Neu im Kino/Filmkritik: „Geostorm“ – ein Katastrophenthriller von Roland-Emmerich-Kumpel Dean Devlin

Oktober 20, 2017

Weil es durch die menschengemachte Erderwärmung zu immer mehr Wetterkatastrophen kommt, installiert die Menschheit in der Erdumlaufbahn ein gigantisches Satellitensystem, das solche Katastrophen verhindern soll. Das von Jake Lawson bis zur letzten Schraube geplante und beim Bau beaufsichtige System kontrolliert inzwischen das Erdklima und das tägliche Wetter und alles ist perfekt…Wenn es in letzter Zeit nicht einige merkwürdige Vorfälle gegeben hätte. In Afghanistan gab es eine Temperaturanomalie, die dazu führte, dass alle Einwohner zu Eisstatuen erstarrten. Auf der Weltraumstation wurde bei einer Fehlfunktion ein Astronaut ins All geschleudert.

Der US-Präsident, der in wenigen Tagen das System der Weltgemeinschaft übergeben möchte, ordnet eine vollständige Untersuchung der Vorfälle an. Am besten für die Aufgabe ist Jake geeignet, der nach seinem Rauswurf aus dem Projekt (er war öfter arg undiplomatisch) in Florida das einsiedlerische Leben eines rauen, aber letztendlich soften Naturburschen mit Bastlerqualitäten lebt.

Er fliegt auf die riesige Raumstation und beginnt den oder die Saboteure zu suchen. Die Spur führt in die höchsten Etagen Washingtons. Und da ist es gut, dass Jakes jüngerer, sich an die Vorschriften haltender Bruder Max, der im Moment auch sein Vorgesetzter ist, mit der Secret-Service-Agentin Sarah Wilson, die den Präsidenten beschützt, liiert ist.

Geostorm“ ist das mehrfach verschobene Regiedebüt von Dean Devlin. Die Dreharbeiten waren von Oktober 2014 bis Februar 2015. Im Dezember 2016 gab es, nach Test Screenings, einen Nachdreh, der 15 Millionen US-Dollar kostete. Weil Devlin keine Zeit hatte, übernahm Danny Cannon („C. S. I.“-Franchise, „Gotham“) die Regie. Als Grund für die hohen Kosten wurden vor allem die hohen Gagen der Schauspieler genannt und die Besetzung ist mit Gerald Butler (als Jake), Jim Sturgess (als Max), Abbie Cornish (als Sarah Wilson), Andy Garcia (als US-Präsident) und Ed Harris (als US-Außenminister) durchaus prominent geraten. Für uns Deutsche gibt es Alexandra Maria Lara als Ute Fassbinder, Leiterin der internationalen Weltraumstation.

Dean Devlin ist ein langjähriger Partner von Roland Emmerich. In Emmerichs „Moon 44“ hatte Devlin eine Nebenrolle. Für Emmerichs nächsten Film „Universal Soldier“ schrieb er das Drehbuch und fungierte als Produzent. Bei „Stargate“, „Independence Day“ und „Godzilla“ behielten sie diese Aufgabenteilung bei und auch bei Emmerichs nächsten Filmen hielt die kommerziell sehr erfolgreiche Partnerschaft an. Zuletzt bei „Independence Day: Wiederkehr“. Daneben stieg Devlin erfolgreich ins TV-Geschäft ein. Die unterhaltsamen Serien „Leverage“ und „The Quest – Die Serie“ (The Librarians) gehen auf sein Konto.

Devlins Co-Autor Paul Guyot war ebenfalls als Produzent und Autor in diese beiden Serien und in die TV-Serie „Für alle Fälle Amy“ involviert.

Salopp könnte man „Geostorm“ daher als Mega-Mash-Up zwischen diesen beiden Welten bezeichnen. Die Katastrophen, die die Saboteure auslösen und die den titelgebenden Geostorm (eine sich rasch steigernde Serie von die Erde zerstörenden Umweltkatastrophen) verursachen sollen, kennt man aus den verschiedenen Emmerich-Katastrophenfilmen. Die Idee, das Wetter aus einem Raumschiff zu beeinflussen, kennen wir von Roland Emmerichs Debütfilm „Das Arche Noah Prinzip“.

Die Tricks schwanken auf der großen Leinwand zwischen überwältigend und solala.

Die Story, die Erzählweise, die Konflikte und auch der leicht humoristische Tonfall stammt dagegen aus der Welt der TV-Serien. Devlin erzählt in „Geostorm“ keine eine dieser typischen Katastrophenfilm-Geschichten, in denen Menschen im Angesicht der Katastrophe ihr wahres Gesicht zeigen, sondern primär einen Verschwörungsthriller, bei dem es um die Frage geht, wer Dutch Boy sabotieren will. Und, ja, ein Blick auf die Besetzungsliste gibt auch einen guten Hinweis auf die Identität des Bösewichts, die erst am Ende enthüllt wird. Wie man es von einem Rätselkrimi kennt.

