Neu im Kino/Filmkritik: „A Star is born“, wieder einmal

Oktober 6, 2018

Jackson Maine (Bradley Cooper) ist ein Rockmusiker, der immer noch große Hallen füllt. Seine Musik geht, entsprechend seinem Alter, so in Richtung poppig-schrammeliger Grunge mit seltenen Country-Anwandlungen. Eines Abends entdeckt der Alkoholiker nach einem Konzert in einer Drag-Bar die vollkommen unbekannte Sängerin Ally (Lady Gaga). Er verbringt die Nacht mit ihr, verliebt sich in sie und lädt sie zu seinem nächsten Konzert ein. Backstage. Mit einem gemeinsamen Song auf der Bühne. Sie verlieben sich ineinander. Er fördert sie. Sie, die nie vor mehr als einem Dutzend Menschen auftrat, ist zuerst überwältigt von den Reaktionen des Publikums. Tausende jubeln ihr zu. YouTube-Aufnahmen von ihrem Kurzauftritt gehen viral. Schnell beginnt sie ihre erste CD aufzunehmen, während ihr Produzent bereits das allumfassende TV- und Tourpaket schnürt und so den nächsten Pop-Star aufbaut.

Währenddessen versinkt Maine immer mehr im Drogensumpf.

Und wer eine der vier vorherigen Versionen der Geschichte kennt, kennt auch ihr Ende. Am bekanntesten dürfte die 1976er Version von Frank Pierson mit Kris Kristofferson und Barbara Streisand sein. Der Film, der die Geschichte aus Hollywood ins Musikbusiness verlegte, war ein kommerzieller Erfolg. Die Songs Hits. Die Kritik, wie ein Blick auf Rotten Tomatoes zeigt, war nicht begeistert.

Die älteren Versionen – „What Price Hollywood?“ (USA 1932, Regie: George Cukor), „Ein Stern geht auf“ (A Star is born, USA 1937, Regie: William A. Wellman) und „Ein neuer Stern am Himmel“ (A Star is born, USA 1954, Regie: George Cukor) – dürfte heute niemand mehr kennen.

In seinem Regiedebüt knüpft Bradley Cooper an Piersons Werk an. Und zwar so sehr, dass ich ständig Barbara Streisand und Kris Kristofferson vor mir sah. Auch wenn ich von Piersons Film nur das bekannte Plakatbild mit Kris Kristofferson und Barbara Streisand vor einer bis zum letzten Platz gefüllten Freilichtbühne kenne. Weil der Film seit Ewigkeiten, – falls überhaupt -, nicht mehr im Fernsehen gezeigt wurde, dürften die meisten Piersons Film ebenfalls nicht kennen oder nur noch eine vage Erinnerung an ihn haben. Denn nicht jeder kauft sich DVDs.

Mit seinem Aussehen – Vollbart, lange, zottelige Haare – betont Cooper die Ähnlichkeit zwischen ihm und Kristofferson. Lady Gaga weist ständig auf ihre Nase hin und dass mit so einer Nase eine Karriere im Musikbusiness ausgeschlossen sei. Ihre Nase ist allerdings, trotz aller penetrant-inszenatorischer Bemühungen, nie so beeindruckend wie Barbara Streisands markant-legendäre Nase.

Das oberflächlich porträtierte Musik-Business erinnert auch mehr an die siebziger Jahre als an die Gegenwart.

Coopers pseudo-dokumentarische Inszenierung knüpft an das New-Hollywood-Kino der siebziger Jahre an. Wobei Cooper einen Hang zu Nahaufnahmen hat, die in ihrer Geballtheit auf der großen Leinwand dann doch etwas störend sind. Das ist nicht schlecht, aber insgesamt so retro, dass sich die Frage nach dem Grund für das aktuelle Remake der Geschichte von „A Star is born“ stellt.

Auf der musikalischen Ebene punktet Lady Gaga, die hier, mehr oder weniger sich selbst spielend, auch als Schauspielerin überzeugt. Wenn sie beginnt zu singen, kommt die Kamera zur Ruhe. Sie verharrt auf der Sängerin, umkreist sie liebevoll und zeigt sie gleichzeitig singend und Klavier spielend. Einen ganz Song lang. Und dann noch einen ganzen Song.

