Neu im Kino/Filmkritik: Im „Ballon“ nach Westen

September 29, 2018

Die Geschichte ist bekannt: Am 16. September 1979 gelang den Familien Strelzyk und Wetzel in einem selbstgebauten Ballon die Flucht aus der DDR in den Westen.

Direkt nach ihrer Landung in einem Feld bei der oberfränkischen Stadt Naila berichteten alle Medien, also die Zeitungen, Radio und die damals drei Fernsehprogramme (alle selbstverständlich mit Sendeschluss!), darüber. Disney sicherte sich die Verfilmungsrechte und 1982 lief in den deutschen Kinos Delbert Manns „Mit dem Wind nach Westen“ (Night Crossing), mit John Hurt und Beau Bridges, über die spektakuläre Flucht. Die damalige Kritik war nicht begeistert: „Stinklangweilig und voller Klischees über die DDR.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Nun gibt es Michael Bully Herbigs Version der damaligen Ereignisse. Selbstverständlich als Thriller mit bekanntem Ausgang und klarer Freund-Feind-Zeichnung. Das ist als Wettlauf gegen die Zeit durchaus spannend. Denn nach einem erfolglosen Fluchtversuch entdeckt die Stasi die Reste des Ballons. Stasi-Oberstleutnant Seidel, ein harter Hund und überzeugter Kommunist, leitet die Suche nach den potentiellen Republikflüchtlingen. Und diese kaufen in der halben DDR den Stoff für den nächsten Ballon zusammen.

Das ist, wie gesagt, spannend, aber nie wirklich packend oder in irgendeiner Form Herzrasen verursachend. Dafür ist alles zu betulich inszeniert und die Flüchtlinge sind einem zu egal, weil ihre unterschiedlichen Motive zwar angesprochen, aber nie emotional begreifbar sind.

Bei Peter Strelzyk war es die Tatsache, dass man seine Meinung nicht frei äußern durfte und dass man für einen politischen Witz drei Jahre ins Gefängnis kommen konnte. Günter Wetzel durfte nicht studieren, was er wollte. Er fühlte sich eingezwängt und wollte raus. Petra Wetzel hatte eine todkranke Mutter im Westen, die sie nicht besuchen durfte. Und Doris Stelzyk hatte einen Bruder, der schon als Jugendlicher fliehen wollte, deshalb ins Zuchthaus kam und jeden Lebensmut verlor. Allein bei den vier Hauptfiguren unseres Films gibt es vier ganz unterschiedliche Motive, die in ihrer Summe aber viel über die ehemalige DDR aussagen.“ (Michael Bully Herbig)

Und die DDR wirkt immer wie ein Kulissenstaat mit viel bräunlicher Patina. Das sieht immer wie die aus zahllosen West-Spionagefilmen vertraute Version der DDR aus. Da helfen auch nicht die zahlreichen Hinweise im Presseheft, dass man sich ausführlich mit der DDR-Geschichte beschäftigte, die Familien Strelzyk und Wetzel die Macher berieten, bei der Ausstattung und den Kulissen darauf geachtet wurde, dass jedes Detail stimmt und dass möglichst viele Schauspieler und Teammitglieder des Films einen Bezug zur DDR haben. Die DDR in „Ballon“ wirkt immer wie ein Blick von außen auf eine liebevoll hergerichtete Kulisse.

Ironischerweise konnte Bully Herbig nicht in Pößneck, dem Wohnort der Flüchtlinge drehen. Nach der Wende wurde der Stadtkern restauriert und die Stadt saniert. Gedreht wurde deshalb in Bayern in Nordhalben. Auch der Disney-Film wurde, immerhin stand damals die Mauer noch, zu großen Teilen in Bayern gedreht.

Während des Thrillers fragte ich mich, wie die Interpretation dieser Geschichte aus der Sicht eines DDR-Regisseurs aussähe.

