TV-Tipp für den 13. August: Eye in the Sky – In letzter Sekunde

August 13, 2019

ARD, 22.45

Eye in the Sky – In letzter Sekunde (Eye in the Sky, Großbritannien 2015)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Guy Hibbert

Ein über den halben Globus verteiltes Team beobachtet mittels einer Drohne und eines Agenten vor Ort die Zusammenkunft von islamistischen Terroristen in einem Haus in Nairobi. Als sie sehen, dass die Terroristen sich auf einen Selbstmordanschlag vorbereiten, stehen sie vor der Frage, ob sie weiter beobachten oder den vermuteten Anschlag verhindern wollen.

TV-Premiere eine gut besetzten, gut gespielten und zum Nachdenken anregenden Dramas über den Drohnenkrieg, die damit verbundenen Entscheidungen und moralischen Fragen.

Bei uns erschien „Eye in the Sky“ direkt auf DVD.

mit Helen Mirren, Aaron Paul, Alan Rickman, Barkhad Abdi, Jeremy Northam, Iain Glen, Phoebe Fox,Monica Dolan, Michael O’Keefe, Laila Robins, Gavin Hood

Wiederholung: Mittwoch, 14. August, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eye in the Sky“

Wikipedia über „Eye in the Sky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Central Intelligence“ – nicht so wahnsinnig intelligent

Juni 16, 2016

Vor zwanzig Jahren war Calvin (Kevin Hart) an der Schule der allseits beliebte Überflieger, dem alle eine glänzende Karriere prophezeiten und Robbie Weirdicht war der übergewichte Watschenmann und Außenseiter.

Jetzt hat Weirdicht einen anderen Namen, dem er alle Ehre macht. Denn er heißt Bob Stone, sieht aus wie Dwayne ‚The Rock‘ Johnson, arbeitet undercover für den Geheimdienst und er braucht die Hilfe von Calvin, der ein langweiliges Leben als Buchhalter führt. Immerhin hat er ein eigenes kleines Büro und muss nicht nebenan im Großraumbüro arbeiten. Dank dieser Buchhalterkenntnisse kann er Bob helfen bei der Jagd nach den von dem geheimnisvollem Black Badger gestohlenen Verschlüsselungscodes für das US-amerikanische Spionage-Satelittensystem (okay, das ist nur der MacGuffin), die in wenigen Stunden meistbietend verkauft werden sollen (und das ist die berühmte Ticking Clock).

Dummerweise wird Bob von seiner Firma, angeführt von CIA-Agent Harris (Amy Ryan, hübsch biestig), als abtrünniger Agent gejagt und sie nehmen dabei Kollateralschäden und Gesetzesübertretungen billigend in Kauf.

Central Intelligence“ ist eine weitere Buddy-Komödie, die dieser Formel folgt, ohne wirklich eigene Akzente zu setzen. Denn die Story, die in einer Buddy-Komödie sowieso nebensächlich ist, ist hier noch dünner geraten und ohne irgendeinen Funken Plausibilität und frei von Überraschungen, aber mit etlichen unglaubwürdigen Momenten. Das beginnt schon bei der Prämisse.

Die Action, auch wenn man nicht gerade „Lethal Weapon“-Zerstörungsorgien erwartet, ist eher dünn gesät.

Dafür redet Kevin Hart, mal wieder, ohne Punkt und Komma; was allerdings selten witzig, meistens nervig ist. Dwayne Johnson hat dagegen, nachdem er schon vor Jahren in der Elmore-Leonard-Verfilmung „Be Cool“ sein Image persiflierte, seinen Spaß als geistig minderbemittelter, immer optimistischer, supertaffer, unzerstörbarer Geheimagent mit einem Hang zu unpassenden Kleidern. Bei ihm, vor allem nachdem er in einer Szene durchaus glaubwürdig einen Psychiater spielt, hätte man sich eine Entwicklung oder die Enthüllung, dass Bob nur den Trottel spielt, gewünscht.

So ist „Central Intelligence“ nur ein Starvehikel, das gerade so seinen Dienst nach Vorschrift erfüllt. Immerhin sind die meisten Gags oberhalb der Gürtellinie angesiedelt und der Film behauptet auch nie, mehr zu sein als ein harmloser, schnell vergessener Spaß für die ganze Familie.