Geostorm“ ist deshalb, trotz seines Budgets von 120 Millionen Dollar, ein nicht unsympathischer, letztendlich unspektakulärer kleiner Thriller, der seine Katastrophen in schönster Emmerich-Manier über den gesamten Globus verteilt und auf den Emmerich-typischen Patriotismus verzichtet.

Geostorm (Geostorm, USA 2017)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: Dean Devlin, Paul Guyot

mit Gerald Butler, Jim Sturgess, Abbie Cornish, Alexandra Maria Lara, Daniel Wu, Eugenio Derbez, Ed Harris, Andy Garcia, Amr Waked, Adepero Oduye, Talitha Bateman, Richard Schiff, Mare Winningham

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Geostorm“

Metacritic über „Geostorm“

Rotten Tomatoes über „Geostorm“

Wikipedia über „Geostorm“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. Juni: Lachsfischen im Jemen

Juni 24, 2017

ZDFneo, 20.15

Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Simon Beaufoy

LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)

Dr. Alfred Jones, Lachsexperte und Angestellter des englischen Fischereiministeriums, hält die Idee des Scheichs, Lachse im Jemen heimisch zu machen, für absolut hirnverbrannt. Aber viel Geld und der eiserne Wille der Politik, eine dringend benötige positive anglo-amerikanische Geschichte zu produzieren, zwingen Jones dazu, sich dem idiotischen Projekt zu widmen. Außerdem ist der Scheich sehr sympathisch und die Projektleiterin äußerst liebenswert.

„Lachsfischen im Jemen“ ist ein herrliches Feelgood-Movie mit einem ordentlichen Schuss politischer Satire.

mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Catherine Steadman, Tom Mison, Rachael Stirling, Tom Beard

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lachsfischen im Jemen“

Rotten Tomatoes über „Lachsfischen im Jemen“

Wikipedia über „Lachsfischen im Jemen“

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ (Safe Haven, USA 2012)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“ (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Lucy“ terminiert alle

August 14, 2014

Endlich! Nach einigen eher vernachlässigbaren Ausflügen in andere Genres kehrt Luc Besson zum Actionfilm zurück. Mit einer Frau als Protagonistin. Das weckt sofort wohlige Erinnerungen an „Nikita“. Aber auch „Subway“, „Leon, der Profi“, „Das fünfte Element“ und „Johanna von Orleans“ sind nicht weit. Immerhin hatte Besson nie Probleme mit starken Frauen.

Aber beim Drehbuch, das er im Alleingang schrieb, beschränkte er sich auf die Qualität seiner Drehbücher der letzten Jahre, die normalerweise auf einen feuchten Bierdeckel passen.

Deshalb ist „Lucy“ mit Scarlett Johansson als Heldin im Terminator-Modus eine bestenfalls halbgare bis idiotische Angelegenheit. Nach dem flotten Anfang wird der Film nämlich ziemlich schnell ärgerlich unglaubwürdig und mündet in Paris in ein Finale, bei dem Besson wohl vollkommen die Lust an seiner Idee verloren hat. Stattdessen stellt er mit einer Scheißegal-Haltung die Plotlöcher, Unglaubwürdigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten innerhalb der eh schon kruden Geschichte aus und hofft, dass die Zuschauer dank der gut inszenierten Action und der Anwesenheit von „The World’s Sexiest Body“ Scarlett Johansson aufhören nachzudenken. Nun, es funktioniert nach dem ersten Drittel nur bedingt und gegen Ende überhaupt nicht mehr.

Dabei ist die Ausgangsfrage „Was wäre, wenn du anstatt zehn Prozent deiner Gehirnkapazität hundert Prozent nutzen könntest?“ eine interessante Science-Fiction-Frage. Zuletzt vergrößerte Johnny Depp in dem interessant gescheiterten Science-Fiction-Film „Transcendence“ sein Gehirn, indem er es vor seinem Tod in einen Computer kopierte und größenwahnsinnige Machtphantasien entwickelte. Besson geht allerdings nicht den Weg des intellektuellen Science-Fiction-Films, sondern des Action-Thriller mit leichter Science-Fiction-Beilage.

Der Anfang von „Lucy“ ist furios. Bester Besson. Lucy steht mit ihrer halbseidenen Urlaubsbekanntschaft vor einem Nobelhotel in Taipeh. Er versucht sie zu überzeugen, dass sie für ihn einen Koffer im Hotel abgeben soll. Während des Gesprächs sehen wir kurze Rückblenden zu gemeinsamen Partynächten und kommentierende Bilder aus dem Tierreich. Die Bilder sind Lucys Gedanken zu dem Spruch ihres Freundes, dass ihr nichts geschehen werde: eine Meute Raubtiere, die sich ihrer Beute nähern. Und die nette Lucy sieht sich nicht als das Raubtier.