Auch Bradley Cooper sang seine Songs live. Begleitet wird er meistens von Lukas Nelson & Promise of the Real. Ein größeres Publikum kennt die Rockband als eine aktuelle Begleitband von Neil Young. Im Gegensatz zu den fast ungeschnittenen Auftritten von Lady Gaga (jaja, Ally im Film) wird bei Coopers Auftritten als Jackson Maine häufig geschnitten, die Kamera wackelt rockig und meistens ist sie hinter ihm positioniert oder nimmt sein Gesicht in extremer Nahaufnahme auf. Das alles zeigt weniger Maines drogenumnebelten Zustand, sondern dient mehr der Verschleierung von Coopers begrenzten musikalischen Fähigkeiten.

Die Story selbst ist eine oberflächliche Schmonzette aus dem Showmilieu, die uns nichts über das Showgeschäft verrät, was wir nicht schon aus einer Vorabendserie kennen. Über die Probleme, mit einem Süchtigen zusammen zu leben, erfahren wir auch nichts substantielles. Dafür darf das Liebespaar ausführlich miteinander knutschen.

Wem das genügt, der kann mit „A Star is born“ über zwei Stunden verbringen.

A Star is born (A Star is born, USA 2018)

Regie: Bradley Cooper

Drehbuch: Eric Roth, Bradley Cooper, Will Fetters (basierend auf dem Drehbuch von 1954 von Moss Hart, basierend auf dem Drehbuch von 1976 von John Gregory Dunne, Joan Didion und Frank Pierson, basierend auf einer Geschichte von William Wellman und Robert Carson)

mit Bradley Cooper, Lady Gaga, Andrew Dice Clay, Dave Chapelle, Sam Elliott, Rafi Gavron, Anthony Ramos, Alec Baldwin, Ron Rifkin, Don Was

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „A Star is born“

Metacritic über „A Star is born“

Rotten Tomatoes über „A Star is born“

Wikipedia über „A Star is born“ (deutsch, englisch)

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TV-Tipp für den 15. September: Erschütternde Wahrheit

September 14, 2018

Vox, 20.15

Erschütternde Wahrheit (Concussion, USA 2015)

Regie: Peter Landesman

Drehbuch: Peter Landesman

LV: Jeanne Marie Laskas: Game Brain, 2009 (GQ-Reportage)

Der aus Nigeria kommende Dr. Bennet Omalu ist Gerichtsmediziner in Pittsburgh. Im September 2002 diagnostiziert er bei dem mit fünfzig Jahren, nach einer langen Krankengeschichte, durch einen Herzinfarkt verstorbenen und bei den Fans immer noch hochverehrten Ex-Football-Spieler Mike Webster der Pittsburgh Steelers CTE.

CTE (Chronisch-traumatische Enzephalopathie oder Dementia pugilistica) entsteht durch Erschütterungen des Gehirns, die normale Menschen höchstens bei einem Autounfall erleben. Bei Football-Spielern kann das während eines Spiels mehrmals geschehen. Omalu hält das für die Ursache von Websters frühem Tod. Er veröffentlicht in einem wissenschaftlichen Magazin einen Aufsatz dazu und legt sich – weil er keine Ahnung über die National Football League (NFL) und die Bedeutung von Football für die US-Kultur hat – mit der NFL an.

Auf wahren Ereignissen basierendes Drama, das vor allem ein filmisches Denkmal für Dr. Bennet Omalu und ein Aufruf zur Zivilcourage ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Will Smith, Alec Baldwin, Gugu Mbatha-Raw, Arliss Howard, Paul Reiser, Luke Wilson, Adewale Akinnuoye-Agbaje, David Morse, Albert Brooks, Eddie Marsan, Hill Harper

Wiederholung: Sonntag, 16. September, 13.35 Uhr

Hinweise
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Moviepilot über „Erschütternde Wahrheit“
Metacritic über „Erschütternde Wahrheit“
Rotten Tomatoes über „Erschütternde Wahrheit“
Wikipedia über „Erschütternde Wahrheit“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood mit der Wahrheits-Spielstand für „Erschütternde Wahrheit“

Meine Besprechung von Peter Landesmans „Erschütternde Wahrheit“ (Concussion, USA 2015)

Meine Besprechung von Peter Landesmans „The Secret Man“ (Mark Felt – The Man who brought down the White House, USA 2017)


TV-Tipp für den 26. August: Aviator

August 25, 2018

Arte, 20.15

Aviator (The Aviator, USA 2004)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: John Logan

Biopic über den Multimillionär Howard Hughes und sein Leben in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gut gespielt, liebevoll ausgestattet, straff erzählt mit einem Blick auf die dunklen Seiten des Porträtierten, aber von Scorsese erwarte ich mehr.

