Aber das Drehbuch ist gut. Die Inszenierung ebenso. Und mit Miles Teller als Vinny Pazienza (wahrscheinlich muss jeder Schauspieler sich mindestens einmal im Ring verprügeln lassen), Aaron Eckhart als seinen Trainer Kevin Rooney, Ciarán Hinds als seinem Vater, Katey Sagal als seine Mutter, Amanda Clayton als seine Schwester, Daniel Sault als ihr Verlobter, Ted Levine als sein Box-Promoter Lou Duva und Jordan Gelber als Duvas Sohn Dan, der sein Geschäftspartner ist, ist er glänzend besetzt. Die Duvas sind dabei Box-Promoter vom alten Schlag, als das Boxgeschäft deutlich unglamouröser als heute, aber finanziell durchaus einträglich und die Mafia nur einen Tippelschritt entfernt war. Falls überhaupt.

Am deutlichsten wird die Veränderung des Boxgeschäfts in den vergangenen Jahren bei den Trainingshallen. Es sind keine aseptischen Fitness-Studios für alle Altersklassen und Geschlechter. In „Bleed for this“ wird in großen, schlecht gelüfteten Räume in alten Backsteingebäuden in denen die Innendekoration aus Männerschweiß besteht, trainiert. Oder im Keller des Elternhauses, der in erster Linie eine Rumpelkammer ist.

Gedreht wurde vor Ort in Cranston, Rhode Island, an Locations, an denen anscheinend die Zeit stehen geblieben ist. Die Wohnungen, eher klein als groß, haben alle ein verwohntes Aussehen. Entweder, weil, wie bei den Pazienzas, die ganze Familie unter einem Dach lebt, oder weil, wie bei den Duvas, das Haus und die Inneneinrichtung aus den Siebzigern stammen und seitdem nicht mehr groß erneuert wurden. Auch die Kleider und die Autos erinnern an eine andere Zeit.

Als Boxerdrama gibt es in „Bleed for this“ selbstverständlich auch mehrere Kampfszenen im Ring und sie sind, angesichts der Tradition der Boxerfilme, in denen die Kamera sich immer mehr in den Ring und in den Kampf begibt, der schwächste Teil des Films. Nicht weil Miles Teller sich nicht in das Training und in den Ring warf (er trainierte acht Monate für die Kampfszenen, verlor Gewicht und Körperfett), sondern weil sie aus der Beobachterperspektive außerhalb des Rings gefilmt sind.

Bleed for this (Bleed for this, USA 2016)

Regie: Ben Younger

Drehbuch: Ben Younger (nach einer Story von Ben Younger, Pippa Bianco und Angelo Pizzo)

mit Miles Teller, Aaron Eckhart, Katey Sagal, Ciarán Hinds, Ted Levine, Jordan Gelber, Amanda Clayton, Daniel Sault, Jordan Gelber, Roy Souza

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bleed for this“

Metacritic über „Bleed for this“

Rotten Tomatoes über „Bleed for this“

Wikipedia über „Bleed for this“

History vs. Hollywood über „Bleed for this“ (Wie viele Schläge muss die Wahrheit zugunsten einer Hollywood-Geschichte einstecken?)


Neu im Kino/Filmkritik: „Sully“ landet auf dem Hudson

Dezember 1, 2016

Während Woody Allen jedes Jahr einen neuen Woody-Allen-Film dreht, der sich nicht sonderlich von seinen vorherigen Filmen unterscheidet, und Ken Loach das Genre des Ken-Loach-Films erfunden hat, überrascht ihr ähnlich produktiver, einige Jahre älterer Altersgenosse Clint Eastwood mit jedem neuen Film, weil es nicht den Clint-Eastwood-Film gibt. Es gibt Themen und Charaktertypen, zu denen er immer wieder zurückkehrt. Nachdem er zuletzt in dem Kriegsfilm „American Sniper“ einen Heckenschützen idealisierte, mit „Jersey Boys“ ein Quasi-Musical ablieferte, in „J. Edgar“ ein Jahrzehnte umspannendes Biopic über FBI-Chef J. Edgar Hoover drehte und sich in „Hereafter – Das Leben danach“ in mehreren Episoden mit dem Tod beschäftigte, drehte er jetzt mit „Sully“ einen kurzen Film über den erfahrenen Captain Chesley ‚Sully‘ Sullenberger, der am 15. Januar 2009 einige Minuten nach dem Start vom New Yorker Flughafen LaGuardia auf dem Hudson River notlanden musste, weil durch einen Vogelschwarm beide Triebwerke ausgefallen waren.

