Neu im Kino/Filmkritik: „Dirty Cops: War on Everyone“ im Trumpland

November 17, 2016

Wenn ich „Dirty Cops: War on Everyone“ nicht unmittelbar nach der US-Präsidentenwahl gesehen hätte, würde meine Besprechung von John Michael MdDonaghs neuem Film vielleicht etwas positiver ausfallen. So konnte ich bei dieser Komödie nicht einmal lachen; ein, zweimal vielleicht schmunzeln. Ich sah immer das Trump-Amerika aus Hass, Rassismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Ignoranz und grenzenloser, von sich überzeugter Dummheit, das gerade die Präsidentschaft gewonnen hat und, wenn man sich die Meldungen aus dem Trump-Tower durchliest, alles tut, um ohne einen Funken Verantwortungsgefühl, ein riesiges, globales Desaster zu hinterlassen.

Das Buddy-Cop-Movie ist vor dieser Interpretationsfolie ein Abstieg in einen reaktionären Sumpf, der durchgehend aus der Perspektive des Weißen Mannes, der sich für die Krone der Schöpfung hält, erzählt ist. Er schaut auf alle anderen herab und gebraucht seine Hautfarbe (und Dienstmarke) als Rechtfertigung für schlechtes Benehmen.

Im Mittelpunkt von „Dirty Cops“ stehen die Polizisten Bob Bolaño (Michael Peña) und Terry Monroe (Alexander Skarsgård), die sich nur in ihrer Hautfarbe unterscheiden. Jeder könnte jederzeit die Sätze des anderen übernehmen. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass Michael Peña und Alexander Skarsgård das gerade getan hatten. Eine irgendwie geartete Biographie hat keiner der beiden. Es sind Comicfiguren, die höchsten für einen Sketch taugen. Über die Länge eines Spielfilms fragte ich mich, warum die nette Frau bei Bolaño bleibt und warum Bolaño, der auch ein liebevoller Vater sein soll, seinen übergewichtigen Sohn mobbt und warum der gefühlskalte Monroe sich verliebt und plötzlich um ein fremdes Kind kümmert.

Die „Story“, eigentlich ist „Dirty Cops“ nur eine Ansammlung misslungener Sketche, geht um Mangan (Theo James), einen britischen Pseudo-Snob, der in Albuquerque, New Mexico, der Obergangster werden will und bei einem Überfall eine Million erbeutete. Bolaño und Monroe wollen das Geld; – weil das so im Drehbuch steht.

Soweit das kaum erkennbare, schlampig skizzierte und schnell vergessene Handlungsgerüst, das nur dazu dient, die Szenen irgendwie hintereinander anzuordnen. Eine Geschichte entsteht daraus nicht.

Dabei hat John Michael McDonagh, ein irischstämmiger Londoner, mit seinem Regiedebüt „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“, das gelungen mit Vorurteilen spielt, und seinem zweiten „Am Sonntag bist du tot”, der mir nicht so gefiel, der aber durchgehend eine große Sympathie für seine gefallenen Charaktere erkennen lässt, gezeigt, dass er schräge Komödien erzählen kann. Dass er diesen reaktionären Mist ohne eine Spur von Selbstironie oder Distanzierung geschrieben und gedreht hat, ist unglaublich.

Wenn man „Dirty Cops“ mit Robert Rodriguez‘ „Machete“ vergleicht, wird das Desaster noch deutlicher. In „Machete“ wehrten sich die Unterdrückten gegen die Unterdrücker. In „Dirty Cops“ sollen wir mit den Unterdrückern, die Recht haben mit Rechts sein verwechseln und am Ende in jeder Beziehung Recht bekommen, lachen. Das ist nicht witzig und, was ja gerne als Rechtfertigung für politisch unkorrekten Humor genommen wird, auch nicht therapeutisch. Dann hätte der Humor und das Lachen immerhin etwas befreiendes.

