DVD-Kritik: „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ wütet in Lappland

April 3, 2020

In Lappland, an der finnisch-russischen Grenze, entdeckt die Polizistin Nina Kautsalo in einer einsamen Hütte eine übel zugerichtete russische Prostituierte. In der Hütte findet sie außerdem Frauenkleider in vier verschiedenen Größen. Aber es gibt keine Spur von den anderen Frauen. Bevor Kautsalo mit der Suche nach ihnen beginnen kann, erfährt sie, dass die von ihr entdeckte Russin die Trägerin eines tödlichen Virus ist, der durch eigentlich harmlose Herpes-Infektionen übertragen wird.

Der Virologe Thomas Lorenz vom Europäischen Zentrum für die Kontrolle von Krankheiten soll, zusammen mit der Polizei und ohne großes öffentliches Aufsehen, herausfinden, wie verbreitet der Virus in der Gemeinde ist und wo er herkommt. Denn zuerst trat er im Jemen bei Schwangeren auf.

Die zehnteilige Miniserie „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ (die im ZDF in fünf neunzigminütigen Folgen gezeigt wurde) ist nicht, wie man Angesichts der Thematik erwarten könnte, die Serie zur Stunde. Nach einem flotten Anfang – es beginnt mit der Entdeckung der Prostituierten – plätschert die Geschichte gemütlich vor sich hin. Über viele Folgen passiert nichts für die Hauptgeschichte entscheidendes. Stattdessen werden Rätsel aufgetürmt. Was will der vermögende Mehrheitseigner einer Pharmafirma in Ivalo?Was ist unter dem geheimnisvollen Eingang, der irgendwo im verschneiten nirgendwo in einer Erdaufschüttung ist, zu finden? Anscheinend handelt es sich um ein auf keiner Karte verzeichnetes und auch den Einheimischen unbekanntes ‚Gebäude‘, das von den Nazis im Krieg für irgendetwas errichtet wurde. Was hat das mit dem Virus zu tun? Und wer ist der geheimnisvolle Mann, der in einem leerstehendem Zimmer mit Seeblick an Ringen trainiert? All diese und viele weitere Fragen, immerhin geht es auch um den kleinen illegalen Grenzhandel und Menschenschmuggel zwischen Russland und Finnland, vulgo der Europäischen Union, werden erst in den letzten Folgen, teils atemberaubend schnell, beantwortet.

Bis dahin gibt es die inzwischen üblichen familiären Subplots. So ist die Polizistin Kautsalo eine alleinerziehende Mutter einer Tochter mit Down-Syndrom, die gerade unbedingt ihren Vater sehen will. Sie hat eine vergnügungssüchtige Schwester, die ebenfalls Trägerin des Virus ist und überhaupt nicht daran denkt in der Quarantäne zu bleiben. Stattdessen geht sie auf Männerjagd. Der Virologe Lorenz ist gerade in einen Scheidungs- und Sorgerechtsstreit verwickelt, der natürlich nichts mit der Jagd nach dem Virus zu tun hat, ihn aber periodisch von der Arbeit ablenkt. In jedem Handlungsstrang gibt es unzählige unlogische Momente. So beginnen Kautsalo und Lorenz, mitten im Sorgerechtsstreit um seine Tochter Hanna, eine Beziehung und Hanna ruft ihn immer dann an, wenn ihre Mutter in Hörweite ist. Als ob die Dreizehnjährige ihren über alles geliebten Vater auf ihrem Handy nicht aus der Schule anrufen könnte. Der Hauptplot ist, so wie er erzählt und aufgelöste wird, nicht viel besser.

Dabei hätte die Idee und die Lösung durchaus das Potential für einen hübschen zweistündigen trashigen Thriller gehabt. Stattdessen wurde ein siebeneinhalbstündiger Nordic-Noir für anspruchslose Gemüter mit einem Faible für schlechte Dialoge gedreht. Immerhin mit schönen Bildern.

Der gebürtige Finne Hannu Salonen inszenierte vor allem für das deutsche Fernsehen TV-Filme, unter anderem für „Polizeiruf 110“, „Tatort“, „Rosa Roth“, „Commissario Laurenti“, „Ein Fall für zwei“, „Schuld“ und „Die Toten vom Bodensee“.