Wer dagegen eine gelungene Buddy-Komödie sehen will, sollte sich Shane Blacks „The Nice Guys“ ansehen.

Central Intelligence - Plakat

Central Intelligence (Central Intelligence, USA 2016)

Regie: Rawson Marshall Thurber

Drehbuch: Ike Barinholtz, David Stassen, Rawson Marshall Thurber (nach einer Geschichte von Ike Barinholtz und David Stassen)

mit Kevin Hart, Dwayne Johnson, Danielle Nicolet, Amy Ryan, Jason Bateman, Aaron Paul, Tim Griffin, Ryan Hansen, Timothy John Smith, Thomas Kretschmann, Melissa McCarthy (Cameo)

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Central Intelligence“

Metacritic über „Central Intelligence“

Rotten Tomatoes über „Central Intelligence“

Wikipedia über „Central Intelligence“


Neu im Kino/Filmkritik: „Triple 9“ – Movie down

Mai 7, 2016

Atlanta, USA: ein am helllichten Tag durchgeführter Banküberfall gerät zu einer veritablen Straßenschlacht, die bei Krimifans wohlige Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ weckt. Nur wird hier eine dreckige Version präsentiert. Von John Hillcoat, der zuletzt das während der Prohibition spielende Gangsterdrama „Lawless – Die Gesetzlosen“ inszenierte

Kurz darauf erfahren wir, dass die Bankräuber Polizisten sind, die zu einer Sondereinheit gehören, die auch den Fall aufklären sollen. Zu ihnen stößt als neues Mitglied der Sondereinheit Chris Allen (Casey Affleck). Bei dem Neuling ist unklar, wie unehrlich er ist. Sein ihn beschützender Onkel, Sergeant Detective Jeffrey Allen (Woody Harrelson) von der Major-Crimes-Abteilung, soll ebenfalls den Fall aufklären.

Weil Irina Vlaslow (Kate Winslet), die Chefin der örtlichen Russen-Mafia, mit der Beute von dem Überfall nicht zufrieden ist, erpresst sie Chris Allens Vorgesetzten Michael Belmont (Chiwetel Ejiofor) zu einem weiteren, noch riskanteren Raubzug. Die von ihm angeführten verbrecherischen Polizisten glauben, – und damit ist der Titel erklärt -, mit einem Triple-9-Notruf können sie die Polizisten von ihrem eigentlichen Ziel ablenken. 999 sei, so erklären uns die Verbrecher, der Polizeicode für einen erschossenen Polizisten.

John Hillcoat, der mit seinen vorherigen Spielfilmen „The Proposition“, „The Road“ und dem schon erwähnten „Lawless“ immer sehenswerte, nie leichte Kost ablieferte, hat mit „Triple 9“ seinen enttäuschendensten Film vorgelegt. Da hilft auch die hochkarätige Besetzung nicht weiter. Neben den schon erwähnten Casey Affleck (unterfordert), Woody Harrelson (chargierend), Kate Winslet (böse, sehr böse) und Chiwetel Ejiofor sind Anthony Mackie, Norman Reedus, Aaron Paul, Michael Kenneth Williams, Teresa Palmer und Gal Gadot in dem testosterongeschwängertem, nihilistischem Männerfilm dabei, der seine Klischees über Verbrecher und korrupte Cops in einer drögen Geschichte, garniert mit viel Gewalt, kredenzt. Mit vielen langweilenden Nebenstränge, die die Hauptgeschichte nicht voranbringen. Bei der Hauptgeschichte, wobei man locker über den zentralen Konflikt streiten kann, ist kein Zentrum und damit auch kein Protagonist, kein Antagonist und keine sinnvolle Struktur von Haupt- und Nebengeschichten erkennbar. Erzählt wird das in durchgehend viel zu dunklen Bilder, weil Schwarz ja Noir bedeutet und je dunkler die Bilder sind, umso mehr Noir ist der Film. Nur ist Noir eine Haltung und kein Farbton. Das hatte vor wenigen Wochen auch Zack Snyder in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ verwechselt.