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Dirty Cops: War on Everyone (War on Everyone, Großbritannien 2016)

Regie: John Michael McDonagh

Drehbuch: John Michael McDonagh

mit Michael Peña, Alexander Skarsgård, Tessa Thompson, Theo James, Stephanie Sigman, Malcolm Barrett, Tait Fletcher, Caleb Landry Jones, Paul Reiser, David Wilmot

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Dirty Cops“

Metacritic über „Dirty Cops“

Rotten Tomatoes über „Dirty Cops“

Wikipedia über „Dirty Cops“ 

Meine Besprechung von John Michael McDonaghs „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ (The Guard, Großbritannien/Irland 2010)

Meine Besprechung von John Michael McDonaghs “Am Sonntag bist du tot” (Calvary, Irland 2014)

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Neu im Kino/Filmkritik: Die „Legend of Tarzan“ kehrt zurück

Juli 28, 2016

Tarzan, der Herrscher des Urwalds ist zurück – und „Legend of Tarzan“ ist viel besser als der letzte Tarzan-Film „Tarzan 3D“, bei dem nur die computergenerierten Bilder als Leistungsschau der Hersteller überzeugten. Manchmal.

Davor gab es in den letzten Jahrzehnten einige Tarzan-Filme, die sich – auch wenn „Greystoke – Die Legende von Tarzan“ (Großbritannien 1984, von Hugh Hudson) und „Tarzan – Herr des Urwalds“ (USA 1981, von John Derek mit Bo Derek als sexy Dame in ständig feuchter Bekleidung) die Grenzen zwischen Kunst und Trash markierten – bei weiten nicht so in das kollektive Gedächtnis einbrannten wie die legendären Tarzan-Filme mit Johnny Weissmuller.

Legend of Tarzan“, der kein naiver Abenteuerfilm sein will, wird das gleiche Schicksal des schnellen Vergessens ereilen. Daran ändert auch die lange Entwicklungsgeschichte des Films (wobei das 2006er Tarzan-Projekt von Guillermo del Toro mit diesem Film sicher nichts mehr zu tun hat) und das exorbitante Budget von offiziell 180 Millionen US-Dollar nichts.

Dieses Mal lebt Tarzan (Alexander Skarsgård) schon seit längerem unter seinem bürgerlichem Namen John Clayton III, fünfter Lord Greystoke, auf seinem Landsitz und er erledigt klaglos seine Pflichten als Lord und Hausherr. Da wird er vom Parlament gebeten, als Sonderbotschafter für Handelsfragen in den Kongo zu reisen.

Auf seiner Fahrt in seine alte Heimat begleiten ihn seine Freundin Jane (Margot Robbie), die ebenfalls alte Bekanntschaften auffrischen will, und der US-Amerikaner George Washington Williams (Samuel L. Jackson als doofer, alle Klischees bestätigender Sidekick), der Beweise für einen florierenden Sklavenhandel finden will.

In Afrika werden, kurz nach ihrer Ankunft in seinem Heimatdorf, Jane und etliche Dorfbewohner bei einem nächtlichen Überfall entführt und das Dorf verwüstet.

Verantwortlich dafür ist der Belgier Leon Rom (Christoph Waltz). Der Händler und Bösewicht des Films wollte in der Nacht eigentlich den legendären Tarzan entführen.

Lord Greystoke, der entkommen konnte, reißt sich seine Kleider vom Leib und beginnt als Tarzan Rom und seine Bande quer durch den Dschungel und die Steppe und Steinwüsten und Gewässer und Seen zu jagen, weil in Afrika alle Landschaften in Lianenentfernung sind.

Es gibt in „Legend of Tarzan“ zwischen all den CGI-Effekten (so sehen wir nur CGI-Tiere, die auch fast immer so aussehen) einige Momente, die schmerzlich zeigen, was für ein grandioser Film aus dem Stoff hätte werden können. So in Richtung Sam Peckinpahs Spätwestern „The Wild Bunch“. Allerdings n Afrika spielend und den Kolonialismus, die Zerstörung von Menschen, Tieren und Natur, der Ausbeutung eines Kontinents und der Grundsteinlegung von noch heute virulenten Konflikte ansprechend. In dem Wissen, dass der von Tarzan und Jane und seinen afrikanischen Freunden, in trauter Einheit mit den Tieren, gelebte glückliche Naturzustand (der natürlich auch immer nur eine Fiktion war) schon damals nicht mehr existierte. Es hätte also ein bildgewaltiger Abenteuerfilm mit einer ernsten Grundierung werden können.