Die Bilder von der Airbus A320 auf dem Hudson gingen um die Welt. Bei der Notlandung, die nach dem Lehrbuch fast unmöglich ist und in keinem Training gelehrt wird, überlebten alle 155 Menschen, 150 Passagiere und 5 Crew-Mitglieder, die an Bord waren. Einige wurden leicht verletzt.

Nach dieser Landung gab es selbstverständlich eine Untersuchung des National Transportation Safety Board (NTSB), auf die sich Todd Komarnickis Drehbuch und Clint Eastwoods Film konzentriert. Sie legen sie zeitlich näher an die Notlandung, als die Gespräche und die Anhörung in Wirklichkeit waren und sie spitzen den Konflikt zu, indem sie die NTSB-Ermittler zu den Bösewichtern machen, die herausfinden wollen, warum Sullenberger ein so teures Flugzeug zerstörte und sie wollen ihn dafür bezahlen lassen. Das ist aus dramaturgischer Perspektive nachvollziehbar, ist aber auch in seiner Schwarz-Weiß-Zeichnung die große Schwäche des Films. Dieser Konflikt entbehrt, wenn man nachrecherchiert, in dieser Zuspitzung jeder Grundlage. Deshalb sind die NTSB-Ermittler auch alle fiktionale Charaktere, während der restliche Film nah bei den Fakten bleibt und bei der Rettungsaktion auf dem Hudson viele der damaligen Helfer sich selbst spielten.

Mit diesem gehyptem Konflikt wird auch eine seltsam verquere Weltsicht mitgeliefert, die sich kritische Nachfragen an einem Helden verbittet und die letztendlich Selbstgerechtigkeit fördert. Dabei ist eine gründliche Untersuchung notwendiger Teil einer funktionierenden Fehlerkultur. Sie ist die Grundlage für jeden individuellen und kollektiven Lernprozess. In „Sully“ wird ihr zugunsten einer blinden Heldenverehrung eine Absage erteilt.

Das wird am Ende, wenn Sullenberger von allen Vorwürfen vollständig freigesprochen wird, überdeutlich. Da ist er ein reinerer, größerer und fehlerfreierer Held als Jesus. Ein alles überstrahlender Held, von dem wir nichts lernen, den wir nur blind bewundern können.

Zum Glück ist das nur der äußere Konflikt. „Sully“ funktioniert aber über den inneren Konflikt von Sullenberger. Seine Selbstzweifel sind das emotionale Band zwischen Sullenberger, die ihn zu einem Menschen machen, und dem Zuschauer.

Tom Hanks spielt Sullenberger als einen erfahrenen Flugkapitän, der während der Untersuchung von Alpträumen geplagt wird. Er fragt sich, ob er wirklich das richtige getan hat. Oder hätte er zum Flughafen LaGuardia zurückfliegen und dort wesentlich gefahrloser landen können? In seinen Alpträumen wird er von schlecht getricksten Katastrophen gequält, in denen er nicht rechtzeitig landen kann und, einige Jahre nach 9/11, mitten in Manhattan in Wolkenkratzer fliegt.

Aaron Eckhart spielt die undankbare Rolle des stichwortgebenden Co-Piloten Jeff Skiles mit herrlichem Understatement; als habe er gerade die Cowboykluft gegen die Pilotenuniform getauscht. Auch wenn es so wirkt, als würden Sullenberger und Skiles sich schon seit Ewigkeiten kennen, kannten sie sich erst seit wenigen Tagen. Im Cockpit arbeiteten sie dann perfekt zusammen.