Und, auch wenn man einen konsequent nihilistischen Kosmos zeichnet, ist es keine gute Idee diesen Kosmos nur mit unsympathischen und, was noch schlimmer ist, gänzlich uninteressanten Gestalten zu bevölkern. Jedes Problem, das sie haben, wirkt wie eine Drehbuchidee. Kein Charakter interessiert – und damit ist es einem herzlich egal, wer warum überlebt. Mit zunehmender Laufzeit hofft man sogar, dass sie sich möglichst schnell gegenseitig erschießen, damit das Elend schnell vorbei ist.

Das ist, wenn man den Regisseur und die beteiligten Schauspieler mag, ein äußerst ernüchterndes Fazit. „Triple 9“ ist ein zerfahrener Möchtegern-Noir-B-Movie-Gangsterfilm, der Schein mit Sein verwechselt; was bei Hillcoat erstaunt.

Triple 9 - Plakat

Triple 9 (Triple 9, USA 2016)

Regie: John Hillcoat

Drehbuch: Matt Cook

mit Casey Affleck, Woody Harrelson, Kate Winslet, Anthony Mackie, Chiwetel Ejiofor, Norman Reedus, Aaron Paul, Clifton Collins Jr., Teresa Palmer, Gal Gadot, Michael Kenneth Williams

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

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Moviepilot über „Triple 9“

Metacritic über „Triple 9“

Rotten Tomatoes über „Triple 9“

Wikipedia über „Triple 9“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)

Meine Besprechung von John Hillcoats „Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Exodus – Götter und Könige“ und ein biblischer Text