Ballon (Deutschland 2018)

Regie: Michael Bully Herbig

Drehbuch: Kit Hopkins, Thilo Röscheisen, Michael Bully Herbig

mit Friedrich Mücke, Karoline Schuch, David Kross, Alicia von Rittberg, Thomas Kretschmann, Jonas Holdenrieder, Tilman Döbler, Ronald Kukulies, Emily Kusche, Till Patz, Ben Teichmann, Christian Näthe, Sebastian Hülk, Gernot Kunert, Ulirch Friedrich Brandhoff

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Ballon“

Moviepilot über „Ballon“

Wikipedia über „Ballon“

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TV-Tipp für den 7. Dezember: Fury – Herz aus Stahl

Dezember 7, 2017

Vox, 22.15

Herz aus Stahl (Fury, USA 2014)

Regie: David Ayer

Drehbuch: David Ayer

Packender und extrem schonungsloser Kriegsfilm über die Erlebnisse einer Besatzung eines US-Panzers während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Deutschland.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Brad Pitt, Logan Lerman, Shia LaBeouf, Jon Bernthal, Michael Pena, Jim Parrak, Brad William Henke, Jason Isaacs, Kevin Vance, Alicia von Rittberg, Scott Eastwood

Wiederholung: Freitag, 8. Dezember, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Herz aus Stahl“
Moviepilot über „Herz aus Stahl“
Metacritic über „Herz aus Stahl“
Rotten Tomatoes über „Herz aus Stahl“
Wikipedia über „Herz aus Stahl“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Ayers “End of Watch” (End of Watch, USA 2012)

Meine Besprechung von David Ayers “Sabotage” (Sabotage, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Herz aus Stahl“ (Fury, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Suicide Squad“ (Suicide Squad, USA 2016)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Ödön von Horvárths „Jugend ohne Gott“ als Dystopie

August 31, 2017

Dass Alain Gsponer in seiner Verfilmung die Geschichte von Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ aus der Nazi-Zeit in die Zukunft verlegt, ist nicht das größte Problem des Films. Im Gegenteil. Diese Verlegung der Handlung aktualisiert die Geschichte und macht sie auch für ein neues Publikum zugänglich.

Das gleiche gilt für den Wechsel des Protagonisten. Im Roman ist es der Lehrer. Ein Ich-Erzähler, der seinen Schülern etwas beibringen will und in Konflikt mit der herrschenden Ideologie gerät. Danach soll er, wie ihm sein Schuldirektor sagt, seine Schüler „moralisch zum Krieg erziehen“.

Im Film ist er eine Nebenfigur. Zach, einer seiner Schüler, ist der Protagonist. Um ein junges Publikum zu erreichen, ist das eine kluge Entscheidung. Schließlich identifiziert man sich als Jugendlicher eher mit einem Gleichaltrigen als mit einem Lehrer. Vor allem mit einem Lehrer, der an seiner Aufgabe hadert und von Selbstzweifeln darüber geplagt ist.

Diese beiden Änderungen und einige weitere, zu denen ich gleich komme, machen dann aus Gsponers Film eine freie Verfilmung des Romans.

In dem Film – und ich muss jetzt in Teilen der Filmhandlung weit vorgreifen – fährt die Schulklasse des namenlosen Lehrers (Fahri Yardim) in die Berge zu einem Zeltlager. Durch verschiedene Tests ihrer Persönlichkeit sollen die Schüler ausgewählt werden, die sich für einen Platz an Eliteuniversität qualifizieren.

Alle bis auf Zach (Jannis Niewöhner) folgen willig und ohne darüber nachzudenken, der in der Gesellschaft propagierten Leistungsideologie. Er ist, obwohl beliebt, schon in der Klasse ein hochintelligenter Außenseiter. Sein wertvollster Besitz ist ein Tagebuch, dem er seine Gedanken und Gefühle anvertraut. Im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden denkt er nach. Er nimmt die gesellschaftlichen Veränderungen wahr und sie gefallen ihm nicht. Denn hinter dem schönen Schein der egalitären Wohlstandswelt gibt es bittere Armut. Letztendlich ist die von Gsponer gezeichnete Welt eine dystopische Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es ist eine diktatorische Leistungsgesellschaft, die gnadenlos unliebsame, nicht angepasste oder nicht leistungsfähige Menschen aussortiert.