Und Clint Eastwood inszeniert diese Heldengeschichte, die auch die Wunde von 9/11 schließen soll, mit seinem Stammkameramann Tom Stern gewohnt unprätentiös die üblichen Kitsch- und Pathosfallen vermeidend. Das macht „Sully“, trotz bekannter Geschichte, sehenswert.

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Sully (Sully, USA 2016)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Todd Komarnicki

LV: Chesley Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Highest Duty, 2009 (Man muss kein Held sein; Sully: Das Wunder vom Hudson)

mit Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney, Mike O’Malley, Jamey Sheridan, Anna Gunn, Holt McCallany, Chris Bauer, Jane Gabbert, Ann Cusack, Molly Hagan, Patch Darragh, Michael Rapaport

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sully“

Metacritic über „Sully“

Rotten Tomatoes über „Sully“

Wikipedia über „Sully“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Sully“: Gelungene Notlandung oder Totalcrash im Realitätscheck?

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

(Nachtrag 17. Dezember 2016) Die Vorlage

Zum Filmstart erschien Chesley B. Sullenbergers Biographie mit einem neuen Titel und neuem Cover in dem in Deutschland neuen Penguin-Verlag (Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe, dass das bekannte Verlagslogo auch auf deutschen Büchern ist).

Sully von Chesley B Sullenberger

Chesley B. Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Sully – Das Wunder vom Hudson

(übersetzt von Michael Bayer, Norbert Juraschitz und Henning Dedekind)

Penguin Verlag, 2016

352 Seiten

10 Euro

Deutsche Erstausgabe als „Man muss kein Held sein – Auf welche Werte es im Leben ankommt“.

Originalausgabe

Highest Duty – My Search for what really matters

William Morrow, New York, 2009

Hinweis

Perlentaucher über Chesley B. Sullenbergers Biographie


TV-Tipp für den 30. Juni: Paycheck – Die Abrechnung

Juni 29, 2016

Pro 7, 20.15

Paycheck – Die Abrechnung (USA 2003, Regie: John Woo)

Drehbuch: Dean Georgaris

LV: Philip K. Dick: Paycheck, 1953 (Kurzgeschichte)

In naher Zukunft: Nachdem er drei Jahre bei einem Geheimprojekt arbeitete und sein Erinnerung daran gelöscht wurde, freut sich Michael Jennings auf ein mehr als fürstliches Honorar. Aber er erhält nur einige wertlose Gegenstände. Er habe das so gewollt. Jennings versucht, während er von Scharen Bösewichter gejagt wird, hinter das Geheimnis seiner Entlohnung zu kommen.

Nicht gerade Woos bester Film, aber immerhin Action, bei der man das Gehirn nicht vollkommen ausschalten muss. Und die Action war noch handgemacht.

Dicks Kurzgeschichte ist natürlich besser. Also, die Pointe ist gemeiner.

mit Ben Affleck, Uma Thurman, Aaron Eckhart, Paul Giamatti, Colm Feore, Joe Morton, Michael C. Hall, Kathryn Morris

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Paycheck“

Wikipedia über „Paycheck“ (deutsch, englisch)

Arte über Philip K. Dick

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Mein Hinweis auf die Neuauflage der Philip-K.-Dick-Romane “Marsianischer Zeitsturz”, “Ubik” und “Der dunkle Schirm”

Philip K. Dick in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „London has fallen“, aber Präsidenten-Bodyguard Banning ist vor Ort

März 10, 2016

In „Stirb langsam 2“ konstatiert John McClane leicht ungläubig: „How can the same shit happen to the same guy twice?“ (oder in der deutschen Übersetzung: „Dieselbe Scheiße passiert dem selben Mann zum zweiten mal.“) Denn schon wieder muss er sich an Weihnachten mit Terroristen, die zwecks einer Gefangenenbefreiung einen Flughafen kapern, herumschlagen. Und das ist, auch wenn es mehr Action und mehr Tote gibt und der Spielplatz größer ist, nur eine Variation der Geschichte des ersten Films. In „Stirb langsam“ war es ja nur ein Hochhaus.