Denn letztendlich ist „Aviator“ Ausstattungskino.

Mit Leonardo DiCaprio, Cate Blancett, Kate Beckinsale, John C. Reilly, Alan Alda, Jude Law, Alec Baldwin, Alan Alda, Ian Holm, Danny Huston, Gwen Stefani, Willem Dafoe

Wiederholung: Freitag, 31. August, 14.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aviator“

Wikipedia über „Aviator“ (deutsch, englisch)

Martin-Scorses-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: „BlacKkKlansman“ – Spike Lees furiose Rückkehr ins Kino

August 24, 2018

Es klingt wie ein Witz: Ein Afroamerikaner wird Mitglied beim Ku-Klux-Klan.

Aber das passierte wirklich und Spike Lee verfilmte jetzt diese Geschichte. Wobei man wohl besser sagt „inspiriert von einer wahren Geschichte“ als „basierend auf einer wahren Geschichte“.

In den Siebzigern bewirbt sich Ron Stallworth (John David Washington) beim Colorado Springs Police Department. Er wird der erste afroamerikanische Polizist des Reviers. Wobei man damals nicht afroamerikanisch, sondern schwarz sagte. Oder gleich noch diskriminierendere Worte benutze und den neuen Kollegen, der zuerst einmal in das Archiv verbannt wird, seine Abneigung deutlich spüren lässt. Aber Stallworth bewegt sich schon ab dem ersten Tag mit seinem Afro (damals modisch der letzte Schrei) so selbstsicher durch das Revier, dass klar ist, dass er die Botschaft von „I’m Black and I’m Proud“ verinnerlicht hat und seinen Shaft kennt.

Eines Tages sieht er in der Tageszeitung eine Anzeige des Ku-Klux-Klans. Es werden Mitglieder für eine örtliche KKK-Gruppe gesucht. Stallworth ruft an und am Diensttelefon verkörpert er so gut den weißen Rassisten, dass sein Gesprächspartner begeistert über das zukünftige Mitglied ist. Etwas später ist auch KKK-Anführer David Duke (Topher Grace) begeistert. Am Telefon überzeugt Stallworth die Rassisten mühelos. Er kann, und das ist einer der zahlreichen witzigen Dialoge, in den Rassenstereotype aufgespießt werden, ’schwarz‘ und ‚weiß‘ klingen (Keine Ahnung, ob der Witz in der deutschen Synchronisation noch funktioniert). Für eine persönliche Begegnung, die sich irgendwann nicht vermeiden lässt, muss dann ein weißer Kollege einspringen. Das soll Flip Zimmerman (Adam Driver), ein Jude, tun.

Damit sind wir beim grandiosen zweiten Witz des Films: ein Schwarzer und ein Jude infiltrieren den Ku-Klux-Klan und fügen ihm eine empfindliche Schlappe zu.

Bis es dahin kommt, zeigt Spike Lee sich in seinem neuen Film „BlacKkKlansman“ in Hochform und es ist ein typischer Spike-Lee-Joint: etwas zu lang, etwas chaotisch zwischen Stilen und Stimmungen wechselnd, eklektisch in jeder Beziehung, voller Humor, gespickt mit mal mehr, mal weniger subtilen Anspielungen und satirischer Zuspitzungen und immer unterhaltsam. Wie man, um jetzt nicht all seine Klassiker zu erwähnen, es beispielsweise aus seiner grandiosen Mediensatire „It’s Showtime“ (Bamboozled, 2000) kennt. Das ist, obwohl „BlacKkKlansman“ auch ein Thriller ist, nicht der Spike Lee, der mit „Inside Man“ (2006) und „Oldboy“ (2013, seinem letzten bei uns im Kino gelaufenem Film) straffe Thriller erzählte. In „BlacKkKlansman“, erleben wir den Filmemacher wieder mit seiner bekannten politischen Agenda und, auch ohne die letzten Filmminuten, in denen er Bilder der rechtsextremen „Unite the Right“-Demonstration, die 2017 in Charlottesville stattfand, zeigt, sind die Bezüge zur Gegenwart für jeden im Kinosaal glasklar. Vor allem, wenn man hört, woher die bekannten Trump-Sprüche kommen.