Dezember 25, 2014

Ich gestehe: Mit Bibelfilmen kann ich wenig anfangen. Meistens sind sie mir zu pathetisch und zu lang. Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“ mit Charlton Heston als Moses bringt es auf 220 Minuten. Die müssen im Kino (oder vor dem Fernseher) erst einmal in einem Stück überlebt werden.
Dagegen ist Ridley Scotts „Exodus“ mit 151 Minuten fast ein Kurzfilm und „Batman“ Christian Bale als Moses geht auch in Ordnung. Er versprüht zwar eher das Charisma eines Beamten, aber da hat das Drehbuch und die Regie auch ein Wort mitgesprochen, als sie die allseits bekannte neu interpretierten.
Die Geschichte dürfte ja aus dem Religionsunterricht bekannt sein, die im Film so geht: Moses ist ein tapferer Soldat bei den Ägyptern. Er erfährt seine wahre Herkunft, wird in die Wüste geschickt, gründet eine Familie und hat eine Vision, die ihm eine Mission bescherrt. Er kehr zurück in seine alte Heimat und befreit, mit der Hilfe der legendären, von Gott geschickten zehn Plagen, sein unterdrücktes Volk aus dem Joch von Ramses, der ein unfähiger, machtgieriger Herrscher mit Ego-Problemen ist. Moses und sein Volk ziehen in die Wüste. Ramses verfolgt sie mit seinem Heer. Moses teilt das Wasser, dabei werden die letzten Reste von der äyptischen Streitmacht getötet. Auf einem Berg empfängt Moses die zehn Gebote und sie kommen in das gelobte Land.
Dass die Geschichte bekannt ist, spricht natürlich nicht gegen eine Neuinterpretation. Immerhin sind seit „Gladiator“ Sandalenfilme wieder in; in den USA sind tiefgläubige Christen, wenn der Film ihren Vorstellungen entspricht, eine nicht zu unterschätzende Zahl von Ticketkäufern und es ist nichts gegen eine gute Geschichte zu sagen. Die Geschichte von Moses quillt förmlich über vor guten Geschichte und potentiellen Konflikten, die für ein halbes Dutzend Filme ausreichen.
Aber „Exodus“ sieht auch in jeder Sekunde wie ein von einem Komitee gemachter Film aus. Ein Komitee, bei dem jedes Mitglied seine Ideen einbrachte und sich alle Mitglieder in einem Punkt einig waren: möglichst keine Konflikte. So werden die legendären Plagen in der Filmmitte, wie eine ungeliebte Pflichtaufgabe, in wenigen Minuten im Schnelldurchlauf abgehandelt. Dabei erzählen sie doch, wie der Kampf Moses und Ramses immer weiter eskalierte. Hier hätte ein Kampf um Herrschaft und Befreiung, auch mit aktuellen Bezügen, abgehandelt werden können. Stattdessen gibt es einige beeindruckende Bilder mit viel CGI und sonst nichts. Vor den Plagen darf Moses ein wenig Terrorist spielen und sich immer wieder mit einem Kind, das nur er sieht (jaja, Gott) unterhalten.
Davor, wenn Moses von seiner Herkunft erfährt und Jahre später seine Mission annimmt, hätte viel über echte und falsche Familien, über Beziehungen, Glaube und Zugehörigkeit gesprochen werden können. Immerhin sagt Moses sich von seiner Familie los, die ihn als Findelkind aufgenommen, erzogen und in ihre Pharaonenfamilie als Quasi-Sohn aufgenommen hat. Er zieht gegen sie in den Krieg. Er erklärt seinem Bruder, dem er am Filmanfang in einer ziemlich konfusen Schlacht das Leben rettete, die ewige Feindschaft, wenn er ihn nicht mit den hebräischen Sklaven von dannen ziehen lässt.
Auch später stellt sich die Frage, warum Ridley Scott und die vier genannten Drehbuchautoren aus dem Konflikt der beiden Brüder nichts gemacht haben. Denn deren Beziehung stehe, so die Macher, im Mittelpunkt des Films. Es ist ein dramaturgisch vollkommen leerer Mittelpunkt, der nur vom Willen der Drehbuchautoren vorangetrieben wird. Wenn Ramses Moses und das jüdische Volk, nachdem er ihnen die Freiheit schenkte, verfolgt, dann tut er das, weil es so im Drehbuch steht. Aber nicht, weil es psychologisch begründet ist.
In dem Moment läuft vor dem geistigen Auge schon lange ein zweiter Film ab: die Parodie auf diesen konsequent humorlosen Film, der mit eindimensionalen Klischeecharakteren bevölkert ist, die wir sofort vergessen und dem es gelingt, jeden, aber auch jeden aktuellen Bezug besser zu Vermeiden als der Teufel das Weihwasser.
Die Schauspieler können da nur noch hilflos in der Kulisse herumstehen oder chargieren. Besonders bedrückend ist der Auftritt von Sigourney Weaver, die in ungefähr drei Szenen kurz herumsteht und vielleich sogar ein Wort sagt. In einem anderen Film wäre das ein Cameo, das in der Werbung nicht erwähnt wird. Hier ist es eine groß beworbene Rolle, die sich darin erschöpft, dass Weaver ein Stück austauschbare Dekoration ist. Jedenfalls in der Kinoversion. Vielleicht war ihre Rolle in dem vierstündigen Rohschnitt größer, vielleicht gibt es im Bonusmateral der DVD, für die Ridley Scott dreißig Minuten ‚geschnittene Szenen‘ ankündigte, mehr von ihr zu sehen. Vielleicht sehen wir dann auch mehr von Ben Kingsley, der etwas mehr Filmzeit hat, aber aus seiner Rolle auch nichts herausholen kann.
Angesichts dieser konfliktfrei erzählten Geschichte, die jeden eigenen künstlerischen Zugriff vermissen lässt, mit überflüssigen neuen Szenen ist es absolut unwahrscheinlich, dass eine längere Version aus diesem Langweiler einen besseren Film macht. Dafür ist nicht zu viel falsch, sondern auf der erzählerischen Ebene nichts richtig gemacht worden.
Immerhin ist die Optik halbwegs beindruckend. Die Bilder erinnern an die Fotografien von Sebastião Salgado. Aber während in seinen SW-Bildern immer auch eine Anteilnahme und Sympathie für die Porträtierten vorhanden ist, bleibt bei Ridley Scott nur noch das Ornament der Masse übrig, das selbstverständlich in 3D präsentiert wird und damit auch jeder mitbekommt, dass es 3D ist (als ob nicht schon die dämliche Brille ausreichen würde) werden ständig Gegenstände in den Vordergrund geschoben, die in einem normalen Film nicht dort stehen würden.
Auch „Noah“ von Darren Aronofsky war ein schlechter Film. Aber im Gegensatz zu dem langweiligen Komitee-Film „Exodus“ hatte er immerhin so viele unglaubliche Szenen, dass ich mich fragte, ob die Macher beim Dreh irgendwelche Drogen genommen haben, um zum Beispiel auf ihre Stein-Transformers zu kommen.