In dem Zeltlager werden sie von dem Aufseher vor einer im Wald lebenden Bande Jugendlicher, die außerhalb ihrer Zone leben und sich mit Diebstählen über Wasser halten, gewarnt. Zach lernt das im Wald lebende Mädchen Ewa (Emilia Schüle) kennen. Er verliebt sich in die Wilde.

Dann verschwindet Zachs Tagebuch (Leser des Romans kennen den Dieb) und ein Klassenkamerad, mit dem er schon in den vergangenen Tage handgreifliche Auseinandersetzungen hatte, wird ermordet im Wald aufgefunden. Aber hat er ihn auch ermordet?

Das größte Problem von Gsponers von-Horváth-Verfilmung ist die Erzählweise. Anstatt die Geschichte, wie im Roman, einfach chronologisch vom Anfang bis zum Ende zu erzählen, gibt es zahlreiche Rückblenden, die einem zum Verständnis notwendige Informationen erst sehr spät geben und das Geschehen aus einer anderen Perspektive schildern. Das erschwert das Hineinfinden in die Geschichte und die Identifikation mit den Figuren. Das zeigt sich schon in den ersten Minuten. Der Film beginnt mit der Ankunft im Zeltlager und es wirkt, als ob sich die Jugendlichen nicht kennen. Dabei sind sie Klassenkameraden, die mit ihrem Klassenlehrer zu dem Camp gefahren sind und vor der Fahrt schon einen unliebsamen (vulgo nicht leistungsfähigen) Schüler aussortiert haben. Das setzt sich später fort, wenn wir erst später erfahren, wer das Tagebuch geklaut hat und ob der oder die Mordverdächtigen die Tat begangen haben.

Ein anderes Problem ist die zu sparsam gezeichnete dystopische Gesellschaft. Entsprechend diffus bleibt die Gesellschaftskritik.

Am Ende ist „Jugend ohne Gott“ ein weiterer gescheiterter Versuch eines deutschen Science-Fiction-Films, der nicht an seinem Budget, sondern an seinem Drehbuch und seiner Inszenierung scheitert. Jedenfalls in der Form, die im Kino läuft.

Jugend ohne Gott (Deutschland 2017)

Regie: Alain Gsponer

Drehbuch: Alex Buresch, Matthias Pacht

LV: Ödön von Horváth: Jugend ohne Gott, 1937

mit Jannis Niewöhner, Fahri Yardim, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Jannik Schümann, Anna Maria Mühe, Rainer Bock, Katharina Müller Elmau, Iris Berben

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Ödön von Horváth: Jugend ohne Gott

Suhrkamp, 2017 (Movie Tie-In)

160 Seiten

5 Euro

Erstausgabe

Exil-Verlag, Amsterdam, 1937

Die aktuelle Suhrkamp-Ausgabe basiert auf „Gesammelte Werke. Kommentierte Werkausgabe in Einzelbänden – Band 4: Prosa und Werke 1918 – 1938“ (Suhrkamp, 1988)

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Jugend ohne Gott“

Moviepilot über „Jugend ohne Gott“

Wikipedia über „Jugend ohne Gott“ (die aktuelle Verfilmung, der Roman) und Ödön von Horváth (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über die gelungene John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“