BlacKkKlansman“ ist eine wütende Anklage gegen Rassisten und ihre Weltsicht. Spike Lee macht sich über sie lustig, aber er dämonisiert sie nicht. Er reißt ihnen nur die Maske vom Gesicht und lässt immer wieder, auch wenn sie es nicht ahnen, deren schlimmsten Alpträume wahr werden. Denn „BlacKkKlansman“ zeigt, was das schlimmste ist, was White-Supremacy-Anhänger sich ausdenken können.

Seine Premiere hatte die Komödie in Cannes. Dort erhielt sie den Großen Preis der Jury. In den USA lief der Film am 10. August, dem ersten Jahrestag der Charlottesville-Demonstration, an.

Fun Fact: Hauptdarsteller John David Washington ist der Sohn von Denzel Washington. Sein Leinwanddebüt, ein Cameo, hatte er als Kind 1992 in Spike Lees „Malcolm X“.

BlacKkKlansman (BlacKkKlansman, USA 2018)

Regie: Spike Lee

Drehbuch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott, Spike Lee

LV: Ron Stallworth: Black Klansman, 2014

mit John David Washington, Adam Driver, Topher Grace, Laura Harrier, Ryan Eggold, Jasper Pääkkönen, Corey Hawkins, Paul Walter Hauser, Alec Baldwin, Harry Belafonte

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Moviepilot über „BlacKkKlansman“

Metacritic über „BlacKkKlansman“

Rotten Tomatoes über „BlacKkKlansman“

Wikipedia über „BlacKkKlansman“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „BlacKkKlansman“ (Im Zweifel für die Geschichte!)

Meine Besprechung von Spike Lees „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“ (Miracle at St. Anna, USA/Italien 2008)

Meine Besprechung von Spike Lees “Oldboy” (Oldboy, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mission: Impossible – Fallout“ überzeugt

August 2, 2018

Einerseits: Wow!

Andererseits: Angesichts des überschwänglichen Kritikerlobs in Richtung „bester Actionfilm des Jahres“ und des 97-prozentigen Frischegrades bei „Rotten Tomatoes“ muss ich jetzt die Erwartungen dämpfen. „Mission: Impossible – Fallout“ ist kein das Genre verändernder Film und auch kein künftiger Klassiker. Aber es ist eine zweieinhalbstündige Actionsause, in der sich, fast ohne Verschnaufpausen, eine spektakuläre Actionszene an die nächste spektakuläre Actionszene anschließt. Diese Actionszenen sind in der alten James-Bond-Tradition zwar unglaublich und unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Das unterscheidet sie von den Actionszenen in den unzähligen Superheldenfilmen, die nur mit viel Computerhilfe entstehen können und die deshalb letztendlich auch nicht so beeindruckend wie handgemachte Actionszenen sind. Die beiden „John Wick“-Filme und „Atomic Blonde“ zeigten in den letzten Jahren den Hunger der Actionfans nach solchen Old-School-Actionszenen.

Ein zweiter sehr wichtiger Unterschied zur Action in Superheldenfilmen ist, dass Tom Cruise die Stunts selbst macht. Soweit wie möglich. Er kann sich da, wie ein Kind im Wunderland, austoben. Er darf all die Dinge machen, die ein normaler Mensch nicht machen darf, wie durch Paris zu rasen, über Dächer laufen, an Hubschraubern hängen, Hubschrauber durch Berge fliegen und aus Flugzeugen zu springen. Für diese HALO-Sprung aus über 8000 Meter Höhe wurde ein besonderer Helm entworfen, damit man sieht, dass er und nicht irgendein Stuntman durch die Luft fliegt. Manchmal geht auch etwas schief, wie bei dem Sprung in London, bei dem Cruise sich den Knöchel brach. Die ungeschnittene Szene ist inzwischen online. Geplant war, dass er läuft, zum gegenüberliegenden Haus springt, gegen die Hauswand prallt (Autsch!), sich hochzieht und weiterläuft.