Exodus - Plakat

Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Adam Cooper, Bill Collage, Jeffrey Caine, Steven Zaillian
mit Christian Bale, Joel Edgerton, John Turturro, Aaron Paul, Ben Mendelsohn, Maria Valverde, Ben Kingsley, Sigourney Weaver, Dar Salim, Golshifteh Farahani, Indira Varma
Länge: 151 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
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Film-Zeit über „Exodus“
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Rotten Tomatoes über „Exodus“
Wikipedia über „Exodus“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Ridley Scott in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Protzkarren mit „Need for Speed“

März 21, 2014

 

Need for Speed“ basiert auf einem Videospiel und wie bei vielen Spieleverfilmungen fragte ich mich, ob Spieleverfilmungen wirklich so komplett logikentkernt sein müssen. Allerdings erreicht „Need for Speed“ hier ganz neue Qualitäten, die dazu führen, dass ich mich die ganze Zeit fragte, warum ich auch nur den Funken eines Gefühls in diese Pappkameraden investieren sollte, die sich durchgängig vollkommen idiotisch verhalten.

Also, es geht um Tobey Marshall, einen begnadeten, herzensguten Automechaniker, der in illegalen Straßenrennen Geld verdient, und der mit dem stinkreichen und daher arroganten Ex-NASCAR-Rennfahrer Dino Brewster verfeindet ist. Um seinen Schuldenberg abzubezahlen, motzt er für Dino einen Mustang Shelby auf. Das drei Millionen Dollar teure Auto wird nach England verkauft und bei einem kleinen Rennen, tagsüber auf der gut befahreren Autobahn, zwischen Dino, Tobey und Tobeys Kumpel Little Pete bringt Dino Little Pete um und haut ab. Tobey wandert in den Knast – und wir fragen uns, ob es im Staat New York keine Forensiker mehr gibt, die einen Blick auf fehlende Bremsspuren, demolierte Autos und Videoaufnahmen werfen und Zeugen befragen. Auch alle Anwälte waren nach dem Unfall anscheinend anderweitig beschäftigt.

Jedenfalls wandert Tobey als Mörder von Little Pete in den Knast. Zwei Jahre später wird er entlassen, will sich rächen, kriegt als Leihwagen den superteuren Mustang Shelby (aus Great Britain mit blonder Aufpasserin eingeflogen) und macht sich, natürlich im Auto, auf den Weg zum nächsten illegalen Autorennen, das irgendwo in der Nähe von San Francisco stattfindet. Denn die optimale Vorbereitung für ein Rennen ist nun einmal eine 48-stündige Überlandfahrt von New York nach Kalifornien.

Need for Speed“ klont weitgehend humorfrei „Auf dem Highway ist die Hölle los“ ohne das Autorennen von Küste zu Küste und ohne die Stars, mit der „Fast & Furious“-Serie; wobei nach „Need for Speed“ sogar der grottige „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ wie ein filmisches Meisterwerk wirkt. Immerhin sind Tobeys brave Kumpels ähnlich multiethnisch wie Doms wesentlich unterhaltsamere Gangsterposse.

Bis auf die erfrischende Mißachtung von Geld, wenn immer wieder innerhalb von Sekunden Autos, die mehrere Millionen wert sind, geschrottet oder auch mal mit einem Hubschrauber abtransportiert werden und den handgemachten Actionszenen, inclusive einiger spektakulärer Bilder von Stunts und Crashs, gibt es nichts, was die Klischeeparade „Need for Speed“ auch nur irgendwie sehenswert macht.

Ach ja, im Gegensatz zu „Alarm für Cobra 11“ wird hier sogar im 3D-Modus geschrottet.

Need for Speed - Plakat

Need for Speed (Need for Speed, USA 2013)

Regie: Scott Waugh

Drehbuch: George Gatins (nach einer Idee von George Gatins und John Gatins)

mit Aaron Paul, Dominic Cooper, Imogen Pots, Ramon Rodriguez, Michael Keaton, Rami Malek, Scott Mescudi, Dakota Johnson, Harrison Gilbertson

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homeapge zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Need for Speed“

Moviepilot über „Need for Speed“

Metacritic über „Need for Speed“

Rotten Tomatoes über „Need for Speed“

Wikipedia über „Need for Speed“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Scott Waughs „Act of Valor“ (Act of Valor, USA 2012)


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