Juli 8, 2016

Ein Bestsellerautor, ein unantastbarer Säulenheiliger und Doyen des Spionageromans ist John le Carré schon seit Jahrzehnten, aber bis vor einigen Jahren war die Zahl der Verfilmungen seiner Agententhriller überschaubar. Bis zur Jahrtausendwende gab es für das Kino eigentlich nur „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Das Russland-Haus“. In den letzten fünfzehn Jahren, vor allem in den letzten fünf Jahren, gab es dann mehrere le-Carré-Verfilmungen, die alle gelungen waren: „Der Schneider von Panama“, „Der ewige Gärtner“, „Dame, König, As, Spion“, „A most wanted man“, „The Night Gardener“ (für das Fernsehen) und jetzt „Verräter wie wir“, inszeniert von Susanna White („Eine zauberhafte Nanny“,„Parade’s End“), nach einem Drehbuch von Hossein Amini („Drive“, „Die zwei Gesichter des Januars“ [auch Regie]), der sich anstandslos in die Reihe der gelungenen le-Carré-Verfilmungen einreiht.

In Marrakesch lernt Perry (Ewan McGregor), ein harmloser Oxford-Dozent für Poesie, Dima (Stellan Skarsgård), einen russischen Lebemann mit riesigem Hofstaat, kennen. Dima mag den Engländer und seine Frau Gail (Naomie Harris), einer Anwältin, die beide erkennbar aus einer vollkommen anderen Welt stammen. Er spielt mit Perry Tennis, lädt ihn zu einer Party ein und bittet ihn um einen Gefallen. Denn Dima ist auch Geldwäscher für die russische Mafia. Er befürchtet, dass er demnächst im Auftrag des Kopfs der Vory umgebracht werden soll. Der britische Geheimdienst soll ihn und seine Familie beschützen. Deshalb möchte er, dass Perry dem englischem Geheimdienst einen USB-Stick mit Daten über von ihm getätigte Transaktionen, die auch britische Banken und Politiker belasten, übergibt.

Perry ist einverstanden. Es ist ja nur ein kleiner Gefallen für den potentiellen Überläufer und er tut doch offensichtlich ein gutes Werk. Aber es ist auch der erste Schritt, der ihn in die Welt der Geheimdienste führt.

Hossein Amini folgt zwar mit wenigen Abweichungen John le Carrés Geschichte, aber während le Carré die Geschichte bis weit über die Hälfte des Romans mit einer enervierenden Langsamkeit erzählt, hat Amini hier all die Fehler der Vorlage beseitigt. Die uninteressanten Stellen kürzte er ordentlich. Die Plot Points verschieben sich an die richtigen Stellen. Die Spannungskurve steigt stärker. Die wirkliche Geschichte, die ja erst beginnt, als Perry dem MI6-Agenten Hector Meredith (Damian Lewis) den USB-Stick übergibt, entwickelt sich schneller. Perry und seine Frau Gail geraten mit ihren Entscheidungen, die als einzelne Entscheidung ohne große Folgen, vernünftig und harmlos sind (Warum soll man nicht die Einladung zu einer Party annehmen? Warum soll man nicht dem Geheimdienst einen USB-Stick geben und so einer Urlaubsbekanntschaft helfen?), schnell in die von Misstrauen und Verrat geprägte Welt der Geheimdienste und des Großverbrechens, in der ein Menschenleben nicht mehr zählt als ein Bauer in einem Schachspiel. Dabei ist fraglich, ob Perry überhaupt so wichtig wie ein Bauer ist oder ob Dima der Bauer ist.

Kameramann Anthony Dod Mantle („28 Days Later“, „Slumdog Millionär“, „Rush – Alles für den Sieg“) inszeniert diese Welt als eine elegante Welt der Schatten und Spiegelungen, was der Geschichte eine latente Atmosphäre der Ungewissheit verleiht. Auch wenn wir Zuschauer genauer als Perry wissen, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird.

Verräter wie wir“ lebt nämlich nicht von der pulstreibenden Spannung eines Action-Thrillers mit überraschenden Wendungen, sondern von der mahlstromartigen Spannung einer sich fatal entwickelnden Geschichte, aus der es für die Protagonisten kein Entkommen gibt.

