Neu im Kino/Filmkritik: „Hitman: Agent 47“ – zweiter Versuch, wieder mit Anzug und Glatze

August 27, 2015

In der Theorie spricht nichts dagegen, dass man aus einem Computerspiel einen guten Film machen kann. Immerhin dienen Computerspiele auch als Inspirationen für Romane und Comics – und das sind nicht unbedingt die schlechtesten Romane und Comics, die sogar von Menschen genossen werden können, die mit der Vorlage nichts anfangen können.
Außerdem werden ständig Romane und Comics verfilmt.
Und Agent 47 ist für einen Spielfilm eigentlich ein genialer Charakter. Er hat, dank Anzug, Glatze und Strichcode, einen hohen Wiedererkennungswert und ein eiskalter Profikiller ist nicht die schlechteste Ausgangslage für eine spannende Geschichte. Schon sein Beruf „Auftragsmörder“ gibt die Geschichte vor, die mit seiner aus den Spielen bekannten Hintergrundgeschichte beliebig angereichert werden kann.
In der Praxis sind viele Spiel-Verfilmungen nicht gut, sondern schlecht, sehr schlecht oder filmischer Sondermüll. Auch die erste Verfilmung des Spiels „Hitman“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“ (Hitman, Frankreich/USA 2007), war nicht gut. Obwohl; rückblickend erscheint Timothy Olyphants Auftritt als Killer gar nicht mehr so schlecht. Denn inzwischen gibt es „Hitman: Agent 47“ mit Rupert Friend („Homeland“) als Agent 47,
Die Story für den neuen Film, wieder geschrieben von Skip Woods (der eine beeindruckende Liste schlechter Filme in seiner Filmographie hat), ist eine verworrene Entschuldigung für die mauen Actionszenen. Irgendwie geht es um eine junge Frau, die Agent 47 umbringen soll, es dann aber doch nicht tut, während andere sie umbringen wollen und irgendwie ist die Dame sehr wichtig für verschiedene Organisationen. Und dann geht es noch ums Klonen und die Vergangenheit von Agent 47.
Diese „der Killer hilft seinem Opfer gegen seinen Auftraggeber“-Geschichte ist zwar nicht neu, aber für einen Actionfilm wäre sie absolut ausreichend, wenn man einfach diese Geschichte erzählen würde. Stattdessen lassen die Macher einfach Szenen aufeinander folgen, die keinen Sinn ergeben und sich widersprechen. Da hilft dann auch nicht die Pseudo-Erklärung, dass der als Retter eingeführte Charakter doch ein Bösewicht ist und dass der Killer dann doch zum Guten mutiert, weil der Autor es so will. Denn die Hälfte dieser Erklärungen wird in der nächsten Szene wieder kassiert und auch das Interesse des gutwilligsten Zuschauer erlahmt schneller als ein Flammkuchen kalt wird, weil man zu keinem Charakter eine emotionale Bindung aufbauen kann.
Dadurch geraten die Actionszenen zu einer langweiligen Angelegenheit, bei der uns ziemlich egal ist, wer wen warum wie besiegt. Immerhin verfolgt man als Berliner die in der Hauptstadt spielende Actionszene gespannt, weil man zuerst die Drehorte erkennen will und danach verzweifelt überlegt, wie die Charaktere von A nach B gekommen sind. Der in Saigon spielende Schlußkampf hat sogar diesen Vorteil nicht mehr.
Etwas Gutes hat „Hitman: Agent 47“, das Spielfilmdebüt des Werbefilmers Aleksander Bach, dann doch. Er kann künftig bei Seminaren wundervoll als ein in jeder Sekunde überzeugendes Lehrbeispiel für vermeidbare Fehler im Erzählen von Geschichten gezeigt werden.

Hitman - Agent 47 - Plakat

Hitman: Agent 47 (Hitman: Agent 47, USA 2015)
Regie: Aleksander Bach
Drehbuch: Skip Woods, Michael Finch (nach einer Geschichte von Skip Woods)
mit Rupert Friend, Hannah Ware, Zachary Quinto, Ciarán Hinds, Thomas Kretschmann, Angelababy, Dan Bakkedahl
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Hitman: Agent 47“
Moviepilot über „Hitman: Agent 47“
Metacritic über „Hitman: Agent 47“
Rotten Tomatoes über „Hitman: Agent 47“
Wikipedia über „Hitman: Agent 47“ (deutsch, englisch)


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