Entstanden ist ein von einem Komitee gemachter Film. Nichts fügt sich sinnvoll zusammen, weil jeder eine Idee in den Film einbringen durfte. Es gibt immer wieder haarsträubende erzählerische Mängel und inszenatorische Schwächen. So erfahren wir wichtige Teile von Roms Plan erst viel zu spät, teilweise erst am Ende. Auch den Grund für den Konflikt zwischen Tarzan und Häuptling Mbonga (Djimon Hounsou) erfahren wir viel zu spät. Wenn man das alles (ja, Spoilervermeidung) am Anfang weitgehend verraten hätte, hätte man in diesem Moment den Grundstein für eine kraftvolle Geschichte gelegt. Denn in diesem Moment wäre der Grundkonflikt zwischen Tarzan, Rom und Mbonga etabliert gewesen und man hätte ausgehend von dieser Prämisse ein Netz von Konflikten und Beziehungen zwischen den Charakteren aufgespannt. So plätschert der Film vor sich hin, während er erzählt, wie Tarzan seine Frau retten will.

Die zahlreichen Rückblenden, die David Yates wild über den Film verteilt, sind bestenfalls manieristisch, schlimmstenfalls nervig. Der Geschichte hätten sie mehr gedient, wenn sie an den wenigen Punkten in der Geschichte, in der sie erzählerisch Sinn machen, präsentiert worden wären. Also wenn Tarzan von Vertretern des Parlaments gebeten wird, nach Afrika zurückzukehren, hätte man eine große Rückblende mit seiner Geschichte, wie seine Eltern sterben, er von Affen großgezogen wird, Jane kennen lernt und nach England zurückkehrt, einfügen können. Denn in diesem Moment steht John Clayton vor der Frage, ob er wieder in seine Vergangenheit zurückkehren will. Yates verteilt diese Hintergrundgeschichte auf mehrere Rückblenden, die dann nur unnötig die Haupthandlung verlangsamen. Denn letztendlich kenne wir doch alle die Geschichte von Tarzan.

Und dann etabliert „Harry Potter“-Regisseur mehrmals Ort so ungeschickt und auch unlogisch, dass man glaubt, gerade habe man eine Szene verpasst zu haben. So scheint, um nur ein Beispiel zu nenne, das Dorf, in dem Tarzan seine alten Freunde nach einem langen Fußmarsch durch trockenes Grasland, mitten in einer wasserlosen Gegend zu liegen. In der Nacht werden sie von Roms Männern überfallen und Jane wird auf einen Dampfer entführt, der anscheinend wenige Meter neben dem Dorf anlegte.

Wo „Legend of Tarzan“ schon auf der erzählerischen Ebene Schiffbruch erleidet, bringen die überall eingesetzten CGI-Effekte das Schiff dann endgültig zum Sinken. Und im Finale wird dann, während eine Horde CGI-Tiere eine Hafenstadt verwüstetet, auch munter Schiffe versenken gespielt. Das ist visuell selten überzeugend, meistens spektakulär langweilig und wenig beeindruckend.

Legend of Tarzan“ ist wohl der Tarzan-Film mit den meisten verpassten Chancen.

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Legend of Tarzan (The Legend of Tarzan, USA 2016)

Regie: David Yates

Drehbuch: Adam Cozad, Craig Brewer (nach einer Geschichte von Craig Brewer und Adam Cozad, basierend auf den „Tarzan“-Geschichten von Edgar Rice Burroughs)

mit Alexander Skarsgård, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Margot Robbie, Djimon Hounsou, Sidney Ralitsoele, Osy Ikhile, Mens-Sana Tamakloe, Rory J. Saper, Christian Stevens, Jim Broadbent, Ben Chaplin

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Lesetipp

Die Johnny-Weismuller-“Tarzan“-Filme laufen ja immer wieder und für mich sind sie die klassischen und definitiven „Tarzan“-Filme. Immerhin sah ich sie als Kind.

Aber man kann die jetzige Verfilmung auch als Gelegenheit nehmen, einen Blick in die Vorlage, die „Tarzan“-Romane von Edgar Rice Burroughs zu werfen. Denn der Heyne-Verlag bietet, mit einem kundigen Nachwort von Georg Seeßlen, einen Sammelband mit drei „Tarzan“-Romanen an. Enthalten sind die Ursprungsgeschichte „Tarzan bei den Affen“ (Tarzan of the Apes, 1912) und die beiden deutlich kürzeren „Tarzan“-Romane „Tarzan und die Schiffbrüchigen“ (Tarzan and the Castaways, 1940/1941/1964) und „Tarzan und der Verrückte“ (Tarzan and the Madman, 1964) und die ersten Seiten lesen sich verdammt gut.