Regisseur Christopher McQuarrie sagt zu den Stunts: „Tom ist immer bereit, bei allem mitzumachen, was wir uns einfallen lassen. Man muss nur immer zusätzlich noch einen Weg finden, die Kameras so zu platzieren, dass man sieht, dass es tatsächlich der Star des Films ist, der diese Stunts absolviert.“

Und die Action ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Teil der Handlung. Sie treibt die Geschichte voran, die in ihren großen Linien nicht so wahnsinnig aufregend ist. Hunt muss gestohlenes Plutonium finden, bevor es in die Hände von einer Terrorgruppe fällt. Die brauchen es für drei Atombomben, die einen großen Teil der Menschheit vernichten sollen. Das ist ein typischer „Mission: Impossible“/“James Bond“-Plot, bei dem meistens auch schnell die Bösewichter und ihre Helfer bekannt sind. In diesem Fall steckt der aus dem vorherigen „Mission: Impossible“-Film „Rogue Nation“ bekannte Solomon Lane (Sean Harris) dahinter.

Aber in den Details wird dieser Plot sehr interessant ausgemalt. Gleichzeitig gibt es einige Verbindungen zu den früheren „Mission: Impossible“-Filmen, die das Herz des fanatischen Fans erfreuen, ohne dass das Verständnis des aktuellen Films darunter leidet. So ist die Waffenhändlerin Alana, genannt „Die weiße Witwe“ (Vanessa Kirby), die Tochter der Waffenhändlerin Max (Vanessa Redgrave) aus dem ersten „Mission: Impossible“-Film. Hunts Frau Julia (Michelle Monaghan) ist wieder dabei. Ihr Auftritt ist zwar kurz, aber wichtig für diese Geschichte. Ebenso sind Luther Stickell (Ving Rhames, von Anfang an dabei), Benji Dunn (Simon Pegg), ihr Chef Alan Hunley (Alec Baldwin) und die MI6-Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) wieder dabei. Ihre Rolle in dem Spiel ist allerdings zunächst unklar.

Es gibt auf der Seite der Guten auch zwei wichtige Neuzugänge: Erika Sloane (Angela Bassett, hoffnungslos unterfordert) ist die neue CIA-Chefin, die ein natürliches Misstrauen gegen Hunts unkontrollierbare Einheit hat. August Walker (Henry Cavill) ist der von ihr beauftragte schlagkräftige CIA-Aufpasser für Hunt und seine globetrottende Rasselbande.

Hunt lehnt die brachialen und oft letalen Methoden des CIA-Killers ab und würde den aktuellen Auftrag auch lieber ohne den Aufpasser absolvieren. Walker ist dabei von der ersten Minute an so over the top inszeniert und, wenn er Hunts Arbeit bewusst oder unbewusst sabotiert, so intrigant, dass unklar ist, ob er wirklich in Hunts Team spielt. In jedem Fall steht Hunt immer wieder wie ein von der Situation hoffnungslos überforderter Trottel da. Die Dynamik zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren, die notgedrungen zusammenarbeiten müssen (wobei Walker auch ordentlich gegen Hunt arbeitet) verleiht den Actionszenen eine zusätzliche Dynamik, weil sie mit Problemen anders umgehen. Und dann kommt noch Faust und Lane dazu, die ebenfalls einen anderen Umgang mit Problemen haben.

McQuarrie, der, im Gegensatz zur „Mission: Impossible“-Tradition, einen zweiten „Mission: Impossible“-Film inszenieren durfte, setzt eine andere Tradition fort, die vorher durch die Regisseure Brian De Palma, John Woo, J. J. Abrams und Brad Bird garantiert wurde. Nämlich dass sich jeder „Mission: Impossible“-Film stilistisch von dem anderen unterscheidet.

Während McQuarries erster „Mission: Impossible“-Film „Rouge Nation“ sich stilistisch bei den Bond-Filmen und den britischen Agentenfilmen bediente, geht es jetzt hemmungslos in Richtung Breitwand-Actionepos. Mit 150 Minuten ist es der längste „Mission: Impossible“-Film. Es ist auch der erste in 3D. Leider. Denn die 3D-Effekte sehen gruselig aus, nerven oft und stören die Komposition der Actionszenen so sehr, dass ich unbedingt die 2D-Fassung empfehle. Oder die IMAX-Fassung.