Eines der Themen von le Carrés Arbeit ist, dass Großbritannien als Weltmacht zwar beinahe alles verloren hat, aber immer noch die klassischen britischen Werte hat, die aus einer Zeit stammen, als Großbritannien an der Spitze der Welt stand und eine moralische Verpflichtung hatte. Während die Macht langsam verschwand, hat sich die dazugehörige Moral eher in eine Art Kompromiss verwandelt. John le Carré ist sehr interessiert an dem Einfluss, den der Abstieg der britischen Macht auf das moralische System hat. Das ist der Kern unseres Films. Es gibt jene, die es riskieren, die russische Autoritäten zu verärgern, um Dima zur Flucht zu verhelfen, und es gibt jene, die sich dem entgegen stellen und möglicherweise mit den Russen zusammenarbeiten, all das innerhalb des britischen Systems.“ (Hossein Amini)

Verräter wie wir - Plakat

Verräter wie wir (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Regie: Susanna White

Drehbuch: Hossein Amini

LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)

mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage, jetzt mit Filmcover

le Carre - Verräter wie wir - Movie-Tie-In 4

John le Carré: Verräter wie wir

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2016 (für die Filmausgabe)

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2010

Originalausgabe

Our Kind of Traitor

Viking, London, 2010

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verräter wie wir“

Metacritic über „Verräter wie wir“

Rotten Tomatoes über „Verräter wie wir“

Wikipedia über „Verräter wie wir“ (englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der ganzen Serie


TV-Tipp für den 23. April: Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi

April 23, 2016

BR, 22.00
Die reichen Leichen – Ein Starnbergkrimi (Deutschland 2014, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Sathyan Ramesh
Erster Arbeitstag für Polizeimeisteranwärterin Fink am Starnberger See und gleich gibt es eine Leiche, die aussieht wie der schon lange verstorbene König Ludwig II.
Heimatkrimi, Graf-Style. Das ist dann Meilenweit von den üblichen „Soko Kitzbühel“-Erzeugnissen entfernt.
mit Annina Hellenthal, Andreas Giebel, Florian Stetter, Hannes Jaenicke, Ulrike C. Tscharre, Alicia von Rittberg, Martin Feifel, Eisi Gulp, Beatrice Richter, Saski Vester
Hinweise

Filmportal über “Die reichen Leichen”

Die Zeit spricht mit Dominik Graf über “Die reichen Leichen” (17. Oktober 2014)

Critic über “Die reichen Leichen”

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Mai: Die reichen Leichen – Ein Starnbergkrimi

Mai 3, 2015

Eins Festival, 20.15
Die reichen Leichen – Ein Starnbergkrimi (Deutschland 2014, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Sathyan Ramesh
Erster Arbeitstag für Polizeimeisteranwärterin Fink am Starnberger See und gleich gibt es eine Leiche, die aussieht wie der schon lange verstorbene König Ludwig II.
Heimatkrimi, Graf-Style. Das ist dann Meilenweit von den üblichen „Soko Kitzbühel“-Erzeugnissen entfernt.
mit Annina Hellenthal, Andreas Giebel, Florian Stetter, Hannes Jaenicke, Ulrike C. Tscharre, Alicia von Rittberg, Martin Feifel, Eisi Gulp, Beatrice Richter, Saski Vester
Wiederholung: Donnerstag, 7. Mai, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Die reichen Leichen“

Die Zeit spricht mit Dominik Graf über „Die reichen Leichen“ (17. Oktober 2014)

Critic über „Die reichen Leichen“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über David Ayers Weltkrieg-II-Film „Herz aus Stahl“