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Edgar Rice Burroughs: Tarzan – Drei Romane in einem Band

Heyne, 2013

688 Seiten

11,99 Euro

Taschenbuch-Ausgabe entspricht der Ausgabe von Walde & Graf, Zürich 2012.

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Legend of Tarzan“

Metacritic über „Legend of Tarzan“

Rotten Tomatoes über „Legend of Tarzan“

Wikipedia über „Legend of Tarzan“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Was steht im „The Diary of a Teenage Girl“?

November 20, 2015

San Francisco, 1976: Teenager Minnie Goetze (Bel Powley) ist ein leicht pummeliges Mädchen, das lieber in ihrem Zimmer im Robert-Crumb-Stil (aber ohne dessen Weltsicht) Comics zeichnet als mit Klassenkameradinnen US-amerikanischen Schönheitsidealen zwischen Cheerleadertum und Sex mit dem Star der Footballmanschaft hinterherzuhecheln. Gleichzeitig erlebt sie die ganz normale Teenagerhölle, in der sie sich fragt, ob jemals irgendjemand Sex mit ihr haben will. Ihre lebenslustige, ungefähr doppelt so alte Mutter Charlotte (Kristen Wiig), ein immer noch nicht erwachsen gewordener scharfer Feger, der sich auch in der Alternativkultur tummelt (sicher inclusive dem regelmäßigen „The Grateful Dead“-Konzertbesuch), ist ihr bei der Selbstfindung keine große Hilfe. Ihr anzugtragender Vater (Christopher Meloni) ist zwar ansprechbar, aber er und Charlotte sind schon länger geschieden.
Außerdem hat Charlotte inzwischen einen neuen Freund, der auch Minnie gefällt. Monroe Rutherford (Alexander Skarsgård) ist wirklich nett. Minnie glaubt, dass er mehr als quasi-väterliche Gefühle für sie hat und sie hält ihn für den perfekten Mann für den ersten Sex.
Sie hat recht und damit beginnen die Probleme.
Das hätte, auch vor dem Hintergrund der liberalen siebziger Jahre, leicht schief gehen können. So in Richtung Klamotte mit Vulgärhumor. Aber Marielle Heller erzählt Minnies Geschichte in ihrem Spielfilmdebüt zurückhaltend aus der unschuldig-experimentierfreudigen Sicht eines 15-jährigen Mädchens. Der Film basiert auf dem semi-autobiographischen Buch von Phoebe Gloeckner, einer Mischung aus Comic und Roman. Heller verarbeitete das Buch bereits zu einem Theaterstück mit ihr in der Hauptrolle. Diese Mischung aus Roman und Comic überträgt sie in den Film, indem Minnie versucht, ihre Gefühle in ihrem akustischen Tagebuch und in ihren Zeichnungen (die teilweise für den Film animiert werden) auszudrücken. Dabei ist Minnie eine angenehm frei denkende Protagonistin, die die Welt erkunden will.
„The Diary of a Teenage Girl“ ist, weil Minnie nie verurteilt wird, ein durchgängig harmlos wirkender Film, den man, trotz etlicher Nacktszenen, bedenkenlos allen als Teenagerdrama, das ihre Protagonistin und ihre Gefühle ernst nimmt, empfehlen kann.
Das gesagt, muss ich auch sagen, dass ich nicht zur Zielgruppe von „The Diary of a Teenage Girl“ gehöre. Die, Teenager, vor allem weibliche Teenager, verliehen dem Film auf der diesjährigen Berlinale den Großen Preis der Internationalen Jury von Generation 14plus. Dummerweise können diese Jugendlichen den Film jetzt wegen der FSK-16-Freigabe nicht im Kino sehen.
Das Problem hatte Hark Bohm vor gut dreißig Jahren mit seinem Jugenddrama „Nordsee ist Mordsee“ auch. Damals gab es Proteste gegen die zu hohe FSK-Freigabe, die verhinderte, dass das Zielpublikum den Film sehen konnte.