In „London has fallen“ weist Mike Banning, den wir aus dem 2013er Actionfilm „Olympus has fallen“ kennen, nicht auf diese Parallelität der Ereignisse hin. Denn Banning (Gerald Butler) ist immer noch der Bodyguard des Präsidenten der USA und mögliche Attentate auf ihn sind ein Teil der Jobbeschreibung.

„Olympus has fallen“ war – zur Erinnerung und damit ihr ihn nicht mit „White House Down“ verwechselt – der Film in dem in einem „Stirb langsam“-Szenario, Terroristen das Weiße Haus zerdeppern und nur Bodyguard Banning Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) retten kann.

Der Präsident der Vereinigten Staaten ist immer noch Asher. Sein aus „Olympus has fallen“ bekanntes Gefolge ist ebenfalls immer noch im Amt, weshalb wir auch, oft nur kurz, wieder viele bekannte Gesichter, die uns am Filmanfang arg länglich vorgestellt werden, sehen dürfen: Morgan Freeman als Vizepräsident Trumbull, Melissa Leo als Verteidigungsministerin McMillan, Angela Bassett als Secret-Service-Chefin Jacobs und Robert Forster als General Clegg. Bannings Frau Leah (Radha Mitchell) ist auch wieder dabei und hochschwanger; was für die Filmgeschichte unwichtig ist.

Dieses Mal muss Präsident Asher kurzfristig London besuchen. Der britische Premierminister verstarb überraschend in seinem Bett und jetzt gibt es ein großes Staatsbegräbnis, zu dem alle wichtigen und weniger wichtigen Staatsoberhäupter kommen. Die Gefahr eines Anschlages ist hoch. Die Sicherheit ist hoch – und dennoch gelingt es Terroristen, in einer Abfolge von präzise geplanten Anschlägen, halb London und seine allseits bekannten Wahrzeichen innerhalb weniger Minuten in ein Trümmerfeld zu verwandeln.

Banning kann Asher bei dem Anschlag vor der St. Paul Cathedral beschützen. Sie versuchen, verfolgt von einer Hundertschaft schießwütiger Attentäter, an einen sicheren Ort zu flüchten. Denn der Organisator der Anschläge, der Waffenhändler Aamir Barkawi (Alon Moni Aboutboul), hat es eigentlich nur auf den US-Präsidenten, der seine Familie mit einem Drohnenangriff während einer Hochzeitsfeier tötete, abgesehen.

„London has fallen“ hat die allseits bekannte und gefürchtete Fortsetzungskrankheit. Es wird einfach alles genommen, was wir aus dem ersten Teil kennen, inclusive dem Cast, und alles noch einmal, aber viel größer erzählt. Also mit mehr Explosionen, mehr Toten, mehr Angreifern und nicht mehr in einem Gebäude, sondern in einer Millionenstadt. Es gibt mehr CGI, weil dieses Mal die Terroristen nicht mehr nur ein Gebäude, sondern gleich mehrere Wahrzeichen zerstören. Und aus einem kleinen, harten Thriller wird eine erschreckend unglaubwürdige Actionplotte, die sich keinen Deut um auch nur ein Minimum an Plausibilität schert. Vor allem nicht bei dem Plan der Terroristen.

Das beginnt schon mit dem ersten Angriff, der mehrere Minuten vor der Trauerfeier in der St. Paul’s Cathedral beginnt: plötzlich verwandeln sich alle Polizisten, die die Trauerfeier bewachen sollen, in schießwütige Terroristen, die wild auf die ankommenden Staatsoberhäupter ballern. Die echte Polizei und alle westlichen Sicherheitsdienste haben von dieser Unterwanderung nichts mitbekommen. Auch nicht von den abertausend anderen schießfreudigen Terroristen und Söldnern, die sich schneller als ein Computervirus verbreiten und flugs ganz London bei ihrer Jagd nach Banning und Asher bevölkern.