Januar 1, 2015

„Herz aus Stahl“ erfindet das Genre des Kriegsfilms nicht neu oder liefert umwerfend neue Erkenntnisse. Jedenfalls nicht, wenn man Filme wie „Steiner – Das eiserne Kreuz“ (von Sam Peckinpah) oder „The Big Red One“ (von Samuel Fuller) über den Zweiten Weltkrieg oder „Platoon“ (von Oliver Stone) über den Vietnamkrieg gesehen hat; um nur drei Filme zu nennen, die „Herz aus Stahl“ beeinflussten und die von Kriegsveteranen inszeniert wurden. Wobei Peckinpah keine Kampferfahrung hatte. „The Big Red One“ und „Platoon“ verarbeiten persönliche Erlebnisse. David Ayer ist vor allem für seine Drehbücher und Filme aus den innerstädtischen Kampfzonen von Los Angeles bekannt. „Training Day“, „The Fast and the Furious“, „Dark Blue“, „S. W. A. T. – Die Spezialeinheit“, „Harsh Times“, „Street Kings“, „End of Watch“ und zuletzt „Sabotage“ (okay, der war nicht gut). Immer geht es um Männergruppen, ihren Zusammenhalt, Macho-Rituale und auch den Kampf gegeneinander. Meistens sind seine Protagonisten Polizisten, die sich kaum von den Verbrechern, die sie bekämpfen sollen, unterscheiden. Ohne die Dienstmarke wäre diese Grenze zwischen Gut und Böse überhaupt nicht mehr vorhanden.
Alle seine Filme sind Kriegsfilme, die aber, bis auf „U-571“, in der Gegenwart in den USA spielten. In „Herz aus Stahl“ geht es nach Deutschland. Der Krieg ist fast vorbei, dennoch kämpfen die Deutschen bis zum letzten Mann und für die Amerikaner war es der letzte rundum gute Krieg.
Aber gerade weil Ayer seine bekannten Themen und Charaktere, gesättigt mit Erzählungen von Kriegsveteranen, in ein anderes Genre überträgt, entstehen interessante Verschiebungen und Irritationen. Sowohl in Ayers bekanntem Kosmos, als auch im Kriegsfilm.
So ist eine der grausamsten Szenen am Anfang. Die Mannschaft von Don ‚Wardaddy‘ Collier (Brad Pitt) hat, nach dem Tod eines Kameraden, einen neuen fünften Mann bekommen. Norman Ellison. Ein Junge, der den Krieg am Schreibtisch überleben wollte und der für den Einsatz nicht ausgebildet ist. Also gibt Wardaddy ihm einen verkürzten „Training Day“. Nach einem Gefecht soll er einen Deutschen erschießen. Er soll die Hemmung vor dem Töten verlieren. Er soll für seine Kameraden eintreten. Eigentlich will Wardaddy das Richtige: dem Jungen alles mitgeben, um im Krieg zu überleben und ihn im Schnellverfahren zu einem vollwertigen Teil seiner Mannschaft machen. Sie müssen sich auf den Neuling verlassen können.
Aber er will das Erreichen, indem Norman den Deutschen tötet. Er soll ihn hinterrücks exekutieren. Einen Mord begehen. Und dabei will er auch seinen Willen brechen.
Es gibt noch weitere grandiose Szenen, wie eine gruselige Mahlzeit bei zwei deutschen Frauen, die sich episodisch zu einer Chronik von 24 Stunden aus dem Krieg aneinanderreihen und der Logik von Gefecht und Vorbereitung auf das nächste Gefecht folgen, während sie in ihrem Sherman-Panzer im April 1945 durch Deutschland kurven und miteinander reden.
Da ist es schade, dass Ayer den Film nicht einfach, wie Sam Fuller in „The Big Red One“, mit dem Kriegsende enden lässt, sondern er eine Schlacht inszeniert, in der die Mannschaft des Panzers tapfer in den Heldentod marschiert, weil sie sich in den vergangenen Jahren niemals zurückgezogen haben und niemals ihren fahrunfähigen Panzer zurücklassen würden. Da wird der Antikriegsfilm dann doch zu einem Kriegsfilm, der die Tapferkeit des Soldaten feiert und all dem einen Sinn verleiht; wie Oliver Stone in „Platoon“, wenn am Filmende, nach dem Einsatz von Napalm, alle bis auf einige Amerikaner tot sind und, jedenfalls in dem Film, am Ende die Amerikaner den Krieg gewonnen haben. Diese Rechtfertigung hat Ayer nicht nötig. Immerhin spielt der Film während des Zweiten Weltkriegs und natürlich endet „Herz aus Stahl“ zwiespältiger.