Die DVD hat kein Bonusmaterial.

Arctic Circle – Der unsichtbare Tod (Ivalo; Arctic Circle, Finnland/Deutschland 2018)

Regie: Hannu Salonen

Drehbuch: Joona Tena, Jón Atli Jónasson, Petja Peltomaa (nach einer Idee von Olli Haikka, Petja Pelomaa und Joona Tena)

mit Iina Kuustonen, Maximilian Brückner, Pihla Viitala, Janne Kataja, Susanna Haavisto, Taneli Mäkelä, Clemens Schick, Aleksandar Jovanovic

DVD

EdelMotion

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, mehrsprachige Originalfassung (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: –

Länge: 429 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über „Arctic Circle“

Wikipedia über „Arctic Circle“


Neu im Kino/Filmkritik: „The good Liar – Das alte Böse“ ist quicklebendig

November 29, 2019

Schon in den ersten Minuten sät Bill Condon in „The good Liar – Das alte Böse“ die Saat des Zweifel. Betty McLeish (Helen Mirren) und Roy Courtnay (Ian McKellen) erstellen, jeder für sich, rauchend und Alkohol trinkend, bei einer Online-Agentur ein Dating-Profil. Selbstverständlich sagen sie da nicht immer die Wahrheit. Als sie sich kurz darauf in London in einem noblen Café zu ihrem ersten Date treffen, gestehen sie sich einige der getätigten Schwindeleien. Aber was verbergen McLeish und Courtnay noch? Bei Courtnay wissen wir schnell, dass er ein Berufsgauner ist, dessen Leben aus Trickbetrügereien besteht. Skrupel kennt er nicht. McLeish soll sein nächstes Opfer sein.

Ian McKellen spielt diesen ebenso skrupellosen, wie charmanten, langsam in die Jahre kommenden Trickbetrüger mit sichtlicher Freude. Courtnays einzige Sorge ist, dass er wieder ein Opfer aus einem früheren Betrug trifft und dieses Opfer sich von ihm nicht bequatschen lässt. Aber da gibt es zur Not die U-Bahn.

Was McLeish verbirgt, ist lange, sehr lange, unklar. Klar ist allerdings, dass McLeish nicht die vertrauensselige, leicht tütelige, begüterte alte Dame ist, als die sie auftritt. Das zeigt Helen Mirren mit kleinsten Gesten und minimal irritierenden Gesichtsausdrücken. Außerdem kennen wir sie seit „RED“ und „Fast & Furious“ als Dame, die ohne erkennbare Skrupel ihren Willen durchsetzt. Auch als Alma Reville in „Hitchcock“ hatte sie es faustdick hinter den Ohren. So eine Frau ist nicht das Opfer eines Heiratsschwindlers.

Dieses Duell zwischen Helen Mirren und Ian McKellen steht im Zentrum von „The good Liar – Das alte Böse“. Bill Condon inszenierte das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden alten Herrschaften als betuliches Schauspielerkino, das sich vor allem auf Mirren und McKellen blind verlassen kann und verlässt.

Ihr Spiel ist so unterhaltsam und Condons Regie so souverän unauffällig, dass man gerne über die unglaubwürdigeren Momente der Geschichte hinwegsieht. Diese häufen sich in der zweiten Hälfte, wenn wir mehr über Betty McLeish und ihre Vergangenheit erfahren.

Und, soviel kann verraten werden, es hat einen Grund, weshalb die Geschichte 2009 spielt.

The good Liar – Das alte Böse (The good Liar, USA 2019)

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Jeffrey Hatcher

LV: Nicholas Searle: The good Liar, 2016 (Das alte Böse)

mit Helen Mirren, Ian McKellen, Russell Tovey, Jim Carter, Mark Lewis Jones, Laurie Davidson, Phil Dunster, Lucian Msamati, Aleksandar Jovanovic

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The good Liar“

Metacritic über „The good Liar“

Rotten Tomatoe über „The good Liar“

Wikipedia über „The good Liar“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Condons „Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt“ (Inside Wikileaks, USA 2013)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ (Beauty and the Beast, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Ziemlich „Kalte Füße“

Januar 11, 2019

Weil Denis (Emilio Sakraya) bei Adam (Aleksandar Jovanovic) seine Schulden nicht bezahlen kann, macht dieser ihm eines dieser Angebote, das er nicht ablehnen kann. Denis soll die einsam gelegene Villa von Raimund Groenert (Heiner Lauterbach) ausräumen. Der Hausherr ist nicht da und auch sonst sei niemand in der Villa. Denis muss also nur einbrechen, die Wertsachen einsammeln und verschwinden.