Gleichzeitig greifen die Bösewichter mehrere Wahrzeichen an und die Staatsoberhäupter, die noch an anderen, oft sehr touristischen Orten sind, werden ebenfalls angegriffen. Immerhin spielen die Macher in diesen Szenen durchaus humorvoll mit einigen Klischeevorstellungen über verschiedene europäische Länder und auch die deutsche Kanzlerin hat einen kurzen Auftritt.

Aber insgesamt ist der Plan der Terroristen absurd und vollkommen realitätsfern. Denn es hätte viele andere Möglichkeiten gegeben, einfacher und schneller zum Ziel zu kommen. Und jede dieser Pläne hätte schon im Planungsstadium weniger Risiken für eine Entdeckung gehabt.

Zum Beispiel hätten sie warten können, bis alle Staatsoberhäupter in der Kirche sind und sie dann angreifen können (was natürlich sehr an „Olympus has fallen“ erinnern würde) oder sie hätten nur ein Staatsoberhaupt töten wollen.

Dabei haben die Terroristen dieses Mal sogar ein ziemlich gutes Motiv, aus dem das Drehbuchautorenkollektiv (vier Autoren!) deutlich mehr hätte machen können. Der Drahtzieher ist Aamir Barkawi, der sich an den USA für einen Drohnenangriff, bei dem, während einer Hochzeitsfeier fast seine gesamte Familie starb, rächen will.

Zwar ist Barkawi als Waffenhändler der besonders skrupellosen Art auch kein Unschuldslamm, aber ausgehend von diesen Motiven hätten die Macher einige Grauzonen ausloten können. Grau sind allerdings höchstens die Anzüge. Der Rest ist altbekannte Schwarz-Weiß-Malerei mit eindimensionalen Charakteren (was auch für die aus „Olympus has fallen“ bekannte US-Administration gilt) in einem typischen B-Movie-Actionplot, in dem Kugeln Argumente ersetzen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger und natürlich sehr patriotisch.

London has fallen - Plakat

London has fallen (London has fallen, USA 2016)
Regie: Babak Najafi
Drehbuch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt, Christina Gudegast, Chad St. John
mit Gerald Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Alon Moni Aboutboul, Angela Bassett, Robert Forster, Jackie Earle Haley, Melissa Leo, Radha Mitchell, Sean O’Bryan, Charlotte Riley, Waleed F. Zuaiter
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „London has fallen“
Metacritic über „London has fallen“
Rotten Tomatoes über „London has fallen“
Wikipedia über „London has fallen“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. September: The Rum Diary

September 28, 2015

Tele 5, 20.15
Rum Diary (USA 2011, Regie: Bruce Robinson)
Drehbuch: Bruce Robinson
LV: Hunter S. Thompson: The Rum Diary, 1998 (Rum Diary)
Puerto Rico, 1960: der erfolglose US-Journalist Paul Kemp ergattert auf der Insel einen Reporterjob, der ihn schnell in Kontakt mit den schmutzigen Geschäften seiner Landsleute und Drogen, vielen Drogen, sehr vielen Drogen bringt.
Bruce Robinsons „Rum Diary“ ist die sehr brave Version von „Fear and Loathing in Las Vegas“ (Angst und Schrecken in Las Vegas), das ebenfalls auf einem Buch von Thompson basiert. „Rum Diary“, ein lange verschollen geglaubter Roman von Thompson, ist zwar ein Roman, aber man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass er mehr als nur inspiriert von Hunter S. Thompsons Erlebnissen als Journalist auf Puerto Rico ist.
Die dank vieler gelungener Episoden durchaus kurzweilige, aber auch etwas belanglose Verfilmung selbst hat mit einem plätscherndem bis nicht vorhandenem Plot zu kämpfen. Johnny Depp als dreißigjähriger Journalist ist zu alt für die Rolle (was besonders bei seinen Szenen mit Aaron Eckhart, der einen deutlich erfahreneren und “älteren” Mann spielt, auffällt) und der Journalist Kemp ist auch etwas zu naiv für einen Dreißigjährigen gezeichnet. Er wirkt eher wie ein Zwanzigjähriger, also wie ein Alter Ego des 1937 geborenen Hunter S. Thompson, der 1960 auf der Insel arbeitete.
mit Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich

Wiederholung: Mittwoch, 30. September, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Rum Diary“
Wikipedia über „Rum Diary“ (deutsch, englisch)
Heyne-Verlag über Hunter S. Thompson

Der Roman „Rum Diary“ ist bei Heyne als Taschenbuch erschienen. Zum Filmstart gab es auch ein Movie-Tie-In.