Nachdem ihr Freund sie an den Aktenkoffer kettet, tut sie es doch. Als sie in der Lobby steht, wird ihr Freund erschossen. Sie wird von einer Gruppe Bodyguards abgeholt und in ein Hotelzimmer gebracht, wo sie in eine höchst seltsame Verhandlung mit dem Gangster Mr. Jang (Choi Min-sik) verwickelt wird. Er hat gerade in einem Nebenzimmer jemanden sehr blutig umgebracht. Er kann kein Englisch, weshalb ein Übersetzer per Telefon übersetzt, dass sie den Koffer öffnen soll, nachdem Mr. Jang und seine Bodyguards in Deckung gehen. In dem Koffer ist dann doch keine Bombe, sondern die erwarteten Päckchen mit blauem Granulat. Zur Qualitätskontrolle werden sie an einem Junkie ausprobiert, der von der synthetischen Droge auf einen höllischen Trip kommt, ehe er stirbt. Mr. Jang ist zufrieden und Lucy, die jetzt auch mit etwas Blut besudelt ist, erfährt, dass sie zu einer kleinen Gruppe Auserwählter gehört, die diese Drogen nach Europa bringen sollen.

Als sie später in einer Gefängniszelle wach wird, bemerkt sie eine Wunde im Bauchbereich und wehrt sich gegen einen Wärter, der sie vergewaltigen will. Er schlägt sie, die Droge, die sie päckchenweise in ihrem Bauch hatte, gelangt in ihren Körper. Aber sie stirbt nicht. Ihr Körper nimmt die Droge an. Ihre Gehirnleistung verbessert sich rapide, während ihre Lebenserwartung genauso rapide sinkt. Die der Bösewichter ebenfalls.

Und ungefähr hier, nach dem ersten Drittel, wird „Lucy“ zu einem beliebigen Thriller, der zunehmend spannungsfrei verschiedene bekannte Szenen und Handlungsabläufe sinnfrei zusammenkloppt. Lucy begibt sich auf einen Rachefeldzug. Sie sucht die Männer, die ihr das antaten. Dabei tötet sie jeden, der sich ihr in den Weg stellt. Manchmal mit, manchmal ohne die Superkräfte, mit denen sie ihre nähere und weitere Umwelt beeinflussen kann. Sie darf Super-Schnell durch Paris fahren, weil zu einem Luc-Besson-Film halt eine Autoverfolgungsjagd gehört. Gerne in der Stadt mit dem Eiffelturm. Und natürlich gibt es einige Ballereien und Kloppereien.

Gleichzeitig will sie herausfinden, was mit ihr geschieht, weshalb sie den gerade in Paris dozierenden Professor Norman kontaktiert. Dieser kluge Wissenschaftler wird von Morgan Freeman gespielt, der auch in „Transcendence“ dabei war. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen „Transcendence“ und der  an der US-Kinokasse erfolgreichen pseudo-philosophischen Action-Klamotte „Lucy“ auch auf.

Lucy - Plakat

 

Lucy (Lucy, Frankreich 2014)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson

mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Amr Waked, Choi Min-sik

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

 

Englische Homepage zum Film 

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lucy“

Moviepilot über „Lucy“

Metacritic über „Lucy“

Rotten Tomatoes über „Lucy“

Wikipedia über „Lucy“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)


TV-Tipp für den 14. August: Lachsfischen im Jemen

August 14, 2014

ZDF, 22.55

Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Simon Beaufoy

LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)

Dr. Alfred Jones, Lachsexperte und Angestellter des englischen Fischereiministeriums, hält die Idee des Scheichs, Lachse im Jemen heimisch zu machen, für absolut hirnverbrannt. Aber viel Geld und der eiserne Wille der Politik, eine dringend benötige positive anglo-amerikanische Geschichte zu produzieren, zwingen Jones dazu, sich dem idiotischen Projekt zu widmen. Außerdem ist der Scheich sehr sympathisch und die Projektleiterin äußerst liebenswert.

Lachsfischen im Jemen“ ist ein herrliches Feelgood-Movie mit einem ordentlichen Schuss politischer Satire.

Kommenden Donnerstag läuft Lasse Hallströms neuer Film „Madame Mallory und der Duft von Curry“ mit der großartigen Helen Mirren an. Wieder ein herrliches Feelgood-Movie.

mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Catherine Steadman, Tom Mison, Rachael Stirling, Tom Beard

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lachsfischen im Jemen“

Rotten Tomatoes über „Lachsfischen im Jemen“

Wikipedia über „Lachsfischen im Jemen“

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ (Safe Haven, USA 2012)


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