Was kann da schon schiefgehen?

Außer dass der nach einem Schlaganfall fast vollständig gelähmte Hausherr einen Tag früher aus dem Krankenhaus entlassen wird und schon grummelnd auf dem Boden liegt und dass Groenerts Enkelin Charlotte (Sonja Gerhardt) von ihrer überaus beschäftigten Mutter verpflichtet wurde, die Nacht auf ihren Großvater, den sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, aufzupassen. Am nächsten Tag soll dann ein Krankenpfleger kommen. Oh, sie ist auch eine angehende Polizistin.

Damit ist in Groenerts Villa das Personal für eine ordentliche Portion Chaos und Verwechslung versammelt.

Denn selbstverständlich hält Charlotte Denis für den Pfleger von Groenert. Und weil Denis seine Anwesenheit in dem Haus nicht anders erklären kann, bestätigt er ihre Vermutung. Notgedrungen muss er den miesepetrigen Hausherrn pflegen, ohne wirklich eine Ahnung von der Krankenpflege zu haben. Entsprechend unorthodox und auch respektlos ist sein Umgang mit Groenert, der sich nach dem Schlaganfall nur noch mit Lauten, Augen- und wenigen Armbewegungen äußern kann.

Diese Prämisse von Wolfgang Groos‘ Komödie „Kalte Füße“ erinnert unübersehbar an den französischen Komödienerfolg „Ziemlich beste Freunde“. Neil Burgers US-Remake „Mein Bester & Ich“ (The Upside) mit Kevin Hart, Bryan Cranston und Nicole Kidman startet am 21. Februar in unseren Kinos.

Aber „Kalte Füße“ erzählt eine andere Geschichte. In der Nacht schneit es so sehr, dass Denis, Groenert und Charlotte die nächsten Tage gemeinsam im Haus bleiben müssen. Schnell verliebt Denis sich in Charlotte, die nicht erfahren sollte, warum er hier ist. Außerdem hat sie einen Freund. Und der fast vollständig gelähmte Groenert denkt nicht daran, Denis laufen zu lassen. Trotz seiner Lähmung kann er sich wehren. Und er tut das mit diebischer Freude gegenüber allen Menschen, die ihn bestehlen wollen. Oder die er nicht mag.

Weil Denis gegenüber Adam immer neue Ausreden erfindet, um den Diebstahl nicht durchzuführen, wird Adam ungeduldig. Mit seinem Bodyguard taucht er in Groenerts Villa auf. Er will das Geld aus dem Safe haben. Notfalls mit Gewalt.

So ist „Kalte Füße“ dann doch kein Remake von „Ziemlich beste Freunde“, sondern eine Gaunerkomödie zwischen Klamauk und Slapstick. Mal mehr, mal weniger gelungen. Es ist eine Verwechslungskomödie mit simpel gestrickten Figuren und vorhersehbaren Verwechslungen und Wendungen, die fast ausschließlich in dem in keinster Weise behindertengerechten Anwesen von Groenert spielt.

Kalte Füße (Deutschland 2018)

Regie: Wolfgang Groos

Drehbuch: Christof Ritter

mit Heiner Lauterbach, Emilio Sakraya, Sonja Gerhardt, Aleksandar Jovanovic, Michael Ostrowski, Gerti Drassl, Alexander Czerwinski, Ischtar Isik, Jasmin Gerat

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Kalte Füße“

Moviepilot über „Kalte Füße“

Wikipedia über „Kalte Füße“


Neu im Kino/Filmkritik: Deutsche Genreversuche: Unhöfliche Erpresserwarnung: „Steig. Nicht. Aus!“