Thompson - The Rum Diary

Hunter S. Thompson: The Rum Diary
(übersetzt von Wolfgang Farkas)
Heyne, 2012
288 Seiten
8,95 Euro


TV-Tipp für den 30. November: Das Versprechen

November 30, 2014

Pro7 Maxx, 20.15

Das Versprechen (USA 2000, Regie: Sean Penn)

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrematt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrematts Buch „Das Versprechen“. Dürrematt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Hinweise

Wikipedia über Friedrich Dürrematt

Deutsche Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über “Das Versprechen”

Schweizer Fernsehen: Interviews mit Sean Penn, Robin Wright Penn und Aaron Eckhart zu „Das Versprechen“ (Cannes 2001)

Meine Besprechung von Friedrich Dürrematts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


TV-Tipp für den 27. September: Rum Diary

September 27, 2014

RTL II, 20.15
Rum Diary (USA 2011, Regie: Bruce Robinson)
Drehbuch: Bruce Robinson
LV: Hunter S. Thompson: The Rum Diary, 1998 (Rum Diary)
Puerto Rico, 1960: der erfolglose US-Journalist Paul Kemp ergattert auf der Insel einen Reporterjob, der ihn schnell in Kontakt mit den schmutzigen Geschäften seiner Landsleute und Drogen, vielen Drogen, sehr vielen Drogen bringt.
Bruce Robinsons „Rum Diary“ ist die sehr brave Version von „Fear and Loathing in Las Vegas“ (Angst und Schrecken in Las Vegas), das ebenfalls auf einem Buch von Thompson basiert. „Rum Diary“, ein lange verschollen geglaubter Roman von Thompson, ist zwar ein Roman, aber man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass er mehr als nur inspiriert von Hunter S. Thompsons Erlebnissen als Journalist auf Puerto Rico ist.
Die dank vieler gelungener Episoden durchaus kurzweilige, aber auch etwas belanglose Verfilmung selbst hat mit einem plätscherndem bis nicht vorhandenem Plot zu kämpfen. Johnny Depp als dreißigjähriger Journalist ist zu alt für die Rolle (was besonders bei seinen Szenen mit Aaron Eckhart, der einen deutlich erfahreneren und „älteren“ Mann spielt, auffällt) und der Journalist Kemp ist auch etwas zu naiv für einen Dreißigjährigen gezeichnet. Er wirkt eher wie ein Zwanzigjähriger, also wie ein Alter Ego des 1937 geborenen Hunter S. Thompson, der 1960 auf der Insel arbeitete.
mit Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Rum Diary“
Wikipedia über „Rum Diary“ (deutsch, englisch)
Heyne-Verlag über Hunter S. Thompson

Der Roman „Rum Diary“ ist bei Heyne als Taschenbuch erschienen. Zum Filmstart gab es auch ein Movie-Tie-In.

Thompson - The Rum Diary

Hunter S. Thompson: The Rum Diary
(übersetzt von Wolfgang Farkas)
Heyne, 2012
288 Seiten
8,95 Euro


TV-Tipp für den 5. Juni: Erin Brockovich

Juni 5, 2014

Vox, 20.15

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (USA 1999, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Wiederholung: Freitag, 6. Juni, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „I, Frankenstein“, du Gargoyle oder Dämon

Januar 23, 2014

I, Frankenstein“ ist eine Comicverfilmung, die sich anscheinend sehr weit von der Vorlage, die ziemlich interessant klingt, entfernt und wieder einmal sehr überzeugend allle Vorurteile, über Comicverfilmungen bestätigt. Denn das „Underworld“/Frankenstein-Mash-Up, natürlich in 3D (nachträglich aufgepimpt), ist einfach nur schlecht.