The Diary of a Teenage Girl - Plakat

The Diary of a Teenage Girl (The Diary of a Teenage Girl, USA 2015)
Regie: Marielle Heller
Drehbuch: Marielle Heller
LV: Phoebe Gloeckner: The Diary of a Teenage Girl: An Account in Words and Pictures, 2002
mit Bel Powley, Alexander Skarsgård, Christopher Meloni, Kristen Wiig
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Diary of a Teenage Girl“
Moviepilot über „The Diary of a Teenage Girl“
Metacritic über „The Diary of a Teenage Girl“
Rotten Tomatoes über „The Diary of a Teenage Girl“
Wikipedia über „The Diary of a Teenage Girl“ (deutsch, englisch)
Berlinale über „The Diary of a Teenage Girl“

Ein Gespräch mit der Regisseurin und der Hauptdarstellerin


Neu im Kino/Filmkritik: „Disconnect“ im realen Leben

Januar 30, 2014

 

Seine Premiere hatte „Disconnect“ bereits im September 2012 auf dem Toronto International Film Festival und seitdem hat der Ensemblefilm nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil. An der Oberfläche geht es in den, je nach Zählung, ungefähr fünf, mehr oder weniger lose miteinander verknüpften Geschichten um das Internet und wie es unser Leben verändert. Aber eigentlich geht es Drehbuchautor Andrew Stern und Regisseur Henry-Alex Rubin um Beziehungen zwischen Ehepaaren, zwischen Eltern und Kindern und zwischen Liebenden und wie sehr sie alle, aus verschiedenen Gründen nicht mehr miteinander verbunden sind.

Es gibt eine TV-Reporterin, die einen minderjährigen Online-Stripper interviewen möchte. Der erklärt sich zu dem Interview bereit, möchte dann aber mehr von ihr, gerät in Konflikt mit seinem Chef und er möchte auch gar nicht aus dem Sexgeschäft aussteigen. Dennoch will die Journalistin ihn aus dem Sex-Business befreien.

Es gibt ein junges Ehepaar, das nach dem Tod ihres Babys nicht mehr miteinander redet. Auch nicht über seine Kriegserlebnisse. In einem Online-Chat lernt sie einen netten Mann kennen, der ihr in der seelischen Krise hilft. Plötzlich sind ihre Konten leer geräumt. Der von ihnen engagierte Detektiv verfolgt die Spur der Betrüger zu diesem Chat-Partner.

Der Detektiv selbst ist Vater. Sein Sohn und dessen Freund narren einen introvertierten Klassenkameraden mit einer gefälschten Netz-Identität, in der sie eine in ihn verliebte Schulkameradin sind.

Als dieser den Betrug entdeckt, versucht er sich umzubringen. Seine Eltern fragen sich, warum ihr Sohn sich umbringen wollte. Vor allem der Vater, ein immer beschäftigter Anwalt, beginnt nach Antworten zu suchen. Er beginnt mit dem Computer seines Sohnes und entdeckt dort, dass er eine Freundin hatte.

Disconnect“ ist, auch wenn die Kamera etwas zu sehr pseudodokumentarisch wackelt, ein hochkarätig besetzter Ensemblefilm in bester „Short Cuts“- und „L. A. Crash“-Tradition, der durch seine offene Struktur sein Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und verschiedene Facetten ansprechen kann, ohne an dramaturgischer Wucht zu verlieren. Dabei verknüpft Rubin die Geschichten organisch miteinander zu der eindeutigen Botschaft: Redet miteinander. Nicht über das Smartphone, sondern ganz altmodisch und ohne technische Hilfsmittel.

Disconnect - Plakat

Disconnect (Disconnect, USA 2012)

Regie: Henry-Alex Rubin

Drehbuch: Andrew Stern

mit Jason Bateman, Hope Davis, Frank Grillo, Michael Nyqvist, Paula Patton, Andrea Riseborough, Alexander Skarsgård, Max Thieriot, Colin Ford, Jonah Bobo, Haley Ramm

Norbert Leo Butz

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Disconnect“

Moviepilot über „Disconnect“

Metacritic über „Disconnect“

Rotten Tomatoes über „Disconnect“

Wikipedia über „Disconnect“


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