Wie gesagt: „Mission: Impossible – Fallout“ ist eine feine und, trotz der Laufzeit, enorm kurzweilige und effiziente Actionsause, die bei den aktuellen Temperaturen in einem gut gekühlten Kinosaal einen zusätzlichen Reiz entfaltet.

Der sich schon jetzt abzeichnende Kassenerfolg und die Möglichkeiten, die das Ende von „Fallout“ für weitere „Mission: Impossible“-Filme eröffnet, sprechen für einen weiteren „Mission: Impossible“-Film. In den USA hat der sechste Film der Serie mit über sechzig Millionen Dollar das beste Einspielergebnis der „Mission: Impossible“-Filme am Startwochenende. Und das bisherige weltweite Einspielergebnis übertrifft schon jetzt sein Budget von gut 180 Millionen Dollar..

Mission: Impossible – Fallout (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie (basierend auf der TV-Serie von Bruce Geller)

mit Tom Cruise, Henry Cavill, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Sean Harris, Angela Bassett, Vanessa Kirby, Wes Bentley, Frederick Schmidt, Michelle Monaghan, Alec Baldwin

Länge: 148 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mission: Impossible – Fallout“

Metacritic über „Mission: Impossible – Fallout“

Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Fallout“

Wikipedia über „Mission: Impossible – Fallout“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)


TV-Tipp für den 21. November: Blue Jasmine

November 21, 2017

ZDF, 00.35

Blue Jasmine (Blue Jasmine, USA 2013)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

Weil Jasmine es unerträglich fände, von ihren Freundinnen aus der New Yorker Oberschicht an der Kasse gesehen zu werden, quartiert sie sich nach der Totalpleite ihres Mannes in San Francisco bei ihrer Schwester Ginger ein. Die bodenständige Ginger will Jasmine helfen, aber sie lebt in ihrer eigenen Traumwelt.

TV-Premiere eines von der Kritik abgefeierten Woody-Allen-Films vier Jahre nach dem Kinostart zu einer unmöglichen Uhrzeit.

Zum Kinostart meinte ich zu diesem um eine quirlige Schwester und etwas Wirtschaftskrimi angereichertes Quasi-Remake von Amos Kolleks „Sue – Eine Frau in New York“: „ein etwas zwiespältiges Vergnügen, trotz der gewohnt grandiosen Schauspieler und der gut gespielten Szenen, die mal mehr auf die Mike-Leigh-Schule, mal mehr in Richtung Ingmar Bergman, auch etwas in Richtung High-Society-Satire schielen und alle im Woody-Allen-Kosmos grundiert sind.“

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cate Blanchett, Sally Hawkins, Alec Baldwin, Peter Sarsgaard, Louis C. K., Bobby Cannavale, Michael Stuhlbarg, Andrew Dice Clay, Max Casella, Alden Ehrenreich, Tammy Blanchard

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Blue Jasmine“

Moviepilot über „Blue Jasmine“

Metacritic über „Blue Jasmine“

Rotten Tomatoes über „Blue Jasmine“

Wikipedia über „Blue Jasmine“

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 18. Juni: Mission: Impossible – Rogue Nation

Juni 18, 2017

Pro7, 20.15

Mission: Impossible – Rouge Nation (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie (nach einer Geschichte von Christopher McQuarrie und Drew Pearce) (basierend auf der von Bruce Geller erfundenen TV-Serie)

IMF-Agent Ethan Hunt kämpft gegen die Verbrecherorganisation Das Syndikat und gegen seine Vorgesetzten, die die IMF auflösen wollen, weil deren vorherige Aktionen spektakulär aus dem Ruder liefen. Oder will Das Syndikat die IMF auflösen, weil sie ihnen gefährlich wird?

Feiner Actionfilm, dieses Mal mit einer ordentlichen Portion James Bond, gelungenen Anspielungen, viel Humor und atemberaubender Action.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung über den fünften Einsatz von Tom Cruise als Ethan Hunt.

mit Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Ving Rhames, Sean Harris, Alec Baldwin

Wiederholung: Montag, 19. Juni, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
„Mission: Impossible – Rouge Nation“-YouTube-Kanal
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mission: Impossible – Rouge Nation“
Moviepilot über „Mission: Impossible – Rouge Nation“
Metacritic über „Mission: Impossible – Rouge Nation“
Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Rouge Nation“
Wikipedia über „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)
Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)


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