April 12, 2018

Als Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) an seinem 15. Hochzeitstag – um die Ehe steht es nicht zum Besten – ihre beiden Kinder zur Schule fährt, erhält er einen Anruf. Der unbekannte Anrufer behauptet, er habe eine Bombe im Auto deponiert. Er fordert von Brendt etwas über eine halbe Million Euro. Der größte Teil soll von Brendts Firmenkonto und ein kleiner Teil von seinem Privatkonto kommen. Wenn Brendt um Hilfe ruft oder das Auto verlässt oder die Kinder das Auto verlassen lässt, wird die Bombe explodieren. Brendt hat keine Ahnung, ob der Anrufer die Wahrheit sagt oder sich einen Scherz erlaubt. Verzweifelt versucht er das Geld zusammen zu bekommen. Er muss seine Mitgesellschafter in der Baufirma und seine Frau überzeugen, das Geld auf ein Offshore-Konto zu überweisen.

Gleichzeitig überlegt er, wie er aus dieser Situation wieder herauskommen kann. Dass der Anrufer nicht scherzt, begreift Brendt, als er beobachtet, wie die in dem Autos seines Geschäftspartners Omar Cicek eingebaute Bombe explodiert. Ciceks Frau, die auf dem Beifahrersitz saß, glaubte dem Erpresser nicht und löste beim Aussteigen die Bombe aus. Brendts Sohn wird bei der Explosion durch einen lebensgefährlich Splitter verletzt. Trotzdem will der Erpresser ihn, jedenfalls zunächst, nicht zu einem Krankenhaus fahren lasse.

Nach einer Verfolgungsjagd durch die Polizei, endet Brendts Fahrt durch Berlin auf dem Gendarmenmarkt. Die Polizei sperrt den Platz ab und versucht mit Brendt zu verhandeln. Kommissar Fritz Drache (Aleksandar Jovanovic) hält ihn für gefährlich und will ihn dazu zu bewegen, seine Kinder gehen zu lassen und aufzugeben. Notfalls mit Waffengewalt.

LKA-Sprengstoffexpertin Pia Zach (Hannah Herzsprung) zweifelt allerdings schnell an der Version des durchgeknallten Ehemannes, der seine Kinder entführte.

Christian Alvart dürfte nicht beleidigt sein, wenn man ihn Genre-Regisseur nennt. Zuletzt drehte er die actionlastigen Tschiller-“Tatorte“. Davor inszenierte er für das Kino Thriller wie „Antikörper“, „Pandorum“ und „Banklady“. Auch sein neuester Film „Steig. Nicht. Aus!“ ist ein Thriller, der den Vergleich mit ausländischen Genrefilmen nicht scheuen muss. Er ist ein Remake des spanischen Thrillers „Anrufer unbekannt“ (El Desconocido, 2015), den ich nicht kenne. Aber Alvarts Remake ist ein spannender Thriller, der nie die Sehnsucht weckt, unbedingt das Original sehen zu wollen. Und das kann nicht über jedes Remake gesagt werden.

Vor allem die erste Hälfte, in der Brendt verzweifelt versucht, die Forderung des Erpresser zu erfüllen, indem er seine Geschäftspartner und seine Frau versucht zu überzeugen, das Geld möglichst schnell auf ein Offshore-Konto zu überweisen und, gleichzeitig, nach einem Ausweg aus seiner misslichen Situation sucht, ist richtig gelungen.

In der zweiten Hälfte, wenn Brendt auf dem Gendarmenmarkt von der Polizei umzingelt wird und sie den vermeintlichen Entführer mit all dem, was die Polizei an Material im Lager hat, zur Aufgabe bewegen will, erlebt man erstaunlich unprofessionelle Verhandlungen. Aber auch in diesen Minuten bleibt es dank des hohen Erzähltempos und der überraschenden Wendungen und der Konflikte innerhalb der Polizei spannend.

Erst am Ende verschenkt der Thriller viel von seinem Potential. Das Motiv des bis dahin unbekannten Täters erscheint willkürlich aus der aktuellen Tageszeitung gegriffen. Der Plan des Täters ist in Moment nicht mehr der perfekte Plan, als der er bis dahin erschien. Stattdessen ist ein auf absurden Annahmen und Zufällen aufgebautes Luftschloss.