Die lieblos aus anderen Werken zusammengeklaubte Geschichte beginnt mit der Erschaffung von Frankensteins Monster, dem Tod von Dr. Victor Frankenstein und der ersten Begegnung von Monster, Gargoyles (naja, wir könnten auch Engel sagen) und Dämonen, die sich, mitten in der Nacht, auf einem Friedhof kloppen. Dann erzählen die Gargoyles dem Monster, das den Vornamen Adam und, weil er von Dr. Frankenstein erschaffen wurde, den Nachnamen Frankenstein erhält und so zum titelgebenden „Frankenstein“ wird, dass sich Gargoyles und Dämonen schon lange bekämpfen und er auf der Seite der Guten mitmachen soll. Frankenstein lehnt dankend ab und zieht sich die nächsten Jahre, bis zur Gegenwart, in die Einsamkeit zurück.

In der Gegenwart trifft er in Darkhaven, einer lauschigen Metropole mit Mittelalter-Flair, wieder auf die Gargoyles und die Dämonen.

Das Oberhaupt der Dämonen, Prinz Naberius (Bill Nighy, der offensichtlich seinen Spaß hatte und etwas lebendiges Leben in die Bude bringt), möchte herausfinden, wie Dr. Frankenstein sein Monster erschaffen konnte und die Methode bei weiteren Toten anwenden. Weil Tote seelenlos sind, können die Dämonen sie, hm, beseelen (dämonisieren?) und die Weltherrschaft übernehmen. Naberius hat schon ein riesiges Lager Toter im Keller seines Anwesens. Das ist zwar bescheuert, sieht aber gut aus. Und er beschäftigt eine nichtsahnenden blonde Wissenschaftlerin, deren Experimente zwar kurz vor einem Durchbruch stehen, die aber mit dem Tagebuch von Dr. Frankenstein, das sein Sohn Adam hat, oder der DNA von Adam Frankenstein zu einem schnelleren, erfolgreichen Abschluss gebracht werden können. Also will Naberius beides haben und er schickt seine Dämonen los.

Adam Frankenstein, der inzwischen doch irgendwie eine Seele hat, entschließt sich, den Gargoyles zu helfen und gegen die Dämonen zu kämpfen – und wenn nicht gerade irgendein esoterischer Schwurbel gelabert wird, wird gekämpft bis die Pixel glühen.

Bei dem Ansehen von diesem wahrscheinlich ausschließlich im Studio gedrehtem Desaster, bei dem noch nicht einmal Schadensfreude aufkommt, will man nicht glauben, dass das Drehbuch von Stuart Beattie ist. Genau der Beattie, der mit seinem Drehbuch für „Collateral“ vor zehn Jahren einen wahren Klassiker abliefert. Aber das scheint, wenn man sich seine späteren Arbeiten „Entgleist“, „Fluch der Karibik“, „30 Days of Night“ und „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ ansieht, vor allem der Verdienst von Regisseur Michael Mann gewesen zu sein. Eine solche Hilfe hatte er bei „I, Frankenstein“ nicht. Beattie übernahm auch die Regie.

Immerhin ist seine zweite Regiearbeit mit neunzig Minuten erfreulich kurz geraten und es gibt, man gibt sich ja mit wenig zufrieden, einige Bilder, die eine Noir-Atmosphäre heraufbeschwören und an Comic-Panels erinnern.