Auffallend bei Ayers Film ist die historische Genauigkeit. Bei den Panzern und der Kleidung fällt das eher positiv auf. Die Leuchtspurmunition, die im Krieg eingesetzt wurde, um die Flugbahnen zu verfolgen, verleiht den nächtlichen Kämpfen dann die Ästhetik eines Computerspiels. Die blutigen Kopfschüsse und durch das Bild fliegenden Körperteile erinnern in ihrer Brutalität an aktuelle Zombie-Filme.
Und, bedingt durch die Konzentration auf eine Mannschaft die sich in einem Panzer durch Feindesland bewegt, wird „Herz aus Stahl“ dann auch zu einem Kriegsfilm, der auch zu einer anderen Zeit spielen könnte und eine seltsam verquere Moral hat. Denn Don Collier (Brad Pitt), Boyd Swan (Shia LaBeouf), Grady Travis (Jon Bernthal), Trini Garcia (Michael Pena) und Norman Ellison (Logan Lerman) haben keinen Überblick über die große Gefechtslage. Sie fahren von einem Gefecht zum nächsten. Die Kriegsziele werden niemals angesprochen. Die Deutschen treten nur als eine bedrohliche Masse ohne irgendwelche individuellen Eigenschaften auf. Es werden auch, abgesehen von einer Gruppe abgemagerte Gestalten, die durch ein Feld stolpern, keine Opfer der Nazi-Gräuel gezeigt. Es gibt auch keine Bilder der Konzentrationslager.
Es geht um Männer im Krieg, die zwischen ihnen entstehende Kameradschaft und ihre Weltsicht. Was sie vor dem Krieg getan haben oder was sie danach machen wollen, ist egal.
Das ist im Kriegsfilmgenre nicht neu, wurde aber selten so brutal gezeigt und weil die Eingangs erwähnten Filme schon lange nicht mehr im Kino laufen und teilweise selten im TV gezeigt werden, ist „Herz aus Stahl“ ein empfehlenswerter, aber auch harter und schonungsloser Kriegsfilm, der im Matsch nichts vom Mythos des heldenhaften Todes übrig lässt.
Bei David Ayer gibt es nicht die hemmungslose Glorifizierung des Kampfes. Der Krieg ist hier kein Spaß wie Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, kein Leben in der Wiederholungsschleife, wie Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (der ja unübersehbare Weltkrieg-II-Anspielungen hat), und auch kein „Saving Private Ryan“. Hier geht es nur um das Überleben im Feindesland und wie der Krieg Menschen verändert. Damals und heute.

Herz aus Stahl - Plakat

Herz aus Stahl (Fury, USA 2014)
Regie: David Ayer
Drehbuch: David Ayer
mit Brad Pitt, Logan Lerman, Shia LaBeouf, Jon Bernthal, Michael Pena, Jim Parrak, Brad William Henke, Jason Isaacs, Kevin Vance, Alicia von Rittberg, Scott Eastwood
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
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Film-Zeit über „Herz aus Stahl“
Moviepilot über „Herz aus Stahl“
Metacritic über „Herz aus Stahl“
Rotten Tomatoes über „Herz aus Stahl“
Wikipedia über „Herz aus Stahl“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Ayers „End of Watch“ (End of Watch, USA 2012)

Meine Besprechung von David Ayers „Sabotage“ (Sabotage, USA 2014)


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