In dem Moment wünschte ich mir einen Bösewicht wie Howard Payne, den von Dennis Hopper in „Speed“ gespielten Bösewicht zurück. Der wollte einfach nur Geld erpressen, das er als sein Geld ansah. Durch die Planung und Ausführung seines verbrecherischen Plans hatte er ja schwer dafür gearbeitet. Und, seien wir ehrlich, für einen Thriller, der während einer kurzen Zeitspanne spielt und in dem es letztendlich nur auf die Konfrontation von Held und Bösewicht ankommt, ist das für den Bösewicht ein vollkommen ausreichendes Motiv. Das von Alvart angebotene und erst am Ende enthüllte Motiv des Bösewichts greift dann, zu seinem Nachteil, eine aktuelle großstädtische Diskussion auf und man beginnt sich Gedanken über Ziel, Zweck und Ausführung des Plans zu machen.

Dabei ist „Steig. Nicht. Aus!“ vor allem ein spannender Thriller über einen ganz gewöhnlichen Mann, der auf einer Bombe sitzt und versucht, seine Kinder zu retten, während sein wohlgeordnetes bürgerliches Leben langsam zerfällt. Sogar die Polizei hält ihn auf dem Gendarmenmarkt für einen Wahnsinnigen, den sie bei der ersten falschen Bewegung gerne erschießen würde.

Steig. Nicht. Aus! (Deutschland 2018)

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Christian Alvart (nach dem Drehbuch von Alberto Marini)

mit Wotan Wilke Möhring, Hannah Herzsprung, Christiane Paul, Aleksandar Jovanovic, Emily Kusche, Carlo Thoma, Marc Hosemann, Fahri Yardim, Mavie Hörbiger

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Steig. Nicht. Aus!“

Moviepilot über „Steig. Nicht. Aus!“

Wikipedia über „Steig. Nicht. Aus!“

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Plan B – Scheiß auf Plan A“, Hauptsache Action

Juni 10, 2017

Ältere Semester und Die-hard-Fans von 80er-Jahre-Action- und Hongkongfilmen dürften die meisten Anspielungen in „Plan B – Scheiß auf Plan A“ erkennen und sich darüber freuen. Auch die Story könnte aus einem dieser Filme stammen.

Can (Can Aydin), großer „City Cobra“-Sylvester-Stallone-Fan, Phong (Phong Giang) und Cha (Cha-Lee Yoon), die andere Idole haben, sind Martial-Arts-Kämpfer, die von einer Filmkarriere träumen und, erfolglos, von Casting zu Casting laufen. Auch von ihrem neuesten Vorsprechtermin versprechen sie sich nicht viel.

Weil ihr Manager U-Gin (Eugene Boateng), begabter Tänzer der Michael-Jackson-“Thriller“-Schule, die falsche Adresse aufschreibt, geraten sie in eine Geiselnahme.

Einige Gangster haben Victoria (Julia Dietze) entführt. Sie ist Gabriels Frau. Er ist seit Ewigkeiten der König der Berliner Unterwelt. Über seine Frau wollen die Verbrecher an den Inhalt von seinem legendären Safe gelangen. Denn nur Gabriel kennt den Standort seines Safes. Aber er hat, falls ihm etwas passiert, in Berlin an mehreren Orten Hinweise auf den Safe versteckt.

Als die vier Jungs in der Lagerhalle auftauchen, glauben sie zuerst, in eine Filmszene gestolpert zu sein und sie zeigen auch gleich ihre kämpferischen Qualitäten. Trotzdem können die bewaffneten Entführer sie besiegen und, anstatt die unerwünschten Zeugen umzubringen, haben die grenzdebilen Entführer eine Idee: sie nehmen Phong als Geisel und schicken Can, Cha und U-Ging los, in Berlin die Hinweise zu finden, die zum Safe führen. Wenn sie versagen, stirbt Phong.

Während die drei Jungs sich durch Berlin kloppen, werden sie von zwei Polizisten verfolgt, die es so nur in schlechten US-Actionfilmen gibt.