I Frankenstein - Plakat

I, Frankenstein (I, Frankenstein, USA/Australien 2013)

Regie: Stuart Beattie

Drehbuch: Stuart Beattie, Kevin Grivioux

LV: Kevin Grivioux: I, Frankenstein, 2009 (Comic)

mit Aaron Eckhart, Bill Nighy, Yvonne Strahovski, Miranda Otto, Jai Courtney, Socratis Otto, Aden Young, Caitlin Stasey

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Film-Zeit über „I, Frankenstein“

Moviepilot über „I, Frankenstein“

Metacritic über „I, Frankenstein“

Rotten Tomatoes über „I, Frankenstein“

Wikipedia über „I, Frankenstein“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Good old „Die Hard“-Action in „Olympus has fallen“

Juni 13, 2013

Das ist jetzt schon etwas Pech: gleich zweimal rummst es dieses Jahr gewaltig im Weißen Haus; mit einer ziemlich ähnlichen Geschichte. Jedenfalls liest sich die Synopse von Roland Emmerichs „White House Down“, das am 5. September bei uns startet, wie die von Antoine Fuquas heute startendem Action-Thriller „Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr“. Beide Filme spielen „’Stirb langsam‘ im Weißen Haus“ und wir können abwarten, wer am Ende nach welcher Rechnung Sieger bleibt. Den poetischeren Titel hat jedenfalls Fuquas Werk.

In „Olympus has fallen“ besetzen die Nordkoreaner das Weiße Haus, zerstören dabei halb Washington, töten viele, viele Menschen und nehmen den Präsidenten im unterirdischen Bunker des Hauses gefangen. Zum Glück ist Mike Banning (Gerard Butler), ehemaliger Bodyguard des Präsidenten, der nach einem Unfall, bei dem die Frau des Präsidenten starb und für den er sich verantwortlich fühlt, den Dienst quittierte, auch im Weißen Haus und er tut, was halt so echte Kerle in dieser Situation tun: er vermasselt den Bösewichtern ihren tollen Plan.

Beginnen wir mit den störenden Aspekten von „Olympus has fallen“: die Computertricks, vor allem wenn Flugzeuge abstürzen und Teile des Weißen Hauses in die Luft gejagt werden, sind schlecht. Wahrscheinlich hätten die Macher sich einfach mal wieder auf die gute alte Trickfilmschule mit Modellen und echten Explosionen besinnen sollen.

Auch die Story gewinnt nach „Stirb langsam“ (Hochhaus), „Alarmstufe: Rot“ (Schiff) und den zahlreichen Fortsetzungen und Rip-Offs wahrlich keinen Innovationspokal.

Dass die Gegner dieses Mal Nordkoreaner sind, ist der aktuellen weltpolitischen Lage geschuldet, nach der Russen und Araber gerade etwas out sind und, wenn schon das Weiße Haus attackiert und besetzt wird, gibt es natürlich auch eine ordentliche Portion Patriotismus.

Aber Antoine Fuqua, der auch „Training Day“, „Shooter“ und „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ inszenierte, erzählt diese Geschichte flott, mit einer ordentlichen Portion Schmackes und ziemlich handfesten Action-Szenen, wenn Kugeln und Fäuste fliegen. „Panic Room“-Kameramann Conrad W. Hall setzte sie leinwandfüllend in Szene.

Den Rest besorgen die erstaunlich hochkarätigen Schauspieler. Gerard Butler als Tough Guy. Aaron Eckhart als tapferer Präsident. Morgan Freeman als sehr präsidentialer Interimspräsident. Angela Bassett, die viel zu selten eine gute Rolle erhält, als Chefin des Secret Service. Melissa Leo, Ashley Judd, Dylan McDermott und Robert Forster sind auch immer eine Bereicherung.

Und so ist „Olympus has fallen“ gut inszeniertes, gut besetztes, absolut okayes und kurzweiliges Actionfutter für den Genrefan, das auf die Buddy-Humor-Komponente verzichtet. Die scheint es, wenn wir den Trailern glauben, demnächst in Roland Emmerichs „White House Down“ zu geben.

Olympus has fallen - Plakat

Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr (Olympus has fallen, USA 2013)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Creighon Rothenburger, Katrin Benedikt

mit Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Angela Bassett, Dylan McDermott, Melissa Leo, Ashley Judd, Rick Yune, Radha Mitchell, Cole Hauser, Robert Forster

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Film-Zeit über „Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr“

Metacritic über „Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr“

Rotten Tomatoes über „Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr“

Wikipedia über „Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr“ (deutsch, englisch)

Schon etwas älter: ein Interview mit Antoine Fuqua anlässlich „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“


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