Gut, die Geschichte ist nur die logikfreie Entschuldigung für endlose Kloppereien, in denen die Schauspieler ihre Qualitäten als Kämpfer und Stuntmen beweisen können. Denn „Plan B – Scheiß auf Plan A“ ist eine Arbeitsprobe und spielfilmlange Visitenkarte von Reel Deal Action Design, einer Gruppe junger Stuntmänner, die in „James Bond: Skyfall“, „Hitman: Agent 47“, „Die Tribute von Panem“ und „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ Teil der Stuntteams waren und hier die Hauptrollen übernahmen. Entsprechend überzeugend sind die zahlreichen Actionszenen, die sich meistens in langen Martial-Arts-Kämpfen erschöpfen. Nach der dritten Klopperei wird das dann doch etwas monoton. Da helfen auch die wechselnden Gegner von Can, Cha, Pong und U-Gin (der es nicht so mit dem Kampfsport hat) nicht.

Dazwischen gibt es zahlreiche Anspielungen auf die von ihnen verehrten Schauspieler und Filme, oft auch selbstironisch gebrochen und nicht bierernst präsentiert. Mit „Bumm – Tschack“-Einblendungen im Bild und Synthesizer-lastiger Pseudo-80er-Jahre-Musik auf der Tonspur ist der Film ein Fest für Retro-Fans, die sich über die entsprechenden, maßlos eingestreuten Zitate freuen.

Dank des in jeder Sekunde spürbaren Engagements der Macher ist „Plan B – Scheiß auf Plan A“ ein sympathischer, aber kein guter Film.

Plan B – Scheiß auf Plan A (Deutschland 2017)

Regie: Ufuk Genç, Michael Popescu, Can Aydin (Actionregie)

Drehbuch: Rafael Alberto Garciolo

mit Can Aydin, Phong Giang, Cha-Lee Yoon, Eugene Boateng, Laurent Daniels, Julia Dietze , Gedeon Burkhard, Henry Meyer , Florian Kleine, Frank Richartz, Heidi Moneymaker, Aleksandar Jovanovic, Idil Baydar, Birol Ünel, MC Bogy, B-Lash und Die Atzen und K.I.Z

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Plan B – Scheiß auf Plan A“

Moviepilot über „Plan B – Scheiß auf Plan A“


TV-Tipp für den 24. Februar: Tatort: Starkbier

Februar 24, 2015

Bayern, 20.15
Tatort: Starkbier (Deutschland 1999, Regie: Peter Fratzscher)
Drehbuch: Michael Wogh
Buch zum Film: Hannsdieter Loy: Tatort: Starkbier (mit Ivo Batic und Franz Leitmayr), 2010
Großer Auftritt für Carlo Menzinger, der normalerweise für die Herren Batic und Leitmayr die Laufarbeit erledigt. Er will herausfinden wer Meindl, einen Teilhaber der Benedictus-Brauerei, umbrachte. Denn dass der stocknüchterne Meindl sein Auto betrunken in die Isar fuhr, glaubt Menzinger keine Zehntelsekunde und er beginnt bei seinen Spezln mit sehr seltsamen Methoden zu ermitteln.
Vergnüglicher „Tatort“ mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit.
mit Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl, Michael Fitz, Christoph Gareisen, Marie Munz, Aleksandar Jovanovic, August Schmölzer

Hinweise

Homepage von Hannsdieter Loy

Tatort-Fundus über Ivo Batic und Franz Leitmayr

Kriminalakte: Gespräch mit Hejo Emons über die Tatort-Reihe

Kriminalakte: Tatort-Romane – zum Ersten (Oliver Wachlin: Blinder Glaube; Martin Schüller: Die Blume des Bösen)

Kriminalakte: Tatort-Romane – zum Zweiten (Martin Schüller: A gmahde Wiesn, Christoph Ernst: Strahlende Zukunft)

Kriminalakte: Tatort-Romane – zum Dritten (Martin Conrath: Aus der Traum…, Oliver Wachlin: Todesstrafe)

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tatort“-Romanen „Moltke“ und „Tempelräuber“

Meine Besprechung von Uli Aechtners “Tatort”-Roman “Bevor es dunkel wird”

Meine Besprechung von Susanne Krafts “Tatort”-Roman “Seenot”

Meine Besprechung von Hannsdieter Loys „Tatort: Starkbier (mit Ivo Batic und Franz Leitmayr)“ (2010)


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